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Samstag, 25. April 2026

Utopie und Alltag 22: Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als tausend andere

Grüß Gott, Leser! Es ist immer noch Osterzeit, und auch wenn die zurückliegende Woche nicht ganz so randvoll mit blogrelevanten Erlebnissen war wie die davor, gibt es doch wieder eine ganze Menge zu berichten – besonders über das vorige Wochenende. Den Rest der Woche hatte ich tendenziell mehr mit nicht so unmittelbar "blogrelevanten" Dingen zu tun und schwebte daher auch nicht so permanent auf einer spirituellen Euphoriewolke durch die Gegend; aber das "Quiet Revival" bleibt ein spannendes und hochaktuelles Thema, und eigentlich hatte ich dazu einen Abschnitt von außerhalb des persönlichen Erlebnisbereichs in Arbeit, aber der ist nicht rechtzeitig fertig geworden, also mache ich vielleicht lieber eine Kolumne für die Tagespost draus – oder komme nächste Woche drauf zurück. 

Schaufenster eines Souvenirgeschäfts in Neuzelle, unweit des Klosters. 


Mann, Jesus! – Einkehrtag in Neuzelle 

Wie schon erwähnt, hatte ich mich am vergangenen Samstag in aller Früh' auf den Weg zum Kloster Neuzelle gemacht, um dort – zum ersten Mal "seit Corona" – an einem Männereinkehrtag teilzunehmen. Insgesamt war dies meine dritte Teilnahme an diesem Veranstaltungsformat an diesem Ort; in den Osterferien 2019 war ich zudem mit Frau und Tochter (der Kleene war da noch nicht auf der Welt) zu "selbstgemachten Familieneinkehrtagen" in Neuzelle gewesen. 

Gleich einleitend sei gesagt, dass das Zisterzienserpriorat Neuzelle in dem Ruf steht, zum sogenannten "KiNC"-Netzwerk zu gehören, auch wenn es in Maria Hinsenkamps einschlägiger Studie erheblich weniger Beachtung findet als sein Mutterkloster Heiligenkreuz. In Anm. 443 auf S. 388 liest man da: 

"Schließlich gründete sich im Herbst 2018 in Neuzelle in Brandenburg ein Ableger des Klosters Heiligenkreuz als 'missionarisches Projekt', das das Ziel verfolgt, dort eine neue Klosteranlage entstehen zu lassen. Hier bestehen enge Kontakte zwischen den dortigen, zum Teil noch recht jungen und auch in sozialen Medien aktiven Mönchen sowie dem Gebetshaus Augsburg. So waren zwei der Mönche als Referenten im Rahmen der durch das Gebetshaus Augsburg organisierten Weniger-Konferenz im Winter 2022 geladen. (Beide sind ebenfalls Unterstützer der Initiative Neuer Anfang.)" 

Da haben wir ja so einige "übliche Verdächtige" beisammen; einer der beiden hier gemeinten Mönche, nämlich Pater Isaak Maria Käfferlein, leitete auch den aktuellen Männereinkehrtag. An diesem nahmen ungefähr 30 Männer teil, und darunter waren überraschend viele bekannte Gesichter: Einen Teilnehmer kannte ich vom Väterwochenende auf Usedom im Frühjahr 2024; der Mann, der in St. Joseph Siemensstadt am 3. Fastensonntag im Rahmen der "Redditio Symboli" ein Zeugnis gegeben hatte, war auch da, und dann noch zwei weitere Männer, die ich aus St. Joseph Siemensstadt und/oder St. Stephanus Haselhorst vom Sehen her kannte, und einer, der sagte, er kenne mich vom Sehen. Diese Häufung war natürlich kein Zufall: Diese Männer gehörten alle zur Neokatechumenalen Gemeinschaft und waren gemeinsam in einem neunsitzigen Van angereist (dazu später noch mehr). Ein weiterer Teilnehmer war mir aus St. Clemens bekannt. Alles in allem eine sehr bemerkenswerte Quote. – Nach einem informellen Auftakt mit Kaffee, Keksen und Smalltalk begann das eigentliche Programm des Tages um 10:30 Uhr mit Lobpreis, energisch auf der Gitarre begleitet von einem jungen Mönch mit langem roten Bart; ich hatte irgendwie das Gefühl, ihn schon mal kennengelernt zu haben, als er diesen Bart noch nicht hatte, verpasste aber irgendwie die Gelegenheit, ihn darauf anzusprechen. Mehrere der Lieder, die er im Laufe des Tages spielte, finden sich auch im Lobpreis-Ordner auf meinem Mobilgerät, gleich das erste – "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt" von Lothar Kosse – sogar auf einer Playlist mit dem Titel "Rock'n'Praise". Ein interessanter Kontrast zum lateinisch gesungenen Chorgebet der Mönche (die Mittagshore war ebenfalls Bestandteil des Einkehrtags-Programms). 

Bei Gelegenheit dieses einführenden Lobpreis-Blocks stöberte ich übrigens ein wenig im Inhaltsverzeichnis des Jugendvigil-Liederbuchs aus dem Stift Heiligenkreuz, das im weiteren Verlauf des Tagesprogramms noch ein paarmal zum Einsatz kam, und stellte fest, dass diese nur für den internen Gebrauch zusammengestellte Liedersammlung stilistisch eine ganz schöne Bandbreite abdeckt: Neben Lobpreisliedern von Graham Kendrick bis Albert Frey und Johannes Hartl sind da auch Lieder der Fokolarbewegung, volkstümlich-kitschige Marienlieder, aber auch NGL-Gassenhauer wie "Die Sache Jesu braucht Begeisterte", "Meine engen Grenzen" und sogar der Kirchentagsschlager "Da berühren sich Himmel und Erde" vertreten. Ich möchte das gar nicht weiter kommentieren, es ist mir einfach nur aufgefallen

Der erste Haupt-Programmpunkt des Einkehrtags war ein Impulsvortrag von Pater Isaak, der sich im Wesentlichen um die "drei munera" drehte: um die dreifache Berufung des Christen zum König, Priester und Propheten. Und da es eben ein Männereinkehrtag war, stand dabei besonders die Frage im Mittelpunkt, wie man diese Berufung als Mann und als Familienvater verwirklichen könne. Der Referent – der, wie ja schon in dem oben zitierten Auszug aus Maria Hinsenkamps Dissertation abgeklungen ist, auch auf YouTube und Instagram recht aktiv ist – merkte gleich einleitend an, es werde ja vielfach schon als problematisch empfunden wenn jemand sagt, Männer und Frauen seien unterschiedlich, hätten unterschiedliche Stärken und Schwächen und folgerichtig auch unterschiedliche Aufgaben, in der Kirche ebenso wie in der Familie und in anderen Bereichen der Gesellschaft. (Tatsächlich erinnerte ich mich daran, dass bei meinem ersten Männereinkehrtag in Neuzelle, vor sieben Jahren, ein Teilnehmer angesichts entsprechender Aussagen des damaligen Referenten – Pater Paulus Maria Tautz von den Franziskanern der Erneuerung – empört abrauschte und androhte, das werde ein Nachspiel haben.) Gleichzeitig gebe es aber in der öffentlichen Debatte unverkennbar einen großen Klärungsbedarf darüber, was eigentlich Männlichkeit ist oder sein sollte. Das wiederum erinnerte mich daran, wie bei dem schon erwähnten Väterwochenende auf Usedom der dortige Kursleiter zu mir sagte: "Es gibt heute so viele erlebnispädagogische Angebote für Männer – auch kommerzielle; da zahlen die ein irres Geld, aber am Ende laufen sie da auch nur durch den Wald." Noch etwas, was einem in diesem Zusammenhang einfallen könnte, wären fragwürdige "Manfluencer" wie Andrew Tate usw.: So gruselig man diese Typen und die Anschauungen, die sie vertreten, finden mag, sprechen sie doch offensichtlich ein echtes Bedürfnis bei ihrem Publikum an. Daher, so würde ich argumentieren, sollte man nicht das Bedürfnis als solches (nämlich eben das Bedürfnis nach Orientierung hinsichtlich der Frage, was es heißt, Mann zu sein) verdammen, sondern vielmehr bestrebt sein, darauf bessere Antworten zu geben, als die "Manfluencer" es tun. Der Ansatz der Männereinkehrtage im Kloster Neuzelle ist es nun, die Verwirklichung des Mannseins in der Nachfolge Christi zu suchen; schließlich, so hob der Referent hervor, sei Gott in Jesus Christus nicht nur allgemein Mensch, sondern auch ganz konkret Mann geworden. – Ich fand den Vortrag ausgesprochen anregend und ermutigend. 

Männertypisch war auch das Mittagessen: 

Grillfleisch und Brötchen, weit und breit kein Gemüse in Sicht.

In der Mittagspause gab es zudem ein paar Informationen zum aktuellen Stand des Klosterneubaus im Neuzeller Ortsteil Treppeln; dann folgte, trotz Osterzeit, eine Kreuzwegandacht auf einem zum Stiftsgelände gehörenden Weinberg (genannt "Scheibe"). 

Wie ich den Ansagen vor Beginn der Mittagshore entnahm, war zeitgleich mit dem Männereinkehrtag auch eine Pilgergruppe in Neuzelle, und zudem gab es in der Stiftskirche – die, so Tante Wikipedia, als "bedeutendster Kirchenbau der Niederlausitz" und "ein einzigartiges Bauwerk des böhmischen und schlesischen Barock im Land Brandenburg" gilt – offenbar mehrmals am Tag kunsthistorische Führungen. Die zum Einkehrtags-Programms gehörende Heilige Messe wurde daher in die Sakristei verlegt, und hier erreichte der weiter oben schon angesprochene ästhetische Kontrast zwischen rockigem Gitarren-Lobpreis und lateinischem Chorgebet seinen Höhepunkt oder, wenn man so will, seine Synthese: Pater Isaak zelebrierte am Barock-Altar ad orientem und in "Bassgeige", und der rotbärtige Mönch klampfte dazu weiter Lobpreis. Eine Kombination, die geeignet war, Stil-Puristen jeglicher Couleur den Magen umzudrehen, aber ich fand's prima. Für mein Empfinden ist diese Vereinigung vermeintlicher Gegensätze katholisch im besten Sinne – und ein starkes Zeichen gegen die Zersplitterung des rechtgläubigen Katholizismus in lauter kleine Grüppchen, die sich mehr über Stilfragen zu definieren scheinen als über einen lebendigen und missionarischen Glauben. Ohnehin hatte es für mein Empfinden ein gewisses Untergrundkirchen-Flair, sich in der Sakristei zu Messe und Anbetung zu versammeln, während im eigentlichen Kirchenraum kunsthistorische Führungen stattfanden; und zu diesem Untergrundkirchen-Flair passt es dann eben auch, dass die Messe ad orientem zelebriert wird, weil es keinen Volksaltar gibt, und zur Gitarre gesungen wird, weil es keine Orgel gibt. 

