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Samstag, 2. Mai 2026

Utopie und Alltag 23: Von Mittag weht es lau

Der Frühling zieht ins Land, Freunde! In dem letzten Tagen hat mich das sonnige Wetter wiederholt dazu verlockt, mich um die Mittagszeit auf eine Bank am Brunowplatzvis-à-vis der Herz-Jesu-Kirche – zu setzen und dort Gitarre zu üben; außerplanmäßige Einnahmen habe ich damit noch nicht erzielt, aber vielleicht kommt das ja noch. Und gestern habe ich mir den ersten Sonnenbrand des Jahres  geholt (nur einen kleinen, auf der Nase). Insgesamt bin ich voll freudiger Erwartung, was der Marienmonat Mai dieses Jahr so bringen wird, aber schauen wir uns erst mal an, was in der zurückliegenden Woche so los war... 

Zum Auftakt des Marienmonats: Eine im Garten von St. Joseph Tegel etwas versteckte Marienfigur. 

Neues von den Pfadfindern: Die Jagd nach der Kluft 

Am vergangenen Samstag fuhr ich, wie angekündigt, mit dem Tochterkind nach Schöneberg, wo im Garten von St. Norbert das vorletzte Meutentreffen der dortigen KPE-Wölflingsmädchen vor dem Himmelfahrtslager anstand. Wie ich ebenfalls schon im vorigen Wochenbriefing zu Protokoll gegeben habe, konnte das Tochterkind auch an diesem Treffen wieder nicht in Kluft teilnehmen, da das Klufthemd und das Barrett, das wir bestellt hatten, noch immer nicht bei uns eingetroffen war – aber dazu später. Da die eigentliche "Akela" des Stammes aus familiären Gründen abwesend war, oblag die Leitung dieses Treffens zwei Jugendlichen (oder vielleicht gerade-so-Erwachsenen), unterstützt von einer Mutter, die in jüngster Zeit schon ein paarmal in der Leitung ausgeholfen hatte. Um den Leiterinnen nicht das Gefühl zu geben, ich wolle ihnen "auf die Finger gucken", verabschiedete ich mich bei Beginn des Programms und ging meiner Wege, d.h. ich spazierte erst einmal ein wenig durch Schöneberg, ging dann einen Kaffee trinken und arbeitete an meinem Blog. – Als ich meine Große nach zweieinhalb Stunden wieder abholte, zeigte sie mir zunächst einmal stolz eine Landkarte, die sie zusammen mit den anderen Mädchen aus ihrem Rudel gezeichnet hatte: 

Sie durfte die Karte mitnehmen, weil sie angeboten hatte, in der Schule Kopien für die anderen Rudelmitglieder anzufertigen. – Bis zum S-Bahnhof Schöneberg hatten wir noch einen gemeinsamen Weg mit zwei anderen Wölflingsmädchen, die dann allerdings die Bahn in die entgegengesetzte Richtung nahmen. Während der Fahrt fragte ich meine Tochter, was beim Meutentreffen denn so alles gemacht worden sei; wie ich erfuhr, war ein zentraler Teil des Programms ein aus mehreren Aufgaben bestehendes Teamspiel (ich glaube, im Pfadfinderjargon nennt man das "Postenlauf"), und zu den Aufgaben gehörte es unter anderem, die Zehn Gebote aufzusagen. "Kannst du die?", fragte ich meine Tochter, und sie erwiderte: "Ein bisschen." Daraufhin hakte ich nach, ob sie mir denn auf die Schnelle drei der Zehn Gebote nennen könne, "egal welche" – und sie erwiderte ohne langes Zögern: "Ihr sollt keine anderen Götter neben mir haben, ihr sollt euren Vater und eure Mutter ehren... und nicht klauen." Nicht schlecht für den Anfang, fand ich. "Den Rest lernst du im Erstkommunion-Unterricht", sagte ich; wobei ich es durchaus auch für möglich halte, dass das Tochterkind die Zehn Gebote bei den Wölflingen lernt, bevor im nächsten Herbst ihr Erstkommunionkurs losgeht. 

Als wir nach Hause kamen, zeigte sich, dass inzwischen zwei Pakete den Weg zu uns gefunden hatten, von denen eins bei einem Paketshop und eins bei einer Nachbarin gelegen hatte; aber keins davon enthielt die ersehnte Wölflingskluft. Daraus zog ich die Konsequenz, am Montag mal beim Pfadfinderausstatter anzurufen – was sich als eine gute Entscheidung erwies: Mein Grsprächspartner sicherte mir zu, das Paket gleich am folgenden Tag abzuschicken, und ein paar Tage später erhielten wir die Nachricht, die Sendung warte in einem Paketshop in unserer Nähe auf Abholung. Heute vormittag habe ich sie abgeholt; ich würde mal sagen, der Eindruck, bei diesem Pfadfinderausstatter handle es sich im Wesentlichen um eine Ein-Mann-Firma, wird unterstrichen durch den Umstand, dass die Lieferung im einem gebrauchten Weinpaket ankam. Mit dem Inhalt des Pakets bin ich indes, auch wenn es sich nicht um sechs Flaschen Grauburgunder handelt, sehr zufrieden. 

Derweil stand ja auch noch die Frage im Raum, ob wir am letzten Juni-Wochenende als ganze Familie an der KPE-Bundeswallfahrt zum Kloster Schöntal teilnehmen wollen. Verkompliziert wurde die Entscheidungsfindung dadurch, dass ich an demselben Wochenende die Möglichkeit hätte, an zwei Veranstaltungen des Erzbistums Berlin für Auszubildende in der Pastoral teilzunehmen: einer Wanderung durch den Grunewald und einem "Oasentag" in der Klause eines Eremiten in Lindow (zwischen Gransee und Neuruppin). Okay, die Grunewaldwanderung ist am Freitag, daran könnte ich also auf jeden Fall, unabhängig von der KPE-Wallfahrt, teilnehmen und werde das also wohl auch tun; noch mehr reizen würde mich indes der Besuch beim Eremiten, und da gäbe es dann doch eine Terminkollision. Was also tun? Eine Münze werfen? Erst mal anfragen, ob für die KPE-Bundeswallfahrt überhaupt noch Plätze frei sind? Ich denke, das werden wir übers Wochenende noch gemeinsam beraten. 


Wieder mal auf dem Achorhof 

Ins Baumhaus schafften wir es am Samstagabend wieder nicht, unter anderem aus der Erwägung heraus, dass wir am Sonntag früher aufstehen mussten als sonst – nämlich um pünktlich zur Jiu-Jitsu-Gürtelprüfung unserer Großen zu kommen. Zu diesem Thema habe ich bereits gestern auf der Patreon-Seite des Mittwochsklubs einen Artikel veröffentlicht, der demnächst auch noch hier auf "Huhn meets Ei" erscheinen soll; aber erwähnen möchte ich hier doch, dass das Tochterkind am Samstag am Abendbrottisch aus heiterem Himmel die Frage aufwarf, ob und wie wir es denn hinkriegen würden, trotz Gürtelprüfung am Sonntag zur Kirche zu gehen. Das hatten wir aber bereits bedacht: Auf dem Achorhof fand – wie wir schon bei unserem Besuch dort am Palmsonntag erfahren hatten, inzwischen aber auch noch per WhatsApp dazu eingeladen worden waren – an diesem Sonntag ein "Französischer Tag" statt; zunächst hatte ich befürchtet, das würde mit der Erstkommunion in St. Joseph Siemensstadt kollidieren (dazu weiter unten mehr), und dann eben, es würde mit der Kampfsportprüfung kollidieren, aber dann zeigte sich, dass es vom Ort der Kampfsportprüfung bis zum Achorhof gar nicht so weit war und dass wir es zwar wohl nicht pünktlich zum Mittagessen dorthin schaffen würden, wohl aber früh genug, um dort die Messe mitzufeiern. 

Am Sonntagmorgen war dann allerdings unser Jüngster ziemlich launisch und ein wenig kränklich und wollte zur Kampfsportprüfung seiner Schwester nicht mitkommen, also teilten wir uns auf – was ironischerweise dazu führte, dass meine Liebste und der Knabe eine Stunde früher auf dem Achorhof ankamen als das Tochterkind und ich. Vom Mittagessen – Coq au vin und eine vegetarische Alternative mit Champignons, dazu Reis – waren noch Reste übrig, als wir ankamen, und ich wurde auch prompt gefragt, ob ich noch etwas essen wolle; der unmittelbar darauf folgende Hinweis, für das Essen werde ein Unkostenbeitrag von 10 € erwartet, war vermutlich nicht so unfreundlich gemeint, wie er bei mir ankam, aber bei diesem Preis verzichtete ich dann doch lieber darauf, mir die Reste aus den Töpfen zusammenzukratzen. Da mache ich lieber mal wieder selber Coq au vin, ich glaube nämlich, ich kann das besser. 

