Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Mittwoch, 16. Oktober 2019

Von Marx bis Maria: Neues vom Büchereiprojekt

Nach Angaben der Website openbookcases.org gibt es in Berlin ganze 152 "öffentliche Bücherschränke"; eine stolze Zahl, besonders wenn man bedenkt, dass es laut derselben Quelle in den gesamten USA nur 16 gibt. Aber Berlin ist groß, und ich kann nicht ständig kreuz und quer durch die ganze Stadt gondeln. Glücklicherweise ist das aber auch gar nicht nötig, denn wie ich festgestellt habe, gibt es in nicht allzu großer Entfernung von meiner Wohnung so drei bis vier sehr ergiebige "Büchertelefonzellen" (oder, wie ich sie - ursprünglich versehentlich, inzwischen aber zunehmend absichtlich - gern nenne: "Büchertankstellen"), die man getrost so alle drei bis vier Wochen heimsuchen kann und dabei immer wieder etwas Interessantes entdeckt. 

Wie schon erwähnt, hat die im Aufbau befindliche Pfarrbücherei in Herz Jesu Tegel bislang noch das Problem, zu viele Bücher für die zur Verfügung stehende Regalfläche zu haben. Deshalb lautet eine Grundregel meiner mehr oder weniger regelmäßigen "Büchertouren", dass ich mindestens doppelt so viele Bücher in den besagten Büchertelefonzellen zurücklasse, wie ich von dort mitnehme. Betrachtet man das Netz der "öffentlichen Bücherschränke" zudem als eine Art Ökosystem, dann gebietet es wohl auch das Prinzip der Nachhaltigkeit, ihm mindestens so viel zurückzugeben, wie man von ihm bekommt.

Jüngst war ich also, bestückt mit rund 40 aus Bücherspenden für das Büchereiprojekt aussortierten Bänden und sieben aus meinem privaten Bücherbestand, unterwegs in Reinickendorf und Gesundbrunnen -- und machte schon an den ersten beiden Standorten, die ich aufsuchte, so viele interessante Entdeckungen, dass ich darauf verzichtete, noch ein bis zwei weitere "Büchertankstellen" anzusteuern. Ich schicke gleich voraus, dass ich bei der Entscheidung darüber, was für Bücher ich bei solchen Gelegenheiten mitnehme, mehr oder weniger intuitiv, um nicht zu sagen impulsiv vorgehe. Spricht mich ein Buch irgendwie an und habe ich meine mir selbst auferlegte Quote noch nicht überschritten, nehme ich es erst mal mit; ob es sich wirklich für das Büchereiprojekt eignet, kann man ja später immer noch entscheiden, und wenn nicht, behalte ich es entweder privat oder werde es bei nächster Gelegenheit wieder los.

Hier mal ein Überblick über einige "gefühlte Highlights" meines jüngsten Beutezugs: 


Nicht im Bild sind u.a. Agatha Christies "Mord im Orient-Express", Ken Keseys "Einer flog übers Kuckucksnest" (da kenne ich bislang nur den Film) und ein Band mit Erzählungen von Jack London. Die abgebildete "Tom Sawyer"-Ausgabe ist bearbeitet, ein Wort, bei dem sich dem Literaturwissenschaftler in mir die Nackenhaare aufstellen, aber immerhin ist sie im Insel-Verlag erschienen, das lässt hoffen, dass die Bearbeitung zumindest nicht ganz schlecht ist. Das Comic-Album "Micky Maus und Wilhelm Tell", erschienen 1972, enthält neben der Titelgeschichte noch zwei weitere Episoden, nämlich "Micky bei den Höhlenmenschen" und "Micky als Gladiator". Der Marx/Engels-Auswahlband "Über Religion" ist sicherlich erstklassiges Giftschrankmaterial, aber ich schätze, unter dem Aspekt "know your enemy" kann es nicht schaden, sich damit auseinanderzusetzen. Ähnliches gilt womöglich auch für Georg Friedrich Rebmanns "Ideen über Revolutionen in Deutschland". Es spricht für mein Interesse an diesem bei Reclam Leipzig erschienenen Auswahlband, dass ich ihn mitgenommen habe, obwohl der vordere Buchdeckel und die ersten Seiten abgerissen sind. So beginnt das Buch eben mitten im biographischen Vorwort von Werner Greiling. Von dem politischen Publizisten Rebmann (1768-1824) hatte ich bisher noch nie etwas gehört; Tante Wiki weiß jedoch, dass er mit seinen schriftstellerischen und journalistischen Arbeiten "im breiten Strom aufklärerischen Denkens" stand, was ja schon mal Schlimmes befürchten lässt. Übrigens ist dieser Wikipedia-Artikel ein (un)schönes Beispiel für die ideologische Ausrichtung dieser Online-Enzyklopädie, oder möchte mir ernsthaft jemand weismachen, dass Formulierungen wie "Er selber ist nie in politische Romantik abgeglitten [!] wie etwa der ehemalige Jakobiner Joseph Görres" den Ansprüchen weltanschaulicher Neutralität entsprechen? Aber wie auch immer, ich bin gespannt auf das Buch.  

