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Samstag, 8. August 2026

Utopie und Alltag 37 – RKF spezial: Mensch Mose, beweg dich!

Es war ja absehbar, dass es in der ersten Augustwoche kein anderes Thema geben würde als die diesjährige Religiöse Kinderfreizeit (RKF) der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst unter dem Motto "Mensch, Mose – beweg dich!", bei der ich im Leitungsteam und mein Tochterkind als Teilnehmerin mit von der Partie war. Nicht unbedingt absehbar war es für mich hingegen gewesen, dass ich die RKF so klasse finden würde. Ihr dürft euch also auf eine ausführliche Schilderung derjenigen Aspekte der Fahrt freuen, die ich im Kontext der – sagen wir mal – "Leitthemen" meiner Wochenbriefing-Reihe Utopie und Alltag besonders relevant finde. Also hinein ins Vergnügen! 

Ich habe übrigens läuten hören, dass man bei der Organisation einer Religiösen Kinderwoche einen festgelegten Betrag für Bastelmaterialien ausgeben "muss". Ich verrate hier aber nicht, um was für eine Summe es sich handelt.


Fast wie bei Rat Schinke hier

Am Samstagvormittag brachte ich mein Tochterkind zum Bahnhof Spandau, von wo aus die Teilnehmer der RKF mit dem Zug zur Mecklenburgischen Seenplatte aufbrechen sollten. Ich selbst kam zwar auf die Fahrt mit, fuhr aber nicht mit der Gruppe im Zug, da ich sozusagen "beim Tross" war: Ich sollte zusammen mit dem Gemeindekirchenmusiker, der bei der RKF als Küchenchef agierte, und der Frau des Gemeindereferenten im Kleinbus vorfahren, in dem auch das Gepäck, die Lebensmittel, Bastelmaterialien usw. transportiert wurden. Die Idee war, dass der Kleinbus rechtzeitig bei der Unterkunft ankommen sollte, dass wir schon die Küche einrichten und nach Möglichkeit einen kleinen Snack vorbereiten konnten, bevor die ganze Gruppe ankam. Das scheiterte allerdings bereits im Ansatz – einerseits, weil wir infolge einer Reihe von sich aufsummierenden Kleinigkeiten erst eine Stunde später losfuhren als ursprünglich geplant, und andererseits, weil wir infolge diverser Verkehrsbehinderungen auf der Autobahn (plus zweimal verfahren) mit dem Auto auch nicht so viel schneller waren als die anderen mit der Bahn. So richtig schlimm war das aber nicht, und es blieb auch nicht der einzige Fall, in dem wir den Zeitplan nicht einhalten konnten. Damit muss man (oder sollte man zumindest) wohl immer rechnen, besonders wenn man es mit Kindern und Teenagern zu tun hat. 

Die Location gefiel mir jedenfalls auf den ersten Blick. Wir waren in einem Selbstversorger-Gruppenhaus innerhalb des Ferienparks Plauer See untergebracht, das auf der Website des Ferienparks als "historisches Gästehaus" tituliert wird; über die Historie des Hauses, das an der Giebelseite die Jahreszahl 1898 trägt, war allerdings wenig herauszufinden. Der Gemeindereferent vermutete, dass es ein ehemaliges Forsthaus war, und als wir – da greife ich jetzt mal der chronologischen Reihenfolge ein wenig vor – am Sonntag auf einer Wiese hinter bzw. neben dem Haus die Messe feierten, merkte er an, dies sei wahrscheinlich die allererste Heilige Messe, die jemals an diesem Ort gefeiert worden sei. – Ich hatte zunächst die Vermutung, der Ferienpark Plauer See sei zu DDR-Zeiten das Zentrale Pionierlager Fritz Heckert gewesen, aber laut Google Maps befand sich dieses am anderen Ufer des Plauer Sees. Wundern würde es mich indes trotzdem nicht, wenn das "historische Gästehaus" irgendwie mit dem Pionierlager in Verbindung gestanden hätte. 


Die Unterbringung in einem Selbstversorger-Gruppenhaus erinnerte mich natürlich an das gute alte Rat-Schinke-Haus in meinem Heimatdorf Burhave, das allerdings den nicht unwesentlichen Vorteil hat, dass sich dort die örtliche katholische Kirche buchstäblich unter demselben Dach befindet. Andererseits wäre das Rat-Schinke-Haus für die Zwecke dieser RKF nicht nur zu weit weg, sondern vor allem auch zu klein gewesen, denn da ist nur für Gruppen von bis zu zwanzig Personen Platz, wir waren jedoch ganze dreißig Personen: das siebenköpfige Leitungsteam, dazu sechs Jungen und 17 Mädchen im Alter zwischen sieben und 14 Jahren (eigentlich war das Mindestalter acht Jahre, aber ein siebenjähriger Junge durfte mit, weil seine große Schwester auch dabei war; die zweitjüngste Teilnehmerin war meine Tochter, die im Herbst neun wird). Beim Elternabend vor knapp zwei Monaten war noch von 18 Anmeldungen die Rede gewesen, da waren also einige noch recht kurzfristig dazugekommen; es waren auch deutlich mehr Teilnehmer als im Vorjahr, und rund die Hälfte der Teilnehmer war zum ersten Mal bei einer RKF (während die andere Hälfte zum Teil schon zum dritten oder vierten Mal mitfuhr). Gehört auch das zum stillen religiösen Aufbruch ("Quiet Revival")? – Ein gutes Drittel der Kinder war polnischer Herkunft, was bei der Mitgliederstruktur der Siemensstädter Gemeinde nicht sonderlich überraschen kann; in früheren Jahren soll dieser Anteil sogar noch größer gewesen sein. Daneben waren auch Kinder italienischer, ägyptischer, syrischer oder irakischer Herkunft mit dabei. Man hört immer wieder, im gesamten Erzbistum Berlin sei ungefähr jeder vierte Katholik nichtdeutscher Herkunft; es würde mich nicht wundern, wenn unter den praktizierenden Katholiken dieser Anteil noch deutlich größer wäre, und in Siemensstadt vielleicht sogar noch einmal besonders groß. – Während es sich bei den zehn- bis elfjährigen Teilnehmern im Großen und Ganzen um Erstkommunionkinder aus diesem oder dem vorigen Jahr handelte, die ich daher schon vom KiWoGo und/oder RKT her kannte (und nach gängigen post-volkskirchlichen Maßstäben darf man es ja schon als Erfolg verbuchen, wenn man die Kinder nach ihrer Erstkommunion überhaupt nochmal wiedersieht), waren unter den größeren Mädchen einige, die zur Gemeinde von St. Joseph/St. Stephanus eigentlich überhaupt keinen Bezug haben, aber eine katholische Schule besuchen und von Freundinnen, die schon öfter mit dabei gewesen waren, zum Mitkommen überredet worden waren. Unter diesem Aspekt ist das evangelistische Potential von Schulen in kirchlicher Trägerschaft womöglich doch größer, als ich bisher gedacht hätte; aber es kommt halt wie stets und überall darauf an, was man aus diesem Potential macht

Der Kirchenmusiker, der wie gesagt als Küchenchef mitgekommen war, äußerte sich übrigens schon in der Leiterrunde am ersten Abend – und in der Folgezeit noch öfter – lobend über die "sensationell netten Kinder", und ich kann ihm da nur zustimmen. Sogar die Teenie-Mädchen waren erfreulich unzickig. Schwierigkeiten gab es, wenn überhaupt, eher mit den "Tweens" – also den 11- bis 12-Jährigen, die sich nicht mehr so ganz als Kinder sehen, aber auch noch nicht richtig jugendlich sind. Jedenfalls kann man konstatieren, dass es auf dieser Fahrt auch in pädagogischer Hinsicht einiges zu lernen gab. – 

Auch noch erwähnt sei – auch wenn ich im weiteren Verlauf nur am Rande darauf eingehen werde –, dass die Veranstaltung, die ja normalerweise Religiöse Kinderwoche heißt, in der Gemeinde St. Joseph/St. Stephanus nicht von ungefähr explizit "Religiöse Kinderfreizeit" heißt; und zwar deshalb, weil neben dem "inhaltlichen Programm" auch auf ein attraktives Freizeitprogramm Wert gelegt wird, das in diesem Fall u.a. Baden im See (wobei an einem Tag auch ein Floß gebaut wurde), eine Kanutour, Fußball- und Volleyballspielen, Bogenschießen und einen Ausflug in das nahegelegene, recht malerische Städtchen Malchow umfasste. Oft waren es diese Erlebnisse, über die die Kinder bei der Abendrunde am meisten redeten und die demnach offenbar den lebhaftesten Eindruck bei ihnen hinterließen, und das ist ja auch nicht sonderlich überraschend; aber man kann trotzdem nicht behaupten, dass das "inhaltliche Programm" – wie ich im Vorfeld so ein bisschen befürchtet hatte – als nebensächlich oder gar als notwendiges Übel betrachtet worden wäre. Dazu gleich mehr. 


Eigentlich bin ich ja nur im Küchenteam, aber...

Ich hatte es bereits erwähnt: Offiziell war meine Position im Leitungsteam dieser RKF die des Küchenhelfers, ich durfte also nach dem Wölflingslager auf dem Achorhof im letzten Herbst erneut für um die 30 Personen kochen – diesmal zwar nicht in der Gulaschkanone, allerdings in einer Küche, die – was etwa die Leistungsfähigkeit der Herdplatten und der Spülmaschine oder auch die Ausstattung mit Toastern und Wasserkochern anging – eher auf die Bedürfnisse eines größeren Privathaushalts ausgerichtet zu sein schien. Bei drei Mahlzeiten am Tag und zwischendurch Tee war das eine Menge Arbeit, machte aber Spaß – und nicht zuletzt vermittelte es einen recht intensiven Eindruck von der ganzen Logistik hinter einer solchen Ferienfreizeit. Mit Blick auf meine angestrebte berufliche Zukunft muss ich da feststellen: Ehe ich mir zutraue, selbst eine Religiöse Kinderwoche zu organisieren, werde ich wohl noch einige Jahre lang Erfahrungen in helfender Position sammeln müssen. 

Bei allem Interesse an der organisatorischen Seite der Fahrt ist es wohl nicht sonderlich überraschend, dass ich dennoch darauf hoffte und spekulierte, auch in die "inhaltliche Arbeit" einbezogen zu werden. Dass diese Hoffnung nicht ganz unerfüllt bleiben würde, war im Grunde absehbar, schließlich hatte ich im Vorfeld eine Reihe von Anregungen und Vorschlägen erarbeitet, wie man die doch sehr moralistisch-therapeutisch geprägten konzeptionellen Vorgaben des Materialienbuches in spiritueller und katechetischer Hinsicht etwas "aufmotzen" könnte, und da lag es wohl nahe, dass mir auch die Aufgabe zufallen würde, wenigstens einen Teil dieser Vorschläge selbst umzusetzen. Hinzu kam, dass eine der jungen Erwachsenen, die in den internen Ablaufplänen als "Junge Leiter" betitelt wurden (das gefiel mir; ich fand, "Die jungen Leiter" könnte der Name einer Fernsehserie sein), sich krank gemeldet hatte und das Leitungsteam somit Verstärkung gebrauchen konnte. 

Zu meinem ersten Einsatz in der "inhaltlichen Arbeit" kam ich dann auch schon unverhofft früh, nämlich beim Abendprogramm am Ankunftstag – die zur Sonnenuntergangszeit am See stattfand, atmosphärisch definitiv das Highlight des Tages. 

Der Gemeindereferent hatte die Idee gehabt, zum Einstieg – um die Mose-Geschichte in einen größeren Kontext einzuordnen – noch einmal die Geschichte von Abraham zu rekapitulieren, der wir im März bereits einen Religiösen Kindertag gewidmet hatten, und dabei die bei diesem RKT gebastelten Collagen zur Visualisierung zu verwenden. Auf dem Weg zum See fragte der Gemeindereferent mich spontan, ob ich das Nacherzählen der Abrahamsgeschichte übernehmen möge, und ebenso spontan willigte ich ein. Das Erzählen machte Spaß und ich erntete auch positives Feedback sowohl von Kindern als auch aus dem Leitungsteam. – Der Tagesabschluss mit Reflexion und Ausblick sollte, wie ich entweder erst jetzt erfuhr oder mir zuvor einfach nicht gemerkt hatte, in Kleingruppen erfolgen, und zwar zimmerweise; dabei sollte auch ich eine Kleingruppe übernehmen, und zwar nicht etwa die aus dem Zimmer, in den meine Tochter schlief, und auch keine aus einem der beiden Jungszimmer – das wäre wohl zu einfach gewesen. Stattdessen wurden mir die lauten, chaotischen und nicht gerade zu übermäßigem Respekt vor Autoritätspersonen neigenden "Tween"-Mädchen aus Zimmer 5 zugeteilt, die mich direkt unverhohlen wissen ließen, dass sie nicht die Absicht hatten, mir meine so unverhofft und unvorbereitet übernommene Aufgabe leicht zu machen. Es erwies sich somit als ziemlich herausfordernd, mit dieser Mädchengruppe einen einigermaßen sinnvollen Tagesrückblick einschließlich Nachtgebet hinzukriegen, aber ich sagte mir, auch das sei eine wertvolle Erfahrung und ich müsse halt zusehen, wie ich das Beste daraus mache. 

