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Samstag, 21. Februar 2026

Utopie und Alltag 13: Im Epizentrum des Karnevals

Eins vorweg: Leser aus dem Rheinland haben mein vollstes Verständnis, wenn sie angesichts der Überschrift dieses Wochenbriefings meinen, das sei ja wohl Anmaßung bzw. Etikettenschwindel, das Epizentrum des Karnevals sei ja wohl bei ihnen, jedenfalls ganz bestimmt nicht in Berlin. Trotzdem finde ich, diese Überschrift drängte sich einfach auf, nachdem der Berichtszeitraum dieses Wochenbriefings doch sehr stark vom Thema Karneval geprägt war. Indes: Nach den Karneval hat der Herr in Seiner Weisheit die Fastenzeit gesetzt, und da der Aschermittwoch ja so ziemlich in die Mitte des Berichtszeitraums dieses Wochenbriefings fiel, gibt es hier auch schon etwas "Fastenzeit-Content" – wovon in den nächsten Wochen naturgemäß noch mehr kommen wird. Damit nun aber auch genug der Vorrede! 

Aus der Rubrik "Dinge mit Gesicht" – arrangiert vom Tochterkind.

Kinderfasching 1: Atemlos durch den Nachmittag 

Wie in der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings bereits geschildert, hatten wir uns am vergangenen Samstag dazu entschieden, alle zusammen zum Kinderfasching in St. Bernhard (Tegel-Süd) zu gehen; unser Jüngster verkleidete sich zu diesem Anlass als Michelangelo von den Teenage Mutant Ninja Turtles und unsere Große als Luna Lovegood aus "Harry Potter" – das heißt, ihr Kostüm war eine Hogwarts-Schuluniform in den Farben von Ravenclaw, dem Haus für die besonders schlauen Kinder. Der Umhang war ihr ein bisschen zu groß, was daher rührte, dass meine Liebste das gewünschte Kostüm nur bei einem Kostümversand für Erwachsene hatte finden können – ein Umstand, der, wie ich finde, viel über das "Harry Potter"-Fandom aussagt. – 

Zur Gemeinde von St. Bernhard hatten wir selbst in unserer aktiven Zeit in der Tegeler Pfarrei kaum Kontakte gehabt, daher war es nicht sonderlich überraschend, dass wir bei dieser Faschingsfeier kaum jemanden kannten; die erfreulichste Ausnahme war die Familie des Jungen, mit dem unser Jüngster sich im Vorjahr bei dieser Veranstaltung angefreundet hatte (und der diesmal als "Super Mario" verkleidet war). Begrüßt wurden wir von einem Mädchen im Waldelfenkostüm, das bunte Glasperlen an die Eintretenden verschenkte; auch einige der anderen Kinder hatten sehr schöne und phantasievolle Kostüme, und auch die meisten Erwachsenen erschienen in Verkleidung, wobei im vielen Fällen das Kostüm lediglich durch ein paar Accessoires angedeutet war. Ich selbst hatte mir kurz entschlossen meinen Grinch-Kapuzenpulli übergezogen und fand, das müsse genügen. – Es gab ein Mitbring-Büffet, zu dem wir Popcorn (süßes und salziges) beisteuerten; hier nur mal ein Ausschnitt von dem, was es sonst noch so gab (es kam noch erheblich mehr dazu, nachdem ich dieses Foto gemacht hatte): 

Ja, Bier gab es auch, und das war nicht alkoholfrei.

Im Übrigen bestand das Programm der Veranstaltung in der Hauptsache aus Tanzspielen, oder sagen wir, Bewegungsspielen zu Musik. Bei der Liedauswahl fiel mir – nicht zum ersten Mal – auf, wie schmal und durchlässig die Grenze zwischen Kinderliedern und Ballermann-Sauf-und Mitgröl-Liedern heutzutage ist; ich schätze, der Oberbegriff lautet "Partyschlager" oder vielleicht auch "Stimmungsmusik". Jedenfalls liefen bei diesem Kinderfasching neben Kinderdisco-Klassikern von "Das Lied über mich" bis "Tschu Tschu Wah" z.B. auch "Helikopter 117" von Tobee – ein Lied, das ich erstmals bei der Urlauberkirche in Burhave gehört habe, da hatte ein Junge im Grundschulalter sich das gewünscht, aber vom Text her ist es eindeutig ein Sauflied –, "Was geht ab" von den Atzen, "Polka Polka Polka" von der Kölner Kapelle Brings und unvermeidlicherweise auch "Atemlos" von Helene Fischer. Da war es geradezu schon eine Erleichterung, dass als "Rausschmeißer" zum Ende der Veranstaltung "Drink doch eine met" von den Bläck Fööss aus den Boxen drang. – Übrigens war deutlich zu bemerken, dass nach ungefähr zwei Stunden die Stimmungskurve bei den Kindern – nicht nur unseren, sondern ganz allgemein – deutlich nach unten zu zeigen begann, und insofern war es wohl ganz gut, dass die ganze Veranstaltung nicht länger als zweieinhalb Stunden ging. Aber ich bin da auch voreingenommen, ich fand Kinderfasching schon als Kind eher anstrengend. Ich denke da immer an das Lied "1000 und 1 Nacht (Zoom!)" von der Klaus Lage Band – mit der Textstelle "Erinnerst du dich, wir ham Indianer gespielt / und uns beim Fasching in die Büsche versteckt": Als Kind habe ich das immer ganz selbstverständlich so verstanden, dass das lyrische Ich und seine Freundin sich versteckt haben, um beim Fasching nicht mitmachen zu müssen – obwohl sie sonst durchaus gern Indianer spielten. Und damit konnte ich mich sehr gut identifizieren. (Zum Stichwort "Indianer" weiter unten noch mehr.) 


Quinquagesima und Wichtelgruppe 

Zur Messe gingen wir an diesem Sonntag in St. Afra, hauptsächlich deshalb, weil im Anschluss daran das zweite Treffen des an diesem Standort neu gegründeten Pfadfinderstammes stattfinden sollte: Da es sich abzeichnete, dass wir es im gesamten Monat Februar nicht schaffen würden, zu den KPE-Wölflingen in Schöneberg zu gehen, wollten wir uns wenigstens diesen Termin nicht entgehen lassen. – Wir vielleicht nicht alle meine Leser wissen, ist das St.-Afra-Stift in Berlin-Gesundbrunnen der Sitz des Instituts St. Philipp Neri, das die außerordentliche Form des Römischen Ritus – sprich: die "alte Messe" nach dem Messbuch von 1962 – pflegt; aber erst als wir die Kirche betraten und den Altarraum mit violetten Tüchern geschmückt sahen, ging mir auf, dass nach dem hier verwendeten liturgischen Kalender bereits Vorfastenzeit war. Es war der Sonntag Quinquagesima, und die Messe war ausgesprochen schön und feierlich; damit verfestigt sich – nachdem ich nun zweimal im Abstand von vier Wochen (und dreimal innerhalb von vier Monaten) in St. Afra in der Messe war – der schon beim letzten Mal festgehaltene Eindruck, dass ich mich mehr und mehr mit dieser Form des Ritus "anfreunde". Sehr interessant fand ich auch die Predigt von Propst Piranty, in der es um die Kardinaltugenden ging – unter Berufung auf den "heiligen Aristoteles", wie der Propst einmal versehentlich sagte, sich aber sogleich schmunzelnd korrigierte. 

Das anschließende Pfadfindertreffen im Garten des Stifts war etwas schwächer besucht als das erste seiner Art vier Wochen zuvor – was sich bei der Wölflings-Mädchengruppe besonders auffällig auswirkte, denn da nahmen diesmal nur vier Mädchen teil – darunter allerdings wiederum zwei, die unser Tochterkind schon vom Herbstlager her kannte. Übrigens hatten wir am Morgen in der Eile des Losgehens vergessen, unserer Tochter ihren "Skort" überzuziehen, und hatten angenommen, das werde wohl nicht weiter auffallen, aber tatsächlich war sie das einzige Mädchen ihrer Gruppe, das keinen Rock trug. Das erwähne ich aber nicht etwa, weil ich es schlimm gefunden hätte; es fiel mir einfach nur auf. (Wenn sie erst mal eine komplette Wölflingskluft hat, dann soll sie die zu den Meutentreffen natürlich auch anziehen, aber so weit sind wir noch nicht.) – Derweil hatte unser Jüngster, der in der Nacht zuvor schlecht geschlafen hatte, plötzlich keine Lust auf die Wichtelgruppe und ließ sich nur unter der Bedingung zum Mitmachen überreden, dass seine Mami dabei blieb. Da meine Anwesenheit vergleichsweise weniger gefragt war, verzog ich mich ins Gemeindecafé (wenn ich das mal so nennen darf) und führte dort ein sehr nettes und anregendes Gespräch mit den Eltern einiger anderer Wichtelkinder. Nach einer Weile hielt ich es aber doch für geraten, mal zu gucken, ob ich meine Liebste bei der Wichtelgruppe vielleicht mal "ablösen" könnte und sollte. Nachdem das Wichtelgruppentreffen mit Spielen im Garten begonnen hatte, war die Gruppe dann relativ bald nach drinnen umgezogen, in einen Raum neben der Krypta, wo gemalt und gebastelt und außerdem Obstsalat gefuttert wurde. Bald nachdem ich dazugestoßen war, wurde auch noch ein Topf Gulaschsuppe hereingebracht, den die Wölflinge draußen auf dem offenen Feuer heiß gemacht hatten. Mein Sohn zeigte mir stolz seine Bastelarbeiten, berichtete, er habe "ganz viel Obst" gegessen, und noch beim Schlafengehen betonte er, bei der Wichtelgruppe sei es "toll" gewesen – ein schöner Erfolg, wenn man bedenkt, dass er anfangs eigentlich keine Lust hatte. – Zum nächsten Wichtelgruppentreffen werden wir nicht kommen können, da es terminlich mit dem Kinderwortgottesdienst in St. Joseph Siemensstadt kollidiert; aber grundsätzlich sind wir da weiterhin im Boot, würde ich mal sagen. 


Kinderfasching 2: Amerikanische Erstbewohner_innen und Meerjungmänner 

Ebenfalls schon in der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings hatte ich erwähnt, dass am Rosenmontag an der Schule des Tochterkindes "antifaschistischer, kultursensibler Fasching" sei. Der Hintergrund dieser etwas polemischen Bemerkung war eine Mail der Schule an die "Eltern, Sorgeberechtigte[n] und Bezugspersonen" der Schüler, in der sich neben allerlei Informationen zum Ablauf der Schulfaschingsfeier die Anregung fand, "das Thema Verkleidung dazu zu nutzen mit euren Kindern kritisch zu reflektieren, wie rassistische Klischees oder Geschlechterrollen durch Kostüme verstärkt werden könnten". Nun gut, das war ja noch vergleichsweise moderat und freundlich formuliert, aber ein gewisses Augenrollen löste es bei mir doch aus. Angehängt an die Mail war eine Broschüre mit dem Titel "Fasching vorurteilsbewusst feiern! –Anregungen für eine diskriminierungssensible Praxis", herausgegeben von der Beratungsstelle "KiDs –Beratung & Kampagnen der Fachstelle Kinderwelten für Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung" im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!". Die Broschüre stammt aus dem Jahr 2016, man könnte also sagen, das ganze Thema sei ein ziemlich alter Hut; aber ein paar Anmerkungen habe ich doch dazu. Exemplarisch kritisiert wird in dieser Broschüre – nicht sehr überraschend, wenn man mit einschlägigen Diskursen vertraut ist – die "Kostümierung als amerikanische Erstbewohner_innen"; ja, damit sind Indianer gemeint. "Die sogenannten 'Indianer' gibt es nicht und gab es nie", liest man da. "Der Begriff wurde im Zuge der Kolonialisierung Nord- und Südamerikas der damaligen Bevölkerung aufgezwungen und steht somit in Zusammenhang mit der brutalen Vernichtung großer Teile dieser Personengruppe." Lassen wir mal beiseite, dass nicht wenige Angehörige "dieser Personengruppe" sich selbst sehr wohl als Indianer bezeichnen und definieren; viel interessanter finde ich es, wie knapp die Verfasser der Broschüre im ersten hier zitierten Satz an einer richtigen Erkenntnis vorbeischrammen: Wer sich im Karneval als "Indianer" verkleidet, hat in der Regel gar nicht den Anspruch oder die Absicht, eine realitätsadäquate Darstellung "amerikanischer Erstbewohner_innen" abzuliefern; der Indianer als Karnevalskostüm ist im Grunde ebenso eine Phantasiefigur wie etwa eine Meerjungfrau. – À propos: Eine Verkleidung als Meerjungfrau ist deshalb problematisch, weil sie geeignet ist, Geschlechtsstereotype zu befestigen. "Dass es Piratinnen und Meerjungmänner geben kann, braucht manchmal eine Ermutigung durch Erwachsene." Ich schätze, man kann schon froh sein, dass hier nicht der Wortbestandteil "Jungfrau" als Kennzeichen einer restriktiven Sexualmoral, ja als "Slutshaming" getadelt wird. – Aber mal im Ernst: Auch hier enthält die Bemerkung, für eine Kostümierung als Piratin oder Meerjungmann brauche es möglicherweise eine "Ermutigung durch Erwachsene", wieder ein bisschen mehr Wahrheit, als den für diese Broschüre Verantwortlichen lieb sein dürfte. Der entsprechende thematische Abschnitt beginnt nämlich mit dem Satz "Der Druck auf Kinder, sich eindeutig als Junge oder Mädchen zu definieren und dies durch entsprechendes Aussehen und Verhalten zu unterstreichen, ist hoch" – ein klassisches Beispiel dafür, wie Glaubenssätze der Gendertheorie als vermeintliche Tatsachen präsentiert werden. Wie ich aus der Broschüre "Trans* in der Schule" weiß, die ich jüngst für die Tagespost rezensiert habe, sagen Evolutions- und Entwicklungspsychologie etwas ganz Anderes, nämlich dass es für die allermeisten Kinder völlig normal und selbstverständlich ist, "sich eindeutig als Junge oder Mädchen zu definieren", und dass sie von ihrem Umfeld auch so wahrgenommen werden wollen

Als ich das Tochterkind zur Schulschlusszeit von der Faschingsfeier abholte, hatte ich angesichts der kostümierten Kinder, denen ich begegnete, nicht den Eindruck, dass die in der Broschüre dargelegten Prinzipien wesentlichen Einfluss auf die Kostümauswahl gehabt hätten. Zu denken gab mir indes etwas, was meine Tochter mir auf dem Heimweg erzählte: Zum Programm der Feier hatte eine "Kostümpräsentation" gehört, die jedoch dezidiert keinen Wettbewerbscharakter hatte; nicht nur gab es keine Prämierung der besten Kostüme, sondern "man durfte nicht mal sagen, welches Kostüm man am coolsten fand". Auf meine Nachfrage, was denn wohl passiert wäre, wenn man es doch getan hätte, erklärte sie, das wisse sie nicht, da sich alle daran gehalten hätten. 


