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Samstag, 22. August 2026

Utopie und Alltag 39: Zu neuen Ufern

Es wird ernst, Freunde: Ich habe meinen Immatrikulationsantrag für ein Fernstudium im Fach Angewandte Theologie an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (Standort Paderborn) abgeschickt, und davon abgesehen stecke ich gerade mitten in einem Umzug, zwar nur innerhalb des Berliner Stadtbezirks Reinickendorf, aber doch in eine erheblich veränderte Wohnsituation. Ich würde sagen, eins davon würde schon genügen, um mit Recht vom Beginn eines neuen Lebensabschnitts zu sprechen, aber nun passiert auch noch beides auf einmal. Unruhige Zeiten, aber auch spannende! – Da von dem, was ich die ganze Woche so gemacht habe, allerdings nur ein eher überschaubarer Teil im Rahmen meines Blogs berichtenswert ist, geht's in diesem Wochenbriefing tendenziell mal wieder mehr um Themen von außerhalb des persönlichen Erlebnisbereichs. Hatten wir ja in letzter Zeit eher weniger, muss auch mal wieder sein. 

Wherever I lay my hat, that's my home.  

Mariä Himmelfahrt in Siemensstadt und in Butjadingen 

Wie ich schon vermutet hatte, wurde am vergangenen Sonntag in St. Joseph Siemensstadt das Hochfest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel nachgefeiert: Padre Ricardo zelebrierte die Messe in einer prachtvollen goldenen Kasel, ging in seiner Predigt auf die am Deckengewölbe der Kirche befestigte Figur der Rosenkranzmadonna ein, die in ihrer Gestaltung an die Apokalyptische Frau ("mit der Sonne bekleidet, der Mond zu ihren Füßen") angelehnt ist, und es wurden so viele Marienlieder gesungen, wie sich sinnvoll in der Liturgie unterbringen ließen. Und zu dem notorisch "schwierigen" Evangelium, das an diesem Sonntag dran gewesen wäre, wenn in dieser Messe nicht Mariä Himmelfahrt nachgefeiert worden wäre – Matthäus 15,21-28, Jesus und die kanaanäische Frau – verlor Padre Ricardo auch ein paar Worte: Die zunächst irritierend schroffe Reaktion Jesu auf die Bitten der Frau setzte er zu den Worten Jesu an Seine Mutter bei der Hochzeit zu Kana ("Was willst du von mir, Frau? Meine Stunde ist noch nicht gekommen") in Beziehung. Ein interessanter Gedanke, der wohl noch der Vertiefung bedürfte. 

Übrigens war Padre Ricardo bemüht, die Messe kurz zu halten, da er, wie er erwähnte, anschließend noch eine weitere Messe halten musste, vertretungsweise, in Wittenau. Ein Detail, das mir deshalb auffiel, weil es sich um unsere zukünftige Wohnortgemeinde handelte. 

Ebenfalls bereits im Vorfeld erwähnt hatte ich ja, dass meine alte Heimatgemeinde Herz Mariä Burhave traditionell ihr Patronatsfest an Mariä Himmelfahrt feiert – was auch dazu passt, dass mit Datum vom 15. August 1946 die Errichtung einer provisorischen Kapelle mit dem Titel "S. Cor B.M. Virginis" in Burhave, quasi als Vorläufer der heutigen, 1955 geweihten Kirche Herz Mariä, vom Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta offiziell bestätigt wurde. Das liegt, wie man unschwer errechnen kann, heuer 80 Jahre zurück, und man hätt' ja vielleicht denken können, dass dieses Jubiläum irgendwie besonders gefeiert werden würde. Während meines jüngsten Butjadingen-Aufenthalts hatte ich, wie erwähnt, zunächst den Küster und dann, zusammen mit diesem, auch den Pfarrer darauf angesprochen. Da ich nun nicht persönlich vor Ort war, kann ich letztlich nicht wissen, inwieweit das 80jährige Bestehen der Gemeinde im Rahmen der Vorabendmesse, die Pfarrer Fechtenkötter persönlich zelebrierte, gewürdigt wurde; da es Sommer und schönes Wetter war, darf man wohl immerhin davon ausgehen, dass im Anschluss an die Messe im Pfarrgarten gegrillt wurde. Das Pfarrblatt "Willehad aktuell" enthielt indes keinen besonderen Hinweis auf das Gemeindejubiläum, auch auf dem Instagram-Account der Pfarrei war nichts zu diesem Thema zu finden, und in den Online-Ausgaben der örtlichen Tageszeitungen ebensowenig. 

Aber noch einmal zurück zum gerade erwähnten Instagram-Account der Pfarrei St. Willehad: Dieser ließ nämlich gewisse Schlüsse darauf zu, was für andere Prioritäten das Pastoralteam an dem betreffenden Wochenende hatte. Man erfährt da nämlich, dass am Sonntagnachmittag in der Konzertmuschel in Tossens ein ökumenischer Queer-Gottesdienst stattfand. Okay, er war nicht direkt und exklusiv als Queer-Gottesdienst angekündigt; vielmehr stand dieser Gottesdienst unter dem Motto "Wer bin ich? – Gottes Segen auf deinem Weg", und auf dem KI-generierten, auf Instagram geteilten Plakat wurde die Veranstaltung angekündigt als ein "Gottesdienst für alle – für Suchende und Zweifelnde, für junge und ältere Menschen, für Familien, Paare, Freund*innen, queere Menschen, Urlauberinnen und Urlauber an der Nordsee". Und als wäre es nicht schon auffällig genug, dass "queere Menschen" hier extra erwähnt werden, obwohl man doch annehmen sollte, dass sie sich auch in den anderen aufgezählten Kategorien irgendwo wiederfinden müssten, verrät das Plakat, dass es bei diesem Gottesdienst Regenbogen-Armbänder als Giveaways gibt bzw. gab. 

Ich finde es ja durchaus hinterfragenswert, warum die "progressive" Kirchenbubble gerade an der LGBTQ-Bewegung so einen riesengroßen Narren gefressen hat. Ich will mit dieser Fragestellung gar nicht unbedingt auf verschwörungstheoretische Erklärungsmuster hinaus, ich halte es für durchaus wahrscheinlich, dass es zum größten Teil einfach Opportunismus ist, aber zugleich scheint es mir auch naheliegend, bei Kirchenvertretern, die dieses Thema besonders forcieren (und dazu gehört der Diakon von St. Willehad ja recht offenkundig), nach persönlichen Motiven zu fragen. Wohlgemerkt Motive im Plural, denn das können ganz unterschiedliche sein – sowohl, dass jemand selbst homosexuelle Neigungen hat, als auch, dass jemand gegen seine eigene Homophobie ankämpft, und alles Mögliche dazwischen. Darüber, was davon auf eine bestimmte Person zutreffen mag, will ich überhaupt nicht spekulieren. Was ich hingegen sagen möchte, ist, dass ich es schon grundsätzlich problematisch finde, wenn in kirchlichen Texten von "queeren Menschen" die Rede ist, als sei "Queerness" eine objektive Realität. Diesen Einwand müsste man wahrscheinlich präziser ausformulieren, als ich es an dieser Stelle leisten kann; um aber Missverständnissen vorzubeugen, möchte ich betonen: Selbstverständlich muss die Kirche bestrebt sein, mit Menschen, die sich selbst als "queer" definieren, ins Gespräch zu kommen, und ohne Zweifel erfordert das einen respektvollen Umgang – aber das ist nicht notwendigerweise gleichbedeutend mit Affirmation. Es ist das zentrale Missverständnis der in den Angeboten der institutionellen Kirche grassierenden postchristlichen Wellness-Spiritualität, dass es Auftrag der Kirche sei, Menschen dazu zu verhelfen, sich mit sich selbst gut zu fühlen, indem man sie in ihrem So-Sein bestärkt – während ein zentrales Motiv der christlichen Verkündigung doch gerade der Aufruf zur Umkehr ist. Auftrag der Kirche ist es nach Matthäus 28,19, alle Menschen zu Jüngern Jesu Christi zu machen, und ich wüsste nicht, wie das gehen soll, wenn man sie gleichzeitig in einer Selbstdefinition bestärkt, die im Widerspruch zum christlichen Menschenbild steht. – Dies gilt wohlgemerkt nicht allein für die Selbstdefinition als "queer", auch wenn andere, vergleichbar prägnante Beispiele schwerer zu benennen sein mögen. 

Gute Nachrichten gibt's aus der Pfarrei St. Willehad aber immerhin auch: Am kommenden Dienstag beginnt da ein neuer Alpha-Kurs, ich weiß gar nicht, wie viele es bereits gegeben hat, seit Pastor Kenkel dieses Format in dieser Pfarrei eingeführt hat. Und am Freitag endet die Urlauberkirchen-Saison... 


Mose auf Usedom 

Der, wie ausführlich geschildert, ausgesprochen positive Eindruck, den ich von der Religiösen Kinderfreizeit der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst mitgenommen habe, hat durchaus auch die Frage in meinem Hinterstübchen hinterlassen, wie das Format Religiöse Kinderwoche wohl in anderen Pfarreien gestaltet wird. Dass meine Noch-Wohnortpfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd "ihre" RKW in der Woche vom 14.–21. August in Zinnowitz auf der Insel Usedom veranstaltete, wäre mir womöglich trotzdem entgangen, wenn nicht einige Bilder der Veranstaltung in der Instagram-Story der Pfarrei aufgetaucht wären. 

Das St.-Otto-Heim in Zinnowitz kenne ich, da ich im Frühjahr 2024 dort mit dem Tochterkind bei einem Väterwochenende war, und 2025 fand auch die RKF der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst dort statt; in der unmittelbaren Umgebung gibt es sowohl Wald als auch einen Strand, und es gibt eine Kirche auf dem Gelände; statt Selbstverpflegung gibt es allerdings zentral gestelltes Kantinenessen, was einerseits teurer und andererseits nicht so gut ist, aber natürlich erheblich weniger Arbeit macht. 

Unabhängig von solchen äußeren Umständen ist das eigentlich Entscheidende aber natürlich die inhaltliche Gestaltung der RKW; was das angeht, hatte ich ja schon vor einiger Zeit festgehalten, dass mich das zentral von der AG Religiöse Kinderwoche zur Verfügung gestellte Konzept und Material nicht so recht vom Hocker haut. Umso mehr kommt es natürlich darauf an, "was man draus macht" – schließlich haben "wir" auch mit diesem Material gearbeitet und es ist etwas Gutes draus geworden. Die RKW der Pfarrei St. Klara wird bzw. wurde allerdings, soweit ich es den Vermeldungen entnehmen konnte, von dem Diakon, dem notorischerweise der Rasierpinsel ins Klo gefallen ist, sowie von einer jungen Frau geleitet, die mir persönlich noch vom Treffen einer Arbeitsgruppe für die Einrichtung und Gestaltung eines Instagram-Accounts für den damaligen Pastoralen Raum Reinickendorf-Süd im Sommer 2021 in Erinnerung geblieben ist: Ihr Beitrag zu diesem Arbeitstreffen bestand in der Hauptsache darin, zu bremsen und Bedenken anzumelden, und in der Folgezeit hatte sie dann entscheidenden Anteil daran, dass das ganze Projekt scheiterte. Und heute ist sie anscheinend irgendwie die (ehrenamtliche) Hauptverantwortliche für den Arbeitsbereich Jugendarbeit in dieser Pfarrei. Na herzlichen Glückwunsch. Jedenfalls sehe ich nicht, woher ich den Mut nehmen soll, diesem Leitungsduo zuzutrauen, dass es aus den konzeptionellen Vorgaben für diese RKW mehr und Anderes zu machen weiß als das, was ich bei meiner ersten Kenntnisnahme der Materialien als "sozialpädagogische Banalisierung", "psycho-esoterisches Selbsterfahrungsgedöns und hier und da ein bisschen Demokratieförderung" charakterisiert habe. 

