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Samstag, 30. Mai 2026

Utopie und Alltag 27: Mut zur Lücke!

Schon ein paarmal, o Leser, habe ich in der Geschichte meines Blogs ein Zitat aus dem Roman "Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman" von Lawrence Sterne gebracht, wo der Titelheld und Ich-Erzähler versucht, seine Autobiographie zu schreiben, und dabei klagt: "The more I write, the more I shall have to write!". Und im Moment geht's mir mal wieder so. Die Liste der Themen, über die ich schreiben will – sei es im Rahmen der Reihe Utopie und Alltag oder außerhalb davon – wird immer länger, immer wieder sage ich mir "Nächste Woche komme ich aber bestimmt dazu!", und dann ist plötzlich schon wieder eine Woche rum. Auch in der zurückliegenden Woche bin ich, wie ich gestehen muss, wieder nicht annähernd so produktiv gewesen, wie ich mir das vorgestellt oder gewünscht hätte – und das liegt nicht nur daran, dass meine Liebste, während dieses Wochenbriefing online geht, als Helferin beim Alpha-Kurs-Wochenende in Falkensee eingespannt ist und darum nicht der Familie zur Verfügung steht; auch das lange Pfingstwochenende hatte seinen Anteil daran, dazu kamen die Vorbereitungen für die KiTa-Reise des Jüngsten und gesundheitliche Unpässlichkeiten bei mehreren Familienmitgliedern. Meine Ankündigung von vor einer Woche, ich wolle mich mal wieder "um Themen wie meine Ausbildung zum Gemeindereferenten, die Religiöse Kinderfreizeit und die 'Guerilla-Urlauberseelsorge' in Butjadingen" kümmern, habe ich bei alledem nur in sehr eingeschränktem Maße verwirklichen können. Zur RKF kann ich immerhin ein paar Überlegungen vorstellen, die ich im Wesentlichen bereits erarbeitet habe, als ich am Himmelfahrtswochende "sturmfrei" hatte; Updates zu den beiden anderen genannten Themen werden hingegen mindestens noch eine weitere Woche warten müssen. Zu berichten gibt's aus der vergangenen Woche aber auch so einiges... Sieh selbst, o Leser! 

Gute Message, gesehen nahe der Frankfurter Allee in Berlin-Lichtenberg. 


Auf dem christlichen Hüpfburgenfest 

Am vergangenen Samstag machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zum Stadtpark Lichtenberg, wo das Kinderprogramm eines freikirchlichen Evangelisierungs-Events namens "City of Light" stattfand. Vor gut eineinhalb Jahren, im September 2024, waren wir da auch schon mal gewesen, allerdings hatte ich das auf meinem Blog nur beiläufig (und obendrein mit Verspätung) erwähnt und die Ankündigung, darauf noch ausführlicher zurückzukommen, uneingelöst gelassen. Dass wir diesmal erneut mit von der Partie waren, war hauptsächlich dadurch veranlasst, dass – man höre und staune – eine Mitarbeiterin der Schule unseres Tochterkindes uns die Veranstaltung empfohlen hatte. Das ist eigentlich eine Geschichte für sich, da komme ich vielleicht an anderer Stelle noch drauf zurück. 


Meine Erinnerungen an das City of Light-Kinderprogramm von 2024 war in Ermangelung schriftlicher Aufzeichnungen eher lückenhaft, aber hängen geblieben war bei mir der Eindruck, dass die Veranstalter nicht mit so viel Publikum gerechnet hatten, wie dann tatsächlich kam, und das Team infolgedessen etwas überfordert mit dem Andrang war. Daraus hatte man nun offenbar gelernt, denn schon auf den ersten Blick sah die Veranstaltung ein paar Nummern größer aus, als ich sie in Erinnerung hatte. Das schlug sich schon allein darin nieder, dass es auf dem Festgelände nicht eine oder zwei, sondern fünf Hüpfburgen gab. Darüber hinaus gab's Kinderschminken, Geschicklichkeitsspiele wie "Luftballon-Dart", einen Stand, an dem man sich Luftballontiere basteln lassen konnte, und eine "Snackstation" mit Zuckerwatte, Popcorn und Getränken – alles gratis. (Ab Mittag kam auch noch ein Würstchengrill dazu.) Ein wesentlicher Bestandteil des Events war ein Van mit der Aufschrift "Kidsfest Kinderkirche", an dessen offene Seitentür eine Bühne angebaut war. 


Bible-Män hat einen Bibelvers mitgebracht. 

Der Programmablauf sah vor, dass es immer abwechselnd eine Stunde freie Spielzeit und eine halbe Stunde Bühnenprogramm geben sollte; während des Bühnenprogramms, das seinerseits aus Spielen, Musik und einer katechetischen Darbietung bestand, hatten die Hüpfburgen und sonstigen Stände, einschließlich der "Snackstation", Pause. Zur ersten Runde des Bühnenprogramms versammelten sich schätzungsweise 70 Kinder im Vor- und Grundschulalter vor der Bühne, bei der zweiten waren es schon um die 90. Einige der Spiele, die im Rahmen des Bühnenprogramms vorgeführt bzw. zusammen mit dem Publikum gespielt wurden, gefielen mir recht gut, und ich überlegte, ob man sie beispielsweise für die RKF verwenden könnte; was die katechetischen Elemente anging, stand im Mittelpunkt des ersten Programmblocks eine Geschichte aus Max Lucados Buch "Du bist einmalig", die ich schon vom JAM her kannte, und im zweiten Block gab es eine Pantomime zum Thema Sünde und Vergebung. 

Jesus schenkt Friede, Freude und Liebe, nicht jedoch Eierkuchen. 

Es hätte noch zwei weitere Programmblöcke gegeben, aber so lange blieben wir nicht, da die Kinder am Nachmittag noch eine Spielverabredung hatten. – Bekannte trafen wir übrigens nicht, was vielleicht gar nicht so überraschend ist, wenn man bedenkt, dass das Event in einer ganz anderen Ecke Berlins stattfand als der, in der wir uns sonst überwiegend bewegen. Aber irgendwie hatte ich doch damit gerechnet, beispielsweise jemanden von der EFG The Rock Christuskirche oder der Gemeinde auf dem Weg zu treffen. Da kann man jetzt natürlich sagen, das Ausbleiben solcher Begegnungen zeigt, dass – anders als man manchmal denken könnte – die christliche Szene in Berlin doch nicht so überschaubar ist, dass da jeder jeden kennt und man überall dieselben Leute trifft. 

Nebenbei sei erwähnt, dass der Schauplatz dieses Fests weniger als einen Kilometer von der katholischen Kirche St. Mauritius entfernt lag. Ich sag mal: Wenn ich da Gemeindereferent wäre, würde ich gerne mal mit den Veranstaltern Möglichkeiten einer Kooperation sondieren, mindestens aber in "meiner" Gemeinde für das Event werben und mit dem Erstkommunionkurs dort hingehen. ("Und wenn, wie in diesem Jahr, die Erstkommunion dann schon vorbei ist?" – "Dann erst recht!") Na, kann ja noch kommen, wer weiß... 


Ein besonderes Pfingsten 

Am Pfingstsonntag gingen wir in St. Joseph Siemensstadt in die Messe, wo – wie am Sonntag zuvor bereits angekündigt worden war – eine Jugendliche und vier junge Erwachsene getauft wurden und eine weitere junge Erwachsene konvertierte. "Wenn ihr heute hier seid, dann, weil der Heilige Geist existiert", begrüßte der Pfarrvikar diese jungen Leute zu Beginn der Messe. "Dies ist ein besonderes Pfingsten: Es ist ein Moment, wo der Heilige Geist die Herzen der Menschen berührt, euch berührt hat, und ihr habt eine Antwort der Liebe gegeben." 

Da es sich in jüngster Zeit als vorteilhaft erwiesen hatte, dass unsere Kinder in der Kirche etwas Abstand voneinander haben, setzte sich meine Liebste mit unserem Jüngsten in eine Bank und ich mich mit dem Tochterkind in eine andere; da unsere Große gern möglichst weit nach vorne wollte und ich das auch guthieß, nahmen wir unmittelbar hinter der letzten der für Familien und Freunde der Täuflinge reservierten Bankreihen Platz – und bekamen dadurch mit, wie eine junge Frau, die in dieser Messe getauft und gefirmt wurde, ihren Angehörigen freudestrahlend mitteilte, eine Bekannte – Arbeitskollegin oder so –, die sie zwar eingeladen, aber eigentlich nicht erwartet hatte, dass sie kommen würde, sei nun doch da. Auch ohne irgend etwas über die Hintergründe zu wissen, fand ich diese Freude ausgesprochen anrührend; ebenso auch, dass dieselbe junge Frau im nächsten Moment jemanden, der noch eine Reihe weiter vorn saß, daran erinnerte, ihrer Oma den Link zum Livestream zu schicken. 

Insgesamt hatte es den Anschein, dass in den reservierten Bänken überwiegend ein eher kirchenfernes, mit dem Ablauf der Messe wenig vertrautes Publikum Platz nahm; so ähnlich wie bei der Erstkommunion, könnte man sagen, aber so ganz dasselbe war das eben doch nicht. Es erscheint fast zu offensichtlich, um es auszusprechen, aber der entscheidende Punkt ist hier natürlich, dass Erwachsenentaufen in einer Konfession, in der die Kindertaufe als normativ gelehrt und praktiziert wird, immer etwas Außergewöhnliches sind, egal wie sehr ihre Zahl in den letzten Jahren zugenommen hat. Anders ausgedrückt: Taufen im Säuglings-oder Kleinkindalter, gefolgt von Erstkommunion im Grundschul- und Firmung im Teenageralter, sind systemimmanent; die Erwachsenentaufe ist es nicht. Wer sich als Erwachsener oder älterer Jugendlicher in der katholischen Kirche taufen lässt, der kommt von außerhalb der etablierten Strukturen, und schon allein dieser Umstand verleiht der Erwachsenentaufe einen offensichtlicheren Zeugnischarakter. Die Leute, die in den für Familie und Freunde reservierten Bänken Platz nehmen, sind bei der einen Veranstaltung nicht zwangsläufig mehr oder weniger kirchenfern als bei der anderen, aber es steht dennoch zu vermuten, dass das Geschehen, dessen sie Zeugen werden, anders auf sie wirkt: Eine Erstkommunion, und ebenso eine Kindstaufe, mag jemand, der mit dem Glauben nichts am Hut hat, als eher brauchtümlich-konventionellen Rahmen und Anlass für eine Familienfeier wahrnehmen, an der er teilnehmen kann, ohne dass dies seinen eigenen Glauben oder Nichtglauben irgendwie tangierte; das ist bei einer Erwachsenentaufe nicht so einfach. Eine Erwachsenentaufe ist, auch wenn gewisse Religionssoziologen diesen Umstand gern wegdiskutieren möchten, prinzipiell Frucht und Ausweis einer Bekehrung, und eine solche lässt auch das Umfeld des Bekehrten nicht unberührt. Das heißt nicht zwangsläufig, dass sie in diesem Umfeld nach Art eines Domino-Effekts weitere Bekehrungen auslöst; aber gar so unwahrscheinlich ist es wohl nicht, dass jemand, der sich im Erwachsenenalter dem christlichen Glauben und dann auch noch ausgerechnet der so viel gescholtenen katholischen Kirche zuwendet, auch den Menschen in seinem Umfeld, die dies miterleben, eine Tür oder zumindest ein Fenster öffnet. Nicht umsonst erwähnte der Pfarrvikar in einer Predigt im vergangenen Advent, von den Leuten in seinem Taufkurs sei die Hälfte einfach deshalb da, "weil sie einen Christen gesehen haben – weil sie einen Christen kennen, der sie zu Gott geführt hat; wo sie etwas gesehen haben, wovon sie sagen: Das möchte ich auch haben." – Ich denke nun natürlich darüber nach, ob nicht auch die Erstkommunion einen solchen Zeugnischarakter gegenüber den Leuten in den reservierten Bänken haben könnte und sollte, die sich zu diesem Anlass ausnahmsweise mal in die Kirche verirren; inwieweit dabei der Umstand in Rechnung zu stellen wäre, dass der post-volkskirchliche Kulturkatholizismus, der dazu führt, dass ansonsten kirchenferne Familien ihre Kinder trotzdem zur Erstkommunion gehen lassen möchten, weil es für sie immer noch irgendwie "dazugehört", ohnehin im Schwinden begriffen ist; und ob es einem solchen Zeugnischarakter nicht zuträglich sein könnte, Erstkommuniongottesdienste ernster und feierlicher und mit weniger Firlefanz und Pipifax zu gestalten. Das ist wohl ein Thema, mit dem ich nicht so bald fertig werde. 


