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Samstag, 14. März 2026

Utopie und Alltag 16: Am Scheideweg der Kirchenentwicklung

Salvete, hochgeschätzte Leser! Während der Frühling Einzug hält und das höchste Fest der Christenheit näher rückt, gibt es im Wochenbriefing mal wieder allerlei Neues aus Nah und Fern zu berichten. Thematisch geht es, so möchte ich behaupten, wieder etwas bunter zu als vorige Woche, was aber wiederum auch nicht bedeutet, dass es gar keinen Roten Faden gäbe. Aber ich will eurem eigenen Urteil nicht vorgreifen, Leser...! 

 

Endlich mal wieder bei den Wölflingen

Wer meine Wochenbriefings regelmäßig verfolgt, wird in den vergangenen Wochen schon den einen oder anderen Stoßseufzer  von mir angesichts der Tatsache mitbekommen haben, dass wir (bzw. vor allem natürlich meine Tochter) so lange nicht bei den KPE-Wölflingen in Schöneberg gewesen sind; aber auch die Ankündigung, dass sich das im Monat März möglichst ändern sollte. Daher machte ich mich am ersten Samstag im März gleich nach dem Frühstück mit dem Tochterkind auf den Weg nach Schöneberg, während meine Liebste mit dem Jüngsten zu Hause blieb (und später auf den Spielplatz ging). 

Wie vorab per Mail mitgeteilt worden war, war die Leiterin des Mädchenstammes mit der "Gilde Koala" – d.h. mit den Pfadfinderinnen der Altersstufe 12-16 Jahre – zum KPE-Bundesfest nach Neu-Ulm gefahren, weshalb die Leitung dieses Treffen von einem Assistenten (der auch mit beim Herbstlager gewesen war und den ich schon "von früher" von den Haselhorster Pfadfindern kannte) übernommen wurde, unterstützt von einer Mutter von – wenn ich es richtig mitbekommen habe – ganzen drei Wölflingsmädchen. Weiterhin hatte es in der Ankündigung geheißen, am Tag vor dem "staatlichen Frauentag" hätten "zwei große Frauen aus der Christenverfolgung" ihren Gedenktag, nämlich die Hll. Perpetua und Felizitas; und diese sollten im Rahmen des Meutentreffens gewürdigt werden. Da war ich ja mal gespannt. – Jedenfalls war es für mein Tochterkind das erste Meutentreffen bei sonnigem und warmem Wetter; so ist das wohl, wenn man im Herbst anfängt... Und ausgesprochen gut besucht war das Treffen auch: Einschließlich einiger Mitglieder der Pfadfinderinnengilde, die nicht nach Neu-Ulm mitgefahren waren und stattdessen bei den Wölflingen mitmachten, erschienen 23 Mädchen zum Meutentreffen – davon neun in vollständiger Kluft, drei (die offenbar neu dabei waren) komplett in Zivilkleidung; dazwischen gab es diverse Abstufungen: Bei manchen fehlte zur kompletten Kluft nur das Barrett, bei manchen war das einzige "kluftmäßige" Kleidungsstück ein blauer Rock oder Hosenrock. Ein Halstuch trugen indes nur sieben oder acht der Mädchen, was wohl darauf schließen lässt, dass die meisten noch verhältnismäßig neu dabei sind; denjenigen Lesern, die sich mit pfadfinderischen Gepflogenheiten nicht auskennen, sei gesagt: So ein Halstuch kriegt man nicht einfach so, das wird einem feierlich verliehen, wenn man sein Wölflingsversprechen ablegt, und wenn ich die Regeln der KPE-Wölflinge richtig verstanden habe, muss man davor erst mal die "Leise Pfoten"-Prüfung ablegen. Das ist für meine Tochter also im Moment noch nicht aktuell, aber davon abgesehen denke ich schon, wir sollten uns bemühen, dass sie spätestens bis zum Frühlingslager (mehr dazu unten) ihre Kluft und Ausrüstung komplett hat.

Übrigens erfuhren wir bei unserer Ankunft, dass die Rudel-Zugehörigkeit innerhalb der Wölflingsmeute umstrukturiert worden war und mein Tochterkind nun im Grauen Rudel ist; ich glaube nicht, dass das irgendwelche besonderen Auswirkungen hat, außer dass der Rudelschrei der Grauen für mein Empfinden ein bisschen weniger cool ist ("Das Graue Rudel ist bekannt / durch Höflichkeit im ganzen Land" im Vergleich zu "Das Braune Rudel ist bedacht / und hat sein Bestes stets gemacht"). – Das Programm dieses Meutentreffens war recht abwechslungsreich: Wie angekündigt, wurde den Mädchen die Geschichte des Martyriums der Hll. Perpetua und Felizitas erzählt, woran sich ein an den Klassiker "Feuer – Wasser – Sturm" angelehntes Spiel (mit den Signalwörtern "Gefängnis", "Kuh", "Löwe" und "Engel") anschloss; daneben gab es u.a. Theaterspiel (zwei Gruppen sollten jeweils einen Begriff aus der Pfadfinderpädagogik szenisch darstellen), "Kim-Spiele" und eine Erste-Hilfe-Übung. Allerdings muss ich zu Protokoll geben, dass mir die ganze Truppe diesmal  etwas undiszipliniert vorkam. Vielleicht lag das zum Teil daran, dass ich den direkten Vergleich mit dem Kampfsporttraining meiner Kinder vor Augen hatte; jedenfalls kam mir dieser Gedanke, als die Wölflingsmädchen sich in einer Reihe nebeneinander aufstellen sollten und diese Reihe krumm und schief wurde. Das wäre beim Kampfsporttrainer des Tochterkindes sicher nicht passiert, und bei der Trainerin des Jüngsten wohl auch nicht. Die unordentliche Aufstellung war aber nicht das einzige und auch nicht das auffälligste Anzeichen dafür, dass die Mädchen es an diesem Samstag mit der Disziplin nicht so genau nahmen: Es wurde gequatscht, herumgealbert, einzelne Mädchen erklärten unverhohlen, sie hätten zu diesem oder jenem Spiel keine Lust oder sie wollten eine Übung nicht machen, wenn sie sie nicht für eine Abzeichenprüfung brauchten. Ich habe den starken Verdacht, dass sie sich so etwas bei ihrer eigentlichen "Akela" nicht erlaubt hätten; aber man kennt das ja auch aus der Schule, dass manche Schüler glauben, einem Vertretungslehrer könne man ungestraft auf der Nase herumtanzen. Na, schauen wir mal, wie's wird, wenn Akela aus Neu-Ulm zurück ist.

Um nun aber noch einmal aufs Frühlingslager zurückzukommen: Dieses soll am langen Wochenende ab Christi Himmelfahrt stattfinden (weshalb ich es insgeheim und mit Augenzwinkern "Himmelfahrtskommando" getauft habe); allemal eine gute Alternative zum zeitgleich in Würzburg stattfindenden Katholikentag. Einladung und Anmeldeformular wurden in der ersten Märzwoche verschickt, der Ort steht indes noch nicht fest, aber irgendwo "in Brandenburg" soll es sein. Anmelden soll man sich gleichwohl möglichst bis zu den Osterferien, und ich denke, das werden wir auch tun; und dann sollte ich demnächst mal mit der Leiterin darüber reden, ob ich wieder als Küchenhelfer mitkommen kann. Ich wüsste allerdings eigentlich nicht, was dagegen sprechen sollte, und freue mich schon darauf.


Die Kirche lebt: Redditio Symboli in St. Joseph Siemensstadt 

Am 3. Fastensonntag fuhren wir wieder einmal nach Siemensstadt zur Messe, in der Erwartung, dass da mal nichts Besonderes anstehen würde (nachdem vorigen Sonntag KiWoGo und davor Erneuerung des Taufversprechens der Erstkommunionkinder gewesen war) – aber schon beim Betreten der Kirche stellten wir fest, dass wir uns da wohl geirrt hatten, denn auf der Seite, auf der wir normalerweise sitzen, waren die ersten Bankreihen für "Taufbewerber und Konvertiten" (und deren Angehörige, darf man annehmen) reserviert, und auch sonst war die Kirche voller als gewöhnlich. – Neben dem, wie ich immer gern sage, "örtlich zuständigen" Pfarrvikar war als Konzelebrant ein Pfarrvikar der Pfarrei St. Maria Berliner Süden mit von der Partie, dazu ein Diakon, der kurz vor der Priesterweihe steht. Bei der Begrüßung erklärte der Hauptzelebrant, in dieser Messe werde es "ein paar Riten der Übergabe" für die anwesenden Tauf- und Konversionsbewerber geben: "Wir als Gemeinde, als Kirche werden ihnen das Glaubensbekenntnis übergeben, diesen Schatz der Liebe, den Gott vorbereitet hat." Zugunsten dieser "Riten der Übergabe" fiel die Predigt recht kurz aus (ca. fünf Minuten), und inhaltlich kam mir das meiste aus früheren Predigten desselben Priesters zu diesem Evangelium (Johannes 4,5-29.39, die Begegnung Jesu mit der Samariterin am Jakobsbrunnen) recht bekannt vor, aber es schadet sicher nicht, das mehrmals zu hören. Ein paar Sätze, die bei mir besonders hängen blieben, lauteten:

"Gott wartet auf jeden von uns da, wo er scheinbar am weitesten entfernt ist – wo wir müde sind, wo wir unsere Lasten tragen. Dort ist Gott und dort wartet Er auf uns."

Und: 

"Taufen ist nicht ein bisschen reinwaschen. Taufen ist eine Quelle der Liebe in uns, die sich Heiliger Geist nennt und uns ein neues Leben schenkt."

Im Anschluss an diese Kurzpredigt erteilte der Pfarrvikar einem Mitglied einer der Neokatechumenalen Gemeinschaften innerhalb der Gemeinde, einem Mann ungefähr in meinem Alter (bzw. ein paar Jahre älter), das Wort: Dieser werde, so erklärte der Priester einleitend, "heute seine Redditio machen: Er wird das Glaubensbekenntnis anhand seiner Lebensgeschichte zurückgeben." Wie ich glaube verstanden zu haben, handelt es sich bei dieser Redditio Symboli um eine liturgische Besonderheit des Neokatechumenalen Weges, die aber auf Vorbilder aus der frühen Kirche zurückgehen soll. Man könnte es beschreiben als eine Form des Glaubenszeugnisses, bei der die einzelnen Sätze des Apostolischen Glaubensbekenntnisses zur persönlichen Lebens- und Glaubenserfahrung in Beziehung gesetzt werden. Wie dem auch sei, ich fand das, was der Mann aus seinem Leben erzählte, ausgesprochen faszinierend, und auch meine Tochter wirkte sehr interessiert. – Auch daraus möchte ich ein kleines Zitat bringen, nämlich zum Thema Beichte: Der Sprecher verglichen die Wirkung des Empfangs des Sakraments der Versöhnung damit, bei einem Fahrrad "Luft aufzupumpen und die Kette zu schmieren" und daraufhin festzustellen: "Es geht zwar bergauf, aber es geht viel leichter."

