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Samstag, 23. Mai 2026

Utopie und Alltag 26: Komm, Heiliger Geist!

Gott zum Gruße, Leser! Die zurückliegende Woche war für mich geprägt von dem Umstand, dass mein Jüngster krank war – nicht schlimm krank, aber doch zu erkältet, um in die KiTa zu gehen; dadurch fehlten mir die ca. 5 Stunden pro Tag, die ich normalerweise dazu nutze, meine Gedanken zu ordnen, Dinge zu erledigen, für die ich Ruhe brauche, oder mich einfach mal zu entspannen, und am Ende des Tages war ich dann erschöpft von all dem Dingen, die ich nicht geschafft hatte. Als nächstes werde ich wahrscheinlich selber krank, na ja, vielleicht auch nicht. Das Gute ist jedenfalls, dass die Nachbetrachtung des langen Himmelfahrts-Wochenendes, einschließlich des Katholikentags, genug Material für das Wochenbriefing abwirft; und in der nächsten Woche komme ich dann hoffentlich mal wieder dazu, mich um Themen wie meine Ausbildung zum Gemeindereferenten, die Religiöse Kinderfreizeit und die "Guerilla-Urlauberseelsorge" in Butjadingen zu kümmern. Venceremos! 

Komm, Heiliger Geist! 

Spirituelles Strohwitwer-Wochenende 

Das lange Himmelfahrts-Wochenende, oder zumindest dessen erste Hälfte, hätte ja eigentlich noch in den Berichtszeitraum des vorigen Wochenbriefings gehört, aber da die vorangegangene Woche, wie erwähnt, mehr als genug Stoff zum Bloggen geliefert hatte, habe ich mir dieses Thema bis hierher aufgehoben. Spulen wir also einmal zurück zum Tag des Hochfests Christi Himmelfahrt: Ich hatte mir im Vorfeld ein paar Gedanken darüber gemacht, wo ich denn zur Messe gehen könnte, nachdem ich meine Tochter am Bahnhof Südkreuz in die Obhut ihrer Wölflingsmeute übergeben haben würde; aber nachdem der Zug mit den Wölflingsmädchen abgedampft war, stellte ich fest, dass es am praktikabelsten war, einfach "ganz normal" nach St. Joseph Siemensstadt zu gehen, wo die Messzeiten so waren wie sonst sonntags. Die Messe dort wurde vom Spandauer Krankenhausseelsorger zelebriert, und ich fand es ausgesprochen interessant, wie er das Festgeheimnis des Tages in seiner Predigt anging. In der Vergangenheit hatte ich nämlich schon öfter den Eindruck, dass nicht wenige Prediger sich schwer damit tun, aus der Himmelfahrt Christi theologisch "Sinn zu machen"; ein probater Ausweg ist es da offenbar, sich auf die Frage zu konzentrieren, was es für die Jünger bedeutete, dass Christus, nachdem Er ihnen über einen Zeitraum von 40 Tagen wiederholt erschienen war und sie gelehrt hatte, nun dauerhaft von der Erde entrückt wird. Letztes Jahr in Bernau etwa lautete der Kerngedanke der Predigt so ungefähr, Jesu Entrückung in den Himmel sei notwendig gewesen, damit die Jünger Selbständigkeit und Eigeninitiative entwickeln, statt weiter am Rockzipfel ihres Meisters zu hängen. Ich will die Berechtigung dieser Perspektive gar nicht grundsätzlich in Abrede stellen, fand es aber erfrischend, dass der Spandauer Krankenhausseelsorger eine ganz andere Dimension des Himmelfahrtsgeschehens in den Fokus rückte: Pointiert gesagt richtete er den Blick weniger auf die Erde, von der Jesus vermeintlich "verschwunden" ist, als vielmehr eben auf den Himmel, in den Er aufgefahren ist – und der, wie er betonte, schließlich auch unser aller Ziel sei. In diesem Zusammenhang stellte er es als das eigentlich heilsgeschichtlich Relevante an der Himmelfahrt Christi heraus, dass Jesus Christus, wahrer Mensch und wahrer Gott, eben nicht nur mit Seiner göttlichen Natur in den Himmel zurückkehrt, sondern auch Seine menschliche Natur sozusagen dorthin mitnimmt und damit uns Menschen den Himmel zugänglich macht. Eigentlich total einleuchtend, muss einem aber offenbar erst mal gesagt werden. 

Nachdem ich am Freitag das Wölflingslager besucht und dort zu Mittag gegessen hatte, sagte ich mir, ich könnte die seltene Gelegenheit, an einem Freitagnachmittag allein zu sein und Zeit zu haben, dazu nutzen, mal wieder in Herz Jesu Tegel zur Eucharistischen Anbetung zu gehen. Ich verbrachte dort rund eine Stunde, und das tat mir sehr gut; gegen Ende dieses Zeitraums öffnete ich die Stundenbuch-App auf meinem Mobilgerät, und auch das erwies sich als eine glückliche Eingebung, denn der Hymnus der Vesper erinnerte mich daran, dass an diesem Tag die Pfingstnovene begann. Wieder zu Hause, suchte ich daher meine "selbstgebastelte" (und zuletzt 2024 aktualisierte) Pfingstnovene heraus und betete den ersten Tag, in der wohllöblichen Absicht, damit in den folgenden Tagen weiterzumachen. 

Am Samstag nach dem Frühstück fiel mir ein, dass die Legio Mariae in Herz Jesu Tegel samstags immer eine Rosenkranzandacht abhielt; ich konnte mich jedoch nicht erinnern, ob diese Andacht um 10 oder um 11 Uhr begann, und wie ich etwas verwundert feststellte, war sie weder im Wochenplan der Pfarrei noch im Veranstaltungskalender auf der Website aufgeführt. Na gut, dachte ich mir: 11 Uhr wäre mir eigentlich sowieso zu spät, ich hab ja auch noch was anderes zu tun; also gehe ich mal auf Verdacht um 10 Uhr in die Kirche, und wenn da keiner ist, der den Rosenkranz vorbetet, dann mache ich das eben selber. Gesagt, getan! Am Abend hatte ich dann eigentlich die löbliche Absicht, zeitig schlafen zu gehen, um am nächsten Morgen in aller Früh nach Eichwalde zu fahren und dort zusammen mit den Wölflingen in die Messe zu gehen; aber dann kam es doch anders: Gerade als ich den zweiten Tag der Pfingstnovene zu Ende gebetet hatte und drauf und dran war, mich bettfertig zu machen, da rief mich die Wölflingsleiterin an: Meine Tochter habe schlimmes Heimweh und wolle nach Hause. Also machte ich mich auf den Weg, sie abzuholen. 


Weiteres vom Wölflingslager 

"Zwei Nächte geschafft!", war das erste, was meine Tochter zu mir sagte, als ich sie quasi mitten in der Nacht aus dem Wölflingslager abholte. Nachdem sie einmal den Entschluss gefasst hatte, sich abholen zu lassen, wirkte sie eigentlich recht wohlgemut und sogar fröhlich; ihren Rucksack hatte sie bereits gepackt. Auf dem Weg zur S-Bahn erzählte sie mir begeistert von der Katechese dieses Tages, in der der Kurat über Eucharistische Wunder gesprochen hatte; in der Bahn zeigte sie mir stolz ihr Probenheft, in dem schon ein paar Aufgaben aus der Rubrik "Leise Pfoten" abgehakt waren (Näheres dazu weiter unten). Und dann schlief sie an meiner Schulter ein. 

Der Eindruck, dass es ihr beim Lager trotz Heimweh und trotz Wetterunbill am ersten Tag (inklusive Hagel und Gewitter) gut gefallen hatte, verfestigte sich im Laufe des Sonntags weiter: Sie erzählte mir mit Freude und Begeisterung, was sie alles erlebt hatte, las eifrig in ihrem Wölflingsbuch "Der Weg durch den Dschungel", erwog, welche Aufgaben aus dem Probenheft sie sich ald nächstes abhaken lassen könnte, und sang mir Lieder aus dem Wölflings-Liederbuch "Der Kupferschmied" vor (die ich zum Teil auf der Gitarre zu begleiten versuchte). Am Nachmittag schauten wir uns auf Wunsch des Tochterkindes das Dschungelbuch – nicht die Disney-Version, sondern Zoltan Kordas Realverfilmung von 1942 – auf YouTube an, und währenddessen teilte mein Wölflingsmädchen mir eifrig Hintergrundwissen über die Tiercharaktere mit und zeigte mir, wo die Handlungsschauplätze auf der Dschungel-Landkarte in ihrem Wölflingsbuch eingezeichnet sind. --- Lesern, die sich mit pfadfinderischen Gepflogenheiten nicht besser auskennen, als ich es bis vor gut einem halben Jahr getan habe, muss ich hier wohl den Zusammenhang erläutern. Merke also auf und lausche, o Leser: Dschungelbuch-Autor Rudyard Kipling war mit dem Begründer der internationalen Pfadfinderbewegung, Lord Baden-Powell ("BiPi"), befreundet, und als dieser zusammen mit seiner Assistentin Vera Barclay die Pfadfinderpädagogik um ein Konzept für Kinder unter zwölf Jahren ergänzen wollte, erlaubte Kipling ihm, dafür Motive aus dem Dschungelbuch zu verwenden. Vor- bzw. Leitbild der Wölflingspädagogik ist daher das Aufwachsen Moglis im Wolfsrudel; deshalb wird der Leiter bzw. die Leiterin einer Wölflingsmeute "Akela" genannt, ein fester Bestandteil der Meutenaktivitäten sind Versammlungen am "Ratsfelsen", bei denen Auszüge aus dem Dschungelbuch vorgetragen werden und dann darüber diskutiert wird, was man daraus lernen könne, und die als "Jagd" bezeichneten Geländespiele orientieren sich thematisch ebenfalls oft an Episoden aus dem Dschungelbuch

In diesem Zusammenhang bietet es sich wohl an, etwas ausführlicher auf das Buch mit den Erprobungen für die Wölflingsstufe einzugehen, das ja nicht von ungefähr Der Weg durch den Dschungel heißt und von dem meine Tochter beim Frühlingslager ihr persönliches Exemplar ausgehändigt bekommen hat. Meine ersten Eindrücke von diesem Buch habe ich schon vor fast drei Jahren mal in einem Blogartikel skizziert, zu einem Zeitpunkt also, als überhaupt noch nicht abzusehen war, dass mein Tochterkind mal in eine Wölflingsmeute der KPE eintreten würde; allerdings gingen diese ersten Eindrücke kaum über einen fragmentarische Überblick darüber hinaus, "was man bei den Wölflingen so alles lernen kann". Worauf ich dabei noch nicht eingegangen bin – was aber andererseits wohl nicht überraschend ist – ist, dass dieses Lernen des Wölflings sich in mehreren Stufen vollzieht, und die erste dieser Stufen ist, dass der Wölfling lernt, auf leisen Pfoten zu gehen. Soweit ich es verstanden habe, müssen die Erprobungen aus der Rubrik "Leise Pfoten" abgelegt werden, bevor der Wölfling in einer feierlichen Zeremonie sein Versprechen ablegt und sein Halstuch bekommt. Inhaltlich sind die Erprobungen gegliedert in die Kategorien "Du erwachst im Dschungel" – da geht es darum, die Regeln und Gebräuche der Wölflinge zu kennen und zu befolgen –, "Du bist Kind Gottes" – dazu gehören etwa Anforderungen wie "Du kannst das Vaterunser, das Gegrüßet seist du Maria und das Ehre sei dem Vater beten" oder "Du weißt, dass die Kirche das Haus Gottes ist, und benimmst dich dort ruhig und ehrfürchtig" –, "Du denkst zuerst an die Anderen" und "Du übst dich im Dienen". Im Normalfall funktionieren die Erprobungen so, dass der Wölfling zu Akela geht, demonstriert, dass er die entsprechende Fertigkeit beherrscht, und sich dies durch eine Unterschrift (Kürzel) beglaubigen lässt; im einigen Fällen (z.B. "Du benimmst dich in der Meutenstunde so, dass Akela und die anderen Wölflinge sich auf dich verlassen können") beurteilen die Leiter aber auch das Verhalten des Wölflings über einen längeren Zeitraum hinweg, und einige Erprobungen, die das Verhalten des Wölflings außerhalb der Meutenaktivitäten betreffen, müssen sogar von den Eltern abgezeichnet werden (z.B. "Du räumst jeden Abend deine Sachen auf und machst am Morgen dein Bett"). 