Währenddessen in Reinickendorf-Süd 

Was ich im vorigen Wochenbriefing nicht erwähnt habe, ist, dass ich in der Woche, in der mein Jüngster wegen Erkältung nicht zur KiTa gehen konnte oder wollte, zweimal – am Dienstag und am Donnerstag – mit ihm "Beten mit Musik" in St. Joseph Tegel war. Bei einer dieser Gelegenheiten nahm ich mir den neuen Pfarrbrief mit – die "Sommerausgabe" quasi, die den Zeitraum von Juni bis August abdeckt. Ich bin zwar zunehmend überzeugt, dass das Medium "Pfarrbrief" in seiner gängigen Form eigentlich passé ist und im Grunde eine enorme Ressourcenverschwendung darstellt, und für den der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd gilt das dank der tragikomischen Inkompetenz der Redaktion (und wohl auch und nicht zuletzt dank der allgemeinen Richtungslosigkeit der ganzen Pfarrei, die aber wohl weniger ein Alleinstellungsmerkmal als vielmehr "typisch post-volkskirchlich" ist) in besonders augenfälligem Maße; aber ein paar interessante Dinge standen doch drin. Ein Beitrag – mit der Überschrift "Die Zukunft der Gottesdienstordnung" und namentlich gezeichnet vom Pfarrer – wäre, obwohl gerade mal eine Seite lang, möglicherweise sogar ergiebig genug für einen eigenständigen Blogartikel, also komme ich vielleicht noch einmal ausführlicher darauf zurück; halten wir jedenfalls erst einmal fest, dass dieser Text durch das Problem veranlasst ist, dass die Pfarrei in Hinblick auf ihr geistliches Personal unterbesetzt ist. Wie berichtet, ist um den Jahreswechsel herum ein von der Diözese Owerri in Nigeria ans Erzbistum Berlin "ausgeliehener" Priester, nachdem er hier gut acht Jahre lang als Pfarrvikar tätig gewesen war, in den Ruhestand getreten und in seine Heimat zurückgekehrt; da seine Stelle bisher noch nicht wieder neu besetzt werden konnte, sind die im Personalschlüssel eigentlich für diese Pfarrei vorgesehenen Priesterstellen seither zu einem Drittel unbesetzt. Zwar sind neben dem Pfarrer noch zwei Pfarrvikare, beides Ordenspriester, in St. Klara Reinickendorf-Süd tätig, beide jedoch nur mit einer 50%-Stelle. Dass das in einer Pfarrei mit sieben Kirchen Probleme verursacht, kann man sich leicht ausrechnen. Eine Vollzeitstelle hat im Pastoralteam von St. Klara neben dem Pfarrer derzeit nur der Diakon, dessen Stellung damit natürlich an Gewicht zunimmt; insbesondere schlägt sich dies in einer vom Liturgieausschuss der Pfarrei erarbeiteten und vom Pfarreirat beschlossenen "Rahmen-Gottesdienstordnung" nieder, die sicherstellen soll, dass auch zukünftig "in jeder unserer Kirchen zu regelmäßigen Zeiten ein Gottesdienst gewährleistet" werden kann. Diese Rahmen-Gottesdienstordnung sieht vor, dass die bisherigen "zehn Sonntagsgottesdienste" in der Pfarrei – drei am Vorabend, sechs am Sonntagvormittag und einer am Sonntagabend – "zunächst beibehalten werden, allerdings vermehrt als Wort-Gottes-Feiern". Der Diakon wird also zukünftig noch mehr predigen dürfen als bisher, und obendrein sollen auch "unsere (ehrenamtlichen) Gottesdienstbeauftragten" verstärkt zum Zuge kommen. – Man könnte natürlich auf die Idee kommen, gerade auch angesichts der räumlichen Nähe der Kirchenstandorte zueinander (vier der sieben Kirchen, nämlich Herz Jesu, St. Joseph, Allerheiligen und St. Bernhard, sind jeweils nur rund 2 km voneinander entfernt) wäre es den Gemeindemitgliedern durchaus zuzumuten, einen etwas weiteren Weg zur Sonntagsmesse zurückzulegen, und man könnte daher, bis die derzeit vakante Pfarrvikarsstelle wieder besetzt ist, ein paar Sonntagsgottesdienste einsparen; aber man scheut sich wohl, einzelne Kirchenstandorte zu benachteiligen, und das hat, wie der diesem Thema gewidmete Pfarrbriefartikel zwischen den Zeilen zu verstehen gibt, unter anderem mit dem Immobilienentwicklungsprozess des Erzbistums zu tun. Das wäre nun allerdings einer der Aspekte des Artikels, die man mal an anderer Stelle vertiefen müsste. – Und wenn man nun eine solche Standortbenachteiligung dadurch vermeiden würde, dass man beispielsweise im Zwei-Wochen-Rhythmus abwechselnd an einander benachbarten Standorten die Messe feiert? Da ahne ich den Einwand, insbesondere ältere Gemeindemitglieder würden das nicht auf die Reihe kriegen und sonntags vor der falschen Kirchentür stehen. Da nützt es wohl auch nichts, darauf hinzuweisen, dass ein solches System in anderen Pfarreien, in denen die Kirchorte erheblich weiter voneinander entfernt sind, sehr wohl funktioniert

Zum Mangel an geistlichem Personal in der Pfarrei St. Klara sei übrigens noch angemerkt, dass es noch vor wenigen Jahren drei im Pfarreigebiet lebende Ruhestandsgeistliche gab, die bei Bedarf zur Zelebration herangezogen werden konnten, aber die sind inzwischen alle verstorben. Allerdings war ich am Mittwoch spontan in St. Marien Maternitas in Heiligensee in der Messe, nachdem ich im Zelebrationsplan einen mir nicht bekannten Namen gelesen hatte. Wie sich zeigte, handelte es sich um einen Ruhestandsgeistlichen aus Velten, der so etwa Mitte 80, aber noch gut beieinander war und erfreulich schnörkelllos und geradlinig zelebrierte. Vor der Messe gab es eine Maiandacht, die die ehrenamtliche Küsterin/Lektorin/Ministrantin aus Texten aus dem alten Gotteslob und einem noch aus ihrer Kindheit stammenden Buch zusammengestellt hatte, und auch die fand ich gut – was umso erfreulicher war, als es meine einzige Maiandacht in diesem Jahr war. 

Aber mal zurück zum Pfarrbrief: Gerade mal zehn Zeilen lang ist ein Artikel unter der Überschrift "Neuer Akzent – Regenbogen-Gottesdienst" im Abschnitt über die Gemeinde St. Rita. Einleitend heißt es da: 

"Das Erzbistum Berlin (EBO) engagiert sich zunehmend für queersensible Pastoral, um auch queeren Menschen Räume für Gemeinschaft und Seelsorge in den Gemeinden zu schaffen. Es werden unter anderem Gottesdienste angeboten und die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist möglich." 

Alles zu sagen, was mir zu diesen wenigen Zeilen einfiele, würde hier entschieden den Rahmen sprengen, daher beschränke ich mich hier mal darauf, den schon früher festgehaltenen Eindruck zu wiederholen, queersensible Pastoral in Reinickendorf-Süd sei ein bisschen wie "Gay Pride in Stars Hollow": Das liegt halt gerade im Trend, da muss man irgendwie mitmachen, auch wenn man sich dafür "queere Menschen" aus anderen Gemeinden ausleihen muss, weil man selbst zu wenige hat. Sogar die biedere Nordwest-Zeitung leistet sich seit einiger Zeit eine Queer-Kolumne. Das besonders Tragikomische an diesem Hinter-dem-Trend-Herhecheln ist nun allerdings, dass es in diesem Fall eindeutig zu spät kommt: Einem Satz wie "[D]ie Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist möglich" kann man nach jüngsten Klarstellungen von Papst und Glaubensdikasterium ja im Grunde nur ein simples "Eben nicht!" entgegenhalten. 

Für den "Regenbogen-Gottesdienst" in St. Rita kamen diese Klarstellungen indes womöglich zu spät: "Erstmals fand im März ein Regenbogengottesdienst statt, den Pater Felix zelebrierte", erfährt man im Pfarrbrief. Pater Felix, das ist der neue Prior des Augustinerklosters St. Rita, der zugleich Hochschulseelsorger an der KSG Edith Stein ist. Dass der bei sowas mitmacht, enttäuscht mich irgendwie – obwohl ich andererseits nicht wüsste, wieso die eine von ihm zelebrierte Messe, die ich bisher miterlebt habe, mich hätte veranlassen sollen, Besseres von ihm zu erwarten. 

Dass es über diesen Regenbogengottesdienst in St. Rita heißt, er habe "[e]rstmals [...] im März" stattgefunden, darf man wohl als Hinweis darauf verstehen, dass es zukünftig weitere Veranstaltungen dieser Art geben soll; unterstrichen wird dieser Eindruck durch den Schlusssatz des Artikels, welcher lautet: "Zu diesen Gottesdiensten sind alle Menschen herzlich eingeladen, denn der Regenbogen ist das Symbol für die Verbindung von Gott mit den Menschen". Inhaltlich ein klarer Fall von "Für dumm verkaufen kann ich mich alleine", zugleich aber auch bezeichnend für das stilistische und gedankliche Niveau dieser Publikation. Mehr will ich dazu mal lieber nicht sagen. 

Eine wichtige Rolle spielen in diesem Pfarrbrief auch die anstehenden Gremienwahlen; die sind zwar erst im November, aber in Relation zu der Tatsache, dass der Pfarrbrief nur einmal in drei Monaten erscheint, ist das ja gar nicht mehr sooo lange hin. Jedenfalls scheint es, dass nicht nur in dieser Pfarrei händeringend nach Leuten gesucht wird, die sich zu einer Kandidatur bereit finden, sondern dass insgesamt seitens des Erzbistums ein beträchtlicher Aufwand betrieben wird, um die Kirchenmitglieder für die Wahlen zu interessieren. So hofft man offenbar der notorisch schwachen Wahlbeteiligung aufzuhelfen, indem erstmals die Möglichkeit zur digitalen Stimmabgabe geschaffen wird: 

"Wahlberechtigte erhalten ab etwa Mitte Oktober ein individualisiertes Schreiben direkt nach Hause. Mit diesem erhalten Wählende Zugriff auf die elektronischen Wahlzettel und können diese direkt ausfüllen." 

Na, wenn's schee macht! Gleichzeitig wird Pfarrbrieflesern, die womöglich "Bedenken bezüglich der digitalen Wahl haben", zugesichert, dass auch "Möglichkeiten vor Ort zur Verfügung stehen" werden, "damit auch Sie Ihre Stimme abgeben können". 

Foto aus St. Joseph Siemensstadt. 

Übrigens habe ich, wenn ich über die Gremienwahlen schreibe und dies auch noch gezielt mit der Pfarrei St. Klara in Zusammenhang bringe, natürlich durchaus die Absicht, die Gerüchteküche hinsichtlich der Frage, ob ich etwa für den Gemeinderat von Herz Jesu Tegel kandidieren will, am Köcheln zu halten; zugleich möchte ich aber nicht verschweigen, dass inzwischen auch die Anregung bzw. der Wunsch an mich herangetragen worden ist, ich solle für den Gemeinderat von St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst und/oder für den Pfarreirat der Großpfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland kandidieren. Wozu ich sagen möchte: Natürlich ist es schmeichelhaft, so gefragt zu sein; und sicherlich hat es auch eine gewisse Stimmigkeit, zu argumentieren, wenn man sich schon dem Fegefeuer der Gremienarbeit aussetzen will, wäre es doch am sinnvollsten, das dort zu tun, wo man sowieso schon ehrenamtlich tätig ist. Aber ehrlich gesagt sehe ich das nicht ganz so. Einerseits hätte ich die Befürchtung, dass es zwischen Gremienarbeit, so wie ich sie bisher kennengelernt habe, und eigenem ehrenamtlichen Engagement eher Interessenkonflikte als positive Synergieeffekte geben könnte; und andererseits fühle ich mich, wie der "fromme Chaot" sagen würde, "innerlich geführt", dahin zu gehen, wo die Not am größten ist. Weniger pathetisch ausgedrückt: In Tegel sehe ich mehr Potential, etwas zu bewegen, gerade deshalb, weil da die Notwendigkeit, dass sich etwas bewegt, größer ist. Ich möchte derweil allerdings klarstellen, dass es noch keineswegs sicher ist, ob ich überhaupt zu den Gremienwahlen antrete. Ich fürchte, meine Liebste würde mir was husten... 