Bei den anwesenden Taufbewerbern handelte es sich übrigens um sieben junge Erwachsene und einen älteren Mann, und als sie zum Effata-Ritus in den Altarraum traten, überkam mich das ausgesprochen bewegende Gefühl, live die Erneuerung der Kirche mitzuerleben. Einen kleinen Ausschnitt davon jedenfalls, aber gerade das macht es ja so bewegend. Währenddessen erscheinen bei häretisch.de Artikel mit Überschriften wie "Studie: Bedeutung von Religion nimmt weltweit ab" oder "Forscherin: Sehe keine breite Rückkehr zur klassischen Kirchenreligion", und man wird den Eindruck nicht los, dass sich darin ein verqueres Wunschdenken offenbart. – Natürlich, wenn man vorrangig auf die Kirche als Institution oder, noch schärfer gesagt, als Unternehmen blickt und das Thema Kirchenentwicklung unter quasi-betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet, dann kann man sicherlich mit einigem Recht argumentieren, der angebliche religiöse Boom in der Generation Z sei ein überschätztes bzw. von interessierten Kreisen übertrieben dargestelltes Phänomen; denn sicherlich ist die Zahl der Erwachsenentaufen und Konversionen weit davon entfernt, die Zahl der Austritte auszugleichen. Es ist also auf absehbare Zeit nicht damit zu rechnen, dass die Neubekehrten aus der Generation Z den Trend, dass die Kirche hierzulande – wie auch sonst in der "westlichen Welt", aber im Gegensatz zur übrigen Welt – zahlenmäßig kleiner und gesellschaftlich marginalisierter wird, aufhalten oder gar umkehren könnten; aber sie verändern die Kirche auf andere Weise, und ich glaube, dass das der wesentliche Grund dafür ist, dass häretisch.de und Co. diese Entwicklung partout klein- und/oder schlechtreden wollen: Aus der Sicht derer, die die Zukunftsfähigkeit der Institution Kirche darin sehen, dass sie anschlussfähig an die säkulare Gesellschaft bleiben müsse, dampft der Zug entschieden in die falsche Richtung, und deshalb wird neuerdings wieder einmal verstärkt vor der Vision einer "kleinen, sektenähnlichen Kirche" gewarnt, in der "nur Konservative bis Fundamentalisten übrig bleiben". Mehr noch: Wenn man die Auffassung vertritt, im Interesse der besagten Anschlussfähigkeit an die Gesellschaft müsse die Kirche ihre Glaubenslehre gründlich umkrempeln oder lieber gleich ganz auf eine verbindliche, definierte Glaubenslehre verzichten – eine Forderung, mit der Mancher im Grunde vielleicht nur seinen eigenen Glaubensverlust bemänteln will –, dann ist es sicherlich irritierend und sogar schmerzhaft zu sehen, dass es gerade die vielgeschmähte Glaubenslehre ist, die junge Menschen zur Kirche hinzieht, und dass die vermeintlichen "Reformer" diejenigen sind, die für ein dem Untergang geweihtes Bild "von Kirche" stehen. Um's mal etwas polemisch auf den Punkt zu bringen: Wer im (jungen) Erwachsenenalter zum Glauben an Jesus Christus findet und dann ausgerechnet in die katholische Kirche eintritt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit andere Prioritäten, als an der Seite altgedienter kfd-Funktionärinnen gegen das Patriarchat zu kämpfen. 

 

Update Religionspädagogik 

Dass ich mich seit Anfang des Jahres, oder eigentlich schon seit der Woche "zwischen den Jahren", mit dem Gedanken trage, ein Studium der Religionspädagogik aufzunehmen, mit dem Ziel, im Erzbistum Berlin Gemeindereferent zu werden, mag manchen Lesern Anlass zur Hoffnung, anderen eher zu Befürchtungen gegeben haben und vielleicht die meisten einfach nur zu ungläubigem Kopfschütteln veranlasst haben. Indes verdichten sich die Anzeichen, dass daraus tatsächlich etwas werden könnte. Nach meiner Teilnahme am "Bewerbendentag" vor mittlerweile drei Wochen war ich noch einmal zu einem Gespräch mit zwei Mitarbeiterinnen des Erzbischöflichen Ordinariats eingeladen worden; dieses Gespräch war am Montag, und ich habe es als ausgesprochen positiv empfunden. Mir wurde sogar geraten, ich solle mich mal bei der Katholischen Hochschule für Sozialwesen erkundigen, ob ich trotz bereits abgelaufener Bewerbungsfrist eventuell noch ins demnächst beginnende Frühjahrssemester 'reinrutschen könnte; das habe ich getan, was zunächst in einem ausgesprochen netten Gespräch mit einem Professor resultierte, aber laut Auskunft der Abteilung Studierendenservice ist der Studiengang für das kommende Semester bereits überbelegt und es ist wohl eher unwahrscheinlich, dass ich da noch irgendwie "reinrutsche". Ein Studienbeginn zum Herbstsemester ist an dieser Hochschule nicht möglich, wohl aber in Paderborn oder Frankfurt (als Fernstudium); eine weitere Alternative wäre der Fernkurs Theologie, der in Würzburg angeboten wird. Das werde ich mir alles noch genauer ansehen müssen; parallel zur Bemühung um einen Studienplatz läuft derweil das Bewerbungsverfahren beim Erzbistum selbst, und nachdem mir per Mail mitgeteilt worden, welche Bewerbungsunterlagen ich vorlegen soll und bis wann, hatte ich in der zurückliegenden Woche schon einiges zu tun, die betreffenden Dokumente zusammenzutragen. Es wird also ernst, Freunde...!

 

Das Letzte Abendmahl als Krimi-Dinner

An den Nachmittagen der zurückliegenden Woche hatten wir ziemlich volles Programm: Am Montag war Omatag, am Dienstag hatten beide Kinder Kampfsporttraining, der Jüngste zusätzlich noch am Donnerstag und das Tochterkind am Freitag; und am Mittwoch war natürlich JAM. Schon als wir dort ankamen, hörten wir, dass die Mitarbeiterinnen diesmal etwas Besonderes vorbereitet hätten, und offenkundig bereitete es ihnen Sorge, dass sich bis etwa eine halbe Stunde nach Beginn der "gleitenden Ankunftszeit" erst sieben oder acht Kinder eingefunden hatten. Dann kamen aber doch noch einige mehr; am Ende waren es, wenn ich richtig gezählt habe, in den Altersgruppen der "Kids" und der "Minis" jeweils neun. 

Die besondere Attraktion bei diesem JAM war ein Krimi-Spiel im Stil eines Escape Rooms, das in zwei Varianten – eine einfachere für die Kleinen, eine anspruchsvollere für die Schulkinder – in verschiedenen Räumen des Gemeindezentrums stattfand; und dabei ging es, mit Blick auf das nahende Osterfest, um das Letzte Abendmahl und die Frage "Wer hat Jesus verraten?". – Da natürlich damit zu rechnen war, dass die Kinder (oder jedenfalls einige von ihnen) bereits wussten, wie der Verräter hieß, ging es allerdings nicht nur darum, den Namen des Täters zu ermitteln; vielmehr galt es mit Hilfe einer Reihe von Hinweisen herauszufinden, welches der im Raum verteilten Kuscheltiere welchen Jünger darstellte, wie die Sitzordnung am Abendmahlstisch war und dergleichen mehr, und wie es sich für einen Escape Room gehört, mussten auch Schlüssel gesucht werden. Für das Ganze hatten die Kinder 30 Minuten Zeit und mussten dazu als Team zusammenarbeiten.



Wie ich im Nachhinein in Erfahrung gebracht habe, ist dieses Spiel offenbar einem Buch mit dem Titel "Der geheimnisvolle Raum – Sieben Live Escape Games zur Bibel" entnommen; wobei "zur Bibel" offenbar relativ ist: Eins der anderen "Escape Games" in diesem Buch heißt "Luthers Entführung", und die Kurzbeschreibung des Spielinhalts lautet "Entführt Martin Luther, um sein Leben zu schützen!". Ich muss gestehen, "Entführt Martin Luther, um die Einheit der Kirche zu bewahren" würde mir besser gefallen, aber okay, lassen wir das. Auf der anderen Seite gibt's in diesem Buch auch ein Escape Game zu den Ägyptischen Plagen, und das könnte man eventuell für die anstehende Religiöse Kinderwoche gebrauchen, die unter dem Motto "Mensch, Mose" stehen soll. Behalten wir das mal im Auge...


Was ist denn bloß bei der KLJB los? 

Diese Zwischenüberschrift ist nicht von ungefähr als Frage formuliert: Ich weiß tatsächlich nicht, was da los ist, jedenfalls nicht so genau. Erstmals auf einen angeblichen Nazi-Eklat bei einer Veranstaltung des Oldenburgischen Landesverbands der Katholischen Landjugendbewegung (KLJB) aufmerksam gemacht wurde ich durch einen auf Facebook geteilten Artikel der Nordwest-Zeitung, von dem ich jedoch zunächst nur Überschrift und Teaser-Absatz lesen konnte, da der Rest hinter der Paywall verschwand. Bei der Münsteraner Bistumszeitung Kirche + Leben erging's mir genauso, und die offizielle Stellungnahme des KLJB-Landesvorstands scheint von dem Bestreben geprägt, sich mit maximaler moralischer Entrüstung von dem Vorfall zu distanzieren, dabei aber möglichst im Unklaren zu lassen, was eigentlich vorgefallen ist. Man kommt sich vor wie in einem viktorianischen Roman.

