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Samstag, 19. September 2026

Utopie und Alltag 43: Siehe, wie fein und wie lieblich

Ich hatte es schon angekündigt: Eine gewichtige Rolle in diesem Wochenbriefing wird die Gemeindefreizeit der EFG The Rock Christuskirche spielen, bei der wir am vorigen Wochenende waren. Ist ja mal eine vielleicht ganz willkommene Abwechslung von dem ganzen "Oh, oh, wir ziehen um" und "Oh, oh, ich fange an zu studieren" der letzten Wochen; und obendrein bietet es Gelegenheit zu einigen Reflexionen über mein Verhältnis zu evangelischen Freikirchen im Allgemeinen und dieser Gemeinde im Besonderen, nachdem ich vor einiger Zeit eine kritische Anfrage zu diesem Thema in den Leserkommentaren meines Blogs erhalten und diese noch nicht so richtig beantwortet hatte. – Im Vergleich dazu, was es über diese Gemeindefreizeit zu berichten und zu reflektieren gibt, fällt alles andere, was es in der zurückliegenden Woche noch so an Berichtenswertem gegeben hat, kaum ins Gewicht; aber das wird nächste Woche wieder anders... 

Bis zum vorigen Wochenende war mir gar nicht bewusst, dass dieser Bibelvers die Jahreslosung für 2026 ist. Passt aber bemerkenswert gut, finde ich.

Abenteuer in der Uckermark 

Wie, dem Vernehmen nach, schon seit gut eineinhalb Jahrzehnten fand die Gemeindefreizeit der EFG The Rock Christuskirche wieder in einem Feriendorf in der Nähe von Templin in der Uckermark statt, das von der Berliner Stadtmission betrieben wird und daher einen erkennbar christlichen Charakter trägt, was sich u.a. in Bibelsprüchen an den Wänden der Unterkünfte und des Speisesaals niederschlägt, vor allem aber darin, dass es mitten auf dem Gelände eine Kapelle gibt – die schon während der Gemeindefreizeit im vorigen Jahr ein besonderer Lieblingsplatz von mir war und in die ich mich auch dieses Jahr wieder mehrmals zurückzog. 

Der Gesamtablauf des Wochenendes unterschied sich kaum wesentlich von dem des Vorjahres, wenn man davon absieht, dass es heuer keine Taufe gab, dafür aber einen Abendmahlsgottesdienst ("Brotbrechen"); aber dazu später. Wie im Vorjahr reisten wir am Samstagnachmittag mit Bahn und Bus an, wurden als Familie in einer kleinen Holzhütte einquartiert (allerdings nicht in derselben wie im Vorjahr), um 18 Uhr gab es gemeinsames Abendessen, dann etwas Freizeit zum individuellen "Ankommen", und der erste richtige Programmpunkt war wieder ausgerechnet ein Spieleabend. Meine nach den Erfahrungen des letzten Jahres festgehaltene Hoffnung auf ein Alternativprogramm für Introvertierte erfüllte sich somit nicht, aber ich bin ja selber schuld – ich hätte das vielleicht mal im Vorfeld gegenüber den Verantwortlichen anregen sollen. Zunächst hatte ich noch die Hoffnung, ich könnte an der Begrüßung noch teilnehmen und mich dann verpieseln, bevor die Spiele anfangen, aber wie sich zeigte, wurden schon beim Betreten des Saales die Teams für den Spieleabend eingeteilt, also machte ich direkt auf dem Absatz kehrt und verzog mich erst in die Kapelle, wo ich Vesper und Rosenkranz betete, und dann in unsere Hütte. 

Am nächsten Morgen ging ich dennoch unverdrossen zum Frühgebet mit Kaffee und empfand diesen Programmpunkt, wie schon im Vorjahr, als außerordentlich bereichernd; schon damals hatten mich meine Eindrücke vom Frühgebet dazu angeregt, dem Vergleich zwischen frei- und volkskirchlicher Gebetspraxis einen eigenständigen Artikel zu widmen, der allerdings über das Entwurfsstadium bis heute nicht hinausgekommen ist. Diesen Artikel möchte ich jetzt auf jeden Fall wieder aufgreifen, zumal bei der diesjährigen Gemeindefreizeit noch einige neue Denkanstöße hinzugekommen sind. 

Nach dem Frühgebet gab's Frühstück, und um 10 Uhr stand dann eine sogenannte "Session" an, die, wie ich es schon im Vorjahr geschildert habe, "im Prinzip ähnlich aufgebaut [war] wie ein Sonntagsgottesdienst dieser Gemeinde": 

"Begrüßung, Lobpreis, dann wurden die Kinder zum separaten Kinderprogramm 'rausgeschickt, und für die Erwachsenen gab's einen Vortrag, den man, wenn die Veranstaltung offiziell als Gottesdienst deklariert gewesen wäre, wohl als Predigt bezeichnet hätte." 

Ich ging mit zum Kinderprogramm, über das ich mich inhaltlich weiter unten in einem separaten Abschnitt äußern werde; danach gab's Mittagessen und dann etwas Zeit zur freien Gestaltung, die ich u.a. dazu nutzte, in der Kapelle erst die Sext und dann einen Rosenkranz zu beten. Das Responsorium zur Kurzlesung in der Sext lautete, angelehnt an Psalm 133

V: Wie gut ist es doch und wie schön / Wenn Brüder miteinander wohnen in Eintracht. 

R: Dort spendet der Herr Segen und Leben in Ewigkeit. 

Ein schönes und stimmiges Motto für das Gemeindefreizeits-Wochenende, fand ich. – Fürs Nachmittagsprogramm hatte man die Auswahl zwischen allerlei Workshop-Angeboten; dazu gehörten u.a. ein Gesangsworkshop ("Zweite Stimme singen lernen") und ein Waldspaziergang mit Pilzkunde. Für die Kinder gab es ein Bastelangebot, und als wir unsere Kinder fragten, ob sie (ohne uns) basteln gehen wollten, bejahten sie begeistert; also hatten meine Liebste und ich "frei" und konnten beide zum Workshop "Gottes Wort im Familienalltag". Unter dieser Überschrift konnte man sich ja durchaus allerlei Verschiedenes vorstellen, tatsächlich ging es aber darum, wie man Kinder an die Bibel heranführen kann. Darauf werde ich, ebenso wie auf das Kinderprogramm am Vormittag, weiter unten näher eingehen. 

Auf die Workshops folgte das Abendessen, danach war wieder ein bisschen freie Zeit bis zum Lobpreisabend, auf den ich vielleicht ein andermal noch näher eingehen werde; unser Jüngster schlief während des Lobpreisabends ein, sodass ich ihn nach diesem Programmpunkt in unsere Unterkunft und in sein Bett tragen musste. Anschließend war noch Lagerfeuerabend, und da hatte ich eigentlich auch Lust drauf, aber wie es schien, hatte der Lagerfeuerabend keine Lust auf mich. Mich in eine gesellige Runde zu integrieren, in der sich so ziemlich alle untereinander besser kennen als mich, fällt mir grundsätzlich nicht leicht, zudem waren einige Gemeindemitglieder, zu denen ich einen guten Draht habe, nicht da, und außerdem fehlte es an Bier. Das Tochterkind hatte, nachdem mehrere Versuche, am offenen Feuer Marshmallows zu rösten, fehlgeschlagen waren, ebenfalls keine Lust mehr, also gingen wir schlafen. 

Der nächste Tag begann für mich wieder mit Frühgebet, und beim anschließenden Frühstück hatte ich ein Erlebnis, das mein am Abend zuvor aufgetretenes Unbehagen darüber, unter den Teilnehmern dieser Freizeit doch irgendwie ein Außenseiter zu sein, gründlich hinwegfegte: Eine Frau, mit der ich erst einmal in meinem Leben gesprochen hatte und von der ich nicht einmal den Namen wusste, fragte mich, ob sie sich zu uns setzen dürfe oder ob wir als Familie lieber unter uns bleiben wollten – ich wäre überhaupt nicht auf die Idee gekommen, dass jemand das denken könnte. Jedenfalls lud ich sie an unseren Tisch ein, und wir unterhielten uns ausgesprochen gut. 

Zum Sonntagsgottesdienst (mit Abendmahl bzw. "Brotbrechen") reisten, wie ich es schon im Vorjahr beobachtet hatte, auch einige Gemeindemitglieder an, die ansonsten nicht an der Freizeit teilgenommen hatten; anders als am Samstag (und auch anders als bei den "normalen" Sonntagsgottesdiensten dieser Gemeinde) wurden die Kinder nicht erst nach Begrüßung und Lobpreis 'rausgeschickt, sondern das Kinderprogramm begann gleichzeitig mit dem Gottesdienst und unsere Kinder gingen da allein hin. Damit war nun natürlich meine übliche exit strategy dahin, und ich überlegte schon, ob ich in den sauren Apfel beißen und mir eine ca. 90minütige Predigt von einem der Gemeindeältesten anhören sollte, kam aber zu dem Schluss, dass ich diese Zeit lieber für eine private Gebetszeit in der Kapelle (mit Terz und Rosenkranz) nutzen wollte, also verkrümelte ich mich nach dem Lobpreis so geräuschlos wie möglich. – Ziemlich unmittelbar nach dem Mittagessen ging es dann auch "schon" an die Abreise; aber ich denke, diese Überblicksdarstellung macht schon deutlich, dass es ein ausgesprochen intensives Wochenende war, und eben drum wird es in den folgenden Abschnitten noch Manches zu vertiefen geben! 


Gemeindeaufbau à la Robinson Crusoe 

Zu den im Einleitungs-Absatz bereits angekündigten Reflexionen darüber, wie ich als Katholik mein Verhältnis zu der freikirchlichen Gemeinde sehe, mit der ich nun schon zum zweiten Mal auf Wochenendfreizeit war, möchte ich mal einen anekdotischen Einstieg präsentieren. Am Ankunftsabend wurde uns mitgeteilt, dass ein – sagen wir mal – prominentes Gemeindemitglied seinen 60. Geburtstag feierte und von der Gemeinde ein "Glas der Wertschätzung" geschenkt bekommen sollte: ein Glas voller bunter Papierstreifen, auf die die Teilnehmer der Gemeindefreizeit etwas schreiben sollten, was sie am Geburtstagskind schätzen. Ich muss gestehen, dass es mir zunächst nicht leicht fiel, zu diesem Geschenk etwas beizutragen. Der Jubilar hat die Gemeinde mitbegründet und hat, soweit ich weiß, zwar kein offizielles Amt in der Gemeindeleitung (mehr) inne, scheint aber dennoch so etwas wie der Chefideologe oder Oberste Glaubenshüter dieser Gemeinde zu sein, oder zumindest scheint es, dass er von den Gemeindemitgliedern, auch und gerade auf der Leitungsebene, so wahrgenommen und behandelt wird. Auf mich wirkte er, als ich ihn die ersten Male als Redner bei Gemeindeveranstaltungen erlebte, sehr eitel und auf Selbstdarstellung bedacht, und dieser erste Eindruck war bei mir hängengeblieben; hinzu kamen grundsätzliche Bedenken gegenüber der Art und Weise, wie er Gedanken, die ihm bei seinem privaten Bibelstudium in den Kopf kommen, als Lehre an die Gemeinde weitergibt. Das berührt natürlich prinzipielle Fragen der Lehrautorität, die im protestantischen Bereich, und in Freikirchen noch mal extra, ein generell schwieriges Thema sind. 

Schließlich schrieb ich auf den Zettel: "Ich bewundere Deinen Mut in der Wahl Deiner Hemden". Da haben wir eine Sache, die der Chefprediger der The Rock-Gemeinde mit Johannes Hartl gemeinsam hat. Wenn man genau hinschaut, kann man vermutlich noch ein paar weitere Gemeinsamkeiten entdecken. 

Sein neuester Spleen ist, dass er sich ein antiquarisches Gesangbuch mit geistlichen Liedern aus dem 17. und 18. Jahrhundert zugelegt hat und sich nicht nur an der altertümlichen Sprache erfreut, sondern auch und erst recht an der Prägnanz der theologischen Aussagen, die, wie er meint, Liedtexten aus neuerer Zeit oft abgehe. Und auch da zieht die Gemeinde voll mit, bis hin dazu, dass beim Lobpreisabend und im Sonntagsgottesdienst Paul-Gerhardt-Lieder gesungen werden, wenn auch zum Teil in lobpreismäßig poppigen Neuvertonungen. – Immerhin kann ich aber festhalten, dass ich den Chefprediger der The Rock-Gemeinde an diesem Wochenende, beispielsweise in seinen Impulsen zur Eröffnung der Frühgebets-Runden an beiden Tagen (für die er, jawohl, Verse aus dem besagten Gesangbuch als Anknüpfungspunkt nahm), nichts habe sagen hören, was ich falsch oder fragwürdig gefunden hätte; und im Übrigen habe ich angefangen, seine Position in dieser Gemeinde mit etwas mehr Empathie zu betrachten. Ich meine, wenn ich mir vorstelle, Leute würden mich in dieser Weise als geistliche Autorität betrachten und behandeln – da graut mir vor der Vorstellung, was das mit mir machen würde. Damit will ich sagen, so eine Position in einer Gemeinde ist durchaus und nicht zuletzt auch eine Bürde, und die trägt er unterm Strich dann doch recht wacker, besonders wenn man bedenkt, dass er das ohne den Beistand der Sakramente tun muss. 