Hier der besagte Altar in der Sakristei.

Nicht unmittelbar im Anschluss an die Messe, aber kurz darauf fand in der Sakristei eine Eucharistische Anbetung statt – wiederum mit Lobpreismusik –, parallel dazu gab es Beichtgelegenheit, und damit endete das Programm des Einkehrtags dann gegen 17 Uhr. – Nachdem ich am Morgen mit der Regionalbahn nach Neuzelle gefahren war, ließ ich mich für den Rückweg im "Neo-Mobil" mitnehmen, wie ich den Neunsitzer insgeheim nannte; der Hintergrund dieser Bezeichnung ist, dass dieser Autotyp unter den Angehörigen des Neokatechumenalen Weges recht verbreitet zu sein scheint, weil die typischerweise so große Familien haben. Sie machen auch selber Witze darüber – zum Beispiel, dass es ja auch Vans mit "nur" sieben Sitzplätzen gebe, aber die seien "für Kleinfamilien". 

Alles in allem darf man diesen Männereinkehrtag in Neuzelle, zusammen mit dem Lobpreisabend in der Gemeinde auf dem Weg vier Tage zuvor, ohne Einschränkung zu den geistlichen Höhepunkten des noch jungen Jahres zählen und als einen würdigen Abschluss der vorausgegangenen Woche betrachten. Und ich habe entschieden die Absicht, nicht wieder sechs Jahre vergehen zu lassen, ehe ich dem Kloster Neuzelle einen erneuten Besuch abstatte. 


Neues von den Pfadfindern 

Am selben Tag, an dem ich in Neuzelle war, hatten die Schöneberger KPE-Pfadfinder eine Grundstückspflegeaktion auf einem der Pfarrei St. Matthias gehörenden Wald-/Gartengrundstück in Lichtenrade, direkt am ehemaligen Mauerstreifen; und mir war daran gelegen, dass mein Tochterkind daran teilnimmt, um – nicht zuletzt mit Blick auf das näher rückende Himmelfahrtslager – das Zugehörigkeitsgefühl zu den Pfadfindern zu stärken und die Kontakte zu den anderen Wölflingsmädchen zu intensivieren. Allerdings hatte ich ja schon in meinem vorletzten Wochenbriefing angedeutet, dass es organisatorisch durchaus eine Herausforderung bedeutete, ihr die Teilnahme an dieser Pfadfinderaktion zu ermöglichen – denn einerseits war ich nicht da, andererseits musste meine Liebste unseren Jüngsten zu einem Kindergeburtstag bringen, und dass Lichtenrade von uns aus gesehen so ziemlich am anderen Ende Berlins liegt, tat ein Übriges. Meine Schwiegermütter konnten uns in dieser Sache auch nicht helfen, da sie selbst Besuch bekamen. – Dank ein bisschen Unterstützung und Flexibilität seitens der Wölflingsleiterin und der Eltern des Geburtstagskindes kriegte meine Liebste das ganze Bringen und Abholen aber doch ganz gut geregelt; dennoch konnte ich den Gedanken nicht ganz unterdrücken "Hoffentlich gefällt's dem Tochterkind bei der Pfadfinderaktion, damit sich der ganze Stress lohnt". In dieser Hinsicht gab's am Abend eine Erfolgsmeldung: Als ich nach Hause kam und meine Tochter fragte, wie's bei den Pfadfindern gewesen sei, gab sie mir eine uneingeschränkt positive Schilderung – zu der nicht zuletzt die Mitteilung gehörte, sie habe jetzt zwei neue Freundinnen. Schön! 

Der schriftlichen Aufforderung, zu dem besagten Treffen in Kluft zu erscheinen, hatte das Tochterkind indessen nicht Folge leisten können: Zwar hatten wir schon vor den Osterferien bei einem speziellen Pfadfinderausstatter Klufthemd und Barrett bestellt (und uns allmählich gefragt, wo eigentlich die Lieferung bleibt), aber anscheinend hatte es, wie sich jetzt herausstellte, Unklarheiten oder Missverständnisse bezüglich Zahlungsweise und Versandmodalitäten gegeben. Diese sollten jetzt eigentlich geklärt sein, aber das Paket ist bis zum Redaktionsschluss (und damit leider auch bis zum heutigen Meutentreffen) noch nicht bei uns angekommen. Vielleicht liegt es in einem Paketshop oder bei einer Nachbarin...

Ein anderes Thema ist die KPE-Bundeswallfahrt zum 50jährigen Bestehen des Verbands, die am letzten Juni-Wochenende stattfinden soll. Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass das Programm dieser Veranstaltung grundsätzlich ziemlich reizvoll aussieht, hatte mich aber zugleich gefragt, wie man da von Berlin aus eigentlich hinkommen soll, schon gar ohne Auto. Was das angeht, zeichnet sich nun eine Lösung ab: Die KPE-Stämme aus Berlin und Brandenburg haben gemeinsam einen Bus gechartert. Da der allerdings erst Samstag früh in Steglitz abfährt und man für die Fahrt zum Kloster Schöntal bestimmt sechs bis sieben Stunden veranschlagen muss, wird der Großteil des Samstags-Programms – wozu auch das große Geländespiel der Wölflinge gehört – ohne die Berliner und Brandenburger stattfinden müssen. Die Frage, ob die Teilnahme sich wohl trotzdem lohnt, würde ich dennoch tendenziell bejahen wollen; immerhin stehen am Samstagabend noch eine Lichterprozession und eine Nachtanbetung auf dem Programm, am Sonntag dann eine ca. 5 Kilometer lange Fußwallfahrt und der Jubiläumsgottesdienst in der Klosterkirche. Eine endgültige Entscheidung darüber, ob wir uns da als ganze Familie anmelden wollen, haben wir noch nicht getroffen, aber demnächst wird diese Entscheidung wohl fällig werden. 

Was derweil das anstehende Himmelfahrtslager der Wölflingsmädchen angeht, ist immerhin schon mal bekanntgegeben worden, wo es stattfinden soll (das verrate ich hier aber noch nicht), und eine Packliste wurde auch schon verschickt. Unlängst fing ich schon an, nervös zu werden, weil es "nur noch" knapp drei Wochen bis zum Lager sind, aber dann fiel mir ein, dass ich im vergangenen Herbst erst fünf Tage vor dem Herbstlager gefragt wurde, ob meine Tochter und ich dorthin mitkommen wollten, und da hatten wir noch überhaupt keine einschlägige Vorerfahrung und mussten auf die Schnelle noch die Ausrüstung besorgen, und es hat alles gut geklappt. Im Vergleich dazu haben wir jetzt ja noch reichlich Vorbereitungszeit...

Nicht so gut läuft's derweil mit unserem Jüngsten und den Wichteln; ich hatte ja schon vor den Osterferien angekündigt, dazu "bei Gelegenheit" noch etwas zu sagen, und diese Gelegenheit scheint mir nun gekommen. Am zurückliegenden Wochenende traf sich nämlich sowohl die KPE-Wichtelgruppe in St. Norbert (Schöneberg) – am Samstag – als auch die in St. Afra (Gesundbrunnen) – am Sonntag –, aber tatsächlich waren wir bei beiden nicht. Am Samstag vor dem Kindergeburtstag, zu dem unser Jüngster eingeladen war, noch in St. Norbert zu den Wichteln zu gehen, wäre vielleicht möglich gewesen, wenn sich nicht gleichzeitig die Wölflinge woanders getroffen hätten; und am Sonntag hatten wir KiWoGo in St. Joseph Siemensstadt (s.u.) und hätten es danach wohl kaum noch rechtzeitig zur Wichtelgruppe in St. Afra geschafft. Stattdessen gingen Frau und Kinder am Sonntagnachmittag mit zwei Schulfreundinnen unserer Großen und deren Mutter ins Schwimmbad – diese Verabredung hatten die Mädchen ausgeheckt, und eventuell wäre über diesen Ausflug noch mehr zu sagen, aber das hebe ich mir, da es hier thematisch nicht so richtig reinpasst, zur eventuellen späteren Verwendung auf. – Jedenfalls ist unser Jüngster nun schon seit Mitte Februar nicht mehr bei den Wichteln gewesen, und ich würde es durchaus begrüßen, wenn das zukünftig mal wieder anders würde; zugleich muss ich aber gestehen: Sooo wichtig ist mir das nun auch wieder nicht. Richtig interessant wird es ja eigentlich erst, wenn der Kleene ins Wölflingsalter kommt, und bis dahin ist ja noch etwas Zeit. 