Auch nicht so ganz meinen Erwartungen entsprach es, dass fast nur alte Leute bei der Veranstaltung waren; man muss freilich anerkennen, dass die Veranstalter selbst sich das wohl ebenfalls anders gewünscht hätten. Darauf komme ich noch zurück. 

Gleichwohl war es, wie immer, einfach schön, dort zu sein, und schönes Wetter hatten wir auch, wie man hier sehen kann: 


Davon abgesehen war es mir natürlich, wie eingangs erwähnt, vor allem wichtig, dass wir hier die Messe zum 4. Sonntag der Osterzeit – dem "Sonntag vom Guten Hirten" – mitfeiern konnten. Als Zelebrant war der aus der Demokratischen Republik Kongo (ehemals Zaïre, noch ehemaliger Belgisch-Kongo) stammende Ordenspriester André Kibeti SSCC eingeladen worden, der üblicherweise in der am Standort St. Thomas Aquin in Berlin-Charlottenburg beheimateten französischsprachigen Gemeinde Dienst tut; ein älterer Diakon, der wohl dem Hof bzw. dessen Trägerverein verbunden ist, assistierte. Der Priester machte einen ausgesprochen sympathischen Eindruck und zelebrierte teils auf Deutsch, teils aus Französisch, mit gesungenem Hochgebet; die Predigt (zu Johannes 10,1-10) hatte zwar gewisse Längen, aber durchaus auch starke Momente – so etwa, wo sie sich um die fremden Stimmen drehte, auf die die Schafe, anders als auf die Stimme des Hirten, nicht hören (sollen): "Es gibt viele Stimmen in unserer Welt – Stimmen, die verführen, Stimmen, die spalten, Stimmen, die versprechen, ohne zu halten. Jesus warnt uns vor allen diesen Stimmen: Es sind die Diebe, die Lügner, die Banditen, die nicht das Wohl der Schafe suchen." 

Wie von Messen auf dem Achorhof mittlerweile gewohnt, gab es auch diesmal wieder freie Fürbitten; daran beteiligte sich auch meine Liebste, nämlich mit einer Fürbitte für die Kinder, die in diesen Wochen zur Erstkommunion gehen. – Musikalisch gestaltet wurde diese Messe mit Taizé-Liedern; ich muss ganz ehrlich sagen, mein Stil ist das eher nicht so, aber das ist nun wirklich nur ein rein persönliches Geschmacksurteil. 

Nach der Messe gab es Kaffee und Kuchen; die Programmankündigung sah zudem "Fabeln und Vorträge (franz./dt) sowie Spiele auf der Picknickwiese" vor, aber tatsächlich gab es als einzigen Programmbeitrag eine zweisprachig vorgetragene Fabel von La Fontaine ("Der Rabe und der Fuchs") – mehr Freiwillige, die etwas zum Programm hätten beitragen mögen, hatten sich schlichtweg nicht gefunden. Nun will ich gar nicht unbedingt sagen, dass die Veranstaltung mehr Programm gebraucht hätte – aus Sicht unserer Kinder schon gar nicht: denen war es vor allem wichtig, im Garten spielen zu können –, aber in Verbindung mit der oben schon festgehaltenen Beobachtung, dass es der Veranstaltung insgesamt kaum gelang, ein Publikum diesseits des Rentenalters anzuziehen, gibt es doch zu denken. Ich musste in diesem Zusammenhang daran denken, was ich im vergangenen Sommer anlässlich meines Besuchs beim "offenen Samstagsfrühstück" der Naunynstraßen-WG notiert habe; ich zog da Vergleiche zwischen dieser WG, der Kommunität Grimnitz und eben dem Achorhof – und stellte fest, zu den Gemeinsamkeiten zwischen diesen, sagen wir mal, Projektorten gehöre es meinem zugegebenermaßen nur punktuellen Eindruck nach, dass sie sich alle "eher schwer damit tun, junge Leute zu erreichen". Die Frage, woran das liegt, steht nach wie vor im Raum, aber ergänzen würde ich sie gern um die Frage, ob das im Raum Berlin zumindest in Ansätzen zu beobachtende "Quiet Revival" nicht gute Voraussetzungen dafür bieten müsste, daran etwas zu ändern. – Immerhin scheint der Achorhof erheblich weniger als vergleichbare Projekte aus dieser Generation von jener charakteristischen Mischung aus theologischem Liberalismus und esoterisch-pantheistisch angehauchter Spiritualität geprägt zu sein, die man schlagwortartig als "Boomer Catholicism" bezeichnen könnte. Wobei ich von einem Ende der Kaffeetafel durchaus ein paar Gesprächsfetzen aufschnappte, die in diese Richtung gingen; u.a. saß da eine Frau, die zwar evangelisch war, aber trotzdem, wie sie betonte, "ganz bewusst" in der Messe zur Kommunion gegangen war – wohl wissend, dass das eigentlich nicht erlaubt ist, aber "Jesus wird das schon nicht so genau nehmen". Was soll man zu solchen Leuten sagen? 

Zum Problem der Überalterung des Achor-Trägervereins hatte meine Liebste eine bemerkenswerte Anmerkung: Sie meinte, gerade die enorme Arbeit, die die langjährigen Vereinsmitglieder in das Projekt investiert hätten – allein schon was die Instandsetzung der Gebäude und des Grundstücks betrifft –, stelle ein Hindernis dafür dar, Verantwortung in jüngere Hände abzugeben. Denn wenngleich es da weiterhin mehr als genug zu tun gibt, hätten junge Leute, die neu in den Verein kommen – so sehr sie sich auch engagieren mögen – kaum eine Chance, das, was die altgedienten Vereinsmitglieder bereits geleistet haben, "einzuholen". Ich denke, da könnte was dran sein; und sofern man daraus etwas lernen kann, dann wohl am ehesten, dass eine Gemeinschaft sich permanent um Nachwuchs bemühen sollte und nicht erst dann, wenn die bisherigen Verantwortungsträger allmählich zu alt werden. Aber das ist offenkundig oft leichter gesagt als getan. 

Festzuhalten bleibt, dass der Achorhof ein Projekt ist, das mir sehr ans Herz gewachsen ist und in dem ich zugleich erhebliches Potential für eine Weiterentwicklung sehe. Wobei "Weiterentwicklung" vielleicht nicht ganz das richtige Wort ist: Es geht eigentlich gar nicht darum, etwas zu verändern, sondern eher darum, das, was bereits da ist, mehr zu nutzen. Wozu mir natürlich einfällt, dass ich schon im Spätsommer 2024 mit der Idee umging, ein Einkehrwochenende für das KiWoGo-Team und ggf. noch weitere ehrenamtliche Mitarbeiter der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt auf dem Achorhof zu veranstalten. Ein solches Einkehrwochenende hatte ich auch schon Ende 2019 für den damaligen Pfarrgemeinderat von Herz Jesu Tegel ins Gespräch gebracht, allerdings kannte ich damals den Achorhof noch nicht. So oder so – ob ich mich weiterhin und verstärkt in der Siemensstädter Gemeinde engagiere, ob ich mich im Herbst in den neuen Gemeinderat von Herz Jesu Tegel wählen lasse und/oder in naher Zukunft eine Praktikantenstelle in einer mir noch unbekannten Pfarrei bekomme – gilt es, diesen Gedanken weiterzuverfolgen; und auf mittlere Sicht gäbe es, wenn es denn mit der Ausbildung zum Gemeindereferenten wie erhofft weiter vorangeht, sicherlich noch weitere Möglichkeiten der Kooperation mit dem Achorhof; z.B. könnte man da vielleicht mal einen Firmkurs oder einen "Kreis junger Erwachsener" zur Gartenarbeit hinschicken. Eine andere Idee, die mir gerade spontan mitten im Schreiben in den Sinn kam, wäre, mal im Rahmen der "News You Can Use"-Runde im Baumhaus für das Projekt Achorhof zu werben. Na, das muss alles noch zu Ende gedacht werden. 