Kinderfasching 3: Junges Gemüse 

Über die Faschingsfeier an der KiTa unseres Jüngsten gibt es vergleichsweise weniger zu berichten, aber der Vollständigkeit halber (und um der Kontrastwirkung willen) seien auch ihr ein paar Zeilen gewidmet. Hier wurde den Eltern im Vorfeld mitgeteilt, es gebe "keine Vorgaben für Kostüme, nur Waffen sind nicht so gerne gesehen". So geht's also auch! Was dabei herauskommt, wenn in der Kostümfrage so wenig Regulierung herrscht, dokumentieren die Fotos, die in der KiTa-App hochgeladen wurden: Die Mädchen waren fast durchgehend als Prinzessinnen oder Feen verkleidet, eins als Biene und eins als Löwe, was zweifellos etwas aus dem Rahmen fiel; bei den Jungs standen Superheldenkostüme hoch im Kurs, ein Junge war als Feuerwehrmann verkleidet und einer als Pirat. – Auch hier gab es übrigens ein Mitbring-Büffet, anders als beim Fasching in St. Bernhard gab es hier jedoch eine Liste, auf der aufgeführt war, was alles mitgebracht werden sollte, und die Eltern sollten auf dieser Liste angeben, was davon sie mitzubringen gedachten. Auf die Existenz dieser Liste wurden wir erst aufmerksam, als schon fast alle Posten vergeben waren, und so fiel uns die Aufgabe zu, einen von zwei Gemüsetellern zum Büffet beizusteuern. Da auch vom Büffet ein Foto in der KiTa-App hochgeladen wurde, kann ich zu Protokoll geben, dass "unser" Gemüseteller "dem anderen" an Auswahl und Menge einigermaßen ebenbürtig war. Also nochmal alles gutgegangen...! 


Doppelter Aschermittwoch, mal wieder 

Der Umstand, dass die KiTa unseres Jüngsten am Mittwoch wegen einer Mitarbeiterfortbildung geschlossen war, ermöglichte es mir, wie in den Jahren zuvor wieder zusammen mit dem Knaben in St. Marien Maternitas in Heiligensee in die Aschermittwochs-Messe zu gehen, die heuer wieder von Pater Mephisto zelebriert wurde. In seinen Begrüßungsworten hob er hervor, der Aschermittwoch sei "eine echte Zäsur – zunächst mal im Ablauf der Liturgie und im kirchlichen Jahreskreis": 

"Etwas Neues soll beginnen, und für Neues ist es immer notwendig, sich vorzubereiten. Sich darauf vorzubereiten, dass wir irgendwann, an Ostern, Auferstehung feiern – dazu ist es notwendig, dass wir uns bewusst machen, wo wir dem nicht entsprechen, wo Defizite sind" – 

An der Stelle musste ich dann doch ein Augenrollen darüber unterdrücken, was für Verrenkungen manche Seelsorger machen, um nur nicht "Sünde" sagen zu müssen. Vermutlich würden sie, wenn man sie darauf anspräche, argumentieren, mit solchen Begriffen könnten die Menschen heutzutage nichts mehr anfangen und sie würden eher Abwehrreaktionen hervorrufen; dagegen denke ich mir, wenn man die Leute, jedenfalls die, die einigermaßen regelmäßig in die Kirche kommen, mal an ein paar Grundbegriffe der christlichen Glaubenslehre gewöhnen wollte, hätte das nicht zuletzt den Vorteil, dass man ihnen nicht immer wieder von Neuem erklären müsste, was das ist. – 

Anknüpfend an das Stichwort "Zäsur" drehte sich die gut sechs Minuten lange Predigt dann, ohne auf die Lesungstexte des Tages Bezug zu nehmen, um das Thema "Grenzen": solche, "die wir respektieren müssen und vielleicht manchmal zu wenig respektieren und uns zu wenig bewusst machen, und andere, die eigentlich überwunden werden müssten." Ich war durchaus gespannt, was Pater Mephisto zu diesem Thema einfallen würde, welches seiner diversen Gesichter er der Gemeinde diesmal zeigen würde; aber das Ergebnis war im Guten wie im Bösen eher enttäuschend. So nannte er als Beispiel für "sichtbare Grenzen, ganz greifbare Grenzen" die "Mauern dieser Kirche" und betonte, dass diese "uns hier einen Raum geben des Gebets, der Sammlung, des Abstandnehmens von dem Betrieb, der draußen herrscht"; nun hätte man annehmen können, dass er daran die Mahnung anschließen würde, die Kirche dürfe nun aber nicht der Versuchung erliegen, es sich in ihren eigenen vier Wänden bequem zu machen oder sich gar "einmauern", aber davon war in der Predigt keine Rede, weder im Sinne von Evangelii Gaudium noch gar im Sinne des Synodalen Wegs. Weiterhin hätte man erwarten können, dass in einer Predigt zum Stichwort "Grenzen" auch das Thema Migrationspolitik eine Rolle spielen würde, aber nichts da; die einzige politische Anmerkung, die Pater Mephisto sich erlaubte, war eine ziemlich unverfängliche, da sie sich auf ein Thema bezog, das sozusagen bereits "Geschichte" ist: "Wir haben es ganz deutlich, denke ich, hier damals erlebt beim Fall dieser Mauer, die diese Stadt umschlossen hat. Eine unnatürliche, eine zu überwindende Grenze." (Man könnte meinen, diese Bemerkung provoziere geradezu die Frage, nach was für Kriterien denn im politischen Bereich zu entscheiden sei, ob eine Grenze "natürlich" oder "unnatürlich", überwindens- oder erhaltenswert sei, aber auch dazu: nada.) Ein letztes Mal regte sich bei mir die Hoffnung, es könnte doch noch interessant werden, als Pater Mephisto erklärte: "Heutzutage denke ich, dass manche Grenzen in unserem Leben sich sehr erweitert haben". Und was meinte er damit? "Zum Beispiel was unsere Kommunikationsmöglichkeiten angeht – da haben wir ganz viele neue Möglichkeiten..." Gähn. Da sind wir jetzt auf dem Niveau "Heidi Kabel wirbt für Volkshochschulkurse zum Thema 'Internet für Senioren'". – Das Schlussplädoyer der Predigt lautete: 

"Ich möchte Sie einladen, diese Fastenzeit zu nutzen, da nachzuschauen: welche dieser Grenzen uns hilfreich sind; wie wir sie respektieren – oder auch übertreten, dort, wo ein Übertreten eben nicht angesagt ist; nachzuschauen, welche Grenzen uns eher behindern und hemmen in unserer Entfaltung und deshalb überwunden werden sollten. Darüber ein bisschen nachzudenken, vielleicht die eine oder andere Korrektur anzubringen, das ist, denke ich, ein gutes Ziel für die Fastenzeit." 

Lame, wie die jungen Leute sagen. Derart schwammige, lauwarme, einer klar erkennbaren Aussageabsicht ermangelnden Predigten bin ich von diesem Priester eigentlich nicht gewohnt; auch die zahlreichen Sprechpausen, ohne die die Predigt um mindestens ein Drittel kürzer gewesen wäre, trugen zu dem Eindruck bei, dass er eigentlich gern etwas Substanzielleres, vielleicht sogar Kontroverseres gesagt hätte, sich aber nicht so richtig traute. Was mag da los sein? (Nur nebenbei, und da Pater Mephisto ja in der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd auch für die "queersensible Pastoral" zuständig ist, sei erwähnt, dass es – soweit es aus den Vermeldungen ersichtlich ist – heuer anders als in den letzten Jahren in dieser Pfarrei keine "Segensfeier für Verliebte" zum Valentinstag gab. Ist das schon der "Leo-Effekt" oder lag es nur daran, dass der Valentinstag auf das Karnevalswochenende fiel und man darum Anderes zu tun hatte?) 

Beim anschließenden Gemeindefrühstück gab es, ebenso wie letztes Jahr, Graupensuppe, Brot und Butter; das nutzte ich für meine einmalige Sättigung des Tages, nachdem ich zu Hause nur Kaffee getrunken hatte. Bis zum Abend, d.h. bis zum Abendessen beim JAM, hatte ich dann aber richtig Hunger; da traf es sich ungünstig, dass dort überwiegend Wurstbrote aufgetischt wurden. Ich konnte ein einziges Wurstbrot ergattern, dazu ein paar Happen Laugengebäck, Apfel- und Bananenstücke und ein kleines Stück Möhre. Fühlte sich richtig nach Fasten an. – 

Da wir alle etwas müde und erschöpft waren und meine Liebste obendrein ziemlich erkältet war, stand es am Ende des JAM ein bisschen auf der Kippe, ob wir danach noch wie in den Jahren zuvor in St. Stephanus zur Aschermittwochsmesse gehen würden, aber nun waren es bemerkenswerterweise die Kinder, die sich entschieden dafür aussprachen. – Die Messe in St. Stephanus war gut besucht und wurde zelebriert von einem polnischen Pfarrvikar, drn ich bisher sozusagen nur "vom Sehen" kannte, nämlich als Konzelebranten bei festlichen Messen für die gesamte Pfarrei. Das erste, was mir an ihm auffiel, war, dass er die liturgischen Texte in einem atemberaubenden Tempo sprach; bei der Predigt zügelte er dieses Tempo aber so einigermaßen und kam so auf eine Predigtlänge von rund sechs Minuten. In dieser Zeit nahm er auf alle drei Lesungstexte Bezug, am meisten aber auf die 2. Lesung (2. Korinther 5,20-6,2) – und hier vorrangig auf den Satz "Lasst euch mit Gott versöhnen!". Dabei wies er darauf hin, dass Paulus unmittelbar zuvor, in Vers 5,19, schreibt "Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat" – und stellte folgerichtig die Frage in den Raum, was denn eigentlich noch zu tun bleibe, wenn doch "Gott bereits alles gemacht" habe und "diese Versöhnung längst geschehen" sei. In diesem Sinne verglich er das Versöhnungsangebot Gottes mit einem Geschenk, das man erst einmal annehmen und auspacken müsse, "damit es mir wirklich zum Geschenk wird". Das Geschenk der Versöhnung anzunehmen, bedeute aber, dass "ich mein Leben im Einklang mit Gott lebe, soweit es mir möglich ist": 

"Doch wo dies noch nicht der Fall ist, wo ich noch immer meine eigene Suppe koche, nicht bereit bin, Seinen Willen in meinem Leben geschehen zu lassen, wo Er keine oder nur eine Nebenrolle in meinem Leben spielt, brauche ich eben die Versöhnung mit Gott auch heute noch." 

Zum JAM möchte ich aber auch noch etwas sagen, obwohl da erneut kein thematischer Bezug zum Aschermittwoch hergestellt wurde. Wieder einmal herrschte beim JAM krankheitsbedingter Mitarbeitermangel, was u.a. dazu führte, dass die Kinder für den katechetischen Teil nicht in zwei Altersgruppen geteilt wurden, sondern alle zusammen im großen Saal blieben. Inhaltlich ging es weiter um die "Ich bin"-Worte Jesu: Nach "Ich bin das Licht der Welt" vor den Winterferien und "Ich bin das Brot des Lebens" in der vorigen Woche kam diesmal "Ich bin die Tür" an die Reihe, und da die JAM-Leiterin erkältungsbedingt nicht gut bei Stimme war, hielt sie nicht die komplette Katechese "live", sondern griff auf ein schon ein paar Jahre altes YouTube-Video zurück, das ich hier kurzerhand mal teile, um meinen Lesern einen Eindruck von Stil und Methodik der JAM-Katechesen zu vermitteln: 

Der "Live"-Anteil an der Katechese beschränkte sich im Wesentlichen auf ein "Ergebnissicherungs"-Gespräch mit den Kindern, und ich stellte erfreut fest, dass meine Große dazu wieder ein paar sehr gute Wortmeldungen beisteuerte. Wenn ich das so beobachte, freue ich mich schon richtig auf den Erstkommunion-Unterricht im nächsten Schuljahr... 


