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Samstag, 7. Februar 2026

Utopie und Alltag 11: Des einen Auszeit ist des anderen Eiszeit

Moin und Ahoi, hochgeschätzter Leser: Einen Großteil des Berichtszeitraums dieses Wochenbriefings habe ich mit meiner Familie im Urlaub in Butjadingen verbracht – eine wohltuende und wohlverdiente Auszeit, aber was es darüber zu berichten gibt, hält sich doch einigermaßen in Grenzen. So war mehr Raum für andere Themen, und ich möchte mal behaupten, es ist mal wieder ein thematisch recht buntes Wochenbriefing dabei herausgekommen. In diesem Sinne: Vorhang auf! 

Konzertmuschel in Tossens. So winterlich haben wir unseren regelmäßigen Urlaubsort noch nie erlebt.

Alles Theater 

Zu den lebhaftesten Erinnerungen, die ich an mein Studium habe, zählt diejenige an das Proseminar Dramaturgie in meinem ersten Semester. In einer der ersten Sitzungen, wenn nicht in der allerersten, ging es um die Frage "Was ist eigentlich Theater?", und die Dozentin, Dr. Christa Hasche, war bestrebt, uns klar zu machen, dass unser Theaterbegriff – geprägt von dem, was wir auf dem Gymnasium über Dramentheorie gelernt hatten – viel zu bildungsbürgerlich-eng sei: Sie plädierte für eine Definition von Theater, die z.B. auch "Revuen im Friedrichstadtpalast" einschließt. "Aber sowas schauen Sie sich ja nicht an." 

Was mich betrifft, hat sie damit bis letzte Woche Recht behalten. Am vergangenen Samstag, dem 31. Januar, war ich tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben im Friedrichstadtpalast. Das kam so: Meine Liebste hatte die Idee gehabt, ihrer Mutter (die letztes Jahr einen runden Geburtstag hatte) und deren Partnerin Karten für die Revue "Frida & Frida" zu schenken, aber meine Schwiegermütter meinten, wir sollten dorthin mitkommen. Ich war darauf zunächst nicht besonders scharf, ließ mich aber überzeugen. Und ich kann schon mal sagen, ich habe es nicht bereut. 

"Frida & Frida" war eine Show des "Jungen Ensembles" des Friedrichstadtpalasts, wozu es passte, dass die gespielte Handlung in Inhalt und Stil eher Schultheater-Niveau hatte – was aber gar nicht so abwertend gemeint ist, wie es vielleicht klingt; man wird indes behaupten dürfen, dass diese szenischen Elemente vorrangig dazu dienten, einen erzählerischen Zusammenhang zwischen den Shownummern herzustellen. Und was da in Sachen Tanz und Akrobatik sowie an opulenten Kostümen und bühnentechnischen Effekten geboten wurde, war schon sehr sehenswert. (Übrigens hieß es in einer Ansage in der Einlassphase, der Friedrichstadtpalast habe "die größte Theaterbühne der Welt". So riesig kam sie mir eigentlich gar nicht vor, aber da mag der Eindruck täuschen.) 


Zu der Frage, warum die Show "Frida & Frida" heißt und was genau das mit Frida Kahlo zu tun hat, muss man indes sagen: Es ist kompliziert. Die Protagonistin der gespielten Handlung heißt Frida, träumt davon, Malerin zu werden, und erkrankt plötzlich an Polio (Kinderlähmung), woraufhin sie längere Zeit in einer Klinik verbringen muss; insoweit ist diese Figur also lose an die reale Frida Kahlo angelehnt, und dann begegnet sie in mehreren Traumsequenzen einer anderen Frida, gewissermaßen einer Phantasieversion ihrer selbst, und die trägt so einen Kopfputz aus Blumen, wie man ihn aus mehreren ikonischen Selbstporträts von Frida Kahlo kennt. Darüber hinaus waren besonders in den Traumsequenzen, die mit der sterilen Klinik-Atmosphäre kontrastierten, die Bühnenbilder und Kostüme von der Bildsprache der Gemälde Frida Kahlos inspiriert. – Was ich an dieser Stelle aber auch noch anmerken möchte, ist, dass die Show so viele Klischees über Mexiko bediente – angefangen davon, dass die Conférence von einer Mariachi-Band übernommen wurde, bis hin dazu, dass im Finale eine riesige Piñata aus dem Schnürboden herabgelassen wurde –, dass ich mich fast schon wunderte, dass es von "woker" Seite keine Proteste gegen diese Show gegeben hat. Zukünftig wird es jedenfalls wohl keine mehr geben, da die Vorstellung, die wir gesehen haben, die letzte war. 


Rettet das Baumhaus! 

Dazu, am Samstagabend noch zur Community Networking Night ins Baumhaus zu gehen, waren die Kinder nicht zu motivieren, also blieb meine Liebste mit ihnen zu Hause und ich fuhr alleine hin. Dies war nicht nur meine erste Teilnahme an der Community Networking Night seit Juni letzten Jahres, sondern es gab auch einen konkreten Anlass für diesen Besuch: Das Baumhaus, ein Ort, den ich hier schon des öfteren als vorbildlich und inspirierend in Sachen "community building" gewürdigt habe, befindet sich finanziell in einer schwierigen Lage und hat daher gerade eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um die laufenden Kosten für die nächsten drei Monate zu decken – insgesamt 12.000 Euro. Eigentlich sollte die erste Community Networking Night des Neuen Jahres unter anderem dazu dienen, diese Spendenaktion anzuschieben; Baumhaus-Initiator Scott Bolden wollte dazu, der Programmankündigung zufolge, eine Ansprache halten. Tatsächlich war der Abend aber so schwach besucht, dass er sich das sparte und stattdessen lieber Einzelgespräche führte. Mit mir redete er u.a. auch über meinen Blog – ja, genau diesen hier – und regte an, ich solle einen Podcast machen: Damit erreiche man ein breiteres Publikum, zum Beispiel auch Leute, die wenig bzw. ungern lesen. Wenn ich die schriftliche Form nicht aufgeben möge, solle ich erwägen, zusätzlich einen Podcast zu starten; das mache nicht viel Arbeit, man könne da ganz frei von der Leber weg über alles reden, was einem so in den Sinn kommt, könne sich Gäste einladen und mit denen "einfach quatschen"... Also, ich kann nicht behaupten, dass ich darauf keine Lust hätte. Und die technische Seite würde man wohl auch noch irgendwie in den Griff kriegen. 

Erst nachdem ich dieses Foto gemacht hatte, fiel mir auf, dass unter den um den Baum herum gruppierten Stichworten "Inspiration" noch nicht vertreten war, also fügte ich es oben links hinzu.

Auch mit einigen der wenigen anderen Gäste führte ich interessante Gespräche; so z.B. auch mit dem HipHop-Reporter und Moderator Motasch, der erst unlängst im Baumhaus und im angrenzenden Panke-Club die erste Runde der German Beatmaking Championship moderiert hat und der nun mit seinem Handy ein paar Leute, darunter auch mich, interviewte – dazu, was uns mit dem Baumhaus verbindet und warum wir das Baumhaus als erhaltenswert ansehen. Wo man diese Interviews sehen kann, habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können, aber vielleicht finde ich da noch was raus. – Auch das Essen war mal wieder hervorragend – und, in Anbetracht des eher überschaubaren Publikums, sehr reichlich. 

Zu Scotts Plänen fürs die Zukunft des Baumhauses zählt es übrigens auch und nicht zuletzt, die Räumlichkeiten mehr als bisher für unterschiedliche Veranstaltungskonzepte von verschiedenen Leuten zu öffnen; da lag für mich natürlich der Gedanke nicht fern, ob wir nicht auch mal was im Baumhaus machen könnten. Als ich diesen Gedanken am nächsten Morgen beim Frühstück meiner Familie unterbreitete, hatte das Tochterkind die Idee, wir könnten ein Kinderprogramm im Baumhaus anbieten. Einen anderen Vorschlag hatte meine Liebste: nämlich, das Baumhaus zu mieten, um meinen Geburtstag dort zu feiern. Wäre mir natürlich – buchstäblich – ein Fest. Aber dafür muss das Baumhaus natürlich erst mal seine finanzielle Durststrecke überstehen. Als ich das letzte Mal nachgeguckt habe, hatte die Crowdfunding-Kampagne 2.152 € eingebracht, also gut ein Sechstel der angestrebten Gesamtsumme. Da geht noch mehr, würde ich mal sagen! 


Lichtmess in Siemensstadt 

Am Sonntag fuhren wir – obwohl es der erste Sonntag im Monat war und somit theoretisch ein "Gottesdienst-Double-Feature in Haselhorst" möglich gewesen wäre – zur Messe in St. Joseph Siemensstadt, wo das Fest Darstellung des Herrn bzw. Mariä Lichtmess "vorgefeiert" wurde – "damit es nicht am Montag untergeht", wie der örtliche Pfarrvikar in seinen Begrüßungsworten erläuterte. Ziemlich zu Beginn der Messe, vor dem Kyrie, gab es eine Kerzenweihe; dazu hatten wir extra eigene Kerzen von zu Hause mitgebracht, aber wie es schien, war das wohl eigentlich gar nicht vorgesehen: Stattdessen wurde ein Korb voller schmaler gelber Wachskerzen auf den Altar gestellt, mit Weihwasser besprengt, dann wurden die gesegneten Kerzen angezündet und an die Gemeinde verteilt. Ich denke aber mal, wir können unsere selbst mitgebrachten Kerzen getrost als "mitgesegnet" betrachten, auch wenn sie kein Weihwasser abbekommen haben. – Auch im weiteren Verlauf der Messe kamen die Texte vom Montag und nicht die vom Sonntag zum Einsatz, wodurch es keine Predigt zu den Seligpreisungen gab – worüber ich, nachdem ich zu diesem Evangelium einen Impuls aus der Reihe "Langweilig predigen für Anfänger" auf dem Instagram-Kanal der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd gesehen und gehört habe, gar nicht so unglücklich bin. Erst recht nicht angesichts der Predigt, die der Pfarrvikar stattdessen zum Evangelium von der Darstellung Jesu im Tempel (Lukas 2,22-40) hielt. Aus dieser im Verhältnis zu ihrer Länge (knapp zehn Minuten) wieder einmal bemerkenswert inhaltsreichen Predigt möchte ich hier nur ein paar Aspekte herausgreifen – wer die ganze Predigt im Zusammenhang hören möchte, kann das gern auf YouTube tun. Interessant fand ich, was der Pfarrvikar dazu ausführte, wie die Figuren des greisen Simeon und der greisen Hanna, denen der Säugling Jesus bei der Darstellung im Tempel begegnet, im Alten Testament verankert sind: Hannah verweist schon durch ihren Namen auf die Mutter des Propheten Samuel – "das heißt, sie war eine unfruchtbare Frau, sie ging in den Tempel und bat den Herrn um ein Kind. Und Gott erhörte sie." Zudem wird sie als "eine Tochter Penuëls" bezeichnet; Penuël ("Angesicht Gottes") erscheint im Alten Testament nicht als Personen-, sondern als Ortsname, der Erzvater Jakob nennt so den Ort, an dem er mit dem Engel gerungen hat (Genesis 32,31). "Und die Hanna, Tochter Penuëls, ist eine, die wartet, das Angesicht Gottes zu sehen. Und das sieht sie in diesem Kind." 