Hat der Wölfling die "Leise Pfoten"-Prüfung erfolgreich bewältigt und sein Versprechen abgelegt, gilt es, erst einen und dann noch einen zweiten Stern fürs Barrett zu erwerben; diese sollen die "geöffneten Augen" des Wölflings symbolisieren. Zu den bereits genannten Erprobungskategorien kommen weitere hinzu, so etwa "Du bestehst Abenteuer im Dschungel" und "Du bist ein Freund der Natur". Und dann gibt es auch noch Fähigkeitsabzeichen, für die man je nach Interessenschwerpunkt zwischen verschiedenen Spezialgebieten wählen kann. Aber das ist für uns im Moment noch Zukunftsmusik. 

Erwähnt sei übrigens noch, dass meine Tochter mir erzählte, auf der Bahnfahrt ins Lager seien Zettel an die Wölflinge verteilt worden, auf denen sie aufschreiben sollten, warum sie bei den Wölflingen seien bzw. was ihnen bei den Wölflingen besonders gut gefalle oder besonders wichtig sei. Sie habe dazu zwei Sätze aufgeschrieben, verriet sie mir – ihr wäre wohl noch mehr eingefallen, aber es sei nicht so viel Zeit gewesen. Diese zwei Sätze lauteten: 

  • "Bei den Wölflingen lerne ich Gott und Freunde kennen" und 
  • "Bei den Wölflingen lerne ich, keine Angst vor dem Übernachten zu haben". 

Man könnte sagen, bezogen auf den zweiten Punkt habe das Himmelfahrtslager immerhin einen Teilerfolg gebracht; im ersten Punkt hingegen darf man es wohl als einen vollen Erfolg betrachten. Im Zusammenhang mit dem immer noch nicht abgeschlossenen Thema Kinderzimmer-Neugestaltung merkte unsere Große neulich an, wenn ihr neues Hochbett aufgebaut sei, wolle sie sich darunter eine Gebetsecke einrichten. 


Predigtnotizen: Wir warten aufs Pfingstwunder 

Da ich mein Tochterkind am Sonntag erst mal gründlich ausschlafen lassen wollte, sah ich mir die Messe in St. Joseph Siemensstadt im Livestream an, statt persönlich hinzufahren; aber dass ich mir genau diese Messe und nicht irgendeine andere anschaute, erwies sich als gute Entscheidung. Der – wie ich immer gern sage – "örtlich zuständige" Pfarrvikar zelebrierte, und schon in seinen Begrüßungsworten schlug er das zentrale Thema dieser Messe an: "Zwischen Himmelfahrt und Pfingsten erwarten wir den Heiligen Geist." In seiner Predigt ging er zunächst auf die Lesung aus der Apostelgeschichte ein, in der es hieß, dass die Jünger in der Vorbereitung auf das Pfingstereignis "einmütig im Gebet" verharrten: "Sie sind dort alle versammelt – wir heute haben noch Luft nach oben." (Tatsächlich sah der Kirchenraum, soweit er im Bildausschnitt der Kamera zu sehen war, etwas dünn besetzt aus, aber ich kann mich nicht beschweren, ich war ja auch nicht da.) – Aus dem weiteren Verlauf der Predigt möchte ich nur mal ein paar Sätze herausgreifen, die mir wesentlich erscheinen: 

"Zu Pfingsten geschieht etwas Neues, etwas absolut Großartiges, weil wir die DNA Gottes durch den Heiligen Geist eingepflanzt bekommen. [...] Pfingsten macht eine Neuheit aus diesem zusammengewürfelten Haufen [der Jünger], der irgendwie gelernt hat, dass sie geschaffen sind für etwas anderes. Zu Pfingsten kommt der Heilige Geist und holt sie raus aus der Kuschelecke. Ja, die Gemeinde ist schön, wir haben ein Zuhause; aber wir sind nicht nur für die Kuschelecke gedacht. Der Heilige Geist gibt den Aposteln einen Tritt in den Hintern und sagt: Geht in die ganze Welt hinaus und verkündet das Evangelium." 

Im Anschluss an die Predigt, oder wenn man so will, als zweiten Teil der Predigt gab es einen Spendenaufruf für die Restaurierung der Kirchenbänke in St. Joseph, und ich fand, es gelang dem Pfarrvikar bemerkenswert gut, auch dieses Anliegen zum Wirken des Heiligen Geistes und damit zum Leitmotiv dieser Messe in Beziehung zu setzen: Er berichtete, nachdem ein erster Anlauf, die Kirchenbänke restaurieren zu lassen, "in die Hose gegangen" sei – "deswegen stehen dort hinten sieben Stühle" –, gebe es jetzt ein Angebot von der Tischlerei der JVA Tegel, alle 38 Bänke zu einem sensationell günstigen Preis aufzuarbeiten; woran man erkennen könne: "Der Heilige Geist existiert." Einschließlich aller Transportkosten usw. würde sich der Geldaufwand für die gesamte Restaurierung auf etwa 250 € pro Kirchenbank belaufen – "wenn da sieben Leute drauf sitzen, sind das 40 € pro Hintern. Also durchaus erschwinglich." – Diese Rechnung geht natürlich nur auf, wenn tatsächlich in jeder Bankreihe sieben Leute sitzen, und auch wenn der allsonntägliche Gottesdienstbesuch in dieser Gemeinde zweifellos besser ist als in vielen anderen, die ich schon besucht habe, würde ich doch sagen: Da ist noch Luft nach oben. Aber auch zum Thema Gemeindewachstum gibt es Neuigkeiten; so erwähnte der Pfarrvikar im Zuge der Vermeldungen, dass es am kommenden Sonntag, also an Pfingsten, im St. Joseph fünf Erwachsenentaufen geben werde – nachdem es schon an den Ostertagen in der gesamten Pfarrei mindestens neun gegeben hatte. "Das ist ein riesiges Geschenk für die Pfarrei", betonte er: "Zu sehen, dass die Menschen einen Weg des Glaubens machen hin zur Taufe, und mit welcher Zärtlichkeit und welcher Treue Gott diese Menschen begleitet. Das ist ein Fest auch für die ganze Gemeinde." – Was auch noch zum Thema Gemeindewachstum gehört, ist die Information, dass von den vier Diakonen, die am nächsten Samstag in St. Hedwig zu Priestern für das Erzbistum Berlin geweiht werden, zwei aus der in Siemensstadt ansässigen Neokatechumenalen Gemeinschaft hervorgegangen sind. Ich denke mal, das sagt eine ganze Menge aus. 


"Quiet Revival" beim Katholikentag? 

Wir hörten schon davon, dass die "ZdK"-Präsidentin Irme Stetter-Karp im Vorfeld des 104. Deutschen Katholikentags in Würzburg betont hatte, das breite Spektrum unterschiedlicher Gruppierungen, die bei diesem Event vertreten sein würden, umfasse "auch Gruppierungen aus dem konservativen katholischen Milieu". Davon, wie es damit tatsächlich aussah, vermittelt beispielsweise eine Reportage-Reihe des Fernsehsenders k-tv einen Eindruck, die man sich auch bei YouTube ansehen kann und deren erste Folge nicht von ungefähr unter dem Motto "Gibt's hier auch was Katholisches?" steht. Positiv beantwortet wird diese Frage u.a. dadurch, dass die Kirchenmeilen-Stände von Maria 1.0 und Kirche in Not gezeigt werden (im Kontrast etwa zu denjenigen von Maria 2.0, wo eine Frau im Interview erklärt, im 12. Jh. habe es Priesterinnen gegeben, oder der kjg, an dem den Interviewern kurzerhand beschieden wird "Mit k-tv reden wir nicht"), aber auch durch Interviews mit Ordensschwestern und einer Gruppe junger Frauen, die begeistert von einem Workshop berichten, bei dem sie Rosenkränze gebastelt haben. 

Die Tagespost, die in Würzburg ja quasi ein Heimspiel hatte, richtete während des Katholikentags ein sogenanntes "Side-Event" mit "Debatten, Lesungen und Impulsen" aus – insbesondere solchen, für die im offiziellen Katholikentags-Programm kein Platz war; dazu gehörten u.a. ein Vortrag von Cornelia Kaminski, der Vorsitzenden der "Aktion Lebensrecht für Alle" (ALfA), zum Thema Leihmutterschaft, ein Vortrag von Bettina Röhl über ihre Mutter Ulrike Meinhof, die '68er-Bewegung und die Ursprünge der RAF sowie nicht zuletzt ein philosophisches Streitgespräch zwischen dem postchristlichen Startheologen Magnus Striet und dem Philosophen und Tagespost-Redakteur Sebastian Ostritsch zum Thema "Katholisch mit Kant". Dass der bekennende Kantianer Striet sich auf diese Debatte mit Ostritsch eingelassen hat, nachdem dieser im letzten Herbst "nach Protest von Studenten sowie Vorwürfen des Fundamentalismus und Rechtsextremismus" von der vom Jesuitenorden geleiteten Hochschule für Philosophie (HFPH) in München ausgeladen worden war, an der er einen Vortrag über Gottesbeweise hatte halten wollen, darf man durchaus respektabel finden. Der Schauplatz dieses "Side-Events" war indes eigentlich mal wieder ein Fall für den Hashtag #kannstedirnichtausdenken, denn dabei handelte es sich um das Lügensteinmuseum. Echt wahr. – 