Wie läuft's denn so mit dem Bibelleseplan? 

Wie unlängst schon berichtet, habe ich für das laufende Kalenderjahr ja den wohllöblichen Vorsatz gefasst, das ganze Alte Testament durchzulesen, mit Hilfe eines Bibelleseplans der EFG The Rock Christuskirche, der allerdings, um auch die dort teils aus konfessionellen Gründen weggelassenen, teils anscheinend einfach vergessenen Bücher darin unterzubringen, einige Modifikationen erfordert. Nun bin ich seit sechs Wochen dabei und denke mir, es ist Zeit für eine erste Zwischenbilanz – zumal meine Bemühungen, gegenüber dem Original-Zeitplan einen Vorsprung herauszuarbeiten, bereits messbare Erfolge gezeitigt hat: So habe ich eine Woche früher, als der Plan es vorsieht, mit dem Buch Exodus angefangen. – Mit den Geschichtsbüchern des Alten Testaments kenne ich mich ja eigentlich schon von Kindheit an recht gut aus (habe ich schon mal die Anekdote erzählt, wie ich zu meiner ersten eigenen Kinderbibel gekommen bin? Nein? Na, vielleicht ein andermal) und bin ja, wie berichtet, auch voriges Jahr mit meinem selbstauferlegten Bibellesepensum immerhin bis zum 1. Buch Samuel gekommen, aber trotzdem ist mir auf meiner aktuellen Lesereise durchs Alte Testament schon im Buch Genesis etwas aufgefallen, was ich vorher nie so richtig bemerkt habe: nämlich, dass sich an die Erzählung, wie Abraham bei den Eichen von Mamre Besuch von Gott (in dreifaltiger Gestalt, wenn man so will) bekommt, direkt das Strafgericht über Sodom und Gomorrha anschließt. Gott ist also praktisch schon auf dem Weg, Sodom zu zerstören, und schaut unterwegs bei Abraham vorbei; und nachdem Er mit ihm gegessen und ihm die Geburt eines Sohnes angekündigt hat, sagt Er im Wesentlichen: "So, ciao, ich muss los, Sodom vernichten." Und dann kommt der berühmte Dialog, in dem Abraham Gott die Zusage abringt, die Stadt zu verschonen, sofern Er mindestens zehn Gerechte in ihr findet. Was ich mit dieser Erkenntnis anfangen soll, weiß ich selbst nicht, aber ich finde es von der Erzählstruktur her irgendwie interessant. 

In der Abteilung "Weisheitsliteratur" bin ich mit dem Buch der Sprichwörter ganze neun (!) Wochen früher fertig geworden, als der Plan es vorsieht, und ich muss gestehen, dass mir dieses Buch stellenweise etwas redundant vorkommt. Einzelne Verse enthalten ja redaktionelle Hinweise, denen man entnehmen kann, dass es sich bei verschiedenen Abschnitten dieses Buches um Sammlungen seinerzeit gängiger Sprichwörter handelt, und dabei scheint es, dass in den einzelnen Abschnitten zuweilen mehrere Varianten desselben Sprichworts auftauchen; eine nachvollziehbare Ordnung (im Sinne einer thematischen Sortierung) kann ich in diesen Sammlungen vielfach nicht entdecken. Ein paar Verse habe ich mir jedoch notiert, da ich sie ausgesprochen bemerkenswert fand; so z.B. Kapitel 15, Vers 15

"Der Bedrückte hat lauter böse Tage, / der Frohgemute hat ständig Feiertag." 

Schön, oder? Und erinnert sich noch jemand an die "Man or Bear?"-Debatte, die ab Frühjahr 2024 durch die Sozialen Netzwerke tobte und die sich um die Frage drehte, ob Frauen, wenn sie allein im Wald sind, lieber einem Bären oder einem (fremden) Mann begegnen würden? Da frage ich mich nun, ob eigentlich irgendjemand auf die Idee gekommen ist, Spr 17,12 in die Debatte zu werfen: 

"Lieber einer Bärin begegnen, der man die Jungen geraubt hat, / als einem Toren in seinem Unverstand." 

In der kommenden Woche kann ich jedenfalls mit einem Buch der Bibel anfangen, das im Bibelleseplan der EFG The Rock Christuskirche gar nicht vorkommt, nämlich mit dem Buch Kohelet (auch genannt "Prediger Salomo"). Damit gedenke ich in zwei Wochen "durch" zu sein, und dann kommt das Hohelied dran, das im "The Rock"-Plan ebenfalls fehlt. Ich werde berichten! 


Geistlicher Impuls der Woche 

Das höchste Gut ist Gebet und Gespräch mit Gott: denn das ist Gemeinschaft und Vereinigung mit ihm. Wie die Augen des Leibes erleuchtet werden, wenn sie Licht sehen, so wird der Geist erleuchtet, wenn er sich auf Gott richtet, angestrahlt von seinem unsagbar hellen Licht. Ich meine aber ein Beten, das nicht nur gewohnheitsmäßig ist und eingeschränkt wird auf bestimmte Zeiten und Stunden, sondern ein Beten, das Tag und Nacht immer währt. Es genügt nicht, dass wir die Gedanken schnell auf Gott richten, wenn wir uns dem Gebet zuwenden. Auch wenn jemand mit gewissen Pflichten befasst ist oder mit der Sorge für die Armen und anderen Sorgen oder mit nützlichen Werken der Wohltätigkeit, immer soll er damit das Denken an Gott und das Verlangen nach ihm verbinden, damit sein Tun durch die Gottesliebe gleichsam wie mit Salz gewürzt (vgl. Kol 4,6) und so für den Herrn aller Dinge eine angenehme Speise wird. Durch das Gebet hoch in den Himmel erhoben, umarmt die Seele den Herrn mit unsagbar inniger Hingabe. Wie das Kind unter Tränen nach der Mutter ruft, verlangt die Seele nach der geistigen Milch (vgl. 1 Petr 2,2). Sie trägt ihre eigenen Bitten vor und erhält Gaben, die größer sind als alle sichtbare Schöpfung.

Das Gebet ist eine ehrwürdige Botschaft von Gott, es erfreut das Herz und macht die Seele still. Wenn ich von Gebet spreche, denke ich nicht an Worte. Es ist vielmehr ein Verlangen nach Gott, eine unsägliche Liebe, die nicht aus dem Menschen kommt, sondern von der göttlichen Gnade. Der Apostel schreibt: "Wir wissen nicht, wofür wir in der rechten Weise beten sollen: der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können" (Röm 8,26). Wenn der Herr jemandem dieses Gebet schenkt, dann ist das für ihn ein Schatz, der ihm nicht genommen werden kann, eine Speise vom Himmel, welche die Seele sättigt. Wer von ihr genießt, dessen Herz wird von ewiger Sehnsucht nach Gott wie von einem heißen Feuer entzündet.

(Johannes Chrysostomus, Predigt über das Gebet) 


Ohrwurm der Woche 

The La's: There She Goes 

Ein weiteres Fundstück aus dem schon vorige Woche erwähnten YouTube-Beitrag zum Thema "Bands aus den 90ern, die 'das nächste große Ding' hätten werden können,  es dann aber doch nicht wurden". Ich muss gestehen, ich kannte den Song ursprünglich nur in der rund ein Jahrzehnt später entstandenen Coverversion von Sixpence None the Richer (habe ich schon mal erwähnt, dass das eine christliche Band ist? – Äh, ja, habe ich). Die Version ist zwar ganz süß, gehört aber ehrlich gesagt zu der von mir am wenigsten geschätzten Sorte von Coverversionen, nämlich der Sorte "Gar nicht mal so sehr anders als das Original, nur nicht ganz so gut". Am Original gefällt mir der rauere und kantigere Sound; gar nicht zufrieden war damit hingegen der Frontmann der Band, Lee Mavers, der am liebsten das ganze Album noch einmal neu eingespielt hätte – was dazu führte, dass die Band sich zerstritt. Aus heutiger Sicht gelten The La's als Vorläufer des Brit-Pop-Hypes der 90er, und es hat durchaus einen gewissen Reiz, sich ein Paralleluniversum vorzustellen, in dem sie – anstelle von Oasis – die größte Band dieses Jahrzehnts geworden wären. 



Vorschau/Ausblick

Wie vorige Woche schon angekündigt, war heute ein außerordentlich ereignisreicher Tag: Ich war von morgens bis nachmittags bei einem "Bewerber:innentag" des Erzbistums Berlin für pastorale Berufe, und im selben Zeitraum war meine Liebste bei einem Einkehrtag für Frauen, der an einer freikirchlichen Gemeinde in Schöneberg stattfand. Währenddessen übernahmen meine Schwiegermütter die Betreuung der Kinder; zeitweilig war im Gespräch gewesen, dass sie mit den Kindern zu den KPE-Wölflingen in Schöneberg gehen würden, wo heute der "BiPi-Tag" (der Geburtstag von Lord Baden-Powell und seiner Frau Olave) gefeiert wurde, aber unser Jüngster erklärte, er habe darauf keine Lust – was vielleicht teilweise dadurch bedingt war, dass es "nur" ein Wölflingstreffen, also ohne paralleles Wichtelgruppentreffen, war und er nicht nur ein Anhängsel seiner großen Schwester sein wollte (die ihrerseits sagte, sie habe zwar Lust, bestehe aber nicht darauf, dort hinzugehen). Mein Eindruck war, meinen Schwiegermüttern kam das ganz gelegen, und so fuhren sie mit den Kindern stattdessen zum "Holland-Park" in Schwanebeck. Aber so oder so dürfte es nächste Woche so allerlei über diesen Samstag zu berichten geben. 

Für den morgigen 1. Fastensonntag haben wir nichts Besonderes  geplant, außer "ganz normal" in St. Joseph Siemensstadt in die Messe zu gehen; ich habe das Gefühl, solche "ganz normalen" Sonntage sind in letzter Zeit selten geworden. Von Montag bis Donnerstag trifft sich die Deutsche Bischofskonferenz in Würzburg zu ihrer Frühjahrsvollversammlung und wird im Zuge dessen auch einen neuen Vorsitzenden wählen; darüber, wer das wird, darf noch spekuliert werden, aber viel schlimmer als Bischof Bätzing kann der Neue eigentlich kaum sein. – Und was ist währenddessen bei uns so los, abgesehen von Schule, KiTa, Omatag und Kampfsport? Am Mittwoch ist JAM, da geht's voraussichtlich mit den "Ich bin"-Worten weiter, und anschließend trifft sich der Arbeitskreis Kinderwortgottesdienst in kleiner Besetzung und informellem Rahmen, denn fürs nächste Wochenende gibt es jede Menge zu planen und zu erwägen: Am Samstag steht der weitgehend improvisierte RKT zum Thema Schöpfung auf dem Programm und am Sonntag der KiWoGo zur Verklärung Christi. Dazwischen, nämlich am Samstagabend, ist auch noch "General Meeting" im Baumhaus – mal sehen, ob ich es dahin schaffe, sei es mit der Familie oder ohne. Langweilig wird's jedenfalls nicht... 


Samstag, 14. Februar 2026

Utopie und Alltag 12: Brot und Salz

Die erste von sieben Schul- und Arbeitswochen zwischen Winter- und Osterferien ist schon wieder rum, Leser; und das war eine recht ereignisreiche Woche – so sehr, dass ich nicht dazu gekommen bin, mich mehr als nur oberflächlich mit dem Thema "Missbrauch bei den Pfadfindern" zu befassen (kommt aber noch!), und auch wenn nicht alles, was in der zurückliegenden Woche so los war, blogrelevant war, haben mir einige der Themen der Woche so viel zu reflektieren gegeben, dass ich ein paar andere Themen aus Zeit- und Platzgründen weglassen bzw. verschieben musste. Herausgekommen ist dabei ein Wochenbriefing, dessen Themenschwerpunkte den Anschein erwecken könnten, ich wäre schon mittendrin in der Ausbildung zum Gemeindereferenten --- aber seht selbst! 

Kalt erwischt 

Nachdem ich vorige Woche zu Protokoll gegeben hatte, bei unserer Abreise in den Urlaub habe Berlin sich uns von seiner schlechtesten Seite gezeigt, war auch der Empfang, der uns bei unserer Rückkehr zuteil wurde, etwas unterkühlt. Das lag nicht an den Außentemperaturen, die am Freitag deutlich milder waren als in der gesamten vorangegangenen Woche und der Woche davor; aber als wir buchstäblich mitten in der Nacht in unserem Zuhause ankamen (wir hatten sowieso schon eine ziemlich späte Zugverbindung gebucht, und dann hatte der Zug, in den wir in Hannover umsteigen wollten und mussten, auch noch fast eine Stunde Verspätung), stellten wir fest: Ganz schön kalt hier. 12 Grad, um genau zu sein. Was war passiert? – Keine Bange, das Gas war uns nicht abgestellt worden, aber die Flamme der Gastherme war ausgegangen. Das kann schon mal vorkommen, und wenn es passiert, während man zu Hause ist, und man es schnell bemerkt, ist das nicht so wild: Man drückt auf einen Knopf, dann geht's wieder. Passiert es aber, während man fünf Tage weg ist, und das in der kältesten Zeit des Jahres, dann... nun ja. Nachdem die Heizung wieder lief, dauerte es die ganze restliche Nacht, bis es wieder einigermaßen warm in der Wohnung war, und den Großteil des nächsten Tages, bis wieder eine normale Raumtemperatur herrschte. 