Impressionen aus der Erstkommunion-Saison 

Osterzeit ist Erstkommunion-Zeit, Freunde; man liest zwar immer wieder – nicht zuletzt auch in den Sozialen Netzwerken –, der sozusagen "klassische", traditionelle Termin für die Erstkommunion sei der Weiße Sonntag, aber meiner persönlichen Erfahrung und Wahrnehmung zufolge ist es eher so, dass die Erstkommunionfeiern in den Pfarreien frühestens an diesem Termin stattfinden, meist aber ein paar Wochen später. In meiner alten Heimatpfarrei St. Willehad in Nordenham etwa ist, wie ich via Instagram erfahren habe, die diesjährige Erstkommunion erst an Christi Himmelfahrt. (Bei dieser Gelegenheit sei übrigens zu Protokoll gegeben, dass der Instagram-Auftritt der Pfarrei St. Willehad seit einiger Zeit von plumpen und kitschigen KI-Grafiken dominiert wird – was ich, neben Rasenmährobotern und Brötchenbestellung per WhatsApp, als ein weiteres Fallbeispiel dafür betrachten möchte, dass der technische Fortschritt in Butjadingen vorrangig in seinen negativen Aspekten ankommt). – In unserer Wahlgemeinde in Siemensstadt war die erste Runde der Erstkommunion schon am vergangenen Sonntag – da waren wir aus oben geschilderten Gründen nicht dabei, was einerseits schade ist, denn einige der Kinder hätte man ja sicherlich vom KiWoGo und/oder vom RKT her gekannt, aber andererseits ist am nächsten Sonntag, also morgen, eben nochmal Erstkommunion, und ich schätze, öfter als einmal im Jahr muss man sich das wohl wirklich nicht geben. – Auch in Tegel gab es für die diesjährigen Erstkommunionen zwei Termine; allerdings beide an einem Tag (einmal vormittags, einmal nachmittags) und auffälligerweise nicht in der Pfarrkirche Herz Jesu, sondern in der kleineren und weniger zentral gelegenen Kirche St. Joseph. Ich vermute, dass diese auf den ersten Blick eher überraschende Entscheidung damit zusammenhängt, dass der Standort St. Joseph – nicht zuletzt auch, weil sich dort die KiTa befindet – als vorrangiger Standort für die Kinder- und Familienarbeit der Tegeler Gemeinde profiliert werden soll, aber ein bisschen hat man schon auch den Verdacht, die Kerngemeinde am Standort Herz Jesu solle nicht mit dem Erstkommunion-Trubel behelligt werden. Wobei, so viel "Kerngemeinde" gibt es da meines Wissens gar nicht mehr. (Möglicherweise werde ich diese Einschätzung bei Gelegenheit mal überprüfen müssen.) 

Damit, was sich die Social-Media-Abteilungen der deutschen Bistümer heuer so alles zum Thema Erstkommunion ausgedacht haben, möchte ich mich lieber nicht allzu ausgiebig befassen; nicht unerwähnt lassen möchte ich indes ein auf der Website des Bistums Mainz veröffentlichtes "Erstkommunion-Quiz". Die sechs Quizfragen, die dem geneigten Leser da vorgelegt werden, sind, wenn man sich ein bisschen "mit Kirche" auskennt, nicht sonderlich anspruchsvoll; herausgreifen möchte ich hier aber mal die Frage "Warum spielen ausgerechnet Brot und Wein so eine zentrale Rolle bei der Kommunion?"; denn da lautet die "richtige" Antwortoption: 

"Beim letzten Abendmahl hat Jesus diese Zeichen ausgewählt, damit sich die Jünger:innen an ihn 'erinnern' können." 

Also, ich weiß ja nicht. – In den Kontext des Themas Erstkommunion gehört auch der "Kirche im SWR"-Impuls des Ex-Caritas-Direktors Mario Junglas, den ich zum Aufhänger für meine aktuelle Kolumne in der Tagespost genommen habe und den ich ursprünglich in schriftlicher Form auf Facebook gesehen hatte. Dieser Impuls beginnt nämlich mit dem Satz "Unser neunjähriger Enkel geht dieses Jahr zur ersten heiligen Kommunion" – was ja schon mal eine bemerkenswerte Wortwahl ist. Und dann geht es so weiter: 

"'Und, was macht ihr so in der Kommunionvorbereitung?", frage ich ihn. Er antwortet: 'Nur unnützes Zeug. Wir taufen Kuscheltiere.'" 

Da könnte man ja nun denken, das liefe auf Kritik am landläufigen Niveau des Erstkommunionunterrichts hinaus, und tatsächlich ging ein Teil der Facebook-Nutzerkommentare in diese Richtung. Junglas will aber auf etwas anderes hinaus: vermutet in dieser Kuscheltiertaufe einen Versuch, den Kindern "das Thema 'Taufe' handgreiflich nahe[zu]bringen"; denn da "die Zahl der Taufen [...] in Deutschland deutlich zurückgegangen" sei, könnten "immer weniger Kinder [...] anschaulich erfahren, was bei einer Taufe geschieht." 

"Einige in der Gruppe sind selbst noch nicht getauft oder haben noch keine Taufe miterlebt. Da ist es vielleicht doch nicht unnütz, wenn sie an ihrem geliebten Kuscheltier sehen, wie Taufe geht." 

Ich würde ja sagen, vielleicht sollte der Herr Junglas bei der Beurteilung dieser Kuscheltiertaufe lieber auf seinen Enkel hören, aber nun gut. Jedenfalls hat dieses Detail eines Beitrags, in dem ich – wie in der Tagespost dargelegt – vorrangig einen Versuch des früheren Caritas-Direktors sehe, das "Quiet Revival" zu verharmlosen und in einem für ein religiös liberales Publikum akzeptablen Licht erscheinen zu lassen, mich einmal mehr in der Auffassung bestärkt, dass das post-volkskirchliche Modell der Erstkommunion-Vorbereitung und -Feier ein Auslaufmodell ist und man sich tunlichst um neue Konzepte bemühen sollte, bevor das alte krachend zusammenbricht. Da nun allerdings, wie schon verschiedentlich erwähnt, ab dem kommenden Herbst mein Tochterkind mit dem Erstkommunionunterricht "dran" ist, wird mir vorerst wohl nur die Option bleiben, zu versuchen, das System von innen her zu verändern. Ein paar Überlegungen dazu finden sich auch in dem weiter oben bereits angesprochenen, auf Patreon vorveröffentlichten Kampfsport-Artikel; was sie dort thematisch zu suchen haben, erklärt sich, wie ich hoffe, wenn man den Artikel liest. 


Tegel feiert in den Mai 

Am gestrigen Freitag war Tag der Arbeit – oder, "auf Katholisch" ausgedrückt, das Fest Hl. Josef der Arbeiter; für uns hieß das zunächst einmal, dass keine Schule und keine KiTa war, aber meine Liebste stand trotzdem ungefähr so früh auf wie an einem normalen Arbeitstag, um, solange die Kinder noch schliefen, ein paar Abiturklausuren zu korrigieren. Noch davor nahm sie aber an einem Zoom-Gebetskreis der EFG The Rock Christuskirche teil – und hatte anschließend ein paar bei allem grundsätzlichen Wohlwollen durchaus kritische Anmerkungen dazu. So bewertete sie es als "auf die Dauer ziemlich anstrengend", dass diese Gemeinde praktisch keine andere Gebetsform kennt als das, was "bei uns" Fürbitten in besonderen Anliegen heißt. Es scheint kaum übertrieben zu sagen, dass die lieben Leute aus der The Rock-Gemeinde das, und nur das, unter "Gebet" verstehen, und meine Liebste meinte, wenn man allein damit eine gemeinschaftliche Gebetszeit von 45 Minuten zu füllen versuche, führe das nahezu zwangsläufig zu einer Redundanz, auf die die Mahnung Jesu, beim Beten nicht zu "plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen" (Mt 6,7), weit eher zu beziehen wäre als auf kontemplative Gebetsformen wie den Rosenkranz (gegen die diese Bibelstelle von evangelikaler Seite gern ins Feld geführt wird). Ein interessanter Aspekt, den man vielleicht an anderer Stelle mal vertiefen sollte. 

Am Nachmittag feierte ein KiTa-Freund unseres Jüngsten seinen Geburtstag, und meine Liebste fuhr mit dem Knaben hin; als Antwort auf die Frage, was das Tochterkind und ich währenddessen machen sollten, hatte ich bereits im vorigen Wochenbriefing ins Auge gefasst, zum Patronats- und Siedlungsfest in St. Joseph Tegel zu gehen, das in diesem Jahr zugleich als Pfarrfest für die gesamte Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd gefeiert wurde; und so machten wir es auch. 