Irgendwie soll es jedenfalls bei von der KLJB ausgerichteten Quizveranstaltungen in Altenoythe und Falkenberg (beides im Landkreis Cloppenburg) "zu rechtsextremen Äußerungen bzw. Gesten gekommen sein" – was ja heutzutage so ziemlich alles Mögliche heißen kann, weshalb unter dem betreffenden Facebook-Beitrag von "NWZ Der Münsterländer" prompt jemand scherzte, da habe womöglich jemand "Zigeunerschnitzel" gesagt. Elf Facebook-Nutzer reagierten auf den NWZ-Artikel mit einem Lach-Emoji (der vermutlich auch bald als rechtsextreme Äußerung verboten wird), andere empörten sich darüber. Soweit also alles normal. Bei dem Versuch, Genaueres über den Fall herauszufinden, bin ich allerdings über die Information gestolpert, dass es einen ähnlichen Fall schon vor rund einem Jahr gegeben hat, ebenfalls bei einer Quizveranstaltung der KLJB Oldenburg, damals in Bühren (ebenfalls Landkreis Cloppenburg): Dabei "sollen zwei Gäste den Hitlergruß gezeigt haben", wie der NDR berichtete. Ebenso wie damals ermittelt die Polizei auch im aktuellen Fall wegen der Verwendung verfassungsfeindlicher Symbole. Wer aber hat die Vorfälle überhaupt bei der Polizei angezeigt? – Das war der KLJB-Landesvorstand selbst.

Die etwas weinerlich und passiv-aggrrssiv 'rüberkommende Stellungnahme des Landesvorstands ("Bereits auf der Landesversammlung 2024 haben wir mit dem einstimmig beschlossenen Positionspapier 'Klare Kante gegen Rechtsextremismus' deutlich gemacht, dass wir aktiv gegen rechtsextreme Tendenzen innerhalb unserer eigenen Strukturen vorgehen und für Demokratie und Menschenwürde einstehen.Diesem Anspruch werden wir auch in der aktuellen Situation gerecht") verweist jedenfalls auf ein Dilemma: Die KLJB ist ein Verband unter dem Dach des stramm linken und "woken" BDKJ, aber die Jugendlichen an der Basis sind zu einem signifikanten Teil ganz anders drauf. Und mit "anders drauf" meine ich nicht zwingend "rechts" oder gar "rechtsextrem", sondern vielleicht auch einfach nur "unpolitisch und vom Gemüt her eher konservativ". Gerade in Gegenden wie dem Oldenburger Münsterland, wo es – wie ich bei anderer Gelegenheit schon mal ausgeführt habe – nicht viele Angebote für Jugendliche gibt, die nicht entweder mit der katholischen Kirche oder mit der CDU (oft mit beiden) zu tun haben, muss man damit rechnen, dass nicht wenige einfach nur dabei sind, um Party zu machen. Nun kann man sicherlich mit einigem Recht sagen, von "einfach nur Party machen wollen" zu "Hitlergruß zeigen" sei es nicht gerade ein kurzer und gerader Weg; aber wer sich noch daran erinnert, selbst mal jugendlich gewesen zu sein, wird mir vielleicht in der Einschätzung zustimmen, dass die ohnehin alterstypische Lust an der Provokation und am Tabubruch durch kaum etwas so stark getriggert wird wie durch den permanenten Erwartungsdruck, sich zu Auffassungen zu bekennen, hinter denen man in Wirklichkeit nicht mit ganzer Überzeugung steht. Das führt dann beispielsweise dazu, dass – wie in den 80er Jahren geschehen – die Katholische junge Gemeinde (KjG) antiklerikales und religionskritisches Liedgut in ihre Liederhefte aufnimmt oder dass – wie im Sommer 2017 auf Usedom – bei einem katholischen Bistumsjugendtag Kondome verteilt werden, deren Verpackungen mit "frechen" Slogans geschmückt sind. Auf einem vergleichbaren Level von Provokation und Tabubruch würde ich es ansiedeln, wenn bei einer Veranstaltung eines Verbands, der sich mit großem Pathos den Kampf gegen Rechts auf die Fahnen geschrieben hat, als rechtsextrem eingestufte Äußerungen laut werden; jedenfalls erscheint mir diese Erklärung weitaus plausibler als die Annahme, da hätten sich echte, überzeugte Neonazis zu erkennen gegeben. Und aus diesem Grund erscheinen mir die Maßnahmen, die der KLJB-Landesvorstand in dieser Situation ergriffen hat – zusätzlich zu der bereits angesprochenen Anzeige bei der Polizei werden "die beteiligten Ortsgruppen bis auf Weiteres von Veranstaltungen der Landesebene, wie KLJB Quiz oder KLJB Ball, ausgeschlossen" – nicht nur überzogen, sondern vor allem kontraproduktiv. Einerseits bezweifle ich, dass man von dieser Angelegenheit noch viel hören wird – es steht wohl zu vermuten, dass sie ähnlich im Sande verlaufen wird wie der Vorfall im vorigen Jahr –, aber gleichzeitig denke ich, dass der oben angesprochene Konflikt zwischen der politisch-ideologischen Ausrichtung der Verbandsführung und den ganz anders gelagerten Interessen der Basis den Verband noch weiter beschäftigen und belasten wird, auf vielen Ebenen, auch in nicht so nachrichtenwürdiger Form. 


Update Bibelleseplan 

Mit meiner täglichen Bibellektüre bin ich weiterhin auf einem guten Weg, mir gegenüber dem "Altes Testament in einem Jahr"-Leseplan der EFG The Rock Christuskirche einen ausreichenden Vorsprung zu erarbeiten, um auch die in diesem Plan nicht enthaltenen Bücher innerhalb des laufenden Jahres zu schaffen. Eins habe ich sogar schon geschafft, nämlich das Buch Kohelet (auch genannt "Prediger Salomo"); im Moment bin ich beim Hohenlied, das der mir vorliegende Leseplan ebenfalls nicht berücksichtigt – ob das etwas mit Prüderie zu tun hat, sei mal dahingestellt. Bei den Geschichtsbüchern habe ich das Buch Exodus ganze drei Wochen früher zu Ende gelesen als im Plan angegeben; und "für danach" sieht der The Rock-Bibelleseplan erst mal nicht das Buch Leviticus vor, sondern das Buch Hiob (Ijob). Ob das eine Maßnahme gegen die bekannte Gefahr darstellen soll, dass den Lesern im Buch Leviticus die Luft ausgeht, oder ob andere Erwägungen dahinterstecken, weiß ich nicht, aber ich denke mir, ich probier' das einfach mal. In vier Wochen sprechen wir uns wieder... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Im Übrigen, mein Sohn, lass dich warnen! Es nimmt kein Ende mit dem vielen Bücherschreiben und viel Studieren ermüdet den Leib. Hast du alles gehört, so lautet der Schluss: Fürchte Gott und achte auf Seine Gebote! Das allein hat jeder Mensch nötig. 

(Kohelet 12,12f.) 


Ohrwurm der Woche 

Deine Freunde: Ordentlich durcheinander 

Ja, ich gebe es zu: In letzter Zeit höre ich mir, wenn ich vormittags bis gegen Mittag allein zu Hause bin, gerne mal Musik (oder auch Hörbücher, z.B. "Wir Kinder aus Bullerbü") auf dem Galakto-Player der Kinder an, und dabei hat sich das Greatest Hits-Album der Hamburger Gruppe Deine Freunde zu einer schier unerschöpflichen Quelle von Ohrwürmern entwickelt. Folglich war es gar nicht so einfach, sich für einen Song zu entscheiden; aber "Ordentlich durcheinander" (der übrigens als einer von vier Bonus-Tracks exklusiv auf der Galakto-Edition des Albums vertreten ist) gehört auf jeden Fall zu meinen Favoriten, schon allein wegen des wirklich cleveren Texts. – Interessant finde ich auch die Entstehungsgeschichte der Gruppe Deine Freunde: Rapper Florian Sump war nämlich früher mal Schlagzeuger und Songschreiber der Gruppe Echt, arbeitete danach in verschiedenen Gelegenheitsjobs und wurde 2008 Erzieher an einer Hamburger KiTa. Angeregt durch dieseTätigkeit, kam er 2010 auf die Idee, ein Kinderlied mit dem Titel "Schokolade" zu schreiben und einzuspielen, und tat sich zu diesem Zweck mit dem DJ und Produzenten Markus Pauli zusammen, der zuvor u.a. für Fettes Brot gearbeitet hatte. Für Gesang und gutes Aussehen holten sie Lukas Nimscheck mit ins Boot, veröffentlichten 2012 ihr erstes Album "Aus'm Häuschen", und der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte... 


Vorschau/Ausblick

Auch heute war ich wieder mit dem Tochterkind beim Wölflingstreffen, und darüber wird es auch wieder einiges zu berichten geben, umso mehr, als da diesmal einiges anders war als in einer "normalen" Meutenstunde. Dass das aktuelle Wochenbriefing zu einer etwas ungewohnten Uhrzeit erscheint, ist derweil dadurch bedingt, dass wir nachher noch zu einer Vorabendmesse "müssen" – aus der Erwägung heraus, dass wir morgen wohl keine Zeit für den Kirchgang haben werden denn da ist, wie schon angekündigt, großer Kindergeburtstag, und nebenbei werde ich auch noch einen Kuchen backen müssen, um ihn dem Jüngsten am Montag in die KiTa mitzugeben. Die Nachfeier bei und mit den Omas, ebenfalls am Montag, werde ich hingegen vielleicht lieber schwänzen, um mich stattdessen um meine Bewerbungsunterlagen zu kümmern. Im Übrigen fallen zwei bemerkenswerte Festtage in die kommende Woche, nämlich am Dienstag der St. Patrick's Day und am Donnerstag das Hochfest des Hl. Josef. Während die Frage, ob im "City Pub" in Siemensstadt der St. Patrick's Day zünftig gefeiert wird, allem Anschein nach eher zu verneinen ist, gibt es in der nahegelegenen Kirche St. Joseph am Donnerstag immerhin eine Abendmesse zum Patronatsfest, und ich denke, dass ich da hingehen werde – wenn auch wahrscheinlich ohne die Familie; es ist angedacht, im Anschluss an die Messe ein kurzfristiges Teamtreffen für den Religiösen Kindertag zum Thema Abraham abzuhalten, der schon wieder bedenklich nahe gerückt ist. Wie viele Teammitglieder zu diesem Termin erscheinen werden, ist allerdings noch ungewiss.