Durch solche Misshelligkeiten ließen wir uns indes nicht davon abhalten, am Samstag wie geplant die Kinderzimmer-Neugestaltung in Angriff zu nehmen. Und gemessen daran, wie uns vor dieser Arbeit gegraut hatte, kamen wir ziemlich gut voran damit. 

Hier entstehen Platz und Sauberkeit für eine Neuanordnung der Kinderzimmermöbel. Die Kisten und Kartons in der Bildmitte dienen der thematischen Vorsortierung des im Zimmer verstreuten Spielzeugs.

Einen Tag später sah es dann schon so aus.

Die gegenüberliegende Ecke des Zimmers machte erheblich mehr Arbeit: Die hier zu sehenden Möbel sollten ausrangiert und durch neue ersetzt werden.

Fertig geworden sind wir mit der Kinderzimmer-Neugestaltung noch nicht, aber der erreichte Zwischenstand hat schon erfreuliche Auswirkungen gezeitigt, zum Beispiel, dass die Kinder sich fröhlich mit Spielsachen beschäftigen, von denen sie vermutlich schon gar nicht mehr wussten, dass sie sie haben, und sie abends auch selbständig wieder aufräumen. Nächste Woche geht's weiter... 


Salz der Erde und Blasiussegen 

Am Sonntagmorgen fühlte meine Liebste sich erkältet, erschöpft vom Räumen im Kinderzimmer und hatte Kopfschmerzen, daher beschloss sie, lieber zu Hause zu bleiben und sich auszuruhen; unser Jüngster wollte daraufhin partout bei ihr bleiben, aber wenigstens das Tochterkind konnte ich überzeugen, mit mir in die Kirche zu gehen. Ich schätze, ein bisschen exklusive Vater-Tochter-Zeit tat uns beiden gut, jedenfalls unterhielten wir uns auf dem Weg nach Siemensstadt und zurück gut, und in der Messe – die vom Spandauer Krankenhausseelsorger zelebriert wurde – war sie aufmerksamer, fokussierter als sonst oft, was sicherlich zu einem gewissen Anteil daran lag, dass sie und ihr kleiner Bruder sich nicht gegenseitig ablenken konnten. 

Das Evangelium vom Tag war Matthäus 5,13-16 – das Doppelbildwort vom Salz und vom Licht –, und auch wenn es sich bei dem Zelebranten bekanntermaßen nicht um meinen Lieblingsprediger handelte, war ich doch gespannt, was er dazu zu sagen haben würde. Die erste Hälfte seiner Predigt, oder etwas mehr als die Hälfte, bezog sich allerdings auf die 1. Lesung, Jesaja 58,7-10: "Brich dem Hungrigen dein Brot, nimm obdachlose Arme ins Haus auf; wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn, und entziehe dich nicht deiner Verwandtschaft." Der herrschenden Meinung der historisch-kritischen Exegese folgend, ordnete der Geistliche diesen Teil des Jesajabuches in die nachexilische Zeit ein: Der Prophet spreche hier in eine Situation hinein, in der "die mühsame Realität des Alltags" das aus Babylon zurückgekehrte Volk Israel "im Gelobten Land eingeholt" habe. Auf unsere Gegenwart bezogen, stellte die Predigt besonders die gesellschaftspolitische Relevanz dieser prophetischen Mahnung heraus: 

"Wir können darauf nicht verzichten, auch nicht im Deutschland unserer Tage – auch wenn wir sicherlich in vernünftiger Weise die Leistung eines jeden Menschen fördern dürfen und müssen und auch Leistung einfordern dürfen, darf dies nicht ausgespielt werden gegen die bleibende empathische Gesellschaft, solidarische Gesellschaft. Es muss immer die Bereitschaft bleiben, mit dem Hungrigen das Brot zu teilen, Obdachlosen ein Dach über dem Kopf zu geben, Nackte zu bekleiden und sich seiner Verwandtschaft und seinen Freunden nicht zu entziehen. Und es war schon immer Mode der Menschen, wenn sie in die Bedrängnis kommen, wenn es schwerer wird, zu sagen: Na, ich muss erst mal an mich selber denken, muss erst mal schauen, wie ich irgendwie durchkomme, und dann kommt erst mal eine Weile nüscht. – Aber dann wird die Gesellschaft immer ärmer und immer schwieriger, und auch der Einzelne, dem geht's dadurch nicht besser. Denn wir alle sind immer auf die Hilfe und Solidarität anderer angewiesen. Und so dürfen wir auch in schwierigeren Zeiten diese Solidarität nicht schleifen lassen." 

Politischer, oder sagen wir: offensichtlicher politisch wird's in den Predigten in dieser Gemeinde eigentlich nie, und das finde ich auch ganz gut so. Richtig spannend wurde es dann aber, als der Priester "eine letzte Bemerkung zum Evangelium" ankündigte. Hier hob er hervor, wenn Jesus sage "Ihr seid das Licht der Welt", sei das eine notwendige Ergänzung dazu, dass Er an anderer Stelle über sich selbst sage "Ich bin das Licht der Welt": Wir dürfen nicht alles nur von Jesus erwarten, sondern müssen uns bewusst sein, dass wir als getaufte und gefirmte Christen einen Auftrag haben, selbst daran mitzuwirken, das Licht Christi in die Welt zu tragen: "Wir alle sind gefordert und wir sind begabt durch Gottes Gnade und Fähigkeiten." – Normalerweise bin ich ja geneigt, die Botschaften, die der Spandauer Krankenhausseelsorger den Hörern seiner Predigten mitgibt, als "volkskirchlich konservativ unter leicht liberalem Anstrich" einzuordnen, aber in dieser Predigt zeigte er überraschend #benOppige Tendenzen – so etwa, indem er betonte, es könne nicht die Aufgabe der institutionellen Kirche sein, ihren Mitgliedern ständig hinterherzulaufen und alles Mögliche anzustellen, um sie irgendwie bei der Stange zu halten; stattdessen sei jeder einzelne Gläubige gefordert, mit seinem persönlichen Leben "Salz in der Suppe" zu sein, und das heiße, 

"dass wir den Geschmack nicht verlieren und dass andere durch unser Engagement und unser Leben auf den Geschmack kommen, auf den Geschmack Gottes und den Geschmack des Himmels. Und dann ist Kirche lebendig und dann läuft vielleicht auch manches anders." 

Dieses Thema griff er im weiteren Verlauf der Messe, von der Einleitung zum Friedensgruß bis hin zu seinen Schlussworten, noch mehrfach auf, und auch wenn ich bekanntlich kein Fan davon bin, wenn die Predigt in andere Teile der Liturgie hinein wuchert, schließt das ja nicht aus, dass dabei Richtiges und Bedeutendes gesagt werden kann. So zitierte er Karl Rahner mit dem Satz "Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein, oder er wird nicht mehr sein" und den unlängst zum Kirchenlehrer John Henry Newman mit der Aussage "Ich sehe eine Zeit weit verbreiteten Unglaubens kommen" – und führte dazu aus:

"Und man begegnet diesem Unglauben, dem Fernbleiben nicht dadurch, dass man manchmal krampfhaft alles Mögliche anstellt, wie das Vereine machen, sondern man wird nicht anders können, als die mystische, die eigentliche Seele der Kirche zum Leuchten zu bringen. Das ist der Glaube, die Feier der Sakramente, die Verkündigung des Evangeliums, die Bereitschaft zur Diakonie, Trost und Hilfe zu spenden – und dass wir alle teilnehmen an dieser Sendung." 

Dass die Kirche kleiner werde, weil sie ihre weniger überzeugten, weniger engagierten Mitglieder nicht mehr halten könne, sei, so fügte er hinzu, etwas, worauf man sich einstellen müsse. – Bezeichnend fand ich es, dass dem Priester kurz vor Schluss plötzlich einfiel, dass die Messe ja auf YouTube gestreamt wird, und er daraufhin prompt etwas Angst vor der eigenen Courage bekam: Es wäre womöglich problematisch, meinte er, wenn das, was er da gerade ausgeführt habe, "woanders noch gehört wird". 

Zum Abschluss der Messe gab es den Blasiussegen, was angesichts der grassierenden Erkältungswelle natürlich sehr gelegen kam, und ich nahm mit Freude wahr, wie gespannt und fasziniert meine achtjährige Tochter das Zeremoniell der Segensspendung beobachtete. Ich habe es bei anderer Gelegenheit schon mal angesprochen, aber ich glaube wirklich, vielen Leuten ist überhaupt nicht klar, was für einen Schatz die Kirche in ihren Ritualen und Zeremonien besitzt. 


"Warum machst du nicht mal 'nen Podcast, Tobi?" 

Ich erwähnte es vorige Woche schon: Am Rande der jüngsten Community Networking Night im Baumhaus hat mir der Betreiber desselben eifrig zugeredet, ich solle doch mal einen Podcast machen, wenn nicht anstelle meines Blogs, dann eben zusätzlich. Der Gedanke hat mich seither nicht so ganz losgelassen, und da ich mich daran erinnerte, dass ich schon vor Jahren gelegentlich mal Beiträge für Radio Horeb ohne weitere technische Hilfsmittel auf meinem Handy eingesprochen hatte, dachte ich mir: Was soll's, probieren wir's einfach mal. Ein Thema für die "Nullnummer" stellte sich ebenfalls wie von selbst ein, in Gestalt des Buches "Die Wesermarsch während der Dänenzeit" von Jens Schmeyers, das bei meiner Mutter auf mich wartete, als wir diese in den Winterferien besuchten. Wie und warum dieses Buch in meinen Besitz gelangt ist, was die "Dänenzeit" ist bzw. war und so weiter, erkläre ich im Podcast und möchte es daher hier nicht lang und breit wiederholen, aber jedenfalls kann ich sagen, dass mir zu diesem Buch eine ganze Menge eingefallen ist – so viel, dass die am vergangenen Mittwoch erschienene "Nullnummer" meines Podcasts (mit dem Titel "It's Dänenzeit and the Feeling's Right") unversehens über zwei Stunden lang geworden ist. In Zukunft sollte ich mir wohl überschaubarere Themen vornehmen, damit die einzelnen Folgen nicht so lang werden. 

Erwähnen will ich indes noch, dass ich mit dem Gedanken gespielt habe, meinen Podcast "Just Talk Shit" zu nennen – nach dem Rat, den Scott aus dem Baumhaus mir gegeben hat. Aber da hätte sich bestimmt wieder jemand beschwert. Also heißt er jetzt vorerst einfach "Der Mittwochsklub-Podcast" und wird in Zukunft, je nachdem wie die Dinge sich entwickeln, vielleicht mal "Der Huhn meets Ei-Podcast" heißen. Zu finden ist der Podcast auf der Mittwochsklub-Patreon-Seite, der Zugang ist bis auf Weiteres kostenlos, aber ich möchte dennoch nicht die Gelegenheit versäumen, darauf hinzuweisen, dass die Plattform Patreon eigentlich dafür konzipiert ist, die jeweiligen Content Creators finanziell zu unterstützen – mit einem Beitrag ab 5 € im Monat. Dafür gibt's auch allerlei Premium-Content, aber wie ich immer gern sage, wenn das als Anreiz nicht ausreicht, dann kann man es auch als solidarischen Akt betrachten: Jeder, der für die Patreon-Seite zahlt, leistet einen Beitrag dazu, dass dieser Blog für den Rest der Welt kostenlos bleibt! 