Bei der Leiterrunde am ersten Abend konnte ich mir für den nächsten Tag die Aufgabe sichern, die Morgenandacht zu leiten, und zwar mit Hilfe des YouCat-Jugendgebetbuchs, das ich einer spontanen Eingebung folgend in mein Handgepäck gesteckt hatte. Obendrein sollte am Sonntag natürlich die Heilige Messe gefeiert werden, zu welchem Zweck ein Geistlicher der Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland – nämlich Padre Ricardo – zu Besuch kommen sollte, allerdings erst am Nachmittag. Jedenfalls sah die Tagesplanung für den Sonntag vor, dass die Kinder am Vormittag in Kleingruppen in die Vorbereitung des Gottesdienstes einbezogen werden sollten, und ich meldete mich freiwillig für die Gruppe, die Kyrie-Rufe und Fürbitten erarbeiten sollte. Es kam dann aber doch anders: Die Kreativarbeit zum Thema dieses ersten vollen Programmtages – Moses Geburt, seine Aussetzung und Rettung – nahm so viel Zeit in Anspruch, dass die Gottesdienstvorbereitung auf das Einüben der Lieder beschränkt wurde. So gab es in der Messe ein gesungenes Kyrie, und die Fürbitten wurden frei und spontan formuliert – und ich war recht angetan von der Beteiligung der Kinder daran. Auch sonst fand ich die Messe, die wie erwähnt auf einer Wiese neben dem Haus gefeiert wurde, sehr schön. 

Ein Highlight des Sonntags war für mich aber doch die Morgenandacht, die ich leiten durfte. Nach der chaotischen Abendrunde mit den Tweens aus Zimmer 5 war ich überrascht, wie gut diese Andacht lief: Besonders dass das YouCat-Jugendgebetbuch an einem Punkt der Andacht Stille verlangte, hatte ich mir schwierig vorgestellt, aber ich hatte mir dafür ein paar Tricks vom Kampfsporttrainer meiner Kinder abgeguckt, und es klappte ausgezeichnet. Dieser Erfolg führte nicht nur dazu, dass ich auch an den folgenden Tagen die Morgenandacht leiten durfte, sondern regte mich zudem dazu an, auch die Abendrunden mit den Mädels aus Zimmer 5 künftig mit Hilfe des YouCat-Jugendgebetbuchs zu gestalten. Tatsächlich verlief die Abendrunde am Sonntag immer noch ziemlich chaotisch, aber ich hatte doch das Gefühl, es laufe tendenziell schon etwas besser

Am Montag erreichte meine Einbindung in die "inhaltliche Arbeit" einen ersten Höhepunkt: Erst leitete ich wieder die Morgenandacht, dann durfte ich der ganzen Gruppe eine freie Nacherzählung der Geschichte von Mose und dem Brennenden Dornbusch präsentieren und dann auch noch eine Kleingruppenkatechese für die Teenie-Mädchen leiten. Dazwischen hatte ich noch die Aufgabe, vier der kleineren Kinder – darunter meine Tochter – zu beaufsichtigen, während sie Ausmalbilder zur Dornbuschgreschichte bearbeiteten. Wir saßen auf der Terrasse, und ich dachte, es wäre eine gute Idee, den Kindern, während sie malten, thematisch passend das Lied "Mr. Pharao" von NimmZwei vorzuspielen. Danach wollten sie, wie man hätte voraussehen können, mehr Musik hören, also machte ich das offizielle Titellied der diesjährigen RKW, "Mensch Mose – beweg dich" an – das, während die meisten anderen in den offiziellen RKW-Materialien enthaltenen Lieder eher nach eingeschlafenen Füßen klingen, stilistisch durchaus Ähnlichkeit z.B. mit Liedern von Peter Menger & Königskinder Hüttenberg hat, wenn es auch nicht ganz so gut ist. Und danach ließ ich einfach meine Kinder-Lobpreis-Playlist weiter laufen, sehr zur Freude der Kinder, die dazu ordentlich abgingen. Ein besonderes Highlight war das Lied "Jesus hier bei uns" von Daniel Kallauch, in dessen Refrain auf den Namen Jesus stets der Einwurf "Hey!" folgt; da machten die Kinder mit Begeisterung mit, und das war ein ausgesprochen reizender Anblick. Als ich gegen Abend dieselben Kinder (und noch ein paar mehr) bei einer weiteren Kreativaufgabe, nämlich der Gestaltung eines Windlichts zum Thema "Brennender Dornbusch", betreuen sollte, fragte mich eins der Mädchen prompt "Dürfen wir dabei wieder Rockmusik hören?" Ich hätte diesem Wunsch eigentlich gern entsprochen, unterließ es aber, u.a. aus Rücksicht darauf, dass der Gemeindereferent, der die ganze Freiheit leitete, in puncto Medieneinsatz grundsätzlich eher konservativ eingestellt ist. 


Die Kleingruppenkatechese für die Teenie-Mädchen war für mich ein besonderes Highlight: Mein Ansatz dabei war, die Geschichte von Mose und dem Brennenden Dornbusch unter dem Aspekt "Berufung" zu betrachten, und als Beispiel dafür, dass es auch heute noch spektakuläre Berufungserlebnisse gibt, in denen Menschen schlagartig erkennen, dass Gott einen ganz anderen Plan für ihr Leben hat als sie selber, durfte ich noch einmal die Lebensgeschichte der Clare Crockett erzählen, die ich vor gut einem halben Jahr im Kinderwortgottesdienst thematisiert hatte. Ich hatte den Eindruck, auf die Mädchen, die zum Teil nur ein paar Jahre jünger waren als Clare Crockett zum Zeitpunkt ihrer Bekehrung, machte meine Erzählung einen noch deutlich intensiveren Eindruck als auf die Kinder beim KiWoGo. Der Gemeindereferent hatte mir einen Stapel Fotos von Clare Crockett in Ordenstracht ausgedruckt, und am Ende meines Vortrags gab ich diesen Stapel herum und sagte, wer ein Foto haben wolle, dürfe sich eins nehmen. Sie nahmen sich fast alle eins, und ich sah darin ein gutes Zeichen. 

Die Abendrunde mit den Chaos-Tweens aus Zimmer 5 lief am Montag, auch wenn sie erneut nicht ganz ohne Durcheinandergequatsche und Albernheiten abging, erstmals richtig gut, oder anders ausgedrückt, ich fühlte mich erstmals von den Mädchen wirklich akzeptiert als Kleingruppenleiter. – Am Dienstag gab es morgens Gewitter, die Morgenrunde wurde daher nach drinnen, in den Flur im Obergeschoss, verlegt; dort war es ein bisschen beengt, aber irgendwie gefiel mir die Atmosphäre. Im weiteren Verlauf des Tages hatte ich hauptsächlich in der Küche zu tun, und wenn nicht, versuchte ich mich einigermaßen auszuruhen. Dadurch bekam ich vom "inhaltlichen Programm" nicht sonderlich viel mit und fand das einigermaßen unbefriedigend; wirklich gut und aufbauend war hingegen wieder die Abendrunde mit den Mädchen aus Zimmer 5: Ich war richtig gerührt, als sie mich am Ende ihrer Tagesreflexion fragten, wie der Tag denn für mich gewesen sei. 

Am Mittwoch war das Thema des Tages der Durchzug durchs Rote Meer, und bei der Planung der Kleingruppen-Vertiefungsangebote konnte ich eine weitere Idee, die ich im Vorfeld entwickelt hatte, zur Geltung bringen: Eine Gruppe sollte den Auftrag bekommen, das Loblied des Mose nach dem Durchzug durchs Rote Meer (Exodus 15,1-19) in Form eines Raps zu adaptieren. Eine Gruppe von sechs Kindern, darunter drei der vier Mädchen aus "meinem" Zimmer 5, meldete sich dazu freiwillig, aber zunächst wussten sie trotzdem nicht so richtig, wie sie an die Aufgabe herangehen sollten. Zu Inspirationszwecken zeigte ich ihnen ein Bild von Sieger Köder, das die tanzende Mirjam darstellt, und trug ihnen ein paar Verse aus der "Volxbibel"-Version dieses Lobliedes vor, die ebenfalls in Form eines Raps daherkommt. Durchaus erwartungsgemäß fanden die Kinder diese Version eher cringe: "Das klingt so, als hätten das alte Leute geschrieben, die versuchen, zu klingen wie Jugendliche", meinten sie. Kurz darauf hatte aber ein Junge aus der Gruppe eine gute Idee für ein erstes Verspaar, und ab da lief's eigentlich wie am Schnürchen: Alle hatten Spaß, und den Text, der innerhalb einer halben Stunde entstand, fand ich ziemlich witzig. In der Leiterrunde am Abend berichtete derjenige der Jungen Leiter, der die Abendrunde in den Jungszimmern gemacht hatte, die Jungs aus der Rap-Kleingruppe hätten dieses Projekt in ihrem Tagesrückblick sehr gelobt. Das freut einen natürlich! 

Am Donnerstag ging es um das Murren des Volkes in der Wüste, das Manna vom Himmel und das Wasser aus dem Felsen, und ich durfte erneut eine Kleingruppenkatechese für die Teenie-Mädchen halten. Mein Ansatz war, den Gegensatz zwischen den Fleischtöpfen Ägyptens, die zwar materielle Sicherheit bedeuten, aber auch mit Unfreiheit verbunden sind, und dem Manna herauszustellen, von dem man keinen Vorrat anlegen kann, weil es so schnell verdirbt – weshalb die Israeliten von Tag zu Tag darauf hoffen und vertrauen müssen, dass Gott ihnen morgen wieder welches schenkt; diesen Gedanken setzte ich zur Vaterunser-Bitte "Unser tägliches Brot gib uns heute" in Beziehung, und zur Veranschaulichung erzählte ich von meiner gut zehn Jahre zurückliegenden Entscheidung, meinen Job zu kündigen, um mit meiner Liebsten auf den Jakobsweg zu gehen. Am Gespräch darüber, was es im eigenen Leben bedeuten kann, sich der Führung und Fürsorge Gottes anzuvertrauen, beteiligte sich zwar nur eins der Mädchen in nennenswertem Maße aktiv, aber sie wirkten aufmerksam und nachdenklich, und das ist, gerade bei Teenagern, ja schon viel wert. 

Am Freitag ging es um die Zehn Gebote und das Goldene Kalb, allerdings hatte ich wieder hauptsächlich in der Küche zu tun, da der Küchenchef seinem Beruf als Kirchenmusiker nachgehen musste und daher den Großteil des Tages nicht da war. So kam ich mittags zu der Ehre, erstmals in meinem Leben allein (bzw. lediglich mit ein bisschen Hilfe beim Schnippeln und beim Abschmecken) ein Essen für 30 Personen zuzubereiten. So richtig bewusst wurde mir dieser Umstand allerdings erst, als der Gemeindereferent ihn in seinen Ansagen nach dem Essen erwähnte, und der Applaus, den ich daraufhin von den Kindern bekam, tat mir schon ausgesprochen gut. (Es gab übrigens One-Pot-Pasta mit Spinat und Pasta in einer Käse-Sahne-Sauce.) 



Die Geschichte vom Goldenen Kalb regte, wie es scheint, die Kreativität der Kinder besonders an. 

So durfte ich im Laufe der Woche also in alle Arbeitsbereiche der RKF-Leitung mal hineinschnuppern und überall auch eigene Ideen einbringen, und dafür, diese Gelegenheit bekommen zu haben, bin ich ausgesprochen dankbar. Überhaupt habe ich es als sehr vorteilhaft empfunden, dass der eher freihändige Umgang mit den konzeptionellen Vorgaben des Materialienbuches Freiräume dafür geschaffen hat, dass alle Mitglieder des Leitungsteams eigene Akzente setzen und ihren eigenen Stil einbringen konnten; ich finde, das hat das Programm bereichert, und damit meine ich keineswegs nur meine eigenen Beiträge.

Wenn ich bedenke, wie skeptisch ich dem Veranstaltungsformat Religiöse Kinderwoche ursprünglich mal gegenübergestanden habe, glaube ich übrigens, es war ein Glücksfall, dass ich zu meiner ersten RKF aufgebrochen bin, als ich gerade frisch unter dem Eindruck des schrottigen Urlauberkirchen-Programms in Butjadingen stand. Denn im direkten Vergleich dazu konnte ich das Niveau wie auch das schiere Ausmaß der katechetischen Arbeit, die auf dieser Ferienfreizeit geleistet wurde, erst richtig würdigen, und die spirituellen Elemente nicht minder. Was natürlich nicht heißt, dass ich nicht an der einen oder anderen Stelle noch Luft nach oben sähe, aber dazu komme ich im nächsten Abschnitt. 

