Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Samstag, 7. März 2026

Utopie und Alltag 15: Von Schöpfung bis Verklärung

Servus, Leser! Die zweite Woche der diesjährigen Fastenzeit liegt hinter uns, und für mich war das eine recht anstrengende Woche – aber das meiste von dem, was daran anstrengend war, ist nicht unmittelbar "blogrelevant", und das, was daran blogrelevant war, bezieht sich zu einem großen Teil auf das vorige Wochenende: Da war erst Religiöser Kindertag und dann Kinderwortgottesdienst, und so konnte es nicht ausbleiben, dass dieses Wochenbriefing zu einem großen Teil im Zeichen des Themenbereichs Kinderkatechese steht. Mal wieder. Ich hoffe aber, dass auch diejenigen Leser, die keine eigenen Kinder haben und zudem auch weder beruflich noch ehrenamtlich mit Kindern zu tun haben, dennoch manches Anregende in dieser Ausgabe von "Utopie und Alltag" finden können – zumal ein Blick über den Tellerrand auf die "große" Kirchenpolitik auch wieder nicht fehlen darf. Und damit genug der Vorrede! 

Raffael, Die Verklärung (Ausschnitt, 1516-20; gemeinfrei)


Die Erde ist schön, es liebt sie der Herr 

Nein, dieses Lied – dessen Melodie übrigens auf einem im Original "Tous les Chémins" betitelten Chanson von "Sœur Sourire, der singenden Nonne" basiert – war nicht auf der Lobpreis-Playlist zum Thema "Schöpfung" vertreten, die ich für den Religiösen Kindertag am vorigen Samstag zusammengestellt habe; hingegen hätte ich durchaus in Erwägung gezogen, es auf der Gitarre einzuüben, um es im Rahmen der kleinen Andacht zu spielen, die den RKT eröffnete. In Absprache mit dem Gemeindereferenten spielte ich da dann aber doch lieber "Herr, du bist mein Leben" (GL 456). Nun aber erst mal der Reihe nach: 

Noch beim Vorbereitungsgespräch am Mittwoch hatte der Gemeindereferent mir mitgeteilt, einschließlich meiner beiden Kinder gebe es erst sieben Anmeldungen für den RKT; in den darauffolgenden Tagen stieg diese Zahl auf elf, und tatsächlich erschienen dann 15 Kinder – die meisten aus dem Erstkommunionkurs, dazu einige jüngere Geschwister. Die beiden Mädchen, die wir ursprünglich vom JAM kennen und mit denen wir im Januar Sternsingen waren, waren auch wieder mit dabei. Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einer kleinen Andacht in der St.-Stephanus-Kirche, mit einem Psalm, freien Fürbitten und Vaterunser; danach ging es, angesichts des fast frühsommerlichen Wetters (dabei war noch Februar!) erst mal in den Garten, wo einige bewegungsintensive Spiele gespielt wurden. Der eigentlich vorgesehene Ablaufplan wurde dafür ziemlich über den Haufen geworfen, aber okay, so ein Wetter musste man einfach ausnutzen, und es war nicht zu übersehen, dass die Kinder enormen Spaß hatten. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass der Gemeindereferent auch deshalb so unverdrossen noch ein Spiel und noch ein Spiel vorschlug, weil er sich damit in seinem Element und in sicheren Gewässern fühlte. Die im Ablaufplan vorgesehenen Spiele "für drinnen" entfielen dafür; dazu gehörte auch das Spiel "Reise nach Jerusalem", bei dem ich meine eigens für diesen RKT zusammengestellte Lobpreis-Playlist hatte zum Einsatz bringen wollen. Okay, dachte ich mir, lasse ich die Musik eben während des Bastelangebots im Hintergrund laufen. Dann fiel allerdings das Bastelangebot aus Zeitgründen auch noch weg – also spielte ich die Playlist schließlich während der Vorbereitungen fürs Mittagessen ab. Dabei handelte es sich um die folgenden Songs: 

Aber erst mal zurück zum Ablauf: Auf die Spiele sollte eine Einführung ins Thema "Schöpfung" folgen, unter drei Aspekten: "Die Schöpfung ist schön", "Die Schöpfung gehorcht Regeln", "Die Schöpfung ist für den Menschen gemacht". Bei der Vorbesprechung hatten wir uns überlegt, den ersten dieser Aspekte, der anhand eines Blumenstraußes demonstriert werden sollte, meiner Liebsten anzuvertrauen – die mich dann am Samstag beim Frühstück aus heiterem Himmel fragte: 

"Wie viel Zeit hab ich eigentlich für meinen Blumenstrauß-Impuls?" 

"Weiß nicht – so ein, zwei Minuten? Zwei fände ich schon ziemlich viel." 

"Hör mal, ihr könnt eine Bio-Lehrerin nicht beauftragen, anhand eines Blumenstraußes die Schöpfung zu erklären, wenn ihr ihr nicht mindestens zehn Minuten Zeit dafür gebt!" 

Ich schaute also noch mal in den Ablaufplan-Entwurf und stellte fest, dass für die gesamte thematische Einführung 20 Minuten eingeplant waren; woraufhin meine Liebste meinte, sie könne den Blumenstrauß-Impuls auch so gestalten, dass er alle drei thematischen Aspekte miteinander verknüpfte. Ich hielt Rücksprache mit dem Gemeindereferenten, der war damit einverstanden, also machten wir es so. – 

Zu den Ideen, die meine Liebste einbrachte, gehörte es, dass die Kinder im Mittelteil – zum Stichwort "Die Schöpfung gehorcht Regeln" – die Blütenblätter und Staubgefäße verschiedener Blumen zählen sollten; tatsächlich waren die Kinder da durchaus mit Begeisterung bei der Sache, aber zugleich brachte das auch viel Unruhe, und es war gar nicht so leicht, sie danach wieder zum Stillsitzen und Zuhören zu bewegen. 

Nach dem "Blumenstrauß-Impuls" hatte ich dann die Aufgabe, den Schöpfungsbericht aus Genesis 1,1-2,3 (in einer Kinderbibel-Fassung) vorzutragen; visualisiert wurde der Text mit bunten Tüchern und Bildern von Kees de Kort, die nach und nach auf dem Fußboden ausgelegt wurden. 

Der Versuch, die Kinder – und zwar alle Kinder reihum – in die allmähliche Verfertigung dieser "gestalteten Mitte" einzubeziehen, gestaltete sich recht langwierig und ein bisschen chaotisch, was die biblische Lesung ziemlich in die Länge zog und wohl auch nicht gerade konzentrationsfördernd war. Nach einigen auslegenden Sätzen vom Gemeindereferenten und einer Fragerunde zur Ergebnissicherung lagen wir so weit hinter dem Zeitplan zurück, dass, wie weiter oben schon vorausgeschickt, das Bastelprogramm (geplant war gewesen, dass die Kinder Kaleidoskope und/oder vielleicht auch Origami-Mobiles basteln) entfallen musste; stattdessen gingen wir direkt zur Vorbereitung des Mittagessens über, wobei ein Teil der Kinder in der Küche half und die anderen den Tisch deckten und dekorierten. 


Bei der Tischdeko fanden auch die Blütenblätter aus dem Blumenstrauß-Impuls erneute Verwendung.

Fürs Essen hatte ich ein in den letzten Sommerferien erprobtes Rezept (One-Pot-Pasta mit Lachs und Spinat) vorgeschlagen, aber fehlende oder falsch eingekaufte Zutaten und ein für die angepeilte Menge eigentlich zu kleiner Topf sorgten dafür, dass das Kochen recht experimentell verlief. Trotzdem war das Essen, das am Ende dabei herauskam, lecker und es wurden auch alle satt. In gewissem Sinne kann man das wohl als eine recht gute Metapher für diesen Religiösen Kindertag insgesamt betrachten; denn wenn man bedenkt, wie improvisiert die ganze Aktion war – angefangen damit, dass, wir erinnern uns, die Mehrzahl der Teammitglieder verhindert war und das ursprünglich angedachte Thema daher auf den nächsten Monat verschoben wurde, bis hin zu den diversen Punkten, in denen spontan von dem ersten wenige Tage zuvor erstellten Ablaufplan abgewichen wurde –, muss man sich eigentlich wundern, wie gut die Veranstaltung alles in allem gelaufen ist. Bei aller Freude und Zufriedenheit mit diesem Ergebnis bin ich aber gleichwohl der Überzeugung, das eigentlich Interessante am Rückblick auf eine solche Veranstaltung ist die Frage, was man beim nächsten Mal besser machen könnte. Und natürlich gibt es dazu allerlei zu sagen. 

Dass eine gründlichere Vorbereitung, insbesondere des katechetischen Teils, wünschenswert gewesen wäre (wenn man denn Zeit dafür gehabt hätte!), liegt ja auf der Hand; ob ein geordneterer, klarer strukturierter Ablauf sozusagen "von allein" dazu geführt hätte, dass die Kinder konzentrierter und disziplinierter bei der Sache sind, mag indes fraglich sein. Vielleicht sollte man zukünftig, wie beim JAM, zu Beginn der Veranstaltung ein paar einfache Regeln besprechen und mit Hilfe von Piktogrammen visualisieren (Ohr für "Zuhören", durchgestrichene Faust für "keine Gewalt"). Zudem haben die Vorbereitungen fürs Mittagessen gezeigt, dass ironischerweise auch dadurch Unruhe entsteht, dass die Kinder sich gern nützlich machen wollen; da könnte es sich als hilfreich erweisen, im Vorfeld zu kalkulieren, wie viele Helfer man für welche Aufgaben sinnvoll gebrauchen kann, und auf dieser Basis die Aufgabenverteilung besser zu organisieren, womöglich sogar spielerisch zu gestalten. 

Dass ich bei der Frage, was man besser machen könnte, geradezu automatisch einen Seitenblick aufs JAM werfe, dokumentiert übrigens nicht nur, wie gut ich das Format "JAM" finde, sondern birgt durchaus auch Hinweise auf tiefere Erkenntnisse. So ist es meine feste Überzeugung, dass konzeptionelle Unklarheiten in der Regel auf Unklarheiten oder Uneinigkeit darüber verweisen, was man eigentlich mit dem jeweiligen Projekt WILL, wo man damit HINWILL. Meine Erfahrungen mit kirchlicher Gremienarbeit haben mir den Eindruck vermittelt, dass diese Frage im post-volkskirchlichen Normalbetrieb generell zu wenig gestellt wird: Man macht einfach irgendwas, weil man nun mal nicht nichts machen kann. Dem Gemeindereferenten, der die Idee für die Religiösen Kindertage in St. Stephanus hatte, möchte ich eine solche Haltung ausdrücklich nicht unterstellen, aber eine gewisse Unklarheit der Motivation nehme ich teamintern dennoch wahr. Bezeichnend dafür war die Feedbackrunde zum ersten RKT, in der ich es als positiv vermerkte, dass die Kinder sichtlich viel Spaß gehabt hätten, gleichzeitig aber kritisch anmerkte, die inhaltliche Seite sei zu kurz gekommen. Darauf wurde erwidert, es sei ganz in Ordnung, wenn beim RKT mehr der Spaß im Vordergrund stehe, denn inhaltlich gearbeitet werde ja im Erstkommunionkurs schon genug. – Ich sag' mal so: Wenn man den RKT als eine Art freiwilliges Zusatzangebot zum Erstkommunionunterricht (und nebenbei vielleicht noch als Werbeveranstaltung für die Religiöse Kinderwoche in den Sommerferien) betrachtet, dann ergibt diese Sichtweise durchaus Sinn. Meine Vorstellung von der konzeptionellen Ausrichtung dieses Veranstaltungsformats ist jedoch eine andere – nämlich eben "sowas Ähnliches wie JAM". Und damit meine ich: ein Evangelisierungsangebot, das sich auch und nicht zuletzt an Kinder richtet, die ansonsten eher wenig Kontakt und Bezug zum Glauben und zur Kirche haben. (Dass diese Beschreibung zum Teil durchaus auch auf Erstkommunionkinder zutrifft, steht auf einem anderen Blatt.) 

Wenn man bedenkt, dass das RKT-Programm praktisch alle Elemente enthält, die es beim JAM auch gibt, liegt der Unterschied wohl vorrangig in der Einstellung: Auch wenn der katechetische Teil beim JAM gerade mal 20 Minuten (oder oft noch weniger) eines inklusive Abendessen zweieinhalb Stunden langen Programms umfasst, steht es prinzipiell außer Frage, dass dies das Herzstück des ganzen Programms und der eigentliche Grund ist, warum man das Ganze macht. Natürlich sollen die Kinder beim JAM Spaß haben und haben das auch; das ist schon allein deshalb wichtig, weil sie ja beim nächsten Mal freiwillig und gern wiederkommen sollen; und idealerweise soll auch der katechetische Teil Spaß machen, weil – anders als unser Regelschulsystem vielfach den Anschein erweckt – Spaß und Lernen keine Gegensätze sind, sondern, ganz im Gegenteil, Kinder in der Regel besser lernen, wenn sie dabei Spaß haben

Was derweil die Zielgruppenorientierung betrifft, wird man einräumen müssen, dass auch zum JAM weit überwiegend die Kinder aktiver Gemeindemitglieder gehen – und dies, meiner Wahrnehmung zufolge, in ausgeprägterem Maße als "früher", als wir anfingen da hinzugehen (dazu, was diese Entwicklung begünstigt haben könnte, habe ich schon seit längerer Zeit einen separaten Artikel in Arbeit) –, aber grundsätzlich ist das Konzept darauf ausgerichtet, auch Außenstehende anzusprechen. Wollte man das mit dem RKT auch, müsste man ganz anders für die Veranstaltung werben (angefangen damit – das kann ich gar nicht oft genug wiederholen –, dass man sie anders nennen müsste). Aber in der post-volkskirchlichen Mentalität ist das Prinzip "Bestandskundenpflege geht vor Neukundengewinnung" so tief eingewurzelt, dass es oft wie ein Kampf gegen Windmühlen anmutet, dagegen anzugehen. Es ist den Leuten nicht unbedingt bewusst, manche würden vielleicht sogar abstreiten, dass sie dieser Auffassung sind, aber verhalten tun sie sich trotzdem so. – Aber lsssen wir das vorerst mal so stehen; der nächste RKT, dann hoffentlich wirklich zum Thema Abraham, steht schon in zwei Wochen an, schauen wir also mal, inwieweit sich die Erkenntnisse von diesem Mal da bereits umsetzen lassen. 

