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Samstag, 18. Mai 2024

Creative Minority Report Nr. 30

Sonnige Grüße, Leser! Ist bei euch auch so tolles Wetter? Ich habe in der zurückliegenden Woche sehr viel Zeit im Freien verbracht, und von mir aus kann es so auch noch eine Weile weitergehen. Müßig bin ich dennoch nicht gewesen; freut Euch also auf ein Wochenbriefing von gewohntem Umfang und mit einem bunten Strauß an Themen – von denen allerdings zugegebenermaßen die meisten auf die eine oder andere Weise mit Kinderkatechese zu tun haben. Ich würde sagen, die Chancen, dass daraus mal ein Buch wird, steigen so allmählich... 

Zum Wonne- und Marienmonat: jahreszeitlich geschmückter Marienaltar in Herz Jesu Tegel. 

Was bisher geschah 

Wie es mittlerweile wohl schon als fest etabliert gelten darf, habe ich in diesem Wochenbriefing unter der Rubrik "Aus meinem Wichtelbuch" den Bericht über das Wichtelgruppentreffen vom vergangenen Samstag nachzuliefern – das dritte seit den Osterferien, vier weitere folgen bis zu den Sommerferien noch. Am Sonntag fuhren wir wie üblich nach Siemensstadt zur Messe; Näheres dazu unter "Predigtnotizen". Außerdem war Muttertag – der für mich in der Hauptsache eher ein Schwiegermuttertag war: Wir verbrachten den Nachmittag mit meinen Schwiegermüttern auf einem Spielplatz in Röntgental und aßen dort auch zu Abend, in Form eines Picknicks. Der reguläre Omatag am Montag fiel dafür aus, stattdessen unternahm ich mit dem Jüngsten mal wieder einen Ausflug ins Umland (siehe unter "Wenn der Vater mit dem Sohne"). Am Dienstag traf sich der Arbeitskreis Kinderwortgottesdienst im Anschluss an die Abendmesse in St. Stephanus, um die letzten beiden Kinderwortgottesdienste vor den Sommerferien sowie unseren Beitrag zu dem Pfarrfest zu besprechen, das im Anschluss an die Spandauer Fronleichnamsprozession in Maria, Hilfe der Christen stattfinden soll (siehe unter "Schwarzer Gürtel in KiWoGo"). Der Mittwoch bekommt wieder einmal seine eigene Rubrik; zum Vortrag der Letzten Generation ging ich indes, anders als angedacht, wieder nicht – in der beruhigenden Gewissheit, dass es auch ohnedies genug Stoff fürs Wochenbriefing gab. Am Donnerstag erschien die vierte Folge meiner Tagespost-Kolumne "Klein.Kram", die seit heute Morgen auch online abrufbar ist. Das wären dann so ungefähr die Highlights der zurückliegenden Woche...


Was ansteht 

Pfingsten steht vor der Tür! Die Gottesdienste in Haselhorst und Siemensstadt sind zu den gewohnten Zeiten, d.h. an beiden Pfingsttagen so wie sonst sonntags; am Pfingstsonntag nachmittags hat meine Liebste die Kinder zu einem Hindernislauf in einem Stadion in Mariendorf angemeldet, für den Omatag am Pfingstmontag ist ein Ausflug nach Beelitz zum Baumkronenpfad angedacht (und wenn jetzt der eine oder andere Leser denkt "Nanu, das habe ich doch schon mal gelesen": Ja, stimmt, wir hatten das unlängst schon mal vorgehabt, nämlich für den Freitag in der Osteroktav, aber da war dann doch nichts draus geworden). – Am Mittwoch dürfte wieder das übliche Mittwochsprogramm anstehen, und am Samstagvormittag ist der nächste Wichtelgruppentermin, diesmal wieder in Siemensstadt. Vorausschicken möchte ich auch noch, dass am nächsten Samstagabend wieder Community Networking Night im Baumhaus ist, und ich hoffe, diesmal schaffen wir es wieder, hinzugehen. Aber das gehört eigentlich schon ins übernächste Wochenbriefing. 


Aus meinem Wichtelbuch: Eine Mini-Maiandacht 

Um eins gleich mal vorneweg aus dem Weg zu schaffen: Der große Durchbruch der Wichtelgruppe lässt weiter auf sich warten –man muss indes einräumen, dass die Bedingungen dafür beim jüngsten Treffen auch nicht gerade günstig waren. Ich bin zwar überzeugt, dass es richtig war, die Termine für die Wichtelgruppe in einem regelmäßigen Zwei-Wochen-Rhythmus anzusetzen, aber im vorliegenden Fall hat sich das ungünstig ausgewirkt: Das "lange Wochenende" nach Himmelfahrt ist nun mal gerade für Familien eine beliebte Gelegenheit, mal ein paar Tage wegzufahren, zu den Großeltern zum Beispiel, und das heißt für einen nicht gerade kleinen Teil unserer Zielgruppe: nach Polen. 

Hinzu kommt, dass für die Wichtelgruppe noch immer nicht genug Werbung gemacht wird. Zum Teil hätte ich mich da sicher selber drum kümmern können oder sollen, aber alles kann ich nun mal auch nicht alleine. Auf jeden Fall bräuchten wir mehr Flyer und müssten sie breiter streuen, und wahrscheinlich wäre es auch hilfreich, wenn in den sonntäglichen Vermeldungen auf die Wichtelgruppentreffen hingewiesen würde, was nun schon mehrmals in Folge nicht der Fall gewesen ist. 

Aber genug davon; viel lieber möchte ich darüber berichten, was ich für dieses Wichtelgruppentreffen vorbereitet hatte und warum. Im Zusammenhang mit meiner Tätigkeit als KiWoGo-Katechet hatte ich mir in letzter Zeit ein paar Gedanken darüber gemacht, ob man nicht analog zum Kinderkreuzweg auch Maiandachten für Kinder anbieten könnte und wie die aussehen könnten, war aber ziemlich bald zu dem Schluss gekommen, dass die Idee wohl allzu kurzfristig daherkäme, um sie noch in diesem Jahr zu verwirklichen. 

Dann allerdings kam mir der Gedanke, man könnte eine "Minimalversion" einer Maiandacht für Kinder in die Gestaltung des Wichtelgruppentreffens einbauen – zumal es im Garten von St. Stephanus so einen schönen Marienaltar gibt. 

Archivbild aus dem letzten Sommer: We put the Cat in Catholicism. 

Die Mini-Maiandacht, die ich mir zu diesem Zweck einfallen ließ, bestand aus zwei Teilen: einer Vorlesegeschichte und einer auf der Gitarre gezupften Version des Liedes "Freu dich, du Himmelskönigin". Zu dem Lied ist wohl nur anzumerken, dass es sicherlich davon profitiert hätte, wenn ich ein bisschen besser Gitarre spielen könnte, aber gar nicht unbedingt sehr viel; ich mag meine Version des Liedes gerade deshalb, weil sie so rauh und reduziert daherkommt – das scheint mir ein gutes Mittel gegen die bei volkstümlichen Marienliedern stets präsente Kitschgefahr zu sein. Zu der Vorlesegeschichte möchte ich mich ein bisschen ausführlicher äußern: Dabei handelte es sich um die Geschichte "Ginster für den Maialtar" von Josef Quadflieg, entnommen dem Buch "Fromme Geschichten für kleine Leute", das ich vor nunmehr 40 Jahren von meiner schlesischen Oma zur Erstkommunion geschenkt bekommen habe und das auf meinem Blog schon ein paarmal Erwähnung gefunden hat. In dieser Geschichte geht es um zwei Jungen, die auf dem Heimweg vom Martinsumzug kokeln und dadurch unabsichtlich einen Brand verursachen, der die auf der Kuppe eines Hügels wachsenden Ginstersträucher zerstört. Als im nächsten Frühjahr auf diesem Hügel nichts blüht, stellen die Übeltäter betroffen fest, dass sie "dem lieben Gott die Frühlingsfreude verdorben" haben; zur Wiedergutmachung schmücken sie den Maialtar ihrer Kirche regelmäßig mit an anderer Stelle gepflückten Ginsterzweigen. 

Man merkt der Geschichte durchaus an, dass sie gewissermaßen aus einem versunkenen Zeitalter stammt (das Buch "Fromme Geschichten für kleine Leute" erschien erstmals 1956), aber das betrachte ich nicht als Mangel. Natürlich könnte man sich an einer freien Nacherzählung der Geschichte versuchen und sie dabei etwas "moderner" gestalten; ich sähe dabei aber die Gefahr, dass viel vom Charme des Originaltexts verloren ginge. Die eindringliche Schilderung der Verwandlung der Landschaft im Frühling, einschließlich der Beschreibung einer Reihe verschiedener blühender Pflanzen, lässt die Geschichte besonders geeignet für die Verwendung in einer pfadfinderisch und/oder sonst irgendwie naturpädagogisch ausgerichteten Kindergruppe erscheinen; man könnte da sogar eine kleine Lektion in Sachen Pflanzenbestimmung anschließen, mit Ausmalbildern oder dergleichen. Kurz, ich sehe da durchaus noch Potential zur Weiterentwicklung... 


Predigtnotizen 

"Ich glaub', heute wird's länger", merkte der Pfarrvikar schmunzelnd an, nachdem er bereits über eine Viertelstunde gepredigt hatte und ersichtlich noch nicht am Ende war. Ganz am Anfang seiner Predigt hatte er mit Blick auf das Evangelium vom Tag – Johannes 17,6a.11b-19, ein Auszug aus dem sogenannten Hohepriesterlichen Gebet Jesu – angemerkt: "Wenn Sie bei dem Wort nichts verstanden haben, machen Sie sich keine Sorgen: Es ist nicht so ganz einfach. Aber wir kommen hin." Dass die Predigt so umfangreich geriet, hatte also wesentlich damit zu tun, dass der Pfarrvikar sich nach Kräften bemühte, den Zusammenhang zwischen den Texten dieses Sonntags nachvollziehbar zu machen. Man wird mir nachsehen, dass ich hier gar nicht erst den Versuch mache, diese Ausführungen umfassend nachzuzeichnen. So bemerkenswert und erhellend ich es beispielsweise auch fand, wie der Pfarrvikar das Hohepriesterliche Gebet Jesu zu Elementen des jüdischen Hochzeitsrituals in Beziehung setzte, empfand ich die erste Hälfte der Predigt – in der es um die 1. Lesung (Apg 1,15-17.20ac-26, die Wahl des Matthias zum Apostel) ging – doch als ihren interessantesten und für die inhaltliche Ausrichtung meines Blogs relevantesten Teil, daher möchte ich mich in meinen Notizen auf diesen Teil konzentrieren. Der Pfarrvikar hob hervor, die Schilderung einer Versammlung der Jünger, die wir in dieser Lesung vorfinden, könne uns etwas über das richtige Verständnis von Synodalität lehren – und damit im Umkehrschluss auch etwas darüber, wie man Synodalität falsch auffassen kann. 