Zu den Freiheiten, die wir uns dem Originalkonzept der Mose-RKW gegenüber erlaubten, gehörte es auch, Aspekte der Mose-Geschichte im Licht des Neuen Testaments zu betrachten und auf Jesus Christus zu beziehen. 

Was mir hier ein bisschen fehlt, ist eine Leiter-Gebetsrunde 

Dass sich mir, sobald ich mal etwas Zeit und Ruhe zur Reflexion hatte, ein Vergleich mit der Gemeindefreizeit der EFG The Rock Christuskirche aufdrängte, an der ich im letzten Herbst mit der ganzen Familie teilgenommen habe (dieses Jahr wollen wir übrigens auch wieder mit), war bei allen offenkundigen Unterschieden wohl doch nicht ganz abwegig. Ich glaube, was mich ursprünglich dazu veranlasste, diesen Vergleich zu ziehen, war die Erinnerung daran, wie ich bei der Gemeindefreizeit zu meiner Liebsten sagte, ich hätte nichts dagegen, wenn diese Freizeit eine ganze Woche ginge und nicht bloß ein Wochenende, und wie meine Liebste das überboten hatte, indem sie sagte, sie würde am liebsten immer so leben. Nun ging mir die Frage durch den Kopf, wie ich es finden würde, wenn mein Leben eine fortwährende Religiöse Kinder- und Jugendfreizeit wäre; und ich stellte fest, ich fand die Vorstellung gar nicht so schlecht. Also, ein bisschen Erholung und "Zeit für mich" bräuchte ich hin und wieder schon, und im Winterhalbjahr gibt es Fahrten wie diese sicherlich ohnehin nicht, oder kaum. (Und ob ich Lust hätte, als Betreuer auf eine Religiöse Ski- und Rodelfreizeit mitzufahren, wenn es so etwas denn gäbe, müsste ich mir dann doch noch gründlich überlegen.) Aber die Vorstellung, bis zur Rente jedes Jahr eine solche Fahrt (oder sagen wir: mindestens eine) mitzumachen – und dafür auf mittlere Sicht sogar bezahlt zu werden – gefällt mir durchaus gut. 

Was für mein Empfinden und im direkten Vergleich zur The Rock-Gemeindefreizeit aber doch ein wenig zu kurz gekommen ist, war das charismatische Element. Wie ich immer gerne sage, ich bin zwar von Natur aus Norddeutscher, aber es ist auch mal ein kleiner Charismatiker an mir vorbeigegangen. Und auch wenn bei dieser RKF mehr gebetet wurde, als ich es im post-volkskirchlichen Kontext erwarten würde, und sicherlich mehr als im normalen Alltag der meisten Teilnehmer (Kinder ebenso wie Leiter), hatte ich im Vergleich zu den Gepflogenheiten der The Rock-Gemeinde doch den Eindruck, wenn man die ganze Veranstaltung wirklich im Gebet verankern wollte, dann wäre da noch Luft nach oben. Woran es mir insbesondere mangelte, war gemeinsames Gebet der Mitarbeiter; erst kürzlich habe ich ja in anderem Zusammenhang meine Erfahrung aus dem "evangelikalen und charismatischen Spektrum" zu Protokoll gegeben, dass da "[g]emeinsames Gebet des Teams [...] ein wesentlicher Bestandteil der Vorbereitung einer Veranstaltung" ist und dass "Beten und Organisieren [...] als gleichwertige Tätigkeiten betrachtet" werden – "im Zweifel ist das Beten sogar vorrangig". Davon, fand und finde ich, könnten "wir" uns getrost eine Scheibe abschneiden; aus diesem Grund überredete ich den Gemeindereferenten dazu, vom Montag an früh morgens, wenn die anderen noch schliefen, mit mir zusammen Invitatorium und Laudes zu beten, und am Dienstagabend gab es zum Abschluss der Leiterrunde sogar eine kurze Gebetsrunde mit frei formuliertem Dank für den Tag und Bitten für den folgenden Tag. Es blieb indes spürbar, wie ungewohnt und unüblich dergleichen im post-volkskirchlichen Normalbetrieb ist; aber man kann durchaus sagen, gerade deshalb sind diese Ansätze umso mehr zu würdigen. 

Ein weiteres interessantes Erlebnis zum Thema "Gemeinsames Beten der Leiter" ergab sich am Mittwochnachmittag: Da sollte eine Paddeltour auf dem Plauer See unternommen werden, aber da nicht die ganze Gruppe auf einmal in den zur Verfügung stehenden Kanus Platz finden konnte, wurde vereinbart, dass die Hälfte der Gruppe zunächst durch den Wald wandern sollte, um dann an einer geeigneten Uferstelle mit der anderen Hälfte, die bis dorthin paddeln sollte, zusammenzutreffen und die Plätze zu tauschen, woraufhin dann diejenigen, die auf dem Hinweg gepaddelt hatten, den Rückweg zu Fuß zurücklegen. Da alle Leiter, die Erfahrung im Paddeln haben, in den Booten gebraucht wurden, ich jedoch nicht paddeln kann, erklärte ich mich bereit, zusammen mit einem der Jungen Leiter die "Wandergruppe" anzuführen, und überlegte mir für diese Waldwanderung ein "freiwilliges Zusatzangebot": Denjenigen, die Interesse daran hätten, würde ich beibringen, wie man Rosenkranz betet. Wer daran Interesse zeigte, war just der Junge Leiter; et verriet mir, er habe nach der jüngsten Erstkommunion in St. Joseph Siemensstadt, bei der er ministriert hatte, einen Rosenkranz geschenkt bekommen, wisse aber nicht, wie man damit betet. Also zeigte ich es ihm, und wir beteten beim Wandern gemeinsam ein Gesätz des Glorreichen Rosenkranzes. Der junge Mann fand das Gebet, wie er sagte, "sehr meditativ" und fügte hinzu, er denke darüber nach, es in seine Abendroutine einzubauen. 

Zu guter Letzt möchte ich noch zwei Details vom Lagerfeuerabend erwähnen, der den Ausklang des RKF-Programms vor dem Abreisetag bildete. Nein, eigentlich drei Details, denn bei diesem Lagerfeuerabend wurde auch unser Rap frei nach Exodus 15,1-19 aufgeführt, nachdem die Gruppe nochmals eine halbe Stunde daran geprobt hatte. Was ich aber hauptsächlich erwähnen wollte: Beim Lagerfeuerabend wurde ein Spiel gespielt, bei dem ein Kind einen Zettel mit dem Namen eines der Leiter ziehen und dann diesen Leiter beschreiben musste, und die anderen Kinder mussten raten, wer gemeint ist. Über mich wurde in diesem Spiel gesagt "Er sagt viele Gebete" – eine Einordnung, die wohl hauptsächlich den von mir geleiteten Morgenandachten zu verdanken war. Und ganz am Schluss bat ein zehnjähriges, aus Polen stammendes Mädchen, mit dem meine Tochter sich im Laufe der Woche sehr gut angefreundet hatte, darum, ein Gebet auf Polnisch sprechen zu dürfen. Das fand ich ja schon bemerkenswert genug, aber die anderen polnischstämmigen Kinder kannten das Gebet alle und sprachen es mit – ein sehr anrührender Moment, wie ich fand. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Gott, noch bevor wir Dich suchen, bist Du bei uns. Bevor wir Deinen Namen kennen, bist Du schon unser Gott. Öffne unser Herz für das Geheimnis, in das wir aufgenommen sind: dass Du uns zuerst geliebt hast, und dass wir glücklich sein dürfen mit Dir. Nicht weil wir gut sind, dürfen wir uns Dir nähern, sondern weil Du Gott bist. 
(aus dem YouCat-Jugendgebetbuch) 

Ohrwurm der Woche 

Lionel Richie: Hello 


Weiter oben hatte ich erwähnt, dass der Gemeindekirchenmusiker als Küchenchef zur RKF mitgekommen war; das war allerdings nicht die ganze Wahrheit, denn er war durchaus auch in seiner Eigenschaft als Kirchenmusiker dabei und veranstaltete fast jeden Tag eine Chorprobe mit den Kindern. Auf dem E-Piano, das er zu diesem Zweck mitgenommen hatte, spielten in den Pausen aber durchaus auch mal andere Leute, etwa ein paar der älteren Mädchen und auch einer der Jungen Leiter. Dieser spielt, wie er mir erzählte, erst seit ein paar Monaten Klavier und hatte daher ein eher begrenztes Repertoire; bei einem Stück, das er mehrfach spielte, handelte es sich um eine Melodie aus dem Soundtrack einer Anime-Serie. Das Stück heißt "Never Meant to Belong", aber für mich klang es wie "Hello" von Lionel Richie, was mich hin und wieder dazu veranlasste, die eine oder andere Zeile "mitzusingen" (während "Never Meant to Belong" ein Instrumentalstück ist). Und fertig war der Ohrwurm der Woche! – Nebenbei bemerkt hat "Hello" im Großen und Ganzen dieselben Akkorde wie "All Along the Watchtower", weshalb ich vor Jahren mal mit einem Gitarre spielenden Kommilitonen im Rahmen eines Showprogramms auf der Studiobühne des Theaterwissenschaftlichen Seminars der Humboldt-Universität ein rockiges Medley (oder "Mashup") aus diesen beiden Stücken aufgeführt habe. "Never Meant to Belong" gab's damals noch nicht. 


Vorschau/Ausblick 

Gerade von der RKF zurückgekehrt, hoffe ich, mich in den nächsten Tagen erst mal ein bisschen ausruhen zu können; allerdings muss ich mich um meine Immatrikulation kümmern, wir haben einen Umzug zu organisieren (dazu demnächst mehr) und am Dienstag geht die diesjährige Kinderbibelwoche der EFG The Rock Christuskirche los. Da dürfte es also auch wieder allerlei zu berichten geben, und möglicherweise bietet sich an der einen oder anderen Stelle ein Quervergleich zur RKF an. Es bleibt also spannend! Nächsten Samstag ist übrigens Mariä Himmelfahrt, und dieses Datum markiert das 80-jährige Bestehen der katholischen Gemeinde in meinem Heimatdorf Burhave. Aber dazu zu gegebener Zeit mehr! 


[Hinweis: Aus Zeit- und Erschöpfungsgründen erscheint dieses Wochenbriefing vorerst ohne eingebettete Links. Diese werde ich schnellstmöglich nachtragen und diesen Hinweis dann entfernen.] 


Samstag, 1. August 2026

Utopie und Alltag 36: Von einem Abenteuer ins nächste

Willkommen zum neuen Wochenbriefing, Leser! In der Rückschau habe ich den Eindruck, das letzte Drittel unseres diesjährigen Butjadingen-Sommerurlaubs sei in gewissem Sinne das "touristischste" gewesen; was zum Teil, aber nicht nur damit zu tun hatte, dass, wie neulich schon erwähnt, vom vorletzten Donnerstag bis Montagmorgen eine Schulfreundin unseres Tochterkindes und deren Mutter nach Burhave kamen und am Strand zelteten, und zusammen mit diesen nahmen wir z.B. an einer geführten Wattwanderung und an einer "Wattenmeerfahrt mit Netzfang" mit dem Ausflugsschiff Wega II teil – was wir beides auch letztes Jahr schon gemacht hatten, aber für die Kinder war es auch diesmal wieder ein tolles Erlebnis. In den letzten Tagen vor unserer Abreise gab's dann nochmal richtiges Badewetter, sodass wir ziemlich viel Zeit am Friesenstrand in Tossens verbrachten; und ein Besuch auf Hof Iggewarden (mit Grillabend!) musste auch noch sein – darüber wird weiter unten noch mehr zu sagen sein. Die Rückreise wurde dann – wieder einmal – ein Abenteuer für sich, aber man kann mit einigem Recht behaupten, dass das fast schon gewohnte Verspätungs- und Zugausfallchaos in Hannover sich in diesem Fall sogar zu unseren Gunsten auswirkte, denn dank dem Wegfall der Zugbindung konnten wir sogar eine frühere Verbindung nehmen als wir gebucht hatten, und wir erreichten diese nur, weil der betreffende Zug Verspätung hatte. 

Und kaum waren wir wieder in Berlin, hatten uns überzeugt, dass das Haus noch steht und die Welt sich auch sonst so einigermaßen weitergedreht hatte, erwartete die Hälfte der Familie, nämlich das Tochterkind und mich, auch schon das nächste Abenteuer, nämlich die Religiöse Kinderfreizeit zum Thema "Mensch Mose – Beweg dich!" in Plau am See. Der eine Tag, den wir zwischen diesen Reisen in Berlin verbrachten – nämlich Freitag, also gestern –, verging wie im Flug, da ich buchstäblich von morgens bis abends mit Vorbereitungen für die RKF beschäftigt war und zwischendurch noch ein paar Dinge im Zusammenhang mit meiner Immatrikulation in Paderborn organisieren musste. Aber dazu ein andermal mehr! 