Als ein weiteres Thema für das nächste Wochenbriefing, vielleicht aber auch für einen eigenständigen Artikel, könnte sich eine Folge des Eule-Podcasts erweisen, in der Philipp Greifenstein im Gespräch mit Annika Schmitz (ehemals y-nachten, jetzt Herder Korrespondenz) und Louis Berger (ehemals u.a. Publik Forum und taz, jetzt Kirche + Leben) eine Art Bilanz des Synodalen Weges zu ziehen versucht. Das ist natürlich eine Expertenrunde, bei der sich wieder einmal der neulich schon mal zitierte Kunstkritiker-Witz aufdrängt, aber gerade deshalb könnte es ja vielleicht ganz witzig sein. Bisher habe ich nur mal kurz 'reingehört und mich dabei hauptsächlich über Fipsi Greifensteins kieksige Stimme amüsiert. Na, das Gute daran ist, wenn man ihn hört und nicht nur liest, läuft man nicht so leicht Gefahr, ihn zu ernst zu nehmen... 


Mittwoch, 11. März 2026

Drei Jahre Comeback: Eine Zwischenbilanz

Wie doch die Zeit vergeht: Drei Jahre ist es schon her, dass ich mit einem Artikel über lokalpolitische Verwerfungen um die Anbringung einer Regenbogenflagge an einem kirchlichen Gebäude in meinem Heimatdorf Burhave meinen Blog reaktivierte, der zuvor allzu lange brachgelegen hatte. Seitdem sind auf "Huhn meets Ei" bis zum heutigen Tag 285 neue Artikel erschienen, davon allein 105 seit dem zweijährigen Comeback-Jubiläum; und auch die Zugriffszahlen haben sich recht erfreulich entwickelt: Tatsächlich war der Februar 2026 sogar mit einigem Abstand der erfolgreichste Monat in der Geschichte dieses Blogs – auch wenn die Tatsache, dass laut Blogstatistik auffallend viele Zugriffe aus Singapur und Vietnam erfolgten, den Verdacht nahelegt, dass da zu einem gewissen Anteil irgendwelche mysteriösen Bots im Spiel sind. Aber das geht anderen "Content Creators" ja sicherlich auch nicht anders. 

Als ich mich vor drei Jahren zum Wiederauftauchen aus meiner Blog-Abstinenz entschloss, sah die Welt im Großen und Ganzen, aber auch mein Leben noch erheblich anders aus als heute: Franziskus war Papst, Joe Biden US-Präsident, Olaf Scholz Bundeskanzler (auch wenn ich davon nicht sonderlich viel wahrnahm) und Karl Jasbinschek Pfarrer von St. Willehad Nordenham/Butjadingen/Stadland, und was mein persönliches Leben betrifft, war mein Alltag zu einem sehr großen Teil von der Betreuung meiner beiden Kinder geprägt, auch wenn die Einschulung meiner Großen an einer freien Alternativschule bereits in greifbare Nähe gerückt war. Inzwischen ist sie im dritten Schuljahr und der Kleene geht seit gut neun Monaten in die KiTa, auf eigenen Wunsch. Das hat natürlich gewisse Freiräume für andere Beschäftigungen geschaffen. 

Übrigens stehen in diesem Kalenderjahr noch weitere Jubiläen an – im Juni "10 Jahre Punkpastoral", im September das 15jährige Bestehen von "Huhn meets Ei" insgesamt –, daher möchte ich mich im vorliegenden Jubiläumsartikel wesentlich auf die Themen konzentrieren, die speziell seit dem Comeback im März 2023 prägend für meinen Blog sind; und dazu bietet es sich wohl einigermaßen an, diesen Artikel als eine Art Update zu demjenigen zum zweijährigen Comeback-Jubiläum zu gestalten. Dieser war nicht ohne Grund mit einem Foto der Kirche St. Joseph in Berlin-Siemensstadt illustriert, denn meine ehrenamtliche Tätigkeit in der dortigen Gemeinde war das wesentlichste "Neue" gegenüber der Zeit vor der "Großen Blogpause". Zu dem Zeitpunkt, als ich den "Zwei Jahre Comeback"-Artikel schrieb, rechnete ich allerdings damit, dass mein dortiges Engagement sich in Kürze dem Ende zuneigen könnte, denn ich stand da gerade in Verhandlungen darüber, mit meiner Familie in ein ehemaliges Pfarrhaus in einer brandenburgischen Kleinstadt zu ziehen und dort Aufbauarbeit zu machen. Aus diesem "Projekt Pfarrhausfamilie" ist aber bis auf Weiteres doch nichts geworden, stattdessen wohnen wir auch ein Jahr später immer noch in Berlin-Tegel und sind kirchlich in den benachbarten Ortsteilen Siemensstadt und Haselhorst aktiv. Wie lange das noch so bleiben wird, ist indes weiterhin nicht gewiss, denn in der Zwischenzeit haben sich wiederum andere interessante Optionen ergeben; aber erst mal der Reihe nach. 

Bereits vor einem Jahr hatte ich zu Protokoll gegeben, dass die ersten Anläufe, das Gemeindeleben in St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst mitzugestalten, wenig erfolgreich verliefen: Der Versuch, in St. Stephanus eine Krabbelgruppe aufzubauen, war schon vor meinem Blogger-Comeback im Sande verlaufen, und dem Versuch, ergänzend zur Pfadfindergruppe in St. Stephanus eine "Wichtelgruppe" für Kinder von 4-7 Jahren zu etablieren, erging es trotz hoffnungsvoller Anfänge nicht besser – stattdessen ging auch die Pfadfindergruppe an Leitermangel und schwankender Beteiligung ein. (Trotzdem hat, was vor einem Jahr noch nicht absehbar war, der Wichtelgruppen-Versuch auf verschlungenen Wegen doch noch Früchte gebracht, aber dazu später.) Gut entwickelt hat sich hingegen meine Mitarbeit im Arbeitskreis Kinderwortgottesdienst: An 22 Kinderwortgottesdiensten habe ich seither mitgewirkt, außerdem an zwei Kreuzwegandachten für Kinder, zwei "Bibelrallyes", zwei Krippenspielen, dem Kinderprogramm eines "Familientags" in St. Stephanus und einem Jugendeinkehrtag in der Spandauer Pfarrkirche Maria, Hilfe der Christen. Hinzugekommen ist seit letztem Herbst das Projekt "Religiöse Kindertage": Zwei Veranstaltungen dieses Formats haben bereits stattgefunden, die dritte ist auch schon nicht mehr fern, und auch wenn sich immer mal wieder konzeptionelle Differenzen zwischen mir und den anderen Teammitgliedern bemerkbar machen, sehe ich in diesem Format erhebliches Potential. Im kommenden Sommer werde ich außerdem, so Gott will und ich noch lebe, als Betreuer zu einer Religiösen Kinderwoche mitkommen. 

Gleichzeitig möchte ich nicht verschweigen, dass ich aus dem Umstand, dass aus dem Projekt "Pfarrhausfamilie" vorerst nichts geworden ist, im Prinzip gern die Konsequenz gezogen hätte, mein Engagement in St. Joseph Siemensstadt und St. Stephanus Haselhorst über den Bereich Kinderkatechese hinaus auszudehnen; Stichworte, die einem in diesem Zusammenhang in den Sinn kommen könnten, wären etwa "Gartenprojekt", "Lobpreis mit dem Stundenbuch" oder beispielsweise auch Lektorendienst. Aber da hat sich seit dem zweijährigen Comeback-Jubiläum überhaupt nichts getan. Gründe dafür gibt es vermutlich mehrere; eine gewisse Rolle spielt wohl schon der Umstand, dass wir nicht im Gemeindegebiet wohnen und allein deshalb nicht so gut innerhalb der Gemeinde vernetzt sind, wie es wünschenswert wäre. Aber vielleicht ist dieses Stagnieren meiner Bemühungen doch auch ein Indiz dafür, dass ich mich auf mittlere Sicht doch noch nach einem anderen Ort für die Verwirklichung meiner Visionen umsehen sollte. 

Bei dieser Gelegenheit sei angemerkt, dass die vorerst auf Eis gelegte "Option Portugal" – sprich: die während der Corona-Zeit aufgekommene Idee, nach Portugal auszuwandern und dort beispielsweise eine Pilgerherberge am Caminho Português zu eröffnen – im Laufe des zurückliegenden Jahres wieder Aufwind bekommen hat, wenn auch eher als Option für "irgendwann später mal"; und der Auslöser dafür war, dass wir erstmals in unserem Leben tatsächlich in Portugal waren, präziser gesagt in Matosinhos, einem Vorort von Porto. War schön da. Sehr viel näher als die Option, sich zu einem unbestimmten Zeitpunkt in der Zukunft dort niederzulassen, liegt indes eine ganz andere Option, die sich erst in den letzten recht unerwartet eröffnet hat: nämlich die Möglichkeit, Gemeindereferent im Erzbistum Berlin zu werden. Allerdings ist auch das nichts, was von jetzt auf gleich ginge: Erst mal müsste ich dazu ein Bachelorstudium in Religionspädagogik aufnehmen, und selbst wenn ich trotz bereits abgelaufener Bewerbungsfrist sofort und im Handumdrehen einen Studienplatz bekäme, würde es noch ein Jahr dauern, bis die studienbegleitende berufspraktische Ausbildung losginge. Aber immerhin habe ich schon mal ein paar recht erfreuliche und ermutigende Gespräche mit für dieses Thema zuständigen Mitarbeiterinnen des Erzbischöflichen Ordinariats geführt, war bei einem unerwartet spaßigen "Bewerbendentag" und stehe jetzt gewissermaßen in den Startlöchern, die nächsten Schritte zu unternehmen. Wenn sich die Dinge weiterhin so gut entwickeln, wie sie es bis jetzt getan haben, könnten sich also schon in einigermaßen absehbarer Zeit neue Betätigungsfelder für mich erschließen, aber wie schon gesagt: Ganz so schnell geht das nun auch wiederum nicht. Jedenfalls gedenke ich euch, o Leser, in meinen Wochenbriefings über die weiteren Entwicklungen auf dem Laufenden zu halten. 