Update RKF: Wenn der Küchenhelfer sein eigenes Süppchen kocht 

Mit den von einem Team aus dem Bistum Dresden-Meißen erstellten Materialien für die diesjährige Religiöse Kinderwoche (RKW) – die in der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst seit ein paar Jahren Religiöse Kinderfreizeit (RKF) heißt – habe ich mich, nachdem ich vor zwei Wochen ein recht ungnädiges Gesamturteil darüber abgegeben habe, inzwischen etwas eingehender befasst; das Ergebnis könnte man als zwiespältig bezeichnen, aber so ganz die richtige Bezeichnung ist das wohl doch nicht. Auf der einen Seite hat das genauere Studium der Materialien nämlich zwar ergeben, dass es da im Detail – in den Spiel- und Bastelvorschlägen, aber zum Teil auch in den "Anspielen", in den Andachten zum Tagesabschluss und in den Entwürfen zu Kleingruppenkatechesen – durchaus mehr gibt, was ich als brauchbar einschätzen würde, als ich es auf den ersten Blick vermutet hätte; gleichzeitig und andererseits hat dies jedoch nicht dazu geführt, dass ich mein negatives Gesamturteil revidieren möchte – eher im Gegenteil. Wie bereits angedeutet, sehe ich das Kernproblem des vorgegebenen Gesamtkonzepts darin, dass es nicht im eigentlichen Sinne auf Katechese abzielt, sondern vielmehr durch und durch vom "Moralistisch-Therapeutischen Deismus" geprägt ist. Mose erscheint in den Materialien als "Archetyp für unsere gegenwärtigen Lebenserfahrungen", als welche etwa "innere Zerrissenheit", "die Vielschichtigkeit von Erlebnissen und der eigenen Identitäten" und die "Suche […] nach sich selbst" angesprochen werden; der moralistische Aspekt des MTD ist vorangig in Gestalt linksliberal ausgerichteter politischer Bildung präsent, wobei es fast schon eine Erleichterung darstellt, dass die Urheber dieses RKW-Konzepts nicht auf die Idee gekommen sind, die Ägyptischen Plagen unter Klimawandel-Gesichtspunkten zu betrachten

Wenig ergiebig sind die RKW-Materialien hingegen in Hinblick darauf, die Geschichte des Mose als die Geschichte vom Bund Gottes mit Seinem Volk erfahrbar zu machen, was ich eigentlich als das Wesentliche an diesem biblischen Stoff betrachten würde. Davor, das Alte Testament im Licht des Neuen zu deuten – wie es schon die Kirchenväter, ja im Grunde sogar schon die Verfasser des Neuen Testaments selbst getan haben – wird in der "Theologischen Hinführung" des RKW-Materialienbuchs unter dem Stichwort "Stolperfallen" sogar ausdrücklich gewarnt: In den Katechesen müsse "jeder Gedanke einer Ersetzung des Alten Bundes (Judentum) durch eine vermeintlich bessere, neue Version des Bundes (Christentum)" vermieden werden, denn eine solche Sichtweise führe "direkt in den Antijudaismus und von da in den Antisemitismus". – Sagen wir mal so: Eine gewisse Sensibilität gegenüber der Gefahr, unterschwellig antisemitische Ressentiments zu füttern, ist sicherlich begrüßenswert und gerade im heutigen politischen Klima angebracht, aber das sollte nicht als Ausrede dafür dienen, einer spezifisch christlichen Perspektive auf das Alte Testament auszuweichen. Ich würde zum Beispiel nicht darauf verzichten wollen, den Durchzug durchs Rote Meer als Bild für die Taufe zu deuten und den Zusammenhang zwischen Pessach und Letztem Abendmahl aufzuzeigen. 

Bedenken muss man bei alledem natürlich, dass die RKW gewissermaßen ein "Markenartikel" ist, der in den ostdeutschen Bistümern fest etabliert ist und einen guten Ruf genießt; und wenn eine Pfarrei oder Gemeinde dieses Format anbietet, ist es – auch wenn die Veranstaltung in Siemensstadt/Haselhorst geringfügig anders heißt – einigermaßen folgerichtig, dass die Erwartung im Raum steht, die Veranstaltung habe im Großen und Ganzen dem vorgegebenen Konzept zu folgen. Hinzu kommt, dass ich – wie ich neulich schon mal betont habe – offiziell nur als Küchenhelfer im Team bin. Auch so bin ich zwar grundsätzlich optimistisch, in Absprache mit den anderen Teammitgliedern einige Akzente zur Verbesserung des katechetischen Niveaus der RKF setzen zu können, aber mehr als ein paar Akzente werden es realistischerweise wohl nicht werden – jedenfalls diesmal noch nicht. Auf längere Sicht könnte ich mir sehr wohl vorstellen, auf der Basis dessen, was mir an den Materialien für die diesjährige RKW so alles nicht gefällt, ein Alternativkonzept für eine Kinderbibelwoche zum Thema Mose zu entwickeln und dieses dann auch in die Praxis umzusetzen. Ich komme bei Gelegenheit noch auf das Thema zurück... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Brüder! Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet. Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. Denn wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.

(1. Korinther 12,3b-7.12-13; 2. Lesung vom Pfingstsonntag) 


Ohrwurm der Woche 

The Doors: L.A. Woman 

Ja, da ist natürlich das City of Light-Event dran schuld. Are you a lucky little lady in the city of light?, heißt es im Titelsong des letzten zu Lebzeiten von Frontmann Jim Morrison produzierten Albums der Doors. Ob man diese Platte als das Meisterwerk der Gruppe bezeichnen möchte, mag Geschmackssache sein, aber ich könnte mir vorstellen, dass Mancher, dem die frühen Doors zu psychedelisch sind, an dem geradlinigen und doch virtuosen Bluesrock von "L.A. Woman" umso mehr Freude haben dürfte. Zu dem von einem Fan erstellten Video sei noch angemerkt, dass es an die beliebte Verschwörungstheorie anknüpft, Jim Morrison alias "Mr. Mojo Risin'" habe seinen Tod nur vorgetäuscht: Am Anfang des Videos sieht man, wie der Sänger seine eigene Todesnachricht im Autoradio hört. 


Vorschau/Ausblick

Wir sind noch mittendrin im Alpha-Kurs-Wochenende; genauer gesagt ist zu dem Zeitpunkt, da dieses Wochenbriefing online geht, schon etwas mehr als die Hälfte des Kursprogramms rum, und deutlich mehr als die Hälfte der Zeit, die die Kinder ihre Mutter nicht gesehen haben. So oder so wird es im nächsten Wochenbriefing allerlei darüber zu berichten geben, was ich an diesem Wochenende so alles mit den Kindern unternommen habe – an erster Stelle wäre hier sicher das heutige Wölflings- und Wichtelgruppentreffen zu nennen – oder noch unternehmen werde, wozu es u.a. gehört, dass am morgigen Dreifaltigkeitssonntag in St. Joseph Siemensstadt KiWoGo ist. Und um's mal ein bisschen spannend zu machen: Was heute in der Post war, dürfte ebenfalls mindestens einen thematischen Abschnitt im nächsten Wochenbriefing wert sein. Darüber, was meine Liebste an diesem Wochenende erlebt hat, dürfte es, so hoffe ich, ebenfalls einiges zu sagen geben; dann folgen ein paar voraussichtlich eher normale Schul- und Arbeitstage, aber am Donnerstag ist einerseits Fronleichnam, andererseits das Jubiläum "10 Jahre Punkpastoral", und natürlich gilt es beides gebührend zu feiern – letzteres mit einem separaten Jubiläumsartikel, der auch schon in Vorbereitung ist, wohingegen die Frage, wie genau wir in diesem Jahr Fronleichnam feiern wollen, tendenziell weniger leicht zu beantworten ist: Die Teilnahme an der zentralen Fronleichnamsfeier des Erzbistums Berlin war ja in der Vergangenheit meist eher nicht so erfreulich, aber andererseits nehmen die Schöneberger KPE-Pfadfinder mit Kluft und Banner an der Prozession teil, und da wäre es ja schon schön, wenn unser Wölflingsmädchen da mitliefe. Am Sonntag, wenn Fronleichnam auf Pfarreiebene "nachgefeiert" wird, stellt sich erneut die Frage, wo wir uns zuordnen wollen, aber das fällt ja bereits in den Berichtszeitraum des übernächsten Wochenbriefings. 


Samstag, 23. Mai 2026

Utopie und Alltag 26: Komm, Heiliger Geist!

Gott zum Gruße, Leser! Die zurückliegende Woche war für mich geprägt von dem Umstand, dass mein Jüngster krank war – nicht schlimm krank, aber doch zu erkältet, um in die KiTa zu gehen; dadurch fehlten mir die ca. 5 Stunden pro Tag, die ich normalerweise dazu nutze, meine Gedanken zu ordnen, Dinge zu erledigen, für die ich Ruhe brauche, oder mich einfach mal zu entspannen, und am Ende des Tages war ich dann erschöpft von all dem Dingen, die ich nicht geschafft hatte. Als nächstes werde ich wahrscheinlich selber krank, na ja, vielleicht auch nicht. Das Gute ist jedenfalls, dass die Nachbetrachtung des langen Himmelfahrts-Wochenendes, einschließlich des Katholikentags, genug Material für das Wochenbriefing abwirft; und in der nächsten Woche komme ich dann hoffentlich mal wieder dazu, mich um Themen wie meine Ausbildung zum Gemeindereferenten, die Religiöse Kinderfreizeit und die "Guerilla-Urlauberseelsorge" in Butjadingen zu kümmern. Venceremos! 

Komm, Heiliger Geist! 

Spirituelles Strohwitwer-Wochenende 

Das lange Himmelfahrts-Wochenende, oder zumindest dessen erste Hälfte, hätte ja eigentlich noch in den Berichtszeitraum des vorigen Wochenbriefings gehört, aber da die vorangegangene Woche, wie erwähnt, mehr als genug Stoff zum Bloggen geliefert hatte, habe ich mir dieses Thema bis hierher aufgehoben. Spulen wir also einmal zurück zum Tag des Hochfests Christi Himmelfahrt: Ich hatte mir im Vorfeld ein paar Gedanken darüber gemacht, wo ich denn zur Messe gehen könnte, nachdem ich meine Tochter am Bahnhof Südkreuz in die Obhut ihrer Wölflingsmeute übergeben haben würde; aber nachdem der Zug mit den Wölflingsmädchen abgedampft war, stellte ich fest, dass es am praktikabelsten war, einfach "ganz normal" nach St. Joseph Siemensstadt zu gehen, wo die Messzeiten so waren wie sonst sonntags. Die Messe dort wurde vom Spandauer Krankenhausseelsorger zelebriert, und ich fand es ausgesprochen interessant, wie er das Festgeheimnis des Tages in seiner Predigt anging. In der Vergangenheit hatte ich nämlich schon öfter den Eindruck, dass nicht wenige Prediger sich schwer damit tun, aus der Himmelfahrt Christi theologisch "Sinn zu machen"; ein probater Ausweg ist es da offenbar, sich auf die Frage zu konzentrieren, was es für die Jünger bedeutete, dass Christus, nachdem Er ihnen über einen Zeitraum von 40 Tagen wiederholt erschienen war und sie gelehrt hatte, nun dauerhaft von der Erde entrückt wird. Letztes Jahr in Bernau etwa lautete der Kerngedanke der Predigt so ungefähr, Jesu Entrückung in den Himmel sei notwendig gewesen, damit die Jünger Selbständigkeit und Eigeninitiative entwickeln, statt weiter am Rockzipfel ihres Meisters zu hängen. Ich will die Berechtigung dieser Perspektive gar nicht grundsätzlich in Abrede stellen, fand es aber erfrischend, dass der Spandauer Krankenhausseelsorger eine ganz andere Dimension des Himmelfahrtsgeschehens in den Fokus rückte: Pointiert gesagt richtete er den Blick weniger auf die Erde, von der Jesus vermeintlich "verschwunden" ist, als vielmehr eben auf den Himmel, in den Er aufgefahren ist – und der, wie er betonte, schließlich auch unser aller Ziel sei. In diesem Zusammenhang stellte er es als das eigentlich heilsgeschichtlich Relevante an der Himmelfahrt Christi heraus, dass Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, eben nicht nur mit Seiner göttlichen Natur in den Himmel zurückkehrt, sondern auch Seine menschliche Natur sozusagen dorthin mitnimmt und damit uns Menschen den Himmel zugänglich macht. Eigentlich total einleuchtend, muss einem aber offenbar erst mal gesagt werden. 

Nachdem ich am Freitag das Wölflingslager besucht und dort zu Mittag gegessen hatte, sagte ich mir, ich könnte die seltene Gelegenheit, an einem Freitagnachmittag allein zu sein und Zeit zu haben, dazu nutzen, mal wieder in Herz Jesu Tegel zur Eucharistischen Anbetung zu gehen. Ich verbrachte dort rund eine Stunde, und das tat mir sehr gut; gegen Ende dieses Zeitraums öffnete ich die Stundenbuch-App auf meinem Mobilgerät, und auch das erwies sich als eine glückliche Eingebung, denn der Hymnus der Vesper erinnerte mich daran, dass an diesem Tag die Pfingstnovene begann. Wieder zu Hause, suchte ich daher meine "selbstgebastelte" (und zuletzt 2024 aktualisierte) Pfingstnovene heraus und betete den ersten Tag, in der wohllöblichen Absicht, damit in den folgenden Tagen weiterzumachen. 