Ein weiterer Aspekt der Predigt, der mich persönlich sehr ansprach, betraf die persönliche Begegnung mit Christus – und was es bedeutet, Christus anzunehmen wie ein Kind, das "in unsere Arme gelegt wird": 

"Ein Kind revolutioniert das Leben. Wenn ein Säugling geboren wird, nix is mehr so wie's war. Man braucht ein Kinderzimmer, auf einmal die ganze Babyausrüstung und so weiter. Das heißt, das Leben steht Kopf. Die Zeiten sind anders, das Leben ist anders, alles ist anders. Das macht Christus in unserem Leben." 

Das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen... Schließlich merkte der Pfarrvikar noch an, bei der Vorbereitung dieser Predigt habe ihn "die Hanna beeindruckt", weil es im Evangelium von ihr heißt "Sie diente Gott mit Fasten und Beten". – Das habe er, so führte er aus, als Mahnung verstanden, in seinem Berufsalltag als Pfarrvikar ("weil ich gesehen habe in der letzten Zeit, bei diesen ganzen acht Kirchen, da rotiert man wie der Doofe... In der Kirche werden wir immer technischer, weil wir uns der Welt angliedern. So viel wie ich hinterm Computer sitze, ist absurd") "das Stundengebet nicht zu vernachlässigen und die Beziehung mit Gott. Gott sucht nicht, was ich tue in der Pfarrei oder was ich leiste, sondern Gott will mich. Er sucht mein Herz." 

Erwähnen möchte ich noch, dass, als wir in der Kirche ankamen, der Gemeindereferent gerade dabei war, auf den Stufen vor dem Kirchenportal Streusand zu verteilen. "Gut zu wissen, dass das auch zum Berufsbild gehört", merkte ich augenzwinkernd an. – Im Anschluss an die Messe bot der Sozialdienst Katholischer Männer auf dem Kirchenvorplatz Schnittchen, Kaffee und Kinderpunsch an, letzteres auf Wunsch auch mit einem Schuss Amaretto; das war durchaus lecker, aber gleichzeitig dachte ich mir, "Kinderpunsch mit Amaretto" wäre ein lustiger Titel für irgendwas, zum Beispiel für einen Roman im Stil von Eva Völlers "Ich bin alt und brauche das Geld" (den ich im Zuge meiner unvollendeten "100-Bücher-Challenge" gelesen und dabei festgestellt habe, dass er besser ist, als man denken könnte). Obendrein war auf dem Kirchenvorplatz ein Infostand mit Flyern zu diversen Angeboten der Gemeinde und Möglichkeiten zum ehrenamtlichen Engagement aufgebaut. Wie ich gehört habe, soll dieser Infostand zukünftig regelmäßig oder jedenfalls "öfter mal" da stehen. Scheint mir unter dem Aspekt der neulich erst angesprochenen Frage "Was tut die Kirche eigentlich dafür, dass Leute, die sich irgendwie für den Glauben interessieren, aber (noch) nicht kirchlich (ein-)gebunden sind, Anschluss an die Ortsgemeinden finden?" ein ganz guter Ansatz zu sein. 


Camino de Willehado, Winter-Edition 

Am Montag in aller Früh' ging es los in dem Urlaub, und zum Abschied zeigte Berlin sich von seiner schlechtesten Seite: BVG-Streik, verspätete S-Bahnen, defekte Rolltreppen, und dann gab's beim Backwerk nicht mal das klassische "Huhn meets Ei"-Sandwich, das ich normalerweise immer zum Reiseantritt verputze. 

Ein Bild aus besseren Tagen. 

All diese Misshelligkeiten hinderten uns jedoch nicht daran, schon bei Sonnenaufgang in Hannover zu sein; am späten Vormittag waren wir dann zum Kaffee bei meiner Mutter, bei der wir auch Mittagessen bekamen. Unser eigentliches Reiseziel erreichten wir dann am frühen Nachmittag. Wie ich inzwischen nachgezählt habe, war dies nach 2020 (unser letzter Urlaub "vor Corona"), '23, '24 und '25 bereits das fünfte Mal, dass wir die Winterferien im CenterParc Nordseeküste verbrachten; ebenso wie vor zwei Jahren hatten wir auch diesmal wieder statt eines Ferienhauses ein Hotelzimmer gebucht, was, wie ich schon seinerzeit schrieb, "im Wesentlichen zwei Vorteile hatte: Zum einen war das Frühstücksbüffet inklusive, zum anderen konnte man vom Hotelzimmer aus trockenen Fußes zum Schwimmbad und zum Market Dome gelangen". Letzteres führte dazu, dass wir – angesichts der strengen Temperaturen und der Tatsache, dass es im Winter in Butjadingen ohnehin nicht viel zu unternehmen gibt – nach dem Einchecken erst mal rund 42 Stunden lang nicht nach draußen gingen. Im Grunde hätten wir das ruhig noch länger durchziehen können, aber für Mittwochvormittag hatten wir – nach dem bewährten Motto "Wenn die Kinder nicht wenigstens einmal reiten gehen, ist es dann überhaupt Urlaub?" – für die Kinder Reitstunden auf Hof Seeverns gebucht, die wir dann aber doch wieder absagen mussten, da der Bürgerbus am Mittwoch wegen Glatteis seinen Betrieb einstellte. Das erfuhren wir allerdings erst, nachdem wir bereits mit dem regulären Linienbus nach Niens gefahren waren und dort vergeblich darauf warteten, in den Bürgerbus umsteigen zu können. Also kein Reiten diesmal, schade! – Aber im Sommer kommen wir wieder... 

Ein Blick in die Landschaft – aufgenommen an der Bushaltestelle, an der wir vergeblich auf Anschluss warteten. 

Übrigens hatte ich ja vorige Woche die Absicht festgehalten, in diesem Wochenbriefing nicht "in epischer Breite über Frühstücksbüffet und Schwimmbadbesuche" zu schreiben, aber erwähnen muss ich beide Themen wohl doch. Zum Frühstücksbüffet stellte ich am ersten Morgen nach unserer Ankunft fest, es sei "fast wie auf der AIDA – außer dass es weniger schwankt. Das fehlt mir ein wenig." – "Mir nicht", warf meine Liebste ein. Den Impuls, mich auf dem Weg vom Büffet zurück zum Tisch mit dem vollen Teller gegen den imaginären Wellengang zu lehnen, verspürte ich trotzdem. – Im Schwimmbad waren Frau und Kinder während unseres Aufenthaltes viermal, ich selbst kam jedoch nur sozusagen zweieinhalbmal mit – wobei ich betonen möchte, dass das für mich schon eine ganz schöne Leistung war, denn wie ich vor Jahren schon mal erläutert habe, ist für mein persönliches Empfinden die Vokabel "Spaßbad" ein Widerspruch in sich. – Kinderdisco gab es während unseres Aufenthaltes nur einmal, und just da hatten unsere Kinder keine Lust; sie waren wohl enttäuscht, dass diese Kinderdisco nicht von einem der CenterParcs-Maskottchen Orry, Woops, Rep und Bing moderiert wurde, sondern von einer "ganz normalen", nicht kostümierten Mitarbeiterin. Zum "Kreativ-Workshop" gingen sie dreimal, und an unserem letzten Abend nahmen wir spontan an einer Quizshow teil, belegten unter 25 Teams den 2. Platz und gewannen einen Bowling-Gutschein. Den werden wir dann wohl beim nächsten Mal einlösen müssen. 

Nach draußen gingen wir nach dem missglückten Seeverns-Trip kaum noch; ein bisschen aber doch, z.B. zum Friesenstrand... 


...und zur OASE, die im Winter allerdings völlig verwaist ist. 

Wie's aussieht, war da schon seit Wochen niemand mehr. Dafür sprachen auch die im Schaukasten ausgehängten Pfarrnachrichten aus dem Januar.

Mit "kirchenbezogenen Aktivitäten" war es während dieses Butjadingen-Aufenthaltes also nichts; theoretisch hätten wir am Donnerstagnachmittag in Burhave in die Messe gehen können, da traf sich anschließend die Gruppe "60+" zu einem Vortrag über "Die Arbeiten eines Küsters", aber nach Lage der Dinge verzichteten wir doch lieber auf diesen Trip. Eine bemerkenswerte Fügung war es derweil, dass der erste Tag unserer Reise zugleich der erste Tag der Novene zu Unserer Lieben Frau von Lourdes war; ich regte daher an, die Novene in unser allabendliches Zubettgeh-Ritual einzubauen, und das machten wir dann auch. Unsere Große freute sich, dass im Novene-Gebet ihre Namenspatronin erwähnt wird, und sprach das Vaterunser und das Ave Maria eifrig mit (letzteres hat sie bei den Pfadfindern gelernt!). – Im Übrigen informierte mich meine Stundenbuch-App, dass der 3. Februar nicht nur der Gedenktag des Hl. Blasius ist, sondern zugleich auch der des Hl. Ansgar, des "Apostels des Nordens" und Gründers des Erzbistums Hamburg. Was mich daran erinnert, dass ich meinen ersten "Camino de Willehado" betitelten Blogartikel – im Juni 2021 – mit der Ankündigung eröffnete: "Wenn ich einmal ganz, ganz viel Zeit habe, schreibe ich einen wilden Mystery-Thriller über die Suche nach den in der Reformationszeit verloren gegangenen Reliquien des Hl. Willehad." Sollte ich tatsächlich mal dazu kommen, dann wird der Hl. Ansgar darin sicherlich eine Rolle zu spielen haben, schließlich war er es, der die Gebeine des Hl. Willehad im Jahr 860 in den Bremer Dom umbetten ließ. Aber das ist vielleicht eher mal ein Thema für eine Podcast-Folge. 