Als wir nach dem RKT den Heimweg antraten, waren die Kinder enorm aufgekratzt, und ich ahnte schon, dass die Chancen, am Abend noch ins Baumhaus zu gehen, eher schlecht standen; und dann, nachdem wir ungefähr eine Stunde zu Hause gewesen waren, fiel meiner Liebsten auf, dass sie ihren Mantel vermisste. Unser Jüngster meinte sich zu erinnern, dass sie ihn im Bus noch gehabt hätte, sodass nun die Befürchtung im Raum stand, sie könnte den Mantel mitsamt Portemonnaie und Schlüsselbund im Bus vergessen haben. Daraufhin war natürlich erst mal Krisenmodus angesagt, aber pünktlich zur Abendessenszeit gab's Entwarnung: Der Mantel hing noch an der Garderobe im Gemeindehaus von St. Stephanus. 


Schwarzer Gürtel in KiWoGo: Verklär doch mal! 

Dass der Religiöse Kindertag in St. Stephanus und der Kinderwortgottesdienst in St. Joseph auf dasselbe Wochenende, also auf zwei aufeinanderfolgende Tage fielen, war eine durchaus herausfordernde Konstellation – die sich, wie mir ein Blick in meinen Terminkalender verrät, Ende Mai zu wiederholen droht, aber bis dahin ist ja zum Glück noch etwas Zeit. – Für den KiWoGo zum 2. Fastensonntag, zum Thema Verklärung, hatten der Gemeindereferent und ich bei unserem Treffen am vorangegangenen Mittwoch zwar allerlei gute Ideen gesammelt, aber trotzdem hatte ich das vage Gefühl, nicht so gut vorbereitet zu sein, wie mir lieb gewesen wäre – jedenfalls was die Details des Ablaufs betraf. Hinzu kam, dass der Gemeindereferent mich mit der Mitteilung empfing, am Morgen in St. Stephanus habe er den KiWoGo nur mit knapper Not zu Ende gebracht, weil der Pfarrvikar so kurz gepredigt habe. Wir standen also von vornherein unter einem gewissen Zeitdruck. Immerhin erschienen elf Kinder zum KiWoGo – am Morgen in Haselhorst waren es nur zwei gewesen. 

Die Idee des Gemeindereferenten war es gewesen, die Stichworte "Berg", "Wolke" und "Licht/Leuchten" ins Zentrum zu stellen und herauszuarbeiten, welche Bedeutung diese im biblischen Kontext haben; zu diesem Zweck wurden einige laminierte Bilder im Raum versteckt, die die Kinder zum Auftakt des KiWoGo suchen sollten – ich fand das gut, da ich es grundsätzlich begrüßenswert finde, wenn die Kinder nicht nur sitzen und zuhören müssen, sondern sich auch mal bewegen und etwas tun dürfen. Die daran anschließenden Erläuterungen zu den Bildern fielen für mein Empfinden – möglicherweise bedingt durch den "gefühlten Zeitdruck" – etwas oberflächlich aus und drehten sich eher um allgemeine Assoziationen zu den Stichworten "Berg", "Wolke" und "Licht/Leuchten" als um konkrete Beispiele dafür, welche Rolle sie in der Bibel spielen. – Ich räume an dieser Stelle aber gern ein, dass man der Meinung sein kann, wenn man einen Satz wie "Auf einem Berg fühlt man sich dem Himmel näher als der Erde" im Laufe eines Kinderwortgottesdienstes mehrfach wiederholt, bleibt das bei Kindern im Grundschulalter eher hängen, als wenn man sie mit Bibelwissen bombardiert. Ein Indiz dafür bekam ich frei Haus geliefert, als ich nach der Verlesung des Tagesevangeliums mit den Kindern darüber sprach, wer eigentlich Mose und Elija seien: Ein einziger Junge erinnerte sich, schon einmal etwas von Mose gehört zu haben, und das, woran er sich erinnerte, war zwar nicht direkt falsch, aber doch sehr ungenau

Der Teil der Katechese, der mir eigentlich am wichtigsten war – in dem es darum gehen sollte, die Verklärung zu Passion und Auferstehung in Beziehung zu setzen – litt ebenfalls bzw. erst recht unter dem "gefühlten Zeitdruck", denn als wir soweit waren, rechneten wir bereits damit, dass jeden Moment die Küsterin auftauchen und uns winken könnte, wieder in die Kirche zurückzukehren. Ich denke, ohne diesen Druck hätte ich diesen Teil der Katechese etwas überzeugender hingekriegt, aber auch so schaffte ich es so einigermaßen, zu sagen, was ich dazu sagen wollte. Gerade rechtzeitig vor unserem Vorbereitungstreffen hatte ich nämlich eine Idee für einen Impuls gehabt, der sich recht gut an die Aussage knüpfen ließ, auf Bergen fühle man sich dem Himmel näher als der Erde: Auf einer Bergwanderung, so führte ich aus, kann es einem passieren, dass man an einen Aussichtspunkt kommt, an dem man so begeistert und ergriffen vom Panorama ist, dass man am liebsten dableiben würde – aber das ist noch nicht das Ziel der Wanderung, und ehe man am eigentlichen Ziel ankommt, wird's noch mal richtig anstrengend. Das ist die Situation der Jünger in diesem Evangelium – wie man an Petrus sieht, der auf dem Berg der Verklärung am liebsten gleich Hütten bauen möchte. Aber auch wenn die Verklärung gewissermaßen schon einen Vorausblick auf die Auferstehung darstellt, führt der Weg Jesu zunächst noch auf einen anderen Berg: nämlich Golgota, den Berg der Kreuzigung. – Ich schätze, auf einer Hitliste der gelungensten Kinderwortgottesdienste meiner aktiven Zeit verdient dieser nicht direkt einen Spitzenplatz; aber einige gute Ansätze hatte er doch, und man kann nur hoffen, dass davon bei den Kindern – oder jedenfalls dem einen oder anderen von ihnen – etwas hängen geblieben ist... 


Geht's raus und spielt's Fußball: Fasten mit Hallow 

Ich habe es schon ein paarmal erwähnt: Meine Liebste hat die vielgescholtene Hallow-App auf ihrem Handy, das moderne Spiritualitäts-Tool hipper Missionare und verkappter Trumpisten, oder so. Natürlich gibt's da eine "Fastenzeit-Challenge" – wobei ich nicht so genau weiß oder verstehe, worin die Challenge da besteht, aber jedenfalls macht meine Liebste da mit. Am 2. Fastensonntag hörten wir uns über die App gemeinsam eine Fastenpredigt von einem jungen Augustiner-Chorherrn aus dem Kloster Paring in Niederbayern namens Dirk-Henning Egger an. Trotz seines enorm norddeutsch tönenden Doppel-Vornamen sprach der junge Mann in einer – zumindest für mein Ohr – ausgeprägt bayerischen Klangfarbe, und ich fürchte, bei mir ist vom Inhalt seiner Predigt nicht viel hängen geblieben, weil ich allzu beschäftigt damit war, mich über die Vorstellung zu amüsieren, er halte sie in der Halbzeitpause in der Kabine des FC Bayern. Motivierend genug klang sie jedenfalls. In einem Interview mit der Tagespost aus dem Jahr 2023 erklärte der Augustiner-Chorherr: "Ich tue in meiner Freizeit am liebsten zwei Dinge, eines davon ist Sport." Passt. Aber jetzt mal ohne Witz, der Dirk macht einen sympathischen Eindruck; vielleicht höre ich mir seine morgige Fastenpredigt auch wieder an, und außerdem folge ich ihm jetzt auf Instagram und habe ihm eine Facebook-Freundschsftsanfrage geschickt. 

Aber noch einmal kurz zurück zum Thema Fußball: Vorgestern oder so fragte mich meine Liebste, ob ich eigentlich wisse, dass "Kevin-Jérôme Boateng" bekehrter Christ sei. "Welcher von den beiden?", fragte ich. "Kevin-Prince Boateng oder Jérôme Boateng?" – "Kevin-Prince", erklärte meine Liebste. "Mir war nicht klar, dass das zwei verschiedene sind." 

Mir hingegen schon, und zwar nicht nur dank dieses Wandgemäldes an einer Brandmauer im Wedding.

"Interessant", sagte ich und fand es intuitiv irgendwie stimmig, dass gerade der vermeintlich "böse" Boateng-Bruder sich bekehrt hatte. "Kam das auch auf Hallow?" – "Ja, als Zeugnis in Form eines Interviews." – "Ach so, ich dachte schon, Dirk-Henning hätte das in einer Predigt erwähnt." 


Und beim JAM waren wir natürlich auch wieder...

...jedenfalls die Kinder und ich; meine Liebste hatte derweil Diebstberatung, und die Tagesordnung war so umfangreich, dass sie zu Recht nicht davon ausging, dass es zeitlich hinhauen würde, danach noch zum JAM dazuzustoßen. Tatsächlich war sie dann nicht viel früher zu Hause als wir. – Inhaltlich ging es beim JAM weiter um die "Ich bin"-Worte Jesu, und ein verstohlener Blick in den Saal verriet unmissverständlich, welches "Ich bin"-Wort diesmal "dran" war: 


Na klar, "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben".

Als der katechetische Teil beginnen sollte, war der Jüngste gerade in recht launischer Stimmung und bestand darauf, dass ich bei ihm blieb; ich ging also mit den "Minis" nach oben, obwohl es mich eigentlich mehr interessiert hätte, wie die Katechese für die Größeren gestaltet wurde. Die Version für die "Minis" war nicht sonderlich bemerkenswert, auch deshalb, weil die dafür zuständige Mitarbeiterin – wie sie hinterher zerknirscht eingestand – mittendrin den Faden verlor. Es war ihr ausgesprochen peinlich, aber mehrere anwesende Erwachsene, einschließlich meiner Person, versicherten ihr, das könne jedem mal passieren. Fast könnte man sagen, es hat was Beruhigendes, dass auch beim JAM nicht immer alles perfekt läuft. 


Neues aus Synodalien: Besser, sich zu bergen beim Herrn 

Zur Wahl von Bischof Heiner Wilmer (Hildesheim) zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz ist wohl noch eine kleine Nachlese fällig, ehe ich bis auf Weiteres den Mantel des Schweigens über ihn breite – vielleicht bis Fronleichnam, da sind seine ersten 100 Tage im Amt rum, und ich hoffe mal, bis dahin wird er nicht allzu viel Schaden angerichtet haben. Im Übrigen glaube ich, ich sollte mir angewöhnen, statt Vorsitzender lieber Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz zu sagen, das beschreibt den Charakter dieses Amtes treffender und klingt nicht so hochtrabend. 

Festhalten möchte ich jedenfalls, dass die unmittelbaren Reaktionen verschiedener innerkirchlicher Lager und Fraktionen auf die Wahl Wilmers, und nicht zuletzt auch die Versuche der Medien, diese Wahl "einzuordnen", in gewisser Hinsicht an die Reaktionen auf die Wahl Papst Leos XIV. erinnert haben. Über beide kursierte im Vorfeld die Einschätzung – die für die einen eine Hoffnung, für die anderen eine Befürchtung ausdrückte –, sie seien entschiedene "Linke", womöglich sogar noch "progressiver" als ihr jeweiliger direkter Amtsvorgänger; kaum waren sie jedoch gewählt, hieß es allüberall, sie gälten als Männer der Mitte und des Ausgleichs, als "Brückenbauer zwischen Reformern und Konservativen". Und in beiden Fällen äußerten sich unmittelbar nach der Wahl auch prominente konservative Bischöfe bzw. Kardinäle betont lobend und erfreut über den neuen Amtsinhaber. Es gab in beiden Fällen auch Spekulationen und Gerüchte, denen zufolge die Wahl des neuen Mannes überhaupt erst durch ein taktisches Bündnis zwischen moderaten und konservativen Kräften ermöglicht wurde, hinter dem die Absicht stand, den offensichtlichen Wunschkandidaten der bisher tonangebenden Fraktion zu verhindern; im Konklave 2025 soll das Kardinalstaatssekretär Parolin gewesen sein, und in der jüngsten DBK-Vollversammlung soll es, wie Benjamin Leven bei Communio schreibt, eine Kampfabstimmung zwischen Wilmer und Overbeck gegeben haben. (Und Overbeck hätte die Überzeugung, im Vergleich zu Bätzing könne es eigentlich nur besser werden, zweifellos auf eine harte Probe gestellt.) – Was Wilmer außerdem noch mit Leo gemeinsam hat, ist, dass beide Ordenspriester sind und jeweils für einige Jahre Generalobere ihres Ordens waren (nicht gleichzeitig, aber kurz nacheinander); aber weiter muss man die Parallelen wohl nicht treiben. Jedenfalls hat Papst Leo in den ersten Monaten einige Signale gesetzt, die auf die Absicht schließen lassen, das Erbe des Pontifikats seines Vorgängers Franziskus mit der Tradition der Kirche auszusöhnen; und etwas in der Art erhofften wohl auch manche gläubige Katholiken vom neuen DBK-Vorsitzenden, nachdem er in seinem ersten Pressestatement überraschend geistliche Töne angeschlagen und erklärt hatte, seine "Hauptaufgabe" sei es, "Gott ins Zentrum zu stellen". So bezeichnete die Initiative "Neuer Anfang" in einer Pressemitteilung die Wahl Wilmers als "echtes Hoffnungszeichen" und würdigte den neuen DBK-Vorsitzenden als "feinsinnigen und aufgeschlossenen Bischof". 