Am Samstag nach dem Frühstück fiel mir ein, dass die Legio Mariae in Herz Jesu Tegel samstags immer eine Rosenkranzandacht abhielt; ich konnte mich jedoch nicht erinnern, ob diese Andacht um 10 oder um 11 Uhr begann, und wie ich etwas verwundert feststellte, war sie weder im Wochenplan der Pfarrei noch im Veranstaltungskalender auf der Website aufgeführt. Na gut, dachte ich mir: 11 Uhr wäre mir eigentlich sowieso zu spät, ich hab ja auch noch was anderes zu tun; also gehe ich mal auf Verdacht um 10 Uhr in die Kirche, und wenn da keiner ist, der den Rosenkranz vorbetet, dann mache ich das eben selber. Gesagt, getan! Am Abend hatte ich dann eigentlich die löbliche Absicht, zeitig schlafen zu gehen, um am nächsten Morgen in aller Früh nach Eichwalde zu fahren und dort zusammen mit den Wölflingen in die Messe zu gehen; aber dann kam es doch anders: Gerade als ich den zweiten Tag der Pfingstnovene zu Ende gebetet hatte und drauf und dran war, mich bettfertig zu machen, da rief mich die Wölflingsleiterin an: Meine Tochter habe schlimmes Heimweh und wolle nach Hause. Also machte ich mich auf den Weg, sie abzuholen. 


Weiteres vom Wölflingslager 

"Zwei Nächte geschafft!", war das erste, was meine Tochter zu mir sagte, als ich sie quasi mitten in der Nacht aus dem Wölflingslager abholte. Nachdem sie einmal den Entschluss gefasst hatte, sich abholen zu lassen, wirkte sie eigentlich recht wohlgemut und sogar fröhlich; ihren Rucksack hatte sie bereits gepackt. Auf dem Weg zur S-Bahn erzählte sie mir begeistert von der Katechese dieses Tages, in der der Kurat über Eucharistische Wunder gesprochen hatte; in der Bahn zeigte sie mir stolz ihr Probenheft, in dem schon ein paar Aufgaben aus der Rubrik "Leise Pfoten" abgehakt waren (Näheres dazu weiter unten). Und dann schlief sie an meiner Schulter ein. 

Der Eindruck, dass es ihr beim Lager trotz Heimweh und trotz Wetterunbill am ersten Tag (inklusive Hagel und Gewitter) gut gefallen hatte, verfestigte sich im Laufe des Sonntags weiter: Sie erzählte mir mit Freude und Begeisterung, was sie alles erlebt hatte, las eifrig in ihrem Wölflingsbuch "Der Weg durch den Dschungel", erwog, welche Aufgaben aus dem Probenheft sie sich ald nächstes abhaken lassen könnte, und sang mir Lieder aus dem Wölflings-Liederbuch "Der Kupferschmied" vor (die ich zum Teil auf der Gitarre zu begleiten versuchte). Am Nachmittag schauten wir uns auf Wunsch des Tochterkindes das Dschungelbuch – nicht die Disney-Version, sondern Zoltan Kordas Realverfilmung von 1942 – auf YouTube an, und währenddessen teilte mein Wölflingsmädchen mir eifrig Hintergrundwissen über die Tiercharaktere mit und zeigte mir, wo die Handlungsschauplätze auf der Dschungel-Landkarte in ihrem Wölflingsbuch eingezeichnet sind. --- Lesern, die sich mit pfadfinderischen Gepflogenheiten nicht besser auskennen, als ich es bis vor gut einem halben Jahr getan habe, muss ich hier wohl den Zusammenhang erläutern. Merke also auf und lausche, o Leser: Dschungelbuch-Autor Rudyard Kipling war mit dem Begründer der internationalen Pfadfinderbewegung, Lord Baden-Powell ("BiPi"), befreundet, und als dieser zusammen mit seiner Assistentin Vera Barclay die Pfadfinderpädagogik um ein Konzept für Kinder unter zwölf Jahren ergänzen wollte, erlaubte Kipling ihm, dafür Motive aus dem Dschungelbuch zu verwenden. Vor- bzw. Leitbild der Wölflingspädagogik ist daher das Aufwachsen Moglis im Wolfsrudel; deshalb wird der Leiter bzw. die Leiterin einer Wölflingsmeute "Akela" genannt, ein fester Bestandteil der Meutenaktivitäten sind Versammlungen am "Ratsfelsen", bei denen Auszüge aus dem Dschungelbuch vorgetragen werden und dann darüber diskutiert wird, was man daraus lernen könne, und die als "Jagd" bezeichneten Geländespiele orientieren sich thematisch ebenfalls oft an Episoden aus dem Dschungelbuch

In diesem Zusammenhang bietet es sich wohl an, etwas ausführlicher auf das Buch mit den Erprobungen für die Wölflingsstufe einzugehen, das ja nicht von ungefähr Der Weg durch den Dschungel heißt und von dem meine Tochter beim Frühlingslager ihr persönliches Exemplar ausgehändigt bekommen hat. Meine ersten Eindrücke von diesem Buch habe ich schon vor fast drei Jahren mal in einem Blogartikel skizziert, zu einem Zeitpunkt also, als überhaupt noch nicht abzusehen war, dass mein Tochterkind mal in eine Wölflingsmeute der KPE eintreten würde; allerdings gingen diese ersten Eindrücke kaum über einen fragmentarische Überblick darüber hinaus, "was man bei den Wölflingen so alles lernen kann". Worauf ich dabei noch nicht eingegangen bin – was aber andererseits wohl nicht überraschend ist – ist, dass dieses Lernen des Wölflings sich in mehreren Stufen vollzieht, und die erste dieser Stufen ist, dass der Wölfling lernt, auf leisen Pfoten zu gehen. Soweit ich es verstanden habe, müssen die Erprobungen aus der Rubrik "Leise Pfoten" abgelegt werden, bevor der Wölfling in einer feierlichen Zeremonie sein Versprechen ablegt und sein Halstuch bekommt. Inhaltlich sind die Erprobungen gegliedert in die Kategorien "Du erwachst im Dschungel" – da geht es darum, die Regeln und Gebräuche der Wölflinge zu kennen und zu befolgen –, "Du bist Kind Gottes" – dazu gehören etwa Anforderungen wie "Du kannst das Vaterunser, das Gegrüßet seist du Maria und das Ehre sei dem Vater beten" oder "Du weißt, dass die Kirche das Haus Gottes ist, und benimmst dich dort ruhig und ehrfürchtig" –, "Du denkst zuerst an die Anderen" und "Du übst dich im Dienen". Im Normalfall funktionieren die Erprobungen so, dass der Wölfling zu Akela geht, demonstriert, dass er die entsprechende Fertigkeit beherrscht, und sich dies durch eine Unterschrift (Kürzel) beglaubigen lässt; im einigen Fällen (z.B. "Du benimmst dich in der Meutenstunde so, dass Akela und die anderen Wölflinge sich auf dich verlassen können") beurteilen die Leiter aber auch das Verhalten des Wölflings über einen längeren Zeitraum hinweg, und einige Erprobungen, die das Verhalten des Wölflings außerhalb der Meutenaktivitäten betreffen, müssen sogar von den Eltern abgezeichnet werden (z.B. "Du räumst jeden Abend deine Sachen auf und machst am Morgen dein Bett"). 

Hat der Wölfling die "Leise Pfoten"-Prüfung erfolgreich bewältigt und sein Versprechen abgelegt, gilt es, erst einen und dann noch einen zweiten Stern fürs Barrett zu erwerben; diese sollen die "geöffneten Augen" des Wölflings symbolisieren. Zu den bereits genannten Erprobungskategorien kommen weitere hinzu, so etwa "Du bestehst Abenteuer im Dschungel" und "Du bist ein Freund der Natur". Und dann gibt es auch noch Fähigkeitsabzeichen, für die man je nach Interessenschwerpunkt zwischen verschiedenen Spezialgebieten wählen kann. Aber das ist für uns im Moment noch Zukunftsmusik. 

Erwähnt sei übrigens noch, dass meine Tochter mir erzählte, auf der Bahnfahrt ins Lager seien Zettel an die Wölflinge verteilt worden, auf denen sie aufschreiben sollten, warum sie bei den Wölflingen seien bzw. was ihnen bei den Wölflingen besonders gut gefalle oder besonders wichtig sei. Sie habe dazu zwei Sätze aufgeschrieben, verriet sie mir – ihr wäre wohl noch mehr eingefallen, aber es sei nicht so viel Zeit gewesen. Diese zwei Sätze lauteten: 

  • "Bei den Wölflingen lerne ich Gott und Freunde kennen" und 
  • "Bei den Wölflingen lerne ich, keine Angst vor dem Übernachten zu haben". 

Man könnte sagen, bezogen auf den zweiten Punkt habe das Himmelfahrtslager immerhin einen Teilerfolg gebracht; im ersten Punkt hingegen darf man es wohl als einen vollen Erfolg betrachten. Im Zusammenhang mit dem immer noch nicht abgeschlossenen Thema Kinderzimmer-Neugestaltung merkte unsere Große neulich an, wenn ihr neues Hochbett aufgebaut sei, wolle sie sich darunter eine Gebetsecke einrichten. 


Predigtnotizen: Wir warten aufs Pfingstwunder 

Da ich mein Tochterkind am Sonntag erst mal gründlich ausschlafen lassen wollte, sah ich mir die Messe in St. Joseph Siemensstadt im Livestream an, statt persönlich hinzufahren; aber dass ich mir genau diese Messe und nicht irgendeine andere anschaute, erwies sich als gute Entscheidung. Der – wie ich immer gern sage – "örtlich zuständige" Pfarrvikar zelebrierte, und schon in seinen Begrüßungsworten schlug er das zentrale Thema dieser Messe an: "Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten erwarten wir den Heiligen Geist." In seiner Predigt ging er zunächst auf die Lesung aus der Apostelgeschichte ein, in der es hieß, dass die Jünger in der Vorbereitung auf das Pfingstereignis "einmütig im Gebet" verharrten: "Sie sind dort alle versammelt – wir heute haben noch Luft nach oben." (Tatsächlich sah der Kirchenraum, soweit er im Bildausschnitt der Kamera zu sehen war, etwas dünn besetzt aus, aber ich kann mich nicht beschweren, ich war ja auch nicht da.) – Aus dem weiteren Verlauf der Predigt möchte ich nur mal ein paar Sätze herausgreifen, die mir wesentlich erscheinen: 

"Zu Pfingsten geschieht etwas Neues, etwas absolut Großartiges, weil wir die DNA Gottes durch den Heiligen Geist eingepflanzt bekommen. [...] Pfingsten macht eine Neuheit aus diesem zusammengewürfelten Haufen [der Jünger], der irgendwie gelernt hat, dass sie geschaffen sind für etwas anderes. Zu Pfingsten kommt der Heilige Geist und holt sie raus aus der Kuschelecke. Ja, die Gemeinde ist schön, wir haben ein Zuhause; aber wir sind nicht nur für die Kuschelecke gedacht. Der Heilige Geist gibt den Aposteln einen Tritt in den Hintern und sagt: Geht in die ganze Welt hinaus und verkündet das Evangelium." 

Im Anschluss an die Predigt, oder wenn man so will, als zweiten Teil der Predigt gab es einen Spendenaufruf für die Restaurierung der Kirchenbänke in St. Joseph, und ich fand, es gelang dem Pfarrvikar bemerkenswert gut, auch dieses Anliegen zum Wirken des Heiligen Geistes und damit zum Leitmotiv dieser Messe in Beziehung zu setzen: Er berichtete, nachdem ein erster Anlauf, die Kirchenbänke restaurieren zu lassen, "in die Hose gegangen" sei – "deswegen stehen dort hinten sieben Stühle" –, gebe es jetzt ein Angebot von der Tischlerei der JVA Tegel, alle 38 Bänke zu einem sensationell günstigen Preis aufzuarbeiten; woran man erkennen könne: "Der Heilige Geist existiert." Einschließlich aller Transportkosten usw. würde sich der Geldaufwand für die gesamte Restaurierung auf etwa 250 € pro Kirchenbank belaufen – "wenn da sieben Leute drauf sitzen, sind das 40 € pro Hintern. Also durchaus erschwinglich." – Diese Rechnung geht natürlich nur auf, wenn tatsächlich in jeder Bankreihe sieben Leute sitzen, und auch wenn der allsonntägliche Gottesdienstbesuch in dieser Gemeinde zweifellos besser ist als in vielen anderen, die ich schon besucht habe, würde ich doch sagen: Da ist noch Luft nach oben. Aber auch zum Thema Gemeindewachstum gibt es Neuigkeiten; so erwähnte der Pfarrvikar im Zuge der Vermeldungen, dass es am kommenden Sonntag, also an Pfingsten, im St. Joseph fünf Erwachsenentaufen geben werde – nachdem es schon an den Ostertagen in der gesamten Pfarrei mindestens neun gegeben hatte. "Das ist ein riesiges Geschenk für die Pfarrei", betonte er: "Zu sehen, dass die Menschen einen Weg des Glaubens machen hin zur Taufe, und mit welcher Zärtlichkeit und welcher Treue Gott diese Menschen begleitet. Das ist ein Fest auch für die ganze Gemeinde." – Was auch noch zum Thema Gemeindewachstum gehört, ist die Information, dass von den vier Diakonen, die am nächsten Samstag in St. Hedwig zu Priestern für das Erzbistum Berlin geweiht werden, zwei aus der in Siemensstadt ansässigen Neokatechumenalen Gemeinschaft hervorgegangen sind. Ich denke mal, das sagt eine ganze Menge aus. 