Davon abgesehen hat mich der Aufenthalt in Butjadingen dazu motiviert, mich mit der konkreten Ausgestaltung der bisher noch sehr vagen Idee zu befassen, in den kommenden Sommerferien in Butjadingen "Guerilla-Urlauberseelsorge" zu machen. Fertig geworden bin ich damit noch nicht, aber ich würde sagen, es entwickelt sich. Bei Gelegenheit mehr dazu...!


I Read the NiUS Today, oh Boy 

Was ist derweil eigentlich bei Horse & Hound so los? Nun, im Großen und Ganzen nicht viel; meine Einschätzung, dass der stolz angepriesene "Relaunch" des Projekts in der Praxis eher auf eine Verlangweiligung hinausläuft, hat sich bisher jedenfalls bestätigt. Neu ist gegenüber der Zeit, in der der streitlustige Thomas Halagan die Plattform allein betrieben hat, zum Beispiel, dass dort nun gelegentlich "Spirituelle Impulse" erscheinen, die sich vom Niveau her ganz gut auf Teebeutelanhängern für Wellness-Tee machen würden. Derweil wird in den täglichen Instagram-Storys hauptsächlich Content anderer Akteure aus der liberalen Kirchen- und Theologenbubble geteilt; und da gab's neulich immerhin mal etwas, worüber es sich lohnt ein paar Worte zu verlieren: Geteilt wurde ein Beitrag von Birgit Mattausch alias Frau Auge, die ihrerseits einen Beitrag von Carsten Leinhäuser alias Vaticarsten teilte. Was für ein ikonisches Crossover: Vaticarsten, Frau Auge UND Horse & Hound! Da ist die PUU-Bubble (postchristlich, undogmatisch, universalistisch) ja mal so richtig bei sich selbst. Und was ist in diesem speziellen Fall ihr gemeinsames Anliegen? Mal wieder gegen Johannes Hartl stänkern, den Frau Auge sarkastisch als "unser aller Starphilosoph" tituliert. Was hat er diesmal gemacht? Der Online-Nachrichtenplattform NiUS ein Interview gegeben. NiUS, das ist doch diese rechte Abspaltung von der Bild; und somit gilt alles, was die bundesdeutsche Linke seit '68 (bzw. eigentlich schon länger: Hans Magnus Enzensbergers Gedicht "Bildzeitung" ist von 1957) über die "Springerpresse" gesagt hat, für die NiUS in verschärftem Maße. Dass der Gebetshaus-Gründer Johannes Hartl unlängst beim NiUS-Talkformat "Schuler! Fragen, was ist" zu Gast war, woraus ein 37 Minuten langer Beitrag auf YouTube entstanden ist, hat Hochwürden Leinhäuser – den ich hier zuletzt im Zusammenhang mit dem Mord an Charlie Kirk am Wickel hatte – zu einem Blogartikel mit der Überschrift "Fragwürdige Allianzen" veranlasst. Darin argumentiert er, es sei "kein Zufall", dass Hartl "dem rechtspopulistischen Medienportal NIUS ein Interview" gebe, sondern vielmehr "Ausdruck einer systematischen Anbiederung an rechte Netzwerke": "Hartl legitimiert durch seine Teilnahme eine rechtspopulistische Plattform und verleiht ihr durch seine theologische Autorität Seriosität." Letztlich laufe dies auf eine "bewusste politische Positionierung im rechtspopulistischen Spektrum, eine strategische Allianz zur Verbreitung seiner Botschaft" hinaus – ja, auf eine "Verbindung von konservativ-charismatischer Theologie und rechtspopulistischer Politik", die "kein deutsches Unikum, sondern ein internationales Phänomen" sei: "von evangelikalen Trump-Unterstützern in den USA über Bolsonaro-nahe Pfingstkirchen in Brasilien bis zu katholischen Traditionalisten in europäischen Rechtsbewegungen". Mehr braucht man von diesem Vaticarsten-Artikel eigentlich nicht zu lesen. Wie ich immer wieder gern sage: Es ist keine Verschwörungstheorie, wenn die Guten es sagen. Oder, wie ich ebenfalls im zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit den öffentlichen Reaktionen auf die Kirk-Ermordung schrieb: Die gute alte Redensart "Wenn zwei das gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe" ist, but unironically, geradezu ein zentrales Credo der intersektionslistischen Linken. Wäre dem nicht so, wäre es ein Leichtes, ein Gegennarrativ zu dem, was Hochwürden Leinhäuser im zitierten Artikel behauptet, zusammenzuschustern: Kann es wirklich Zufall sein, dass Vaticarsten das Hartl-Interview zum Anlass nimmt, NiUS zu attackieren, wo doch gerade der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther hat durchblicken lassen, eigentlich sollte man dieses Portal verbieten? Bahnt sich da etwa eine strategische Allianz zwischen liberaler Theologie und der um ihren Machterhalt fürchtenden posmerkelianischen Polit-Oligarchie an? Aber nee, das ist ein alter Hut, und im Übrigen habe ich auch einfach keine Lust mehr, Carsten Leinhäuser ernst zu nehmen – das tut er selbst schließlich schon mehr als genug. Die zur Schau gestellte Empörung darüber, dass Hartl mit Schuler getalkt hat, scheint mir allerdings greifbar unehrlich und aufgesetzt: Genuine Empörung setzt eigentlich immer ein Element von Überraschung, im Sinne von "Das hätte ich nicht von dem gedacht!", voraus, und das ist hier wohl kaum gegeben. Auch die Art und Weise, wie Frau Auge und Horse & Hound den Artikel von Hochwürden Leinhäuser aufgreifen, erweckt den Eindruck, dass sie sich im dem bestätigt fühlen, was sie sowieso schon über Johannes Hartl gedacht haben. – Natürlich könnte man sagen, gerade weil es an Versuchen, Hartl in die rechte Ecke zu stellen, schon in der Vergangenheit nicht gefehlt hat, täte er, der Logik von Kontaktschuld und Cancel Culture zufolge, gut daran, alles zu vermeiden, was geeignet ist, dieses Bild von ihm zu bestärken; aber ich finde es durchaus respektabel, dass er dieser Logik eben gerade nicht folgt. Zu bedenken ist auch, dass dieses NiUS-Interview unschwer als Reaktion auf die ARD-Reportage "Die hippen Missionare" zu erkennen ist; und nachdem der dem Anspruch nach so seriöse Bayerische Rundfunk für diese Sendung vier ausführliche Interviews mit Johannes Hartl geführt, davon aber nur Schnipsel in einem Gesamtumfang von 45 Sekunden gesendet hat, wer möchte es ihm da verdenken, dass er die Gelegenheit ergreift, seine Position zu den in der ARD-Reportage aufgeworfenen Fragen ausführlich zu erläutern, und dies gegenüber einem Gesprächspartner, der ihm wohlwollendes Interesse und Aufgeschlossenheit signslisiert? Natürlich wird dem Portal NiUS damit einmal mehr die Gelegenheit geboten, sich als alternatives Medium zu profilieren, in dem die Stimmen zu Wort kommen, die von den "Mainstream-Medien" marginalisiert und in ein schiefes Licht gerückt werden; aber sind daran nicht, hier wie auch in manchen anderen Fällen, die etablierten Medien irgendwo selbst schuld

Davon abgesehen bekenne ich mich zu der wohl etwas altmodischen und im Sinne der oben angesprochenen Logik von Kontaktschuld und Cancel Culture zweifellos problematischen Auffassung, wichtiger als die Entscheidung, wem man ein Interview gibt, sei es allemal, was man in diesem Interview sagt. Also habe ich mir Johannes Hartls Auftritt bei "Schuler! Fragen, was ist" angesehen – was ich wohl nicht getan hätte, wenn der Blogartikel von Vaticarsten mich nicht darauf aufmerksam gemacht hätte. Isn't it ironic. Und ich muss sagen, ich fand das Interview alles in allem ziemlich gut. Wer Johannes Hartl schon öfter hat reden hören, wird darin vielleicht nicht besonders viel Neues oder Überraschendes zu hören bekommen, aber das heißt zugleich eben auch, dass jemand, der ihn bisher nicht kannte – und das wird sicherlich auf einen signifikanten Teil des NiUS-Publikums zutreffen –, aus diesem Interview einen ganz guten Eindruck davon gewinnen kann, was der Hartl für einer ist, wie er denkt und was seine vorrangigen Themen und Anliegen sind. Auf den einen oder anderen Punkt wird zukünftig vielleicht noch zurückzukommen sein. Im Ganzen hat dieses Interview bei mir jedenfalls den Eindruck verfestigt, dass das, worüber Hartls Gegner sich ereifern, weniger bei dem ansetzt, was er sagt, als vielmehr bei der Unterstellung, er meine damit in Wirklichkeit etwas ganz anderes. Das scheint mir auch über die Person Johannes Hartls hinaus ein grundsätzliches Problem der heutigen Debattenkultur zu sein. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Wir erleben eine verbreitete Zersplitterung des Daseins; es überwiegt ein Gefühl der Vereinsamung; Spaltungen und Gegensätze nehmen zu. Unter anderem Symptomen dieses Zustandes erfährt das heutige Europs das ernste Phänomen einer Krise der Familie und des Schwindens einer Konzeption von Familie überhaupt, die Fortdauer oder das Wiederaufflammen ethnischer Konflikte, das Wiederaufleben gewisser rassistischer Verhaltensweisen, die interreligiösen Spannungen, die Egozentrik, die Einzelne und Gruppen in sich verschließt, die Zunahme einer allgemeinen sittlichen Gleichgültigkeit und einer krampfhaften Sorge um die eigenen Interessen und Privilegien. In den Augen vieler läuft die zunehmende Globalisierung Gefahr, statt zu ei er größeren Eingeit der Menschheit zu führen, einer Logik zu folgen, die die Schwächsten Ausgrenzung und die Zahl der Armen auf der Erde vermehrt. 

(Johannes Paul II., Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 8) 


Ohrwurm der Woche 

Led Zeppelin: Immigrant Song 

In der letzten Januarwoche, der letzten Woche vor den Winterferien also, wurde an den Bahnsteigen der Berliner S-Bahn regelmäßig und zweisprachig, auf Deutsch und in bahntypisch schlechtem Englisch, vor Glatteis gewarnt, und praktisch jedesmal, wenn ich die Worte "ice and snow" hörte, begann der hier verlinkte Song in meinem Kopf zu spielen. Wozu ich anmerken möchte, dass ich diesen, ehe ich mir das Album "Led Zeppelin III" auf CD zulegte, zuerst aus dem "MTV unplugged"-Konzert des kanadischen Comedians Denis Leary kannte: Da gibt es einen Moment, wo Leary vorgibt, Liedwünsche aus dem Publikum entgegennehmen zu wollen; tatsächlich lehnt er aber alle geäußerten Wünsche ab und beschließt stattdessen "Immigrant Song" zu spielen, scheitert aber schon im Intro an der hohen Tonlage. – Man kann durchaus der Meinung sein, der Song sei ein gefundenes Fressen für einen Comedian, da ihm schon im Original eine gewisse unfreiwillige Komik anhaftet; man könnte sagen, Led Zeppelin schramme hier hart an der Grenze der Selbstparodie vorbei. Aber der Bass- und Schlagzeug-Part sind genial. 