Symbolbild: Abschied von Butjadingen


"Wer hat den denn eingeladen?" vs. "Wo sind die anderen?": Taufe im post-volkskirchlichen Kulturkatholizismus 

Wie bereits in der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings erwähnt, fand am vergangenen Samstag in der Herz-Mariä-Kirche zu Burhave vormittags eine Taufe statt, und da ging ich hin – schließlich ist eine Taufe stets ein freudiges Ereignis für die ganze Kirche. Jedenfalls sollte das meiner Auffassung nach so sein; aber auch wenn da in der Theorie wohl kaum jemand widersprechen würde, wird es in der Praxis nicht unbedingt so gelebt. Im vorliegenden Fall erschienen zur Taufe eines kleinen Mädchens außer den Eltern und Paten nur noch ein paar weitere Verwandte und/oder Freunde der Familie, insgesamt zwölf Personen – und eben ich. Dabei könnte man den Umstand, dass der Termin der Tauffeier in den Pfarrnachrichten veröffentlicht wurde, doch eigentlich als eine Einladung an die Gemeinde auffassen. Anscheinend war die Tauffamilie aber wohl nicht in nennenswertem Maße in die Gemeinde eingebunden; soweit ich es beurteilen konnte, hätten das genausogut Leute sein können, die gerade hier in Urlaub waren. 

Gespendet wurde die Taufe vom Diakon, aber wenn ich die Absicht hätte, die Schilderung der Feier zum "Bashing" gegen diesen Geistlichen zu nutzen, müsste man einräumen, dass sie dafür ziemlich wenig hergibt; jedenfalls wenn man davon absieht, dass er die Tauffeier in einem so saloppen und informellen Tonfall leitete, dass sie – obwohl liturgisch im Großen und Ganzen alles "stimmte", von der Weihe des Taufwassers über den Exorzismus und die Allerheiligenlitanei bis hin zum Effata-Ritus –, eigentümlich "unliturgisch" anmutete. Ich bezweifle nicht, dass es Familien gibt, die einen solchen lockeren Stil schätzen und als niederschwellig empfinden; das Problem ist aber, dass die Geistlichen, die sich gern so betont nonchalant geben, nie auf die Idee zu kommen scheinen, dass das nicht unbedingt jeder gut und angemessen findet. Nun kann man natürlich sagen, das Sakrament der Taufe hat an sich einen so hohen Wert, dass gegenüber der bloßen Tatsache, dass ein Mensch getauft wird, das Wie, also Fragen von Stil und Gestaltung, nicht sonderlich ins Gewicht fällt, sofern die Gültigkeit der Sakramentenspendung dadurch nicht infrage gestellt wird. Dennoch ist es wohl kaum unverständlich oder gar verwerflich, wenn Familien sich für dieses so wichtige Ereignis einen angemessen feierlichen und würdevollen Rahmen wünschen. Hinzu kommt, dass unter den Vorzeichen des post-volkskirchlichen Kulturkatholizismus der Wunsch nach einer "schönen Feier" eher einen umso höheren Stellenwert hat, je kirchenferner die Familie ist. Was man sich konkret unter einer "schönen Feier" vorstellt, kann natürlich individuell sehr unterschiedlich sein, aber ich sag mal, nicht jeder wünscht sich, dass sein Kind von Thomas Gottschalk getauft wird. 

Das Thema "individuelle Erwartungen an Tauffeiern" bringt mich übrigens darauf, dass ich kürzlich mal wieder über einen Beitrag von Alina Rafaela Oehler im Communio-Magazin gestolpert bin, in dem direkt unter der wenig aussagekräftigen Überschrift "Doppeltaufen" die Frage aufgeworfen wird: "Warum müssen Familien die Taufe ihrer Babys immer öfter mit Fremden feiern?" Und man denkt sich: Duh. Okay, man könnte sagen, Frau Oehler bleibt sich treu, und das kann man ja als eine schätzenswerte Eigenschaft betrachten; aber dieser Artikel ist dann doch noch blöder, als ich es nach den beiden anderen, die ich bisher von ihr gelesen habe, erwartet hätte. 

Als Aufhänger für ihren Artikel nutzt die Verfasserin die Beobachtung, dass manche Pfarreien bewusst und absichtlich gemeinsame Tauftermine für mehrere Familien ansetzt, statt jeder Familie einen eigenen zu geben. Soll angeblich "heute üblich" bzw. im Kommen sein; mir persönlich ist diese Praxis zwar noch nie begegnet, aber das muss ja nichts heißen. Frau Oehler jedenfalls findet diese Praxis nicht gut: Sie meint, "je seltener Menschen zur Kirche kommen, desto mehr sollte man ihnen das Gefühl geben, auch mit ihren Wünschen gesehen und willkommen zu sein", statt sie "mit Kompromissen vor den Kopf zu stoßen". Schließlich sollen sich "in ihrer Feier verwirklichen und wohlfühlen können". Den Einwand einer Pastoralreferentin, es sei "eigentlich nichts Neues", dass Familien keine privaten, individuellen Tauftermine nach Wunsch bekommen – sie selbst sei, vor "über 30 Jahren", "auch mit anderen Kindern aus der Gemeinde getauft worden. Ein Taufsonntag im Monat wäre normal gewesen" –, schmettert die Verfasserin ab: Das seien einfach "andere Zeiten" gewesen.

"Gemeinde war wirklich noch eine sonntägliche Versammlung der ortsansässigen Familien, man kannte sich, traf sich auch sonst im Alltag. Die Taufe war auch die Aufnahme in eine konkrete Gemeinschaft. Die Feier war zudem unaufgeregter und kein so stark individualisiertes Fest wie heute." 

Ja Moment mal – bekennt Frau Oehler sich nicht sonst so gern dazu, ein ausgesprochener Fan dieser "unaufgeregten" Volkskirchlichkeit zu sein? Und auf einmal räumt sie hier nonchalant ein, dass die Voraussetzungen, von denen das System Volkskirche gelebt hat, in der Breite schlichtweg nicht mehr gegeben sind. Dass sie auf diese Erkenntnis jedoch keine andere Antwort sieht als die Umwandlung der alten Volkskirche in eine "Angebots- beziehungsweise Servicekirche", wie Johann Baptist Metz sie schon vor über 40 Jahren diagnostizierte, passt auf eigentümliche Weise zu Frau Oehlers konservativem Gemüt: Wie ich erst kürzlich nachgelesen habe, sah Metz schon zu seiner Zeit – und da war Alina Oehler noch nicht mal geboren! – in dem beschriebenen Modell keineswegs die Zukunft, sondern war im Gegenteil der Überzeugung, diese Vision einer vermeintlichen Modernisierung der Kirche habe "ihren historischen Zenit und in diesem Sinn ihre gesellschaftliche Zukunft" im Großen und Ganzen bereits hinter sich

Alina Oehler nimmt durchaus wahr, dass die Zumutung, eine Kindstaufe "mit Fremden feiern" zu sollen, in der Regel erst dadurch zum Problem wird, dass die Familie des Täuflings "mit der Sonntagsgemeinde kaum noch Berührung hat"; holprig wird ihre Argumentation indes, wenn sie erklärt, der Moment, wenn eine ansonsten kirchenferne Familie nach einem Tauftermin frage, könne "ein wertvoller Moment für Akquise sein". Dass sie "Akquise" schreibt und nicht "Mission", ist ja schon recht vielsagend; wenn sie aber meint, eine Familie, die schon bei der Anmeldung des Tauftermins Wert darauf legt, unter sich zu bleiben und den Kontakt zur örtlichen Gottesdienstgemeinde zu meiden, könne man, wenn man ihr diesen Wunsch erfüllt, "bestenfalls [...] im Kindergottesdienst oder in der Krabbelgruppe" wiedersehen, mache ich ein Gesicht wie Marcia Brady in der Serie "Drei Mädchen und drei Jungen"

Dass es in der Realität vielfach anders läuft – "dass Menschen kurz nach einer Taufe oder Hochzeit austreten [...], weil man sich die Kirchensteuer künftig sparen will, aber dieses schöne Fest noch mitnehmen wollte" –, nimmt die Autorin zur Kenntnis, dringt aber nicht zu der Erkenntnis vor, dass dieses "Nutzerverhalten" dem Konzept einer Dienstleistungskirche zu einem gewissen Grad inhärent ist. Über Leute, die allmonatlich für die Mitgliedschaft in einem Fitnessstudio bezahlen, obwohl sie selten oder nie trainieren, macht man sich lustig, aber die institutionelle Kirche setzt ein solches Verhalten bei ihren Mitgliedern – zunehmend fälschlicherweise – als normal voraus. 


Von einem Grill zum anderen 

Während ich bei der Taufe war, war meine Familie an den Strand gegangen, und da ging ich dann anschließend auch hin – und stellte auf dem Weg fest, dass rund um das Atrium die Vorbereitungen für das Jubiläumskonzert zum 120-jährigen Bestehens des Männergesangsvereins Eintracht Burhave auf Hochtouren liefen: So waren bereits eine Hüpfburg und zwei Grills aufgebaut worden. – Zum Männergesangsverein Eintracht Burhave hatte ich, wie ich inzwischen nachgelesen habe, schon im vorigen Jahr anlässlich der Fedderwardersieler Krabbenkutterregatta festgehalten, in diesem Gesangsverein habe "so ziemlich meine gesamte ortsansässige männliche Verwandtschaft, angefangen von meinem Opa (mütterlicherseits), irgendwann mal mitgesungen": 

"Zwei Cousins meines Vaters waren noch dabei, als die Shanty-Sparte des Gesangsvereins in den 90er Jahren unter dem Namen Butjenter Blinkfüer voll auf maritimen Schlager umstieg und es damit zu ein paar Auftritten in Schlager- und Volksmusiksendungen im Fernsehen brachte." 

Inzwischen gilt Butjenter Blinkfüer als "die älteste Boygroup der Wesermarsch" und gibt so zwölf bis fünfzehn Konzerte pro Jahr, vorrangig natürlich in der Tourismussaison. Das Jubiläumskonzert war im örtlichen Maßstab ein ziemlich großes Event; der Landrat, der Bürgermeister und der Geschäftsführer der Tourismus-Service Butjadingen GmbH waren zugegen und hielten Lobreden auf den Chor. Im Rahmenprogramm gab es neben der schon erwähnten Hüpfburg auch einen Kinderschminkstand, außer Würstchen vom Grill gab es auch ein reichhaltiges Kuchenbüffet; insofern hatte die Veranstaltung Ähnlichkeit mit einem Pfarrfest, mit dem Unterschied, dass ich es bei einem solchen wohl kritikwürdig gefunden hätte, dass die Grillwurst 2,50 € und ein Stück Kuchen 2 € kosteten. Das eigentliche Konzert ging erst rund eineinhalb Stunden nach Beginn des Rahmenprogramms los und umfasste, Zugaben nicht mitgerechnet, zwei halbstündige Blöcke mit einer Pause dazwischen; geboten wurden teils Stimmungsschlager, teils traditionelle Shanties wie der "Hamborger Veermaster" oder der "Drunken Sailor", letztere in einigermaßen poppigen Arrangements, aber trotzdem war das der Teil des Programms, der mich tendenziell mehr ansprach. 

So richtig ergriffen war ich dann aber, als zum Abschluss des Programms ein Medley aus "Wo die Nordseewellen" und "Hurra Butjarland" gesungen wurde. Wenn ich das höre, werde ich sentimental, das kann ich nicht leugnen. 

Die schon im einleitenden Absatz erwähnte Schulfreundin unseres Tochterkindes und ihre Mutter fanden sich übrigens auch beim Rahmenprogramm des Konzerts ein, nachdem sie zunächst vorgehabt hatten, an diesem Tag nach Bremerhaven in den Zoo zu gehen, sich dann aber doch umentschieden hatten. Die Kinder beschäftigten sich daraufhin eigenständig, und wir Eltern kamen im Gespräch darauf, dass es am Abend ja noch eine weitere Grillveranstaltung geben würde, bei der die Wurst nicht 2,50 € kosten würde, sondern lediglich eine Spende in freiwilliger Höhe – nämlich das "gesellige Beisammensein" im Anschluss an die Vorabendmesse. Da unsere zeltenden Freunde auf dem Campingplatz keine Kochgelegenheit hatten und nicht einmal Essgeschirr im Gepäck hatten, zeigte die Mutter Interesse, dorthin mitzukommen; allerdings ist sie Vegetarierin, und auf die Mitteilung hin, dass die Veranstalter voraussichtlich keine vegetarische Alternative zur Grillwurst anbieten würden, kam sie auf die Idee, vor der Messe noch kurz zu Edeka zu gehen und Grillkäse zu kaufen. Bei der Vorstellung, wie das Urlauberkirchen-Team, das erwartungsgemäß am Grill stand, reagieren würde, wenn jemand mit selbst mitgebrachtem Grillgut ankam und das mitgegrillt haben wollte, musste ich ein bisschen grinsen, aber tatsächlich akzeptierten die Damen vom Grill das relativ unproblematisch. – Und dann war da noch ein Gottesdienstbesucher, der temporär in einer Obdachlosenunterkunft in Eckwarden wohnte, sein Handy dort vergessen hatte und nun Hilfe benötigte, um seine Rückfahrt mit dem (um diese Uhrzeit nur noch auf Anfrage fahrenden) Bürgerbus zu organisieren – und der sich zielsicher an meine Liebste um Hilfe wandte. Fand ich ausgesprochen faszinierend. 