Nightfever gab's bei diesem Katholikentag auch wieder, am Samstagabend in der Karmeliterkirche St. Joseph und St. Maria Magdalena; erheblich mehr Aufsehen erregte jedoch das nicht zum offiziellen Katholikentags-Programm gehörende, aber bewusst in dessen räumlichem und zeitlichem Umfeld angesiedelte Event "The Tabernacle" in der Würzburger Tectake-Arena am Freitag, dem 15. Mai, ausgerichtet von der Charismatischen Erneuerung und der Initiative "Jugend für Kirche". Knapp eine Woche zuvor hatte häretisch.de die Veranstaltung unter der Überschrift "21-Jähriger sammelt 100.000 Euro für Event parallel zum Katholikentag" angekündigt und diese Meldung aus Gründen, von denen man nur vermuten kann, dass die Verantwortlichen selbst sie einleuchtend finden, mit einem Symbolbild garniert, das ein Kreuz aus Geldstücken zeigt. Der Name des als "Jugendgottesdienst" klassifizierten Events wird in diesem Artikel nicht genannt, betont wird indes, die Veranstaltung stehe "nicht auf dem offiziellen Programm des Katholikentags"; gleichzeitig wird allerdings die Versicherung des Initiators Samuel Tussing zitiert, man wolle "nicht als Konkurrenz zum zeitgleich stattfindenden Katholikentag" wahrgenommen werden: "Vielmehr solle es eine Ergänzung zu dem Großereignis des deutschen Katholizismus sein." Die Tagespost brachte am Tag vor dem Tabernacle-Event ein Interview mit Tussing unter der augenzwinkernden Überschrift "Katholikentag für Charismatiker"; darin zeigte der junge Mann sich überzeugt: "Es gibt in Deutschland eine christliche Erweckung. In England und Frankreich noch viel mehr. Da wollen wir uns einklinken." – Genaueres darüber, was bei der Veranstaltung so los war, erfährt man aus einem Bericht der Pressestelle des Bistums Würzburg unter der vielsagenden Überschrift "Lichtshow, Lobpreis und Anbetung". Der Artikel verrät u.a., dass als Moderator Samuel Hartl dabei war, ja, das ist Johannes Hartls Sohn; dass der örtliche Diözesanbischof Franz Jung, der angesichts des Schmutzigen Schismas bestrebt scheint, mit jedem Fuß in einem anderen Lager zu stehen, im Rahmen des Events eine Messe zelebrierte; und dass es sogar ein Grußwort vom Papst gab – was umso mehr auffällt, als es zum Katholikentag keins gab. Weiterhin hebt der Bericht hervor, "dass die wenigsten der rund 600 Besucher am eigentlichen Katholikentag teilnahmen". 

Angesichts solcher Entwicklungen sehen die vermeintlich "progressiven" Vertreter des post-volkskirchlichen Establishments natürlich zunehmend im wahrsten Sinne des Wortes "alt aus" – wie auch Benjamin Leven feststellt, der in seinem Katholikentags-Tagebuch auf Communio bemerkt, bei "The Tabernacle" seien "junge Menschen von 15 bis 25 Jahren" – die seitens der Veranstalter als Zielgruppe benannt worden waren – "tatsächlich zahlreich anwesend" gewesen, während bei "vielen anderen Veranstaltungen im Katholikentagsprogramm [...] eher die Generation 60plus" dominiert habe. Da passt es ins Bild, dass die Kritik dieser Kreise an der neuen geistlichen Aufbruchsbewegung sich mehr und mehr so anhört, wie wenn verbitterte Rentner im Bus von Tegel nach Haselhorst über die heutige Jugend wettern. Exemplarisch sei hier der (noch gar nicht mal so alte) Mainzer Dogmatik-Professor Oliver Wintzek angeführt, der in der "Standpunkt"-Rubrik auf häretisch.de vor einer "gefährlichen TikTokisierung des Glaubens" warnt: Wintzek beklagt "hermeneutikfreie Bibelusurpation" und "entkontextualisierte Traditionsmisshandlung" und beschwert sich, dass "individuelle Glaubensüberzeugtheit und private Meinungen eine fundierte Sachkompetenz aufwiegen wollen"; von einer "schrägen Jesus-Unmittelbarkeit" ist da die Rede und, wenn wundert's, auch von "verketzernder Pseudorecht(s)gläubigkeit". Fast möchte er einem leid tun, und mit ihm all die anderen Vertreter einer Theologie, die seit Jahrzehnten darauf hingearbeitet hat, sich selbst irrelevant und überflüssig zu machen, dabei aber offenbar wie weiland Hanno Buddenbrook gemeint hat, "hernach käme nichts mehr" – und nun müssen diese Leute feststellen, dass das Christentum eben doch eine Zukunft hat, aber eine, die ohne sie stattfindet. 


Eine kleine Halbzeitbilanz 

Halbzeit? Ja, tatsächlich: Dies ist schon die 26. von geplanten 52 Folgen der Wochenbriefing-Reihe "Utopie und Alltag"! Und wie läuft die Reihe so? Von der Statistik her würde ich sagen: tendenziell besser als die vorherigen Wochenbriefing-Reihen – was man sicherlich im Zusammenhang damit betrachten muss, dass die Zugriffszahlen auf meinen Blog seit Februar 2026 insgesamt ein deutlich höheres Niveau erreicht haben als je zuvor, aber so ganz eindeutig ist das Verhältnis von Ursache und Wirkung da wohl nicht. Besonders große Resonanz haben von den bisherigen Folgen die Nummern 2 ("Im Epizentrum der Vorpubertät"), 3 ("Im Epizentrum der Glaubwürdigkeitskrise"), 7 ("Im Epizentrum des Winters") und 11 ("Des einen Auszeit ist des anderen Eiszeit") gefunden. Warum gerade diese? – Da kann man, wie immer, nur spekulieren; einen gewissen Aufschluss geben aber wohl die Leserkommentare, die sich im Fall von Utopie und Alltag 2 vorrangig auf das auch in der Überschrift anklingende Thema "Kümmere dich um die Sexualerziehung deines Kindes, bevor es die Falschen tun" beziehen (zu dem evtl. demnächst mal wieder ein Update fällig wird). Im Fall von Utopie und Alltag 3 entzündete sich die Kommentardebatte – was öfter vorzukommen pflegt – an einer Nebensächlichkeit, nämlich an der Erwähnung des Umstands, dass ich mit meiner Familie auf dem Weg vom Weihnachtsmarkt in der Spandauer Altstadt zur Nikolausfeier in St. Joseph Siemensstadt einen spontanen Zwischenstopp an einem Infostand der Partei Die Linke einlegte. Ich möchte aber behaupten, der Artikel bietet durchaus gewichtigere Inhalte; in erster Linie betrifft das den Abschnitt "Neues aus Synodalien: Bischöfe von der traurigen Gestalt", auf den sich auch der Gesamttitel der Folge bezieht und der in der These gipfelt, das Problematischste an der vielbeklagten "Unterwanderung des institutionellen Apparats der Kirche durch die 68er-Bewegung" sei es, 

"dass aus dem Spektrum dessen, was man mit '68' assoziiert, vorrangig die Laschen und die Lauen, die Spießer und die Langweiler in den kirchlichen Institutionen gelandet sind. Wenn sie ein bisschen mehr Mumm, mehr Feuer und mehr missionarischen Eifer gehabt hätten, wären diese Leute zur RAF gegangen oder hätten wenigstens ein Haus besetzt, statt Pastoralreferenten zu werden oder sich in den Pfarrgemeinderat wählen zu lassen." 

Die Leserkommentare zu Utopie und Alltag 7 drehen sich vorrangig um meine hier erstmals bekannt gegebene Absicht, eine Ausbildung zum Gemeindereferenten anzustreben; als das eigentliche Hauptthema des Artikels, sowohl in quantitativer als auch in qualitativer Hinsicht, würde ich indes die MEHR 2026 betrachten, auch wenn ich diese nur "aus der Ferne" beobachten konnte. – Zu Utopie und Alltag 11 gibt es kaum Leserkommentare, daher kann ich nur vermuten, dass der Erfolg dieses Artikels gerade in seiner thematischen Buntheit begründet ist: U.a. geht es da um eine Show im Friedrichstadtpalast, um Neuigkeiten aus dem Baumhaus, Winterurlaub in Butjadingen sowie last not least um Ralf Schulers Talk mit Johannes Hartl auf dem Portal NiUS und die empörten Reaktionen der postchristlich-progressiven Theologenbubble auf diesen Auftritt. Letzteres darf man wohl als das gewichtigste Thema des Artikels ansehen. 

Im Ganzen habe ich den Eindruck, der Rückblick auf die erste Hälfte der Reihe Utopie und Alltag unterstreicht meine explizit erst in Folge 21 geäußerte Einschätzung, die "in anderen Teilen der westlichen Welt, etwa in Frankreich und Großbritannien, schon etwas länger zu beobachtende religiöse Erweckungsbewegung, oder sagen wir 'Aufbruchstimmung'", die "allmählich auch in Deutschland und auch ganz konkret in Berlin ankommt", könnte sich als "das wesentlich Neue" herausstellen, "das die Reihe Utopie und Alltag von meinen früheren Wochenbriefing-Reihen abhebt". Hervorheben und zur Lektüre empfehlen möchte ich in diesem Zusammenhang nicht zuletzt auch die Abschnitte "Sind wir nicht alle ein bisschen KiNC?: Hilfe, die hippen Missionare kommen" in Utopie und Alltag 5 und "Neues aus Synodalien: Hilfe, neue Mitglieder!" in Utopie und Alltag 17; als bisherige spirituelle Highlights des Berichtszeitraums der Reihe Utopie und Alltag sei hier einerseits der Lobpreisabend mit Timo Langner in der Gemeinde auf dem Weg genannt, von dem auch meine achtjährige Tochter sagt, er habe ihr "geholfen, tiefer ins Christentum hineinzukommen", und andererseits den Männereinkehrtag im Kloster Neuzelle. Ich bin aber zuversichtlich, dass in der zweiten Hälfte der Reihe noch weitere, vielleicht sogar größere Highlights hinzukommen werden...! 


Geistlicher Impuls der Woche 

Es ist Jesus selbst, der zu seiner Kirche spricht. Seine Botschaft ist an alle einzelnen Teilkirchen gerichtet und betrifft ihr inneres Leben, dss manchmal gekennzeichnet ist durch das Vorhandensein von Auffassungen und Gesinnungen, die mit der Überlieferung des Evangeliums unvereinbar sind, oft von verschiedenen Formen der Verfolgung heimgesucht wird und – was noch gefährlicher ist – durch besorgniserregende Symptome der Verweltlichung, des Verlustes des ursprünglichen Glaubens und des Kompromisses mit dem Denken der Welt gefährdet ist. Nicht selten haben die Gemeinden nicht mehr die frühere Liebe (vgl. Offb 2,4). 