Vorschau/Ausblick 

Kaum aus dem Urlaub zurück, haben wir die seltene Gelegenheit eines Wochenendes ohne Termine dazu genutzt, das lange aufgeschobene Projekt der Kinderzimmer-Neugestaltung in Angriff zu nehmen. So viel Arbeit das auch ist, wollen wir uns dennoch morgen die Zeit nehmen, zur üblichen Zeit in St. Joseph Siemensstadt zur Messe zu gehen, zumal da der Blasiussegen gespendet wird. – Sodann folgt die erste von sieben Schul- und Arbeitswochen zwischen Winter- und Osterferien. Am Dienstag hat das Tochterkind auf eigenen Wunsch ein Probetraining in derselben Kampfsportschule, in der der Jüngste schon seit Dezember trainiert; ich bin mal gespannt, wie ihr das gefallen wird. Und am Donnerstag hat sie einen Zahnarzttermin – dafür gilt in gewissem Sinne dasselbe. – Bei Redaktionsschluss noch nicht endgültig festgelegt war der Nachholtermin für das Vorbereitungstreffen zum nächsten Religiösen Kindertag (RKT) in St. Stephanus, aber irgendwann in der kommenden Woche, wahrscheinlich Dienstag oder Donnerstag, soll das wohl über die Bühne gehen. Und nachdem meine Teilnahme an diesem Treffen erst durch die Verschiebung des ursprünglich dafür geplanten Termins ermöglicht worden ist, bin ich ausgesprochen motiviert, mich da konzeptionell voll einzubringen, und habe daher die Absicht, dort gut vorbereitet aufzukreuzen. Nicht stattfinden wird hingegen die für Freitag, den 13. (!) anberaumte 99. Sitzung der Gemeinsamen Konferenz von DBK und "ZdK": Diese wurde seitens der Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, Beate Gilles, abgesagt, nachdem sich abgezeichnet hatte, dass die Konferenz nicht beschlussfähig sein würde, weil zu wenige Bischöfe ihre Teilnahme zugesagt hatten. Hihi. – Im Übrigen hoffe ich in der kommenden Woche etwas Zeit zu finden, um mich mit dem Thema "Missbrauch bei den Pfadfindern" zu befassen – konkreter gesagt, mit den jüngst veröffentlichten Studien über sexualisierte Gewalt in den Pfadfinderverbänden VCP und DPSG und den Reaktionen darauf. Ob daraus ein Abschnitt in einem der nächsten Wochenbriefings wird, ein eigenständiger Blogartikel oder womöglich gar eine Podcast-Folge, wird sich zeigen... 


Samstag, 31. Januar 2026

Utopie und Alltag 10: Guten Rutsch!

Gott zum Gruße, Leser! Ist es bei euch auch so kalt – und vor allem: so glatt? In Berlin-Reinickendorf ist derzeit jeder Schritt vor die Haustür ein Abenteuer; wenn auch nicht unbedingt "Das Abenteuer, nach dem du dich sehnst" – um mal den Titel eines Buches zu zitieren, das ich im Zuge der Arbeit am Büchereiprojekt an Land gezogen, aber immer noch nicht gelesen habe. Gleichwohl haben die Straßenverhältnisse meine Familie und mich nicht davon abhalten können, in der zurückliegenden Woche wieder ziemlich viel unterwegs zu sein, und so gibt es wieder allerlei zu berichten; schwerpunktmäßig wieder einmal aus dem Bereich Kinderkatechese. Also, auf geht's! 


Neues von den Pfadfindern 

Eins vorweg: Kürzlich regte sich bei mir die Befürchtung, meine achtjährige Tochter habe eine vorzeitige "Null-Bock-Phase". Das ging damit los, dass meine Schwiegermütter sie von der Schule abholen wollten, um mit ihr ins Labyrinth Kindermuseum zu gehen, und sie erklärte, darauf habe sie keine Lust. Sie blieb so standhaft bei ihrer Weigerung, dass die Omas sie schließlich stattdessen zu Hause ablieferten. Am selben Tag machte ich Lasagne zum Abendessen – eigentlich ihr erklärtes Lieblingsessen, aber just als das Abendessen fertig war, teilte sie mir mit, sie habe "auf Lasagne irgendwie keinen Bock". Sorge bereitete mir dieses sich abzeichnende Muster nicht zuletzt, weil ich mich fragte: Was, wenn sie plötzlich auch auf die Pfadfinder "keinen Bock" mehr hat? Ich habe gerade das Antragsformular für die Aufnahme in den Stamm ausgefüllt! – Einigermaßen beruhigt war ich, als meine Große ihre Portion Lasagne dann doch mit gutem Appetit aufaß und dabei (!) unaufgefordert erklärte, sie freue sich schon auf das nächste Wölflingslager – "aber nur, wenn du wieder mitkommst". Worauf ich erklärte, ich würde mit Vergnügen wieder z.B. im Küchenteam mithelfen. (Die nächste Gelegenheit dazu dürfte es nach meinem aktuellen Kenntnisstand am langen Wochenende ab Christi Himmelfahrt geben, also Mitte Mai – zeitgleich mit dem Katholikentag. Schauen wir mal.) 

Derweil war der Jüngste ein paar Tage lang so erkältet gewesen, dass er am Donnerstag nicht zum Kampfsporttraining und am Freitag nicht zur KiTa gehen konnte, aber pünktlich zum Wochenende war er wieder fit und fest entschlossen, zum Treffen der Schöneberger KPE-Pfadfinder mitzukommen, wo sich diesmal auch wieder die Wichtelgruppe (für Kinder im Alter von 4-7 Jahren) traf. (Wie schon mal erwähnt, gibt es Wichtelgruppentreffen an diesem Standort nämlich nur einmal im Monat, wohingegen die Wölflingsmädchen sich wöchentlich treffen.) 

Wir fuhren also am Samstag nach dem Frühstück alle vier nach Schöneberg; meine Liebste ging mit dem Jüngsten zur Wichtelgruppe, die sich im Gemeindehaus der Kirche St. Norbert versammelte, während die erste Hälfte des Meutentreffens der Wölflingsmädchen trotz frostiger Temperaturen draußen stattfand. Immerhin war unser Tochterkind diesmal warm genug angezogen. 15 Mädchen erschienen zu dem Treffen; es gab einige bewegungsintensive Spiele, ein Quiz zu den Charakteren des "Dschungelbuchs", und gebetet wurde auch wieder viel. Dann ging es nach drinnen, wo es eine kleine Stärkung gab (jedes Mädchen erhielt ein Stück Fladenbrot und zwei Stückchen Schokolade), ein paar Lieder gesungen wurden und in der letzten Dreiviertelstunde gebastelt wurde. 

Dieses Modell eines Wölflingsmädchens, das man mittels eines Magneten am Kühlschrank befestigen kann, soll die Mädchen an ihre korrekte Kluft erinnern.

In der Wichtelgruppe hörten die Kinder, wie mir später erzählt wurde, Geschichten über den Hl. Franziskus und bekamen ein Ausmalbild dazu; gebetet wurde auch da, und zum Abschluss wurde draußen gespielt. Da das Programm für die Wichtel aber insgesamt rund eine Stunde kürzer war als das für die Wölflinge, kamen meine Liebste und unser Jüngster schließlich noch mit in den Gemeindesaal, und einige andere Mütter, die Kinder in beiden Altersstufen haben, handhabten es genauso. 

Insgesamt würde ich diesen Besuch bei den Schöneberger KPE-Pfadfindern als einen vollen Erfolg bezeichnen, die Kinder hatten viel Spaß in ihren jeweiligen Gruppen und ihre Motivation für zukünftige Pfadfinderaktivitäten ist ohne Zweifel gestärkt worden. Erst mal ist damit jetzt aber Pause, wegen der Winterferien. Dass es heute vormittag kein Wölflingstreffen gab, traf sich insofern ganz gut, als meine Schwiegermütter heute mit uns in den Friedrichstadtpalast wollten, zu einer Frida-Kahlo-Revue; nächstes Wochenende wird ebenfalls keins sein, danach ist dann erst mal Fasching und danach der "BiPi-Tag" – der Geburtstag von Lord Baden-Powell und seiner Frau Olave, ein großer Feiertag in der weltweiten Pfadfinderbewegung. – Okay, bis dahin sind es noch ein paar Wochen; aber eine kleine Anekdote zum Thema Pfadfinder habe ich noch auf Lager: Am vorletzten Sonntag, auf der Rückfahrt vom Pfadfindertreffen in St. Afra, stellte ich fest, dass ich einen hartnäckigen Ohrwurm hatte, nämlich die Fußball-WM-Hymne "'54, '74, '90, 2006" der Sportfreunde Stiller. Dabei bin ich gar kein Fußballfan, und ein Fan der deutschen Nationalmannschaft schon gar nicht. Wo kam das also her? Schlagartig wurde mir klar: Das Lied, das bei den St.-Afra-Pfadfindern zum Abschluss gesungen war, war schuld. "Frei wie ein Albatros", zuweilen auch, nach den Anfangsworten, "Wir sind Kameraden" genannt. Gerade die letzten Verse im Refrain – "Heute hier, morgen dort, g'rade wie es uns gefällt / Ja, so frei ist die Pfadfinderei" – haben für mein Ohr erhebliche Ähnlichkeit mit den Sportfreunde-Stiller-Versen "Mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein / werden wir Weltmeister sein". Ich fand die Ähnlichkeit so ausgeprägt, dass ich mich fragte, ob sie wirklich zufällig sein kann. Zumal ich mir, wenn ich mir die Sportfreunde Stiller so ansehe, gut vorstellen kann, dass die auch mal bei den Pfadfindern waren. 