Camino de Willehado '26 – Teil 5: Wo euer Schatz ist, da ist euer Herz 

Nachdem wir den "harten Kern" der örtlichen katholischen Gemeinde – also diejenigen Gemeindemitglieder, die außer zu den Vorabendmessen auch zur Werktagsmesse und zum Friedensgebet kamen – fast vollzählig beim Jubiläumskonzert getroffen hatten, hatte meine Liebste schon die Ahnung oder Befürchtung, wir würden an diesem Abend die einzigen Gottesdienstbesucher sein; tatsächlich war die Vorabendmesse jedoch mit über 30 Teilnehmern ungewöhnlich gut besucht – woran sicherlich Urlaubsgäste einen nicht unwesentlichen Anteil hatten. Wie angekündigt, wurde die Messe von Pfarrer Fechtenkötter zelebriert, und wenn es bei der Beurteilung der liturgischen Qualität einer Messe nur darum ginge, "Boxen zu checken", dann hätte diese gegenüber den Messen der beiden vorangegangenen Wochenenden durchaus ein paar Pluspunkte zu verzeichnen: Es gab ein gesungenes Hochgebet, gesungenes Vaterunser, die Liedauswahl war erheblich weniger NGL-lastig und alle Lieder waren passend zu ihrer liturgischen Funktion ausgewählt. Auf der Negativseite ist zu vermerken, dass der Pfarrer in Albe und Stola zelebrierte – das ist fast immer ein ausgesprochen schlechtes Zeichen –, vor allem aber, dass die 2. Lesung (Römer 8,28-30) weggelassen wurde. 

Die Kinder saßen in der ersten Reihe und benahmen sich anständig – bis ihnen auffiel, dass am Altar ein Spinnennetz hing, in dem eine Raupe um ihr Leben zappelte. Insbesondere unser Jüngster war sehr aufgebracht, dass wir ihm nicht erlauben wollten, die Raupe zu retten, und schließlich erbot sich die Mutter der Schulfreundin unserer Tochter (für die ich in Zukunft wohl eine griffigere Benennung brauchen werde, da sie wohl noch häufiger in meinen Wochenbriefings eine Rolle spielen wird), mit den Kindern in den benachbarten Bürgerobstgarten zu gehen, um sie auf andere Gedanken zu bringen. Eine weitere Raupe krabbelte übrigens an der Stola des Pfarrers hoch, und es war vielleicht ganz gut, dass die Kinder nicht mehr mitbekamen, wie mitten in der Predigt der Lektor vortrat, um das Tierchen zu entfernen. 

Und die Predigt? Wenn ich sage, sie hatte "Wort zum Sonntag"-Niveau, dann hat das den enormen Vorteil, dass diejenigen, die diese Art von Predigt gefällt, das wahrscheinlich als Kompliment auffassen würden, während solche, denen dieser Predigtstil nicht zusagt, diese Einordnung als Kritik verstehen dürften. Bei diesem ambivalenten Urteil könnte man es vielleicht belassen, aber ich möchte doch zu Protokoll geben, dass ich fand, der Pfarrer tue dem Bibeltext (Matthäus 13,44-52, die Gleichnisse vom Schatz im Acker, von der kostbaren Perle und vom Netz mit den guten und den faulen Fischen) ein bisschen viel Gewalt an, um eine sozialverträgliche Wellness-Message aus ihm herauszuquetschen. Gerade wenn man bedenkt, dass Jesus im Evangelium die Deutung des Gleichnisses vom Netz mit den guten und den faulen Fischen gleich mitliefert und es auf das Ende der Welt bezieht und darauf, dass die Engel "die Bösen aus der Mitte der Gerechten aussondern und sie in den Feuerofen werfen", muss man sich schon sehr wundern, was Pfarrer Fechtenkötter daraus macht – nämlich die Aufforderung, 

"die Augen sehr gut geöffnet zu halten und zu unterscheiden: wovon kann ich mich nähren, aber was schmeckt auch nicht oder was ist vielleicht sogar giftig, unbekömmlich, tut mir nicht gut. Und da sagt Jesus auch ganz klar: Das legt zur Seite, das sortiert weg, das braucht ihr nicht mitnehmen auf eurem Lebensweg, auf eurem Glaubensweg." 

Angesichts dieser Predigtpassage darf man wohl konstatieren, dass Pfarrer Fechtenkötter, bei allen schätzenswerten Eigenschaften, die er ansonsten haben mag, theologisch eher auf dem Boden des Moralistisch-Therapeutischen Deismus steht. Irgendwie muss ich in diesem Zusammenhang daran denken, was ein Theologieprofessor aus Tennessee, mit dem ich mich mal traf, um Bier zu trinken und über die #BenOp zu diskutieren, im Zuge dieses Gesprächs über den politischen Kommentator David French sagte: "He's a really nice guy, but, you see, that's part of the problem." 

Auch den beiden anderen Gleichnissen dieses Sonntagsevangeliums erging es in der Auslegung des Pfarrers nicht besser. Gerade denjenigen Aspekt, den diese beiden Gleichnisse offensichtlich gemeinsam haben – dass da jeweils jemand alles, was er besitzt, aufgibt, um den Schatz im Acker beziehungsweise die kostbare Perle zu erwerben –, kam in der Predigt kaum zur Sprache; eher konnte man den Eindruck haben, die Predigt lenke von diesem Aspekt ab. Fand der Pfarrer es allzu offensichtlich, um noch Worte darüber zu verlieren – oder eher zu radikal

Immerhin haben mich gerade die Mängel dieser Predigt, oder hat mich das Reflektieren über diese Mängel, daran erinnert, dass es einen Essay von Dorothy Day mit dem Titel "The Pearl of Great Price" gibt, und mich motiviert, diesen nachzulesen. Einen Auszug gibt's weiter unten als Geistlichen Impuls der Woche


Nichts los im Rat-Schinke-Haus? 

Etwas, das mir im diesjährigen Butjadingen-Sommerurlaub auffallend gefehlt hat, war die Anwesenheit von Jugendgruppen im Rat-Schinke-Haus, dem ehemaligen Burhaver Pfarrhaus, das seit 1988 als "Gemeinde- und Bildungshaus" genutzt wird. Als ich über meinen Ideen zum Thema "Guerilla-Urlauberseelsorge" brütete, hatte ich die Vorstellung, man könnte die dort untergebrachten Jugendlichen zu Lobpreisandachten einladen und daran anknüpfend eventuell noch weitere spirituelle Angebote für sie bzw. mit ihnen zusammen entwickeln, z.B. auch mal ein "Dinner mit Gott" für sie und mit ihnen veranstalten. Und nun waren gar keine da! – Es kann natürlich sein, dass noch welche kommen, nachdem wir schon wieder weg sind: Letztes Jahr waren wir ein paar Wochen später in Butjadingen im Urlaub, da war es schon Anfang August, als wir erstmals Jugendlichen begegneten, die im Rat-Schinke-Haus einquartiert waren – da handelte es sich um eine Messdienerfreizeit aus Emsdetten, und aus Gesprächen mit Gemeindemitgliedern erfuhr ich, das Haus sei "den ganzen August ausgebucht". Kann ja sein, dass das dieses Jahr wieder so ist. Vielleicht wird das Haus sogar nur im August an Gruppen vermietet? Das würde ich ja als eine ziemliche Vergeudung von Potential halten, aber mich fragt ja mal wieder keiner. 

Jedenfalls halte ich das Rat-Schinke-Haus – unter dem Vorbehalt, dass ich das Obergeschoss, wo sich die Schlafzimmer und die Gruppenküche befinden, seit der umfassenden Renovierung vor einigen Jahren noch nicht wieder betreten habe, aber vor Jahrzehnten war ich da mal auf einem Jugendwochenende, und das war super – für eine im Grunde unschätzbare Ressource dieses Kirchenstandorts; und nur damit hier keine Missverständnisse entstehen: Mit "Ressource" meine ich nicht "Einnahmequelle", sondern "etwas, womit man arbeiten kann". Vom Erzbistum Berlin aus würde es sich wohl wegen der Anfahrtskosten nicht lohnen, dort eine Jugendfreizeit oder dergleichen zu veranstalten, aber ich habe ja auch Leser, die näher dran wohnen – und wie ich aus sicherer Quelle weiß, sind darunter sogar ein paar, die im Bistum Münster im pastoralen Dienst tätig sind. Also, falls Ihr mal eine Location für eine Jugendfreizeit – oder meinetwegen auch für Exerzitien, Einkehrtage, Retreats oder wie auch immer Ihr es nennen wollt – sucht, könnte das Rat-Schinke-Haus etwas für Euch sein. Und wenn Ihr in der Sommerferienzeit dort seid, gebt mir Bescheid – vielleicht bin ich dann auch gerade in der Gegend, dann machen wir was zusammen! 


Die Sache mit dem Sand 

Wie an anderer Stelle schon erwähnt, waren wir am Dienstag zum (für diesen Sommer) vorletzten Mal beim Kirchenzelt-Bastelprogramm, und da wurden Windlichter mit Muscheln und Sand gestaltet. Etwas später, als wir an der Bushaltestelle saßen, weil wir nach Tossens fahren wollten, fiel das Windlicht des Tochterkindes durch ein Missgeschick um und gut die Hälfte des Sandes kippte aus. Wir redeten unserer Großen zu, statt zu versuchen, den verschütteten Sand vom Straßenpflaster aufzuklauben, solle sie sich lieber in Tossens am Strand eine Handvoll neuen Sand holen. 

Unterwegs betrachtete ich den im Glas verbliebenen Sand und stellte, an meine Liebste gewandt, fest: "Die haben natürlich den teuren Bastelsand genommen. Bezahlen wir ja nur mit unserer Kirchensteuer. Also, wir natürlich nicht, weil: anderes Bistum. Aber wenn die schon so nah am Strand sind, wieso holen die den Sand dann nicht von da?" Im nächsten Moment fiel mir auf bzw. ein, dass es in Butjadingen ja keinen natürlichen Sandstrand gibt und der Sand also extra aufgeschüttet werden muss – und das zahlen letztlich die Urlauber mit ihrem Gästebeitrag. Eine ganz gute gedankliche Übung in Sachen "Follow the Money", wie ich fand: Irgendwer bezahlt am Ende immer für den Sand. 

Die Muscheln, mit denen die Windlichter dekoriert wurden, waren übrigens auch künstlich, und da muss ich dann schon sagen, dass es die Individualität des Endprodukts, besonders aber auch die Erlebnisqualität der ganzen Bastelaktion erheblich erhöht hätte, wenn man die Kinder erst mal an den Strand geschickt hätte, um eigenhändig echte Muscheln zu sammeln. Meine Tochter findet das auch. 


Überall hat Gott Seine Leute 

An unserem letzten ganzen Urlaubstag in Butjadingen – also Mittwoch, dem Tag vor unserer Rückreise – fuhren wir vormittags nach Iggewarden, wo die Kinder Tiere streichelten und fütterten, während wir Erwachsenen Kaffee tranken und den Charme der Ungebung genossen. Von dort aus wollten wir weiter nach Tossens zum Friesenstrand, bekamen aber gerade noch mit, wie der Hofbesitzer mit anderen Gästen darüber sprach, dass am selben Tag ein Grillabend auf dem Hof anstand. Das überraschte uns, denn wir hatten am Anfang unseres Urlaubs schon mal auf die Website geschaut des Hofes geschaut und dort nur einen Grillabend-Termin vorgefunden, der uns leider gar nicht passte; aber inzwischen waren weitere Termine hinzugekommenen, und einer davon war just an diesem Tag. – Nun, wie ich schon anlässlich unseres Sommerurlaubs vor zwei Jahren schrieb: "Wer in Butjadingen Urlaub macht und nicht wenigstens einmal zum Grillbüffet auf Hof Iggewarden geht, der ist selber schuld"; wir fackelten also nicht lange, entschlossen uns, nach unserem Strandtag in Tossens noch einmal wieder hierherzukommen, und meldeten uns für 18 Uhr zum Grillbüffet an. 

