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Samstag, 29. August 2026

Utopie und Alltag 40: Die Weichen sind gestellt, die Harten konnten entkommen

Ja, ich gebe es zu: Das Wortspiel in der Überschrift ist geklaut von einer Karikatur von Horst Haitzinger anlässlich des Maastrichter Vertrags von 1992. Erinnert sich aber außer mir anscheinend kaum noch jemand dran. Wie dem auch sei: Dass sich mir das Bild mit den gestellten Weichen aufdrängt, erklärt sich wohl einigermaßen unschwer daraus, dass ich derzeit das Gefühl habe, in jüngster Zeit fallen in meinem Leben und meinem alltäglichen Erfahrungsbereich mehr und mehr Entscheidungen oder nehmen mehr und mehr neue Dinge ihren Anfang, die weitreichende Konsequenzen für die absehbare Zukunft haben dürften. Spannend! Und ihr dürft quasi live dabei sein, Leser... 


"Schlüssel-Stellen" der Leseordnung 

Am 21. Sonntag im Jahreskreis gingen wir, wie angekündigt, in St. Joseph Siemensstadt in die Messe, und wie sich zeigte, wurde diese wieder einmal vom Spandauer Krankenhausseelsorger zelebriert. Das Evangelium dieses Sonntags war Matthäus 16,13-20, das Messiasbekenntnis des Petrus und die Zusage Jesu an Petrus "Ich werde dir die Schlüssel des Himmelreichs geben", und dazu hatte die Weisheit der liturgischen Leseordnung eine korrespondierende 1. Lesung aus dem Buch Jesaja (22,19-23) gesellt. Der zelebrierende Priester zog es jedoch vor, die 2. Lesung (Römer 11,33-36) zum Ausgangspunkt seiner Predigt zu machen und diese zum Anlass zu nehmen, über eine "besondere Eigenschaft Gottes" zu sprechen, von der zu reden, wie er meinte, "nicht gerade Mode" sei: die Erhabenheit Gottes. Bei meiner Tochter rief dieses Stichwort die Erinnerung an den bei der RKF unter meiner Leitung einstudierten Rap zu Exodus 15,1-19 wach, in dessen Refrain es hieß "denn Er ist hoch und erhaben"; sie hatte den halben Tag einen Ohrwurm davon, was ja durchaus eine bemerkenswerte Wirkung einer Predigt ist. 

Im Ganzen war diese Predigt, was für diesen Geistlichen nicht gerade untypisch ist, ziemlich assoziativ aufgebaut; damit deckte er ein Themenspektrum ab, das von behutsam angedeuteter Kritik an der Innenraumgestaltung der Hedwigskathedrale ("Ich liebe verschiedene Kirchbauten, auch modernere, und feiere auch gern mal die Heilige Messe in einem Kreis; aber am liebsten gehe ich in Kirchen, wo ich aufschauen kann zu Christus, der unendlich erhaben ist; wo der Altar erhöht ist") bis zur Realpräsenz Christi in der Eucharistie reichte. Auf das Evangelium vom Tag ging er schließlich auch noch ein, aber fast ausschließlich zum Zweck einer Vorausschau darauf, wie die Perikope am kommenden Sonntag weitergeht

Nun, wenn einem die Predigt in der Sonntagsmesse schon nicht das Evangelium vom Tag auslegt und dabei den Zusammenhang zur Jesaja-Prophezeiung erläutert, dann kann man wohl umso froher sein, dass es Comics gibt, die das tun. Ja, Comics. Ich habe eins auf Instagram gesehen, das mir gut gefallen hat. Was ich aus diesem, einschließlich der vom Autor hinzugefügten Erläuterungen, gelernt habe, ist, kurz zusammengefasst, dies: In der Prophezeiung bei Jesaja geht es zunächst einmal "nur" um die Absetzung eines korrupten Hofbeamten des Königs von Juda. Diesem, dem Palastvorsteher Schebna, sagt Jesaja voraus, dass er durch einen besseren Mann – Eljakim, den Sohn Hilkijas – ersetzt werden wird; dieser soll den "Schlüssel des Hauses David" erhalten, und was er öffnet, soll niemand schließen können, und was er schließt, soll niemand öffnen können. Diese Prophezeiung greift Jesus auf und überträgt sie vom Palast des Hauses David auf das Himmelreich, womit Er Petrus gewissermaßen zu dessen Hausverwalter bestimmt. Wäre doch schön, wenn man sowas mal in einer Predigt erklärt bekäme. 

Einen interessanten Impuls zum Sonntagsevangelium habe ich übrigens auch auf der Facebook-Seite der katholischen Bloggerin, Buchautorin und Vortragsrednerin Meg Hunter-Kilmer entdeckt; der Kernsatz dieses Impulses lautet "I Will Not Bind What Rome Has Loosed" und will eine – wie die Verfasserin betont, nicht zuletzt auch selbstkritisch gemeinte – Ermahnung an gläubige Katholiken sein, im buchstäblichen Sinne nicht päpstlicher als der Papst sein zu wollen. Mit anderen Worten: Wenn ich z.B. bestimmte spirituelle oder asketische Praktiken aus dem reichen Fundus der Kirche als hilfreich und fruchtbringend für mein persönliches geistliches Wachstum erlebe, dann kann ich diese wohl anderen Gläubigen empfehlen, aber solange es sich um Dinge handelt, die die Kirche ihren Gläubigen nicht verbindlich vorschreibt, kann ich nicht von Anderen verlangen, dass sie sie befolgen. Ein Beispiel wäre die besonders in Fátima-bewegten Kreisen häufig zu hörende Forderung "Betet täglich den Rosenkranz!": Es ist sicherlich eine gute Sache, das zu tun, aber eine Pflicht dazu gibt es schlichtweg nicht. Oder umgekehrt: Wenn die Kirche etwas erlaubt, steht es mir nicht zu, andere Gläubige dafür zu kritisieren, dass sie von dieser Erlaubnis Gebrauch machen. Das Paradebeispiel dafür wäre die Handkommunion. In der Tagespost erschien unlängst ein Artikel zur Erstkommunionvorbereitung, und auf der Facebook-Seite der Zeitung brach eine heftige Kommentarschlacht aus, weil das Foto zum Artikel ein Kind zeigte, das die Kommunion in die Hand empfängt. Wer mich kennt, weiß, dass ich persönlich ein entschiedener Anhänger der Mundkommunion bin, aber die Aggressivität, mit der in den Kommentaren zu diesem Tagespost-Artikel – übrigens von beiden Seiten – um eine von der Kirche ausdrücklich erlaubte Praxis gestritten wurde, fand ich dann doch befremdlich. Da sollte man dann wohl doch mal tief durchatmen und sich daran erinnern, dass das Lehramt der Social-Media-Kommentarkrieger nicht über dem Petrusamt steht. 


Pa-, Pa-, Paderborn: Ein Update zu meinen Studienplänen 

Von Montag bis einschließlich Mittwoch wartete ich mit wachsender Ungeduld darauf, etwas von der Hochschule in Paderborn zu hören, aber am Donnerstag war es dann endlich so weit: Per Mail erhielt ich die Zugangsdaten für die Online-Campusportale der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen und fing daraufhin gleich mal an, mich dort umzusehen. Unter anderem auch im Vorlesungsverzeichnis. So ganz schlau bin ich noch nicht daraus geworden, welche "Module" ich im ersten Semester belegen kann, soll, darf oder muss, aber es sieht stark danach aus, dass es sich zunächst einmal um Einführungsveranstaltungen wie "Angewandte Theologie und ihre Disziplinen", "Einführung in wissenschaftliches Denken und Arbeiten" und "Selbst- und Studienmanagement" handelt. Wesentlich interessanter erscheinen mir Lehrveranstaltungen mit Titeln wie "Der Weg Israels durch die Geschichte – Einleitung in das Alte Testament" (im Modul "Die Bibel verstehen – Einleitungswissenschaften zum Alten und Neuen Testament") oder "In der Kirche glauben" (im Modul "Unseren Glauben verantworten – Grundkurs Systematische Theologie"), aber wir werden mal sehen, wann die für mich "dran" sind... 


Update Umzug 

Noch eine Woche bis zum "großen Umzug", sprich: Möbeltransport; und was ist aus meiner vor einer Woche geäußerten Hoffnung geworden, in der bis dahin noch bleibenden Zeit würde der Umzugsstress eher weniger als mehr werden? Ich würde sagen, tendenziell hat sich diese Hoffnung erfüllt, jedenfalls war der Großteil der zurückliegenden Woche in dieser Hinsicht einigermaßen unstressig. Zuweilen war es sogar so, dass ich mich vormittags, wenn ich allein in der (alten) Wohnung war und gerade etwas Zeit und Muße hatte, nach etwas umsah, womit ich die Umzugsvorbereitungen voranbringen könnte, und dabei nichts fand, was man nicht besser unmittelbar vor oder sogar nach dem Möbeltransport in Angriff nehmen sollte. Voran geht es trotzdem, wenn auch im Moment eher in kleinen Schritten. Rückschläge hat es dabei durchaus auch gegeben; zum Beispiel dadurch, dass der Jüngste auf ein Heizungsrohr trat, woraufhin dessen Befestigung an zwei Stellen aus der Wand brach (klingt vielleicht dramatischer als es war – das Heizungsrohr selbst wurde dabei nicht beschädigt). In der kommenden Woche wird's aber wohl wieder mehr zu tun geben, denn dann gibt es keine Ausreden mehr... 


Weichen und Zunder: Evangelisierung im Alltag 

Möglicherweise wird dies ein neuer Rubrikentitel werden; festhalten möchte ich jedenfalls erst mal folgendes: Am Mittwochmorgen, als ich die Kinder in die Schule und in die KiTa brachte, saß mir in der S-Bahn eine Mitarbeiterin aus der Schule des Tochterkindes gegenüber, über die ich schon länger mal was schreiben wollte. Tatsächlich habe ich sie auch schon mal erwähnt, nämlich anlässlich des Umstands, dass diese Mitarbeiterin uns Ende Mai auf das Evangelisierungs-Festival City of Light aufmerksam machte; da hatte ich bereits angedeutet, dahinter stecke "eigentlich eine Geschichte für sich, da komme ich vielleicht an anderer Stelle noch drauf zurück". Was ich hiermit tun möchte! Im Interesse der Anonymität möchte ich bezüglich der Vorgeschichte allerdings nicht zu sehr ins Detail gehen; es genüge zu sagen, dass ich bis zu jenem Schultag im Mai eher nicht erwartet hätte, bei dieser Mitarbeiterin – so sympathisch sie mir ansonsten durchaus war – ein besonderes Interesse oder eine besondere Offenheit für den christlichen Glauben vorzufinden. Entsprechend überrascht war ich über die Konstellation, die ich vorfand, als ich an jenem Tag im Mai in die Schule kam, um meine Tochter abzuholen: Meine Tochter, eine ihrer besten Freundinnen und die besagte Mitarbeiterin saßen zusammen in einer Ecke, die Mädchen hatten zwei verschiedene Bibelausgaben vor sich – die sie, wie sie mir erzählten, in einer Bücher-Verschenkekiste gefunden hatten –, und die Mitarbeiterin war gerade dabei, ihnen die Einteilung der Bibel in Bücher, Kapitel und Verse zu erläutern und ihnen zu zeigen, wie man eine bestimmte Bibelstelle findet. Damit aber noch nicht genug: Als die Schulmitarbeiterin mich sah, sagte sie zu mir "Ich mag dein T-Shirt" (ich trug an diesem Tag ein Shirt mit einer stilisierten Zeichnung von Dornenkrone, Kreuz und offenem Grab, kombiniert mit dem Schriftzug "a lot can happen in three days") und zog ihre Kapuzenjacke aus, um mir zu zeigen, dass auf dem Rücken ihres T-Shirts der Schriftzug "Jesus saves" prangte. Wer hätte das gedacht. Im Laufe des Gesprächs, das sich daran anschloss, erwähnte sie dann auch das City of Light-Festival und meinte, das Kinderprogramm könnte etwas für uns sein. So halb rechnete ich damit, sie dort zu treffen, aber das war nicht der Fall. 

Nun aber mal zurück zum vergangenen Mittwoch: Wie schon gesagt, saß mir diese Schulmitarbeiterin in der S-Bahn gegenüber; sie häkelte, gleichzeitig sprachen zwei Schüler (m/w) mit ihr, daher begrüßten wir uns eher beiläufig. Kurz darauf liefen wir uns aber im Schulgebäude nochmals über den Weg, und nun teilte sie mir fröhlich mit, sie habe eine Frage an mich. "Ich beschäftige mich gerade mit den Psalmen", verriet sie, "und da wollte ich dich fragen, ob du mir einen bestimmten Psalm empfehlen kannst." 

Ich wollte gerade anfangen, darüber nachzudenken, da fügte sie hinzu: "Ganz spontan." Also hörte ich auf nachzudenken und sagte: 

"Hundertachtzehn." 

"Okay, dann ist das jetzt mein Psalm für den Tag. Danke!" 

Ich hoffe mal, ich habe ihr damit einen guten Tagesimpuls mitgegeben. Auf mich hat der 118. Psalm jedenfalls einen starken Eindruck gemacht, als ich anfing, regelmäßig mit der Stundenbuch-App zu beten, und das war wohl auch der Grund, warum er mir jetzt so spontan einfiel. 

