...mit gelegentlichen Abstechern nach Nordenham bzw. Butjadingen! Brainstorming für eine christliche Graswurzelrevolution - von Kneipenapostolat bis Punkpastoral, von "Benedict Option" bis Dorothy Day (und zurück). Nicht Sandsäcke auftürmen, sondern eine Arche bauen. Politik wird uns nicht retten.
Gesamtzahl der Seitenaufrufe
Dienstag, 17. November 2020
Ernsthafte Frage an Experten für die Verteidigung gegen die Dunklen Künste
Montag, 12. Oktober 2020
Gott, ich danke dir, dass ich nicht bin wie diese Hausbesetzer
Aus diesem Grund habe ich anlässlich des großen öffentlichen Interesses an der Räumung der Liebig34 ein bisschen in meinem Blog-Archiv gekramt und dabei neben diesem, diesem und diesem Artikel auch ein unveröffentlichtes Fragment wiedergefunden, das ich vor über vier Jahren, im Sommer 2016, geschrieben bzw. zu schreiben begonnen hatte. Es ist wirklich sehr fragmentarisch, es bricht praktisch schon ab, bevor ersichtlich wird, worauf ich eigentlich hinaus will. (Kritische Leser mögen an dieser Stelle anmerken, es komme bei mir öfter vor, dass das bis zum Schluss nicht ersichtlich werde. Danke für die konstruktive Kritik, gerngeschehen, Ihr mich auch.) Der Punkt ist, kurze Zeit später ging ich auf den Jakobsweg und hatte folglich erst mal eine Menge andere Dinge im Kopf, und irgendwie bin ich danach nie mehr dazu gekommen, den Entwurf weiterzubearbeiten.
Bis jetzt.
Ich schrieb seinerzeit:
Letzten Montag habe ich gegen Mittag einen kleinen Spaziergangs durchs Gefahrengebiet unternommen - durch die Rigaer Straße in Berlin-Friedrichshain, wo seit einigen Monaten der Konflikt zwischen Hausbesetzern und der Staatsgewalt eskaliert. Vorläufiger Höhepunkt dieser Eskalation war eine Demonstration am Abend des 9. Juli, aus der heraus bzw. in deren Umfeld es zu schweren Ausschreitungen kam - der offizielle Polizeibericht spricht davon, "dass es sich um die aggressivste und gewalttätigste Demonstration der zurückliegenden fünf Jahre in Berlin handelte".
![]() |
| Solidaritätsparolen an der Rigaer 78: "Regierung schafft keine Ordnung, nur Unterordnung" (Foto von Juli 2016) |
Diese Ausschreitungen lagen erst eineinhalb Tage zurück, als ich dort entlangspazierte, aber ich war zu Recht davon ausgegangen, dass es am helllichten Mittag ungefährlich genug sein würde im "Gefahrengebiet". Eine große Expedition war es für mich auch nicht, denn ich wohne - bislang noch - nicht allzu weit von dort, wenn auch nicht in unmittelbarer Nachbarschaft. In dem einen oder anderen der besetzten oder ehemals besetzten Häuser der Rigaer Straße bin ich auch gelegentlich mal zu Gast gewesen - bei der veganen VoKü im Fischladen (Rigaer 83), im Filmrisz-Kino (Rigaer 103) und auch mal bei einem oder zwei Punkkonzerten in einem Keller; in welchem Haus genau das war, habe ich vergessen. Das ist alles schon ein paar Jahre her, aber ich denke durchaus mit Sympathie daran zurück.