Der vielleicht interessanteste Fund, den ich bei dieser Expedition an Land gezogen habe, ist jedoch gar kein Buch, sondern ein Quizspiel mit dem Titel "Wer weiß Bescheid in Glaubensfragen?". Drei Päckchen Frage-und-Antwort-Karten, farblich markiert nach Themengebieten. Nachdem ich einen Kartenstapel flüchtig durchgesehen hatte, begann ich mich zu fragen, was für eine Glaubensgemeinschaft dieses Spiel wohl entwickelt und herausgebracht hatte. Genauere Lektüre der Packungsbeschriftung belehrte mich, dass es sich um die Neuapostolische Kirche handelt; es gibt auch noch ein viertes Quizkarten-Set, bei dem es spezifisch um "Das Werk Gottes seit der erneuten Sendung von Aposteln" geht, aber just dieses ist mir nicht in die Hände gefallen. Okay, man wird wohl trotzdem gut daran tun, die Karten, ehe man das Spiel zu katechetischen Zwecken einsetzt, gründlich durchzusehen und solche, bei denen die Antworten im Widerspruch zur Lehre der katholischen Kirche stehen, auszusortieren. Aber davon mal abgesehen: Dass ein Spiel, das laut Anleitung für Kinder ab 10 Jahren konzipiert ist ("Doch auch Jugendliche und Erwachsene können damit spielerisch ihr Wissen erweitern"), Fragen enthält wie "In welcher Stadt wurden die Gläubigen der Urkirche erstmals 'Christen' genannt?" oder "Welcher Prophet hat den Geburtsort Jesu vorausgesagt?", finde ich schon ganz schön sportlich, aber vielleicht ist das auch nur ein weiterer Hinweis darauf, was für ein ärmliches Niveau in Sachen Kinder- und Jugendkatechese man in den Volkskirchen als normal vorauszusetzen gewohnt ist. 

Ach ja, hier noch zwei Bücher, die ich mitgekommen habe, obwohl ich von vornherein eher nicht damit rechne, dass sie für eine Pfarrbücherei taugen:


"Das Tor von Ivrel" hatte ich zunächst nur aus einer Laune heraus in die Hand genommen, aber dann fiel mir auf, dass die erste und die letzte Seite des Taschenbuchs mit handschriftlichen Notizen vollgeschrieben waren. Bei genauem Hinsehen handelte es sich um eine Art Empfehlungsschreiben für das Buch, verfasst offenbar von der Person, die es der Welt der öffentlichen Bücherschränke gestiftet hat. Dass diese/r Leser/in "Das Tor von Ivrel" mit dem "Herrn der Ringe" verglich, entlockte mir allerdings ein Stirnrunzeln -- das noch tiefer wurde, als die englischsprachige Wikipedia mich darüber aufklärte, dass derselbe Vergleich sich auch schon in Andre Nortons (in der deutschen Ausgabe nicht enthaltenen) Vorwort zu "Das Tor von Ivrel" findet. Meine übliche Reaktion, wenn ich Derartiges lese, lautet: "Habt ihr sie noch alle? Der Herr der Ringe ist Weltliteratur, den kann man doch nicht mit irgendwelchem epigonalen Fantasy-Trash in einem Atemzug nennen!" -- Okay, das letzte Mal, dass mir ein solcher Vergleich begegnet ist, ging es um Ursula K. LeGuins "Erdsee"-Zyklus, und da musste ich nach (oder schon während) der Lektüre des ersten Bandes eingestehen, dass der Vergleich mit Tolkien nicht ganz so sehr zu hoch gegriffen war, wie ich angenommen hatte. Im vorliegenden Fall bin ich jedoch mehr als skeptisch. -- An Matt Ruffs "Fool on the Hill" indes hat mich in erster Linie die Covergestaltung angesprochen, die mich irgendwie an "Naomi & Ely" erinnerte. Na gut, beide Bücher sind gelb. Faszinierend ist aber auch der Werbetext auf dem hinteren Buchdeckel von "Fool on the Hill":
"Nicht zu fassen, was an amerikanischen Universitäten alles passiert, wenn man diesem haarsträubenden Campus-Roman glauben darf, in dem der junge George sich in die schönste Frau der Welt verliebt, der Kobold Puck der Elfe Zephyr nachjagt und Blackjack und Luther in den Himmel für Katzen und Hunde aufbrechen." 
Na, da sind wir aber mal gespannt! Dazu, dieses und die anderen genannten Bücher zu lesen, werde ich allerdings ziemlich sicher erst nach Weihnachten kommen, denn bis dahin ist meine Leseliste voll. -- Damit aber nicht genug: Gemäß dem guten angloamerikanischen Sprichwort "When it rains, it pours" sprach mich am Sonntag vor der Messe ein Mitglied der Kolping-Ortsgruppe, die gerade mit den letzten Vorbereitungen zu ihrem monatlichen "Sonntagstreff" beschäftigt war, darauf an, dass die Bücherkartons im Gemeindehaus aber allmählich etwas überhand nähmen. "Jetzt stehen sogar schon vor der Küche welche", murrte er. -- "Ach?", erwiderte ich. "Die habe ich noch gar nicht gesehen. Ich kümmere mich drum." 

Ich staunte nicht schlecht, als ich sah, dass es sich um vier große Umzugskartons handelte -- jeweils nur etwa halb voll, damit man sie noch tragen konnte, aber immerhin. Ich schaute in alle vier Kartons hinein und hatte auf den ersten Blick den Eindruck, dass gut die Hälfte des Inhalts aus geistlicher Literatur bestand. Wahrscheinlich aus dem Nachlass von Pfarrer Silvers, sagte ich mir. Da ich an diesem Sonntag keine Zeit hatte, mich eingehender mit diesem "Büchergeschenk des Himmels" zu befassen, griff ich nur schnell und aufs Geratewohl ein paar Bücher heraus, von denen ich ganz sicher gehen wollte, dass sie nicht unter die Räder kommen; darunter diese: 


Genauer nahm ich den Inhalt der vier Kartons am folgenden Tag in Augenschein, und nun war ich mir sicher, dass die Bücher aus dem Nachlass von Pfarrer Silvers stammten. Es waren Schott-Messbücher dabei, exegetische Impulse zu den Sonn- und Feiertagsevangelien, ziemlich viele Andachtsbüchlein, aber auch Bücher zur lokalen Geschichte, Gesundheitsratgeber und manches andere. Okay, alte Telefonbücher und eine Bedienungsanleitung für einen Elektroherd waren auch dabei. Aber das ist eben wie beim Foodsaving: Nehmen muss man erst mal alles, was man kriegt; sortieren und entscheiden, was davon man wirklich haben will, kann man später. Inzwischen ist es mir gelungen, den Inhalt der vier großen Kartons grob in die Kategorien "Behalten (zumindest vorläufig)", "Abgeben (Basar, Tauschregal o.ä.)" und "Altpapier" einzuteilen und den Inhalt der letzteren Kategorie direkt zu entsorgen. Zur Beruhigung aller Bücherfreunde und Hüter der Pietät gegenüber Nachlässen von Geistlichen sei gesagt, dass diese Kategorie mit Abstand die kleinste war. Übrigens hatte es im Pfarrhaus in Heiligensee, wo Pfarrer Silvers bis zu seinem Tod gewohnt hat, über mehrere Wochen hinweg einen Nachlassverkauf gegeben, bei uns gelandet war also wohl nur das, was bisher keinen Abnehmer gefunden hatte.