Ein paar Tage später, so schien es, war von dieser Hoffnungsfreude schon wieder der Lack ab, als nämlich bekannt wurde, dass die Bischofskonferenz – "vertreten durch ihren neuen Vorsitzenden Bischof Heiner Wilmer SCJ" – in Rom formal um die Zulassung der Laienpredigt innerhalb der Messe bitten wolle. So richtig überraschend ist das freilich nicht, da die Synodalversammlung des Synodalen Weges bereits im März 2023 einen entsprechenden "Handlungstext" beschlossen hat; zwar hat der Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Kardinal Arthur Roche – den man beim besten Willen nicht als besonders konservativ bezeichnen kann – diesen Forderungen schon damals eine Absage erteilt, aber dennoch würde ich sagen, man kann vom neuen Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz schwerlich erwarten, dass er die Beschlüsse des Synodalen Weges nicht umsetzen wollte. Dasselbe gilt auch und erst recht dafür, dass Wilmer im Vatikan um Zustimmung für die Satzung der Synodalkonferenz werben will. Gleichwohl hat mein alter Freund Rudolf Gehrig, inzwischen Vatikan-Korrespondent für die deutschsprachige Sektion der Catholic News Agency, diese Vorgänge zum Anlass genommen, jenen "praktizierende[n] Katholiken und Kritiker[n] des 'Synodalen Weges'" – "oft dieselbe Personengruppe", wie er anmerkt –, die angesichts des oben angesprochenen ersten Pressestatements des neuen DBK-Sprechers "Hoffnung geschöpft" haben, etwas Wasser in den Wein zu gießen. Er äußerte die Wahrnehmung, dass "vor allem die (gut)gläubigen Katholiken [...] immer wieder in dieselbe Falle tappen": 

"Ein paar fromme Worte reichen aus, um geistliche Würdenträger zu Galionsfiguren zu stilisieren. [...] Doch zuverlässig setzt man dabei immer wieder aufs falsche Pferd. Warum passiert das immer wieder? Ist es verzweifelte Hoffnung? Oder nur eine katholische Form des Stockholm-Syndroms?"

– Gleichzeitig räumt Rudolf ein, "bei manchen Leuten" schlage "der Trend [...] auch in die andere Richtung aus": 

"Ein falsch gesetztes Wort, die Freundschaft mit der falschen Person oder ein einziger Auftritt ohne Priesterkragen können ausreichen, einen geistlichen Würdenträger als den Antichristen abzustempeln." 

Dem Fazit, das er aus alledem zieht, kann ich mich nur vollumfänglich anschließen: Er verweist auf die Weisheit des Psalmisten – "Besser, sich zu bergen beim Herrn, als auf Fürsten zu bauen" (Psalm 118,9) – und fügt hinzu, das gelte "auch für Kirchenfürsten, übrigens". 


Geistlicher Impuls der Woche 

Die Verklärung ist ein Gebetsereignis; es wird sichtbar, was im Reden Jesu mit dem Vater geschieht: die innerste Durchdringung seines Seins mit Gott, die reines Licht wird. In seinem Einssein mit dem Vater ist Jesus selbst Licht vom Licht. 

(Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Bd. I) 


Ohrwurm der Woche 

Neil Sedaka: One Way Ticket 

Als ich erfuhr, dass Sänger und Songwriter Neil Sedaka am 27. Februar im Alter von 86 Jahren verstorben ist, war der erste Song, der mir in Verbindung mit seinem Namen in den Sinn kam, keiner von denen, die in allen Nachrufen auf ihn genannt werden, sondern eben dieser hier – ein Song, den Sedaka nicht selbst geschrieben hat und der lediglich als B-Seite seiner Hitsingle "Oh! Carol" veröffentlicht wurde, aber trotzdem ein Nr.-1-Hit wurde --- in Japan. Vielen dürfte "One Way Ticket" nur oder zumindest vorrangig in der, wie ich finde, ausgesprochen grausigen Disco-Coverversion von Eruption aus dem Jahr 1979 bekannt sein; daher hier das Original zum Genießen. Man beachte übrigens die zahlreichen intertextuellen Verweise auf andere zeitgenössische Songs ("Lonesome Town", "Heartbreak Hotel" u.a.)! 


Vorschau/Ausblick 

Wie bereits erwähnt, findet an diesem Wochenende in Neu-Ulm ein Bundesfest der Katholischen Pfadfinder Europas inklusive Sangeswettstreit statt, anlässlich des 50jährigen Bestehens des Verbands. Hingefahren sind wir da nicht, obwohl ich noch ein paar Tage zuvor eine Einladung per Mail bekommen habe; aber die Pfadfinderinnen aus dem Stamm in Berlin-Schöneberg (also die größeren Mädchen, ab 12 Jahren) sind da hingefahren, und für die Wölflinge gab's heute wieder ein "normales" Meutentreffen – da fuhr ich mit dem Tochterkind hin und werde nächste Woche darüber berichten. Morgen ist der 3. Fastensonntag, da werden wir wohl wieder in St. Joseph Siemensstadt in die Messe gehen; außerdem ist Landtagswahl in Baden-Württemberg, wo letzte Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den bisherigen Koalitionspartnern Bündnis 90/Grüne und CDU erwarten lassen. Wozu ich anmerken möchte, dass meine Blogstatistik in den letzten Tagen ein gestiegenes Interesse an den beiden "Huhn meets Ei"-Artikeln anzeigt, in denen der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir namentlich erwähnt wird; besonders schmeichelhaft sind diese Artikel nicht für ihn, aber ich bezweifle, dass das das Wahlergebnis signifikant beeinflussen wird.–Am Montag habe ich einen erneuten Termin beim Erzbischöflichen Ordinariat im Zusammenhang mit meiner angestrebten Ausbildung zum Gemeindereferenten; ich denke und hoffe, dass ich danach klarer sehen werde, wie (und ob überhaupt) es damit weitergeht. Gebetsunterstützung ist ausgesprochen willkommen! Am Dienstag beginnt die Novene zum Hochfest des Hl. Josef; am Mittwoch jährt sich mein Blogger-Comeback zum dritten Mal, dazu habe ich einen eigenen Jubiläumsartikel in Vorbereitung. Am nächsten Samstag gedenke ich wieder mit dem Tochterkind zu den Wölflingen zu gehen, und dann werden wir uns wohl eine Vorabendmesse suchen müssen, denn am Sonntag wird mein Jüngster morgen fünf Jahre alt, und das wird groß gefeiert: Einschließlich des Geburtstagskindes selbst und seiner großen Schwester erwarten wir elf Kinder zur Feier, bei einigen kommen auch die Eltern (oder zumindest ein Elternteil) mit. Das kann spannend werden! 


Samstag, 28. Februar 2026

Utopie und Alltag 14: Im Epizentrum der Erkältungssaison

Na, Leser, seid ihr gut in die Fastenzeit gestartet? Was meine Familie und mich betrifft, kann ich im Großen und Ganzen nicht klagen, außer dass bei uns die üblichen saisonalen Erkältungskrankheiten 'rumgehen: Meine Liebste hatte es gerade so ungefähr hinter sich, als es beim Jüngsten losging – der dadurch Anfang der zurückliegenden Woche zwei Tage lang nicht in die KiTa gehen konnte, was natürlich auch auf meinen Tagesablauf erhebliche Auswirkungen hatte. Zeitweilig dachte ich "Ich hab die ganze Woche noch nichts geschafft", aber dann sagte ich mir, das sei eine Frage der Perspektive und ich solle lieber sagen "Ich habe diese Woche viel Zeit mit meinem Sohn verbracht und nebenbei noch ein bisschen was im Haushalt erledigt". Derweil hat die Erkältung auch mich nicht ganz verschont, aber bisher liegt die Intensität meiner Symptome noch unterhalb der Grenze, wo ich alle Viere von mir strecken und sagen würde "Ich bin krank". Hoffen wir mal, dass es nicht schlimmer wird... 

Was ich auch noch erwähnen möchte, bevor ich zu den einzelnen thematischen Abschnitten dieses Wochenbriefings komme: Die mit viel Verve in Angriff genommene Kinderzimmer-Neugestaltung ist derzeit ins Stocken geraten, nachdem sich ein Hochbett, das wir gebraucht kaufen wollten, für unsere Zwecke als unbrauchbar erwiesen hat – und wir somit demnächst wohl mal einen Trip zu einem namhaften schwedischen Einrichtungshaus werden planen müssen. In diesem Zusammenhang konnte ich mich des Gedankens nicht erwehren: Wenn man mich mit sieben oder acht Jahren zu den Wölflingen geschickt hätte, dann könnte ich jetzt auch selber ein Hochbett bauen. Na ja: Paths not taken in history. Unsere Kinder fechten's besser aus... 

Dieser sympathische Bär steht im Foyer des neuen Ausbildungszentrums des Erzbistums Berlin im Ortsteil Marienfelde.

Update Religionspädagogik 

Na, seid ihr alle gespannt, wie es mir beim "Bewerbendentag" des Erzbistums Berlin für pastorale Berufe ergangen ist? – Ich bin mir nicht ganz sicher, inwieweit es opportun ist, Details über den Ablauf der Veranstaltung auszuplaudern, zumal ich durchaus den Eindruck gewonnen habe, Veranstaltungen dieser Art leben zu einem gewissen Grad davon, dass die "Bewerbenden" nicht – oder jedenfalls nicht genauwissen, was sie erwartet; was ich aber auf jeden Fall sagen kann, ist: Ich fand's gut. Ich hatte sogar richtig Spaß dabei und habe interessante und sympathische Leute kennengelernt, die ich mit Freuden Kollegen nennen würde, falls es sowohl bei ihnen als auch bei mir mit der Ausbildung für die Pastoral klappt. 

Aber mal von vorne: Am Samstag kurz vor 10 fand ich mich am neuen, baulich noch nicht ganz fertigstellten Ausbildungszentrum des Erzbistums Berlin im Ortsteil Marienfelde ein, zusammen mit neun anderen "Bewerbenden", von denen allerdings, wie sich im Laufe der Veranstaltung zeigte, nur rund die Hälfte das Berufsziel Gemeindereferent/-in hatte; die anderen interessierten sich eher für die sogenannte "kategoriale Seelsorge", also z.B. im Krankenhaus. Es waren gleich viele Männer wie Frauen vertreten, und was die Altersstruktur betraf, waren zwei junge Erwachsene dabei, für die das im Frühjahr beginnende Religionspädagogik-Studium das Erststudium ist oder wäre; ein Bewerber war wohl so ungefähr am oberen Ende dessen einzuordnen, was im kirchlichen Kontext noch als "junger Erwachsener" gilt; die anderen waren so etwa in meinem Alter oder älter. Das schien mir zu bestätigen, was mir schon bei meinem ersten Infogespräch gesagt worden war: dass ich durchaus ins typische Bewerberprofil passe, auch vom Alter her

Zu Beginn der Veranstaltung durfte sich, wer wollte, an Kaffee und Tee bedienen, dann ging es erst einmal in den über dem Tagungsraum gelegenen Andachtsraum, zu einem Geistlichen Impuls. Dieser wurde eröffnet mit dem Lied "Herr, gib uns Mut zum Hören" von Kurt Rommel – einem "alten, aber doch sehr meditativen Lied", wie der Regens meinte; das fand ich ein bisschen witzig, denn das Lied ist von 1963, für ein Kirchenlied also doch eher jung, und gehört entstehungsgeschichtlich in den Kontext der ersten "Jazz-Messen". Aber das mal nur am Rande, weil das Thema nun mal ein Steckenpferd von mir ist. – Der Andachtsraum war übrigens recht modern-abstrakt gestaltet, aber die Fenster gefielen mir gut: 

Nach der Andacht ging es wieder in den Tagungsraum, wo eine Vorstellungsrunde mit Kennenlernspielen folgte; nach einer kurzen Pause, die die "Bewerbenden" für individuelle Kennenlerngespräche untereinander nutzten, wurden wir für ein Rollenspiel in zwei Gruppen à 5 Personen aufgeteilt, und danach gab's erst mal Mittag – geliefert von einem italienischen Restaurant in der Nähe: Gemüselasagne, Salat und Brot. Am Nachmittag ging es dann weiter mit Teamspielen, die mir, als ich jünger war, wahrscheinlich fürchterlich auf die Nerven gegangen wären, aber ich ließ mich darauf ein und hatte tatsächlich Spaß dabei. Nach einer abschließenden Reflexionsrunde endete die Veranstaltung gegen 15:30 Uhr. 

– Und wie geht's jetzt weiter? Allen Beteiligten wurde in Aussicht gestellt, sie würden innerhalb von 14 Tagen eine Rückmeldung erhalten, wie die nächsten Schritte auf dem Weg zur angestrebten pastoralen Tätigkeit aussehen könnten und sollten. Von diesen 14 Tagen ist aktuell die Hälfte rum, also übe ich mich mal in Geduld... 


Währenddessen beim Fraueneinkehrtag 

Wie ich ebenfalls bereits erwähnt habe, hatte meine Liebste parallel zu meinem "Bewerbendentag" ebenfalls eine interessante Veranstaltung, nämlich einen "Frauentag" an der EFG Hohenstaufenstraße – mit Lobpreis, Vorträgen und Workshops. Die Hohenstaufenstraße liegt im Stadtteil Schöneberg, aber wenn man bei Google "EFG Schöneberg" eingibt, landet man erst mal bei den Baptisten – und die scheinen in Schöneberg eher hip und woke zu sein, jedenfalls glänzt die Website mit Gender-Sternchen und allfälligen Beteuerungen, für jeden und alles offen zu sein. Die Gemeinde in der Hohenstaufenstraße ist hingegen eine Brüdergemeinde, und nach allem, was ich über konfessionelle Unterschiede innerhalb des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden gehört habe, heißt das wohl, dass sie tendenziell eher hardcore ist. Einen "Frauentag", für den dann auch übergemeindlich geworben wird, richten sie dort offenbar einmal im Jahr aus, und dieses Jahr war die Buchautorin Nelli Bangert als Referentin eingeladen, die in einem Ort mit dem schön biblisch anmutenden Namen Linsengericht lebt. Das Tagesprogramm stand unter dem Motto "NachHALLtig leben", und wie mir meine Liebste verriet, trägt eins der Bücher von Nelli Bangert den Titel "KreaTIEF Beten"; Wortspiele dieser Qualität kennt man ja sonst eher von den Namen von Friseursalons, aber dergleichen war vor Jahren auch im kirchlichen und sozialen Bereich Mode, und manch einer ist wohl auf diesem Trip hängengeblieben. Na ja, Geschmackssache. Davon abgesehen kam meine Liebste jedenfalls ausgesprochen begeistert von diesem Fraueneinkehrtag zurück – und mit ungefähr zehn Seiten handschriftlichen Notizen. Ein Buch der Referentin hat sie sich auch gleich gekauft, allerdings eins ohne grobschlächtiges Wortspiel im Titel: "Frei. Geliebt leben" heißt es, und es ist ein "interaktives" Buch, das an vielen Stellen vorsieht, dass die Leserin selbst etwas hineinschreibt. Sieht ganz interessant aus, vielleicht komme ich im Laufe der Fastenzeit noch mal darauf zurück. 