Unter den auf Instagram geposteten Fotos fand sich ein Ablaufplan für den ersten vollen Tag der Fahrt – Samstag, den 15. August –, und da ließen sich erst mal keine allzu gravierenden Unterschiede zum Tagesablauf "unserer" RKF feststellen – wenn man davon absieht, dass bei der RKW der Pfarrei St. Klara die Kinder eine halbe Stunde später geweckt wurden als "bei uns" und dafür eine halbe Stunde früher Nachtruhe hatten, wodurch das Tagesprogramm also insgesamt eine Stunde kürzer war. – Der Vormittag, also die rund drei Stunden zwischen Frühstück und Mittagessen sind hier wie dort der inhaltlichen Arbeit am Mose-Thema gewidmet, am Nachmittag, von 15 Uhr bis zum Abendessen, steht "Gruppenaktivität" auf dem Ablaufplan, das kann theoretisch alles Mögliche bedeuten, aber ich halte es für wahrscheinlich, dass es vergleichbar damit ist, was "bei uns" in diesem Zeitfenster unter der Bezeichnung "Freizeitprogramm" lief. Weiterhin verzeichnet der Ablaufplan einen Morgen- und einen Abendimpuls sowie, um 21 Uhr, eine "Gute-Nacht-Geschichte"; die gab es "bei uns" nicht, und das könnte eventuell darauf schließen lassen, dass die Teilnehmer (pardon: "teilnehmende Personen" heißt es im RKW-Materialienbuch) der RKW von St. Klara im Schnitt etwas jünger sind, als sie es bei der RKF von St. Joseph/St. Stephanus waren. Aber das ist nur meine Vermutung. In derselben Instagram-Story, der ich diesen Ablaufplan entnommen habe, war auch ein Foto eines Stuhlkreises mit gestalteter Mitte zu sehen; von den teilnehmenden Personen waren (aus Datenschutzgründen?) nur die Füße im Bild, von der gestalteten Mitte ein Knäuel aus bunten Tüchern und eine ebenso bunte Kerze. Kann diese Ästhetik vielleicht bitte langsam mal aussterben? – Ein weiterer Instagram-Beitrag zeigte den Brennenden Dornbusch als "unser Gefühlsbarometer für die Woche": Die Kinder sollen ihren Tag bewerten, indem sie einen Punkt in das Bild hineinmalen, der je nach Farbe besagt "Alles ist bestens, mir geht's super", "Nicht alles war perfekt, aber mir geht's ganz gut" oder "Heute war nicht mein Tag, irgendwas war heute blöd". Was das mit dem Brennenden Dornbusch zu tun hat? Keine Ahnung. Aber es passt jedenfalls zu dem weiter oben in anderem Zusammenhang angesprochenen Stichwort "postchristliche Wellness-Spiritualität", und man kann, wie ebenfalls bereits angemerkt, nicht behaupten, eine solche Ausrichtung wäre in den offiziellen RKW-Materialien nicht schon angelegt

In diesem Zusammenhang möchte ich übrigens ein Lied erwähnen, auf das ich dadurch aufmerksam geworden bin, dass es in einer weiteren Instagram-Story von der St.-Klara-RKW zu hören war, dort ziemlich schräg zur Gitarre gesungen: "Ich bin frei". Nein, nicht das aus Disneys Eiskönigin, aber auch nicht das von Daniel Kallauch, sondern ein Lied, das zwar nicht eigens für die diesjährige RKW geschrieben wurde, aber nach Auffassung der Ersteller der RKW-Materialien doch irgendwie zu den "Inhalte[n] des Wochenthemas und/oder der Tagesthemen" passt und deshalb unter die "RKW-Lieder 2026" aufgenommen wurde. Hier sei nur mal der Refrain dieses Liedes zitiert: 

"Ich bin frei, frei, das Beste zu geben, 
Ich bin frei, frei, einmalig zu leben, 
Das Größte zu wagen, 
Die Wahrheit zu sagen – 
Ich bin frei 
Das Gute zu tun." 

Hashtag #kannstedirnichtausdenken, und um zu beweisen, dass ich mir das tatsächlich nicht ausgedacht habe, hier der YouTube-Link. Was hätte wohl der Apostel Paulus zu der Aussage "Ich bin frei das Gute zu tun" gesagt? 

Nun aber erst mal genug davon! Unter dem üblichen Jakobäischen Vorbehalt gesagt, habe ich ja durchaus die Absicht, in Zukunft noch an so einigen Religiösen Kinderwochen bzw. –freizeiten mitzuwirken – zumal in den nächsten neun (!) Jahren jeweils mindestens eins meiner Kinder im richtigen Alter für dieses Veranstaltungsformat ist. Und jetzt nachdem, wo mich das Erzbistum in den kommenden Jahren zu Ausbildungszwecken hinstecken wird, werde ich möglicherweise Gelegenheit haben, mir aus erster Hand ein Bild davon zu machen, wie unterschiedlich das Format in verschiedenen Gemeinden und Pfarreien ausgestaltet wird. Gleichzeitig hoffe ich natürlich, da jeweils auch eigene Akzente setzen zu können und zu dürfen. Und, mit aller Vorsicht gesagt: Wenn ich mit Leuten wie dem Diakon von St. Klara und der Frau, die ich von dem besagten Instagram-Arbeitsgruppentreffen her in Erinnerung habe, in ein Team gesteckt werden sollte, stelle ich mir eine gedeihliche Zusammenarbeit schwieriger vor, als ich es mit dem Team aus Siemensstadt/Haselhorst erlebt habe. Aber auch damit müsste man im Zweifel irgendwie klarzukommen suchen, und das gilt natürlich für beide Seiten. 

Zur Pfarrei St. Klara möchte ich übrigens noch erwähnen, dass diese am vergangenen Sonntag im Rahmen der Abendmesse in Herz Jesu Tegel ihr Patronatsfest nachgefeiert hat (der eigentliche Gedenktag der Hl. Klara von Assisi war am Dienstag, dem 11. August); im Anschluss an die Messe sollte es laut Vermeldungen "Umtrunk und Begegnung" geben. Nicht von diesem Umtrunk, wohl aber von der Messe waren einige Fotos in der Instagram-Story der Pfarrei zu sehen – wobei mir auffiel, dass in einem Bildtext die "volle Kirche am Sonntagabend" hervorgehoben wurde, auf dem dazugehörigen Bild jedoch nur ein kleiner Ausschnitt des Kirchenraums zu sehen war, und selbst da sahen die Bänke nicht wirklich voll besetzt aus. Aber so etwas ist natürlich immer relativ. Den Fotos war außerdem zu entnehmen, dass der neue Kaplan aus Ghana als Konzelebrant mit von der Partie war. Den würde ich ja gern mal kennenlernen, auch wenn ich "ab demnächst" nicht mehr auf dem Territorium dieser Pfarrei wohne. Was mich direkt zum nächsten Thema bringt... 


Update Umzug 

Es dürfte kaum überraschen, dass meine Familie und ich in der zurückliegenden Woche eifrig damit beschäftigt waren, unseren Lebensschwerpunkt schrittweise von unserer bisherigen in unsere zukünftige Wohnung zu verlagern. Zu den ersten Dingen, die umgezogen sind, gehörten zahlreiche Bücher, und dann auch die dazugehörigen Bücherregale

Das ist noch lange nicht alles, und sortiert sind die Bücher bisher auch nur provisorisch. 

Das Kinderzimmer hat ein eigenes Bücherregal. 

Außerdem bereits in die neue Wohnung ungezogen sind ein Teil des Küchengeschirrs, ein paar Kisten mit Spielzeug und einiges an Kleidung, im Fall der Kinderkleidung sogar inklusive Garderobenstange. 

Ja, das im Vordergrund ist ein Taufkleid.

Einen goldenen Stern auf meiner "Erwachsenendinge tun"-Ehrentafel habe ich mir indes dadurch verdient, dass es mir gelungen ist, die schon recht betagte Einbau-Geschirrspülmaschine in unserer zukünftigen Küche zu reparieren. Um's genau zu sagen, lief die Spülmaschine zwar, aber das Geschirr wurde trotzdem nicht richtig sauber; mit ein bisschen Hilfe von Onkel Google ist es mir jedoch gelungen, die Ursache des Problems ausfindig zu machen und eigenhändig zu beheben. Ich bin einigermaßen stolz auf mich. 

Dass wir uns in der zurückliegenden Woche auch über die Zeit hinaus, in der wir mit Räumen, Sortieren und Regalaufbau beschäftigt waren, öfter mal auch "einfach so" in der neuen Wohnung aufgehalten haben, darf man wohl als ein gutes Zeichen dafür betrachten, dass wir uns dort wohl fühlen – schon jetzt, trotz des unfertigen Zustands. Für die Kinder sind natürlich vor allem der Garten und die Katzen große Anreize. Gleichzeitig muss ich allerdings auch zu Protokoll geben, dass so ein "allmählicher Umzug", dieses Pendeln zwischen zwei Wohnungen, von denen die eine noch nicht und die andere nicht mehr vollständig eingerichtet ist, durchaus auf seine ganz eigene Art anstrengend ist. Aber okay: Für den Transport der großen, schweren und sperrigen Möbel haben wir jetzt einen semiprofessionellen Umzugshelfer engagiert, dieser Teil des Umzugs soll in zwei Wochen über die Bühne gehen, und bis dahin müssen wir eigentlich "nur noch" weiter entrümpeln und Kleinkram in Kisten verpacken. Ich hoffe daher, dass der Umzugsstress in nächster Zeit eher weniger als mehr wird, aber meine Liebste ist da weniger optimistisch... 


Wieder Debatten über den Religionsunterricht 

Sagen wir mal so: Wenn ich einen Beitrag aus der Standpunkt-Rubrik auf häretisch.de lese und meine spontane Reaktion lautet "Einiges von dem, was da gesagt wird, ist gar nicht so verkehrt", dann hat das schon Seltenheitswert – umso mehr, wenn der betreffende Beitrag von einem Redaktionsmitglied des Bonner Ketzportals stammt. Und nun gar Steffen Zimmermann, der sich ja bisher kaum mal bei einem vernünftigen Gedanken hat erwischen lassen! – "Wer den Religionsunterricht abschaffen will, macht einen Denkfehler", ist seine Kolumne überschrieben, und natürlich regt sich da bei mir sogleich die Lust, mich darüber zu mokieren, dass der Herr Zimmermann ja nun genau der Richtige sei, anderen Leuten Denkfehler anzukreiden, aber wie gesagt, so ganz Unrecht hat er nicht. Darum möchte ich hier gleich mal die Aussagen, mit denen er meines Erachtens nicht ganz Unrecht hat, an den Anfang meiner Betrachtung stellen, dann habe ich das hinter mir und kann mich anschließend darauf konzentrieren, was ich an diesem "Standpunkt" dennoch zu kritisieren habe. 

"Gerade in einer pluraler werdenden Gesellschaft verschwindet Religion nicht einfach", stellt der häretisch.de-Autor fest. "Vielmehr wird sie vielfältiger – und damit komplizierter." Daher argumentiert er, "angesichts wachsender religiöser Vielfalt und zunehmender Religionskonflikte" sei religiöse Bildung – im Sinne von Wissen über Religion(en) – "wichtiger denn je". Und weiter: "Gerade weil Religion für viele Menschen weniger selbstverständlich ist, sollten Kinder und Jugendliche etwas über sie lernen." 

Einzuwenden wäre hier natürlich, dass das alles, so richtig es an und für sich ist, noch kein zwingendes Argument für einen konfessionellen Religionsunterricht in Verantwortung der Religionsgemeinschaften ist; man könnte durchaus argumentieren, den von Zimmermann angesprochenen Zwecken würde ein konfessionsabhängiges Fach Religionskunde (oder so ähnlich), das unterschiedliche Religionen von einem (dem Anspruch nach) neutralen Standpunkt aus darstellt, eher gerecht. Zur Rechtfertigung des konfessionellen Religionsunterrichts ließe sich demgegenüber vorbringen, das Grundrecht der Schüler auf Religionsfreiheit müsse das Recht einschließen, über ihre jeweils eigene Religion nicht aus einer distanzierten oder sogar ablehnenden Perspektive heraus belehrt zu werden. Aber ein solches Argument würde ein Steffen Zimmermann sich natürlich nicht zu eigen machen, schließlich geht es ihm darum, den Religionsunterricht in seiner bestehenden Form nach zwei Seiten hin zu verteidigen: gegen "die einen", die dieses Unterrichtsfach für indoktrinierend" und für einen "verlängerte[n] Arm kirchlicher Missionsbemühungen" halten, aber auch gegen "die anderen", die dem Religionsunterricht ankreiden, er vermittle "längst nicht mehr genug Glaubenswissen". Und Zimmermann wäre wohl nicht er selber, würde er sich nicht mit Vorliebe auf diese Anderen einschießen. Die Kenntnisse "religiöse[r] Begriffe, Texte und Traditionen", die der schulische Religionsunterricht vermitteln könne und solle, biete nämlich gerade Schutz vor "fundamentalistischen Vereinfachungen"; wer diese Kenntnisse nicht habe, werde "mitunter anfällig für die lautesten und radikalsten Stimmen". Mit anderen Worten, Zimmermann sieht den Wert und Nutzen des schulischen Religionsunterrichts nicht zuletzt in jenem "Containement [sic] für das Religiöse", das, wir erinnern uns, Pastor Kurowski am System Volkskirche lobte. 

Wenn ich solche Argumente für den Religionsunterricht an staatlichen Schulen höre oder lese, denke ich immer mit Schmerzen an Diskussionen, die ich im Vorfeld des ProReli-Volksbegehrens von 2009 geführt habe; damals versuchte ich nämlich regelmäßig Leuten, die darauf pochten, religiöse Indoktrination habe nichts an Schulen zu suchen, zu erklären, im Religionsunterricht gehe es ja gar nicht um eine Erziehung zum Glauben, und ich schäme mich ein bisschen, dass ich das damals als Argument für den Religionsunterricht ansah und entsprechend vertrat. Nun, wie schon mal angemerkt, irgendwann werde ich wohl mal einen Artikel mit der Überschrift "Pro Reli hat mich radikalisiert" schreiben müssen. Einstweilen eine provokante These: Ein konfessionsabhängiges Fach Religionskunde, wie ich es weiter oben skizziert habe, könnte die Zwecke und Aufgaben, die Steffen Zimmermann (und ja beileibe nicht nur er) dem Religionsunterricht zuweisen möchte, für Kinder aus atheistischen oder religiös indifferenten Elternhäusern erfüllen, aber für gläubige Schüler sollte es die Möglichkeit geben, sich von diesem Unterricht befreien zu lassen. 