Auf der Rückfahrt aus Schöneberg am vergangenen Samstag ging mir das Lied erneut im Kopf herum, und mein dadurch veranlasster Versuch, der Frage auf den Grund zu gehen, ob die Sportfreunde Stiller womöglich bewusst und absichtlich ein traditionelles Pfadfinderlied gecovert haben, führte zu einer bemerkenswerten Entdeckung (die allerdings mit dieser Frage so direkt gar nichts zu tun hat): Als ich bei YouTube nach einer Aufnahme von "Frei wie ein Albatros" suchte, um sie mir zum Vergleich mit "'54, '74, '90, 2006" anzuhören, stieß ich auf ein Video der Pfadfinder im Mühlenbecker Land e.V. – und dachte: Wat? Im Mühlenbecker Land gibt's Pfadfinder? Zu welchem Verband gehören die denn wohl? Die Antwort auf diese Frage ist so interessant wie tendenziell widersprüchlich, sie lautet: zu gar keinem, bzw. doch, nämlich zur World Federation of Independent Scouts (WFIS) – und das ist ein Dachverband für Pfadfindergruppen, die keinem Verband angehören. Erinnert ein bisschen an das Russellsche Mengenparadox, oder? Jedenfalls finde ich es interessant, dass es so etwas gibt, und dann auch noch im Mühlenbecker Land. Als jemand, der grundsätzlich immer an Möglichkeiten der Vernetzung über institutionelle und sonstige Grenzen hinaus interessiert ist, denke ich mir nun, vielleicht könnte und sollte man da mal einen Kontakt herstellen, mit der Perspektive, gelegentlich mal gemeinsame Aktivitäten der verschiedenen hier in der Gegend vertretenen Pfadfindergruppen ins Auge zu fassen – z.B. mal ein gemeinsames Lager, mit Wettkämpfen und so. Ist natürlich erst mal nur so eine Idee; es kann natürlich auch sein, dass die verschiedenen Gruppen daran überhaupt kein Interesse haben und dass es gerade deshalb so viele verschiedene Pfadfinderorganisationen gibt, weil die alle nichts miteinander zu tun haben wollen. Aber das muss ja nicht unbedingt so sein. Behalten wir den Gedanken mal im Hinterkopf... 


Schwarzer Gürtel in KiWoGo 

Nachdem wir vom Pfadfindertreffen wieder zu Hause waren, hatte ich für den Rest des Samstags vorrangig zwei Dinge zu tun: mein Wochenbriefing fertigstellen und den Kinderwortgottesdienst für den nächsten Tag vorbereiten. Jedenfalls theoretisch; praktisch war daneben doch noch allerlei anderes zu tun, sodass ich für die KiWoGo-Vorbereitung am Ende weniger Zeit hatte, als mir lieb gewesen wäre, aber ich sagte mir, ein bisschen Raum für Improvisation zu lassen sei sicher nicht verkehrt. Mich noch gründlicher vorzubereiten, hätte mir auch wohl kaum etwas genützt, denn früh am Sonntagmorgen erreichte mich noch ein Last-Minute-Änderungsvorschlag zum Ablauf des Kinderwortgottesdienstes: Am Tag zuvor hatten die Erstkommunionkinder der Gemeinde ihre Erstbeichte gehabt, und da erfahrungsgemäß ein großer Teil der Kinder, die zu unseren Kinderwortgottesdienst kommen, zum jeweils aktuellen Erstkommunionkurs gehören, fand der Gemeindereferent, angesichts der Worte "Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe" aus dem Evangelium vom Tag biete es sich an, einen Bezug zur Beichte herzustellen. Ich war damit durchaus einverstanden, zumal ich fand, das Stichwort Umkehr passe auch gut zu der von mir vorbereiteten Bekehrungs– und Berufungsgeschichte der Clare Crockett. Wir einigten uns also auf folgenden Ablauf: 

  • Beginn mit dem üblichen Lied, "Alles was ich hab" (das ich thematisch diesmal sehr passend fand, aber das denke ich fast jedesmal) 
  • Das Evangelium vom Tag wird vorgetragen (mit leichten Kürzungen in der ersten Hälfte) 
  • Der Gemeindereferent greift das Stichwort "Umkehr" auf, verweist darauf, was im Erstkommunionkurs zu diesem Thema besprochen wurde, und stellt den Zusammenhang zum Beichtsakrament her 
  • Ich erinnere an das "Beruferaten" vom KiWoGo am 4. Adventssonntag, spreche darüber, dass die Jünger im Evangelium ihre berufliche Existenz, ja ihr ganzes bisheriges Leben hinter sich lassen, um Jesus nachzufolgen, und betone, dass es solche radikalen Berufungserlebnisse auch heute noch gibt; das leitet über zum Hauptteil, nämlich einer Nacherzählung der Lebensgeschichte von Clare Crockett. 
Gute Faustregel: Je mehr man erzählt, desto mehr muss man auch visualisieren, um die Aufmerksamkeit der Kinder zu behalten. Diese "gestaltete Mitte" entstand nach und nach im Zuge der Erzählung.

Im Vergleich zu den letzten Malen war dieser KiWoGo leider ein bisschen schwach besucht – vier Jungs aus dem Erstkommunionkurs waren dabei, dazu meine beiden Kinder sowie ein Mädchen, das schon letztes Jahr zur Erstkommunion gegangen ist –, aber die teilnehmenden Kinder waren aufmerksam bei der Sache und zeigten gute Beteiligung, wenn ich in meine Erzählung Fragen einstreute: etwa, was eine Nonne bzw. Ordensschwester eigentlich den ganzen Tag macht, oder was ein Rosenkranz ist und wie man ihn benutzt. – Insgesamt bin ich geneigt zu sagen, unter all den Kinderwortgottesdiensten seit Oktober 2023, an deren Gestaltung ich wesentlich beteiligt gewesen bin, zählt dieser zu meinen Favoriten, zusammen mit dem KiWoGo zum Thema "Gehet hin in alle Welt" (Mai '24) und dem zum Propheten Jeremia (Dezember '24) – und ehrlich gesagt auch meinem allerersten eigenständig konzipierten KiWoGo zum Thema "Wo wohnst du?" im Januar '24, obwohl da so viel schiefgelaufen ist. Was die Nacherzählung des Lebens von Clare Crockett angeht, könnte ich mir vorstellen, sie mal in einem anderen Format erneut zu verwenden: Wenn man mehr Zeit und eine etwas ältere Zielgruppe hätte – beispielsweise bei einem Einkehrwochenende für Firmlinge oder so –, könnte man sicherlich auf einige Aspekte noch ausführlicher und vertiefend eingehen. 

Auch zu diesem Thema möchte ich übrigens noch eine Anekdote loswerden: Wer das Foto von der "gestalteten Mitte" aufmerksam betrachtet, wird darauf eine Zigarettenschachtel entdecken. Die war leer, aber noch am Samstagnachmittag trieb mich die Frage um, wo ich eigentlich so auf die Schnelle eine leere Zigarettenschachtel herbekommen sollte, ohne zu diesem Zweck öffentliche Papierkörbe durchwühlen oder, was ja wohl noch absurder wäre, eine Schachtel Zigaretten kaufen zu müssen. Noch während ich darüber nachdachte, kam ich an einem (geschlossenen) Backshop/Kiosk vorbei, in dessen Außenbereich ein Tisch und ein paar Stühle standen, und auf dem Tisch lag eine leere, ansonsten aber wie neu aussehende Zigarettenschachtel. Ein Geschenk des Himmels, könnte man sagen...! 

Da in einem weiteren Sinne ja auch das Projekt "Religiöse Kindertage" (RKT) zum Thema "Schwarzer Gürtel in KiWoGo" gehört, sei an dieser Stelle übrigens noch darauf eingegangen, dass am vergangenen Donnerstag eigentlich ein Vorbereitungstreffen zum Februar-RKT hätte stattfinden sollen; da konnte ich leider nicht, aber wie sich zeigte, war ich da nicht der einzige: Infolge einiger krankheitsbedingter Absagen wurde das Treffen verschoben. Jetzt gilt es abzuwarten, wann der Ersatztermin ist und ob ich da dann dabei sein kann... 


Auf der anderen Straßenseite 

Das Kinderprogramm der EFG The Rock Christuskirche in Haselhorst, genannt JAM ("Jungschar am Mittwoch"), fand im Zeitraum zwischen Weihnachts- und Winterferien genau zweimal statt, und beide Male waren wir dabei. Beim ersten Mal, also vorletzten Mittwoch, herrschte akuter Mitarbeitermangel, was besonders deshalb ungünstig war, weil die Veranstaltung ausgesprochen gut besucht war: Es waren sowohl "neue" Familien da als auch solche, die früher öfter dabei gewesen waren, aber schon seit längerer Zeit nicht mehr. Eine Auswirkung des Mitarbeitermangels war, dass die Kinder für den katechetischen Teil nicht in zwei Altersgruppen (Vorschul- und Schulkinder) geteilt wurden, sondern zusammen blieben. Ich bekam jedoch leider nichts von der Kinderkatechese mit, da ich zum Elterncafé "musste". Das kam so: Zu Beginn des Programms sagte eine der Mitarbeiterinnen zu meiner Liebsten und mir, es wäre ihr wichtig, dass mindestens einer von uns zum Elterncafé ginge; ich vermutete, dass das mit dem Zusammentreffen von Mitarbeitermangel und verhältnismäßig vielen neuen oder "seltenen" Teilnehmern zu tun hatte: Sie wollte wohl sicherstellen, dass beim Elterncafé, wo es weiterhin um das Markusevangelium gehen sollte, der Anteil derer, die etwas Sinnvolles zum Bibeltext sagen konnten und wollten, nicht zu klein wäre. Unser Jüngster war aber gerade wieder einmal in ziemlich bockiger Stimmung und wollte seine Mami nicht zum Elterncafé gehen lassen, daher sagte ich mir: Dann muss ich wohl. Nach einiger Zeit kam meine Liebste dann zwar doch nach, aber daraufhin wieder 'rauszugehen und zum Kinderprogramm zurückzukehren, war wohl keine Option. Und tatsächlich gefiel es mir beim Elterncafé besser als sonst meist. Ein entscheidender Grund war, dass die Mitarbeiterin, die diesmal das Elterncafé leitete – eine Mutter von drei Söhnen, von denen zwei allerdings schon aus dem JAM-Alter raus sind – schon ungewöhnlich früh aus dem möchtegern-exegetischen Herumstochern im Bibeltext ausstieg und das Gespräch auf eine persönlichere Ebene lenkte. "Dran" war an sich Markus 6,45-52 – Jesus wandelt über den See –, und die Leiterin knüpfte daran die Frage: "Wo gibt es in unserem Leben Stürme, in denen wir den Beistand Jesu benötigen?" Sie ging auch gleich mit gutem Beispiel voran und erzählte von herausfordernden Situationen in ihrem Privatleben, besonders in ihrem Verhältnis zu ihrem ältesten Sohn. Auf diese Weise wurde Themen, die sonst bestenfalls in der letzten Viertelstunde des Elterncafés, beim Sammeln von Gebetsanliegen, zur Sprache kommen, von vornherein größerer Raum gegeben, und das fand ich gut. Gleichwohl bemerkte ich Anzeichen dafür, dass mindestens eine der "neuen" Teilnehmerinnen etwas befremdet darüber war, nichtsahnend in einen Bibelkreis geraten zu sein; unter der Bezeichnung "Elterncafé" hatte sie sich offenbar etwas anderes vorgestellt, und zumindest ich kann ihr das nicht verübeln. Na, zu dem Thema wollte ich ja eigentlich schon längst mal etwas Grundsätzliches schreiben; vielleicht komme ich über die Ferien dazu. 