![]() |
| Bildet Banden! |
Freitag, 18. Oktober 2019
Moloch Berlin: Pro femina droht Verbot
![]() |
| Symbolbild: Landesparteitag der Berliner SPD (Quelle: Wikimedia Commons) |
Dienstag, 30. Juli 2019
Kirche wozu? Oder: Lagerdenken gibt's nur bei den anderen! (Teil 1)
Wenn ich für die derzeitige innerkirchliche Polarisierung hier ausschließlich Beispiele von einer Seite gewählt habe, sehe ich das als ein Stück ausgleichende Gerechtigkeit angesichts des Umstands, dass die breite Öffentlichkeit von der anderen Seite ohnehin nichts anderes erwartet. Aber Spaß beiseite: Wie tief gespalten die katholische Kirche, aber auch darüber hinaus die ganze Christenheit hierzulande ist - wobei es oft den Anschein hat, dass die tiefsten Gräben quer durch die Konfessionsgrenzen verlaufen statt entlang dieser -, zeigt sich in jüngster Zeit vielleicht mit zunehmender Deutlichkeit und Dramatik, aber sehen konnte man es schon länger, wenn man nur hinschauen wollte. Ein Schlüsselerlebnis in dieser Hinsicht war für mich persönlich die Vorstellung des Mission Manifest Anfang 2018, oder genauer gesagt die Reaktionen darauf -- insbesondere die negativen. Darüber wollte ich schon lange mal was schreiben.
![]() |
| Lagerbildung, wie ich sie mag. (Bildquelle: Flickr) |
Tja. Werch ein Illtum.
Noch eher vorhersehbar waren die einander gegenseitig auskonternden Reaktionen traditionell-konservativer Katholiken, denen das Manifest nicht katholisch genug war, und fundamentalistischer Evangelikaler, denen es zu katholisch war. Aber das war noch gar nichts gegen die Mischung aus Verachtung und blanker Panik, die die Reaktionen aus dem progressiv-relativistischen Lager prägte. Eine übersichtliche Zusammenschau derartiger Reaktionen hat seinerzeit das Zentralorgan der im Sitzen pinkelnden Föhnfrisurträger, otherwise known as "Die Eule", geliefert. Die gängigsten Vorwürfe in Stichworten: Das Mission Manifest sei von einem fundamentalistischen Glaubensverständnis geprägt; das Konzept von "Mission", das in den Thesen zum Ausdruck komme, sei bevormundend gegenüber Nicht- und Andersgläubigen; und außerdem seien die Initiatoren lauter Männer. Schlimm.
Ach ja, Detlef Pollack. Der Münsteraner Religionssoziologe, der sowohl den Rat der EKD als auch die Deutsche Bischofskonferenz berät und zu dessen Glanzleistungen die Forderung gehört, Gottesdienste müssten kurz sein - auf jeden Fall kürzer als eine Stunde -, weil die Leut' am Sonntag schließlich auch noch was anderes vorhätten als in die Kirche zu gehen. Pollacks Dauerbrennerthema ist jedoch die Feststellung, dass gerade die distanzierten Kirchenmitglieder - bzw. deren Geld - eine unverzichtbare Ressource für den Erhalt der institutionellen Strukturen der Großkirchen darstellen. Die daraus recht plausibel ableitbare Forderung, die Kirchen müssten sich gerade um diese Zielgruppe besonders bemühen, bedeutet für Pollack jedoch nicht, dass man versuchen sollte, die Distanzierten aus ihrer Distanziertheit herauszuholen; im Gegenteil, die sollen mal schön bleiben, wo sie sind, denn gerade so nützen sie - dem automatischen Kirchensteuereinzug sei Dank - den Kirchen am meisten. Ein ausgeprägtes religiöses Profil zu zeigen, ist viel zu riskant: Damit liefe man Gefahr, die weniger religiös interessierten Mitglieder zu verschrecken; genau das können die Kirchen sich nicht leisten; daher fahren sie besser damit, möglichst wenig Profil zu zeigen.