Plötzlich Sedisvakanz in Speyer 

In der Deutschen Bischofskonferenz ist wieder ein Stuhl frei geworden, und zwar einer, der von der Papierform her eigentlich noch lange nicht "dran" gewesen wäre: Der bisherige Bischof von Speyer, Karl-Heinz Wiesemann, im Amt seit 2008, ist erst kürzlich 66 Jahre alt geworden und liegt damit altersmäßig ziemlich im Mittelfeld der deutschen Diözesanbischöfe – älter als er sind (in aufsteigender Reihenfolge) die Oberhirten von Augsburg, Regensburg, Osnabrück, Erfurt, Köln, Berlin, Görlitz, München-Freising, Dresden-Meißen und Magdeburg. Ein Rücktritt aus Altersgründen wäre bei ihm regulär erst 2035 fällig gewesen. Aus gesundheitlichen Gründen – und zwar vorrangig aus solchen der mentalen Gesundheit – hat er jedoch Papst Leo um vorzeitige Entpflichtung von seinem Amt gebeten, und dieser hat seinen Rücktritt mit Wirkung zum 19. August angenommen

Die Reaktionen auf Bischof Wiesemanns Rückzug ergeben ein recht gemischtes Bild. Für die Katholische Nachrichtenagentur KNA schreibt Norbert Demuth, der Kirche in Deutschland werde künftig "eine Stimme für Reformen" fehlen, und hebt hervor, Wiesemann habe sich "von Beginn an für das Reformprojekt Synodaler Weg" eingesetzt und dessen Beschlüsse unterstützt; als wünschenswerte "Weiterentwicklungen" der katholischen Lehre und "konkrete Reformen" habe er "die Suche nach Formen echter Mitberatung und Mitentscheidung aller Gläubigen, eine deutliche Aufwertung der Rolle der Frau, einschließlich eines vertieften Nachdenkens über die Öffnung der Weiheämter für Frauen, sowie das Bemühen um eine veränderte Sexualmoral" betrachtet. 

Dieses emphatische Bekenntnis zur Agenda des Synodalen Weges – die mich immer irgendwie an französische Aristokraten erinnert, die in der Nationalversammlung von 1789 mit fliegenden Fahnen zur Revolution überliefen – brachte Bischof Wiesemann im Dezember 2025 einen offenen Brief der Initiative Neuer Anfang ein, in dem ihm im Zusammenhang mit der Verabschiedung des Satzungsentwurfs für die geplante "Synodalkonferenz" durch die Deutsche Bischofskonferenz kräftig der Kopf gewaschen wird. Auf der Website des Neuen Anfangs erschien dieser von Bernhard Meuser unterzeichnete Brief unter der Überschrift "Bischof Wiesemann ist glücklich"; genau dies, glücklich, war Bischof Wiesemann tatsächlich aber wohl schon länger nicht mehr: Vielmehr ist er, wie jetzt bekannt wurde, schon seit Jahren wegen depressiver Tendenzen in psychotherapeutischer Behandlung, und so fehlt es nicht an Stimmen, die sich, ganz unabhängig von der Beurteilung von Wiesemanns Wirken als Bischof, erleichtert und dankbar darüber äußern, dass Papst Leo ihn von der Last seines Amtes befreit hat. – Nicht verschweigen möchte ich, dass sich in den Nutzerkommentaren auf der Facebook-Seite des EWTN-Ablegers CNA Deutsch durchaus auch Andeutungen finden, bei all seiner ostentativen Unterstützung für den Synodalen Weg habe Bischof Wiesemann in seiner Diözese im Stillen auch so allerlei Dinge "wachsen und laufen lassen", die kirchenpolitisch in eine ganz andere Richtung weisen. 

Da mir beim Stichwort "Bistum Speyer" quasi automatisch immer Hochwürden Carsten Leinhäuser alias Vaticarsten einfällt, der dort von 2015 bis 2019 Diözesanjugendseelsorger war, konnte ich mir nicht verkneifen, mal zu gucken, was der auf seinem Blog zum Rücktritt seines Oberhirten schreibt. Vielleicht hätte ich mir das lieber gespart, da dieser Text – wie man füglich vorher hätte wissen können – vorrangig der narzisstischen Selbstbespiegelung des Verfassers dient; but there it is. Jedenfalls: Wenn Hw. Leinhäuser schreibt, "[a]ls frischgebackener Jugendseelsorger" sei er "vor 16 Jahren einem Bischof begegnet, der in vielen Punkten andere Ansichten hatte, als die jungen Menschen, in deren Auftrag ich mit ihm zusammengekommen bin" (oder gar er selber), aber "[i]m Lauf der Jahre" habe "Bischof Karl-Heinz manche seiner Ansichten verändert. Mal vorsichtig, mal sehr deutlich. Das hat ihm Anerkennung, aber auch genügend Anfeindungen eingebracht", dann bedient das ein Narrativ, das man, wie mir scheint, in Bezug auf deutsche Bischöfe schon öfter gehört hat: dass da jemand, der von Haus aus eigentlich eher konservativ ist, im Amt "dazulernt" und sich den Anliegen der Progressiven öffnet. Was dieses Narrativ als Lernfortschritt verkaufen möchte, als Erweiterung des Horizonts, als Wachsen an den Herausforderungen des Amtes und letztlich als Zuwachs an Menschenliebe, könnte man natürlich auch genau umgekehrt interpretieren, als ein Sich-Abnutzen im Amt, als Verlust an Standfestigkeit im Glauben, als opportunistischen Verrat an eigenen Überzeugungen. Und wenn einer im Zuge dieses Entwicklungsprozesses Depressionen kriegt, mag wohl die Frage berechtigt sein, welche dieser Lesarten die wahrscheinlichere ist. 

In jedem Fall stellt die vorzeitig eingetretene Sedisvakanz im Bistum Speyer eine Gelegenheit für Papst Leo dar, den Umbau des deutschen Episkopats zu beschleunigen: Nachdem er bereits die bischöflichen Stühle von Münster und Eichstätt neu besetzt hat, ist derzeit Hildesheim vakant, nun also auch Speyer und demnächst Magdeburg (was angesichts der im Raum stehenden Möglichkeit einer dezidiert antikirchlich gewonnenen AfD-geführten Landesregierung in Sachsen-Anhalt ein besonders spannender Fall zu werden verspricht); da darf man wohl sagen: Die kirchliche Landschaft Deutschlands verändert sich rapide. Andererseits wachsen Bischofskandidaten ja nun nicht auf Bäumen, und irgendwo muss Papst Leo die Leute, denen er die Leitung der deutschen Diözesen anvertrauen möchte, ja hernehmen. Womit ich sagen will: Es ist anzunehmen, dass so ziemlich jeder, der überhaupt für ein Bischofsamt in Erwägung gezogen wird, schon einige Karrierestufen im institutionellen Apparat der Kirche hinter sich hat, während derer ihm etwaige Ecken und Kanten gründlich abgeschliffen worden sind. Da muss man sich dann nicht wundern, dass die meisten in jüngerer Zeit ernannten deutschen Bischöfe so stromlinienförmig wirken, in ihrer Physiognomie ebenso wie in ihren Äußerungen. Dennoch mag ich die Hoffnung nicht aufgeben, dass sich genau daran in Zukunft etwas ändert... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Woher ist das Licht des Glaubens gekommen, wenn nicht von der Predigt des Namens Jesu? Hat Gott uns nicht durch den Glanz dieses Namens "in Sein wunderbares Licht" gerufen, von dem Paulus sagt "Früher wart ihr Finsternis, jetzt aber seid ihr Licht im Herrn"? Dies ist der Name, den derselbe Apostel "vor den Heiden und Königen und den Kindern Israels" tragen sollte. Er trug diesen Namen wie eine Lampe umher, indem er überall Jesus als den Gekreuzigten predigte. 

Aber Jesus ist uns auch Speise. Trocken ist jede Art geistiger Nahrung, wenn sie nicht mit jenem Öl begossen wird, fad ist, was dieses Salz nicht würzt. Jesus ist Honig im Mund, Melodie im Ohr, Jubel im Herzen.  

Doch der Name Jesu ist uns auch Medizin. Nichts ist so wirksam wie der Name Jesus, um die Heftigkeit des Zorns zu zügeln, die stechenden Wunden ist Neids zu heilen, die Leidenschaften des Fleisches zu zügeln, das Feuer der Begierde zu löschen, den Durst der Habgier zu mäßigen und jedes ungesetzliche Verlangen zu vertreiben. Denn wenn ich den Namen Jesus nenne, erinnere ich mich an einen Mann, der sanftmütig und demütig im Herzen ist, der freundlich, besonnen, keusch und barmherzig und vollkommen in aller Güte und Heiligkeit ist und der zugleich der große allmächtige Gott ist, der mich durch sein Beispiel wieder gesund macht und mich durch seine Hilfe stärkt. Das alles tönt mir entgegen, wenn der Name Jesu ertönt. In seiner Menschlichkeit finde ich Vorbilder, denen ich nacheifern kann, und in seiner Allmacht Hilfe, ihnen nachzueifern. 

(Bernhard von Clairvaux, Predigten über das Hohelied, XV/6-8) 


Ohrwurm der Woche 

Bangles: Hazy Shade of Winter 

Man könnte sagen, es sei noch ein bisschen früh im Jahr für diesen Titel; aber ich glaube auch eigentlich nicht, dass es am plötzlichen Temperaturabfall lag, dass sich mir dieser Song neulich abends beim Geschirrspülen so vehement als Ohrwurm aufdrängte. Im Original ist der Song natürlich von Simon & Garfunkel, aber so sehr ich dieses Duo schätze und mich mit meinen alten Bandkollegen darin einig weiß, dass Paul Simon ein absolut begnadeter Songwriter ist, möchte ich in diesem einen Fall doch behaupten, dass es erst die Bangles gebraucht hat, um alles aus dem Song rauszuholen, was in ihm steckt. Wie ich bei früherer Gelegenheit schon mal schrieb: "Angesichts der Tatsache, dass sie den größten Hit ihrer Karriere ausgerechnet mit der Über-Schnulze 'Eternal Flame' hatten, vergisst man ja leicht, dass die Bangles eigentlich eine richtige Rockband waren. Ursprünglich wollten sie mal das weibliche Pendant zu Led Zeppelin werden. Hier hört man's noch ein bisschen." – Übrigens habe ich in der zurückliegenden Woche erstmals bemerkt, dass eine Textstelle, die ich bisher stets unhinterfragt als "feels alright" verstanden hatte, tatsächlich "fields are ripe" lautet. Das ergibt im Kontext auch viel mehr Sinn. 


Vorschau/Ausblick 

Morgen ist der 21. Sonntag im Jahreskreis, und ich gehe davon aus, dass wir da "ganz normal" in St. Joseph Siemensstadt in die Messe gehen werden. Am Montag beginnt das neue Schuljahr, was für meinen Tagesablauf allerdings keine besonders großen Veränderungen gegenüber der Vorwoche mit sich bringt: Das Tochterkind war schon seit vorigem Montag wieder in der Schule, am Mittwoch begann für meine Liebste die Arbeit wieder und der Jüngste ging daraufhin auch wieder zur KiTa. Allerdings geht in der kommenden Woche auch das Kampfsporttraining wieder los, und ich denke, das wird den Kindern gut tun. Am Donnerstag ist zudem der Elternabend für den neuen Erstkommunion-Kurs in St. Joseph Siemensstadt; darauf bin ich ziemlich gespannt und hoffe, dass ich davor noch etwas Zeit und Muße finde, mich angemessen darauf vorzubereiten. Wie das kommende Wochenende aussehen wird, ist derzeit noch unklar: Einerseits sind wir am Samstag, wie schon vor zwei Jahren, zu einer Gartenparty in Werder an der Havel eingeladen, andererseits ist auch Einschulungsfeier an der Schule des Tochterkindes, und drittens halte ich es für wahrscheinlich (auch wenn ich diesbezüglich noch keine verbindlichen Informationen habe), dass auch die regelmäßigen Meutentreffen der KPE-Wölflinge wieder losgehen. Und an den Umzug müssen wir bei alledem ja auch noch denken... Schauen wir mal, wofür wir uns entscheiden; ihr werdet es beizeiten erfahren, Leser! 


Samstag, 15. August 2026

Utopie und Alltag 38: Vom Ankommen und Aufbrechen

Bei uns ist ganz schön was los, Freunde! So arbeitsintensiv, schlafarm und erlebnisreich die "Religiöse Kinderfreizeit" (RKF) auch war, bei der ich die erste Augustwoche verbracht habe, erscheint sie mir im Nachhinein geradezu wie die Ruhe vor dem Sturm. Was vermutlich daran liegt, dass ich mit meiner Mitwirkung an der RKF so ausgelastet war, dass ich eine gute Ausrede hatte, mich in diesem Zeitraum um nichts anderes zu kümmern. Jetzt aber muss ich mich um andere Dinge kümmern, denn es stehen gleich mehrere tiefgreifende Lebensveränderungen an. Seht selbst! 

Dieses Symbolbild stammt eigentlich noch von unserem vorigen Umzug vor neun Jahren; aber es passt mindestens ebensogut zum jetzigen.

Das Leben ist ein Umzugskarton 

Ich habe in den zurückliegenden Wochen schon mehrfach angedeutet, dass meiner Familie ein Umzug ins Haus steht, und da die Umzugsvorbereitungen inzwischen so weit fortgeschritten sind, dass ein Teil unserer Möbel und sonstigen Habseligkeiten bereits in der neuen Wohnung steht, wird es wohl so langsam Zeit, ausführlicher darauf zu sprechen zu kommen. Also mal von vorne: Nachdem wir schon seit einiger Zeit zwar nicht direkt mit unserer Wohnung, wohl aber mit den Vermietern bzw. der Hausverwaltung unzufrieden gewesen sind, ist uns unlängst eine Gelegenheit zur Veränderung unserer Wohnsituation in den Schoß gefallen, die man kaum anders als ein Geschenk des Himmels nennen kann. Die Mutter einer Schulfreundin unseres Tochterkindes (die Mädchen sind buchstäblich seit dem ersten Tag ihrer gemeinsamen Probewoche an der Schule miteinander befreundet, also seit gut 3½ Jahren) schlug uns vor, mit ihr zusammen ein Zweifamilienhaus mit Garten zu mieten, gar nicht so weit entfernt von unserer jetzigen Wohnung (sodass sich die gewohnten Wege zur Schule, zur KiTa, zur Kirche, zum JAM usw. nicht allzu drastisch verändern), aber eine große Veränderung ist es trotzdem. 