Es ist zu beobachten, wie sich unsere kirchlichen Gemeinschaft mit Schwächen, Mühseligkeiten und Widersprüchen herumschlagen. Auch sie haben es nötig, die Stimme des Bräutigams wieder zu hören, der sie zur Umkehr einlädt, sie anspornt, Neues zu wagen, und sie aufruft, sich für das große Werk der Neuevangelisierung einzusetzen. Dir Kirche muss sich ständig dem Urteil des Wortes Christi unterordnen und ihre menschliche Dimension in einem Zustand der Läuterung leben, um immer mehr und immer die Braut ohne Flecken und Falten zu sein gekleidet in strahlend reines Leinen (vgl. Eph 5,27; Offb 19,7-8). 

(Johannes Paul II., Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 23) 


Ohrwurm der Woche 

Johnny Nash: I Can See Clearly Now 

Ein bisschen Ironie des Schicksals ist es ja, dass ausgerechnet am Himmelfahrtswochende das Wetter nicht so toll war; aber das ist wohl kaum ein Grund sich nicht darüber zu freuen, dass es jetzt schöner ist. Dieser Ohrwurm kam zu mir auf dem Wege einer Assoziationskette von Songs mit "Sun" oder "Sunshine" im Titel; wozu ich anmerken möchte: Wenn in einem Songtext von Sonnenschein, klarem Himmel, sich verziehenden Wolken die Rede ist, dann muss man das vielleicht nicht unbedingt metaphorisch verstehen, aber in diesem Fall ist es ganz bestimmt so gemeint. Der Song ist nicht einfach nur optimistisch, sondern hoffnungsfroh, und das durchaus auch in einem transzendenten Sinne. So gesehen passt er auch zu Pfingsten, finde ich. 


Vorschau / Ausblick 

Pfingsten steht vor der Tür! Ich gehe davon aus, dass wir am morgigen Pfingstsonntag in St. Joseph Siemensstadt in die Messe gehen werden; am Montag sind wir zum traditionellen Pfingstbrunch bei Bloggerkollegin Claudia eingeladen. Am Dienstag ist dann noch schulfrei, Kampfsporttraining ist aber trotzdem; schauen wir mal, ob die Kinder da hingehen wollen. Und von Mittwoch bis Freitag geht unser Jüngster dann auf KiTa-Reise. Mit zwei Übernachtungen. Das kann ja spannend werden! Auch spannend ist, dass direkt danach das Alpha-Kurs-Wochenende in Falkensee beginnt, bei dem meine Liebste als Helferin eingeplant ist. Es ist anzunehmen, dass das eher ein Thema fürs übernächste Wochenbriefing wird, aber ich will doch schon mal verraten, was ich in dieser Zeit mit den Kindern zu unternehmen gedenke: Bei den Schöneberger KPE-Wölflingen ist am Samstag das erste Meutentreffen nach dem Lager, gleichzeitig findet auch die Wichtelgruppe statt, das trifft sich schon mal gut; später könnte man dann zur Community Networking Night im Baumhaus gehen. Und am Sonntag ist KiWoGo... Ansonsten habe ich ja schon im Einleitungsabsatz dieses Wochenbriefings festgehalten, welchen Themen ich mich im nächsten widmen will. Schauen wir mal, was draus wird! 


Samstag, 16. Mai 2026

Utopie und Alltag 25: Lasset die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht

Saludos, Compañeros! Ich habe gerade sturmfreie Bude, denn meine Große ist noch bis morgen im Wölflingslager und meine Liebste ist mit dem Jüngsten an die Ostsee gefahren. In der zurückliegenden Woche stand ich – nicht zum ersten Mal in der Geschichte der Reihe "Utopie und Alltag", aber doch in besonders ausgeprägtem Maße – vor dem Luxusproblem, dass es buchstäblich mehr als genug Stoff zum Bloggen gab, ich mir aber zugleich die Frage stellen musste: Wenn ich alle Themen, die genug Stoff für einen eigenständigen Artikel abgeben, aus dem Wochenbriefing ausgliedere, was bleibt dann noch fürs Wochenbriefing übrig? Und dann muss ich auch noch die Zeit finden, das alles aufzuschreiben. Hinzu kommt, dass die meisten Themen, die mich in der zurückliegenden Woche beschäftigt haben, einen gewissen Roten Faden erkennen lassen, der sie verbindet; nur und ausgerechnet das Wölflingslager, das natürlich ein "designiertes Top-Thema" der Woche ist, fällt da einigermaßen raus oder bildet vielleicht sogar eine Art Antithese dazu. – Und was für ein Roter Faden wäre das? Nun, sagen wir mal so: Nachdem ich vor einigen Wochen spekuliert habe, das "Quiet Revival" – anders ausgedrückt, der vor allem in der "Generation Z" zu beobachtende religiöse Aufbruch in den vermeintlich unwiderruflich durchsäkularisierten Gesellschaften des Westens – könnte sich als das zentrale Thema der gesamten Reihe "Utopie und Alltag" herauskristallisieren, habe ich in der zurückliegenden Woche einige Beobachtungen dazu machen müssen, wie der post-volkskirchliche Normalbetrieb diesen religiösen Aufbruch nicht nur nicht unterstützt, sondern effektiv dagegen arbeitet. Was mich einmal mehr an Pastor Kurowskis #TeamVolkskirche-Thesen erinnert hat, in denen es ernsthaft als "[v]ielleicht [...] das entscheidende Argument für Volkskirche" hervorgehoben wird, dass sie – mit "ihrer pomadigen Behördenstruktur, in ihrer flächendeckenden Mittelmäßigkeit, in ihrer verkopften Ausbildung, in ihrer durch und durch lauwarmen Kompromissbereitschaft" – "eine Art Containement [sic] für das Religiöse bietet". Und damit fängt sie schon bei den Kindern an. Kaum auszudenken, was aus der Kirche in unseren Breiten werden könnte, wenn sie das nicht täte. 

Langer Rede kurzer Sinn: Zum Katholikentag habe ich bereits gestern einen separaten Artikel veröffentlicht (was nicht unbedingt heißt, dass dieses Thema damit für mich abgeschlossen wäre), und einen thematisch nicht so ganz zum oben skizzierten Roten Faden passenden Abschnitt ("Mehr Neues vom Schulkind, den anderen Schulkindern und deren Eltern") habe ich vorerst zurückgestellt. Was alles Übrige angeht: Seht selbst! 

Tympanon am Portal der Kirche St. Antonius in Eichwalde

Himmelfahrtskommando mit den Wölflingen 

Ich erwähnte es ja bereits: Die Wölflingsmädchen der Berliner und Brandenburger Stämme der Katholischen Pfadfinderschaft Europas (KPE) haben derzeit ihr gemeinsames Frühlingslager, und meine Tochter ist mit dabei. Bevor es aber ins Lager losging, gab es am vergangenen Samstag noch einmal ein "normales" Meutentreffen im Garten von St. Norbert, an dem mein Tochterkind und 17 weitere Mädchen teilnahmen. Wie schon zwei Wochen zuvor verzichtete ich erneut darauf, bei diesem Meutentreffen zuzuschauen; was ich aber mitbekam, war, dass die Mädchen einen Großteil der Zeit damit beschäftigt waren, aus Baumstämmen und Stricken ein "hausförmiges" Gerüst zusammenzubauen, das am Ende auch tatsächlich frei stehen konnte – auf Nachfrage erklärte meine Tochter mir, das sei eine Kapelle. Ich war ziemlich beeindruckt. 

Wie ich bereits angekündigt hatte, war mein Tochterkind zu diesem Meutentreffen erstmals in Klufthemd und Barrett erschienen; was zur Vervollständigung der Kluft noch fehlte, waren die Aufnäher für Ärmel und Brusttaschen des Klufthemds, aber die Akela versprach, diese zum Lager mitzubringen – und ebenso das Erprobungsheft "Der Weg durch den Dschungel". Dass eins der Mädchen, das beim Herbstlager mit dabei gewesen war, mich fragte, ob ich wieder kochen würde, empfand ich als durchaus schmeichelhaft, musste diese Frage aber trotzdem verneinen – obwohl ich das wirklich gern gemacht hätte, aber das Küchenteam war bereits anderweitig besetzt. Meine Tochter war zunächst auch nicht ganz glücklich darüber, dass ich beim Lager nicht durchgehend dabei sein, sondern lediglich "mal vorbeikommen" würde; ich sagte mir (und ihr) aber, es werde schon alles gutgehen: Schließlich gibt es bei so einem Lager buchstäblich von morgens bis abends "Programm", da dürfte sie wohl kaum Zeit und Gelegenheit für Heimweh oder Papi-Vermissung haben. "Die Nächte könnten schwierig werden", wandte sie ernst ein. Wozu ich indes anmerken möchte: Wenn ich beim Lager dabei wäre, würde sie ja trotzdem mit ihrem Rudel im Zelt schlafen sollen – und, so nehme ich an, auch wollen. Meine Liebste gab zu bedenken, in der Zeit seit dem Herbstlager – also in etwas mehr als einem halben Jahr – habe unsere Große nicht ein einziges Mal "woanders übernachtet", ohne dass es mitten in der Nacht Drama gegeben hätte, weil sie doch nach Hause wollte; ich wandte ein, das sei zwar "technically correct (the best kind of correct)", aber man könne den Sachverhalt auch so ausdrücken, dass die einzigen Übernachtungsversuche, bei denen es solche Dramen gegeben habe, bei einer bestimmten Schulfreundin stattgefunden hätten – und wenn man stundenlang auf dem Tablet zockt und/oder Videos guckt und dann nicht schlafen kann, sei das ja wohl etwas anderes, als wenn man nach einem Tag voller Aktivität an der frischen Luft und einem feierlichen Abendritual rechtschaffen müde in seinen Schlafsack kriecht. Jedenfalls hoffte ich, dass das so sein würde; aber wie es aussieht, hat sich diese Hoffnung auch tatsächlich erfüllt. Aber mal der Reihe nach: 

Bereits am Dienstag war ich eifrig damit beschäftigt, die Ausrüstung für das Lager zusammenzusuchen und teils mit Wäschestift und teils mit Permanent-Marker zu beschriften, damit ich am Abend gemeinsam mit dem Tochterkind den Rucksack packen konnte – auf der Packliste, die, wie schon anlässlich des Herbstlagers vermerkt, auch detailliert angab, in welcher Anordnung die verschiedenen Ausrüstungsgegenstände im Rucksack verstaut werden sollten, war ausdrücklich vermerkt, dass die Wölflinge ihren Rucksack selbst packen sollten, und das leuchtete mir auch unmittelbar ein, aber ich half trotzdem dabei mit. Der Grund dafür, dies schon am Dienstag zu tun, war der, dass die Rucksäcke am Mittwochnachmittag schon in St. Norbert abgegeben und in den Hänger verladen werden sollten, damit die Mädchen am Donnerstag nur leichtes Handgepäck mitzunehmen brauchten. – Da ich wegen der Gepäckaufgabe nicht zum JAM konnte, sagte ich mir, dann könne ich ja auch gleich dabei mithelfen, den Boni-Bus samt Anhänger zu beladen – nicht nur mit Rucksäcken, sondern auch mit Zelten, Kochgeschirr und sonstigem Lagerzubehör. 