Als wir wieder auf Hof Iggewarden eintrafen, waren bereits einige andere Familien dort, unter denen mir auf den ersten Blick eine Drei-Generationen-Familie mit zwei Hunden ins Auge fiel. Besonders bei der "mittleren Generation" dieser Familie – einem jungen Mann und seiner schwangeren Frau – hatte ich den Eindruck: Die schauen uns so freundlich an, da wäre es doch gelacht, wenn wir mit denen nicht noch ins Gespräch kämen. Abgesehen von ein paar beiläufigen Wortwechseln bei Begegnungen am Büffet dauerte es dann aber doch eine Weile, bis es dazu kam. Schließlich unternahmen unsere Kinder einen Anlauf, das Eis zu brechen – vorrangig der Jüngste, der hoffte, sich mit den Söhnen der Familie anfreunden zu können, von denen einer wohl etwa in seinem Alter und der andere nur wenig älter war. Da holte er sich aber eine ziemliche Abfuhr, denn die Jungs erwiderten übellaunig "Wir haben schon Freunde." Daraufhin entschuldigten sich die Eltern für die Schroffheit ihrer Kinder: Sie hätten einen aufregenden Tag hinter sich und seien jetzt einfach müde. An dem Vater war mir schon von Weitem ein Anhänger an einem Lederhalsband aufgefallen, der sich aus der Nähe als Kreuz-Taube aus Taizé erwies; seine Frau trug ebenfalls einen solchen Anhänger – und schon hatten wir ein Gesprächsthema. Im Zuge des Austauschs von Urlaubserlebnissen berichteten wir unseren neuen Bekannten auch von unseren Erfahrungen mit der Urlauberkirche, und der junge Mann reagierte darauf mit der bemerkenswerten Frage, ob wir bei uns zu Hause auch [sic] in der Gemeindearbeit tätig seien. Ich erzählte daraufhin, ich hätte geradezu die Ausbildung zum Gemeindereferenten begonnen und würde demnächst ein Fernstudium antreten; das fanden sie interessant und gut. – Die Familie kam übrigens aus Erfurt. Und dann trifft man sich – of all places, wie der Angloamerikaner sagt – auf Hof Iggewarden. What are the odds? Ich fand diese Begegnung jedenfalls auf eigentümliche Weise ermutigend – und fühlte mich wieder einmal an das in der Zwischenüberschrift zitierte Lied von Manfred Siebald erinnert, das ich später am Abend meiner Liebsten vorspielte. Bemerkenswert ist hier übrigens nicht zuletzt der Anfang der zweiten Strophe: "Mancher findet Gottes Leute / nicht, wo er sich auf sie freute". Was ja irgendwie auch zur Pfarrei St. Willehad und zur Urlauberkirche passt. 


Unpopuläre Gedanken zum CSD-Anschlag 

Kann man eigentlich nicht Terrorismus und Hassverbrechen verurteilen, die Opfer betrauern und den Hinterbliebenen Mitgefühl bekunden, ohne sich deswegen gleich mit der "queeren Community" zu solidarisieren? Ja, ich meine mit dieser Frage insbesondere Repräsentanten der katholischen Kirche. Nicht nur, weil solche Solidaritätsadressen leicht als peinliche Anbiederei 'rüberkommen und den Verdacht erwecken, letztlich nur der eigenen Imagepflege dienen zu sollen (der CSD stehe für "genau jene Werte, die wir als Caritas teilen und leben", ließ die Berliner Caritas-Direktorin Ulrike Kostka verbreitenim Ernst?); es stellt sich auch die Frage, wie weit man diese Identifikation mit den Opfern zu treiben bereit ist. Angenommen, nächste Woche wird ein Anschlag auf eine Wahlkampfveranstaltung der AfD verübt – sind wir dann plötzlich alle pro-AfD? Das wohl eher nicht. Aber wo soll man da die Grenze ziehen? 

"Das hat man doch bei Charlie Kirk gesehen", wirft meine Liebste ein. 

Stimmt auch wieder


Geistlicher Impuls der Woche 

Der Grund für unser Dasein ist es, Gott zu preisen, Gott zu lieben und Ihm zu dienen, und das können wir nur tun, indem wir unsere Brüder und Schwestern lieben. Das ist die große Wahrheit, die uns Gott erkennen lässt. Große Verbrechen, das ist wahr, sind im Namen der Bruderschaft der Menschen begangen worden, und das mag dazu beitragen, diese Wahrheit zu verdunkeln; aber wir müssen trotzdem darauf beharren, sie zu sagen. Wir müssen darauf beharren, diese Wahrheit zu sagen, weil Liebe der Grund für unser Dasein ist. Sie ist das, wofür wir alle leben, ob wir ein Gammler auf dem Time Square sind oder das frömmste Mitglied einer Gemeinde. Wir suchen das, wovon wir glauben, dass es gut für uns sei. Wenn wir es nicht besser wissen, dann oft deshalb, weil Radio, Zeitung, Presse und Kanzel es versäumt haben, uns entsprechend zu informieren. Wir lieben das, was uns zu lieben angeboten wird, und Gott wird uns kaum angeboten. Es ist heutzutage genauso schwer, Jesus im respektablen Christen zu erkennen wie im Mann aus den Elendsvierteln. 

(Dorothy Day, The Pearl of Great Price, in: Catholic Worker Juli/August 1953. Eigene Übersetzung.) 


Ohrwurm der Woche 

Peter Menger & Königskinder Hüttenberg: Schreit vor Freude 

Ein Highlight meiner Kinder-Lobpreis-Playlist, das ich ehrlich gesagt sträflich unterschätzt hatte, ehe es, der Zufallsauswahl sei Dank, in der ersten Woche des Urlauberkirchen-Programms mehrmals im Kirchenzelt lief. Mit seinem mitreißenden Schlagzeugpart und seinem kraftvollen, prophetisch anmutenden Text würde das Lied durchaus auch als "erwachsener" Lobpreis durchgehen, aber mit wie viel Power und Ausgelassenheit die Königskinder Hüttenberg es interpretieren, soll diesem Kinderchor erst mal jemand nachmachen. 


Vorschau/Ausblick 

Ziemlich klar ist, dass die Woche, die vor mir liegt, ganz im Zeichen der Religiösen Kinderfreizeit stehen wird. Weniger klar ist, wann ich überhaupt dazu kommen werde, das nächste Wochenbriefing zu schreiben, aber das wird man sehen – schlimmstenfalls lege ich Nachtschichten ein. Auf jeden Fall verspricht es ein besonderes und auf besondere Weise interessantes Wochenbriefing zu werden, denn während ich aus Gründen der Diskretion gegenüber den teilnehmenden Kindern, aber auch gegenüber den Mitarbeitern bei der Schilderung der Ereignisse bei dieser RKF wohl nicht allzu sehr werde ins Detail gehen können, ist auf der anderen Seite zu erwarten, dass es viel Stoff für Reflexionen geben wird. Mein persönlicher Anspruch an die RKF ist übrigens, dass sie in Hinblick auf geistliche Tiefe mehr 'rüberbringt als die Urlauberkirche in Butjadingen. Lassen wir das mal auf uns zukommen! 


Freitag, 31. Juli 2026

Gast in Deinem Zelt 2026 – Fazit und Ausblick

Es hatte sich ja schon im Vorfeld abgezeichnet, dass die Urlauberkirche in Butjadingen ein prägendes Thema des diesjährigen Sommerurlaubs werden würde; nun ist der Urlaub vorbei, und es gilt Bilanz zu ziehen. Im vorigen Jahr habe ich dies im Rahmen meines Wochenbriefings getan, aber diesmal möchte ich diesem Thema etwas breiteren Raum geben – und zwar schon bevor das nächste Wochenbriefing fällig wird, das die letzten Tage unseres Aufenthalts in Butjadingen abdeckt. 

Meine Liebste hat mich darauf aufmerksam gemacht, wie bezeichnend es ist, dass selbst die KI sich das Kirchenzelt sakraler vorstellt, als es in Wirklichkeit aussah.

Setzen wir mal an der Stelle wieder ein, an der wir im jüngsten Wochenbriefing chronologisch stehengeblieben waren: Dass wir am ersten Kinoabend der Urlauberkirche in Burhave teilnahmen, war eher zufällig: Am selben Tag waren nämlich eine Schulfreundin unseres Tochterkindes und deren Mutter – mit denen wir, wie an dieser Stelle schon mal verraten sei, ab demnächst zusammen in einem Haus wohnen werden – ebenfalls in Burhave angekommen und hatten am Strand ein Zelt aufgeschlagen, da keine andere Übernachtungsmöglichkeit mehr zu haben war. Hinsichtlich der Frage gemeinsamer Unternehmungen am Nachmittag und/oder Abend war zunächst eine Fahrt mit dem Ausflugsschiff Wega II angedacht gewesen, aber das verschoben wir dann auf Sonntag; die nächste Idee war, nach Tossens zu fahren, wo in der Konzertmuschel ein "Bibi Blocksberg"-Film gezeigt wurde, aber dann fanden wir, den Weg könnten wir und eigentlich sparen, wenn auf dem Burhaver Campingplatz ebenfalls ein Film gezeigt wurde – auch wenn wir nicht wussten, welcher Film das war: Öffentlich angekündigt wurde das nicht, und als wir die Frauen vom Kirchenzelt-Team trafen, erklärten sie, sie hätten sich den Filmtitel nicht gemerkt, aber es sei jedenfalls ein Animationsfilm. 

Da die Filmvorführung im Kirchenzelt erst um 19 Uhr begann, gingen wir vorher noch Pizza essen im Beachclub (den ich im vorigen Jahr als einen "neue[n] Lieblingsort für mich" erwähnt habe, wohingegen es in Butjadingen durchaus auch Leute gibt, die diese Lokalität für einen Schandfleck halten). Als wir dann beim Kirchenzelt ankamen, war es ziemlich gut besucht, wenn auch nicht unbedingt sensationell gut – ich zählte 22 Kinder, dazu einige Erwachsene. Der Diakon moderierte die Veranstaltung an und verriet nun auch, welcher Film gezeigt werden sollte – nämlich der Pixar-Film "Coco", der in Mexiko am "Dia de los Muertos" spielt. Der Diakon gab einleitend ein paar Erläuterungen zum Brauchtum dieses Fests und zu dessen Zusammenhang mit Allerheiligen bzw. Allerseelen ab und erklärte, man habe diesen Film ausgewählt, um zu zeigen, wie Allerheiligen und Allerseelen anderswo auf der Welt gefeiert werden. Diese Begründung für die Filmauswahl fand meine Liebste, wie sie mir zuraunte, "gar nicht so blöd"; und als ich mit einem gedehnten "Na jaaa" zu einem Einwand ansetzte, fügte sie hinzu: "Man müsste dazu natürlich sinnvolle Arbeitsmaterialien bereitstellen. Das wäre dann eher meine Aufgabe." 

Tatsächlich gefiel mir der Film, den ich bisher nur vom Hörensagen gekannt hatte, ausgesprochen gut; ich will hier nicht ausführlich die Handlung nacherzählen, aber man kann jedenfalls sagen, dass "Coco" in schönen Bildern und einer dramaturgisch gekonnt aufgebauten Handlung durchaus tiefgründig und anrührend über die Frage "Was bleibt vom Menschen nach dem Tod?", über Familienzusammenhalt und die Verwirklichung von Lebensträumen reflektiert. Nicht umsonst enpfiehlt Vision Kino, eine Initiative zur Film- und Medienbildung in der Schule, "Coco" unter anderem für die Verwendung im Religionsunterricht. – Ich ahne hier Einwände, etwa der Art, dass man Brauchtum des Dia de los Muertos Überreste heidnischen Ahnenkults erkennen könne, und das stimmt natürlich; allerdings sind diese – auch wenn das im Film nur in Ansätzen deutlich wird – durchaus in einen christlichen Kontext eingeordnet und "inkulturiert". Übrigens gab es prinzipiell ähnliche Bräuche rund um Allerheiligen und Allerseelen bis in die Neuzeit hinein durchaus auch in Europa, und auch die Ursprünge von Halloween – einem Fest, mit dem die Kinder heutzutage ja nahezu unvermeidlicherweise konfrontiert werden – gehören in diesen Zusammenhang. Solche Bräuche und die darin zum Ausdruck kommenden Jenseitsvorstellungen zum christlichen Verständnis des Lebens nach dem Tod bzw. der Auferstehung der Toten in Beziehung zu setzen und, wo nötig, zu problematisieren, könnte und sollte durchaus ein Bestandteil der "Nachbereitung" sein, wenn man diesen Film mit Kindern anschaut. – 

Kurz und gut, ich könnte mir durchaus vorstellen, den Film "Coco" etwa im Rahmen eines Religiösen Kindertags (RKT) zu Allerseelen zu zeigen und katechetisch aufzuarbeiten, und für diese Anregung bin ich dankbar (es ist, wohlgemerkt, schon die zweite dieser Art, die mir das diesjährige Kirchenzelt-Programm beschert hat; die erste bezog sich auf einen RKT zum Thema Himmelfahrt). Den Film aber ohne eine solche katechetische Aufarbeitung, nur mit ein paar einführenden Worten, "einfach so" zu zeigen, finde ich für eine kirchliche Veranstaltung dann doch etwas schwach, ja fast schon fahrlässig. Aber es passt natürlich zu dem Eindruck von Lustlosigkeit und Halbherzigkeit, den das Urlauberkirchen-Programm – mit Ausnahme der von unseren Freunden aus der neuapostolischen Gemeinde gestalteten Woche – insgesamt macht. 