Bis wir aus unserer jetzigen Wohnung ausgezogen sein müssen, ist noch etwas Zeit, aber es gibt auch noch viel zu tun bis dahin; und als erste Stufe der Umzugsvorbereitungen haben wir schon mal mit dem Entrümpeln angefangen. Man sammelt ja über die Jahre so allerlei Kram an, von dem man bei ruhiger Überlegung feststellen würde, dass man vieles davon gar nicht braucht, und da ist so ein Umzug eine willkommene Gelegenheit, sich von Manchem zu trennen – zumal unsere zukünftige Wohnung über signifikant weniger Stauraum verfügt als unsere bisherige. Aus diesem Grund haben wir bereits unseren privaten Bücherbestand um ca. 300 Bände reduziert, und die Kinder haben tapfer Spielzeug und Kuscheltiere aussortiert und damit einen Flohmarkt auf dem nahen Spielplatz veranstaltet. Am Dienstag haben wir bereits mit unserer zukünftigen Mitbewohnerin in der neuen Wohnung gefrühstückt, eine weitere Schulfreundin unserer Großen und deren Mutter waren auch mit dabei, und die Kinder lernten die beiden Katzen kennen, die ebenfalls mit einziehen bzw. schon eingezogen sind

Die Perspektive täuscht, in Wirklichkeit sind die beiden Katzen annähernd gleich groß (bzw. klein). 

Was ich ebenfalls bereits angedeutet habe, ist, dass unsere neue Wohnung, auch wenn sie wie gesagt nicht weit weg von unserer bisherigen ist, nicht mehr zum Territorium der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd gehört – was der zwischenzeitlich aufgetauchten Überlegung, ich könnte mein Engagement in dieser Pfarrei nach fast vier Jahren "innerer Emigration" wieder aufnehmen und intensivieren, natürlich einigermaßen die Luft rauslässt. Unsere zukünftige Wohnortpfarrei wird St. Franziskus Reinickendorf-Nord sein, und wie es sich fügt, liegt das Haus, in das wir einziehen, just im Gemeindegebiet der akut von der Schließung bedrohten Kirche St. Nikolaus, über die ich vor knapp einem Jahr berichtet habe. Das wirft natürlich die Frage auf, in welchem Umfang und in welcher Form ich mich dort zu engagieren gedenke. Eine Idee, die sich mir da spontan aufdrängt, wäre es, einmal in der Woche (oder so) in St. Nikolaus eine halbe Stunde Lobpreis mit dem Stundenbuch (a.k.a. "Beten mit Musik") anzubieten. Muss ich wohl mal mit den örtlichen Verantwortlichen sprechen; vielleicht sind die ja ganz dankbar für Initiativen zur Belebung des Standorts, solange es ihn noch gibt. Gleichwohl wird unser Umzug grundsätzlich nichts daran ändern, dass ich in Sachen Gemeindearbeit weiterhin vorrangig in Siemensstadt und Haselhorst aktiv sein werde – umso mehr, als mein Tochterkind dort zur Erstkommunion gehen soll und die Erstkommunionvorbereitung für ihren Jahrgang demnächst anfängt. Aber dazu zu gegebener Zeit mehr! 


Gott ist nicht im Sturm: Sonntag in Siemensstadt 

Am Sonntag gingen wir – zum ersten Mal seit fünf Wochen, denn in der Zwischenzeit waren wir ja erst in Butjadingen und dann bei der RKF gewesen – mal wieder in St. Joseph Siemensstadt in die Messe; dort gab es – zur großen Freude des Tochterkindes – ein erstes Wiedersehen mit ein paar Leuten, mit denen wir bis zum Vortag bei der RKF gewesen waren, nämlich mit dem Gemeindekirchenmusiker, der seinen angestammten Platz an der Orgel einnahm, und einem der Jungen Leiter, der ministrierte. Von den Kindern, die an der RKF teilgenommen hatten, war hingegen niemand da – die mussten wohl erst mal ausschlafen. Zelebriert wurde die Messe vom Spandauer Krankenhausseelsorger, und zwar in Albe und Stola, was man wohl auf die sommerlichen Temperaturen zurückführen kann; seine Predigt eröffnete er mit der Ankündigung, er werde auf das Evangelium – Matthäus 14,22-33, Jesus wandelt auf dem Wasser – nur kurz eingehen und sich hauptsächlich auf die 1. Lesung – 1. Könige 19,9-13, der Prophet Elijah begegnet Gott am Berg Horeb – konzentrieren. Hätte ich rechtzeitig daran gedacht, dass die Messen aus St. Joseph in der Sommerferienzeit nicht auf YouTube übertragen werden, hätte ich mir während der Predigt wohl Notizen gemacht; so aber muss ich mich darauf stützen, was mir von den Worten des Predigers im Gedächtnis haften geblieben ist. Die Episode aus dem Evangelium, dass Petrus über den See auf Jesus zugehen will und dabei untergeht, deutete er als Warnung davor, Gott zu versuchen bzw. auf die Probe zu stellen; im Übrigen zeigten sich schon in dem Satz "Wenn du es bist, so befiehl, dass ich auf dem Wasser zu dir komme" die Glaubenszweifel des Petrus, die dann eben auch dazu führen, dass sein Glaube ihn auf dem Wasser nicht trägt. – Zur 1. Lesung führte er aus, die Frage "Wo ist Gott?" ("Der Herr war nicht im Sturm... der Herr war nicht im Erdbeben... der Herr war nicht im Feuer") bewege die Menschen ja immer wieder, besonders auch in Form der Frage "Wo ist Gott im Leid?"; eine geläufige Konkretisierung dieser Frage lautet "Wo war Gott in Auschwitz?". Von dieser Feststellung ausgehend kam der Geistliche auf den Anschlag auf die Berliner CSD-Parade am 25. Juli zu sprechen, anscheinend unbekümmert darum, dass es etwas unverhältnismäßig wirken könnte, dieses Ereignis in einem Atemzug mit dem Holocaust anzusprechen. 

Es hatte aber durchaus seinen Grund, dass er von allen aktuellen Ereignissen, die die Frage "Wo ist Gott?" aufkommen lassen könnten, gerade dieses in den Mittelpunkt seiner Betrachtungen stellte: Er verwies darauf, ein "älterer Priester" habe in einer öffentlichen Stellungnahme den Anschlag auf die CSD-Parade als ein "Signal des Himmels" eingeordnet, und dieser Äußerung widersprach der Spandauer Krankenhausseelsorger eindringlich und ausführlich: Gott offenbare sich nicht in Gewalttaten – genau das zeige die 1. Lesung dieses Sonntags –; Gottes Kennzeichen sei vielmehr Zärtlichkeit. – 

Ich würde nicht unbedingt davon ausgehen, dass die Mehrzahl der Hörer dieser Predigt bewandert genug in der katholischen Medienbubble ist, um zu wissen, auf welche Äußerung der Geistliche sich hier bezog, geschweige denn, was der besagte "ältere Priester" denn nun genau gesagt hatte; ich selbst hatte das bisher auch nur eher oberflächlich und am Rande wahrgenommen (schließlich hatte ich genug Anderes zu tun gehabt), nahm diese Predigt aber nun zum Anlass, mir die Einlassung des 1939 geborenen Pfarrers i.R. Winfried Abel aus dem Bistum Fulda einmal im Wortlaut anzusehen. Der u.a. durch Beiträge auf EWTN und Radio Horeb überregional bekannte Ruhestandsgeistliche kritisiert in einem Leserbrief an die Fuldaer Zeitung, dass der Berliner Erzbischof Heiner Koch den CSD in seiner Stellungnahme zum Anschlag als "frohes und bewegendes Fest" charakterisiert hatte, und charakterisiert die Veranstaltung stattdessen als "Parade der Schamlosigkeit" und "zur Schau gestellte Verherrlichung der Perversion" und letztlich als Paradebeispiel (pun intended) für "die zunehmende sittliche Dekadenz" im "einst christlichen Abendland"; dass auch in Fulda eine CSD-Parade stattfindet, nimmt er zum Anlass, zu fragen: "Wird nun die einst prächtige, nun arg zusammengeschrumpfte Fronleichnamsprozession durch die große Parade der halbnackten Leiber verdrängt?" – Das ist alles ziemlich dick aufgetragen und man muss sich nicht wundern, dass es bei Lesern, die nicht von vornherein mit Pfarrer Abels Sichtweise übereinstimmen, vornehmlich Abwehrreaktionen hervorruft. Entscheidend dafür, dass und auf welche Weise der Spandauer Krankenhausseelsorger in seiner Sonntagspredigt in Siemensstadt auf Pfarrer Abels Leserbrief Bezug nahm, war es indes nicht, was der Fuldaer Ruhestandspriester insgesamt vom CSD und von der LGBTQ-Bewegung hält oder gar, was gläubige Katholiken von diesen Dingen halten sollten – über diesen Punkt ging der Prediger auffallend kurz und salopp hinweg –, sondern die Bewertung des Anschlags als "Signal des Himmels". Wie ist diese zu verstehen? Sieht Pfarrer Abel den offenbar islamistisch motivierten Attentäter als ein Werkzeug Gottes und heißt seine Tat damit gut? Durchaus nicht; er verurteilt scharf "das brutale und menschenverachtende Vorgehen der islamistischen Terroristen" und fordert: "Solchen Terroristen muss das Handwerk gelegt werden." Wie aber ist der Aufruf, "derartige Gräueltaten als ein Signal des Himmels [zu] verstehen", dann zu deuten? – Mir scheint, der Schlüssel zum Verständnis dieser Äußerung liegt in Pfarrer Abels Bezugnahme auf die These Peter Scholl-Latours, "dass die Stärke des Islam in Europa bedingt ist durch die Schwäche des Christentums": Dadurch, dass das Christentum in der Gesellschaft kaum noch, oder allenfalls in einer verwässerten, verharmlosten, individuell bedarfsgerechten moralistisch-therapeutischen Variante, präsent ist, hinterlässt es ein Vakuum in Sachen Sinn und Orientierung, und in diese Lücke stößt der Islam, gerade auch in seinen radikalen, militanten Ausprägungen. Zu dieser Lesart passt es auch, dass Pfarrer Abel seinen "Aufruf zur Besinnung und zur Umkehr" nicht etwa an Anhänger oder Unterstützer der LGBTQ-Bewegung richtet, sondern an "alle, die sich noch Christen nennen": Diese sollen den christlichen Glauben in der Gesellschaft wieder stärker zur Geltung bringen und damit der "zunehmende[n] sittliche[n] Dekadenz" ebenso Einhalt gebieten wie dem Vormarsch des gewaltbereiten Islamismus. – 

Zweifellos ist eine kritische Auseinandersetzung mit Pfarrer Abels Thesen angezeigt und wünschenswert; eine Voraussetzung für eine kritische Auseinandersetzung, die diese Bezeichnung verdient, wäre es allerdings, erst einmal verstehen zu wollen, was der "ältere Priester" eigentlich gemeint hat, statt mit wohlfeilen Strohmannargumenten auf den allgemeinen Empörungszug aufzuspringen. Gerade bei einem Mitbruder im priesterlichen Dienst finde ich dieses Vorgehen einigermaßen enttäuschend, umso mehr, wenn dieser – wie schon angemerkt – zu einem Publikum spricht, das größtenteils wahrscheinlich gar nicht weiß, wovon die Rede ist. 

Übrigens musste ich während des Eucharistischen Hochgebets etwas stutzen, da mir schien, der Zelebrant habe in den Interzessionen die Nennung von Papst und Bischof (sowie "Priestern, Diakonen und allen, die zum Dienst in der Kirche bestellt sind") ausgelassen. Ich kann freilich nicht ganz ausschließen, dass ich lediglich einen Moment lang unaufmerksam war, und mangels YouTube-Übertragung kann ich das auch nicht nachprüfen; aber auch wenn es so war, würde ich das eher auf ein Versehen zurückführen als auf etwaige schismatische Neigungen. Zum etwas irritierenden Gesamteindruck, den ich von dieser Messe mitnahm, trug es dennoch bei. 


Abenteuer im Wandschrank 

Mit ein bisschen Augenzwinkern könnte man behaupten, diese Sommerferien seien ein einziger Crashkurs in Sachen Kinder-und Jugendpastoral: Erst waren wir beim Kinderprogramm der Urlauberkirche in Butjadingen, dann bei der RKF, und kaum waren das Tochterkind und ich von dort zurück, begann auch schon die diesjährige Kinderbibelwoche der EFG The Rock Christuskirche. Für unsere Kinder war dies nach 2022, '23 und '25 schon die vierte Teilnahme; 2024 fand die Kinderbibelwoche statt, während wir in Urlaub waren. Bei der ersten Kinderbibelwoche, die wir miterlebten, orientierte sich das Programm an der Handlung des Zeichentrickfilms "Asterix erobert Rom", im Jahr darauf ging es um Superhelden und im vorigen Jahr um Sherlock Holmes. Dieses Jahr stand die Kinderbibelwoche unter dem Motto "Für den König – Eine Reise in das Land hinter dem Kleiderschrank"; die Programmgestaltung war demnach von C.S. Lewis' Narnia-Chroniken inspiriert. 

