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Samstag, 16. Mai 2026

Utopie und Alltag 25: Lasset die Kinder zu mir kommen, hindert sie nicht

Saludos, Compañeros! Ich habe gerade sturmfreie Bude, denn meine Große ist noch bis morgen im Wölflingslager und meine Liebste ist mit dem Jüngsten an die Ostsee gefahren. In der zurückliegenden Woche stand ich – nicht zum ersten Mal in der Geschichte der Reihe "Utopie und Alltag", aber doch in besonders ausgeprägtem Maße – vor dem Luxusproblem, dass es buchstäblich mehr als genug Stoff zum Bloggen gab, ich mir aber zugleich die Frage stellen musste: Wenn ich alle Themen, die genug Stoff für einen eigenständigen Artikel abgeben, aus dem Wochenbriefing ausgliedere, was bleibt dann noch fürs Wochenbriefing übrig? Und dann muss ich auch noch die Zeit finden, das alles aufzuschreiben. Hinzu kommt, dass die meisten Themen, die mich in der zurückliegenden Woche beschäftigt haben, einen gewissen Roten Faden erkennen lassen, der sie verbindet; nur und ausgerechnet das Wölflingslager, das natürlich ein "designiertes Top-Thema" der Woche ist, fällt da einigermaßen raus oder bildet vielleicht sogar eine Art Antithese dazu. – Und was für ein Roter Faden wäre das? Nun, sagen wir mal so: Nachdem ich vor einigen Wochen spekuliert habe, das "Quiet Revival" – anders ausgedrückt, der vor allem in der "Generation Z" zu beobachtende religiöse Aufbruch in den vermeintlich unwiderruflich durchsäkularisierten Gesellschaften des Westens – könnte sich als das zentrale Thema der gesamten Reihe "Utopie und Alltag" herauskristallisieren, habe ich in der zurückliegenden Woche einige Beobachtungen dazu machen müssen, wie der post-volkskirchliche Normalbetrieb diesen religiösen Aufbruch nicht nur nicht unterstützt, sondern effektiv dagegen arbeitet. Was mich einmal mehr an Pastor Kurowskis #TeamVolkskirche-Thesen erinnert hat, in denen es ernsthaft als "[v]ielleicht [...] das entscheidende Argument für Volkskirche" hervorgehoben wird, dass sie – mit "ihrer pomadigen Behördenstruktur, in ihrer flächendeckenden Mittelmäßigkeit, in ihrer verkopften Ausbildung, in ihrer durch und durch lauwarmen Kompromissbereitschaft" – "eine Art Containement [sic] für das Religiöse bietet". Und damit fängt sie schon bei den Kindern an. Kaum auszudenken, was aus der Kirche in unseren Breiten werden könnte, wenn sie das nicht täte. 

Langer Rede kurzer Sinn: Zum Katholikentag habe ich bereits gestern einen separaten Artikel veröffentlicht (was nicht unbedingt heißt, dass dieses Thema damit für mich abgeschlossen wäre), und einen thematisch nicht so ganz zum oben skizzierten Roten Faden passenden Abschnitt ("Mehr Neues vom Schulkind, den anderen Schulkindern und deren Eltern") habe ich vorerst zurückgestellt. Was alles Übrige angeht: Seht selbst! 

Tympanon am Portal der Kirche St. Antonius in Eichwalde

Himmelfahrtskommando mit den Wölflingen 

Ich erwähnte es ja bereits: Die Wölflingsmädchen der Berliner und Brandenburger Stämme der Katholischen Pfadfinderschaft Europas (KPE) haben derzeit ihr gemeinsames Frühlingslager, und meine Tochter ist mit dabei. Bevor es aber ins Lager losging, gab es am vergangenen Samstag noch einmal ein "normales" Meutentreffen im Garten von St. Norbert, an dem mein Tochterkind und 17 weitere Mädchen teilnahmen. Wie schon zwei Wochen zuvor verzichtete ich erneut darauf, bei diesem Meutentreffen zuzuschauen; was ich aber mitbekam, war, dass die Mädchen einen Großteil der Zeit damit beschäftigt waren, aus Baumstämmen und Stricken ein "hausförmiges" Gerüst zusammenzubauen, das am Ende auch tatsächlich frei stehen konnte – auf Nachfrage erklärte meine Tochter mir, das sei eine Kapelle. Ich war ziemlich beeindruckt. 

Wie ich bereits angekündigt hatte, war mein Tochterkind zu diesem Meutentreffen erstmals in Klufthemd und Barrett erschienen; was zur Vervollständigung der Kluft noch fehlte, waren die Aufnäher für Ärmel und Brusttaschen des Klufthemds, aber die Akela versprach, diese zum Lager mitzubringen – und ebenso das Erprobungsheft "Der Weg durch den Dschungel". Dass eins der Mädchen, das beim Herbstlager mit dabei gewesen war, mich fragte, ob ich wieder kochen würde, empfand ich als durchaus schmeichelhaft, musste diese Frage aber trotzdem verneinen – obwohl ich das wirklich gern gemacht hätte, aber das Küchenteam war bereits anderweitig besetzt. Meine Tochter war zunächst auch nicht ganz glücklich darüber, dass ich beim Lager nicht durchgehend dabei sein, sondern lediglich "mal vorbeikommen" würde; ich sagte mir (und ihr) aber, es werde schon alles gutgehen: Schließlich gibt es bei so einem Lager buchstäblich von morgens bis abends "Programm", da dürfte sie wohl kaum Zeit und Gelegenheit für Heimweh oder Papi-Vermissung haben. "Die Nächte könnten schwierig werden", wandte sie ernst ein. Wozu ich indes anmerken möchte: Wenn ich beim Lager dabei wäre, würde sie ja trotzdem mit ihrem Rudel im Zelt schlafen sollen – und, so nehme ich an, auch wollen. Meine Liebste gab zu bedenken, in der Zeit seit dem Herbstlager – also in etwas mehr als einem halben Jahr – habe unsere Große nicht ein einziges Mal "woanders übernachtet", ohne dass es mitten in der Nacht Drama gegeben hätte, weil sie doch nach Hause wollte; ich wandte ein, das sei zwar "technically correct (the best kind of correct)", aber man könne den Sachverhalt auch so ausdrücken, dass die einzigen Übernachtungsversuche, bei denen es solche Dramen gegeben habe, bei einer bestimmten Schulfreundin stattgefunden hätten – und wenn man stundenlang auf dem Tablet zockt und/oder Videos guckt und dann nicht schlafen kann, sei das ja wohl etwas anderes, als wenn man nach einem Tag voller Aktivität an der frischen Luft und einem feierlichen Abendritual rechtschaffen müde in seinen Schlafsack kriecht. Jedenfalls hoffte ich, dass das so sein würde; aber wie es aussieht, hat sich diese Hoffnung auch tatsächlich erfüllt. Aber mal der Reihe nach: 

Bereits am Dienstag war ich eifrig damit beschäftigt, die Ausrüstung für das Lager zusammenzusuchen und teils mit Wäschestift und teils mit Permanent-Marker zu beschriften, damit ich am Abend gemeinsam mit dem Tochterkind den Rucksack packen konnte – auf der Packliste, die, wie schon anlässlich des Herbstlagers vermerkt, auch detailliert angab, in welcher Anordnung die verschiedenen Ausrüstungsgegenstände im Rucksack verstaut werden sollten, war ausdrücklich vermerkt, dass die Wölflinge ihren Rucksack selbst packen sollten, und das leuchtete mir auch unmittelbar ein, aber ich half trotzdem dabei mit. Der Grund dafür, dies schon am Dienstag zu tun, war der, dass die Rucksäcke am Mittwochnachmittag schon in St. Norbert abgegeben und in den Hänger verladen werden sollten, damit die Mädchen am Donnerstag nur leichtes Handgepäck mitzunehmen brauchten. – Da ich wegen der Gepäckaufgabe nicht zum JAM konnte, sagte ich mir, dann könne ich ja auch gleich dabei mithelfen, den Boni-Bus samt Anhänger zu beladen – nicht nur mit Rucksäcken, sondern auch mit Zelten, Kochgeschirr und sonstigem Lagerzubehör. 

An diesem Fotomotiv reizte mich besonders die Kombination aus Meutenstab und Graffitti. 

Blick in den Hänger: Sieht gar nicht nach so viel Zeug aus, aber das täuscht.

Am Donnerstag – Christi Himmelfahrt – mussten wir ungefähr so früh aufstehen wie an einem normalen Schultag, um rechtzeitig am Treffpunkt zu sein: Die Meute versammelte sich um 9 Uhr am Bahnhof Südkreuz, um von dort aus mit der Regionalbahn nach Königs Wusterhausen und dann mit der S-Bahn weiter zum Lagerplatz zu fahren. Mein Tochterkind war nach eigenem Bekunden "aufgeregt wie ein Wischmop", und als wir am Bahnhof die ersten anderen Wölflingsmädchen trafen, darunter einige, mit denen meine Tochter sich bei den zurückliegenden Meutentreffen angefreundet hat – auch ihre beste Freundin vom Herbstlager war wieder mit von der Partie –, gab es endgültig kein Halten mehr. – Ein bisschen Sorge machte mir das Wetter: Vor zwei Wochen war's schon richtig sommerlich gewesen, aber nun waren die Eisheiligen ins Land gezogen, es war regnerisch-trüb und wurde nachts noch mal richtig kalt. Kurz, das Wetter war insgesamt so ähnlich wie beim Herbstlager – immerhin nicht schlechter, könnte man sagen, aber ich hatte eigentlich auf mehr Sonne und freundlichere Temperaturen gehofft. 

Aber wie dem auch sei: Nachdem mich in der ersten Nacht kein Notruf ereilt hatte, machte ich mich am Freitag mal auf den Weg, um dem Wölflingslager – das auf dem Pfarrhausgrundstück der zur Pfarrei Zur Heiligen Dreifaltigkeit in Königs Wusterhausen gehörenden Kirche St. Antonius in Eichwalde aufgeschlagen worden war. 