Kaum weniger verblüfft war ich, als ich am Nachmittag desselben Tages per WhatsApp Urlaubsfotos von meinen Schwiegermüttern zugeschickt bekam: Die waren nämlich in Flüeli-Ranft und hatten dort das Haus des Hl. Bruder Klaus besucht. Außer dem Haus vom Klaus samt Gedenktafel und einem Gedenkstein zur Erinnerung an den Besuch Papst Johannes Pauls II. im Jahr 1984 waren auf den Fotos auch einige Kreuzwegstationen zu sehen. Um verständlich zu machen, warum mich das so sehr überraschte, sollte ich vielleicht erwähnen, dass meine Schwiegermütter den Entschluss meiner Liebsten, sich mit 18 Jahren taufen zu lassen, seinerzeit mit den Worten "Wir haben es ja kommen sehen, aber muss es denn ausgerechnet die katholische Kirche sein?" kommentierten, sowie auch, dass ich bis heute zuweilen den Eindruck habe, es bereite ihnen ein gewisses Unbehagen, wenn wir in ihrer Gegenwart mit den Kindern beten (z.B. vor dem Essen). Dass sie nun im Urlaub auf den Spuren eines bedeutenden (und nicht gerade unumstrittenen) Heiligen wandeln, sollte man wohl nicht überinterpretieren, aber interessant finde ich es doch... 


Eine neue JAM-Saison 

Mit Beginn des neuen Schuljahres ist in der EFG The Rock Christuskirche, wo ja in der vorletzten Ferienwoche Kinderbibelwoche war, das wöchentliche Kinderprogramm JAM ("Jungschar am Mittwoch") wieder losgegangen, und wir waren von der ersten Veranstaltung an mit von der Partie. Insgesamt nahmen rund zwanzig Kinder teil, von denen mindestens die Hälfte zur Altersgruppe der "Minis" (unter 6 Jahre) gehörte, und mindestens vier Kinder waren neu dabei. Neu waren auch zwei Mitarbeiter bzw. Helfer – eine junge Frau, die im Frühjahr getauft worden war und die wir seitdem auch einmal bei der Straßenevangelisation in Spandau getroffen haben, und ihr Freund. Wie es aussah, werden sie jetzt als JAM-Mitarbeiter "angelernt", was erst einmal mit Zugucken und gelegentlichen kleinen Hilfsaufgaben losgeht. Halte ich für einen guten Ansatz, neue Gemeindemitglieder einzubinden. Was haben "wir" in dieser Hinsicht "unseren" Erwachsenentäuflingen bzw. Konvertiten anzubieten? (Offene Frage, ich weiß es tatsächlich nicht. Wenn man mal davon absieht, dass einer der Jungen Leiter bei der RKF – der, mit dem ich beim Waldspaziergang Rosenkranz gebetet habe – mir erzählt hat, er sei erst seit ungefähr 2½ Jahren Christ.) 

Erwartungsgemäß gab's zum Beginn der neuen JAM-Saison auch den Einstieg in eine neue thematische Einheit, und dieser Einstieg vollzog sich in Form eines Rätselspiels, bei dessen Lösungen es sich – was freilich erst hinterher verraten wurde – um Fakten zur Bibel handelte: 

In der Zeile "x Mio." fehlt hier noch das Lösungswort "Leser".

Zu den Zahlen auf diesem Lösungsblatt hatte die JAM-Leiterin einige bemerkenswerte Anmerkungen; dies betraf vor allem die erste Zeile mit den "0 Fehlern". Sie betonte, das bedeutet nicht, dass ein gedrucktes Exemplar der Bibel nicht hier und da Druckfehler enthalten könne, und ebenso habe es in der Zeit, in der die Bibel durch Abschreiben mit der Hand vervielfältigt wurde, Abschriftfehler geben können, die zu Unklarheiten im Text oder zu Abweichungen zwischen verschiedenen Manuskripten führen konnten. Entscheidend sei aber, dass das, was die Bibel über Gott und Sein Verhältnis zu den Menschen aussage, verlässlich wahr sei. Sie ging auch auf den Einwand ein, vieles von dem, was die Bibel über die physische Gestalt der Welt aussage, sei aus naturwissenschaftlicher Sicht nicht haltbar, und führte dazu ein griffiges Beispiel an: "Wenn jemand sagt 'Die Sonne geht auf', dann ist das naturwissenschaftlich nicht korrekt, weil sich in Wirklichkeit die Erde um die Sonne dreht. Trotzdem sagt man das so, weil es die Erfahrung dessen widerspiegelt, der das sieht und beschreibt." – Von verbreiteten Klischeevorstellungen über evangelikal-fundamentalistischen Biblizismus waren diese Ausführungen doch recht weit entfernt. Gleichzeitig kommt man etwa auf die Zahl von "40 Schreibern" natürlich nur, wenn man zur Verfasserschaft der einzelnen Bücher der Bibel Annahmen zugrundelegt, die die historisch-kritische Bibelwissenschaft mehrheitlich verwirft, etwa dass die fünf Bücher Mose tatsächlich von Mose geschrieben sind und dass tatsächlich das ganze Buch Jesaja (und nicht nur die ersten 39 Kapitel) von Jesaja stammt. (Davon, was die historisch-kritische Bibelwissenschaft zu der Aussage sagen würde, die ganze Bibel habe in letzter Instanz nur einen Verfasser, nämlich Gott, wollen wir lieber gar nicht erst anfangen.) – Was die "66 Bücher" angeht, nahm ich mir vor, meinem Tochterkind bei Gelegenheit zu erklären, dass und warum "unsere" Bibel sieben Bücher mehr hat, und habe diesen Vorsatz inzwischen auch in die Tat umgesetzt. – Insgesamt möchte ich jedenfalls sagen, wenn man davon ausgehen kann, dass dieses Bibelfakten-Blatt eine Art Vorschau darauf darstellen soll, worum es in den nächsten Wochen beim JAM gehen soll, dann bin ich ziemlich gespannt, wie's weitergeht... 


Blogvorschau: Wir sind hier doch nicht in der Sonntagsschule! 

Im Zusammenhang mit diesem JAM-Thema musste ich übrigens an einen Facebook-Beitrag denken, den ich am Sonntag zu Gesicht bekommen hatte und der als Erfahrungsbericht einer Sonntagsschullehrerin daherkam – sich bei näherem Hinsehen jedoch als Werbeanzeige entpuppte, nämlich als Werbung für einen auf 52 wöchentliche Sitzungen, also auf ein volles Jahr, ausgelegten Glaubenskurs für Kinder bis 12 Jahre. So ärgerlich ich es auch fand (und finde), dass dafür mit einer sehr wahrscheinlich fiktiven und womöglich sogar KI-generierten Erzählung geworben wird, gehe ich doch davon aus, dass die Probleme, die in diesem Text angesprochen werden, real sind und es verdienen, ernst genommen zu werden. 

Zu den einleitenden Sätzen – "Die Sonntagsschule macht Ihre Kinder zu Atheisten. Ich weiß es, weil ich 20 Jahre lang eine geleitet habe" – ist allerdings festzustellen, dass dies zumindest übertrieben zugespitzt formuliert ist: Die eigentliche These des Texts lautet, dass ein Sonntagsschul-Unterricht, der lediglich auf das Nacherzählen biblischer Geschichten (samt dazu passender Bastelarbeiten) und das Auswendiglernen von Bibelversen und zentralen Glaubenssätzen setzt, nicht ausreicht, um den Kindern ein Glaubensfundament mitzugeben, das in der Konfrontation mit einer ungläubigen Umwelt Bestand hat – einer Konfrontation, die ihnen spätestens blüht, wenn sie zu Hause ausziehen und an die Uni gehen. Es geht also nicht darum, dass die Sonntagsschule die Kinder aktiv zu Atheisten macht, sondern dass sie zu wenig tut, um zu verhindern, dass sie welche werden. 

Das Stichwort "Sonntagsschule" verweist natürlich recht deutlich auf einen im weitesten Sinne evangelikalen Hintergrund – was die Frage aufwirft, inwieweit die dargestellten Phänomene nun spezifisch evangelikal sind oder ob sich die Aussagen des Beitrags mutatis mutandis auch auf die Situation im post-volkskirchlichen Katholizismus übertragen lassen – was zugleich auch die Frage impliziert, ob die in diesem Beitrag artikulierte Kritik an gängigen Sonntagsschul-Methoden und -Inhalten auf "unseren" KiWoGo, die Religiösen Kindertage (RKT) und nicht zuletzt auf den Erstkommunionunterricht weniger zutrifft als etwa auf die Katechesen beim JAM oder auf die "Kinderkirche" während der Sonntagsgottesdienste der EFG The Rock Christuskirche. Diese Fragen geben sicherlich ausreichend Stoff für einen eigenständigen Artikel ab, für den ich hoffentlich demnächst mal Zeit finden werde. Zugleich bilden diese Fragen aber auch eine ganz gute Überleitung zu meinem nächsten Thema: 


Erstkontakt mit dem Erstkommunionkurs 

Wie schon angekündigt, fand am vergangenen Donnerstag der Eltern-Informationsabend für den neuen Erstkommunion-Kurs unserer Wahlgemeinde statt, und zwar, anders als zunächst angekündigt, in St. Stephanus Haselhorst. Zur Vorbereitung darauf hatte ich bereits seit Sonntag gelegentlich in einer Mappe zur Erstkommunionvorbereitung geblättert, die in der Pfarrei St. Gertrud in Herzogenrath (Bistum Aachen) erarbeitet worden ist und die mir der dortige Pfarrer geschenkt hat, als ich dort vor Jahren mal im Rahmen der Herzogenrather Montagsgespräche einen Vortrag über die Benedikt-Option gehalten habe. Ich fand in dieser Mappe so einiges, was ich gern für den Erstkommunion-Kurs in St. Joseph/St. Stephanus übernehmen oder adaptieren würde – so z.B. Anregungen zur Gewissenserforschung, Gebete zur Vorbereitung auf die Beichte, auch einige biblisch fundierte Erläuterungen zum Thema "Beichte – warum?"; viel weiter bin ich mit meiner Lektüre noch nicht gekommen –, aber ich wollte doch erst einmal abwarten, was der Elternabend so bringen würde, auch in Hinblick darauf, in welchem Umfang ich mich in die Gestaltung des Erstkommunionkurses würde einbringen können, sollen und dürfen. 

Diejenigen Eltern, die im Vorfeld Interesse und Bereitschaft signalisiert hatten, als Katecheten am Kurs mitzuwirken, erhielten bereits ein paar Tage vor dem Elternabend einen vorläufigen Terminplan; aus diesem geht u.a. hervor, dass die Erstbeichte bereits vor den Winterferien, also Ende Januar, stattfinden soll und dass für die Erstkommunion, wie es auch in den letzten Jahren stets der Fall war, zwei Termine angesetzt sind, nämlich der 4. und 5. Sonntag der Osterzeit. Eine weitere Erkenntnis, die ich diesem Terminplan entnehmen konnte, war, dass wir – d.h. meine Tochter als Teilnehmerin und ich als Katechet – gleich das erste Kurstreffen aller Voraussicht nach verpassen werden, da es terminlich mit der Gemeindefreizeit der EFG The Rock Christuskirche kollidiert; aber das wird sich wohl verschmerzen lassen. Insgesamt sieht der Terminplan sechs Kurstreffen bis zur Erstbeichte und dann nochmals drei bis zur Erstkommunion vor (zuzüglich der Proben für den Ablauf der beiden Erstkommuniongottesdienste); zwei dieser Kurstreffen, eins im Herbst und eins im Frühjahr, sind als "Gemeinschaftstage" angekündigt, was bedeutet, dass sie – nach dem Vorbild der Religiösen Kindertage – bis in den Nachmittag hinein dauern und ein gemeinsames Mittagessen umfassen sollen. Ebenfalls auf dem Terminplan berücksichtigt sind die Krippenspielproben, die Sternsingeraktion sowie der Kinderkreuzweg in der Woche vor den Osterferien. 

Dass der erste Elternabend zum Erstkommunionskurs gerade am Gedenktag der Hl. Monika stattfand, die ihre Verehrung als Heilige ja im Wesentlichen ihrem unablässigen Beten für die Bekehrung ihres Sohnes verdankt, war wohl eine bemerkenswerte Fügung – ursprünglich war der Termin fast zwei Wochen später angesetzt gewesen –, hatte aber weiter keine Auswirkungen auf den Ablauf bzw. die Gestaltung des Treffens. – Außer mir erschienen zum Elternabend, den der Gemeindereferent gemeinsam mit Padre Ricardo leitete, neun Mütter und acht Väter von zukünftigen Erstkommunionkindern; die größte Überraschung darunter war zweifellos die Kampfsporttrainerin meines Jüngsten. Die anwesenden Eltern machten insgesamt einen erfreulich engagierten Eindruck; ein Vater meldete sich spontan zur Mitarbeit im Katechetenteam, zwei Mütter erklärten sich bereit, gemeinsam mit den Kindern ein Plakat zu gestalten (ohne Fotos, aus Datenschutzrücksichten). Ein Punkt, auf den der Gemeindereferent großen Wert legte, war, dass die Eltern den Kindern bis zum ersten Kurstreffen das Vaterunser beibringen sollten: In früheren Jahren, so erzählte er, habe man die Erfahrung gemacht, dass ein Drittel der Kinder im Kurs das Vaterunser kann, das zweite Drittel es so mehr oder weniger kann und das dritte Drittel es nicht kann – und es dann auch während des Kurses nicht lernt, sondern sich so durchmogelt. Padre Ricardo ergänzte, er habe es schon erlebt, dass er einem Kind bei der Erstbeichte ein Vaterunser als Buße aufgeben wollte und das Kind ihm daraufhin gestand, das Vaterunser nicht zu können. – Gut fand ich auch, dass der Gemeindereferent den Eltern deutlich machte, es werde von ihnen erwartet, dass sie mit ihren Kindern in die Sonntagsmesse kommen; er begründete das mit dem folgenden Vergleich: "Wenn Ihr Kind Fußball spielt und Sie schauen beim Training zu, dienstags oder mittwochs, dann ist das ja gut und schön, aber wenn das Kind am Wochenende ein Spiel hat, dann wollen Sie da doch auch und erst recht dabei sein. Und so ist das bei uns auch: Die Kurstreffen sind nur Training, das richtige Spiel findet in der Sonntagsmesse statt." 