Ich muss mich selbst immer wieder ermahnen, zu bedenken, dass eine solche Sichtweise nicht zwangsläufig zynisch ist -- dass daraus nicht allein das Kalkül von "Strukturbesatzern" spricht, deren Loyalität zur Institution Kirche im Wesentlichen darin besteht, ihren Job und das Gehalt, das sie dafür beziehen, zu verteidigen. Nein, es gibt im "liberalen" oder "progressiven" institutionellen Apparat der Kirche sicherlich nicht wenige Leute, die ganz aufrichtig davon überzeugt sind, dass die Kirche als zuvilgesellschaftliche Institution gute, wichtige und gesellschaftlich notwendige Arbeit leiste und dass sie, um diese Arbeit leisten zu können, eben eine große Mitgliederbasis (und viel Geld) benötige. Nur dieser ganze "Glaubenskram", der ist eher hinderlich, weil sich davon eben nur eine Minderheit der Mitgliederbasis ansprechen lässt.
Jemand, der dieser Auffassung widerspricht, ist überraschenderweise Erik Flügge. So gern er sich über handelsübliche Methoden "milieusensibler Pastoral" lustig macht und etwa erklärt, es bringe nichts, Gottesdienste für ein Publikum zu konzipieren, das sich nicht für Gottesdienste interessiert, beharrt er andererseits darauf, die Kirche dürfe nicht den Anspruch aufgeben, "ihre Mitglieder auch religiös erreichen zu wollen", andernfalls könne sie "nicht dauerhaft bestehen". -- Darüber, wie die Kirche die Menschen "religiös erreichen" kann und soll, hat Flügge indes offenkundig erheblich andere Vorstellungen als etwa die Initiatoren des Mission Manifest. Die Kirche sieht er weniger in der Rolle der Trägerin und Botin einer göttlichen Offenbarung, sondern eher als Dienstleisterin für die religiösen Bedürfnisse ihrer Mitglieder, und der geringe Grad der Mitgliederbindung in den Großkirchen zeigt laut Flügge, dass diese erst wieder neu lernen müssen, was die religiösen Bedürfnisse ihrer Mitglieder eigentlich sind, um sich dann darauf einzustellen.
Wirklich frappierend finde ich es indes, dass es Kritiker Flügges gibt, denen diese Sichtweise immer noch zu religiös ist. Norbert Bauer zum Beispiel, einstmals Pastoralreferent in Köln, jetzt daselbst Leiter der Karl-Rahner-Akademie. In einem Beitrag für das Magazin futur2 attestiert er Flügge einen "Abwertungsjargon", weil er "wie die Glaubenskongregation überall Glaubensdefizite diagnostiziert"; er tadelt Flügge dafür, dass er sich ausdrücklich nicht für die Dauerbrennerthemen des kirchlichen "Reform"-Diskurses (z.B. Frauenweihe) interessiert und meint, mit solchen Debatten wollten "Liberale und Konservative nur ihre Zielgruppen befriedigen"; ja, schließlich wirft er Flügge vor, dieser wolle eine Kirche, die "sich nur noch als Glaubensgemeinschaft definiert und den daraus folgenden Anspruch als Dienstleister für die Gesellschaft und für ihre Mitglieder aufgibt".
Soweit, so bizarr; aber ich will mich hier nicht in Details verzetteln. Belassen wir es bei der Feststellung, dass es irgendwo da draußen, in "theologischen Feuilletons", an Hochschulen, in kirchlichen Gremien und pastoraltheologischen "Think Tanks", einen Diskurs gibt, in dem es bereits als anrüchig gilt, sich zu der Auffassung zu bekennen, eine zentrale Aufgabe der Kirche sei Glaubensverkündigung. Wenn man damit dann auch noch einen überindividuell verbindlichen, in seiner Substanz unverfügbar vorgegebenen Glauben meint, dann ist man, bevor man von Reizthemen wie Weihepriestertum, Zölibat, Rolle der Frau, Interkommunion oder Segnung gleichgeschlechtlicher Paare auch nur angefangen hat, bereits als Reaktionär, als Fundi, als "vorkonziliar" abgestempelt. Oder mindestens, allermindestens als "konservativ". Eine Bezeichnung, mit der ich mich schwer tue -- jedenfalls damit, sie auf mich selbst zu beziehen.