Als ich meine Große später nach dem Inhalt der Kinderkatechese fragte, die ich verpasst hatte, sagte sie, es sei um "Zeit und Ewigkeit" gegangen, sah sich jedoch nicht imstande, das näher zu erläutern. Umso mehr war ich erpicht darauf, beim nächsten JAM – am vergangenen Mittwoch – wieder beim Programm für die 6-12jährigen Kinder zuzuschauen und zu -hören, und diesmal gelang mir das auch. Einleitend erklärte die JAM-Leiterin, es werde wie beim vorigen Mal eine "Gegenstands-Andacht" geben; darüber, dass Katechesen in dieser Gemeinde (und wohl auch darüber hinaus im evangelikalen Sprachgebrauch) als "Andachten" bezeichnet werden, habe ich mich schon bei früherer Gelegenheit gewundert, und so richtig gewöhnen kann ich mich da immer noch nicht dran; gleichwohl war ich – unter dem Aspekt der Methodenvielfalt – gespannt, wie das Format "Gegenstands-Andacht" konkret aussehen mochte und wie es sich von den beim JAM sonst meist üblichen interaktiv gestalteten Nacherzählungen biblischer Geschichten unterschied, die in der Regel deutlich mehr als zwei "Sitzungen" in Anspruch nehmen. 

Bereits auf den ersten Blick fiel es auf, dass die Leiterin auf der Bühne eine Vielzahl unterschiedlicher Lichtquellen – Kerzen, Glühbirnen, Taschenlampen, Scheinwerfer – aufgebaut hatte; da lag die Vermutung nahe, dass es, nachdem das Thema in der vorigen Woche "Zeit" gelautet hatte, diesmal um dss Thema "Licht" gehen sollte. Die Kinder hatten allerdings, als die Leiterin erklärte, es solle diesmal um etwas gehen, "was wir alle jeden Tag machen", zunächst andere Ideen: "Atmen", schlug ein Junge vor. "Beten", warf mein Tochterkind ein, worauf die Leiterin überrascht und erfreut reagierte, dann jedoch erklärte, was sie meine, sei: Licht anmachen. Es folgte ein kleiner Vortrag darüber, welche unterschiedlichen Methoden, Licht zu machen, die Menschen im Laufe der Jahrtausende erfunden haben; dann wurde im Saal das Licht ausgemacht, und die Kinder sollten mit Hilfe einer Schwarzlicht-Taschenlampe kleine Zettel suchen, die im Raum versteckt waren und auf denen jeweils ein Wort stand. Der nächste Schritt bestand dann darin, diese Wörter zu einem Satz zusammenzusetzen, und dieser Satz lautete: 

"Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt." 

Daran schloss sich natürlich eine Auslegung dieses Satzes an – in der Form, dass die Leiterin im Gespräch mit den Kindern erörterte, was Jesus denn wohl mit dieser Aussage über sich selbst gemeint haben könnte. Dazu gehörte auch die Frage: Wenn Jesus das Licht ist, was ist dann die Dunkelheit, in die Er hinein leuchten will? Eine besonders schöne Antwort darauf hatte mein Tochterkind: "Der Abgrund in unseren Herzen." Ich war beeindruckt, und die JAM-Leiterin offenbar auch. 

Nicht unerwähnt lassen möchte ich übrigens auch, dass mein Tochterkind in letzter Zeit schon mehrmals im Lobpreis-Teil des JAM zusammen mit einer oder mehreren Mitarbeiterinnen die Choreographien verschiedener "Adonia-Bibelvers-Songs" vortanzen durfte. Sie ist da mit großem Engagement bei der Sache, und ich finde das prima. 


Update Religionspädagogik 

In der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings hatte ich Neuigkeiten hinsichtlich der Frage "Will der Klein jetzt ernsthaft Religionspädagogik studieren und Gemeindereferent werden?" in Aussicht gestellt, also will ich mich diesbezüglich nun auch nicht lumpen lassen. Wie angekündigt, hatte ich nämlich am Dienstag ein Infogespräch in dieser Angelegenheit, und ohne darüber allzu viel verraten zu wollen, kann ich doch immerhin sagen, dass das Gespräch in sehr netter und lockerer Atmosphäre ablief und dass ich nun schon viel klarer darüber sehe, wie der Weg zu einer Anstellung als Gemeindereferent beim Erzbistum Berlin konkret ablaufen würde. Das vielleicht wichtigste Ergebnis dieses Gesprächs ist, dass es mir bestätigt hat: Ich hab da Bock drauf. Was natürlich noch lange nicht heißt, dass es auch tatsächlich was wird. Das ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig, oder anders ausgedrückt: Es gibt zahlreiche denkbare Gründe dafür, dass entweder das Erzbistum oder ich selber (oder vielleicht beide) an irgendeinem Punkt des Prozesses sagen könnten: Das wird doch nichts mit uns. Aber erst einmal bin ich durchaus bereit, es darauf ankommen zu lassen. – Um schon im kommenden Frühjahrssemester mit dem Studium zu beginnen, ist die Bewerbungsfrist an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen indes schon abgelaufen; alternativ könnte man zum Herbstsemester ein Fernstudium in Paderborn beginnen oder aber bis nächstes Jahr warten – das will noch gut überlegt sein. Was mich an der Quereinsteiger-Offensive des Erzbistums Berlin allerdings am meisten interessiert – noch mehr als das Studium selbst –, ist die studienbegleitende berufspraktische Ausbildung; denn ich muss ehrlich gestehen, wenn man zuerst das auf sieben Semester angelegte Bachelorstudium abschließen müsste, bevor man mal damit anfangen könnte, tatsächlich in der Pastoral zu arbeiten, dann würde ich sagen, das dauert mir zu lange. Schließlich bin ich nicht mehr der Jüngste (auch wenn die freundliche Dame vom Erzbischöflichen Ordinariat, mit der ich sprach, meinte, ich passe genau ins typische Bewerberprofil, auch vom Alter her). Tatsächlich sieht der Ausbildungsplan des Erzbistums bereits ab dem dritten Semester eine studienbegleitende Anstellung im Umfang einer 50%-Stelle vor, bei der es zunächst vor allem darum geht, verschiedene Tätigkeitsfelder kennenzulernen (Religionsunterricht, Arbeit in der Pfarrei, Krankenhausseelsorge und schließlich einen selbst gewählten weiteren Schwerpunkt, z.B. "Citypastoral", Jugendpastoral, muttersprachliche Gemeinden) und die ab dem 5. Semester zu einer 100%-Stelle aufgestockt wird (wobei die fürs Studium aufgewendete Zeit auf die Arbeitszeit angerechnet wird). Das klingt für mich durchaus attraktiv. – Und wie geht's jetzt wohl weiter? Als nächster Schritt steht in drei Wochen ein "Bewerber:innen-Tag" des Erzbistums an, zu dem alle Interessenten für eine Ausbildung im Pastoralen Dienst, und somit auch ich, eingeladen wurden. Wie mir gesagt wurde, soll sich dieser "Bewerber:innen-Tag" von einem "assessment center" in der freien Wirtschaft hauptsächlich dadurch unterscheiden, dass er nicht darauf ausgelegt ist, dass die Bewerber sich gegenseitig ausstechen. Na, ich bin gespannt. Aber bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit... 


Neues aus Synodalien: Das unwillkommene Antanzen von Moni Toring und Eva Luation  

Eigentlich war ich ja der Auffassung, es lohne sich kaum, der heute Mittag mit einer Eucharistiefeier in der Stuttgarter Kirche St. Fidelis und der Ausgabe von Lunchpaketen zu Ende gegangenen 6. Synodalversammlung des Synodalen Weges größere Aufmerksamkeit zu widmen. Aber was ich dann doch von dieser Veranstaltung mitbekommen habe, hat mir den Eindruck vermittelt, dass die "Evaluation des Prozessgeschehens des Synodalen Weges" und das "Monitoring der Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Weges" Ergebnisse erbracht haben, die gerade diejenigen, die dem Anliegen des Synodalen Weges mit Sympathie gegenübergestanden haben und Hoffnungen auf den Erfolg dieses Prozesses gesetzt haben, als ausgesprochen peinlich empfinden müssten. Zum Zwecke der Evaluation des Prozessgeschehens hatte der Synodale Weg eine Studie bei der Katholischen Universität Eichstätt in Auftrag gegeben, deren empirische Grundlage eine Umfrage ist, die an alle Teilnehmer des Synodalen Weges versandt wurde. Beantwortet hat die Evaluationsfragen von vornherein nur rund die Hälfte der Synodalen, von den Bischöfen sogar nur ein Drittel; aber auch diejenigen, die sich die Mühe gemacht haben, glauben, wie es in der Studie heißt, "tendenziell nicht, dass der Synodale Weg erreicht hat, wozu er ursprünglich angetreten war". (Von den 130 Teilnehmern der Befragung rechnet die Studie übrigens nur elf zum Lager der "kritischen Bewahrer", denen die Beschlüsse der Synodalversammlungen "zu weit gingen"; diese dürften das Ergebnis also kaum wesentlich beeinflusst haben.) 