"Ohne den Beistand der Sakramente" ist in diesem Zusammenhang übrigens ein sehr gewichtiger Punkt. Ich hatte schon öfter den Gedanken gehabt, freikirchliche Christen – nicht nur speziell in dieser Gemeinde, aber zu dieser habe ich halt am meisten Kontakt – verhielten sich in Bezug auf ihren Glauben wie Bewohner einer abgelegenen Insel fernab der Zivilisation, die noch nie etwas vom Christentum gehört hatten, bis eines Tages eine Bibel am Ufer angeschwemmt wurde; und nun versuchen sie allein anhand der Bibel, sich zusammenzureimen, was christlicher Glaube ist. Und wie weiland Robinson Crusoe auf seiner Insel den Prozess der Zivilisation im Ein-Personen-Maßstab wiederholte, versuchen diese Gläubigen mit den ihnen zur Verfügung stehenden Mitteln "Kirche" nachzubauen. Ich fand das immer irgendwie tragikomisch, aber an diesem Wochenende habe ich, wie ich glaube, erstmals ein Gespür dafür bekommen, dass viele freikirchliche Christen ihren Glaubensweg tatsächlich so erleben. Und das ist, wenn man es recht bedenkt, ein schwerer Vorwurf gegen die Kirche – nicht gegen die Una Sancta in ihrer Idealgestalt als Braut Christi und Verwalterin aller Gnaden, aber gegen die institutionelle Gestalt der Kirche, wie sie sich den Suchenden konkret vor Ort präsentiert, oder vielleicht auch gerade nicht präsentiert, weil sie zu sehr mit kleingärtnerischer Bestandskundenpflege beschäftigt ist, um sich um Außenstehende zu kümmern. Wobei selbst diese Bestandskundenpflege oft nicht besonders viel in Sachen Glaubensweitergabe leistet. Case in point: Beim Workshop "Gottes Wort im Familienalltag" wurde eine junge Frau, die mit ihrem Baby da war, gefragt, ob sie denn selbst christlich aufgewachsen sei, und antwortete: "Traditionell katholisch, also nein." Ich nehme an, dass sie "traditionell katholisch" nicht im traditionalistischen Sinne meinte, sondern eher im Sinne eines oberflächlich-konventionellen Kulturkatholizismus; aber bedenklich ist es doch so oder so, dass jemand in der katholischen Kirche aufwachsen und im Rückblick urteilen kann, das Evangelium Jesu Christi nicht dort, sondern erst später in einer Freikirche kennengelernt zu haben. Und das ist ja nun nicht gerade ein Einzelfall: Wenn man sich ein bisschen in freikirchlichen Kreisen umhört, hört man von solchen Glaubensbiographien durchaus öfter

Das bringt mich nun auf einen konkreten Kritikpunkt aus dem im Einleitungs-Absatz bereits angesprochenen, bislang unbeantworteten Leserkommentar: nämlich die Kritik daran, die Evangelisierungsbemühungen einer freien Gemeinde zu unterstützen und es damit "derartigen Gruppen" zu ermöglichen, "Menschen an sich zu binden, die damit nicht Teil der katholischen Kirche werden können". Ich hätte daraufhin einfach auf einen Artikel verweisen können, den ich schon anno 2017 geschrieben und veröffentlicht habe, aber nun finde ich, es bietet sich an, die dort skizzierten Gedanken unter Einbeziehung meiner Eindrücke von der Gemeindefreizeit weiterzuentwickeln. Gewiss, wenn man daran glaubt, dass die ganze Fülle des christlichen Glaubens nur in der katholischen Kirche zu finden ist – und das tue ich nach wie vor –, dann ist es nur folgerichtig, zu wünschen, Menschen, die auf der Suche nach Sinn und Orientierung (und somit, ob es ihnen bewusst ist oder nicht, nach Gott) sind, würden "Teil der katholischen Kirche werden" statt in einer freien Gemeinde zu landen. Es wäre aber eine illusorische Vorstellung, anzunehmen, die Chancen dafür, dass diese Suchenden "Teil der katholischen Kirche werden", wären größer, wenn es die freien Gemeinden mit ihren Evangelisierungsbemühungen nicht gäbe; weit eher würden dann viel mehr Menschen überhaupt nie mit dem christlichen Glauben in Berührung kommen. Die freien Gemeinden stoßen in eine Lücke, die die katholische Kirche offen lässt, weil sie nach außen hin nicht missionarisch genug ist und nach innen nicht genug (oder zu schlechte) Katechese betreibt. 

Im Grunde müssen wir katholischen Christen uns also fragen lassen: Was tun wir dafür, dass Leute bei uns landen? Die in den letzten Jahren signifikant gestiegenen Zahlen von Erwachsenentaufen und Konversionen deuten zwar darauf hin, dass da durchaus etwas passiert – gerade übrigens in unserer Wahlgemeinde in Siemensstadt, woran offenbar die Neokatechumenale Gemeinschaft erheblichen Anteil hat –, aber wenn man sich anschaut, was so eine kleine freie Gemeinde in Haselhorst mit vielleicht 80-100 aktiven Mitgliedern so alles auf die Beine stellt, dann gibt die katholische Kirche, der doch eigentlich ganz andere Möglichkeiten zu Gebote stehen, vielerorts doch ein recht armseliges Bild ab. 


Concerning the Sonntagsschulproblem 

Wie oben bereits angkündigt, möchte ich auch denjenigen Aspekten der Gemeindefreizeit, die für das Thema "Glaubensweitergabe an Kinder" relevant sind, einen eigenen Abschnitt widmen; und auch für diesen habe ich einen anekdotischen Einstieg in petto. Als Frau und Kinder vom Spieleabend zurückkamen, lag ich schon im Bett; und so bekam ich, zunächst durch die geschlossene Schlafzimmertür, mit, wie das Tochterkind sich anhand von Bildern spontan eine Geschichte ausdachte: 

"Es waren einmal ein Mann und eine Frau, die hatten in ihrem Garten einen Apfelbaum. Und sie liebten die Welt, so wie sie war, und beteten zu Gott und liebten ihren Apfelbaum. Und sie weinten über ihre Sünden und tranken zur Erheiterung ein Glas Wein. Eines Tages wollten sie ans Meer fahren und ein Fischbrötchen essen..." 

Wie sich zeigte, gehörten die Bilder, die das Tochterkind zu dieser Erzählung inspiriert hatten, zu einem Emoji-Bibel-Quiz

Das Kinderprogramm bei der Gemeindefreizeit wurde nicht von den bekannten und bewährten JAM-Mitarbeitern geleitet, sondern von zwei Frauen vom Verein "Evangelium für Kinder"; wie schon erwähnt, kam ich am Samstagvormittag zum Kinderprogramm mit, und dabei ging mir durch den Kopf, dass ich, wenn wir nicht an der Gemeindefreizeit teilgenommen hätten, ziemlich genau zur selben Zeit mit dem Tochterkind beim Erstkommunionunterricht gewesen wäre. Tatsächlich wurden da sogar teilweise dieselben Kennenlernspiele gespielt. Zwölf Kinder nahmen an dem Programm teil, die wir praktisch alle vom JAM kannten; inhaltlich ging es um das Buch Jona, und als Einstieg in die Geschichte gab es erst mal ein Quiz zum Thema Seenotrettung. Originelle Idee, könnte man sagen; in der konkreten Umsetzung überzeugte es mich aber nicht so ganz, zumal die Quizfragen so schwer waren, dass die Kinder eigentlich nur raten konnten. Die Jona-Geschichte selbst wurde interaktiv als Rollenspiel gestaltet, wobei sich zeigte, dass die meisten Kinder die Geschichte schon kannten. Zum Schluss wurde ein Bibelvers – Psalm 50,15 – auswendig gelernt, mit Hilfe von Gesten, die die Kinder sich selbst ausdenken sollten. 

Die Jona-Geschichte wurde am ersten Tag nur bis zu Jonas Ankunft in Ninive erzählt bzw. nachgespielt; die Fortsetzung gab's am nächsten Tag, da war ich – wie gesagt – nicht dabei, aber als ich meine Kinder beim Mittagessen fragte, wie denn die Jona-Geschichte weitergegangen sei, konnten sie mir diese Frage recht detailliert und anschaulich beantworten. Auch der auswendig gelernte Bibelvers war nochmals wiederholt worden. – Aus Sicht der Kinder war das Programm unter dem Strich ein Erfolg, aber natürlich ging mir dabei erneut bzw. weiterhin durch den Kopf, was ich neulich auf Facebook zum Stichwort "Sonntagsschule" gelesen habe: dass eine Kinderkatechese, die im Wesentlichen auf das Nacherzählen von Bibelgeschichten und das Auswendiglernen von Bibelversen setzt, nicht ausreicht, um Kinder im Glauben stark zu machen. Nun, immerhin kann ich schon mal zu Protokoll geben, dass der eigenständige Artikel, den ich zu diesem Thema in Vorbereitung habe, Fortschritte macht. 

Auch über den Workshop "Gottes Wort im Familienalltag" wird in diesem Zusammenhang wohl etwas zu sagen sein. An diesem nahmen fünf Familien teil, von denen zwei Elternteile je ein Baby mitbrachten; und erst einmal muss ich anmerken, dass ich mir unter einem Workshop etwas Interaktiveres vorgestellt hätte: Tatsächlich hielt die Leiterin, die auch beim JAM zum Leitungsteam des Elterncafés gehört, fast die ganze Zeit einen Vortrag, meine Liebste und ich waren fast die einzigen, die sich in größerem Umfang trauten, unsere Perspektive einzubringen, ohne dass die Leiterin explizit danach fragte. Das fand ich schade, zumal ein Elternpaar dabei war, das wir vom JAM-Elterncafé kennen und das vier Kinder hat – die älteste Tochter ist wohl ein bisschen älter als unser Tochterkind, der jüngste Sohn vielleicht zwei oder drei Jahre alt; und ich denke mir, wenn wir beim Thema religiöse Kindererziehung schon mit zwei Kindern die Erfahrung machen, dass das, was bei einem Kind gut funktioniert, beim zweiten nicht unbedingt genauso geht, dann müsste eine Familie mit vier Kindern doch erst recht ein breites Spektrum von Erfahrungswerten haben. 

Gut fand ich an diesem Workshop die Ausgangsthese, man dürfe sich beim Thema "Glaubensweitergabe an Kinder" nicht allein auf die Programme der Gemeinde verlassen, sondern müsse auch im Familienalltag Raum dafür schaffen; in diesem Zusammenhang fiel auch der Satz "Rituale für die Kinder erfordern auch Disziplin seitens der Eltern". Problematisch fand ich hingegen wieder einmal die extreme sola scriptura-Auffassung, die sich etwa darin äußerte, dass die Leiterin meinte, man solle den Kindern nicht "eine bestimmte Theologie vorgeben", sondern lieber "das Wort Gottes für sich selbst sprechen lassen". Dass sie in diesem Zusammenhang u.a. sagte "Mein Traum war immer, mit den Kindern den Römerbrief zu studieren", fand ich durchaus sympathisch, aber die Vorstellung, die Glaubensweitergabe an Kinder solle sich in der Hauptsache darin verwirklichen, die Kinder über die Vorstufen von Bibelbilderbüchern und Kinderbibeln an die selbständige Bibellektüre heranzuführen, fand ich dann doch auf bezeichnende Weise befremdlich. Nun, um das zu vertiefen, fehlt mir hier schlichtweg der Platz und auch die Zeit; merken wir uns das also für den in Vorbereitung befindlichen Extra-Artikel vor. Erwähnt sei aber noch, dass wir am Mittwoch wieder beim JAM waren, und da ging es im Programm für die "Kids" (6-12 Jahre) darum, was es heißt, dass Gott den Menschen als Sein Ebenbild geschaffen hat – also welche Eigenschaften Gottes, die Er keinem anderen Seiner Geschöpfe gegeben hat, sich im Menschen wiederfinden. Das fand ich sehr gelungen. 