Um 11 Uhr war die Messe zum Patronatsfest gefeiert worden, anschließend, also gegen 12 Uhr, wurde das Fest eröffnet; mein Tochterkind und ich trafen allerdings erst gegen 15 Uhr dort ein. Das Fest war gut besucht, die Stimmung ausgelassen und die Temperaturen sommerlich; aber als ehemaliger DJ kann ich es mir wie schon in den letzten Jahren auch diesmal wieder nicht versagen, die Veranstaltung vorrangig mittels einer kritischen Analyse der Musikauswahl zu charakterisieren. Wozu ich gleich eingangs hervorheben möchte: Was es vor zwei Jahren und vor drei Jahren noch nicht gab, waren speziell für den Anlass KI-generierte Partyschlager. Ein Fortschritt, auf den ich gern verzichtet hätte, aber andererseits war das so bizarr, dass ich mir nicht versagen kann, hier noch einige Worte darüber zu verlieren. Es gab mindestens drei solcher Lieder in unterschiedlichen Stilrichtungen innerhalb des Schlager-Spektrums – eins hatte melodisch erhebliche Ähnlichkeit mit "Weiß der Geier" von Wolfgang Petry, eins ging entschieden in Richtung Ballermann und eins ein bisschen in Richtung Musette/Chanson –, aber mit teilweise identischen oder zumindest sehr ähnlichen Texten; Kernsätze lauteten etwa "St. Joseph, 1. Mai – uns're Siedlung ist dabei" oder "Hey, hey, Patronatsfest, St. Joseph gibt uns heut den Rest". Hashtag #kannstedirnichtausdenken. Und jedes dieser Elaborate lief in der Zeit unserer Anwesenheit auf dem Fest mindestens einmal pro Stunde. Auch sonst wiederholte sich in der Playlist einiges, was nach den Regeln des DJ-Handwerks, wie ich sie mal gelernt habe, eigentlich ein No-Go ist. Nicht direkt ein "Aha"-, sondern eher ein "Ach so, na dann"-Erlebnis hatte ich, als ich feststellte, dass zum dreiköpfigen DJ-Team ein vielleicht 15jähriger Knabe mit Kapuzenpulli gehörte, der das Programm offenbar hauptsächlich nach seiner Einschätzung darüber gestaltete, "was alte Leute halt so hören". Zeitweilig bewegte sich die Musikauswahl, wie ich es auch vor zwei Jahren notiert hatte, im "Grenzbereich zwischen Deutschpop und Deutschem Schlager", wobei "Paris – einfach so nur zum Spaß" und "Aber bitte mit Sahne" von Udo Jürgens, "Männer" und "Mambo" von Herbert Grönemeyer, "Ein Herz kann man nicht reparier'n" von Udo Lindenberg und "Es lebe der Sport" von Rainhard Fendrich noch zu den besten Stücken gehörten (und wenn man will, kann man vielleicht auch "Kling Klang" von Keimzeit in diese Kategorie einordnen, ein Lied, über das ich mich wirklich gefreut habe), zeitweilig mischte sich 80's-Pop (z.B. "Everybody Wants to Rule the World" von Tears for Fears und "What's Love Got to Do With It" von Tina Turner) mit hinein, zuweilen auch Italo-Pop (z.B. "Se bastasse una canzone" und "Più Bella Cosa" von Eros Ramazzotti). Wenn der Jungspund zwischendurch mal Musik einstreute, die seine eigene Generation "so hört", war das Ergebnis durchwachsen: Bruno Mars etwa ("Just the Way You Are") lasse ich mir ja durchaus gefallen, aber bei "Wildberry Lillet" von Nina Chuba hätte ich ja gedacht, es müsste schon vom Text her offensichtlich sein, dass der herzlich schlecht auf ein Kirchenfest passt. Aber so ist das wohl, wenn man die Kirche – wie Maria Hinsenkamp es in ihrer Dissertation "Visionen eines neuen Christentums" formuliert – vorrangig als "eine möglichst in die Breite der Gesellschaft anschlussfähige Institution" sehen möchte, "die nach innen und außen eine große Ambiguitäts- und Pluralitätstoleranz aufweist". (Diese Formulierung werde ich mir noch öfter ausborgen, ich finde sie ausgesprochen griffig.) Bei einigen Songs aus den 90er und Nuller Jahren fragte ich mich, ob ich eigentlich auch schon so alt bin, dass diese Musik in die Kategorie "Was alte Leute halt so hören" fällt; dazu gehörten etwa "Don't Speak" von No Doubt und "Perfekte Welle" von Juli. Letzteres erinnerte mich übrigens an ein Interview mit Johannes Hartl in der aktuellen Tagespost, in dem es um das "Quiet Revival" geht, und speziell an eine Aussage aus diesem Interview, die es nicht von ungefähr auch in die Überschrift geschafft hat: Auf die Frage nach dem Verhältnis zwischen missionarischen Bemühungen einerseits und dem Geist Gottes, der bekanntlich weht wo Er will, andererseits erklärt Hartl: "Das ist so wie beim Surfen. Man braucht die Welle und dann muss man bereit sein, die Welle zu surfen." Ein starkes Bild, wie ich finde. 

Auffällig fand ich, dass, als das Fest sich dem Ende näherte, die Musik besser wurde. Mir scheint, das kommt öfter vor – vielleicht, weil DJs meinen, es kommt nicht mehr so drauf an, und sich darum "mehr trauen". 

Und was wäre sonst noch über das Pfarrfest in St. Joseph zu sagen? Die Vorstellung, man könnte den Besuch dort als Networking-Gelegenheit für ein eventuelles Comeback in der Gemeindearbeit nutzen, erwies sich jedenfalls als wenig praktikabel; unter den Festgästen waren verhältnismäßig wenige bekannte Gesichter (darunter allerdings immerhin alle drei Priester der Pfarrei, nicht jedoch der Diakon), und ich kam kaum dazu, mit jemandem mehr zu reden als ein paar Takte Smalltalk im Vorbeigehen. Insgesamt hatte ich wie schon 2023 und '24 den Eindruck, die Gäste auf diesem Fest seien vorrangig nicht so das typische Kirchenpublikum, und überhaupt zeige sich der kirchliche Charakter der Veranstaltung an kaum etwas anderem als daran, dass sie eben auf einem Kirchengrundstück stattfand. Meine Reflexionen von vor drei Jahren zu diesem Befund könnte ich hier fast Wort für Wort wiederholen, aber muss ja nicht sein. – Erwähnt sei noch, dass es durchaus auch in der Kirche ein bisschen "Programm" gab: So bot die neue Kirchenmusikerin der Pfarrei, eine sympathisch wirkende junge Frau, eine Orgelführung für Kinder (die wir leider verpassten) und ein Offenes Singen an – da machten wir zwar nicht mit, nutzen aber die Gelegenheit, auf die Orgelempore zu steigen und uns den Kirchenraum mal von oben anzusehen. 

Außerdem gab es eine "Rätsel-Rallye", die für mein Empfinden allerdings etwas phantasievoller und auch inhaltlich anspruchsvoller hätte gestaltet sein dürfen: Im Wesentlichen ging es da nur darum, auf dem Gelände laminierte Zettel zu suchen, auf denen jeweils ein Buchstabe des Lösungswortes und ein Hinweis auf den Fundort des nächsten Zettels zu lesen war. 

Insgesamt würde ich sagen, auch da, wo die Kirche als Kirche auf diesem Fest Präsenz zeigte, tat sie es vorrangig im Sinne eines Kulturkatholizismus als Schwundstufe der früheren Volkskirche; oder, um nochmals auf Maria Hinsenkamps Formulierung zurückzugreifen, im Sinne eines Selbstverständnisses als "möglichst in die Breite der Gesellschaft anschlussfähige Institution [...], die nach innen und außen eine große Ambiguitäts- und Pluralitätstoleranz aufweist", und nicht als "missionarisch ausgerichtete, klar bekenntnis- und bekehrungsorientierte Kirche". Bezogen auf diese konzeptionelle Ausrichtung darf man das Fest als gelungen bezeichnen (und auch meiner Tochter hat es gut gefallen), aber ein bisschen mehr missionarischen Geist würde ich mir ja doch wünschen. Wie man den zur Geltung bringen könnte, ohne das Konzept des Fests komplett umzukrempeln, wäre vielleicht mal eine interessante Überlegung fürs nächste Jahr – vorausgesetzt, es gibt bei den Verantwortlichen überhaupt eine gewisse Offenheit für dieses Anliegen. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Alles, was ist, kommt von Gott; und darum kann nichts, was dem Menschen geschieht, weder Versuchungen noch Schicksalsschläge, noch Misshandlungen und Beschimpfungen, noch irgend sonst etwas, ihn aus der Fassung bringen; sondern er gibt sich zufrieden, ja er hält seine Prüfungen in Ehren, weil sie ihm von Gott geschickt sind und uns gegeben sind zu unserem Heil, und aus Liebe, nicht aus Hass.

(Aus den Briefen der Hl. Katharina von Siena) 


Ohrwurm der Woche 

Aretha Franklin: I Say A Little Prayer 

Dieser Soul-Klassiker lief während der Wartezeit auf die Gürtelprüfung meines Tochterkindes in der Steglitzer Kampfsportschule – und ist bei mir nachhaltig hängen geblieben. Trotz des Titels handelt es sich natürlich um ein im Wesentlichen säkulares Liebeslied, aber interessant finde ich es doch – und sei es nur als zeit- und kulturgeschichtliches Dokument –, dass es hier als besonders eindringlicher Ausdruck von Liebe dargestellt wird, für die geliebte Person zu beten. Worauf ich von allein allerdings nicht gekommen wäre, ist, dass der Textautor Hal David dabei den Gedanken im Hinterkopf hatte, die Frau bete deshalb für ihren Mann, weil dieser Kriegsdienst in Vietnam leistet...! 