Alles in allem bestärkte mich dieser Elternabend einmal mehr in meiner Überzeugung, dass in der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst Manches tendenziell besser und richtiger gemacht wird als andernorts im post-volkskirchlichen Katholizismus. Was indes auch gesagt werden muss, ist, dass zu diesem Erstkommunionkurs bislang "nur" 18 Kinder angemeldet sind – deutlich weniger als in den letzten Jahren. Aber nun gut, gewisse Schwankungen können wohl immer mal vorkommen, und auch wenn die Anmeldefrist offiziell abgelaufen ist, kommen ja vielleicht doch noch welche dazu. 


Was es sonst noch Neues gibt 

  • Grüße vom Erzbischof zum Schuljahresbeginn 

Einen Brief im Briefkasten vorzufinden, auf dessen Umschlag das Wappen von Erzbischof Koch prangte, versetzte mich am Donnerstag durchaus in eine gewisse freudige Erregung, und auch die Erkenntnis, dass wohl alle katholischen Haushalte im Erzbistum Berlin, in denen es Kinder im schulpflichtigen und/oder im KiTa-Alter gibt, einen solchen Brief erhalten haben, schmälerte meine Freude kaum. Der Brief enthält – unter dem biblischen Motto "Sei mutig und stark!" (Josua 1,9); ob Erzbischof Koch wohl das gleichnamige Lied von Mike Müllerbauer kennt? – gute Wünsche "zum Kita- und Schulstart" und unterstreicht: 

"Ob im Klassenzimmer, auf dem Pausenhof, auf dem Schulweg oder zu Hause: Gott begleitet uns. Er schenkt Mut, wenn wir aufgeregt sind, Kraft, wenn etwas schwerfällt, und Freude über alles, was gelingt." 

Als Beilage zum Brief gibt's "Taschensegen" für die Schultasche, das Federmäppchen oder für die Hosentasche; das ist eine nette Idee, aber was dann doch etwas nervt, ist, dass die Beschriftung dieser kleinen bunten Segenskärtchen gegendert ist. Okay, der Gender-Stern in Wörtern wie "Freund*innenfindefuchs" oder "Pausenbrotteiler*in" ist grafisch als i-Punkt getarnt, und da unser Schulkind nun mal ein Mädchen ist, fällt das kaum auf. Trotzdem würde ich mir von der Kirche eher wünschen und erwarten, dass sie unseren Kindern einen "safe space" gegen die Sirenengesänge der Gender-Ideologie böte. Ein ausgesprochen frommer Wunsch, ich weiß


  • Neuer Pfarrbrief in meiner zukünftig ehemaligen Wohnortpfarrei 

Wie schon öfter erwähnt, erscheinen die Pfarrnachrichten der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd, ebenso wie wohl auch viele andere Pfarrbriefe, viermal im Jahr, und in der letzten Augustwoche ist die Herbstausgabe herausgekommen. Da der Zeitraum, den diese Ausgabe abdeckt, auch das Totengedenken zu Allerseelen einschließt, ist auf dem Titelbild eine Friedhofskapelle zu sehen (die des katholischen Friedhofs St. Sebastian in Reinickendorf; eine baulich ganz ähnliche Kapelle steht in der Nähe unserer neuen Wohnung, aber die gehört zu einem städtischen Friedhof), und der Leitartikel, verfasst von der Krankenhausseelsorgerin und Trauerbegleiterin der Pfarrei, trägt die Überschrift "Der Friedhof – ein Ort des Lebens". Diese Überschrift bezieht sich darauf, dass zu der im Zuge des Pastoralen Prozesses "Wo Glauben Raum gewinnt" eingeführten Kategorie "Orte kirchlichen Lebens" auch die katholischen Friedhöfe gehören, obwohl man ja der Meinung sein könnte, Friedhöfe seien eher Orte des Todes als des Lebens. Eigentlich ein ganz guter Einstieg ins Thema, aber wenn ich gleich im ersten Satz des Leitartikels lese, dass der besagte Pastorale Prozess "zur Weiterentwicklung und Neuaufstellung unserer Pfarreien führen sollte", denke ich gleich: Ach, hör mir doch uff. – Viel interessanter ist ohnehin die Seite 12: Auf der oberen Hälfte der Seite stellt sich der neue Kaplan vor, man erfährt, dass er 1990 geboren ist, vor acht Jahren zum Priester geweiht wurde und, bevor er nach Deutschland kam, in Ghana erst Vikar, dann Pfarrer und schließlich Sekretär des Bischofs von Konongo-Mampong war – und dass er sich von seiner neuen Tätigkeit "eine gute und erfolgreiche pastorale Erfahrung" erhofft. Die untere Hälfte der Seite erstrahlt in Regenbogenfarben: "Segen für alle!" wird da ausgerufen, und in noch größerer Schrift: "Unter Gottes Himmel haben alle Platz!" Was man unter dieser doppelten Überschrift liest, ist ein Aufruf des Diakons – der in der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd ja gemeinsam mit Pater Mephisto für die "Queere Pastoral" zuständig ist – an Menschen, die "das Gefühl und den Wunsch haben, [i]hre Liebe mit einem Segen Gottes stärken zu wollen", sich bei ihm zu melden, und zwar "[e]gal in welcher Beziehung oder Lebensgemeinschafr [s]ie leben und lieben". Einerseits denke ich mir, wenn derart um Leute gebuhlt werden muss, die einen solchen Segen in Anspruch nehmen wollen, dann kann die Nachfrage ja so groß nicht sein – das hat so was von "Gay Pride-Parade in Stars Hollow". Andererseits ist die Unbekümmertheit um kirchliche Lehre und kirchliches Recht, die da zum Ausdruck kommt, ganz so lustig ja nun auch wieder nicht. Im Text des Diakons kommt auch die Formulierung "Segen gibt der Liebe Kraft" vor, nicht explizit gekennzeichnet als Titel einer Handreichung der Deutschen Bischofskonferenz, aber doch implizit darauf Bezug nehmend; dass dieses Schreiben nach dem unmissverständlichen Einspruch des Dikasteriums für die Glaubenslehre wie auch Papst Leos persönlich eigentlich ein Fall für die Papiertonne ist, wird geradezu trotzig ignoriert. Wenn das nicht den Tatbestand des "Schmutzigen Schismas" erfüllt, dann weiß ich auch nicht. 


Geistlicher Impuls der Woche 

In späteren Zeiten werden manche vom Glauben abfallen; sie werden sich betrügerischen Geistern und den Lehren von Dämonen zuwenden, getäuscht von heuchlerischen Lügnern, deren Gewissen gebrandmarkt ist. Sie verbieten die Heirat und fordern den Verzicht auf bestimmte Speisen, die Gott doch dazu geschaffen hat, dass die, die zum Glauben und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangt sind, sie mit Danksagung zu sich nehmen. Denn alles, was Gott geschaffen hat, ist gut und nichts ist verwerflich, wenn es mit Dank genossen wird; es wird geheiligt durch Gottes Wort und durch das Gebet. 

Gottlose Altweiberfabeln weise zurück! Übe dich in der Frömmigkeit! Die Frömmigkeit ist nützlich zu allem: Ihr ist das gegenwärtige und das zukünftige Leben verheißen. Dieses Wort ist glaubwürdig und wert, dass man es beherzigt. Dafür arbeiten und kämpfen wir, denn wir haben unsere Hoffnung auf den lebendigen Gott gesetzt, den Retter aller Menschen, besonders der Gläubigen.

(1 Tim 4,1-5.7.8b-10) 


Ohrwurm der Woche 

Deine Freunde: Schatz 

Die Gruppe Deine Freunde habe ich hier schon vor knapp einem halben Jahr mal gewürdigt; als einen wesentlichen Grund dafür, dass sie bei Groß und Klein so beliebt ist, hebt die Kritik gern hervor, dass es ihren Songtexten oft gelingt, Alltagskonflikte zwischen Kindern und Eltern so darzustellen, dass beide Seiten sich mit ihrer Perspektive darin wiederfinden können. Dafür ist der Song "Schatz" ein exzellentes Beispiel, und das Video unterstützt dies dadurch, dass darin die Kinder von Erwachsenen und die Erwachsenen von Kindern gespielt werden. 


Vorschau/Ausblick 

Darüber, wie wir dieses Wochenende verbringen würden, herrschte bis zuletzt Unklarheit, hauptsächlich deshalb, weil wir viel zuviel anderes im Kopf und um die Ohren hatten, um uns darüber große Gedanken zu machen. Zur Sommerfrische in Werder fuhren wir folglich nicht, aber heute Vormittag fand das erste Meutentreffen der KPE-Wölflinge nach den Sommerferien statt, und gerade angesichts der Tatsache, dass wir an den nächsten drei Samstagen schon total verplant sind und dann schon bald das Herbstlager vor der Tür steht, war es mir ein großes Anliegen, dass mein Tochterkind da hingeht. Verkompliziert wurde dieses Anliegen dadurch, dass heute auch die Einschulungsfeier an der Schule unserer Großen war und sie da, wie jedes Jahr, gern hingehen wollte; wie wir das unter einen Hut bekommen haben, schildere ich im nächsten Wochenbriefing. Am morgigen Sonntag werden wir wohl wieder in St. Joseph Siemensstadt in die Messe gehen; ab Anfang der kommenden Woche hoffe ich dann auf weitere Informationen im Zusammenhang mit meiner Immatrikulation und dem Beginn meines Studiums. Am Dienstagabend trifft sich dann das Leitungsteam der Religiösen Kinderfreizeit der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst zum Pizzaessen auf Kosten des Steuerzahlers, äh, ich meine natürlich: zur Reflexion und Nachbereitung sowie zum Ausblick auf zukünftige Unternehmungen. Am Mittwoch ist wieder JAM; der Donnerstag steht wiederum im Zeichen der Erstkommunionvorbereitung, diesmal soll das erste Katechetentreffen stattfinden. Ich bin gespannt! Und dann, am nächsten Samstag, steht der mit Spannung erwartete Möbeltransport an, den ich nicht zuletzt deshalb gern den "großen Umzug" nenne, weil ich davon ausgehe, dass wir von diesem Zeitpunkt an tatsächlich in der neuen Wohnung wohnen werden, auch wenn wir in der alten weiterhin noch Verschiedenes zu tun haben werden, ehe sie übergabereif ist. Von dieser Umzugsaktion werde ich indes sicherlich erst im übernächsten Wochenbriefing berichten können... 


Samstag, 22. August 2026

Utopie und Alltag 39: Zu neuen Ufern

Es wird ernst, Freunde: Ich habe meinen Immatrikulationsantrag für ein Fernstudium im Fach Angewandte Theologie an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (Standort Paderborn) abgeschickt, und davon abgesehen stecke ich gerade mitten in einem Umzug, zwar nur innerhalb des Berliner Stadtbezirks Reinickendorf, aber doch in eine erheblich veränderte Wohnsituation. Ich würde sagen, eins davon würde schon genügen, um mit Recht vom Beginn eines neuen Lebensabschnitts zu sprechen, aber nun passiert auch noch beides auf einmal. Unruhige Zeiten, aber auch spannende! – Da von dem, was ich die ganze Woche so gemacht habe, allerdings nur ein eher überschaubarer Teil im Rahmen meines Blogs berichtenswert ist, geht's in diesem Wochenbriefing tendenziell mal wieder mehr um Themen von außerhalb des persönlichen Erlebnisbereichs. Hatten wir ja in letzter Zeit eher weniger, muss auch mal wieder sein. 

Wherever I lay my hat, that's my home.  

Mariä Himmelfahrt in Siemensstadt und in Butjadingen 

Wie ich schon vermutet hatte, wurde am vergangenen Sonntag in St. Joseph Siemensstadt das Hochfest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel nachgefeiert: Padre Ricardo zelebrierte die Messe in einer prachtvollen goldenen Kasel, ging in seiner Predigt auf die am Deckengewölbe der Kirche befestigte Figur der Rosenkranzmadonna ein, die in ihrer Gestaltung an die Apokalyptische Frau ("mit der Sonne bekleidet, der Mond zu ihren Füßen") angelehnt ist, und es wurden so viele Marienlieder gesungen, wie sich sinnvoll in der Liturgie unterbringen ließen. Und zu dem notorisch "schwierigen" Evangelium, das an diesem Sonntag dran gewesen wäre, wenn in dieser Messe nicht Mariä Himmelfahrt nachgefeiert worden wäre – Matthäus 15,21-28, Jesus und die kanaanäische Frau – verlor Padre Ricardo auch ein paar Worte: Die zunächst irritierend schroffe Reaktion Jesu auf die Bitten der Frau setzte er zu den Worten Jesu an Seine Mutter bei der Hochzeit zu Kana ("Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen") in Beziehung. Ein interessanter Gedanke, der wohl noch der Vertiefung bedürfte. 

Übrigens war Padre Ricardo bemüht, die Messe kurz zu halten, da er, wie er erwähnte, anschließend noch eine weitere Messe halten musste, vertretungsweise, in Wittenau. Ein Detail, das mir deshalb auffiel, weil es sich um unsere zukünftige Wohnortgemeinde handelte. 