Meine Tochter war wohlauf und fröhlich, und auch sonst war die Stimmung im Lager ausgezeichnet. "Du hast eine gute Jagd verpasst", teilte mir eine Assistentin mit, die ich schon vom Herbstlager her kannte. (Mit dem einschlägigen Vokabular nicht so vertrauten Lesern sei gesagt, dass als "Jagd" bei den Wölflingen ein Geländespiel bezeichnet wird, in dessen Verlauf verschiedene Aufgaben gelöst werden müssen.) Nett fand ich auch, dass eins der Mädchen – dasselbe, das mich am Samstag gefragt hatte, ob ich beim Lager wieder koche – mich mit dem Gestus völliger Selbstverständlichkeit um Hilfe bei einer Pflanzenbestimmungs-Aufgabe bat. Nicht lange nach meiner Ankunft gab es Mittagessen – Kartoffeln mit Quark und Gurkensalat, "ein gutes Freitagsessen", wie die Lagerleiterin anmerkte –, und ich bekam auch eine Portion ab. 



Während des Essens unterhielt ich mich mit dem Kuraten, einem jungen Pater von der Ordensgemeinschaft der Diener Jesu und Mariens, der, wie ich bemerkte, bei den Mädchen ausgesprochen beliebt war. – Nach dem Abwasch war "Stille Stunde", und das nahm ich zum Anlass, mich wieder zu verkrümeln. Ein wenig beeinträchtigt wurde die Idylle des Lagerplatzes übrigens dadurch, dass er genau in der Einflugschneise zum Flughafen BER lag; meine Tochter verriet mir sie habe zum Einschlafen Flugzeuge statt Schafe gezählt. 

Was meine Tochter sonst noch so über das Himmelfahrtslager zu erzählen haben wird, wenn sie morgen zurückkommt, wird, soweit es für die Öffentlichkeit geeignet ist, im nächsten Wochenbriefing nachgeliefert; erwähnen möchte ich jedenfalls noch, dass insgesamt 28 Mädchen aus vier verschiedenen Meuten an diesem Lager teilnehmen, darunter auch die Meute Graubruder aus Berlin-Gesundbrunnen, die noch so neu ist, dass sie noch keine Anhänger an ihrem Meutenstab hat. Aber das wird sich ja nun wohl bald ändern. 


Hier zum Vergleich der Meutenstab der Meute Raschka aus Teltow.

Das Tagesprogramm gibt recht deutlich zu erkennen, dass Gottesdienstbesuch, Katechese und Gebet einen ziemlich umfangreichen Teil des Lageralltags ausmachen. Aber das hatte ich ja auch schon beim Herbstlager festgestellt.

Nach der Erstkommunion nochmal zur Kirche zu kommen, ist ja schon eine Hürde, an der viele scheitern 

Am 6. Sonntag der Osterzeit war in St. Joseph Siemensstadt "Dankgottesdienst der Erstkommunionkinder" – man könnte vielleicht auch "Zweitkommunion" dazu sagen. Unterwegs dorthin fragten wir uns, wie sich dies wohl auf die Platzsituation in der Kirche auswirken würde, rechneten aber nicht ernsthaft damit, dass es auch nur annähernd so voll werden würde wie in der Woche zuvor. Und richtig: Von insgesamt 31 Kindern, die an den beiden vorangegangenen Sonntagen in dieser Kirche die Erstkommunion empfangen hatten, waren zum Dankgottesdienst dreizehn erschienen – nun gut, man kann sagen, wenn man das mit der Heilung der Zehn Aussätzigen (Lk 17,11-19) vergleicht, ist das gar keine sooo schlechte "Rücklaufquote". – Zelebriert wurde auch diese Messe wieder von Padre Ricardo; seine Predigt war im Wesentlichen als Ansprache an die Erstkommunionkinder und deren Familien gerahmt, mit der zentralen Botschaft, sie seien in der Kirche auch weiterhin (!) jederzeit willkommen; aber auch über die Tatsache hinaus, dass es ja schon recht bezeichnend ist, wenn man so etwas gegenüber den Familien von Erstkommunionkindern extra betonen muss, enthielt diese Ansprache ein paar bemerkenswerte Aspekte, die ich hier festhalten möchte. Zum einen räumte Padre Ricardo ein, ihm sei bewusst, dass es den Priestern manchmal am "Geist der Gastfreundschaft" und an Herzlichkeit fehle, und bat dafür "um Verzeihung". Zum anderen merkte er an, es könne für die Kinder, die ja mit einiger Wahrscheinlichkeit "Mitschülerinnen und Mitschüler" haben, "die nicht an Gott glauben", zuweilen schwierig sein, sich zu ihrem Glauben zu bekennen; sie könnten im Alltag leicht in die Versuchung geraten, den Glauben zu verleugnen. "Aber ich sage euch, wenn wir Jesus bekennen, wird Er uns immer helfen, immer. Der Geist wird uns auch bestärken." 

Zum Dankgottesdienst gehört auch der Dank an die ehrenamtlichen Katechetinnen, die an der Erstkommunionvorbereitung mitgewirkt haben, und dieser wurde gegen Ende der Messe, vor den Vermeldungen, mit warmen Worten, Applaus und Blumensträußen abgestattet. Dabei fehlte auch nicht der Hinweis, es hätten sich für den nächsten Erstkommunionkurs "auch einige Neue gemeldet, die mitmachen wollen", und da wurde mir schon ein wenig mulmig bei der Vorstellung, im nächsten Jahr mit da vorne zu stehen. Nicht dass ich was dagegen hätte, Blumen geschenkt zu bekommen, aber auf dem Weg dorthin sehe ich durchaus Konflikte voraus. Na, schauen wir mal. 


Mensch, Mose – beweg dich! 

Am Dienstag fand im Gemeindehaus von St. Stephanus in Haselhorst ein Teamtreffen für die Religiöse Kinderfreizeit in den Sommerferien statt; bis auf den designierten Chefkoch, dem ich auf dieser Fahrt assistieren soll, erschien das Team vollzählig, insgesamt sieben Personen: vier junge Erwachsene (2m/2w), von denen drei auch schon im Vorjahr zum RKF-Team gehört hatten und auch bei den Religiösen Kindertagen mitarbeiten, dazu der Gemeindereferent, seine Frau und ich. – Ein Leitgedanke, den ich zu diesem Treffen mitnahm, lautete, man müsse es vermeiden, dass das katechetische Programm dieser Fahrt als ein notwendiges Übel wahrgenommen werde, als etwas, was man hinter sich bringen müsse, um in der übrigen Zeit Spiel, Sport und Spaß genießen zu können. Das ist übrigens nicht nur ein kirchliches Problem; bei Schulfahrten, sofern diese darauf angelegt sind, (auch) einen Lerninhalt zu haben, ist es nicht anders. Dass zumindest einige der teilnehmenden Kinder eine solche Einstellung zum Programm mitbringen, ist demnach wohl nicht gänzlich zu vermeiden; aber meiner Überzeugung nach verstärkt sich das Problem – geradezu im Sinne einer "self-fulfilling prophecy" –, wenn die Betreuer diese Haltung bei den Teilnehmern voraussetzen und dies auch mehr oder weniger offen kommunizieren, womöglich auch deshalb, weil sie selbst mehr Lust auf Schwimmen oder Volleyball haben als auf Katechese. (Das will ich konkret niemandem aus diesem Team unterstellen, aber prinzipiell ist das eine Möglichkeit, mit der man rechnen muss.) Kurz gesagt, ich denke, es muss wenigstens einen im Team geben, der die Überzeugung ausstrahlt, dass die katechetischen Einheiten das Wichtigste, das Tollste und der eigentliche Hauptinhalt der RKF sind – und wenn's der Küchengehilfe ist. 

Das nächste Problem ist, dass die katechetischen Einheiten dann eben auch so sein müssen, dass man diese Überzeugung glaubwürdig vertreten kann. Und damit kommen wir zu den Materialien zum diesjährigen Thema der Freizeit, "Mensch, Mose – beweg dich!". Wenn ich nicht ohnehin schon mehr als genug zu tun gehabt hätte, hätte ich mich gern etwas gründlicher inhaltlich auf das Teamtreffen vorbereitet, aber was ich gerade noch geschafft hatte, war zum einen, die auf der Website religioesekinderwoche.de unter der Überschrift "Die Inhalte der RKW 2026" veröffentlichten Texte durchzulesen, und zum anderen, mir im Vergleich dazu anzusehen, wie die Lebensgeschichte des Mose in meiner bewährten Kinderbibel dargestellt wird. Zum erstgenannten Punkt nur mal soviel: Als ich las, im Programm des ersten Tages solle das Thema "Identitätsfindung" im Mittelpunkt stehen – da Mose "sich aus seiner Biographie heraus sowohl dem ägyptischen Volk als auch den Hebräern bzw. dem Volk Israel zugehörig fühlt" –, und dazu weiter ausgeführt wurde "Jeder Mensch sollte sich mit seiner Herkunft und Vergangenheit auseinandersetzen, um ein bewusstes und selbstbestimmtes Leben führen zu können", dachte ich erst mal nur: Ächz. – Ich fürchte, Lesern, die diese spontane Reaktion nicht intuitiv verstehen bzw. nachempfinden können, werde ich sie auch kaum erklären können; aber auch ohne an dieser Stelle darauf einzugehen, wie viel ideologisches Schindluder mit dem Begriff "Identität" getrieben werden kann – darauf wäre vielleicht bei Gelegenheit zurückzukommen –, möchte ich einfach mal das Stichwort "sozialpädagogische Banalisierung" in den Raum werfen. Die Tendenz dazu setzt sich im weiteren Verlauf des Wochenprogramms leider fort. Am zweiten Tag sollen sich die "Teilnehmenden" [sic!] "auf die Suche nach ihren persönlichen Kraftquellen" begeben, der vierte Tag steht unter dem Motto "Ich bringe mich ein". – In der Kinderbibel, die ich schon öfter für KiWoGo, RKT usw. verwendet habe, umfasst die Erzählung von der Geburt Moses bis zu seinem Tod 24 Seiten (allerdings mit zahlreichen zum Teil recht großformatigen Bildern), und bei der Lektüre ist mir erst richtig aufgefallen, was in der Kurzübersicht über die "Inhalte der RKW 2026" alles nicht vorkommt: Der Brennende Dornbusch wird wenigstens beiläufig erwähnt, nicht hingegen die Ägyptischen Plagen, das Pessach, der Durchzug durchs Rote Meer, die Zehn Gebote, das Goldene Kalb und die Bundeslade. Okay, sagte ich mir: Dass davon in der Kurzübersicht keine Rede ist, heißt ja noch nicht, dass es in den ausführlichen Materialien nicht vorkommt. Aber eine eigentümliche Schwerpunktsetzung verrät es schon. 