Fast'n Hirtenbrief 

Während wir Eltern am Samstag bei unseren jeweiligen Veranstaltungen waren, hatten die Kinder einen außerplanmäßigen "Omatag" mit meinen Schwiegermüttern. Diesen verbrachten sie in der Hauptsache im Holland-Park in Schwanebeck, und als sie zurückkamen, hatte die Große einen verknacksten Fuß und der Jüngste war erkältet und hatte Durchfall. Nicht dass ich da jetzt einen ursächlichen Zusammenhang unterstellen möchte, aber jedenfalls war der Kleene auch am Sonntagmorgen noch zu kränklich, um in die Kirche mitzukommen. Also blieb meine Liebste mit ihm zu Hause, während ich mit dem Tochterkind, dessen Fuß keine nennenswerten Beschwerden mehr machte, nach St. Joseph Siemensstadt fuhr. Es waren auffallend viele Kinder in der Kirche, was, wie sich zeigte, damit zusammenhing, dass an diesem Sonntag die Erneuerung des Taufversprechens der Erstkommunionkinder anstand: Wenn ich richtig gezählt habe, waren zu diesem Anlass nicht weniger als 28 Erstkommunionkinder erschienen. Darüber hinaus sollte in dieser Messe der Fastenhirtenbrief des Erzbischofs verlesen werden und es sollte das Aschenkreuz für alle diejenigen gespendet werden, die am Mittwoch nicht in eine Messe hatten gehen können. Um das alles unter einen Hut zu bringen, ohne dass die Leut' zu spät zum Mittagessen kamen, entschied Padre Ricardo, die 1. Lesung und den Antwortpsalm wegzulassen, und verlas den Fastenhirtenbrief lediglich in der Version "in einfacher Sprache" – und auch das nur auszugsweise. Wie ich bestimmt früher schon mal angemerkt habe, finde ich "einfache Sprache" in der Regel eher anstrengend, aber diese Hirtenbrief-Version hat was; im Druckbild sieht sie ein bisschen aus wie freie Lyrik, ja geradezu wie konkrete Poesie, und das lenkt ein bisschen vom dürftigen Inhalt ab, der die "normalsprachliche" Version zu einer recht ermüdenden Lektüre macht. Ein bisschen spirituelle Wellness ("Nehmen Sie sich Zeit, um zu prüfen, wo Ihr Leben einen Aufbruch braucht"), ein bisschen Werbung für die Institution im Sinne des Mottos "take the customer into the organization" ("In diesem Jahr stehen in unseren Pfarreien die Wahlen zu Gemeinde- und Pfarreiräten sowie zu den Kirchenvorständen an. [...] Wer daran teilnimmt, setzt ein klares Zeichen: Wir wollen aktiv mitgestalten, Verantwortung übernehmen und die Ausrichtung unserer Gemeinden mitgestalten"), ein bisschen Appell an staatsbürgerliche Verantwortung ("Auf dem Gebiet unseres Erzbistums stehen in diesem Jahr in Berlin die Wahlen zum Abgeordnetenhaus und in Mecklenburg-Vorpommern die Landtagswahlen an. Wir Christinnen und Christen sollten den Aufruf zur demokratischen Wahl wahrnehmen und sehr bewusst und verantwortlich eine Wahlentscheidung treffen, die der Würde und Größe eines jeden Menschen entspricht und die sich den herausfordernden gesellschaftlichen Situationen, in denen wir stehen, verantwortlich gegenüber zeigt. Ich danke all denen, die bereit sind, sich zur Wahl zu stellen und politische Verantwortung für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung übernehmen wollen")... Wenn man sich nun unwillkürlich fragt "Ja, was hätte er denn sonst schreiben sollen?", dann dokumentiert das im Grunde nur, wie sehr wir diesen Sound von unseren Bischöfen bereits gewohnt sind. – Betitelt ist der Fastenhirtenbrief mit dem Motto des diesjährigen Katholikentags, "Hab Mut, steh auf!"; und da kann ich mich des Gedankens nicht erwehren, ein guter Anfang wäre es doch schon mal, wenn Erzbischof Koch, den ich ansonsten ja durchaus schätze, mal den Mut fände, ein Hirtenwort zu verfassen, das weniger brav, politisch korrekt und allgemein wischiwaschi wäre. 


Mit den Wölflingen durch die Fastenzeit 

Wie sich bereits letzte Woche abgezeichnet hat, haben wir es tatsächlich den ganzen Monat nicht geschafft, zu den KPE-Wölflingen in Schöneberg zu gehen – was ich umso "schader" finde, als wir vor den Winterferien gerade erst das Mitgliedschaftsformular fürs Tochterkind ausgefüllt und abgegeben hatten. Aber okay, wenn man's genau nimmt, gab es in diesem ganzen Monat auch nur ein einziges "normales" Meutentreffen – nämlich heute –, und ausgerechnet das kollidierte terminlich mit dem RKT in Haselhorst. Na, im März wird's hoffentlich besser laufen; einstweilen gilt es aber zu Protokoll zu geben, dass die Wölflingsleiterin per Mail einige Vorlagen für Fastenzeitkalender mit kindgerechten "Challenges" verschickt hat (also mit "Aufgaben" wie "Mama oder Papa helfen", "auf Süßigkeiten verzichten", "Beim Streiten zuerst nachgeben", aber z.B. auch "Jesus im Tabernakel besuchen". – "[D]ie Kinder werden euch schon erzählen, welchen Kalender sie haben wollen", merkte die Wölflingsleiterin dazu an, und zumindest auf unsere Kinder bezogen hat sie damit Recht behalten. 

Als erste Zwischenbilanz wäre festzuhalten, dass auf Süßigkeiten verzichten nicht gerade eine Stärke unserer Kinder ist, aber darin, Mama oder Papa zu helfen, entwickeln sie durchaus einen gewissen Ehrgeiz. Und als ich am Mittwoch die Kinder von der KiTa und von der Schule abholte, um mit ihnen zum JAM zu fahren, und ein Streit darüber auszubrechen drohte, wer im Bus neben mir sitzen darf, gab die Große sich sichtlich einen Ruck und überließ den begehrten Sitzplatz ihrem Bruder. "Dafür kannst du heute Abend ein Feld auf deinem Fastenkalender ausmalen", sagte ich zu ihr, und sie erwiderte: "Daran hab ich auch gedacht." – Ich vermute mal, dass es durchaus Leute gibt, die hier gern einwerfen würden, wenn die Kinder das erwünschte Verhalten nur um der Belohnung willen praktizieren – selbst wenn die "Belohnung" nur darin besteht, ein Bild ausmalen zu dürfen –, dann sei damit noch nicht viel gewonnen; aber dieser Einwand ließe sich natürlich auf jede Form "extrinsischer Motivation" anwenden. Ich bin geneigt, darauf zu erwidern: So ist der Mensch nun mal, und auch die Gnade baut auf der Natur auf. Letzten Endes geht es darum, Verhaltensmuster einzuüben, die, wenn es gut läuft, auch über die Fastenzeit hinaus zur Gewohnheit werden und dann auch ohne "Belohnung" funktionieren. 

Wie man sieht, gibt es auch schlechtere Methoden, seine Kinder dazu zu motivieren, z.B. ihr Zimmer aufzuräumen. Eine Art Anti-Fastenkalender, könnte man sagen.


Schwarzer Gürtel in KiWoGo – und darüber hinaus 

Der Arbeitskreis Kinderwortgottesdienst für den Gemeindeteil St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst hatte in der zurückliegenden Woche viel zu tun, schließlich galt es sowohl einen Religiösen Kindertag als auch einen KiWoGo vorzubereiten. Ich hatte daher mit dem Gemeindereferenten vereinbart, uns am Mittwoch nach dem JAM in Haselhorst zu treffen; da traf es sich gut, dass das JAM diesmal relativ zeitig zu Ende war. Im Rahmen der schon früher zu beobachtenden Bestrebungen, die Jugendlichen, die im vorigen Jahr den "Next Step"-Kurs absolviert haben, verstärkt in Leitungsaufgaben einzubinden, wurde die Katechese (bzw. "Andacht", wie das hier heißt – woran ich mich einfach nicht gewöhnen kann und will) zum Thema "Ich bin der Gute Hirte" von Jugendlichen geleitet: bei den "Minis" (=Vorschulkindern) von einem Mädchen, das bei der Gemeindefreizeit im September getauft worden war, bei den "Kids" (=Grundschulkindern) von einem 14jährigen Jungen, der auch schon den Gottesdienst zum Abschluss des "Next Step"-Kurses "moderiert" hatte. Die "Kids" waren etwas verwundert, wie kurz die Katechese dieses Jungen war, aber wie sich mit Hilfe von ein paar Fragen zur Ergebnissicherung feststellen ließ, war die wesentliche Message durchaus 'rübergekommen. – Schön war übrigens auch, dass es beim JAM-Abendessen diesmal mehr Käsebrote gab als vorige Woche

Das Treffen mit dem Gemeindereferenten, in informeller Atmosphäre, verlief ausgesprochen produktiv; wir hatten zwar ein recht üppiges Arbeitspensum, waren aber glücklicherweise auch gut vorbereitet. Man könnte ja durchaus der Meinung sein, auf die Schnelle und zu zweit einen Religiösen Kindertag zum Thema Schöpfung aus dem Ärmel zu schütteln, nachdem man kurz zuvor noch dachte, das Thema würde Abraham lauten und man hätte ein erheblich größeres Leitungsteam, entbehre nicht einer gewissen Tragikomik, aber ich empfand die Herausforderung eher als motivierend. Im Detail werde ich erst im nächsten Wochenbriefing schildern können, wie der RKT zum Thema Schöpfung gelaufen ist, aber ein paar Ergebnisse unseres Planungsgesprächs möchte ich doch schon mal skizzieren. Dazu gehört, dass der Gemeindereferent – der mal Physik als Leistungsfach in der Oberstufe hatte und sich bis heute ein reges Interesse an Naturwissenschaft bewahrt hat – ein paar spannende Ideen dazu mitbrachte, wie man den Kindern vermitteln könne, dass gerade die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Entstehung des Universums auf einen Schöpfer schließen lassen; dazu gehört aber auch, dass ich eine Gelegenheit gewittert habe, das immer noch der Verwirklichung harrende Projekt "Kinder-Lobpreis-Disco" quasi durch die Hintertür in den Ablaufplan für diesen RKT einzuschmuggeln, und eine Playlist aus acht Lobpreis-Songs zum Thema "Schöpfung" erstellt habe (wenn bei meinen Lesern Interesse besteht, zu erfahren, um welche Songs es sich handelt, verrate ich das gern beim nächsten Mal). – Besonders interessant wurde es dann nochmal, als wir uns die Frage stellten, was denn eigentlich die "Take-Home-Message" für die Kinder sein sollte; oder präziser gefragt: wie man es vermeidet, dass beim Stichwort "Verantwortung für die Schöpfung" in den Köpfen der Kinder nur "irgendwas mit Klimaschutz" ankommt bzw. hängen bleibt. Ein allgemeiner Tipp für Situationen, in denen solche Fragen aufkommen: Zuerst und vor allem nochmal in den Text gucken, in diesem Fall Genesis 1,1-2,3. Warum hat der Mensch denn überhaupt eine Verantwortung für die Schöpfung? Antwort: weil Gott ihn als Sein Abbild geschaffen hat. Es gibt in der Ökologiebewegung ja das Narrativ, dass die Natur ohne den Menschen viel besser dran wäre – dass alle anderen Lebewesen dem Ökosystem nur so viel nehmen, wie sie ihm auch wieder geben, nur der Mensch macht alles kaputt. Aber Gott sieht das offenbar anders: Erst nachdem Er den Menschen geschaffen hat, betrachtet Er das Werk der Schöpfung als vollbracht und gönnt sich einen freien Tag. 

Weiterhin war der KiWoGo für den bevorstehenden 2. Fastensonntag zu besprechen; das Evangelium dieses Sonntags ist Matthäus 17,1-9, die Verklärung Jesu, daher wird es im KiWoGo darum gehen, die Verklärung als Offenbarung der göttlichen Natur Christi verständlich zu machen und zu Passion und Auferstehung in Beziehung zu setzen – deshalb kommt dieses Evangelium ja schließlich in der Fastenzeit "dran". Sicherlich eine herausfordernde Aufgabe, dieses Thema dem Verständnishorizont von Kindern im Grundschulalter angemessen zu gestalten; ich werde dann nächste Woche berichten, wie uns das gelungen ist... 


Neues aus Synodalien: Wer den Wal hat, hat den Tran 

Im schönen Würzburg ist in diesem Jahr nicht nur Katholikentag, sondern vom Montag bis zum Donnerstag der zurückliegenden Woche hat dort die Deutsche Bischofskonferenz auch ihre Frühjahrsvollversammlung abgehalten. Die Tagung war nichtöffentlich, aber es gab eine Reihe von Presseterminen, und auf der Tagesordnung stand nicht zuletzt – am Dienstag – die Wahl eines neuen Vorsitzenden. Zu den Spekulationen darüber, wer das denn wohl werden könnte, hatte Philipp Greifenstein im Eule-Magazin (dem "Zentralorgan der im Sitzen pinkelnden Föhnfrisurträger", wie ich es früher mal genannt habe) im Vorfeld festgestellt, der neue DBK-Vorsitzende werde "mit Sicherheit ein weißer, deutscher Mann Ende 50, Anfang 60 sein. Diversität wird katholisch eben anders buchstabiert als im Rest der Gesellschaft." Wozu mir ja wieder der Witz mit dem Kunstkritiker einfällt, aber den hatten wir ja neulich erst. Nun, wie ich schon früher schrieb, dem Greifenstein muss man zutrauen, dass sein geistiger Horizont tatsächlich nicht über derlei grob gezimmerte ideologische Schubladen hinausreicht, und Framing ist, wenn man aus den Brettern, die man vorm Kopf hat, einen Bilderrahmen baut. – Jedenfalls ließ der Eule-Chefredakteur seinem selbstbewusst als "Analyse" bezeichneten Artikel zum Thema "Wer wird neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz?" noch am Tag vor der Wahl einen satirisch gemeinten Text folgen, in dem der Passauer Bischof Stefan Oster als Kandidat ins Spiel gebracht wird: Dieser bringe die besten Voraussetzungen mit, "die katholische Kirche wieder zu einer deutlich vernehmbaren, unterscheidbaren Stimme in der Öffentlichkeit unseres gottabgewandten Landes" zu machen, da er "für die katholische Sexualmoral, den Lebensschutz und Neuevangelisierung und gegen das Lai:innen-Verständnis von Synodalität" stehe; er sei eine "Stimme, die sich quer zum Mainstream der Gesellschaft stellt und auch die Gläubigen seiner eigenen Kirche herausfordert", indem er sich nicht scheue, auch mit den unbequemen Botschaften der Kirche zu provozieren". – Sagen wir mal so: Damit, dass Bischof Oster tatsächlich DBK-Vorsitzender werden könnte, hätte wohl niemand, auch und erst recht nicht der Eule-Fipsi, ernsthaft gerechnet, und ich würde es beim derzeitigen Zustand der Deutschen Bischofskonferenz auch gar nicht als wünschenswert betrachten; aber davon abgesehen hatte ich beim Lesen von Greifensteins sogenannter Glosse zahlreiche "this, but unironically"-Momente, und unter diesem Aspekt möchte ich den Text ausdrücklich empfehlen