Da merkt man mal, wieso es Sonntagspflicht heißt 

Dass ich es vorgezogen hätte, am Sonntagabend nach der Rückkehr von der Gemeindefreizeit nicht ausgerechnet in Herz Jesu Tegel in die Abendmesse gehen zu müssen, hatte ich schon im vorigen Wochenbriefing angesprochen, und sonderlich überraschend ist das wohl auch nicht; also suchte ich, ehe wir uns am Sonntag nach dem Mittagessen auf die Rückreise nach Berlin machten, online nach Alternativen – wobei gesagt werden muss, dass die auf der Website des Erzbistums Berlin angebotene Suchfunktion nach Gottesdienstzeiten und –orten in Sachen Benutzerfreundlichkeit durchaus zu wünschen übrig lässt. Als das eigentliche Problem erwies es sich jedoch, dass es in Berlin insgesamt nicht besonders viele Sonntagabendmessen gibt, und in zumutbarer Distanz von unserem Zuhause – zumutbar vor allem unter dem Aspekt, dass wir alle müde waren, noch kein Abendessen gehabt hatten und zusehen mussten, dass wir die Kinder zu einer halbwegs vernünftigen Zeit ins Bett kriegten – kam eigentlich nur Herz Jesu Tegel infrage. (Übrigens kam mir im Zusammenhang mit meiner Suche nach einer Abendmesse eine Google-Bewertung zu Herz Jesu Tegel zu Gesicht, die dem leitenden Pfarrer ankreidete, er sei "nicht gerade empathisch genug die Gemeinde zu führen". Andere nehmen das also auch so wahr.) 

Zur Abendmesse erschienen um die 40 Leute, was, wenn man bedenkt, dass es in derselben Kirche auch morgens schon eine Messe gegeben hatte, vielleicht nicht als ausgesprochen schwacher Besuch bezeichnet werden muss, aber jedenfalls sah es nicht danach aus, dass der "prominente Gast" – Caritas-Direktorin Ulrike Kostka – Publikum "zog". Angesichts der Tatsache, dass sie und der Pfarrer sich duzten und mit dem Vornamen anredeten, ist wohl anzunehmen, dass es sich bei dem Umstand, dass Frau Kostka anlässlich des Caritas-Sonntags in der Messe "predigte", eher um eine private Gefälligkeit handelte. Wobei man sich natürlich fragen kann, wer da eigentlich wem gefällig war. 

Vielleicht um wenigstens pro forma der Tatsache Rechnung zu tragen, dass das grundsätzliche Verbot von Laienpredigten in der Heiligen Messe erst unlängst wieder explizit bekräftigt worden ist, wurde die Ansprache der Caritas-Direktorin übrigens nicht ausdrücklich als Predigt bezeichnet; der Pfarrer kündigte in seinen Begrüßungsworten vielmehr an, Frau Kostka werde "das Wort Gottes ein wenig für uns auslegen" – aber genau das tat sie nicht: Vielmehr nutzte sie ihre rund zehnminütige Redezeit nahezu ausschließlich dazu, Projekte und Arbeitsfelder der Caritas vorzustellen, und wies im Übrigen mahnend auf die anstehenden Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern hin. Auf die Bibel ging sie kaum ein und auf die Texte vom Tag (1. Lesung Jesus Sirach 27,30–28,7; 2. Lesung Römer 14,7‐9; Evangelium Matthäus 18,21-35) erst recht nicht; wenn sie hier und da mal eine religiöse Aussage in ihren Vortrag einfließen ließ, gerieten diese schmerzhaft banal (z.B. "Bei Gott gibt es keinen TÜV"). Davon, dass Frau Kostka – wie der Pfarrer in seinen Begrüßungsworten betont hatte – "promovierte und habilitierte Theologin" ist, merkte man da wahrhaftig nichts. Sogar der Pfarrer schien damit, dass Frau Kostka kaum auf das Evangelium vom Tag eingegangen war, nicht recht zufrieden zu sein, oder vielleicht konnte er auch nur den Wunsch nicht ganz unterdrücken, doch lieber selbst zu predigen; jedenfalls musste er partout noch einen eigenen Beitrag zur Auslegung des Evangeliums zwischen Eucharistisches Hochgebet und Vaterunser quetschen. 

Unterm Strich tut man wohl gut daran, sich darauf zu besinnen, dass diese Messe bei all ihren Mängeln und Ärgernissen letztlich eben doch eine Heilige Messe war, in der Brot und Wein wahrhaftig in Leib und Blut Christi gewandelt wurden, und dafür kann und sollte man dankbar sein, auch und gerade angesichts des Kontrasts zu einem freikirchlichen "Brotbrechen", bei dem sich die Geneindemitglieder einen Plastikbecher mit Wein und ein Stück Knäckebrot von einem Tablett mit an ihren Platz nehmen. Was alles andere angeht – das Ersetzen der Predigt durch einen Werbeblock für die Caritas, das darin zum Ausdruck kommende Lechzen nach "gesellschaftlicher Relevanz", die NGL-lastige Liedauswahl, der moralistisch-therapeutische Duktus der Fürbitten und des "Versöhnungshochgebets" –, kann man sich damit trösten, dass das nur noch die letzten Zuckungen eines Modells "von Kirche" sind, das im Wesentlichen bereits der Vergangenheit angehört. Dass rs in dieser wie zweifellos auch in vielen anderen Pfarreien offenkundig an einer Vision dafür fehlt, was danach kommen könnte, steht indes auf einem anderen Blatt.

Update Umzug und was sonst noch so los war 

In unserer neuen Wohnung haben wir uns inzwischen recht gut eingelebt, auch wenn noch nicht alle Umzugskartons ausgepackt sind und noch nicht alle Lampen hängen (d.h. an einigen Stellen baumeln noch nackte Glühbirnen von der Decke). Immerhin sind im Laufe der zurückliegenden Woche alle Regale bis auf eins angeschraubt worden, und ich habe ein Ersatzteil für den Waschmaschinenanschluss besorgt, sodass wir jetzt Wäsche waschen können, ohne hinterher Wasser vom Boden aufwischen zu müssen. Aber in der alten Wohnung sieht's noch chaotisch aus; da wartet also in den nächsten eineinhalb Wochen noch allerlei Arbeit auf uns! +++ Am Dienstag war Elternabend in der KiTa des Jüngsten, und da habe ich mich nach einigem Zieren und Zögern zum Elternvertreter wählen lassen. Zu einem von vier Eltervetetern. Mir wurde versichert, der Arbeitsaufwand halte sich in Grenzen. +++ Am Mittwoch büxte eine der beiden bei uns im Haus wohnenden Katzen aus, was natürlich besonders bei den Kindern für Beunruhigung sorgte; am nächsten Tag spazierte die pelzige Mitbewohnerin aber wohlbehalten wieder durch die angelehnte Gartentür in den Hausflur. Allerdings erkannte ihre Mitkatze sie zunächst nicht bzw. glaubte, sie wäre durch eine Doppelgängerin ersetzt worden – der Stoff, aus dem die Erbschleicherei-Thriller gemacht sind, nur eben mit Katzen. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Wer immer das Eine vom Herrn erbittet, nach dem Einen verlangt (vgl. Ps 27,4), betet mit Gewissheit und Sicherheit. Er braucht nicht zu fürchten, dass es ihm schadet, wenn er es erhält. Ohne dieses Eine nützt nichts anderes, auch wenn er es in der rechten Weise erhalten hat. Das Eine ist ja das eine wahre und allein selige Leben, in dem wir auf ewig die Freude des Herrn schauen, unsterblich und unvergänglich an Leib und Seele. Wegen dieses Einen wird auch das Übrige gesucht, und wegen dieses Einen ist es nicht ungehörig, wenn man darum bittet. Wer dieses Eine besitzt, wird alles haben, was er wünscht. Er wird nur das Rechte wollen können, weil er anderes auch nicht besitzen kann. Denn dort ist der Quell des Lebens, nach dem wir jetzt im Gebet dürsten müssen, solange wir in der Hoffnung leben und noch nicht schauen, was wir erhoffen. 

(Augustinus, Brief an Proba) 


Ohrwurm der Woche 

Chris Isaak: Wicked Game 

Oben noch nicht erwähnt hatte die Kaffeepause am Samstagnachmittag bei der Gemeindefreizeit; während dieser bemächtigten sich zwei Leute, die ich nicht kannte, der für die Lobpreisband aufgebauten Instrumente und machten etwas Hintergrundmusik: Ein Mann mit langen Haaren und langem Bart, vielleicht ein bisschen älter als ich, vielleicht aber auch nur ein bisschen grauhaariger, spielte Gitarre, eine Frau um die 40 spielte Klavier, beide sangen. Nach Lobpreis klang die Musik, die sie machten, nicht gerade; und als ich dann das oben verlinkte Lied erkannte ("Moment... das ist doch nicht etwa... Doch, ist es!"), stellte ich mich kurzerhand dazu und sang mit. "Noch so'n Kuschelrocker", kommentierte der Gitarrist schmunzelnd. – Als am nächsten Morgen beim Frühgebet für einige Teilnehmer der Gemeindefreizeit gebetet wurde, die noch keine Christen seien bzw. "keine Beziehung zu Jesus haben", kam mir der Gedanke, dass die beiden Musiker möglicherweise zu diesen zählen – und gleichzeitig wunderte ich mich ein wenig über diesen Gedanken. Musste da an eine Passage aus dem "Tagebuch eines frommen Chaoten" denken, wo der Erzähler seinen neuen Nachbarn sieht, der zufrieden eine Pfeife raucht und insgesamt eine heiter-gelassene Lebensfreude ausstrahlt, und angesichts dieses Anblicks denkt "Unwahrscheinlich, dass er Christ ist". Lassen wir das mal so stehen... 


Vorschau/Ausblick 

Schon im vorigen Wochenbriefing habe ich in dieser Rubrik hervorgehoben, dass ein weiteres spannendes Wochenende bevorsteht: Heute war das insgesamt zweite, für mein Tochterkind und mich aber das erste Kurstreffen des Erstkommunionkurses für die Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst, und das muss im nächsten Wochenbriefing natürlich gebührend gewürdigt werden. Schade war, dass wir wegen dieses Termins nicht zu den Pfadfindern gehen konnten, denn da gab es heute auch etwas Besonderes: Vier Mädchen aus der Wölflingsmeute traten (altersbedingt) in die Pfadfinderinnengilde über, die Zeremonie dazu fand auf dem Gelände des ehemaligen Zellengefängnisses Moabit statt. Warum gerade da? – Damit man anschließend von dort aus direkt zum Marsch für das Leben gehen konnte. Da stand für uns natürlich die Überlegung im Raum, nach dem Erstkommunionkurs noch dazuzustoßen; ob wir das tatsächlich tun würden, stand bei Redaktionsschluss aber noch nicht fest, und dasselbe gilt für die Frage, ob wir heute Abend zu einer Veranstaltung im Kardinal-Bengsch-Saal in Tempelhof gehen: Unter der Überschrift "Quiet Revival – Gibt es eine Rückkehr des Christentums?" diskutieren Pater Paulus von den Franziskanern der Erneuerung und zwei prominente katholische YouTuber "über Erwachsenentaufen, Konversionen und die Erweckung des christlichen Glaubens", dazu gibt's Beichtgelegenheit, eine Popcornmaschine, Chili con Carne, Snacks und Drinks. Sollte man sich eigentlich nicht entgegen lassen – na, mal schauen, ob die Kinder mitziehen... Am morgigen 25. Sonntag im Jahreskreis findet in der Messe in St. Joseph Siemensstadt die Vorstellung der Erstkommunionkinder statt, außerdem sind Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Am Dienstag und Mittwoch muss ich zu einer Präventionsschulung des Erzbistums; einen Basiskurs für ehrenamtliche Mitarbeiter habe ich zwar schon vor bald drei Jahren absolviert, aber für hauptamtliche Mitarbeiter ist der nicht ausreichend, und auch wenn ich noch kein solcher bin, bin ich doch auf dem Weg dazu. Am Freitag findet dann eine Semesterauftakt-Veranstaltung des Erzbistums statt, deren Programm einen Workshop zum Thema "Kirche und Politik – wie geht das?" (vor dem mir ehrlich gesagt eher graut), aber auch eine Eucharistiefeier, einen Grillabend und "Zeit für Austausch und Gespräche" umfasst. Na, schauen wir mal. Und dann ist der Berichtszeitraum des nächsten Wochenbriefings auch schon wieder rum... 


Samstag, 12. September 2026

Utopie und Alltag 42: Every Day is Unboxing Day

Gott zum Gruße, Leser! Wenn dieses Wochenbriefing online geht, sitze ich zwar gerade nicht zwischen unausgepackten Umzugskartons in einer noch nicht vollständig eingerichteten Wohnung, aber insgesamt beschreibt das meine aktuelle Lebenssituation doch recht gut – im wortwörtlichen wie auch im metaphorischen Sinne, wobei mich gerade der Eindruck beschleicht, dass ich das so ähnlich in jeder der letzten drei, vier Wochenbriefing-Einleitungen geschrieben habe. – Am aktuellen Wochenende gönnen meine Familie und ich uns indes eine Auszeit vom Umzug, nämlich bei der Gemeindefreizeit der EFG The Rock Christuskirche; aber darüber berichte ich nächste Woche. So gesehen hatte das vorliegende Wochenbriefing gewissermaßen einen vorgezogenen Redaktionsschluss am Freitag Mittag; aber darüber, was bis dahin so los war, gibt es auch wieder genug zu berichten... 