Zu meinem Verdruss stellte sich beim Teamtreffen dann allerdings heraus, dass die ausführlichen Materialien noch viel blöder sind, als die Kurzübersicht es hatte erwarten lassen. Ich finde sie wirklich bizarr schlecht, und zwar inhaltlich und methodisch. Exemplarisch sei hier nur mal der Text von der Rückseite des Materialienbuchs zitiert: 

"Was bringt uns in Bewegung – äußere Umstände oder innere Impulse? In dieser Religiösen Kinderwoche entdecken die Teilnehmenden in fünf Tagen, wie die Erlebnisse und Entscheidungen des Mose auch heute noch Wegweiser für das eigene Leben sein können. Im Mittelpunkt stehen vielfältige Bewegungsangebote, die ganzheitliches Lernen ermöglichen und das Körperbewusstsein stärken. Bewegung wird dabei zur Ausdrucksform von Emotionen, Gebet und Glauben" –

– aber was mit "Glauben" eigentlich inhaltlich gemeint ist, bleibt ausgesprochen schwammig. Ständig geht es in den Materialien darum, in sich selbst hineinzuspüren, bestenfalls sich mit den anderen "Teilnehmenden" auszutauschen; der biblische Stoff wird lediglich als Anlass und Material für psycho-esoterisches Selbsterfahrungsgedöns und hier und da ein bisschen Demokratieförderung genutzt. Alles in allem: "Boomer Catholicism" at its worst. Vielleicht könnte man mit diesem Konzept eine tolle Seniorenfreizeit machen, aber vielleicht ist diese Bemerkung auch unfair unseren älteren Mitgläubigen gegenüber. 

Nun besteht natürlich durchaus die Möglichkeit, dass ich von den Katechesen ohnehin nicht besonders viel mitkriege, weil ich in der Küche zu tun habe; aber deswegen ist es mir noch lange nicht egal, was den Kindern da aufgetischt wird – nicht zuletzt auch, weil meine Tochter mit dabei sein wird. Ich denke also, ich sollte bis zum nächsten Teamtreffen – das in etwa vier Wochen stattfinden soll – etwas Energie und Kreativität auf die Frage verwenden, ob und wie man im Rahmen des vorgegebenen Konzepts zumindest gewisse Akzente setzen könnte: weg von der Nabelschau, hin zu einer Katechese, die diese Bezeichnung wirklich verdient. Mit Hilfe meiner Liebsten habe ich dazu auch schon ein paar Ansatzpunkte gefunden. Ich werde bei Gelegenheit darauf zurückkommen... 


Und was ist jetzt mit der "Guerilla-Urlauberseelsorge"? 

Ebenfalls am Dienstag traf sich das Pastoralteam der Pfarrei St. Willehad Nordenham/Butjadingen/Stadland zur Dienstbesprechung, und da wurde auch über meinen Vorschlag zum Thema "Spirituelle Angebote für Familien im Urlaub" gesprochen. Wenn die Antwort, die ich auf meine Mail erhielt, Rückschlüsse darauf zulässt, wie ausführlich dieser Tagesordnungspunkt diskutiert wurde, dann war es eine sehr kurze Besprechung. Das Ergebnis lautete kurz und bündig, man habe "kein Interesse", auf dieses "Angebot einzugehen". Zur Begründung heißt es in der Antwort an mich: "Die Urlauber-Kirche ist bereits komplett geplant und es gibt genügend Familien, die als Teamer in den nächsten Jahren mit uns arbeiten." – Ich sag mal so: Wenn ich im Juli nach Butjadingen komme und dort feststelle, dass die Urlauberkirche dort nicht nur neue Shirts mit einem neuen Logo, sondern auch ein von Grund auf erneuertes Konzept hat und ein reichhaltiges spirituelles und katechetisches Programm bietet, dann nehme ich alles zurück, was ich in den folgenden Zeilen schreiben werde, und leiste öffentlich Abbitte. Aber ich glaube, da könnte ich genauso gut schreiben "...dann fress' ich einen Besen". 

Dies vorausgeschickt, muss ich sagen, die selbstgefällige "Brauchen wir nicht!"-Haltung, die Team Willehad da an den Tag legt, erinnert mich frappierend an den Pfarrer von St. Klara Reinickendorf-Süd, der bei allen möglichen Initiativen oder Anregungen, die irgendwie in Richtung Neuevangelisierung und/oder Gemeindeerneuerung gingen, ebenfalls immer zu fragen pflegte "Brauchen wir das?". Ich habe ihm dazu mal in einer Mail folgendes geschrieben: 

"Ich würde so eine Frage ehrlich gesagt eher in einer Gemeinde (oder vergleichbaren Institution) erwarten, die schon alles hat, was sie braucht – in der alles so gut läuft, dass sie im wahrsten Sinne des Wortes 'wunschlos glücklich' ist. – Ich kann mir nicht vorstellen, dass irgend jemand ernsthaft der Auffassung ist, das sei bei uns der Fall." 

Tja. Das ist offenbar so ein Punkt, wo ich immer wieder zu naiv-optimistisch bin und den Leuten zu viel zutraue, nämlich, dass sie doch selber merken müssten, dass es bei ihnen nicht so toll läuft und dass sie es sich daher nicht leisten können, Initiativen und Anregungen, die vielleicht nicht auf dem gewohnten Dienstweg daherkommen, mit einem steifnackigen "Brauchen wir nicht!" abzuschmettern. – Im Fall der Urlauberseelsorge in Butjadingen dürfen wir nun jedenfalls wohl davon ausgehen, dass deren Programm deshalb so ist, wie es ist, weil Team Willehad es genau so haben will. Mehr oder etwas anderes als das, was da geboten wird, ist ausdrücklich unerwünscht, selbst wenn man's den Leuten auf dem Silbertablett serviert. Wenn man den Begriff Seelsorge ernst nimmt und wörtlich versteht, als Sorge für oder um Seelen, ist so eine Haltung eigentlich zutiefst unverständlich. Vermutlich muss man da aber unter anderem auch die von Pastor Kurowski angesprochene "pomadige Behördenstruktur" in Rechnung stellen: Die Urlauberkirche ist ein Haushaltsposten mit klaren Zuständigkeiten und geregelten Abläufen, und es geht nicht an, dass irgendwer daherkommt und meint, man könnte das doch alles auch mal ganz anders machen. Auch nicht innerhalb des Pastoralteams übrigens: Die Urlauberbetreuung fällt in die Zuständigkeit des Diakons, und da hat ihm keiner reinzureden. 

Was übrigens das Problem angeht, das Diakon Richter mit mir hat und ich mit ihm, ist mir neulich zwischen Klo und Dusche eine Erkenntnis gekommen, die fast schon eine Erleuchtung genannt werden darf: In gewissem Sinne könnte man ihn als meinen bösen Zwilling bezeichnen. Nicht nur hat er als Diakon und Pastoralreferent Gestaltungsspielräume in der Kirche, von denen ich vorläufig nur träumen kann; er hat, in Gestalt des "Rat-Schinke-Hauses" in Burhave, sogar so etwas wie sein eigenes Pfarrhausfamilien-Projekt. Nur nutzt er das alles eben gerade nicht für Neuevangelisierung und Gemeindeerneuerung, sondern hisst vor dem Haus eine Regenbogenflagge und betreibt ansonsten religiöses Containment im Sinne Pastor Kurowskis. Und genau dafür wird er von der Kirche auch noch bezahlt, und das gewiss nicht schlecht. – Letzteres macht natürlich auch deutlich, dass das eigentliche Problem nicht an einer einzelnen Person hängt, sondern dass es sich um ein strukturelles Problem der post-volkskirchlichen Institutionen handelt, dass Leute in solchen Positionen so handeln. Aber dieses strukturelle Problem konkretisiert sich eben in einzelnen Personen, und ich sag mal so: Ich an deren Stelle würde mich lieber nicht darauf verlassen, dass ich beim Jüngsten Gericht damit durchkomme, alles auf die Strukturen zu schieben. 

Die entscheidende Frage lautet aber natürlich: Und was jetzt? – Fangen wir mal mit dem einfachsten an: Einmal pro Urlaubswoche "Lobpreis mit dem Stundenbuch" aka "Beten mit Musik" würden wir wohl so oder so machen, auch schon für uns alleine; wenn wir das öffentlich ankündigen wollen, können wir es angesichts der ablehnenden Haltung der Pfarreiverantwortlichen nicht in der Kirche machen, aber ich schätze, im Bürgerobstgarten (zum Beispiel) wäre das vom allgemeinen Recht auf Versammlungsfreiheit gedeckt. Und darüber hinaus? Sehr ungern verzichten würde ich darauf, Kinderkatechesen zu den Sonntagsevangelien anzubieten, einfach weil die Texte dafür so viel hergeben (das Gleichnis vom Sämann, das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen, das Gleichnis vom Schatz im Acker). Könnte man vielleicht auch im Bürgerobstgarten machen, oder am Strand, aber vielleicht findet sich da auch noch eine andere Möglichkeit – es sind ja noch ein paar Wochen Zeit bis dahin, und ein paar Ideen, wo man mal anfragen konnte, hatte ich auch schon. Die behalte ich aber vorerst lieber mal für mich... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Lukas sagt, dass die Jünger voll Freude waren, als der Herr endgültig von ihnen gegangen war. Wir würden das Gegenteil erwarten. Wir würden erwarten, dass sie ratlos und traurig zurückblieben. Die Welt hatte sich nicht geändert, Jesus war endgültig von ihnen gegangen. Sie hatten einen Auftrag erhalten, der unausführbar schien und ihre Kräfte überstieg. Wie sollten sie vor den Menschen in Jerusalem, in Israel, in der ganzen Welt hintreten und sagen: "Dieser Jesus, der gescheitert schien, ist doch der Retter von uns allen"? Jeder Abschied hinterlässt Trauer. Auch wenn Jesus als Lebender von ihnen gegangen war: Wie sollte sein endgültiges Scheiden von ihnen sie nicht traurig machen? Und doch – da steht, sie kehrten mit großer Freude nach Jerusalem zurück und priesen Gott. Wie können wir das verstehen? 

Jedenfalls folgt daraus, dass die Jünger sich nicht verlassen fühlen. Dass sie Jesus nicht als weit von ihnen in einen unzugänglichen Himmel entschwunden ansehen. Sie sind offenbar einer neuen Gegenwart Jesu gewiss. Sie sind sich gewiss (wie es der Auferstandene nach Matthäus denn auch gesagt hat), dass er gerade jetzt auf eine neue und machtvolle Weise bei ihnen gegenwärtig ist. Sie wissen, dass "die Rechte Gottes", zu der er "erhöht ist", eine neue Weise seiner Gegenwart einschließt, dass er nun unverlierbar bei ihnen ist, so wie eben nur Gott uns nahe sein kann. 