Sicherlich könnte ich mich lang und breit über unterschiedliche Definitionen von "konservativ" auslassen, von denen ich manche besser und andere schlechter mit meinem eigenen Standpunkt in Einklang bringen könnte; aber das spare ich mir an dieser Stelle lieber, denn ich muss ohnehin schon zusehen, dass dieser Artikel nicht zu sehr ausufert. Ich halte solche Erörterungen hier auch für verzichtbar, und das aus (mindestens) zwei Gründen. Zum einen kommt mir immer mal wieder der Verdacht, die Etikettierung bestimmter Positionen als "konservativ" verfolge ohnehin nur die Absicht, diese zu delegitimieren. Das funktioniert deshalb, weil in weiten Teilen des gesellschaftlichen Diskurses "konservativ" als negativ konnotierter Begriff wahrgenommen wird; das ist die logische Kehrseite eines ungebrochen positiv konnotierten Verständnisses von "Fortschritt". "Konservativ" gilt als gleichbedeutend mit "oll". Das ist mir neulich mal wieder aufgefallen, als ich mich beim "Klönschnack" in der OASE Tossens mit einem emeritierten Pfarrer aus dem westfälischen Teil des Bistums Münster unterhielt. Als das Gespräch darauf kam, dass ich für die Tagespost schreibe, wandte er an, diese Zeitung gelte doch als "ziemlich konservativ". So wie er das sagte, hielt er das offensichtlich für etwas Schlechtes. -- Zum zweiten (und wenn ich es recht bedenke, hängt das wohl einigermaßen eng mit dem erstgenannten Punkt zusammen) betrachte ich das Etikett "konservativ" nicht so sehr aufgrund bestimmter Begriffsdefinitionen als einen Schuh, der mir nicht passt, sondern vor allem aufgrund bestimmter assoziativer Vorstellungen, die sich nicht-nur-aber-auch für mich an diese Bezeichnung knüpfen. Nämlich vor allem die Vorstellung, konservativ sei jemand, der möchte, dass alles so bleibt, wie es schon immer war, WEIL es schon immer so war. Ich möchte behaupten, genau diese Motivation unterstellen "Progressive" den von ihnen als "konservativ" Eingeordneten permanent; da ist es dann nur noch ein kleiner Schritt dazu, die Haltung des vermeintlich oder tatsächlich Konservativen wahlweise mit Dummheit, Faulheit oder Angst, namentlich Angst vor Veränderung, in Verbindung zu bringen,
Tatsächlich habe ich mit einem Konservatismus, für den das Althergebrachte und Gewohnte prinzipiell identisch mit dem Guten und Wahren ist, ebenso wenig am Hut wie mit einem Fortschrittsbegriff, der jede Neuerung, einzig aufgrund ihrer Neuheit, für eine Verbesserung hält. Das betrifft alle möglichen Lebensbereiche, aber bleiben wir hier mal beim religiösen Bereich. -- Ich habe schon gelegentlich mal erwähnt, dass ich die "erste Fundi-Phase" meiner an Irrungen und Wirrungen nicht armen Glaubensbiographie im Alter von ca. 14-16 Jahren hatte, und ich erinnere mich, dass ich damals eines Tages einen skizzenhaften Essay über verschiedene Fraktionen innerhalb der Kirche, so wie ich sie wahrnahm, in mein Tagebuch kritzelte. Ich hoffe, ich finde den Text mal wieder, aber die Grundzüge habe ich noch ganz gut im Gedächtnis. Ich unterschied seinerzeit nämlich nicht zwei, sondern drei innerkirchliche Lager, die ich die "Alteingesessenen", die "Liberalen" und die "Radikalen" nannte. Mich selbst ordnete ich natürlich ins "radikale" Lager ein, was sonst. Der entscheidende Punkt bei diesem sozusagen "dreipoligen" Modell war jedenfalls, dass ich die religiöse Praxis der "Alteingesessenen" - die ich idealtypisch in meiner Oma, ein paar angeheirateten Tanten und anderen alten Damen aus Schlesien verkörpert sah - als ebenso im Widerspruch zu meinen Vorstellungen von "radikalem Christsein" stehend betrachtete wie den verweltlichten Moralismus der "Liberalen". Heute würde ich über die "schlesische Oma-Fraktion" sicher milder urteilen; schon allein, weil ich bestimmte traditionell katholische Frömmigkeitsformen, die mir damals suspekt waren - weil man mich in meiner Kindheit und Jugend nicht an sie "herangeführt" hatte, wohl in der Annahme, sie seien nicht mehr "zeitgemäß", und weil ich mitreißende Begeisterung für Christus eher in evangelikalen Kreisen kennengelernt hatte -, inzwischen schätzen, ja lieben gelernt habe. Also beispielsweise den Rosenkranz oder das Knien vor dem Allerheiligsten. Aber auch wenn ich in meiner teenagertypischen Arroganz allzu voreilig davon überzeugt war, dass die formalisierte, rituelle Frömmigkeit der alten Schlesierinnen lediglich die Fassade vor einer gähnenden geistlichen Leere sei, würde ich dennoch sagen, dass meine damals entworfene Einteilung nicht gänzlich falsch war.