Gartengottesdienst mit doppeltem Primizsegen 

Der mit Spannung erwartete "große Umzug", also der Transport der meisten und wichtigsten Möbel von der alten in die neue Wohnung, ging am vorigen Samstag innerhalb von drei Stunden am Vormittag erfreulich unkompliziert über die Bühne, und seitdem wohnen wir im Wesentlichen bereits in der neuen Wohnung, auch wenn wir aus der alten noch nicht ganz raus sind und auch noch nicht umgemeldet sind. Die erste Nacht im neuen Zuhause verlief jedenfalls für alle Familienmitglieder gut, obwohl die Übernachtungssituation für die Eltern bis auf Weiteres durchaus herausfordernd ist: Für ein so großformatiges Familienbett, wie wir es in der alten Wohnung hatten, ist in der neuen einfach nirgends Platz, also haben wir uns erst mal ein provisorisches Matratzenlager geschaffen und warten jetzt auf die ausstehende Steuerrückerstattung, um uns ein den Dimensionen der Wohnung angemessenes Schlafsofa kaufen zu können. – Nach dem Frühstück machte ich mich mit dem Tochterkind auf den Weg nach Haselhorst, wo der "RKF-Projektchor" in der Messe singen und nach Möglichkeit vorher noch einmal proben sollte. Eigentlich dachten wir, wir wären früh genug losgegangen, um eine halbe Stunde vor Beginn der Messe in St. Stephanus zu sein, aber leider fand an diesem Sonntag ein Halbmarathon statt, der am Rathaus Reinickendorf startete und in weitem Umkreis den Verkehr lahmlegte. Am Ende fanden wir mit Mühe und Not eine Busverbindung mit dreimal Umsteigen und kamen knapp rechtzeitig zum Beginn der Messe; die Liebste und der Jüngste, die von vornherein eine andere Busverbindung genommen hatten, waren sogar vor uns da. Die Chorprobe war allerdings, wie sich zeigte, mangels Beteiligung sowieso ausgefallen; ohnehin war der Gemeindekirchenmusiker, der bei der RKF die Chorproben mit den Kindern geleitet hatte, an diesem Wochenende wegen anderer Termine verhindert, und somit lautete das Gesamtergebnis, dass es "offiziell" keinen Beitrag des "RKF-Projektchors" zur musikalischen Gestaltung der Messe gab – inoffiziell aber doch, denn die drei Lieder, die die Kinder eingeübt hatten, wurden trotzdem gesungen, nur eben von der ganzen Gemeinde. 

Wie schon angekündigt, wurde die Messe zum Auftakt des Gemeindefestes im Garten von St. Stephanus gefeiert, und als besondere Attraktion feierten zwei frisch geweihte Priester des Erzbistums Berlin in dieser Messe Nachprimiz. Diese beiden jungen Männer, von denen der eine aus der Dominikanischen Republik, der andere aus Italien stammt, spendeten nicht nur zum Abschluss der Messe einen allgemeinen Primizsegen, sondern standen anschließend noch für alle, die das wollten, zu einem Einzelsegen zur Verfügung. Wir wollten natürlich. "Früher hat man gesagt, vom Primizsegen latscht man sich zwei Paar Sandalen durch", merkte der Pfarrvikar in seinen Begrüßungsworten an. "Also, es ist eine besondere Gnade." 

Interessant ist natürlich auch und nicht zuletzt, warum diese beiden Neupriester – die zusammen buchstäblich die Hälfte des aktuellen Weihejahrgangs im Erzbistum Berlin ausmachen – hier ihre Nachprimiz feierten. Die Antwort auf diese Frage lautet: Sie gehören beide der 1. Neokatechumenalen Gemeinschaft in Siemensstadt an. Insgesamt, so verriet der Pfarrvikar, sind aus dieser Gemeinschaft schon neun Priester hervorgegangen: "Das heißt, wo der Glaube ist, gibt es auch eine Fruchtbarkeit und eine Fülle des Reichtums." 

Im Evangelium dieses Sonntags – Matthäus 18,15-20 – ging es um die brüderliche Zurechtweisung, und als damit korrespondierende 1. Lesung gab es Ezechiel 33,7-9; die Predigt dazu hielt der Italiener unter den beiden Neupriestern. Im Mittelpunkt dieser Predigt stand der Gedanke, dass Gott uns auf Gemeinschaft und Beziehung hin geschaffen habe und dass Gemeinschaft ein Weg sei, die Gegenwart Gottes zu erfahren; und der junge Mann bezog das auch und insbesondere auf seinen Weg zur Priesterweihe: "Man glaubt nicht allein, und umso weniger wird man allein Priester." 

Übrigens wirkten Mitglieder der Neokatechumenalen Gemeinschaft auch an der musikalischen Gestaltung der Messe mit: Der Antwortpsalm wurde in typisch neokatechumenaler Manier als monotoner Sprechgesang mit Gitarrengeschrammel vorgetragen, während der Kommunion gab es noch zwei Lieder in ähnlichem Stil. An meiner Beschreibung wird wohl bereits deutlich, dass diese Art der Sakralmusik nicht so ganz mein Ding ist, aber es ist nun mal ein so eigener, charakteristischer Stil, dass ich ihn als einen Bestandteil katholischer Vielfalt irgendwie doch schätze. Einer Gemeinde, in der immer und ausschließlich so musiziert würde, würde ich nicht gern angehören, aber das ginge mir mit Gregorianischen Chorälen ehrlich gesagt genauso. 

Zum Programm des Gemeindefests, das sich an die Messe anschloss, hätte ich eigentlich – wie vor drei Jahren schon einmal – eine Schatzsuche beisteuern sollen, hatte diese Aufgabe aber rechtzeitig an eine Junge Leiterin aus dem RKF-Team weiterdelegiert; schließlich hatten wir am selben Nachmittag unsere Einweihungsfeier und daher eigentlich gar keine Zeit, uns länger als unbedingt nötig beim Gemeindefest aufzuhalten. Während meine Liebste sich mit dem Jüngsten, der schon während der Messe ziemlich unruhig gewesen war, ziemlich sofort auf den Heimweg machte, blieben das Tochterkind und ich immerhin lange genug, um uns je ein Stück Kuchen und ein Steak vom Grill zu genehmigen. Dabei liefen mir einige Leute aus dem Katechetenteam für die Erstkommunion und aus dem RKF-Team über den Weg, mit denen ich mich im Grunde gern länger unterhalten hätte, aber man kann sich nun mal nicht zweiteilen. Wären die Mädchen dagewesen, mit denen das Tochterkind sich bei der RKF angefreundet hatte, wäre es sicherlich noch schwieriger gewesen, uns vom Gemeindefest loszureißen, aber schade war es natürlich doch, sie nicht zu treffen, zumal sie auch tags zuvor beim Nachtreffen schon nicht dabei gewesen waren. Nun ja, vielleicht muss man sich einfach mal mit ihnen verabreden – die Kontaktdaten habe ich ja, dank der RKF-Eltern-WhatsApp-Gruppe. Aber ich denke mal, das ist was für "Wenn wir mit dem Umzug fertig sind"... 


Ein offenes Haus – diesmal aber echt 

Anlässlich unserer ziemlich improvisierten Einweihungsfeier am Sonntag habe ich meinen Blogartikel über die ebenfalls ziemlich improvisierte Einweihungsfeier nach unserem vorigen Umzug innerhalb Berlins – vor etwas mehr als neun Jahren (!) – nachgelesen; dieser trug die Überschrift "Ein offenes Haus" und begann geradewegs mit der Aussage: 

"Einer der erfreulichsten Aspekte der Tatsache, dass meine Liebste und ich jüngst innerhalb Berlins umgezogen sind, besteht darin, dass wir jetzt eine Wohnung haben, in der wir Besuch empfangen können." 

Nun, im Rückblick muss ich feststellen, dass wir in all den Jahren in unserer Wohnung in Tegel längst nicht so viel Besuch empfangen haben, wie wir uns das ursprünglich wohl vorgestellt hatten. Anstatt hier nun zerknirscht Ursachenforschung zu betreiben, möchte ich mich lieber darauf konzentrieren, dass unser neues "kurioses Wohnprojekt" – wie der Ex unserer neuen Hausgenossin es genannt haben soll – diesbezüglich ganz neue Chancen bietet. 

Das "Kuriose" an diesem "Wohnprojekt" besteht ja, wie ich wohl schon mal angedeutet habe, im Wesentlichen darin, dass das Haus, in dem wir jetzt wohnen, theoretisch zwei voneinander getrennte Wohnungen umfasst, aber praktisch sind sie ganz so getrennt dann doch nicht – wozu neben dem gemeinsamen Garten auch gemeinsame Gas- und Wasserzähler und bis auf Weiteres auch ein gemeinsamer Briefkasten beitragen (wir haben allerdings durchaus die Absicht, über kurz oder lang einen zweiten Briefkasten anzuschaffen und am Zaun zu befestigen); und nicht zuletzt ist die Küche der unteren Wohnung im Prinzip ein Durchgangszimmer, es sei denn, man betritt das Haus durch die Gartentür. – Wer meine Wochenbriefings regelmäßig verfolgt, wird vermutlich schon mitgekriegt haben, dass es sich bei unserer Hausgenossin, wie ich sie oben genannt habe und auch weiterhin zu nennen gedenke, um die Mutter einer Schulfreundin unserer Großen handelt; diese ist schon etwas früher in die Wohnung im Obergeschoss eingezogen als wir in die Erdgeschosswohnung, und das hat dazu geführt, dass, als wir nach unserem Urlaub mit den Umzugsvorbereitungen anfingen, schon richtig "Leben in der Bude" war – wozu neben der Tatsache, dass gelegentlich schon Besuch vorbeikam, besonders der Umstand beitrug, dass über uns auch zwei junge Katzen eingezogen waren. Anfangs blieb ihr Aktionsradius auf das Obergeschoss beschränkt, aber als wir am Samstag damit beschäftigt waren, unsere Möbel aus der alten Wohnung in der neuen aufzubauen, kamen die vierbeinigen Mitbewohner neugierig nach unten und nahmen fortan auch unsere Wohnung kurzerhand mit für sich in Beschlag. 

Eine von ihnen hat kurzerhand unseren Schreibtischstuhl zu ihrem Lieblingsplatz erkoren.

Am Samstagnachmittag kam die ältere der beiden Töchter unserer Hausgenossin, die bei einer Schulfreundin übernachtet hatte, nach Hause – und die Schulfreundin kam gleich mit und übernachtete ihrerseits bei ihr. – Ich freue mich, sagen zu können: Trotz meiner introvertierten Neigungen, trotz meines von Zeit zu Zeit doch sehr ausgeprägten Bedürfnisses, die Tür hinter mir zumachen zu können und mal meine Ruhe zu haben, habe ich festgestellt, ich finde das alles super. Und es ist eine ausgesprochen faszinierende Erfahrung, dass man sich in einem Zweifamilienhaus deutlich weniger allein auf der Welt fühlen kann als in einem Mietshaus mit zwölf Parteien; und vor allem, dass man sich, auch und gerade dadurch, dass mal Besuch kommt und/oder dass die Katzen aus der Nachbarwohnung sich bei einem breit machen, auf eine andere und intensivere Weise zu Hause fühlt

Gleichwohl muss ich gestehen, dass ich, als ich mit dem Tochterkind auf dem Weg vom Gemeindefest zu unserer Einweihungsparty war, eigentlich gar keine Lust mehr zum Feiern hatte. Meine Tochter kleidete dies in die scharfsinnige Beobachtung, ich sei wohl vom Halbmarathon so fertig, als wäre ich ihn gelaufen. Als ich dann aber endlich bei der Feier ankam, verflog mein Frust bald angesichts der fröhlichen und bunt gemischten Gästeschar, die sich in unserem Garten eingefunden hatte und noch einfand: Ungefähr zehn Kinder von der Schule unseres Tochterkindes (nicht mitgerechnet die, die im Haus wohnen) kamen mit ihren Eltern, in einigen Fällen auch mit jüngeren Geschwistern; hinzu kamen ein Mädchen aus der Kampfsport-Gruppe unserer Tochter (ebenfalls mit Eltern), eine Frau, die wir vom JAM-Elterncafé kennen, mit dem jüngsten ihrer drei Söhne, der ungefähr so alt wie unser Jüngster ist, und last not least Bloggerkollegin Claudia. Geschenke zum Einzug gab's auch, vom Klassiker Brot und Salz über Handtücher und Seifenspender bis hin zu einer Feuerschale für den Garten (inklusive Grillrost). – Ehe ich die Party richtig genießen und mich entspannen konnte, war indes noch allerlei zu erledigen: Damit wir im Garten Musik hören konnten, ging ich erst mal meine mobile Lautsprecherbox holen, die noch in der alten Wohnung stand; dann wurde ich von den Kindern mit Musikwünschen überschüttet (wobei man anerkennen muss, dass die meisten Lieder, die sie sich wünschten, gar nicht so schlecht waren) und dann wollten die Kinder Stopptanz spielen. Aber was soll's: Am Ende des Tages war ich extrem geschafft, aber glücklich. Und in diesem Garten müssen definitiv noch mehr Partys gefeiert werden. Die nächste wahrscheinlich dann, wenn wir mit dem Umzug "richtig fertig" sind... 