Schwarzer Gürtel in KiWoGo

Was die Planung für den Kinderwortgottesdienst in St. Joseph Siemensstadt am 3. Sonntag der Osterzeit – dem letzten KiWoGo vor der diesjährigen Erstkommunion – anging, muss ich gestehen, dass ich bis kurz vor der Vorbesprechung am vorletzten Donnerstag komplett im falschen Film gewesen war und gedacht hatte, es stünde schon der KiWoGo zum Dreifaltigkeitssonntag an. Aber der ist ja erst nach Pfingsten, am 31. Mai. Na, das Gute daran ist, dass ich dadurch jetzt schon ein Konzept für den nächsten KiWoGo habe; aber dazu zu gegebener Zeit mehr. Erst einmal war wie gesagt der 3. Sonntag der Osterzeit zu planen, und da drohten weitere Verwirrungen; denn der Schott gibt als Evangelium für diesen Sonntag eigentlich Lukas 24,13-35, den Gang nach Emmaus, an, allerdings mit dem Zusatz, "wo der Ostermontag als Feiertag begangen wird und das Emmausevangelium bereits an diesem Tag gelesen wurde", könne oder solle stattdessen Johannes 21,1-14 zum Einsatz kommen – die Johannes-Version des wunderbaren Fischzugs. Diese Perikope hatten wir Fronleichnam '24 im Rahmen einer Kinderbibelrallye beim Pfarrfest verwendet und mit Playmobilfiguren visualisiert, man konnte also davon ausgehen, dass die Figuren noch irgendwo waren; und was die inhaltliche Message anging, traute ich mir durchaus zu, das, was ich persönlich an dieser Bibelstelle so spannend finde – und was teilweise auch in einem Vortrag von Johannes Hartl bei der jüngsten MEHR-Konferenz eine Rolle spielte, von dem ich allerdings nur Teile mitbekommen habe – auf ein für Kinder im Grundschulalter verständliches Niveau zu bringen: Wir erleben hier die Jünger in einer Phase, in der sie zwar schon wissen, dass Jesus auferstanden ist, aber sich trotzdem noch nicht darüber im Klaren sind, wie es jetzt weitergehen soll. Und Petrus, der nicht mehr herumsitzen und abwarten will, sagt: "Ich gehe fischen." Warum? Weil das sein erlernter Beruf ist, damit kennt er sich aus, da fühlt er sich kompetent. Die anderen machen mit. Und was passiert? Sie fangen nichts. Da versuchen sie sich auf ihre Kernkompetenz zu besinnen, auf das, was sie gelernt haben und gewohnt sind, und es funktioniert nicht. Ihre Ausbildung, ihre Berufserfahrung nützt ihnen nichts. Und der Rat, den ihnen der zunächst unerkannt am Ufer auftauchende Jesus gibt, erscheint völlig unsinnig: Es wird schon hell, damit ist die gute Zeit zum Fischen eigentlich vorbei, und welchen Unterschied soll es eigentlich machen, an welcher Seite des Bootes man das Netz auswirft? Aber sie tun es trotzdem, und es funktioniert. Offenbar ist es das, was Gott in bestimmten Situationen von uns will: dass wir uns nicht auf unsere Kompetenz und Erfahrung, auf erprobte und bewährte Methoden verlassen, sondern Seinem Wort gehorchen, auch wenn es uns unvernünftig oder aussichtslos erscheint.

In unserer Vorbesprechung hatten der Gemeindereferent und ich uns also in groben Zügen auf den folgenden Ablauf für den KiWoGo geeinigt: Ich spiele unser übliches Begrüßungslied "Alles was ich hab", dann wird das Evangelium vorgelesen und mit Playmobilfiguren visualisiert, ich übernehme die Auslegung im oben skizzierten Sinne, und wenn dann noch Zeit ist, steuert der Gemeindereferent noch etwas praktische Nutzanwendung für den Alltag bei. Soweit, so gut. Am Sonntagmorgen schickte mir der Gemeindereferent dann eine Nachricht des Inhalts, er habe einen Geistesblitz für einen induktiven Einstieg gehabt: Ihm sei aufgefallen, dass er in seinem Berufsalltag immer so viel zu planen und zu organisieren habe – aktuell zum Beispiel für die Religiöse Kinderfreizeit in den Sommerferien –, wohingegen die Jünger im Evangelium nichts dergleichen tun, sondern ziemlich planlos und unorganisiert herumsitzen, bis ihnen Jesus erscheint. Ich fand die Idee, mit dieser Beobachtung anzufangen, nicht schlecht, und dagegen, dass er bei der Gelegenheit gleich ein bisschen Werbung für die Religiöse Kinderfreizeit machte, hatte ich ebenfalls nichts einzuwenden; hingegen ließ es mir etwas die Luft raus, dass der Gemeindereferent den Vortrag des Evangeliums durch allerlei Ausschmückungen und eingeschobene Erläuterungen arg in die Länge zog und dabei auch Dinge vorwegnahm, von denen ich fand, sie hätten eigentlich in meine Auslegung hineingehört. Als ich dann schließlich an die Reihe kam, wurde schon die Zeit knapp. Ich bemühte mich, das Beste draus zu machen, aber ganz glücklich war ich mit dem Gesamtergebnis, wohl verständlicherweise, doch nicht. Aber ich sage mir in solchen Fällen ja immer gern: Aus allem, was nicht perfekt läuft, kann man für die Zukunft lernen. (Nur muss man es dann halt auch tun...)

Zum nächsten anstehenden KiWoGo – am Dreifaltigkeitssonntag, wie gesagt – sei vorerst nur verraten, dass ich mir untypischerweise gedacht habe "Man könnte doch ausnahmsweise mal was basteln, wir basteln ja sonst nie". Das mal zum Stichwort Methodenvielfalt. Alles Weitere zu gegebener Zeit...


Update Alpha-Kurs

Am Montag fand in Haselhorst das zweite Treffen des Alpha-Kurses statt, bei dem meine Liebste im "Helferteam" (im Unterschied zum "Leitungsteam") ist; sie kam wieder erst spät nach Hause, musste dafür aber am nächsten Tag erst später zur Arbeit als sonst, sodass die ganze Familie zusammen frühstücken konnte. Bei dieser Gelegenheit erzählte meine Liebste, von den Teilnehmern des ersten Abends seien am zweiten zwar fünf oder sechs aus unterschiedlichen Gründen verhindert gewesen, dafür seien aber fast genauso viele "Neue" da gewesen. Was den inhaltlichen Teil betrifft, meinte meine Liebste, dieser – der unter der Überschrift "Wer ist Jesus?" stand und sich u.a. um die Frage drehte, ob die Evangelien glaubwürdige historische Quellen seien – sei tendenziell schon besser darauf abgestimmt gewesen, ein nicht einschlägig vorgebildetes Publikum abzuholen und mitzunehmen, als es ihrer Wahrnehmung zufolge am ersten Abend der Fall gewesen sei. Sie fügte allerdings hinzu, sowohl die Teilnehmer- als auch die Mitarbeiterhefte zum Alpha-Kurs machten deutlich, dass das Konzept des Kurses tatsächlich nicht ganz so niederschwellig ist, wie man sich das vielleicht vorstellen würde, wenn man post-volkskirchliche Gepflogenheiten gewohnt ist. Auf den Punkt gebracht, der Kurs ist schon darauf angelegt, ein Zeugnis für den christlichen Glauben abzulegen, nicht nur darauf, diesen Glauben zur Diskussion zu stellen. Finde ich auch gut und richtig, hätte man sich aber auch anders vorstellen können. 

Übrigens, in diesem Zusammenhang ein Fundstück aus Neuzelle: 

Scheint mir durchaus stimmig und nachahmenswert für katholische Veranstalter, an den Alpha-Kurs, der ja "überkonfessionell" darauf ausgerichtet ist, Grundfragen des christlichen Glaubens zu behandeln, einen Aufbaukurs anzuschließen, in dem es um das spezifisch Katholische geht. Merken wir uns das mal für später! 


Kindermund der Woche 

"Als Prophet hat man ja am Ende einen ganz trockenen Hals." 

(Tochterkind, 8 J., ohne erkennbaren Anlass oder Zusammenhang) 


Kurz notiert

  • Aus der Pfarrei St. Willehad Nordenham/Butjadingen/Stadland wird vermeldet, die dortige Urlauberseelsorge habe einen neuen Namen – "Sommerkirche der katholischen Kirche Burhave und Tossens" – und ein neues Logo. Dass der Name "Willi's" (als Verniedlichungsform des Pfarreipatrons Willehad) und die dazugehörige krakelige Kinderzeichnung im Logo damit passé sind, kann man erst mal als erfreulich verbuchen, aber das ist auch schon das beste, was man über das neue Logo sagen kann; zentrales Bildelement ist eine Sonne, da dürfte der Wiedererkennungseffekt gegenüber anderen, nichtchristlichen Angeboten zur Urlauberbetreuung eher gering sein. Spannender ist indes allemal die Frage, ob sich auch inhaltlich-konzeptionell etwas an der Urlauberseelsorge ändert, und da hält sich mein Optimismus eher in Grenzen. Was mich übrigens daran erinnert, dass es Zeit wird, mit dem Projekt "Guerilla-Urlauberseelsorge" voranzukommen. Na, ich schätze, da kümmere ich mich in der kommenden Woche drum.

Geistlicher Impuls der Woche

Die den Herrn fürchten, sind Seinen Worten nicht ungehorsam, und die Ihn lieben, halten Seine Wege ein. Die den Herrn fürchten, suchen Sein Wohlgefallen, und die Ihn lieben, sind vom Gesetz erfüllt. Die den Herrn fürchten, machen ihre Herzen bereit und demütigen sich vor Ihm. Wir wollen in die Hände des Herrn fallen und nicht in die Hände von Menschen. Denn wie Seine Größe, so auch Sein Erbarmen. 
(Jesus Sirach 2,15-18)


Ohrwurm der Woche

1 Giant Leap feat. Maxi Jazz & Robbie Williams: My Culture 

Irgendwann in den "Nuller Jahren" legte sich meine damalige Freundin eine Doppel-CD mit dem Titel "Asia Lounge – Asian Flavoured Club Tunes – 2nd Floor" zu, die ich in die Rubrik "Nicht das, was ich sonst so höre, aber hat was" einordnete. Bleibenden Eindruck haben von den 24 Stücken auf dieser Compilation allerdings nur zwei auf mich, und dies ist einer davon. Dass der mir nun wieder eingefallen ist, hat wahrscheinlich mit dem Männereinkehrtag in Neuzelle zu tun, schließlich geht es im Songtext sehr wesentlich um Väter – in dem von Maxi Jazz (bekannt als Gesicht und Stimme des Elektronik-Projekts Faithless) gerappten Teil eher um Väter im Plural,  also Vorfahren in einem weiteren Sinne, in der von Robbie Williams gesungenen Passage eher um das problematische Verhältnis zu einem ganz konkreten Vater. Das Video finde ich auch recht eindrucksvoll. 


