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Samstag, 31. Januar 2026

Utopie und Alltag 10: Guten Rutsch!

Gott zum Gruße, Leser! Ist es bei euch auch so kalt – und vor allem: so glatt? In Berlin-Reinickendorf ist derzeit jeder Schritt vor die Haustür ein Abenteuer; wenn auch nicht unbedingt "Das Abenteuer, nach dem du dich sehnst" – um mal den Titel eines Buches zu zitieren, das ich im Zuge der Arbeit am Büchereiprojekt an Land gezogen, aber immer noch nicht gelesen habe. Gleichwohl haben die Straßenverhältnisse meine Familie und mich nicht davon abhalten können, in der zurückliegenden Woche wieder ziemlich viel unterwegs zu sein, und so gibt es wieder allerlei zu berichten; schwerpunktmäßig wieder einmal aus dem Bereich Kinderkatechese. Also, auf geht's! 


Neues von den Pfadfindern 

Eins vorweg: Kürzlich regte sich bei mir die Befürchtung, meine achtjährige Tochter habe eine vorzeitige "Null-Bock-Phase". Das ging damit los, dass meine Schwiegermütter sie von der Schule abholen wollten, um mit ihr ins Labyrinth Kindermuseum zu gehen, und sie erklärte, darauf habe sie keine Lust. Sie blieb so standhaft bei ihrer Weigerung, dass die Omas sie schließlich stattdessen zu Hause ablieferten. Am selben Tag machte ich Lasagne zum Abendessen – eigentlich ihr erklärtes Lieblingsessen, aber just als das Abendessen fertig war, teilte sie mir mit, sie habe "auf Lasagne irgendwie keinen Bock". Sorge bereitete mir dieses sich abzeichnende Muster nicht zuletzt, weil ich mich fragte: Was, wenn sie plötzlich auch auf die Pfadfinder "keinen Bock" mehr hat? Ich habe gerade das Antragsformular für die Aufnahme in den Stamm ausgefüllt! – Einigermaßen beruhigt war ich, als meine Große ihre Portion Lasagne dann doch mit gutem Appetit aufaß und dabei (!) unaufgefordert erklärte, sie freue sich schon auf das nächste Wölflingslager – "aber nur, wenn du wieder mitkommst". Worauf ich erklärte, ich würde mit Vergnügen wieder z.B. im Küchenteam mithelfen. (Die nächste Gelegenheit dazu dürfte es nach meinem aktuellen Kenntnisstand am langen Wochenende ab Christi Himmelfahrt geben, also Mitte Mai – zeitgleich mit dem Katholikentag. Schauen wir mal.) 

Derweil war der Jüngste ein paar Tage lang so erkältet gewesen, dass er am Donnerstag nicht zum Kampfsporttraining und am Freitag nicht zur KiTa gehen konnte, aber pünktlich zum Wochenende war er wieder fit und fest entschlossen, zum Treffen der Schöneberger KPE-Pfadfinder mitzukommen, wo sich diesmal auch wieder die Wichtelgruppe (für Kinder im Alter von 4-7 Jahren) traf. (Wie schon mal erwähnt, gibt es Wichtelgruppentreffen an diesem Standort nämlich nur einmal im Monat, wohingegen die Wölflingsmädchen sich wöchentlich treffen.) 

Wir fuhren also am Samstag nach dem Frühstück alle vier nach Schöneberg; meine Liebste ging mit dem Jüngsten zur Wichtelgruppe, die sich im Gemeindehaus der Kirche St. Norbert versammelte, während die erste Hälfte des Meutentreffens der Wölflingsmädchen trotz frostiger Temperaturen draußen stattfand. Immerhin war unser Tochterkind diesmal warm genug angezogen. 15 Mädchen erschienen zu dem Treffen; es gab einige bewegungsintensive Spiele, ein Quiz zu den Charakteren des "Dschungelbuchs", und gebetet wurde auch wieder viel. Dann ging es nach drinnen, wo es eine kleine Stärkung gab (jedes Mädchen erhielt ein Stück Fladenbrot und zwei Stückchen Schokolade), ein paar Lieder gesungen wurden und in der letzten Dreiviertelstunde gebastelt wurde. 

Dieses Modell eines Wölflingsmädchens, das man mittels eines Magneten am Kühlschrank befestigen kann, soll die Mädchen an ihre korrekte Kluft erinnern.

In der Wichtelgruppe hörten die Kinder, wie mir später erzählt wurde, Geschichten über den Hl. Franziskus und bekamen ein Ausmalbild dazu; gebetet wurde auch da, und zum Abschluss wurde draußen gespielt. Da das Programm für die Wichtel aber insgesamt rund eine Stunde kürzer war als das für die Wölflinge, kamen meine Liebste und unser Jüngster schließlich noch mit in den Gemeindesaal, und einige andere Mütter, die Kinder in beiden Altersstufen haben, handhabten es genauso. 

Insgesamt würde ich diesen Besuch bei den Schöneberger KPE-Pfadfindern als einen vollen Erfolg bezeichnen, die Kinder hatten viel Spaß in ihren jeweiligen Gruppen und ihre Motivation für zukünftige Pfadfinderaktivitäten ist ohne Zweifel gestärkt worden. Erst mal ist damit jetzt aber Pause, wegen der Winterferien. Dass es heute vormittag kein Wölflingstreffen gab, traf sich insofern ganz gut, als meine Schwiegermütter heute mit uns in den Friedrichstadtpalast wollten, zu einer Frida-Kahlo-Revue; nächstes Wochenende wird ebenfalls keins sein, danach ist dann erst mal Fasching und danach der "BiPi-Tag" – der Geburtstag von Lord Baden-Powell und seiner Frau Olave, ein großer Feiertag in der weltweiten Pfadfinderbewegung. – Okay, bis dahin sind es noch ein paar Wochen; aber eine kleine Anekdote zum Thema Pfadfinder habe ich noch auf Lager: Am vorletzten Sonntag, auf der Rückfahrt vom Pfadfindertreffen in St. Afra, stellte ich fest, dass ich einen hartnäckigen Ohrwurm hatte, nämlich die Fußball-WM-Hymne "'54, '74, '90, 2006" der Sportfreunde Stiller. Dabei bin ich gar kein Fußballfan, und ein Fan der deutschen Nationalmannschaft schon gar nicht. Wo kam das also her? Schlagartig wurde mir klar: Das Lied, das bei den St.-Afra-Pfadfindern zum Abschluss gesungen war, war schuld. "Frei wie ein Albatros", zuweilen auch, nach den Anfangsworten, "Wir sind Kameraden" genannt. Gerade die letzten Verse im Refrain – "Heute hier, morgen dort, g'rade wie es uns gefällt / Ja, so frei ist die Pfadfinderei" – haben für mein Ohr erhebliche Ähnlichkeit mit den Sportfreunde-Stiller-Versen "Mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein / werden wir Weltmeister sein". Ich fand die Ähnlichkeit so ausgeprägt, dass ich mich fragte, ob sie wirklich zufällig sein kann. Zumal ich mir, wenn ich mir die Sportfreunde Stiller so ansehe, gut vorstellen kann, dass die auch mal bei den Pfadfindern waren. 

Auf der Rückfahrt aus Schöneberg am vergangenen Samstag ging mir das Lied erneut im Kopf herum, und mein dadurch veranlasster Versuch, der Frage auf den Grund zu gehen, ob die Sportfreunde Stiller womöglich bewusst und absichtlich ein traditionelles Pfadfinderlied gecovert haben, führte zu einer bemerkenswerten Entdeckung (die allerdings mit dieser Frage so direkt gar nichts zu tun hat): Als ich bei YouTube nach einer Aufnahme von "Frei wie ein Albatros" suchte, um sie mir zum Vergleich mit "'54, '74, '90, 2006" anzuhören, stieß ich auf ein Video der Pfadfinder im Mühlenbecker Land e.V. – und dachte: Wat? Im Mühlenbecker Land gibt's Pfadfinder? Zu welchem Verband gehören die denn wohl? Die Antwort auf diese Frage ist so interessant wie tendenziell widersprüchlich, sie lautet: zu gar keinem, bzw. doch, nämlich zur World Federation of Independent Scouts (WFIS) – und das ist ein Dachverband für Pfadfindergruppen, die keinem Verband angehören. Erinnert ein bisschen an das Russellsche Mengenparadox, oder? Jedenfalls finde ich es interessant, dass es so etwas gibt, und dann auch noch im Mühlenbecker Land. Als jemand, der grundsätzlich immer an Möglichkeiten der Vernetzung über institutionelle und sonstige Grenzen hinaus interessiert ist, denke ich mir nun, vielleicht könnte und sollte man da mal einen Kontakt herstellen, mit der Perspektive, gelegentlich mal gemeinsame Aktivitäten der verschiedenen hier in der Gegend vertretenen Pfadfindergruppen ins Auge zu fassen – z.B. mal ein gemeinsames Lager, mit Wettkämpfen und so. Ist natürlich erst mal nur so eine Idee; es kann natürlich auch sein, dass die verschiedenen Gruppen daran überhaupt kein Interesse haben und dass es gerade deshalb so viele verschiedene Pfadfinderorganisationen gibt, weil die alle nichts miteinander zu tun haben wollen. Aber das muss ja nicht unbedingt so sein. Behalten wir den Gedanken mal im Hinterkopf... 


Schwarzer Gürtel in KiWoGo 

Nachdem wir vom Pfadfindertreffen wieder zu Hause waren, hatte ich für den Rest des Samstags vorrangig zwei Dinge zu tun: mein Wochenbriefing fertigstellen und den Kinderwortgottesdienst für den nächsten Tag vorbereiten. Jedenfalls theoretisch; praktisch war daneben doch noch allerlei anderes zu tun, sodass ich für die KiWoGo-Vorbereitung am Ende weniger Zeit hatte, als mir lieb gewesen wäre, aber ich sagte mir, ein bisschen Raum für Improvisation zu lassen sei sicher nicht verkehrt. Mich noch gründlicher vorzubereiten, hätte mir auch wohl kaum etwas genützt, denn früh am Sonntagmorgen erreichte mich noch ein Last-Minute-Änderungsvorschlag zum Ablauf des Kinderwortgottesdienstes: Am Tag zuvor hatten die Erstkommunionkinder der Gemeinde ihre Erstbeichte gehabt, und da erfahrungsgemäß ein großer Teil der Kinder, die zu unseren Kinderwortgottesdienst kommen, zum jeweils aktuellen Erstkommunionkurs gehören, fand der Gemeindereferent, angesichts der Worte "Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe" aus dem Evangelium vom Tag biete es sich an, einen Bezug zur Beichte herzustellen. Ich war damit durchaus einverstanden, zumal ich fand, das Stichwort Umkehr passe auch gut zu der von mir vorbereiteten Bekehrungs– und Berufungsgeschichte der Clare Crockett. Wir einigten uns also auf folgenden Ablauf: 

  • Beginn mit dem üblichen Lied, "Alles was ich hab" (das ich thematisch diesmal sehr passend fand, aber das denke ich fast jedesmal) 
  • Das Evangelium vom Tag wird vorgetragen (mit leichten Kürzungen in der ersten Hälfte) 
  • Der Gemeindereferent greift das Stichwort "Umkehr" auf, verweist darauf, was im Erstkommunionkurs zu diesem Thema besprochen wurde, und stellt den Zusammenhang zum Beichtsakrament her 
  • Ich erinnere an das "Beruferaten" vom KiWoGo am 4. Adventssonntag, spreche darüber, dass die Jünger im Evangelium ihre berufliche Existenz, ja ihr ganzes bisheriges Leben hinter sich lassen, um Jesus nachzufolgen, und betone, dass es solche radikalen Berufungserlebnisse auch heute noch gibt; das leitet über zum Hauptteil, nämlich einer Nacherzählung der Lebensgeschichte von Clare Crockett. 
Gute Faustregel: Je mehr man erzählt, desto mehr muss man auch visualisieren, um die Aufmerksamkeit der Kinder zu behalten. Diese "gestaltete Mitte" entstand nach und nach im Zuge der Erzählung.