Wer hingegen tatsächlich den Vorsitz der Bischofskonferenz übernommen hat, werden die meisten meiner Leser wahrscheinlich schon mitbekommen haben: Heiner Wilmer SCJ, ehemaliger Generaloberer der Herz-Jesu-Priester und seit 2018 Bischof von Hildesheim. Gründe dafür, dass diese Personalie bei mir keine reine Freude aufkommen lässt, kann man im Kontext der bislang letzten Erwähnung Bischof Wilmers auf meinem Blog nachlesen; aber hey – damit, dass es jemand werden würde, über den man Besseres bzw. mehr Gutes würde sagen können als "immerhin ist es nicht mehr Bätzing", war ja von vornherein schwerlich zu erwarten, und immerhin hat der neue DBK-Vorsitzende gleich bei seiner ersten in dieser Funktion getätigten öffentlichen Äußerung ein paar bemerkenswerte Akzente gesetzt. Die Tagespost notierte, Wilmers erstes Statement sei von "wenig Politik und viel Spiritualität" geprägt und "im Ton bemerkenswert geistlich"; auf eine Frage aus dem Kreis der anwesenden Pressevertreter hin erklärte Wilmer, seine "Hauptaufgabe" sei es, "Gott ins Zentrum zu stellen" – das wär ja mal ganz was Neues. – Gründlich blamiert hat sich derweil die alte Tante Tagesschau – nicht nur, weil sie den verbreiteten Irrglauben weiterkolportiert, der Vorsitzende der DBK sei "der oberste Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland" (halten wir bitte ein für allemal fest: das ist er nicht), sondern auch, weil sie in der ersten Fassung ihrer Facebook-Meldung (es gibt Screenshots!) behauptete, Wilmer sei Bischof von Heidelberg. Die gute alte Diözese Heidelberg, wer kennt sie nicht

Derweil ist im Xantener Dom ein Wal gestrandet. Kein echter natürlich; vielmehr handelt es sich um eine "Kunstinstallation". Von einem 2018 an der Küste Südafrikas gestrandeten Buckelwal wurde ein Abguss angefertigt, und die lebebsgroße, 600 Kilo schwere Walskulptur liegt nun einen Monat lang im Kirchenschiff von St. Viktor in Xanten direkt vor dem Altar. Eine treffende Metapher für den Synodalen Weg, möchte man meinen; aber natürlich ahnt man, dass die beabsichtigte Message eine andere ist. Nach eigener Aussage will der israelische Künstler Gil Shachar mit seinem Werk "an die Verletzlichkeit der Schöpfung erinnern", und der Schirmherr der Aktion, der für die Region Niederrhein innerhalb des Bistums Münster zuständige Weihbischof Rolf Lohmann – der zugleich "Umweltbischof" (oder, formal korrekter ausgedrückt, Vorsitzender der Arbeitsgruppe für ökologische Fragen) in der DBK ist, gab gar zu Protokoll, es sei "nicht zufällig, dass die Kunstinstallation während der Fastenzeit im Xantener Dom stattfindet", denn: "Mit diesem gestrandeten, toten Tier haben wir im Grunde genommen die ganze [!] Botschaft von Tod und Auferstehung [!!] plastisch vor uns." Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Auf Facebook habe ich in ominöser zeitlicher Nähe zu diesem Vorgang ein Meme gesehen, in dem Papst Leo die Aussage in den Mund gelegt wird, Delfine seien zwar fähig zu sündigen, hätten aber keinen Erlöser, da Jesus nur für die Menschheit gekommen sei, und darum sei die Hölle voll von Delfinen und auch Walen. Stellt der Wal im Xantener Dom somit den Messias der Meeressäuger dar, gestrandet für ihre Sünden? – Nee, natürlich nicht. Im Ernst gesprochen ist es recht offensichtlich, dass der Wal da liegt, um die (Umwelt-)Sünden der Menschen anzuprangern. Ebenso offensichtlich ist es indes, dass das, was da im Xantener Dom St. Viktor in Szene gesetzt wird, mit der christlichen Heilslehre nur sehr entfernt und indirekt etwas zu tun hat. – Was ich mich dabei aber auch noch frage: Wie muss man eigentlich drauf sein, um das mediale Echo auf den Stuttgarter "Schleim-Jesus" zu sehen und daraufhin zu denken "Sowas wollen wir bei uns auch!"? Ich schätze, es wird Zeit, dass die Sedisvakanz im Bistum Münster endet – wobei man durchaus Zweifel haben kann, ob es danach besser oder eher schlimmer wird... 


Geistlicher Impuls der Woche 
Der Mensch kann nicht ohne Hoffnung leben; sein Leben wäre der Bedeutungslosigkeit verschrieben und würde unerträglich. Im Bedürfnis nach Hoffnung meinen viele, in kurzlebigen und brüchigen Realitäten Frieden finden zu können. Und so wird die auf einen der Transzendenz verschlossenen innerweltlichen Raum eingeengte Hoffnung zum Beispiel mit dem von Wissenschaft und Technik versprochenen Paradies identifiziert, mit dem vom Konsumismus vermittelten Glück hedonistischer Natur oder mit jenem imaginären, von Drogen künstlich ausgelösten Glücksgefühl, mit der Faszination orientalischer Philosophien, mit der Suche nach Formen esoterischer Spiritualität. 
Das alles erweist sich freilich als zutiefst illusorisch und ungeeignet, jenen Durst nach Glückseligkeit zu stillen, den das Herz des Menschen in seinem Inneren weiterhin verspürt. Und so bleiben und verschärfen sich die besorgniserregenden Zeichen des Schwindens der Hoffnung, die sich manchmal auch in Formen von Aggressivität und Gewalt äußern. 
(Johannes Paul II., Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 10) 

Ohrwurm der Woche 

Rufus Thomas: Walking the Dog 

Ein Rhythm & Blues-Klassiker aus der Zeit, als R&B noch das "schwarze" Pendant zum Rock'n'Roll war. Bluessänger Rufus Thomas hatte mit diesem Song 1963, im vorgerückten Alter von 46 Jahren, seinen größten Hit, der schon im Jahr darauf von den Rolling Stones und später noch von zahlreichen anderen Bands gecovert wurde. Was mich betrifft, habe ich "Walking the Dog", soweit ich mich erinnere, erstmals in der "MTV unplugged"-Version von Aerosmith gehört, etwas später dann live bei einem Blueskonzert im "Yorckschlösschen" in Berlin-Kreuzberg; den Namen des Interpreten habe ich mir nicht gemerkt, aber er hatte durchaus Ähnlichkeit mit Rufus Thomas, und auch seine Version von "Walking the Dog" hatte größere Ähnlichkeit mit dem Original als mit den Versionen von Aerosmith, den Rolling Stones und noch ein paar anderen, die ich seither gehört habe. 


Vorschau/Ausblick 

Ich kündigte es im vorigen Wochenbriefing bereits an: An diesem Wochenende ist mal wieder volles Programm. Heute haben wir den halben Tag beim RKT in Haselhorst verbracht, worüber es in der nächsten "Utopie und Alltag"-Folge allerlei zu berichten geben wird; vorausschicken kann ich jedenfalls schon mal, dass da ganz schön was los war. Ob wir uns heute Abend, wenn dieses Wochenbriefing bereits online ist, noch dazu werden aufraffen können, zur "Community Night + General Meeting" ins Baumhaus zu fahren, war bei Redaktionsschluss noch nicht entschieden – aber ehrlich gesagt nicht allzu wahrscheinlich, zumal bei den Berliner Verkehrsbetrieben mal wieder Streiksaison ist, was die Hin- und Rückfahrt etwas verkomplizieren dürfte. Am morgigen Sonntag steht jedenfalls, wie angekündigt, der KiWoGo zum Thema Verklärung an, und dann folgt, aller Voraussicht nach, eine "ganz normale" Woche mit Schule, KiTa und Kampfsport. Am Mittwoch ist, was die Zahl der Schul- und Arbeitstage angeht, tatsächlich schon Halbzeit zwischen Winter- und Osterferien, und zum JAM gehen werden wir da wohl auch wieder. Am nächsten Wochenende beginnen die Feierlichkeiten zum 50jährigen Bestehen der Katholischen Pfadfinderschaft Europas mit einem Bundesfest in Neu-Ulm, zu dessen Programm auch ein "Singe- und Instrumentalwettstreit" gehört. Hinfahren werden wir da nicht, aber ich bin mal gespannt, was darüber so in Erfahrung zu bringen sein wird. Gleichzeitig sind jenseits der Donau, in Baden-Württemberg, Landtagswahlen, denen auch eine gewisse bundespolitische Signalwirkung zugeschrieben wird. Schauen wir mal... 


Donnerstag, 26. Februar 2026

Neues vom Schulkind: Der Weg der Kriegerin

Ein Thema, zu dem ich in den Wochenbriefings der vergangenen Wochen aus Platzgründen nicht gekommen bin, über das es aber Gleichwohl allerlei zu sagen gibt, betrifft das Kampfsporttraining meiner Kinder; ja, Kinder im Plural, denn an derselben Schule, in der der Jüngste schon seit Dezember trainiert, hat nun auch unser Tochterkind mit Kampfsport angefangen – und bringt nun nach und nach auch ihre Schulfreundinnen auf den Geschmack. 

Aber mal von vorne: Vor den Winterferien hatten wir unsere Große auf ihren eigenen Wunsch hin zum Probetraining angemeldet, das am Dienstag vor zwei Wochen stattfand – wobei es sich gut traf, dass das Training für ihre Altersstufe (6-8 Jahre) dienstags zur selben Zeit stattfindet wie das Training für die ganz Kleinen, sodass ich beide Kinder in einem Rutsch von der KiTa und der Schule abholen und mit ihnen zur Kampfsportschule fahren konnte. In der Schule zeigte es sich, dass gleich zwei Freundinnen meiner Tochter mitkommen und beim Probetraining zuschauen wollten: Eins der Mädchen zählt schon zu ihren besten Freundinnen, seit sie vor gut drei Jahren eine Probewoche an dieser Schule gemacht hat, und sie unternehmen auch sonst oft noch nach der Schule etwas gemeinsam, von JAM oder Fußballtraining bis hin zu gegenseitigen Übernachtungsbesuchen; bei dem anderen Mädchen handelt es sich, wie mir scheint, eher um eine "On-Off-Freundschaft". Wie dem auch sei, ich erklärte mich bereit, die beiden mitzunehmen, sofern ihre Eltern damit einverstanden wären; dies wurde rasch telefonisch geklärt, und auf ging's in großer Besetzung zur Kampfsportschule. 

Das Training für die 6-8-Jährigen fand im offenen Bereich der Kampfsportschule statt, sodass man dabei erheblich besser zuschauen konnte als bei den Kleineren; und geleitet wurde es von dem Trainer, den ich hier neulich schon mal gewürdigt habe. Er begrüßte meine Tochter freundlich, fragte sie nach ihrem Namen und ihrem Alter und versprach ihr: "Du wirst schnell merken, das macht ganz viel Spaß." In der Gruppe waren noch zwei weitere "Neue" und dazu fünf Kinder, die schon länger dabei sind. Den "Neuen" gab der Trainer einen Überblick darüber, was sie in diesem Kurs alles lernen können, und als er an einem siebenjährigen Jungen, der ziemlich klein und zart aussah, aber bereits den gelb-orangen Gürtel hatte und demnach wohl schon eine Weile dabei war, ein paar Wurfübungen vorführte, merkte er an: "Ihr denkt jetzt vielleicht, was ist denn das für'n Typ, der schmeißt hier Kinder durch die Gegend...!" Als ein Kind bei einer Übung sagte "Das kann ich nicht", erwiderte der Trainer ungerührt "Genau deswegen trainieren wir es" – das muss ich mir merken. Zwischendurch fragte er mich mit Blick auf meine Tochter: "Ist das deine?", und als ich bejahte, sagte er: "Die ist top, für acht Jahre macht sie das super." Gleichwohl war ich mir, als ich sie hinterher fragte, ob sie Lust habe, hier regelmäßig – einmal in der Woche oder öfter – mitzumachen, einer positiven Antwort nicht sicher. Nicht etwa weil sie ein Mädchen ist – tatsächlich trainieren in dieser Kampfsportschule ziemlich viele Mädchen –, aber sagen wir's mal so, ich hätte mir vorstellen können, dass ihr das Kämpferische einfach weniger liegt als ihrem kleinen Bruder, und eventuell auch, dass sie mit der vom Trainer geforderten Disziplin Schwierigkeiten haben würde. Letzteres war aber ersichtlich nicht der Fall, und kurz und gut, die Frage, ob sie Lust hätte, hier regelmäßig mitzumachen, bejahte sie ohne Zögern. Den Vertrag für sie machten wir noch nicht gleich, holten das aber bei der nächsten Gelegenheit nach; und den Eltern der beiden Mädchen, die zum Zugucken mitgekommen waren, schickte meine Liebste den Link zur Website der Kampfsportschule – für den Fall, dass sie auch mal ein Probetraining vereinbaren wollten. Und siehe da, schon am nächsten Dienstag war eins der beiden Mädchen mit von der Partie – und zwar nicht die supergute Freundin unseres Tochterkindes, sondern die mit der "On-Off-Freundschaft". Wie's aussieht, ist sie auch in Zukunft fest dabei, nachdem der Trainer zu ihrem Vater gesagt hat "Die will ich behalten, die ist Hammer!" Man darf gespannt sein, wie sich das gemeinsame Training auf das Verhältnis der beiden Mädchen zueinander auswirkt; bis jetzt läuft's jedenfalls ganz gut, würde ich sagen. 