Interessant als zeit- und kulturgeschichtliches Dokument ist der Songtext aber auch, weil er den Tagesablauf einer berufstätigen Frau schildert. Ein wichtiges Thema für Aretha Franklin, man beachte auch ihre Coverversion von Otis Reddings "Respect", wo es ja im Original darum geht, dass der Mann das ganze Geld nach Hause bringt und dafür von seiner Frau "nur ein bisschen Respekt" will, während in Arethas Version die Frau ihr eigenes Einkommen hat. Na, das nur nebenbei. 


Vorschau / Ausblick 

Heute Abend haben meine Liebste und ich, wenn alles klappt, sturmfreie Bude, denn die Kinder sind bei einer Veranstaltung ihrer Kampfsportschule, die lustigerweise "Parents' Date Night" heißt und bei der sie mit Training, Pizza essen und Film gucken bis über ihre übliche Zubettgeh-Zeit hinaus beschäftigt sein sollten. Am morgigen 5. Sonntag der Osterzeit wollen wir in St. Joseph Siemensstadt in die Messe, denn da findet, wie schon erwähnt, der zweite der beiden diesjährigen Erstkommunion-Gottesdienste statt, und zu den Erstkommunionkindern zählt ein Mädchen, das wir vom JAM kennen (und mit dem wir außerdem Anfang des Jahres Sternsingen waren). Danach gäbe es eine weitere Gelegenheit, dem Baumhaus endlich mal wieder einen Besuch abzustatten, denn dort ist morgen Permakultur-Picknick. – Für die kommende Schul- und Arbeitswoche, eine von nur zwei vollen Fünf-Tage-Wochen im Mai, steht erst mal noch nicht besonders viel im Terminkalender, aber das kann sich natürlich noch ändern. Nächsten Samstag ist vormittags das letzte Meutentreffen der Schöneberger KPE-Wölflingsmädchen vor dem Himmelfahrtslager und nachmittags Tag der offenen Tür an der Schule des Tochterkindes; letzteres könnte ein Anlass sein, mal wieder was aus der Rubrik "Neues vom Schulkind, den anderen Schulkindern und deren Eltern" zu schreiben – möglicherweise reicht das, was mir zu diesem Thema einfällt, sogar für einen eigenständigen Artikel. 


Samstag, 25. April 2026

Utopie und Alltag 22: Ein Tag in deinen Vorhöfen ist besser als tausend andere

Grüß Gott, Leser! Es ist immer noch Osterzeit, und auch wenn die zurückliegende Woche nicht ganz so randvoll mit blogrelevanten Erlebnissen war wie die davor, gibt es doch wieder eine ganze Menge zu berichten – besonders über das vorige Wochenende. Den Rest der Woche hatte ich tendenziell mehr mit nicht so unmittelbar "blogrelevanten" Dingen zu tun und schwebte daher auch nicht so permanent auf einer spirituellen Euphoriewolke durch die Gegend; aber das "Quiet Revival" bleibt ein spannendes und hochaktuelles Thema, und eigentlich hatte ich dazu einen Abschnitt von außerhalb des persönlichen Erlebnisbereichs in Arbeit, aber der ist nicht rechtzeitig fertig geworden, also mache ich vielleicht lieber eine Kolumne für die Tagespost draus – oder komme nächste Woche drauf zurück. 

Schaufenster eines Souvenirgeschäfts in Neuzelle, unweit des Klosters. 


Mann, Jesus! – Einkehrtag in Neuzelle 

Wie schon erwähnt, hatte ich mich am vergangenen Samstag in aller Früh' auf den Weg zum Kloster Neuzelle gemacht, um dort – zum ersten Mal "seit Corona" – an einem Männereinkehrtag teilzunehmen. Insgesamt war dies meine dritte Teilnahme an diesem Veranstaltungsformat an diesem Ort; in den Osterferien 2019 war ich zudem mit Frau und Tochter (der Kleene war da noch nicht auf der Welt) zu "selbstgemachten Familieneinkehrtagen" in Neuzelle gewesen. 

Gleich einleitend sei gesagt, dass das Zisterzienserpriorat Neuzelle in dem Ruf steht, zum sogenannten "KiNC"-Netzwerk zu gehören, auch wenn es in Maria Hinsenkamps einschlägiger Studie erheblich weniger Beachtung findet als sein Mutterkloster Heiligenkreuz. In Anm. 443 auf S. 388 liest man da: 

"Schließlich gründete sich im Herbst 2018 in Neuzelle in Brandenburg ein Ableger des Klosters Heiligenkreuz als 'missionarisches Projekt', das das Ziel verfolgt, dort eine neue Klosteranlage entstehen zu lassen. Hier bestehen enge Kontakte zwischen den dortigen, zum Teil noch recht jungen und auch in sozialen Medien aktiven Mönchen sowie dem Gebetshaus Augsburg. So waren zwei der Mönche als Referenten im Rahmen der durch das Gebetshaus Augsburg organisierten Weniger-Konferenz im Winter 2022 geladen. (Beide sind ebenfalls Unterstützer der Initiative Neuer Anfang.)" 

Da haben wir ja so einige "übliche Verdächtige" beisammen; einer der beiden hier gemeinten Mönche, nämlich Pater Isaak Maria Käfferlein, leitete auch den aktuellen Männereinkehrtag. An diesem nahmen ungefähr 30 Männer teil, und darunter waren überraschend viele bekannte Gesichter: Einen Teilnehmer kannte ich vom Väterwochenende auf Usedom im Frühjahr 2024; der Mann, der in St. Joseph Siemensstadt am 3. Fastensonntag im Rahmen der "Redditio Symboli" ein Zeugnis gegeben hatte, war auch da, und dann noch zwei weitere Männer, die ich aus St. Joseph Siemensstadt und/oder St. Stephanus Haselhorst vom Sehen her kannte, und einer, der sagte, er kenne mich vom Sehen. Diese Häufung war natürlich kein Zufall: Diese Männer gehörten alle zur Neokatechumenalen Gemeinschaft und waren gemeinsam in einem neunsitzigen Van angereist (dazu später noch mehr). Ein weiterer Teilnehmer war mir aus St. Clemens bekannt. Alles in allem eine sehr bemerkenswerte Quote. – Nach einem informellen Auftakt mit Kaffee, Keksen und Smalltalk begann das eigentliche Programm des Tages um 10:30 Uhr mit Lobpreis, energisch auf der Gitarre begleitet von einem jungen Mönch mit langem roten Bart; ich hatte irgendwie das Gefühl, ihn schon mal kennengelernt zu haben, als er diesen Bart noch nicht hatte, verpasste aber irgendwie die Gelegenheit, ihn darauf anzusprechen. Mehrere der Lieder, die er im Laufe des Tages spielte, finden sich auch im Lobpreis-Ordner auf meinem Mobilgerät, gleich das erste – "Ich weiß, dass mein Erlöser lebt" von Lothar Kosse – sogar auf einer Playlist mit dem Titel "Rock'n'Praise". Ein interessanter Kontrast zum lateinisch gesungenen Chorgebet der Mönche (die Mittagshore war ebenfalls Bestandteil des Einkehrtags-Programms). 

Bei Gelegenheit dieses einführenden Lobpreis-Blocks stöberte ich übrigens ein wenig im Inhaltsverzeichnis des Jugendvigil-Liederbuchs aus dem Stift Heiligenkreuz, das im weiteren Verlauf des Tagesprogramms noch ein paarmal zum Einsatz kam, und stellte fest, dass diese nur für den internen Gebrauch zusammengestellte Liedersammlung stilistisch eine ganz schöne Bandbreite abdeckt: Neben Lobpreisliedern von Graham Kendrick bis Albert Frey und Johannes Hartl sind da auch Lieder der Fokolarbewegung, volkstümlich-kitschige Marienlieder, aber auch NGL-Gassenhauer wie "Die Sache Jesu braucht Begeisterte", "Meine engen Grenzen" und sogar der Kirchentagsschlager "Da berühren sich Himmel und Erde" vertreten. Ich möchte das gar nicht weiter kommentieren, es ist mir einfach nur aufgefallen