Schnee im Sommer! 

Zur Eröffnungsveranstaltung am Dienstag fuhren wir direkt von unserer neuen Wohnung aus, und eine Schulfreundin unserer Großen – jedoch nicht die, mit der wir zukünftig im selben Haus wohnen werden – kam auch mit. Die Leiterin erzählte mir, sie hoffe am ersten Tag der Kinderbibelwoche auf mindestens 20 Teilnehmer; tatsächlich kamen mehr als 30. Übrigens erzählte ich der Leiterin in aller Kürze von der RKF, bei der ich mitgearbeitet habe, und sie zeigte sich sehr interessiert – da sie, wie sie mir verriet, auch gerne mal ein Programm zu Mose und zum Auszug aus Ägypten machen würde. Ich stellte ihr in Aussicht, dass ich dazu einige Ideen beisteuern könnte, sowohl bereits erprobte als auch solche, die ich im Rahmen der RKF noch nicht umsetzen konnte, und sie meinte, darüber sollten wir uns bei Gelegenheit mal ausführlicher unterhalten. 

Am ersten Tag der Kinderbibelwoche ging ich mehr oder weniger freiwillig zum Elterncafé, das angesichts des Sommerwetters in einer schattigen Sitzecke im Garten stattfand; das "mehr oder weniger Freiwillige" bestand darin, dass ich diese Sitzecke ursprünglich nur aufsuchte, um mir einen Kaffee und ein paar Kekse zu genehmigen, bei dieser Gelegenheit mit anderen Erwachsenen (die ich zum Teil schon kannte und zum Teil noch nicht) ins Gespräch kam und es dann etwas arg demonstrativ gefunden hätte, ausgerechnet zu dem Zeitpunkt, als im Elterncafé das "inhaltliche Programm" losgehen sollte, von meinem gemütlichen Platz aufzustehen und stattdessen zum Kinderprogramm zu gehen. Tatsächlich war das "inhaltliche Programm" des Elterncafés an diesem ersten Tag auch gar nicht schlecht – das Thema lautete "Gott ruft uns", und behandelt wurde es anhand der Berufung der ersten Jünger Jesu nach Lukas 5,1-11 –, und am zweiten Tag, an dem ich auf ähnliche Weise erneut im Elterncafé "hängen blieb", war es sogar noch besser: Da ging es, ausgehend vom Buch Jona, um persönliche Gotteserfahrungen, und so etwas finde ich grundsätzlich interessanter als spekulatives Herumgestochere im Bibeltext. Am dritten Tag war ich schon nicht mehr ganz so freiwillig beim Elterncafé, sondern hatte eher den Eindruck, es werde von mir erwartet, daran teilzunehmen, und dazu passte es, dass es mir diesmal nicht so gut gefiel. In der Hauptsache wurde da ein mit zahlreichen Bibelzitaten gesticktes Evangelisierungs-Traktat vorgestellt, mit den üblichen Kernpunkten: Gott liebt uns, aber die Sünde trennt uns von Gott, also hat Er Seinen Sohn gesandt, um diese Trennung zu überwinden, aber damit wir Anteil an der Erlösung durch Jesus Christus haben, müssen wir Ihn als Herrn über unser Leben anerkennen – alles natürlich grundsätzlich richtig und gut, aber in der gedrängten Darreichungsform eines solchen Traktats vielleicht doch ein bisschen holzhammermäßig. 

Vor allem war ich aber unzufrieden damit, dass ich vom "inhaltlichen Programm" für die Kinder so wenig mitbekam; darum fragte ich mein Tochterkind an jedem Tag der Kinderbibelwoche, meist in der Schlange zur Essensausgabe, was es denn am jeweiligen Tag für eine Geschichte gegeben habe, und erfuhr auf diesem Wege, dass da jeweils zentrale Passagen aus dem ersten "Narnia"-Band nacherzählt bzw. szenisch dargestellt worden waren. Am dritten Tag hakte ich dann aber mal etwas genauer nach: "Nun heißt das Ganze aber ja Kinderbibelwoche", merkte ich an; "kannst du mir erklären, was diese ganze Geschichte von dem Löwen und der Hexe nun mit der Bibel zu tun hat?" – Das war natürlich ein bisschen eine Suggestivfrage, denn mir ist die vom Autor C.S. Lewis bewusst eingesetzte biblische Motivik in den Narnia-Chroniken durchaus bekannt und auch im Elterncafé wurde wiederholt darauf hingewiesen; die Antwort meiner Tochter lautete jedoch: "Nicht so richtig." Das mag zum Teil auf einen Mangel an Aufmerksamkeit zurückzuführen sein – zumal ja eine ihrer Schulfreundinnen mit dabei war, was nicht selten einen gewissen Hang zur Hibbeligkeit und Quatschigkeit mit sich bringt –, aber es weckt doch Zweifel an der katechetischen Wirksamkeit des Kinderprogramms: Ich hoffe, es wirkt nicht ungebührlich eitel, wenn ich sage, wenn meine Tochter den Zusammenhang schon nicht peilt, kann man das von vielen anderen Kindern erst recht nicht erwarten. 

Um mir selbst ein Bild zu machen, ging ich am vierten und letzten Tag der Kinderbibelwoche nicht zum Elterncafé, sondern schaute beim Kinderprogramm zu, wo in teilweise szenischer Darstellung das Finale des ersten Narnia-Bandes präsentiert wurde: Peter, Susan, Edmund und Lucy werden zu Königen und Königinnen von Narnia gekrönt und regieren viele Jahre lang, bis sie eines Tages im Wald den Kleiderschrank wiederfinden, durch den sie einst nach Narnia gelangt sind; neugierig betreten sie den Kleiderschrank und kehren dadurch in unsere Welt zurück, wobei sie wieder zu Kindern werden, weil diesseits des Kleiderschranks so gut wie keine Zeit vergangen ist. – Im Anschluss an diese Darbietung betrat ein Mitarbeiter der Gemeinde die Bühne, richtete ein paar klassische "Ergebnissicherungs"-Fragen an die Kinder, rekapitulierte einige besonders wichtige Handlungselemente und erzählte dann, unterstützt durch einige an die Wand projizierte Bilder, eine biblische Geschichte, die zum zuvor Gesehenen und Gehörten passen sollte. Ich unterstelle mal, der Ablauf wird an den vorangegangenen Tagen prinzipiell derselbe gewesen sein, aber man hat ja gesehen, wie wenig davon bei meiner Tochter "hängen geblieben" ist. Und auf der Basis dessen, was ich am letzten Kinderbibelwochen-Tag live miterlebt habe, wundert mich das auch nicht. Erzählt wurde da die Geschichte von Mephiboschet (bzw. Merib-Baal) nach 2. Samuel 9; befragt man den AI Overview von Google, erfährt man, dass das ein beliebter Text für Kindergottesdienste sei, weil Davids Güte gegenüber Mephiboschet anschaulich mache, "wie Gott zu den Menschen ist", und obendrein könnten Kinder aus dieser Geschichte "lernen, dass jeder wertvoll ist – unabhängig von Behinderungen oder Schwächen"; aber ich fand's doch ziemlich weit hergeholt – im Sinne von "Da kann nur jemand drauf kommen, der die gesamte Bibel quasi in Dauerschleife liest und dadurch irgendwann auf die Idee kommt, man müsse aus jeder noch so abseitigen Episode irgendwas machen können". Im Elterncafé ging es derweil, wie meine Liebste mir hinterher berichtete, um das Gleichnis vom Hochzeitsmahl (Matthäus 22,1-14), was mir dann doch als erheblich näherliegende Wahl erschien. 

(Natürlich könnte man – in dem Sinne, wie in der Leseordnung für die Heilige Messe die 1. Lesung und das Evangelium oft miteinander korrespondieren – beide Texte nebeneinander stellen und aufeinander beziehen. Aber das würde dann mehr Zeit und Sorgfalt erfordern, und wahrscheinlich auch ein qualifizierteres Publikum – auf diesen Punkt komme ich noch zurück.) 

Alles in allem muss ich somit zu meiner eigenen Überraschung feststellen, dass ich die diesjährige Kinderbibelwoche unter katechetischen Gesichtspunkten weniger überzeugend bzw. gelungen fand als die RKF. Natürlich kann man sagen, das sei ein Vergleich zwischen Äpfeln und Birnen, aber wie ich von meinem Deutsch- und Religionslehrer auf dem Gymnasium gelernt kann man Äpfel und Birnen sehr wohl miteinander vergleichen – schließlich handelt es sich in beiden Fällen um Obst. Zu den grundsätzlichen Unterschieden zwischen den beiden Veranstaltungsformaten, die man in Betracht ziehen muss, gehört, dass bei der RKF wesentlich mehr Zeit war: sechs volle Tage, wenn man An- und Abreisetag nicht mitrechnet, und davon waren täglich mindestens drei Stunden der "inhaltlichen Arbeit" im engeren Sinne, also der Arbeit an der Mose-Geschichte, gewidmet; demgegenüber umfasste die Kinderbibelwoche vier Nachmittage, wovon jeweils rund eine Dreiviertelstunde der Nacherzählung bzw. szenischen Darstellung der Narnia-Geschichte samt katechetischer Ausdeutung gewidmet war. Hinzu kommt das tendenziell unterschiedliche Alter der Zielgruppe: Die Kinderbibelwoche richtete sich an Kinder bis 12 Jahre, gut ein Viertel, vielleicht sogar ein Drittel der Teilnehmer war noch im Vorschulalter; dagegen war die RKF für ein Altersspektrum von 8 bis 14 Jahren konzipiert und der weit überwiegende Teil der Teilnehmer war mindestens zehn Jahre alt. Aber auch über solche eher äußerlichen Faktoren hinaus lassen sich für die Unterschiede zwischen den beiden Veranstaltungsformaten auch tiefer liegende konzeptionelle und, wie ich glaube, auch theologische Ursachen benennen. Die letzteren sind naturgemäß komplexer, also stellen wir sie erst einmal zurück; zum Konzeptionellen ist jedenfalls zu sagen, dass die EFG The Rock Christuskirche ihre jährliche Kinderbibelwoche nicht zuletzt auch als "Schaufenster"-Veranstaltung nutzt, um insbesondere für ihr wöchentliches Kinderprogramm JAM zu werben und allgemein mit Familien aus der Nachbarschaft in Kontakt zu kommen. In allererster Linie soll das Programm also Spaß machen und dafür sorgen, dass die Kinder Lust bekommen, wiederzukommen. Dabei wird – schon allein durch den Namen der ganzen Veranstaltung, aber auch dadurch, dass an verschiedenen Punkten des Programms gebetet wird und Lobpreislieder gesungen werden – durchaus offen kommuniziert, dass man den Anspruch hat, den Kindern Grundlagen des christlichen Glaubens zu vermitteln, aber dabei wird – ungeachtet der Tatsache, dass der weit überwiegende Teil der teilnehmenden Familien ohnehin bereits Stammgast beim JAM sind; ein paar "Neue" sind halt doch jedes Jahr dabei – ein Niveau eingehalten, das keine einschlägigen Vorkenntnisse voraussetzt. Im Unterschied dazu hat man es bei den Teilnehmern der RKF im Wesentlichen mit Kindern zu tun, die schon bei der Erstkommunion und also auch beim Erstkommunionunterricht waren. Kurz gesagt, fasst man – wie ich es aus Father Mallons "Wenn Gott sein Haus saniert" gelernt habe – Evangelisierung, Katechese und Jüngerschaft als aufeinander aufbauende Stufen der Glaubensentwicklung auf, dann steht die Kinderbibelwoche bewusst und absichtlich auf der untersten Stufe, oder man könnte sogar sagen, es ist eine Vorstufe zur Evangelisierung. Dagegen steht die RKF – zumindest potentiell; es kommt halt immer darauf an, was man aus den Möglichkeiten des jeweiligen Formats macht – schon auf einer höheren Stufe. 

Dabei gilt es zu betonen, dass das eine nicht zwingend besser ist als das andere; grundsätzlich ist beides notwendig, und wenn man beim Vergleich zwischen Kinderbibelwoche und RKF mit in Betracht zieht, dass das eine ein freikirchliches und das andere ein post-volkskirchliches Format ist, dann könnte man auf den Gedanken kommen, "bei uns" fehle es gerade an solchen niederschwelligen Einsteigerangeboten für ein (noch) nicht kirchlich gebundenes und entsprechend "vorkonditioniertes" Publikum: Die Großkirchen verlassen sich immer noch zu sehr darauf, dass die Leute "von selber" zu ihnen kommen – anders ausgedrückt, sie verlassen sich zu sehr auf ihre Bestandskunden, also etwa darauf, dass Eltern ihre Kinder zum Erstkommunionunterricht anmelden, sobald sie das dafür übliche Alter erreicht haben. Und für die Leute, die eben nicht "von selber" kommen, tut man nichts. Das kann so nicht weitergehen. 

(An dieser Stelle sei mir die Anmerkung erlaubt, dass ich mir wünschen würde, das Programm der Urlauberkirche in Butjadingen hätte ein bisschen mehr Ähnlichkeit mit dem der Kinderbibelwoche – bei der übrigens auch gebastelt wurde.) 

Hier z.B. ein "Mini-Narnia", flankiert von zweimal "Wald im Glas".