Die Freude der Jünger nach der "Himmelfahrt" korrigiert unser Bild von diesem Ereignis. "Himmelfahrt" ist nicht Weggehen in eine entfernte Zone des Kosmos, sondern die bleibende Nähe, die die Jünger so stark erfahren, dass daraus beständige Freude wird. 

(Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Bd. II) 


Ohrwurm der Woche 

Simple Minds: And the Band Played On 

Irgendwann gegen Mitte der 90er habe ich mal eine Plattenkritik gelesen, in der es über eine Band, deren Ruhm vorrangig aus den 80ern datierte, hieß, auf ihrem neuen Album habe sie nicht nur Gott, sondern auch die Gitarre entdeckt. Der Witz an der Sache ist, dass zwar diese Formulierung aus der Rezension bei mir hängen geblieben ist, ich mich aber nicht mit letzter Sicherheit erinnern kann, auf welche Platte sie sich bezog: Wahrscheinlich handelte es sich um "Songs of Faith and Devotion" (1993) von Depeche Mode, es könnte aber auch "Good News from the Next World" (1995) von den Simple Minds gewesen sein – denn auch wenn die Simple Minds "schon immer" eine Gitarre in ihrem Instrumentarium hatten, darf man wohl doch behaupten, dass ihr Sound in den 80ern erheblich keyboardlastiger war. Mitte der 90er war von der Band aber neben Sänger Jim Kerr nur noch der Gitarrist Charlie Burchill übrig geblieben, und der lässt es auf "Good News from the Next World" – unterstützt von hochkarätigen Session-Musikern wie Marcus Miller am Bass und Vinnie Colaiuta am Schlagzeug – ordentlich krachen. Was derweil die Entdeckung Gottes betrifft, sind die Songtexte des Albums wenn auch nicht von expliziten Glaubensaussagen, aber doch in auffallendem Maße von einer spirituell gefärbten Sprache geprägt, und für den Song "And the Band Played On" gilt das, so möchte ich behaupten, in besonderer Weise: Da tritt gleich im ersten Vers ein Engel auf, später ist von Geistern und einem Heiligenschein die Rede, auch der Name Jesus wird genannt. Nicht zuletzt glaube ich, dass dieser Song mir in der zurückliegenden Woche auch deshalb so hartnäckig durch den Kopf ging, weil der Vers "Denn auch Christus ist der Sünden wegen ein einziges Mal gestorben" (1 Petr 3,18a) aus der 2. Lesung vom Sonntag mich an die Textstelle "A coward dies a thousand times, but the brave they die just once" erinnerte. 


Vorschau / Ausblick 

Ich muss mir noch sehr gut überlegen, ob ich morgen super-früh aufstehen will, um zur Messe nach Eichwalde zu fahren; dafür spräche allerdings, dass mein Tochterkind am letzten Tag des Wölflingslagers im "Ehrenrudel" ist und folglich bei der Vorbereitung des Gottesdienstes mithelfen darf. Spätestens gegen Abend wird die Familie jedenfalls wieder vereint sein und dürfte sich dann wohl viel zu erzählen haben. Im Übrigen ist gerade Pfingstnovene, und für einen Rückblick auf den Katholikentag könnte im nächsten Wochenbriefing ebenfalls Platz sein (sofern das Thema nicht für noch einen eigenständigen Artikel ausreicht); davon abgesehen steht uns eine von nur zwei "ganz normalen" Schul- und Arbeitswochen im Mai bevor, und der Terminkalender verheißt keine besonders blogrelevanten Ereignisse. Allerdings sollte ich mich mal mit meiner Studienplatzbewerbung für ein Fernstudium befassen, und auch sonst wird's mir sicher nicht langweilig: Die Kinder haben Kampfsporttraining, am Mittwoch ist JAM, am Freitag ist unser Jüngster bei der Geburtstagsfeier eines KiTa-Freundes eingeladen. Und dann folgt auch schon das extra-lange Pfingstwochenende – da wollen wir uns dann mal wieder dem Projekt "Kinderzimmer-Neugestaltung" widmen... 


Freitag, 15. Mai 2026

Schmutziges Schisma auf dem Katholik*innentag

 

Dieses Symbolbild habe ich ehrlich gesagt vor der evangelischen Paul-Gerhardt-Kirche in Berlin-Schöneberg aufgenommen. Aber ich finde, es passt. 

Schon eine Weile nicht mehr erwähnt habe ich einen bei der Initiative "Christians for Future" aktiven jungen Mann, dem ich auf Bluesky folge und über den ich mehrfach gesagt habe, trotz seiner in vielfältiger Hinsicht wirklich abstrusen Anschauungen wirke er auf mich wie jemand, mit dem ich privat durchaus mal ein Bier trinken würde, "wenn auch in seinem Fall vielleicht ein glutenfreies". Wäre ich über Himmelfahrt nach Würzburg gefahren, hätte ich möglicherweise Gelegenheit dazu gehabt, denn der besagte junge Mann hatte ein paar Tage zuvor via Instagram bekanntgegeben, wann und wo er auf dem "Katholik*innentag" anzutreffen sein würde:

Angesichts der Bezeichnung "Katholik*innentag" ging mir durch den Kopf, es sei ja im Grunde fast ein Wunder, dass die Veranstaltung nicht offiziell so heißt. Davon abgesehen erinnerte mich das aufgeführte Programm, insbesondere der Punkt "Queer in der Klimakrise", an nichts so sehr wie an die "Integration der Begriffe 'Frau' und 'Umwelt' in den Karnevalsgedanken". Ganz heiße Eisen! 

Wie einige Leser sich vielleicht erinnern werden, ist es zehn Jahre her, dass ich selbst mal einen Katholikentag besucht habe; damals fand das Event in Leipzig statt, und ich brachte von dort so einige Impulse mit, unter dem von Chesterton inspirierten Leitgedanken "Man muss den Katholikentag lieben, um ihn verändern zu können". Am darauffolgenden Wochenende war ich dann mit meiner Liebsten auf der Fiesta Kreutziga, und die dort angestellten Beobachtungen zu Unterschieden und Gemeinsamkeiten zwischen diesem Straßenfest und dem Katholikentag bildeten gewissermaßen die Initialzündung für das Konzept "Punkpastoral"; aber das ist ein Thema für sich. Der Katholikentag jedenfalls scheint sich seither explizit nicht in die Richtung entwickelt zu haben, die man sich "nach Leipzig" hätte wünschen mögen; daraus, dass in Leipzig Podiumsdiskussionen mit bekannten Namen und Gesichtern aus Politik und Gesellschaft eher schwach besucht waren, insbesondere Jugendliche und junge Erwachsene aber beim Nightfever in der Nikolaikirche Schlange standen, um vor dem Allerheiligsten zu knien, hätte man ja gewisse Lehren ziehen können, aber den Veranstaltern ist ihre Agenda offenbar wichtiger. 

Gewiss: Der Deutsche Katholikentag war "schon immer" ein Festival des in dieser Form spezifisch deutschen Verbandskatholizismus, der natürlich seine eigene Geschichte und innerhalb dieser durchaus auch seine Verdienste hat; allerdings haben sich die katholischen Verbände im Laufe dieser Geschichte mehr und mehr zu sozialpolitischen Lobbygruppen entwickelt und sich dabei vom Glauben der katholischen Kirche immer weiter entfernt. Daraus ergibt sich natürlicherweise ein einigermaßen verwirrendes Bild, wenn man von der Annahme ausgeht, der Katholikentag solle der Selbstdarstellung der katholischen Kirche als Glaubensgemeinschaft dienen. – In gewissem Sinne könnte man den Synodalen Weg als einen Versuch auffassen, diesen Widerspruch aufzulösen, indem der im "ZdK" organisierte Gremien- und Verbandskatholizismus die kirchliche Hierarchie zwingt, auf seinen sozialpolitischen Kurs einzuschwenken und die Glaubenslehre, soweit sie diesem Ansinnen im Wege steht, über Bord zu werfen; noch ein bisschen zugespitzter könnte man sagen, die Kirche, die der Synodale Weg erstrebt, ist ein Katholikentag in Permanenz. Dieser Gedanke hat mich dazu inspiriert, mir das Buch "Karneval in Romans" von Emmanuel Le Roy Ladurie aus der Bibliothek zu besorgen, das in meinem Theaterwissenschaftsstudium mehrmals im Seminaren zum Thema "Performativität und Ritual" (oder so ähnlich) besprochen wurde, das ich damals aber bestenfalls angelesen habe. Wir werden mal sehen, was diese Lektüre noch so für meinen Blog (oder auch für meine Tagespost-Kolumne) hergibt. 

Einstweilen erscheint es mir jedenfalls in einem metaphorischen Sinne durchaus stimmig, sich den Synodalen Weg als einen immerwährenden Katholikentag vorzustellen; und wen bei dieser Vorstellung nicht ein gewisses Grausen befällt, dem kann ich auch nicht helfen. Hierzu ein paar Schlaglichter aus der Vorberichterstattung: 