"Quiet Revival" beim Katholikentag? 

Wir hörten schon davon, dass die "ZdK"-Präsidentin Irme Stetter-Karp im Vorfeld des 104. Deutschen Katholikentags in Würzburg betont hatte, das breite Spektrum unterschiedlicher Gruppierungen, die bei diesem Event vertreten sein würden, umfasse "auch Gruppierungen aus dem konservativen katholischen Milieu". Davon, wie es damit tatsächlich aussah, vermittelt beispielsweise eine Reportage-Reihe des Fernsehsenders k-tv einen Eindruck, die man sich auch bei YouTube ansehen kann und deren erste Folge nicht von ungefähr unter dem Motto "Gibt's hier auch was Katholisches?" steht. Positiv beantwortet wird diese Frage u.a. dadurch, dass die Kirchenmeilen-Stände von Maria 1.0 und Kirche in Not gezeigt werden (im Kontrast etwa zu denjenigen von Maria 2.0, wo eine Frau im Interview erklärt, im 12. Jh. habe es Priesterinnen gegeben, oder der kjg, an dem den Interviewern kurzerhand beschieden wird "Mit k-tv reden wir nicht"), aber auch durch Interviews mit Ordensschwestern und einer Gruppe junger Frauen, die begeistert von einem Workshop berichten, bei dem sie Rosenkränze gebastelt haben. 

Die Tagespost, die in Würzburg ja quasi ein Heimspiel hatte, richtete während des Katholikentags ein sogenanntes "Side-Event" mit "Debatten, Lesungen und Impulsen" aus – insbesondere solchen, für die im offiziellen Katholikentags-Programm kein Platz war; dazu gehörten u.a. ein Vortrag von Cornelia Kaminski, der Vorsitzenden der "Aktion Lebensrecht für Alle" (ALfA), zum Thema Leihmutterschaft, ein Vortrag von Bettina Röhl über ihre Mutter Ulrike Meinhof, die '68er-Bewegung und die Ursprünge der RAF sowie nicht zuletzt ein philosophisches Streitgespräch zwischen dem postchristlichen Startheologen Magnus Striet und dem Philosophen und Tagespost-Redakteur Sebastian Ostritsch zum Thema "Katholisch mit Kant". Dass der bekennende Kantianer Striet sich auf diese Debatte mit Ostritsch eingelassen hat, nachdem dieser im letzten Herbst "nach Protest von Studenten sowie Vorwürfen des Fundamentalismus und Rechtsextremismus" von der vom Jesuitenorden geleiteten Hochschule für Philosophie (HFPH) in München ausgeladen worden war, an der er einen Vortrag über Gottesbeweise hatte halten wollen, darf man durchaus respektabel finden. Der Schauplatz dieses "Side-Events" war indes eigentlich mal wieder ein Fall für den Hashtag #kannstedirnichtausdenken, denn dabei handelte es sich um das Lügensteinmuseum. Echt wahr. – 

Nightfever gab's bei diesem Katholikentag auch wieder, am Samstagabend in der Karmeliterkirche St. Joseph und St. Maria Magdalena; erheblich mehr Aufsehen erregte jedoch das nicht zum offiziellen Katholikentags-Programm gehörende, aber bewusst in dessen räumlichem und zeitlichem Umfeld angesiedelte Event "The Tabernacle" in der Würzburger Tectake-Arena am Freitag, dem 15. Mai, ausgerichtet von der Charismatischen Erneuerung und der Initiative "Jugend für Kirche". Knapp eine Woche zuvor hatte häretisch.de die Veranstaltung unter der Überschrift "21-Jähriger sammelt 100.000 Euro für Event parallel zum Katholikentag" angekündigt und diese Meldung aus Gründen, von denen man nur vermuten kann, dass die Verantwortlichen selbst sie einleuchtend finden, mit einem Symbolbild garniert, das ein Kreuz aus Geldstücken zeigt. Der Name des als "Jugendgottesdienst" klassifizierten Events wird in diesem Artikel nicht genannt, betont wird indes, die Veranstaltung stehe "nicht auf dem offiziellen Programm des Katholikentags"; gleichzeitig wird allerdings die Versicherung des Initiators Samuel Tussing zitiert, man wolle "nicht als Konkurrenz zum zeitgleich stattfindenden Katholikentag" wahrgenommen werden: "Vielmehr solle es eine Ergänzung zu dem Großereignis des deutschen Katholizismus sein." Die Tagespost brachte am Tag vor dem Tabernacle-Event ein Interview mit Tussing unter der augenzwinkernden Überschrift "Katholikentag für Charismatiker"; darin zeigte der junge Mann sich überzeugt: "Es gibt in Deutschland eine christliche Erweckung. In England und Frankreich noch viel mehr. Da wollen wir uns einklinken." – Genaueres darüber, was bei der Veranstaltung so los war, erfährt man aus einem Bericht der Pressestelle des Bistums Würzburg unter der vielsagenden Überschrift "Lichtshow, Lobpreis und Anbetung". Der Artikel verrät u.a., dass als Moderator Samuel Hartl dabei war, ja, das ist Johannes Hartls Sohn; dass der örtliche Diözesanbischof Franz Jung, der angesichts des Schmutzigen Schismas bestrebt scheint, mit jedem Fuß in einem anderen Lager zu stehen, im Rahmen des Events eine Messe zelebrierte; und dass es sogar ein Grußwort vom Papst gab – was umso mehr auffällt, als es zum Katholikentag keins gab. Weiterhin hebt der Bericht hervor, "dass die wenigsten der rund 600 Besucher am eigentlichen Katholikentag teilnahmen". 

Angesichts solcher Entwicklungen sehen die vermeintlich "progressiven" Vertreter des post-volkskirchlichen Establishments natürlich zunehmend im wahrsten Sinne des Wortes "alt aus" – wie auch Benjamin Leven feststellt, der in seinem Katholikentags-Tagebuch auf Communio bemerkt, bei "The Tabernacle" seien "junge Menschen von 15 bis 25 Jahren" – die seitens der Veranstalter als Zielgruppe benannt worden waren – "tatsächlich zahlreich anwesend" gewesen, während bei "vielen anderen Veranstaltungen im Katholikentagsprogramm [...] eher die Generation 60plus" dominiert habe. Da passt es ins Bild, dass die Kritik dieser Kreise an der neuen geistlichen Aufbruchsbewegung sich mehr und mehr so anhört, wie wenn verbitterte Rentner im Bus von Tegel nach Haselhorst über die heutige Jugend wettern. Exemplarisch sei hier der (noch gar nicht mal so alte) Mainzer Dogmatik-Professor Oliver Wintzek angeführt, der in der "Standpunkt"-Rubrik auf häretisch.de vor einer "gefährlichen TikTokisierung des Glaubens" warnt: Wintzek beklagt "hermeneutikfreie Bibelusurpation" und "entkontextualisierte Traditionsmisshandlung" und beschwert sich, dass "individuelle Glaubensüberzeugtheit und private Meinungen eine fundierte Sachkompetenz aufwiegen wollen"; von einer "schrägen Jesus-Unmittelbarkeit" ist da die Rede und, wenn wundert's, auch von "verketzernder Pseudorecht(s)gläubigkeit". Fast möchte er einem leid tun, und mit ihm all die anderen Vertreter einer Theologie, die seit Jahrzehnten darauf hingearbeitet hat, sich selbst irrelevant und überflüssig zu machen, dabei aber offenbar wie weiland Hanno Buddenbrook gemeint hat, "hernach käme nichts mehr" – und nun müssen diese Leute feststellen, dass das Christentum eben doch eine Zukunft hat, aber eine, die ohne sie stattfindet. 


Eine kleine Halbzeitbilanz 

Halbzeit? Ja, tatsächlich: Dies ist schon die 26. von geplanten 52 Folgen der Wochenbriefing-Reihe "Utopie und Alltag"! Und wie läuft die Reihe so? Von der Statistik her würde ich sagen: tendenziell besser als die vorherigen Wochenbriefing-Reihen – was man sicherlich im Zusammenhang damit betrachten muss, dass die Zugriffszahlen auf meinen Blog seit Februar 2026 insgesamt ein deutlich höheres Niveau erreicht haben als je zuvor, aber so ganz eindeutig ist das Verhältnis von Ursache und Wirkung da wohl nicht. Besonders große Resonanz haben von den bisherigen Folgen die Nummern 2 ("Im Epizentrum der Vorpubertät"), 3 ("Im Epizentrum der Glaubwürdigkeitskrise"), 7 ("Im Epizentrum des Winters") und 11 ("Des einen Auszeit ist des anderen Eiszeit") gefunden. Warum gerade diese? – Da kann man, wie immer, nur spekulieren; einen gewissen Aufschluss geben aber wohl die Leserkommentare, die sich im Fall von Utopie und Alltag 2 vorrangig auf das auch in der Überschrift anklingende Thema "Kümmere dich um die Sexualerziehung deines Kindes, bevor es die Falschen tun" beziehen (zu dem evtl. demnächst mal wieder ein Update fällig wird). Im Fall von Utopie und Alltag 3 entzündete sich die Kommentardebatte – was öfter vorzukommen pflegt – an einer Nebensächlichkeit, nämlich an der Erwähnung des Umstands, dass ich mit meiner Familie auf dem Weg vom Weihnachtsmarkt in der Spandauer Altstadt zur Nikolausfeier in St. Joseph Siemensstadt einen spontanen Zwischenstopp an einem Infostand der Partei Die Linke einlegte. Ich möchte aber behaupten, der Artikel bietet durchaus gewichtigere Inhalte; in erster Linie betrifft das den Abschnitt "Neues aus Synodalien: Bischöfe von der traurigen Gestalt", auf den sich auch der Gesamttitel der Folge bezieht und der in der These gipfelt, das Problematischste an der vielbeklagten "Unterwanderung des institutionellen Apparats der Kirche durch die 68er-Bewegung" sei es, 

"dass aus dem Spektrum dessen, was man mit '68' assoziiert, vorrangig die Laschen und die Lauen, die Spießer und die Langweiler in den kirchlichen Institutionen gelandet sind. Wenn sie ein bisschen mehr Mumm, mehr Feuer und mehr missionarischen Eifer gehabt hätten, wären diese Leute zur RAF gegangen oder hätten wenigstens ein Haus besetzt, statt Pastoralreferenten zu werden oder sich in den Pfarrgemeinderat wählen zu lassen." 

Die Leserkommentare zu Utopie und Alltag 7 drehen sich vorrangig um meine hier erstmals bekannt gegebene Absicht, eine Ausbildung zum Gemeindereferenten anzustreben; als das eigentliche Hauptthema des Artikels, sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht, würde ich indes die MEHR 2026 betrachten, auch wenn ich diese nur "aus der Ferne" beobachten konnte. – Zu Utopie und Alltag 11 gibt es kaum Leserkommentare, daher kann ich nur vermuten, dass der Erfolg dieses Artikels gerade in seiner thematischen Buntheit begründet ist: U.a. geht es da um eine Show im Friedrichstadtpalast, um Neuigkeiten aus dem Baumhaus, Winterurlaub in Butjadingen sowie last not least um Ralf Schulers Talk mit Johannes Hartl auf dem Portal NiUS und die empörten Reaktionen der postchristlich-progressiven Theologenbubble auf diesen Auftritt. Letzteres darf man wohl als das gewichtigste Thema des Artikels ansehen. 

Im Ganzen habe ich den Eindruck, der Rückblick auf die erste Hälfte der Reihe Utopie und Alltag unterstreicht meine explizit erst in Folge 21 geäußerte Einschätzung, die "in anderen Teilen der westlichen Welt, etwa in Frankreich und Großbritannien, schon etwas länger zu beobachtende religiöse Erweckungsbewegung, oder sagen wir 'Aufbruchstimmung'", die "allmählich auch in Deutschland und auch ganz konkret in Berlin ankommt", könnte sich als "das wesentlich Neue" herausstellen, "das die Reihe Utopie und Alltag von meinen früheren Wochenbriefing-Reihen abhebt". Hervorheben und zur Lektüre empfehlen möchte ich in diesem Zusammenhang nicht zuletzt auch die Abschnitte "Sind wir nicht alle ein bisschen KiNC?: Hilfe, die hippen Missionare kommen" in Utopie und Alltag 5 und "Neues aus Synodalien: Hilfe, neue Mitglieder!" in Utopie und Alltag 17; als bisherige spirituelle Highlights des Berichtszeitraums der Reihe Utopie und Alltag sei hier einerseits der Lobpreisabend mit Timo Langner in der Gemeinde auf dem Weg genannt, von dem auch meine achtjährige Tochter sagt, er habe ihr "geholfen, tiefer ins Christentum hineinzukommen", und andererseits den Männereinkehrtag im Kloster Neuzelle. Ich bin aber zuversichtlich, dass in der zweiten Hälfte der Reihe noch weitere, vielleicht sogar größere Highlights hinzukommen werden...! 