"Der Katechismus sagt: Die heilige katholische Kirche ist das erste Werk des Heiligen Geistes", stellte er etwa fest, und: "Die Kirche betet, weil sie weiß, dass sie mit eigenen Kräften nichts tun kann." Im operativen Tagesgeschäft der institutionellen Kirche ist davon, wie er einräumte, oft nicht viel zu bemerken: 

"Oft sind wir in den Gremien beschäftigt mit funktionalen Dingen, die niemanden zufrieden machen – außer dem Teufel. Denn es ist immer zu wenig da: zu wenig Geld, zu wenig Personen, zu wenig Ressourcen und so weiter. Dieses Denken kommt nicht vom Heiligen Geist; das kommt von der Welt." 

Nach weltlichen Maßstäben, so betonte er weiter, machte die Kirche schon in ihren Anfängen einen nicht gerade vielversprechenden Eindruck: Sie kam aus der Erfahrung eines "tiefen Scheiterns" heraus – Judas, der zum engsten Kreis der Mitarbeiter Jesu gehört hatte, war zum Verräter geworden; bei der Gefangennahme Jesu waren "alle davongelaufen" – da könne man "bei einer weltlichen Sicht" schon sagen: "Das ist ein Haufen von Versagern. Der Heilige Geist sagt das Gegenteil. Er erwählt das Schwache, das Arme." An den Kriterien, nach denen Matthias ausgewählt wird, um in den Kreis der Apostel aufgenommen zu werden, erkenne man "die Kriterien der Kirche, um Christ zu sein"; denn mit diesem Matthias sei "jeder von uns gemeint, weil wir durch die Taufe gesandt sind, Zeugen zu sein". – "Das Wichtigste ist nicht, dass der Matthias professionell ist, funktional denkt". Sondern was? "Er muss eine Beziehung zu Christus haben. Ein Christ ist einer, der eine Beziehung zu Christus hat. Alles andere ist völlig nebensächlich. Wenn ich eine Beziehung habe zu Christus, dann hat das Leben eine andere Qualität, einen anderen Sinn." Und weiter: "Er muss Zeuge davon sein, dass die Auferstehung Christi nicht ein frommes Märchen ist"; denn ohne die Wirklichkeit der Auferstehung Christi gibt es letztlich keine Vergebung der Sünden, keinen Sieg über den Tod. Und schließlich: "Christ sein kann man nicht, ohne sein Leben hinzugeben. In der Familie, am Arbeitsplatz, für den Freund, für den Nächsten." Mit einem Wort, so das Fazit aus diesem Teil der Predigt, gehe es "darum, dass Christus in uns auferstanden ist". 

Als in den Vermeldungen kurz vor Ende der Messe davon die Rede war, dass noch Katecheten für den nächsten Firmkurs gesucht würden, verwies der Pfarrvikar nochmals auf diese Ausführungen und meinte: "Die Anforderungen dürften klar sein." Ich denke sehr darüber nach, mich da zu melden... 

Nebenbei sei festgehalten, dass die Kirche auffallend schwach besucht war. Das mag zum Teil am "langem Wochenende" gelegen haben, zum Teil aber wohl auch daran, dass die Erstkommunion vorbei ist: Insbesondere die vorderen Reihen auf der (vom Altar aus gesehen) linken Seite, wo sonst die angehenden Erstkommunionkinder ihre Stammplätze gehabt hatten, waren wie leergefegt. Na, man wird sehen, wie sich das in den nächsten Wochen entwickelt. 


Wenn der Vater mit dem Sohne 

Wie weiter oben bereits erwähnt, war am Montag kein "Omatag", und hinzu kam, dass meine Liebste Dienstberatung hatte und dadurch erst recht spät von der Arbeit kam. Die Große war ausgesprochen zufrieden damit, länger in der Schule zu bleiben; derweil hatte mein Jüngster in letzter Zeit wiederholt davon gesprochen, dass er mal wieder einen "Regionalbahn-Ausflug" mit mir machen wolle, und ich fand, die Gelegenheit sei günstig. Zumal sehr schönes Wetter war. 

Meine Idee war, mit dem Knaben, nachdem wir das Tochterkind zur Schule gebracht hatten, erst einmal zum Bahnhof Gesundbrunnen zu fahren, zu schauen, welche Regionalbahnen dort abfuhren, und dann erst zu entscheiden, wo wir eigentlich hinwollten. Wie sich zeigte, fuhr die erste Regionalbahn, die wir hätten erreichen können, über Bernau, Eberswalde und Angermünde nach Stralsund; diese Bahn war aber total überfüllt, was mich an einem Montagvormittag dann doch etwas überraschte. Die nächste Option war eine Bahn, die über Oranienburg und Neustrelitz nach Rostock fuhr. Ich sah mir auf dem Handy an, was da so alles auf dem Weg lag, und stellte mit Hilfe von Onkel Google und Tante Wikipedia fest: Gransee sieht nett aus, da gibt's eine Klosterruine, und allzu weit weg ist es auch nicht. Also nahmen wir diesen Zug – der aber erst einmal rund eine Stunde lang nicht losfuhr, wegen "Personen im Gleis". Mein Herr Sohn erwies sich während dieser Wartezeit als bemerkenswert geduldig, gerade im Vergleich zu einigen älteren Fahrgästen. 

Schließlich kamen wir aber doch in Gransee an und folgten den Wegweisern in Richtung "Historischer Stadtkern" – der sich tatsächlich als recht malerisch erwies, u.a. dank einer weitgehend intakten Stadtmauer. 


Die gotische Marienkirche konnten wir uns nur von außen ansehen, da wir das Portal verschlossen vorfanden. Im Weitergehen behauptete der Junior steif und fest, er habe gesehen, wie ein Adler in einen der Kirchtürme hineingeflogen sei, und folgerte: "Vielleicht wohnt der Adler da, und deshalb kann man da nicht beten. Vielleicht ist der Adler böse." Hm. Vielleicht keine schlechte Idee für ein phantastisches Jugendbuch... 

Nicht im Bild: der böse Adler.

Die Ruine des Franziskanerklosters hätte ich mir ehrlich gesagt imposanter vorgestellt; dort fanden gerade Bauarbeiten statt, und ein Schild informierte den geneigten Betrachter, dass die Stadt Gransee hier mit Unterstützung des Bundesbauministeriums und des Landes Brandenburg einen "Ort für Kultur und Bildung" errichten will. Säkularisation 2.0, könnte man sagen. 



Nachdem wir uns auf dem Klostergelände ein wenig umgeschaut hatten, steuerten wir noch die nachreformatorische katholische Kirche des Ortes, Mariae Himmelfahrt, an – in der Hoffnung, dass man dort vielleicht hineingehen und beten könnte, womöglich sogar "mit Musik". Auf dem Weg dorthin kamen wir erst an einem Garten vorbei, in dem Ziegen gehalten wurden, und dann an einem Denkmal für Königin Luise



Die 1966 erbaute Kirche Mariae Himmelfahrt, die zur 2022 gegründeten Großpfarrei Hl. Gertrud von Helfta Oberhavel-Ruppin gehört, liegt im Hinterhof eines ansonsten nicht weiter bemerkenswerten Straßenzugs; das Vorderhaus zeichnet sich immerhin durch ein hübsches Türmchen und eine Pforte mit gotischem Spitzbogen aus. Hinein kommt man außerhalb der Gottesdienstzeiten allerdings nicht. Dem Aushang im Schaukasten zufolge wird hier regelmäßig sonntags sowie einmal wöchentlich auch werktags (nämlich donnerstags) die Heilige Messe gefeiert; da gibt's in der brandenburgischen Diaspora durchaus Orte, die es schlechter haben. 


Gleichwohl ist da natürlich reichlich Luft nach oben. Ein Ort mit einer die meiste Zeit der Woche ungenutzten katholischen Kirche, einer Klosterruine, die zukünftig für kulturelle Zwecke genutzt werden soll, und einer in der Reformation evangelisch gewordenen Kirche, in der – jedenfalls nach der Überzeugung meines Jüngsten – ein böser Adler haust, der die Leute vom Beten abhält? Ich seh' da Potential. Pfarrhausfamilie in Gransee? Ich würd's machen. 

Aber der Buddha würde dann umgetopft, dass das mal klar ist.

Am Dienstag wollte der Jüngste praktisch den ganzen Vormittag nur Roller fahren und tat das auch sehr ausgiebig, aber "beten mit Musik" wollte er auch, also steuerten wir um die Mittagszeit die Kirche St. Joseph Tegel an – wo allerdings, als wir hereinkamen, eine ältere Frau gerade dabei war, den Blumenschmuck im Altarraum zu erneuern. "Da können wir wohl erst später singen", sinnierte mein Herr Sohn; wir zündeten erst einmal eine Opferkerze an, dann setzten wir uns in eine Bank, und ich sprach in gedämpfter Lautstärke die Gebete der von mir zusammengestellten Pfingstnovene (ohne die Lieder). Auch danach war die Blumenfrau mit ihrer Arbeit noch nicht fertig, aber mein Jüngster zeigte sich entschlossen, weiter in der Kirche auszuharren. Die Blumenfrau schien uns sympathisch zu finden, was mir im Gegenzug auch sie sympathisch machte; aber gerade deshalb wollte ich es lieber vermeiden, mit ihr eine Diskussion darüber anzufangen, dass ich mit meinem Sohn gern eine Andacht abhalten wolle, die Elemente von Rockmusik beinhaltete. Wir warteten also geduldig ab, bis die Blumenfrau ihre Arbeitsmaterialien zusammengepackt und sich freundlich von uns verabschiedet hatte ("Schöne Pfingsten, falls wir uns nicht mehr sehen"), und dann packte ich die Lautsprecherbox aus und spielte zur Freude des Jüngsten vier Lobpreislieder: "Geist des Vaters", "Absoluto guto (Meinem Gott vertrau ich gern)" von Mike Müllerbauer, "So hoch der Himmel ist" von Johannes Hartl & Friends und, zum Runterkommen, "Beschützer der Welt" von Mire Buthmann. Das blieb unsere einzige Lobpreisandacht in der zurückliegenden Woche; könnte ruhig mal wieder mehr werden... 



Schwarzer Gürtel in KiWoGo 

Das Arbeitskreistreffen am Dienstagabend dauerte nur rund eine Stunde, war aber ausgesprochen ertragreich: Wir entwickelten ein vielversprechendes Konzept für unseren Beitrag zur Fronleichnamsfeier und planten den anstehenden Kinderwortgottesdienst am Dreifaltigkeitssonntag; für den letzten Kinderwortgottesdienst vor den Sommerferien begnügten wir uns mit einigen Vorüberlegungen, denn bis dahin ist ja noch viel Zeit. Darüber, was wir uns für Fronleichnam überlegt haben, will ich mal noch nicht zu viel verraten, um hier möglicherweise mitlesenden Gemeindemitgliedern nicht die Überraschung zu verderben; erwähnen möchte ich aber, dass meine Liebste mich im Vorfeld dieses Treffens auf den Gedanken gebracht hatte, es sei wohl ziemlich aussichtslos, Kindern nach der Messe und der Prozession (für die man insgesamt wohl eine Dauer von zwei bis drei Stunden veranschlagen muss) mit einem Programmangebot zu kommen, das ihnen abverlangt, stillzusitzen und zuzuhören. Was also kann man ihnen dann anbieten? Meine Standardantwort darauf lautet natürlich "Bewegungslieder" – insofern könnte die Fronleichnamsfeier schon mal ein Probelauf für das Projekt "Kinder-Lobpreis-Disco" werden. Was wir uns darüber hinaus noch so ausgedacht haben, bleibt vorerst noch geheim... 