Zwei Themen, die auf meinem Blog in jüngster Zeit wichtig geworden sind und in Zukunft noch weiter an Bedeutung zunehmen dürften, sind die Themen "Pfadfinder" und "Kampfsport". Nachdem, wie oben erwähnt, aus der Wichtelgruppe in Haselhorst nicht so richtig was geworden war, hatte mein Interesse an der Pfadfinderei – und insbesondere die Hoffnung, meine Kinder würden Interesse an der Pfadfinderei entwickeln – mich nie so richtig losgelassen, aber die Gelegenheit, in dieser Hinsicht mal konkret "Nägel mit Köppe" zu machen, fiel mir dann doch ohne eigenes Zutun in den Schoß, als ich Ende September letzten Jahres gefragt wurde, ob ich Lust hätte, mit meiner zu diesem Zeitpunkt noch nicht ganz acht Jahre alten Tochter an einem Wölflingsmädchen-Herbstlager der Katholischen Pfadfinderschaft Europas teilzunehmen: Ich könnte im Küchenteam mitarbeiten und meine Tochter sozusagen probeweise bei den Wölflingen mitmachen. Ich fragte erst mal meine Tochter, ob sie Lust darauf habe, und als sie ohne Umschweife bejahte, sagte ich zu. Dieses Herbstlager würde ich entschieden als ein Highlight nicht nur des Jahres 2025, sondern des gesamten Zeitraums seit meinem Blogger-Comeback bezeichnen. Inzwischen ist mein Tochterkind offiziell Mitglied eines in Berlin-Schöneberg ansässigen KPE-Stammes, und unser Jüngster geht mal dort, mal in St. Afra in Berlin-Gesundbrunnen, wo gerade erst ein neuer KPE-Stamm gegründet worden ist, zur Wichtelgruppe. – Mit dem Kampfsport hat es eine andere Bewandtnis: Meine Schwiegermütter hatten die Idee, Kampfsporttraining könnte eine gute Möglichkeit sein, die enorme Energie unseres Jüngsten in sinnvolle Bahnen zu lenken, und da er auch Lust darauf hatte, vereinbarten wir für ihn ein Probetraining an einer Kampfsportschule ganz in unserer Nähe. Das Probetraining – in der ersten Dezemberwoche 2025 – lief so gut, dass wir gleich anschließend einen Vertrag mit der Kampfsportschule machten, und seitdem trainiert der Kleene dort durchschnittlich etwa zweimal in der Woche. Anfang Februar machte dann die Große – auf eigenen Wunsch – auch mal ein Probetraining an dieser Kampfsportschule, mit dem Ergebnis, dass wir auch für sie einen Vertrag machten und sie nun ebenfalls mit großem Engagement bei der Sache ist. Über meine Eindrücke vom Kampfsporttraining der Kinder habe ich erst kürzlich einen separaten Artikel veröffentlicht, aber ich schätze, nachdem ich dort lediglich angedeutet habe, dass ich glaube und hoffe, Pfadfinderei und Kampfsporttraining könnten sich gegenseitig ergänzen, schätze ich, ich sollte mich demnächst mal ausführlicher dazu äußern, wo ich da die Gemeinsamkeiten sehe und was man aus den Beobachtungen, die ich da wie dort mache, über religiöse Erziehung in Familie, Pfarrgemeinde u.a. lernen könnte. 

Da ich übrigens das Wölflings-Herbstlager als ein Highlight der zurückliegenden drei Jahre bezeichnet habe, scheint es mir sinnvoll, auch noch einen Blick darauf zu werfen, was es in diesem Zeitraum sonst noch für Highlights gab. Damit meine ich wohlgemerkt eigene Erlebnisse, also nicht solche Highlights wie das Scheitern der Ampelkoalition oder die Wahl Papst Leos XIV. Auch die Reise mit der AIDA in den letzten Herbstferien "zählt nicht", eingedenk des Satzes "Anders als frühere Generationen [...] müssen sich die Menschen von heute ihre Lebenshöhepunkte im Reisebüro buchen" von Max Goldt, den ich nicht auf mir und meiner Familie sitzen lassen möchte (und übrigens heißt es auch in Douglas Couplands Kultroman Generation X "Purchased experiences don't count". – Was also waren dann, neben dem bereits genannten Herbstlager, die Erlebnis-Höhepunkte im Zeitraum seit meinem Blogger-Comeback? Ich würde sagen: die Berliner "Märsche für das Leben" 2023 und '24, jeweils im September (2025 war ich leider verhindert); das ökumenische Gebetsevent "eins in Christus" im Januar '24 (auch wenn es mir da zunächst gar nicht gefiel); das Väterwochenende in Zinnowitz im Mai '24; das 30-jährige Abi-Jahrgangstreffen im Mai '25; die Teilnahme an der Gemeindefreizeit der EFG The Rock Christuskirche im September '25; das Bandwochenende in Neufahrn bei Freising im November '25; und schließlich die Sternsingeraktion im Januar '26. Ich würde sagen, es ist recht auffällig, dass die Frequenz dieser Erlebnis-Höhepunkte im letzten Jahr im Verhältnis zu den zwei Jahren zuvor deutlich zugenommen hat; seien wir also mal gespannt, wie sich das weiter entwickelt! 

Da dies aber nun mal ein Blog-Jubiläum ist, darf auch ein bisschen Blogstatistik nicht fehlen. Schaut man sich die Top 10 der seit meinem Comeback erschienenen Blogartikel an – also diejenigen mit den meisten "Klicks" –, zeigt sich, dass sich gegenüber der Rangliste von vor einem Jahr gar nicht so viel verändert hat: Von den damaligen Top-10-Artikeln sind die ersten sieben auch jetzt noch in den Top 10, und was ihre Reihenfolge untereinander angeht, hat sich lediglich der Artikel "Auf einer Skala von Bischof Oster bis Maria 1.0" von Platz 3 auf 2 verbessert (zu Recht, wie ich finde; es steht viel Grundsätzliches und über den konkreten Anlass hinaus Relevantes drin), und "Bloggen als unehrenhafte Form des Journalismus" ist an den "Anfragen an die Pfarrei St. Willehad" vorbeigezogen (wofür Ähnliches gilt). Als einziger noch nicht ein Jahr alter Artikel neu in den Top 10 ist "Wie geht's eigentlich den CDU-Wählern unter meinen Lesern?" (vom 13.05.2025) auf Platz 4; ich schätze, das überdurchschnittlich große Leserinteresse an diesem Artikel ist auch in Relation dazu zu betrachten, dass ich mich sonst eher wenig zu im engeren Sinne politischen Themen äußere. Ein weiterer politischer Artikel, "Kommt nach dem Februar der Merz?" (vom 31.01.2025), hat sich im Laufe der letzten zwölf Monate von Platz 18 auf Platz 9 verbessert, und auf Platz 10 ist "Der Traum von der erneuerten Gemeinde, Teil 1" (vom 09.07.2023) geklettert – wieder mal ein "programmatischer" Artikel, zu dem ich übrigens anmerken möchte, dass seine Fortsetzung, die in der Blogstatistik sehr viel schwächer abschneidet, durchaus nicht weniger interessant ist

Hab ich sonst noch was Wichtiges vergessen? Höchstwahrscheinlich ja, aber wie schon gesagt, der nächste Jubiläumsartikel – dann mit dem thematischen Schwerpunkt "Punkpastoral" – ist ja schon nicht mehr fern, und in der Zwischenzeit könnt ihr gern das Kommentarfeld nutzen, um mich alles zu fragen, was ihr schon immer über mich und meinen Blog wissen wolltet. Im Übrigen bleibt mir nur zu hoffen, dass ihr mir auch in Zukunft gewogen bleibt...! 


Samstag, 7. März 2026

Utopie und Alltag 15: Von Schöpfung bis Verklärung

Servus, Leser! Die zweite Woche der diesjährigen Fastenzeit liegt hinter uns, und für mich war das eine recht anstrengende Woche – aber das meiste von dem, was daran anstrengend war, ist nicht unmittelbar "blogrelevant", und das, was daran blogrelevant war, bezieht sich zu einem großen Teil auf das vorige Wochenende: Da war erst Religiöser Kindertag und dann Kinderwortgottesdienst, und so konnte es nicht ausbleiben, dass dieses Wochenbriefing zu einem großen Teil im Zeichen des Themenbereichs Kinderkatechese steht. Mal wieder. Ich hoffe aber, dass auch diejenigen Leser, die keine eigenen Kinder haben und zudem auch weder beruflich noch ehrenamtlich mit Kindern zu tun haben, dennoch manches Anregende in dieser Ausgabe von "Utopie und Alltag" finden können – zumal ein Blick über den Tellerrand auf die "große" Kirchenpolitik auch wieder nicht fehlen darf. Und damit genug der Vorrede! 

Raffael, Die Verklärung (Ausschnitt, 1516-20; gemeinfrei)


Die Erde ist schön, es liebt sie der Herr 

Nein, dieses Lied – dessen Melodie übrigens auf einem im Original "Tous les Chémins" betitelten Chanson von "Sœur Sourire, der singenden Nonne" basiert – war nicht auf der Lobpreis-Playlist zum Thema "Schöpfung" vertreten, die ich für den Religiösen Kindertag am vorigen Samstag zusammengestellt habe; hingegen hätte ich durchaus in Erwägung gezogen, es auf der Gitarre einzuüben, um es im Rahmen der kleinen Andacht zu spielen, die den RKT eröffnete. In Absprache mit dem Gemeindereferenten spielte ich da dann aber doch lieber "Herr, du bist mein Leben" (GL 456). Nun aber erst mal der Reihe nach: 

Noch beim Vorbereitungsgespräch am Mittwoch hatte der Gemeindereferent mir mitgeteilt, einschließlich meiner beiden Kinder gebe es erst sieben Anmeldungen für den RKT; in den darauffolgenden Tagen stieg diese Zahl auf elf, und tatsächlich erschienen dann 15 Kinder – die meisten aus dem Erstkommunionkurs, dazu einige jüngere Geschwister. Die beiden Mädchen, die wir ursprünglich vom JAM kennen und mit denen wir im Januar Sternsingen waren, waren auch wieder mit dabei. Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einer kleinen Andacht in der St.-Stephanus-Kirche, mit einem Psalm, freien Fürbitten und Vaterunser; danach ging es, angesichts des fast frühsommerlichen Wetters (dabei war noch Februar!) erst mal in den Garten, wo einige bewegungsintensive Spiele gespielt wurden. Der eigentlich vorgesehene Ablaufplan wurde dafür ziemlich über den Haufen geworfen, aber okay, so ein Wetter musste man einfach ausnutzen, und es war nicht zu übersehen, dass die Kinder enormen Spaß hatten. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass der Gemeindereferent auch deshalb so unverdrossen noch ein Spiel und noch ein Spiel vorschlug, weil er sich damit in seinem Element und in sicheren Gewässern fühlte. Die im Ablaufplan vorgesehenen Spiele "für drinnen" entfielen dafür; dazu gehörte auch das Spiel "Reise nach Jerusalem", bei dem ich meine eigens für diesen RKT zusammengestellte Lobpreis-Playlist hatte zum Einsatz bringen wollen. Okay, dachte ich mir, lasse ich die Musik eben während des Bastelangebots im Hintergrund laufen. Dann fiel allerdings das Bastelangebot aus Zeitgründen auch noch weg – also spielte ich die Playlist schließlich während der Vorbereitungen fürs Mittagessen ab. Dabei handelte es sich um die folgenden Songs: 

Aber erst mal zurück zum Ablauf: Auf die Spiele sollte eine Einführung ins Thema "Schöpfung" folgen, unter drei Aspekten: "Die Schöpfung ist schön", "Die Schöpfung gehorcht Regeln", "Die Schöpfung ist für den Menschen gemacht". Bei der Vorbesprechung hatten wir uns überlegt, den ersten dieser Aspekte, der anhand eines Blumenstraußes demonstriert werden sollte, meiner Liebsten anzuvertrauen – die mich dann am Samstag beim Frühstück aus heiterem Himmel fragte: 

"Wie viel Zeit hab ich eigentlich für meinen Blumenstrauß-Impuls?" 