An diesem Fotomotiv reizte mich besonders die Kombination aus Meutenstab und Graffitti. 

Blick in den Hänger: Sieht gar nicht nach so viel Zeug aus, aber das täuscht.

Am Donnerstag – Christi Himmelfahrt – mussten wir ungefähr so früh aufstehen wie an einem normalen Schultag, um rechtzeitig am Treffpunkt zu sein: Die Meute versammelte sich um 9 Uhr am Bahnhof Südkreuz, um von dort aus mit der Regionalbahn nach Königs Wusterhausen und dann mit der S-Bahn weiter zum Lagerplatz zu fahren. Mein Tochterkind war nach eigenem Bekunden "aufgeregt wie ein Wischmop", und als wir am Bahnhof die ersten anderen Wölflingsmädchen trafen, darunter einige, mit denen meine Tochter sich bei den zurückliegenden Meutentreffen angefreundet hat – auch ihre beste Freundin vom Herbstlager war wieder mit von der Partie –, gab es endgültig kein Halten mehr. – Ein bisschen Sorge machte mir das Wetter: Vor zwei Wochen war's schon richtig sommerlich gewesen, aber nun waren die Eisheiligen ins Land gezogen, es war regnerisch-trüb und wurde nachts noch mal richtig kalt. Kurz, das Wetter war insgesamt so ähnlich wie beim Herbstlager – immerhin nicht schlechter, könnte man sagen, aber ich hatte eigentlich auf mehr Sonne und freundlichere Temperaturen gehofft. 

Aber wie dem auch sei: Nachdem mich in der ersten Nacht kein Notruf ereilt hatte, machte ich mich am Freitag mal auf den Weg, um dem Wölflingslager – das auf dem Pfarrhausgrundstück der zur Pfarrei Zur Heiligen Dreifaltigkeit in Königs Wusterhausen gehörenden Kirche St. Antonius in Eichwalde aufgeschlagen worden war. 


Meine Tochter war wohlauf und fröhlich, und auch sonst war die Stimmung im Lager ausgezeichnet. "Du hast eine gute Jagd verpasst", teilte mir eine Assistentin mit, die ich schon vom Herbstlager her kannte. (Mit dem einschlägigen Vokabular nicht so vertrauten Lesern sei gesagt, dass als "Jagd" bei den Wölflingen ein Geländespiel bezeichnet wird, in dessen Verlauf verschiedene Aufgaben gelöst werden müssen.) Nett fand ich auch, dass eins der Mädchen – dasselbe, das mich am Samstag gefragt hatte, ob ich beim Lager wieder koche – mich mit dem Gestus völliger Selbstverständlichkeit um Hilfe bei einer Pflanzenbestimmungs-Aufgabe bat. Nicht lange nach meiner Ankunft gab es Mittagessen – Kartoffeln mit Quark und Gurkensalat, "ein gutes Freitagsessen", wie die Lagerleiterin anmerkte –, und ich bekam auch eine Portion ab. 



Während des Essens unterhielt ich mich mit dem Kuraten, einem jungen Pater von der Ordensgemeinschaft der Diener Jesu und Mariens, der, wie ich bemerkte, bei den Mädchen ausgesprochen beliebt war. – Nach dem Abwasch war "Stille Stunde", und das nahm ich zum Anlass, mich wieder zu verkrümeln. Ein wenig beeinträchtigt wurde die Idylle des Lagerplatzes übrigens dadurch, dass er genau in der Einflugschneise zum Flughafen BER lag; meine Tochter verriet mir sie habe zum Einschlafen Flugzeuge statt Schafe gezählt. 

Was meine Tochter sonst noch so über das Himmelfahrtslager zu erzählen haben wird, wenn sie morgen zurückkommt, wird, soweit es für die Öffentlichkeit geeignet ist, im nächsten Wochenbriefing nachgeliefert; erwähnen möchte ich jedenfalls noch, dass insgesamt 28 Mädchen aus vier verschiedenen Meuten an diesem Lager teilnehmen, darunter auch die Meute Graubruder aus Berlin-Gesundbrunnen, die noch so neu ist, dass sie noch keine Anhänger an ihrem Meutenstab hat. Aber das wird sich ja nun wohl bald ändern. 


Hier zum Vergleich der Meutenstab der Meute Raschka aus Teltow.

Das Tagesprogramm gibt recht deutlich zu erkennen, dass Gottesdienstbesuch, Katechese und Gebet einen ziemlich umfangreichen Teil des Lageralltags ausmachen. Aber das hatte ich ja auch schon beim Herbstlager festgestellt.

Nach der Erstkommunion nochmal zur Kirche zu kommen, ist ja schon eine Hürde, an der viele scheitern 

Am 6. Sonntag der Osterzeit war in St. Joseph Siemensstadt "Dankgottesdienst der Erstkommunionkinder" – man könnte vielleicht auch "Zweitkommunion" dazu sagen. Unterwegs dorthin fragten wir uns, wie sich dies wohl auf die Platzsituation in der Kirche auswirken würde, rechneten aber nicht ernsthaft damit, dass es auch nur annähernd so voll werden würde wie in der Woche zuvor. Und richtig: Von insgesamt 31 Kindern, die an den beiden vorangegangenen Sonntagen in dieser Kirche die Erstkommunion empfangen hatten, waren zum Dankgottesdienst dreizehn erschienen – nun gut, man kann sagen, wenn man das mit der Heilung der Zehn Aussätzigen (Lk 17,11-19) vergleicht, ist das gar keine sooo schlechte "Rücklaufquote". – Zelebriert wurde auch diese Messe wieder von Padre Ricardo; seine Predigt war im Wesentlichen als Ansprache an die Erstkommunionkinder und deren Familien gerahmt, mit der zentralen Botschaft, sie seien in der Kirche auch weiterhin (!) jederzeit willkommen; aber auch über die Tatsache hinaus, dass es ja schon recht bezeichnend ist, wenn man so etwas gegenüber den Familien von Erstkommunionkindern extra betonen muss, enthielt diese Ansprache ein paar bemerkenswerte Aspekte, die ich hier festhalten möchte. Zum einen räumte Padre Ricardo ein, ihm sei bewusst, dass es den Priestern manchmal am "Geist der Gastfreundschaft" und an Herzlichkeit fehle, und bat dafür "um Verzeihung". Zum anderen merkte er an, es könne für die Kinder, die ja mit einiger Wahrscheinlichkeit "Mitschülerinnen und Mitschüler" haben, "die nicht an Gott glauben", zuweilen schwierig sein, sich zu ihrem Glauben zu bekennen; sie könnten im Alltag leicht in die Versuchung geraten, den Glauben zu verleugnen. "Aber ich sage euch, wenn wir Jesus bekennen, wird Er uns immer helfen, immer. Der Geist wird uns auch bestärken." 

Zum Dankgottesdienst gehört auch der Dank an die ehrenamtlichen Katechetinnen, die an der Erstkommunionvorbereitung mitgewirkt haben, und dieser wurde gegen Ende der Messe, vor den Vermeldungen, mit warmen Worten, Applaus und Blumensträußen abgestattet. Dabei fehlte auch nicht der Hinweis, es hätten sich für den nächsten Erstkommunionkurs "auch einige Neue gemeldet, die mitmachen wollen", und da wurde mir schon ein wenig mulmig bei der Vorstellung, im nächsten Jahr mit da vorne zu stehen. Nicht dass ich was dagegen hätte, Blumen geschenkt zu bekommen, aber auf dem Weg dorthin sehe ich durchaus Konflikte voraus. Na, schauen wir mal. 


Mensch, Mose – beweg dich! 

Am Dienstag fand im Gemeindehaus von St. Stephanus in Haselhorst ein Teamtreffen für die Religiöse Kinderfreizeit in den Sommerferien statt; bis auf den designierten Chefkoch, dem ich auf dieser Fahrt assistieren soll, erschien das Team vollzählig, insgesamt sieben Personen: vier junge Erwachsene (2m/2w), von denen drei auch schon im Vorjahr zum RKF-Team gehört hatten und auch bei den Religiösen Kindertagen mitarbeiten, dazu der Gemeindereferent, seine Frau und ich. – Ein Leitgedanke, den ich zu diesem Treffen mitnahm, lautete, man müsse es vermeiden, dass das katechetische Programm dieser Fahrt als ein notwendiges Übel wahrgenommen werde, als etwas, was man hinter sich bringen müsse, um in der übrigen Zeit Spiel, Sport und Spaß genießen zu können. Das ist übrigens nicht nur ein kirchliches Problem; bei Schulfahrten, sofern diese darauf angelegt sind, (auch) einen Lerninhalt zu haben, ist es nicht anders. Dass zumindest einige der teilnehmenden Kinder eine solche Einstellung zum Programm mitbringen, ist demnach wohl nicht gänzlich zu vermeiden; aber meiner Überzeugung nach verstärkt sich das Problem – geradezu im Sinne einer "self-fulfilling prophecy" –, wenn die Betreuer diese Haltung bei den Teilnehmern voraussetzen und dies auch mehr oder weniger offen kommunizieren, womöglich auch deshalb, weil sie selbst mehr Lust auf Schwimmen oder Volleyball haben als auf Katechese. (Das will ich konkret niemandem aus diesem Team unterstellen, aber prinzipiell ist das eine Möglichkeit, mit der man rechnen muss.) Kurz gesagt, ich denke, es muss wenigstens einen im Team geben, der die Überzeugung ausstrahlt, dass die katechetischen Einheiten das Wichtigste, das Tollste und der eigentliche Hauptinhalt der RKF sind – und wenn's der Küchengehilfe ist. 