Der erste Haupt-Programmpunkt des Einkehrtags war ein Impulsvortrag von Pater Isaak, der sich im Wesentlichen um die "drei munera" drehte: um die dreifache Berufung des Christen zum König, Priester und Propheten. Und da es eben ein Männereinkehrtag war, stand dabei besonders die Frage im Mittelpunkt, wie man diese Berufung als Mann und als Familienvater verwirklichen könne. Der Referent – der, wie ja schon in dem oben zitierten Auszug aus Maria Hinsenkamps Dissertation abgeklungen ist, auch auf YouTube und Instagram recht aktiv ist – merkte gleich einleitend an, es werde ja vielfach schon als problematisch empfunden wenn jemand sagt, Männer und Frauen seien unterschiedlich, hätten unterschiedliche Stärken und Schwächen und folgerichtig auch unterschiedliche Aufgaben, in der Kirche ebenso wie in der Familie und in anderen Bereichen der Gesellschaft. (Tatsächlich erinnerte ich mich daran, dass bei meinem ersten Männereinkehrtag in Neuzelle, vor sieben Jahren, ein Teilnehmer angesichts entsprechender Aussagen des damaligen Referenten – Pater Paulus Maria Tautz von den Franziskanern der Erneuerung – empört abrauschte und androhte, das werde ein Nachspiel haben.) Gleichzeitig gebe es aber in der öffentlichen Debatte unverkennbar einen großen Klärungsbedarf darüber, was eigentlich Männlichkeit ist oder sein sollte. Das wiederum erinnerte mich daran, wie bei dem schon erwähnten Väterwochenende auf Usedom der dortige Kursleiter zu mir sagte: "Es gibt heute so viele erlebnispädagogische Angebote für Männer – auch kommerzielle; da zahlen die ein irres Geld, aber am Ende laufen sie da auch nur durch den Wald." Noch etwas, was einem in diesem Zusammenhang einfallen könnte, wären fragwürdige "Manfluencer" wie Andrew Tate usw.: So gruselig man diese Typen und die Anschauungen, die sie vertreten, finden mag, sprechen sie doch offensichtlich ein echtes Bedürfnis bei ihrem Publikum an. Daher, so würde ich argumentieren, sollte man nicht das Bedürfnis als solches (nämlich eben das Bedürfnis nach Orientierung hinsichtlich der Frage, was es heißt, Mann zu sein) verdammen, sondern vielmehr bestrebt sein, darauf bessere Antworten zu geben, als die "Manfluencer" es tun. Der Ansatz der Männereinkehrtage im Kloster Neuzelle ist es nun, die Verwirklichung des Mannseins in der Nachfolge Christi zu suchen; schließlich, so hob der Referent hervor, sei Gott in Jesus Christus nicht nur allgemein Mensch, sondern auch ganz konkret Mann geworden. – Ich fand den Vortrag ausgesprochen anregend und ermutigend. 

Männertypisch war auch das Mittagessen: 

Grillfleisch und Brötchen, weit und breit kein Gemüse in Sicht.

In der Mittagspause gab es zudem ein paar Informationen zum aktuellen Stand des Klosterneubaus im Neuzeller Ortsteil Treppeln; dann folgte, trotz Osterzeit, eine Kreuzwegandacht auf einem zum Stiftsgelände gehörenden Weinberg (genannt "Scheibe"). 

Wie ich den Ansagen vor Beginn der Mittagshore entnahm, war zeitgleich mit dem Männereinkehrtag auch eine Pilgergruppe in Neuzelle, und zudem gab es in der Stiftskirche – die, so Tante Wikipedia, als "bedeutendster Kirchenbau der Niederlausitz" und "ein einzigartiges Bauwerk des böhmischen und schlesischen Barock im Land Brandenburg" gilt – offenbar mehrmals am Tag kunsthistorische Führungen. Die zum Einkehrtags-Programms gehörende Heilige Messe wurde daher in die Sakristei verlegt, und hier erreichte der weiter oben schon angesprochene ästhetische Kontrast zwischen rockigem Gitarren-Lobpreis und lateinischem Chorgebet seinen Höhepunkt oder, wenn man so will, seine Synthese: Pater Isaak zelebrierte am Barock-Altar ad orientem und in "Bassgeige", und der rotbärtige Mönch klampfte dazu weiter Lobpreis. Eine Kombination, die geeignet war, Stil-Puristen jeglicher Couleur den Magen umzudrehen, aber ich fand's prima. Für mein Empfinden ist diese Vereinigung vermeintlicher Gegensätze katholisch im besten Sinne – und ein starkes Zeichen gegen die Zersplitterung des rechtgläubigen Katholizismus in lauter kleine Grüppchen, die sich mehr über Stilfragen zu definieren scheinen als über einen lebendigen und missionarischen Glauben. Ohnehin hatte es für mein Empfinden ein gewisses Untergrundkirchen-Flair, sich in der Sakristei zu Messe und Anbetung zu versammeln, während im eigentlichen Kirchenraum kunsthistorische Führungen stattfanden; und zu diesem Untergrundkirchen-Flair passt es dann eben auch, dass die Messe ad orientem zelebriert wird, weil es keinen Volksaltar gibt, und zur Gitarre gesungen wird, weil es keine Orgel gibt. 

Hier der besagte Altar in der Sakristei.

Nicht unmittelbar im Anschluss an die Messe, aber kurz darauf fand in der Sakristei eine Eucharistische Anbetung statt – wiederum mit Lobpreismusik –, parallel dazu gab es Beichtgelegenheit, und damit endete das Programm des Einkehrtags dann gegen 17 Uhr. – Nachdem ich am Morgen mit der Regionalbahn nach Neuzelle gefahren war, ließ ich mich für den Rückweg im "Neo-Mobil" mitnehmen, wie ich den Neunsitzer insgeheim nannte; der Hintergrund dieser Bezeichnung ist, dass dieser Autotyp unter den Angehörigen des Neokatechumenalen Weges recht verbreitet zu sein scheint, weil die typischerweise so große Familien haben. Sie machen auch selber Witze darüber – zum Beispiel, dass es ja auch Vans mit "nur" sieben Sitzplätzen gebe, aber die seien "für Kleinfamilien". 

Alles in allem darf man diesen Männereinkehrtag in Neuzelle, zusammen mit dem Lobpreisabend in der Gemeinde auf dem Weg vier Tage zuvor, ohne Einschränkung zu den geistlichen Höhepunkten des noch jungen Jahres zählen und als einen würdigen Abschluss der vorausgegangenen Woche betrachten. Und ich habe entschieden die Absicht, nicht wieder sechs Jahre vergehen zu lassen, ehe ich dem Kloster Neuzelle einen erneuten Besuch abstatte. 


Neues von den Pfadfindern 

Am selben Tag, an dem ich in Neuzelle war, hatten die Schöneberger KPE-Pfadfinder eine Grundstückspflegeaktion auf einem der Pfarrei St. Matthias gehörenden Wald-/Gartengrundstück in Lichtenrade, direkt am ehemaligen Mauerstreifen; und mir war daran gelegen, dass mein Tochterkind daran teilnimmt, um – nicht zuletzt mit Blick auf das näher rückende Himmelfahrtslager – das Zugehörigkeitsgefühl zu den Pfadfindern zu stärken und die Kontakte zu den anderen Wölflingsmädchen zu intensivieren. Allerdings hatte ich ja schon in meinem vorletzten Wochenbriefing angedeutet, dass es organisatorisch durchaus eine Herausforderung bedeutete, ihr die Teilnahme an dieser Pfadfinderaktion zu ermöglichen – denn einerseits war ich nicht da, andererseits musste meine Liebste unseren Jüngsten zu einem Kindergeburtstag bringen, und dass Lichtenrade von uns aus gesehen so ziemlich am anderen Ende Berlins liegt, tat ein Übriges. Meine Schwiegermütter konnten uns in dieser Sache auch nicht helfen, da sie selbst Besuch bekamen. – Dank ein bisschen Unterstützung und Flexibilität seitens der Wölflingsleiterin und der Eltern des Geburtstagskindes kriegte meine Liebste das ganze Bringen und Abholen aber doch ganz gut geregelt; dennoch konnte ich den Gedanken nicht ganz unterdrücken "Hoffentlich gefällt's dem Tochterkind bei der Pfadfinderaktion, damit sich der ganze Stress lohnt". In dieser Hinsicht gab's am Abend eine Erfolgsmeldung: Als ich nach Hause kam und meine Tochter fragte, wie's bei den Pfadfindern gewesen sei, gab sie mir eine uneingeschränkt positive Schilderung – zu der nicht zuletzt die Mitteilung gehörte, sie habe jetzt zwei neue Freundinnen. Schön! 

Der schriftlichen Aufforderung, zu dem besagten Treffen in Kluft zu erscheinen, hatte das Tochterkind indessen nicht Folge leisten können: Zwar hatten wir schon vor den Osterferien bei einem speziellen Pfadfinderausstatter Klufthemd und Barrett bestellt (und uns allmählich gefragt, wo eigentlich die Lieferung bleibt), aber anscheinend hatte es, wie sich jetzt herausstellte, Unklarheiten oder Missverständnisse bezüglich Zahlungsweise und Versandmodalitäten gegeben. Diese sollten jetzt eigentlich geklärt sein, aber das Paket ist bis zum Redaktionsschluss (und damit leider auch bis zum heutigen Meutentreffen) noch nicht bei uns angekommen. Vielleicht liegt es in einem Paketshop oder bei einer Nachbarin...