Das Thema für die nächste Podcastfolge – die eigentliche Nr. 1 also, die, wenn's gut läuft, am kommenden Mittwoch erscheinen soll – steht auch schon fest, nämlich "100 Jahre offene Kirche Herz Jesu Tegel"; in Wirklichkeit sind es erst 25 oder jetzt wohl bald 26 Jahre, aber "100 Jahre" klingt einfach besser, und wir wollen mal hoffen, dass es noch 100 Jahre werden


Kleine Brötchen: JAM vs. Erstkommunionkatechese

Am Mittwoch war wieder JAM, und da gingen wir natürlich hin; erstmals in diesem Jahr gab es in der "gleitenden Ankunftsphase" mal wieder ein Bastelangebot, und danach erklärte unser Jüngster, er wolle, dass ich mit ihm nach oben zum Programm für die "Minis" (also für die Vorschulkinder) gehe. Na gut, dachte ich mir, da habe ich immer noch mehr Lust drauf als aufs Elterncafé. Am liebsten wäre ich aber natürlich zum Programm für die größeren Kinder gegangen – umso mehr, als es in der Katechese diesmal um die Wundersame Brotvermehrung ging, und zwar in der Version des Johannesevangeliums. Bei den "Minis" wurde diese Perikope im Wesentlichen nur nacherzählt, und zur Veranschaulichung erhielt jedes Kind ein kleines Stück Milchbrötchen. Dass Jesus im Zusammenhang mit der Brotvermehrung sagt "Ich bin das Brot des Lebens" (Joh 6,35), wurde durchaus erwähnt, aber lediglich metaphorisch gedeutet, also in etwa: "Genauso wie man Brot für das tägliche Leben braucht, braucht man Jesus für das ewige Leben, d.h. um in den Himmel zu kommen". Man mag sagen, das sei in einer evangelischen Freikirche kaum anders zu erwarten gewesen, aber im Nachhinein dachte ich mir doch: Abendmahl feiern die doch auch in ihrem Gottesdienst, wenn auch vielleicht nur einmal im Monat; und auch wenn das ihrem Verständnis nach bloß eine symbolische Handlung ist, könnte man es vielleicht doch verwunderlich finden, dass in einer Katechese zu Johannes 6 überhaupt kein Bezug zum Abendmahl hergestellt wird. Nochmals darüber nachgedacht, ist es aber vielleicht weniger verwunderlich als bezeichnend: Stellt man nämlich einen Zusammenhang zwischen der "Brotrede" in Joh 6,22-59 und den Einsetzungsworten beim Letzten Abendmahl her, dann deutet dieser Zusammenhang doch recht stark in Richtung Realpräsenz, und das ist für Konfessionen, die nicht an die Realpräsenz glauben, wohl ein plausibler Grund, diesen Zusammenhang nicht herzustellen. – Jedenfalls war ich nun natürlich neugierig, wie das Thema wohl bei den größeren Kindern gestaltet worden war, sonderlich viel wusste mein Tochterkind mir zunächst allerdings nicht darüber zu berichten, außer dass es auch da Milchbrötchen zu essen gab – zusätzlich aber auch Brötchen gebacken wurden, was ja, wie man so hört, auch in der Erstkommunionkatechese eine beliebte Aktivität ist. Ich hatte zu diesem Thema schon vor Jahren mal einen Absatz aus dem Buch "Nightfever. Theologische Grundlegungen" zitiert, der mit der Feststellung begann "Es wird immer noch ganz viel Brot gebacken in der Eucharistiekatechese und immer noch zu wenig von der realen und substantialen Gegenwart des Herrn gesprochen, der unter den eucharistischen Gestalten die Gemeinschaft seiner Kirche aufbaut". Erneut daran erinnert wurde ich im letzten Sommer durch eine Instagram-Story von Horse & Hound, von der ich zur späteren Verwendung einen Screenshot angelegt habe: Da berichtete der damals noch alleinige Seitenbetreiber Thomas H. aus G., er habe neulich "eine Kollegin getroffen", die "beklagt, dass sich die Seelsorgenden [sic] in der Erstkommunion-Vorbereitung vor allem um die Vermittlung von 'Glaubenswissen' kümmern würden". Meine spontane Reaktion darauf war, das sei ja mal wieder typisch PUU, und nach allem, was ich so über die landläufige Praxis der Erstkommunionvorbereitung wisse, werde da ja wohl eher zu wenig Glaubenswissen vermittelt. Aber dann sagte ich mir, ich sollte besser mal keine voreiligen Schlüsse darüber ziehen, worauf die besagte Kollegin mit ihrem Stoßseufzer hinaus wolle, und lieber erst mal weiterlesen. Und so las ich: 

"Sie meinte: 'Hier in der Stadt werden 90% aller Ehen geschieden. Die Welten unserer Kinder zerbrechen und wir reden mit den Kindern übers Brotbacken?'" 

Was sollen wir nun hierzu sagen (Röm 6,1)? Versuchen wir das mal zu "entpacken": Wenn die Dame damit sagen will, dass es ein wichtiger Aspekt von Kinderkatechese sein könnte und sollte, die Kinder in ihrer Lebensrealität, auch in ihrer konkreten individuellen Lebenssituation wahrzunehmen und auf sie einzugehen, und dass dieser Aspekt vielfach vernachlässigt wird, weil Kinderkatechese nach Schema F gemacht wird, dann mag sie wohl Recht haben. Aber dass sie "übers Brotbacken reden" kurzerhand mit "Vermittlung von Glaubenswissen" gleichsetzt, hat dann doch etwas Tragikomisches. Ich möchte da nochmals auf den weiter oben schon zitierten Absatz aus dem Nightfever-Buch zurückverweisen: Das Problematische an der Brotbackerei im Erstkommunionunterricht ist, dass da zunächst einmal nur "das Symbol in seinem menschlichen Gehalt erschlossen" wird und die Gefahr besteht, dass dies als "ein rein horizontaler Vorgang" wahrgenommen wird: 

"Brot ist zum Essen da, und beim Herstellungsvorgang sowie beim Verzehr entsteht, wenn es gut geht, Gemeinschaft. [...] Was wirklich deutlich werden muss, ist, dass die Gabe des Brotes nicht nur dem irdischen Leben dient, sondern Symbol für die Hingabe Jesu Christi an uns als Speise zum ewigen Leben. Das ist nicht unmöglich. Es müsste nur gemacht werden." 

– Übrigens teilte unser Tochterkind uns schließlich noch mit, in der Katechese für die größeren Kinder habe die JAM-Leiterin gesagt, wenn Jesus von sich selbst als dem "Brot des Lebens" spreche, sei das "natürlich" nicht so zu verstehen, dass man "Butter auf Ihn draufschmieren und Ihn aufessen" könne. Daraufhin fanden meine Liebste und ich es dann doch ratsam, vor dem Schlafengehen noch eine kleine Nachbesprechung zum JAM abzuhalten und darauf hinzuweisen, dass wir glauben, Jesus habe tatsächlich gemeint, dass wir Seinen Leib (in Gestalt von Brot) essen sollen, und dass wir das in der Kommunion tun. Zu unserer Großen sagte ich in diesem Zusammenhang auch, dass sie ja nach den Sommerferien mit dem Erstkommunion-Unterricht anfangen und dann noch mehr und Genaueres zu diesem Thema lernen werde. (Wozu übrigens anzumerken ist, dass ich entschieden die Absicht habe, in der Erstkommunionkatechese meiner Kinder – also erst einmal eines Kindes, das andere hat ja noch ein paar Jahre Zeit – auch persönlich "mitzumischen". In welcher Form und welchem Umfang genau, muss sich noch zeigen.) Bemerkenswert fand ich, dass das Tochterkind im Zuge dieses Gesprächs von sich aus anmerkte, man brauche Jesus ja nicht nur für das ewige Leben, sondern Er mache auch jetzt schon das Leben besser. – Im Übrigen war am Abend zuvor die Lourdes-Novene zu Ende gegangen, und nun überraschten mich meine Kinder mit dem Wunsch, eine neue Novene anzufangen. Daraufhin musste ich erst mal schauen, was für eine Novene denn jetzt "dran" wäre; und siehe da, am 20. Februar ist der Gedenktag der Seherkinder von Fátima, Jacinta und Francisco Marto, und natürlich findet man Novenen zu diesem Anlass im Netz. Also ist jetzt nach der Lourdes- eine Fátima-Novene dran. Mal sehen, was danach kommt... 


Aufbrechen wie Abraham: Neues vom Projekt "Religiöse Kindertage"

Am Donnerstagabend fand im Gemeindehaus von St. Stephanus in Haselhorst das Vorbereitungstreffen für den nächsten "Religiösen Kindertag" statt, das ursprünglich schon für zwei Wochen vorher anberaumt worden war, aber wegen krankheitsbedingter Absagen hatte verschoben werden müssen. Gut für mich, denn am ursprünglichen Termin hätte ich nicht teilnehmen können. – Schon das Vorbereitungstreffen zur ersten Veranstaltung des Formats "Religiöse Kindertage" in St. Stephanus – an dem ich nicht hatte teilnehmen können, weil ich da im Urlaub war – hätte, wie ich seinerzeit notierte, eigentlich unter dem Motto "Beten – Planen – Essen" stehen sollen, aber wie der Gemeindereferent mir hinterher berichtete, hatte sich gezeigt, dass den anderen Teilnehmern der Leitgedanke, die Planungsarbeit für das neue Projekt im Gebet zu verankern, eher fremd war, und so war das Beten ein bisschen kurz gekommen. Nun sollte es in dieser Hinsicht einen neuen Anlauf geben. 

An dem Treffen an diesem Donnerstag nahmen insgesamt sieben Personen teil – vier junge Erwachsene, von denen drei schon beim ersten RKT im November mitgewirkt hatten (den vierten kannte ich vom Jugendeinkehrtag letztes Jahr vor Ostern) und drei nicht mehr so junge Erwachsene, darunter der Gemeindereferent und ich. Die jungen Leute kamen allerdings sämtlich etwas zu spät, weshalb wir mit der "geistlichen Einstimmung" schon mal ohne sie anfingen: Wir sangen ein paar Lieder, wozu ich ein bisschen auf der alten Gitarre spielte, die im Gemeindesaal von St. Stephanus zum Inventar gehört, und als dann alle eingetrudelt waren, begannen wir eine (vom Gemeindereferenten "anmoderierte") Gebetsrunde. Es war deutlich zu bemerken, dass freies Beten allen Beteiligten, besonders aber den Jüngeren, eher ungewohnt war; aber es war ein Anfang. Zum Abschluss der Gebetsrunde wurde ein Gebet aus dem Gotteslob (Nr. 7,7, "Du bist heilig, Herr, unser Gott" vom Hl. Franz von Assisi) gemeinsam gesprochen, da fühlten sich alle wieder in sicheren Gewässern. 

Für den anstehenden Religiösen Kindertag – in zwei Wochen, am 28. Februar – war ja das Thema "Raus dem Alltag, rein ins Abenteuer – mit Abraham ins Heilige Land" geplant, und dazu gab es erst einmal eine "Bibelarbeit": Der Gemeindereferent hatte für jeden Teilnehmer auf einer DIN-A-4-Seite die Verse Genesis 12,1-9 ausgedruckt und stellte nun verschiedene Methoden vor, an diesem Text zu arbeiten: Die eine Option war, einen "Sehtext" zu gestalten (diese Methode kannte ich schon vom Jugendeinkehrtag her, sie wurde aber nur von einem Teilnehmer gewählt), die andere, miteinander ein "Schriftgespräch" zu führen, indem jeder auf seinen Blatt Anmerkungen, Fragen oder Assoziationen zum Text an den Rand schreibt und das Blatt dann an den Sitznachbarn weitergibt, der auf diese Randnotizen "antworten" oder eigene hinzufügen kann. Als angehender Religionspädagoge (hihi) fand ich diese Methode sehr interessant, und sie erbrachte auch durchaus bemerkenswerte Ergebnisse; nicht unerwähnt lassen möchte ich indes, dass am Beginn dieser "Bibelarbeit" der Wunsch an den Gemeindereferenten herangetragen wurde, ein bisschen Kontext zu dieser Bibelstelle zu referieren, "weil wir alle nicht so bibelfest sind, außer vielleicht Tobias". Lassen wir das mal so stehen... 

Nach der "Bibelarbeit" wurde erst mal gemeinsam gekochtOne-Pot-Hähnchencurry mit Reis – und dann gemeinsam gegessen, und während des Essens wurde Organisatorisches besprochen, zum anstehenden RKT wie auch zur diesjährigen Religiösen Kinderwoche in den Sommerferien – ein Thema, auf das zu gegebener Zeit noch zurückzukommen sein wird. Was den RKT-Termin in zwei Wochen angeht, stellte sich indes heraus, dass beinahe das gesamte Team – bis auf den Gemeindereferenten und mich – da gar nicht da ist, weshalb der Beschluss gefasst wurde, das Abraham-Thema lieber auf Ende März zu verschieben. Der Termin am 28. Februar soll aber trotzdem nicht einfach ausfallen, also werden wir da wohl in reduzierter Besetzung etwas improvisieren müssen. Wahrscheinlich zum Thema Schöpfung bzw. Adam und Eva. Ich werde berichten... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Der Verlust der Hoffnung hat seinen Grund in dem Versuch, eine Anthropologie ohne Gott und ohne Christus durchzusetzen. Diese Denkart hat dazu geführt, den Menschen "als absoluten Mittelpunkt allen Seins zu betrachten, indem man ihn fälschlicherweise den Platz Gottes einnehmen ließ und dabei vergaß, dass nicht der Mensch Gott erschafft, sondern Gott den Menschen erschafft. 

Das Vergessen Gottes hat zum Niedergang des Menschen geführt. Es wundert daher nicht, dass in diesem Kontext ein großer Freiraum für die Entwicklung des Nihilismus im philosophischen Bereich, des Relativismus im erkenntnistheoretischen und moralischen Bereich, des Pragmatismus und sogar des zynischen Hedonismus in der Gestaltung des Alltagslebens entstanden ist. Die europäische Kultur erweckt den Eindruck einer "schweigenden Apostasie" seitens des satten Menschen, der lebt, als ob es Gott nicht gäbe.