Sachsen-Anhalt wird blau 

Politik war bei unserer Einweihungsparty, soweit ich es mitbekommen habe, glücklicherweise kein Thema, trotz der schicksalhaften Wahl an diesem Sonntag. Schon während der Vorbereitungen zum Frühstück hatte Google News mir eine Meldung mit der Überschrift "Unwetter tobt über Sachsen-Anhalt" aufs Handy geschickt; "Das ist ein schlechtes Omen", dachte ich, aber als ich die Meldung öffnete, zeigte sich, dass das Unwetter schon am Freitagnachmittag war – und dass deswegen in Magdeburg ein "AfD-Fest abgesagt" werden musste. Na dann. – Insgesamt hatte ich in den letzten Tagen vor der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt den Eindruck gehabt, die Presse lasse kaum eine Gelegenheit aus, die Aussichten der AfD auf einen Wahlsieg kleinzureden; aber realistisch betrachtet lautete die Frage ja eigentlich nur noch, wie hoch dieser Wahlsieg ausfallen würde. Und als am Sonntag um 18 Uhr die erste Prognose 'rauskam, sah es doch stark nach "höher als erwartet" aus. Besonders verblüffend fand ich, dass diese erste Prognose punktgenau ein Szenario zu bestätigen schien, das ich mir im Vorfeld ausgemalt hatte: dass AfD und BSW zusammen eine Mehrheit hatten, das BSW aber ganz knapp an der 5%-Hürde kratzte, was natürlich ein deutliches Fragezeichen hinter die Berechnung der Sitzverteilung setzte. Am nächsten Morgen stand das BSW aber immer noch bei 5,0% und war somit "drin", und der AfD fehlten drei Sitze zur absoluten Mehrheit. 

Nun mag man der Meinung sein, eine Koalition aus AfD und BSW sei keine sonderlich realistische Option, aber noch unrealistischer dürfte wohl das Projekt einer Fünf-Parteien-Koalition sein, die von nichts anderem zusammengehalten wird als dem Bestreben, den offensichtlichen Wahlsieger von der Macht fernzuhalten. Zudem würde man, was auch immer man von der AfD halten mag, eine derartige Koalition der Wahlverlierer wohl als eine eklatante Missachtung des Wählerwillens bezeichnen müssen. Man könnte sagen, manchmal sind "Angst um die Demokratie" und "Angst vor der Demokratie" gar nicht so leicht zu unterscheiden. 

Dies gilt, wie so oft, besonders auch für unsere Kirchenvertreter. Schon im Vorfeld der Wahl hatte man sich ja eindeutig positioniert: So hatte der Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz, Heiner Wilmer, unlängst im Rahmen eines Festakts zum 80jährigen Bestehens des Landes Nordrhein-Westfalen davor gewarnt, "munter ins Blaue zu wählen"; und als mein geschätzter Erzbischof Heiner Koch in einem Interview mit der Katholischen Nachrichtenagentur KNA gefragt wurde, ob die Kirche "das Risiko eingehen müsse, im Zuge ihrer Positionierung AfD-Wähler zu verlieren", ließ er sich dazu hinreißen, dies zu bejahen: "Ja, wir müssen dieses Risiko eingehen. Denn es geht um viel mehr als um Wahlergebnisse, es geht um Werte und inhaltliche Grundfragen." Deutliche Kritik an dieser Aussage gab's ein paar Tage später von Kardinal Müller: Ein Bischof dürfe "niemals das ewige Heil derjenigen Katholiken gefährden, die nicht so wählen, wie er es gerne hätte", betonte er in einem Gastbeitrag auf kath.net; wollten Bischöfe "ihre geistliche Vollmacht in dem legitimen Kampf um die Mehrheit der Wählerstimmen in einem demokratischen Rechtsstaat [...] zu Gunsten oder zu Ungunsten einer einzelnen politischen Partei in die Waagschale werfen", wäre dies ein "Missbrauch der geistlichen Autorität zu politischen Zwecken". 

-- Um's ganz deutlich zu sagen, ich bin sehr wohl der Meinung, dass es zum Hirtenamt der Bischöfe gehört, darauf aufmerksam zu machen, dass bestimmte politische Positionen oder politische Forderungen im Widerspruch zum christlichen Menschenbild, zur christlichen Glaubens- und Sittenlehre stehen, und die Gläubigen zu ermahnen, dies bei ihrer Wahlentscheidung zu berücksichtigen. Problematisch wird es erst, wenn der Eindruck erweckt wird, solche aus christlicher Sicht inakzeptablen Positionen gäbe es ausschließlich oder weit überwiegend auf Seiten einer einzigen Partei oder politischen Richtung. Wenn AfD-Anhänger und deren Familienangehörige in kirchlichen Einrichtungen nicht beschäftigt werden oder nicht für Gremien kandidieren dürfen, dann ist es durchaus kein bloßer "Whataboutism", zu fragen, warum die institutionelle Kirche keine vergleichbare Abgrenzung gegenüber den Anhängern von Parteien für nötig hält, die Abtreibung und assistierten Suizid legalisieren wollen oder die für die Einführung der "Ehe für alle" und des "Selbstbestimmungsgesetzes" verantwortlich sind. 

Als Reaktion auf das Wahlergebnis – als wäre dieses nicht exakt so vorauszusehen gewesen – posteten meine besonderen Freunde von der Facebook-Redaktion des Bistums Münster das folgende "Gebet": "Gott, heute Abend bin ich ratlos, aufgewühlt, sprachlos und irgendwie chaotisch. Mehr kann ich grad gar nicht sagen. Amen." Um keine Fragen hinsichtlich der Ursache dieser Rat- und Sprachlosigkeit offen zu lassen, wird im Begleittext zu diesem "Visual" erklärt: "Das Wahlergebnis in Sachsen-Anhalt beschäftigt und beunruhigt. Damit bist du nicht alleine." Letzteres stimmt offensichtlich, denn auch die Berliner Caritas-Direktorin Ulrike Kostka gibt, ebenfalls auf Facebook, bekannt "Wir sind erschüttert" (und guckt auch so). Aus dem fernen München lässt derweil Kardinal Marx verlauten, er empfinde den Ausgang der sachsen-anhaltinischen Landtagswahl als "furchtbar und niederdrückend". Mal ehrlich, was für ein Kommentar zu einem demokratischen Wahlergebnis. Man stelle sich mal vor, was los wäre, wenn ein Kirchenvertreter (oder meinetwegen auch eine andere Person des öffentlichen Lebens) einen Wahlsieg der CDU, der SPD oder auch der Grünen als "furchtbar und niederdrückend" bezeichnen wollte. Man könnt's ja mal ausprobieren, aber ich schätze, so bald wird es dazu keine Gelegenheit geben: Das letzte Mal, dass eine dieser Parteien bei einer Landtagswahl ein annähernd so gutes Ergebnis hingelegt hat wie jetzt die AfD in Sachsen-Anhalt, war 2022 in Schleswig-Holstein. Das kommt halt dabei raus, wenn vier oder mehr Parteien um dieselben 50-70% (je nach Bundesland) der Wählerschaft konkurrieren und den Rest links (bzw. rechts) liegen lassen. Das sollte eigentlich auch unseren Bischöfen zu denken geben, wenn sie sich denn schon zur Tagespolitik äußern müssen. 


Endlich wieder Student! 

Mitten im Umzugsstress flatterte mir ein dicker Briefumschlag von der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen ins Haus, und das hier war drin: 

Ausgesprochen entzückend fand ich es ja, dass da sogar Samentütchen für den Garten dabei waren. Von größerer oder jedenfalls akuterer Wichtigkeit war indes der USB-Stick mit Informationen für Studienanfänger. Ein wenig habe ich mich da schon hineinvertieft, hatte aber noch nicht die Zeit und Muße, die Fülle an Materialien, die mir da zur Verfügung gestellt worden sind, gründlich durchzuarbeiten. Ein bisschen Zeit ist ja auch noch, bis das Semester richtig losgeht. Aber ich muss schon sagen, allmählich bekomme ich Lust aufs Studium – obwohl ich mich in letzter Zeit des Öfteren nicht des Gedankens erwehren konnte, eigentlich hätte ich auch ohnedies schon genug zu tun... Na, schauen wir mal, wie die Dinge sich entwickeln. 


Noch eine Beobachtung zum Thema Sonntagsschule 

Am Mittwoch war wieder JAM, und da dort Mitarbeitermangel herrschte, gab es diesmal kein getrenntes Programm für "Minis" und "Kids", sondern eine gemeinsame Katechese für alle Kinder, und zwar zum Thema "Schöpfung". Den Auftakt bildete ein "Anspiel", in dem sich zwei Schüler darüber unterhalten, was sie in ihrem jeweiligen Unterricht gelernt haben, der eine über das Sonnensystem, der andere über Wale; und angesichts dieser Wunder der Schöpfung meldeten sie Zweifel daran an, dass das alles, wie ihre Lehrer behaupteten, durch puren Zufall entstanden sei. Dann erhalten sie aus heiterem Himmel einen Brief mit einem "Geheimauftrag": Darin heißt es, sie würden in dem Briefumschlag einen Mikrochip finden und sollten herausfinden, was für Daten darauf gespeichert sind und wer den Code geschrieben hat. Tatsächlich handelt es sich bei diesem "Mikrochip" jedoch um einen Apfelkern, und bei den darauf gespeicherten "Daten" handelt es sich um den genetischen Bauplan eines Apfelbaums. 

An dieses Anspiel schloss sich eine kurze erläuternde Ansprache der JAM-Leiterin an, und dann sollten die Kinder anhand von Versen aus Genesis 1,1-2,3 einen Comic zu den sieben Schöpfungstagen zeichnen. 

Das Bild zum 4. Schöpfungstag stammt von meinem Tochterkind.

Insgesamt fand ich diese katechetische Einheit recht gelungen, vor allem das Anspiel fand ich gut; ich fand die Tendenz auch nicht übertrieben "kreationistisch": Explizit bezweifelt wurde ja nur, dass das Sonnensystem und das Leben auf der Erde rein zufällig entstanden sein könnte. In der Überleitung vom Anspiel zum Schöpfungs-Comic kam allerdings ein Satz vor, der mir auf bezeichnende Weise fragwürdig erschien. Da sagte die JAM-Leiterin nämlich: "Wir glauben an die Bibel, und deshalb glauben wir, dass Gott die Welt erschaffen hat." Und ich dachte spontan: Spannt das nicht irgendwie den Karren vors Pferd? Wieso sollte man an die Bibel glauben, wenn man nicht zunächst einmal an Gott glaubt? Mir scheint, hier liegt ein echtes Dilemma des evangelikalen "sola scriptura"-Verständnisses: Wenn uns allein die Bibel sagt, was wir glauben sollen, woher wissen wir dann, dass die Bibel glaubwürdig ist? Tatsächlich wird genau diese Frage in dem Facebook-Beitrag zum Thema "Die Sonntagsschule macht Ihre Kinder zu Atheisten", mit dem ich mich ja noch ausführlicher auseinandersetzen wollte, als zentrales Problem identifiziert – dort dargestellt in Form eines Dialogs zwischen der Sonntagsschullehrerin und einigen Kindern aus ihrer Gruppe: 

"Warum glaubt ihr, dass die Bibel wahr ist?" 
"Weil sie Gottes Wort ist." 
"Woher wisst ihr, dass sie Gottes Wort ist?"
"Weil... die Bibel das sagt?" 

Im vorliegenden Fall könnte man natürlich sagen, das Anspiel mit seiner Kernaussage "Die Schöpfung weist auf den Schöpfer hin" biete bereits einen Ansatz, aus dem sola-scriptura-Zirkelschluss herauszukommen; so gesehen wäre der Satz "Wir glauben an die Bibel, und deshalb glauben wir, dass Gott die Welt erschaffen hat" im Grunde eher ein Lapsus – aber eben ein sehr bezeichnender. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Die erste Aufgabe des Christen, so scheint mir, ist es, im Glauben an Gott zu wachsen – im Vertrauen auf Seine Macht, in der Überzeugung, dass wir alle in Seiner Hand geborgen sind. Er ist unsere Sicherheit, unser Schutz. Dieser Glaube, um den wir beten müssen, vertreibt die Furcht, die jedes Bemühen lähmt. Furcht vor dem Verlust des Arbeitsplatzes, vor Hunger, vor dem Verlust der Wohnung, aber aich Furcht vor körperlicher Gewalt oder vor den Hieben von Beschimpfung und Verachtung. 

Ich will das Martyrium nicht kleinreden, aber was ich will, ist, stets die Worte im Bewusstsein zu bewahren: "Vater, vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun" (Lk 23,34). Gott liebt alle Menschen, "Gott will, dass alle Menschen gerettet werden" (1 Tim 2,4). Aber wir haben die große und herrliche Gabe des freien Willens erhalten, die den Menschen vom Tier unterscheidet, die Macht, eine Wahl zu treffen, und oft wählt der Mensch das Böse, weil es den Anschein des Guten erweckt, weil es Glück zu versprechen scheint." 