Im Vergleich zu den letzten Malen war dieser KiWoGo leider ein bisschen schwach besucht – vier Jungs aus dem Erstkommunionkurs waren dabei, dazu meine beiden Kinder sowie ein Mädchen, das schon letztes Jahr zur Erstkommunion gegangen ist –, aber die teilnehmenden Kinder waren aufmerksam bei der Sache und zeigten gute Beteiligung, wenn ich in meine Erzählung Fragen einstreute: etwa, was eine Nonne bzw. Ordensschwester eigentlich den ganzen Tag macht, oder was ein Rosenkranz ist und wie man ihn benutzt. – Insgesamt bin ich geneigt zu sagen, unter all den Kinderwortgottesdiensten seit Oktober 2023, an deren Gestaltung ich wesentlich beteiligt gewesen bin, zählt dieser zu meinen Favoriten, zusammen mit dem KiWoGo zum Thema "Gehet hin in alle Welt" (Mai '24) und dem zum Propheten Jeremia (Dezember '24) – und ehrlich gesagt auch meinem allerersten eigenständig konzipierten KiWoGo zum Thema "Wo wohnst du?" im Januar '24, obwohl da so viel schiefgelaufen ist. Was die Nacherzählung des Lebens von Clare Crockett angeht, könnte ich mir vorstellen, sie mal in einem anderen Format erneut zu verwenden: Wenn man mehr Zeit und eine etwas ältere Zielgruppe hätte – beispielsweise bei einem Einkehrwochenende für Firmlinge oder so –, könnte man sicherlich auf einige Aspekte noch ausführlicher und vertiefend eingehen. 

Auch zu diesem Thema möchte ich übrigens noch eine Anekdote loswerden: Wer das Foto von der "gestalteten Mitte" aufmerksam betrachtet, wird darauf eine Zigarettenschachtel entdecken. Die war leer, aber noch am Samstagnachmittag trieb mich die Frage um, wo ich eigentlich so auf die Schnelle eine leere Zigarettenschachtel herbekommen sollte, ohne zu diesem Zweck öffentliche Papierkörbe durchwühlen oder, was ja wohl noch absurder wäre, eine Schachtel Zigaretten kaufen zu müssen. Noch während ich darüber nachdachte, kam ich an einem (geschlossenen) Backshop/Kiosk vorbei, in dessen Außenbereich ein Tisch und ein paar Stühle standen, und auf dem Tisch lag eine leere, ansonsten aber wie neu aussehende Zigarettenschachtel. Ein Geschenk des Himmels, könnte man sagen...! 

Da in einem weiteren Sinne ja auch das Projekt "Religiöse Kindertage" (RKT) zum Thema "Schwarzer Gürtel in KiWoGo" gehört, sei an dieser Stelle übrigens noch darauf eingegangen, dass am vergangenen Donnerstag eigentlich ein Vorbereitungstreffen zum Februar-RKT hätte stattfinden sollen; da konnte ich leider nicht, aber wie sich zeigte, war ich da nicht der einzige: Infolge einiger krankheitsbedingter Absagen wurde das Treffen verschoben. Jetzt gilt es abzuwarten, wann der Ersatztermin ist und ob ich da dann dabei sein kann... 


Auf der anderen Straßenseite 

Das Kinderprogramm der EFG The Rock Christuskirche in Haselhorst, genannt JAM ("Jungschar am Mittwoch"), fand im Zeitraum zwischen Weihnachts- und Winterferien genau zweimal statt, und beide Male waren wir dabei. Beim ersten Mal, also vorletzten Mittwoch, herrschte akuter Mitarbeitermangel, was besonders deshalb ungünstig war, weil die Veranstaltung ausgesprochen gut besucht war: Es waren sowohl "neue" Familien da als auch solche, die früher öfter dabei gewesen waren, aber schon seit längerer Zeit nicht mehr. Eine Auswirkung des Mitarbeitermangels war, dass die Kinder für den katechetischen Teil nicht in zwei Altersgruppen (Vorschul- und Schulkinder) geteilt wurden, sondern zusammen blieben. Ich bekam jedoch leider nichts von der Kinderkatechese mit, da ich zum Elterncafé "musste". Das kam so: Zu Beginn des Programms sagte eine der Mitarbeiterinnen zu meiner Liebsten und mir, es wäre ihr wichtig, dass mindestens einer von uns zum Elterncafé ginge; ich vermutete, dass das mit dem Zusammentreffen von Mitarbeitermangel und verhältnismäßig vielen neuen oder "seltenen" Teilnehmern zu tun hatte: Sie wollte wohl sicherstellen, dass beim Elterncafé, wo es weiterhin um das Markusevangelium gehen sollte, der Anteil derer, die etwas Sinnvolles zum Bibeltext sagen konnten und wollten, nicht zu klein wäre. Unser Jüngster war aber gerade wieder einmal in ziemlich bockiger Stimmung und wollte seine Mami nicht zum Elterncafé gehen lassen, daher sagte ich mir: Dann muss ich wohl. Nach einiger Zeit kam meine Liebste dann zwar doch nach, aber daraufhin wieder 'rauszugehen und zum Kinderprogramm zurückzukehren, war wohl keine Option. Und tatsächlich gefiel es mir beim Elterncafé besser als sonst meist. Ein entscheidender Grund war, dass die Mitarbeiterin, die diesmal das Elterncafé leitete – eine Mutter von drei Söhnen, von denen zwei allerdings schon aus dem JAM-Alter raus sind – schon ungewöhnlich früh aus dem möchtegern-exegetischen Herumstochern im Bibeltext ausstieg und das Gespräch auf eine persönlichere Ebene lenkte. "Dran" war an sich Markus 6,45-52 – Jesus wandelt über den See –, und die Leiterin knüpfte daran die Frage: "Wo gibt es in unserem Leben Stürme, in denen wir den Beistand Jesu benötigen?" Sie ging auch gleich mit gutem Beispiel voran und erzählte von herausfordernden Situationen in ihrem Privatleben, besonders in ihrem Verhältnis zu ihrem ältesten Sohn. Auf diese Weise wurde Themen, die sonst bestenfalls in der letzten Viertelstunde des Elterncafés, beim Sammeln von Gebetsanliegen, zur Sprache kommen, von vornherein größerer Raum gegeben, und das fand ich gut. Gleichwohl bemerkte ich Anzeichen dafür, dass mindestens eine der "neuen" Teilnehmerinnen etwas befremdet darüber war, nichtsahnend in einen Bibelkreis geraten zu sein; unter der Bezeichnung "Elterncafé" hatte sie sich offenbar etwas anderes vorgestellt, und zumindest ich kann ihr das nicht verübeln. Na, zu dem Thema wollte ich ja eigentlich schon längst mal etwas Grundsätzliches schreiben; vielleicht komme ich über die Ferien dazu. 

Als ich meine Große später nach dem Inhalt der Kinderkatechese fragte, die ich verpasst hatte, sagte sie, es sei um "Zeit und Ewigkeit" gegangen, sah sich jedoch nicht imstande, das näher zu erläutern. Umso mehr war ich erpicht darauf, beim nächsten JAM – am vergangenen Mittwoch – wieder beim Programm für die 6-12jährigen Kinder zuzuschauen und zu -hören, und diesmal gelang mir das auch. Einleitend erklärte die JAM-Leiterin, es werde wie beim vorigen Mal eine "Gegenstands-Andacht" geben; darüber, dass Katechesen in dieser Gemeinde (und wohl auch darüber hinaus im evangelikalen Sprachgebrauch) als "Andachten" bezeichnet werden, habe ich mich schon bei früherer Gelegenheit gewundert, und so richtig gewöhnen kann ich mich da immer noch nicht dran; gleichwohl war ich – unter dem Aspekt der Methodenvielfalt – gespannt, wie das Format "Gegenstands-Andacht" konkret aussehen mochte und wie es sich von den beim JAM sonst meist üblichen interaktiv gestalteten Nacherzählungen biblischer Geschichten unterschied, die in der Regel deutlich mehr als zwei "Sitzungen" in Anspruch nehmen. 

Bereits auf den ersten Blick fiel es auf, dass die Leiterin auf der Bühne eine Vielzahl unterschiedlicher Lichtquellen – Kerzen, Glühbirnen, Taschenlampen, Scheinwerfer – aufgebaut hatte; da lag die Vermutung nahe, dass es, nachdem das Thema in der vorigen Woche "Zeit" gelautet hatte, diesmal um dss Thema "Licht" gehen sollte. Die Kinder hatten allerdings, als die Leiterin erklärte, es solle diesmal um etwas gehen, "was wir alle jeden Tag machen", zunächst andere Ideen: "Atmen", schlug ein Junge vor. "Beten", warf mein Tochterkind ein, worauf die Leiterin überrascht und erfreut reagierte, dann jedoch erklärte, was sie meine, sei: Licht anmachen. Es folgte ein kleiner Vortrag darüber, welche unterschiedlichen Methoden, Licht zu machen, die Menschen im Laufe der Jahrtausende erfunden haben; dann wurde im Saal das Licht ausgemacht, und die Kinder sollten mit Hilfe einer Schwarzlicht-Taschenlampe kleine Zettel suchen, die im Raum versteckt waren und auf denen jeweils ein Wort stand. Der nächste Schritt bestand dann darin, diese Wörter zu einem Satz zusammenzusetzen, und dieser Satz lautete: 

"Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt." 