(Johannes Paul II., Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 9


Ohrwurm der Woche 

Screaming Trees: Nearly Lost You 

Diesen Song kenne ich ursprünglich vom Soundtrack-Album zu Cameron Crowes Spielfilm "Singles" aus dem Jahr 1992, womit dies nach "State of Love and Trust" von Pearl Jam (in "Grüße aus dem Corona-Park #3", April 2020) und "Waiting for Somebody" von Paul Westerberg (im "Creative Minority Report" Nr. 6, Dezember 2023) schon mein dritter "Ohrwurm der Woche" ist, der auf dieser Platte bzw. in diesem Film vertreten ist. In Erinnerung gerufen hat mir den Song indes ein YouTube-Video über "Bands aus den 90ern, die 'das nächste große Ding' hätten werden können, es dann aber doch nicht wurden"; ein Video übrigens, aus dem durchaus noch der eine oder andere weitere "Ohrwurm der Woche" hervorgehen könnte. Tatsächlich wird die Gruppe Screaming Trees zwar zu den Pionieren des Grunge-Genres gezählt, aber nach ihrem Durchbruch mit dem Album "Sweet Oblivion" (1992), auf dem der Song "Nearly Lost You" enthalten war, brauchte die Band vier Jahre, um ein weiteres Album herauszubringen, und inzwischen war der Grunge-Boom vorbei. Tja, schade. 


Vorschau/Ausblick 

Die Karnevalssaison geht ihrem Höhepunkt entgegen, und dieser Umstand hat uns am heutigen Samstag ein Termin-Dilemma beschert: Einerseits war Kinderfasching in St. Bernhard Tegel-Süd, da war meine Liebste voriges Jahr mit den Kindern, während ich in Sachen Pfarrhausfamilie unterwegs war, und unser Jüngster hat sich da mit einem etwa gleichaltrigen Jungen angefreundet; diese Freundschaft hat sich übers Jahr gut entwickelt, wir verstehen uns auch mit den Eltern sehr gut, und nun wollten die Jungs natürlich wieder zusammen Kinderfasching feiern. Gleichzeitig war aber auch Kinderfasching in der Gemeinde St. Norbert in Schöneberg, und dazu waren die KPE-Wölflinge sozusagen kollektiv eingeladen; oder anders ausgedrückt, zugunsten der gemeinsamen Teilnahme an der Faschingsfeier fiel das "normale" Meutentreffen aus. Theoretisch hätten wir uns nun aufteilen können, ein Elternteil geht mit dem Jüngsten nach St. Bernhard, das andere mit der Großen nach St. Norbert, aber so richtig ideal fanden wir das alle nicht, und hinzu kam, dass die Faschingsfeier in St. Norbert unter dem Motto "Arche Noah" stand und unser Tochterkind dafür kein geeignetes Kostüm hatte. Also entschieden wir uns doch lieber dazu, alle zusammen zum Kinderfasching in St. Bernhard zu gehen; darüber berichte ich dann beim nächsten Mal. – Zum Ausgleich für das ausgefallene Wölflingstreffen in Schöneberg wollen wir morgen wieder zu den KPE-Wölflingen und -Wichteln in Gesundbrunnen, und das heißt, dass wir planen, in St. Afra in die "Alte Messe" zu gehen; da haben wir wohl die größtmögliche Sicherheit, am letzten Sonntag vor Beginn der Fastenzeit von einer Karnevals-"Liturgie" mit Schunkelliedern und gereimter Predigt verschont zu bleiben. Ausgestanden ist das Thema Karneval damit aber noch nicht, denn am Rosenmontag ist ist antifaschistischer, kultursensibler Fasching in der Schule des Tochterkindes, am Dienstag feiert die KiTa des Jüngsten Fasching, dafür hat sie tags darauf geschlossen, aber nicht wegen Aschermittwoch, sondern wegen einer Mitarbeiterfortbildung. Ich schätze, das ist eine gute Gelegenheit, mal wieder mit dem Jüngsten in St. Marien Maternitas in die Messe zu gehen – die, dem Zelebrationsplan der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd zufolge, von Pater Mephisto zelebriert wird. 

– Und wie steht es mit guten Vorsätzen für die Fastenzeit? Sagen wir so: Im Vergleich zum Vorjahr wäre es schon ein Fortschritt, wenn ich an meinem Bibelleseplan dranbliebe (dazu, wie es damit läuft, gibt es folgerichtig nächste Woche ein Update); davon abgesehen hatte ich in der vorigen Fastenzeit damit begonnen, möglichst jeden Werktag mit Invitatorium und Laudes (plus Kaffee) zu beginnen, dies dann aber auch über die Fastenzeit hinaus beibehalten – und nun bin ich mir recht unsicher, ob es nun ein realistischer Vorsatz für die diesjährige Fastenzeit ist, darüber hinaus noch eine weitere Hore des Stundengebets in meinen Tagesablauf zu integrieren. Was ich hingegen sehr gern mal wieder machen würde, wäre "Beten mit Musik" – und zur Eucharistischen Anbetung gehen. Wir werden sehen, was daraus wird. 

Am kommenden Samstag ist dann volles Programm: Ich bin beim "Bewerber:innentag" des Erzbistums Berlin für pastorale Berufe, und gleichzeitig ist meine Liebste bei einem Einkehrtag für Frauen in der EFG Schöneberg, zu dem eine JAM-Mitarbeiterin sie eingeladen hat. – Und was machen die Kinder währenddessen? Die gehen mit den Omas zu den Pfadfindern. So jedenfalls der Plan. Das verspricht alles recht spannend zu werden, aber berichten werde ich darüber wohl erst im übernächsten Wochenbriefing können. 


Samstag, 7. Februar 2026

Utopie und Alltag 11: Des einen Auszeit ist des anderen Eiszeit

Moin und Ahoi, hochgeschätzter Leser: Einen Großteil des Berichtszeitraums dieses Wochenbriefings habe ich mit meiner Familie im Urlaub in Butjadingen verbracht – eine wohltuende und wohlverdiente Auszeit, aber was es darüber zu berichten gibt, hält sich doch einigermaßen in Grenzen. So war mehr Raum für andere Themen, und ich möchte mal behaupten, es ist mal wieder ein thematisch recht buntes Wochenbriefing dabei herausgekommen. In diesem Sinne: Vorhang auf! 

Konzertmuschel in Tossens. So winterlich haben wir unseren regelmäßigen Urlaubsort noch nie erlebt.

Alles Theater 

Zu den lebhaftesten Erinnerungen, die ich an mein Studium habe, zählt diejenige an das Proseminar Dramaturgie in meinem ersten Semester. In einer der ersten Sitzungen, wenn nicht in der allerersten, ging es um die Frage "Was ist eigentlich Theater?", und die Dozentin, Dr. Christa Hasche, war bestrebt, uns klar zu machen, dass unser Theaterbegriff – geprägt von dem, was wir auf dem Gymnasium über Dramentheorie gelernt hatten – viel zu bildungsbürgerlich-eng sei: Sie plädierte für eine Definition von Theater, die z.B. auch "Revuen im Friedrichstadtpalast" einschließt. "Aber sowas schauen Sie sich ja nicht an." 

Was mich betrifft, hat sie damit bis letzte Woche Recht behalten. Am vergangenen Samstag, dem 31. Januar, war ich tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben im Friedrichstadtpalast. Das kam so: Meine Liebste hatte die Idee gehabt, ihrer Mutter (die letztes Jahr einen runden Geburtstag hatte) und deren Partnerin Karten für die Revue "Frida & Frida" zu schenken, aber meine Schwiegermütter meinten, wir sollten dorthin mitkommen. Ich war darauf zunächst nicht besonders scharf, ließ mich aber überzeugen. Und ich kann schon mal sagen, ich habe es nicht bereut. 

"Frida & Frida" war eine Show des "Jungen Ensembles" des Friedrichstadtpalasts, wozu es passte, dass die gespielte Handlung in Inhalt und Stil eher Schultheater-Niveau hatte – was aber gar nicht so abwertend gemeint ist, wie es vielleicht klingt; man wird indes behaupten dürfen, dass diese szenischen Elemente vorrangig dazu dienten, einen erzählerischen Zusammenhang zwischen den Shownummern herzustellen. Und was da in Sachen Tanz und Akrobatik sowie an opulenten Kostümen und bühnentechnischen Effekten geboten wurde, war schon sehr sehenswert. (Übrigens hieß es in einer Ansage in der Einlassphase, der Friedrichstadtpalast habe "die größte Theaterbühne der Welt". So riesig kam sie mir eigentlich gar nicht vor, aber da mag der Eindruck täuschen.) 


Zu der Frage, warum die Show "Frida & Frida" heißt und was genau das mit Frida Kahlo zu tun hat, muss man indes sagen: Es ist kompliziert. Die Protagonistin der gespielten Handlung heißt Frida, träumt davon, Malerin zu werden, und erkrankt plötzlich an Polio (Kinderlähmung), woraufhin sie längere Zeit in einer Klinik verbringen muss; insoweit ist diese Figur also lose an die reale Frida Kahlo angelehnt, und dann begegnet sie in mehreren Traumsequenzen einer anderen Frida, gewissermaßen einer Phantasieversion ihrer selbst, und die trägt so einen Kopfputz aus Blumen, wie man ihn aus mehreren ikonischen Selbstporträts von Frida Kahlo kennt. Darüber hinaus waren besonders in den Traumsequenzen, die mit der sterilen Klinik-Atmosphäre kontrastierten, die Bühnenbilder und Kostüme von der Bildsprache der Gemälde Frida Kahlos inspiriert. – Was ich an dieser Stelle aber auch noch anmerken möchte, ist, dass die Show so viele Klischees über Mexiko bediente – angefangen davon, dass die Conférence von einer Mariachi-Band übernommen wurde, bis hin dazu, dass im Finale eine riesige Piñata aus dem Schnürboden herabgelassen wurde –, dass ich mich fast schon wunderte, dass es von "woker" Seite keine Proteste gegen diese Show gegeben hat. Zukünftig wird es jedenfalls wohl keine mehr geben, da die Vorstellung, die wir gesehen haben, die letzte war. 


Rettet das Baumhaus! 

Dazu, am Samstagabend noch zur Community Networking Night ins Baumhaus zu gehen, waren die Kinder nicht zu motivieren, also blieb meine Liebste mit ihnen zu Hause und ich fuhr alleine hin. Dies war nicht nur meine erste Teilnahme an der Community Networking Night seit Juni letzten Jahres, sondern es gab auch einen konkreten Anlass für diesen Besuch: Das Baumhaus, ein Ort, den ich hier schon des öfteren als vorbildlich und inspirierend in Sachen "community building" gewürdigt habe, befindet sich finanziell in einer schwierigen Lage und hat daher gerade eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um die laufenden Kosten für die nächsten drei Monate zu decken – insgesamt 12.000 Euro. Eigentlich sollte die erste Community Networking Night des Neuen Jahres unter anderem dazu dienen, diese Spendenaktion anzuschieben; Baumhaus-Initiator Scott Bolden wollte dazu, der Programmankündigung zufolge, eine Ansprache halten. Tatsächlich war der Abend aber so schwach besucht, dass er sich das sparte und stattdessen lieber Einzelgespräche führte. Mit mir redete er u.a. auch über meinen Blog – ja, genau diesen hier – und regte an, ich solle einen Podcast machen: Damit erreiche man ein breiteres Publikum, zum Beispiel auch Leute, die wenig bzw. ungern lesen. Wenn ich die schriftliche Form nicht aufgeben möge, solle ich erwägen, zusätzlich einen Podcast zu starten; das mache nicht viel Arbeit, man könne da ganz frei von der Leber weg über alles reden, was einem so in den Sinn kommt, könne sich Gäste einladen und mit denen "einfach quatschen"... Also, ich kann nicht behaupten, dass ich darauf keine Lust hätte. Und die technische Seite würde man wohl auch noch irgendwie in den Griff kriegen. 

Erst nachdem ich dieses Foto gemacht hatte, fiel mir auf, dass unter den um den Baum herum gruppierten Stichworten "Inspiration" noch nicht vertreten war, also fügte ich es oben links hinzu.

Auch mit einigen der wenigen anderen Gäste führte ich interessante Gespräche; so z.B. auch mit dem HipHop-Reporter und Moderator Motasch, der erst unlängst im Baumhaus und im angrenzenden Panke-Club die erste Runde der German Beatmaking Championship moderiert hat und der nun mit seinem Handy ein paar Leute, darunter auch mich, interviewte – dazu, was uns mit dem Baumhaus verbindet und warum wir das Baumhaus als erhaltenswert ansehen. Wo man diese Interviews sehen kann, habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können, aber vielleicht finde ich da noch was raus. – Auch das Essen war mal wieder hervorragend – und, in Anbetracht des eher überschaubaren Publikums, sehr reichlich. 

Zu Scotts Plänen fürs die Zukunft des Baumhauses zählt es übrigens auch und nicht zuletzt, die Räumlichkeiten mehr als bisher für unterschiedliche Veranstaltungskonzepte von verschiedenen Leuten zu öffnen; da lag für mich natürlich der Gedanke nicht fern, ob wir nicht auch mal was im Baumhaus machen könnten. Als ich diesen Gedanken am nächsten Morgen beim Frühstück meiner Familie unterbreitete, hatte das Tochterkind die Idee, wir könnten ein Kinderprogramm im Baumhaus anbieten. Einen anderen Vorschlag hatte meine Liebste: nämlich, das Baumhaus zu mieten, um meinen Geburtstag dort zu feiern. Wäre mir natürlich – buchstäblich – ein Fest. Aber dafür muss das Baumhaus natürlich erst mal seine finanzielle Durststrecke überstehen. Als ich das letzte Mal nachgeguckt habe, hatte die Crowdfunding-Kampagne 2.152 € eingebracht, also gut ein Sechstel der angestrebten Gesamtsumme. Da geht noch mehr, würde ich mal sagen! 