Ebenfalls bereits im Vorfeld erwähnt hatte ich ja, dass meine alte Heimatgemeinde Herz Mariä Burhave traditionell ihr Patronatsfest an Mariä Himmelfahrt feiert – was auch dazu passt, dass mit Datum vom 15. August 1946 die Errichtung einer provisorischen Kapelle mit dem Titel "S. Cor B.M. Virginis" in Burhave, quasi als Vorläufer der heutigen, 1955 geweihten Kirche Herz Mariä, vom Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta offiziell bestätigt wurde. Das liegt, wie man unschwer errechnen kann, heuer 80 Jahre zurück, und man hätt' ja vielleicht denken können, dass dieses Jubiläum irgendwie besonders gefeiert werden würde. Während meines jüngsten Butjadingen-Aufenthalts hatte ich, wie erwähnt, zunächst den Küster und dann, zusammen mit diesem, auch den Pfarrer darauf angesprochen. Da ich nun nicht persönlich vor Ort war, kann ich letztlich nicht wissen, inwieweit das 80jährige Bestehen der Gemeinde im Rahmen der Vorabendmesse, die Pfarrer Fechtenkötter persönlich zelebrierte, gewürdigt wurde; da es Sommer und schönes Wetter war, darf man wohl immerhin davon ausgehen, dass im Anschluss an die Messe im Pfarrgarten gegrillt wurde. Das Pfarrblatt "Willehad aktuell" enthielt indes keinen besonderen Hinweis auf das Gemeindejubiläum, auch auf dem Instagram-Account der Pfarrei war nichts zu diesem Thema zu finden, und in den Online-Ausgaben der örtlichen Tageszeitungen ebensowenig. 

Aber noch einmal zurück zum gerade erwähnten Instagram-Account der Pfarrei St. Willehad: Dieser ließ nämlich gewisse Schlüsse darauf zu, was für andere Prioritäten das Pastoralteam an dem betreffenden Wochenende hatte. Man erfährt da nämlich, dass am Sonntagnachmittag in der Konzertmuschel in Tossens ein ökumenischer Queer-Gottesdienst stattfand. Okay, er war nicht direkt und exklusiv als Queer-Gottesdienst angekündigt; vielmehr stand dieser Gottesdienst unter dem Motto "Wer bin ich? – Gottes Segen auf deinem Weg", und auf dem KI-generierten, auf Instagram geteilten Plakat wurde die Veranstaltung angekündigt als ein "Gottesdienst für alle – für Suchende und Zweifelnde, für junge und ältere Menschen, für Familien, Paare, Freund*innen, queere Menschen, Urlauberinnen und Urlauber an der Nordsee". Und als wäre es nicht schon auffällig genug, dass "queere Menschen" hier extra erwähnt werden, obwohl man doch annehmen sollte, dass sie sich auch in den anderen aufgezählten Kategorien irgendwo wiederfinden müssten, verrät das Plakat, dass es bei diesem Gottesdienst Regenbogen-Armbänder als Giveaways gibt bzw. gab. 

Ich finde es ja durchaus hinterfragenswert, warum die "progressive" Kirchenbubble gerade an der LGBTQ-Bewegung so einen riesengroßen Narren gefressen hat. Ich will mit dieser Fragestellung gar nicht unbedingt auf verschwörungstheoretische Erklärungsmuster hinaus, ich halte es für durchaus wahrscheinlich, dass es zum größten Teil einfach Opportunismus ist, aber zugleich scheint es mir auch naheliegend, bei Kirchenvertretern, die dieses Thema besonders forcieren (und dazu gehört der Diakon von St. Willehad ja recht offenkundig), nach persönlichen Motiven zu fragen. Wohlgemerkt Motive im Plural, denn das können ganz unterschiedliche sein – sowohl, dass jemand selbst homosexuelle Neigungen hat, als auch, dass jemand gegen seine eigene Homophobie ankämpft, und alles Mögliche dazwischen. Darüber, was davon auf eine bestimmte Person zutreffen mag, will ich überhaupt nicht spekulieren. Was ich hingegen sagen möchte, ist, dass ich es schon grundsätzlich problematisch finde, wenn in kirchlichen Texten von "queeren Menschen" die Rede ist, als sei "Queerness" eine objektive Realität. Diesen Einwand müsste man wahrscheinlich präziser ausformulieren, als ich es an dieser Stelle leisten kann; um aber Missverständnissen vorzubeugen, möchte ich betonen: Selbstverständlich muss die Kirche bestrebt sein, mit Menschen, die sich selbst als "queer" definieren, ins Gespräch zu kommen, und ohne Zweifel erfordert das einen respektvollen Umgang – aber das ist nicht notwendigerweise gleichbedeutend mit Affirmation. Es ist das zentrale Missverständnis der in den Angeboten der institutionellen Kirche grassierenden postchristlichen Wellness-Spiritualität, dass es Auftrag der Kirche sei, Menschen dazu zu verhelfen, sich mit sich selbst gut zu fühlen, indem man sie in ihrem So-Sein bestärkt – während ein zentrales Motiv der christlichen Verkündigung doch gerade der Aufruf zur Umkehr ist. Auftrag der Kirche ist es nach Matthäus 28,19, alle Menschen zu Jüngern Jesu Christi zu machen, und ich wüsste nicht, wie das gehen soll, wenn man sie gleichzeitig in einer Selbstdefinition bestärkt, die im Widerspruch zum christlichen Menschenbild steht. – Dies gilt wohlgemerkt nicht allein für die Selbstdefinition als "queer", auch wenn andere, vergleichbar prägnante Beispiele schwerer zu benennen sein mögen. 

Gute Nachrichten gibt's aus der Pfarrei St. Willehad aber immerhin auch: Am kommenden Dienstag beginnt da ein neuer Alpha-Kurs, ich weiß gar nicht, wie viele es bereits gegeben hat, seit Pastor Kenkel dieses Format in dieser Pfarrei eingeführt hat. Und am Freitag endet die Urlauberkirchen-Saison... 


Mose auf Usedom 

Der, wie ausführlich geschildert, ausgesprochen positive Eindruck, den ich von der Religiösen Kinderfreizeit der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst mitgenommen habe, hat durchaus auch die Frage in meinem Hinterstübchen hinterlassen, wie das Format Religiöse Kinderwoche wohl in anderen Pfarreien gestaltet wird. Dass meine Noch-Wohnortpfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd "ihre" RKW in der Woche vom 14.–21. August in Zinnowitz auf der Insel Usedom veranstaltete, wäre mir womöglich trotzdem entgangen, wenn nicht einige Bilder der Veranstaltung in der Instagram-Story der Pfarrei aufgetaucht wären. 

Das St.-Otto-Heim in Zinnowitz kenne ich, da ich im Frühjahr 2024 dort mit dem Tochterkind bei einem Väterwochenende war, und 2025 fand auch die RKF der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst dort statt; in der unmittelbaren Umgebung gibt es sowohl Wald als auch einen Strand, und es gibt eine Kirche auf dem Gelände; statt Selbstverpflegung gibt es allerdings zentral gestelltes Kantinenessen, was einerseits teurer und andererseits nicht so gut ist, aber natürlich erheblich weniger Arbeit macht. 

Unabhängig von solchen äußeren Umständen ist das eigentlich Entscheidende aber natürlich die inhaltliche Gestaltung der RKW; was das angeht, hatte ich ja schon vor einiger Zeit festgehalten, dass mich das zentral von der AG Religiöse Kinderwoche zur Verfügung gestellte Konzept und Material nicht so recht vom Hocker haut. Umso mehr kommt es natürlich darauf an, "was man draus macht" – schließlich haben "wir" auch mit diesem Material gearbeitet und es ist etwas Gutes draus geworden. Die RKW der Pfarrei St. Klara wird bzw. wurde allerdings, soweit ich es den Vermeldungen entnehmen konnte, von dem Diakon, dem notorischerweise der Rasierpinsel ins Klo gefallen ist, sowie von einer jungen Frau geleitet, die mir persönlich noch vom Treffen einer Arbeitsgruppe für die Einrichtung und Gestaltung eines Instagram-Accounts für den damaligen Pastoralen Raum Reinickendorf-Süd im Sommer 2021 in Erinnerung geblieben ist: Ihr Beitrag zu diesem Arbeitstreffen bestand in der Hauptsache darin, zu bremsen und Bedenken anzumelden, und in der Folgezeit hatte sie dann entscheidenden Anteil daran, dass das ganze Projekt scheiterte. Und heute ist sie anscheinend irgendwie die (ehrenamtliche) Hauptverantwortliche für den Arbeitsbereich Jugendarbeit in dieser Pfarrei. Na herzlichen Glückwunsch. Jedenfalls sehe ich nicht, woher ich den Mut nehmen soll, diesem Leitungsduo zuzutrauen, dass es aus den konzeptionellen Vorgaben für diese RKW mehr und Anderes zu machen weiß als das, was ich bei meiner ersten Kenntnisnahme der Materialien als "sozialpädagogische Banalisierung", "psycho-esoterisches Selbsterfahrungsgedöns und hier und da ein bisschen Demokratieförderung" charakterisiert habe. 

Unter den auf Instagram geposteten Fotos fand sich ein Ablaufplan für den ersten vollen Tag der Fahrt – Samstag, den 15. August –, und da ließen sich erst mal keine allzu gravierenden Unterschiede zum Tagesablauf "unserer" RKF feststellen – wenn man davon absieht, dass bei der RKW der Pfarrei St. Klara die Kinder eine halbe Stunde später geweckt wurden als "bei uns" und dafür eine halbe Stunde früher Nachtruhe hatten, wodurch das Tagesprogramm also insgesamt eine Stunde kürzer war. – Der Vormittag, also die rund drei Stunden zwischen Frühstück und Mittagessen sind hier wie dort der inhaltlichen Arbeit am Mose-Thema gewidmet, am Nachmittag, von 15 Uhr bis zum Abendessen, steht "Gruppenaktivität" auf dem Ablaufplan, das kann theoretisch alles Mögliche bedeuten, aber ich halte es für wahrscheinlich, dass es vergleichbar damit ist, was "bei uns" in diesem Zeitfenster unter der Bezeichnung "Freizeitprogramm" lief. Weiterhin verzeichnet der Ablaufplan einen Morgen- und einen Abendimpuls sowie, um 21 Uhr, eine "Gute-Nacht-Geschichte"; die gab es "bei uns" nicht, und das könnte eventuell darauf schließen lassen, dass die Teilnehmer (pardon: "teilnehmende Personen" heißt es im RKW-Materialienbuch) der RKW von St. Klara im Schnitt etwas jünger sind, als sie es bei der RKF von St. Joseph/St. Stephanus waren. Aber das ist nur meine Vermutung. In derselben Instagram-Story, der ich diesen Ablaufplan entnommen habe, war auch ein Foto eines Stuhlkreises mit gestalteter Mitte zu sehen; von den teilnehmenden Personen waren (aus Datenschutzgründen?) nur die Füße im Bild, von der gestalteten Mitte ein Knäuel aus bunten Tüchern und eine ebenso bunte Kerze. Kann diese Ästhetik vielleicht bitte langsam mal aussterben? – Ein weiterer Instagram-Beitrag zeigte den Brennenden Dornbusch als "unser Gefühlsbarometer für die Woche": Die Kinder sollen ihren Tag bewerten, indem sie einen Punkt in das Bild hineinmalen, der je nach Farbe besagt "Alles ist bestens, mir geht's super", "Nicht alles war perfekt, aber mir geht's ganz gut" oder "Heute war nicht mein Tag, irgendwas war heute blöd". Was das mit dem Brennenden Dornbusch zu tun hat? Keine Ahnung. Aber es passt jedenfalls zu dem weiter oben in anderem Zusammenhang angesprochenen Stichwort "postchristliche Wellness-Spiritualität", und man kann, wie ebenfalls bereits angemerkt, nicht behaupten, eine solche Ausrichtung wäre in den offiziellen RKW-Materialien nicht schon angelegt

In diesem Zusammenhang möchte ich übrigens ein Lied erwähnen, auf das ich dadurch aufmerksam geworden bin, dass es in einer weiteren Instagram-Story von der St.-Klara-RKW zu hören war, dort ziemlich schräg zur Gitarre gesungen: "Ich bin frei". Nein, nicht das aus Disneys Eiskönigin, aber auch nicht das von Daniel Kallauch, sondern ein Lied, das zwar nicht eigens für die diesjährige RKW geschrieben wurde, aber nach Auffassung der Ersteller der RKW-Materialien doch irgendwie zu den "Inhalte[n] des Wochenthemas und/oder der Tagesthemen" passt und deshalb unter die "RKW-Lieder 2026" aufgenommen wurde. Hier sei nur mal der Refrain dieses Liedes zitiert: 

"Ich bin frei, frei, das Beste zu geben, 
Ich bin frei, frei, einmalig zu leben, 
Das Größte zu wagen, 
Die Wahrheit zu sagen – 
Ich bin frei 
Das Gute zu tun." 

Hashtag #kannstedirnichtausdenken, und um zu beweisen, dass ich mir das tatsächlich nicht ausgedacht habe, hier der YouTube-Link. Was hätte wohl der Apostel Paulus zu der Aussage "Ich bin frei das Gute zu tun" gesagt? 

Nun aber erst mal genug davon! Unter dem üblichen Jakobäischen Vorbehalt gesagt, habe ich ja durchaus die Absicht, in Zukunft noch an so einigen Religiösen Kinderwochen bzw. –freizeiten mitzuwirken – zumal in den nächsten neun (!) Jahren jeweils mindestens eins meiner Kinder im richtigen Alter für dieses Veranstaltungsformat ist. Und jetzt nachdem, wo mich das Erzbistum in den kommenden Jahren zu Ausbildungszwecken hinstecken wird, werde ich möglicherweise Gelegenheit haben, mir aus erster Hand ein Bild davon zu machen, wie unterschiedlich das Format in verschiedenen Gemeinden und Pfarreien ausgestaltet wird. Gleichzeitig hoffe ich natürlich, da jeweils auch eigene Akzente setzen zu können und zu dürfen. Und, mit aller Vorsicht gesagt: Wenn ich mit Leuten wie dem Diakon von St. Klara und der Frau, die ich von dem besagten Instagram-Arbeitsgruppentreffen her in Erinnerung habe, in ein Team gesteckt werden sollte, stelle ich mir eine gedeihliche Zusammenarbeit schwieriger vor, als ich es mit dem Team aus Siemensstadt/Haselhorst erlebt habe. Aber auch damit müsste man im Zweifel irgendwie klarzukommen suchen, und das gilt natürlich für beide Seiten. 