Ich finde, das ist ein guter Cliffhanger. Fortsetzung folgt!
Mittwoch, 29. Mai 2019
Religionsunterricht und Pyrokinese
"Wie schön, sich vorzustellen, dass Jesus die Macht hatte, diesen Mann von seinen Leiden zu erlösen, seine Ohren zu heilen, ihn hörend und sprechend zu machen!"Na fein: Wenn es nicht wahr ist, dann ist es doch immerhin schön, es sich vorzustellen, und das ist schließlich alles, worauf es letztlich ankommt, nicht wahr? -- Aber nein, nicht ganz:
"[D]ann überlegen wir [...]: Wovor haben wir schon einmal unsere Ohren verschlossen? Was können wir nicht mehr hören? [...] Die Kinder reflektieren, dass auch sie schon einmal 'taub' für etwas waren. Ging es dem Taubstummen aus der Bibel vielleicht genauso? Ist er taub für seine Mitmenschen geworden? Hat er gemerkt, dass es ihm nicht gut damit geht? War es das, was ihn gequält hat?"Ächz bzw. gähn. Damit aber nicht genug:
"Der für mich spannendste Teil der Stunde kommt jetzt. Ich frage die Schüler [...], an welche der beiden Varianten man denn jetzt glauben soll: Jesus, der einen medizinisch Kranken wieder gesund macht, oder Jesus, der einen in sich gekehrten, verschlossenen, selbstbezogenen und einsamen Menschen heilt? Von der Toleranz der Kinderantworten kann sich jeder Erwachsene eine Scheibe abschneiden: Beides ist okay!"
"ein Beispiel für die religionspädagogische Schutzimpfung gegen das Christentum, mit der die letzten zwei Generationen in D geimpft wurden. Als Christentum verpackter Unglaube. Und dann das Wehklagen über Relevanzverlust?"
Mittwoch, 27. März 2019
Von Küstern und Buchsbaumzünslern
"Für unseren Standort Allerheiligen suchen wir ab Ende April drei zuverlässige Gemeindemitglieder, die abwechselnd ehrenamtlich den Küsterdienst übernehmen. Selbstverständlich gibt es eine Einführung in den Dienst. Sollte sich niemand finden, können wir den Sonntagsgottesdienst nicht mehr gewährleisten."
"Ob am Palmsonntag Buchsbaumzweige und Weidenkätzchen von der Pfarrei bereit gestellt werden, können wir aufgrund der fortgeschrittenen Jahreszeit und vermehrt aufgetretener Pflanzenkrankheiten noch nicht zusagen, Wer sich selbst etwas besorgten kann, möge dies im Blick behalten."