In diesem Zusammenhang scheint mir erwähnenswert, dass wir am nächsten Tag am Friesenstrand in Tossens waren und dort, als wir gerade an der Imbissbude ein paar Teller Fritten verputzten, eine Frau an uns vorbeikam, die einen Sweater mit dem Logo der Urlauberkirche trug und demnach offenbar zum Tossenser Kirchenzelt-Team gehörte. Wir sprachen sie darauf an, aber von ihrer Seite kam nicht mehr dabei rüber als ein bisschen freundlich desinteressierter Smalltalk, dann ging sie weiter. Okay, sie hatte um diese Uhrzeit offenkundig "frei", war nicht "im Dienst"; aber ich würde schon sagen, an dieser Begegnung wird exemplarisch deutlich, dass die Urlauberkirche keinen missionarischen Ansatz hat – denn andernfalls hätte die Mitarbeiterin sich eine solche Gelegenheit, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, die von sich aus Interesse zeigen, sicherlich nicht entgehen lassen. Man könnte noch weiter gehen und sagen, auch unabhängig von der Frage nach missionarischer Gesinnung sei diese freundlich-desinteressierte Haltung, die ja genauso auch beim Burhaver Kirchenzelt-Team der zweiten Ferienwoche zu beobachten war, ein Indiz dafür, dass die Tätigkeit für die Urlauberkirche den Mitarbeitern kein Herzensanliegen ist, aber wenn ich das sage, ist bestimmt wieder jemand beleidigt. 

Da wir am Sonntag nach Fedderwardersiel fuhren, um, wie weiter oben schon erwähnt, mit dem Ausflugsschiff Wega II eine "Wattenmeerfahrt mit Netzfang" zu machen, hatten wir erst am Montag Gelegenheit, uns einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das dritte Team das Vormittagsprogramm im Kirchenzelt gestaltete. Der erste Eindruck lautete: Das neue Team – das wiederum aus einer jungen und einer nicht mehr ganz so jungen Frau bestand – wirkte netter und den Kindern zugewandter als das der Vorwoche, dafür war aber das Bastelangebot noch simpler und einfallsloser, und außer Basteln wurde weiterhin überhaupt nichts geboten – keine Begrüßungsrunde, keine Spiele, keine Geschichte, keine Musik. Dazu wird weiter unten – im Gesamtfazit – noch mehr zu sagen sein, aber sprechen wir erst mal über das Bastelangebot am Montag: In der Programmankündigung hatte es geheißen, es sollten "Papierboote und Segelschiffe" gebastelt werden; das "und" in dieser Formulierung ließ, ebenso wie die (vermutlich KI-generierte) Illustration dazu, die Hoffnung aufkommen, man könnte dort womöglich schwimmfähige Holzboote bauen, aber tatsächlich wurden nur Papierboote gefaltet – die man auf Wunsch mit einem Eisstiel als Mast und einem Segel aus Moosgummi ausstatten und ansonsten nach Herzenslust dekorieren konnte. Das war alles. 

Die Folge war, dass unser Jüngster schon nach der Hälfte der Zeit keine Lust mehr hatte und mich überredete, lieber mit ihm auf den Spielplatz zu gehen. Meine Liebste und das Tochterkind hielten etwa zwanzig Minuten länger durch. Insgesamt ließen sich in der Zeit, die wir an diesem Vormittag im Kirchenzelt verbrachten, vielleicht zwölf bis 15 Kinder dort blicken, von denen allerdings einige noch deutlich kürzer blieben als wir. 

Unsere Motivation, am selben Tag auch noch zum Nachmittagsprogramm zu gehen – das am Montag unter dem Motto "Ankommen. Durchatmen. Urlaub genießen" stand ("Den Alltag loslassen, zur Ruhe kommen, den Urlaub bewusst erleben") –, hielt sich daraufhin ziemlich in Grenzen, zumal wir ja wussten, dass dieses Nachmittagsprogramm von dem unsympathischsten Urlauberkirchen-Team gestaltet wurde, das wir bisher (letztes und dieses Jahr) erlebt hatten; dafür zeigte unser Tochterkind plötzlich Interesse, am Abend zum Bingo zu gehen, aber es gelang uns, das Thema auszusitzen. – Am Dienstagvormittag sollten laut Programmankündigung Windlichter mit Sand und Muscheln gestaltet werden; das Tochterkind hatte Lust darauf, der Jüngste nicht. Also teilten wir uns auf: Meine Liebste ging mit dem Jüngsten auf den Spielplatz am Strand und ich mit der Großen zum Kirchenzelt. Wir kamen etwas zu früh dort an, das Zelt war noch zu; trotzdem waren wir nicht die ersten, die sich dort einfanden. Während wir auf das Team warteten, hatte ich den Gedanken, es sei schade, dass ich unsere mobile Lautsprecherbox nicht dabei hatte, denn sonst hätte ich für uns und die anderen Wartenden schon mal Musik anmachen können. Tatsächlich brachten die Teamerinnen, als sie dann kamen, die zur Urlauberkirchen-Ausstattung gehörende Box mit und machten Musik an. Was für Musik? Nun, es ging los mit dem beliebten Kindergottesdienst-Lied "Wir feiern heut ein Fest", das auch während der ersten Kirchenzelt-Woche regelmäßig zu hören gewesen war, aber danach kamen erst mal nur noch KiTa-Klassiker wie "Aramsamsam", "Händewaschen, Händewaschen muss ein jedes Kind", "Die Tante aus Marokko" oder "Die Maus auf Weltraumreise", dazu ein paar "Greatest Hits" von Volker Rosin, dem König der Kinderdisco ("Fliegerlied", "Das Lied über mich" u.a.). Ich komme noch darauf zurück, aber erst mal war das besser als gar keine Musik – es sorgte unmittelbar für bessere Stimmung. Den sechs Kindern, die schon zu Beginn der Veranstaltung da waren, wurde eine Begrüßungsmoderation zuteil, in der auch (kurz und eher oberflächlich, aber immerhin) auf das Tagesmotto "Gott schenkt Licht im Sturm" eingegangen wurde; auch die später dazukommenden Kinder (es waren insgesamt wohl wieder zwölf bis fünfzehn) wurden freundlich und, soweit die Teamerinnen sie schon kannten, namentlich begrüßt; die Teamerinnen unterhielten sich auch einzeln mit den Kindern, ermunterten sie, etwas über sich zu erzählen, und das Windlichter-Gestalten machte offenkundig Spaß und erzielte sehenswerte Ergebnisse. 

Wenn ich sage, insgesamt erreichte dieser Kirchenzelt-Vormittag in etwa das Niveau der zweiten und dritten Ferienwoche des Vorjahres, ist das wohl kein besonders großes Lob, aber immerhin eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vortag und erst recht gegenüber der Vorwoche, und man soll ja auch für kleine Dinge dankbar sein. Das Tochterkind sagte sogar ungerührt zu der jüngeren der beiden Teamerinnen, es sei "doch kein Fehler" gewesen, hier herzukommen. 

Aber noch einmal zurück zur Musikauswahl: Schon letztes Jahr im Kirchenzelt, und dann z.B. auch beim Kinderfasching in St. Bernhard Tegel-Süd, ist mir eine irritierende Nähe bzw. unscharfe Abgrenzung zwischen kommerziellen Kinderliedern und Sauf-und-Bums-Schlagern à la Ballermann aufgefallen. In diesem Zusammenhang habe ich bereits zu Protokoll gegeben, dass Helene Fischers "Atemlos" auch in einer Coverversion von Simone Sommerland und den Kita-Fröschen auf dem Markt ist; was ich nunmehr um die Information ergänzen darf, dass Simone Sommerland und die Kita-Frösche auch "Cowboy und Indianer" von Olaf Henning gecovert haben. Du musst jetzt ganz tapfer sein, Leser: Im diesem Lied geht es um Rollenspiele beim Sex. Aber klar, wenn man keine Anspielungen versteht, kann man auch denken, der Text eigne sich für ein Kinderlied. Duh

Abgesehen von diesem Ausrutscher war die Playlist im Kirchenzelt aber harmlos – zu harmlos, könnte man geneigt sein zu sagen. Als ich mich mit meinem Tochterkind über die Musikauswahl unterhielt und dabei anmerkte, das sei halt "einfach eine Playlist mit KiTa-Liedern", bekam die ältere Teamerin das offenbar mit und verstand es wohl so, dass meiner Großen die Musik zu langweilig sei, jedenfalls wechselte sie kurz darauf zu einer Playlist mit eher HipHop-orientierten Liedern der Gruppe Giraffenaffen. Wir gingen trotzdem ziemlich bald, nachdem das Windlicht fertig war. 

Am Nachmittag hätte es im Kirchenzelt allen Ernstes einen "maritime[n] Beauty-Workshop" gegeben, bei dem man "Peeling, Fußbad und Gesichtspulver" selbst herstellen können sollte; das fand ich so bizarr, dass ich fast Lust gehabt hätte, da mal hinzugehen, aber wir fuhren dann doch lieber nach Tossens an den Strand. – Am Mittwoch war im Kirchenzelt zwar Pausentag, aber dafür sollte am Nachmittag vor oder hinter dem Atrium eine Geschichte vorgelesen werden – womit offenbar die Gutenachtgeschichte, die von den Anfängen der Strandkorbkirche (damals unter dem Namen "Sandmännchen") bis vor wenigen Jahren fester Bestandteil der kirchlichen Urlauberbetreuung in Butjadingen gewesen war, in veränderter Form wieder aufgegriffen werden sollte. Es hätte mich ja schon interessiert, was für eine Geschichte da wohl vorgelesen wurde, aber angesichts des hochsommerlichen Wetters gaben wir dann doch einem weiteren Strandtag in Tossens den Vorzug. 

Am Donnerstag war dann schon unser Rückreisetag, aber da wir zwischen dem Räumen der Ferienwohnung und dem Mittagessen bei meiner Mutter noch etwas Zeit zu überbrücken hatten, schickten wir dir Kinder erst mal allein ins Kirchenzelt, wo laut Programmankündigung "Anker-Schlüsselanhänger und Ankerbilder" gebastelt werden sollten, und setzten uns mit unserem schweren Gepäck in die Tourist-Info. Als ich nach rund einer halben Stunde mal beim Kirchenzelt nach dem rechten schaute, fand ich es so gut besucht, wie ich es diesen Sommer – außer beim Filmabend – noch nicht erlebt hatte: Ungefähr 20 Kinder waren da, dazu einige Erwachsene; es wurde eifrig gebastelt, und im Hintergrund liefen die Giraffenaffen. Als ich nach einer weiteren Stunde wiederkam, um zu schauen, ob den Kindern noch nicht langweilig ist, waren allerdings nur noch acht Kinder übrig, und nachdem die Giraffenaffen-Playlist zu Ende war, wurde wieder dieselbe KiTa-Lieder-Playlist abgespielt wie am Dienstag. Insgesamt also keine bahnbrechenden neuen Eindrücke. 

Insgesamt waren wir in diesen Sommerferien somit zehnmal zum Vormittagsprogramm im Kirchenzelt – fünfmal beim ersten Team, beim zweiten nur zweimal, beim dritten dreimal – und damit im Ganzen zweimal öfter als im vorigen Jahr; dagegen waren wir beim neu eingeführten Abendprogramm nur einmal und beim ebenfalls neuen Nachmittagsprogramm überhaupt nicht. Fragen wir uns auf dieser zugegebenermaßen lückenhaften empirischen Basis trotzdem: Was, abgesehen vom neuen Logo (meine Kinder fanden das alte übrigens "irgendwie netter"), hat sich bei der Urlauberkirche in Butjadingen denn nun seit letztem Jahr verändert? Wenn man mich fragt, ob das Angebot der Urlauberkirche heuer insgesamt besser oder schlechter fand als letztes Jahr, dann muss ich ehrlicherweise sagen: teils-teils. Das, was ich letztes Jahr schon gut fand, ist tendenziell noch besser geworden, manches Schlechte noch deutlich schlechter, auch wenn ich das vor einem Jahr kaum für möglich gehalten hätte. Und was an neuen Angeboten hinzugekommen ist, die es im vorigen Jahr noch nicht gab, war zum größten Teil verzichtbar bis ärgerlich. Dieses Urteil gilt es natürlich noch genauer auszudifferenzieren, aber erst einmal ist festzuhalten: Das Gefälle zwischen dem Guten und dem Schlechten ist größer geworden. 