Zur Pfarrei St. Klara möchte ich übrigens noch erwähnen, dass diese am vergangenen Sonntag im Rahmen der Abendmesse in Herz Jesu Tegel ihr Patronatsfest nachgefeiert hat (der eigentliche Gedenktag der Hl. Klara von Assisi war am Dienstag, dem 11. August); im Anschluss an die Messe sollte es laut Vermeldungen "Umtrunk und Begegnung" geben. Nicht von diesem Umtrunk, wohl aber von der Messe waren einige Fotos in der Instagram-Story der Pfarrei zu sehen – wobei mir auffiel, dass in einem Bildtext die "volle Kirche am Sonntagabend" hervorgehoben wurde, auf dem dazugehörigen Bild jedoch nur ein kleiner Ausschnitt des Kirchenraums zu sehen war, und selbst da sahen die Bänke nicht wirklich voll besetzt aus. Aber so etwas ist natürlich immer relativ. Den Fotos war außerdem zu entnehmen, dass der neue Kaplan aus Ghana als Konzelebrant mit von der Partie war. Den würde ich ja gern mal kennenlernen, auch wenn ich "ab demnächst" nicht mehr auf dem Territorium dieser Pfarrei wohne. Was mich direkt zum nächsten Thema bringt... 


Update Umzug 

Es dürfte kaum überraschen, dass meine Familie und ich in der zurückliegenden Woche eifrig damit beschäftigt waren, unseren Lebensschwerpunkt schrittweise von unserer bisherigen in unsere zukünftige Wohnung zu verlagern. Zu den ersten Dingen, die umgezogen sind, gehörten zahlreiche Bücher, und dann auch die dazugehörigen Bücherregale

Das ist noch lange nicht alles, und sortiert sind die Bücher bisher auch nur provisorisch. 

Das Kinderzimmer hat ein eigenes Bücherregal. 

Außerdem bereits in die neue Wohnung ungezogen sind ein Teil des Küchengeschirrs, ein paar Kisten mit Spielzeug und einiges an Kleidung, im Fall der Kinderkleidung sogar inklusive Garderobenstange. 

Ja, das im Vordergrund ist ein Taufkleid.

Einen goldenen Stern auf meiner "Erwachsenendinge tun"-Ehrentafel habe ich mir indes dadurch verdient, dass es mir gelungen ist, die schon recht betagte Einbau-Geschirrspülmaschine in unserer zukünftigen Küche zu reparieren. Um's genau zu sagen, lief die Spülmaschine zwar, aber das Geschirr wurde trotzdem nicht richtig sauber; mit ein bisschen Hilfe von Onkel Google ist es mir jedoch gelungen, die Ursache des Problems ausfindig zu machen und eigenhändig zu beheben. Ich bin einigermaßen stolz auf mich. 

Dass wir uns in der zurückliegenden Woche auch über die Zeit hinaus, in der wir mit Räumen, Sortieren und Regalaufbau beschäftigt waren, öfter mal auch "einfach so" in der neuen Wohnung aufgehalten haben, darf man wohl als ein gutes Zeichen dafür betrachten, dass wir uns dort wohl fühlen – schon jetzt, trotz des unfertigen Zustands. Für die Kinder sind natürlich vor allem der Garten und die Katzen große Anreize. Gleichzeitig muss ich allerdings auch zu Protokoll geben, dass so ein "allmählicher Umzug", dieses Pendeln zwischen zwei Wohnungen, von denen die eine noch nicht und die andere nicht mehr vollständig eingerichtet ist, durchaus auf seine ganz eigene Art anstrengend ist. Aber okay: Für den Transport der großen, schweren und sperrigen Möbel haben wir jetzt einen semiprofessionellen Umzugshelfer engagiert, dieser Teil des Umzugs soll in zwei Wochen über die Bühne gehen, und bis dahin müssen wir eigentlich "nur noch" weiter entrümpeln und Kleinkram in Kisten verpacken. Ich hoffe daher, dass der Umzugsstress in nächster Zeit eher weniger als mehr wird, aber meine Liebste ist da weniger optimistisch... 


Wieder Debatten über den Religionsunterricht 

Sagen wir mal so: Wenn ich einen Beitrag aus der Standpunkt-Rubrik auf häretisch.de lese und meine spontane Reaktion lautet "Einiges von dem, was da gesagt wird, ist gar nicht so verkehrt", dann hat das schon Seltenheitswert – umso mehr, wenn der betreffende Beitrag von einem Redaktionsmitglied des Bonner Ketzportals stammt. Und nun gar Steffen Zimmermann, der sich ja bisher kaum mal bei einem vernünftigen Gedanken hat erwischen lassen! – "Wer den Religionsunterricht abschaffen will, macht einen Denkfehler", ist seine Kolumne überschrieben, und natürlich regt sich da bei mir sogleich die Lust, mich darüber zu mokieren, dass der Herr Zimmermann ja nun genau der Richtige sei, anderen Leuten Denkfehler anzukreiden, aber wie gesagt, so ganz Unrecht hat er nicht. Darum möchte ich hier gleich mal die Aussagen, mit denen er meines Erachtens nicht ganz Unrecht hat, an den Anfang meiner Betrachtung stellen, dann habe ich das hinter mir und kann mich anschließend darauf konzentrieren, was ich an diesem "Standpunkt" dennoch zu kritisieren habe. 

"Gerade in einer pluraler werdenden Gesellschaft verschwindet Religion nicht einfach", stellt der häretisch.de-Autor fest. "Vielmehr wird sie vielfältiger – und damit komplizierter." Daher argumentiert er, "angesichts wachsender religiöser Vielfalt und zunehmender Religionskonflikte" sei religiöse Bildung – im Sinne von Wissen über Religion(en) – "wichtiger denn je". Und weiter: "Gerade weil Religion für viele Menschen weniger selbstverständlich ist, sollten Kinder und Jugendliche etwas über sie lernen." 

Einzuwenden wäre hier natürlich, dass das alles, so richtig es an und für sich ist, noch kein zwingendes Argument für einen konfessionellen Religionsunterricht in Verantwortung der Religionsgemeinschaften ist; man könnte durchaus argumentieren, den von Zimmermann angesprochenen Zwecken würde ein konfessionsabhängiges Fach Religionskunde (oder so ähnlich), das unterschiedliche Religionen von einem (dem Anspruch nach) neutralen Standpunkt aus darstellt, eher gerecht. Zur Rechtfertigung des konfessionellen Religionsunterrichts ließe sich demgegenüber vorbringen, das Grundrecht der Schüler auf Religionsfreiheit müsse das Recht einschließen, über ihre jeweils eigene Religion nicht aus einer distanzierten oder sogar ablehnenden Perspektive heraus belehrt zu werden. Aber ein solches Argument würde ein Steffen Zimmermann sich natürlich nicht zu eigen machen, schließlich geht es ihm darum, den Religionsunterricht in seiner bestehenden Form nach zwei Seiten hin zu verteidigen: gegen "die einen", die dieses Unterrichtsfach für indoktrinierend" und für einen "verlängerte[n] Arm kirchlicher Missionsbemühungen" halten, aber auch gegen "die anderen", die dem Religionsunterricht ankreiden, er vermittle "längst nicht mehr genug Glaubenswissen". Und Zimmermann wäre wohl nicht er selber, würde er sich nicht mit Vorliebe auf diese Anderen einschießen. Die Kenntnisse "religiöse[r] Begriffe, Texte und Traditionen", die der schulische Religionsunterricht vermitteln könne und solle, biete nämlich gerade Schutz vor "fundamentalistischen Vereinfachungen"; wer diese Kenntnisse nicht habe, werde "mitunter anfällig für die lautesten und radikalsten Stimmen". Mit anderen Worten, Zimmermann sieht den Wert und Nutzen des schulischen Religionsunterrichts nicht zuletzt in jenem "Containement [sic] für das Religiöse", das, wir erinnern uns, Pastor Kurowski am System Volkskirche lobte. 

Wenn ich solche Argumente für den Religionsunterricht an staatlichen Schulen höre oder lese, denke ich immer mit Schmerzen an Diskussionen, die ich im Vorfeld des ProReli-Volksbegehrens von 2009 geführt habe; damals versuchte ich nämlich regelmäßig Leuten, die darauf pochten, religiöse Indoktrination habe nichts an Schulen zu suchen, zu erklären, im Religionsunterricht gehe es ja gar nicht um eine Erziehung zum Glauben, und ich schäme mich ein bisschen, dass ich das damals als Argument für den Religionsunterricht ansah und entsprechend vertrat. Nun, wie schon mal angemerkt, irgendwann werde ich wohl mal einen Artikel mit der Überschrift "Pro Reli hat mich radikalisiert" schreiben müssen. Einstweilen eine provokante These: Ein konfessionsabhängiges Fach Religionskunde, wie ich es weiter oben skizziert habe, könnte die Zwecke und Aufgaben, die Steffen Zimmermann (und ja beileibe nicht nur er) dem Religionsunterricht zuweisen möchte, für Kinder aus atheistischen oder religiös indifferenten Elternhäusern erfüllen, aber für gläubige Schüler sollte es die Möglichkeit geben, sich von diesem Unterricht befreien zu lassen. 


Plötzlich Sedisvakanz in Speyer 

In der Deutschen Bischofskonferenz ist wieder ein Stuhl frei geworden, und zwar einer, der von der Papierform her eigentlich noch lange nicht "dran" gewesen wäre: Der bisherige Bischof von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann, im Amt seit 2008, ist erst kürzlich 66 Jahre alt geworden und liegt damit altersmäßig ziemlich im Mittelfeld der deutschen Diözesanbischöfe – älter als er sind (in aufsteigender Reihenfolge) die Oberhirten von Augsburg, Regensburg, Osnabrück, Erfurt, Köln, Berlin, Görlitz, München-Freising, Dresden-Meißen und Magdeburg. Ein Rücktritt aus Altersgründen wäre bei ihm regulär erst 2035 fällig gewesen. Aus gesundheitlichen Gründen – und zwar vorrangig aus solchen der mentalen Gesundheit – hat er jedoch Papst Leo um vorzeitige Entpflichtung von seinem Amt gebeten, und dieser hat seinen Rücktritt mit Wirkung zum 19. August angenommen

Die Reaktionen auf Bischof Wiesemanns Rückzug ergeben ein recht gemischtes Bild. Für die Katholische Nachrichtenagentur KNA schreibt Norbert Demuth, der Kirche in Deutschland werde künftig "eine Stimme für Reformen" fehlen, und hebt hervor, Wiesemann habe sich "von Beginn an für das Reformprojekt Synodaler Weg" eingesetzt und dessen Beschlüsse unterstützt; als wünschenswerte "Weiterentwicklungen" der katholischen Lehre und "konkrete Reformen" habe er "die Suche nach Formen echter Mitberatung und Mitentscheidung aller Gläubigen, eine deutliche Aufwertung der Rolle der Frau, einschließlich eines vertieften Nachdenkens über die Öffnung der Weiheämter für Frauen, sowie das Bemühen um eine veränderte Sexualmoral" betrachtet. 

Dieses emphatische Bekenntnis zur Agenda des Synodalen Weges – die mich immer irgendwie an französische Aristokraten erinnert, die in der Nationalversammlung von 1789 mit fliegenden Fahnen zur Revolution überliefen – brachte Bischof Wiesemann im Dezember 2025 einen offenen Brief der Initiative Neuer Anfang ein, in dem ihm im Zusammenhang mit der Verabschiedung des Satzungsentwurfs für die geplante "Synodalkonferenz" durch die Deutsche Bischofskonferenz kräftig der Kopf gewaschen wird. Auf der Website des Neuen Anfangs erschien dieser von Bernhard Meuser unterzeichnete Brief unter der Überschrift "Bischof Wiesemann ist glücklich"; genau dies, glücklich, war Bischof Wiesemann tatsächlich aber wohl schon länger nicht mehr: Vielmehr ist er, wie jetzt bekannt wurde, schon seit Jahren wegen depressiver Tendenzen in psychotherapeutischer Behandlung, und so fehlt es nicht an Stimmen, die sich, ganz unabhängig von der Beurteilung von Wiesemanns Wirken als Bischof, erleichtert und dankbar darüber äußern, dass Papst Leo ihn von der Last seines Amtes befreit hat. – Nicht verschweigen möchte ich, dass sich in den Nutzerkommentaren auf der Facebook-Seite des EWTN-Ablegers CNA Deutsch durchaus auch Andeutungen finden, bei all seiner ostentativen Unterstützung für den Synodalen Weg habe Bischof Wiesemann in seiner Diözese im Stillen auch so allerlei Dinge "wachsen und laufen lassen", die kirchenpolitisch in eine ganz andere Richtung weisen. 