Zusammenfassend gesagt: Das Büchereiprojekt wird immer interessanter, macht aber auch eine Menge Arbeit. Engagierte Mitarbeiter wären durchaus willkommen... 


Montag, 14. Oktober 2019

Kaffee & Laudes - Das Wochen-Briefing (28. Woche im Jahreskreis)

Was bisher geschah: Die zurückliegende Woche begann mit einem opulenten Frühstücksbuffet im Großen Speisesaal der Abtei Rolduc. Hach. Ein Land, in dem Schokoflocken und Hagelzucker mit Fruchtgeschmack als legitimer Brotbelag und Mini-Marshmallows und Smarties als legitime Müsli-Zutaten gelten, muss ziemlich nah am Paradies liegen. Nach dem Frühstück wurden wir vom Pfarrer der Herzogenrather Pfarrei St. Gertrud zu einem kleinen Ausflug nach Aachen abgeholt. Wir besichtigten den Dom und die Domschatzkammer, bekamen eine Auswahl Original-Aachener Printen verehrt und aßen zusammen mit einem sehr sympathischen, mit dem Pfarrer befreundeten Ehepaar bei "Aachens bestem Italiener" (ein echter Geheimtipp, denn das Lokal sieht, mit Verlaub gesagt, nicht danach aus) zu Mittag.  Am Nachmittag hatten wir etwas Zeit zum Ausruhen, und am Abend ging es in Herzogenrath erst einmal zur Heiligen Messe (außerordentliche Form) in St. Marien, dann zum #BenOp-Vortrag im Pfarrsaal von St. Gertrud. Mit etwa 65 Besuchern war der Saal recht ordentlich gefüllt, jedenfalls war es einer der am besten besuchten meiner bisherigen #BenOp-Vorträge, Bonifatius TV zeichnete die Veranstaltung auf, ein paar Freunde und Bloggerkollegen waren auch im Publikum, und anschließend gab es noch gemütliches Beisammensein bei Wein, Bier und Schnittchen. -- Aus allerlei Gesprächen konnte man den Eindruck gewinnen, dass im Bistum Aachen und überhaupt im Westen Deutschlands derart katastrophale Zustände herrschen, dass im direkten Vergleich dazu die katholische Welt in der ostdeutschen Diaspora noch halbwegs in Ordnung zu sein scheint; aber die Pfarrei St. Gertrud in Herzogenrath ist unverkennbar eine Oase in der Wüste. Ein besonderes Mitbringsel aus dieser Oase, das uns noch von großem Nutzen sein dürfte, ist eine Mappe mit Materialien für den Erstkommunionunterricht; ich werde noch darauf zurückkommen. -- Am Dienstag hatten wir, da wir für die Rückreise nach Berlin eine Fahrt mit Zugbindung gebucht hatten und der betreffende Zug erst am späten Nachmittag fuhr, mehrere Stunden Aufenthalt in Düsseldorf und verbrachten diese Zeit größtenteils in der "Kinderlounge" der Bahnhofsmission. Sehr zu empfehlen! Für Unruhe sorgten Durchsagen, aus denen hervorging, dass wegen einer herrenlosen Reisetasche im Wartebereich eines Bahnsteigs erst dieser und dann auch noch die beiden benachbarten Bahnsteige polizeilich gesperrt wurden; der Bahnhof wurde jedoch nicht evakuiert, und ehe unser Zug kam, war die Sperrung schon wieder aufgehoben. -- Am Mittwoch kam mein Neffe zu Besuch, quasi auf der Durchreise, denn am nächsten Morgen musste er schon in aller Frühe zu einer Konferenz nach Bamberg aufbrechen. Via Facebook war ich darauf aufmerksam geworden, dass am Abend das Berlinprojekt - eine hippe, urbane, "niederschwellige" Freikirche, ich erwähnte sie neulich schon mal - ein Community Dinner veranstaltete, und da dachte ich, da könnte man ja mal zusammen hingehen, wäre sicher interessant und vielleicht auch nett. Tja. Durch allerlei Verwicklungen kamen wir von vornherein eine halbe Stunde zu spät zu Hause los, und als wir die Location - eine ehemalige (?) Galerie in Prenzlauer Berg - erreichten, stellten wir fest, dass wir mangels Barrierefreiheit keine Chance hatten, mit einem Kinderwagen da 'reinzukommen, und außerdem war es sowieso viel zu voll. Der ziemlich kleine Raum war bis zum Bersten vollgestopft mit Tischen, Hockern und jungen, attraktiven Menschen, im Hintergrund lief Fatboy Slim oder sowas Ähnliches. Ich glaube, selbst ohne Kind hätte ich mich da nicht 'reinquetschen können oder wollen. Trotzdem muss ich zugeben, ein bisschen beneide ich das Berlinprojekt um sein Publikum. Und es ist eine durchaus ernstzunehmende Frage, warum "richtige" Kirchen sich so schwer damit tun, solche Leute zu erreichen. Aber das müsste man an anderer Stelle mal ausführlicher erörtern. Am Freitag unternahm ich mit dem Kind im Bollerwagen eine überaus erfolgreiche Büchertour, über deren Erträge ich noch gesondert werde berichten müssen;  am Samstag ging's mit Frau und Kind in den Zoo, die neuen Panda-Babys bewundern, und am Sonntag unternahmen wir mit meinen Schwiegermüttern einen Ausflug zum Spargelhof Kremmen. Die Mitarbeiterin, die uns dort das Mittagessen  servierte, entpuppte sich als Teilnehmerin des ersten Firmkurs-Moduls meiner Liebsten vor knapp eineinhalb Jahren; offenbar hat sie es in positiver Erinnerung behalten. Nach diesem ereignisreichen - schönen, aber auch anstrengenden - Wochenende stellt sich nun allerdings die Frage, wann ich mich eigentlich mal erholen soll... 