Vorschau/Ausblick

Heute vormittag war, wie beiläufig schon erwähnt, wieder Meutentreffen der Schöneberger KPE-Wölflinge – das vorletzte vor dem Himmelfahrtslager, da am verlängerten Wochenende über den 1. Mai kein Treffen stattfindet. Heute Abend ist Community Networking Night im Baumhaus, aber wie üblich stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest, ob wir da hingehen (oder ggf. ich alleine). Morgen ist in St. Joseph Siemensstadt der erste der zwei diesjährigen Erstkommunion-Gottesdienste, aber da werden wir nicht dabei sein – da ungefähr zur selben Zeit unser Tochterkind die Kampfsportprüfung für den weiß-gelben Gürtel ablegt. Da trifft es sich gut, dass das eine Erstkommunionkind, das wir näher kennennämlich ursprünglich vom JAM her –, erst in der folgenden Woche "dran" ist. Die Kampfsportprüfung findet in Steglitz statt, von dort ist es nicht weit bis zum Achorhof, sodass durchaus die Option im Raum steht, anschließend noch dorthin zu fahren; da findet nämlich ein "Französischer Tag" statt und man könnte auch dort zur Messe gehen. Alternativ könnte man natürlich auch in Herz Jesu Tegel in die Abendmesse gehen, wo der Pfarrer anschließend, wie regelmäßig einmal im Monat, ein Predigtnachgespräch anbietet, aber diese Eskalationsstufe möchte ich zum gegebenen Zeitpunkt vielleicht lieber doch noch nicht zünden... Am Montag ist dann wieder Alpha-Kurs in Haselhorst, und dann ist der Monat April auch schon fast rum. Am 1. Mai ist unser Jüngster zur Geburtstagsparty eines KiTa-Freundes eingeladen, was natürlich die Frage aufwirft, was man in dieser Zeit mit der Großen unternehmen könnte; eine möglicherweise naheliegende Option wäre es, mit ihr zum Patronats- und Siedlungsfest in St. Joseph Tegel zu gehen, das in diesem Jahr zugleich als Pfarrfest für die gesamte Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd gefeiert wird. Mit Blick auf die Überlegung, mich zukünftig vielleicht wieder stärker in dieser Pfarrei zu engagieren, könnte es durchaus sinnvoll sein, da Präsenz zu zeigen, aber andererseits gilt natürlich auch da, dass ich den Ball vielleicht vorerst noch ein wenig flacher halten sollte. Wir werden sehen, wie ich mich diesbezüglich entscheide! 


Samstag, 18. April 2026

Utopie und Alltag 21: Im Epizentrum des "Quiet Revival"

Ich habe eine intensive Woche hinter mir, Freunde: Praktisch jeden Tag stand etwas an, was mir das Gefühl vermittelte, "im Auftrag des Herrn unterwegs" zu sein, und ich fühlte mich unglaublich motiviert. In den letzten Wochen war in meinen Wochenbriefings, wie aufmerksamen Lesern aufgefallen sein dürfte, immer wieder von Anzeichen dafür die Rede, dass eine in anderen Teilen der westlichen Welt, etwa in Frankreich und Großbritannien, schon etwas länger zu beobachtende religiöse Erweckungsbewegung, oder sagen wir "Aufbruchstimmung", allmählich auch in Deutschland und auch ganz konkret in Berlin ankommt. Möglicherweise könnte man sogar behaupten, dieses Thema sei das wesentlich Neue, das die Reihe Utopie und Alltag von meinen früheren Wochenbriefing-Reihen abhebt. Aber wie dem auch sei: Im Berichtszeitraum der vorliegenden Utopie und Alltag-Folge hatte ich ganz entschieden den Eindruck, dass sich in meiner unmittelbaren Umgebung die besagten Anzeichen für einen geistlichen Aufbruch verdichten. In einer spirituell derart aufgeladenen Atmosphäre entdeckt man plötzlich überall Zeichen – zum Beispiel darin, dass der Baum vor unserem Küchenfenster blüht. Ich nehme mal an, das tut er jedes Jahr um diese Zeit; es ist mir nur noch nie aufgefallen

Damit aber jetzt auch genug der Vorrede – zu berichten gibt's mehr als genug! 


Weißer Sonntag: Ein prophetisches Wort 

Die Messe am 2. Sonntag der Osterzeit feierten wir, wie schon angekündigt bzw. vorhergesehen, in St. Joseph Siemensstadt mit; der örtliche Pfarrvikar zelebrierte, und in seinen Begrüßungsworten hob er hervor, die Bezeichnung "Weißer Sonntag" für dieses Datum im Kirchenjahr rühre daher, dass in der frühen Kirche die Neugetauften bis zu diesem Tag ihr weißes Taufgewand getragen hätten. "Es wäre schön, wenn wir das im nächsten Jahr machen", regte er an – und fügte hinzu, in dieser Messe seien "so viele Neugetaufte da", dass man fast schon meinen könnte, es wären mehr "als der Rest der Versammlung. Fast, nicht so ganz. Das ist ein prophetisches Wort." Als er später die Neugetauften der Pfarrei in den Interzessionen des Hochgebets namentlich nannte, schien die Aufzählung schier kein Ende zu nehmen, ihm fielen immer noch ein paar Namen ein, die er vergessen hatte – am Ende waren es neun. – Ich weiß, ich habe es in den vergangenen Wochen schon mehrmals angemerkt, muss es aber noch einmal betonen: Die Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland gehört ganz entschieden zu jenen Orten, an denen man einen kleinen Teil jenes "Quiet Revival", von dem die medialen Sprachrohre des amtskirchlichen Establishments – allen voran häretisch.de – beharrlich in Zweifel zu ziehen versuchen, dass es das tatsächlich gibt, live miterleben kann, und ich finde das ausgesprochen spannend. 

St. Joseph Siemensstadt in österlichem Schmuck.

Interessant ist in diesem Zusammenhang natürlich auch und nicht zuletzt die Frage, was eigentlich konkret unternommen wird, um die Neugetauften und sonstigen Neuzugänge aktiv in die Gemeinde einzubinden. Eine Teilantwort auf diese Frage stellt der Infostand dar, der seit Anfang des Jahres einmal im Monat vor dem Kirchenportal aufgebaut wird und an dem für verschiedene Gruppen und Kreise der Gemeinde, vor allem aber für verschiedene Möglichkeiten der ehrenamtlichen Mitarbeit geworben wird; dazu gibt's belegte Brötchen sowie heiße und kalte Getränke vom Sozialdienst Katholischer Männer. Dieser Infotisch war auch an diesem Sonntag wieder am Start und stieß offenbar auf einiges Interesse. Unter anderem wurde ich zeitweilig in ein Gespräch zwischen dem Gemeindereferenten und einem jungen Mann aus Brasilien miteinbezogen, der sich nach Angeboten für Familien mit kleinen Kindern erkundigt hatte. Das fiel mir besonders deshalb auf, weil erst kürzlich – am Rande des jüngsten RKT in St. Stephanus – ein anderer Familienvater eine ähnliche Anfrage gestellt hatte. Das Beste wäre nun wohl – da bin ich mir mit dem Gemeindereferenten, wie ich glaube, im Grundsatz einig –, die interessierten Eltern dazu zu motivieren und darin zu unterstützen, ein entsprechendes Angebot selbst auf die Beine zu stellen. Man darf gespannt sein, wie die Dinge sich entwickeln. 

Aber noch einmal zurück zur Messe: Auch die Predigt hatte es wieder einmal in sich. Im Evangelium vom 2. Sonntag der Osterzeit hat der ungläubige Thomas seinen großen Auftritt, und wenn man sich so umschaut und umhört, kann man den Eindruck haben, dass viele Prediger sich darauf eingeschossen haben, an diesem Sonntag eine Art Lob des Zweifels zu verkünden, oder zumindest so etwas wie eine Rechtfertigung des Zweifels. Ich möchte mal unterstellen, sehr viel seltener wird an diesem Datum im Kirchenjahr über die biblische Grundlegung des Beichtsakraments gepredigt, obwohl die Perikope das auch hergibt ("Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert"). In der rund zwölf Minuten langen Predigt "unseres" Pfarrvikars klangen tatsächlich beide Aspekte an, aber der eigentliche Schwerpunkt dieser Predigt lag dann doch noch woanders. Was man leicht übersehen kann, wenn man sich allzu sehr auf die Gestalt des ungläubigen Thomas konzentriert, ist nämlich die Signifikanz des Umstands, dass Jesus eben gerade nicht diesem allein erscheint, sondern den versammelten Jüngern. Es handle sich, so betonte der Pfarrvikar, um "eine Erfahrung der gesamten Kirche, nicht nur eine Erfahrung von Einzelnen". Von dieser Feststellung ausgehend stellte er einen Bezug zwischen der im Evangelium geschilderten Erscheinung des Auferstandenen und der Liturgie der Heiligen Messe her: 

"Der normale Ort, wo Christus erscheint, ist die Gemeinschaft der Glaubenden. Wie macht Er das? Erstens durch das Wort. Im Wort Christi, das heißt im Wort der Lesungen, hörst du die Stimme Gottes. [...] Und das zweite ist, Seine Wunden zu berühren. Das ist das Sakrament. Dieses Brot wird gebrochen. Das zeigt uns, dass Christus Sein Leben hingegeben hat für uns, sich verwunden ließ, dass Er gestorben ist für uns. Warum hat Er das getan? Nicht um uns anzuklagen, sondern um uns zu sagen: Du bist mir so wichtig, dass ich dir mein Leben schenke." 


Auf der anderen Straßenseite 

Am vergangenen Montag gingen nicht nur nach zwei Wochen Osterferien Arbeit, Schule und KiTa wieder los, sondern am Abend fand außerdem das erste Treffen des Alpha-Kurses in der EFG The Rock Christuskirche in Haselhorst statt. Gleichzeitig fiel bei uns familienintern der reguläre "Omatag" aus, weil es am vorangegangenen Freitag einen "außerplanmäßigen Omatag" gegeben hatte. Mein indirekter Beitrag zum Alpha-Kurs bestand demnach darin, die Betreuung der Kinder – abzüglich der Zeit, die sie in der Schule resp. in der KiTa verbrachten – allein zu stemmen; dafür erwies es sich als hilfreich, dass das Tochterkind sich entschloss, außer der Reihe zum Kampfsporttraining zu gehen, und der Jüngste, in dessen Altersstufe montags kein Training stattfindet, einverstanden war, zum Zugucken mitzukommen. Insgesamt kriegten wir den Tag ganz gut rum. 