Da mir beim Stichwort "Bistum Speyer" quasi automatisch immer Hochwürden Carsten Leinhäuser alias Vaticarsten einfällt, der dort von 2015 bis 2019 Diözesanjugendseelsorger war, konnte ich mir nicht verkneifen, mal zu gucken, was der auf seinem Blog zum Rücktritt seines Oberhirten schreibt. Vielleicht hätte ich mir das lieber gespart, da dieser Text – wie man füglich vorher hätte wissen können – vorrangig der narzisstischen Selbstbespiegelung des Verfassers dient; but there it is. Jedenfalls: Wenn Hw. Leinhäuser schreibt, "[a]ls frischgebackener Jugendseelsorger" sei er "vor 16 Jahren einem Bischof begegnet, der in vielen Punkten andere Ansichten hatte, als die jungen Menschen, in deren Auftrag ich mit ihm zusammengekommen bin" (oder gar er selber), aber "[i]m Lauf der Jahre" habe "Bischof Karl-Heinz manche seiner Ansichten verändert. Mal vorsichtig, mal sehr deutlich. Das hat ihm Anerkennung, aber auch genügend Anfeindungen eingebracht", dann bedient das ein Narrativ, das man, wie mir scheint, in Bezug auf deutsche Bischöfe schon öfter gehört hat: dass da jemand, der von Haus aus eigentlich eher konservativ ist, im Amt "dazulernt" und sich den Anliegen der Progressiven öffnet. Was dieses Narrativ als Lernfortschritt verkaufen möchte, als Erweiterung des Horizonts, als Wachsen an den Herausforderungen des Amtes und letztlich als Zuwachs an Menschenliebe, könnte man natürlich auch genau umgekehrt interpretieren, als ein Sich-Abnutzen im Amt, als Verlust an Standfestigkeit im Glauben, als opportunistischen Verrat an eigenen Überzeugungen. Und wenn einer im Zuge dieses Entwicklungsprozesses Depressionen kriegt, mag wohl die Frage berechtigt sein, welche dieser Lesarten die wahrscheinlichere ist. 

In jedem Fall stellt die vorzeitig eingetretene Sedisvakanz im Bistum Speyer eine Gelegenheit für Papst Leo dar, den Umbau des deutschen Episkopats zu beschleunigen: Nachdem er bereits die bischöflichen Stühle von Münster und Eichstätt neu besetzt hat, ist derzeit Hildesheim vakant, nun also auch Speyer und demnächst Magdeburg (was angesichts der im Raum stehenden Möglichkeit einer dezidiert antikirchlich gewonnenen AfD-geführten Landesregierung in Sachsen-Anhalt ein besonders spannender Fall zu werden verspricht); da darf man wohl sagen: Die kirchliche Landschaft Deutschlands verändert sich rapide. Andererseits wachsen Bischofskandidaten ja nun nicht auf Bäumen, und irgendwo muss Papst Leo die Leute, denen er die Leitung der deutschen Diözesen anvertrauen möchte, ja hernehmen. Womit ich sagen will: Es ist anzunehmen, dass so ziemlich jeder, der überhaupt für ein Bischofsamt in Erwägung gezogen wird, schon einige Karrierestufen im institutionellen Apparat der Kirche hinter sich hat, während derer ihm etwaige Ecken und Kanten gründlich abgeschliffen worden sind. Da muss man sich dann nicht wundern, dass die meisten in jüngerer Zeit ernannten deutschen Bischöfe so stromlinienförmig wirken, in ihrer Physiognomie ebenso wie in ihren Äußerungen. Dennoch mag ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich genau daran in Zukunft etwas ändert... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Woher ist das Licht des Glaubens gekommen, wenn nicht von der Predigt des Namens Jesu? Hat Gott uns nicht durch den Glanz dieses Namens "in Sein wunderbares Licht" gerufen, von dem Paulus sagt "Früher wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn"? Dies ist der Name, den derselbe Apostel "vor den Heiden und Königen und den Kindern Israels" tragen sollte. Er trug diesen Namen wie eine Lampe umher, indem er überall Jesus als den Gekreuzigten predigte. 

Aber Jesus ist uns auch Speise. Trocken ist jede Art geistiger Nahrung, wenn sie nicht mit jenem Öl begossen wird, fad ist, was dieses Salz nicht würzt. Jesus ist Honig im Mund, Melodie im Ohr, Jubel im Herzen.  

Doch der Name Jesu ist uns auch Medizin. Nichts ist so wirksam wie der Name Jesus, um die Heftigkeit des Zorns zu zügeln, die stechenden Wunden ist Neids zu heilen, die Leidenschaften des Fleisches zu zügeln, das Feuer der Begierde zu löschen, den Durst der Habgier zu mäßigen und jedes ungesetzliche Verlangen zu vertreiben. Denn wenn ich den Namen Jesus nenne, erinnere ich mich an einen Mann, der sanftmütig und demütig im Herzen ist, der freundlich, besonnen, keusch und barmherzig und vollkommen in aller Güte und Heiligkeit ist und der zugleich der große allmächtige Gott ist, der mich durch sein Beispiel wieder gesund macht und mich durch seine Hilfe stärkt. Das alles tönt mir entgegen, wenn der Name Jesu ertönt. In seiner Menschlichkeit finde ich Vorbilder, denen ich nacheifern kann, und in seiner Allmacht Hilfe, ihnen nachzueifern. 

(Bernhard von Clairvaux, Predigten über das Hohelied, XV/6-8) 


Ohrwurm der Woche 

Bangles: Hazy Shade of Winter 

Man könnte sagen, es sei noch ein bisschen früh im Jahr für diesen Titel; aber ich glaube auch eigentlich nicht, dass es am plötzlichen Temperaturabfall lag, dass sich mir dieser Song neulich abends beim Geschirrspülen so vehement als Ohrwurm aufdrängte. Im Original ist der Song natürlich von Simon & Garfunkel, aber so sehr ich dieses Duo schätze und mich mit meinen alten Bandkollegen darin einig weiß, dass Paul Simon ein absolut begnadeter Songwriter ist, möchte ich in diesem einen Fall doch behaupten, dass es erst die Bangles gebraucht hat, um alles aus dem Song rauszuholen, was in ihm steckt. Wie ich bei früherer Gelegenheit schon mal schrieb: "Angesichts der Tatsache, dass sie den größten Hit ihrer Karriere ausgerechnet mit der Über-Schnulze 'Eternal Flame' hatten, vergisst man ja leicht, dass die Bangles eigentlich eine richtige Rockband waren. Ursprünglich wollten sie mal das weibliche Pendant zu Led Zeppelin werden. Hier hört man's noch ein bisschen." – Übrigens habe ich in der zurückliegenden Woche erstmals bemerkt, dass eine Textstelle, die ich bisher stets unhinterfragt als "feels alright" verstanden hatte, tatsächlich "fields are ripe" lautet. Das ergibt im Kontext auch viel mehr Sinn. 


Vorschau/Ausblick 

Morgen ist der 21. Sonntag im Jahreskreis, und ich gehe davon aus, dass wir da "ganz normal" in St. Joseph Siemensstadt in die Messe gehen werden. Am Montag beginnt das neue Schuljahr, was für meinen Tagesablauf allerdings keine besonders großen Veränderungen gegenüber der Vorwoche mit sich bringt: Das Tochterkind war schon seit vorigem Montag wieder in der Schule, am Mittwoch begann für meine Liebste die Arbeit wieder und der Jüngste ging daraufhin auch wieder zur KiTa. Allerdings geht in der kommenden Woche auch das Kampfsporttraining wieder los, und ich denke, das wird den Kindern gut tun. Am Donnerstag ist zudem der Elternabend für den neuen Erstkommunion-Kurs in St. Joseph Siemensstadt; darauf bin ich ziemlich gespannt und hoffe, dass ich davor noch etwas Zeit und Muße finde, mich angemessen darauf vorzubereiten. Wie das kommende Wochenende aussehen wird, ist derzeit noch unklar: Einerseits sind wir am Samstag, wie schon vor zwei Jahren, zu einer Gartenparty in Werder an der Havel eingeladen, andererseits ist auch Einschulungsfeier an der Schule des Tochterkindes, und drittens halte ich es für wahrscheinlich (auch wenn ich diesbezüglich noch keine verbindlichen Informationen habe), dass auch die regelmäßigen Meutentreffen der KPE-Wölflinge wieder losgehen. Und an den Umzug müssen wir bei alledem ja auch noch denken... Schauen wir mal, wofür wir uns entscheiden; ihr werdet es beizeiten erfahren, Leser! 


Samstag, 15. August 2026

Utopie und Alltag 38: Vom Ankommen und Aufbrechen

Bei uns ist ganz schön was los, Freunde! So arbeitsintensiv, schlafarm und erlebnisreich die "Religiöse Kinderfreizeit" (RKF) auch war, bei der ich die erste Augustwoche verbracht habe, erscheint sie mir im Nachhinein geradezu wie die Ruhe vor dem Sturm. Was vermutlich daran liegt, dass ich mit meiner Mitwirkung an der RKF so ausgelastet war, dass ich eine gute Ausrede hatte, mich in diesem Zeitraum um nichts anderes zu kümmern. Jetzt aber muss ich mich um andere Dinge kümmern, denn es stehen gleich mehrere tiefgreifende Lebensveränderungen an. Seht selbst! 

Dieses Symbolbild stammt eigentlich noch von unserem vorigen Umzug vor neun Jahren; aber es passt mindestens ebensogut zum jetzigen.

Das Leben ist ein Umzugskarton 

Ich habe in den zurückliegenden Wochen schon mehrfach angedeutet, dass meiner Familie ein Umzug ins Haus steht, und da die Umzugsvorbereitungen inzwischen so weit fortgeschritten sind, dass ein Teil unserer Möbel und sonstigen Habseligkeiten bereits in der neuen Wohnung steht, wird es wohl so langsam Zeit, ausführlicher darauf zu sprechen zu kommen. Also mal von vorne: Nachdem wir schon seit einiger Zeit zwar nicht direkt mit unserer Wohnung, wohl aber mit den Vermietern bzw. der Hausverwaltung unzufrieden gewesen sind, ist uns unlängst eine Gelegenheit zur Veränderung unserer Wohnsituation in den Schoß gefallen, die man kaum anders als ein Geschenk des Himmels nennen kann. Die Mutter einer Schulfreundin unseres Tochterkindes (die Mädchen sind buchstäblich seit dem ersten Tag ihrer gemeinsamen Probewoche an der Schule miteinander befreundet, also seit gut 3½ Jahren) schlug uns vor, mit ihr zusammen ein Zweifamilienhaus mit Garten zu mieten, gar nicht so weit entfernt von unserer jetzigen Wohnung (sodass sich die gewohnten Wege zur Schule, zur KiTa, zur Kirche, zum JAM usw. nicht allzu drastisch verändern), aber eine große Veränderung ist es trotzdem. 

Bis wir aus unserer jetzigen Wohnung ausgezogen sein müssen, ist noch etwas Zeit, aber es gibt auch noch viel zu tun bis dahin; und als erste Stufe der Umzugsvorbereitungen haben wir schon mal mit dem Entrümpeln angefangen. Man sammelt ja über die Jahre so allerlei Kram an, von dem man bei ruhiger Überlegung feststellen würde, dass man vieles davon gar nicht braucht, und da ist so ein Umzug eine willkommene Gelegenheit, sich von Manchem zu trennen – zumal unsere zukünftige Wohnung über signifikant weniger Stauraum verfügt als unsere bisherige. Aus diesem Grund haben wir bereits unseren privaten Bücherbestand um ca. 300 Bände reduziert, und die Kinder haben tapfer Spielzeug und Kuscheltiere aussortiert und damit einen Flohmarkt auf dem nahen Spielplatz veranstaltet. Am Dienstag haben wir bereits mit unserer zukünftigen Mitbewohnerin in der neuen Wohnung gefrühstückt, eine weitere Schulfreundin unserer Großen und deren Mutter waren auch mit dabei, und die Kinder lernten die beiden Katzen kennen, die ebenfalls mit einziehen bzw. schon eingezogen sind

Die Perspektive täuscht, in Wirklichkeit sind die beiden Katzen annähernd gleich groß (bzw. klein). 

Was ich ebenfalls bereits angedeutet habe, ist, dass unsere neue Wohnung, auch wenn sie wie gesagt nicht weit weg von unserer bisherigen ist, nicht mehr zum Territorium der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd gehört – was der zwischenzeitlich aufgetauchten Überlegung, ich könnte mein Engagement in dieser Pfarrei nach fast vier Jahren "innerer Emigration" wieder aufnehmen und intensivieren, natürlich einigermaßen die Luft rauslässt. Unsere zukünftige Wohnortpfarrei wird St. Franziskus Reinickendorf-Nord sein, und wie es sich fügt, liegt das Haus, in das wir einziehen, just im Gemeindegebiet der akut von der Schließung bedrohten Kirche St. Nikolaus, über die ich vor knapp einem Jahr berichtet habe. Das wirft natürlich die Frage auf, in welchem Umfang und in welcher Form ich mich dort zu engagieren gedenke. Eine Idee, die sich mir da spontan aufdrängt, wäre es, einmal in der Woche (oder so) in St. Nikolaus eine halbe Stunde Lobpreis mit dem Stundenbuch (a.k.a. "Beten mit Musik") anzubieten. Muss ich wohl mal mit den örtlichen Verantwortlichen sprechen; vielleicht sind die ja ganz dankbar für Initiativen zur Belebung des Standorts, solange es ihn noch gibt. Gleichwohl wird unser Umzug grundsätzlich nichts daran ändern, dass ich in Sachen Gemeindearbeit weiterhin vorrangig in Siemensstadt und Haselhorst aktiv sein werde – umso mehr, als mein Tochterkind dort zur Erstkommunion gehen soll und die Erstkommunionvorbereitung für ihren Jahrgang demnächst anfängt. Aber dazu zu gegebener Zeit mehr! 