Übrigens hatte ich ja neulich schon mal angedeutet, dass man in der Kampfsportschule zuweilen Eltern begegnet, die offensichtlich ein erheblich anderes Erziehungskonzept haben als wir. Dazu könnte in Zukunft durchaus noch öfter etwas zu sagen sein, aber eine Beobachtung möchte ich doch gleich hier und jetzt festhalten. Während des Probetrainings meiner Tochter wurde ein Mädchen, das in derselben Gruppe trainierte, allerdings offenbar schon etwas länger dabei war, mehrfach von einem Zuschauer – wollen wir mal annehmen, dass es ihr Vater war – angeschnauzt, weil dieser offenbar der Meinung war, sie strenge sich nicht genug an oder sei nicht konzentriert genug bei der Sache. Mir drängte sich da die Frage auf: Wäre das nicht eigentlich Aufgabe des Trainers? Ehrlich gesagt wunderte es mich sogar, dass der sich diese Einmischung gefallen ließ. Dann wieder dachte ich mir: Wenn ich meiner Tochter von der Seitenlinie Lob oder Ermutigung zurufe, gilt dafür nicht in gewissem Sinne dasselbe? Na, lassen wir das vorläufig mal so im Raum stehen. 

Der Kurs für die Altersstufe unseres Jüngsten findet dreimal in der Woche statt und der für die Altersstufe unserer Großen sogar fünfmal in der Woche, aber wir haben uns vorläufig darauf eingestellt, dass beide Kinder "nur" zweimal in der Woche hingehen, der Kleene dienstags und donnerstags, das Tochterkind dienstags und freitags; denn am Montag haben wir normalerweise "Omatag", am Mittwoch ist JAM und am Donnerstag hat die Große länger Schule. Nicht schlecht gestaunt habe ich, als meine Tochter zum ersten Mal an einem Freitag zum Training ging – es war ihr drittes Training überhaupt, das zweite, wenn man das Probetraining nicht mitrechnet, und es stand sehr wesentlich im Zeichen der Vorbereitung auf ein anstehendes Turnier (an dem sie allerdings, wie man sich wohl denken kann, noch nicht teilnimmt). Das heißt, es wurde viel gekämpft; 13 Kinder waren zum Training erschienen, und nach Möglichkeit sollte jeder einmal gegen jeden kämpfen. Ganz reichte dafür die Zeit nicht, aber immerhin kämpfte jedes Kind gegen vier oder fünf Gegner; und gleich zu Beginn beeindruckte meine Tochter mich dadurch, dass sie sich von ihrer ersten Gegnerin (die zugegebenermaßen einen Kopf kleiner als sie, dafür aber sichtlich Kampfsport-erfahrener war) einfach nicht umwerfen ließ. Im weiteren Verlauf hielt sie auch gegen zwei Kinder, die schon den gelben Gürtel haben, sehr gut mit, und als sie an einen Gegner geriet, der wohl ähnlich "neu dabei" ist wie sie (wie man angesichts der Tatsache vermuten konnte, dass er noch keinen Anzug hatte), schickte sie ihn gnadenlos auf die Matte und setzte sich auf ihn drauf. Naturtalent. Hätt ich nicht gedacht. Klar besiegt wurde sie nur von einem Jungen, der nicht nur einen gelben Gürtel, sondern auch den ganzen Ärmel voll mit Turnier-Abzeichen hatte. 

In der nächsten Trainingsstunde der Großen – zu der wieder eine andere Schulfreundin zum Zuschauen mitkam – wurde die Turniervorbereitung fortgesetzt; der Trainer ging mit den Kindern verschiedene Tipps und Tricks für den Kampf durch (wie man den Gegner am besten umwirft, was man tun kann, um selbst nicht umgeworfen zu werden, wie man schnell wieder aufsteht, wenn man zu Boden gegangen ist...) und fragte dann plötzlich: "Und was ist am schwierigsten? Gürtel binden, oder?" – Das war kein Witz; die Eltern der neuen Schüler erhielten in dieser Trainingsstunde ein Infoblatt mit den Anforderungen für die erste Gürtelprüfung, und nicht nur gehört es zu diesen Anforderungen, den Gürtel selbst binden zu können, sondern es steht ausdrücklich auf dem Infoblatt, dass dies für die meisten Kinder die schwierigste Prüfungsaufgabe sei und man es daher möglichst auch zu Hause üben solle. 

Derweil war unser Jüngster Anfang der Woche zwei Tage krank zu Hause (nix Dramatisches, die typische saisonale Erkältung) und durfte in dieser Zeit etwas mehr fernsehen als gewöhnlich; zusammen schauten wir uns einige Folgen der Serie Ninjago – Aufstieg der Drachen an, und während der Folge "Die innere Ruhe" kam mir plötzlich der Gedanke, ob meine Kinder möglicherweise deshalb mit den rituellen und meditativen Elementen des Budō intuitiv etwas anfangen können (mehr als andere gleichaltrige Kinder, scheint mir jedenfalls), weil sie so fleißig Ninjago gucken. Könnte ja sein. 

Nicht in meinem Interesse wäre es indes natürlich, wenn die Begeisterung für den Kampfsport diejenige für die Pfadfinderei in den Hintergrund drängte; aber obwohl in den letzten Wochen einige Wölflingstreffen ausgefallen sind oder wir nicht daran teilnehmen konnten, bin ich einigermaßen optimistisch, dass das nicht der Fall sein wird. Tatsächlich glaube ich sogar, dass sich beides ganz gut ergänzen könnte. Dazu, wie es bei den Wölflingen läuft, wird wohl in absehbarer Zeit auch mal ein eigener Artikel fällig... 


Samstag, 21. Februar 2026

Utopie und Alltag 13: Im Epizentrum des Karnevals

Eins vorweg: Leser aus dem Rheinland haben mein vollstes Verständnis, wenn sie angesichts der Überschrift dieses Wochenbriefings meinen, das sei ja wohl Anmaßung bzw. Etikettenschwindel, das Epizentrum des Karnevals sei ja wohl bei ihnen, jedenfalls ganz bestimmt nicht in Berlin. Trotzdem finde ich, diese Überschrift drängte sich einfach auf, nachdem der Berichtszeitraum dieses Wochenbriefings doch sehr stark vom Thema Karneval geprägt war. Indes: Nach den Karneval hat der Herr in Seiner Weisheit die Fastenzeit gesetzt, und da der Aschermittwoch ja so ziemlich in die Mitte des Berichtszeitraums dieses Wochenbriefings fiel, gibt es hier auch schon etwas "Fastenzeit-Content" – wovon in den nächsten Wochen naturgemäß noch mehr kommen wird. Damit nun aber auch genug der Vorrede! 

Aus der Rubrik "Dinge mit Gesicht" – arrangiert vom Tochterkind.

Kinderfasching 1: Atemlos durch den Nachmittag 

Wie in der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings bereits geschildert, hatten wir uns am vergangenen Samstag dazu entschieden, alle zusammen zum Kinderfasching in St. Bernhard (Tegel-Süd) zu gehen; unser Jüngster verkleidete sich zu diesem Anlass als Michelangelo von den Teenage Mutant Ninja Turtles und unsere Große als Luna Lovegood aus "Harry Potter" – das heißt, ihr Kostüm war eine Hogwarts-Schuluniform in den Farben von Ravenclaw, dem Haus für die besonders schlauen Kinder. Der Umhang war ihr ein bisschen zu groß, was daher rührte, dass meine Liebste das gewünschte Kostüm nur bei einem Kostümversand für Erwachsene hatte finden können – ein Umstand, der, wie ich finde, viel über das "Harry Potter"-Fandom aussagt. – 

Zur Gemeinde von St. Bernhard hatten wir selbst in unserer aktiven Zeit in der Tegeler Pfarrei kaum Kontakte gehabt, daher war es nicht sonderlich überraschend, dass wir bei dieser Faschingsfeier kaum jemanden kannten; die erfreulichste Ausnahme war die Familie des Jungen, mit dem unser Jüngster sich im Vorjahr bei dieser Veranstaltung angefreundet hatte (und der diesmal als "Super Mario" verkleidet war). Begrüßt wurden wir von einem Mädchen im Waldelfenkostüm, das bunte Glasperlen an die Eintretenden verschenkte; auch einige der anderen Kinder hatten sehr schöne und phantasievolle Kostüme, und auch die meisten Erwachsenen erschienen in Verkleidung, wobei im vielen Fällen das Kostüm lediglich durch ein paar Accessoires angedeutet war. Ich selbst hatte mir kurz entschlossen meinen Grinch-Kapuzenpulli übergezogen und fand, das müsse genügen. – Es gab ein Mitbring-Büffet, zu dem wir Popcorn (süßes und salziges) beisteuerten; hier nur mal ein Ausschnitt von dem, was es sonst noch so gab (es kam noch erheblich mehr dazu, nachdem ich dieses Foto gemacht hatte): 

Ja, Bier gab es auch, und das war nicht alkoholfrei.

Im Übrigen bestand das Programm der Veranstaltung in der Hauptsache aus Tanzspielen, oder sagen wir, Bewegungsspielen zu Musik. Bei der Liedauswahl fiel mir – nicht zum ersten Mal – auf, wie schmal und durchlässig die Grenze zwischen Kinderliedern und Ballermann-Sauf-und Mitgröl-Liedern heutzutage ist; ich schätze, der Oberbegriff lautet "Partyschlager" oder vielleicht auch "Stimmungsmusik". Jedenfalls liefen bei diesem Kinderfasching neben Kinderdisco-Klassikern von "Das Lied über mich" bis "Tschu Tschu Wah" z.B. auch "Helikopter 117" von Tobee – ein Lied, das ich erstmals bei der Urlauberkirche in Burhave gehört habe, da hatte ein Junge im Grundschulalter sich das gewünscht, aber vom Text her ist es eindeutig ein Sauflied –, "Was geht ab" von den Atzen, "Polka Polka Polka" von der Kölner Kapelle Brings und unvermeidlicherweise auch "Atemlos" von Helene Fischer. Da war es geradezu schon eine Erleichterung, dass als "Rausschmeißer" zum Ende der Veranstaltung "Drink doch eine met" von den Bläck Fööss aus den Boxen drang. – Übrigens war deutlich zu bemerken, dass nach ungefähr zwei Stunden die Stimmungskurve bei den Kindern – nicht nur unseren, sondern ganz allgemein – deutlich nach unten zu zeigen begann, und insofern war es wohl ganz gut, dass die ganze Veranstaltung nicht länger als zweieinhalb Stunden ging. Aber ich bin da auch voreingenommen, ich fand Kinderfasching schon als Kind eher anstrengend. Ich denke da immer an das Lied "1000 und 1 Nacht (Zoom!)" von der Klaus Lage Band – mit der Textstelle "Erinnerst du dich, wir ham Indianer gespielt / und uns beim Fasching in die Büsche versteckt": Als Kind habe ich das immer ganz selbstverständlich so verstanden, dass das lyrische Ich und seine Freundin sich versteckt haben, um beim Fasching nicht mitmachen zu müssen – obwohl sie sonst durchaus gern Indianer spielten. Und damit konnte ich mich sehr gut identifizieren. (Zum Stichwort "Indianer" weiter unten noch mehr.) 


Quinquagesima und Wichtelgruppe 

Zur Messe gingen wir an diesem Sonntag in St. Afra, hauptsächlich deshalb, weil im Anschluss daran das zweite Treffen des an diesem Standort neu gegründeten Pfadfinderstammes stattfinden sollte: Da es sich abzeichnete, dass wir es im gesamten Monat Februar nicht schaffen würden, zu den KPE-Wölflingen in Schöneberg zu gehen, wollten wir uns wenigstens diesen Termin nicht entgehen lassen. – Wir vielleicht nicht alle meine Leser wissen, ist das St.-Afra-Stift in Berlin-Gesundbrunnen der Sitz des Instituts St. Philipp Neri, das die außerordentliche Form des Römischen Ritus – sprich: die "alte Messe" nach dem Messbuch von 1962 – pflegt; aber erst als wir die Kirche betraten und den Altarraum mit violetten Tüchern geschmückt sahen, ging mir auf, dass nach dem hier verwendeten liturgischen Kalender bereits Vorfastenzeit war. Es war der Sonntag Quinquagesima, und die Messe war ausgesprochen schön und feierlich; damit verfestigt sich – nachdem ich nun zweimal im Abstand von vier Wochen (und dreimal innerhalb von vier Monaten) in St. Afra in der Messe war – der schon beim letzten Mal festgehaltene Eindruck, dass ich mich mehr und mehr mit dieser Form des Ritus "anfreunde". Sehr interessant fand ich auch die Predigt von Propst Piranty, in der es um die Kardinaltugenden ging – unter Berufung auf den "heiligen Aristoteles", wie der Propst einmal versehentlich sagte, sich aber sogleich schmunzelnd korrigierte. 

Das anschließende Pfadfindertreffen im Garten des Stifts war etwas schwächer besucht als das erste seiner Art vier Wochen zuvor – was sich bei der Wölflings-Mädchengruppe besonders auffällig auswirkte, denn da nahmen diesmal nur vier Mädchen teil – darunter allerdings wiederum zwei, die unser Tochterkind schon vom Herbstlager her kannte. Übrigens hatten wir am Morgen in der Eile des Losgehens vergessen, unserer Tochter ihren "Skort" überzuziehen, und hatten angenommen, das werde wohl nicht weiter auffallen, aber tatsächlich war sie das einzige Mädchen ihrer Gruppe, das keinen Rock trug. Das erwähne ich aber nicht etwa, weil ich es schlimm gefunden hätte; es fiel mir einfach nur auf. (Wenn sie erst mal eine komplette Wölflingskluft hat, dann soll sie die zu den Meutentreffen natürlich auch anziehen, aber so weit sind wir noch nicht.) – Derweil hatte unser Jüngster, der in der Nacht zuvor schlecht geschlafen hatte, plötzlich keine Lust auf die Wichtelgruppe und ließ sich nur unter der Bedingung zum Mitmachen überreden, dass seine Mami dabei blieb. Da meine Anwesenheit vergleichsweise weniger gefragt war, verzog ich mich ins Gemeindecafé (wenn ich das mal so nennen darf) und führte dort ein sehr nettes und anregendes Gespräch mit den Eltern einiger anderer Wichtelkinder. Nach einer Weile hielt ich es aber doch für geraten, mal zu gucken, ob ich meine Liebste bei der Wichtelgruppe vielleicht mal "ablösen" könnte und sollte. Nachdem das Wichtelgruppentreffen mit Spielen im Garten begonnen hatte, war die Gruppe dann relativ bald nach drinnen umgezogen, in einen Raum neben der Krypta, wo gemalt und gebastelt und außerdem Obstsalat gefuttert wurde. Bald nachdem ich dazugestoßen war, wurde auch noch ein Topf Gulaschsuppe hereingebracht, den die Wölflinge draußen auf dem offenen Feuer heiß gemacht hatten. Mein Sohn zeigte mir stolz seine Bastelarbeiten, berichtete, er habe "ganz viel Obst" gegessen, und noch beim Schlafengehen betonte er, bei der Wichtelgruppe sei es "toll" gewesen – ein schöner Erfolg, wenn man bedenkt, dass er anfangs eigentlich keine Lust hatte. – Zum nächsten Wichtelgruppentreffen werden wir nicht kommen können, da es terminlich mit dem Kinderwortgottesdienst in St. Joseph Siemensstadt kollidiert; aber grundsätzlich sind wir da weiterhin im Boot, würde ich mal sagen. 