Das nächste Problem ist, dass die katechetischen Einheiten dann eben auch so sein müssen, dass man diese Überzeugung glaubwürdig vertreten kann. Und damit kommen wir zu den Materialien zum diesjährigen Thema der Freizeit, "Mensch, Mose – beweg dich!". Wenn ich nicht ohnehin schon mehr als genug zu tun gehabt hätte, hätte ich mich gern etwas gründlicher inhaltlich auf das Teamtreffen vorbereitet, aber was ich gerade noch geschafft hatte, war zum einen, die auf der Website religioesekinderwoche.de unter der Überschrift "Die Inhalte der RKW 2026" veröffentlichten Texte durchzulesen, und zum anderen, mir im Vergleich dazu anzusehen, wie die Lebensgeschichte des Mose in meiner bewährten Kinderbibel dargestellt wird. Zum erstgenannten Punkt nur mal soviel: Als ich las, im Programm des ersten Tages solle das Thema "Identitätsfindung" im Mittelpunkt stehen – da Mose "sich aus seiner Biographie heraus sowohl dem ägyptischen Volk als auch den Hebräern bzw. dem Volk Israel zugehörig fühlt" –, und dazu weiter ausgeführt wurde "Jeder Mensch sollte sich mit seiner Herkunft und Vergangenheit auseinandersetzen, um ein bewusstes und selbstbestimmtes Leben führen zu können", dachte ich erst mal nur: Ächz. – Ich fürchte, Lesern, die diese spontane Reaktion nicht intuitiv verstehen bzw. nachempfinden können, werde ich sie auch kaum erklären können; aber auch ohne an dieser Stelle darauf einzugehen, wie viel ideologisches Schindluder mit dem Begriff "Identität" getrieben werden kann – darauf wäre vielleicht bei Gelegenheit zurückzukommen –, möchte ich einfach mal das Stichwort "sozialpädagogische Banalisierung" in den Raum werfen. Die Tendenz dazu setzt sich im weiteren Verlauf des Wochenprogramms leider fort. Am zweiten Tag sollen sich die "Teilnehmenden" [sic!] "auf die Suche nach ihren persönlichen Kraftquellen" begeben, der vierte Tag steht unter dem Motto "Ich bringe mich ein". – In der Kinderbibel, die ich schon öfter für KiWoGo, RKT usw. verwendet habe, umfasst die Erzählung von der Geburt Moses bis zu seinem Tod 24 Seiten (allerdings mit zahlreichen zum Teil recht großformatigen Bildern), und bei der Lektüre ist mir erst richtig aufgefallen, was in der Kurzübersicht über die "Inhalte der RKW 2026" alles nicht vorkommt: Der Brennende Dornbusch wird wenigstens beiläufig erwähnt, nicht hingegen die Ägyptischen Plagen, das Pessach, der Durchzug durchs Rote Meer, die Zehn Gebote, das Goldene Kalb und die Bundeslade. Okay, sagte ich mir: Dass davon in der Kurzübersicht keine Rede ist, heißt ja noch nicht, dass es in den ausführlichen Materialien nicht vorkommt. Aber eine eigentümliche Schwerpunktsetzung verrät es schon. 

Zu meinem Verdruss stellte sich beim Teamtreffen dann allerdings heraus, dass die ausführlichen Materialien noch viel blöder sind, als die Kurzübersicht es hatte erwarten lassen. Ich finde sie wirklich bizarr schlecht, und zwar inhaltlich und methodisch. Exemplarisch sei hier nur mal der Text von der Rückseite des Materialienbuchs zitiert: 

"Was bringt uns in Bewegung – äußere Umstände oder innere Impulse? In dieser Religiösen Kinderwoche entdecken die Teilnehmenden in fünf Tagen, wie die Erlebnisse und Entscheidungen des Mose auch heute noch Wegweiser für das eigene Leben sein können. Im Mittelpunkt stehen vielfältige Bewegungsangebote, die ganzheitliches Lernen ermöglichen und das Körperbewusstsein stärken. Bewegung wird dabei zur Ausdrucksform von Emotionen, Gebet und Glauben" –

– aber was mit "Glauben" eigentlich inhaltlich gemeint ist, bleibt ausgesprochen schwammig. Ständig geht es in den Materialien darum, in sich selbst hineinzuspüren, bestenfalls sich mit den anderen "Teilnehmenden" auszutauschen; der biblische Stoff wird lediglich als Anlass und Material für psycho-esoterisches Selbsterfahrungsgedöns und hier und da ein bisschen Demokratieförderung genutzt. Alles in allem: "Boomer Catholicism" at its worst. Vielleicht könnte man mit diesem Konzept eine tolle Seniorenfreizeit machen, aber vielleicht ist diese Bemerkung auch unfair unseren älteren Mitgläubigen gegenüber. 

Nun besteht natürlich durchaus die Möglichkeit, dass ich von den Katechesen ohnehin nicht besonders viel mitkriege, weil ich in der Küche zu tun habe; aber deswegen ist es mir noch lange nicht egal, was den Kindern da aufgetischt wird – nicht zuletzt auch, weil meine Tochter mit dabei sein wird. Ich denke also, ich sollte bis zum nächsten Teamtreffen – das in etwa vier Wochen stattfinden soll – etwas Energie und Kreativität auf die Frage verwenden, ob und wie man im Rahmen des vorgegebenen Konzepts zumindest gewisse Akzente setzen könnte: weg von der Nabelschau, hin zu einer Katechese, die diese Bezeichnung wirklich verdient. Mit Hilfe meiner Liebsten habe ich dazu auch schon ein paar Ansatzpunkte gefunden. Ich werde bei Gelegenheit darauf zurückkommen... 


Und was ist jetzt mit der "Guerilla-Urlauberseelsorge"? 

Ebenfalls am Dienstag traf sich das Pastoralteam der Pfarrei St. Willehad Nordenham/Butjadingen/Stadland zur Dienstbesprechung, und da wurde auch über meinen Vorschlag zum Thema "Spirituelle Angebote für Familien im Urlaub" gesprochen. Wenn die Antwort, die ich auf meine Mail erhielt, Rückschlüsse darauf zulässt, wie ausführlich dieser Tagesordnungspunkt diskutiert wurde, dann war es eine sehr kurze Besprechung. Das Ergebnis lautete kurz und bündig, man habe "kein Interesse", auf dieses "Angebot einzugehen". Zur Begründung heißt es in der Antwort an mich: "Die Urlauber-Kirche ist bereits komplett geplant und es gibt genügend Familien, die als Teamer in den nächsten Jahren mit uns arbeiten." – Ich sag mal so: Wenn ich im Juli nach Butjadingen komme und dort feststelle, dass die Urlauberkirche dort nicht nur neue Shirts mit einem neuen Logo, sondern auch ein von Grund auf erneuertes Konzept hat und ein reichhaltiges spirituelles und katechetisches Programm bietet, dann nehme ich alles zurück, was ich in den folgenden Zeilen schreiben werde, und leiste öffentlich Abbitte. Aber ich glaube, da könnte ich genauso gut schreiben "...dann fress' ich einen Besen". 

Dies vorausgeschickt, muss ich sagen, die selbstgefällige "Brauchen wir nicht!"-Haltung, die Team Willehad da an den Tag legt, erinnert mich frappierend an den Pfarrer von St. Klara Reinickendorf-Süd, der bei allen möglichen Initiativen oder Anregungen, die irgendwie in Richtung Neuevangelisierung und/oder Gemeindeerneuerung gingen, ebenfalls immer zu fragen pflegte "Brauchen wir das?". Ich habe ihm dazu mal in einer Mail folgendes geschrieben: 

"Ich würde so eine Frage ehrlich gesagt eher in einer Gemeinde (oder vergleichbaren Institution) erwarten, die schon alles hat, was sie braucht – in der alles so gut läuft, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes 'wunschlos glücklich' ist. – Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgend jemand ernsthaft der Auffassung ist, das sei bei uns der Fall." 

Tja. Das ist offenbar so ein Punkt, wo ich immer wieder zu naiv-optimistisch bin und den Leuten zu viel zutraue, nämlich, dass sie doch selber merken müssten, dass es bei ihnen nicht so toll läuft und dass sie es sich daher nicht leisten können, Initiativen und Anregungen, die vielleicht nicht auf dem gewohnten Dienstweg daherkommen, mit einem steifnackigen "Brauchen wir nicht!" abzuschmettern. – Im Fall der Urlauberseelsorge in Butjadingen dürfen wir nun jedenfalls wohl davon ausgehen, dass deren Programm deshalb so ist, wie es ist, weil Team Willehad es genau so haben will. Mehr oder etwas anderes als das, was da geboten wird, ist ausdrücklich unerwünscht, selbst wenn man's den Leuten auf dem Silbertablett serviert. Wenn man den Begriff Seelsorge ernst nimmt und wörtlich versteht, als Sorge für oder um Seelen, ist so eine Haltung eigentlich zutiefst unverständlich. Vermutlich muss man da aber unter anderem auch die von Pastor Kurowski angesprochene "pomadige Behördenstruktur" in Rechnung stellen: Die Urlauberkirche ist ein Haushaltsposten mit klaren Zuständigkeiten und geregelten Abläufen, und es geht nicht an, dass irgendwer daherkommt und meint, man könnte das doch alles auch mal ganz anders machen. Auch nicht innerhalb des Pastoralteams übrigens: Die Urlauberbetreuung fällt in die Zuständigkeit des Diakons, und da hat ihm keiner reinzureden. 

Was übrigens das Problem angeht, das Diakon Richter mit mir hat und ich mit ihm, ist mir neulich zwischen Klo und Dusche eine Erkenntnis gekommen, die fast schon eine Erleuchtung genannt werden darf: In gewissem Sinne könnte man ihn als meinen bösen Zwilling bezeichnen. Nicht nur hat er als Diakon und Pastoralreferent Gestaltungsspielräume in der Kirche, von denen ich vorläufig nur träumen kann; er hat, in Gestalt des "Rat-Schinke-Hauses" in Burhave, sogar so etwas wie sein eigenes Pfarrhausfamilien-Projekt. Nur nutzt er das alles eben gerade nicht für Neuevangelisierung und Gemeindeerneuerung, sondern hisst vor dem Haus eine Regenbogenflagge und betreibt ansonsten religiöses Containment im Sinne Pastor Kurowskis. Und genau dafür wird er von der Kirche auch noch bezahlt, und das gewiss nicht schlecht. – Letzteres macht natürlich auch deutlich, dass das eigentliche Problem nicht an einer einzelnen Person hängt, sondern dass es sich um ein strukturelles Problem der post-volkskirchlichen Institutionen handelt, dass Leute in solchen Positionen so handeln. Aber dieses strukturelle Problem konkretisiert sich eben in einzelnen Personen, und ich sag mal so: Ich an deren Stelle würde mich lieber nicht darauf verlassen, dass ich beim Jüngsten Gericht damit durchkomme, alles auf die Strukturen zu schieben. 

Die entscheidende Frage lautet aber natürlich: Und was jetzt? – Fangen wir mal mit dem einfachsten an: Einmal pro Urlaubswoche "Lobpreis mit dem Stundenbuch" aka "Beten mit Musik" würden wir wohl so oder so machen, auch schon für uns alleine; wenn wir das öffentlich ankündigen wollen, können wir es angesichts der ablehnenden Haltung der Pfarreiverantwortlichen nicht in der Kirche machen, aber ich schätze, im Bürgerobstgarten (zum Beispiel) wäre das vom allgemeinen Recht auf Versammlungsfreiheit gedeckt. Und darüber hinaus? Sehr ungern verzichten würde ich darauf, Kinderkatechesen zu den Sonntagsevangelien anzubieten, einfach weil die Texte dafür so viel hergeben (das Gleichnis vom Sämann, das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen, das Gleichnis vom Schatz im Acker). Könnte man vielleicht auch im Bürgerobstgarten machen, oder am Strand, aber vielleicht findet sich da auch noch eine andere Möglichkeit – es sind ja noch ein paar Wochen Zeit bis dahin, und ein paar Ideen, wo man mal anfragen konnte, hatte ich auch schon. Die behalte ich aber vorerst lieber mal für mich... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Lukas sagt, dass die Jünger voll Freude waren, als der Herr endgültig von ihnen gegangen war. Wir würden das Gegenteil erwarten. Wir würden erwarten, dass sie ratlos und traurig zurückblieben. Die Welt hatte sich nicht geändert, Jesus war endgültig von ihnen gegangen. Sie hatten einen Auftrag erhalten, der unausführbar schien und ihre Kräfte überstieg. Wie sollten sie vor den Menschen in Jerusalem, in Israel, in der ganzen Welt hintreten und sagen: "Dieser Jesus, der gescheitert schien, ist doch der Retter von uns allen"? Jeder Abschied hinterlässt Trauer. Auch wenn Jesus als Lebender von ihnen gegangen war: Wie sollte sein endgültiges Scheiden von ihnen sie nicht traurig machen? Und doch – da steht, sie kehrten mit großer Freude nach Jerusalem zurück und priesen Gott. Wie können wir das verstehen? 