  • Nachdem schon vor zehn Jahren auf der "Kirchenmeile" des Katholikentags Gruppen und Initiativen anzutreffen waren wie der Bundesverband lesbischer Gemeindereferentinnen und ihrer Partnerinnen (okay, den habe ich mir ausgedacht – als eine Art "Remix" aus dem Netzwerk katholischer Lesben und der Vereinigung katholischer Priester und ihrer Frauen), ist dort heuer – und nach Auskunft der Veranstalter auch schon "seit mehreren Katholikentagen" – auch der "Ökumenische Arbeitskreis BDSM und Christsein" vertreten. Begründet wird das, wie CNA Deutsch berichtet, mit dem "christliche[n] Selbstverständnis dieser Gruppe". Wie dieses Selbstverständnis wohl aussehen mag? Reicht es für einen Stand auf der Kirchenmeile schon, irgendwas mit christlich im Namen zu tragen? – Offenbar nicht: "Grenzen sind dort gesetzt, wo diskriminierende, rassistische oder antisemitische Überzeugungen vertreten werden, Äußerungen gruppenbezogener Menschenfeindlichkeit oder eine ideologische Distanz zur freiheitlich-demokratischen Rechtsordnung zu erwarten sind", stellt das Programmheft zur Kirchenmeile klar. Ah ja. 
  • Im Domradio widerspricht derweil Irme Stetter-Karp, als "ZdK"-Präsidentin Vorsitzende der Katholikentagsleitung, der Einschätzung, der Katholikentag sei "nur ein 'Binnenereignis' für ohnehin engagierte und reformorientierte Christen" – was ja noch eine sehr freundliche Bezeichnung für die typische Zielgruppe dieses Events ist, aber auch so will La Stetter-Karp das nicht stehen bzw. auf sich sitzen lassen: Es handle sich ganz im Gegenteil um ein Ereignis, bei dem sich "Menschen unterschiedlicher Milieus, Herkunft, Überzeugungen, Parteizugehörigkeit [!], ob jung oder alt, reich oder arm, kommerzfrei begegnen können", und insofern gehe es auch um ein Stück "Ökumene mit religionsfernen Menschen". Erst auf Nachfrage hin äußert sie sich zu "Katholiken und Katholikinnen [...], die eher traditionell oder konservativ sind": Diese seien "selbstverständlich auch angesprochen:, und "gerade auf der Kirchenmeile" gebe es "ein ganz breites Spektrum [...], auch Gruppierungen aus dem konservativen katholischen Milieu". Noch schöner wäre es gewesen, wenn sie statt "auch" "sogar" gesagt hätte. Mir erscheint diese gönnerhafte Haltung gleich in mehrfacher Hinsicht tragikomisch: einerseits, weil sie damit implizit genau das bestätigt, was sie explizit bestreitet, nämlich dass "ein kirchenpolitisch progressives Milieu" den Katholikentag gewissermaßen als sein rechtmäßiges Eigentum betrachtet und die konservativen Hinterwäldler lediglich duldet, und andererseits, weil darin erkennbar die Auffassung mitschwingt, diese müssten dafür dankbar sein – während ich mir ziemlich sicher bin, dass es für die meisten Leute aus dem rechtgläubigen Spektrum eher ein Opfer ist, da hinzugehen. (Dazu, warum sie dieses Opfer auf sich nehmen, eventuell bei anderer Gelegenheit mehr.) 
  • In der Standpunkt-Rubrik auf häretisch.de plädiert Felix Neumann dafür, den Katholikentag dauerhaft und prinzipiell – nicht nur punktuell wie 2003, 2010 und 2021; "immer länger wurden die Abstände", tadelt Neumann – mit dem Evangelischen Kirchentag zu fusionieren. Ich sag mal so: Ein klarer Vorteil wäre es, dass das Ergebnis dann wohl nicht mehr "Katholikentag" heißen würde. Und darin, dass die beiden Veranstaltungsformate sich auch jetzt schon zum Verwechseln ähnlich sehen, möchte ich dem häretisch.de-Redakteur nun auch nicht direkt widersprechen. Aber natürlich geht es ihm in letzter Konsequenz um mehr: Wem "an der christlichen Stimme in der Welt gelegen ist", der müsse, so meint er, "[a]ngesichts einer Gesellschaft, in der weniger als die Hälfte der Menschen zu einer der christlichen Kirchen gehört, und in der es absehbar noch weniger wird, [...] alles [Hervorhebung von mir] Konfessionelle auf den Prüfstand stellen: Ist hier das Katholische und das Evangelische wirklich unterscheidend anders, oder ist die konfessionelle Trennung Selbstzweck und leere Tradition?" – Dazu möchte ich dann aber doch zu bedenken geben, dass es kein guter Rat an einen Ertrinkenden ist, sich an einem anderen Ertrinkenden festzuhalten – erst recht nicht, wenn der schon deutlich näher am Abnippeln ist als man selber. 

Den für mein Empfinden lesenswertesten Kommentar im Vorfeld des Katholikentags hat Guido Horst, der Rom-Korrespondent der Tagespost, verfasst: Er identifiziert "zwei Elefanten im Raum, über die in Würzburg wohl kaum einer der Herren mit dem violetten Scheitelkäppchen offen und deutlich sprechen will"; der eine "trägt den Namen Synodalkonferenz", den anderen benennt er als "Segnungsfeiern für Paare, die sich lieben, aber nicht katholisch verheiratet sind". Fangen wir ruhig mal mit diesem zweiten Elefanten an. "Papst und Glaubensdikasterium", so Horst, haben "expressis verbis deutlich gemacht, dass der Vatikan mit diesen deutschen Riten und den entsprechenden Handreichungen nicht einverstanden ist. Und nicht nur das: Rom hat die Briefe öffentlich gemacht, mit denen der Vatikan das den deutschen Bischöfen schon im November 2024 unmissverständlich klargemacht hat." Dies habe jedoch einige deutsche Bischöfe nicht davon abgehalten, "mit diesen Segnungsfeiern zu starten". Und jetzt? Jetzt dürfte es ihnen schwerfallen, diesen Vorstoß wieder zurückzunehmen. Derweil hat "Staatssekretär Pietro Parolin das Wort 'Sanktionen' ins Spiel gebracht" – vorerst noch mit dem Hinweis, es sei "noch zu früh" dafür, aber ein zünftiger Schuss vor den Bug ist das allemal. Der Katholikentag reagiert darauf, indem er weiter Öl ins Feuer gießt: Wie CNA Deutsch zu berichten weiß, umfasst das Programm  z.B. einen "Queer-Gottesdienst" unter dem Motto "Das Leben ist bunt – Vielfalt in der Kirche?!" sowie eine Bibelwerkstatt "Bibel queer gelesen. Wieso G*TT Fan von Vielfalt ist"; und auch La Stetter-Karp hat die dem Katholikentag vorgeschaltete Frühjahrsvollversammlung ihres Karnevalsvereins genutzt, um die vom Vatikan verworfene Handreichung "Segen gibt der Liebe Kraft" zu verteidigen und sich für ihre möglichst flächendeckende Anwendung auszusprechen. Man wähnt sich auf der richtigen Seite der Geschichte und will sich von "Rom" nichts sagen lassen. 

Natürlich könnte man anmerken, gerade Letzteres sei ja nun nichts Neues; schon der Katholikentag 1968 in Essen habe ja im Zeichen lautstarken Widerspruchs gegen die Enzyklika Humanae vitae gestanden, und habe das etwa zu einem Schisma geführt? Worauf ich zweierlei erwidern möchte, nämlich erstens, dass ich sehr wohl der Überzeugung bin, dass die Wurzeln des heutigen Schmutzigen Schismas im deutschen Katholizismus sich bis zum Katholikentag 1968 in Essen zurückverfolgen lassen, und zwar durchaus nicht nur wegen Humanae vitae; und zweitens, dass diese Fälle andererseits dann doch nicht ganz miteinander vergleichbar sind; das wären sie vielleicht dann, wenn es 1968 darum gegangen wäre, dass die Kirche verhütungswilligen Paaren im Rahmen liturgischer Feiern die Pille aushändigt. Inwieweit katholische Laien sich in ihrem Privatleben an die Lehre der Kirche halten, ist eine prinzipiell andere Frage als die, ob die Kirche in ihrem liturgischen Handeln den Anschein erweckt, etwas gutzuheißen, das ihrer Lehre widerspricht. – Aber eigentlich wollte ich hier gar nicht näher inhaltlich auf die Segnungsdebatte eingehen; so langsam ist dazu vielleicht auch mal alles gesagt. 

Werfen wir daher lieber mal einen Blick auf Horsts ersten Elefanten: Das von einem sogenannten "Synodalen Ausschuss" ausgearbeitete und sowohl von der Deutschen Bischofskonferenz als auch vom "ZdK" abgesegnete Statut für die Synodalkonferenz liegt derzeit "zur Begutachtung im Vatikan [...,] ohne dessen grünes Licht das Prestigeprojekt der deutschen Bischöfe im November nicht starten kann". Und auch wenn mir durchaus Stimmen bekannt sind, die meinen, die in diesen Statuten vorgesehenen Befugnisse der Synodalkonferenz gingen längst nicht weit genug, da die eigentliche Entscheidungskompetenz (vulgo "Macht") ja doch bei den Bischöfen bliebe, so liegt es doch auf der Hand, dass es für all jene, die Hoffnungen auf den Synodalen Weg gesetzt haben, eine absolute Katastrophe wäre, "wenn das Okay aus Rom, sprich die 'Recognitio', nicht kommt. Und genau danach sieht es derzeit aus", meint Guido Horst, dem ich es zutraue, in Rom gut vernetzt und entsprechend gut informiert zu sein. Platzt die Synodalkonferenz, ist der gesamte Synodale Weg endgültig gescheitert. Die Frage ist: Was dann? In einem Podcast habe ich eine junge Theologin und Journalistin sagen hören, sie kenne "genug Leute, für die dieser Synodale Weg sowas wie die letzte Hoffnungszelle ist, um katholisch zu bleiben in Deutschland". Darauf würde ich ja nun erwidern, wer meint, nur katholisch bleiben zu können, wenn die katholische Kirche sich radikal verändert, der ist in Wirklichkeit schon längst nicht mehr katholisch; dennoch bleibt natürlich die Frage, was diese ganzen Leute machen, wenn diese Hoffnung platzt. Und was die ganzen Geistlichen, bis hinauf zu Bischöfen, machen werden, die sich auf Gedeih und Verderb dem Synodalen Weg verschrieben haben. 

Und das bringt mich nun wieder zu Felix Neumanns Fusionsideen und seiner Frage, wo "das Katholische und das Evangelische wirklich unterscheidend anders" und wo "die konfessionelle Trennung Selbstzweck und leere Tradition" sei. Denn aus einem bestimmten Blickwinkel ist diese Frage ja nicht unberechtigt: Dass liberale Katholiken und liberale Protestanten erheblich mehr miteinander gemeinsam haben als mit konservativen Ausprägungen ihrer jeweils eigenen Konfession, hat z.B. auch schon die #BenOp festgestellt. Polemisch könnte man sagen, im liberalen (Post-)Christentum sei insgesamt und überhaupt gar nicht mehr genug Glaubenssubstanz vorhanden, als dass man da noch großartige konfessionelle Unterschiede feststellen könnte. Die Unterschiede, die es zwischen liberalen Katholiken und liberalen Protestanten noch gibt, sind wohl eher kultureller Natur, und da könnte man dann sagen: Unterschiedliche Traditionen, unterschiedliche liturgische Formen usw. (Stichwort "High Church" und "Low Church") unter demselben institutionellen Dach, das funktioniert bei den Anglikanern doch ooch. Und wenn die Anglikanische Kirche eigens zu dem Zweck gegründet wurde, dass ein König sich scheiden lassen kann, dann erscheint es auch nicht allzu abwegig, eine überkonfessionelle deutsche Nationalkirche zu gründen, um homosexuelle Partnerschaften segnen zu können. 