![]() |
| Buchsbaumzünsler-Raupe bei Verzehr eines Buchsbaumsblattes (gemeinfrei, Bildquelle hier) |
Mittwoch, 13. März 2019
Der seltsame Fall der eingekerkerten Nonne, Teil 14
![]() |
| Die Verzückung der Hl. Theresa, Skulptur von Gian Lorenzo Bernini, Rom, Santa Maria della Vittoria. (Bildquelle: Wikimedia Commons, Urheber: Dnalor_01, Lizenz: CC-BY-SA 3.0) |
"Die Reformation […] war […] durch den stillen Wald geschritten und hatte mit gewaltigem Finger über die Mauern des dunkeln Hauses gestreift […]. Und siehe da, […] ein Stein nach dem andern rollte herab neben die alten Eichenstämme, deren Wipfel ihn einst als zierlich gemeißelten Fenstersims oder als stattliches Glied der Mauer berührt hatten, und die nun jahraus, jahrein ihr Laub auf ihn streuten, bis er versank, weicher gebettet, als die Nonnenleichen da drunten".
"Die Vertheidiger der Möncherei machen geltend, daß unsere Zeit Alles, was sie hat, nur den Mönchen verdanke. Sie erhielten und pflegten Kunst und Wissenschaften. Dieses Verdienst wollen wir ihnen, besonders den Benediktinern, nicht schmälern, weil es ihnen in Wahrheit gebührt. Für die Hinterwälder Amerikas und das Innere Afrikas könnten die Klöster sich noch jetzt ungeheure Verdienste erringen, wenn sie es nicht vorzögen, statt dessen gutes Bier zu brauen. Für unsere Tage aber sind sie nutzlos geworden." (S. 761)
"Die Folgen des Cölibats zeigen sich bei den Mönchen auf eine noch widerlichere Weise als bei den Weltgeistlichen, die durch ihren Verkehr mit den Menschen dasselbe eher umgehen können. Das ascetische Leben, die schwächende Diät und der häufige Genuß der Fische wie auch das Geißeln trugen sehr viel dazu bei, den 'Fleischesteufel' [...] aufzureizen. Die in den Klöstern herrschende Sittenlosigkeit übertrifft die kühnste Phantasie." (S. 767f.)
"Kinder waren die Schattenseite des Nonnenlebens, aber die frommen Vcstalinnen wußten sich zu helfen. Das Mittel war sehr einfach, sie brachten die Kinder um. Bei Abbrechung des Klosters Mariakron fand man in den heimlichen Gemächern und sonst — Kinderköpfe, auch ganze Körperlein versteckt und vergraben.
Bischof Ulrich von Augsburg erzählt, daß Papst Gregor I., der auch für das Cölibat sehr eingenommen gewesen, davon zurückgekommen sei, als einst aus einem Klosterteiche 6,000 Kinderköpfe herausgefischt wurden." (S. 768)
"So warf der berühmte Kirchenvater Tertullian der Jungfrau Maria vor, daß sie nicht an Christum geglaubt habe, Origines und der hl. Basilius beschuldigen sie unheiliger Zweifel bei den Leiden ihres Sohnes, und der große heil. Chrysostomus hält sie des Selbstmordes für fähig, indem er erzählt, daß der Engel ihr die Empfängniß früher verkündet, als sie ihre Schwangerschaft bemerkte, weil sie sonst bei der plötzlichen Entdeckung leicht aus Scham ihrem Leben ein Ende hätte machen können." (ebd.)
"Im Vorbeigehen [...] streckte ein kleines Mädchen die Hände nach Barbara aus und schrie laut genug, um von Jedermann gehört zu werden: — Ich will nicht, nein, ich will nicht, daß die Tante ins Kloster gehe! Diese Kinderstimme zog die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Es war die Stimme der Unschuld, die sich gegen die Unnatürlichkeit des Klosters auflehnte.” (S. 792)
"Als Barbara die Gelübde aussprach, stockte sie aus Beklommenheit ein wenig. Im nämlichen Augenblicke entglitt einer der Nonnen die brennende Kerze, die sie in ihren Händen hielt, fiel auf den Boden und erlöschte.
Seltsames Vorzeichen!" (S. 796)