Lichtmess in Siemensstadt 

Am Sonntag fuhren wir – obwohl es der erste Sonntag im Monat war und somit theoretisch ein "Gottesdienst-Double-Feature in Haselhorst" möglich gewesen wäre – zur Messe in St. Joseph Siemensstadt, wo das Fest Darstellung des Herrn bzw. Mariä Lichtmess "vorgefeiert" wurde – "damit es nicht am Montag untergeht", wie der örtliche Pfarrvikar in seinen Begrüßungsworten erläuterte. Ziemlich zu Beginn der Messe, vor dem Kyrie, gab es eine Kerzenweihe; dazu hatten wir extra eigene Kerzen von zu Hause mitgebracht, aber wie es schien, war das wohl eigentlich gar nicht vorgesehen: Stattdessen wurde ein Korb voller schmaler gelber Wachskerzen auf den Altar gestellt, mit Weihwasser besprengt, dann wurden die gesegneten Kerzen angezündet und an die Gemeinde verteilt. Ich denke aber mal, wir können unsere selbst mitgebrachten Kerzen getrost als "mitgesegnet" betrachten, auch wenn sie kein Weihwasser abbekommen haben. – Auch im weiteren Verlauf der Messe kamen die Texte vom Montag und nicht die vom Sonntag zum Einsatz, wodurch es keine Predigt zu den Seligpreisungen gab – worüber ich, nachdem ich zu diesem Evangelium einen Impuls aus der Reihe "Langweilig predigen für Anfänger" auf dem Instagram-Kanal der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd gesehen und gehört habe, gar nicht so unglücklich bin. Erst recht nicht angesichts der Predigt, die der Pfarrvikar stattdessen zum Evangelium von der Darstellung Jesu im Tempel (Lukas 2,22-40) hielt. Aus dieser im Verhältnis zu ihrer Länge (knapp zehn Minuten) wieder einmal bemerkenswert inhaltsreichen Predigt möchte ich hier nur ein paar Aspekte herausgreifen – wer die ganze Predigt im Zusammenhang hören möchte, kann das gern auf YouTube tun. Interessant fand ich, was der Pfarrvikar dazu ausführte, wie die Figuren des greisen Simeon und der greisen Hanna, denen der Säugling Jesus bei der Darstellung im Tempel begegnet, im Alten Testament verankert sind: Hannah verweist schon durch ihren Namen auf die Mutter des Propheten Samuel – "das heißt, sie war eine unfruchtbare Frau, sie ging in den Tempel und bat den Herrn um ein Kind. Und Gott erhörte sie." Zudem wird sie als "eine Tochter Penuëls" bezeichnet; Penuël ("Angesicht Gottes") erscheint im Alten Testament nicht als Personen-, sondern als Ortsname, der Erzvater Jakob nennt so den Ort, an dem er mit dem Engel gerungen hat (Genesis 32,31). "Und die Hanna, Tochter Penuëls, ist eine, die wartet, das Angesicht Gottes zu sehen. Und das sieht sie in diesem Kind." 

Ein weiterer Aspekt der Predigt, der mich persönlich sehr ansprach, betraf die persönliche Begegnung mit Christus – und was es bedeutet, Christus anzunehmen wie ein Kind, das "in unsere Arme gelegt wird": 

"Ein Kind revolutioniert das Leben. Wenn ein Säugling geboren wird, nix is mehr so wie's war. Man braucht ein Kinderzimmer, auf einmal die ganze Babyausrüstung und so weiter. Das heißt, das Leben steht Kopf. Die Zeiten sind anders, das Leben ist anders, alles ist anders. Das macht Christus in unserem Leben." 

Das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen... Schließlich merkte der Pfarrvikar noch an, bei der Vorbereitung dieser Predigt habe ihn "die Hanna beeindruckt", weil es im Evangelium von ihr heißt "Sie diente Gott mit Fasten und Beten". – Das habe er, so führte er aus, als Mahnung verstanden, in seinem Berufsalltag als Pfarrvikar ("weil ich gesehen habe in der letzten Zeit, bei diesen ganzen acht Kirchen, da rotiert man wie der Doofe... In der Kirche werden wir immer technischer, weil wir uns der Welt angliedern. So viel wie ich hinterm Computer sitze, ist absurd") "das Stundengebet nicht zu vernachlässigen und die Beziehung mit Gott. Gott sucht nicht, was ich tue in der Pfarrei oder was ich leiste, sondern Gott will mich. Er sucht mein Herz." 

Erwähnen möchte ich noch, dass, als wir in der Kirche ankamen, der Gemeindereferent gerade dabei war, auf den Stufen vor dem Kirchenportal Streusand zu verteilen. "Gut zu wissen, dass das auch zum Berufsbild gehört", merkte ich augenzwinkernd an. – Im Anschluss an die Messe bot der Sozialdienst Katholischer Männer auf dem Kirchenvorplatz Schnittchen, Kaffee und Kinderpunsch an, letzteres auf Wunsch auch mit einem Schuss Amaretto; das war durchaus lecker, aber gleichzeitig dachte ich mir, "Kinderpunsch mit Amaretto" wäre ein lustiger Titel für irgendwas, zum Beispiel für einen Roman im Stil von Eva Völlers "Ich bin alt und brauche das Geld" (den ich im Zuge meiner unvollendeten "100-Bücher-Challenge" gelesen und dabei festgestellt habe, dass er besser ist, als man denken könnte). Obendrein war auf dem Kirchenvorplatz ein Infostand mit Flyern zu diversen Angeboten der Gemeinde und Möglichkeiten zum ehrenamtlichen Engagement aufgebaut. Wie ich gehört habe, soll dieser Infostand zukünftig regelmäßig oder jedenfalls "öfter mal" da stehen. Scheint mir unter dem Aspekt der neulich erst angesprochenen Frage "Was tut die Kirche eigentlich dafür, dass Leute, die sich irgendwie für den Glauben interessieren, aber (noch) nicht kirchlich (ein-)gebunden sind, Anschluss an die Ortsgemeinden finden?" ein ganz guter Ansatz zu sein. 


Camino de Willehado, Winter-Edition 

Am Montag in aller Früh' ging es los in dem Urlaub, und zum Abschied zeigte Berlin sich von seiner schlechtesten Seite: BVG-Streik, verspätete S-Bahnen, defekte Rolltreppen, und dann gab's beim Backwerk nicht mal das klassische "Huhn meets Ei"-Sandwich, das ich normalerweise immer zum Reiseantritt verputze. 

Ein Bild aus besseren Tagen. 

All diese Misshelligkeiten hinderten uns jedoch nicht daran, schon bei Sonnenaufgang in Hannover zu sein; am späten Vormittag waren wir dann zum Kaffee bei meiner Mutter, bei der wir auch Mittagessen bekamen. Unser eigentliches Reiseziel erreichten wir dann am frühen Nachmittag. Wie ich inzwischen nachgezählt habe, war dies nach 2020 (unser letzter Urlaub "vor Corona"), '23, '24 und '25 bereits das fünfte Mal, dass wir die Winterferien im CenterParc Nordseeküste verbrachten; ebenso wie vor zwei Jahren hatten wir auch diesmal wieder statt eines Ferienhauses ein Hotelzimmer gebucht, was, wie ich schon seinerzeit schrieb, "im Wesentlichen zwei Vorteile hatte: Zum einen war das Frühstücksbüffet inklusive, zum anderen konnte man vom Hotelzimmer aus trockenen Fußes zum Schwimmbad und zum Market Dome gelangen". Letzteres führte dazu, dass wir – angesichts der strengen Temperaturen und der Tatsache, dass es im Winter in Butjadingen ohnehin nicht viel zu unternehmen gibt – nach dem Einchecken erst mal rund 42 Stunden lang nicht nach draußen gingen. Im Grunde hätten wir das ruhig noch länger durchziehen können, aber für Mittwochvormittag hatten wir – nach dem bewährten Motto "Wenn die Kinder nicht wenigstens einmal reiten gehen, ist es dann überhaupt Urlaub?" – für die Kinder Reitstunden auf Hof Seeverns gebucht, die wir dann aber doch wieder absagen mussten, da der Bürgerbus am Mittwoch wegen Glatteis seinen Betrieb einstellte. Das erfuhren wir allerdings erst, nachdem wir bereits mit dem regulären Linienbus nach Niens gefahren waren und dort vergeblich darauf warteten, in den Bürgerbus umsteigen zu können. Also kein Reiten diesmal, schade! – Aber im Sommer kommen wir wieder... 

Ein Blick in die Landschaft – aufgenommen an der Bushaltestelle, an der wir vergeblich auf Anschluss warteten. 

Übrigens hatte ich ja vorige Woche die Absicht festgehalten, in diesem Wochenbriefing nicht "in epischer Breite über Frühstücksbüffet und Schwimmbadbesuche" zu schreiben, aber erwähnen muss ich beide Themen wohl doch. Zum Frühstücksbüffet stellte ich am ersten Morgen nach unserer Ankunft fest, es sei "fast wie auf der AIDA – außer dass es weniger schwankt. Das fehlt mir ein wenig." – "Mir nicht", warf meine Liebste ein. Den Impuls, mich auf dem Weg vom Büffet zurück zum Tisch mit dem vollen Teller gegen den imaginären Wellengang zu lehnen, verspürte ich trotzdem. – Im Schwimmbad waren Frau und Kinder während unseres Aufenthaltes viermal, ich selbst kam jedoch nur sozusagen zweieinhalbmal mit – wobei ich betonen möchte, dass das für mich schon eine ganz schöne Leistung war, denn wie ich vor Jahren schon mal erläutert habe, ist für mein persönliches Empfinden die Vokabel "Spaßbad" ein Widerspruch in sich. – Kinderdisco gab es während unseres Aufenthaltes nur einmal, und just da hatten unsere Kinder keine Lust; sie waren wohl enttäuscht, dass diese Kinderdisco nicht von einem der CenterParcs-Maskottchen Orry, Woops, Rep und Bing moderiert wurde, sondern von einer "ganz normalen", nicht kostümierten Mitarbeiterin. Zum "Kreativ-Workshop" gingen sie dreimal, und an unserem letzten Abend nahmen wir spontan an einer Quizshow teil, belegten unter 25 Teams den 2. Platz und gewannen einen Bowling-Gutschein. Den werden wir dann wohl beim nächsten Mal einlösen müssen. 

Nach draußen gingen wir nach dem missglückten Seeverns-Trip kaum noch; ein bisschen aber doch, z.B. zum Friesenstrand... 


...und zur OASE, die im Winter allerdings völlig verwaist ist. 

Wie's aussieht, war da schon seit Wochen niemand mehr. Dafür sprachen auch die im Schaukasten ausgehängten Pfarrnachrichten aus dem Januar.

Mit "kirchenbezogenen Aktivitäten" war es während dieses Butjadingen-Aufenthaltes also nichts; theoretisch hätten wir am Donnerstagnachmittag in Burhave in die Messe gehen können, da traf sich anschließend die Gruppe "60+" zu einem Vortrag über "Die Arbeiten eines Küsters", aber nach Lage der Dinge verzichteten wir doch lieber auf diesen Trip. Eine bemerkenswerte Fügung war es derweil, dass der erste Tag unserer Reise zugleich der erste Tag der Novene zu Unserer Lieben Frau von Lourdes war; ich regte daher an, die Novene in unser allabendliches Zubettgeh-Ritual einzubauen, und das machten wir dann auch. Unsere Große freute sich, dass im Novene-Gebet ihre Namenspatronin erwähnt wird, und sprach das Vaterunser und das Ave Maria eifrig mit (letzteres hat sie bei den Pfadfindern gelernt!). – Im Übrigen informierte mich meine Stundenbuch-App, dass der 3. Februar nicht nur der Gedenktag des Hl. Blasius ist, sondern zugleich auch der des Hl. Ansgar, des "Apostels des Nordens" und Gründers des Erzbistums Hamburg. Was mich daran erinnert, dass ich meinen ersten "Camino de Willehado" betitelten Blogartikel – im Juni 2021 – mit der Ankündigung eröffnete: "Wenn ich einmal ganz, ganz viel Zeit habe, schreibe ich einen wilden Mystery-Thriller über die Suche nach den in der Reformationszeit verloren gegangenen Reliquien des Hl. Willehad." Sollte ich tatsächlich mal dazu kommen, dann wird der Hl. Ansgar darin sicherlich eine Rolle zu spielen haben, schließlich war er es, der die Gebeine des Hl. Willehad im Jahr 860 in den Bremer Dom umbetten ließ. Aber das ist vielleicht eher mal ein Thema für eine Podcast-Folge. 

Davon abgesehen hat mich der Aufenthalt in Butjadingen dazu motiviert, mich mit der konkreten Ausgestaltung der bisher noch sehr vagen Idee zu befassen, in den kommenden Sommerferien in Butjadingen "Guerilla-Urlauberseelsorge" zu machen. Fertig geworden bin ich damit noch nicht, aber ich würde sagen, es entwickelt sich. Bei Gelegenheit mehr dazu...!