Weniger Geheimhaltung erfordert wohl die Planung für den KiWoGo am Dreifaltigkeitssonntag. Dabei geht es um die Perikope Matthäus 28,16-20 – mit dem Auftrag Jesu "Gehet hin in alle Welt und macht alle Menschen zu meinen Jüngern". Mir fiel dazu ein Film ein, der im letzten Herbst mal in der "Kinderkirche" in der EFG The Rock Christuskirche gezeigt worden war. Wie ich seinerzeit notierte, geht es in diesem Film 

um einen Missionar, der mit Pick-up-Truck und Diaprojektor abgelegene Dörfer im Regenwald Nord-Thailands abklappert. Eines Tages versperrt ein großer umgestürzter Baum die einzige Straße, und er kommt nicht weiter. Einer der Dorfbewohner, die er zuvor zu evangelisieren versucht hat, rät ihm, er solle seinen Gott um Hilfe bitten – dann könne er gleich mal zeigen, was dieser Gott so drauf hat. 

Den Film gibt es kostenlos bei YouTube, es wäre also prinzipiell möglich, ihn per Videobeamer beim KiWoGo zu zeigen; in der teaminternen Diskussion einigten wir uns aber darauf, dass es noch schöner ist, die Geschichte frei nachzuerzählen, mit einigen Visualisierungselementen wie einem Spielzeug- bzw. Modellauto, einem Ast in der Rolle des umgestürzten Baumes und einer Elefantenfigur, die der Gemeindereferent eigens dafür anzuschaffen zugesagt hat. Eine Teamkollegin – die, ich erwähnte es schon mal, auch in der Wichtelgruppe aktiv ist, regte an, man solle den Kindern auch vermitteln, dass man nicht erst in die weite Welt hinausgehen muss, um Menschen von Jesus zu erzählen, sondern auch im eigenen alltäglichen Umfeld Zeugnis für den Glauben ablegen kann; die thematische Überleitung zwischen der Geschichte über den Dschungelmissionar und der Aufforderung zum Zeugnisgeben im Alltag ergab sich praktisch von selbst: Der "Dschungel", in dem Menschen leben, die noch nie etwas von Jesus gehört haben, beginnt vor unserer Haustür. – Ich bin gespannt auf diesen KiWoGo und freue mich drauf; abzuwarten bleibt indes, wie viele Kinder überhaupt in die Kirche kommen werden, nachdem ja, wie bereits festgestellt, die Erstkommunion-Saison vorbei ist... 


Immer wieder mittwochs 

Auf dem Weg von der S-Bahn zur Kirche in Heiligensee am Mittwochmorgen kam der Pfarrer von St. Klara Reinickendorf-Süd auf dem Fahrrad an uns vorbei, womit sich sämtliche Spekulationen darüber, wer wohl die Messe halten würde, schon mal erledigt hatten. In seinem obligatorischen Zwei-Minuten-Impuls im Rahmen der Begrüßung ging der Pfarrer auf die 1. Lesung (Apg 20,28-38, die Abschiedsrede des Apostels Paulus an die Ältesten der Gemeinde von Ephesus) ein: Mit Blick darauf, dass der Apostel in dieser Schriftstelle eine Art Bilanz seines Wirkens in Ephesus zieht, merkte der Pfarrer an, nicht nur beim Abschied von einem bestimmten Posten, sondern "eigentlich jeden Tag" könne es sinnvoll sein, "kurz innezuhalten und zu überlegen: Was habe ich heute eigentlich getan, habe ich mich bemüht, für das Reich Gottes – im Kleinen oder im Großen, je nachdem – mich einzusetzen?" Da legte ich ja erst mal die Ohren an: Hatte ich nicht noch kürzlich gemeint, "Dienst am Reich Gottes" wäre "keine Formulierung, die dieser Priester in den Mund nehmen würde"? Vielleicht besteht ja doch noch Hoffnung! – Eine Bemerkung, die mir eher Stirnrunzeln entlockte, fehlte in diesem Impuls indes auch wieder nicht: Dass Paulus Wert auf die Feststellung legt, er habe sich seinen Unterhalt mit seiner eigenen Hände Arbeit verdient, veranlasste den Pfarrer zu der Feststellung "Damals gab's noch keine Kirchensteuer"; er fügte hinzu, er selbst wäre zwar durchaus auch in der Lage, mit seinen Händen zu arbeiten, "aber trotzdem lebe ich von eurer Kirchensteuer, Dankeschön dafür". Ich gebe zu, ich musste erst mal nachlesen, ob es überhaupt stimmt, dass Pfarrer aus Kirchensteuermitteln bezahlt werden (und nicht, wie Bischöfe, aus Staatsleistungen), aber so oder so berührte mich das Ganze eher peinlich. Darüber, was mich konkret daran störte, musste ich mir erst mal klar werden; hier das Ergebnis: Den anwesenden Gemeindemitgliedern für ihre Kirchensteuer zu danken, verkennt bzw. verschleiert den Umstand, dass gerade das Kirchensteuersystem den Pfarrer davor bewahrt, darauf angewiesen zu sein, dass seine eigene Gemeinde ihn bezahlt, womöglich gar in Form freiwilliger Spenden; und dass das Gros der Kirchensteuereinnahmen von Leuten stammt, die nicht (oder kaum mal) in die Kirche kommen. Wäre das anders, müsste gerade dieser Priester sich wohl einen anderen Job suchen. 

Das Gemeindefrühstück fiel an diesem Mittwoch aus ungeklärten Gründen aus, also führen wir zurück nach Tegel und gingen auf den Spielplatz. Als die Mittagsschlafzeit des Jüngsten näher rückte, setzte ich ihn in den Kinderwagen und brach mit ihm zu einem Spaziergang an den Tegeler See auf; kaum an der Greenwichpromenade angekommen, schlief er auch tatsächlich ein. Nun dachte ich, ich könnte für die Dauer seines Mittagsschlafs mit ihm in die nahe Kirche Herz Jesu gehen, wo es schön ruhig und angenehm kühl war und wo ich in aller Ruhe meine Novene beten könnte. Dort angekommen, stellte ich jedoch fest, dass ein im Hof geparkter Firmenwagen einer Heizungsbaufirma den Zugang zur Rollstuhlrampe versperrte. So ja nun nicht, dachte ich: Wer sich nicht beschwert, lebt verkehrt! Ich suchte also im Internet nach der Telefonnummer der Firma, rief dort an und meldete, dass eins der Firmenfahrzeuge einen barrierefreien Zugang zur Kirche versperre. Die freundliche Mitarbeiterin fragte mich nach dem Kennzeichen des Fahrzeugs, und nachdem ich es ihr genannt hatte, erklärte sie, sie werde den Fahrer informieren. Einige Minuten später erschien der dann auch und setzte das Auto um gut einen Meter zurück, sodass einer entspannten Gebets- und Mittagsschlaf-Pause buchstäblich nichts mehr im Wege stand. 

Der katechetische Teil des JAM am Nachmittag drehte sich weiterhin um die Missionsreisen des Apostels Paulus; diesmal gab es keine Aufteilung nach Altersgruppen, und das in Apostelgeschichte 16,8-40 geschilderte Geschehen – von der nächtlichen Vision des Paulus mit dem Auftrag, nach Mazedonien zu gehen, bis zur Abreise des Paulus und seiner Begleiter aus Philippi – wurde als Rollenspiel gestaltet, bei dem alle teilnehmenden Kinder mitspielen konnten; als Kostüme und Requisiten kamen ausschließlich bunte Tücher zum Einsatz. Ich fand das sehr gelungen und hätte große Lust, so etwas Ähnliches auch beim KiWoGo in St. Joseph Siemensstadt mal auszuprobieren; möglicherweise böte der KiWoGo im Juni, also der letzte vor den Sommerferien, sich dafür an... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Jener Glaube ist der wahre, der dem, was die Worte sagen, nicht durch das sittliche Leben widerspricht. Daher kommt es, dass Paulus von gewissen falschen Gläubigen sagt: "Sie beteuern, Gott zu kennen, durch ihr Tun aber verleugnen sie ihn" (Tit 1,16). Darum schreibt Johannes: "Wenn jemand sagt: Ich habe ihn erkannt, aber seine Gebote nicht hält, ist er ein Lügner" (1 Joh 2,4). Wenn dem so ist, dann muss die Echtheit unseres Glaubens beim Anblick unseres Lebens sichtbar sein. Dann nämlich sind wir wirklich Glaubende, wenn wir in unseren Taten ausführen, was wir mit Worten versprechen. Am Tauftag haben wir versprochen, allen Werken des alten Feindes abzusagen und auf all sein Gepränge zu verzichten. Darum möge ein jeder von euch die Augen des Geistes wieder zu aufmerksamer Selbstbesinnung führen. Wenn er nach der Taufe hält, was er versprochen hat, dann ist er geborgen und darf sich freuen, dass er gläubig ist. Wenn er aber nicht hält, was er versprach, wenn er abgleitet, schlechte Taten liebt und sich der Begierde nach der Üppigkeit der Welt überlässt - lasst uns sehen, ob er seine Irrtümer nun zu bereuen weiß. Bei dem barmherzigen Richter wird er ja nicht als falsch gelten, wenn er zur Wahrheit zurückkehrt, nachdem er vorher gelogen hat. Denn der lebendige Gott nimmt unsere Buße gerne an und sieht beim Gericht über unsere Irrtümer hinweg. 

(Gregor d. Gr., Homilie zu den Evangelien) 


Ohrwurm der Woche 

Jamie Cullum: High & Dry 


Radiohead-Fans mögen es mir verzeihen, aber für mich ist dies ein Paradebeispiel für eine Coverversion, die besser ist als das Original. Und das, obwohl die Originalversion von Radiohead in Instrumentierung und Arrangement sehr viel eher dem entspricht, was ich "sonst so höre". Auch dass Cullums Gesangsstimme bei den hohen Tönen sehr deutlich an ihre Grenzen stößt, stört mich überhaupt nicht – im Gegenteil, möchte ich fast sagen: Ich finde, es verleiht dem Gesang Intensität

Das Album "Twentysomething" von Jamie Cullum, von dem ich schon vor rund einem halben Jahr angekündigt habe, dass ich es hier mal würde würdigen müssen, kam 2003 heraus, aber wenn mich die Erinnerung nicht trügt, lernte ich es erst ein paar Jahre später kennen, nämlich in einem winzigen Café (mit vielleicht vier Sitzplätzen), das eines Tages in einem Haus neben dem, in dem meine damalige Freundin wohnte, aufpoppte. Der Kaffee war gut, die Musik auch, wir freundeten uns mit dem Betreiber an und waren, solange das Café bestand, ziemlich sicher seine besten Kunden. Dass das Café eines Tages so plötzlich wieder verschwand, wie es aufgetaucht war, ist in meiner Erinnerung chronologisch – wenn auch nicht kausal – so eng mit dem Ende meiner damaligen Beziehung verknüpft, dass ich nicht mit Sicherheit zu sagen wüsste, was von beidem zuerst geschah. In der Folgezeit waren die melancholischeren Stücke von Jamie Cullums "Twentysomething"-Album, und darunter besonders "High & Dry", meine bevorzugte Liebeskummermusik. Nun muss sich aber niemand Sorgen deswegen machen, dass ich diese Erinnerungen hier und jetzt hervorkrame: Dafür, zu sagen "Diese Lebensphase habe ich abgehakt, also hör' ich mir das nicht mehr an", ist die Platte einfach zu gut. 