Der Alpha-Kurs-Abend sollte laut Ankündigung ungefähr bis 21 Uhr dauern; zu Hause war meine Liebste gegen dreiviertel Zehn. Wie sie verriet, war die erste Alpha-Kurs-Veranstaltung ausgesprochen gut besucht gewesen: Es waren rund doppelt so viele Leute gekommen, wie die Veranstalter erwartet hatten. Weiterhin merkte sie an, sie sei überrascht gewesen, wie sehr es schon gleich beim ersten Abend des Alpha-Kurses "ans Eingemachte" gegangen sei: Thema dieses Abends sei die Frage gewesen, ob es grundsätzlich sinnvoll sei, an einen Gott zu glauben, und meine Liebste meinte, die Art und Weise, wie dieses Thema angegangen worden sei, sei für Leute, die sich möglicherweise zum ersten Mal in ihrem Leben ernsthaft mit dieser Frage auseinandersetzten, doch recht herausfordernd gewesen. Das überraschte mich eher, denn ich hatte bisher immer gedacht, der Alpha-Kurs sei als niederschwelliges Angebot (aber im guten Sinne) angelegt. Da mag man sich jetzt fragen, ob es an den Leuten von der The Rock-Gemeinde liegt, dass sie "niederschwellig nicht können", oder ob das Konzept tatsächlich anspruchsvoller ist als ich es mir vorgestellt habe. Na, ich würde mal schätzen, dass die kommenden Wochen diesbezüglich noch weitere Erkenntnisse bringen werden. 


Nichts ist unmöglich – mit KiNC 

Aus der Predigt vom Sonntag möchte ich übrigens noch ein paar Sätze nachtragen, die mich aus einem besonderen Grund stark angesprochen haben: "Gott ist da und mit Ihm ist das Unmögliche möglich. Gruß des Engels an die Jungfrau Maria: Für Gott ist nichts unmöglich, und mit Gott zusammen ist nichts unmöglich." Ich empfand diese Sätze als eine sehr gute Einstimmung darauf, dass ich am Dienstagabend mit meiner Familie zu einer Veranstaltung in der Gemeinde auf dem Weg wollte, die unter dem Motto "Unmöglich ist keine Option" stand. Dabei muss ich allerdings gestehen, dass ich mir im Vorfeld gar keine großen Gedanken darüber gemacht hatte, was für eine Art von Veranstaltung das überhaupt sein sollte. Da angekündigt worden war, dass Ben Fitzgerald dabei wäre, den ich von der MEHR 2017 kannte, hatte ich mir im Wesentlichen einen Vortrag darunter vorgestellt und fand, auch der Titel lege das nahe. Dann hörte ich aber von meiner Liebsten, im Team-Chat des Alphakurses habe jemand angeboten, zwei "Konzertkarten" zu verschenken, und zwar just für dieses Event in der Gemeinde auf dem Weg am Dienstagabend. Das warf bei mir natürlich erst mal Fragen auf: Wieso Konzert, und wieso Karten verschenken? Kostet das etwa Eintritt? – Also zunächst einmal: Nein, Eintritt kostete die Veranstaltung nicht; man konnte (und sollte) zwar bei einem handelsüblichen Online-Ticketservice Eintrittskarten buchen, aber diese waren kostenlos. Was derweil den Charakter der Veranstaltung betraf, wurde diese auf der Veranstalter-Website als "Worshipnight" bezeichnet; dennoch spekulierte ich weiterhin darauf, dass Ben Fitzgerald oder sonst jemand mir im Rahmen dieses Events meine Rückenschmerzen wegbeten würde – aber dazu später. Für den musikalischen Teil des Programms sollte jedenfalls Timo Langner zuständig sein – ein Name, der mir zunächst gar nichts sagte, aber im Laufe des Dienstags machte ich mich kundig. Dabei stieß ich u.a. auf einen erst neulich, nämlich am 8. April, veröffentlichten Blogartikel über "Christliche Bands" – erschienen auf einem Blog namens "Dokumentieren gegen Rechts", der sich laut Selbstbeschreibung das Aufzeigen von "Strukturen und Vernetzungen von Abtreibungsgegner*innen, antifeministischen Gruppierungen, christlichen Fundis, Evangelikalen" usw. auf die Fahnen geschrieben hat. Meiner Wahrnehmung zufolge gehört "Dokumentieren gegen Rechts" zusammen mit "Fundi-Watch" zu denjenigen Ressourcen im Netz, die ein verschwörungstheoretisch verflachtes Verständnis des von Maria Hinsenkamp beschriebenen und benannten Phänomens KiNC ("Kingdom-minded Networking Christianity") vertreten, und davon ist auch der Artikel über "Christliche Bands" geprägt. Im Mittelpunkt des Interesses steht nicht die Musik als solche, sondern ihre Funktion im Rahmen der religiösen und evangelistischen Praxis charismatischer Gruppierungen: "[D]iese Bands/Künstler*innen haben einen großen Einfluss auf ein Festival/einen Gottesdienst als Event. Erweckung, die zelebriert wird, die emotionale Ergriffenheitszustände erzeugt, die eine gewöhnliche Predigt nicht erreichen kann." Als Beispiele erwähnt werden etwa die Gruppen O'Bros, Outbreakband und Koenige & Priester – und schließlich eben auch 

"Timo Langner, der seit 2008 die Lobpreisbewegung DMMK leitet und als Musiklehrer in seiner Gemeinde G5 arbeitet. G5 ist mittlerweile mit dem Verein 'Awakening Europe' verschmolzen. [...] In diesem Jahr wird der Künstler bei folgenden Gemeinden auftreten: LIGHTHOUSE EssenChristengemeinde FreiburgForum Hoffnung EFG Dresden, Gemeinde auf dem Weg Berlin, Neues Leben Augsburg, Awakening Church Nürnberg". 

Okay, gut zu wissen, dass die Veranstaltung, zu der ich mit meiner Familie zu gehen beabsichtigte, quasi unter Feindbeobachtung stand. – Aber mal im Ernst: Der zitierte Blogartikel ist in gewisser Hinsicht durchaus informativ, wenn man sich mal das unfreiwillig komisch anmutende Geraune darüber wegdenkt, wie schlimm und gefährlich das alles sei. Auf Bluesky, dem offiziellen Sozialen Netzwerk einer vermeintlich besseren Welt, wurde der Artikel bereits am 6. April häppchenweise vorveröffentlicht und erntete dort betroffene bis entsetzte Reaktionen, die sich mir absolut nicht erschließen. In meinen Augen hat die Art und Weise, wie das (zu Recht oder zu Unrecht so bezeichnete) "fundamentalistische" Christentum zum Feindbild im Kontext der allgemeinen "Gegen Rechts"-Hysterie gestempelt wird, etwas ausgesprochen Zirkelschlüssiges an sich: Findet man die Leute schlimm, weil sie schlimme Positionen vertreten, oder findet man die Positionen schlimm, weil sie von schlimmen Leuten vertreten werden? Ein echtes Chicken-Egg-Dilemma

Nun aber mal konkret zum Dienstagabend: Direkt nach dem Kampfsporttraining der Kinder machten wir uns auf den Weg zum "Rumpelberg" und ließen uns auch davon nicht verunsichern, dass die Kinder zunächst nicht sonderlich begeistert von unserem Plan für den Abend waren: Genauer gesagt erklärte der Jüngste geradeheraus, er wolle "da nicht hin", und die Große fügte etwas kleinlauter hinzu, sie habe "auch nicht so richtig Lust darauf". Ich darf aber schon mal verraten, dass am Ende doch beide Kinder ausgesprochen begeistert waren. Auf dem Weg zum Ort des Geschehens machten wir einen Zwischenstopp in der REWE-Snack-Ecke, da wir andernfalls kein Abendessen bekommen hätten. 

Man muss übrigens einräumen, dass schon die Anmoderationen – von einer Pastorin der Gemeinde auf dem Weg, einer Frau, die irgendwie zum Veranstalter-Team zu gehören schien, und schließlich von Timo Langner selbst – ganz guten Stoff für eine neue Enthüllungsreportage im Stil der "Hippen Missionare" geboten hätten; da war viel von geistigem Kampf die Rede, von der Waffenrüstung Gottes und davon, dass Berlin für den Aufbau des Reiches Gottes eine strategische Bedeutung habe. Teile des Publikums reagierten auf diese Ansprachen, dann aber auch und erst recht auf die Musik derart ekstatisch, dass ich es sicher befremflich gefunden hätte, wenn ich in den letzten Jahren nicht schon bei einigen charismatisch geprägten Events gewesen wäre; dazu gehörte etwa, dass einige Leute um mich herum in Zungen redeten, während andere in Tränen oder wahlweise in hysterisches Gelächter ausbrachen. 

Ein Blick ins Publikum: Von der Größenordnung her nicht mit der MEHR zu vergleichen, aber für Berlin-Tegel doch ganz beachtlich. 


Ben Fitzgerald war übrigens nicht da; im Nachhinein erfuhr ich, dass sein Flug ausgefallen war. Möglicherweise kann ich es auf seine Abwesenheit schieben, dass meine oben angedeutete Hoffnung, bei diesem Lobpreis-Event von meinen Rückenschmerzen geheilt zu werden, sich nur so halb erfüllte: Immerhin besserten sich meine Beschwerden so weit, dass ich mich in der Lage fühlte, meinen Jüngsten zur Musik durch die Luft zu schwenken, aber ich glaube, als Wunderheilung geht das noch nicht durch. – Ein besonders intensiver Moment des Abends war es, als der Schlagzeuger der Band, ein Australier, aus seinem Käfig herauskam und zum Publikum sprach: Er sei an diesem Morgen auf einen Bibelvers aufmerksam geworden, der ihm als ein prophetisches Wort erschienen sei, nämlich Josua 3,3f.
"Wenn ihr die Bundeslade des HERRN, eures Gottes, seht und die levitischen Priester, die sie tragen, dann sollt auch ihr von der Stelle, wo ihr seid, aufbrechen und ihr folgen [...]. So werdet ihr wissen, welchen Weg ihr gehen sollt; denn ihr seid den Weg ja früher noch nie gegangen." 

Er habe, so führte der Schlagzeuger aus, in diesem Vers die Verheißung erkannt, dass Gott die Kirche von Berlin auf Wege führen wolle, die sie bisher noch nicht gegangen sei. Dies untermauerte er mit Querverweisen auf verschiedene andere Bibelstellen, die ich mir auf die Schnelle nicht alle merken konnte, und richtete dann an das Publikum den Aufruf, wer sich berufen fühle, an diesem Aufbruch zu neuen Ufern mitzuwirken, der solle nach vorn kommen und für sich beten lassen, um für diese Aufgabe mit Heiligem Geist erfüllt zu werden. Auf diese Aufforderung hin bewegte ich mich wie an unsichtbaren Fäden gezogen in Richtung Bühnenrand und ging dort auf die Knie. – Ich will nun nicht unbedingt behaupten, dass ich mich während des nun folgenden Gebetes auf besonders spektakuläre Weise vom Heiligen Geist erfüllt gefühlt hätte; aber Gefühl ist nun mal (Fausts Antwort auf die Gretchenfrage zum Trotz) nicht alles, und andere für sich beten zu lassen kann auf keinen Fall schaden.