Noch blamabler steht es um das Monitoring der Umsetzung der Beschlüsse. Von "progressiven" Stimmen, die vom Synodalen Weg enttäuscht und frustriert sind, weil ihnen die Beschlüsse der vorangegangenen Synodalversammlungen nicht weit genug gingen, haben wir schon verschiedentlich gehört; nun zeigt aber das "Monitoring", dass selbst diese aus progressiver Sicht ungenügenden Beschlüsse nicht konsequent umgesetzt wurden und werden. Und daran sind nicht etwa, wie man ja geneigt sein könnte anzunehmen, nur die konservativen "Bremser" in der Bischofskonferenz, also Kardinal Woelki und die Bischöfe von Eichstätt, Regensburg und Passau, schuld: Von den 27 deutschen Diözesen haben 23 an der Befragung bezüglich des Standes der Umsetzung der synodalen Beschlüsse teilgenommen, und das Ergebnis zeigt, dass kein einziges Bistum "alle Beschlussergebnisse vollständig umgesetzt" hat. Und übrigens, was ich fast noch witziger finde, auch das "ZdK" nicht. – Sicherheitshalber möchte ich betonen, dass die Nicht-Umsetzung von Beschlüssen des Synodalen Weges an und für sich nichts ist, was ich kritisieren würde; eher im Gegenteil. Wenn ich mir die "Liste der weiterhin offenen Forderungen" so ansehe, auf der Dinge stehen wie "eine Musterordnung zur Beteiligung der Gläubigen bei Bischofsernennungen, eine Bitte an Rom um Aufhebung der verpflichtenden Ehelosigkeit für Priester", Änderungen am Katechismus in Hinblick auf die "Bewertung homosexueller Handlungen", "Zugang Homosexueller zum Weiheamt" sowie "eine Partikularnorm zur Laienpredigt", denke ich mir: Ja is' denn heut scho' Weihnachten?  Im Ernst: Wer Unmögliches fordert, darf sich über die ausbleibende Erfüllung seiner Wünsche nicht wundern oder gar beschweren. Aber bemerkenswert erscheint es doch, dass selbst die Leute, die nach außen hin als die entschiedensten Verfechter des Synodalen Weges auftreten, so wenig an dieses Projekt glauben und es so wenig ernst nehmen. Natürlich könnte man da nun sarkastisch einwerfen, dass Glauben nicht so die starke Seite dieser Leute ist, liege ja auf der Hand

Nicht von ungefähr fühlt sich mein Leser gerd, wie er in einem Kommentar zu meinem Artikel vom Donnerstag mitteilt, beim Synodalen Weg "an die berühmten Schildbürger-Geschichte" erinnert, in der "die Bürger beim Bau ihres neuen Rathauses die Fenster vergessen" und daraufhin versuchen, "mit Schaufeln, Gabeln und Säcken" das Sonnenlicht einzufangen, um damit ihr dunkles Rathaus zu erleuchten. Etwas geschafft hat die 6. Synodalversammlung aber immerhin doch, nämlich eine Wahlordnung für die künftige Synodalkonferenz zu verabschieden. Diese steht freilich unter dem Vorbehalt, dass der Vatikan der Errichtung dieser Synodalkonferenz erst einmal zustimmen müsste. Der Essener Bischof Overbeck äußert sich auf häretisch.de zwar "zuversichtlich, dass Rom die Satzung der künftigen Synodalkonferenz für die Kirche in Deutschland genehmigen wird", aber der Verdacht liegt nicht ganz fern, dass diese Äußerung eher als "Pfeifen im Walde" zu verstehen ist; oder anders gesagt: als das typische Verhalten eines notorischen Spielers, der bis zur letzten Sekunde blufft, obwohl er nichts auf der Hand hat. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Es scheint eine ganz sonderbare Unwissenheit über die Bedeutung des Wortes Entwicklung zu herrschen. Wenn wir von einem Kinde sagen, es sei gut entwickelt, dann meinen wir, dass es aus eigener Kraft größer und stärker geworden, nicht, dass es mit geborgten Kissen ausgepolstert ist und auf Stelzen geht, um größer auszusehen. Wenn wir sagen, ein Welpe entwickle sich zum ausgewachsenen Hund, dann meinen wir nicht, er entwickle sich allmählich zur Katze, sondern wir meinen, dass er mehr und nicht weniger Hund wird. Entwicklung ist die Entfaltung aller Möglichkeiten einer Lehre, all dessen, was sie in sich birgt, wenn es an der Zeit ist, diese Möglichkeiten zu unterscheiden und herauszustellen. 

(G.K. Chesterton, Thomas von Aquin) 


Ohrwurm der Woche 

Peter Cornelius: Reif für die Insel 

Am Montag geht's in den Urlaub: fünf Tage CenterParc Nordseeküste, wie schon seit Jahren eigentlich immer in den Winterferien. Auf einer Insel liegt dieses Urlaubsziel zwar nicht, aber ein bisschen Aussteiger-Feeling kommt da, von Berlin aus gesehen, trotzdem auf. Seinen Status als Ohrwurm der Woche verdankt der Song "Reif für die Insel" indes vorrangig der Tatsache, dass Google News mich unlängst mit einem Artikel über den Liedermacher Peter Cornelius überraschte, anlässlich seines 75. Geburtstags am 29. Jänner [sic]. Na dann herzlichen Glückwunsch! Das einzige andere Lied von Peter Cornelius, das ich kenne, ist "Du entschuldige, i kenn di", das man oberflächlich betrachtet für eine handelsübliche Schlager-Schnulze halten könnte, das aber zugleich eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit "My Sweet Lord" von Ex-Beatle George Harrison hat. – Im Unterschied zum gitarrenlastigen "Du entschuldige, i kenn di" ist das Arrangement von "Reif für die Insel" von unverwechselbaren 80er-Jahre-Synthi-Sounds geprägt. Hübsch und thematisch passend finde ich den behutsam angedeuteten Reggae-Rhythmus im Refrain. 


Vorschau/Ausblick 

Wie schon erwähnt, waren wir heute Vormittag mit meinen Schwiegermüttern im Friedrichstadtpalast, und ich schätze, ein paar Worte werde ich darüber beim nächsten Mal wohl verlieren müssen. Heute Abend, wenn dieses Wochenbriefing bereits online ist, ist Community Networking Night im Baumhaus, und ich hoffe sehr, dass ich es schaffe, da hinzugehen – am liebsten natürlich mit der ganzen Familie, aber zur Not auch allein. Nicht nur, weil es zu meinen Neujahrsvorsätzen gehört, da wieder öfter hinzugehen als zuletzt, sondern auch, weil das Baumhaus gerade eine Crowdfunding-Kampagne gestartet hat, um die laufenden Kosten für die nächsten drei Monate zu decken – Insgesamt 12.000 €, also 4.000 pro Monat. Aus dem Spendenaufruf ist mir nicht ganz klar geworden, ob dieser akute Geldbedarf damit zusammenhängt, dass dem Projekt Fördermittel gestrichen wurden oder ausgelaufen sind, aber irgendwas in der Richtung wird's wohl sein. – Am Montag ist das Fest Darstellung des Herrn – volkstümlich Mariä Lichtmess –, das in St. Joseph Siemensstadt allerdings schon in der morgigen Sonntagsmesse "vorgefeiert" wird. Dazu gehört traditionell eine Kerzenweihe, und da unser Tochterkind in der Adventszeit – im Rahmen des Bastelangebots beim JAM – fleißig Kerzen gezogen hat, haben wir uns gedacht, diejenigen selbstgezogenen Kerzen, die wir nicht inzwischen verschenkt haben, könnten wir bei dieser Gelegenheit mal segnen lassen. – Im Übrigen bleibt es abzuwarten, was die kommende Woche an blogrelevanten Themen bringen wird: Dass wir ab Montag fünf Tage in Urlaub sind, habe ich ja schon erwähnt; da sind wir zwar auf dem Territorium von St. Willehad, aber ich bin mir durchaus nicht sicher, ob und in welchem Ausmaß ich Zeit und Gelegenheit haben werde, mich an Ort und Stelle zu informieren, was da seit dem Amtsantritt des neuen Pfarrers so los ist. Für alle Fälle werde ich mir reichlich potentiell blogrelevante Lektüre einpacken, womit sichergestellt sein sollte, dass ich nicht in epischer Breite über Frühstücksbüffet und Schwimmbadbesuche werde schreiben müssen, um das nächste Wochenbriefing voll zu kriegen... 


Donnerstag, 29. Januar 2026

Neues aus Synodalien: Operation gelungen, Patient tot

An die in der Überschrift zitierte Redewendung musste ich unwillkürlich denken, als ich unlängst in der Standpunkt-Rubrik von häretisch.de einen Beitrag mit dem Titel "Synodaler Weg – Prozess abgeschlossen, Ziele nicht erreicht" sah. Ob diese Assoziation vom Verfasser dieses Meinungsartikels, dem Tübinger Theologen Simon Linder, beabsichtigt war, sei mal dahingestellt; ausschließen würde ich es nicht, attestiert er doch dem Synodalen Weg aus Anlass der 6. und abschließenden Synodalversammlung, trotz enormen Aufwands "seine vor Beginn formulierten Ziele verfehlt" zu haben: "Laien und Geweihte sind nicht gleichberechtigt, Frauen und Männer auch nicht, der Pflichtzölibat besteht weiter, bei der Sexualmoral konnte man sich mit den Bischöfen nicht einmal auf eine gemeinsame Grundperspektive einigen". Die Schuld für dieses Scheitern verortet Linder bei "Tiefschlägen wie den Stoppschildern aus Rom und der Ablehnung des Grundtextes zur Sexualmoral" (wobei er unter Berufung auf "Stuttgarts Stadtdekan Christian Hermes" für letzteres "feige Heckenschützen" verantwortlich macht; ob Monsignore Hermes glücklich darüber ist, mit dieser verbalen Entgleisung zitiert zu werden, sei indes mal dahingestellt), kreidet es zugleich aber dem "ZdK" an, dass es in den genannten Situationen "keine roten Linien überschritten sah". Was, so fragt man sich da, hätte das "ZdK" denn wohl tun sollen? Die Zusammenarbeit mit den Bischöfen aufkündigen, den ganzen Synodalen Weg abblasen? Wäre vielleicht besser gewesen, für alle Beteiligten. 

Ist das synodal oder kann das weg? Historischer Screenshot aus dem Frühjahr 2023. 