(Dorothy Day, Tagebucheintrag September 1962; eigene Übersetzung) 


Ohrwurm der Woche 

Donovan: Hey Gyp! Dig the Slowness 

Ein Song, den ich noch aus meiner Zeit als DJ in einer Hippie-Kneipe in meinem Repertoire habe; da stand Donovans Album "Colours" sogar als Vinyl-LP im Regal. Donovan, der zusammen mit den Beatles in Indien war, um beim Maharishi Mahesh Yogi die Transzendentale Meditation zu erlernen, ist ja im Allgemeinen eher für esoterisch angehauchtes, nach Räucherstäbchen duftendes sanftes Gesäusel bekannt, aber bei dieser Nummer – einer folkrockigen Re-Interpretation eines Bluesklassikers von Memphis Minnie & Kansas Joe – lässt er es so richtig krachen. Ich habe den Song auf die Playlist für unsere Einweihungs-Gartenparty am vergangenen Sonntag gesetzt, und seitdem lässt der Ohrwurm mich nicht mehr los. 


Vorschau/Ausblick 

Über die Gemeindefreizeit der EFG The Rock Christuskirche, bei der meine Familie und ich uns noch bis morgen Mittag befinden, wird es, nachdem ich mich dazu bisher noch nicht in nennenswertem Umfang geäußert habe, im folgenden Wochenbriefing zweifellos umso mehr zu sagen geben. In diesem Zusammenhang steht übrigens die Frage im Raum, ob wir, um unsere Sonntagspflicht zu erfüllen, nach unserer Rückkehr nach Berlin noch in eine Abendmesse gehen "müssen". Theoretisch könnte man das in Herz Jesu Tegel tun, allerdings soll da, wie ich den Vermeldungen der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd entnommen habe, anlässlich des Caritas-Sonntags die (weiter oben schon mal erwähnte) Berliner Caritas-Direktorin Ulrike Kostka "predigen" – und ich fürchte, ich kann es mir in meiner derzeitigen Position nicht erlauben, einen Eklat auszulösen, indem ich in der Messe aufstehe und darauf hinweise, dass sie das gar nicht darf. – In den folgenden Tagen wird es dann jedenfalls weiter darum gehen, die neue Wohnung einzurichten und die alte übergabereif zu machen. Am Dienstag ist zudem Elternabend an der KiTa unseres Jüngsten, am Mittwoch JAM, und ansonsten bleibt abzuwarten, was die Woche noch so bringt. Spannend wird jedenfalls das nächste Wochenende, da ist Erstkommunionkurs, Marsch für das Leben, Vorstellung der Erstkommunionkinder in der Sonntagsmesse in St. Joseph Siemensstadt, und außerdem sind Wahlen in Berlin und Mecklenburg-Vorpommern. Aber das sind alles schon Themen fürs übernächste Wochenbriefing... 


Samstag, 5. September 2026

Utopie und Alltag 41: Guck mal, was da wächst

Sagt mal, Freunde: Habt ihr auch das Gefühl, dass in letzter Zeit unheimlich viel "los ist", oder ist das nur bei mir so? Ich habe in den letzten Wochen schon ein paarmal darüber nachgedacht, ob das Artikelformat "Wochenbriefing" überhaupt noch ausreicht, um alle Themen zu berücksichtigen, die im Laufe einer Woche so anfallen. Na, die Reihe "Utopie und Alltag" gedenke ich sehr wohl noch bis zum Ende des Kirchenjahres in gewohnter Form fortzuführen, und bis dahin habe ich ja noch etwas Zeit, mir Gedanken darüber zu machen, ob es ratsam und praktikabel sein wird, das gute alte Wochenbriefing ab dem Advent durch mehrere, thematisch enger eingegrenzte Newsletter-Reihen zu ergänzen oder zu ersetzen. Kommen wir aber erst mal dazu, was sich seit dem vergangenen Samstag so alles ereignet hat... 


Wieder bei den Wölflingen 

Am vergangenen Samstag fand in Berlin-Schöneberg das erste Meutentreffen der Wölflingsmädchen des dortigen KPE-Stammes nach den Sommerferien statt, und wie angekündigt, wollte ich da mit meinem Tochterkind unbedingt hin – nicht zuletzt deshalb, weil es sich abzeichnete, dass wir die nächsten drei Male nicht würden dabei sein können: Heute war erst Umzug und dann RKF-Nachtreffen, nächstes Wochenende ist die Gemeindefreizeit der EFG The Rock Christuskirche und am übernächsten Samstag ist Erstkommunionkurs. Dass sich gerade samstags die Terminkollisionen häufen, droht im neuen Schuljahr zum Dauerthema zu werden. Am besagten vorigen Samstag gab's auch schon eine Terminkollision, da waren nämlich Einschulungsfeiern an den Berliner Grundschulen, und wie schon letztes Jahr beschrieben, wird dies an der Schule unseres Tochterkindes stets als ein Fest für die ganze Schulgemeinschaft gefeiert. Es war also nicht gerade überraschend dass unsere Große da gern hingehen wollte; wir einigten uns schließlich darauf, direkt vom Meutentreffen aus zu der Schulfeier aufzubrechen, auch wenn das bedeutete, dass wir einen nicht ganz kleinen Teil der Feier verpassen würden. 

In der Nacht auf Freitag hatte ich eine Mail mit den Pfadfinder-Terminen bis zum Ende des Kalenderjahres erhalten, aus der u.a. hervorging, dass das diesjährige Herbstlager wieder am Wochenende über den 3. Oktober stattfinden soll – das ist gar nicht mehr so lange hin! Außerdem erfuhr ich aus dieser Mail, dass während der Sommerferien im Keller der KiTa St. Norbert, in dem auch die Pfadfinder ihr Materiallager haben, eingebrochen wurde. Gestohlen wurde dabei unter anderem eine Gitarre, vor allem wurde aber offenbar ziemlich viel Chaos und Verwüstung angerichtet. 

Zum ersten Meutentreffen nach den Ferien erschienen 13 Mädchen, eine vergleichsweise überschaubare Zahl also; nachdem ich mit der Akela ein paar Worte zur Begrüßung gewechselt hatte, ging ich erst einmal meiner Wege, und als ich knapp zwei Stunden später wiederkam, waren die Mädchen gerade dabei, das Winkeralphabet (Semafor) zu üben. Wie mir mein Tochterkind hinterher berichtete, hatte es außerdem eine Geschichte aus dem Dschungelbuch und verschiedene Geländespiele gegeben, und ich nahm erfreut zur Kenntnis, dass mein Wölflingsmädchen nach der langen Pause wieder Feuer und Flamme für die Pfadfinderei ist. 

Direkt nach dem Ende des Meutentreffens machten wir uns auf den Weg zur Schulfeier; Zeit zum Umkleiden blieb da nicht, und so erregte das Tochterkind einiges Aufsehen, als es in Wölflingskluft auf dem Schulgelände erschien. Einen Großteil der Reaktionen würde ich durchaus als wohlwollend interessiert einstufen; meine Große erklärte unverdrossem wieder und wieder, das sei ihre Pfadfinderkluft, woraufhin sich herausstellte, dass die Eltern einiger Mitschüler auch mal bei den Pfadfindern gewesen waren (aber wohl nicht gerade bei der KPE); der besonders interessierten Mutter einer Mitschülerin zeigte und erklärte meine Tochter sogar recht ausführlich ihr Probenheft. Auch davon, dass einige ihrer Freundinnen die Kluft eher komisch fanden, ließ sie sich nicht im geringsten verunsichern. Auf dem Heimweg erzählte sie mir, eine ihrer Schulfreundinnen habe ihr geraten, wenigstens das Barett abzunehmen; "hab ich aber nicht gemacht, denn ich finde mein Barett cool – und ich halte es auch in Ehren." Da war ich ja mal wieder stolz auf mein Tochterkind. 


Auch in der Kirche sind die Ferien vorbei 

Am Sonntag gingen wir wieder in St. Joseph Siemensstadt in die Messe, die spürbar besser besucht war als an den beiden vorangegangenen Sonntagen; auch dem Pfarrvikar fiel das auf, er sagte zur Begrüßung, er freue sich, "nach dem Urlaub viele bekannte Gesichter zu sehen", stellte aber zugleich fest: "Ein paar fehlen noch." Den Pfarrvikar selbst hatte ich, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, schon ungefähr seit Pfingsten nicht mehr als Hauptzelebranten in einer Sonntagsmesse erlebt, und da er, wie ich schon öfter angemerkt habe, für mein Empfinden eindeutig der beste Prediger in dieser Pfarrei ist, freute ich mich schon sehr auf seine Predigt – und wurde auch nicht enttäuscht. Das Evangelium vom Tag war Matthäus 16,21-27, mit der Kernaussage "Wenn einer hinter mir hergehen will, verleugne er sich selbst, nehme sein Kreuz auf sich und folge mir nach"; und der Pfarrvikar hob hervor, das Evangelium zeige, dass dieses Jesuswort von Anfang an Anstoß erregt habe, und zwar gerade unter Jesu Anhängern selbst: "Der erste, der Anstoß nimmt, ist die Kirche" – in Gestalt des Apostels Petrus, der, wir erinnern uns, praktisch unmittelbar die Schlüssel des Himmelreichs anvertraut bekommen hat und somit die kirchliche Amtsgewalt verkörpert, auf die Ankündigung des Leidens und Sterbens Jesu aber mit spontanem Widerspruch reagiert: "Das darf nicht geschehen!" – Eine solche "allergische Reaktion auf das Wort Kreuz" sei "ganz normal", meinte der Pfarrvikar: "Keiner von uns will leiden." Weiter betonte er, die 1. Lesung dieses Sonntags – Jeremia 20,7-9 – sei von der Kirche passend zu diesem Evangelium ausgewählt worden, "damit wir ein bisschen besser verstehen, was es bedeutet", sein Kreuz auf sich zu nehmen, um Christus nachzufolgen. Aus diesem Grund verwendete er ungefähr die erste Hälfte seiner Predigt darauf, diese 1. Lesung in den Gesamtzusammenhang des Buches Jeremia einzuordnen und die historische Situation des Königreichs Juda zu erläutern, in die dieses prophetische Wort hineingesprochen wurde. Das fand ich ausgesprochen interessant, auch deshalb, weil ich ja mal einen Kinderwortgottesdienst zum Propheten Jeremia gestaltet habe. Das Schicksal des Königs Zedekia – auch wenn er diesen beharrlich mit Hiskija, dem guten König aus der Zeit des Propheten Jesaja, verwechselte – beschrieb der Pfarrvikar geradezu als Paradebeispiel für das Jesuswort "Wer sein Leben retten will, wird es verlieren" – wohingegen Jeremia, der aus Liebe zu Gott und zum Volk Gottes Verfolgung, Schmach und Gefangenschaft auf sich nimmt, von Gott durch all diese Unbill hindurch getragen wird. – Sollte ich aus dieser rund zehn Minuten langen Predigt ein paar Sätze herausgreifen, die ihre Kernaussagen zusammenfassen wären es wohl die folgenden: "Wer sein Kreuz auf sich nimmt, erfährt die Liebe Christi. Er erfährt, dass das Kreuz sich verwandelt, dass es neu wird, dass es einen Sinn hat. Ja, das Kreuz hat einen tiefen Sinn, hat eine Fruchtbarkeit." 


Ich wollte ja immer einen Garten, also... 

...habe ich jetzt wohl ein neues Hobby. Den Garten, der zu unserem neuen Zuhause gehört, haben wir in einem recht vernachlässigten Zustand übernommen; ich sehe durchaus Potential, da was Schönes draus zu machen, aber man wird da einiges an Arbeit reinstecken müssen, und hinzu kommt, dass ich – wie schon verschiedentlich betont – zwar durchaus Interesse am Gärtnern habe, aber nicht viel davon verstehe. Noch nicht. Ein bisschen ins kalte Wasser geschmissen wurde ich dadurch, dass schon morgen, also quasi unmittelbar nach dem "großen Umzug", Einweihungsfeier sein soll – den Termin haben nicht wir uns ausgesucht, sondern unsere neue hausinterne Nachbarin oder, wenn man so will, Mitbewohnerin, aber da müssen wir jetzt durch und hoffen darauf, dass die Feier größtenteils im Garten stattfinden kann. Was aber seinerseits natürlich auch gewisse Vorbereitungen erfordert, wozu es vor allem gehörte, dass erst mal der Rasen gemäht werden sollte. Diese Aufgabe fiel mir zu, nachdem ich mit Hilfe von Onkel Google eine Bedienungsanleitung für den etwas betagten Rasenmäher im Gartengeräteschuppen ausfindig gemacht hatte. Eigentlich hätte ich das Mähen gleich am Montagnachmittag erledigen wollen, aber im Geräteschuppen (oder sonst auf dem Gelände) war kein geeignetes Stromkabel für den Rasenmäher aufzutreiben, und dann fing es auch noch an zu regnen. 