Geistlicher Impuls der Woche 

Es ist Jesus selbst, der zu seiner Kirche spricht. Seine Botschaft ist an alle einzelnen Teilkirchen gerichtet und betrifft ihr inneres Leben, dss manchmal gekennzeichnet ist durch das Vorhandensein von Auffassungen und Gesinnungen, die mit der Überlieferung des Evangeliums unvereinbar sind, oft von verschiedenen Formen der Verfolgung heimgesucht wird und – was noch gefährlicher ist – durch besorgniserregende Symptome der Verweltlichung, des Verlustes des ursprünglichen Glaubens und des Kompromisses mit dem Denken der Welt gefährdet ist. Nicht selten haben die Gemeinden nicht mehr die frühere Liebe (vgl. Offb 2,4). 

Es ist zu beobachten, wie sich unsere kirchlichen Gemeinschaft mit Schwächen, Mühseligkeiten und Widersprüchen herumschlagen. Auch sie haben es nötig, die Stimme des Bräutigams wieder zu hören, der sie zur Umkehr einlädt, sie anspornt, Neues zu wagen, und sie aufruft, sich für das große Werk der Neuevangelisierung einzusetzen. Dir Kirche muss sich ständig dem Urteil des Wortes Christi unterordnen und ihre menschliche Dimension in einem Zustand der Läuterung leben, um immer mehr und immer die Braut ohne Flecken und Falten zu sein gekleidet in strahlend reines Leinen (vgl. Eph 5,27; Offb 19,7-8). 

(Johannes Paul II., Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 23) 


Ohrwurm der Woche 

Johnny Nash: I Can See Clearly Now 

Ein bisschen Ironie des Schicksals ist es ja, dass ausgerechnet am Himmelfahrtswochende das Wetter nicht so toll war; aber das ist wohl kaum ein Grund sich nicht darüber zu freuen, dass es jetzt schöner ist. Dieser Ohrwurm kam zu mir auf dem Wege einer Assoziationskette von Songs mit "Sun" oder "Sunshine" im Titel; wozu ich anmerken möchte: Wenn in einem Songtext von Sonnenschein, klarem Himmel, sich verziehenden Wolken die Rede ist, dann muss man das vielleicht nicht unbedingt metaphorisch verstehen, aber in diesem Fall ist es ganz bestimmt so gemeint. Der Song ist nicht einfach nur optimistisch, sondern hoffnungsfroh, und das durchaus auch in einem transzendenten Sinne. So gesehen passt er auch zu Pfingsten, finde ich. 


Vorschau / Ausblick 

Pfingsten steht vor der Tür! Ich gehe davon aus, dass wir am morgigen Pfingstsonntag in St. Joseph Siemensstadt in die Messe gehen werden; am Montag sind wir zum traditionellen Pfingstbrunch bei Bloggerkollegin Claudia eingeladen. Am Dienstag ist dann noch schulfrei, Kampfsporttraining ist aber trotzdem; schauen wir mal, ob die Kinder da hingehen wollen. Und von Mittwoch bis Freitag geht unser Jüngster dann auf KiTa-Reise. Mit zwei Übernachtungen. Das kann ja spannend werden! Auch spannend ist, dass direkt danach das Alpha-Kurs-Wochenende in Falkensee beginnt, bei dem meine Liebste als Helferin eingeplant ist. Es ist anzunehmen, dass das eher ein Thema fürs übernächste Wochenbriefing wird, aber ich will doch schon mal verraten, was ich in dieser Zeit mit den Kindern zu unternehmen gedenke: Bei den Schöneberger KPE-Wölflingen ist am Samstag das erste Meutentreffen nach dem Lager, gleichzeitig findet auch die Wichtelgruppe statt, das trifft sich schon mal gut; später könnte man dann zur Community Networking Night im Baumhaus gehen. Und am Sonntag ist KiWoGo... Ansonsten habe ich ja schon im Einleitungsabsatz dieses Wochenbriefings festgehalten, welchen Themen ich mich im nächsten widmen will. Schauen wir mal, was draus wird! 


Samstag, 16. Mai 2026

Utopie und Alltag 25: Lasset die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht

Saludos, Compañeros! Ich habe gerade sturmfreie Bude, denn meine Große ist noch bis morgen im Wölflingslager und meine Liebste ist mit dem Jüngsten an die Ostsee gefahren. In der zurückliegenden Woche stand ich – nicht zum ersten Mal in der Geschichte der Reihe "Utopie und Alltag", aber doch in besonders ausgeprägtem Maße – vor dem Luxusproblem, dass es buchstäblich mehr als genug Stoff zum Bloggen gab, ich mir aber zugleich die Frage stellen musste: Wenn ich alle Themen, die genug Stoff für einen eigenständigen Artikel abgeben, aus dem Wochenbriefing ausgliedere, was bleibt dann noch fürs Wochenbriefing übrig? Und dann muss ich auch noch die Zeit finden, das alles aufzuschreiben. Hinzu kommt, dass die meisten Themen, die mich in der zurückliegenden Woche beschäftigt haben, einen gewissen Roten Faden erkennen lassen, der sie verbindet; nur und ausgerechnet das Wölflingslager, das natürlich ein "designiertes Top-Thema" der Woche ist, fällt da einigermaßen raus oder bildet vielleicht sogar eine Art Antithese dazu. – Und was für ein Roter Faden wäre das? Nun, sagen wir mal so: Nachdem ich vor einigen Wochen spekuliert habe, das "Quiet Revival" – anders ausgedrückt, der vor allem in der "Generation Z" zu beobachtende religiöse Aufbruch in den vermeintlich unwiderruflich durchsäkularisierten Gesellschaften des Westens – könnte sich als das zentrale Thema der gesamten Reihe "Utopie und Alltag" herauskristallisieren, habe ich in der zurückliegenden Woche einige Beobachtungen dazu machen müssen, wie der post-volkskirchliche Normalbetrieb diesen religiösen Aufbruch nicht nur nicht unterstützt, sondern effektiv dagegen arbeitet. Was mich einmal mehr an Pastor Kurowskis #TeamVolkskirche-Thesen erinnert hat, in denen es ernsthaft als "[v]ielleicht [...] das entscheidende Argument für Volkskirche" hervorgehoben wird, dass sie – mit "ihrer pomadigen Behördenstruktur, in ihrer flächendeckenden Mittelmäßigkeit, in ihrer verkopften Ausbildung, in ihrer durch und durch lauwarmen Kompromissbereitschaft" – "eine Art Containement [sic] für das Religiöse bietet". Und damit fängt sie schon bei den Kindern an. Kaum auszudenken, was aus der Kirche in unseren Breiten werden könnte, wenn sie das nicht täte. 

Langer Rede kurzer Sinn: Zum Katholikentag habe ich bereits gestern einen separaten Artikel veröffentlicht (was nicht unbedingt heißt, dass dieses Thema damit für mich abgeschlossen wäre), und einen thematisch nicht so ganz zum oben skizzierten Roten Faden passenden Abschnitt ("Mehr Neues vom Schulkind, den anderen Schulkindern und deren Eltern") habe ich vorerst zurückgestellt. Was alles Übrige angeht: Seht selbst! 

Tympanon am Portal der Kirche St. Antonius in Eichwalde

Himmelfahrtskommando mit den Wölflingen 

Ich erwähnte es ja bereits: Die Wölflingsmädchen der Berliner und Brandenburger Stämme der Katholischen Pfadfinderschaft Europas (KPE) haben derzeit ihr gemeinsames Frühlingslager, und meine Tochter ist mit dabei. Bevor es aber ins Lager losging, gab es am vergangenen Samstag noch einmal ein "normales" Meutentreffen im Garten von St. Norbert, an dem mein Tochterkind und 17 weitere Mädchen teilnahmen. Wie schon zwei Wochen zuvor verzichtete ich erneut darauf, bei diesem Meutentreffen zuzuschauen; was ich aber mitbekam, war, dass die Mädchen einen Großteil der Zeit damit beschäftigt waren, aus Baumstämmen und Stricken ein "hausförmiges" Gerüst zusammenzubauen, das am Ende auch tatsächlich frei stehen konnte – auf Nachfrage erklärte meine Tochter mir, das sei eine Kapelle. Ich war ziemlich beeindruckt. 

Wie ich bereits angekündigt hatte, war mein Tochterkind zu diesem Meutentreffen erstmals in Klufthemd und Barrett erschienen; was zur Vervollständigung der Kluft noch fehlte, waren die Aufnäher für Ärmel und Brusttaschen des Klufthemds, aber die Akela versprach, diese zum Lager mitzubringen – und ebenso das Erprobungsheft "Der Weg durch den Dschungel". Dass eins der Mädchen, das beim Herbstlager mit dabei gewesen war, mich fragte, ob ich wieder kochen würde, empfand ich als durchaus schmeichelhaft, musste diese Frage aber trotzdem verneinen – obwohl ich das wirklich gern gemacht hätte, aber das Küchenteam war bereits anderweitig besetzt. Meine Tochter war zunächst auch nicht ganz glücklich darüber, dass ich beim Lager nicht durchgehend dabei sein, sondern lediglich "mal vorbeikommen" würde; ich sagte mir (und ihr) aber, es werde schon alles gutgehen: Schließlich gibt es bei so einem Lager buchstäblich von morgens bis abends "Programm", da dürfte sie wohl kaum Zeit und Gelegenheit für Heimweh oder Papi-Vermissung haben. "Die Nächte könnten schwierig werden", wandte sie ernst ein. Wozu ich indes anmerken möchte: Wenn ich beim Lager dabei wäre, würde sie ja trotzdem mit ihrem Rudel im Zelt schlafen sollen – und, so nehme ich an, auch wollen. Meine Liebste gab zu bedenken, in der Zeit seit dem Herbstlager – also in etwas mehr als einem halben Jahr – habe unsere Große nicht ein einziges Mal "woanders übernachtet", ohne dass es mitten in der Nacht Drama gegeben hätte, weil sie doch nach Hause wollte; ich wandte ein, das sei zwar "technically correct (the best kind of correct)", aber man könne den Sachverhalt auch so ausdrücken, dass die einzigen Übernachtungsversuche, bei denen es solche Dramen gegeben habe, bei einer bestimmten Schulfreundin stattgefunden hätten – und wenn man stundenlang auf dem Tablet zockt und/oder Videos guckt und dann nicht schlafen kann, sei das ja wohl etwas anderes, als wenn man nach einem Tag voller Aktivität an der frischen Luft und einem feierlichen Abendritual rechtschaffen müde in seinen Schlafsack kriecht. Jedenfalls hoffte ich, dass das so sein würde; aber wie es aussieht, hat sich diese Hoffnung auch tatsächlich erfüllt. Aber mal der Reihe nach: 

Bereits am Dienstag war ich eifrig damit beschäftigt, die Ausrüstung für das Lager zusammenzusuchen und teils mit Wäschestift und teils mit Permanent-Marker zu beschriften, damit ich am Abend gemeinsam mit dem Tochterkind den Rucksack packen konnte – auf der Packliste, die, wie schon anlässlich des Herbstlagers vermerkt, auch detailliert angab, in welcher Anordnung die verschiedenen Ausrüstungsgegenstände im Rucksack verstaut werden sollten, war ausdrücklich vermerkt, dass die Wölflinge ihren Rucksack selbst packen sollten, und das leuchtete mir auch unmittelbar ein, aber ich half trotzdem dabei mit. Der Grund dafür, dies schon am Dienstag zu tun, war der, dass die Rucksäcke am Mittwochnachmittag schon in St. Norbert abgegeben und in den Hänger verladen werden sollten, damit die Mädchen am Donnerstag nur leichtes Handgepäck mitzunehmen brauchten. – Da ich wegen der Gepäckaufgabe nicht zum JAM konnte, sagte ich mir, dann könne ich ja auch gleich dabei mithelfen, den Boni-Bus samt Anhänger zu beladen – nicht nur mit Rucksäcken, sondern auch mit Zelten, Kochgeschirr und sonstigem Lagerzubehör. 

An diesem Fotomotiv reizte mich besonders die Kombination aus Meutenstab und Graffitti. 

Blick in den Hänger: Sieht gar nicht nach so viel Zeug aus, aber das täuscht.

Am Donnerstag – Christi Himmelfahrt – mussten wir ungefähr so früh aufstehen wie an einem normalen Schultag, um rechtzeitig am Treffpunkt zu sein: Die Meute versammelte sich um 9 Uhr am Bahnhof Südkreuz, um von dort aus mit der Regionalbahn nach Königs Wusterhausen und dann mit der S-Bahn weiter zum Lagerplatz zu fahren. Mein Tochterkind war nach eigenem Bekunden "aufgeregt wie ein Wischmop", und als wir am Bahnhof die ersten anderen Wölflingsmädchen trafen, darunter einige, mit denen meine Tochter sich bei den zurückliegenden Meutentreffen angefreundet hat – auch ihre beste Freundin vom Herbstlager war wieder mit von der Partie –, gab es endgültig kein Halten mehr. – Ein bisschen Sorge machte mir das Wetter: Vor zwei Wochen war's schon richtig sommerlich gewesen, aber nun waren die Eisheiligen ins Land gezogen, es war regnerisch-trüb und wurde nachts noch mal richtig kalt. Kurz, das Wetter war insgesamt so ähnlich wie beim Herbstlager – immerhin nicht schlechter, könnte man sagen, aber ich hatte eigentlich auf mehr Sonne und freundlichere Temperaturen gehofft. 