Ein anderes Thema ist die KPE-Bundeswallfahrt zum 50jährigen Bestehen des Verbands, die am letzten Juni-Wochenende stattfinden soll. Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass das Programm dieser Veranstaltung grundsätzlich ziemlich reizvoll aussieht, hatte mich aber zugleich gefragt, wie man da von Berlin aus eigentlich hinkommen soll, schon gar ohne Auto. Was das angeht, zeichnet sich nun eine Lösung ab: Die KPE-Stämme aus Berlin und Brandenburg haben gemeinsam einen Bus gechartert. Da der allerdings erst Samstag früh in Steglitz abfährt und man für die Fahrt zum Kloster Schöntal bestimmt sechs bis sieben Stunden veranschlagen muss, wird der Großteil des Samstags-Programms – wozu auch das große Geländespiel der Wölflinge gehört – ohne die Berliner und Brandenburger stattfinden müssen. Die Frage, ob die Teilnahme sich wohl trotzdem lohnt, würde ich dennoch tendenziell bejahen wollen; immerhin stehen am Samstagabend noch eine Lichterprozession und eine Nachtanbetung auf dem Programm, am Sonntag dann eine ca. 5 Kilometer lange Fußwallfahrt und der Jubiläumsgottesdienst in der Klosterkirche. Eine endgültige Entscheidung darüber, ob wir uns da als ganze Familie anmelden wollen, haben wir noch nicht getroffen, aber demnächst wird diese Entscheidung wohl fällig werden. 

Was derweil das anstehende Himmelfahrtslager der Wölflingsmädchen angeht, ist immerhin schon mal bekanntgegeben worden, wo es stattfinden soll (das verrate ich hier aber noch nicht), und eine Packliste wurde auch schon verschickt. Unlängst fing ich schon an, nervös zu werden, weil es "nur noch" knapp drei Wochen bis zum Lager sind, aber dann fiel mir ein, dass ich im vergangenen Herbst erst fünf Tage vor dem Herbstlager gefragt wurde, ob meine Tochter und ich dorthin mitkommen wollten, und da hatten wir noch überhaupt keine einschlägige Vorerfahrung und mussten auf die Schnelle noch die Ausrüstung besorgen, und es hat alles gut geklappt. Im Vergleich dazu haben wir jetzt ja noch reichlich Vorbereitungszeit...

Nicht so gut läuft's derweil mit unserem Jüngsten und den Wichteln; ich hatte ja schon vor den Osterferien angekündigt, dazu "bei Gelegenheit" noch etwas zu sagen, und diese Gelegenheit scheint mir nun gekommen. Am zurückliegenden Wochenende traf sich nämlich sowohl die KPE-Wichtelgruppe in St. Norbert (Schöneberg) – am Samstag – als auch die in St. Afra (Gesundbrunnen) – am Sonntag –, aber tatsächlich waren wir bei beiden nicht. Am Samstag vor dem Kindergeburtstag, zu dem unser Jüngster eingeladen war, noch in St. Norbert zu den Wichteln zu gehen, wäre vielleicht möglich gewesen, wenn sich nicht gleichzeitig die Wölflinge woanders getroffen hätten; und am Sonntag hatten wir KiWoGo in St. Joseph Siemensstadt (s.u.) und hätten es danach wohl kaum noch rechtzeitig zur Wichtelgruppe in St. Afra geschafft. Stattdessen gingen Frau und Kinder am Sonntagnachmittag mit zwei Schulfreundinnen unserer Großen und deren Mutter ins Schwimmbad – diese Verabredung hatten die Mädchen ausgeheckt, und eventuell wäre über diesen Ausflug noch mehr zu sagen, aber das hebe ich mir, da es hier thematisch nicht so richtig reinpasst, zur eventuellen späteren Verwendung auf. – Jedenfalls ist unser Jüngster nun schon seit Mitte Februar nicht mehr bei den Wichteln gewesen, und ich würde es durchaus begrüßen, wenn das zukünftig mal wieder anders würde; zugleich muss ich aber gestehen: Sooo wichtig ist mir das nun auch wieder nicht. Richtig interessant wird es ja eigentlich erst, wenn der Kleene ins Wölflingsalter kommt, und bis dahin ist ja noch etwas Zeit. 


Schwarzer Gürtel in KiWoGo

Was die Planung für den Kinderwortgottesdienst in St. Joseph Siemensstadt am 3. Sonntag der Osterzeit – dem letzten KiWoGo vor der diesjährigen Erstkommunion – anging, muss ich gestehen, dass ich bis kurz vor der Vorbesprechung am vorletzten Donnerstag komplett im falschen Film gewesen war und gedacht hatte, es stünde schon der KiWoGo zum Dreifaltigkeitssonntag an. Aber der ist ja erst nach Pfingsten, am 31. Mai. Na, das Gute daran ist, dass ich dadurch jetzt schon ein Konzept für den nächsten KiWoGo habe; aber dazu zu gegebener Zeit mehr. Erst einmal war wie gesagt der 3. Sonntag der Osterzeit zu planen, und da drohten weitere Verwirrungen; denn der Schott gibt als Evangelium für diesen Sonntag eigentlich Lukas 24,13-35, den Gang nach Emmaus, an, allerdings mit dem Zusatz, "wo der Ostermontag als Feiertag begangen wird und das Emmausevangelium bereits an diesem Tag gelesen wurde", könne oder solle stattdessen Johannes 21,1-14 zum Einsatz kommen – die Johannes-Version des wunderbaren Fischzugs. Diese Perikope hatten wir Fronleichnam '24 im Rahmen einer Kinderbibelrallye beim Pfarrfest verwendet und mit Playmobilfiguren visualisiert, man konnte also davon ausgehen, dass die Figuren noch irgendwo waren; und was die inhaltliche Message anging, traute ich mir durchaus zu, das, was ich persönlich an dieser Bibelstelle so spannend finde – und was teilweise auch in einem Vortrag von Johannes Hartl bei der jüngsten MEHR-Konferenz eine Rolle spielte, von dem ich allerdings nur Teile mitbekommen habe – auf ein für Kinder im Grundschulalter verständliches Niveau zu bringen: Wir erleben hier die Jünger in einer Phase, in der sie zwar schon wissen, dass Jesus auferstanden ist, aber sich trotzdem noch nicht darüber im Klaren sind, wie es jetzt weitergehen soll. Und Petrus, der nicht mehr herumsitzen und abwarten will, sagt: "Ich gehe fischen." Warum? Weil das sein erlernter Beruf ist, damit kennt er sich aus, da fühlt er sich kompetent. Die anderen machen mit. Und was passiert? Sie fangen nichts. Da versuchen sie sich auf ihre Kernkompetenz zu besinnen, auf das, was sie gelernt haben und gewohnt sind, und es funktioniert nicht. Ihre Ausbildung, ihre Berufserfahrung nützt ihnen nichts. Und der Rat, den ihnen der zunächst unerkannt am Ufer auftauchende Jesus gibt, erscheint völlig unsinnig: Es wird schon hell, damit ist die gute Zeit zum Fischen eigentlich vorbei, und welchen Unterschied soll es eigentlich machen, an welcher Seite des Bootes man das Netz auswirft? Aber sie tun es trotzdem, und es funktioniert. Offenbar ist es das, was Gott in bestimmten Situationen von uns will: dass wir uns nicht auf unsere Kompetenz und Erfahrung, auf erprobte und bewährte Methoden verlassen, sondern Seinem Wort gehorchen, auch wenn es uns unvernünftig oder aussichtslos erscheint.

In unserer Vorbesprechung hatten der Gemeindereferent und ich uns also in groben Zügen auf den folgenden Ablauf für den KiWoGo geeinigt: Ich spiele unser übliches Begrüßungslied "Alles was ich hab", dann wird das Evangelium vorgelesen und mit Playmobilfiguren visualisiert, ich übernehme die Auslegung im oben skizzierten Sinne, und wenn dann noch Zeit ist, steuert der Gemeindereferent noch etwas praktische Nutzanwendung für den Alltag bei. Soweit, so gut. Am Sonntagmorgen schickte mir der Gemeindereferent dann eine Nachricht des Inhalts, er habe einen Geistesblitz für einen induktiven Einstieg gehabt: Ihm sei aufgefallen, dass er in seinem Berufsalltag immer so viel zu planen und zu organisieren habe – aktuell zum Beispiel für die Religiöse Kinderfreizeit in den Sommerferien –, wohingegen die Jünger im Evangelium nichts dergleichen tun, sondern ziemlich planlos und unorganisiert herumsitzen, bis ihnen Jesus erscheint. Ich fand die Idee, mit dieser Beobachtung anzufangen, nicht schlecht, und dagegen, dass er bei der Gelegenheit gleich ein bisschen Werbung für die Religiöse Kinderfreizeit machte, hatte ich ebenfalls nichts einzuwenden; hingegen ließ es mir etwas die Luft raus, dass der Gemeindereferent den Vortrag des Evangeliums durch allerlei Ausschmückungen und eingeschobene Erläuterungen arg in die Länge zog und dabei auch Dinge vorwegnahm, von denen ich fand, sie hätten eigentlich in meine Auslegung hineingehört. Als ich dann schließlich an die Reihe kam, wurde schon die Zeit knapp. Ich bemühte mich, das Beste draus zu machen, aber ganz glücklich war ich mit dem Gesamtergebnis, wohl verständlicherweise, doch nicht. Aber ich sage mir in solchen Fällen ja immer gern: Aus allem, was nicht perfekt läuft, kann man für die Zukunft lernen. (Nur muss man es dann halt auch tun...)