Daran schloss sich natürlich eine Auslegung dieses Satzes an – in der Form, dass die Leiterin im Gespräch mit den Kindern erörterte, was Jesus denn wohl mit dieser Aussage über sich selbst gemeint haben könnte. Dazu gehörte auch die Frage: Wenn Jesus das Licht ist, was ist dann die Dunkelheit, in die Er hinein leuchten will? Eine besonders schöne Antwort darauf hatte mein Tochterkind: "Der Abgrund in unseren Herzen." Ich war beeindruckt, und die JAM-Leiterin offenbar auch. 

Nicht unerwähnt lassen möchte ich übrigens auch, dass mein Tochterkind in letzter Zeit schon mehrmals im Lobpreis-Teil des JAM zusammen mit einer oder mehreren Mitarbeiterinnen die Choreographien verschiedener "Adonia-Bibelvers-Songs" vortanzen durfte. Sie ist da mit großem Engagement bei der Sache, und ich finde das prima. 


Update Religionspädagogik 

In der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings hatte ich Neuigkeiten hinsichtlich der Frage "Will der Klein jetzt ernsthaft Religionspädagogik studieren und Gemeindereferent werden?" in Aussicht gestellt, also will ich mich diesbezüglich nun auch nicht lumpen lassen. Wie angekündigt, hatte ich nämlich am Dienstag ein Infogespräch in dieser Angelegenheit, und ohne darüber allzu viel verraten zu wollen, kann ich doch immerhin sagen, dass das Gespräch in sehr netter und lockerer Atmosphäre ablief und dass ich nun schon viel klarer darüber sehe, wie der Weg zu einer Anstellung als Gemeindereferent beim Erzbistum Berlin konkret ablaufen würde. Das vielleicht wichtigste Ergebnis dieses Gesprächs ist, dass es mir bestätigt hat: Ich hab da Bock drauf. Was natürlich noch lange nicht heißt, dass es auch tatsächlich was wird. Das ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig, oder anders ausgedrückt: Es gibt zahlreiche denkbare Gründe dafür, dass entweder das Erzbistum oder ich selber (oder vielleicht beide) an irgendeinem Punkt des Prozesses sagen könnten: Das wird doch nichts mit uns. Aber erst einmal bin ich durchaus bereit, es darauf ankommen zu lassen. – Um schon im kommenden Frühjahrssemester mit dem Studium zu beginnen, ist die Bewerbungsfrist an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen indes schon abgelaufen; alternativ könnte man zum Herbstsemester ein Fernstudium in Paderborn beginnen oder aber bis nächstes Jahr warten – das will noch gut überlegt sein. Was mich an der Quereinsteiger-Offensive des Erzbistums Berlin allerdings am meisten interessiert – noch mehr als das Studium selbst –, ist die studienbegleitende berufspraktische Ausbildung; denn ich muss ehrlich gestehen, wenn man zuerst das auf sieben Semester angelegte Bachelorstudium abschließen müsste, bevor man mal damit anfangen könnte, tatsächlich in der Pastoral zu arbeiten, dann würde ich sagen, das dauert mir zu lange. Schließlich bin ich nicht mehr der Jüngste (auch wenn die freundliche Dame vom Erzbischöflichen Ordinariat, mit der ich sprach, meinte, ich passe genau ins typische Bewerberprofil, auch vom Alter her). Tatsächlich sieht der Ausbildungsplan des Erzbistums bereits ab dem dritten Semester eine studienbegleitende Anstellung im Umfang einer 50%-Stelle vor, bei der es zunächst vor allem darum geht, verschiedene Tätigkeitsfelder kennenzulernen (Religionsunterricht, Arbeit in der Pfarrei, Krankenhausseelsorge und schließlich einen selbst gewählten weiteren Schwerpunkt, z.B. "Citypastoral", Jugendpastoral, muttersprachliche Gemeinden) und die ab dem 5. Semester zu einer 100%-Stelle aufgestockt wird (wobei die fürs Studium aufgewendete Zeit auf die Arbeitszeit angerechnet wird). Das klingt für mich durchaus attraktiv. – Und wie geht's jetzt wohl weiter? Als nächster Schritt steht in drei Wochen ein "Bewerber:innen-Tag" des Erzbistums an, zu dem alle Interessenten für eine Ausbildung im Pastoralen Dienst, und somit auch ich, eingeladen wurden. Wie mir gesagt wurde, soll sich dieser "Bewerber:innen-Tag" von einem "assessment center" in der freien Wirtschaft hauptsächlich dadurch unterscheiden, dass er nicht darauf ausgelegt ist, dass die Bewerber sich gegenseitig ausstechen. Na, ich bin gespannt. Aber bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit... 


Neues aus Synodalien: Das unwillkommene Antanzen von Moni Toring und Eva Luation  

Eigentlich war ich ja der Auffassung, es lohne sich kaum, der heute Mittag mit einer Eucharistiefeier in der Stuttgarter Kirche St. Fidelis und der Ausgabe von Lunchpaketen zu Ende gegangenen 6. Synodalversammlung des Synodalen Weges größere Aufmerksamkeit zu widmen. Aber was ich dann doch von dieser Veranstaltung mitbekommen habe, hat mir den Eindruck vermittelt, dass die "Evaluation des Prozessgeschehens des Synodalen Weges" und das "Monitoring der Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Weges" Ergebnisse erbracht haben, die gerade diejenigen, die dem Anliegen des Synodalen Weges mit Sympathie gegenübergestanden haben und Hoffnungen auf den Erfolg dieses Prozesses gesetzt haben, als ausgesprochen peinlich empfinden müssten. Zum Zwecke der Evaluation des Prozessgeschehens hatte der Synodale Weg eine Studie bei der Katholischen Universität Eichstätt in Auftrag gegeben, deren empirische Grundlage eine Umfrage ist, die an alle Teilnehmer des Synodalen Weges versandt wurde. Beantwortet hat die Evaluationsfragen von vornherein nur rund die Hälfte der Synodalen, von den Bischöfen sogar nur ein Drittel; aber auch diejenigen, die sich die Mühe gemacht haben, glauben, wie es in der Studie heißt, "tendenziell nicht, dass der Synodale Weg erreicht hat, wozu er ursprünglich angetreten war". (Von den 130 Teilnehmern der Befragung rechnet die Studie übrigens nur elf zum Lager der "kritischen Bewahrer", denen die Beschlüsse der Synodalversammlungen "zu weit gingen"; diese dürften das Ergebnis also kaum wesentlich beeinflusst haben.) 

Noch blamabler steht es um das Monitoring der Umsetzung der Beschlüsse. Von "progressiven" Stimmen, die vom Synodalen Weg enttäuscht und frustriert sind, weil ihnen die Beschlüsse der vorangegangenen Synodalversammlungen nicht weit genug gingen, haben wir schon verschiedentlich gehört; nun zeigt aber das "Monitoring", dass selbst diese aus progressiver Sicht ungenügenden Beschlüsse nicht konsequent umgesetzt wurden und werden. Und daran sind nicht etwa, wie man ja geneigt sein könnte anzunehmen, nur die konservativen "Bremser" in der Bischofskonferenz, also Kardinal Woelki und die Bischöfe von Eichstätt, Regensburg und Passau, schuld: Von den 27 deutschen Diözesen haben 23 an der Befragung bezüglich des Standes der Umsetzung der synodalen Beschlüsse teilgenommen, und das Ergebnis zeigt, dass kein einziges Bistum "alle Beschlussergebnisse vollständig umgesetzt" hat. Und übrigens, was ich fast noch witziger finde, auch das "ZdK" nicht. – Sicherheitshalber möchte ich betonen, dass die Nicht-Umsetzung von Beschlüssen des Synodalen Weges an und für sich nichts ist, was ich kritisieren würde; eher im Gegenteil. Wenn ich mir die "Liste der weiterhin offenen Forderungen" so ansehe, auf der Dinge stehen wie "eine Musterordnung zur Beteiligung der Gläubigen bei Bischofsernennungen, eine Bitte an Rom um Aufhebung der verpflichtenden Ehelosigkeit für Priester", Änderungen am Katechismus in Hinblick auf die "Bewertung homosexueller Handlungen", "Zugang Homosexueller zum Weiheamt" sowie "eine Partikularnorm zur Laienpredigt", denke ich mir: Ja is' denn heut scho' Weihnachten?  Im Ernst: Wer Unmögliches fordert, darf sich über die ausbleibende Erfüllung seiner Wünsche nicht wundern oder gar beschweren. Aber bemerkenswert erscheint es doch, dass selbst die Leute, die nach außen hin als die entschiedensten Verfechter des Synodalen Weges auftreten, so wenig an dieses Projekt glauben und es so wenig ernst nehmen. Natürlich könnte man da nun sarkastisch einwerfen, dass Glauben nicht so die starke Seite dieser Leute ist, liege ja auf der Hand

Nicht von ungefähr fühlt sich mein Leser gerd, wie er in einem Kommentar zu meinem Artikel vom Donnerstag mitteilt, beim Synodalen Weg "an die berühmten Schildbürger-Geschichte" erinnert, in der "die Bürger beim Bau ihres neuen Rathauses die Fenster vergessen" und daraufhin versuchen, "mit Schaufeln, Gabeln und Säcken" das Sonnenlicht einzufangen, um damit ihr dunkles Rathaus zu erleuchten. Etwas geschafft hat die 6. Synodalversammlung aber immerhin doch, nämlich eine Wahlordnung für die künftige Synodalkonferenz zu verabschieden. Diese steht freilich unter dem Vorbehalt, dass der Vatikan der Errichtung dieser Synodalkonferenz erst einmal zustimmen müsste. Der Essener Bischof Overbeck äußert sich auf häretisch.de zwar "zuversichtlich, dass Rom die Satzung der künftigen Synodalkonferenz für die Kirche in Deutschland genehmigen wird", aber der Verdacht liegt nicht ganz fern, dass diese Äußerung eher als "Pfeifen im Walde" zu verstehen ist; oder anders gesagt: als das typische Verhalten eines notorischen Spielers, der bis zur letzten Sekunde blufft, obwohl er nichts auf der Hand hat. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Es scheint eine ganz sonderbare Unwissenheit über die Bedeutung des Wortes Entwicklung zu herrschen. Wenn wir von einem Kinde sagen, es sei gut entwickelt, dann meinen wir, dass es aus eigener Kraft größer und stärker geworden, nicht, dass es mit geborgten Kissen ausgepolstert ist und auf Stelzen geht, um größer auszusehen. Wenn wir sagen, ein Welpe entwickle sich zum ausgewachsenen Hund, dann meinen wir nicht, er entwickle sich allmählich zur Katze, sondern wir meinen, dass er mehr und nicht weniger Hund wird. Entwicklung ist die Entfaltung aller Möglichkeiten einer Lehre, all dessen, was sie in sich birgt, wenn es an der Zeit ist, diese Möglichkeiten zu unterscheiden und herauszustellen. 