Auf dem Heimweg teilte meine achtjährige Tochter mir mit, sie habe im Laufe der Veranstaltung "dreimal still das Vaterunser gebetet, und danach jeweils ein Gegrüßet seist du, Maria". Fand ich sehr beachtlich, wenngleich ich den Gedanken nicht ganz unterdrücken konnte, dass es im Publikum bestimmt auch Leute gab, die auf das letztere Gebet nicht so positiv reagiert hätten. Ich selbst trug – nicht ganz zufällig und nicht ganz absichtlich – mein "Catholic Church"-T-Shirt und hatte ein paarmal das Gefühl, deswegen komisch angeguckt zu werden.


Währenddessen in Tegel

Am vergangenen Samstag, kurz vor der Fertigstellung von Utopie und Alltag Nr. 20, erhielt ich eine unerwartete eMail von einer alten Bekannten aus der Gemeinde von Herz Jesu Tegel – einer Frau, mit der meine Liebste und ich in unserer aktiven Zeit in dieser Gemeinde relativ viel Kontakt hatten und die in der Gemeinde einerseits recht aktiv ist, andererseits einen gewissen Außenseiterstatus hat, nicht zuletzt dank einer etwas charismatischer ausgerichteten Frömmigkeit, als sie in dieser Gemeinde sonst üblich ist. (Kaum habe ich dies geschrieben, fällt mir auf, dass diese Beschreibung auf mindestens drei ansonsten sehr verschiedene Frauen aus dieser Gemeinde zutrifft; daher verzichte ich mal auf eine genauere Beschreibung, um offen zu lassen, um welche von diesen es sich handelt.) Nun, jedenfalls teilte sie mir mit, sie denke darüber nach, bei den in diesem Jahr anstehenden Gremienwahlen für den Gemeinderat von Herz Jesu und/oder den Pfarreirat von St. Klara zu kandidieren – und fragte im selben Atemzug an, ob ich mir vorstellen könne, dasselbe zu tun. Im ersten Moment musste ich mir das Lachen verkneifen bei der Vorstellung, was der Pfarrer wohl für ein Gesicht machen würde, wenn ich meine Kandidatur anmeldete. Aber allein dafür ist es mir die Sache dann ehrlich gesagt doch nicht wert. Obwohl, auch das soll nicht unerwähnt bleiben, meine Liebste und ich erst vor einigen Wochen einen Brief vom Erzbischof erhalten haben, in dem er uns nahelegte, eine Kandidatur für die anstehenden Gremienwahlen in Erwägung zu ziehen.

Die Mail unserer Bekannten aus der Gemeinde Herz Jesu enthielt aber noch weitere interessante Punkte, darunter Neuigkeiten aus der zur benachbarten Großpfarrei St. Franziskus Reinickendorf-Nord gehörenden Gemeinde St. Martin im Märkischen Viertel – dazu vielleicht ein andermal mehr –, vor allem aber den Vorschlag bzw. die Idee, in Herz Jesu Tegel einen Alpha-Kurs zu veranstalten. Da wurde ich natürlich hellhörig; dass sie anregte, für dieses Vorhaben Pater Brody mit ins Boot zu holen, schien mir erst mal nicht so naheliegend, aber andererseits: Wenn man einen der Geistlichen dieser Pfarrei in das Projekt einbeziehen möchte, wer käme denn wohl sonst in Frage? (Theoretisch wäre in der Pfarrei St. Klara ja seit ca. Anfang des Jahres eine Stelle für einen Kaplan oder Pfarrvikar frei; bin ja mal gespannt, wann die besetzt wird und mit wem, aber das ist eigentlich ein Thema für sich.)

Jedenfalls fand ich diese Mail im Ganzen so spannend, dass ich der Verfasserin umgehend ein persönliches Treffen vorschlug. Wir verabredeten uns für Mittwoch vormittag, Treffpunkt: in der Herz-Jesu-Kirche. Kam mir herrlich konspirativ vor. 

Wir eröffneten unsere Unterredung mit einem gemeinsamen Gebet vor der Herz-Jesu-Statue in der Kirche, dann setzten wir uns in den "Christophorus-Raum" im Gemeindehaus, für das meine Gesprächspartnerin nämlich einen Schlüssel hat (ich glaube, auch dieses Detail grenzt den Kreis der Verdächtigen nicht weiter ein). – Dem konspirativen Charakter des Gesprächs entsprechend, werde ich hier über den Inhalt keine Details verraten, immerhin aber ein paar Grundlinien skizzieren; ich gehe davon aus, dass die Themen dieses Gesprächs mich auch zukünftig noch beschäftigen werden, hier im Blog und auch darüber hinaus. – Der grundsätzliche Befund lautet, um uns herum mehren sich die Hoffnungszeichen für einen geistlichen Aufbruch, aber die Pfarrei St. Klara droht diese Bewegung komplett zu verpennen oder sogar Samenkörner plattzutreten, ehe sie aufgehen können. Dabei hat gerade der Standort Herz Jesu Tegel eigentlich großes Potential, schon allein dank der offenen Kirche, die meiner Beobachtung zufolge durchaus stark frequentiert wird (vgl. dazu meine Podcast-Folge vom 18. Februar). Aber darauf, die Leute, die da hinkommen – zum stillen Gebet, zur Besinnung oder wie immer sie ihre Motivation selbst beschreiben würden –, irgendwie "abzuholen", wie es im pastoraltheologischen Jargon doch so gern heißt, ist die Gemeinde überhaupt nicht eingestellt. Und selbst wenn Leute von sich aus auf die Idee kämen, mal zu gucken, was die Gemeinde über die offene Kirche hinaus so zu bieten hat, würden sie nicht viel finden, was man als gesunde geistliche Nahrung bezeichnen könnte; dafür aber umso mehr, was geeignet wäre, ein eben erst erwachtes Interesse am christlichen Glauben nachhaltig wieder einzuschläfern. Ich lege Wert auf die Feststellung, dass das nicht allein dem Pfarrer anzulasten ist, aber er hat natürlich seinen Anteil daran. Fest steht jedenfalls, dass sich in dieser Gemeinde eine Menge ändern müsste, wenn sie noch eine Zukunft haben soll; dieser Meinung war ich ja im Prinzip vor Jahren schon, aber in den letzten Jahren hat sich die Situation offenkundig nicht gerade verbessert

Die Frage, inwieweit ich selbst willens und in der Lage sein werde, mich (wieder) in der Gemeinde von Herz Jesu Tegel bzw. in der Pfarrei St. Klara zu engagieren, wird natürlich nicht unabhängig davon zu beantworten sein, wie es mit meinem Ausbildungsweg zum Gemeindereferenten weitergeht; ich schätze, ich sollte mich hüten, mir zu viele Baustellen auf einmal aufzuladen. Aber eine gewisse Verantwortung dafür, die Dinge in meiner Wohnortpfarrei nicht einfach "laufen zu lassen", spüre ich eben doch. Die Frage nach einer Kandidatur für den Gemeinde- und/oder Pfarreirat (eigentlich wollte ich so etwas ja nie wieder machen) ist da erst mal nicht vorrangig, die Wahlen sind ja erst Mitte November und um eine Kandidatur anzumelden, hat man bis zwei Monate vor der Wahl Zeit. Viel interessanter ist einstweilen die Frage, was man sonst tun könnte, und da ist das Stichwort Alpha-Kurs auf jeden Fall eines, das man im Auge behalten sollte. Auch mit Blick darauf, welche Erfahrungen meine Liebste im Laufe der nächsten Wochen in diesem Bereich noch sammeln wird. Mit meiner Gesprächspartnerin vom Mittwoch bleibe ich in dieser Angelegenheit jedenfalls in Verbindung. 

Update Bibelleseplan 

Ich freue mich, zu Protokoll geben zu können, dass ich mit der Mission "Altes Testament in einem Jahr" weiterhin auf Kurs bin – was übrigens beinhaltet, dass ich in der Abteilung "Geschichtsbücher" jetzt im gefürchteten Buch Leviticus angekommen bin. Die Psalmen habe ich fast zur Hälfte durch, und in der Abteilung "Weisheitsliteratur" habe ich bereits ganze drei Bücher geschafft, die im Bibelleseplan der EFG The Rock Christuskirche überhaupt nicht vorkommen – darunter zuletzt eines, das in vielen protestantischen Bibelausgaben gar nicht enthalten ist, nämlich das Buch der Weisheit. Soweit ich es dem ERF Bibleserver entnehmen konnte, gibt es dieses Buch außer in der katholischen Einheitsübersetzung auch in der Lutherbibel, der Menge-Bibel und, zu meiner Überraschung, auch in der Gute Nachricht Bibel; dasselbe gilt für das Buch Jesus Sirach, das ich als nächstes auf dem Zettel habe. Und dann bin ich mit der Weisheitsliteratur durch und kann mich den Großen Propheten widmen – die im The Rock-Bibelleseplan aus unerfindlichen Gründen ebenfalls nicht vorkommen... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Frucht der vom Evangelium bewirkten Umkehr ist die Heiligkeit vieler Männer und Frauen unserer Zeit. Das gilt nicht nur für diejenigen, die von der Kirche offiziell zu Heiligen erklärt worden sind, sondern auch für jene, die mit Bescheidenheit im Alltag ihres Daseins von ihrer Treue zu Christus Zeugnis gegeben haben. Wie sollte man nicht an die unzähligen Söhne und Töchter der Kirche denken, die im Laufe der Geschichte des europäischen Kontinentes in der Verborgenheit des Familien- und Berufslebens eine hochherzige und glaubwürdige Heiligkeit gelebt haben? Sie alle haben, als lebendige Steine mit Christus, dem Eckstein, verbunden, Europa als geistiges und moralisches Bauwerk errichtet und den Nachkommen das kostbare Erbe hinterlassen. Jesus, der Herr, hatte es versprochen: "Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater" (Joh 14,12). Die Heiligen sind der lebendige Beweis dafür, dass dieses Versprechen in Erfüllung geht, und sie machen Mut zu glauben, dass das auch in den schwierigsten Stunden der Geschichte möglich ist. 