Diese unwillkommene Verzögerung nutzte ich jedoch dazu, mir erst mal einen Überblick darüber zu verschaffen, was in diesem Garten so alles wächst und welche Arbeiten möglichst noch vor dem Herbst in Angriff genommen werden sollten. Hier ein paar Erkenntnisse: 

  • Eine Pflanze, die in diesem Garten stark vertreten ist, ist Hartriegel – sowohl in Form einer Staude, die schon die Ausmaße eines regelrechten Baumes hat, als auch in Form zahlreicher kleiner, in die Rasenfläche hinein wuchernden Büsche. Aus ökologischer Sicht ist Hartriegel eine tolle Pflanze, die die Biodiversität im Garten bereichert, da sie Nahrung und Schutz für Insekten, Vögel und Kleintiere bietet; andererseits kann es aber auch einige Mühe kosten, zu verhindern, dass sie den ganzen Garten überwuchert. 

  • Worauf ich mich schon freue, ist, im Herbst Hagebutten zu ernten und evtl. Marmelade daraus zu machen. 
  • Auch eine schöne Pflanze, die in unserem Garten wächst: Hopfen! Ob man da vielleicht mit einer Craft-Beer-Mikrobrauerei ins Geschäft kommen könnte? 

  • Nicht so glücklich bin ich mit dem Kirschlorbeer, der neben dem gepflasterten Weg wächst, der von der Straße bis hinters Haus führt. Denn zum einen ist der giftig, zum anderen sind die Blätter schwer kompostierbar.

Derweil möchte ich in aller Bescheidenheit anmerken, ich habe mich in der Straße mal umgesehen und habe den Eindruck, die Messlatte für den gepflegtesten Garten der Nachbarschaft hängt nicht so hoch wie in den 80er Jahren in meinem Heimatdorf. Hat ja auch was Ermutigendes. 


Die nächste RKF kommt bestimmt

Am Dienstag, dem 1. September, fand das Team-Nachtreffen zur Religiösen Kinderfreizeit (RKF) der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst statt, in Form eines Essens in einem italienischen Restaurant in Siemensstadt. Natürlich wurde da auch über die nächste RKF gesprochen – schwerpunktmäßig  über organisatorische Aspekte wie Zeit und Ort, aber das von der Arbeitsgemeinschaft RKW zentral vorgegebene Thema fürs nächste Jahr kam auch schon zur Sprache: "Ein Zuhause für alle – Leben wie in den ersten Hauskirchen" heißt das Motto, biblische Grundlage soll demnach offenbar die Apostelgeschichte sein; das ist sicherlich ein Thema mit Potential, gerade auch unter #benOppigen Gesichtspunkten, aber gleichzeitig wird mir bei der Vorstellung, was dem Vorbereitungsteam aus dem Bistum Magdeburg wohl so alles zu diesem Thema einfällt, ganz anders. Das Programm für die einzelnen Tage kommt unter Überschriften wie "Bunt zusammen" oder "Echt Mensch" daher – ich sag mal: urgh. (Positiv hervorzuheben ist, dass es auch ein Tagesmotto "Glaube verändert" gibt, aber auch da kommt es natürlich auf die konkrete Anwendung an.) – Na, das Gute ist ja, dass noch fast ein Jahr Zeit ist bis zur nächsten RKF, da kann man sich also gründlich Gedanken zur Überarbeitung des Konzepts machen. Das Materialienbuch soll Ende Januar 'rauskommen... 


Weiteres Material für das Sonntagsschulen-Thema

Am Mittwoch war wieder JAM, wo ich diesmal allein mit den Kindern hinging, während meine Liebste in unserer neuen Wohnung mit Vorbereitungen für den Umzug und die Einweihungsfeier beschäftigt war; und ich bin mir nicht sicher, ob es daran lag, dass ich einfach allgemein gestresst und schlecht drauf war, oder ob der im vorigen Wochenbriefing angesprochene Facebook-Beitrag zum Thema "Die Sonntagsschule macht Ihre Kinder zu Atheisten", dessen ausführliche Würdigung noch aussteht, noch in mir nachwirkte, jedenfalls war ich vom "inhaltlichen" Teil des JAM diesmal alles andere als begeistert. Dass ich diesmal mit meinem Jüngsten zum Programm für die "Minis", also für Kinder im Alter von 2-5 Jahren, gehen "musste", spielte sicherlich auch eine Rolle. Nachdem es in der vorigen Woche, wie berichtet, um Fakten zur Bibel gegangen war, waren diesmal Eigenschaften Gottes dran: Gott ist ewig, Gott ist dreifaltig, Gott ist gut, allmächtig, allwissend, Gott ist Schöpfer... Für jede dieser Eigenschaften Gottes wurde den Kindern ein Piktogramm gezeigt; erst wurde ihnen erklärt, was die Piktogramme bedeuten sollten, dann wurde abgefragt, was sie sich davon gemerkt hatten, und dann durften sie spielen. Fand ich ein bisschen platt, aber gleichzeitig hätte ich auch nicht gewusst, wie man zwei- bis fünfjährigen Kindern diese Inhalte auf weniger platte Art vermitteln sollte. Möglicherweise lautet die einzig richtige Schlussfolgerung daher: Sollte man gar nicht. Möglicherweise hätten alle Beteiligten mehr davon, sich auf eine oder zwei Eigenschaften Gottes zu konzentrieren und diese auf eine anschaulichere, auch emotional eingängigere Weise zu erläutern. – Von meiner Großen erfuhr ich beim Abendessen auf Nachfrage, dass in der Altersgruppe der "Kids" (6-12 Jahre) dieselben Piktogramme zum Einsatz gekommen waren, mit dem Unterschied, dass die größeren Kinder die Kärtchen mit den Piktogrammen erst im Rahmen eines Geländespiels suchen mussten. Ob das jetzt so ein entscheidender methodischer Pluspunkt ist?


Neues vom Erstkommunionkurs

Das erste Katechetentreffen zum Erstkommunionskurs der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst fand passenderweise am Gedenktag des Hl. Gregor d. Gr. statt, was der Gemeindereferent zum Anlass nahm, als Geistlichen Impuls zur Eröffnung des Treffens Lesung und Antwortpsalm aus dem Messformular zu diesem Gedenktag vorzutragen (2. Korinther 4,1-2.5-7; Psalm 96,1-3.7-8.10). Von theoretisch acht ehrenamtlichen Katecheten erschienen fünf zu dem Treffen: zwei Frauen, die schon in den letzten Jahren mitgemacht haben, und (einschließlich meiner bescheidenen Person) drei Männer, die zum ersten Mal dabei sind. Trotz solcher unterschiedlichen Voraussetzungen und auch trotz an manchen Stellen andeutungsweise spürbar werdenden unterschiedlichen Anschauungen verlief das Treffen in einer recht konstruktiven Atmosphäre; dass wir im Verhältnis zu den Erstkommunionkursen der vorangegangenen Jahre das Rad nicht komplett neu erfinden werden, ist klar, schon aus pragmatischen Gründen – damit hätte man, wenn man es gewollt hätte, früher anfangen müssen –, aber der Anspruch, von Jahr zu Jahr dazuzulernen und das Konzept weiterzuentwickeln, besteht durchaus. 

In diesem Zusammenhang verriet der Gemeindereferent, man habe vor Jahren angefangen, mit dem Buch "Bei Gott zu Hause" aus dem Benno-Verlag zu arbeiten, habe aber nach und nach gewisse Anpassungen am Konzept vorgenommen. In das Buch habe ich nur flüchtig hineingeschaut und kann daher kaum beurteilen, inwieweit sich der Erstkommunionkurs konzeptionell noch an diesem Buch orientiert, aber aus dem Bauch heraus bin ich geneigt zu sagen: hoffentlich nicht so sehr. Vom ersten Eindruck her sieht mir das Buch doch sehr stark nach typisch post-volkskirchlich weichgespülter Stuhlkreiskatechese mit bunten Tüchern und Fingerfarben aus. 

Vive la difference! 

Gewissermaßen als Gegengewicht hatte ich die schon mal erwähnte Erstkommunion-Mappe aus der Pfarrei St. Gertrud in Herzogenrath zu dem Treffen mitgebracht.  Dass sich das Konzept dieser Mappe der etablierten Praxis in der Gemeinde nicht ohne Weiteres "überstülpen" lassen würde, war mir durchaus klar gewesen, aber überrascht war ich doch, wie groß die Unterschiede waren – sowohl was die Reihenfolge als auch was die Gewichtung der Inhalte angeht. Wenn man davon ausgeht, dass es die zentrale Aufgabe eines Erstkommunionkurses ist, die Kinder auf den Empfang zweier Sakramente vorzubereiten, nämlich erst auf die Beichte und dann auf die Eucharistie, erscheint mir der Aufbau der Mappe aus St. Gertrud sehr viel klarer und stimmiger: Da ist ungefähr die erste Hälfte des Kurses der Hinführung zur Beichte gewidmet und das Thema Eucharistie kommt danach. Nun hatte ich ja schon erwähnt, dass der Terminplan für den Erstkommunionkurs in St. Joseph/St. Stephanus sechs Kurstreffen bis zur Erstbeichte und danach nur noch drei weitere vorsieht; umso überraschter war ich, nun beim Katechetentreffen zu erfahren, dass für die Hinführung zur Beichte nur ein Termin vorgesehen war und das Erlernen des Ablaufs der Heiligen Messe davor drankommen soll – was mir kontraintuitiv und ineffizient erscheint: Ich würde denken, dieses Thema wäre gegen Ende des Kurses wesentlich sinnvoller platziert, nicht-nur-aber-auch deshalb, weil dieses Wissen dann noch "frisch" ist, wenn die Kinder den Ablauf ihres Erstkommunion-Gottesdienstes proben sollen. Mit dieser Auffassung konnte ich mich zwar nicht durchsetzen, aber immerhin kam durch diesen Einwand eine durchaus fruchtbare Diskussion über die Abfolge der thematischen Einheiten des Kurses sowie überhaupt über inhaltliche und methodische Schwerpunkte in Gang. Die ersten beiden Kurstreffen werden wohl – aus pragmatischen Gründen, wie gesagt – im Großen und Ganzen nach dem Schema der Vorjahre ablaufen, aber danach dürften die Impulse aus diesem Katechetentreffen allmählich zu greifen beginnen. Im Detail wird da noch Manches zu planen sein, und darüber werde ich dann zu gegebener Zeit berichten; derweil werden, wie neulich schon angesprochen, mein Tochterkind und ich beim ersten Kurstreffen gar nicht dabei sein, aber da stehen sowieso erst mal "nur" Kennenlernspiele und eine "Kirchenrallye" auf dem Programm. Das zweite Kurstreffen soll dann zwei thematische Einheiten umfassen, nämlich "Bibel" und "Gebet". Man darf gespannt sein! 

Womit man in jedem Fall rechnen muss, ist, dass die Kinder sehr unterschiedliche Voraussetzungen zum Kurs mitbringen werden; die beim Elternabend angesprochenen Erfahrungswerte bezüglich der Kenntnis des Vaterunsers (ein Drittel kann es, ein Drittel kann es so mehr oder weniger und ein Drittel kann es nicht und lernt es auch nicht) stellen da ja sozusagen nur die Spitze des Eisbergs dar, denn natürlich verweist dieses Detail auf viel grundsätzlichere Unterschiede hinsichtlich der Glaubensweitergabe im Elternhaus. Der Gemeindereferent und die erfahrenen Katechetinnen warnten denn auch die hochmotivierten Neulinge im Katechetenteam, wir sollten uns nicht einbilden, wir könnten in neun Kurstreffen das nachholen, was zuvor zehn Jahre lang versäumt worden sei. Nun gut, zu diesem Problem habe ich ja schon öfter etwas geschrieben – und es steht zu vermuten, dass ich zukünftig, angeregt durch frische Praxiserfahrungen, noch mehr dazu schreiben werde... 


Blogvorschau: Sind wir doch nicht alle ein bisschen KiNC? 