Jedenfalls folgt daraus, dass die Jünger sich nicht verlassen fühlen. Dass sie Jesus nicht als weit von ihnen in einen unzugänglichen Himmel entschwunden ansehen. Sie sind offenbar einer neuen Gegenwart Jesu gewiss. Sie sind sich gewiss (wie es der Auferstandene nach Matthäus denn auch gesagt hat), dass er gerade jetzt auf eine neue und machtvolle Weise bei ihnen gegenwärtig ist. Sie wissen, dass "die Rechte Gottes", zu der er "erhöht ist", eine neue Weise seiner Gegenwart einschließt, dass er nun unverlierbar bei ihnen ist, so wie eben nur Gott uns nahe sein kann. 

Die Freude der Jünger nach der "Himmelfahrt" korrigiert unser Bild von diesem Ereignis. "Himmelfahrt" ist nicht Weggehen in eine entfernte Zone des Kosmos, sondern die bleibende Nähe, die die Jünger so stark erfahren, dass daraus beständige Freude wird. 

(Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Bd. II) 


Ohrwurm der Woche 

Simple Minds: And the Band Played On 

Irgendwann gegen Mitte der 90er habe ich mal eine Plattenkritik gelesen, in der es über eine Band, deren Ruhm vorrangig aus den 80ern datierte, hieß, auf ihrem neuen Album habe sie nicht nur Gott, sondern auch die Gitarre entdeckt. Der Witz an der Sache ist, dass zwar diese Formulierung aus der Rezension bei mir hängen geblieben ist, ich mich aber nicht mit letzter Sicherheit erinnern kann, auf welche Platte sie sich bezog: Wahrscheinlich handelte es sich um "Songs of Faith and Devotion" (1993) von Depeche Mode, es könnte aber auch "Good News from the Next World" (1995) von den Simple Minds gewesen sein – denn auch wenn die Simple Minds "schon immer" eine Gitarre in ihrem Instrumentarium hatten, darf man wohl doch behaupten, dass ihr Sound in den 80ern erheblich keyboardlastiger war. Mitte der 90er war von der Band aber neben Sänger Jim Kerr nur noch der Gitarrist Charlie Burchill übrig geblieben, und der lässt es auf "Good News from the Next World" – unterstützt von hochkarätigen Session-Musikern wie Marcus Miller am Bass und Vinnie Colaiuta am Schlagzeug – ordentlich krachen. Was derweil die Entdeckung Gottes betrifft, sind die Songtexte des Albums wenn auch nicht von expliziten Glaubensaussagen, aber doch in auffallendem Maße von einer spirituell gefärbten Sprache geprägt, und für den Song "And the Band Played On" gilt das, so möchte ich behaupten, in besonderer Weise: Da tritt gleich im ersten Vers ein Engel auf, später ist von Geistern und einem Heiligenschein die Rede, auch der Name Jesus wird genannt. Nicht zuletzt glaube ich, dass dieser Song mir in der zurückliegenden Woche auch deshalb so hartnäckig durch den Kopf ging, weil der Vers "Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben" (1 Petr 3,18a) aus der 2. Lesung vom Sonntag mich an die Textstelle "A coward dies a thousand times, but the brave they die just once" erinnerte. 


Vorschau / Ausblick 

Ich muss mir noch sehr gut überlegen, ob ich morgen super-früh aufstehen will, um zur Messe nach Eichwalde zu fahren; dafür spräche allerdings, dass mein Tochterkind am letzten Tag des Wölflingslagers im "Ehrenrudel" ist und folglich bei der Vorbereitung des Gottesdienstes mithelfen darf. Spätestens gegen Abend wird die Familie jedenfalls wieder vereint sein und dürfte sich dann wohl viel zu erzählen haben. Im Übrigen ist gerade Pfingstnovene, und für einen Rückblick auf den Katholikentag könnte im nächsten Wochenbriefing ebenfalls Platz sein (sofern das Thema nicht für noch einen eigenständigen Artikel ausreicht); davon abgesehen steht uns eine von nur zwei "ganz normalen" Schul- und Arbeitswochen im Mai bevor, und der Terminkalender verheißt keine besonders blogrelevanten Ereignisse. Allerdings sollte ich mich mal mit meiner Studienplatzbewerbung für ein Fernstudium befassen, und auch sonst wird's mir sicher nicht langweilig: Die Kinder haben Kampfsporttraining, am Mittwoch ist JAM, am Freitag ist unser Jüngster bei der Geburtstagsfeier eines KiTa-Freundes eingeladen. Und dann folgt auch schon das extra-lange Pfingstwochenende – da wollen wir uns dann mal wieder dem Projekt "Kinderzimmer-Neugestaltung" widmen... 


Freitag, 15. Mai 2026

Schmutziges Schisma auf dem Katholik*innentag

 

Dieses Symbolbild habe ich ehrlich gesagt vor der evangelischen Paul-Gerhardt-Kirche in Berlin-Schöneberg aufgenommen. Aber ich finde, es passt. 

Schon eine Weile nicht mehr erwähnt habe ich einen bei der Initiative "Christians for Future" aktiven jungen Mann, dem ich auf Bluesky folge und über den ich mehrfach gesagt habe, trotz seiner in vielfältiger Hinsicht wirklich abstrusen Anschauungen wirke er auf mich wie jemand, mit dem ich privat durchaus mal ein Bier trinken würde, "wenn auch in seinem Fall vielleicht ein glutenfreies". Wäre ich über Himmelfahrt nach Würzburg gefahren, hätte ich möglicherweise Gelegenheit dazu gehabt, denn der besagte junge Mann hatte ein paar Tage zuvor via Instagram bekanntgegeben, wann und wo er auf dem "Katholik*innentag" anzutreffen sein würde:

Angesichts der Bezeichnung "Katholik*innentag" ging mir durch den Kopf, es sei ja im Grunde fast ein Wunder, dass die Veranstaltung nicht offiziell so heißt. Davon abgesehen erinnerte mich das aufgeführte Programm, insbesondere der Punkt "Queer in der Klimakrise", an nichts so sehr wie an die "Integration der Begriffe 'Frau' und 'Umwelt' in den Karnevalsgedanken". Ganz heiße Eisen! 

Wie einige Leser sich vielleicht erinnern werden, ist es zehn Jahre her, dass ich selbst mal einen Katholikentag besucht habe; damals fand das Event in Leipzig statt, und ich brachte von dort so einige Impulse mit, unter dem von Chesterton inspirierten Leitgedanken "Man muss den Katholikentag lieben, um ihn verändern zu können". Am darauffolgenden Wochenende war ich dann mit meiner Liebsten auf der Fiesta Kreutziga, und die dort angestellten Beobachtungen zu Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen diesem Straßenfest und dem Katholikentag bildeten gewissermaßen die Initialzündung für das Konzept "Punkpastoral"; aber das ist ein Thema für sich. Der Katholikentag jedenfalls scheint sich seither explizit nicht in die Richtung entwickelt zu haben, die man sich "nach Leipzig" hätte wünschen mögen; daraus, dass in Leipzig Podiumsdiskussionen mit bekannten Namen und Gesichtern aus Politik und Gesellschaft eher schwach besucht waren, insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene aber beim Nightfever in der Nikolaikirche Schlange standen, um vor dem Allerheiligsten zu knien, hätte man ja gewisse Lehren ziehen können, aber den Veranstaltern ist ihre Agenda offenbar wichtiger. 

Gewiss: Der Deutsche Katholikentag war "schon immer" ein Festival des in dieser Form spezifisch deutschen Verbandskatholizismus, der natürlich seine eigene Geschichte und innerhalb dieser durchaus auch seine Verdienste hat; allerdings haben sich die katholischen Verbände im Laufe dieser Geschichte mehr und mehr zu sozialpolitischen Lobbygruppen entwickelt und sich dabei vom Glauben der katholischen Kirche immer weiter entfernt. Daraus ergibt sich natürlicherweise ein einigermaßen verwirrendes Bild, wenn man von der Annahme ausgeht, der Katholikentag solle der Selbstdarstellung der katholischen Kirche als Glaubensgemeinschaft dienen. – In gewissem Sinne könnte man den Synodalen Weg als einen Versuch auffassen, diesen Widerspruch aufzulösen, indem der im "ZdK" organisierte Gremien- und Verbandskatholizismus die kirchliche Hierarchie zwingt, auf seinen sozialpolitischen Kurs einzuschwenken und die Glaubenslehre, soweit sie diesem Ansinnen im Wege steht, über Bord zu werfen; noch ein bisschen zugespitzter könnte man sagen, die Kirche, die der Synodale Weg erstrebt, ist ein Katholikentag in Permanenz. Dieser Gedanke hat mich dazu inspiriert, mir das Buch "Karneval in Romans" von Emmanuel Le Roy Ladurie aus der Bibliothek zu besorgen, das in meinem Theaterwissenschaftsstudium mehrmals im Seminaren zum Thema "Performativität und Ritual" (oder so ähnlich) besprochen wurde, das ich damals aber bestenfalls angelesen habe. Wir werden mal sehen, was diese Lektüre noch so für meinen Blog (oder auch für meine Tagespost-Kolumne) hergibt. 