I Read the NiUS Today, oh Boy 

Was ist derweil eigentlich bei Horse & Hound so los? Nun, im Großen und Ganzen nicht viel; meine Einschätzung, dass der stolz angepriesene "Relaunch" des Projekts in der Praxis eher auf eine Verlangweiligung hinausläuft, hat sich bisher jedenfalls bestätigt. Neu ist gegenüber der Zeit, in der der streitlustige Thomas Halagan die Plattform allein betrieben hat, zum Beispiel, dass dort nun gelegentlich "Spirituelle Impulse" erscheinen, die sich vom Niveau her ganz gut auf Teebeutelanhängern für Wellness-Tee machen würden. Derweil wird in den täglichen Instagram-Storys hauptsächlich Content anderer Akteure aus der liberalen Kirchen- und Theologenbubble geteilt; und da gab's neulich immerhin mal etwas, worüber es sich lohnt ein paar Worte zu verlieren: Geteilt wurde ein Beitrag von Birgit Mattausch alias Frau Auge, die ihrerseits einen Beitrag von Carsten Leinhäuser alias Vaticarsten teilte. Was für ein ikonisches Crossover: Vaticarsten, Frau Auge UND Horse & Hound! Da ist die PUU-Bubble (postchristlich, undogmatisch, universalistisch) ja mal so richtig bei sich selbst. Und was ist in diesem speziellen Fall ihr gemeinsames Anliegen? Mal wieder gegen Johannes Hartl stänkern, den Frau Auge sarkastisch als "unser aller Starphilosoph" tituliert. Was hat er diesmal gemacht? Der Online-Nachrichtenplattform NiUS ein Interview gegeben. NiUS, das ist doch diese rechte Abspaltung von der Bild; und somit gilt alles, was die bundesdeutsche Linke seit '68 (bzw. eigentlich schon länger: Hans Magnus Enzensbergers Gedicht "Bildzeitung" ist von 1957) über die "Springerpresse" gesagt hat, für die NiUS in verschärftem Maße. Dass der Gebetshaus-Gründer Johannes Hartl unlängst beim NiUS-Talkformat "Schuler! Fragen, was ist" zu Gast war, woraus ein 37 Minuten langer Beitrag auf YouTube entstanden ist, hat Hochwürden Leinhäuser – den ich hier zuletzt im Zusammenhang mit dem Mord an Charlie Kirk am Wickel hatte – zu einem Blogartikel mit der Überschrift "Fragwürdige Allianzen" veranlasst. Darin argumentiert er, es sei "kein Zufall", dass Hartl "dem rechtspopulistischen Medienportal NIUS ein Interview" gebe, sondern vielmehr "Ausdruck einer systematischen Anbiederung an rechte Netzwerke": "Hartl legitimiert durch seine Teilnahme eine rechtspopulistische Plattform und verleiht ihr durch seine theologische Autorität Seriosität." Letztlich laufe dies auf eine "bewusste politische Positionierung im rechtspopulistischen Spektrum, eine strategische Allianz zur Verbreitung seiner Botschaft" hinaus – ja, auf eine "Verbindung von konservativ-charismatischer Theologie und rechtspopulistischer Politik", die "kein deutsches Unikum, sondern ein internationales Phänomen" sei: "von evangelikalen Trump-Unterstützern in den USA über Bolsonaro-nahe Pfingstkirchen in Brasilien bis zu katholischen Traditionalisten in europäischen Rechtsbewegungen". Mehr braucht man von diesem Vaticarsten-Artikel eigentlich nicht zu lesen. Wie ich immer wieder gern sage: Es ist keine Verschwörungstheorie, wenn die Guten es sagen. Oder, wie ich ebenfalls im zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit den öffentlichen Reaktionen auf die Kirk-Ermordung schrieb: Die gute alte Redensart "Wenn zwei das gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe" ist, but unironically, geradezu ein zentrales Credo der intersektionslistischen Linken. Wäre dem nicht so, wäre es ein Leichtes, ein Gegennarrativ zu dem, was Hochwürden Leinhäuser im zitierten Artikel behauptet, zusammenzuschustern: Kann es wirklich Zufall sein, dass Vaticarsten das Hartl-Interview zum Anlass nimmt, NiUS zu attackieren, wo doch gerade der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther hat durchblicken lassen, eigentlich sollte man dieses Portal verbieten? Bahnt sich da etwa eine strategische Allianz zwischen liberaler Theologie und der um ihren Machterhalt fürchtenden posmerkelianischen Polit-Oligarchie an? Aber nee, das ist ein alter Hut, und im Übrigen habe ich auch einfach keine Lust mehr, Carsten Leinhäuser ernst zu nehmen – das tut er selbst schließlich schon mehr als genug. Die zur Schau gestellte Empörung darüber, dass Hartl mit Schuler getalkt hat, scheint mir allerdings greifbar unehrlich und aufgesetzt: Genuine Empörung setzt eigentlich immer ein Element von Überraschung, im Sinne von "Das hätte ich nicht von dem gedacht!", voraus, und das ist hier wohl kaum gegeben. Auch die Art und Weise, wie Frau Auge und Horse & Hound den Artikel von Hochwürden Leinhäuser aufgreifen, erweckt den Eindruck, dass sie sich im dem bestätigt fühlen, was sie sowieso schon über Johannes Hartl gedacht haben. – Natürlich könnte man sagen, gerade weil es an Versuchen, Hartl in die rechte Ecke zu stellen, schon in der Vergangenheit nicht gefehlt hat, täte er, der Logik von Kontaktschuld und Cancel Culture zufolge, gut daran, alles zu vermeiden, was geeignet ist, dieses Bild von ihm zu bestärken; aber ich finde es durchaus respektabel, dass er dieser Logik eben gerade nicht folgt. Zu bedenken ist auch, dass dieses NiUS-Interview unschwer als Reaktion auf die ARD-Reportage "Die hippen Missionare" zu erkennen ist; und nachdem der dem Anspruch nach so seriöse Bayerische Rundfunk für diese Sendung vier ausführliche Interviews mit Johannes Hartl geführt, davon aber nur Schnipsel in einem Gesamtumfang von 45 Sekunden gesendet hat, wer möchte es ihm da verdenken, dass er die Gelegenheit ergreift, seine Position zu den in der ARD-Reportage aufgeworfenen Fragen ausführlich zu erläutern, und dies gegenüber einem Gesprächspartner, der ihm wohlwollendes Interesse und Aufgeschlossenheit signslisiert? Natürlich wird dem Portal NiUS damit einmal mehr die Gelegenheit geboten, sich als alternatives Medium zu profilieren, in dem die Stimmen zu Wort kommen, die von den "Mainstream-Medien" marginalisiert und in ein schiefes Licht gerückt werden; aber sind daran nicht, hier wie auch in manchen anderen Fällen, die etablierten Medien irgendwo selbst schuld

Davon abgesehen bekenne ich mich zu der wohl etwas altmodischen und im Sinne der oben angesprochenen Logik von Kontaktschuld und Cancel Culture zweifellos problematischen Auffassung, wichtiger als die Entscheidung, wem man ein Interview gibt, sei es allemal, was man in diesem Interview sagt. Also habe ich mir Johannes Hartls Auftritt bei "Schuler! Fragen, was ist" angesehen – was ich wohl nicht getan hätte, wenn der Blogartikel von Vaticarsten mich nicht darauf aufmerksam gemacht hätte. Isn't it ironic. Und ich muss sagen, ich fand das Interview alles in allem ziemlich gut. Wer Johannes Hartl schon öfter hat reden hören, wird darin vielleicht nicht besonders viel Neues oder Überraschendes zu hören bekommen, aber das heißt zugleich eben auch, dass jemand, der ihn bisher nicht kannte – und das wird sicherlich auf einen signifikanten Teil des NiUS-Publikums zutreffen –, aus diesem Interview einen ganz guten Eindruck davon gewinnen kann, was der Hartl für einer ist, wie er denkt und was seine vorrangigen Themen und Anliegen sind. Auf den einen oder anderen Punkt wird zukünftig vielleicht noch zurückzukommen sein. Im Ganzen hat dieses Interview bei mir jedenfalls den Eindruck verfestigt, dass das, worüber Hartls Gegner sich ereifern, weniger bei dem ansetzt, was er sagt, als vielmehr bei der Unterstellung, er meine damit in Wirklichkeit etwas ganz anderes. Das scheint mir auch über die Person Johannes Hartls hinaus ein grundsätzliches Problem der heutigen Debattenkultur zu sein. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Wir erleben eine verbreitete Zersplitterung des Daseins; es überwiegt ein Gefühl der Vereinsamung; Spaltungen und Gegensätze nehmen zu. Unter anderem Symptomen dieses Zustandes erfährt das heutige Europs das ernste Phänomen einer Krise der Familie und des Schwindens einer Konzeption von Familie überhaupt, die Fortdauer oder das Wiederaufflammen ethnischer Konflikte, das Wiederaufleben gewisser rassistischer Verhaltensweisen, die interreligiösen Spannungen, die Egozentrik, die Einzelne und Gruppen in sich verschließt, die Zunahme einer allgemeinen sittlichen Gleichgültigkeit und einer krampfhaften Sorge um die eigenen Interessen und Privilegien. In den Augen vieler läuft die zunehmende Globalisierung Gefahr, statt zu ei er größeren Eingeit der Menschheit zu führen, einer Logik zu folgen, die die Schwächsten Ausgrenzung und die Zahl der Armen auf der Erde vermehrt. 

(Johannes Paul II., Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 8) 


Ohrwurm der Woche 

Led Zeppelin: Immigrant Song 

In der letzten Januarwoche, der letzten Woche vor den Winterferien also, wurde an den Bahnsteigen der Berliner S-Bahn regelmäßig und zweisprachig, auf Deutsch und in bahntypisch schlechtem Englisch, vor Glatteis gewarnt, und praktisch jedesmal, wenn ich die Worte "ice and snow" hörte, begann der hier verlinkte Song in meinem Kopf zu spielen. Wozu ich anmerken möchte, dass ich diesen, ehe ich mir das Album "Led Zeppelin III" auf CD zulegte, zuerst aus dem "MTV unplugged"-Konzert des kanadischen Comedians Denis Leary kannte: Da gibt es einen Moment, wo Leary vorgibt, Liedwünsche aus dem Publikum entgegennehmen zu wollen; tatsächlich lehnt er aber alle geäußerten Wünsche ab und beschließt stattdessen "Immigrant Song" zu spielen, scheitert aber schon im Intro an der hohen Tonlage. – Man kann durchaus der Meinung sein, der Song sei ein gefundenes Fressen für einen Comedian, da ihm schon im Original eine gewisse unfreiwillige Komik anhaftet; man könnte sagen, Led Zeppelin schramme hier hart an der Grenze der Selbstparodie vorbei. Aber der Bass- und Schlagzeug-Part sind genial. 


Vorschau/Ausblick 

Kaum aus dem Urlaub zurück, haben wir die seltene Gelegenheit eines Wochenendes ohne Termine dazu genutzt, das lange aufgeschobene Projekt der Kinderzimmer-Neugestaltung in Angriff zu nehmen. So viel Arbeit das auch ist, wollen wir uns dennoch morgen die Zeit nehmen, zur üblichen Zeit in St. Joseph Siemensstadt zur Messe zu gehen, zumal da der Blasiussegen gespendet wird. – Sodann folgt die erste von sieben Schul- und Arbeitswochen zwischen Winter- und Osterferien. Am Dienstag hat das Tochterkind auf eigenen Wunsch ein Probetraining in derselben Kampfsportschule, in der der Jüngste schon seit Dezember trainiert; ich bin mal gespannt, wie ihr das gefallen wird. Und am Donnerstag hat sie einen Zahnarzttermin – dafür gilt in gewissem Sinne dasselbe. – Bei Redaktionsschluss noch nicht endgültig festgelegt war der Nachholtermin für das Vorbereitungstreffen zum nächsten Religiösen Kindertag (RKT) in St. Stephanus, aber irgendwann in der kommenden Woche, wahrscheinlich Dienstag oder Donnerstag, soll das wohl über die Bühne gehen. Und nachdem meine Teilnahme an diesem Treffen erst durch die Verschiebung des ursprünglich dafür geplanten Termins ermöglicht worden ist, bin ich ausgesprochen motiviert, mich da konzeptionell voll einzubringen, und habe daher die Absicht, dort gut vorbereitet aufzukreuzen. Nicht stattfinden wird hingegen die für Freitag, den 13. (!) anberaumte 99. Sitzung der Gemeinsamen Konferenz von DBK und "ZdK": Diese wurde seitens der Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, Beate Gilles, abgesagt, nachdem sich abgezeichnet hatte, dass die Konferenz nicht beschlussfähig sein würde, weil zu wenige Bischöfe ihre Teilnahme zugesagt hatten. Hihi. – Im Übrigen hoffe ich in der kommenden Woche etwas Zeit zu finden, um mich mit dem Thema "Missbrauch bei den Pfadfindern" zu befassen – konkreter gesagt, mit den jüngst veröffentlichten Studien über sexualisierte Gewalt in den Pfadfinderverbänden VCP und DPSG und den Reaktionen darauf. Ob daraus ein Abschnitt in einem der nächsten Wochenbriefings wird, ein eigenständiger Blogartikel oder womöglich gar eine Podcast-Folge, wird sich zeigen...