Kinderfasching 2: Amerikanische Erstbewohner_innen und Meerjungmänner 

Ebenfalls schon in der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings hatte ich erwähnt, dass am Rosenmontag an der Schule des Tochterkindes "antifaschistischer, kultursensibler Fasching" sei. Der Hintergrund dieser etwas polemischen Bemerkung war eine Mail der Schule an die "Eltern, Sorgeberechtigte[n] und Bezugspersonen" der Schüler, in der sich neben allerlei Informationen zum Ablauf der Schulfaschingsfeier die Anregung fand, "das Thema Verkleidung dazu zu nutzen mit euren Kindern kritisch zu reflektieren, wie rassistische Klischees oder Geschlechterrollen durch Kostüme verstärkt werden könnten". Nun gut, das war ja noch vergleichsweise moderat und freundlich formuliert, aber ein gewisses Augenrollen löste es bei mir doch aus. Angehängt an die Mail war eine Broschüre mit dem Titel "Fasching vorurteilsbewusst feiern! –Anregungen für eine diskriminierungssensible Praxis", herausgegeben von der Beratungsstelle "KiDs –Beratung & Kampagnen der Fachstelle Kinderwelten für Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung" im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!". Die Broschüre stammt aus dem Jahr 2016, man könnte also sagen, das ganze Thema sei ein ziemlich alter Hut; aber ein paar Anmerkungen habe ich doch dazu. Exemplarisch kritisiert wird in dieser Broschüre – nicht sehr überraschend, wenn man mit einschlägigen Diskursen vertraut ist – die "Kostümierung als amerikanische Erstbewohner_innen"; ja, damit sind Indianer gemeint. "Die sogenannten 'Indianer' gibt es nicht und gab es nie", liest man da. "Der Begriff wurde im Zuge der Kolonialisierung Nord- und Südamerikas der damaligen Bevölkerung aufgezwungen und steht somit in Zusammenhang mit der brutalen Vernichtung großer Teile dieser Personengruppe." Lassen wir mal beiseite, dass nicht wenige Angehörige "dieser Personengruppe" sich selbst sehr wohl als Indianer bezeichnen und definieren; viel interessanter finde ich es, wie knapp die Verfasser der Broschüre im ersten hier zitierten Satz an einer richtigen Erkenntnis vorbeischrammen: Wer sich im Karneval als "Indianer" verkleidet, hat in der Regel gar nicht den Anspruch oder die Absicht, eine realitätsadäquate Darstellung "amerikanischer Erstbewohner_innen" abzuliefern; der Indianer als Karnevalskostüm ist im Grunde ebenso eine Phantasiefigur wie etwa eine Meerjungfrau. – À propos: Eine Verkleidung als Meerjungfrau ist deshalb problematisch, weil sie geeignet ist, Geschlechtsstereotype zu befestigen. "Dass es Piratinnen und Meerjungmänner geben kann, braucht manchmal eine Ermutigung durch Erwachsene." Ich schätze, man kann schon froh sein, dass hier nicht der Wortbestandteil "Jungfrau" als Kennzeichen einer restriktiven Sexualmoral, ja als "Slutshaming" getadelt wird. – Aber mal im Ernst: Auch hier enthält die Bemerkung, für eine Kostümierung als Piratin oder Meerjungmann brauche es möglicherweise eine "Ermutigung durch Erwachsene", wieder ein bisschen mehr Wahrheit, als den für diese Broschüre Verantwortlichen lieb sein dürfte. Der entsprechende thematische Abschnitt beginnt nämlich mit dem Satz "Der Druck auf Kinder, sich eindeutig als Junge oder Mädchen zu definieren und dies durch entsprechendes Aussehen und Verhalten zu unterstreichen, ist hoch" – ein klassisches Beispiel dafür, wie Glaubenssätze der Gendertheorie als vermeintliche Tatsachen präsentiert werden. Wie ich aus der Broschüre "Trans* in der Schule" weiß, die ich jüngst für die Tagespost rezensiert habe, sagen Evolutions- und Entwicklungspsychologie etwas ganz Anderes, nämlich dass es für die allermeisten Kinder völlig normal und selbstverständlich ist, "sich eindeutig als Junge oder Mädchen zu definieren", und dass sie von ihrem Umfeld auch so wahrgenommen werden wollen

Als ich das Tochterkind zur Schulschlusszeit von der Faschingsfeier abholte, hatte ich angesichts der kostümierten Kinder, denen ich begegnete, nicht den Eindruck, dass die in der Broschüre dargelegten Prinzipien wesentlichen Einfluss auf die Kostümauswahl gehabt hätten. Zu denken gab mir indes etwas, was meine Tochter mir auf dem Heimweg erzählte: Zum Programm der Feier hatte eine "Kostümpräsentation" gehört, die jedoch dezidiert keinen Wettbewerbscharakter hatte; nicht nur gab es keine Prämierung der besten Kostüme, sondern "man durfte nicht mal sagen, welches Kostüm man am coolsten fand". Auf meine Nachfrage, was denn wohl passiert wäre, wenn man es doch getan hätte, erklärte sie, das wisse sie nicht, da sich alle daran gehalten hätten. 


Kinderfasching 3: Junges Gemüse 

Über die Faschingsfeier an der KiTa unseres Jüngsten gibt es vergleichsweise weniger zu berichten, aber der Vollständigkeit halber (und um der Kontrastwirkung willen) seien auch ihr ein paar Zeilen gewidmet. Hier wurde den Eltern im Vorfeld mitgeteilt, es gebe "keine Vorgaben für Kostüme, nur Waffen sind nicht so gerne gesehen". So geht's also auch! Was dabei herauskommt, wenn in der Kostümfrage so wenig Regulierung herrscht, dokumentieren die Fotos, die in der KiTa-App hochgeladen wurden: Die Mädchen waren fast durchgehend als Prinzessinnen oder Feen verkleidet, eins als Biene und eins als Löwe, was zweifellos etwas aus dem Rahmen fiel; bei den Jungs standen Superheldenkostüme hoch im Kurs, ein Junge war als Feuerwehrmann verkleidet und einer als Pirat. – Auch hier gab es übrigens ein Mitbring-Büffet, anders als beim Fasching in St. Bernhard gab es hier jedoch eine Liste, auf der aufgeführt war, was alles mitgebracht werden sollte, und die Eltern sollten auf dieser Liste angeben, was davon sie mitzubringen gedachten. Auf die Existenz dieser Liste wurden wir erst aufmerksam, als schon fast alle Posten vergeben waren, und so fiel uns die Aufgabe zu, einen von zwei Gemüsetellern zum Büffet beizusteuern. Da auch vom Büffet ein Foto in der KiTa-App hochgeladen wurde, kann ich zu Protokoll geben, dass "unser" Gemüseteller "dem anderen" an Auswahl und Menge einigermaßen ebenbürtig war. Also nochmal alles gutgegangen...! 


Doppelter Aschermittwoch, mal wieder 

Der Umstand, dass die KiTa unseres Jüngsten am Mittwoch wegen einer Mitarbeiterfortbildung geschlossen war, ermöglichte es mir, wie in den Jahren zuvor wieder zusammen mit dem Knaben in St. Marien Maternitas in Heiligensee in die Aschermittwochs-Messe zu gehen, die heuer wieder von Pater Mephisto zelebriert wurde. In seinen Begrüßungsworten hob er hervor, der Aschermittwoch sei "eine echte Zäsur – zunächst mal im Ablauf der Liturgie und im kirchlichen Jahreskreis": 

"Etwas Neues soll beginnen, und für Neues ist es immer notwendig, sich vorzubereiten. Sich darauf vorzubereiten, dass wir irgendwann, an Ostern, Auferstehung feiern – dazu ist es notwendig, dass wir uns bewusst machen, wo wir dem nicht entsprechen, wo Defizite sind" – 

An der Stelle musste ich dann doch ein Augenrollen darüber unterdrücken, was für Verrenkungen manche Seelsorger machen, um nur nicht "Sünde" sagen zu müssen. Vermutlich würden sie, wenn man sie darauf anspräche, argumentieren, mit solchen Begriffen könnten die Menschen heutzutage nichts mehr anfangen und sie würden eher Abwehrreaktionen hervorrufen; dagegen denke ich mir, wenn man die Leute, jedenfalls die, die einigermaßen regelmäßig in die Kirche kommen, mal an ein paar Grundbegriffe der christlichen Glaubenslehre gewöhnen wollte, hätte das nicht zuletzt den Vorteil, dass man ihnen nicht immer wieder von Neuem erklären müsste, was das ist. – 

Anknüpfend an das Stichwort "Zäsur" drehte sich die gut sechs Minuten lange Predigt dann, ohne auf die Lesungstexte des Tages Bezug zu nehmen, um das Thema "Grenzen": solche, "die wir respektieren müssen und vielleicht manchmal zu wenig respektieren und uns zu wenig bewusst machen, und andere, die eigentlich überwunden werden müssten." Ich war durchaus gespannt, was Pater Mephisto zu diesem Thema einfallen würde, welches seiner diversen Gesichter er der Gemeinde diesmal zeigen würde; aber das Ergebnis war im Guten wie im Bösen eher enttäuschend. So nannte er als Beispiel für "sichtbare Grenzen, ganz greifbare Grenzen" die "Mauern dieser Kirche" und betonte, dass diese "uns hier einen Raum geben des Gebets, der Sammlung, des Abstandnehmens von dem Betrieb, der draußen herrscht"; nun hätte man annehmen können, dass er daran die Mahnung anschließen würde, die Kirche dürfe nun aber nicht der Versuchung erliegen, es sich in ihren eigenen vier Wänden bequem zu machen oder sich gar "einmauern", aber davon war in der Predigt keine Rede, weder im Sinne von Evangelii Gaudium noch gar im Sinne des Synodalen Wegs. Weiterhin hätte man erwarten können, dass in einer Predigt zum Stichwort "Grenzen" auch das Thema Migrationspolitik eine Rolle spielen würde, aber nichts da; die einzige politische Anmerkung, die Pater Mephisto sich erlaubte, war eine ziemlich unverfängliche, da sie sich auf ein Thema bezog, das sozusagen bereits "Geschichte" ist: "Wir haben es ganz deutlich, denke ich, hier damals erlebt beim Fall dieser Mauer, die diese Stadt umschlossen hat. Eine unnatürliche, eine zu überwindende Grenze." (Man könnte meinen, diese Bemerkung provoziere geradezu die Frage, nach was für Kriterien denn im politischen Bereich zu entscheiden sei, ob eine Grenze "natürlich" oder "unnatürlich", überwindens- oder erhaltenswert sei, aber auch dazu: nada.) Ein letztes Mal regte sich bei mir die Hoffnung, es könnte doch noch interessant werden, als Pater Mephisto erklärte: "Heutzutage denke ich, dass manche Grenzen in unserem Leben sich sehr erweitert haben". Und was meinte er damit? "Zum Beispiel was unsere Kommunikationsmöglichkeiten angeht – da haben wir ganz viele neue Möglichkeiten..." Gähn. Da sind wir jetzt auf dem Niveau "Heidi Kabel wirbt für Volkshochschulkurse zum Thema 'Internet für Senioren'". – Das Schlussplädoyer der Predigt lautete: 

"Ich möchte Sie einladen, diese Fastenzeit zu nutzen, da nachzuschauen: welche dieser Grenzen uns hilfreich sind; wie wir sie respektieren – oder auch übertreten, dort, wo ein Übertreten eben nicht angesagt ist; nachzuschauen, welche Grenzen uns eher behindern und hemmen in unserer Entfaltung und deshalb überwunden werden sollten. Darüber ein bisschen nachzudenken, vielleicht die eine oder andere Korrektur anzubringen, das ist, denke ich, ein gutes Ziel für die Fastenzeit." 

Lame, wie die jungen Leute sagen. Derart schwammige, lauwarme, einer klar erkennbaren Aussageabsicht ermangelnden Predigten bin ich von diesem Priester eigentlich nicht gewohnt; auch die zahlreichen Sprechpausen, ohne die die Predigt um mindestens ein Drittel kürzer gewesen wäre, trugen zu dem Eindruck bei, dass er eigentlich gern etwas Substanzielleres, vielleicht sogar Kontroverseres gesagt hätte, sich aber nicht so richtig traute. Was mag da los sein? (Nur nebenbei, und da Pater Mephisto ja in der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd auch für die "queersensible Pastoral" zuständig ist, sei erwähnt, dass es – soweit es aus den Vermeldungen ersichtlich ist – heuer anders als in den letzten Jahren in dieser Pfarrei keine "Segensfeier für Verliebte" zum Valentinstag gab. Ist das schon der "Leo-Effekt" oder lag es nur daran, dass der Valentinstag auf das Karnevalswochenende fiel und man darum Anderes zu tun hatte?) 