(Johannes Paul II., Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 14) 

Ohrwurm der Woche 

Timo Langner: Ein Gott. Der das Meer teilt 


Nach dem eindrucksvollen Lobpreisabend am Dienstag hat Timo Langner es, wie ich finde, einfach verdient, dass er mit einem der Lieder, die er da gespielt hat, in der Rubrik Ohrwurm der Woche gewürdigt wird; und nicht von ungefähr ist meine Wahl auf das Lied gefallen, aus dessen Text der Titel der Tournee, Langners drittem Lobpreis-Album und seiner im vorigen Jahr erschienenen Autobiographie entlehnt ist. An der Aufnahme haben übrigens u.a. Veronika Lohmer sowie Markus und Joy Fackler vom Gebetshaus Augsburg mitgewirkt, die auch im Video zu sehen sind; gleichwohl muss ich sagen, live ist die Nummer noch um einiges mitreißender. – Wer sich übrigens dafür interessiert, was für Musik Langner gemacht hat, bevor er eine Bibelschule in Neuseeland besuchte und sich fortan dem Lobpreis widmete, kann sich ja mal seinen gut 20 Jahre alten Song "Umlaufbahn" – seinerzeit immerhin Platz 48 in den deutschen Single-Charts – anhören. Eigentümliche Mischung aus Schlager und Alternative Rock, würde ich dazu sagen; erinnert ein bisschen an "MMMBop" von Hanson und ist somit nicht direkt schlecht, aber man wird wohl nicht bestreiten wollen, dass Langner seither musikalisch wie auch persönlich gereift ist. 


Vorschau/Ausblick 

Dass ich in der zurückliegenden Woche praktisch ständig in action war, hat auch zur Folge, dass in diesem Wochenbriefing gar nicht genug Platz war, um über alles zu berichten, was ich so gemacht habe. Heute zum Beispiel habe ich den Großteil des Tages bei einem Männereinkehrtag im Kloster Neuzelle verbracht, und das ist auch der Grund, dass dieses Wochenbriefing mit etwas Verspätung online gegangen ist; inhaltlich werde ich im nächsten Wochenbriefing auf diesen Einkehrtag zurückkommen. Oben nicht erwähnt habe ich das JAM am Mittwoch – vielleicht wird es darüber nächste Woche wieder mehr zu berichten geben – sowie das Vorbereitungstreffen zum letzten Kinderwortgottesdienst vor der Erstkommunion in St. Joseph Siemensstadt, der am morgigen 3. Sonntag der Osterzeit ansteht. Darauf gedenke ich im nächsten Wochenbriefing zu sprechen zu kommen, wenn wir den KiWoGo hoffentlich gut über die Bühne gebracht haben werden. – Am Montag geht der Alpha-Kurs in Haselhorst in die zweite Runde, was für mich bedeutet, dass ich die Aufgabe, die Kinder ins Bett zu bringen, erneut allein werde bewältigen müssen. Unsere Große wird, sofern wir das zeitlich hinkriegen, in der kommenden Woche wohl ein paar zusätzliche Trainingsstunden beim Kampfsport einlegen, um, auf Wunsch ihres Trainers, schon möglichst bald zu ihrer ersten Gürtelprüfung antreten zu können; das könnte eventuell ein Anlass sein, mal den angedachten Artikel zum Thema "Was Kampfsport und Pfadfinderei uns für die Kinderkatechese lehren könnten" in Angriff zu nehmen. Neues von den Pfadfindern dürfte es demnächst auch mal wieder geben; im Übrigen hat mein Jüngster den Wunsch angemeldet, "mal wieder einen längeren Ausflug" mit mir zu unternehmen, aber an welchem Tag der Woche wir das machen werden, steht noch nicht fest. Es bleibt also spannend! 


Freitag, 17. April 2026

Vorlesestoff spezial: Indianerbücher

Zum Gedenktag der Hl. Kateri Tekakwitha 

"Deutscher sein, hieß auch Indianer sein... wir waren ja mit Indianerbüchern aufgewachsen". Diese Sätze stammen von keinem Geringeren als Heiner Müller (1929-1995), den Tante Wikipedia als "eine[n] der wichtigsten deutschsprachigen Dramatiker der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts" und eine der "bedeutendsten Schriftstellerpersönlichkeiten der DDR" rühmt; und ich kann nur sagen, auf meine Generation traf das noch weitgehend zu. Vor Jahren habe ich mal in einem Artikel zum Thema "was ich als Kind so alles gelesen habe" ein bisschen selbstironisch überspitzt behauptet, es koste mich "[b]is heute [...] Überwindung, Bücher lesen zu sollen, in denen weder Indianer noch Piraten noch Außerirdische vorkommen" ("Aber die gute Nachricht ist: Zu einer Promotion in Germanistik hat es auch so gelangt"); dort habe ich auch zu Protokoll gegeben, dass ich in meiner Kindheit und frühen Jugend "bestimmt so um die 20 bis 30 Bände Karl May" gelesen habe, und wenngleich das natürlich nicht alles Indianerbücher waren, machten diese doch einen bedeutenden Teil aus. – Wenn ich mir indes die Lektürevorlieben heutiger Kinder und Heranwachsenden ansehe, drängt sich mir doch massiv der Eindruck auf, dass Drachenreiter, paranormal begabte Waisenkinder und alle möglichen Arten von Gestaltwandlern den edlen Rothäuten von einst entschieden den Rang abgelaufen haben. 

‐- Wer an dieser Stelle den Zusatz "sofern Kinder heutzutage überhaupt noch lesen" erwartet, dem sei gesagt, dass ich diese spezielle Spielart von Kulturpessimismus nicht teile. Die Klage darüber, dass "die Kinder heutzutage" angeblich nicht mehr lesen, ist meiner Einschätzung zufolge nur wenig jünger als die, dass sie zu viel lesen, und mit beidem ist in aller Regel nur gemeint, dass sie das Falsche lesen. Das war in meiner Kindheit so, in der Kindheit meiner Eltern und wahrscheinlich auch schon in Heiner Müllers Kindheit. Tatsache ist, es gibt heute genauso wie früher Kinder, die viel lesen, und Kinder, die wenig (oder vielleicht auch, zumindest freiwillig und aus eigenem Antrieb, gar nicht) lesen. Das ist nicht in erster Linie ein Zeitphänomen; 's war immer so, 's war immer so. 

Da aber mein Jüngster mit seinen fünf Jahren noch nicht selber liest und auch die Achtjährige sich zum Schlafengehen immer noch gern vorlesen lässt, habe ich natürlich einen gewissen Einfluss auf den Lesestoff meiner Kinder und unternehme von Zeit zu Zeit behutsame Versuche, meine eigenen Lektürevorlieben sozusagen auf sie abfärben zu lassen. Mit Karl May bin ich ihnen bisher allerdings noch nicht gekommen, das hat vielleicht noch ein bisschen Zeit. Wenn ich mich richtig erinnere, war das erste Indianerbuch, das ich meinen Kindern vorgelesen habe, "Der Clan des Bären" von William Mayne – bitte nicht verwechseln mit Jean M. Auels Steinzeit-Softporno "Ayla und der Clan des Bären"! –, das meine Liebste mit in die Ehe gebracht hat. Maynes Buch (Originaltitel "Drift", erstmals erschienen 1985) hat mit klassischen Lederstrumpf- oder Winnetou-Abenteuer wenig gemein; es erzählt die Geschichte eines weißen Jungen, der gemeinsam mit einem Indianermädchen auf einer Eisscholle von seinem Zuhause weggetrieben wird, in der Wildnis von zwei erwachsenen Indianerinnen aufgelesen und nach einer gefahrvollen und entbehrungsreichen Wanderung schließlich nach Hause zurückgebracht wird. Das Bemerkenswerteste an diesem Buch ist seine Erzählstruktur: Zunächst wird die Handlung aus Sicht des weißen Jungen geschildert, und erst an dem Punkt, an dem man meinen könnte, das Buch könnte jetzt zu Ende sein, wird die Perspektive des zwischenzeitlich totgeglaubten Indianermädchens nachgeliefert – wodurch der Junge sich als "unzuverlässiger Erzähler" herausstellt, der entscheidende Teile der Handlung nicht mitbekommen oder falsch verstanden hat. Trotz dieses raffinierten "Twists" ist die Handlung des Buches über weite Strecken spröde, zäh und teilweise geradezu deprimierend, und es wundert mich nicht unbedingt, dass die Lektüre meine Kinder nicht unmittelbar zu Fans des Genres "Indianerbücher" gemacht hat. 

Neulich war uns allerdings – nachdem wir zuerst die Reihe "Die geheime Drachenschule" und dann auch die "Harry Potter"-Reihe zu Ende gelesen hatten – der aus der Kinder- und Jugendbuchabteilung der Stadtteilbibliothek ausgeliehene Lesestoff vorübergehend ausgegangen, was uns veranlasste, erst mal zu schauen, was unsere eigenen Bestände noch so hergaben. Und da fiel nun die Wahl unserer Kinder unter mehreren Vorschlägen auf Anna Jürgens "Blauvogel, Wahlsohn der Irokesen" – neben Liselotte Welskopf-Henrichs "Die Söhne der Großen Bärin" wohl der klassische Indianerroman der DDR; dazu sei erwähnt, dass die spezifische DDR-Variante der Indianerthematik in Literatur und Film ein Spezialthema meines geschätzten Hochschullehrers Thomas Kramer ist, von dem ich einiges darüber gelernt habe, aber selbst gelesen hatte ich die entsprechenden Primärtexte bisher nie, und folgerichtig war ich nun auch sehr gespannt. Ich glaube übrigens, dass es vor allem unser Jüngster war, der es durchsetzte, "Blauvogel" auf die Leseliste zu setzen, aber letztlich gefiel das Buch dem Tochterkind besser als ihm. Wie das Leben manchmal so spielt. 