Samstag, 11. Mai 2024

Creative Minority Report Nr. 29

Schon wieder eine Woche rum? Auweia, das ging schnell. Okay, zum Teil kommt mir das wohl deshalb so vor, weil ich erst am Mittwoch einen sozusagen aus dem vorigen Wochenbriefing ausgelagerten Artikel 'rausgehauen habe. Wie dem auch sei, es gibt mal wieder eine Menge zu berichten, und deshalb fange ich auch gleich damit an: 

Pietro Perugini, Himmelfahrt Christi, ca. 1495/98 (gemeinfrei

Was bisher geschah 

Am frühen Sonntagabend kamen das Tochterkind und ich vom "Väterwochenende" in Zinnowitz zurück nach Berlin; die Kurzantwort auf die Frage "Wie war's?" lautet: super, ich kann's nur empfehlen, gerne mal wieder. Ein bisschen genauer gehe ich darauf weiter unten unter der Überschrift "Wenn der Vater mit der Tochter" ein. Danach ging erst mal der Alltag wieder los, oder jedenfalls so einigermaßen; am Montag nach der Schule hatte das Tochterkind sozusagen einen Solo-Omatag, nachdem der Jüngste seinen Omatag bereits am Sonntag gehabt hatte; am Dienstag hielten der Jüngste und ich in St. Joseph Tegel eine Lobpreisandacht ab; am Mittwoch war "wie üblich" vormittags Messe in Heiligensee und nachmittags JAM, was allemal genug Stoff für die Weiterführung der Rubrik "Immer wieder mittwochs" bietet. Und dann war der Alltag auch schon wieder vorbei, denn am Donnerstag war Himmelfahrt, am Freitag Brückentag mit Kindergeburtstag. Zur Messe gingen wir an Christi Himmelfahrt in St. Joseph Siemensstadt, sie wurde zelebriert vom Spandauer Krankenhausseelsorger und war schön und feierlich – mit gesungenem Evangelium, gesungenem Credo, gesungener Präfation und sogar einem gesungenen Antwortvers bei den Fürbitten –, und am Ende erhielten die Haselhorster Pfadfinder, die an diesem Tag zu ihrer Frühlingsfahrt aufbrachen, einen Reisesegen. An der Predigt fand ich bemerkenswert, dass der Priester die Anwesenden – als "Hausaufgabe für die Tage bis Pfingsten", wie er sagte; "ich halt' mich auch dran" – dazu anregte, gewissermaßen eine Minimalversion der Pfingstnovene zu beten: "Beten Sie am Morgen 'Komm, Heiliger Geist', und wenn Sie ein bisschen mehr Zeit haben: 'Erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe'." Denn: "Ohne Gottes Geist geht alles flöten – die Liebe, der Glaube, die Hoffnung." 

Nach der Messe gingen wir erst mal Eis essen, danach gönnte ich mir mal etwas "Zeit für mich", während Frau und Kinder zum Hüpfburgen-Familien-Park am Kurt-Schumacher-Platz gingen. Noch mehr Zeit für mich hatte ich am gestrigen Freitag, denn da feierte eine der liebsten Schulfreundinnen unseres Tochterkindes – die auch schon ein paarmal bei uns zu Besuch gewesen ist – ihren Geburtstag und hatte dazu freundlicherweise unsere beiden Kinder eingeladen. Ich nutzte die freie Zeit unter anderem dazu, in Herz Jesu Tegel zur Anbetung zu gehen und dort still den ersten Tag meiner selbstgebastelten Pfingstnovene zu beten. Heute vormittag war dann wieder Wichtelgruppe – in kleiner Besetzung, aber trotzdem ganz schön; darüber berichte ich, wie gewohnt, im nächsten Wochenbriefing. 


Was ansteht 

Morgen ist nicht nur der 7. Sonntag der Osterzeit, sondern auch Muttertag; also ruft eure Mütter an und seid mir dankbar, dass ich euch dran erinnert habe! Es folgt, was in diesem Monat eher eine Seltenheit ist, eine volle fünftägige Schul- und Arbeitswoche. Am Dienstag trifft sich der KiWoGo-Arbeitskreis, um den Kinderwortgottesdienst am Dreifaltigkeitssonntag und unseren Beitrag zur Spandauer Fronleichnamsfeier zu planen; zu beiden Themen habe ich mir schon ein bisschen was überlegt, aber das verrate ich erst zu gegebener Zeit. – Am Mittwoch dürfte aller Voraussicht nach wieder das übliche Mittwochsprogramm anstehen, darüber hinaus gibt's aber in meiner linken Ex-Stammkneipe in Prenzlauer Berg erneut, wie schon vor vier Wochen, einen Vortrag der Letzten Generation, und ich denke darüber nach, diesmal tatsächlich hinzugehen. – Was der Rest der Woche noch so bringen wird, ist derzeit noch nicht absehbar. 


Wenn der Vater mit der Tochter 

Es ist ja so: Seit meine Große ein Schulkind ist, verbringe ich mit ihr naturgemäß erheblich weniger Zeit als früher (und auch erheblich weniger als mit ihrem kleinen Bruder), und in letzter Zeit hatte ich immer mal wieder das Gefühl, dass diese gemeinsame Zeit uns beiden fehlt – und zwar insbesondere die exklusive Vater-Tochter-Zeit. Da war es schon eine bemerkenswerte Fügung, dass mir vor ein paar Wochen ausgerechnet in der Schriftenauslage von Herz Jesu Tegel ein Flyer für die Väterwochenenden im "Haus St. Otto" in Zinnowitz ins Auge fiel. Als ich den Text auf dem Flyer überflog, hatte ich gleich das Gefühl, das könnte genau das Richtige für mein Tochterkind und mich sein; und dann sah ich, dass die Anmeldefrist für den Mai-Termin just einen Tag zuvor abgelaufen war. Es gab noch einen weiteren Termin im September, aber der passte mir nicht so richtig; also dachte ich mir, was soll's, ich probier's einfach. Ich füllte folglich gleich an Ort und Stelle per Handy ein Online-Anmeldeformular aus und erhielt eine automatische Anmeldebestätigung, in der nicht stand, dass meine Anmeldung wegen Fristablaufs nicht berücksichtigt werden könne. Ein paar Tage später schickte der Kursleiter persönlich eine Rundmail an die Teilnehmer, und damit war klar: Wir sind dabei! 

Dass die Nichteinhaltung der Anmeldefrist kein Problem darstellte, lag, wie sich zeigte, daran, dass dieses Väterwochenende nicht annähernd ausgebucht war: Theoretisch hätten bis zu 35 Personen daran teilnehmen können, tatsächlich waren es, wenn man den Kursleiter nicht mitzählt, nur 14 – fünf Väter und neun Kinder, wobei eins der "Kinder" schon annähernd erwachsen war. Die meisten teilnehmenden Kinder waren zwischen 8 und 12 Jahre alt, meine Tochter war die jüngste Teilnehmerin, allerdings knapp (ein Junge war wie sie sechs Jahre alt, nur ein paar Monate älter als sie). Mit Ausnahme eines Vaters und seines Sohnes, die aus Stralsund kamen, kamen alle Teilnehmer aus Berlin oder dem unmittelbaren Umland. Die überschaubare Gruppengröße gefiel mir persönlich sehr gut; ich bezweifle ehrlich gesagt, ob das Veranstaltungsformat mir mit doppelt so vielen oder noch mehr Teilnehmern genauso gut gefallen hätte. 

Am Ankunftsabend wurden allerlei gruppendynamische Kennenlernspiele veranstaltet, und ich fand es recht charakteristisch, dass mein Tochterkind nach einer Weile keine Lust mehr darauf hatte und sich ausklinkte. Sie machte auch keine große Szene daraus, sondern verzog sich stillschweigend in den Garten, um Schnecken zu beobachten, und als der Kursleiter sie fragte, ob sie nicht mehr mitmachen wolle, sagte sie in aller Seelenruhe "Nein." Das ist mein Mädchen, dachte ich schmunzelnd, nahm mir ein Beispiel an ihr und machte an den folgenden Tagen bei der Morgengymnastik "von meinem Recht auf Nichtteilnahme Gebrauch", wie es im Club der Toten Dichter heißt. 

Eine Lourdes-Grotte gab es auf dem Gelände auch, da durften wir uns also gut behütet fühlen. 

Insgesamt kam es mir am ersten Abend ein bisschen so vor, als verstünde ich mich mit den Kindern besser als mit ihren Vätern – was nicht etwa heißen soll, dass mir diese unsympathisch gewesen wären, aber gerade in Hinblick auf meine Tätigkeit als Wichtelgruppenleiter und Katechet empfand ich es doch als recht ermutigend, dass die Kinder mich durchweg spontan zu mögen schienen. Am Samstag gab es im Zeitraum zwischen Frühstück und Mittagessen getrenntes Programm für Kinder und Erwachsene: für die Kinder ein Rollenspiel zur Christianisierung Pommerns vor 900 Jahren, für die Väter eine Gesprächsrunde mit einem vorbereiteten Gesprächsleitfaden. Diesen Leitfaden fand ich wirklich gut, denn er lenkte – was ich, so komisch es klingen mag, in einer kirchlichen Einrichtung eher nicht erwartet hätte – den Gesprächsschwerpunkt auf Fragen der Glaubensweitergabe und den Stellenwert des Glaubens im Familienalltag. Auf diese Weise eröffnete das Gespräch interessante Einblicke in den (auch biographisch bedingt) unterschiedlichen "Glaubenshintergrund" der Teilnehmer. Eine bemerkenswerte Fügung war es auch, dass ich am Nachmittag bei einem Geländespiel im Wald ausgerechnet mit denjenigen Männern in ein Team geriet, von denen ich bei dieser Gesprächsrunde den Eindruck gehabt hatte, ich könnte mit ihnen am wenigsten "warm werden". 

Überhaupt: Geländespiele im Wald! Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas Spaß machen könnte, aber tatsächlich hatte ich enorm viel Spaß, verausgabte mich ziemlich und hatte noch Tage danach Muskelkater in den Oberschenkeln. 