(G.K. Chesterton, Thomas von Aquin) 


Ohrwurm der Woche 

Peter Cornelius: Reif für die Insel 

Am Montag geht's in den Urlaub: fünf Tage CenterParc Nordseeküste, wie schon seit Jahren eigentlich immer in den Winterferien. Auf einer Insel liegt dieses Urlaubsziel zwar nicht, aber ein bisschen Aussteiger-Feeling kommt da, von Berlin aus gesehen, trotzdem auf. Seinen Status als Ohrwurm der Woche verdankt der Song "Reif für die Insel" indes vorrangig der Tatsache, dass Google News mich unlängst mit einem Artikel über den Liedermacher Peter Cornelius überraschte, anlässlich seines 75. Geburtstags am 29. Jänner [sic]. Na dann herzlichen Glückwunsch! Das einzige andere Lied von Peter Cornelius, das ich kenne, ist "Du entschuldige, i kenn di", das man oberflächlich betrachtet für eine handelsübliche Schlager-Schnulze halten könnte, das aber zugleich eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit "My Sweet Lord" von Ex-Beatle George Harrison hat. – Im Unterschied zum gitarrenlastigen "Du entschuldige, i kenn di" ist das Arrangement von "Reif für die Insel" von unverwechselbaren 80er-Jahre-Synthi-Sounds geprägt. Hübsch und thematisch passend finde ich den behutsam angedeuteten Reggae-Rhythmus im Refrain. 


Vorschau/Ausblick 

Wie schon erwähnt, waren wir heute Vormittag mit meinen Schwiegermüttern im Friedrichstadtpalast, und ich schätze, ein paar Worte werde ich darüber beim nächsten Mal wohl verlieren müssen. Heute Abend, wenn dieses Wochenbriefing bereits online ist, ist Community Networking Night im Baumhaus, und ich hoffe sehr, dass ich es schaffe, da hinzugehen – am liebsten natürlich mit der ganzen Familie, aber zur Not auch allein. Nicht nur, weil es zu meinen Neujahrsvorsätzen gehört, da wieder öfter hinzugehen als zuletzt, sondern auch, weil das Baumhaus gerade eine Crowdfunding-Kampagne gestartet hat, um die laufenden Kosten für die nächsten drei Monate zu decken – Insgesamt 12.000 €, also 4.000 pro Monat. Aus dem Spendenaufruf ist mir nicht ganz klar geworden, ob dieser akute Geldbedarf damit zusammenhängt, dass dem Projekt Fördermittel gestrichen wurden oder ausgelaufen sind, aber irgendwas in der Richtung wird's wohl sein. – Am Montag ist das Fest Darstellung des Herrn – volkstümlich Mariä Lichtmess –, das in St. Joseph Siemensstadt allerdings schon in der morgigen Sonntagsmesse "vorgefeiert" wird. Dazu gehört traditionell eine Kerzenweihe, und da unser Tochterkind in der Adventszeit – im Rahmen des Bastelangebots beim JAM – fleißig Kerzen gezogen hat, haben wir uns gedacht, diejenigen selbstgezogenen Kerzen, die wir nicht inzwischen verschenkt haben, könnten wir bei dieser Gelegenheit mal segnen lassen. – Im Übrigen bleibt es abzuwarten, was die kommende Woche an blogrelevanten Themen bringen wird: Dass wir ab Montag fünf Tage in Urlaub sind, habe ich ja schon erwähnt; da sind wir zwar auf dem Territorium von St. Willehad, aber ich bin mir durchaus nicht sicher, ob und in welchem Ausmaß ich Zeit und Gelegenheit haben werde, mich an Ort und Stelle zu informieren, was da seit dem Amtsantritt des neuen Pfarrers so los ist. Für alle Fälle werde ich mir reichlich potentiell blogrelevante Lektüre einpacken, womit sichergestellt sein sollte, dass ich nicht in epischer Breite über Frühstücksbüffet und Schwimmbadbesuche werde schreiben müssen, um das nächste Wochenbriefing voll zu kriegen... 


Donnerstag, 29. Januar 2026

Neues aus Synodalien: Operation gelungen, Patient tot

An die in der Überschrift zitierte Redewendung musste ich unwillkürlich denken, als ich unlängst in der Standpunkt-Rubrik von häretisch.de einen Beitrag mit dem Titel "Synodaler Weg – Prozess abgeschlossen, Ziele nicht erreicht" sah. Ob diese Assoziation vom Verfasser dieses Meinungsartikels, dem Tübinger Theologen Simon Linder, beabsichtigt war, sei mal dahingestellt; ausschließen würde ich es nicht, attestiert er doch dem Synodalen Weg aus Anlass der 6. und abschließenden Synodalversammlung, trotz enormen Aufwands "seine vor Beginn formulierten Ziele verfehlt" zu haben: "Laien und Geweihte sind nicht gleichberechtigt, Frauen und Männer auch nicht, der Pflichtzölibat besteht weiter, bei der Sexualmoral konnte man sich mit den Bischöfen nicht einmal auf eine gemeinsame Grundperspektive einigen". Die Schuld für dieses Scheitern verortet Linder bei "Tiefschlägen wie den Stoppschildern aus Rom und der Ablehnung des Grundtextes zur Sexualmoral" (wobei er unter Berufung auf "Stuttgarts Stadtdekan Christian Hermes" für letzteres "feige Heckenschützen" verantwortlich macht; ob Monsignore Hermes glücklich darüber ist, mit dieser verbalen Entgleisung zitiert zu werden, sei indes mal dahingestellt), kreidet es zugleich aber dem "ZdK" an, dass es in den genannten Situationen "keine roten Linien überschritten sah". Was, so fragt man sich da, hätte das "ZdK" denn wohl tun sollen? Die Zusammenarbeit mit den Bischöfen aufkündigen, den ganzen Synodalen Weg abblasen? Wäre vielleicht besser gewesen, für alle Beteiligten. 

Ist das synodal oder kann das weg? Historischer Screenshot aus dem Frühjahr 2023. 

Bereits nach der 5. Synodalversammlung im Frühjahr 2023 hatte ich mehrfach festgestellt, es sei bemerkenswert (und irgendwie auch beruhigend), dass die "Verfechter der progressiven Agenda" offenbar "nicht das Gefühl [...] haben, sie hätten gewonnen". Soweit also nichts Neues, aber bemerkenswert sind Linders Einlassungen doch – und zwar nicht zuletzt wegen des nonchalanten Eingeständnisses, dass der Synodale Weg bereits vor Beginn formulierte Ziele hatte. Hat man uns nicht die ganze Zeit erzählt, Synodalität bedeute, gemeinsam nach Antworten auf die drängenden Fragen zu suchen, die sich der Kirche in der Welt von heute stellen – oder so ähnlich jedenfalls? Alles Geschwätz, meint Linder: Die Antworten standen von vornherein fest, es ging nur darum, die Verantwortungsträger dazu zu bewegen, dieser Agenda zuzustimmen; und daran ist der Synodale Weg gescheitert. Na Gott sei Dank. – Kommentarwürdig erscheint es nicht zuletzt, dass Simon Linder argumentiert, die genannten Ziele des Synodalen Weges seien "von der MHG-Studie her gut begründet" gewesen, und deshalb dürfe es keine Rolle spielen, "dass es zu diesen Themen eben auch andere Überzeugungen gibt". Dazu möchte ich sagen: Selbst wenn man von den methodischen Mängeln und den fragwürdigen Grundannahmen dieser speziellen Studie einmal absieht, gibt es zu denken, wie vollkommen unkritisch hier einem wissenschaftlichen Gutachten eine Autorität eingeräumt wird, der sich die Kirche schlechterdings zu beugen habe – eine Autorität, mit der diejenige von Päpsten und Konzilien sich nicht messen kann. Zu dieser naiven Expertengläubigkeit, die schon das Ausmaß eines säkularen Unfehlbarkeitsdogmas annimmt, empfehle ich die Lektüre von Neil Postmans "Das Technopol"; auch Alasdair MacIntyre hat in "Der Verlust der Tugend" das eine oder andere dazu zu sagen. 

Alles in allem muss ich bei Linder – der, wie man am Fuß des Artikels erfährt, aktuell zum Thema "Assistierter Suizid" forscht; man wagt nicht, sich auszumalen, wie er sich wohl dazu positionieren wird – an einen Witz denken, in dem ein Künstler einen berüchtigten Kunstkritiker fragt; "Wie lautet Ihre Meinung zu meiner neuesten Arbeit?" – "Sie ist wertlos." – "Das weiß ich aber ich möchte sie trotzdem gern hören." Derselbe Witz ließe sich natürlich auch noch auf andere Äußerungen im Umfeld der letzten Synodalversammlung anwenden. Nehmen wir nur mal den von mir schon häufiger als Anschauungsbeispiel für die abstrusen Anschauungen der linkstheologischen Bubble auf Bluesky herangezogenen Aktivisten der "Christians for Future", mit dem ich trotzdem immer noch durchaus gerne privat mal ein Bier trinken würde, "wenn auch in seinem Fall vielleicht ein glutenfreies". Der kritisierte nämlich neulich, dass Daniel Deckers in der FAZ das "ZdK" als "Reformgruppe" eingeordnet hatte, und betonte: 

"ZdK ist die Vertretung aller Katholik*innen und dafür eigentlich noch viel zu konservativ (eher linke CDU)." 

A lot to unpack here, wie der Angloamerikaner sagt. Fangen wir mal mit dem Einfachsten an: Dass das "ZdK" alle deutschen Katholiken repräsentiere, ist sozusagen das offizielle Selbstverständnis dieses Gremiums und bildet formal die Grundlage dafür, dass die Deutsche Bischofskonferenz es als Gesprächspartner auf (annähernder) Augenhöhe akzeptiert. Aber ich müsste mich sehr wundern, wenn die Leute, die im "ZdK" den Ton angeben, dass selbst glauben – oder auch nur wollen. Sollten sie das doch tun, ist das eigentlich nur durch eine Art "no true Scotsman fallacy" zu erklären: Sie bilden sich ein, die Leute, die sie repräsentieren, seien "alle deutschen Katholiken", und erhalten diese Illusion aufrecht, indem sie alle anderen ignorieren. Derweil bin ich überzeugt, dass die große Mehrheit der deutschen Katholiken weder weiß noch sich dafür interessiert, wer oder was das "ZdK" ist und was es tut, und von denen, die es wissen, stimmt ein beträchtlicher Teil nicht mit den von diesem Gremium vertretenen Positionen überein. 