"Weiß nicht – so ein, zwei Minuten? Zwei fände ich schon ziemlich viel." 

"Hör mal, ihr könnt eine Bio-Lehrerin nicht beauftragen, anhand eines Blumenstraußes die Schöpfung zu erklären, wenn ihr ihr nicht mindestens zehn Minuten Zeit dafür gebt!" 

Ich schaute also noch mal in den Ablaufplan-Entwurf und stellte fest, dass für die gesamte thematische Einführung 20 Minuten eingeplant waren; woraufhin meine Liebste meinte, sie könne den Blumenstrauß-Impuls auch so gestalten, dass er alle drei thematischen Aspekte miteinander verknüpfte. Ich hielt Rücksprache mit dem Gemeindereferenten, der war damit einverstanden, also machten wir es so. – 

Zu den Ideen, die meine Liebste einbrachte, gehörte es, dass die Kinder im Mittelteil – zum Stichwort "Die Schöpfung gehorcht Regeln" – die Blütenblätter und Staubgefäße verschiedener Blumen zählen sollten; tatsächlich waren die Kinder da durchaus mit Begeisterung bei der Sache, aber zugleich brachte das auch viel Unruhe, und es war gar nicht so leicht, sie danach wieder zum Stillsitzen und Zuhören zu bewegen. 

Nach dem "Blumenstrauß-Impuls" hatte ich dann die Aufgabe, den Schöpfungsbericht aus Genesis 1,1-2,3 (in einer Kinderbibel-Fassung) vorzutragen; visualisiert wurde der Text mit bunten Tüchern und Bildern von Kees de Kort, die nach und nach auf dem Fußboden ausgelegt wurden. 

Der Versuch, die Kinder – und zwar alle Kinder reihum – in die allmähliche Verfertigung dieser "gestalteten Mitte" einzubeziehen, gestaltete sich recht langwierig und ein bisschen chaotisch, was die biblische Lesung ziemlich in die Länge zog und wohl auch nicht gerade konzentrationsfördernd war. Nach einigen auslegenden Sätzen vom Gemeindereferenten und einer Fragerunde zur Ergebnissicherung lagen wir so weit hinter dem Zeitplan zurück, dass, wie weiter oben schon vorausgeschickt, das Bastelprogramm (geplant war gewesen, dass die Kinder Kaleidoskope und/oder vielleicht auch Origami-Mobiles basteln) entfallen musste; stattdessen gingen wir direkt zur Vorbereitung des Mittagessens über, wobei ein Teil der Kinder in der Küche half und die anderen den Tisch deckten und dekorierten. 


Bei der Tischdeko fanden auch die Blütenblätter aus dem Blumenstrauß-Impuls erneute Verwendung.

Fürs Essen hatte ich ein in den letzten Sommerferien erprobtes Rezept (One-Pot-Pasta mit Lachs und Spinat) vorgeschlagen, aber fehlende oder falsch eingekaufte Zutaten und ein für die angepeilte Menge eigentlich zu kleiner Topf sorgten dafür, dass das Kochen recht experimentell verlief. Trotzdem war das Essen, das am Ende dabei herauskam, lecker und es wurden auch alle satt. In gewissem Sinne kann man das wohl als eine recht gute Metapher für diesen Religiösen Kindertag insgesamt betrachten; denn wenn man bedenkt, wie improvisiert die ganze Aktion war – angefangen damit, dass, wir erinnern uns, die Mehrzahl der Teammitglieder verhindert war und das ursprünglich angedachte Thema daher auf den nächsten Monat verschoben wurde, bis hin zu den diversen Punkten, in denen spontan von dem ersten wenige Tage zuvor erstellten Ablaufplan abgewichen wurde –, muss man sich eigentlich wundern, wie gut die Veranstaltung alles in allem gelaufen ist. Bei aller Freude und Zufriedenheit mit diesem Ergebnis bin ich aber gleichwohl der Überzeugung, das eigentlich Interessante am Rückblick auf eine solche Veranstaltung ist die Frage, was man beim nächsten Mal besser machen könnte. Und natürlich gibt es dazu allerlei zu sagen. 

Dass eine gründlichere Vorbereitung, insbesondere des katechetischen Teils, wünschenswert gewesen wäre (wenn man denn Zeit dafür gehabt hätte!), liegt ja auf der Hand; ob ein geordneterer, klarer strukturierter Ablauf sozusagen "von allein" dazu geführt hätte, dass die Kinder konzentrierter und disziplinierter bei der Sache sind, mag indes fraglich sein. Vielleicht sollte man zukünftig, wie beim JAM, zu Beginn der Veranstaltung ein paar einfache Regeln besprechen und mit Hilfe von Piktogrammen visualisieren (Ohr für "Zuhören", durchgestrichene Faust für "keine Gewalt"). Zudem haben die Vorbereitungen fürs Mittagessen gezeigt, dass ironischerweise auch dadurch Unruhe entsteht, dass die Kinder sich gern nützlich machen wollen; da könnte es sich als hilfreich erweisen, im Vorfeld zu kalkulieren, wie viele Helfer man für welche Aufgaben sinnvoll gebrauchen kann, und auf dieser Basis die Aufgabenverteilung besser zu organisieren, womöglich sogar spielerisch zu gestalten. 

Dass ich bei der Frage, was man besser machen könnte, geradezu automatisch einen Seitenblick aufs JAM werfe, dokumentiert übrigens nicht nur, wie gut ich das Format "JAM" finde, sondern birgt durchaus auch Hinweise auf tiefere Erkenntnisse. So ist es meine feste Überzeugung, dass konzeptionelle Unklarheiten in der Regel auf Unklarheiten oder Uneinigkeit darüber verweisen, was man eigentlich mit dem jeweiligen Projekt WILL, wo man damit HINWILL. Meine Erfahrungen mit kirchlicher Gremienarbeit haben mir den Eindruck vermittelt, dass diese Frage im post-volkskirchlichen Normalbetrieb generell zu wenig gestellt wird: Man macht einfach irgendwas, weil man nun mal nicht nichts machen kann. Dem Gemeindereferenten, der die Idee für die Religiösen Kindertage in St. Stephanus hatte, möchte ich eine solche Haltung ausdrücklich nicht unterstellen, aber eine gewisse Unklarheit der Motivation nehme ich teamintern dennoch wahr. Bezeichnend dafür war die Feedbackrunde zum ersten RKT, in der ich es als positiv vermerkte, dass die Kinder sichtlich viel Spaß gehabt hätten, gleichzeitig aber kritisch anmerkte, die inhaltliche Seite sei zu kurz gekommen. Darauf wurde erwidert, es sei ganz in Ordnung, wenn beim RKT mehr der Spaß im Vordergrund stehe, denn inhaltlich gearbeitet werde ja im Erstkommunionkurs schon genug. – Ich sag' mal so: Wenn man den RKT als eine Art freiwilliges Zusatzangebot zum Erstkommunionunterricht (und nebenbei vielleicht noch als Werbeveranstaltung für die Religiöse Kinderwoche in den Sommerferien) betrachtet, dann ergibt diese Sichtweise durchaus Sinn. Meine Vorstellung von der konzeptionellen Ausrichtung dieses Veranstaltungsformats ist jedoch eine andere – nämlich eben "sowas Ähnliches wie JAM". Und damit meine ich: ein Evangelisierungsangebot, das sich auch und nicht zuletzt an Kinder richtet, die ansonsten eher wenig Kontakt und Bezug zum Glauben und zur Kirche haben. (Dass diese Beschreibung zum Teil durchaus auch auf Erstkommunionkinder zutrifft, steht auf einem anderen Blatt.) 

Wenn man bedenkt, dass das RKT-Programm praktisch alle Elemente enthält, die es beim JAM auch gibt, liegt der Unterschied wohl vorrangig in der Einstellung: Auch wenn der katechetische Teil beim JAM gerade mal 20 Minuten (oder oft noch weniger) eines inklusive Abendessen zweieinhalb Stunden langen Programms umfasst, steht es prinzipiell außer Frage, dass dies das Herzstück des ganzen Programms und der eigentliche Grund ist, warum man das Ganze macht. Natürlich sollen die Kinder beim JAM Spaß haben und haben das auch; das ist schon allein deshalb wichtig, weil sie ja beim nächsten Mal freiwillig und gern wiederkommen sollen; und idealerweise soll auch der katechetische Teil Spaß machen, weil – anders als unser Regelschulsystem vielfach den Anschein erweckt – Spaß und Lernen keine Gegensätze sind, sondern, ganz im Gegenteil, Kinder in der Regel besser lernen, wenn sie dabei Spaß haben

Was derweil die Zielgruppenorientierung betrifft, wird man einräumen müssen, dass auch zum JAM weit überwiegend die Kinder aktiver Gemeindemitglieder gehen – und dies, meiner Wahrnehmung zufolge, in ausgeprägterem Maße als "früher", als wir anfingen da hinzugehen (dazu, was diese Entwicklung begünstigt haben könnte, habe ich schon seit längerer Zeit einen separaten Artikel in Arbeit) –, aber grundsätzlich ist das Konzept darauf ausgerichtet, auch Außenstehende anzusprechen. Wollte man das mit dem RKT auch, müsste man ganz anders für die Veranstaltung werben (angefangen damit – das kann ich gar nicht oft genug wiederholen –, dass man sie anders nennen müsste). Aber in der post-volkskirchlichen Mentalität ist das Prinzip "Bestandskundenpflege geht vor Neukundengewinnung" so tief eingewurzelt, dass es oft wie ein Kampf gegen Windmühlen anmutet, dagegen anzugehen. Es ist den Leuten nicht unbedingt bewusst, manche würden vielleicht sogar abstreiten, dass sie dieser Auffassung sind, aber verhalten tun sie sich trotzdem so. – Aber lsssen wir das vorerst mal so stehen; der nächste RKT, dann hoffentlich wirklich zum Thema Abraham, steht schon in zwei Wochen an, schauen wir also mal, inwieweit sich die Erkenntnisse von diesem Mal da bereits umsetzen lassen. 