Wie sich zeigte, waren die beiden Väter, mit denen (und deren Kindern) ich mich am besten verstand, auch diejenigen, deren Zuhause am nächsten an unserem liegt; am Abreisetag tauschte ich mit ihnen Telefonnummern aus, um den Kontakt halten zu können. Einer von ihnen war mit vier Kindern angereist, erwähnte aber schon am ersten Abend, das seien nur seine "mittleren" Kinder – er habe noch zwei ältere und zwei jüngere. Bei der Väter-Gesprächsrunde am Samstagvormittag verriet er dann, dass er dem Neokatechumenalen Weg angehört; das hatte ich mir angesichts der Zahl seiner Kinder schon gedacht, aber gleichzeitig gab diese Assoziation mir zu denken. Es hat schließlich Zeiten gegeben, da galt Kinderreichtum als typisch für katholische Familien insgesamt; wenn man hingegen heutzutage – jedenfalls in unseren Breiten – eine katholische Familie mit, sagen wir mal, mehr als vier Kindern sieht, denkt man automatisch "Die sind bestimmt bei den Neos." Was will uns dieses Phänomen sagen? – Zugegeben: In welchem Maße die Lehre von Humanae vitae im Kirchenvolk – gerade hierzulande – nicht angenommen wurde, ist nun nicht gerade ein Geheimnis. Aber das erklärt noch nicht, dass unter allen geistlichen Gemeinschaften, Bewegungen und Strömungen innerhalb der Kirche nur eine einzige für ihren Kinderreichtum bekannt ist. (Disclaimer: Ich kann nicht ausschließen, dass mir das nur so vorkommt, weil der Neokatechumenale Weg im Erzbistum Berlin einfach besonders stark vertreten und sichtbar ist.) 

Aber lassen wir das mal so stehen und wenden uns lieber der viel wichtigeren Frage zu: Wie war das Wochenende denn so fürs Tochterkind? – Ich zitiere wörtlich: "Wunnnderbar!" Sie hat viel Spaß gehabt, neue Spiele ausprobiert, mit den Füßen in der Ostsee geplantscht, sich mit einem achtjährigen Mädchen angefreundet, sich aber auch mit den anderen Kindern überwiegend gut vertragen und wirkte während der gesamten Zeit viel ausgeglichener und zufriedener, als es im normalen Alltag oft der Fall ist – die Anzeichen der gefürchteten "Wackelzahnpubertät" waren wie weggeblasen. Und wie ich gehofft habe, hat sie es offenkundig genossen, ihren Papa mal für sich allein zu haben. Schon ein paar Tage nach unserer Rückkehr hat sie mich gefragt, wann wir denn mal wieder so ein tolles Wochenende machen könnten. 

Werfen wir abschließend noch einen Blick auf die Hauskapelle des Freizeitheims, in der wir am Sonntag zur Messe gingen; sie ist zugleich die reguläre Kirche für die katholischen Einwohner von Zinnowitz und gehört zur Pfarrei St. Otto Usedom-Anklam-Greifswald. Ja, Vorpommern ist wirklich tiefste Diaspora. Meine Tochter findet die Kirche übrigens, so wörtlich, "originell gebaut".  



Übrigens erwäge ich derzeit, noch mehr über das Haus St. Otto in Zinnowitz und das Veranstaltungsformat "Väterwochenende" zu schreiben und das dann an anderer Stelle zu veröffentlichen, aber das ist noch nicht ganz spruchreif. Wenn was draus wird, erfährst du es hier zuerst, Leser! 


Immer wieder mittwochs 

Nachdem am vorigen Mittwoch ja Feiertag gewesen war, ging ich am Mittwoch der zurückliegenden Woche erstmals in diesem Wonne- und Marienmonat mit dem Jüngsten in St. Marien Maternitas in die Messe. Dem Wochenplan der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd zufolge werden derzeit an den meisten Standorten der Pfarrei (nicht jedoch in St. Joseph und St. Bernhard) wöchentlich Maiandachten gefeiert, und in St. Marien Maternitas sollte dies mittwochs vor der Messe der Fall sein, also genau dann, wenn sonst Rosenkranz gebetet wird (wir kennen das schon von den Kreuzwegandachten in der Fastenzeit). So eine Maiandacht mitzufeiern, hätte mich durchaus interessiert, aber das hätte erfordert, die Große früher zur Schule zu bringen, und zudem wollte ich vermeiden, dass dem Jüngsten die Geduld ausging, ehe die Messe auch nur begonnen hätte. So kamen wir also ungefähr zur selben Zeit wie sonst in der Kirche an – etwa zehn Minuten vor der regulären Anfangszeit der Messe –, und da war die Gemeinde gerade dabei, "ganz normal" den Rosenkranz zu beten. Sie war allerdings erst beim dritten Gesätz, und in der Folge begann die Messe mit einigen Minuten Verspätung; es erscheint somit denkbar, dass das Rosenkranzgebet nicht die ganze Maiandacht war, sondern "nur" ihr Abschluss. Ich werde es wohl nie erfahren. Was ich hingegen erfuhr, und zwar weil es sowohl im Rosenkranzgebet als auch in der Messe (die der Pfarrvikar aus Nigeria zelebrierte) angesprochen wurde, ist, dass ein Mitglied der Gemeinde kürzlich verstorben ist; jemand, der über lange Zeit zum festen Stamm der Werktagsmessbesucher in dieser Kirche gehört hatte. Ich kenne die Gemeindemitglieder natürlich nicht alle namentlich, glaube aber trotzdem zu wissen, um wen es sich handelt; ich hatte ihn schon seit ein paar Monaten nicht mehr in der Kirche gesehen, vermutlich war er schon zu schwer krank gewesen. – In diesem Sinne: 

Der Herr schenke ihm die ewige Ruhe 
Und das ewige Licht leuchte ihm. 

Am Nachmittag ging's zum JAM, wo – wie bei dem schönen Wetter kaum anders zu erwarten – zunächst Spielen im Garten angesagt war; dann folgte eine Runde Lobpreis (drei oder vier Lieder) im Gottesdienstraum, und danach wurde die Gruppe, wie üblich, in zwei Altersklassen getrennt. Als die kleineren Kinder nach oben in den Eltern-Kind-Raum geführt wurden, wies ich meine Tochter dezent darauf hin, dass sie ja eigentlich schon zu den größeren Kindern gehöre; daraufhin blieb sie im Gottesdienstraum und ich mit ihr. Die nun folgende Katechese setzte dort an, wo sie vor zwei Wochen geendet hatte: bei der ersten Missionsreise des Paulus (Apostelgeschichte 13-14). Zunächst war's wieder nur eine Nacherzählung des biblischen Texts, wenn auch eine sehr lebhaft und unterhaltsam gestaltete; richtig interessant wurde es aber, als – anknüpfend an die Blendung des Zauberers Elymas (Apg 13,11) und die Heilung eines Gelähmten in Lystra (Apg 14,8ff.) – ein längerer Exkurs zum Thema "Wunder" in die Erzählung eingeschoben wurde. Die beiden Kernaussagen dieses Exkurses – Gott vollbringt wirklich Wunder, auch heute noch; man muss aber auch mit der Möglichkeit rechnen, dass Wunder ausbleiben, auch wenn man noch so sehr um sie betet – untermauerte die JAM-Mitarbeiterin mit dem Hinweis auf eigene Erfahrungen. Ich war recht beeindruckt und fragte mich, wie ein derartiges Glaubenszeugnis wohl in der volkskirchlichen Kinderkatechese aufgenommen werden würde, geschweige denn im schulischen Religionsunterricht (zu letzterem Stichwort folgt weiter unten noch ein eigener Abschnitt). Damit meine ich gar nicht so sehr die Reaktionen der Kinder als vielmehr die der Eltern – oder der Vorgesetzten der Lehrer bzw. Katecheten. Am Ende schriebe da wohl noch jemand einen "Standpunkt"-Artikel bei häretisch.de, darüber, dass man Kinder vor solcher fundamentalistischer Indoktrinierung schützen müsse. –

Nachdem die Erzählung am Ende der ersten Missionsreise des Paulus angelangt war, durften die Kinder wieder im Garten spielen; kurz darauf kamen auch die kleineren Kinder von oben zurück – darunter mein Jüngster, der allerdings nicht in dem Garten wollte, sondern zu seiner Mami. Die war wie üblich zum Elterncafé gegangen, also nahm ich den Knaben an der Hand und führte ihn zu ihr – und nutzte die Gelegenheit, mir im Elterncafé auch einen Kaffee einzuschenken und ein bisschen zuzuhören. Ergebnis: Es hat schon seine Gründe, dass ich da normalerweise nicht mit hingehe. Dieses Veranstaltungsformat ist auf eine Art "nicht mein Ding", die gar nicht so leicht zu beschreiben bzw. zu erklären ist; vielleicht versuche ich es bei Gelegenheit mal, aber nicht jetzt. Ein interessantes Detail gab's allerdings in Hinblick auf die schon vor zwei Wochen festgestellte Parallelität zur Leseordnung des katholischen Kirchenjahres. Das Thema beim Elterncafé lautete in dieser Woche "Wer bin ich?", und wie man sich unschwer denken kann, war die Kernaussage, auf die das Ganze hinauslaufen sollte: "Gott als unser Schöpfer kennt uns am besten, darum ist es der beste Weg zur Selbsterkenntnis, Gott kennenzulernen". Dies untermauerte die Frau, die das Elterncafé diesmal leitete, mit ein paar Bibelstellen, die sie vorlas, und eine davon war die Rede des Paulus auf dem Areopag (Apg 17,22-31) – die ich bereits am Morgen in der Messe gehört hatte. 


Update Religionsunterricht in Berlin 

Vor einigen Wochen – im "Creative Minority Report" Nr. 24 – hatte ich hier das Thema "Religionsunterricht in Berlin" am Wickel, daher fühle ich mich nun meinen Lesern gegenüber in gewissem Maße verpflichtet, darauf hinzuweisen, dass es in dieser Sache Neues gibt. "Kai Wegner: Verpflichtender Religionsunterricht in Berlin kommt 2026", berichtet die Berliner Zeitung mit Datum vom 7. Mai. Wer sich nun fragt "Wer ist denn dieser Kai Wegner?", dem sei gesagt: Das ist der Regierende Bürgermeister von Berlin, und mach dir nichts draus, ich weiß auch nicht, wie der Regierungschef deines Bundeslandes heißt. Nun aber zur Sache: "[N]ach einer gemeinsamen Sitzung des Senats mit der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO)", so liest man in der Berliner Zeitung, habe der Regierende Bürgermeister das "gemeinsame Ziel" bekräftigt, "den Religionsunterricht noch in dieser Legislaturperiode als Wahlpflichtfach einzuführen".  "Das wollen wir bis 2026 hinbekommen", wird Wegner wörtlich zitiert. Weiter heißt es: "Schon jetzt werde dazu mit dem neuen Schulgesetz Rechtssicherheit geschaffen und Lehrpläne würden erarbeitet." 

Der Artikel weist indes auch darauf hin, dass Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) erst kürzlich erklärt habe, "aus ihrer Sicht" sei "das Ziel 2026 nicht zu schaffen": "Die Zeit reiche nicht aus, um ein Wahlpflichtfach Weltanschauungen/Religionen zu entwickeln und einzuführen. So müssten etwa ein Rahmenlehrplan erarbeitet, rechtliche Fragen geklärt und Personal ausgebildet werden." Ich schätze, was die gute Frau uns sagen möchte, ist, dass es ein bisschen schwierig ist, ein Schulfach aus dem Boden zu stampfen, von dem in der gesamten Berliner Bildungsverwaltung niemand etwas versteht. Genau deswegen strebt der Regierende in dieser Angelegenheit einen "enge[n] Austausch mit den Kirchen" an; aber ob's davon besser wird? 