Samstag, 9. Mai 2026

Utopie und Alltag 24: Alles neu macht der Mai?

Wenn ich mir, o Leser, so ansehe, was der Monat Mai noch so alles an spannenden Ereignissen verheißt, dann mutet die zurückliegende Woche zwar nicht direkt wie die "Ruhe vor dem Sturm" an – Ruhe hatte ich in dieser Woche eher weniger –, aber doch ein wenig wie "Harren der Dinge, die da kommen mögen". An Stoff zum Bloggen, aus der Nähe wie aus der Ferne, fehlt es mir dennoch nicht, aber ein bisschen kürzer geraten als sonst ist das Wochenbriefing dann doch; ich schätze mal, das wird so bald nicht wieder passieren... 

Das Vorschaubild visualisiert schon mal recht augenfällig eins der Top-Themen der Woche. 

Erstkommunion und Permakultur 

Am 5. Sonntag der Osterzeit fand, wie schon mehrfach angekündigt, in St. Joseph Siemensstadt die zweite Runde der diesjährigen Erstkommunionen statt, und nachdem wir in der Woche zuvor verhindert gewesen waren, wollten wir diesmal dabei sein – auch wenn die Kinder nach dem vorangegangenen Pizza- und Filmabend in der Kampfsportschule etwas schwer aus dem Bett zu kriegen waren. Letztendlich war das "Aus-dem-Bett-Kommen" aber noch nicht das eigentliche oder hauptsächliche Problem: Dass die Kinder unausgeschlafen und wohl auch noch reizüberflutet vom vorangegangenen Abend waren, bot von vornherein keine günstigen Voraussetzungen dafür, in einem überlangen Gottesdienst, in dem man wegen der für die Familien der Erstkommunionkinder reservierten Bankreihen so weit hinten sitzen musste, dass man sowohl optisch als auch akustisch nicht viel vom Geschehen im Altarraum mitbekam, aufmerksam und konzentriert zu bleiben. Gerade von unserer Großen hätte ich mir in Hinblick darauf, dass sie ja nächstes Jahr selbst zur Erstkommunion gehen soll, etwas mehr Interesse erhofft, aber wie gesagt, die Voraussetzungen waren einfach ungünstig. Zwar war vor Beginn der Messe angesagt worden, ganz vorne seien zwei Bänke freigelassen worden, "da dürfen sich gerne alle Kinder alleine hinsetzen, die sich alleine nach vorn trauen, damit sie was sehen können"; aber dass unser Tochterkind lieber bei uns bleiben wollte, kann ich ihr nun auch nicht direkt verübeln, und für unseren Jüngsten gilt das wohl erst recht. 

Dreizehn Kinder empfingen im Rahmen dieser Messe ihre erste Kommunion; unter diesen war, wie schon mehrfach erwähnt, ein Mädchen, das wir ursprünglich vom JAM her kennen, außerdem das mittlere von drei Kindern einer Frau, die im KiWoGo-Arbeitskreis mitarbeitet und 2023/24 auch bei der Leitung der kurzlebigen Wichtelgruppe in St. Stephanus Haselhorst assistiert hatte; ein weiteres Mädchen kannte ich von der Teilnahme an den Religiösen Kindertagen im Februar und März, die anderen Kinder maximal vom Sehen. Zelebriert wurde der Erstkommuniongottesdienst, wie schon im Vorjahr, von Padre Ricardo aus Mexiko, und auch sonst war, wie ich beim Nachlesen meiner damaligen Notizen festgestellt habe, vieles genauso wie voriges Jahr, bis hin zur Liedauswahl und zum Wortlaut zumindest einiger der Fürbitten – daher muss ich das, was ich seinerzeit dazu angemerkt habe, hier wohl nicht unbedingt wiederholen. Überhaupt habe ich den Eindruck, bei der Gestaltung der Erstkommuniongottesdienste in St. Joseph Siemensstadt ändere sich von Jahr zu Jahr nicht sonderlich viel, aber das, was sich ändere, ändere sich wenigstens tendenziell zum Besseren. So hatte ich mich im vorigen Jahr über "Pipifax wie 'Umschläge unter den Sitzpolstern verstecken und die Gottesdienstteilnehmer danach suchen lassen'" geärgert, und das gab es diesmal nicht; aber ganz ohne Pipifax ging es dann doch nicht ab: Auch diesmal wieder gab es anstelle der Predigt ein Frage-und-Antwort-Spiel mit dem Publikum; die zwei Fragen, die die Erstkommunionkinder dabei an ihre Eltern richteten, waren bereits im Rahmen der Ansagen vor Beginn der Messe verraten worden, um den Eltern Zeit zu geben, sich im Voraus Antworten zu überlegen – und ich stellte dabei fest, dass ich die Fragen doof bis ärgerlich fand. Die erste Frage bezog sich auf Erinnerungen der Eltern an ihre eigene Erstkommunion – schöne oder auch nicht so schöne Erinnerungen, bevorzugt aber natürlich schöne. An und für sich wohl eine legitime Frage für den Smalltalk an der Kaffeetafel, aber eben eine Frage, die tendenziell eher den "kulturkatholischen" Aspekt der Erstkommunion als "feierliches Ereignis in der Kindheit, das bleibende Erinnerungen schafft" in den Fokus rückt. Noch problematischer fand ich die zweite Frage: "Was bringt es für den Alltag, zur Messe zu gehen und die Kommunion zu empfangen?" Da möchte ich einwenden: Die religiöse Praxis in solcher Weise nach ihrem Gebrauchswert für den sogenannten Alltag zu befragen, birgt in sich bereits den Keim dessen, was ich gern als "entfremdete Kirchlichkeit" bezeichne. Es wird suggeriert, der sogenannte Alltag sei das eigentliche Leben, und die Kirche, oder anders ausgedrückt eben die religiöse Praxis, kein Bestandteil davon, sondern etwas diesem gewissermaßen Gegenüberstehendes – ja im Grunde sogar etwas ihm Untergeordnetes, da ihr Wert danach bemessen wird, inwieweit sie für den Alltag nützlich ist. Ich will denen, die sich diese Frage ausgedacht haben, nicht unterstellen, dass sie diese Implikation beabsichtigt haben, aber das macht's nicht unbedingt besser; denn das würde eher dafür sprechen, dass sie diese Sichtweise unterschwellig als selbstverständlich betrachten. – Anerkennen muss man indes, dass die Antworten, die auf beide Fragen gegeben wurden, besser waren als die Fragen selbst: Auf die Frage nach den Erstkommunion-Erinnerungen der Eltern meldete sich zuerst ein Mann zu Wort, der vor 20 Jahren die Taufe, Erstkommunion und Firmung in einer einzigen Feier empfangen hatte, und dann eine Frau aus dem Irak, die dort im Jahr 1990 ihre Erstkommunion gefeiert hatte; beides also keine typisch volkskirchlichen Biographien. Auf die zweite Frage – was es denn "bringe", zur Messe und zur Kommunion zu gehen – gab es ebenfalls zwei Antworten; die erste stammte von dem Mann, der am 3. Fastensonntag im Rahmen der Redditio Symboli ein Zeugnis gegeben hatte und mit dem ich auf dem Rückweg vom Männereinkehrtag in Neuzelle im "Neo-Mobil" mitgefahren war. Auf die genannte Frage hin bekannte er, er sei nicht selten "richtig kaputt von der Arbeit und von den vielen Aufgaben zu Hause", und wenn er es dann schaffe, "vor allem am Sonntag, klar, aber auch in der Woche in die Messe zu gehen und dann auch zur Kommunion", dann merke er sofort, wie Frieden in sein Herz einziehe. Anschließend meldete sich eine Frau zu Wort und erklärte, wenn sie die Kommunion empfange, empfinde sie "Dankbarkeit, und mir wird sehr, sehr warm ums Herz, und ich bin glücklich". – Man könnte die These wagen, gerade an diesen Antworten könne man erkennen, dass die Gemeinde eigentlich schon über jenen post-volkskirchlichen Kulturkatholizismus hinaus ist, der mit dieser Art "niederschwelliger" Gestaltungselemente bedient werden soll. Nun müsste diese Erkenntnis nur noch bei den Katecheten ankommen. 

Die dritte Frage richtete sich dann an den Zelebranten und lief auf einen Werbeblock für die Eucharistische Anbetung hinaus. Nun, sehen wir mal das Positive daran: Den Hinweis darauf, wann und wo es in dieser Teilgemeinde der Großpfarrei Heilige Familie die Möglichkeit zur Eucharistischen Anbetung gibt, fand ich durchaus dankenswert, und ebenso, dass es für diejenigen Messbesucher, die mit dieser Andachtsform nicht vertraut sind, einige erläuternde Hinweise gab. Ob das nun unbedingt an dieser Stelle und in dieser Form sein musste, ist indes eine Frage für sich. Insgesamt bleibe ich dabei, dass mir sehr daran gelegen wäre, jedwede Art von "Showeinlagen" grundsätzlich aus dem Gottesdienst herauszuhalten. Macht meinetwegen eine Woche vorher oder eine Woche nachher einen Bunten Abend für die Familien der Erstkommunionkinder, da könnte ihr dann die Eltern einladen, Fotos oder Super-8-Filme von ihrer eigenen Erstkommunion mitzubringen und zu zeigen, könnt Ratespiele mit NGL-Texten in Emoji-Form veranstalten und Sketche einstudieren, wenn's denn partout sein muss; aber lasst es bitte, bitte aus der Heiligen Messe raus. Andernfalls muss ich ernsthaft erwägen, meine Kinder lieber in St. Afra zur Erstkommunion gehen zu lassen. 