Die Handlung von "Blauvogel" ist vor dem historischen Hintergrund des in der US-amerikanischen Geschichtsschreibung als French and Indian War bezeichneten, aus europäischer Perspektive als Teilkonflikt des Siebenjährigen Krieges betrachteten Kolonialkriegs zwischen Engländern und Franzosen in Nordamerika von 1754-63 angesiedelt: Der neunjährige Sohn einer englischen Siedlerfamilie in Pennsylvania gerät auf einer Kundschaftermission in die Gefangenschaft von Indianern; statt jedoch, wie er befürchtet, am Marterpfahl hingerichtet zu werden, wird er von einem Häuptling der Irokesen als Ersatz für dessen verstorbenen Sohn adoptiert. Nach anfänglichen Anpassungsschwierigkeiten (und einem Fluchtversuch) lebt er sich doch recht bald so gut bei den Irokesen ein, dass er, als nach dem Ende des Krieges die siegreichen Engländer von den Indianern die Auslieferung aller weißen Gefangenen fordern, gar nicht mehr zurück will. Als er dennoch zu seiner Familie zurückgebracht wird, zeigt sich, dass die Lebensweise der Weißen ihm zutiefst fremd geworden ist; daher läuft er schließlich davon und kehrt zu den Irokesen zurück. Im Nachwort betont die Autorin, dass es – auch wenn die Romanhandlung in den konkreten Einzelheiten fiktiv sei – ähnliche Fälle tatsächlich gegeben habe. 

Ich denke, man kann getrost sagen, dass die Stärke von "Blauvogel" weniger in einer mitreißenden Handlung liegt als in der Darstellung der Charakterentwicklung der Hauptfigur: Wie aus dem weißen Siedlerjungen nach und nach ein Indianer wird, das schildert die Autorin geschickt und überzeugend, und das macht das Buch auch zu einer emotional fesselnden und bewegenden Lektüre. – Jedenfalls veranlasste mich dieses Leseerlebnis, nicht in unmittelbarem Anschluss daran, aber doch ziemlich bald danach ein Buch aus dem Regal hervorzukramen, das vor ein paar Jahren als Spende für das Büchereiprojekt in meinen Besitz gelangt war: "Das Mädchen der Mohawks" von Franz Weiser – eine in Romanform gestaltete Biographie der Hl. Kateri Tekakwitha. Die Handlung spielt zwar rund ein Jahrhundert früher als diejenige von "Blauvogel" und um die 800 km weiter nordöstlich, aber immerhin auch bei den Irokesen, wodurch sich so allerlei Parallelen ergeben – was auch den Kindern aufgefallen ist. Was man aus den beiden Büchern etwa über die Bauweise und Einrichtung der Häuser der Irokesen, ihre Familienstruktur, über Feldbau, Jagd, Essenszubereitung usw. erfährt, stimmt nicht in allen Einzelheiten überein, weist aber ein hohes Maß an Übereinstimmung auf – was indes weniger auf gegenseitige Beeinflussung schließen lässt ("Blauvogel" erschien erstmals 1950, "Das Mädchen der Mohawks" 1970) als darauf, dass beide Autoren Geschichte und Kultur der Irokesen gründlich recheriert haben: Die "Blauvogel"-Verfasserin Anna Jürgen, bürgerlich Anna Müller-Tannewitz, war verheiratet mit dem Ethnologen Werner Müller, der umfangreiche Forschungen zur Kultur und Mythologie der nordamerikanischen Indianer betrieb; und Franz Weiser, ein Jesuitenpater, war 1938 von seinem Orden in die USA entsandt worden, um dort die Geschichte der jesuitischen Missionstätigkeit in Nordamerika zu studieren. 

Wo sich die beiden Bücher in ihrer Darstellung der Lebensweise der Indianer auffallend unterscheiden, hat dies in hohem Maße weltanschauliche Gründe. Dabei ist der ideologische Standpunkt von "Blauvogel" durchaus nicht so eindeutig, wie man das als ignoranter Wessi vielleicht von DDR-Literatur erwarten würde: Sicherlich kann man sagen, dass das positive Indianerbild in der DDR antiimperialistisch und antikapitalistisch motiviert war, und wohl auch, dass damit weltpolitisch gegen die USA Stimmung gemacht wurde (die es zur Handlungszeit von "Blauvogel" freilich noch nicht gab, aber der French and Indian War gehört durchaus in den Kontext ihrer Gründungs-Vorgeschichte). Andererseits zeigt sich in der "agrarromantischen" Idealisierung der im Einklang mit der Natur lebenden Indianer, denen die die Natur lediglich unter Nützlichkeitsgesichtspunkten betrachtenden und ausbeutenden weißen Siedler als Negativfolie gegenübergestellt wird, ein antizivilisatorischer Affekt, der sich kaum mit dem technokratischen Fortschrittskonzept des real existierenden Sozialismus vertragen haben dürfte. Ich könnte mir vorstellen, dass mein schon erwähnter Hochschullehrer Thomas Kramer zu diesen Ambivalenzen im Indianerbild der DDR-Populärkultur so allerlei anzumerken hätte. 

Dass die Indianer bei Franz Weiser erheblich weniger idealisiert dargestellt werden, erklärt sich wesentlich durch die Absicht des Autors, zu zeigen, dass die Indianer zu ihrem Heil der christlichen Mission bedürfen. Stellenweise zeigt er sich durchaus offen für das Argument, manches Schlechte, das man bei den Indianern finde, sei auf schlechten Einfluss der Weißen zurückzuführen; so etwa ihr Hang zur Trunksucht, der dadurch gefördert werde, dass die Holländer den Irokesen Schnaps verkaufen. In der Hauptsache bringt Weiser jedoch alles, was er an der Lebensweise der Irokesen kritisiert, mit ihrem heidnischen Götzendienst in Verbindung – die Trunksucht ebenso wie die grausame Hinrichtung von Gefangenen am Marterpfahl (die er als Menschenopfer für den Kriegsgott Areskoi erklärt) und sexuelle Ausschweifungen, von denen allerdings aus Rücksicht auf das jugendliche Lesepublikum nur andeutungsweise die Rede ist. – In "Blauvogel" spielt das Christentum nur ganz am Rande eine Rolle, aber interessant sind diese beiläufigen Erwähnungen doch. So spielt ein Indianermädchen namens Malia eine wichtige Rolle als Adoptivschwester des Protagonisten, der irgendwann einmal auf die Idee kommt, sich über ihren Namen zu wundern, der so ganz anders ist als die Namen der anderen Stammesmitglieder und offenbar nicht aus der Irokesensprache stammt; daraufhin erfährt er (und mit ihm der Leser), ein "Schwarzrock" habe dem Mädchen Wasser über den Kopf gegossen und ihm den Namen Malia gegeben – eigentlich "Maria", aber die Irokesen können das R nicht richtig aussprechen. Kurz vor Ende des Romans, im Zuge der zeitweiligen (erzwungenen) Rückkehr des Protagonisten zu den Weißen, gibt es eine Passage, in der der Pfarrer von Bedford bestürzt feststellt, dass der Junge seine christliche Erziehung fast vollständig vergessen und die Naturreligion der Irokesen angenommen hat. 

Im Unterschied dazu gibt es im Handlungskosmos von Franz Weisers "Das Mädchen der Mohawks" von Anfang an christliche Indianer, die entweder als Sklaven bei den heidnischen Irokesen leben oder in den Stamm eingeheiratet haben und die unbeirrbar an ihrem Glauben festhalten, auch wenn sie jahrelang keinen Priester zu sehen bekommen und die Sakramente nicht empfangen können; und die "Schwarzröcke" – womit hier explizit Jesuiten gemeint sind – erwerben sich durch ihre Weisheit, ihre Tapferkeit, Opferbereitschaft und Integrität den Respekt selbst der eingefleischtesten Heiden. 

Sprachlich sind beide Bücher, zum Teil schon durch ihr Alter, durchaus anspruchsvoll für heutige Kinder, "Das Mädchen der Mohawks" allerdings noch mehr als "Blauvogel"; auch der religiöse Gehalt macht Weisers Buch nicht gerade zu einer locker-leichten Lektüre. Umso bemerkenswerter fand ich es, dass meine achtjährige Tochter recht bald eine innige Zuneigung zur Protagonistin fasste. Als wir ans Ende der Lebensgeschichte der Hl. Kateri Tekakwitha gelangt waren, fragte das Tochterkind sogar, ob wir mal den Reliquienschrein der Heiligen besuchen könnten (der sich in Kahnawaka, einer Mohawk-Reservation am Rande von Montreal, befindet) – was wohl ein klassischer Fall von "theoretisch ja, aber ist halt 'ne Kostenfrage" ist. Gleich darauf fiel es dem Tochterkind ein, zu fragen, ob es vielleicht eine Novene zur Hl. Kateri Tekakwitha gebe. Die gibt's tatsächlich, aber online fand ich sie nur auf Englisch, und außerdem war es eigentlich schon zwei Tage zu spät, um damit anzufangen. Immerhin fand ich ein etwas unbeholfen ins Deutsche übersetztes Gebet zur Hl. Kateri, das wir an diesem Abend anstelle unseres üblichen Gutenachtgebets beteten. 

Angesichts des unerwartet großen Erfolgs des "Mädchens der Mohawk" bei meinen Kindern darf man es wohl als recht erfreulich betrachten, dass ich noch ein paar weitere Bücher mit Indianergeschichten von Franz Weiser im Regal stehen habe – ein Umstand, der ebenfalls dem Büchereiprojekt zu verdanken ist: Ich habe da mal einen ganzen Karton mit vom Freundeskreis Maria Goretti herausgegebenen Taschenbüchern zugesandt bekommen, und unter diesen finden sich Weisers Erzählungen "Watomika, der letzte Häuptling der Delawaren", "Ekom, der Schwarzrock" (über den Hl. Jean de Brébeuf) und "In den Bergen von Montana" (über den Missionar Pieter-Jan de Smet). Die werden dann wohl auch demnächst mal auf unserer Leseliste landen. Erst mal lesen wir jetzt aber ganz was anderes, nämlich ein DDR-Jugendbuch, das mir unlängst in einem Tausch- bzw. Verschenkeregal in die Hände gefallen ist: "Trampen nach Norden" von Gerhard Holtz-Baumert, der wohl hauptsächlich als Schöpfer der klassischen Lausbubenfigur Alfons Zitterbacke bekannt sein dürfte. In "Trampen nach Norden" – erschienen 1975, zwei Jahre später fürs DDR-Fernsehen verfilmt – geht es inhaltlich und stilistisch anders zu als in den Zitterbacke-Geschichten, aber interessant und unterhaltsam ist das Buch allemal; es erscheint durchaus möglich, dass ich auch darüber noch bloggen werde...