Es fällt jedenfalls auf, dass an dem Gespräch, auf das der Presseartikel sich bezieht, das Erzbistum Berlin nicht beteiligt war; ich gehe aber davon aus, dass es mit Vertretern der katholischen Kirche dann wohl ein separates Treffen gibt oder auch schon gegeben hat. Einstweilen beansprucht EKBO-Landesbischof Christian Stäblein (übrigens ein Stiefsohn der legendären "Wort zum Sonntag"-Wuchtbrumme Oda-Gebbine Holze-Stäblein) für beide Großkirchen zu sprechen, wenn er erklärt: "Wir sind als Kirchen [...] sehr, sehr froh und dankbar" über die Zusage, Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach einzuführen. Gleichzeitig betont er den Wert des Religionsunterrichts für die Gesellschaft, der darin liege, dass er "zur Aufklärung von Menschen über sich selbst, über andere, über andere Religionen und damit immer wieder zum Friedensunterricht im Miteinander dieser Stadt wird": "Religionsunterricht ist Friedensunterricht" – und nicht zuletzt "auch ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Antisemitismus". Bürgermeister Wegner fügt hinzu: "Religion sollte etwas sein, was verbindet. Was unsere Gesellschaft verbindet."

Was soll man dazu sagen? – Ich bin mir sicher, es schon öfter gesagt zu haben, aber ich kann mir kaum etwas Erbärmlicheres vorstellen, als wenn die Großkirchen die Existenzberechtigung ihrer Institutionen verteidigen, indem sie deren Gebrauchswert für die säkulare Gesellschaft betonen. Das ist ein bisschen so wie wenn die Maus zum Löwen sagt "Friss mich nicht, vielleicht brauchst du mich eines Tages noch." 

Nun wissen wir – wenn wir die Fabel kennen – allerdings, dass die Maus damit am Ende Recht behält; und ich muss einräumen, dass die Frage, inwieweit die kirchlichen Institutionen tatsächlich nützlich für die säkulare Gesellschaft sind, allzu facettenreich ist, um hier so nebenbei abgehandelt zu werden. Versuchen wir's trotzdem mal ganz simpel zu sagen: Ich bin sehr wohl der Überzeugung, dass es einer Gesellschaft nützt, wenn es in ihr Christen gibt – auch dann, wenn es sich nur um eine Minderheit handelt –, und zwar einfach deshalb, weil es zum Weltauftrag der Christen gehört, "der Stadt Bestes" zu suchen (vgl. Jeremia 29,7). Je weniger christlich eine Gesellschaft als ganze ist, desto mehr wird sich allerdings die Vorstellung der Christen davon, was denn konkret "der Stadt Bestes" sei, von der der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden. Daraus folgt, dass die kirchlichen Institutionen der säkularen Gesellschaft gerade dann am wenigsten nützen, wenn sie sich deren Vorstellungen darüber anbequemen, was ihr angeblich nütze. Und das ist für mich ein wesentlicher Grund, einem Religionsunterricht zu misstrauen, den sich die staatlichen Behörden nach ihren Bedürfnissen zurechtkonstruieren. 


Geistlicher Impuls der Woche

Wie schwach und wankelmütig Petrus, der Fels, auf den Christus Seine Kirche erbaute, zuweilen sein konnte! Tatsächlich gilt daa für alle Seine Apostel, selbst nachdem sie das irdische Leben Jesu in den drei Jahren Seines öffentlichen Wirkens geteilt hatten. Immerhin kannten sie Ihn ja "nur" drei Jahre lang – damit mochten sie sich rechtfertigen. Selbst nach Seiner Auferstehung, als Er ihnen erschien und mit ihnen aß, fragten sie Ihn noch nach dem irdischen Königreich. Gleichwohl hielten sie fest an Ihm, hörten auf Ihn, und nach Seiner Himmelfahrt – nachdem Er sie endgültig verlassen hatte, soweit es Seine körperliche Anwesenheit betraf – folgten sie Seiner Weisung, indem sie neun Tage lang im Gebet beisammen blieben. Die Kirche nennt dies die erste Novene. Neun Tage lang beteten sie gemeinsam, in Erwartung der Verheißung, die Er ihnen gegeben hatte – und an Pfingsten, was für eine Flutwelle des Heiligen Geistes ergoss sich da über sie! Sie waren wie neue Menschen, neu geboren, "wiedergeborene Christen"; sie streckten sich aus nach dem neuen Leben, dem Leben der Gnade. 

(Dorothy Day, Tagebücher, 22.2.1966; eigene Übersetzung) 


Ohrwurm der Woche: Double-Feature 

Avril Lavigne: My Happy Ending 

vs. 

Ashlee Simpson: Pieces of Me 

Anfang der Woche war ich mit meinem Jüngsten auf dem Spielplatz, und während ich ihm aus einiger Entfernung beim Klettern und Buddeln zusah, hatte ich Kopfhörer in den Ohren und zappte mich aufs Geratewohl durch YouTube-Empfehlungen; und dabei blieb ich schließlich bei meinem alten Faible für Girlie-Punk hängen. – Nun mag der eine oder andere Leser mit Blick auf die von mir hier verlinkten Songs mehr oder weniger empört einwerfen wollen "Also hömma, das ist doch kein Punk!"; worauf ich erwidern möchte: Ja ja, Raider heißt jetzt Twix; als die beiden Lieder rauskamen, nannte man diese Musikrichtung Alternative Rock oder zuweilen auch Post-Grunge; geschenkt. Und wenn dann noch jemand sagt "Das ist auch kein Alternative Rock, das ist einfach Mainstream-Pop der Nuller Jahre, der Stilelemente des Alternative Rock aufgreift", dann sage ich: Ach komm. Ist aber ja letztlich auch egal, wie man das nennt. Faszinierend an diesen beiden Songs, die im Jahre 2004 im Abstand von gerade mal vier Wochen als Singles veröffentlicht wurden, finde ich es, wie ähnlich sie sich sind. Man könnte von dem einen Stück ins andere überblenden, und viele Hörer würden nicht bemerken, wo der eine aufhört und der andere anfängt. Fast wäre ich versucht zu sagen, es ist im Prinzip derselbe Song. Was nicht zuletzt deshalb bemerkenswert ist, weil "My Happy Ending" ein bitterer Break-Up-Song ist und "Pieces of Me" ein glückstriefendes Liebeslied. Den Unterschied hört man irgendwie nicht so raus, wenn man nicht genau auf den Text achtet. – Tatsächlich bin ich der Meinung, dass "My Happy Ending" der bessere der beiden Songs ist, aber auch das ist natürlich wieder eine Einschätzung, die Fragen aufwirft: Wenn zwei Songs sich so ähnlich sind, wir kommt es dann, dass trotzdem der eine besser ist als der andere? Nun, ein wesentlicher Grund dürfte sein, dass Avril Lavigne einfach mehr Charisma hat. Nichtsdestotrotz mochte ich Ashlee Simpson, seit ich sie in der Fernsehserie "Eine himmlische Familie" (für die ich seinerzeit eine innige Hassliebe empfand) in der Rolle der flippig-rebellischen Freundin des jüngsten Sohnes der kreuzbrav-biederen Protagonistenfamilie gesehen hatte. Ihr Debütalbum "Autobiography" habe ich mir seinerzeit zwar nicht gekauft, immerhin aber aus der Bücherei ausgeliehen und durchaus gern angehört. Bald danach verlor sich mein Interesse an Ashlee Simpson aber wieder. Ich bekam gerade noch mit, dass sie sich 2006 die Nase operieren ließ – was natürlich, wie man von Jennifer Grey aus Ferris macht blau Dirty Dancing hätte lernen können, ein schwerer Fehler war: Never change the nose that made you famous. – Wenn ich's recht bedenke, fällt mir allerdings auf, dass ich auch Avril Lavignes Neuerscheinungen ab 2007 keine große Aufmerksamkeit mehr geschenkt habe, aber das hatte wohl eher biographische Gründe – in meiner Biographie, meine ich, nicht etwa in ihrer. Mal sehen, vielleicht bringe ich nächste Woche noch ein Lied, dass ich mit dieser Lebensphase assoziiere. Vielleicht gehe ich aber auch mal wieder in Richtung Proto-Punk/Psychedelic-Garage-Rock. Lass dich überraschen, Leser... 


Freitag, 10. Mai 2024

Pfingstnovene 2024: Wer betet mit?

Grüß Gott, Leser! Heute, am Gedenktag des Hl. Johannes von Ávila, beginnt die diesjährige Pfingstnovene, und nachdem ich im vorigen Wochenbriefing erwogen habe, nach 2019 und 2021 erneut einen Zyklus aus Gebeten und Liedern für die Novene zusammenzustellen, habe ich heute – etwas kurzfristig – Zeit gefunden, das tatsächlich in Angriff zu nehmen. Okay, im Grunde handelt es sich lediglich um eine leicht überarbeitete, v.a. an die alljährliche Verschiebung des Oster- und damit auch des Pfingstdatums angepasste Fassung meiner Novene von 2021, die ihrerseits auf der von 2019 basierte, und auch für diese kann ich keine besondere kreative Eigenleistung in Anspruch nehmen, denn sie ist im wesentlichen zusammengestellt aus Texten aus dem Stundenbuch und dem Gotteslob, kombiniert mit Lobpreisliedern und (vom 2. bis zum 8. Tag) mit der "Heilig-Geist-Krone" der Sel. Helena Guerra. Aber wie ich immer gern sage: Originalität wird überschätzt. Deshalb fand ich's auch so tragikomisch, als mir in der Tegeler Pfarrei seinerzeit vorgeworfen wurde, ich würde mit den "Lebendigen Steinen" anderen Gemeindemitgliedern meine eigene Spiritualität aufdrängen. So etwas wie eine "eigene Spiritualität" habe ich überhaupt nicht, ich schöpfe lediglich "Altes und Neues" (vgl. Mt 13,52) aus den reich gefüllten Schatzkammern der kirchlichen Tradition (wobei ich den Begriff "Tradition" wohl etwas anders verstehe als eingefleischte "Tradis"). 

Anno 2019 habe ich diese selbstgebastelte Novene noch täglich zu einer festen Uhrzeit zusammen mit meiner Liebsten in der Pfarrkirche Herz Jesu Tegel vorgebetet, die von 2021 – die in die Corona-Zeit fiel und passenderweise (#kannstedirnichtausdenken) am Gedenktag der Hl. Corona begann – lediglich zum privaten Gebrauch meiner Leser ins Netz gestellt, und so will ich das auch dieses Jahr wieder machen. Hier der Link zum dafür angelegten Google-Docs-Ordner; die Texte und Lieder für die ersten drei Tage (also bis einschließlich Sonntag) sind schon drin, die weiteren folgen hoffentlich bald. 

Im Gebet verbunden! Komm, Heiliger Geist! 