Zum nächsten anstehenden KiWoGo – am Dreifaltigkeitssonntag, wie gesagt – sei vorerst nur verraten, dass ich mir untypischerweise gedacht habe "Man könnte doch ausnahmsweise mal was basteln, wir basteln ja sonst nie". Das mal zum Stichwort Methodenvielfalt. Alles Weitere zu gegebener Zeit...


Update Alpha-Kurs

Am Montag fand in Haselhorst das zweite Treffen des Alpha-Kurses statt, bei dem meine Liebste im "Helferteam" (im Unterschied zum "Leitungsteam") ist; sie kam wieder erst spät nach Hause, musste dafür aber am nächsten Tag erst später zur Arbeit als sonst, sodass die ganze Familie zusammen frühstücken konnte. Bei dieser Gelegenheit erzählte meine Liebste, von den Teilnehmern des ersten Abends seien am zweiten zwar fünf oder sechs aus unterschiedlichen Gründen verhindert gewesen, dafür seien aber fast genauso viele "Neue" da gewesen. Was den inhaltlichen Teil betrifft, meinte meine Liebste, dieser – der unter der Überschrift "Wer ist Jesus?" stand und sich u.a. um die Frage drehte, ob die Evangelien glaubwürdige historische Quellen seien – sei tendenziell schon besser darauf abgestimmt gewesen, ein nicht einschlägig vorgebildetes Publikum abzuholen und mitzunehmen, als es ihrer Wahrnehmung zufolge am ersten Abend der Fall gewesen sei. Sie fügte allerdings hinzu, sowohl die Teilnehmer- als auch die Mitarbeiterhefte zum Alpha-Kurs machten deutlich, dass das Konzept des Kurses tatsächlich nicht ganz so niederschwellig ist, wie man sich das vielleicht vorstellen würde, wenn man post-volkskirchliche Gepflogenheiten gewohnt ist. Auf den Punkt gebracht, der Kurs ist schon darauf angelegt, ein Zeugnis für den christlichen Glauben abzulegen, nicht nur darauf, diesen Glauben zur Diskussion zu stellen. Finde ich auch gut und richtig, hätte man sich aber auch anders vorstellen können. 

Übrigens, in diesem Zusammenhang ein Fundstück aus Neuzelle: 

Scheint mir durchaus stimmig und nachahmenswert für katholische Veranstalter, an den Alpha-Kurs, der ja "überkonfessionell" darauf ausgerichtet ist, Grundfragen des christlichen Glaubens zu behandeln, einen Aufbaukurs anzuschließen, in dem es um das spezifisch Katholische geht. Merken wir uns das mal für später! 


Kindermund der Woche 

"Als Prophet hat man ja am Ende einen ganz trockenen Hals." 

(Tochterkind, 8 J., ohne erkennbaren Anlass oder Zusammenhang) 


Kurz notiert

  • Aus der Pfarrei St. Willehad Nordenham/Butjadingen/Stadland wird vermeldet, die dortige Urlauberseelsorge habe einen neuen Namen – "Sommerkirche der katholischen Kirche Burhave und Tossens" – und ein neues Logo. Dass der Name "Willi's" (als Verniedlichungsform des Pfarreipatrons Willehad) und die dazugehörige krakelige Kinderzeichnung im Logo damit passé sind, kann man erst mal als erfreulich verbuchen, aber das ist auch schon das beste, was man über das neue Logo sagen kann; zentrales Bildelement ist eine Sonne, da dürfte der Wiedererkennungseffekt gegenüber anderen, nichtchristlichen Angeboten zur Urlauberbetreuung eher gering sein. Spannender ist indes allemal die Frage, ob sich auch inhaltlich-konzeptionell etwas an der Urlauberseelsorge ändert, und da hält sich mein Optimismus eher in Grenzen. Was mich übrigens daran erinnert, dass es Zeit wird, mit dem Projekt "Guerilla-Urlauberseelsorge" voranzukommen. Na, ich schätze, da kümmere ich mich in der kommenden Woche drum.

Geistlicher Impuls der Woche

Die den Herrn fürchten, sind Seinen Worten nicht ungehorsam, und die Ihn lieben, halten Seine Wege ein. Die den Herrn fürchten, suchen Sein Wohlgefallen, und die Ihn lieben, sind vom Gesetz erfüllt. Die den Herrn fürchten, machen ihre Herzen bereit und demütigen sich vor Ihm. Wir wollen in die Hände des Herrn fallen und nicht in die Hände von Menschen. Denn wie Seine Größe, so auch Sein Erbarmen. 
(Jesus Sirach 2,15-18)


Ohrwurm der Woche

1 Giant Leap feat. Maxi Jazz & Robbie Williams: My Culture 

Irgendwann in den "Nuller Jahren" legte sich meine damalige Freundin eine Doppel-CD mit dem Titel "Asia Lounge – Asian Flavoured Club Tunes – 2nd Floor" zu, die ich in die Rubrik "Nicht das, was ich sonst so höre, aber hat was" einordnete. Bleibenden Eindruck haben von den 24 Stücken auf dieser Compilation allerdings nur zwei auf mich, und dies ist einer davon. Dass der mir nun wieder eingefallen ist, hat wahrscheinlich mit dem Männereinkehrtag in Neuzelle zu tun, schließlich geht es im Songtext sehr wesentlich um Väter – in dem von Maxi Jazz (bekannt als Gesicht und Stimme des Elektronik-Projekts Faithless) gerappten Teil eher um Väter im Plural,  also Vorfahren in einem weiteren Sinne, in der von Robbie Williams gesungenen Passage eher um das problematische Verhältnis zu einem ganz konkreten Vater. Das Video finde ich auch recht eindrucksvoll. 


Vorschau/Ausblick

Heute vormittag war, wie beiläufig schon erwähnt, wieder Meutentreffen der Schöneberger KPE-Wölflinge – das vorletzte vor dem Himmelfahrtslager, da am verlängerten Wochenende über den 1. Mai kein Treffen stattfindet. Heute Abend ist Community Networking Night im Baumhaus, aber wie üblich stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest, ob wir da hingehen (oder ggf. ich alleine). Morgen ist in St. Joseph Siemensstadt der erste der zwei diesjährigen Erstkommunion-Gottesdienste, aber da werden wir nicht dabei sein – da ungefähr zur selben Zeit unser Tochterkind die Kampfsportprüfung für den weiß-gelben Gürtel ablegt. Da trifft es sich gut, dass das eine Erstkommunionkind, das wir näher kennennämlich ursprünglich vom JAM her –, erst in der folgenden Woche "dran" ist. Die Kampfsportprüfung findet in Steglitz statt, von dort ist es nicht weit bis zum Achorhof, sodass durchaus die Option im Raum steht, anschließend noch dorthin zu fahren; da findet nämlich ein "Französischer Tag" statt und man könnte auch dort zur Messe gehen. Alternativ könnte man natürlich auch in Herz Jesu Tegel in die Abendmesse gehen, wo der Pfarrer anschließend, wie regelmäßig einmal im Monat, ein Predigtnachgespräch anbietet, aber diese Eskalationsstufe möchte ich zum gegebenen Zeitpunkt vielleicht lieber doch noch nicht zünden... Am Montag ist dann wieder Alpha-Kurs in Haselhorst, und dann ist der Monat April auch schon fast rum. Am 1. Mai ist unser Jüngster zur Geburtstagsparty eines KiTa-Freundes eingeladen, was natürlich die Frage aufwirft, was man in dieser Zeit mit der Großen unternehmen könnte; eine möglicherweise naheliegende Option wäre es, mit ihr zum Patronats- und Siedlungsfest in St. Joseph Tegel zu gehen, das in diesem Jahr zugleich als Pfarrfest für die gesamte Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd gefeiert wird. Mit Blick auf die Überlegung, mich zukünftig vielleicht wieder stärker in dieser Pfarrei zu engagieren, könnte es durchaus sinnvoll sein, da Präsenz zu zeigen, aber andererseits gilt natürlich auch da, dass ich den Ball vielleicht vorerst noch ein wenig flacher halten sollte. Wir werden sehen, wie ich mich diesbezüglich entscheide!