Bereits nach der 5. Synodalversammlung im Frühjahr 2023 hatte ich mehrfach festgestellt, es sei bemerkenswert (und irgendwie auch beruhigend), dass die "Verfechter der progressiven Agenda" offenbar "nicht das Gefühl [...] haben, sie hätten gewonnen". Soweit also nichts Neues, aber bemerkenswert sind Linders Einlassungen doch – und zwar nicht zuletzt wegen des nonchalanten Eingeständnisses, dass der Synodale Weg bereits vor Beginn formulierte Ziele hatte. Hat man uns nicht die ganze Zeit erzählt, Synodalität bedeute, gemeinsam nach Antworten auf die drängenden Fragen zu suchen, die sich der Kirche in der Welt von heute stellen – oder so ähnlich jedenfalls? Alles Geschwätz, meint Linder: Die Antworten standen von vornherein fest, es ging nur darum, die Verantwortungsträger dazu zu bewegen, dieser Agenda zuzustimmen; und daran ist der Synodale Weg gescheitert. Na Gott sei Dank. – Kommentarwürdig erscheint es nicht zuletzt, dass Simon Linder argumentiert, die genannten Ziele des Synodalen Weges seien "von der MHG-Studie her gut begründet" gewesen, und deshalb dürfe es keine Rolle spielen, "dass es zu diesen Themen eben auch andere Überzeugungen gibt". Dazu möchte ich sagen: Selbst wenn man von den methodischen Mängeln und den fragwürdigen Grundannahmen dieser speziellen Studie einmal absieht, gibt es zu denken, wie vollkommen unkritisch hier einem wissenschaftlichen Gutachten eine Autorität eingeräumt wird, der sich die Kirche schlechterdings zu beugen habe – eine Autorität, mit der diejenige von Päpsten und Konzilien sich nicht messen kann. Zu dieser naiven Expertengläubigkeit, die schon das Ausmaß eines säkularen Unfehlbarkeitsdogmas annimmt, empfehle ich die Lektüre von Neil Postmans "Das Technopol"; auch Alasdair MacIntyre hat in "Der Verlust der Tugend" das eine oder andere dazu zu sagen. 

Alles in allem muss ich bei Linder – der, wie man am Fuß des Artikels erfährt, aktuell zum Thema "Assistierter Suizid" forscht; man wagt nicht, sich auszumalen, wie er sich wohl dazu positionieren wird – an einen Witz denken, in dem ein Künstler einen berüchtigten Kunstkritiker fragt; "Wie lautet Ihre Meinung zu meiner neuesten Arbeit?" – "Sie ist wertlos." – "Das weiß ich aber ich möchte sie trotzdem gern hören." Derselbe Witz ließe sich natürlich auch noch auf andere Äußerungen im Umfeld der letzten Synodalversammlung anwenden. Nehmen wir nur mal den von mir schon häufiger als Anschauungsbeispiel für die abstrusen Anschauungen der linkstheologischen Bubble auf Bluesky herangezogenen Aktivisten der "Christians for Future", mit dem ich trotzdem immer noch durchaus gerne privat mal ein Bier trinken würde, "wenn auch in seinem Fall vielleicht ein glutenfreies". Der kritisierte nämlich neulich, dass Daniel Deckers in der FAZ das "ZdK" als "Reformgruppe" eingeordnet hatte, und betonte: 

"ZdK ist die Vertretung aller Katholik*innen und dafür eigentlich noch viel zu konservativ (eher linke CDU)." 

A lot to unpack here, wie der Angloamerikaner sagt. Fangen wir mal mit dem Einfachsten an: Dass das "ZdK" alle deutschen Katholiken repräsentiere, ist sozusagen das offizielle Selbstverständnis dieses Gremiums und bildet formal die Grundlage dafür, dass die Deutsche Bischofskonferenz es als Gesprächspartner auf (annähernder) Augenhöhe akzeptiert. Aber ich müsste mich sehr wundern, wenn die Leute, die im "ZdK" den Ton angeben, dass selbst glauben – oder auch nur wollen. Sollten sie das doch tun, ist das eigentlich nur durch eine Art "no true Scotsman fallacy" zu erklären: Sie bilden sich ein, die Leute, die sie repräsentieren, seien "alle deutschen Katholiken", und erhalten diese Illusion aufrecht, indem sie alle anderen ignorieren. Derweil bin ich überzeugt, dass die große Mehrheit der deutschen Katholiken weder weiß noch sich dafür interessiert, wer oder was das "ZdK" ist und was es tut, und von denen, die es wissen, stimmt ein beträchtlicher Teil nicht mit den von diesem Gremium vertretenen Positionen überein. 

Dieselbe selektive Blindheit, eigentlich sogar noch in verschärfter Form, lässt sich auch bei unserem Freund von den "Christians for Future" beobachten, wenn er meint, als "Vertretung aller Katholik*innen" sei das "ZdK" "eigentlich noch viel zu konservativ": Die Existenz von Katholiken, die sich exakt deshalb nicht vom "ZdK" vertreten fühlen, weil es ihnen zu progressiv ist, wird da schlichtweg übersehen. Der Vergleich der Positionen des "ZdK" mit denen einer "linke[n] CDU" – gemeint ist wohl: dem linken, "postmerkelianischen" Flügel der CDU – ist hier in mehrfacher Hinsicht erhellend. Zum einen betrifft das den Versuch, die Ausrichtung dieses Gremiums in parteipolitischen Kategorien auszudrücken – worin sich die zweifellos verbreitete Vorstellung ausdrückt, "konservativ" und "progressiv", oder kürzer: "rechts" und "links" bedeutet im kirchlichen Kontext in etwa dasselbe wie in der säkularen Politik; so als lasse die Haltung, die jemand etwa zu Themen wie Zölibat, Frauenweihe, Segnung gleichgeschlechtlicher Lebensgemeinschaften oder Interkommunion einnehme, Rückschlüsse auf dessen Parteipräferenz zu. Man muss freilich zugeben, dass man diese Annahme durchaus auch in konservativen Kreisen antreffen kann. Ich habe ja auch Leser, die meinen, als glaubenstreuer Katholik könne man guten Gewissens nur die CDU/CSU wählen, und andere, die meinen, in der politischen Praxis verhalte die Union sich allzu "linksoffen" und daher bleibe einem nichts anderes übrig, als AfD zu wählen. Letzteres bringt mich zum nächsten Punkt, nämlich zu der Auffassung, um wirklich "alle Katholik*innen" repräsentieren zu können, sei eine dem linken CDU-Flügel vergleichbare Positionierung "noch viel zu konservativ". Dies ignoriert nicht nur die Tatsache, dass – wie man unschwer an Wahl- und Umfrageergebnissen ablesen könnte – ein großer Teil der Bevölkerung durchaus nicht so "links" eingestellt ist, wie ein Vertreter von "Christians for Future" sich das vielleicht wünschen würde; es wirft auch die Frage auf, was er eigentlich unter der Bezeichnung "konservativ" versteht. Mir jedenfalls ist keine Definition dieses Begriffs geläufig, die sich auf den linken Flügel der CDU anwenden ließe. Nun, eigentlich ist das ein Thema für sich, aber das eine möchte ich dazu noch sagen: Mir scheint, gerade auf der Linken lässt sich heutzutage eine zunehmende Unfähigkeit beobachten, sich eine Weltanschauung, die sich nicht nur graduell, sondern prinzipiell von der eigenen unterscheidet, auch nur vorzustellen

Aber kommen wir lieber mal wieder zum Synodalen Weg: Für den Sender EWTN hat mein alter Freund Rudolf Gehrig unlängst ein Exklusivinterview mit Erzbischof Gänswein geführt und ihn darin auch auf die anstehende letzte Synodalversammlung angesprochen – wozu der derzeit als Nuntius für die baltischen Staaten tätige ehemalige Privatsekretär Papst Benedikts XVI. unumwunden erklärte, er könne "nur hoffen und beten, dass dieser Irrweg einfach bald ein Ende hat". Warum? Weil "eine Reihe von Forderungen des 'Synodalen Weges' vom Glauben wegführen, also nicht eine Klärung sind, die zum Glauben hinführen, sondern ganz bewusst vom Glauben wegführen. Das kann doch nicht das Ziel sein, dass etwas getan wird, was letztlich nicht dem Glauben hilft und letztlich auch nicht den Gläubigen." 

Während Erzbischof Gänswein also noch betet und hofft, dass der Synodale Irrweg bald ein Ende haben möge, lässt Kardinal Woelki aus Köln vernehmen, soweit es ihn betreffe, sei dies bereits der Fall. An der finalen Synodalversammlung nimmt er daher gar nicht mehr teil: Ursprünglich seien nur fünf solche Versammlungen geplant gewesen, und da sei er auch stets dabei gewesen, aber nun sei es auch mal genug. Ich muss sagen, ich habe gefeiert, als ich das gelesen habe. Heute morgen informierte mich dann Google News, dass auch die drei Kölner Weihbischöfe der Versammlung fernbleiben. – Ebenfalls nicht dabei ist der Regensburger Bischof Rudolf Voderholzer, der dies allerdings mit einer Terminkollision begründet; aber auch das sagt ja immerhin etwas über Prioritäten aus. 

Was ist also überhaupt noch von der sechsten Synodalversammlung zu erwarten, wenn – in den Kategorien des leidigen Lagerdenkens ausgedrückt – die "Progressiven" den Synodalen Weg für gescheitert erklären und die "Konservativen" einfach froh sind, dass er vorbei ist? Auf dem Programm der dreitägigen Veranstaltung im Stuttgarter Hotel Maritim stehen die "Evaluation des Prozessgeschehens" und das "Monitoring der Umsetzung der Beschlüsse" im Mittelpunkt; das klingt stark nach jener Selbstreferenzialität (autoreferencialidad), vor der der verstorbene Papst Franziskus stets gewarnt hat. So gesehen kann man wohl getrost darauf verzichten, dem liberalen Mainstream des deutschen Funktionärs- und Gremienkatholizismus von heute bis übermorgen beim Schmoren im eigenen Saft zuzuschauen; das Tragikomische an der ganzen Veranstaltung ist aber, dass wir es hier mit Leuten zu tun haben, die ernsthaft geglaubt haben, sie könnten die "Kirche der Zukunft" bauen, während sie tatsächlich für ein Modell "von Kirche" stehen, das vergeht. Wie ich schon anlässlich der Jahresvorschau von häretisch.de schrieb: Die wirklich bedeutenden und für die Zukunft der Kirche in unserem Land richtungsweisenden Momente finden ganz woanders statt – nicht nur (aber auch) bei Events wie der MEHR und der Adoratio, sondern in jeder Kirche und Kapelle, in der Eucharistische Anbetung gehalten hat, in Gebetskreisen, in den übel beleumdeten Jüngerschaftsschulen, in Alpha-Kursen und überhaupt überall da, wo Menschen bestrebt sind, den Glauben an Jesus Christus in seiner ganzen Kraft, Schönheit und Tiefe kennenzulernen, statt ihn zu verwässern und den Ansprüchen der säkularen Gesellschaft und ihrer Ideologien zu unterwerfen. Die Zukunft, die da wächst, wird die liberale Funktionärselite nicht aufhalten können – auch wenn bis auf Weiteres nicht damit zu rechnen ist, dass sie ihre Niederlage eingesteht.