Aber wie dem auch sei: Nachdem mich in der ersten Nacht kein Notruf ereilt hatte, machte ich mich am Freitag mal auf den Weg, um dem Wölflingslager – das auf dem Pfarrhausgrundstück der zur Pfarrei Zur Heiligen Dreifaltigkeit in Königs Wusterhausen gehörenden Kirche St. Antonius in Eichwalde aufgeschlagen worden war. 


Meine Tochter war wohlauf und fröhlich, und auch sonst war die Stimmung im Lager ausgezeichnet. "Du hast eine gute Jagd verpasst", teilte mir eine Assistentin mit, die ich schon vom Herbstlager her kannte. (Mit dem einschlägigen Vokabular nicht so vertrauten Lesern sei gesagt, dass als "Jagd" bei den Wölflingen ein Geländespiel bezeichnet wird, in dessen Verlauf verschiedene Aufgaben gelöst werden müssen.) Nett fand ich auch, dass eins der Mädchen – dasselbe, das mich am Samstag gefragt hatte, ob ich beim Lager wieder koche – mich mit dem Gestus völliger Selbstverständlichkeit um Hilfe bei einer Pflanzenbestimmungs-Aufgabe bat. Nicht lange nach meiner Ankunft gab es Mittagessen – Kartoffeln mit Quark und Gurkensalat, "ein gutes Freitagsessen", wie die Lagerleiterin anmerkte –, und ich bekam auch eine Portion ab. 



Während des Essens unterhielt ich mich mit dem Kuraten, einem jungen Pater von der Ordensgemeinschaft der Diener Jesu und Mariens, der, wie ich bemerkte, bei den Mädchen ausgesprochen beliebt war. – Nach dem Abwasch war "Stille Stunde", und das nahm ich zum Anlass, mich wieder zu verkrümeln. Ein wenig beeinträchtigt wurde die Idylle des Lagerplatzes übrigens dadurch, dass er genau in der Einflugschneise zum Flughafen BER lag; meine Tochter verriet mir sie habe zum Einschlafen Flugzeuge statt Schafe gezählt. 

Was meine Tochter sonst noch so über das Himmelfahrtslager zu erzählen haben wird, wenn sie morgen zurückkommt, wird, soweit es für die Öffentlichkeit geeignet ist, im nächsten Wochenbriefing nachgeliefert; erwähnen möchte ich jedenfalls noch, dass insgesamt 28 Mädchen aus vier verschiedenen Meuten an diesem Lager teilnehmen, darunter auch die Meute Graubruder aus Berlin-Gesundbrunnen, die noch so neu ist, dass sie noch keine Anhänger an ihrem Meutenstab hat. Aber das wird sich ja nun wohl bald ändern. 


Hier zum Vergleich der Meutenstab der Meute Raschka aus Teltow.

Das Tagesprogramm gibt recht deutlich zu erkennen, dass Gottesdienstbesuch, Katechese und Gebet einen ziemlich umfangreichen Teil des Lageralltags ausmachen. Aber das hatte ich ja auch schon beim Herbstlager festgestellt.

Nach der Erstkommunion nochmal zur Kirche zu kommen, ist ja schon eine Hürde, an der viele scheitern 

Am 6. Sonntag der Osterzeit war in St. Joseph Siemensstadt "Dankgottesdienst der Erstkommunionkinder" – man könnte vielleicht auch "Zweitkommunion" dazu sagen. Unterwegs dorthin fragten wir uns, wie sich dies wohl auf die Platzsituation in der Kirche auswirken würde, rechneten aber nicht ernsthaft damit, dass es auch nur annähernd so voll werden würde wie in der Woche zuvor. Und richtig: Von insgesamt 31 Kindern, die an den beiden vorangegangenen Sonntagen in dieser Kirche die Erstkommunion empfangen hatten, waren zum Dankgottesdienst dreizehn erschienen – nun gut, man kann sagen, wenn man das mit der Heilung der Zehn Aussätzigen (Lk 17,11-19) vergleicht, ist das gar keine sooo schlechte "Rücklaufquote". – Zelebriert wurde auch diese Messe wieder von Padre Ricardo; seine Predigt war im Wesentlichen als Ansprache an die Erstkommunionkinder und deren Familien gerahmt, mit der zentralen Botschaft, sie seien in der Kirche auch weiterhin (!) jederzeit willkommen; aber auch über die Tatsache hinaus, dass es ja schon recht bezeichnend ist, wenn man so etwas gegenüber den Familien von Erstkommunionkindern extra betonen muss, enthielt diese Ansprache ein paar bemerkenswerte Aspekte, die ich hier festhalten möchte. Zum einen räumte Padre Ricardo ein, ihm sei bewusst, dass es den Priestern manchmal am "Geist der Gastfreundschaft" und an Herzlichkeit fehle, und bat dafür "um Verzeihung". Zum anderen merkte er an, es könne für die Kinder, die ja mit einiger Wahrscheinlichkeit "Mitschülerinnen und Mitschüler" haben, "die nicht an Gott glauben", zuweilen schwierig sein, sich zu ihrem Glauben zu bekennen; sie könnten im Alltag leicht in die Versuchung geraten, den Glauben zu verleugnen. "Aber ich sage euch, wenn wir Jesus bekennen, wird Er uns immer helfen, immer. Der Geist wird uns auch bestärken." 

Zum Dankgottesdienst gehört auch der Dank an die ehrenamtlichen Katechetinnen, die an der Erstkommunionvorbereitung mitgewirkt haben, und dieser wurde gegen Ende der Messe, vor den Vermeldungen, mit warmen Worten, Applaus und Blumensträußen abgestattet. Dabei fehlte auch nicht der Hinweis, es hätten sich für den nächsten Erstkommunionkurs "auch einige Neue gemeldet, die mitmachen wollen", und da wurde mir schon ein wenig mulmig bei der Vorstellung, im nächsten Jahr mit da vorne zu stehen. Nicht dass ich was dagegen hätte, Blumen geschenkt zu bekommen, aber auf dem Weg dorthin sehe ich durchaus Konflikte voraus. Na, schauen wir mal. 


Mensch, Mose – beweg dich! 

Am Dienstag fand im Gemeindehaus von St. Stephanus in Haselhorst ein Teamtreffen für die Religiöse Kinderfreizeit in den Sommerferien statt; bis auf den designierten Chefkoch, dem ich auf dieser Fahrt assistieren soll, erschien das Team vollzählig, insgesamt sieben Personen: vier junge Erwachsene (2m/2w), von denen drei auch schon im Vorjahr zum RKF-Team gehört hatten und auch bei den Religiösen Kindertagen mitarbeiten, dazu der Gemeindereferent, seine Frau und ich. – Ein Leitgedanke, den ich zu diesem Treffen mitnahm, lautete, man müsse es vermeiden, dass das katechetische Programm dieser Fahrt als ein notwendiges Übel wahrgenommen werde, als etwas, was man hinter sich bringen müsse, um in der übrigen Zeit Spiel, Sport und Spaß genießen zu können. Das ist übrigens nicht nur ein kirchliches Problem; bei Schulfahrten, sofern diese darauf angelegt sind, (auch) einen Lerninhalt zu haben, ist es nicht anders. Dass zumindest einige der teilnehmenden Kinder eine solche Einstellung zum Programm mitbringen, ist demnach wohl nicht gänzlich zu vermeiden; aber meiner Überzeugung nach verstärkt sich das Problem – geradezu im Sinne einer "self-fulfilling prophecy" –, wenn die Betreuer diese Haltung bei den Teilnehmern voraussetzen und dies auch mehr oder weniger offen kommunizieren, womöglich auch deshalb, weil sie selbst mehr Lust auf Schwimmen oder Volleyball haben als auf Katechese. (Das will ich konkret niemandem aus diesem Team unterstellen, aber prinzipiell ist das eine Möglichkeit, mit der man rechnen muss.) Kurz gesagt, ich denke, es muss wenigstens einen im Team geben, der die Überzeugung ausstrahlt, dass die katechetischen Einheiten das Wichtigste, das Tollste und der eigentliche Hauptinhalt der RKF sind – und wenn's der Küchengehilfe ist. 

Das nächste Problem ist, dass die katechetischen Einheiten dann eben auch so sein müssen, dass man diese Überzeugung glaubwürdig vertreten kann. Und damit kommen wir zu den Materialien zum diesjährigen Thema der Freizeit, "Mensch, Mose – beweg dich!". Wenn ich nicht ohnehin schon mehr als genug zu tun gehabt hätte, hätte ich mich gern etwas gründlicher inhaltlich auf das Teamtreffen vorbereitet, aber was ich gerade noch geschafft hatte, war zum einen, die auf der Website religioesekinderwoche.de unter der Überschrift "Die Inhalte der RKW 2026" veröffentlichten Texte durchzulesen, und zum anderen, mir im Vergleich dazu anzusehen, wie die Lebensgeschichte des Mose in meiner bewährten Kinderbibel dargestellt wird. Zum erstgenannten Punkt nur mal soviel: Als ich las, im Programm des ersten Tages solle das Thema "Identitätsfindung" im Mittelpunkt stehen – da Mose "sich aus seiner Biographie heraus sowohl dem ägyptischen Volk als auch den Hebräern bzw. dem Volk Israel zugehörig fühlt" –, und dazu weiter ausgeführt wurde "Jeder Mensch sollte sich mit seiner Herkunft und Vergangenheit auseinandersetzen, um ein bewusstes und selbstbestimmtes Leben führen zu können", dachte ich erst mal nur: Ächz. – Ich fürchte, Lesern, die diese spontane Reaktion nicht intuitiv verstehen bzw. nachempfinden können, werde ich sie auch kaum erklären können; aber auch ohne an dieser Stelle darauf einzugehen, wie viel ideologisches Schindluder mit dem Begriff "Identität" getrieben werden kann – darauf wäre vielleicht bei Gelegenheit zurückzukommen –, möchte ich einfach mal das Stichwort "sozialpädagogische Banalisierung" in den Raum werfen. Die Tendenz dazu setzt sich im weiteren Verlauf des Wochenprogramms leider fort. Am zweiten Tag sollen sich die "Teilnehmenden" [sic!] "auf die Suche nach ihren persönlichen Kraftquellen" begeben, der vierte Tag steht unter dem Motto "Ich bringe mich ein". – In der Kinderbibel, die ich schon öfter für KiWoGo, RKT usw. verwendet habe, umfasst die Erzählung von der Geburt Moses bis zu seinem Tod 24 Seiten (allerdings mit zahlreichen zum Teil recht großformatigen Bildern), und bei der Lektüre ist mir erst richtig aufgefallen, was in der Kurzübersicht über die "Inhalte der RKW 2026" alles nicht vorkommt: Der Brennende Dornbusch wird wenigstens beiläufig erwähnt, nicht hingegen die Ägyptischen Plagen, das Pessach, der Durchzug durchs Rote Meer, die Zehn Gebote, das Goldene Kalb und die Bundeslade. Okay, sagte ich mir: Dass davon in der Kurzübersicht keine Rede ist, heißt ja noch nicht, dass es in den ausführlichen Materialien nicht vorkommt. Aber eine eigentümliche Schwerpunktsetzung verrät es schon. 

Zu meinem Verdruss stellte sich beim Teamtreffen dann allerdings heraus, dass die ausführlichen Materialien noch viel blöder sind, als die Kurzübersicht es hatte erwarten lassen. Ich finde sie wirklich bizarr schlecht, und zwar inhaltlich und methodisch. Exemplarisch sei hier nur mal der Text von der Rückseite des Materialienbuchs zitiert: 

"Was bringt uns in Bewegung – äußere Umstände oder innere Impulse? In dieser Religiösen Kinderwoche entdecken die Teilnehmenden in fünf Tagen, wie die Erlebnisse und Entscheidungen des Mose auch heute noch Wegweiser für das eigene Leben sein können. Im Mittelpunkt stehen vielfältige Bewegungsangebote, die ganzheitliches Lernen ermöglichen und das Körperbewusstsein stärken. Bewegung wird dabei zur Ausdrucksform von Emotionen, Gebet und Glauben" –

– aber was mit "Glauben" eigentlich inhaltlich gemeint ist, bleibt ausgesprochen schwammig. Ständig geht es in den Materialien darum, in sich selbst hineinzuspüren, bestenfalls sich mit den anderen "Teilnehmenden" auszutauschen; der biblische Stoff wird lediglich als Anlass und Material für psycho-esoterisches Selbsterfahrungsgedöns und hier und da ein bisschen Demokratieförderung genutzt. Alles in allem: "Boomer Catholicism" at its worst. Vielleicht könnte man mit diesem Konzept eine tolle Seniorenfreizeit machen, aber vielleicht ist diese Bemerkung auch unfair unseren älteren Mitgläubigen gegenüber. 