Gott ist nicht im Sturm: Sonntag in Siemensstadt 

Am Sonntag gingen wir – zum ersten Mal seit fünf Wochen, denn in der Zwischenzeit waren wir ja erst in Butjadingen und dann bei der RKF gewesen – mal wieder in St. Joseph Siemensstadt in die Messe; dort gab es – zur großen Freude des Tochterkindes – ein erstes Wiedersehen mit ein paar Leuten, mit denen wir bis zum Vortag bei der RKF gewesen waren, nämlich mit dem Gemeindekirchenmusiker, der seinen angestammten Platz an der Orgel einnahm, und einem der Jungen Leiter, der ministrierte. Von den Kindern, die an der RKF teilgenommen hatten, war hingegen niemand da – die mussten wohl erst mal ausschlafen. Zelebriert wurde die Messe vom Spandauer Krankenhausseelsorger, und zwar in Albe und Stola, was man wohl auf die sommerlichen Temperaturen zurückführen kann; seine Predigt eröffnete er mit der Ankündigung, er werde auf das Evangelium – Matthäus 14,22-33, Jesus wandelt auf dem Wasser – nur kurz eingehen und sich hauptsächlich auf die 1. Lesung – 1. Könige 19,9-13, der Prophet Elijah begegnet Gott am Berg Horeb – konzentrieren. Hätte ich rechtzeitig daran gedacht, dass die Messen aus St. Joseph in der Sommerferienzeit nicht auf YouTube übertragen werden, hätte ich mir während der Predigt wohl Notizen gemacht; so aber muss ich mich darauf stützen, was mir von den Worten des Predigers im Gedächtnis haften geblieben ist. Die Episode aus dem Evangelium, dass Petrus über den See auf Jesus zugehen will und dabei untergeht, deutete er als Warnung davor, Gott zu versuchen bzw. auf die Probe zu stellen; im Übrigen zeigten sich schon in dem Satz "Wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme" die Glaubenszweifel des Petrus, die dann eben auch dazu führen, dass sein Glaube ihn auf dem Wasser nicht trägt. – Zur 1. Lesung führte er aus, die Frage "Wo ist Gott?" ("Der Herr war nicht im Sturm... der Herr war nicht im Erdbeben... der Herr war nicht im Feuer") bewege die Menschen ja immer wieder, besonders auch in Form der Frage "Wo ist Gott im Leid?"; eine geläufige Konkretisierung dieser Frage lautet "Wo war Gott in Auschwitz?". Von dieser Feststellung ausgehend kam der Geistliche auf den Anschlag auf die Berliner CSD-Parade am 25. Juli zu sprechen, anscheinend unbekümmert darum, dass es etwas unverhältnismäßig wirken könnte, dieses Ereignis in einem Atemzug mit dem Holocaust anzusprechen. 

Es hatte aber durchaus seinen Grund, dass er von allen aktuellen Ereignissen, die die Frage "Wo ist Gott?" aufkommen lassen könnten, gerade dieses in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellte: Er verwies darauf, ein "älterer Priester" habe in einer öffentlichen Stellungnahme den Anschlag auf die CSD-Parade als ein "Signal des Himmels" eingeordnet, und dieser Äußerung widersprach der Spandauer Krankenhausseelsorger eindringlich und ausführlich: Gott offenbare sich nicht in Gewalttaten – genau das zeige die 1. Lesung dieses Sonntags –; Gottes Kennzeichen sei vielmehr Zärtlichkeit. – 

Ich würde nicht unbedingt davon ausgehen, dass die Mehrzahl der Hörer dieser Predigt bewandert genug in der katholischen Medienbubble ist, um zu wissen, auf welche Äußerung der Geistliche sich hier bezog, geschweige denn, was der besagte "ältere Priester" denn nun genau gesagt hatte; ich selbst hatte das bisher auch nur eher oberflächlich und am Rande wahrgenommen (schließlich hatte ich genug Anderes zu tun gehabt), nahm diese Predigt aber nun zum Anlass, mir die Einlassung des 1939 geborenen Pfarrers i.R. Winfried Abel aus dem Bistum Fulda einmal im Wortlaut anzusehen. Der u.a. durch Beiträge auf EWTN und Radio Horeb überregional bekannte Ruhestandsgeistliche kritisiert in einem Leserbrief an die Fuldaer Zeitung, dass der Berliner Erzbischof Heiner Koch den CSD in seiner Stellungnahme zum Anschlag als "frohes und bewegendes Fest" charakterisiert hatte, und charakterisiert die Veranstaltung stattdessen als "Parade der Schamlosigkeit" und "zur Schau gestellte Verherrlichung der Perversion" und letztlich als Paradebeispiel (pun intended) für "die zunehmende sittliche Dekadenz" im "einst christlichen Abendland"; dass auch in Fulda eine CSD-Parade stattfindet, nimmt er zum Anlass, zu fragen: "Wird nun die einst prächtige, nun arg zusammengeschrumpfte Fronleichnamsprozession durch die große Parade der halbnackten Leiber verdrängt?" – Das ist alles ziemlich dick aufgetragen und man muss sich nicht wundern, dass es bei Lesern, die nicht von vornherein mit Pfarrer Abels Sichtweise übereinstimmen, vornehmlich Abwehrreaktionen hervorruft. Entscheidend dafür, dass und auf welche Weise der Spandauer Krankenhausseelsorger in seiner Sonntagspredigt in Siemensstadt auf Pfarrer Abels Leserbrief Bezug nahm, war es indes nicht, was der Fuldaer Ruhestandspriester insgesamt vom CSD und von der LGBTQ-Bewegung hält oder gar, was gläubige Katholiken von diesen Dingen halten sollten – über diesen Punkt ging der Prediger auffallend kurz und salopp hinweg –, sondern die Bewertung des Anschlags als "Signal des Himmels". Wie ist diese zu verstehen? Sieht Pfarrer Abel den offenbar islamistisch motivierten Attentäter als ein Werkzeug Gottes und heißt seine Tat damit gut? Durchaus nicht; er verurteilt scharf "das brutale und menschenverachtende Vorgehen der islamistischen Terroristen" und fordert: "Solchen Terroristen muss das Handwerk gelegt werden." Wie aber ist der Aufruf, "derartige Gräueltaten als ein Signal des Himmels [zu] verstehen", dann zu deuten? – Mir scheint, der Schlüssel zum Verständnis dieser Äußerung liegt in Pfarrer Abels Bezugnahme auf die These Peter Scholl-Latours, "dass die Stärke des Islam in Europa bedingt ist durch die Schwäche des Christentums": Dadurch, dass das Christentum in der Gesellschaft kaum noch, oder allenfalls in einer verwässerten, verharmlosten, individuell bedarfsgerechten moralistisch-therapeutischen Variante, präsent ist, hinterlässt es ein Vakuum in Sachen Sinn und Orientierung, und in diese Lücke stößt der Islam, gerade auch in seinen radikalen, militanten Ausprägungen. Zu dieser Lesart passt es auch, dass Pfarrer Abel seinen "Aufruf zur Besinnung und zur Umkehr" nicht etwa an Anhänger oder Unterstützer der LGBTQ-Bewegung richtet, sondern an "alle, die sich noch Christen nennen": Diese sollen den christlichen Glauben in der Gesellschaft wieder stärker zur Geltung bringen und damit der "zunehmende[n] sittliche[n] Dekadenz" ebenso Einhalt gebieten wie dem Vormarsch des gewaltbereiten Islamismus. – 

Zweifellos ist eine kritische Auseinandersetzung mit Pfarrer Abels Thesen angezeigt und wünschenswert; eine Voraussetzung für eine kritische Auseinandersetzung, die diese Bezeichnung verdient, wäre es allerdings, erst einmal verstehen zu wollen, was der "ältere Priester" eigentlich gemeint hat, statt mit wohlfeilen Strohmannargumenten auf den allgemeinen Empörungszug aufzuspringen. Gerade bei einem Mitbruder im priesterlichen Dienst finde ich dieses Vorgehen einigermaßen enttäuschend, umso mehr, wenn dieser – wie schon angemerkt – zu einem Publikum spricht, das größtenteils wahrscheinlich gar nicht weiß, wovon die Rede ist. 

Übrigens musste ich während des Eucharistischen Hochgebets etwas stutzen, da mir schien, der Zelebrant habe in den Interzessionen die Nennung von Papst und Bischof (sowie "Priestern, Diakonen und allen, die zum Dienst in der Kirche bestellt sind") ausgelassen. Ich kann freilich nicht ganz ausschließen, dass ich lediglich einen Moment lang unaufmerksam war, und mangels YouTube-Übertragung kann ich das auch nicht nachprüfen; aber auch wenn es so war, würde ich das eher auf ein Versehen zurückführen als auf etwaige schismatische Neigungen. Zum etwas irritierenden Gesamteindruck, den ich von dieser Messe mitnahm, trug es dennoch bei. 


Abenteuer im Wandschrank 

Mit ein bisschen Augenzwinkern könnte man behaupten, diese Sommerferien seien ein einziger Crashkurs in Sachen Kinder-und Jugendpastoral: Erst waren wir beim Kinderprogramm der Urlauberkirche in Butjadingen, dann bei der RKF, und kaum waren das Tochterkind und ich von dort zurück, begann auch schon die diesjährige Kinderbibelwoche der EFG The Rock Christuskirche. Für unsere Kinder war dies nach 2022, '23 und '25 schon die vierte Teilnahme; 2024 fand die Kinderbibelwoche statt, während wir in Urlaub waren. Bei der ersten Kinderbibelwoche, die wir miterlebten, orientierte sich das Programm an der Handlung des Zeichentrickfilms "Asterix erobert Rom", im Jahr darauf ging es um Superhelden und im vorigen Jahr um Sherlock Holmes. Dieses Jahr stand die Kinderbibelwoche unter dem Motto "Für den König – Eine Reise in das Land hinter dem Kleiderschrank"; die Programmgestaltung war demnach von C.S. Lewis' Narnia-Chroniken inspiriert. 

Schnee im Sommer! 

Zur Eröffnungsveranstaltung am Dienstag fuhren wir direkt von unserer neuen Wohnung aus, und eine Schulfreundin unserer Großen – jedoch nicht die, mit der wir zukünftig im selben Haus wohnen werden – kam auch mit. Die Leiterin erzählte mir, sie hoffe am ersten Tag der Kinderbibelwoche auf mindestens 20 Teilnehmer; tatsächlich kamen mehr als 30. Übrigens erzählte ich der Leiterin in aller Kürze von der RKF, bei der ich mitgearbeitet habe, und sie zeigte sich sehr interessiert – da sie, wie sie mir verriet, auch gerne mal ein Programm zu Mose und zum Auszug aus Ägypten machen würde. Ich stellte ihr in Aussicht, dass ich dazu einige Ideen beisteuern könnte, sowohl bereits erprobte als auch solche, die ich im Rahmen der RKF noch nicht umsetzen konnte, und sie meinte, darüber sollten wir uns bei Gelegenheit mal ausführlicher unterhalten. 

Am ersten Tag der Kinderbibelwoche ging ich mehr oder weniger freiwillig zum Elterncafé, das angesichts des Sommerwetters in einer schattigen Sitzecke im Garten stattfand; das "mehr oder weniger Freiwillige" bestand darin, dass ich diese Sitzecke ursprünglich nur aufsuchte, um mir einen Kaffee und ein paar Kekse zu genehmigen, bei dieser Gelegenheit mit anderen Erwachsenen (die ich zum Teil schon kannte und zum Teil noch nicht) ins Gespräch kam und es dann etwas arg demonstrativ gefunden hätte, ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als im Elterncafé das "inhaltliche Programm" losgehen sollte, von meinem gemütlichen Platz aufzustehen und stattdessen zum Kinderprogramm zu gehen. Tatsächlich war das "inhaltliche Programm" des Elterncafés an diesem ersten Tag auch gar nicht schlecht – das Thema lautete "Gott ruft uns", und behandelt wurde es anhand der Berufung der ersten Jünger Jesu nach Lukas 5,1-11 –, und am zweiten Tag, an dem ich auf ähnliche Weise erneut im Elterncafé "hängen blieb", war es sogar noch besser: Da ging es, ausgehend vom Buch Jona, um persönliche Gotteserfahrungen, und so etwas finde ich grundsätzlich interessanter als spekulatives Herumgestochere im Bibeltext. Am dritten Tag war ich schon nicht mehr ganz so freiwillig beim Elterncafé, sondern hatte eher den Eindruck, es werde von mir erwartet, daran teilzunehmen, und dazu passte es, dass es mir diesmal nicht so gut gefiel. In der Hauptsache wurde da ein mit zahlreichen Bibelzitaten gesticktes Evangelisierungs-Traktat vorgestellt, mit den üblichen Kernpunkten: Gott liebt uns, aber die Sünde trennt uns von Gott, also hat Er Seinen Sohn gesandt, um diese Trennung zu überwinden, aber damit wir Anteil an der Erlösung durch Jesus Christus haben, müssen wir Ihn als Herrn über unser Leben anerkennen – alles natürlich grundsätzlich richtig und gut, aber in der gedrängten Darreichungsform eines solchen Traktats vielleicht doch ein bisschen holzhammermäßig. 