Zum Teil mag dieser Eindruck natürlich auf Zufall beruhen, schließlich geht das Vormittagsprogramm im Kirchenzelt nach unserer Abreise noch vier Wochen weiter (das Nachmittags- und Abendprogramm indes nur noch eine Woche), und da wohl im Wesentlichen jedes Jahr dieselben Teams an der Programmgestaltung beteiligt sind, nur nicht unbedingt in derselben Reihenfolge, ist es durchaus wahrscheinlich, dass die Teams, die wir voriges Jahr in unserer zweiten und dritten Urlaubswoche erlebt haben, dieses Jahr auch noch kommen – umgekehrt jedenfalls waren das zweite und das dritte Team der diesjährigen Saison letztes Jahr auch schon da, nur eben außerhalb unserer Urlaubszeit. Indes wirft gerade der Umstand, dass jedes Jahr im Wesentlichen dieselben Teams bei der Urlauberkirche mitmischen – und dabei insbesondere der Umstand, dass gerade das Team, dessen Angebot eindeutig das schlechteste war, schon zum achten Mal in Folge dabei war – die Frage auf, ob es eigentlich gar keine interne Qualitätskontrolle gibt. – Es geht hier wohlgemerkt nicht nur darum, dass ich grundsätzlich einen anderen Anspruch an Urlauberseelsorge habe – dazu habe ich ja schon allerlei gesagt und werde auch nochmals darauf zurückkommen –; vielmehr war das, was insbesondere das zweite Kirchenzelt-Team im Vormittagsprogramm ablieferte, auch nach den Maßstäben der Veranstalter einfach schlecht. Wenn man sich anzuschaut, wie das Kirchenzelt-Programm im Leuchtturm-Magazin angekündigt wurde, und das mit der Realität der zweiten Ferienwoche abgleicht, ergibt sich folgendes Bild: 

"Im Kirchenzelt wird gesungen, gebastelt, Geschichten gehört, gespielt, geklönt, sich getroffen, neue Menschen kennen gelernt etc., eben alles, was den Urlaub bereichert."

Und in der dritten Woche war das auch nur graduell anders. – Sagen wir's zur Sicherheit noch einmal ganz deutlich: Dagegen, dass im Kirchenzelt gebastelt wird, ist – auch wenn ich persönlich schon als Kind nie besonders viel Lust zum Basteln hatte – grundsätzlich überhaupt nichts einzuwenden, die Kinder (also sowohl meine als auch die anderen, die ins Kirchenzelt kommen) finden das meistens durchaus gut. Die Probleme fangen aber schon damit an, dass das Bastelprogramm in der Regel nicht ausreicht, um die Dauer der Veranstaltung (zwei Stunden!) sinnvoll auszufüllen; in Verbindung damit, dass es oft keine förmliche Eröffnung und keinen förmlichen Abschluss des Programms gibt, führt das dazu, dass es keine Motivation gibt, die ganze Zeit dazubleiben; wenn die Kinder aber einfach irgendwann kommen, so lange bleiben, bis sie mit ihrer Bastelarbeit fertig sind, und dann wieder gehen, entsteht kein Gemeinschaftserlebnis. Damit ist der Großteil dessen, was das Kirchenzelt-Programm der oben zitierten Passage aus dem Leuchtturm-Magazin zufolge angeblich leisten soll, schon mal so ziemlich zum Scheitern verurteilt. Was natürlich umso mehr gilt, wenn das Team ersichtlich gar kein Interesse daran hat, mehr oder Anderes als "betreutes Basteln" anzubieten. 

Übrigens fällt es auf, dass außerhalb des Campingplatzes und seiner unmittelbaren Umgebung kaum für das Urlauberkirchen-Programm geworben wird – nicht einmal in der Kirche, etwa durch ein Plakat im Schaukasten oder Flyer im Eingangsbereich; könnte das vielleicht darauf schließen lassen, dass ohnehin nicht damit gerechnet wird, dass die Zielgruppe der Urlauberkirche in den Gottesdienst kommt? Das zieht natürlich die Frage nach sich, was für eine Zielgruppe das Angebot überhaupt hat. Diesbezüglich ist mir aufgefallen, dass verhältnismäßig viele Kinder, die wir schon im vorigen Jahr im Kirchenzelt getroffen hatten, wieder dabei waren und/oder dass die Teamer sie schon aus früheren Jahren kannten. Ein bisschen drängt sich da der Eindruck auf, die Teilnehmer rekrutierten sich ebenso wie die Teams aus einem recht überschaubaren "Pool" von Familien mit ähnlichen Vorstellungen und Interessen. Und dafür wird der ganze Aufwand betrieben? – Ein bisschen sarkastisch-polemisch zugespitzt könnte man sagen, gerade so sei die Urlauberkirche repräsentativ für den post-volkskirchlichen Normalbetrieb, für den es insgesamt alles andere als untypisch sei, dass der Löwenanteil der Ressourcen für die Interessen einer sehr eng eingegrenzten Zielgruppe aufgewendet wird – man frage nur mal Erik Flügge. Aber ein bisschen weh tut es schon, wenn extra ein neues Logo designt wird (woraufhin natürlich sämtliche Fahnen, Beachflags, Aufsteller, Autoaufkleber usw. ausgetauscht werden müssen), T-Shirts und Kapuzenpullis für die Teamer angefertigt werden und so viele Bastelmaterialien angeschafft werden, dass neben dem Veranstaltungszelt ein gleich großes Materiallager-Zelt aufgebaut werden muss, und am Ende bastelt man doch nur mit denselben Kindern wie im letzten Jahr denselben Tinnef wie im letzten Jahr. 

So gesehen ist es dann auch nicht verwunderlich, dass das Programm nicht besser ist, als es nun mal ist: Um den Zweck zu erfüllen, auf den es offenbar ausgerichtet ist, braucht es nicht besser sein. Oder andersherum ausgedrückt, wenn es bei unveränderter konzeptioneller Ausrichtung qualitativ besser wäre, wäre es trotzdem zu nichts anderem gut als dazu, den Kindern von Leuten, die sich der Institution Kirche noch irgendwie verbunden fühlen, an religiösen Inhalten aber eher mäßig interessiert sind, "positive Erlebnisse im Zusammenhang mit Kirche" zu ermöglichen. Im Idealfall trägt das dazu bei, dass diese Kinder, wenn sie groß sind, nicht aus der Kirche austreten und ihre eigenen Kinder auch wieder taufen und zur Erstkommunion gehen lassen. Das ist Bestandskundenpflege auf niedrigstem Niveau. 

Es ist wohl recht vielsagend, dass von den insgesamt fünf Urlauberkirchen-Teams, die wir in diesem und im vorigen Sommer erlebt haben, nur eins diesen konzeptionellen Rahmen überschritten und signifikant mehr als "betreutes Basteln" angeboten hat. Das betrifft einerseits die Überzeugung, dass ein Kinderprogramm, das sich explizit als kirchlich zu erkennen gibt, seinen Teilnehmern getrost katechetische Inhalte (in altersgerechter Darbietung natürlich) zumuten darf; es betrifft aber auch und nicht zuletzt die Struktur des Programms: Die Kinder bekommen Namensschilder, damit man sie namentlich ansprechen kann; es gibt eine allgemeine Begrüßung, Spiele, bei denen die Kinder miteinander interagieren "müssen", einen katechetischen "Erzählteil", in den die Kinder mit ihrem Wissen aktiv einbezogen werden, und dann wird gebastelt – wobei die jeweilige Bastelarbeit einen nachvollziehbaren Bezug zum Thema der Katechese hat und somit zu deren Vertiefung dienen kann. – Es war ein Glücksfall, dass gerade dieses Team sowohl letztes als auch dieses Jahr innerhalb unserer Urlaubszeit "im Dienst" war; und ich hatte den Eindruck, dass ihr Programm in diesem Jahr noch besser durchdacht und strukturiert war als im Vorjahr, obwohl es mir auch da schon gut gefallen hatte. Das war es hauptsächlich, was ich weiter oben mit der Einschätzung meinte, das Gute am Urlauberkirchen-Programm sei tendenziell noch besser geworden. – Jedenfalls sieht man hier, wie man den von den Veranstaltern vorgegebenen Rahmen inhaltlich füllen und ausgestalten kann, ohne ihn komplett zu sprengen; das ändert jedoch nichts an dem Gesamteindruck, dass eine katechetische und/oder spirituelle Ausrichtung der Urlauberkirchen-Angebote von Veranstalterseite gar nicht gewollt ist. Oder anders ausgedrückt – wie besonders das Nachmittagsprogramm zeigt, das ja vorrangig geeignet wäre, auch Jugendliche, junge Erwachsene und Familien anzusprechen –, wir haben es da mit Leuten zu tun, deren Vorstellung von "Spiritualität" nicht über Wellness-, Beauty- und Kreativangebote hinausgeht.  (Ich hatte diesen Artikel schon so gut wie fertig, da erreichte mich die Information, dass in der kommenden Woche im Nachmittagsprogramm in Burhave u.a. Qi Gong angeboten wird. Noch Fragen?)

Gleichzeitig muss man einräumen, dass auch unser "Gegenprogramm" – das intentional ja eigentlich gar kein Gegenprogramm sein sollte, sondern eine Ergänzung, aber angesichts des angesprochenen fundamentalen Gegensatzes zwischen "Bestandskundenpflege" und "Neuevangelisierung" letztendlich wohl doch ein Gegenprogramm war – ein paar Nummern kleiner ausgefallen ist, als ich es mir vorgestellt oder gewünscht hätte: Unterm Strich blieben da nur zwei Lobpreisandachten im Bürgerobstgarten und die Mitgestaltung der Musikauswahl in der ersten Kirchenzelt-Woche. Während ich diese Aktionen als durchaus gelungen betrachte, denke ich mir doch, es wäre eigentlich noch mehr drin gewesen – angedacht war ja z.B. "Kinderwortgottesdienst auf dem Spielplatz am Strand, ggf. mit Kinderlobpreisdisco". Hätte man wahrscheinlich mit wenig Aufwand hinbekommen können; dafür, dass es dazu trotzdem nicht gekommen ist, könnte man eine Reihe von Gründen anführen (zu denen ehrlicherweise auch gehört, dass wir ja schließlich auch Urlaub machen wollten), aber die Ideen, die wir dazu hatten, sind ja "nicht weg" und können zu einem späteren Zeitpunkt, mit besserer Planung und gründlicherer Vorbereitung, wieder aufgegriffen werden. Dass wir kaum eine Möglichkeit hatten, effektiv für unsere Angebote zu werben – außer über Facebook was recht gemischte Ergebnisse brachte –, ist auch ein Erfahrungswert, aus dem man fürs nächste Mal lernen kann. Man könnt' zum Beispiel Flyer erstellen (und ggf. ein paar Plakate, bei denen man dann gucken müsste, wo wir die aufhängen dürfen); drucken könnte man die natürlich einfacher und auch billiger in Berlin als vor Ort, aber wenn man die Veranstaltungstermine nicht so lange im Vorfeld festlegen will oder kann, kann man im Flyerdesign ja ein Feld freilassen, in das man Datum und Uhrzeit handschriftlich eintragen kann. Ein besseres Flyerdesign als die von der Urlauberkirche dafür verwendete KI kriegen wir allemal hin. Eine weitere gute Werbemaßnahme wäre es, meine Gitarre in den Urlaub mitzunehmen, aber das ist natürlich eine Frage der Transportkapazität. Und schließlich und vor allem müsste insbesondere ich wohl einfach mutiger werden und gezielt Leute ansprechen, die ich nicht kenne oder gerade erst kennengelernt habe. Damit tue ich mich immer noch etwas schwer, aber ich arbeite dran. 

Wenn man in Betracht zieht, dass wir nicht nur ohne institutionelle Unterstützung, sondern geradezu gegen institutionelle Widerstände arbeiten mussten, würde ich sagen, unter dem Strich war das, was wir abgeliefert haben, für einen ersten Versuch ganz ordentlich. Es ist zwar nicht zu erwarten, dass wir es im nächsten Jahr weniger mit institutionellen Widerständen zu tun bekommen werden – vielleicht sogar eher im Gegenteil –, aber mit den Erfahrungswerten aus diesem Sommer im Rücken können wir die Aktion "Guerilla-Urlauberseelsorge" im nächsten Jahr besser planen und vorbereiten. Umso mehr, als ich bis dahin auch noch weitere Erfahrungen mit RKF, RKT usw. gesammelt und zwei Semester "Angewandte Theologie" im Fernstudium auf dem Buckel haben werde. Ich würd mal sagen: Es bleibt spannend!