Dieselbe selektive Blindheit, eigentlich sogar noch in verschärfter Form, lässt sich auch bei unserem Freund von den "Christians for Future" beobachten, wenn er meint, als "Vertretung aller Katholik*innen" sei das "ZdK" "eigentlich noch viel zu konservativ": Die Existenz von Katholiken, die sich exakt deshalb nicht vom "ZdK" vertreten fühlen, weil es ihnen zu progressiv ist, wird da schlichtweg übersehen. Der Vergleich der Positionen des "ZdK" mit denen einer "linke[n] CDU" – gemeint ist wohl: dem linken, "postmerkelianischen" Flügel der CDU – ist hier in mehrfacher Hinsicht erhellend. Zum einen betrifft das den Versuch, die Ausrichtung dieses Gremiums in parteipolitischen Kategorien auszudrücken – worin sich die zweifellos verbreitete Vorstellung ausdrückt, "konservativ" und "progressiv", oder kürzer: "rechts" und "links" bedeutet im kirchlichen Kontext in etwa dasselbe wie in der säkularen Politik; so als lasse die Haltung, die jemand etwa zu Themen wie Zölibat, Frauenweihe, Segnung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften oder Interkommunion einnehme, Rückschlüsse auf dessen Parteipräferenz zu. Man muss freilich zugeben, dass man diese Annahme durchaus auch in konservativen Kreisen antreffen kann. Ich habe ja auch Leser, die meinen, als glaubenstreuer Katholik könne man guten Gewissens nur die CDU/CSU wählen, und andere, die meinen, in der politischen Praxis verhalte die Union sich allzu "linksoffen" und daher bleibe einem nichts anderes übrig, als AfD zu wählen. Letzteres bringt mich zum nächsten Punkt, nämlich zu der Auffassung, um wirklich "alle Katholik*innen" repräsentieren zu können, sei eine dem linken CDU-Flügel vergleichbare Positionierung "noch viel zu konservativ". Dies ignoriert nicht nur die Tatsache, dass – wie man unschwer an Wahl- und Umfrageergebnissen ablesen könnte – ein großer Teil der Bevölkerung durchaus nicht so "links" eingestellt ist, wie ein Vertreter von "Christians for Future" sich das vielleicht wünschen würde; es wirft auch die Frage auf, was er eigentlich unter der Bezeichnung "konservativ" versteht. Mir jedenfalls ist keine Definition dieses Begriffs geläufig, die sich auf den linken Flügel der CDU anwenden ließe. Nun, eigentlich ist das ein Thema für sich, aber das eine möchte ich dazu noch sagen: Mir scheint, gerade auf der Linken lässt sich heutzutage eine zunehmende Unfähigkeit beobachten, sich eine Weltanschauung, die sich nicht nur graduell, sondern prinzipiell von der eigenen unterscheidet, auch nur vorzustellen

Aber kommen wir lieber mal wieder zum Synodalen Weg: Für den Sender EWTN hat mein alter Freund Rudolf Gehrig unlängst ein Exklusivinterview mit Erzbischof Gänswein geführt und ihn darin auch auf die anstehende letzte Synodalversammlung angesprochen – wozu der derzeit als Nuntius für die baltischen Staaten tätige ehemalige Privatsekretär Papst Benedikts XVI. unumwunden erklärte, er könne "nur hoffen und beten, dass dieser Irrweg einfach bald ein Ende hat". Warum? Weil "eine Reihe von Forderungen des 'Synodalen Weges' vom Glauben wegführen, also nicht eine Klärung sind, die zum Glauben hinführen, sondern ganz bewusst vom Glauben wegführen. Das kann doch nicht das Ziel sein, dass etwas getan wird, was letztlich nicht dem Glauben hilft und letztlich auch nicht den Gläubigen." 

Während Erzbischof Gänswein also noch betet und hofft, dass der Synodale Irrweg bald ein Ende haben möge, lässt Kardinal Woelki aus Köln vernehmen, soweit es ihn betreffe, sei dies bereits der Fall. An der finalen Synodalversammlung nimmt er daher gar nicht mehr teil: Ursprünglich seien nur fünf solche Versammlungen geplant gewesen, und da sei er auch stets dabei gewesen, aber nun sei es auch mal genug. Ich muss sagen, ich habe gefeiert, als ich das gelesen habe. Heute morgen informierte mich dann Google News, dass auch die drei Kölner Weihbischöfe der Versammlung fernbleiben. – Ebenfalls nicht dabei ist der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, der dies allerdings mit einer Terminkollision begründet; aber auch das sagt ja immerhin etwas über Prioritäten aus. 

Was ist also überhaupt noch von der sechsten Synodalversammlung zu erwarten, wenn – in den Kategorien des leidigen Lagerdenkens ausgedrückt – die "Progressiven" den Synodalen Weg für gescheitert erklären und die "Konservativen" einfach froh sind, dass er vorbei ist? Auf dem Programm der dreitägigen Veranstaltung im Stuttgarter Hotel Maritim stehen die "Evaluation des Prozessgeschehens" und das "Monitoring der Umsetzung der Beschlüsse" im Mittelpunkt; das klingt stark nach jener Selbstreferenzialität (autoreferencialidad), vor der der verstorbene Papst Franziskus stets gewarnt hat. So gesehen kann man wohl getrost darauf verzichten, dem liberalen Mainstream des deutschen Funktionärs- und Gremienkatholizismus von heute bis übermorgen beim Schmoren im eigenen Saft zuzuschauen; das Tragikomische an der ganzen Veranstaltung ist aber, dass wir es hier mit Leuten zu tun haben, die ernsthaft geglaubt haben, sie könnten die "Kirche der Zukunft" bauen, während sie tatsächlich für ein Modell "von Kirche" stehen, das vergeht. Wie ich schon anlässlich der Jahresvorschau von häretisch.de schrieb: Die wirklich bedeutenden und für die Zukunft der Kirche in unserem Land richtungsweisenden Momente finden ganz woanders statt – nicht nur (aber auch) bei Events wie der MEHR und der Adoratio, sondern in jeder Kirche und Kapelle, in der Eucharistische Anbetung gehalten hat, in Gebetskreisen, in den übel beleumdeten Jüngerschaftsschulen, in Alpha-Kursen und überhaupt überall da, wo Menschen bestrebt sind, den Glauben an Jesus Christus in seiner ganzen Kraft, Schönheit und Tiefe kennenzulernen, statt ihn zu verwässern und den Ansprüchen der säkularen Gesellschaft und ihrer Ideologien zu unterwerfen. Die Zukunft, die da wächst, wird die liberale Funktionärselite nicht aufhalten können – auch wenn bis auf Weiteres nicht damit zu rechnen ist, dass sie ihre Niederlage eingesteht. 


Samstag, 24. Januar 2026

Utopie und Alltag 9: Wölflinge, Wichtel und Wikipedia

Servus, Leser! Es ist wieder Wochenbriefing-Zeit – und nachdem vorige Woche die Sternsingeraktion einen klaren thematischen Schwerpunkt gebildet hat, gibt es diesmal einen anderen, der allerdings ebenfalls mit organisierten Aktivitäten von Kindern an der frischen Luft zu tun hat. Aber in der zweiten Hälfte dieses Blogartikels kommen dann schon auch noch verschiedene andere Themen dran... 


Neues von den Pfadfindern 

Dass das zurückliegende Wochenende in Hinblick auf das Thema Pfadfinder recht intensiv werden würde, hatte sich bereits abgezeichnet: Nachdem die KPE-Wölflinge in Schöneberg schon eine Woche zuvor ihr erstes Meutentreffen des Neuen Jahres gehabt hatten, bei dem wir jedoch nicht waren, weil wir in Haselhorst Sternsingen waren, wollte ich mit meiner Großen auf jeden Fall zum zweiten, und am Sonntag stand das schon seit einiger Zeit mit Spannung erwartete allererste Stammestreffen des in Gründung befindlichen neuen KPE-Stammes im Stadtteil Gesundbrunnen statt. Aber erst mal der Reihe nach. 

Am Freitagnachmittag sah erst einmal alles nach einem vergleichsweise entspannten Einstieg ins Wochenende aus: Der Jüngste war nach der KiTa bei einem Freund eingeladen, meine Liebste brachte ihn hin – und ließ mich wissen, die gastgebenden Eltern hätten vorgeschlagen, ich könne nach dem Schulschluss der Großen mit ihr zusammen nachkommen. Komplikationen zeichneten sich ab, als das Tochterkind aus der Schule anrief, um zu fragen, ob eine Schulfreundin bei uns übernachten dürfe. Es handelte sich um dieselbe Schulfreundin, die schon in der Nacht vor der Sternsingeraktion bei uns geschlafen hatte, und nun argumentierten die Mädchen, da habe doch alles gut geklappt und das könne man doch nochmal so machen. Ganz wohl war mir dabei nicht, und ich verwies erst einmal auf die Einladung der Eltern des Freundes des kleinen Bruders – woraufhin die Mädchen fragten, ob die Schulfreundin des Tochterkindes denn dahin mitkommen dürfe. Ich erwiderte, da müsse ich erst mal fragen; tatsächlich hatten die gastgebenden Eltern dann nichts dagegen, also holte ich beide Mädchen von der Schule ab und ging mit ihnen da hin. Es wurde ein schöner Nachmittag und Abend für alle Beteiligten, also auch die Erwachsenen; wir einigten uns dann auch darauf, dass die Schulfreundin des Tochterkindes zum Übernachten mit zu uns kam. Als problematisch erwies es sich indes, dass wir infolge des gemeinsamen Abendessens mit unseren Gastgebern erst zu einer Zeit nach Hause kamen, zu der die Kinder "normalerweise" schon im Bett hätten sein sollen; und, sagen wir's kurz und ohne ins Detail zu gehen, mit der Kinderzimmer-Übernachtungsparty klappte es diesmal nicht so gut wie am Wochenende zuvor. Daher war ich zunächst auch nicht sonderlich erbaut davon, dass die Schulfreundin des Tochterkindes am nächsten Morgen auch zu den Wölflingen mitkommen wollte. Ich erklärte den Mädchen eindringlich und mehrfach, ich würde nur dann mit beiden zum Meutentreffen fahren, wenn ich mich darauf verlassen könne, dass sie sich nicht gegenseitig zu Quatsch anstiften und auch nicht zu zweit ihr eigenes Ding machen, sondern sich in die Gruppe einfügen und auf die Leiterinnen hören. (Meine diesbezügliche Befürchtung war durchaus nicht einfach aus der Luft gegriffen; ich hatte da durchaus meine Erfahrungswerte, nachdem ich dieselbe Freundin z.B. mal zu einem Fußballtraining mitgenommen habe.) – Da sie mir dies hoch und heilig versprachen, gab ich schließlich nach. 