Betonen möchte ich übrigens, dass es meiner Tochter bei der diesjährigen Kinderbibelwoche ausgesprochen gut gefallen hat und dass sie insbesondere die Narnia-Geschichte toll fand. Wenn ich trotzdem den Eindruck habe, was das katechetische Niveau angeht, wächst sie so allmählich aus diesem Format 'raus, dann hat das wohl auch damit zu tun, dass die Evangelikalen eine Theologie haben, die – sprichwörtlich ausgedrückt – auf einen Bierdeckel passt. Da findet also schon allein deshalb nicht so viel an Katechese statt, weil es gar nicht so viel an Glaubenswissen zu vermitteln und zu reflektieren gibt: Letztlich läuft alles immer wieder auf dieselben vier bis sechs Kernsätze hinaus, und wie oft kann man die einem Kind gegenüber wiederholen, ohne dass es innerlich abschaltet und denkt "Weiß ich doch alles schon"? (Dass die post-volkskirchliche Kinderkatechese demgegenüber vielfach so mies ist, dass sie es nicht einmal schafft, den Kindern diese Grundlagen zu vermitteln, steht indes auf einem anderen Blatt.) 


Geistlicher Impuls der Woche 

Ich gab euch ein Land, um das ihr euch nicht bemüht hattet, und Städte, die ihr nicht erbaut hattet. Ihr habt in ihnen gewohnt und ihr habt von Weinbergen und Ölbäumen gegessen, die ihr nicht gepflanzt hattet. Fürchtet also jetzt den Herrn und dient ihm in vollkommener Treue! Schafft die Götter fort, denen eure Väter jenseits des Stroms und in Ägypten gedient haben, und dient dem Herrn! Wenn es euch aber nicht gefällt, dem Herrn zu dienen, dann entscheidet euch heute, wem ihr dienen wollt: den Göttern, denen eure Väter jenseits des Stroms dienten, oder den Göttern der Amoriter, in deren Land ihr wohnt. Ich aber und mein Haus, wir wollen dem Herrn dienen. 

(Josua 24,13-15) 


Ohrwurm der Woche 

Jimi Hendrix: All Along the Watchtower 

Der war wohl überfällig, nachdem ich diesen Song in den zurückliegenden Wochen zweimal zum Vergleich mit dem da jeweils gerade aktuellen Ohrwurm der Woche herangezogen habe. Die endgültige Entscheidung fiel dann, als ich gestern auf dem Weg zum letzten Tag der Kinderbibelwoche zusammen mit den Kindern an einem Straßenmusiker vorbeikam, der gerade diesen Song performte – leider nicht besonders gut, aber welcher Gitarrist ist schon "gut", wenn er sich an Jimi Hendrix messen lassen muss? – Ursprünglich stammt "All Along the Watchtower" natürlich aus der Feder von Literaturnobelpreisträger Bob Dylan, aber es heißt, sogar dieser selbst habe, nachdem er Jimi Hendrix' Interpretation gehört habe, erklärt "It's Jimi's song now". Dem ist wohl nichts hinzuzufügen... 


Vorschau / Ausblick 

Heute ist bzw. war das Hochfest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel, kurz Mariä Himmelfahrt; man darf wohl davon ausgehen, dass die "äußere Feier" dieses Hochfests in der morgigen Sonntagsmesse nachgeholt wird. Erinnert sei in diesem Zusammenhang auch daran, dass meine alte Heimatgemeinde Herz Mariä Burhave traditionell an Mariä Himmelfahrt ihr Patronatsfest feiert – und dass die dortige Gemeinde, wenn auch nicht das Kirchengebäude, heuer ihr 80jähriges Bestehen feiert, oder jedenfalls feiern könnte: Die aktuelle Ausgabe des Gemeindeblatts "Willehad aktuell" enthält keinerlei Hinweise darauf, dass dieses Jubiläum irgendwie besonders gewürdigt würde. Immerhin trifft es sich ganz gut, dass Mariä Himmelfahrt in diesem Jahr auf einen Samstag fällt und somit im Rahmen der regulären Vorabendmesse in Burhave gefeiert werden kann – mit anschließendem Grillen im Pfarrgarten. 

Im Übrigen sind immer noch Sommerferien, aber gefühlt nicht mehr so ganz: Meine Liebste muss ab Mittwoch wieder zur Arbeit – Vorbereitungswoche –, daher haben wir das Tochterkind für diese Woche zur Ferienbetreuung in Ihrer Schule angemeldet, und das würde ich gern auch zum Anlass nehmen, den Jüngsten wieder zur KiTa zu bringen – aber da hat er durchaus ein Mitspracherecht. Die Umzugsvorbereitungen gehen natürlich weiter, und ich muss mich weiterhin um meine Immatrikulation in Paderborn kümmern, wozu ich in der zurückliegenden Woche nur wenig Zeit und Muße gefunden habe. Es bleibt also spannend...! 


Samstag, 8. August 2026

Utopie und Alltag 37 – RKF spezial: Mensch Mose, beweg dich!

Es war ja absehbar, dass es in der ersten Augustwoche kein anderes Thema geben würde als die diesjährige Religiöse Kinderfreizeit (RKF) der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst unter dem Motto "Mensch, Mose – beweg dich!", bei der ich im Leitungsteam und mein Tochterkind als Teilnehmerin mit von der Partie war. Nicht unbedingt absehbar war es für mich hingegen gewesen, dass ich die RKF so klasse finden würde. Ihr dürft euch also auf eine ausführliche Schilderung derjenigen Aspekte der Fahrt freuen, die ich im Kontext der – sagen wir mal – "Leitthemen" meiner Wochenbriefing-Reihe Utopie und Alltag besonders relevant finde. Also hinein ins Vergnügen! 

Ich habe übrigens läuten hören, dass man bei der Organisation einer Religiösen Kinderwoche einen festgelegten Betrag für Bastelmaterialien ausgeben "muss". Ich verrate hier aber nicht, um was für eine Summe es sich handelt.


Fast wie bei Rat Schinke hier

Am Samstagvormittag brachte ich mein Tochterkind zum Bahnhof Spandau, von wo aus die Teilnehmer der RKF mit dem Zug zur Mecklenburgischen Seenplatte aufbrechen sollten. Ich selbst kam zwar auf die Fahrt mit, fuhr aber nicht mit der Gruppe im Zug, da ich sozusagen "beim Tross" war: Ich sollte zusammen mit dem Gemeindekirchenmusiker, der bei der RKF als Küchenchef agierte, und der Frau des Gemeindereferenten im Kleinbus vorfahren, in dem auch das Gepäck, die Lebensmittel, Bastelmaterialien usw. transportiert wurden. Die Idee war, dass der Kleinbus rechtzeitig bei der Unterkunft ankommen sollte, dass wir schon die Küche einrichten und nach Möglichkeit einen kleinen Snack vorbereiten konnten, bevor die ganze Gruppe ankam. Das scheiterte allerdings bereits im Ansatz – einerseits, weil wir infolge einer Reihe von sich aufsummierenden Kleinigkeiten erst eine Stunde später losfuhren als ursprünglich geplant, und andererseits, weil wir infolge diverser Verkehrsbehinderungen auf der Autobahn (plus zweimal verfahren) mit dem Auto auch nicht so viel schneller waren als die anderen mit der Bahn. So richtig schlimm war das aber nicht, und es blieb auch nicht der einzige Fall, in dem wir den Zeitplan nicht einhalten konnten. Damit muss man (oder sollte man zumindest) wohl immer rechnen, besonders wenn man es mit Kindern und Teenagern zu tun hat. 

Die Location gefiel mir jedenfalls auf den ersten Blick. Wir waren in einem Selbstversorger-Gruppenhaus innerhalb des Ferienparks Plauer See untergebracht, das auf der Website des Ferienparks als "historisches Gästehaus" tituliert wird; über die Historie des Hauses, das an der Giebelseite die Jahreszahl 1898 trägt, war allerdings wenig herauszufinden. Der Gemeindereferent vermutete, dass es ein ehemaliges Forsthaus war, und als wir – da greife ich jetzt mal der chronologischen Reihenfolge ein wenig vor – am Sonntag auf einer Wiese hinter bzw. neben dem Haus die Messe feierten, merkte er an, dies sei wahrscheinlich die allererste Heilige Messe, die jemals an diesem Ort gefeiert worden sei. – Ich hatte zunächst die Vermutung, der Ferienpark Plauer See sei zu DDR-Zeiten das Zentrale Pionierlager Fritz Heckert gewesen, aber laut Google Maps befand sich dieses am anderen Ufer des Plauer Sees. Wundern würde es mich indes trotzdem nicht, wenn das "historische Gästehaus" irgendwie mit dem Pionierlager in Verbindung gestanden hätte. 


Die Unterbringung in einem Selbstversorger-Gruppenhaus erinnerte mich natürlich an das gute alte Rat-Schinke-Haus in meinem Heimatdorf Burhave, das allerdings den nicht unwesentlichen Vorteil hat, dass sich dort die örtliche katholische Kirche buchstäblich unter demselben Dach befindet. Andererseits wäre das Rat-Schinke-Haus für die Zwecke dieser RKF nicht nur zu weit weg, sondern vor allem auch zu klein gewesen, denn da ist nur für Gruppen von bis zu zwanzig Personen Platz, wir waren jedoch ganze dreißig Personen: das siebenköpfige Leitungsteam, dazu sechs Jungen und 17 Mädchen im Alter zwischen sieben und 14 Jahren (eigentlich war das Mindestalter acht Jahre, aber ein siebenjähriger Junge durfte mit, weil seine große Schwester auch dabei war; die zweitjüngste Teilnehmerin war meine Tochter, die im Herbst neun wird). Beim Elternabend vor knapp zwei Monaten war noch von 18 Anmeldungen die Rede gewesen, da waren also einige noch recht kurzfristig dazugekommen; es waren auch deutlich mehr Teilnehmer als im Vorjahr, und rund die Hälfte der Teilnehmer war zum ersten Mal bei einer RKF (während die andere Hälfte zum Teil schon zum dritten oder vierten Mal mitfuhr). Gehört auch das zum stillen religiösen Aufbruch ("Quiet Revival")? – Ein gutes Drittel der Kinder war polnischer Herkunft, was bei der Mitgliederstruktur der Siemensstädter Gemeinde nicht sonderlich überraschen kann; in früheren Jahren soll dieser Anteil sogar noch größer gewesen sein. Daneben waren auch Kinder italienischer, ägyptischer, syrischer oder irakischer Herkunft mit dabei. Man hört immer wieder, im gesamten Erzbistum Berlin sei ungefähr jeder vierte Katholik nichtdeutscher Herkunft; es würde mich nicht wundern, wenn unter den praktizierenden Katholiken dieser Anteil noch deutlich größer wäre, und in Siemensstadt vielleicht sogar noch einmal besonders groß. – Während es sich bei den zehn- bis elfjährigen Teilnehmern im Großen und Ganzen um Erstkommunionkinder aus diesem oder dem vorigen Jahr handelte, die ich daher schon vom KiWoGo und/oder RKT her kannte (und nach gängigen post-volkskirchlichen Maßstäben darf man es ja schon als Erfolg verbuchen, wenn man die Kinder nach ihrer Erstkommunion überhaupt nochmal wiedersieht), waren unter den größeren Mädchen einige, die zur Gemeinde von St. Joseph/St. Stephanus eigentlich überhaupt keinen Bezug haben, aber eine katholische Schule besuchen und von Freundinnen, die schon öfter mit dabei gewesen waren, zum Mitkommen überredet worden waren. Unter diesem Aspekt ist das evangelistische Potential von Schulen in kirchlicher Trägerschaft womöglich doch größer, als ich bisher gedacht hätte; aber es kommt halt wie stets und überall darauf an, was man aus diesem Potential macht

Der Kirchenmusiker, der wie gesagt als Küchenchef mitgekommen war, äußerte sich übrigens schon in der Leiterrunde am ersten Abend – und in der Folgezeit noch öfter – lobend über die "sensationell netten Kinder", und ich kann ihm da nur zustimmen. Sogar die Teenie-Mädchen waren erfreulich unzickig. Schwierigkeiten gab es, wenn überhaupt, eher mit den "Tweens" – also den 11- bis 12-Jährigen, die sich nicht mehr so ganz als Kinder sehen, aber auch noch nicht richtig jugendlich sind. Jedenfalls kann man konstatieren, dass es auf dieser Fahrt auch in pädagogischer Hinsicht einiges zu lernen gab. – 

Auch noch erwähnt sei – auch wenn ich im weiteren Verlauf nur am Rande darauf eingehen werde –, dass die Veranstaltung, die ja normalerweise Religiöse Kinderwoche heißt, in der Gemeinde St. Joseph/St. Stephanus nicht von ungefähr explizit "Religiöse Kinderfreizeit" heißt; und zwar deshalb, weil neben dem "inhaltlichen Programm" auch auf ein attraktives Freizeitprogramm Wert gelegt wird, das in diesem Fall u.a. Baden im See (wobei an einem Tag auch ein Floß gebaut wurde), eine Kanutour, Fußball- und Volleyballspielen, Bogenschießen und einen Ausflug in das nahegelegene, recht malerische Städtchen Malchow umfasste. Oft waren es diese Erlebnisse, über die die Kinder bei der Abendrunde am meisten redeten und die demnach offenbar den lebhaftesten Eindruck bei ihnen hinterließen, und das ist ja auch nicht sonderlich überraschend; aber man kann trotzdem nicht behaupten, dass das "inhaltliche Programm"wie ich im Vorfeld so ein bisschen befürchtet hatte – als nebensächlich oder gar als notwendiges Übel betrachtet worden wäre. Dazu gleich mehr. 


Eigentlich bin ich ja nur im Küchenteam, aber...