Beim anschließenden Gemeindefrühstück gab es, ebenso wie letztes Jahr, Graupensuppe, Brot und Butter; das nutzte ich für meine einmalige Sättigung des Tages, nachdem ich zu Hause nur Kaffee getrunken hatte. Bis zum Abend, d.h. bis zum Abendessen beim JAM, hatte ich dann aber richtig Hunger; da traf es sich ungünstig, dass dort überwiegend Wurstbrote aufgetischt wurden. Ich konnte ein einziges Wurstbrot ergattern, dazu ein paar Happen Laugengebäck, Apfel- und Bananenstücke und ein kleines Stück Möhre. Fühlte sich richtig nach Fasten an. – 

Da wir alle etwas müde und erschöpft waren und meine Liebste obendrein ziemlich erkältet war, stand es am Ende des JAM ein bisschen auf der Kippe, ob wir danach noch wie in den Jahren zuvor in St. Stephanus zur Aschermittwochsmesse gehen würden, aber nun waren es bemerkenswerterweise die Kinder, die sich entschieden dafür aussprachen. – Die Messe in St. Stephanus war gut besucht und wurde zelebriert von einem polnischen Pfarrvikar, drn ich bisher sozusagen nur "vom Sehen" kannte, nämlich als Konzelebranten bei festlichen Messen für die gesamte Pfarrei. Das erste, was mir an ihm auffiel, war, dass er die liturgischen Texte in einem atemberaubenden Tempo sprach; bei der Predigt zügelte er dieses Tempo aber so einigermaßen und kam so auf eine Predigtlänge von rund sechs Minuten. In dieser Zeit nahm er auf alle drei Lesungstexte Bezug, am meisten aber auf die 2. Lesung (2. Korinther 5,20-6,2) – und hier vorrangig auf den Satz "Lasst euch mit Gott versöhnen!". Dabei wies er darauf hin, dass Paulus unmittelbar zuvor, in Vers 5,19, schreibt "Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat" – und stellte folgerichtig die Frage in den Raum, was denn eigentlich noch zu tun bleibe, wenn doch "Gott bereits alles gemacht" habe und "diese Versöhnung längst geschehen" sei. In diesem Sinne verglich er das Versöhnungsangebot Gottes mit einem Geschenk, das man erst einmal annehmen und auspacken müsse, "damit es mir wirklich zum Geschenk wird". Das Geschenk der Versöhnung anzunehmen, bedeute aber, dass "ich mein Leben im Einklang mit Gott lebe, soweit es mir möglich ist": 

"Doch wo dies noch nicht der Fall ist, wo ich noch immer meine eigene Suppe koche, nicht bereit bin, Seinen Willen in meinem Leben geschehen zu lassen, wo Er keine oder nur eine Nebenrolle in meinem Leben spielt, brauche ich eben die Versöhnung mit Gott auch heute noch." 

Zum JAM möchte ich aber auch noch etwas sagen, obwohl da erneut kein thematischer Bezug zum Aschermittwoch hergestellt wurde. Wieder einmal herrschte beim JAM krankheitsbedingter Mitarbeitermangel, was u.a. dazu führte, dass die Kinder für den katechetischen Teil nicht in zwei Altersgruppen geteilt wurden, sondern alle zusammen im großen Saal blieben. Inhaltlich ging es weiter um die "Ich bin"-Worte Jesu: Nach "Ich bin das Licht der Welt" vor den Winterferien und "Ich bin das Brot des Lebens" in der vorigen Woche kam diesmal "Ich bin die Tür" an die Reihe, und da die JAM-Leiterin erkältungsbedingt nicht gut bei Stimme war, hielt sie nicht die komplette Katechese "live", sondern griff auf ein schon ein paar Jahre altes YouTube-Video zurück, das ich hier kurzerhand mal teile, um meinen Lesern einen Eindruck von Stil und Methodik der JAM-Katechesen zu vermitteln: 

Der "Live"-Anteil an der Katechese beschränkte sich im Wesentlichen auf ein "Ergebnissicherungs"-Gespräch mit den Kindern, und ich stellte erfreut fest, dass meine Große dazu wieder ein paar sehr gute Wortmeldungen beisteuerte. Wenn ich das so beobachte, freue ich mich schon richtig auf den Erstkommunion-Unterricht im nächsten Schuljahr... 


Wie läuft's denn so mit dem Bibelleseplan? 

Wie unlängst schon berichtet, habe ich für das laufende Kalenderjahr ja den wohllöblichen Vorsatz gefasst, das ganze Alte Testament durchzulesen, mit Hilfe eines Bibelleseplans der EFG The Rock Christuskirche, der allerdings, um auch die dort teils aus konfessionellen Gründen weggelassenen, teils anscheinend einfach vergessenen Bücher darin unterzubringen, einige Modifikationen erfordert. Nun bin ich seit sechs Wochen dabei und denke mir, es ist Zeit für eine erste Zwischenbilanz – zumal meine Bemühungen, gegenüber dem Original-Zeitplan einen Vorsprung herauszuarbeiten, bereits messbare Erfolge gezeitigt hat: So habe ich eine Woche früher, als der Plan es vorsieht, mit dem Buch Exodus angefangen. – Mit den Geschichtsbüchern des Alten Testaments kenne ich mich ja eigentlich schon von Kindheit an recht gut aus (habe ich schon mal die Anekdote erzählt, wie ich zu meiner ersten eigenen Kinderbibel gekommen bin? Nein? Na, vielleicht ein andermal) und bin ja, wie berichtet, auch voriges Jahr mit meinem selbstauferlegten Bibellesepensum immerhin bis zum 1. Buch Samuel gekommen, aber trotzdem ist mir auf meiner aktuellen Lesereise durchs Alte Testament schon im Buch Genesis etwas aufgefallen, was ich vorher nie so richtig bemerkt habe: nämlich, dass sich an die Erzählung, wie Abraham bei den Eichen von Mamre Besuch von Gott (in dreifaltiger Gestalt, wenn man so will) bekommt, direkt das Strafgericht über Sodom und Gomorrha anschließt. Gott ist also praktisch schon auf dem Weg, Sodom zu zerstören, und schaut unterwegs bei Abraham vorbei; und nachdem Er mit ihm gegessen und ihm die Geburt eines Sohnes angekündigt hat, sagt Er im Wesentlichen: "So, ciao, ich muss los, Sodom vernichten." Und dann kommt der berühmte Dialog, in dem Abraham Gott die Zusage abringt, die Stadt zu verschonen, sofern Er mindestens zehn Gerechte in ihr findet. Was ich mit dieser Erkenntnis anfangen soll, weiß ich selbst nicht, aber ich finde es von der Erzählstruktur her irgendwie interessant. 

In der Abteilung "Weisheitsliteratur" bin ich mit dem Buch der Sprichwörter ganze neun (!) Wochen früher fertig geworden, als der Plan es vorsieht, und ich muss gestehen, dass mir dieses Buch stellenweise etwas redundant vorkommt. Einzelne Verse enthalten ja redaktionelle Hinweise, denen man entnehmen kann, dass es sich bei verschiedenen Abschnitten dieses Buches um Sammlungen seinerzeit gängiger Sprichwörter handelt, und dabei scheint es, dass in den einzelnen Abschnitten zuweilen mehrere Varianten desselben Sprichworts auftauchen; eine nachvollziehbare Ordnung (im Sinne einer thematischen Sortierung) kann ich in diesen Sammlungen vielfach nicht entdecken. Ein paar Verse habe ich mir jedoch notiert, da ich sie ausgesprochen bemerkenswert fand; so z.B. Kapitel 15, Vers 15

"Der Bedrückte hat lauter böse Tage, / der Frohgemute hat ständig Feiertag." 

Schön, oder? Und erinnert sich noch jemand an die "Man or Bear?"-Debatte, die ab Frühjahr 2024 durch die Sozialen Netzwerke tobte und die sich um die Frage drehte, ob Frauen, wenn sie allein im Wald sind, lieber einem Bären oder einem (fremden) Mann begegnen würden? Da frage ich mich nun, ob eigentlich irgendjemand auf die Idee gekommen ist, Spr 17,12 in die Debatte zu werfen: 

"Lieber einer Bärin begegnen, der man die Jungen geraubt hat, / als einem Toren in seinem Unverstand." 

In der kommenden Woche kann ich jedenfalls mit einem Buch der Bibel anfangen, das im Bibelleseplan der EFG The Rock Christuskirche gar nicht vorkommt, nämlich mit dem Buch Kohelet (auch genannt "Prediger Salomo"). Damit gedenke ich in zwei Wochen "durch" zu sein, und dann kommt das Hohelied dran, das im "The Rock"-Plan ebenfalls fehlt. Ich werde berichten! 


Geistlicher Impuls der Woche 

Das höchste Gut ist Gebet und Gespräch mit Gott: denn das ist Gemeinschaft und Vereinigung mit ihm. Wie die Augen des Leibes erleuchtet werden, wenn sie Licht sehen, so wird der Geist erleuchtet, wenn er sich auf Gott richtet, angestrahlt von seinem unsagbar hellen Licht. Ich meine aber ein Beten, das nicht nur gewohnheitsmäßig ist und eingeschränkt wird auf bestimmte Zeiten und Stunden, sondern ein Beten, das Tag und Nacht immer währt. Es genügt nicht, dass wir die Gedanken schnell auf Gott richten, wenn wir uns dem Gebet zuwenden. Auch wenn jemand mit gewissen Pflichten befasst ist oder mit der Sorge für die Armen und anderen Sorgen oder mit nützlichen Werken der Wohltätigkeit, immer soll er damit das Denken an Gott und das Verlangen nach ihm verbinden, damit sein Tun durch die Gottesliebe gleichsam wie mit Salz gewürzt (vgl. Kol 4,6) und so für den Herrn aller Dinge eine angenehme Speise wird. Durch das Gebet hoch in den Himmel erhoben, umarmt die Seele den Herrn mit unsagbar inniger Hingabe. Wie das Kind unter Tränen nach der Mutter ruft, verlangt die Seele nach der geistigen Milch (vgl. 1 Petr 2,2). Sie trägt ihre eigenen Bitten vor und erhält Gaben, die größer sind als alle sichtbare Schöpfung.

Das Gebet ist eine ehrwürdige Botschaft von Gott, es erfreut das Herz und macht die Seele still. Wenn ich von Gebet spreche, denke ich nicht an Worte. Es ist vielmehr ein Verlangen nach Gott, eine unsägliche Liebe, die nicht aus dem Menschen kommt, sondern von der göttlichen Gnade. Der Apostel schreibt: "Wir wissen nicht, wofür wir in der rechten Weise beten sollen: der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können" (Röm 8,26). Wenn der Herr jemandem dieses Gebet schenkt, dann ist das für ihn ein Schatz, der ihm nicht genommen werden kann, eine Speise vom Himmel, welche die Seele sättigt. Wer von ihr genießt, dessen Herz wird von ewiger Sehnsucht nach Gott wie von einem heißen Feuer entzündet.

(Johannes Chrysostomus, Predigt über das Gebet) 


Ohrwurm der Woche 

The La's: There She Goes 

Ein weiteres Fundstück aus dem schon vorige Woche erwähnten YouTube-Beitrag zum Thema "Bands aus den 90ern, die 'das nächste große Ding' hätten werden können,  es dann aber doch nicht wurden". Ich muss gestehen, ich kannte den Song ursprünglich nur in der rund ein Jahrzehnt später entstandenen Coverversion von Sixpence None the Richer (habe ich schon mal erwähnt, dass das eine christliche Band ist? – Äh, ja, habe ich). Die Version ist zwar ganz süß, gehört aber ehrlich gesagt zu der von mir am wenigsten geschätzten Sorte von Coverversionen, nämlich der Sorte "Gar nicht mal so sehr anders als das Original, nur nicht ganz so gut". Am Original gefällt mir der rauere und kantigere Sound; gar nicht zufrieden war damit hingegen der Frontmann der Band, Lee Mavers, der am liebsten das ganze Album noch einmal neu eingespielt hätte – was dazu führte, dass die Band sich zerstritt. Aus heutiger Sicht gelten The La's als Vorläufer des Brit-Pop-Hypes der 90er, und es hat durchaus einen gewissen Reiz, sich ein Paralleluniversum vorzustellen, in dem sie – anstelle von Oasis – die größte Band dieses Jahrzehnts geworden wären. 



Vorschau/Ausblick

Wie vorige Woche schon angekündigt, war heute ein außerordentlich ereignisreicher Tag: Ich war von morgens bis nachmittags bei einem "Bewerber:innentag" des Erzbistums Berlin für pastorale Berufe, und im selben Zeitraum war meine Liebste bei einem Einkehrtag für Frauen, der an einer freikirchlichen Gemeinde in Schöneberg stattfand. Währenddessen übernahmen meine Schwiegermütter die Betreuung der Kinder; zeitweilig war im Gespräch gewesen, dass sie mit den Kindern zu den KPE-Wölflingen in Schöneberg gehen würden, wo heute der "BiPi-Tag" (der Geburtstag von Lord Baden-Powell und seiner Frau Olave) gefeiert wurde, aber unser Jüngster erklärte, er habe darauf keine Lust – was vielleicht teilweise dadurch bedingt war, dass es "nur" ein Wölflingstreffen, also ohne paralleles Wichtelgruppentreffen, war und er nicht nur ein Anhängsel seiner großen Schwester sein wollte (die ihrerseits sagte, sie habe zwar Lust, bestehe aber nicht darauf, dort hinzugehen). Mein Eindruck war, meinen Schwiegermüttern kam das ganz gelegen, und so fuhren sie mit den Kindern stattdessen zum "Holland-Park" in Schwanebeck. Aber so oder so dürfte es nächste Woche so allerlei über diesen Samstag zu berichten geben. 

Für den morgigen 1. Fastensonntag haben wir nichts Besonderes  geplant, außer "ganz normal" in St. Joseph Siemensstadt in die Messe zu gehen; ich habe das Gefühl, solche "ganz normalen" Sonntage sind in letzter Zeit selten geworden. Von Montag bis Donnerstag trifft sich die Deutsche Bischofskonferenz in Würzburg zu ihrer Frühjahrsvollversammlung und wird im Zuge dessen auch einen neuen Vorsitzenden wählen; darüber, wer das wird, darf noch spekuliert werden, aber viel schlimmer als Bischof Bätzing kann der Neue eigentlich kaum sein. – Und was ist währenddessen bei uns so los, abgesehen von Schule, KiTa, Omatag und Kampfsport? Am Mittwoch ist JAM, da geht's voraussichtlich mit den "Ich bin"-Worten weiter, und anschließend trifft sich der Arbeitskreis Kinderwortgottesdienst in kleiner Besetzung und informellem Rahmen, denn fürs nächste Wochenende gibt es jede Menge zu planen und zu erwägen: Am Samstag steht der weitgehend improvisierte RKT zum Thema Schöpfung auf dem Programm und am Sonntag der KiWoGo zur Verklärung Christi. Dazwischen, nämlich am Samstagabend, ist auch noch "General Meeting" im Baumhaus – mal sehen, ob ich es dahin schaffe, sei es mit der Familie oder ohne. Langweilig wird's jedenfalls nicht...