Und wie gut hielten sich die Mädchen an dieses hochheilige Versprechen? Ich würd mal sagen: ziemlich gut. Zu 70%, oder vielleicht sogar 80. Dass es zwischenzeitlich ein paar Durchhänger gab, hatte unter anderem wohl auch mit der Kälte zu tun: Nachdem es ein paar Tage lang recht mild gewesen war, war buchstäblich über Nacht der Winter zurückgekehrt, und der chaotische Ablauf am Morgen (wie gesagt: Keine Details!) hatte ein Übriges dazu beigetragen, dass unsere Tochter und ihre Freundin nicht ideal dafür angezogen waren, das gesamte Meutentreffen (rund zweieinhalb Stunden) draußen zu verbringen. Und dass es der Konzentration auf zum Teil trotz spielerischer Gestaltung recht komplexe und anspruchsvolle Aufgaben nicht gerade förderlich ist, wenn man dabei friert, ist wohl einigermaßen verständlich. Ein grundsätzlicheres Problem ist natürlich, dass die Fähigkeit, eine Sache zu tun, während man eigentlich gerade mehr Lust auf eine andere hat, an der freien Schule, die die Mädchen besuchen, signifikant weniger trainiert wird als im Regelschulsystem; da ist es dann kein Wunder, dass das Tochterkind, wenn es mit einer Schulfreundin (oder mehreren) zusammen ist, mehr als sonst dazu neigt, in Verhaltensmuster aus dem Schulalltag zu verfallen. Ich meine das gar nicht böse, es ist einfach nur eine Beobachtung. Und wie schon gesagt, gemessen an diesem Erwartungshorizont lief's bei den Wölflingen eigentlich recht gut. 

Davon abgesehen war ich – nicht zum ersten Mal – recht beeindruckt davon, was für Kenntnisse und Fertigkeiten den Wölflingen innerhalb eines wie gesagt rund zweieinhalb Stunden dauernden Meutentreffens vermittelt bzw. mit ihnen geübt werden. So gab es diesmal u.a. ein Spiel, innerhalb dessen das Winkeralphabet (Semafor) zum Einsatz kam, zudem lernten die Mädchen, einen Verband anzulegen und ein Dreieckstuch zu binden. Außerdem hielt die Wölflingsleiterin eine Art Impulsvortrag zum ersten Wölflings-Leitsatz "Der Wölfling denkt zuerst an andere", in dem sie ausführte, dieser Satz schließe nicht aus, sondern setze vielmehr geradezu voraus, auch an sich selbst zu denken – denn wer nicht auf sich selbst, sprich: auf seine eigenen Bedürfnisse und Grenzen acht gebe, könne auf Dauer auch nichts Gutes für andere tun. – Was ich auch noch erwähnen möchte: In letzter Zeit war mir am Rande der Sonntagsmesse in Siemensstadt wiederholt ein Mädchen aufgefallen, bei dessen Anblick ich dachte "Die kenne ich doch von den Pfadfindern!" – war mir aber nie ganz sicher gewesen, ob es sich wirklich um dasselbe Mädchen handelte oder lediglich um zwei Mädchen, die sich ähnlich sehen. Das klärte sich dadurch, dass dieses Mädchen – das offenbar gerade von den Wölflingen zu den eigentlichen Pfadfinderinnen übergewechselt ist – vom Vater zu diesem Gruppentreffen begleitet wurde, und den erkannte ich zweifelsfrei. Er mich übrigens auch. "Ich glaube, wir haben uns noch gar nicht richtig vorgestellt", sagte er zu mir, woraufhin wir uns die Hände schüttelten und recht gut miteinander ins Gespräch kamen. Andere Eltern kennenzulernen, ist ja ein nicht zu unterschätzender "Kollateralnutzen" von Gruppen- oder Vereinsaktivitäten der Kinder. 

Am Sonntag gingen wir dann also in St. Afra im Stadtteil Gesundbrunnen in die Messe, um anschließend am ersten Treffen des dortigen in Gründung befindlichen Pfadfinderstammes teilzunehmen. Dazu übrigens eine Anmerkung, die vielleicht nicht ganz zum Thema gehört, aber irgendwie halt doch relevant ist: Soweit ich mich erinnere, habe ich seit April 2013 grob überschlagen vielleicht zehnmal in dieser Kirche die Heilige Messe in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus besucht, und davon lagen die letzten zwei Male ziemlich genau drei Monate auseinander. Nicht dass das nun gerade eine kurze Zeitspanne wäre, aber gegenüber einem Durchschnitt von weniger als einmal pro Jahr doch eine signifikante Steigerung. Möglicherweise trug das dazu bei, dass diese Form der Liturgie mir diesmal deutlich weniger fremd vorkam als bei früheren Gelegenheiten. Wohlgemerkt, die Schönheit und Würde dieser Liturgie hatte ich auch früher schon empfunden, aber ich sag mal so: In die Oper zu gehen kann auch ein anrührendes und erhebendes Erlebnis sein, trotzdem könnte ich mir nicht vorstellen, das jede Woche zu tun. – Falls nun der eine oder andere Leser diesen Vergleich als ungehörig empfindet, möchte ich unterstreichen, dass es mir eigentlich gerade darum ging, meine durch den häufigeren Besuch der Heiligen Messe in St. Afra gewachsene Wertschätzung für die außerordentliche Form des Römischen Ritus auszudrücken. Auch wenn ich es nach wie vor nicht kommen sehe, dass ich die Sonntagsmesse überwiegend oder bevorzugt in dieser Form mitfeiere. Was übrigens durchaus relevant für die Frage ist, ob wir uns längerfristig dem an diesem Standort entstehenden Pfadfinderstamm zuordnen wollen, aber dazu später. 

Übrigens zeigte sich, dass neben der Tochter meines Herbstlager-Küchenteam-Kollegen, mit der meine Tochter sich so spontan und innig angefreundet hatte, noch zwei weitere Mädchen zu diesem Treffen erschienen, die wir bereits vom Herbstlager kannten; eins davon in kompletter Wölflingskluft, was zu folgendem lustigen Dialog zwischen diesen beiden Mädchen Anlass gab: 

"Wieso hast du deine Kluft an?" – 
"Wieso hast du deine Kluft nicht an?" 

Insgesamt kamen etwas über zwanzig Kinder zu diesem Treffen, die sich ziemlich gleichmäßig auf drei Gruppen verteilten: Wölflings-Jungen, Wölflings-Mädchen und eine gemischte Wichtelgruppe. Schon mal nicht schlecht für den Anfang, würde ich sagen. Übrigens bietet der Umstand, dass diese Pfadfindergruppe am Standort des traditionalistischen Instituts St. Philipp Neri ins Leben gerufen wurde, einmal mehr Gelegenheit, festzustellen, dass nicht immer alles so ist, wie klischeebehaftetes Lagerdenken es anzunehmen geneigt wäre: Man könnte ja vermuten, bei einer solcherart im "Tradi"-Milieu verwurzelten Gruppe ginge es tendenziell strenger zu als woanders, sowohl was die Disziplin, als auch was das Zeremoniell betrifft. Meinem zugegebenermaßen sehr vorläufigen ersten Eindruck nach ist das aber durchaus nicht der Fall. Klar, diese Gruppengründung fängt praktisch bei Null an, und Aufbauarbeit ist immer "messy". Hinzu kommt, dass auch die Leiter zum Teil keinen KPE-Hintergrund und zum Teil auch überhaupt keine Pfadfinder-Erfahrung haben. Da muss sich Vieles erst finden und entwickeln, aber ich würde sagen, die Voraussetzungen dafür, dass es sich gut entwickelt, sind allemal gegeben. Beachtlich fand ich, dass den Wölflings-Jungen schon beim ersten Treffen gezeigt wurde, wie man Feuer macht, und zum Abschluss wurde auf diesem Feuer für alle teilnehmenden Kinder Suppe zubereitet. Ich vermute, damit wurde auch dem Umstand Rechnung getragen, dass einige der teilnehmenden Familien einen recht weiten Anfahrtsweg hatten und bei ihnen wegen des Pfadfindertreffens das Mittagessen ausfiel. – Und meine beiden Kinder hatten in ihren jeweiligen Gruppen jedenfalls viel Spaß. Als ich anmerkte, ich müsse mich noch erkundigen, wie oft diese Stammestreffen in Zukunft denn wohl stattfinden würden, warf mein Jüngster fröhlich ein: "Ich hoffe, jeden Tag!" – Ich würd' mal sagen, das ist ein Feedback aus der Zielgruppe, das im Zweifel aussagekräftiger ist als meine Beobachtungen vom Spielfeldrand. 

Eine ernsthafte Antwort auf die Frage, in welchem zeitlichen Abstand die Wölflings- und Wichteltreffen in St. Afra zukünftig stattfinden sollen, will ich meinen Lesern jedoch nicht vorenthalten: Laut dem Plakat, das ich im Flur des St.-Afra-Stifts habe hängen sehen, sollen sich die drei Gruppen grundsätzlich alle 14 Tage treffen, und zwar jeweils sonntags; einer der Leiter signalisierte mir indes, das nächste Treffen werde erst nach den Winterferien stattfinden. – Wie geht's also weiter mit uns und den Pfadfindern in St. Afra? Was unseren Jüngsten angeht, glaube ich, dass es für ihn durchaus Vorteile hätte, hier zur Wichtelgruppe zu gehen, insbesondere wenn diese sich zukünftig zweimal im Monat trifft und die Wichtelgruppe des Schöneberger Stammes nur einmal im Monat; außerdem gibt es in St. Afra mehr Jungen. Dass die Gruppe erst im Aufbau ist und es daher vorerst noch an etablierten Strukturen fehlt, ist für die Wichtelstufe wohl am wenigsten problematisch, und bis ein Eintritt bei den Wölflingen in Frage käme, hat der Knabe so oder so noch drei Jahre Zeit. Hingegen glaube ich, dass unsere Große mehr davon profitieren kann, in eine Wölflingsmeute einzutreten, die bereits etablierte Strukturen hat, und deshalb habe ich für sie jetzt das Anmeldeformular für den Schöneberger Stamm ausgefüllt. 