-- Der letztere Gedanke kam mir tatsächlich ganz spontan im Zuge des Schreibens, und ich möchte ihn nun nicht direkt zurücknehmen – wohl aber betonen, dass es in der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt um die Erstkommunion-Vorbereitung und -Feier zweifellos noch besser steht als "sonstwo". Einige interessante Einblicke gewährt diesbezüglich ein Artikel von Guido Rodheudt bei Corrigenda; der Autor, den ich vor einigen Jahren persönlich kennenlernen durfte, ist Pfarrer im Bistum Aachen und hat in seiner Pfarrei einen eigenen Erstkommunionkurs erarbeitet. Die Materialien zu diesem Kurs habe ich zu Hause und hoffe sie ab dem kommenden Herbst nutzen zu können, um im Erstkommunion-Jahrgang meiner Tochter mindestens ein paar Akzente zu setzen

Obwohl die Kinder nach der Messe in einer noch, sagen wir mal, schwierigeren Stimmung waren als vorher und währenddessen, waren meine Liebste und ich entschlossen, anschließend noch mit ihnen zum Permakultur-Picknick im Baumhaus zu fahren, und nach einigen typischen Verzögerungen Komplikationen ("Dürfen wir ein Eis?" – "Ich muss aufs Klo!") kamen wir gegen 14 Uhr auch tatsächlich dort an. Als eine glückliche Fügung erwies es sich, dass im hinteren Raum des Baumhauses gerade eine Malschule stattfand – da machten die Kinder mit und waren damit zum ersten Mal an diesem Tag auf eine Weise beschäftigt, die sie sowohl befriedigte als auch befriedete. Was indes das Permakultur-Picknick als solches betraf, lautete mein erster Eindruck, man hätte es lieber Permakultur-Stuhlkreis nennen sollen: Eine Gruppe von vielleicht zehn oder zwölf Leuten, darunter – im Vergleich dazu, was für ein Publikum ich im Baumhaus normalerweise zu erwarten gewohnt bin – überraschend viele ältere Mitbürger, saßen im Kreis und tauschten sich über ihre Erfahrungen mit Permakultur aus oder stellten Projekte oder Initiativen vor, an denen sie arbeiteten. Da fühlte ich mich erst mal nicht so ganz am richtigen Ort. Immerhin, zu essen gab es tatsächlich was, in Form eines Mitbring-Büffets, und das Essen war auch durchaus lecker; als die Malschule im hinteren Raum beendet war, boten die Permakultur-Leute im vorderen Raum den Kindern eine Bastelmöglichkeit an, und es kamen auch noch ein paar weitere Kinder hinzu. 

Derweil entdeckte ich die nicht fehlen dürfende "Notfallklampfe" in einem Winkel des Raumes, angelte sie hervor und stellte – nicht sehr überrascht – fest, dass sie grausam verstimmt war. Also machte ich mich daran, sie mittels der Stimmgerät-App auf meinem Mobilgerät zu stimmen – und wurde prompt dafür gelobt, dass ich mich der armen alten vernachlässigten Gitarre annehme. Das ermutigte mich, im Rahmen meiner bescheidenen Fähigkeiten ein bisschen "Hintergrundmusik" zu machen, und auch das kam erfreulich gut an. 

Alles in allem war es also doch eine gute Entscheidung, da hinzugehen, und insbesondere dürfte der Umstand, dass es den Kindern so gut gefallen hat, die Chancen erhöhen, dass wir es demnächst auch mal wieder zusammen zur Community Networking Night schaffen. Schauen wir mal... 


Update "Guerilla-Urlauberseelsorge" 

Es ist schon wieder zwei Wochen her, dass ich mich selbst ermahnt habe, "dass es Zeit wird, mit dem Projekt 'Guerilla-Urlauberseelsorge' voranzukommen"; aber nachdem es dazu im vorigen Wochenbriefing nichts Neues gab, kann ich jetzt sagen: Es tut sich was. Zunächst mal: Unter uns, und mit Augenzwinkern, können wir ruhig weiterhin "Guerilla-Urlauberseelsorge" sagen, aber der offizielle Titel des Projekts lautet jetzt "Spirituelle Angebote für Familien im Urlaub". Unter diesem Titel habe ich im Laufe der zurückliegenden Woche ein Konzeptpapier zusammengeschustert und dazu ein Anschreiben an den Pastor (so die ortsübliche Amtsbezeichnung) der Pfarrei St. Willehad, Michael Kenkel, formuliert; nachdem ich dafür zunächst ein Feedback von meiner Liebsten eingeholt habe, habe ich das Ganze erst heute Morgen, kurz vor dem Redaktionsschluss dieses Wochenbriefings, abgeschickt und kann daher noch über keine Reaktion berichten. Na ja, nächste Woche vielleicht. Im Wesentlichen läuft das, was ich da geschrieben habe, jedenfalls auf den Vorschlag hinaus, dass wir während unseres Aufenthaltes in Butjadingen in den Sommerferien je einmal pro Woche Lobpreis mit dem Stundenbuch, Kinderlobpreisdisco und eine Kinderkatechese zum jeweiligen Sonntagsevangelium anbieten können und wollen; und der Clou an der Sache ist, der Pfarrei zu signalisieren: Wir würden uns freuen, wenn ihr das unterstützt, aber wenn nicht, machen wir es trotzdem. Ich ahne, dass da nun mancher Leser meinen wird, gerade das sei unklug, da es den Leuten in St. Willehad geradezu eine Steilvorlage gebe, zu sagen "Dann macht es halt, aber ohne uns"; aber ich spekuliere darauf, dass sie so nicht ticken, sondern sich vielmehr sagen: Wenn wir es schon nicht verhindern können, ist es besser, wir unterstützen es, als dass es ohne uns abläuft. – Im Prinzip würde ich ja gerne denken, es gäbe gar keinen Grund, weshalb das Pastoralteam von St. Willehad etwas dagegen haben sollten, dass wir Spirituelle Angebote für Familien im Urlaub machen wollen, bzw. eigentlich sollten sie sich sogar darüber freuen. Aber man hat halt so seine Erfahrungen, und jenseits persönlicher Animositäten geht es in letzter Konsequenz – um einmal mehr auf eine griffige Formulierung aus Maria Hinsenkamps Dissertation "Visionen eines neuen Christentums" zurückzugreifen – um "die Frage nach der zukünftigen Profilierung der Kirche": 

"Soll die Kirche weiterhin danach streben, eine möglichst in die Breite der Gesellschaft anschlussfähige Institution zu bleiben, die nach innen und außen eine große Ambiguitäts- und Pluralitätstoleranz aufweist [...], oder aber eine missionarisch ausgerichtete, klar bekenntnis- und bekehrungsorientierte Kirche [...]?" 

Nicht von ungefähr habe ich mir, unabhängig von der Frage nach Zuständigkeiten innerhalb des Pastoralteams von St. Willehad, gerade Pastor Kenkel als Adressaten für meine Mail ausgesucht, denn bei ihm kann ich mir am ehesten vorstellen, dass er unser Anliegen unterstützt. Mit Widerstand rechne ich derweil hauptsächlich von Seiten des Diakons. So oder so bin ich ausgesprochen gespannt auf eine Reaktion aus St. Willehad... 


...und sonstige Pläne für den Sommer 

Was die Anmeldung zur KPE-Bundeswallfahrt nach Kloster Schöntal am letzten Juni-Wochenende angeht, hatte ich es zunächst als einigermaßen herausfordernd empfunden, auf der einen Seite die Frage der Übernachtungsmöglichkeiten zu klären und parallel dazu an anderer Stelle die Anmeldung für die Busfahrt unter Dach und Fach zu bringen; schließlich gibt es für beides nur begrenzte Plätze, folglich hatte ich die Sorge, wir könnten am Ende zwar eine Zimmerreservierung, aber keinen Platz im Bus haben, oder umgekehrt. Die Preise für die verschiedenen Übernachtungsvarianten waren ebenfalls etwas verwirrend. Gleichwohl ist es mir gelungen, für die Liebste, den Jüngsten und mich (da das Tochterkind, wie ich annehme, mit seinem Wölflingsrudel im Zelt schlafen wird) ein Zimmer im Waldschulheim des Klosters Schöntal, inklusive Frühstück, zu reservieren, und für die Busfahrt habe ich uns ebenfalls angemeldet. Es sieht also ganz danach aus, als stünde unserer Teilnahme an der Wallfahrt – immer unter dem Jakobäischen Vorbehalt, versteht sich – nichts im Wege; nun könnte ich mich, um das letzte Juni-Wochenende so richtig rund zu kriegen, auch gleich noch für die Grunewaldwanderung anmelden, die das Erzbistum Berlin für die Auszubildenden in der Pastoral veranstaltet, aber da besteht noch keine Eile – die Anmeldefrist endet erst in drei Wochen. 

Noch etwas mehr Zeit ist bis zur Religiösen Kinderfreizeit, die nämlich erst nach unserem geplanten Sommerurlaub in Butjadingen ansteht – in der ersten Augustwoche –, aber die Vorbereitungen kommen trotzdem schon so langsam in Gang. Vergangenen Sonntag wurde sogar schon vermeldet, es solle am 10. Mai – das wäre morgen – einen Elternabend zur RKF geben, aber das war ein Irrtum: Tatsächlich ist dieser Elternabend für den 10. Juni geplant. Kein Irrtum ist hingegen, dass sich am kommenden Dienstag das RKF-Team in St. Stephanus Haselhorst zu einem "inhaltlichen Vorbereitungstreffen" versammeln soll, wie es in der Einladung hieß. Da wird es unter anderem darum gehen, sich mit den zentral von einem Vorbereitungsteam aus dem Bistum Dresden-Meißen erarbeiteten Materialien zum Thema "Mensch, Mose – beweg dich!" auseinanderzusetzen und darüber zu beraten, inwieweit diese Materialien übernommen werden sollen oder was man anders machen könnte oder sollte. Da bin ich gespannt und habe die Absicht, mich kreativ einzubringen, auch wenn ich offiziell "nur" als Küchenhelfer im Team bin. – Schon mal reingehört habe ich in die auf der Website zur Religiösen Kinderwoche zum Download bereitgestellten Songs, und während ich das Titellied "Mensch, Mose – beweg dich!" durchaus schmissig finde und keine Bedenken hätte, es in meine "Kinderlobpreisdisco"-Playlist aufzunehmen, würde ich die meisten anderen Lieder, soweit ich sie bisher gehört habe, eher als "mittel bis schlecht" einordnen. Da würde ich doch sehr viel lieber "Mr. Pharao" von NimmZwei für die RKF verwenden (das hier auch schon mal "Ohrwurm der Woche" war) – aber das hatte ich ehrlich gesagt sowieso vor... 