Nun besteht natürlich durchaus die Möglichkeit, dass ich von den Katechesen ohnehin nicht besonders viel mitkriege, weil ich in der Küche zu tun habe; aber deswegen ist es mir noch lange nicht egal, was den Kindern da aufgetischt wird – nicht zuletzt auch, weil meine Tochter mit dabei sein wird. Ich denke also, ich sollte bis zum nächsten Teamtreffen – das in etwa vier Wochen stattfinden soll – etwas Energie und Kreativität auf die Frage verwenden, ob und wie man im Rahmen des vorgegebenen Konzepts zumindest gewisse Akzente setzen könnte: weg von der Nabelschau, hin zu einer Katechese, die diese Bezeichnung wirklich verdient. Mit Hilfe meiner Liebsten habe ich dazu auch schon ein paar Ansatzpunkte gefunden. Ich werde bei Gelegenheit darauf zurückkommen... 


Und was ist jetzt mit der "Guerilla-Urlauberseelsorge"? 

Ebenfalls am Dienstag traf sich das Pastoralteam der Pfarrei St. Willehad Nordenham/Butjadingen/Stadland zur Dienstbesprechung, und da wurde auch über meinen Vorschlag zum Thema "Spirituelle Angebote für Familien im Urlaub" gesprochen. Wenn die Antwort, die ich auf meine Mail erhielt, Rückschlüsse darauf zulässt, wie ausführlich dieser Tagesordnungspunkt diskutiert wurde, dann war es eine sehr kurze Besprechung. Das Ergebnis lautete kurz und bündig, man habe "kein Interesse", auf dieses "Angebot einzugehen". Zur Begründung heißt es in der Antwort an mich: "Die Urlauber-Kirche ist bereits komplett geplant und es gibt genügend Familien, die als Teamer in den nächsten Jahren mit uns arbeiten." – Ich sag mal so: Wenn ich im Juli nach Butjadingen komme und dort feststelle, dass die Urlauberkirche dort nicht nur neue Shirts mit einem neuen Logo, sondern auch ein von Grund auf erneuertes Konzept hat und ein reichhaltiges spirituelles und katechetisches Programm bietet, dann nehme ich alles zurück, was ich in den folgenden Zeilen schreiben werde, und leiste öffentlich Abbitte. Aber ich glaube, da könnte ich genauso gut schreiben "...dann fress' ich einen Besen". 

Dies vorausgeschickt, muss ich sagen, die selbstgefällige "Brauchen wir nicht!"-Haltung, die Team Willehad da an den Tag legt, erinnert mich frappierend an den Pfarrer von St. Klara Reinickendorf-Süd, der bei allen möglichen Initiativen oder Anregungen, die irgendwie in Richtung Neuevangelisierung und/oder Gemeindeerneuerung gingen, ebenfalls immer zu fragen pflegte "Brauchen wir das?". Ich habe ihm dazu mal in einer Mail folgendes geschrieben: 

"Ich würde so eine Frage ehrlich gesagt eher in einer Gemeinde (oder vergleichbaren Institution) erwarten, die schon alles hat, was sie braucht – in der alles so gut läuft, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes 'wunschlos glücklich' ist. – Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgend jemand ernsthaft der Auffassung ist, das sei bei uns der Fall." 

Tja. Das ist offenbar so ein Punkt, wo ich immer wieder zu naiv-optimistisch bin und den Leuten zu viel zutraue, nämlich, dass sie doch selber merken müssten, dass es bei ihnen nicht so toll läuft und dass sie es sich daher nicht leisten können, Initiativen und Anregungen, die vielleicht nicht auf dem gewohnten Dienstweg daherkommen, mit einem steifnackigen "Brauchen wir nicht!" abzuschmettern. – Im Fall der Urlauberseelsorge in Butjadingen dürfen wir nun jedenfalls wohl davon ausgehen, dass deren Programm deshalb so ist, wie es ist, weil Team Willehad es genau so haben will. Mehr oder etwas anderes als das, was da geboten wird, ist ausdrücklich unerwünscht, selbst wenn man's den Leuten auf dem Silbertablett serviert. Wenn man den Begriff Seelsorge ernst nimmt und wörtlich versteht, als Sorge für oder um Seelen, ist so eine Haltung eigentlich zutiefst unverständlich. Vermutlich muss man da aber unter anderem auch die von Pastor Kurowski angesprochene "pomadige Behördenstruktur" in Rechnung stellen: Die Urlauberkirche ist ein Haushaltsposten mit klaren Zuständigkeiten und geregelten Abläufen, und es geht nicht an, dass irgendwer daherkommt und meint, man könnte das doch alles auch mal ganz anders machen. Auch nicht innerhalb des Pastoralteams übrigens: Die Urlauberbetreuung fällt in die Zuständigkeit des Diakons, und da hat ihm keiner reinzureden. 

Was übrigens das Problem angeht, das Diakon Richter mit mir hat und ich mit ihm, ist mir neulich zwischen Klo und Dusche eine Erkenntnis gekommen, die fast schon eine Erleuchtung genannt werden darf: In gewissem Sinne könnte man ihn als meinen bösen Zwilling bezeichnen. Nicht nur hat er als Diakon und Pastoralreferent Gestaltungsspielräume in der Kirche, von denen ich vorläufig nur träumen kann; er hat, in Gestalt des "Rat-Schinke-Hauses" in Burhave, sogar so etwas wie sein eigenes Pfarrhausfamilien-Projekt. Nur nutzt er das alles eben gerade nicht für Neuevangelisierung und Gemeindeerneuerung, sondern hisst vor dem Haus eine Regenbogenflagge und betreibt ansonsten religiöses Containment im Sinne Pastor Kurowskis. Und genau dafür wird er von der Kirche auch noch bezahlt, und das gewiss nicht schlecht. – Letzteres macht natürlich auch deutlich, dass das eigentliche Problem nicht an einer einzelnen Person hängt, sondern dass es sich um ein strukturelles Problem der post-volkskirchlichen Institutionen handelt, dass Leute in solchen Positionen so handeln. Aber dieses strukturelle Problem konkretisiert sich eben in einzelnen Personen, und ich sag mal so: Ich an deren Stelle würde mich lieber nicht darauf verlassen, dass ich beim Jüngsten Gericht damit durchkomme, alles auf die Strukturen zu schieben. 

Die entscheidende Frage lautet aber natürlich: Und was jetzt? – Fangen wir mal mit dem einfachsten an: Einmal pro Urlaubswoche "Lobpreis mit dem Stundenbuch" aka "Beten mit Musik" würden wir wohl so oder so machen, auch schon für uns alleine; wenn wir das öffentlich ankündigen wollen, können wir es angesichts der ablehnenden Haltung der Pfarreiverantwortlichen nicht in der Kirche machen, aber ich schätze, im Bürgerobstgarten (zum Beispiel) wäre das vom allgemeinen Recht auf Versammlungsfreiheit gedeckt. Und darüber hinaus? Sehr ungern verzichten würde ich darauf, Kinderkatechesen zu den Sonntagsevangelien anzubieten, einfach weil die Texte dafür so viel hergeben (das Gleichnis vom Sämann, das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen, das Gleichnis vom Schatz im Acker). Könnte man vielleicht auch im Bürgerobstgarten machen, oder am Strand, aber vielleicht findet sich da auch noch eine andere Möglichkeit – es sind ja noch ein paar Wochen Zeit bis dahin, und ein paar Ideen, wo man mal anfragen konnte, hatte ich auch schon. Die behalte ich aber vorerst lieber mal für mich... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Lukas sagt, dass die Jünger voll Freude waren, als der Herr endgültig von ihnen gegangen war. Wir würden das Gegenteil erwarten. Wir würden erwarten, dass sie ratlos und traurig zurückblieben. Die Welt hatte sich nicht geändert, Jesus war endgültig von ihnen gegangen. Sie hatten einen Auftrag erhalten, der unausführbar schien und ihre Kräfte überstieg. Wie sollten sie vor den Menschen in Jerusalem, in Israel, in der ganzen Welt hintreten und sagen: "Dieser Jesus, der gescheitert schien, ist doch der Retter von uns allen"? Jeder Abschied hinterlässt Trauer. Auch wenn Jesus als Lebender von ihnen gegangen war: Wie sollte sein endgültiges Scheiden von ihnen sie nicht traurig machen? Und doch – da steht, sie kehrten mit großer Freude nach Jerusalem zurück und priesen Gott. Wie können wir das verstehen? 

Jedenfalls folgt daraus, dass die Jünger sich nicht verlassen fühlen. Dass sie Jesus nicht als weit von ihnen in einen unzugänglichen Himmel entschwunden ansehen. Sie sind offenbar einer neuen Gegenwart Jesu gewiss. Sie sind sich gewiss (wie es der Auferstandene nach Matthäus denn auch gesagt hat), dass er gerade jetzt auf eine neue und machtvolle Weise bei ihnen gegenwärtig ist. Sie wissen, dass "die Rechte Gottes", zu der er "erhöht ist", eine neue Weise seiner Gegenwart einschließt, dass er nun unverlierbar bei ihnen ist, so wie eben nur Gott uns nahe sein kann. 

Die Freude der Jünger nach der "Himmelfahrt" korrigiert unser Bild von diesem Ereignis. "Himmelfahrt" ist nicht Weggehen in eine entfernte Zone des Kosmos, sondern die bleibende Nähe, die die Jünger so stark erfahren, dass daraus beständige Freude wird. 

(Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Bd. II) 


Ohrwurm der Woche 

Simple Minds: And the Band Played On 

Irgendwann gegen Mitte der 90er habe ich mal eine Plattenkritik gelesen, in der es über eine Band, deren Ruhm vorrangig aus den 80ern datierte, hieß, auf ihrem neuen Album habe sie nicht nur Gott, sondern auch die Gitarre entdeckt. Der Witz an der Sache ist, dass zwar diese Formulierung aus der Rezension bei mir hängen geblieben ist, ich mich aber nicht mit letzter Sicherheit erinnern kann, auf welche Platte sie sich bezog: Wahrscheinlich handelte es sich um "Songs of Faith and Devotion" (1993) von Depeche Mode, es könnte aber auch "Good News from the Next World" (1995) von den Simple Minds gewesen sein – denn auch wenn die Simple Minds "schon immer" eine Gitarre in ihrem Instrumentarium hatten, darf man wohl doch behaupten, dass ihr Sound in den 80ern erheblich keyboardlastiger war. Mitte der 90er war von der Band aber neben Sänger Jim Kerr nur noch der Gitarrist Charlie Burchill übrig geblieben, und der lässt es auf "Good News from the Next World" – unterstützt von hochkarätigen Session-Musikern wie Marcus Miller am Bass und Vinnie Colaiuta am Schlagzeug – ordentlich krachen. Was derweil die Entdeckung Gottes betrifft, sind die Songtexte des Albums wenn auch nicht von expliziten Glaubensaussagen, aber doch in auffallendem Maße von einer spirituell gefärbten Sprache geprägt, und für den Song "And the Band Played On" gilt das, so möchte ich behaupten, in besonderer Weise: Da tritt gleich im ersten Vers ein Engel auf, später ist von Geistern und einem Heiligenschein die Rede, auch der Name Jesus wird genannt. Nicht zuletzt glaube ich, dass dieser Song mir in der zurückliegenden Woche auch deshalb so hartnäckig durch den Kopf ging, weil der Vers "Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben" (1 Petr 3,18a) aus der 2. Lesung vom Sonntag mich an die Textstelle "A coward dies a thousand times, but the brave they die just once" erinnerte. 


Vorschau / Ausblick 

Ich muss mir noch sehr gut überlegen, ob ich morgen super-früh aufstehen will, um zur Messe nach Eichwalde zu fahren; dafür spräche allerdings, dass mein Tochterkind am letzten Tag des Wölflingslagers im "Ehrenrudel" ist und folglich bei der Vorbereitung des Gottesdienstes mithelfen darf. Spätestens gegen Abend wird die Familie jedenfalls wieder vereint sein und dürfte sich dann wohl viel zu erzählen haben. Im Übrigen ist gerade Pfingstnovene, und für einen Rückblick auf den Katholikentag könnte im nächsten Wochenbriefing ebenfalls Platz sein (sofern das Thema nicht für noch einen eigenständigen Artikel ausreicht); davon abgesehen steht uns eine von nur zwei "ganz normalen" Schul- und Arbeitswochen im Mai bevor, und der Terminkalender verheißt keine besonders blogrelevanten Ereignisse. Allerdings sollte ich mich mal mit meiner Studienplatzbewerbung für ein Fernstudium befassen, und auch sonst wird's mir sicher nicht langweilig: Die Kinder haben Kampfsporttraining, am Mittwoch ist JAM, am Freitag ist unser Jüngster bei der Geburtstagsfeier eines KiTa-Freundes eingeladen. Und dann folgt auch schon das extra-lange Pfingstwochenende – da wollen wir uns dann mal wieder dem Projekt "Kinderzimmer-Neugestaltung" widmen...