Übrigens wurde bei dem Meutentreffen am Samstag auch die aktuelle Ausgabe der KPE-Zeitschrift "Spur" an die Wölflinge verteilt, und dieser kann man entnehmen, dass 2026 ein besonderes Jahr für diesen Pfadfinderverband wird: Die KPE feiert ihr 50jähriges Bestehen, der europäische Dachverband UIGSE-FSE sein 70jähriges. Gefeiert wird dies u.a. mit einer Bundeswallfahrt zum Kloster Schöntal in Schwaben Ende Juni; da umfasst das Programm für die Wölflinge ein großes Geländespiel, das so ziemlich einen ganzen Tag dauert, während es im Erwachsenenprogramm (für "Eltern & Freunde") u.a. einen Vortrag über das richtige Verhältnis zwischen Führen und Loslassen in der Kindererziehung gibt. – Nicht ganz klar ist mir indes, wie man es eigentlich schaffen soll, rechtzeitig zu Beginn des Programms vor Ort zu sein, es sei denn, man reist schon einen Tag früher an und organisiert die Übernachtung von Freitag auf Samstag individuell. Aber auch so wäre es noch ein herausfordernder Trip. Na gut, es ist eine Bundeswallfahrt; die meisten Stämme hat die KPE, wie man hört, in Baden-Württemberg und Bayern, weitere regionale Schwerpunkte gibt es in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Unter diesem Aspekt kann man Kloster Schöntal wohl als halbwegs zentral gelegen bezeichnen, und dass eventuell auch Leute aus Berlin anreisen möchten, hat bei der Planung wohl verständlicherweise keine so große Rolle gespielt. Na, wir werden mal sehen. – Heute war schon wieder Meutentreffen in Schöneberg, und diesmal gab es auch dort zeitgleich ein Wichtelgruppentreffen; aber davon berichte ich beim nächsten Mal. 

Da, wo das Kirchenschiff von St. Afra keine Außenwand hat, sind die Buntglasfenster aufgemalt. Hier sogar mit einem idealisierten Blick nach draußen. 


Wohnungssegnung – besser spät als nie

Von der Sternsingeraktion am vorletzten Wochenende hatten wir uns einen geweihten Türaufkleber für unsere eigene Wohnung mitgenommen, hatten jedoch nicht die Absicht, diesen "einfach so" an die Tür zu pappen, sondern wollten dies, wie in den beiden vorigen Jahren, im Rahmen einer schönen, feierlichen Wohnungssegnungs-Andacht tun. Für eine solche Andacht fanden wir dann jedoch während der ganzen Woche nicht so recht Zeit. Am Samstag fiel dann unserem Jüngsten auf, dass der Aufkleber immer noch unbenutzt bei uns herumlag, und drängte darauf, ihn endlich mal anzukleben. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade dabei, Gemüse fürs Abendessen zu putzen, und erklärte daher, wir könnten die Andacht abhalten, wenn die Suppe auf dem Herd stünde, oder gegebenenfalls nach dem Abendessen. Ehe es soweit war, war der Knabe jedoch eingeschlafen – vermutlich als Nachwirkung der vorangegangenen Kinderzimmer-Übernachtungsparty –, und wir hielten es für besser, ihn nicht noch einmal zu wecken. So verschob sich die Wohnungssegnung um noch einen Tag.

Am Sonntag vor dem Abendessen war es dann aber soweit; wir benutzten für die Andacht wieder dieselbe Vorlage aus dem Internet wie in den letzten zwei Jahren, und die Kinder waren sehr engagiert dabei: Der Jüngste hatte schon im Vorfeld darauf gepocht, dass er den Türaufkleber anbringen wolle, und übernahm im weiteren Verlauf der Andacht auch das Aussprengen des Weihwassers, während die Große eine Kerze anzündete und mit feierlichem Ernst von Raum zu Raum trug. Nachdem wir, der Vorlage folgend, erst die Wohnungstür und dann das Wohnzimmer, die Küche, das Schlafzimmer und das Kinderzimmer und schließlich die Vorratskammer gesegnet hatten, bestand unser Jüngster darauf, dass die Abstellkammer (das "Harry-Potter-Zimmer", wie wir es familienintern gern nennen, weil es ein fensterloser Raum unter der Treppe ist) und das Badezimmer auch noch gesegnet werden müssten. Das war in der Vorlage zwar nicht vorgesehen, aber meiner Liebsten fielen spontan ein paar frei formulierte, zur Bestimmung dieser Räume passende Segensbitten ein. Zum Schluss sangen wir noch "Stern über Betlehem", weil wir das, nachdem wir es bei der Sternsingeraktion so oft gesungen hatten, praktisch auswendig konnten. Insgesamt war es eine sehr schöne Segensfeier, und ich kann es wirklich nur empfehlen, so etwas einmal im Jahr zu machen. 


Schwarzer Gürtel in KiWoGo – und darüber hinaus

Am vergangenen Dienstag traf sich der Arbeitskreis Kinderwortgottesdienst der Gemeinde St. Joseph/St. Stephanus – wieder einmal in kleiner Besetzung – zu seinem ersten Arbeitstreffen in diesem Kalenderjahr; denn kaum sind Krippenspiel und Sternsingeraktion geschafft, stehen schon wieder KiWoGo-Termine vor der Tür, der erste sogar schon morgen. Dazu muss man sagen: Die Termine für die Kinderwortgottesdienste in dieser Gemeinde sind zwar fast immer irgendwie aus der Not geboren – theoretisch oder idealerweise sollte es ein regelmäßiger Turnus sein, also etwa: immer am vierten Sonntag im Monat; aber more often than not, wie der Angloamerikaner sagt, ist da irgendwas, weshalb man um eine Woche nach vorn oder nach hinten ausweichen muss –, aber unbeschadet solcher Unwägbarkeiten bekommen wir es dann doch meist mit sehr spannenden und ergiebigen Evangelienstellen zu tun. Der morgige 3. Sonntag im Jahreskreis ist ein illustratives Beispiel. Hatte ich nicht im Zusammenhang mit dem "Beruferaten" beim letzten KiWoGo des Vorjahres – am 4. Adventssonntag – angemerkt, den Aspekt, dass Gott Menschen in Seinen Dienst beruft, die eigentlich ganz andere Pläne für ihre berufliche Zukunft hatten, sollte man nochmals aufgreifen und vertiefen, wenn mal ein Evangelium mit einer Berufungsgeschichte drankommt? Tja, manche Wünsche erfüllt der liebe Gott schneller, als man denkt, denn am morgigen 3. Sonntag im Jahreskreis geht's im Evangelium um die Berufung der ersten Jünger Jesu (Matthäus 4,12-23). Da fand ich nun, es biete sich an, die Radikalität der Nachfolge zu betonen, die darin liegt, dass die Fischer von jetzt auf gleich ihre Netze liegenlassen – also ihre ganze berufliche Existenz an den Nagel hängen –, um Jünger Jesu zu werden. Und um zu verdeutlichen, dass sich so etwas nicht nur in biblischer Zeit gab, sondern auch heute noch gibt, fand ich, man sollte im KiWoGo eine knallige Berufungsgeschichte aus neuerer Zeit präsentieren. Nachdem ich eine Weile nach einer geeigneten Heiligenbiographie gesucht hatte, stieß ich schließlich auf Clare Crockett, eine Ordensschwester aus Nordirland, deren Seligsprechungsprozess vor einem Jahr eröffnet wurde. Als ich beim Arbeitskreistreffen von dieser Idee erzählte, meinte der Gemeindereferent, vielleicht könnte man ja – z.B. mit Hilfe der in der Gemeinde angesiedelten Neokatechumenalen Gemeinschaften – jemanden finden, der im KiWoGo ein persönliches Zeugnis gibt, und ich stimmte zu, dass das sogar noch besser wäre. "Und wenn wir so kurzfristig niemanden finden, dann mach' ich Clare Crockett."

Vielversprechend sehen auch die Evangelien für die weiteren in den nächsten Monaten anstehenden KiWoGo-Termine aus: Am 2. Fastensonntag haben wir die Verklärung Jesu (Matthäus 17,1-9), am 3. Sonntag der Osterzeit die Begegnung der Jünger mit dem auferstandenen Jesus am See von Tiberias (Johannes 21,1-14) und am Dreifaltigkeitssonntag das Kernstück aus dem Gespräch Jesu mit Nikodemus: Johannes 3,16-18. Erinnert sich noch jemand an den Typen, der früher immer bei weltweit im Fernsehen übertragenen Sportereignissen im Publikum saß und ein Schild mit der Aufschrift "John 3:16" hochhielt? Eine gut gewählte Bibelstelle, denn wenn es einen Vers gibt, den man als "Das Evangelium in einem Satz" bezeichnen könnte, dann ist das Jahr wohl dieser. Zur Gestaltung dieser Passage im Rahmen des Kinderwortgottesdienstes ist uns bisher noch nicht viel eingefallen, aber bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit.

Nicht mehr so viel Zeit ist bis zum nächsten "Religiösen Kindertag" (RKT) in St. Stephanus, und wie es aussieht, werde ich es wieder nicht zum Vorbereitungstreffen schaffen: Das soll nämlich am kommenden Donnerstag sein, und da zeichnet sich ein Kinderbetreuungs-Problem ab, da die Liebste infolge einer außerunterrichtlichen Veranstaltung erst spät von der Arbeit nach Hause kommt. Gleichwohl hoffe ich, mich in irgendeiner Form beim RKT "einbringen" zu können, wie man so sagt; als Thema ist "Raus dem Alltag, rein ins Abenteuer – mit Abraham ins Heilige Land" angedacht, das finde ich schon mal prima. Ebenfalls schon zu bedenken ist die Religiöse Kinderwoche in den Sommerferien; terminlich liegt die so, dass wir da gerade aus dem Urlaub in Butjadingen zurück sind, somit bestünde durchaus die Möglichkeit, dass unser Tochterkind da teilnimmt und ich als Betreuer mitkomme. Hundertprozentig spruchreif ist das aber derzeit noch nicht.


Hashtag #Kannstedirnichtausdenken: Neues von ehemaligen und zukünftig ehemaligen DBK-Vorsitzenden

Tante Wikipedia ist offiziell eine "alte Schachtel", jedenfalls nach den Maßstäben, die unter der Landbevölkerung meiner Heimatregion traditionell für unverheiratete Frauen gelten; das heißt, sie ist 25 Jahre alt geworden. Das weiß ich deshalb, weil der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Marx, der Online-Enzyklopädie zu diesem Jubiläum gratuliert hat:
"In Zeiten rasanter technologischer Entwicklungen und künstlicher Intelligenz wird deutlich: Wissen bleibt ohne den Menschen unvollständig und verletzlich. Wikipedia erinnert daran, dass verlässliche Information aus gemeinsamer Verantwortung, aus Dialog und aus dem beständigen Ringen um Wahrheit entsteht."

Bla, bla, bla. Warum hat der bekanntermaßen nicht sonderlich Web 2.0-affine Kirchenmann sich überhaupt bemüßigt gefühlt, sich zu diesem Anlass zu äußern? Offenbar, weil er Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz ist. Gibt es eigentlich auch einen DBK-Beauftragten für "einfach mal die Klappe halten"? Das wäre doch mal eine spannende neue Herausforderung für den Münchner Oberhirten!