Ein Jahr Papst Leo 

Wie die Zeit vergeht: Gestern war es genau ein Jahr her, dass Kardinalprotodiakon Mamberti auf die Mittelloggia des Petersdoms heraustrat und die Wahl von Kardinal Robert Francis Prevost zum 266. Nachfolger des Apostels Petrus bekanntgab. Schon im Vorfeld dieses Jubiläums erreichte mich die folgende Messenger-Nachricht von meinem alten Freund und selbsternannten Manager "Patrick" aus Wien

Meine unmittelbare Antwort lautete "Doch, ziemlich"; aber ich schätze, ich sollte das hier und jetzt etwas genauer ausführen. Dazu möchte ich zunächst auf etwas verweisen, was ich bereits gut zwei Wochen nach der Wahl des neuen Papstes geschrieben habe, und zwar an einer so versteckten Stelle, dass ich es selbst fast nicht wiedergefunden hätte: Ich schrieb da, ich hätte "das Gefühl, Papst Leo XIV. könnte genau der richtige Mann sein, um das, was am Pontifikat seines Vorgängers Franziskus gerade für das Thema Neuevangelisierung richtungsweisend war, in die Tradition der Kirche einzubinden und dabei auch 'das Krumme gerade zu machen' (vgl. Jesaja 40,4Lukas 3,5)." Und auch wenn er diese Hoffnung im ersten Jahr seines Pontifikats vielleicht noch nicht vollumfänglich erfüllt hat, sehe ich doch immerhin keinen Grund, diese Einschätzung zu revidieren. Man kann sagen, dieses erste Jahr seines Pontifikats sei alles in allem nicht sonderlich spektakulär verlaufen, aber ich schätze, genau das ist charakteristisch für seine Amtsführung und sein Amtsverständnis. Oder vielleicht wäre es richtiger zu sagen, er ist ein sehr viel "normalerer" Papst als sein doch in vielerlei Hinsicht sehr eigenwilliger Vorgänger, aber genau diese Normalität ist die Weltöffentlichkeit nach zwölf Jahren Franziskus einfach nicht mehr gewohnt? – Und wo wir schon beim Urteil der Weltöffentlichkeit sind: Der Bayerische Rundfunk hat zum einjährigen Amtsjubiläum des Papstes eine TV-Doku produziert, in der u.a. die Comedienne Carolin Kebekus und die Klimaaktivistin Luisa Neubauer mit ihrer Sicht auf Papst Leo zu Wort kommen, aber die habe ich mir nicht angesehen und glaube nicht, damit etwas verpasst zu haben. Recht offensichtlich ist es, dass der linksliberale Mainstream der öffentlichen Meinung – so hartnäckig sich die schon von Tag 1 an zu beobachtende Tendenz fortsetzt, möglichst alles, was der Papst sagt und tut, so hinzudrehen, dass es in das Bild eines Papstes hat, den man gern hätte – ein einigermaßen zwiespältiges Bild von Leo hat: Während man es schätzt, dass er Donald Trump Kontra gibt, verübelt man es ihm, dass er insbesondere in Hinblick auf Sexualitäts-, Gender- und LGBTQ-Themen "immer noch viel zu konservativ" ist. Auf der anderen Seite gibt es eine insbesondere in den Sozialen Medien durchaus lautstarke Koalition aus Trumpisten und Tradis, die Papst Leo tendenziell als "noch schlimmer als Franziskus" beurteilen. (Zum Stichwort "Koalition aus Trumpisten und Tradis" möchte ich übrigens anmerken, dass ich den inflationären Gebrauch der Vokabel "rechtskatholisch" nicht zuletzt deshalb so ärgerlich finde, weil es ein Phänomen, das man berechtigterweise so bezeichnen könnte, ja durchaus gibt, eine ernsthafte Auseinandersetzung damit aber erheblich erschwert wird, wenn ständig Personen, Gruppierungen und Standpunkte so bezeichnet werden, die damit gar nichts zu tun haben.) 

Ebenfalls ein Jahr im Amt ist seit der zurückliegenden Woche übrigens Friedrich Merz als deutscher Bundeskanzler; das hätte man zum Anlass für einen Blogartikel oder wenigstens einen Wochenbriefing-Abschnitt mit der Überschrift "Der Merz unseres Missvergnügens" nehmen können, aber ich habe ja notorischerweise wenig Lust, auf meinem Blog über Politik (im landläufigen Verständnis dieses Begriffs) zu schreiben, und biete diese Überschriften-Idee daher zur freien Verfügung an. Angemerkt sei lediglich noch: Wenn Friedrich Merz den Ehrgeiz hat, nicht als Bundeskanzler mit der kürzesten Amtszeit in der Geschichte der Bundesrepublik in die Annalen einzugehen, dann muss er noch fast zwei Jahre durchhalten, bis er in dieser Hinsicht an Kurt Georg Kiesinger vorbeizieht. Ich habe erhebliche Zweifel, ob er das schafft. Aber natürlich kann man sich da sehr irren: Von Kohl und Merkel hätte anfangs auch niemand geglaubt, dass sie so lange im Amt sein würden. – Derweil hat Papst Leo, was die Länge seiner Amtszeit angeht, laut Wikipedia bereits mindestens 42 seiner Vorgänger überholt. In diesem Sinne: ad multos annos! 


Geistlicher Impuls der Woche 

Wenn wir, ohne zu zweifeln, mit dem Herzen glauben, was wir mit dem Mund bekennen, dann sind wir mit Christus gekreuzigt, wir sind gestorben, wir sind begraben und mit Ihm am dritten Tag auferweckt. Damit aber die Herzen der Gläubigen wissen, dass sie die Möglichkeit haben, durch Verachtung der Begierden dieser Welt sich zur himmlischen Weisheit zu erheben, verspricht uns der Herr Seine Gegenwart, wenn Er sagt: "Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung der Welt" (Mt 28,20). Wenn Er in den Himmel auffährt, lässt Er die an Kindes Statt Angenommenen nicht im Stich; der zur Rechten des Vaters sitzt, bewohnt Seinen ganzen Leib, und von oben stärkt Er jene zum Durchhalten, die Er nach oben zur Herrlichkeit einlädt. Weil die Erde erfüllt ist von der Huld des Herrn (Psalm 33,5), steht uns überall der Sieg Christi bei, damit sich erfülle, was Er gesagt hat: "Habt Mut: Ich habe die Welt besiegt" (Joh 16,33). Wenn ihr das große Geheimnis unseres Glaubens (1 Tim 3,16) versteht und darauf achtet, was der eingeborene Gottessohn zum Heil des Menschengeschlechts getan hat, dann habt die gleiche Gesinnung in euch, die auch in Christus war (vgl. Phil 2,5). Ahmt also nach, was Er getan, liebt, was Er geliebt; denn wie Er durch seine Armut den Reichtum nicht verloren, Seine Herrlichkeit durch Seine Erniedrigung nicht vermindert, die Ewigkeit durch Seinen Tod nicht verloren hat, so verachtet auch ihr im gleichen Schritt und in denselben Fußspuren das Irdische, um das Himmlische zu erlangen. Denn das Kreuz auf sich nehmen bedeutet, die Begierden abtöten, die Laster ausrotten, alles Eitle vermeiden, jedem Irrtum absagen. 

(Leo d. Gr., Predigt zum Festgeheimnis des Karfreitags) 


Ohrwurm der Woche 

Duffy: Mercy 

Ein weiteres Lied, das während der Kampfsport-Gürtelprüfung meiner Tochter im Zuschauerraum im Hintergrund lief. Das erste, was mir daran auffiel, war die Ähnlichkeit mit "Rehab" von Amy Winehouse; aber obwohl das Arrangement im direkten Vergleich eher weniger "retro" wirkt als das von "Rehab", hätte es mich nicht gewundert, wenn es sich bei "Mercy" um einen "echten" Soul-Klassiker aus den späten 60ern oder frühen 70ern gehandelt hätte. So war ich einigermaßen überrascht, mit Hilfe der Shazam-App herauszufinden, dass das Lied von einer blonden Waliserin gesungen wird und erst über ein Jahr nach "Rehab" erschien. Nun bin ich grundsätzlich gern bereit zuzugeben, dass die Popmusik der Nuller Jahre nicht gerade mein Spezialgebiet ist, aber dass ich von Aimee Ann Duffy, anders als von der fast gleichaltrigen Amy Winehouse, bisher kaum etwas gehört hatte, hat einen ganz eigenen Grund: Ungefähr von 2011 bis 2020 hat nämlich buchstäblich niemand etwas von ihr gehört. Dass sie bald nach der Veröffentlichung ihres zweiten Albums für fast ein Jahrzehnt komplett aus der Öffentlichkeit verschwand, erklärte sie später damit, dass sie entführt, unter Drogen gesetzt und vergewaltigt worden sei und Jahre gebraucht habe, um dieses traumatische Erlebnis zu verarbeiten. 


Vorschau / Ausblick 

Große Dinge werfen ihre Schatten voraus – namentlich das Himmelfahrtslager der KPE-Wölflingsmädchen! Durchgängig dabei sein werde ich zwar nicht, da diesmal jemand anderes die Küche macht, aber ich habe die Erlaubnis bzw. Einladung bekommen, mal vorbeizukommen, Fotos zu machen und Eindrücke für einen Bericht zu sammeln und das werde ich natürlich gerne tun. Heute Vormittag war noch einmal ein "normales" Meutentreffen; ganz so normal allerdings doch nicht, denn für mein Tochterkind war es das erste, zu dem es seine neue Kluft anziehen konnte – einschließlich eines im "Mid-Season Sale" bei Galeria erbeuteten neuen Jeansrocks. Im Anschluss an das Meutentreffen, nur mit einem kurzen Zwischenstopp zum Umziehen, fuhren wir zum Tag der offenen Tür an der Schule des Tochterkindes; da war zwar nicht viel los, aber zu dem angekündigten Thema "Neues vom Schulkind, den anderen Schulkindern und deren Eltern" wird in naher Zukunft wohl trotzdem einiges zu sagen sein. – Bevor das Tochterkind am Donnerstag ins Wölflingslager abdampft, gibt es noch Manches vorzubereiten, aber gleichzeitig stehen natürlich noch ein paar andere Dinge an. Morgen zum Beispiel ist nicht nur der 6. Sonntag der Osterzeit, sondern auch Muttertag – und ich freue mich, zu Protokoll geben zu können, dass beide Kinder bereits eine Überraschung für meine Liebste vorbereitet haben. Am Dienstag steht, wie gesagt, ein Teamtreffen für die RKF an; am Mittwoch beginnt dann in Würzburg der 104. Deutsche Katholikentag, und auch wenn ich von diesem Event nicht sonderlich viel – und erst recht nicht viel Gutes – erwarte, wird es wohl doch ratsam sein, aus der Ferne den einen oder anderen Blick darauf zu werfen. Und ansonsten lassen wir uns mal überraschen!