Ich hatte es bereits erwähnt: Offiziell war meine Position im Leitungsteam dieser RKF die des Küchenhelfers, ich durfte also nach dem Wölflingslager auf dem Achorhof im letzten Herbst erneut für um die 30 Personen kochen – diesmal zwar nicht in der Gulaschkanone, allerdings in einer Küche, die – was etwa die Leistungsfähigkeit der Herdplatten und der Spülmaschine oder auch die Ausstattung mit Toastern und Wasserkochern anging – eher auf die Bedürfnisse eines größeren Privathaushalts ausgerichtet zu sein schien. Bei drei Mahlzeiten am Tag und zwischendurch Tee war das eine Menge Arbeit, machte aber Spaß – und nicht zuletzt vermittelte es einen recht intensiven Eindruck von der ganzen Logistik hinter einer solchen Ferienfreizeit. Mit Blick auf meine angestrebte berufliche Zukunft muss ich da feststellen: Ehe ich mir zutraue, selbst eine Religiöse Kinderwoche zu organisieren, werde ich wohl noch einige Jahre lang Erfahrungen in helfender Position sammeln müssen. 

Bei allem Interesse an der organisatorischen Seite der Fahrt ist es wohl nicht sonderlich überraschend, dass ich dennoch darauf hoffte und spekulierte, auch in die "inhaltliche Arbeit" einbezogen zu werden. Dass diese Hoffnung nicht ganz unerfüllt bleiben würde, war im Grunde absehbar, schließlich hatte ich im Vorfeld eine Reihe von Anregungen und Vorschlägen erarbeitet, wie man die doch sehr moralistisch-therapeutisch geprägten konzeptionellen Vorgaben des Materialienbuches in spiritueller und katechetischer Hinsicht etwas "aufmotzen" könnte, und da lag es wohl nahe, dass mir auch die Aufgabe zufallen würde, wenigstens einen Teil dieser Vorschläge selbst umzusetzen. Hinzu kam, dass eine der jungen Erwachsenen, die in den internen Ablaufplänen als "Junge Leiter" betitelt wurden (das gefiel mir; ich fand, "Die jungen Leiter" könnte der Name einer Fernsehserie sein), sich krank gemeldet hatte und das Leitungsteam somit Verstärkung gebrauchen konnte. 

Zu meinem ersten Einsatz in der "inhaltlichen Arbeit" kam ich dann auch schon unverhofft früh, nämlich beim Abendprogramm am Ankunftstag – die zur Sonnenuntergangszeit am See stattfand, atmosphärisch definitiv das Highlight des Tages. 

Der Gemeindereferent hatte die Idee gehabt, zum Einstieg – um die Mose-Geschichte in einen größeren Kontext einzuordnen – noch einmal die Geschichte von Abraham zu rekapitulieren, der wir im März bereits einen Religiösen Kindertag gewidmet hatten, und dabei die bei diesem RKT gebastelten Collagen zur Visualisierung zu verwenden. Auf dem Weg zum See fragte der Gemeindereferent mich spontan, ob ich das Nacherzählen der Abrahamsgeschichte übernehmen möge, und ebenso spontan willigte ich ein. Das Erzählen machte Spaß und ich erntete auch positives Feedback sowohl von Kindern als auch aus dem Leitungsteam. – Der Tagesabschluss mit Reflexion und Ausblick sollte, wie ich entweder erst jetzt erfuhr oder mir zuvor einfach nicht gemerkt hatte, in Kleingruppen erfolgen, und zwar zimmerweise; dabei sollte auch ich eine Kleingruppe übernehmen, und zwar nicht etwa die aus dem Zimmer, in den meine Tochter schlief, und auch keine aus einem der beiden Jungszimmer – das wäre wohl zu einfach gewesen. Stattdessen wurden mir die lauten, chaotischen und nicht gerade zu übermäßigem Respekt vor Autoritätspersonen neigenden "Tween"-Mädchen aus Zimmer 5 zugeteilt, die mich direkt unverhohlen wissen ließen, dass sie nicht die Absicht hatten, mir meine so unverhofft und unvorbereitet übernommene Aufgabe leicht zu machen. Es erwies sich somit als ziemlich herausfordernd, mit dieser Mädchengruppe einen einigermaßen sinnvollen Tagesrückblick einschließlich Nachtgebet hinzukriegen, aber ich sagte mir, auch das sei eine wertvolle Erfahrung und ich müsse halt zusehen, wie ich das Beste daraus mache. 

Bei der Leiterrunde am ersten Abend konnte ich mir für den nächsten Tag die Aufgabe sichern, die Morgenandacht zu leiten, und zwar mit Hilfe des YouCat-Jugendgebetbuchs, das ich einer spontanen Eingebung folgend in mein Handgepäck gesteckt hatte. Obendrein sollte am Sonntag natürlich die Heilige Messe gefeiert werden, zu welchem Zweck ein Geistlicher der Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland – nämlich Padre Ricardo – zu Besuch kommen sollte, allerdings erst am Nachmittag. Jedenfalls sah die Tagesplanung für den Sonntag vor, dass die Kinder am Vormittag in Kleingruppen in die Vorbereitung des Gottesdienstes einbezogen werden sollten, und ich meldete mich freiwillig für die Gruppe, die Kyrie-Rufe und Fürbitten erarbeiten sollte. Es kam dann aber doch anders: Die Kreativarbeit zum Thema dieses ersten vollen Programmtages – Moses Geburt, seine Aussetzung und Rettung – nahm so viel Zeit in Anspruch, dass die Gottesdienstvorbereitung auf das Einüben der Lieder beschränkt wurde. So gab es in der Messe ein gesungenes Kyrie, und die Fürbitten wurden frei und spontan formuliert – und ich war recht angetan von der Beteiligung der Kinder daran. Auch sonst fand ich die Messe, die wie erwähnt auf einer Wiese neben dem Haus gefeiert wurde, sehr schön. 

Ein Highlight des Sonntags war für mich aber doch die Morgenandacht, die ich leiten durfte. Nach der chaotischen Abendrunde mit den Tweens aus Zimmer 5 war ich überrascht, wie gut diese Andacht lief: Besonders dass das YouCat-Jugendgebetbuch an einem Punkt der Andacht Stille verlangte, hatte ich mir schwierig vorgestellt, aber ich hatte mir dafür ein paar Tricks vom Kampfsporttrainer meiner Kinder abgeguckt, und es klappte ausgezeichnet. Dieser Erfolg führte nicht nur dazu, dass ich auch an den folgenden Tagen die Morgenandacht leiten durfte, sondern regte mich zudem dazu an, auch die Abendrunden mit den Mädels aus Zimmer 5 künftig mit Hilfe des YouCat-Jugendgebetbuchs zu gestalten. Tatsächlich verlief die Abendrunde am Sonntag immer noch ziemlich chaotisch, aber ich hatte doch das Gefühl, es laufe tendenziell schon etwas besser

Am Montag erreichte meine Einbindung in die "inhaltliche Arbeit" einen ersten Höhepunkt: Erst leitete ich wieder die Morgenandacht, dann durfte ich der ganzen Gruppe eine freie Nacherzählung der Geschichte von Mose und dem Brennenden Dornbusch präsentieren und dann auch noch eine Kleingruppenkatechese für die Teenie-Mädchen leiten. Dazwischen hatte ich noch die Aufgabe, vier der kleineren Kinder – darunter meine Tochter – zu beaufsichtigen, während sie Ausmalbilder zur Dornbuschgreschichte bearbeiteten. Wir saßen auf der Terrasse, und ich dachte, es wäre eine gute Idee, den Kindern, während sie malten, thematisch passend das Lied "Mr. Pharao" von NimmZwei vorzuspielen. Danach wollten sie, wie man hätte voraussehen können, mehr Musik hören, also machte ich das offizielle Titellied der diesjährigen RKW, "Mensch Mose – beweg dich", an – das, während die meisten anderen in den offiziellen RKW-Materialien enthaltenen Lieder eher nach eingeschlafenen Füßen klingen, stilistisch durchaus Ähnlichkeit z.B. mit Liedern von Peter Menger & Königskinder Hüttenberg hat, wenn es auch nicht ganz so gut ist. Und danach ließ ich einfach meine Kinder-Lobpreis-Playlist weiter laufen, sehr zur Freude der Kinder, die dazu ordentlich abgingen. Ein besonderes Highlight war das Lied "Jesus hier bei uns" von Daniel Kallauch, in dessen Refrain auf den Namen Jesus stets der Einwurf "Hey!" folgt; da machten die Kinder mit Begeisterung mit, und das war ein ausgesprochen reizender Anblick. Als ich gegen Abend dieselben Kinder (und noch ein paar mehr) bei einer weiteren Kreativaufgabe, nämlich der Gestaltung eines Windlichts zum Thema "Brennender Dornbusch", betreuen sollte, fragte mich eins der Mädchen prompt "Dürfen wir dabei wieder Rockmusik hören?" Ich hätte diesem Wunsch eigentlich gern entsprochen, unterließ es aber, u.a. aus Rücksicht darauf, dass der Gemeindereferent, der die ganze Freiheit leitete, in puncto Medieneinsatz grundsätzlich eher konservativ eingestellt ist. 


Die Kleingruppenkatechese für die Teenie-Mädchen war für mich ein besonderes Highlight: Mein Ansatz dabei war, die Geschichte von Mose und dem Brennenden Dornbusch unter dem Aspekt "Berufung" zu betrachten, und als Beispiel dafür, dass es auch heute noch spektakuläre Berufungserlebnisse gibt, in denen Menschen schlagartig erkennen, dass Gott einen ganz anderen Plan für ihr Leben hat als sie selber, durfte ich noch einmal die Lebensgeschichte der Clare Crockett erzählen, die ich vor gut einem halben Jahr im Kinderwortgottesdienst thematisiert hatte. Ich hatte den Eindruck, auf die Mädchen, die zum Teil nur ein paar Jahre jünger waren als Clare Crockett zum Zeitpunkt ihrer Bekehrung, machte meine Erzählung einen noch deutlich intensiveren Eindruck als auf die Kinder beim KiWoGo. Der Gemeindereferent hatte mir einen Stapel Fotos von Clare Crockett in Ordenstracht ausgedruckt, und am Ende meines Vortrags gab ich diesen Stapel herum und sagte, wer ein Foto haben wolle, dürfe sich eins nehmen. Sie nahmen sich fast alle eins, und ich sah darin ein gutes Zeichen. 

Die Abendrunde mit den Chaos-Tweens aus Zimmer 5 lief am Montag, auch wenn sie erneut nicht ganz ohne Durcheinandergequatsche und Albernheiten abging, erstmals richtig gut, oder anders ausgedrückt, ich fühlte mich erstmals von den Mädchen wirklich akzeptiert als Kleingruppenleiter. – Am Dienstag gab es morgens Gewitter, die Morgenrunde wurde daher nach drinnen, in den Flur im Obergeschoss, verlegt; dort war es ein bisschen beengt, aber irgendwie gefiel mir die Atmosphäre. Im weiteren Verlauf des Tages hatte ich hauptsächlich in der Küche zu tun, und wenn nicht, versuchte ich mich einigermaßen auszuruhen. Dadurch bekam ich vom "inhaltlichen Programm" nicht sonderlich viel mit und fand das einigermaßen unbefriedigend; wirklich gut und aufbauend war hingegen wieder die Abendrunde mit den Mädchen aus Zimmer 5: Ich war richtig gerührt, als sie mich am Ende ihrer Tagesreflexion fragten, wie der Tag denn für mich gewesen sei. 

Am Mittwoch war das Thema des Tages der Durchzug durchs Rote Meer, und bei der Planung der Kleingruppen-Vertiefungsangebote konnte ich eine weitere Idee, die ich im Vorfeld entwickelt hatte, zur Geltung bringen: Eine Gruppe sollte den Auftrag bekommen, das Loblied des Mose nach dem Durchzug durchs Rote Meer (Exodus 15,1-19) in Form eines Raps zu adaptieren. Eine Gruppe von sechs Kindern, darunter drei der vier Mädchen aus "meinem" Zimmer 5, meldete sich dazu freiwillig, aber zunächst wussten sie trotzdem nicht so richtig, wie sie an die Aufgabe herangehen sollten. Zu Inspirationszwecken zeigte ich ihnen ein Bild von Sieger Köder, das die tanzende Mirjam darstellt, und trug ihnen ein paar Verse aus der "Volxbibel"-Version dieses Lobliedes vor, die ebenfalls in Form eines Raps daherkommt. Durchaus erwartungsgemäß fanden die Kinder diese Version eher cringe: "Das klingt so, als hätten das alte Leute geschrieben, die versuchen, zu klingen wie Jugendliche", meinten sie. Kurz darauf hatte aber ein Junge aus der Gruppe eine gute Idee für ein erstes Verspaar, und ab da lief's eigentlich wie am Schnürchen: Alle hatten Spaß, und den Text, der innerhalb einer halben Stunde entstand, fand ich ziemlich witzig. In der Leiterrunde am Abend berichtete derjenige der Jungen Leiter, der die Abendrunde in den Jungszimmern gemacht hatte, die Jungs aus der Rap-Kleingruppe hätten dieses Projekt in ihrem Tagesrückblick sehr gelobt. Das freut einen natürlich! 