Derweil hat Kardinal Marx' Nachfolger im Amt des DBK-Vorsitzenden, der Limburger Bischof Georg Bätzing, angekündigt, sich bei der kommenden Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe nicht erneut zur Wahl zu stellen, und hat diese Ankündigung zum Anlass genommen, sich für die Früchte seiner sechsjährigen Amtszeit kräftig selbst zu beweihräuchern – vielleicht in der nicht unrealistischen Annahme, es werde sonst keiner tun:
"Es waren sechs intensive Jahre, in denen wir Bischöfe gemeinsam mit vielen anderen aus dem Volk Gottes einiges bewegen und für eine tragfähige Zukunftsgestalt von Kirche in unserem Land realisieren konnten. Jetzt ist es Zeit, diese für die Arbeit der Bischofskonferenz wichtige Aufgabe in andere Hände zu legen. Und ich bin mir sicher, es wird gut weitergehen."
Treffend kommentiert Peter Winnemöller: "Wer bei dieser Behauptung nicht mindestens in leichtes Kichern ausbricht, hat vom realen Zustand der Kirche in unserem Land gar keine Ahnung." Was Peter Winnemöller dem scheidenden DBK-Vorsitzenden sonst noch nachruft und was er den Mitgliedern der Bischofskonferenz für die Zukunft empfiehlt – zum Beispiel eine entschiedene Entpolitisierung des Gremiums –, kann ich nur wärmstens zur Lektüre empfehlen. Höflicher im Tonfall, aber inhaltlich im Grunde nicht weniger vernichtend fällt die Bilanz der Ära Bätzing in der DBK aus, die Dorothea Schmidt in der Tagespost zieht. – Als aussichtsreichster Kandidat für die Übernahme des DBK-Vorsitzes wird, wie mir scheint, derzeit der Paderbörner Erzbischof Bentz gehandelt; aber bis zur Frühjahrsvollversammlung sind ja noch gut vier Wochen Zeit, da werden wir also wohl noch Gelegenheit finden, auf dieses Thema zurückzukommen. 



Ein neues Jahr, ein (nicht ganz so) neuer Bibelleseplan

Ich gestehe: Eigentlich hatte ich ja schon letztes Jahr, 2025, gute Vorsätze für ein festes tägliches Bibellesepensum. Damit lief es allerdings nicht so richtig gut, obwohl man kaum behaupten kann, ich hätte mir zu viel vorgenommen: Bei einem Lesepensum von einem Kapitel pro Tag würde man, grob geschätzt (genau ausgerechnet habe ich es nicht), wohl drei bis vier Jahre brauchen, um die ganze Bibel einmal komplett durchzulesen. Dieses eher gemächliche Lesetempo bewahrte mich indes nicht davor, dass ich – wie ich in meinem Oster-Wochenbriefing eingestand – "schon Anfang April irgendwo im Buch Leviticus" stecken blieb. Was mich natürlich ärgerte, zumal es so ein Klischee ist, dass einem ausgerechnet im Buch Leviticus die Luft ausgeht. Also bemühte ich mich nach Ostern redlich darum,  meinen Rückstand aufzuholen, kam jedoch auch im zweiten Anlauf nur bis zum 1. Buch Samuel, irgendwo zwischen dem Raub der Bundeslade und Sauls Salbung zum König. Komisch, könnte man sagen, da wird's doch eigentlich gerade spannend. Wie dem auch sei: Wenn ich aus dieser Erfahrung eines gelernt habe, dann, dass ein Bibelleseplan, der diese Bezeichnung wirklich verdient, eine etwas durchdachtere Struktur erfordert als "Ich fange bei Genesis 1 an und lese jeden Tag ein Kapitel".

Somit traf es sich gut, dass ich kurz vor Jahresende – ich weiß nicht einmal mehr, ob es beim JAM war oder am Rande des Raclette-Essens zu Weihnachten – im Foyer der EFG The Rock Christuskirche in Haselhorst einen Bibelleseplan im Postkartenformat entdeckte, der darauf ausgelegt ist, das ganze Alte Testament in einem Jahr durchzulesen (das ganze Alte Testament? Nein! – aber dazu später...). Eigentlich handelt es sich – laut Überschrift – um einen Bibelleseplan für das Jahr 2025, aber ich habe mir gedacht, schad't ja nix, das Jahr 2026 hat schließlich genauso viele Tage, wieso sollte man den Plan also nicht auch für dieses Jahr verwenden können. Nett fand ich auch, dass die Etappeneinteilung dem geneigten Nutzer am Anfang des Jahres eine gewisse Gnadenfrist gewährte, um erst mal 'reinzukommen: Für die erste Leseetappe wurde einem bis zum 19. Januar Zeit gegeben, für alle weiteren dann jeweils eine Woche. 

Was die Praktikabilität dieses Bibelleseplans "aus katholischer Sicht" indes etwas einschränkt, ist – wie ich weiter oben bereits in Form einer kleinen Asterix-Referenz angedeutet habe – der Umstand, dass da sieben Bücher des Alten Testaments fehlen. Natürlich könnte man die einfach hinten dranhängen, aber dann würde man ja doch wieder nicht innerhalb eines Jahres fertig. Daher habe ich am vorletzten Tag der ersten Leseetappe damit begonnen, den Bibelleseplan so zu überarbeiten, dass die Bücher Judit, Tobit, Jesus Sirach, Weisheit, 1. und 2. Makkabäer auch noch hineinpassen. Allerdings stellte ich dabei einigermaßen irritiert fest, dass in diesem Bibelleseplan noch weitere Bücher fehlen, nämlich das Buch Kohelet und die "großen Propheten" Jesaja, Jeremia und Ezechiel. Dafür wird man ja wohl keine konfessionellen Gründe geltend machen können; wurden diese Bücher einfach vergessen? – Kurz und gut, den Plan so umzuarbeiten, dass er wirklich das ganze Alte Testament innerhalb eines Jahres abdeckt, wird noch ein ganz schönes Stück Arbeit werden, aber ein Anfang ist schon mal gemacht: Kurz vor Ende der zweiten Etappe habe ich bei den Geschichtsbüchern einen Vorsprung von immerhin schon mal zwei Kapiteln und bei den Weisheitsbüchern – von denen ja, wenn man das Buch Hiob nicht dazu rechnet, im Bibelleseplan der The Rock-Gemeinde lediglich das Buch der Sprichwörter übriggeblieben ist – sogar schon einen Vorsprung von fünf Kapiteln herausgeholt. Wir werden sehen, wie sich das weiter entwickelt – ich halte euch auf dem Laufenden, Leser... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Mehr als alles hüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus. Vermeide alle Falschheit des Mundes und Verkehrtheit der Lippen halt von dir fern! Deine Augen sollen geradeaus schauen und deine Blicke richte nach vorn! Ebne die Straße für deinen Fuß und alle deine Wege seien geordnet. Bieg nicht ab, weder rechts noch links, halt deinen Fuß vom Bösen zurück! 

(Sprichwörter 4,23-27. Eine Lesefrucht des oben angesprochenen Bibelleseplans.) 


Ohrwurm der Woche 

Steppenwolf: Magic Carpet Ride 


Als ich noch als DJ tätig war, kam es immer mal wieder vor, dass ich von Gästen gefragt wurde, was für Musik ich eigentlich "privat" am liebsten höre. Ich fand das gar nicht so leicht zu beantworten, aber schließlich legte ich mich auf die Antwort "Vietnamkriegs-Filmmusik" fest. Ich finde, man kann durchaus mit einigem Recht behaupten, das sei ein eigenes Genre, auch wenn es eine ganz beachtliche stilistische Bandbreite abdeckt, von Creedence Clearwater Revival über die Doors bis hin zu Motown-Soul. Umso auffälliger erscheint es mir, dass schon so lange kein Vertreter dieser Musikkategorie mehr in der Rubrik "Ohrwurm der Woche" vertreten war: Letztmals war das vor 11 Wochen der Fall, mit "Why Can't We Live Together" von Timmy Thomas. Noch sehr viel länger ist es her, dass an dieser Stelle mal ein richtiger Psychedelic-Rock-Kracher zu hören war: Jesus nachdem, wie eng oder weit man die Grenzen des Genres Psychedelic Rock definieren möchte, war das zuletzt im Creative Minority Report Nr. 46 (mit "Aire of Good Feeling" von The Quincy Conserve) oder gar Nr. 31 (mit Norman Greenbaums "Spirit in the Sky") der Fall. Viel zu lange her jedenfalls. Daher: Nehmt dies! – Übrigens hat die Gruppe Steppenwolf sich tatsächlich nach dem Kultbuch von Hermann Hesse benannt, und Sänger John Kay hieß gebürtig Joachim Krauledat und kam aus Tilsit in Ostpreußen, aber als er 14 war, emigrierte seine Mutter mit ihm nach Kanada. Bekannt ist die Gruppe wohl vor allem für die Biker-Hymne "Born to be Wild", aber ich war schon als DJ bekannt dafür, ein besonderes Faible für die zweitgrößten Hits der jeweiligen Interpreten zu haben. 


Vorschau/Ausblick 

Nachdem wir, wie schon erwähnt, heute wieder bei den KPE-Wölflingen und -Wichteln in Schöneberg waren, wird es auch im nächsten Wochenbriefing wieder "Neues von den Pfadfindern" geben, wenn auch vielleicht nicht im selben Umfang wie diesmal. Am morgigen 3. Sonntag im Jahreskreis steht dann, wie schon angekündigt, in St. Joseph Siemensstadt der erste Kinderwortgottesdienst des Jahres 2026 an. Wie gut fühle ich mich darauf vorbereitet? Ich bin geneigt zu sagen: eigentlich ganz gut. Besser als "sonst schon mal". Schau'n wir mal, wie's läuft. Und dann beginnt schon die letzte Schul- und Arbeitswoche vor den Winterferien. Diejenigen Leser, die seit zwei Wochen die Frage umtreibt "Will der Klein jetzt ernsthaft Religionspädagogik studieren und Gemeindereferent werden?", dürfen sich auf ein Update freuen, denn am Dienstag habe ich einen Termin für ein Infogespräch. Am Mittwoch ist wieder JAM, worüber ich diesmal aus Platzgründen gar nichts berichtet habe – das könnte man gegebenenfalls beim nächsten Mal nachtragen. Am Donnerstag beginnt in Stuttgart die abschließende Synodalversammlung des Synodalen Wegs – was zwar nicht bedeutet, dass wir das leidige Thema danach hinter uns haben, schließlich soll im weiteren Verlauf des Jahres eine Synodalkonferenz installiert werden, sofern der Papst es nicht verhindert; aber eine Zäsur ist es doch, und deshalb wird, auch schon im Vorfeld, allüberall fleißig Bilanz gezogen. Das könnte also durchaus auch ein Thema für das nächste Wochenbriefing werden. Und ansonsten lassen wir uns mal überraschen!