Schon über ein Jahr ist es her, dass ich auf diesem Blog erstmals die Frage aufwarf "WTF is KiNC?" und im Zuge meines Versuchs, Antworten auf diese Frage zu finden, feststellte, dass dieses Akronym – das für "Kingdom-minded Network Christianity" stehen soll – eine Schöpfung der evangelischen Theologin Maria Hinsenkamp ist, die das von ihr so benannte Phänomen in ihrer Dissertation "Visionen eines neuen Christentums" beschreibt. Von dieser Dissertation habe ich daraufhin größere Partien gelesen und fand sie gar nicht mal uninteressant; gleichzeitig fand ich es aber auffällig, wie eifrig diese Studie gerade in solchen Kreisen rezipiert wurde und wird, die es als ihre Aufgabe betrachten, vor "Bewegungen, die vermehrt auf Frömmigkeit setzen", zu warnen. Daran, dass ich Frau Hinsenkamps "Visionen eines neuen Christentums" eigentlich noch zu Ende lesen wollte, um ein abschließendes Urteil darüber zu fällen, ob und inwieweit diese einseitige Rezeption der Studie eigentlich gerecht wird, wurde ich erst unlängst wieder erinnert – nämlich durch einen Tweet (oder wie man das jetzt nennt) von Johannes Hartl, einem der Lieblings-Buhmänner der unermüdlichen Fundamentalistenjäger. Dieser schreibt: 

"Im ÖRR gab es schon mehrere Dokus, die vor gefährlichen christlichen Strömungen warnten. Dabei wurde Maria Hinsenkamp auf Grund ihrer Dissertation wiederholt als Expertin interviewt. Warum es dieser Diss an Seriosität fehlt, hier:" 

Dieses "hier" verweist auf eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Thesen von Frau Hinsenkamps Dissertation, die auf der Website der Geistlichen Gemeindeerneuerung im Bund Freier evangelischer Gemeinden (GGE) veröffentlicht wurde. Die Verfasserin dieses umfangreichen Beitrags, Frauke Bielefeldt, ist selbst Theologin, und ihre Kritik an der Arbeit ihrer Fachkollegin setzt vorrangig bei deren Warnung vor einem "wachsenden transkonfessionellen Einfluss einer gesellschaftstransformatorischen Herrschaftstheologie im deutschsprachigen Bereich" an; im Einleitungsteil ihrer Erwiderung kündigt Frau Bielefeldt an, "einige hochproblematische Fehlschlüsse" in Frau Hinsenkamps Dissertation aufzeigen zu wollen. 

Was ist von diesem Ansinnen zu halten? In meiner bisherigen Auseinandersetzung mit Frau Hinsenkamps "Visionen eines neuen Christentums" habe ich stets die Auffassung vertreten, das Buch habe eine differenzierte Rezeption verdient und man solle die Debatte über die darin aufgestellten Thesen nicht denen überlassen, die sie "zur Verschwörungstheorie verflachen". Einige TV-Dokus später muss man wohl einräumen, dass die Verfasserin der Studie selbst kräftig zu dieser Verflachung beiträgt, und sei es nur, weil sie es – wer wollte ihr das verübeln? – toll findet, vom Fernsehen interviewt zu werden, und den Interviewern folglich das erzählt, was sie hören wollen. Über diese Einschätzung geht, wenn mein erster Eindruck nicht trügt, die Frau Bielefeldt von der GGE deutlich hinaus, indem sie aufzuzeigen sucht, dass die verschwörungstheoretischen Züge des KiNC-Diskurses in Maria Hinsenkamps Studie von vornherein angelegt seien. Vielleicht stimmt das, und es ist mir bei meiner bisherigen Lektüre einfach nicht so aufgefallen. Das Problem, das ich sehe, ist allerdings, dass Frau Bielefeldts Zurückweisung von Frau Hinsenkamps Thesen offensichtlich von dem Interesse der GGE geleitet ist, zu sagen "Wir sind ja gar nicht so", und das ist einfach unsexy. Dass es frustrierend sein kann, wenn man sich um eine geistliche Erneuerung in Deutschland bemüht und einem das so ausgelegt wird, als gehe es einem in letzter Konsequenz um politische Einflussnahme – ein Missverständnis, das ich auf eine geradezu tragikomische Überschätzung von Politik zurückzuführen geneigt wäre –, ist sicher verständlich, aber ich finde, in dem Bestreben, daran etwas richtigzustellen bzw. geradezurücken, sollte man sich hüten, allzu defensiv 'rüberzukommen. Viel besser wäre es, die Aufmerksamkeit, die charismatischen Bewegungen dank des KiNC-Diskurses in den Medien zuteil wird, offensiv für sich zu nutzen, im Sinne der angloamerikanischen Redensart "take the ball and run with it". Oder wie es in einem Song aus dem großartigen Film "Sing Street" heißt: "Gotta grab the wheel and own it / and drive it like you stole it". Was das konkret bedeuten könnte, wäre sicherlich ein Thema, das man mal genauer unter die Lupe nehmen müsste, und dazu wäre es wohl erforderlich, sowohl Maria Hinsenkamps "Visionen eines neuen Christentums" als auch Frauke Bielefeldts Erwiderung einer gründlicheren Lektüre zu unterziehen. Mal sehen, wie bald ich dazu komme... 


Schon wieder ein vorzeitiger Bischofs-Rücktritt 

Am vergangenen Dienstag meldete die Online-Ausgabe der Tagespost unter Berufung auf einen Bericht der kirchenkritischen Zeitschrift Publik-Forum, im Bistum Dresden-Meißen werde ein baldiger Rücktritt von Bischof Heinrich Timmerevers erwartet. Hieß es zu diesem Zeitpunkt noch, die Diözese wolle sich zu derartigen "Rücktrittsgerüchten" nicht äußern, folgte die offizielle Bestätigung schon am nächsten Tag: Papst Leo hatte Timmerevers' Rücktrittsgesuch mit Wirkung zum 2. September, dem 25. Jahrestag seiner Bischofsweihe, angenommen. 

Ein auffälliger Unterschied zum kürzlichen Rücktritt Karl-Heinz Wiesemanns als Bischof von Speyer ist, dass Bischof Timmerevers gar nicht mehr so weit von einem regulären Rücktritt aus Altersgründen war: Dieser wäre in einem knappen Jahr, am 25. August 2027, fällig gewesen. Da mag man sich dann schon fragen, was wohl der ausschlaggebende Grund gewesen sein mag, dass er nicht noch so lange durchhalten konnte oder wollte. Das Publik-Forum verwies auf Kritik an der Amtsführung des gebürtigen Südoldenburgers, der seit zehn Jahren die sächsische Diözese geleitet hat: Einerseits werde ihm verübelt, dass er sich "40 oder 50 Millionen Euro für sein neu zu bauendes Bischofspalais genehmigt" habe, andererseits stünden "Anschuldigungen" im Raum, "er verschleppe oder er hintertreibe gar die Aufklärung von klerikalem Missbrauch". 

Persönlich verbinde ich mit Bischof Timmerevers vor allem zwei Erinnerungen (und das sind immerhin zwei mehr als mit Bischof Wiesemann): Die erste dieser Erinnerungen stammt noch aus der Zeit, als Timmerevers Weihbischof und Offizial in Vechta war und in dieser Funktion eine schwere Krise in der Nordenhamer Pfarrei St. Willehad managen musste; die zweite betrifft den von ihm zelebrierten Gottesdienst der geistlichen Gemeinschaften und Bewegungen beim Katholikentag 2016 in Leipzig – da war er schon zum Bischof von Dresden-Meißen ernannt, hatte das Amt aber noch nicht angetreten. In beiden Zusammenhängen hatte ich, wie man anhand meiner damaligen Artikel nachvollziehen kann, einen tendenziell positiven Eindruck von ihm; zu der Messe beim Katholikentag sei übrigens angemerkt, dass er diese in seiner Funktion als Vorsitzender der Arbeitsgruppe der Deutschen Bischofskonferenz für die kirchlichen Bewegungen und neuen geistlichen Gemeinschaften hielt, eine Funktion, die ihn auch später immer wieder mit innerkirchlichen Bewegungen in Kontakt brachte, die in gewissen Kreisen unter Fundamentalismusverdacht stehen. Seit 2023 war Timmerevers (zusätzlich?) Vorsitzender der Kommission für Erziehung und Schule der Bischofskonferenz, und in dieser Funktion spielte er eine eher unrühmliche Rolle bei der Veröffentlichung des umstrittenen Kommissionspapiers "Geschaffen, erlöst und geliebt. Sichtbarkeit und Anerkennung der Vielfalt sexueller Identitäten in der Schule". Bereits 2020 hatte er sich für die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ausgesprochen. 

Jedenfalls ist die Zahl der vakanten Bischofssitze in Deutschland nunmehr auf drei gestiegen, wenn man Eichstätt nicht mitzählt, wo der neue Bischof schon ernannt ist, sein Amt aber noch nicht angetreten hat; und noch vor Ende des (Kirchen-)Jahres wird (aller Voraussicht nach) Magdeburg hinzukommen. Reichlich Spielraum also für Papst Leo, das deutsche Episkopat umzugestalten; wobei die rasche Aufeinanderfolge zweier vorzeitiger Bischofs-Rücktritte durchaus auch die Frage aufkommen lassen mag, ob sich da eine Art Domino-Effekt abzeichnet. Ich hätte ja durchaus noch ein paar Wunschkandidaten für weitere Rücktritte... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Der Wächter steht immer erhöht, um zu sehen, was von weitem kommt. Wer daher zum Wächter für sein Volk bestellt wird, muss durch seine Lebensführung hoch stehen, damit er durch Voraussicht nützen kann. Wie hart ist für mich, was ich da sage: Im Sprechen treffe ich mich selbst; denn meine Zunge ist der Predigt nicht so gewachsen, wie sie es müsste, und soweit sie ihr gewachsen ist, bleibt das Leben hinter dem zurück, was die Zunge predigt.

Ich weigere mich nicht, meine Schuld zu bekennen. Ich sehe meine Stumpfheit und Nachlässigkeit. Vielleicht erwirkt mir meine Einsicht in die Schuld bei dem gütigen Richter Vergebung. Als Mönch im Kloster hatte ich die Möglichkeit die Zunge von allem überflüssigen Reden fernzuhalten und das immerwährende Gebet des Herzens fast ununterbrochen zu üben. Seitdem ich aber die Schultern unter die Last des Hirtenamtes beugen muss, kann sich mein Geist nicht mehr völlig gesammelt auf sich selbst besinnen, weil er sich teilen und auf vieles richten muss. Ist aber der Geist gespalten und zerrissen und gezwungen, so viele und wichtige Dinge zu bedenken, wann soll er sich dann auf sich selbst zurückziehen, um sich für die Predigt zu sammeln, wenn er sich dem Dienst der Wortverkündigung nicht entziehen will? 

(Gregor d. Gr., Auslegung zum Buch Ezechiel) 


Ohrwurm der Woche 

Outkast: Hey Ya! 

Tja, was soll ich sagen, der Song lief gestern in der Kampfsportschule, als ich das Tochterkind vom Training abholte. Flotte, eingängige Nummer, die auch dank Textstellen wie "Shake it like a Polaroid picture" und "Lend me some sugar, I am your neighbor" im Gedächtnis haften bleibt. 


Vorschau/Ausblick 

Ein Thema, das auf jeden Fall im nächsten Wochenbriefing zu würdigen sein wird, ist der mit Spannung erwartete "große Umzug", der heute Vormittag über die Bühne gegangen ist; anschließend war ich mit dem Tochterkind beim Nachtreffen zur Religiösen Kinderfreizeit (RKF), über das es wohl auch ein paar Worte zu sagen geben wird. Morgen werden wir, so Gott will, erstmals in der neuen Wohnung aufwachen – und dann in St. Stephanus Haselhorst in die Messe gehen, die anlässlich des anschließend dort stattfindenden Gemeindefest im Garten gefeiert werden soll; zu dieser Messe soll der "RKF-Projektchor" drei Lieder beisteuern, da ist unser Tochterkind mit dabei; und als besonderes Bonbon feiern zwei der vier Neupriester, die in diesem Jahr im Erzbistum Berlin geweiht worden sind, mit dieser Messe ihre Primiz. Beim Gemeindefest werden wir aber wohl nicht sehr lange bleiben können, schließlich haben wir, wie erwähnt, am selben Tag Einweihungsfeier. Immerhin dürfen wir auf gutes Wetter hoffen, nachdem der Pfarrvikar in der Messe in St. Joseph Siemensstadt die Gemeinde aufgefordert hat, für gutes Wetter beim Gemeindefest zu beten. – Davon abgesehen blickt die Welt, oder jedenfalls Deutschland, morgen hauptsächlich nach Sachsen-Anhalt und erwartet mit Spannung das Ergebnis der dortigen Landtagswahl – ein Thema, das auch ich auf meinem Blog wohl nicht ganz werde ignorieren können. – Gleichwohl werde ich mich ab Montag (vorzugsweise vornittags, wenn die Liebste bei der Arbeit und die Kinder in der Schule und in der KiTa sind) verstärkt um die Vorbereitungen zum Beginn meines Studiums kümmern müssen, gleichzeitig gibt es aber sowohl in der neuen als auch in der alten Wohnung noch allerlei zu tun, ehe der Umzug als abgeschlossen gelten kann. Obendrein fordert natürlich auch noch der Garten sein Recht... Eine Möglichkeit, in der Pfarrgemeinde, auf deren Gebiet unsere neue Wohnung liegt, Kontakte zu knüpfen, verspricht der kommende Dienstag, denn da soll in der von der Schließung bedrohten Kirche St. Nikolaus in Wittenau eine Abendandacht stattfinden; ich fänd's ja durchaus interessant, da hinzugehen, kann aber noch nicht versprechen, dass ich's wirklich packe. – Und am Freitag geht's dann schon los zur Gemeindefreizeit der EFG The Rock Christuskirche. Das wird sicherlich wieder ein ergiebiges Thema!