Vor allem war ich aber unzufrieden damit, dass ich vom "inhaltlichen Programm" für die Kinder so wenig mitbekam; darum fragte ich mein Tochterkind an jedem Tag der Kinderbibelwoche, meist in der Schlange zur Essensausgabe, was es denn am jeweiligen Tag für eine Geschichte gegeben habe, und erfuhr auf diesem Wege, dass da jeweils zentrale Passagen aus dem ersten "Narnia"-Band nacherzählt bzw. szenisch dargestellt worden waren. Am dritten Tag hakte ich dann aber mal etwas genauer nach: "Nun heißt das Ganze aber ja Kinderbibelwoche", merkte ich an; "kannst du mir erklären, was diese ganze Geschichte von dem Löwen und der Hexe nun mit der Bibel zu tun hat?" – Das war natürlich ein bisschen eine Suggestivfrage, denn mir ist die vom Autor C.S. Lewis bewusst eingesetzte biblische Motivik in den Narnia-Chroniken durchaus bekannt und auch im Elterncafé wurde wiederholt darauf hingewiesen; die Antwort meiner Tochter lautete jedoch: "Nicht so richtig." Das mag zum Teil auf einen Mangel an Aufmerksamkeit zurückzuführen sein – zumal ja eine ihrer Schulfreundinnen mit dabei war, was nicht selten einen gewissen Hang zur Hibbeligkeit und Quatschigkeit mit sich bringt –, aber es weckt doch Zweifel an der katechetischen Wirksamkeit des Kinderprogramms: Ich hoffe, es wirkt nicht ungebührlich eitel, wenn ich sage, wenn meine Tochter den Zusammenhang schon nicht peilt, kann man das von vielen anderen Kindern erst recht nicht erwarten. 

Um mir selbst ein Bild zu machen, ging ich am vierten und letzten Tag der Kinderbibelwoche nicht zum Elterncafé, sondern schaute beim Kinderprogramm zu, wo in teilweise szenischer Darstellung das Finale des ersten Narnia-Bandes präsentiert wurde: Peter, Susan, Edmund und Lucy werden zu Königen und Königinnen von Narnia gekrönt und regieren viele Jahre lang, bis sie eines Tages im Wald den Kleiderschrank wiederfinden, durch den sie einst nach Narnia gelangt sind; neugierig betreten sie den Kleiderschrank und kehren dadurch in unsere Welt zurück, wobei sie wieder zu Kindern werden, weil diesseits des Kleiderschranks so gut wie keine Zeit vergangen ist. – Im Anschluss an diese Darbietung betrat ein Mitarbeiter der Gemeinde die Bühne, richtete ein paar klassische "Ergebnissicherungs"-Fragen an die Kinder, rekapitulierte einige besonders wichtige Handlungselemente und erzählte dann, unterstützt durch einige an die Wand projizierte Bilder, eine biblische Geschichte, die zum zuvor Gesehenen und Gehörten passen sollte. Ich unterstelle mal, der Ablauf wird an den vorangegangenen Tagen prinzipiell derselbe gewesen sein, aber man hat ja gesehen, wie wenig davon bei meiner Tochter "hängen geblieben" ist. Und auf der Basis dessen, was ich am letzten Kinderbibelwochen-Tag live miterlebt habe, wundert mich das auch nicht. Erzählt wurde da die Geschichte von Mephiboschet (bzw. Merib-Baal) nach 2. Samuel 9; befragt man den AI Overview von Google, erfährt man, dass das ein beliebter Text für Kindergottesdienste sei, weil Davids Güte gegenüber Mephiboschet anschaulich mache, "wie Gott zu den Menschen ist", und obendrein könnten Kinder aus dieser Geschichte "lernen, dass jeder wertvoll ist – unabhängig von Behinderungen oder Schwächen"; aber ich fand's doch ziemlich weit hergeholt – im Sinne von "Da kann nur jemand drauf kommen, der die gesamte Bibel quasi in Dauerschleife liest und dadurch irgendwann auf die Idee kommt, man müsse aus jeder noch so abseitigen Episode irgendwas machen können". Im Elterncafé ging es derweil, wie meine Liebste mir hinterher berichtete, um das Gleichnis vom Hochzeitsmahl (Matthäus 22,1-14), was mir dann doch als erheblich näherliegende Wahl erschien. 

(Natürlich könnte man – in dem Sinne, wie in der Leseordnung für die Heilige Messe die 1. Lesung und das Evangelium oft miteinander korrespondieren – beide Texte nebeneinander stellen und aufeinander beziehen. Aber das würde dann mehr Zeit und Sorgfalt erfordern, und wahrscheinlich auch ein qualifizierteres Publikum – auf diesen Punkt komme ich noch zurück.) 

Alles in allem muss ich somit zu meiner eigenen Überraschung feststellen, dass ich die diesjährige Kinderbibelwoche unter katechetischen Gesichtspunkten weniger überzeugend bzw. gelungen fand als die RKF. Natürlich kann man sagen, das sei ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen, aber wie ich von meinem Deutsch- und Religionslehrer auf dem Gymnasium gelernt kann man Äpfel und Birnen sehr wohl miteinander vergleichen – schließlich handelt es sich in beiden Fällen um Obst. Zu den grundsätzlichen Unterschieden zwischen den beiden Veranstaltungsformaten, die man in Betracht ziehen muss, gehört, dass bei der RKF wesentlich mehr Zeit war: sechs volle Tage, wenn man An- und Abreisetag nicht mitrechnet, und davon waren täglich mindestens drei Stunden der "inhaltlichen Arbeit" im engeren Sinne, also der Arbeit an der Mose-Geschichte, gewidmet; demgegenüber umfasste die Kinderbibelwoche vier Nachmittage, wovon jeweils rund eine Dreiviertelstunde der Nacherzählung bzw. szenischen Darstellung der Narnia-Geschichte samt katechetischer Ausdeutung gewidmet war. Hinzu kommt das tendenziell unterschiedliche Alter der Zielgruppe: Die Kinderbibelwoche richtete sich an Kinder bis 12 Jahre, gut ein Viertel, vielleicht sogar ein Drittel der Teilnehmer war noch im Vorschulalter; dagegen war die RKF für ein Altersspektrum von 8 bis 14 Jahren konzipiert und der weit überwiegende Teil der Teilnehmer war mindestens zehn Jahre alt. Aber auch über solche eher äußerlichen Faktoren hinaus lassen sich für die Unterschiede zwischen den beiden Veranstaltungsformaten auch tiefer liegende konzeptionelle und, wie ich glaube, auch theologische Ursachen benennen. Die letzteren sind naturgemäß komplexer, also stellen wir sie erst einmal zurück; zum Konzeptionellen ist jedenfalls zu sagen, dass die EFG The Rock Christuskirche ihre jährliche Kinderbibelwoche nicht zuletzt auch als "Schaufenster"-Veranstaltung nutzt, um insbesondere für ihr wöchentliches Kinderprogramm JAM zu werben und allgemein mit Familien aus der Nachbarschaft in Kontakt zu kommen. In allererster Linie soll das Programm also Spaß machen und dafür sorgen, dass die Kinder Lust bekommen, wiederzukommen. Dabei wird – schon allein durch den Namen der ganzen Veranstaltung, aber auch dadurch, dass an verschiedenen Punkten des Programms gebetet wird und Lobpreislieder gesungen werden – durchaus offen kommuniziert, dass man den Anspruch hat, den Kindern Grundlagen des christlichen Glaubens zu vermitteln, aber dabei wird – ungeachtet der Tatsache, dass der weit überwiegende Teil der teilnehmenden Familien ohnehin bereits Stammgast beim JAM sind; ein paar "Neue" sind halt doch jedes Jahr dabei – ein Niveau eingehalten, das keine einschlägigen Vorkenntnisse voraussetzt. Im Unterschied dazu hat man es bei den Teilnehmern der RKF im Wesentlichen mit Kindern zu tun, die schon bei der Erstkommunion und also auch beim Erstkommunionunterricht waren. Kurz gesagt, fasst man – wie ich es aus Father Mallons "Wenn Gott sein Haus saniert" gelernt habe – Evangelisierung, Katechese und Jüngerschaft als aufeinander aufbauende Stufen der Glaubensentwicklung auf, dann steht die Kinderbibelwoche bewusst und absichtlich auf der untersten Stufe, oder man könnte sogar sagen, es ist eine Vorstufe zur Evangelisierung. Dagegen steht die RKF – zumindest potentiell; es kommt halt immer darauf an, was man aus den Möglichkeiten des jeweiligen Formats macht – schon auf einer höheren Stufe. 

Dabei gilt es zu betonen, dass das eine nicht zwingend besser ist als das andere; grundsätzlich ist beides notwendig, und wenn man beim Vergleich zwischen Kinderbibelwoche und RKF mit in Betracht zieht, dass das eine ein freikirchliches und das andere ein post-volkskirchliches Format ist, dann könnte man auf den Gedanken kommen, "bei uns" fehle es gerade an solchen niederschwelligen Einsteigerangeboten für ein (noch) nicht kirchlich gebundenes und entsprechend "vorkonditioniertes" Publikum: Die Großkirchen verlassen sich immer noch zu sehr darauf, dass die Leute "von selber" zu ihnen kommen – anders ausgedrückt, sie verlassen sich zu sehr auf ihre Bestandskunden, also etwa darauf, dass Eltern ihre Kinder zum Erstkommunionunterricht anmelden, sobald sie das dafür übliche Alter erreicht haben. Und für die Leute, die eben nicht "von selber" kommen, tut man nichts. Das kann so nicht weitergehen. 

(An dieser Stelle sei mir die Anmerkung erlaubt, dass ich mir wünschen würde, das Programm der Urlauberkirche in Butjadingen hätte ein bisschen mehr Ähnlichkeit mit dem der Kinderbibelwoche – bei der übrigens auch gebastelt wurde.) 

Hier z.B. ein "Mini-Narnia", flankiert von zweimal "Wald im Glas".

Betonen möchte ich übrigens, dass es meiner Tochter bei der diesjährigen Kinderbibelwoche ausgesprochen gut gefallen hat und dass sie insbesondere die Narnia-Geschichte toll fand. Wenn ich trotzdem den Eindruck habe, was das katechetische Niveau angeht, wächst sie so allmählich aus diesem Format 'raus, dann hat das wohl auch damit zu tun, dass die Evangelikalen eine Theologie haben, die – sprichwörtlich ausgedrückt – auf einen Bierdeckel passt. Da findet also schon allein deshalb nicht so viel an Katechese statt, weil es gar nicht so viel an Glaubenswissen zu vermitteln und zu reflektieren gibt: Letztlich läuft alles immer wieder auf dieselben vier bis sechs Kernsätze hinaus, und wie oft kann man die einem Kind gegenüber wiederholen, ohne dass es innerlich abschaltet und denkt "Weiß ich doch alles schon"? (Dass die post-volkskirchliche Kinderkatechese demgegenüber vielfach so mies ist, dass sie es nicht einmal schafft, den Kindern diese Grundlagen zu vermitteln, steht indes auf einem anderen Blatt.) 


Geistlicher Impuls der Woche 

Ich gab euch ein Land, um das ihr euch nicht bemüht hattet, und Städte, die ihr nicht erbaut hattet. Ihr habt in ihnen gewohnt und ihr habt von Weinbergen und Ölbäumen gegessen, die ihr nicht gepflanzt hattet. Fürchtet also jetzt den Herrn und dient ihm in vollkommener Treue! Schafft die Götter fort, denen eure Väter jenseits des Stroms und in Ägypten gedient haben, und dient dem Herrn! Wenn es euch aber nicht gefällt, dem Herrn zu dienen, dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen. 

(Josua 24,13-15) 


Ohrwurm der Woche 

Jimi Hendrix: All Along the Watchtower 

Der war wohl überfällig, nachdem ich diesen Song in den zurückliegenden Wochen zweimal zum Vergleich mit dem da jeweils gerade aktuellen Ohrwurm der Woche herangezogen habe. Die endgültige Entscheidung fiel dann, als ich gestern auf dem Weg zum letzten Tag der Kinderbibelwoche zusammen mit den Kindern an einem Straßenmusiker vorbeikam, der gerade diesen Song performte – leider nicht besonders gut, aber welcher Gitarrist ist schon "gut", wenn er sich an Jimi Hendrix messen lassen muss? – Ursprünglich stammt "All Along the Watchtower" natürlich aus der Feder von Literaturnobelpreisträger Bob Dylan, aber es heißt, sogar dieser selbst habe, nachdem er Jimi Hendrix' Interpretation gehört habe, erklärt "It's Jimi's song now". Dem ist wohl nichts hinzuzufügen... 


Vorschau / Ausblick 

Heute ist bzw. war das Hochfest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel, kurz Mariä Himmelfahrt; man darf wohl davon ausgehen, dass die "äußere Feier" dieses Hochfests in der morgigen Sonntagsmesse nachgeholt wird. Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch daran, dass meine alte Heimatgemeinde Herz Mariä Burhave traditionell an Mariä Himmelfahrt ihr Patronatsfest feiert – und dass die dortige Gemeinde, wenn auch nicht das Kirchengebäude, heuer ihr 80jähriges Bestehen feiert, oder jedenfalls feiern könnte: Die aktuelle Ausgabe des Gemeindeblatts "Willehad aktuell" enthält keinerlei Hinweise darauf, dass dieses Jubiläum irgendwie besonders gewürdigt würde. Immerhin trifft es sich ganz gut, dass Mariä Himmelfahrt in diesem Jahr auf einen Samstag fällt und somit im Rahmen der regulären Vorabendmesse in Burhave gefeiert werden kann – mit anschließendem Grillen im Pfarrgarten. 

Im Übrigen sind immer noch Sommerferien, aber gefühlt nicht mehr so ganz: Meine Liebste muss ab Mittwoch wieder zur Arbeit – Vorbereitungswoche –, daher haben wir das Tochterkind für diese Woche zur Ferienbetreuung in Ihrer Schule angemeldet, und das würde ich gern auch zum Anlass nehmen, den Jüngsten wieder zur KiTa zu bringen – aber da hat er durchaus ein Mitspracherecht. Die Umzugsvorbereitungen gehen natürlich weiter, und ich muss mich weiterhin um meine Immatrikulation in Paderborn kümmern, wozu ich in der zurückliegenden Woche nur wenig Zeit und Muße gefunden habe. Es bleibt also spannend...!