Als wir nach dem RKT den Heimweg antraten, waren die Kinder enorm aufgekratzt, und ich ahnte schon, dass die Chancen, am Abend noch ins Baumhaus zu gehen, eher schlecht standen; und dann, nachdem wir ungefähr eine Stunde zu Hause gewesen waren, fiel meiner Liebsten auf, dass sie ihren Mantel vermisste. Unser Jüngster meinte sich zu erinnern, dass sie ihn im Bus noch gehabt hätte, sodass nun die Befürchtung im Raum stand, sie könnte den Mantel mitsamt Portemonnaie und Schlüsselbund im Bus vergessen haben. Daraufhin war natürlich erst mal Krisenmodus angesagt, aber pünktlich zur Abendessenszeit gab's Entwarnung: Der Mantel hing noch an der Garderobe im Gemeindehaus von St. Stephanus. 


Schwarzer Gürtel in KiWoGo: Verklär doch mal! 

Dass der Religiöse Kindertag in St. Stephanus und der Kinderwortgottesdienst in St. Joseph auf dasselbe Wochenende, also auf zwei aufeinanderfolgende Tage fielen, war eine durchaus herausfordernde Konstellation – die sich, wie mir ein Blick in meinen Terminkalender verrät, Ende Mai zu wiederholen droht, aber bis dahin ist ja zum Glück noch etwas Zeit. – Für den KiWoGo zum 2. Fastensonntag, zum Thema Verklärung, hatten der Gemeindereferent und ich bei unserem Treffen am vorangegangenen Mittwoch zwar allerlei gute Ideen gesammelt, aber trotzdem hatte ich das vage Gefühl, nicht so gut vorbereitet zu sein, wie mir lieb gewesen wäre – jedenfalls was die Details des Ablaufs betraf. Hinzu kam, dass der Gemeindereferent mich mit der Mitteilung empfing, am Morgen in St. Stephanus habe er den KiWoGo nur mit knapper Not zu Ende gebracht, weil der Pfarrvikar so kurz gepredigt habe. Wir standen also von vornherein unter einem gewissen Zeitdruck. Immerhin erschienen elf Kinder zum KiWoGo – am Morgen in Haselhorst waren es nur zwei gewesen. 

Die Idee des Gemeindereferenten war es gewesen, die Stichworte "Berg", "Wolke" und "Licht/Leuchten" ins Zentrum zu stellen und herauszuarbeiten, welche Bedeutung diese im biblischen Kontext haben; zu diesem Zweck wurden einige laminierte Bilder im Raum versteckt, die die Kinder zum Auftakt des KiWoGo suchen sollten – ich fand das gut, da ich es grundsätzlich begrüßenswert finde, wenn die Kinder nicht nur sitzen und zuhören müssen, sondern sich auch mal bewegen und etwas tun dürfen. Die daran anschließenden Erläuterungen zu den Bildern fielen für mein Empfinden – möglicherweise bedingt durch den "gefühlten Zeitdruck" – etwas oberflächlich aus und drehten sich eher um allgemeine Assoziationen zu den Stichworten "Berg", "Wolke" und "Licht/Leuchten" als um konkrete Beispiele dafür, welche Rolle sie in der Bibel spielen. – Ich räume an dieser Stelle aber gern ein, dass man der Meinung sein kann, wenn man einen Satz wie "Auf einem Berg fühlt man sich dem Himmel näher als der Erde" im Laufe eines Kinderwortgottesdienstes mehrfach wiederholt, bleibt das bei Kindern im Grundschulalter eher hängen, als wenn man sie mit Bibelwissen bombardiert. Ein Indiz dafür bekam ich frei Haus geliefert, als ich nach der Verlesung des Tagesevangeliums mit den Kindern darüber sprach, wer eigentlich Mose und Elija seien: Ein einziger Junge erinnerte sich, schon einmal etwas von Mose gehört zu haben, und das, woran er sich erinnerte, war zwar nicht direkt falsch, aber doch sehr ungenau

Der Teil der Katechese, der mir eigentlich am wichtigsten war – in dem es darum gehen sollte, die Verklärung zu Passion und Auferstehung in Beziehung zu setzen – litt ebenfalls bzw. erst recht unter dem "gefühlten Zeitdruck", denn als wir soweit waren, rechneten wir bereits damit, dass jeden Moment die Küsterin auftauchen und uns winken könnte, wieder in die Kirche zurückzukehren. Ich denke, ohne diesen Druck hätte ich diesen Teil der Katechese etwas überzeugender hingekriegt, aber auch so schaffte ich es so einigermaßen, zu sagen, was ich dazu sagen wollte. Gerade rechtzeitig vor unserem Vorbereitungstreffen hatte ich nämlich eine Idee für einen Impuls gehabt, der sich recht gut an die Aussage knüpfen ließ, auf Bergen fühle man sich dem Himmel näher als der Erde: Auf einer Bergwanderung, so führte ich aus, kann es einem passieren, dass man an einen Aussichtspunkt kommt, an dem man so begeistert und ergriffen vom Panorama ist, dass man am liebsten dableiben würde – aber das ist noch nicht das Ziel der Wanderung, und ehe man am eigentlichen Ziel ankommt, wird's noch mal richtig anstrengend. Das ist die Situation der Jünger in diesem Evangelium – wie man an Petrus sieht, der auf dem Berg der Verklärung am liebsten gleich Hütten bauen möchte. Aber auch wenn die Verklärung gewissermaßen schon einen Vorausblick auf die Auferstehung darstellt, führt der Weg Jesu zunächst noch auf einen anderen Berg: nämlich Golgota, den Berg der Kreuzigung. – Ich schätze, auf einer Hitliste der gelungensten Kinderwortgottesdienste meiner aktiven Zeit verdient dieser nicht direkt einen Spitzenplatz; aber einige gute Ansätze hatte er doch, und man kann nur hoffen, dass davon bei den Kindern – oder jedenfalls dem einen oder anderen von ihnen – etwas hängen geblieben ist... 


Geht's raus und spielt's Fußball: Fasten mit Hallow 

Ich habe es schon ein paarmal erwähnt: Meine Liebste hat die vielgescholtene Hallow-App auf ihrem Handy, das moderne Spiritualitäts-Tool hipper Missionare und verkappter Trumpisten, oder so. Natürlich gibt's da eine "Fastenzeit-Challenge" – wobei ich nicht so genau weiß oder verstehe, worin die Challenge da besteht, aber jedenfalls macht meine Liebste da mit. Am 2. Fastensonntag hörten wir uns über die App gemeinsam eine Fastenpredigt von einem jungen Augustiner-Chorherrn aus dem Kloster Paring in Niederbayern namens Dirk-Henning Egger an. Trotz seines enorm norddeutsch tönenden Doppel-Vornamen sprach der junge Mann in einer – zumindest für mein Ohr – ausgeprägt bayerischen Klangfarbe, und ich fürchte, bei mir ist vom Inhalt seiner Predigt nicht viel hängen geblieben, weil ich allzu beschäftigt damit war, mich über die Vorstellung zu amüsieren, er halte sie in der Halbzeitpause in der Kabine des FC Bayern. Motivierend genug klang sie jedenfalls. In einem Interview mit der Tagespost aus dem Jahr 2023 erklärte der Augustiner-Chorherr: "Ich tue in meiner Freizeit am liebsten zwei Dinge, eines davon ist Sport." Passt. Aber jetzt mal ohne Witz, der Dirk macht einen sympathischen Eindruck; vielleicht höre ich mir seine morgige Fastenpredigt auch wieder an, und außerdem folge ich ihm jetzt auf Instagram und habe ihm eine Facebook-Freundschsftsanfrage geschickt. 

Aber noch einmal kurz zurück zum Thema Fußball: Vorgestern oder so fragte mich meine Liebste, ob ich eigentlich wisse, dass "Kevin-Jérôme Boateng" bekehrter Christ sei. "Welcher von den beiden?", fragte ich. "Kevin-Prince Boateng oder Jérôme Boateng?" – "Kevin-Prince", erklärte meine Liebste. "Mir war nicht klar, dass das zwei verschiedene sind." 

Mir hingegen schon, und zwar nicht nur dank dieses Wandgemäldes an einer Brandmauer im Wedding.

"Interessant", sagte ich und fand es intuitiv irgendwie stimmig, dass gerade der vermeintlich "böse" Boateng-Bruder sich bekehrt hatte. "Kam das auch auf Hallow?" – "Ja, als Zeugnis in Form eines Interviews." – "Ach so, ich dachte schon, Dirk-Henning hätte das in einer Predigt erwähnt." 


Und beim JAM waren wir natürlich auch wieder...

...jedenfalls die Kinder und ich; meine Liebste hatte derweil Diebstberatung, und die Tagesordnung war so umfangreich, dass sie zu Recht nicht davon ausging, dass es zeitlich hinhauen würde, danach noch zum JAM dazuzustoßen. Tatsächlich war sie dann nicht viel früher zu Hause als wir. – Inhaltlich ging es beim JAM weiter um die "Ich bin"-Worte Jesu, und ein verstohlener Blick in den Saal verriet unmissverständlich, welches "Ich bin"-Wort diesmal "dran" war: 


Na klar, "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben".

Als der katechetische Teil beginnen sollte, war der Jüngste gerade in recht launischer Stimmung und bestand darauf, dass ich bei ihm blieb; ich ging also mit den "Minis" nach oben, obwohl es mich eigentlich mehr interessiert hätte, wie die Katechese für die Größeren gestaltet wurde. Die Version für die "Minis" war nicht sonderlich bemerkenswert, auch deshalb, weil die dafür zuständige Mitarbeiterin – wie sie hinterher zerknirscht eingestand – mittendrin den Faden verlor. Es war ihr ausgesprochen peinlich, aber mehrere anwesende Erwachsene, einschließlich meiner Person, versicherten ihr, das könne jedem mal passieren. Fast könnte man sagen, es hat was Beruhigendes, dass auch beim JAM nicht immer alles perfekt läuft. 