Mittwoch, 8. Mai 2024

Immer wieder mittwochs – spezial: Hl. Josef der Arbeiter

So kann's kommen, Leser: Kaum habe ich – im Creative Minority Report Nr. 26 – "versuchsweise" die Wochenbriefing-Rubrik "Immer wieder mittwochs" eingeführt, da wächst diese Rubrik auch schon über den Rahmen des Wochenbriefings hinaus und beansprucht einen eigenständigen Artikel. Was zugegebenermaßen wesentlich daran liegt, dass der vergangene Mittwoch kein "ganz normaler" Mittwoch war, sondern der 1. Maiweltlich ein in der Tradition der Arbeiterbewegung verwurzelter Feiertag, kirchlich seit 1955 ein dem Hl. Josef gewidmeter Festtag. Zum Hl. Josef, dem Beschützer und Ernährer der Heiligen Familie, habe ich ja eine besondere Affinität, seit ich selbst Familienvater bin, und zudem ist er der Patron unserer "Wahlgemeinde" in Siemensstadt. Dort gingen wir folgerichtig an diesem Mittwoch zur Messe – wobei ich mich ein wenig fragte, ob die Senioren in St. Marien Maternitas in Heiligensee, wo ich sonst gern mittwochs mit meinem Jüngsten zur Messe und zum anschließenden Frühstück gehe, uns wohl vermissten. Dafür, dass uns das Gemeindefrühstück in Heiligensee entging, wurden wir allerdings mehr als vollwertig entschädigt, denn im Anschluss an die Messe in St. Joseph Siemensstadt feierte der örtliche Pfarrvikar im Pfarrsaal seinen 60. Geburtstag nach, der in die Karwoche gefallen war. Aber mal der Reihe nach: 

In seinen Begrüßungsworten zur Messe führte der Pfarrvikar aus, der offizielle Patroziniumstag der Kirche St. Joseph Siemensstadt sei zwar der 19. März, das Hochfest des Hl. Josef; angesichts der Geschichte dieses Gotteshauses könne man aber durchaus meinen, das Fest Hl. Josef der Arbeiter wäre eigentlich das passendere Patrozinium. Warum? Weil es eine Arbeiterkirche ist, die von Siemens für die aus dem Rheinland und Süddeutschland angeworbenen katholischen Arbeiter seiner Firma gestiftet wurde. 

Altarbild des ehemaligen Hochaltars von St. Joseph Siemensstadt, jetzt an einer Seitenwand des Kirchenschiffs angebracht. 

Nach der Verlesung des Evangeliums kündigte der Pfarrvikar an, "nur ein paar Worte" über den Tagesheiligen und die Bedeutung seines Fests sagen zu wollen, aber tatsächlich wurde dann eine Predigt von fast einer Viertelstunde Länge daraus. Worüber ich mich jedoch keineswegs beklagen möchte, denn die Predigt war nicht nur lang, sondern auch sehr gehaltvoll – weshalb hier nun die Zwischenüberschrift 


Predigtnotizen 

folgen möge. – Die Gestalt des heiligen Josef zu betrachten, lade dazu ein, über Vaterschaft nachzudenken, betonte der Pfarrvikar einleitend; das schließe auch verschiedene Formen geistlicher Vaterschaft ein: "Wir alle haben sozusagen eine geistliche Elternschaft für die Menschen, die Gott uns anvertraut hat." Wie man es von seinen Predigten kaum anders gewohnt ist, gewann er diesem Ausgangsgedanken eine ganze Reihe bemerkenswerter Aspekte ab, von denen ich hier nur eine Auswahl ansprechen kann und will. 

So hob er mit Blick auf die 1. Lesung – aus dem "Priesterlichen Schöpfungsbericht" des Buches Genesis – hervor, die Signifikanz der Aussage, Gott habe den Menschen "männlich und weiblich" erschaffen (Gen 1,27b), liege darin, dass Gott Seine Liebe "in unsere Körper eingeschrieben" hat: eine "schöpferische Liebe", eine "Liebe, die fruchtbar wird". – Eine weitere Passage der Predigt, die mich aufhorchen ließ, lautete: 

"Josef fragt nach dem Willen Gottes. Das ist der Christ jeden Tag in der Früh, wenn er aufsteht. Er fragt sich: Lieber Gott, was möchtest du heute von mir, was ist heute dran, was hast du heute vorbereitet für mich?" 

Dass ich mich davon so angesprochen – und durchaus auch irgendwie "erwischt" – fühlte, hat mit der Erkenntnis zu tun, wie leicht man im Alltag der Versuchung erliegt, diese Frage gerade nicht zu stellen: Weil ja vermeintlich sowieso schon klar ist, was man zu tun hat (in meinem Fall: aufstehen, duschen, anziehen, die Kaffeemaschine anstellen, Frühstück für die Kinder vorbereiten, die Kinder wecken und so weiter, bis man die Große in der Schule abgeliefert hat; und dann hat man vielleicht mal Zeit, innezuhalten und sich selbst und das kleinere Kind zu fragen "Was machen wir heute?"). Also, ich nehme mir das mal als Hausaufgabe mit. 

Ein großer Teil der Predigt drehte sich darum, die Seligpreisungen der Bergpredigt als "Schlüssel für Elternschaft" zu betrachten, und zwar vorrangig die erste: "Selig, die arm sind vor Gott" (Mt 5,3). Auch das erwies sich als ausgesprochen relevant für mein tägliches Leben. "Um Eltern zu sein, muss man die eigene Armut annehmen", stellte der Pfarrvikar fest und fügte hinzu: "Das gilt nicht nur für Eltern, das gilt auch für mich als Priester." Diese Armut äußere sich etwa darin, dass man seine "Zeit, die Kräfte, die Energie" nicht mehr für sich selbst habe: Elternschaft erfordere, 

"sich loszulösen von den eigenen Plänen, von den eigenen Vorstellungen. Wenn Sie Kinder haben, dann wissen Sie: Man kann nichts mehr planen. Zumindest wenn sie klein sind. Das heißt: Ein anderer wird unser Meister, und das sind die Kinder. Das erfordert eine große Armut. Wenn wir nur unsere Pläne, unsere Vorstellungen sehen, werden wir den Kindern nicht gerecht. Dasselbe gilt auch für uns Priester." 

"Die eigene Armut anzunehmen" und "sich loszulösen von sich selbst" bedeute unter anderem, "die eigenen Interessen nicht an die erste Stelle zu setzen", sondern sie denen des Ehepartners und der Kinder unterzuordnen. "Vater sein ist kein Besitz; Priester sein ist auch kein Besitz. Sondern es ist ein Widerspiegeln der Elternschaft Gottes, die großzügig ist." Daneben und darüber hinaus gebe es aber auch 

"noch eine zweite Armut: Nicht nur, dass die Kinder unsere Pläne, unsere Zeit, unser Geld und so weiter in ihren Dienst nehmen, sondern sie führen uns auch an unsere Grenzen. Und das ist sehr schwierig anzunehmen, wenn Kinder uns an unsere Grenzen führen." 

Die eigenen Grenzen zu sehen, bedeute etwa, "den Mangel an Sanftmut zu sehen, den Mangel an Barmherzigkeit zu sehen; dass man sieht, dass man manchmal zornig wird und dass man nervös wird. [...] Man sieht, man müsste dieses und jenes tun, und man sieht die Unmöglichkeit." – Und wie kann es gelingen, diese eigenen Unzulänglichkeiten anzunehmen? Mit Demut

"Demut sagt uns, dass Gott auch noch existiert. Dass wir nicht die Erlöser von allem sind – das gilt auch für uns Priester –, sondern dass Gott existiert und dass Er mit den Kindern das tun wird, den Weg führen wird, den Er möchte. Und Demut zieht Gnade an. Eine Familie, die aus der Gnade lebt – das heißt, mit Freude, mit einem Klima der Dankbarkeit und der Großzügigkeit –, das spricht von Gott. Wenn alles perfekt sein muss, dann wird es eng, dann wird es hart. Deswegen: Die eigene Armut anzunehmen, die eigene Unzulänglichkeit anzunehmen, ist Demut, aber auch Gnade – denn es öffnet die Tür für den Herrn." 

Abschließend betonte der Prediger mit Blick auf das Patrozinium der Siemensstädter Kirche die "große Gnade, dass der heilige Josef unser Patron ist": "Der heilige Josef ist ein guter Nährvater. Er wird auch in der Zukunft für uns sorgen." Und schließlich: "Die Fürsprache des heiligen Josef für uns, für unsere Familien ist immer eine Gnade, eine Stärkung und ein Geschenk." 


Schwein gehabt 

Am Ende der Messe wurden dem Pfarrvikar Geburtstagsgeschenke überreicht, der Pfarrer, der zuvor noch eine Messe im Seniorenheim St. Elisabeth gehalten hatte, aber noch rechtzeitig in St. Joseph eingetroffen war, um bei der Eucharistiefeier zu konzelebrieren, hielt eine kleine, herzliche Ansprache, und aus der Gemeinde heraus wurden zwei Geburtstagsständchen angestimmt, eins davon auf Polnisch. Insgesamt war es schön zu sehen, wie beliebt der Pfarrvikar in der Gemeinde ist, in der er bis zur Pfarreifusion Anfang 2023 Pfarrer war. In seinen Dankesworten lud er die anwesende Gemeinde zu einem Geburtstagsschmaus im Pfarrsaal ein und betonte, zu essen gebe es genug: "Gott ist wieder einmal großzügig gewesen, nehme ich an." 

Das erwies sich als richtig.  

Die Kinder ließen sich die Überzeugung nicht ausreden, bei dem Spanferkel handle es sich um ein "Wildschwein".

Wir hatten auch etwas zum Büffet beigesteuert, nämlich einen mediterranen Pastasalat – von dem wir aber leider einen großen Teil wieder mitnehmen mussten, da die Gesamtmenge des aufgetischten Essens einfach zu groß war

Da es im Pfarrsaal ziemlich voll und draußen schönes Wetter war, sicherten wir uns einen Tisch auf der Terrasse, die Kinder spielten zeitweilig im Garten mit den Töchtern einer KiWoGo- und Wichtelgruppen-Teamkollegin. Am Tisch bekamen wir Gesellschaft von einer Frau, die in der Messe Geige gespielt hatte, und ihrer Tochter, die am darauffolgenden Sonntag Erstkommunion hatte. Wir unterhielten uns ausgesprochen gut, unter anderem über das Thema Schule (wie sich zeigte, war die Frau mit der Geige Lehrerin), und dem Mädchen legte ich augenzwinkernd nahe, es dürfe gern auch nach der Erstkommunion weiter zum Kinderwortgottesdienst kommen. 


Währenddessen in Tegel 

Wir verließen die Feier gegen 13:30 Uhr, da wir noch zum "Patronats- und Siedlungsfest" von St. Joseph Tegel wollten – wo, wie schon im vorigen Jahr, eine ganze Menge geboten wurde: 


Meine Liebste, deren Widerwille gegen die Aussicht auf ein Wiedersehen mit Leuten, die uns seinerzeit die aktive Mitarbeit in der Tegeler Pfarrei verleidet haben, noch deutlich ausgeprägter ist als mein eigener, war zunächst sehr skeptisch gewesen, ob sie zu diesem Fest mitkommen wollte, aber Coffee-Bike und Crêpe-Stand waren schon starke Argumente – während für die Kinder schon die Hüpfburg als Anreiz völlig ausreichend war. Zumindest theoretisch. Als wir in Siemensstadt aufbrachen, erwiesen sich die Kinder als aufgekratzt, launisch und müde zugleich – eine explosive Mischung. Für den Jüngsten war ohnehin eigentlich Mittagsschlafzeit, und meine Liebste stellte fest, dass sie sich am liebsten ebenfalls für ein paar Stunden zu Hause aufs Ohr legen würde. Dass der Rückweg von Siemensstadt nach Tegel wiederum von verpassten Bussen geprägt war und sich folglich ziemlich (oder eher unziemlich) in die Länge zog, machte die Gesamtsituation nicht gerade besser, und so stand es zwischenzeitlich ziemlich auf der Kippe, ob wir es überhaupt noch nach St. Joseph Tegel schaffen würden. Nach einigem Hin und Her entschieden sich aber doch beide Kinder dafür, mit mir zu dem Fest zu gehen, und meine Liebste durfte sich zu Hause ausruhen. 