Am Donnerstag ging es um das Murren des Volkes in der Wüste, das Manna vom Himmel und das Wasser aus dem Felsen, und ich durfte erneut eine Kleingruppenkatechese für die Teenie-Mädchen halten. Mein Ansatz war, den Gegensatz zwischen den Fleischtöpfen Ägyptens, die zwar materielle Sicherheit bedeuten, aber auch mit Unfreiheit verbunden sind, und dem Manna herauszustellen, von dem man keinen Vorrat anlegen kann, weil es so schnell verdirbt – weshalb die Israeliten von Tag zu Tag darauf hoffen und vertrauen müssen, dass Gott ihnen morgen wieder welches schenkt; diesen Gedanken setzte ich zur Vaterunser-Bitte "Unser tägliches Brot gib uns heute" in Beziehung, und zur Veranschaulichung erzählte ich von meiner gut zehn Jahre zurückliegenden Entscheidung, meinen Job zu kündigen, um mit meiner Liebsten auf den Jakobsweg zu gehen. Am Gespräch darüber, was es im eigenen Leben bedeuten kann, sich der Führung und Fürsorge Gottes anzuvertrauen, beteiligte sich zwar nur eins der Mädchen in nennenswertem Maße aktiv, aber sie wirkten aufmerksam und nachdenklich, und das ist, gerade bei Teenagern, ja schon viel wert. 

Am Freitag ging es um die Zehn Gebote und das Goldene Kalb, allerdings hatte ich wieder hauptsächlich in der Küche zu tun, da der Küchenchef seinem Beruf als Kirchenmusiker nachgehen musste und daher den Großteil des Tages nicht da war. So kam ich mittags zu der Ehre, erstmals in meinem Leben allein (bzw. lediglich mit ein bisschen Hilfe beim Schnippeln und beim Abschmecken) ein Essen für 30 Personen zuzubereiten. So richtig bewusst wurde mir dieser Umstand allerdings erst, als der Gemeindereferent ihn in seinen Ansagen nach dem Essen erwähnte, und der Applaus, den ich daraufhin von den Kindern bekam, tat mir schon ausgesprochen gut. (Es gab übrigens One-Pot-Pasta mit Spinat und Pasta in einer Käse-Sahne-Sauce.) 



Die Geschichte vom Goldenen Kalb regte, wie es scheint, die Kreativität der Kinder besonders an. 

So durfte ich im Laufe der Woche also in alle Arbeitsbereiche der RKF-Leitung mal hineinschnuppern und überall auch eigene Ideen einbringen, und dafür, diese Gelegenheit bekommen zu haben, bin ich ausgesprochen dankbar. Überhaupt habe ich es als sehr vorteilhaft empfunden, dass der eher freihändige Umgang mit den konzeptionellen Vorgaben des Materialienbuches Freiräume dafür geschaffen hat, dass alle Mitglieder des Leitungsteams eigene Akzente setzen und ihren eigenen Stil einbringen konnten; ich finde, das hat das Programm bereichert, und damit meine ich keineswegs nur meine eigenen Beiträge.

Wenn ich bedenke, wie skeptisch ich dem Veranstaltungsformat Religiöse Kinderwoche ursprünglich mal gegenübergestanden habe, glaube ich übrigens, es war ein Glücksfall, dass ich zu meiner ersten RKF aufgebrochen bin, als ich gerade frisch unter dem Eindruck des schrottigen Urlauberkirchen-Programms in Butjadingen stand. Denn im direkten Vergleich dazu konnte ich das Niveau wie auch das schiere Ausmaß der katechetischen Arbeit, die auf dieser Ferienfreizeit geleistet wurde, erst richtig würdigen, und die spirituellen Elemente nicht minder. Was natürlich nicht heißt, dass ich nicht an der einen oder anderen Stelle noch Luft nach oben sähe, aber dazu komme ich im nächsten Abschnitt. 

Zu den Freiheiten, die wir uns dem Originalkonzept der Mose-RKW gegenüber erlaubten, gehörte es auch, Aspekte der Mose-Geschichte im Licht des Neuen Testaments zu betrachten und auf Jesus Christus zu beziehen. 

Was mir hier ein bisschen fehlt, ist eine Leiter-Gebetsrunde 

Dass sich mir, sobald ich mal etwas Zeit und Ruhe zur Reflexion hatte, ein Vergleich mit der Gemeindefreizeit der EFG The Rock Christuskirche aufdrängte, an der ich im letzten Herbst mit der ganzen Familie teilgenommen habe (dieses Jahr wollen wir übrigens auch wieder mit), war bei allen offenkundigen Unterschieden wohl doch nicht ganz abwegig. Ich glaube, was mich ursprünglich dazu veranlasste, diesen Vergleich zu ziehen, war die Erinnerung daran, wie ich bei der Gemeindefreizeit zu meiner Liebsten sagte, ich hätte nichts dagegen, wenn diese Freizeit eine ganze Woche ginge und nicht bloß ein Wochenende, und wie meine Liebste das überboten hatte, indem sie sagte, sie würde am liebsten immer so leben. Nun ging mir die Frage durch den Kopf, wie ich es finden würde, wenn mein Leben eine fortwährende Religiöse Kinder- und Jugendfreizeit wäre; und ich stellte fest, ich fand die Vorstellung gar nicht so schlecht. Also, ein bisschen Erholung und "Zeit für mich" bräuchte ich hin und wieder schon, und im Winterhalbjahr gibt es Fahrten wie diese sicherlich ohnehin nicht, oder kaum. (Und ob ich Lust hätte, als Betreuer auf eine Religiöse Ski- und Rodelfreizeit mitzufahren, wenn es so etwas denn gäbe, müsste ich mir dann doch noch gründlich überlegen.) Aber die Vorstellung, bis zur Rente jedes Jahr eine solche Fahrt (oder sagen wir: mindestens eine) mitzumachen – und dafür auf mittlere Sicht sogar bezahlt zu werden – gefällt mir durchaus gut. 

Was für mein Empfinden und im direkten Vergleich zur The Rock-Gemeindefreizeit aber doch ein wenig zu kurz gekommen ist, war das charismatische Element. Wie ich immer gerne sage, ich bin zwar von Natur aus Norddeutscher, aber es ist auch mal ein kleiner Charismatiker an mir vorbeigegangen. Und auch wenn bei dieser RKF mehr gebetet wurde, als ich es im post-volkskirchlichen Kontext erwarten würde, und sicherlich mehr als im normalen Alltag der meisten Teilnehmer (Kinder ebenso wie Leiter), hatte ich im Vergleich zu den Gepflogenheiten der The Rock-Gemeinde doch den Eindruck, wenn man die ganze Veranstaltung wirklich im Gebet verankern wollte, dann wäre da noch Luft nach oben. Woran es mir insbesondere mangelte, war gemeinsames Gebet der Mitarbeiter; erst kürzlich habe ich ja in anderem Zusammenhang meine Erfahrung aus dem "evangelikalen und charismatischen Spektrum" zu Protokoll gegeben, dass da "[g]emeinsames Gebet des Teams [...] ein wesentlicher Bestandteil der Vorbereitung einer Veranstaltung" ist und dass "Beten und Organisieren [...] als gleichwertige Tätigkeiten betrachtet" werden – "im Zweifel ist das Beten sogar vorrangig". Davon, fand und finde ich, könnten "wir" uns getrost eine Scheibe abschneiden; aus diesem Grund überredete ich den Gemeindereferenten dazu, vom Montag an früh morgens, wenn die anderen noch schliefen, mit mir zusammen Invitatorium und Laudes zu beten, und am Dienstagabend gab es zum Abschluss der Leiterrunde sogar eine kurze Gebetsrunde mit frei formuliertem Dank für den Tag und Bitten für den folgenden Tag. Es blieb indes spürbar, wie ungewohnt und unüblich dergleichen im post-volkskirchlichen Normalbetrieb ist; aber man kann durchaus sagen, gerade deshalb sind diese Ansätze umso mehr zu würdigen. 

Ein weiteres interessantes Erlebnis zum Thema "Gemeinsames Beten der Leiter" ergab sich am Mittwochnachmittag: Da sollte eine Paddeltour auf dem Plauer See unternommen werden, aber da nicht die ganze Gruppe auf einmal in den zur Verfügung stehenden Kanus Platz finden konnte, wurde vereinbart, dass die Hälfte der Gruppe zunächst durch den Wald wandern sollte, um dann an einer geeigneten Uferstelle mit der anderen Hälfte, die bis dorthin paddeln sollte, zusammenzutreffen und die Plätze zu tauschen, woraufhin dann diejenigen, die auf dem Hinweg gepaddelt hatten, den Rückweg zu Fuß zurücklegen. Da alle Leiter, die Erfahrung im Paddeln haben, in den Booten gebraucht wurden, ich jedoch nicht paddeln kann, erklärte ich mich bereit, zusammen mit einem der Jungen Leiter die "Wandergruppe" anzuführen, und überlegte mir für diese Waldwanderung ein "freiwilliges Zusatzangebot": Denjenigen, die Interesse daran hätten, würde ich beibringen, wie man Rosenkranz betet. Wer daran Interesse zeigte, war just der Junge Leiter; et verriet mir, er habe nach der jüngsten Erstkommunion in St. Joseph Siemensstadt, bei der er ministriert hatte, einen Rosenkranz geschenkt bekommen, wisse aber nicht, wie man damit betet. Also zeigte ich es ihm, und wir beteten beim Wandern gemeinsam ein Gesätz des Glorreichen Rosenkranzes. Der junge Mann fand das Gebet, wie er sagte, "sehr meditativ" und fügte hinzu, er denke darüber nach, es in seine Abendroutine einzubauen. 

Zu guter Letzt möchte ich noch zwei Details vom Lagerfeuerabend erwähnen, der den Ausklang des RKF-Programms vor dem Abreisetag bildete. Nein, eigentlich drei Details, denn bei diesem Lagerfeuerabend wurde auch unser Rap frei nach Exodus 15,1-19 aufgeführt, nachdem die Gruppe nochmals eine halbe Stunde daran geprobt hatte. Was ich aber hauptsächlich erwähnen wollte: Beim Lagerfeuerabend wurde ein Spiel gespielt, bei dem ein Kind einen Zettel mit dem Namen eines der Leiter ziehen und dann diesen Leiter beschreiben musste, und die anderen Kinder mussten raten, wer gemeint ist. Über mich wurde in diesem Spiel gesagt "Er sagt viele Gebete" – eine Einordnung, die wohl hauptsächlich den von mir geleiteten Morgenandachten zu verdanken war. Und ganz am Schluss bat ein zehnjähriges, aus Polen stammendes Mädchen, mit dem meine Tochter sich im Laufe der Woche sehr gut angefreundet hatte, darum, ein Gebet auf Polnisch sprechen zu dürfen. Das fand ich ja schon bemerkenswert genug, aber die anderen polnischstämmigen Kinder kannten das Gebet alle und sprachen es mit – ein sehr anrührender Moment, wie ich fand. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Gott, noch bevor wir Dich suchen, bist Du bei uns. Bevor wir Deinen Namen kennen, bist Du schon unser Gott. Öffne unser Herz für das Geheimnis, in das wir aufgenommen sind: dass Du uns zuerst geliebt hast, und dass wir glücklich sein dürfen mit Dir. Nicht weil wir gut sind, dürfen wir uns Dir nähern, sondern weil Du Gott bist. 
(aus dem YouCat-Jugendgebetbuch) 

Ohrwurm der Woche 

Lionel Richie: Hello 


Weiter oben hatte ich erwähnt, dass der Gemeindekirchenmusiker als Küchenchef zur RKF mitgekommen war; das war allerdings nicht die ganze Wahrheit, denn er war durchaus auch in seiner Eigenschaft als Kirchenmusiker dabei und veranstaltete fast jeden Tag eine Chorprobe mit den Kindern. Auf dem E-Piano, das er zu diesem Zweck mitgenommen hatte, spielten in den Pausen aber durchaus auch mal andere Leute, etwa ein paar der älteren Mädchen und auch einer der Jungen Leiter. Dieser spielt, wie er mir erzählte, erst seit ein paar Monaten Klavier und hatte daher ein eher begrenztes Repertoire; bei einem Stück, das er mehrfach spielte, handelte es sich um eine Melodie aus dem Soundtrack einer Anime-Serie. Das Stück heißt "Never Meant to Belong", aber für mich klang es wie "Hello" von Lionel Richie, was mich hin und wieder dazu veranlasste, die eine oder andere Zeile "mitzusingen" (während "Never Meant to Belong" ein Instrumentalstück ist). Und fertig war der Ohrwurm der Woche! – Nebenbei bemerkt hat "Hello" im Großen und Ganzen dieselben Akkorde wie "All Along the Watchtower", weshalb ich vor Jahren mal mit einem Gitarre spielenden Kommilitonen im Rahmen eines Showprogramms auf der Studiobühne des Theaterwissenschaftlichen Seminars der Humboldt-Universität ein rockiges Medley (oder "Mashup") aus diesen beiden Stücken aufgeführt habe. "Never Meant to Belong" gab's damals noch nicht. 


Vorschau/Ausblick 

Gerade von der RKF zurückgekehrt, hoffe ich, mich in den nächsten Tagen erst mal ein bisschen ausruhen zu können; allerdings muss ich mich um meine Immatrikulation kümmern, wir haben einen Umzug zu organisieren (dazu demnächst mehr) und am Dienstag geht die diesjährige Kinderbibelwoche der EFG The Rock Christuskirche los. Da dürfte es also auch wieder allerlei zu berichten geben, und möglicherweise bietet sich an der einen oder anderen Stelle ein Quervergleich zur RKF an. Es bleibt also spannend! Nächsten Samstag ist übrigens Mariä Himmelfahrt, und dieses Datum markiert das 80-jährige Bestehen der katholischen Gemeinde in meinem Heimatdorf Burhave. Aber dazu zu gegebener Zeit mehr!