Neues aus Synodalien: Besser, sich zu bergen beim Herrn 

Zur Wahl von Bischof Heiner Wilmer (Hildesheim) zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz ist wohl noch eine kleine Nachlese fällig, ehe ich bis auf Weiteres den Mantel des Schweigens über ihn breite – vielleicht bis Fronleichnam, da sind seine ersten 100 Tage im Amt rum, und ich hoffe mal, bis dahin wird er nicht allzu viel Schaden angerichtet haben. Im Übrigen glaube ich, ich sollte mir angewöhnen, statt Vorsitzender lieber Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz zu sagen, das beschreibt den Charakter dieses Amtes treffender und klingt nicht so hochtrabend. 

Festhalten möchte ich jedenfalls, dass die unmittelbaren Reaktionen verschiedener innerkirchlicher Lager und Fraktionen auf die Wahl Wilmers, und nicht zuletzt auch die Versuche der Medien, diese Wahl "einzuordnen", in gewisser Hinsicht an die Reaktionen auf die Wahl Papst Leos XIV. erinnert haben. Über beide kursierte im Vorfeld die Einschätzung – die für die einen eine Hoffnung, für die anderen eine Befürchtung ausdrückte –, sie seien entschiedene "Linke", womöglich sogar noch "progressiver" als ihr jeweiliger direkter Amtsvorgänger; kaum waren sie jedoch gewählt, hieß es allüberall, sie gälten als Männer der Mitte und des Ausgleichs, als "Brückenbauer zwischen Reformern und Konservativen". Und in beiden Fällen äußerten sich unmittelbar nach der Wahl auch prominente konservative Bischöfe bzw. Kardinäle betont lobend und erfreut über den neuen Amtsinhaber. Es gab in beiden Fällen auch Spekulationen und Gerüchte, denen zufolge die Wahl des neuen Mannes überhaupt erst durch ein taktisches Bündnis zwischen moderaten und konservativen Kräften ermöglicht wurde, hinter dem die Absicht stand, den offensichtlichen Wunschkandidaten der bisher tonangebenden Fraktion zu verhindern; im Konklave 2025 soll das Kardinalstaatssekretär Parolin gewesen sein, und in der jüngsten DBK-Vollversammlung soll es, wie Benjamin Leven bei Communio schreibt, eine Kampfabstimmung zwischen Wilmer und Overbeck gegeben haben. (Und Overbeck hätte die Überzeugung, im Vergleich zu Bätzing könne es eigentlich nur besser werden, zweifellos auf eine harte Probe gestellt.) – Was Wilmer außerdem noch mit Leo gemeinsam hat, ist, dass beide Ordenspriester sind und jeweils für einige Jahre Generalobere ihres Ordens waren (nicht gleichzeitig, aber kurz nacheinander); aber weiter muss man die Parallelen wohl nicht treiben. Jedenfalls hat Papst Leo in den ersten Monaten einige Signale gesetzt, die auf die Absicht schließen lassen, das Erbe des Pontifikats seines Vorgängers Franziskus mit der Tradition der Kirche auszusöhnen; und etwas in der Art erhofften wohl auch manche gläubige Katholiken vom neuen DBK-Vorsitzenden, nachdem er in seinem ersten Pressestatement überraschend geistliche Töne angeschlagen und erklärt hatte, seine "Hauptaufgabe" sei es, "Gott ins Zentrum zu stellen". So bezeichnete die Initiative "Neuer Anfang" in einer Pressemitteilung die Wahl Wilmers als "echtes Hoffnungszeichen" und würdigte den neuen DBK-Vorsitzenden als "feinsinnigen und aufgeschlossenen Bischof". 

Ein paar Tage später, so schien es, war von dieser Hoffnungsfreude schon wieder der Lack ab, als nämlich bekannt wurde, dass die Bischofskonferenz – "vertreten durch ihren neuen Vorsitzenden Bischof Heiner Wilmer SCJ" – in Rom formal um die Zulassung der Laienpredigt innerhalb der Messe bitten wolle. So richtig überraschend ist das freilich nicht, da die Synodalversammlung des Synodalen Weges bereits im März 2023 einen entsprechenden "Handlungstext" beschlossen hat; zwar hat der Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Kardinal Arthur Roche – den man beim besten Willen nicht als besonders konservativ bezeichnen kann – diesen Forderungen schon damals eine Absage erteilt, aber dennoch würde ich sagen, man kann vom neuen Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz schwerlich erwarten, dass er die Beschlüsse des Synodalen Weges nicht umsetzen wollte. Dasselbe gilt auch und erst recht dafür, dass Wilmer im Vatikan um Zustimmung für die Satzung der Synodalkonferenz werben will. Gleichwohl hat mein alter Freund Rudolf Gehrig, inzwischen Vatikan-Korrespondent für die deutschsprachige Sektion der Catholic News Agency, diese Vorgänge zum Anlass genommen, jenen "praktizierende[n] Katholiken und Kritiker[n] des 'Synodalen Weges'" – "oft dieselbe Personengruppe", wie er anmerkt –, die angesichts des oben angesprochenen ersten Pressestatements des neuen DBK-Sprechers "Hoffnung geschöpft" haben, etwas Wasser in den Wein zu gießen. Er äußerte die Wahrnehmung, dass "vor allem die (gut)gläubigen Katholiken [...] immer wieder in dieselbe Falle tappen": 

"Ein paar fromme Worte reichen aus, um geistliche Würdenträger zu Galionsfiguren zu stilisieren. [...] Doch zuverlässig setzt man dabei immer wieder aufs falsche Pferd. Warum passiert das immer wieder? Ist es verzweifelte Hoffnung? Oder nur eine katholische Form des Stockholm-Syndroms?"

– Gleichzeitig räumt Rudolf ein, "bei manchen Leuten" schlage "der Trend [...] auch in die andere Richtung aus": 

"Ein falsch gesetztes Wort, die Freundschaft mit der falschen Person oder ein einziger Auftritt ohne Priesterkragen können ausreichen, einen geistlichen Würdenträger als den Antichristen abzustempeln." 

Dem Fazit, das er aus alledem zieht, kann ich mich nur vollumfänglich anschließen: Er verweist auf die Weisheit des Psalmisten – "Besser, sich zu bergen beim Herrn, als auf Fürsten zu bauen" (Psalm 118,9) – und fügt hinzu, das gelte "auch für Kirchenfürsten, übrigens". 


Geistlicher Impuls der Woche 

Die Verklärung ist ein Gebetsereignis; es wird sichtbar, was im Reden Jesu mit dem Vater geschieht: die innerste Durchdringung seines Seins mit Gott, die reines Licht wird. In seinem Einssein mit dem Vater ist Jesus selbst Licht vom Licht. 

(Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Bd. I) 


Ohrwurm der Woche 

Neil Sedaka: One Way Ticket 

Als ich erfuhr, dass Sänger und Songwriter Neil Sedaka am 27. Februar im Alter von 86 Jahren verstorben ist, war der erste Song, der mir in Verbindung mit seinem Namen in den Sinn kam, keiner von denen, die in allen Nachrufen auf ihn genannt werden, sondern eben dieser hier – ein Song, den Sedaka nicht selbst geschrieben hat und der lediglich als B-Seite seiner Hitsingle "Oh! Carol" veröffentlicht wurde, aber trotzdem ein Nr.-1-Hit wurde --- in Japan. Vielen dürfte "One Way Ticket" nur oder zumindest vorrangig in der, wie ich finde, ausgesprochen grausigen Disco-Coverversion von Eruption aus dem Jahr 1979 bekannt sein; daher hier das Original zum Genießen. Man beachte übrigens die zahlreichen intertextuellen Verweise auf andere zeitgenössische Songs ("Lonesome Town", "Heartbreak Hotel" u.a.)! 


Vorschau/Ausblick 

Wie bereits erwähnt, findet an diesem Wochenende in Neu-Ulm ein Bundesfest der Katholischen Pfadfinder Europas inklusive Sangeswettstreit statt, anlässlich des 50jährigen Bestehens des Verbands. Hingefahren sind wir da nicht, obwohl ich noch ein paar Tage zuvor eine Einladung per Mail bekommen habe; aber die Pfadfinderinnen aus dem Stamm in Berlin-Schöneberg (also die größeren Mädchen, ab 12 Jahren) sind da hingefahren, und für die Wölflinge gab's heute wieder ein "normales" Meutentreffen – da fuhr ich mit dem Tochterkind hin und werde nächste Woche darüber berichten. Morgen ist der 3. Fastensonntag, da werden wir wohl wieder in St. Joseph Siemensstadt in die Messe gehen; außerdem ist Landtagswahl in Baden-Württemberg, wo letzte Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den bisherigen Koalitionspartnern Bündnis 90/Grüne und CDU erwarten lassen. Wozu ich anmerken möchte, dass meine Blogstatistik in den letzten Tagen ein gestiegenes Interesse an den beiden "Huhn meets Ei"-Artikeln anzeigt, in denen der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir namentlich erwähnt wird; besonders schmeichelhaft sind diese Artikel nicht für ihn, aber ich bezweifle, dass das das Wahlergebnis signifikant beeinflussen wird.–Am Montag habe ich einen erneuten Termin beim Erzbischöflichen Ordinariat im Zusammenhang mit meiner angestrebten Ausbildung zum Gemeindereferenten; ich denke und hoffe, dass ich danach klarer sehen werde, wie (und ob überhaupt) es damit weitergeht. Gebetsunterstützung ist ausgesprochen willkommen! Am Dienstag beginnt die Novene zum Hochfest des Hl. Josef; am Mittwoch jährt sich mein Blogger-Comeback zum dritten Mal, dazu habe ich einen eigenen Jubiläumsartikel in Vorbereitung. Am nächsten Samstag gedenke ich wieder mit dem Tochterkind zu den Wölflingen zu gehen, und dann werden wir uns wohl eine Vorabendmesse suchen müssen, denn am Sonntag wird mein Jüngster morgen fünf Jahre alt, und das wird groß gefeiert: Einschließlich des Geburtstagskindes selbst und seiner großen Schwester erwarten wir elf Kinder zur Feier, bei einigen kommen auch die Eltern (oder zumindest ein Elternteil) mit. Das kann spannend werden!