Als wir ankamen, war es schon fast halb Vier; kurz vorher war der Kleene im Wagen eingeschlafen, die Große stürzte sich direkt auf die Hüpfburg, und ich hatte Zeit, mich umzusehen. 

Auf den ersten Blick drängte sich mir noch stärker als im vorigen Jahr den Eindruck auf, dieses Fest habe mit der örtlichen Kirchengemeinde überhaupt nichts zu tun. Okay, natürlich kann es sein, dass sich die Zusammensetzung dieser Gemeinde in den letzten Jahren – also seit meine Liebste und ich nicht mehr in der Tegeler Pfarrei aktiv sind – erheblich verändert hat; aber so sehr dann wohl doch nicht, dass das Erscheinungsbild dieser vor wenigen Jahren noch überalterten und akut vom Aussterben bedrohten Gemeinde plötzlich von jungen Familien dominiert würde. Wie ich schon im vorigen Jahr notiert habe, ist es wohl eher so, dass der Aufschwung geselliger Aktivitäten in der Gemeinde St.Joseph Tegel wesentlich auf das Engagement einer kleinen Gruppe von KiTa-Eltern zurückzuführen ist – und nach dem Prinzip "Gleich und gleich gesellt sich gern" eben auch ein entsprechendes Publikum anzieht. Davon abgesehen heißt das Dingens ja nicht von ungefähr seit letztem Jahr "Patronats- und Siedlungsfest", richtet sich also ausdrücklich auch an die Nachbarn, und es könnte durchaus sein, dass einige der Häuser in der St.-Josephs-Siedlung in dem letzten Jahren an jüngere Leute vererbt oder verkauft wurden. – Nun kann man natürlich sagen: Ist doch gut, wenn auf diese Weise mal wieder "Leben in die Bude kommt"; zumal das womöglich die Chancen erhöht, diesen Kirchenstandort zu erhalten, dem Schrumpfungskurs des Erzbistums zum Trotz. So gesehen würde ich diese Entwicklung gern begrüßen – wenn, ja wenn sie einherginge mit Bemühungen um eine geistliche Erneuerung der Gemeinde, um so etwas wie Neuevangelisierung. Davon ist aber nicht viel zu bemerken. Okay, neben der regelmäßigen Vorabendmesse und einer wöchentlichen Werktagsmesse (die, wie berichtet, erst kürzlich von der Pfarrkirche Herz Jesu hierher verlegt worden ist) gibt es in St. Joseph Tegel ungefähr einmal im Monat eine Familienandacht; da sollte man vielleicht mal hingehen, wenn sie nicht gerade mit dem Kinderwortgottesdienst in St. Joseph Siemensstadt kollidiert. Im Ganzen habe ich aber eher den Eindruck, dass die Kirchengemeinde sich zu einem bloßen Anhängsel der KiTa entwickelt – ein Phänomen, das wohl auch andernorts nicht ganz selten ist

Diese aus einem alten Baumstumpf geschnitzte, mit einem Kreuz in der Rückenlehne verzierte Sitzgelegenheit wird allmählich von Ameisen zersetzt. Ist das symbolisch für irgendwas? Und wenn ja, wofür?

Wie dem auch sei: Bei meinem ersten Rundgang über das Festgelände sah ich nur eine einzige Person, die ich "von früher" kannte, und das war eine alte Frau, die schon "damals" bei so gut wie keiner Veranstaltung der Pfarrei gefehlt hatte – was auch beinhaltete, dass sie regelmäßig an unserem "Dinner mit Gott" und sogar an unseren Lobpreisandachten teilnahm. Von den Hauptamtlichen der Pfarrei, und ebenso den ehrenamtlichen "Erzlaien", war derweil keine Spur zu entdecken. Zunächst dachte ich, es gäbe vielleicht irgendwo etwas abseits vom gemeinen Pöbel einen "Honoratiorentisch", aber das war nicht der Fall; wahrscheinlich waren die Honoratioren der Gemeinde schon wieder gegangen. (Der Pfarrer tauchte später kurzzeitig noch einmal an der Bierbude auf, aber wir hatten keinen direkten Kontakt zueinander. War vielleicht auch besser so.) 

Ein heikles Thema bei Pfarrfesten ist ja immer die Frage der Bezahlung für Speis und Trank, besonders wenn man es vermeiden will, dass die ganze Veranstaltung umsatzsteuerpflichtig wird. Beim "Patronats- und Siedlungsfest St. Joseph" war das schon im vorigen Jahr so gelöst worden, dass alle Speisen und Getränke nicht gegen Geld, sondern ausschließlich gegen Wertmarken ausgegeben wurden, die man an einem separaten Stand kaufen musste. Das war auch diesmal wieder so, und zu meiner Überraschung erstreckte sich das sogar auf das Coffee-Bike

Noch schlechter als letztes Jahr war die Musik. Statt eines graubärtigen DJs mit Bierbauch und Sonnenbrille gab es diesmal einen Jugendlichen mit Laptop, und ich kann ernsthaft nur hoffen, dass er die Playlist, die er abspielte, nicht selbst zusammengestellt hatte, denn sie umfasste fast ausschließlich Stücke aus dem Grenzbereich zwischen Deutschpop und Deutschem Schlager. Ein bisschen aus dem Rahmen fiel "Ein Kompliment" von Sportfreunde Stiller, davon abgesehen musste man Grönemeyer, Nina und Klaus Lage schon als die Highlights des Programms bezeichnen. Als ich zwischendurch mal ins Gemeindehaus ging, um meinem inzwischen wach gewordenen Jüngsten die Windel zu wechseln, drang durchs offene Fenster "Musik nur, wenn sie laut ist" herein, und ohne dass es mir bewusst gewesen wäre, muss ich wohl laut mitgesungen haben, denn auf dem Weg zurück nach draußen kam mir eine junge Frau entgegen, die sehr freundlich lächelnd zu mir sagte: "Grönemeyer singen und dabei das Kind wickeln, das war schön."

Zu diesem Detail meines Berichts möchte ich anmerken, dass ich schon öfter die bemerkenswerte Erfahrung gemacht habe, wie sehr eine einzige nette Begegnung, eine einzige freundliche Anrede die Stimmung komplett drehen kann. So ist der Mensch offenbar gestrickt. (Es funktioniert leider auch in umgekehrter Richtung, und das ist gerade im kirchlichen Kontext häufig ein Problem, z.B. beim Messbesuch mit Kindern; aber das mal nur am Rande.) Bis zu dem hier geschilderten Moment hatte ich mich gelangweilt, mich fehl am Platze gefühlt und gehofft, nicht allzu lange bleiben zu müssen; aber jetzt gefiel es mir plötzlich recht gut auf diesem Fest, und ich überwand mich sogar, ein paar Wertmarken zu kaufen, um für mich und die Kinder etwas zu trinken zu besorgen. Auch der Eindruck, die alteingesessene örtliche Kirchengemeinde sei auf diesem Fest praktisch nicht vertreten, relativierte sich ein wenig: Außer dem Pfarrer sah ich auch die bei früherer Gelegenheit schon gewürdigte pensionierte Gemeindereferentin (an einem Stand, an dem der Förderverein Spenden für die offenbar gerade in Arbeit befindliche Erneuerung des Kirchendaches sammelte), und dann hatte ich sogar ein ausgesprochen nettes Gespräch mit einer Frau, die ich aus meiner Zeit im Pfarrgemeinderat kannte.

Die Kinder hatten derweil sowieso Spaß; dafür sorgte nicht allein die Hüpfburg, sondern auch der Umstand, dass zur Feier des Tages der Spielplatz der Kita frei zugänglich war. Das Tochterkind freundete sich bei dieser Gelegenheit übrigens mit einem vielleicht zwei bis drei Jahre älteren Mädchen an, das, wie sich herausstellte, die Tochter eines der Organisatoren des Fests war. Vielleicht sollte man mal versuchen, den Kontakt zu halten bzw. auszubauen – könnte spannend werden...

Als ich die Kinder zwischendurch fragte, ob wir mal in die Kirche reinschauen wollten, bejahten sie fröhlich. Wir zündeten Opferkerzen an, und ich war nicht gerade überrascht, dass der Jüngste – wohl schon aus Gewohnheit – fragte, ob wir Musik anmachen könnten. Ich sagte jedoch, daß würde wohl nicht gehen, zumal draußen ja andere Musik gespielt würde. Wobei ich ehrlich sagen muss, Lust gehabt hätte ich eigentlich schon, der penetranten Schlagermucke etwas Lobpreis entgegenzusetzen. 

Diese Madonnenfigur entdeckten meine Kinder im Gebüsch am Rande des Kirchengrundstücks. Ich war verblüfft.

Am Ende war es so, dass die Kinder – nachdem ich sie zunächst überhaupt nur mit Mühe hierher gekriegt hatte – von diesem Fest gar nicht mehr weg wollten. Auch nicht, nachdem aus der Hüpfburg die Luft rausgelassen worden war. Um nochmals auf die Musik zurückzukommen: Als das Festgelände sich allmählich leerte, ging der jugendliche DJ dazu über, quasi als "Rausschmeißer" die Art von Musik zu spielen, die er vermutlich privat hört; das war dann eben auf andere Art Scheiße. Der Song "Wildberry Lillet" von Nina Chuba lief sogar zweimal; den kannte ich bisher gar nicht, aber meine Tochter meinte, sie kennt das Lied aus der Schule. Na, was soll man sagen. Sympathiepunkte gibt's übrigens dafür, dass, als der Grillstand abgebaut wurde, die fertigen, aber nicht verkauften Würste gratis ausgegeben wurden. Insgesamt war es ein wirklich gelungenes Fest, und ich muss gestehen, ich habe erhebliche Zweifel, ob das Pfarrfest in Maria, Hilfe der Christen im Anschluss an die Spandauer Fronleichnamsprozession auch nur halb so gut wird. Okay, vielleicht erlebe ich diesbezüglich eine Überraschung; aber mich beunruhigt ein wenig die Vorstellung, es gebe womöglich einen tieferen Zusammenhang zwischen der Qualität des Tegeler St.-Josephs-Fests und der Tatsache, dass es nicht in erster Linie von und für "church people" organisiert wurde. Diesen Gedanken gilt es sicherlich noch zu vertiefen – und zu überprüfen. Ich komme darauf zurück, wenn die Spandauer Fronleichnamsfeier über die Bühne gegangen ist...