Einstweilen erscheint es mir jedenfalls in einem metaphorischen Sinne durchaus stimmig, sich den Synodalen Weg als einen immerwährenden Katholikentag vorzustellen; und wen bei dieser Vorstellung nicht ein gewisses Grausen befällt, dem kann ich auch nicht helfen. Hierzu ein paar Schlaglichter aus der Vorberichterstattung: 

  • Nachdem schon vor zehn Jahren auf der "Kirchenmeile" des Katholikentags Gruppen und Initiativen anzutreffen waren wie der Bundesverband lesbischer Gemeindereferentinnen und ihrer Partnerinnen (okay, den habe ich mir ausgedacht – als eine Art "Remix" aus dem Netzwerk katholischer Lesben und der Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen), ist dort heuer – und nach Auskunft der Veranstalter auch schon "seit mehreren Katholikentagen" – auch der "Ökumenische Arbeitskreis BDSM und Christsein" vertreten. Begründet wird das, wie CNA Deutsch berichtet, mit dem "christliche[n] Selbstverständnis dieser Gruppe". Wie dieses Selbstverständnis wohl aussehen mag? Reicht es für einen Stand auf der Kirchenmeile schon, irgendwas mit christlich im Namen zu tragen? – Offenbar nicht: "Grenzen sind dort gesetzt, wo diskriminierende, rassistische oder antisemitische Überzeugungen vertreten werden, Äußerungen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit oder eine ideologische Distanz zur freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung zu erwarten sind", stellt das Programmheft zur Kirchenmeile klar. Ah ja. 
  • Im Domradio widerspricht derweil Irme Stetter-Karp, als "ZdK"-Präsidentin Vorsitzende der Katholikentagsleitung, der Einschätzung, der Katholikentag sei "nur ein 'Binnenereignis' für ohnehin engagierte und reformorientierte Christen" – was ja noch eine sehr freundliche Bezeichnung für die typische Zielgruppe dieses Events ist, aber auch so will La Stetter-Karp das nicht stehen bzw. auf sich sitzen lassen: Es handle sich ganz im Gegenteil um ein Ereignis, bei dem sich "Menschen unterschiedlicher Milieus, Herkunft, Überzeugungen, Parteizugehörigkeit [!], ob jung oder alt, reich oder arm, kommerzfrei begegnen können", und insofern gehe es auch um ein Stück "Ökumene mit religionsfernen Menschen". Erst auf Nachfrage hin äußert sie sich zu "Katholiken und Katholikinnen [...], die eher traditionell oder konservativ sind": Diese seien "selbstverständlich auch angesprochen:, und "gerade auf der Kirchenmeile" gebe es "ein ganz breites Spektrum [...], auch Gruppierungen aus dem konservativen katholischen Milieu". Noch schöner wäre es gewesen, wenn sie statt "auch" "sogar" gesagt hätte. Mir erscheint diese gönnerhafte Haltung gleich in mehrfacher Hinsicht tragikomisch: einerseits, weil sie damit implizit genau das bestätigt, was sie explizit bestreitet, nämlich dass "ein kirchenpolitisch progressives Milieu" den Katholikentag gewissermaßen als sein rechtmäßiges Eigentum betrachtet und die konservativen Hinterwäldler lediglich duldet, und andererseits, weil darin erkennbar die Auffassung mitschwingt, diese müssten dafür dankbar sein – während ich mir ziemlich sicher bin, dass es für die meisten Leute aus dem rechtgläubigen Spektrum eher ein Opfer ist, da hinzugehen. (Dazu, warum sie dieses Opfer auf sich nehmen, eventuell bei anderer Gelegenheit mehr.) 
  • In der Standpunkt-Rubrik auf häretisch.de plädiert Felix Neumann dafür, den Katholikentag dauerhaft und prinzipiell – nicht nur punktuell wie 2003, 2010 und 2021; "immer länger wurden die Abstände", tadelt Neumann – mit dem Evangelischen Kirchentag zu fusionieren. Ich sag mal so: Ein klarer Vorteil wäre es, dass das Ergebnis dann wohl nicht mehr "Katholikentag" heißen würde. Und darin, dass die beiden Veranstaltungsformate sich auch jetzt schon zum Verwechseln ähnlich sehen, möchte ich dem häretisch.de-Redakteur nun auch nicht direkt widersprechen. Aber natürlich geht es ihm in letzter Konsequenz um mehr: Wem "an der christlichen Stimme in der Welt gelegen ist", der müsse, so meint er, "[a]ngesichts einer Gesellschaft, in der weniger als die Hälfte der Menschen zu einer der christlichen Kirchen gehört, und in der es absehbar noch weniger wird, [...] alles [Hervorhebung von mir] Konfessionelle auf den Prüfstand stellen: Ist hier das Katholische und das Evangelische wirklich unterscheidend anders, oder ist die konfessionelle Trennung Selbstzweck und leere Tradition?" – Dazu möchte ich dann aber doch zu bedenken geben, dass es kein guter Rat an einen Ertrinkenden ist, sich an einem anderen Ertrinkenden festzuhalten – erst recht nicht, wenn der schon deutlich näher am Abnippeln ist als man selber. 

Den für mein Empfinden lesenswertesten Kommentar im Vorfeld des Katholikentags hat Guido Horst, der Rom-Korrespondent der Tagespost, verfasst: Er identifiziert "zwei Elefanten im Raum, über die in Würzburg wohl kaum einer der Herren mit dem violetten Scheitelkäppchen offen und deutlich sprechen will"; der eine "trägt den Namen Synodalkonferenz", den anderen benennt er als "Segnungsfeiern für Paare, die sich lieben, aber nicht katholisch verheiratet sind". Fangen wir ruhig mal mit diesem zweiten Elefanten an. "Papst und Glaubensdikasterium", so Horst, haben "expressis verbis deutlich gemacht, dass der Vatikan mit diesen deutschen Riten und den entsprechenden Handreichungen nicht einverstanden ist. Und nicht nur das: Rom hat die Briefe öffentlich gemacht, mit denen der Vatikan das den deutschen Bischöfen schon im November 2024 unmissverständlich klargemacht hat." Dies habe jedoch einige deutsche Bischöfe nicht davon abgehalten, "mit diesen Segnungsfeiern zu starten". Und jetzt? Jetzt dürfte es ihnen schwerfallen, diesen Vorstoß wieder zurückzunehmen. Derweil hat "Staatssekretär Pietro Parolin das Wort 'Sanktionen' ins Spiel gebracht" – vorerst noch mit dem Hinweis, es sei "noch zu früh" dafür, aber ein zünftiger Schuss vor den Bug ist das allemal. Der Katholikentag reagiert darauf, indem er weiter Öl ins Feuer gießt: Wie CNA Deutsch zu berichten weiß, umfasst das Programm  z.B. einen "Queer-Gottesdienst" unter dem Motto "Das Leben ist bunt – Vielfalt in der Kirche?!" sowie eine Bibelwerkstatt "Bibel queer gelesen. Wieso G*TT Fan von Vielfalt ist"; und auch La Stetter-Karp hat die dem Katholikentag vorgeschaltete Frühjahrsvollversammlung ihres Karnevalsvereins genutzt, um die vom Vatikan verworfene Handreichung "Segen gibt der Liebe Kraft" zu verteidigen und sich für ihre möglichst flächendeckende Anwendung auszusprechen. Man wähnt sich auf der richtigen Seite der Geschichte und will sich von "Rom" nichts sagen lassen. 

Natürlich könnte man anmerken, gerade Letzteres sei ja nun nichts Neues; schon der Katholikentag 1968 in Essen habe ja im Zeichen lautstarken Widerspruchs gegen die Enzyklika Humanae vitae gestanden, und habe das etwa zu einem Schisma geführt? Worauf ich zweierlei erwidern möchte, nämlich erstens, dass ich sehr wohl der Überzeugung bin, dass die Wurzeln des heutigen Schmutzigen Schismas im deutschen Katholizismus sich bis zum Katholikentag 1968 in Essen zurückverfolgen lassen, und zwar durchaus nicht nur wegen Humanae vitae; und zweitens, dass diese Fälle andererseits dann doch nicht ganz miteinander vergleichbar sind; das wären sie vielleicht dann, wenn es 1968 darum gegangen wäre, dass die Kirche verhütungswilligen Paaren im Rahmen liturgischer Feiern die Pille aushändigt. Inwieweit katholische Laien sich in ihrem Privatleben an die Lehre der Kirche halten, ist eine prinzipiell andere Frage als die, ob die Kirche in ihrem liturgischen Handeln den Anschein erweckt, etwas gutzuheißen, das ihrer Lehre widerspricht. – Aber eigentlich wollte ich hier gar nicht näher inhaltlich auf die Segnungsdebatte eingehen; so langsam ist dazu vielleicht auch mal alles gesagt. 

Werfen wir daher lieber mal einen Blick auf Horsts ersten Elefanten: Das von einem sogenannten "Synodalen Ausschuss" ausgearbeitete und sowohl von der Deutschen Bischofskonferenz als auch vom "ZdK" abgesegnete Statut für die Synodalkonferenz liegt derzeit "zur Begutachtung im Vatikan [...,] ohne dessen grünes Licht das Prestigeprojekt der deutschen Bischöfe im November nicht starten kann". Und auch wenn mir durchaus Stimmen bekannt sind, die meinen, die in diesen Statuten vorgesehenen Befugnisse der Synodalkonferenz gingen längst nicht weit genug, da die eigentliche Entscheidungskompetenz (vulgo "Macht") ja doch bei den Bischöfen bliebe, so liegt es doch auf der Hand, dass es für all jene, die Hoffnungen auf den Synodalen Weg gesetzt haben, eine absolute Katastrophe wäre, "wenn das Okay aus Rom, sprich die 'Recognitio', nicht kommt. Und genau danach sieht es derzeit aus", meint Guido Horst, dem ich es zutraue, in Rom gut vernetzt und entsprechend gut informiert zu sein. Platzt die Synodalkonferenz, ist der gesamte Synodale Weg endgültig gescheitert. Die Frage ist: Was dann? In einem Podcast habe ich eine junge Theologin und Journalistin sagen hören, sie kenne "genug Leute, für die dieser Synodale Weg sowas wie die letzte Hoffnungszelle ist, um katholisch zu bleiben in Deutschland". Darauf würde ich ja nun erwidern, wer meint, nur katholisch bleiben zu können, wenn die katholische Kirche sich radikal verändert, der ist in Wirklichkeit schon längst nicht mehr katholisch; dennoch bleibt natürlich die Frage, was diese ganzen Leute machen, wenn diese Hoffnung platzt. Und was die ganzen Geistlichen, bis hinauf zu Bischöfen, machen werden, die sich auf Gedeih und Verderb dem Synodalen Weg verschrieben haben. 

Und das bringt mich nun wieder zu Felix Neumanns Fusionsideen und seiner Frage, wo "das Katholische und das Evangelische wirklich unterscheidend anders" und wo "die konfessionelle Trennung Selbstzweck und leere Tradition" sei. Denn aus einem bestimmten Blickwinkel ist diese Frage ja nicht unberechtigt: Dass liberale Katholiken und liberale Protestanten erheblich mehr miteinander gemeinsam haben als mit konservativen Ausprägungen ihrer jeweils eigenen Konfession, hat z.B. auch schon die #BenOp festgestellt. Polemisch könnte man sagen, im liberalen (Post-)Christentum sei insgesamt und überhaupt gar nicht mehr genug Glaubenssubstanz vorhanden, als dass man da noch großartige konfessionelle Unterschiede feststellen könnte. Die Unterschiede, die es zwischen liberalen Katholiken und liberalen Protestanten noch gibt, sind wohl eher kultureller Natur, und da könnte man dann sagen: Unterschiedliche Traditionen, unterschiedliche liturgische Formen usw. (Stichwort "High Church" und "Low Church") unter demselben institutionellen Dach, das funktioniert bei den Anglikanern doch ooch. Und wenn die Anglikanische Kirche eigens zu dem Zweck gegründet wurde, dass ein König sich scheiden lassen kann, dann erscheint es auch nicht allzu abwegig, eine überkonfessionelle deutsche Nationalkirche zu gründen, um homosexuelle Partnerschaften segnen zu können.