Was ansteht: Die Liebste hat Ferien und hat dies zum Anlass genommen, sich für diese Woche zu ganzen vier Foodsaving-Aktionen anzumelden. Sportlich! Derweil werde ich wohl einiges an Zeit in das Büchereiprojekt investieren müssen, denn im Gemeindehaus stehen, wie ich gestern erfahren habe, ganze vier Umzugskartons voller neu eingetroffener Bücherspenden herum und wollen gesichtet werden. Zu hoffen bleibt, dass meine Liebste und ich außerdem noch Zeit finden, gemeinsam ein paar Dinge in Angriff zu nehmen, die man im gemeinen Alltag sonst nicht schafft. Im Baumhaus ist derweil die ganze Woche "Emergent Berlin Festival", da könnte man durchaus mal hin; für Freitag ist eine Lokalausschusssitzung anberaumt, und am Samstag ist wieder Krabbelbrunch. Ansonsten bleibt abzuwarten, was die Woche noch so bringt...


aktuelle Lektüre: Meine bisherige Leseliste habe ich am Donnerstag abschließen können und bin recht froh darüber, denn drei der fünf Bücher haben mich doch sehr genervt; keine gute Quote, wie ich finde. Aber mal der Reihe nach: Das eine der zwei Bücher, die mich nicht genervt haben, ist Graham Greenes "Die Reisen mit meiner Tante"; das ist ein durchweg unterhaltsames Stück Lektüre und wird zum Ende hin sogar richtig spannend, allerdings bleibe ich bei meiner Einschätzung, dass es sich nicht für eine Pfarrbücherei eignet. Das hat, wie schon vorige Woche angemerkt, nicht unwesentlich mit dem zutiefst zwiespältigen Verhältnis des Autors zum Katholizismus zu tun. Die schon in der ersten Hälfte des Romans sehr präsenten pointierten Äußerungen zu religiösen Themen nehmen in der zweiten Hälfte noch deutlich zu. Zum Teil sind die Seitenhiebe, die der Autor verteilt,  wirklich witzig; so etwa, wenn es in einem maschinengeschriebenen, von Tippfehlern wimmelnden Brief heißt "Die einzige Kirche in der Nähe ist niederländisch deformiert", wozu der Ich-Erzähler anmerkt: "Das Wort 'deformiert' allerdings hatte sie korrigiert, vielleicht, weil ich es sonst als bewußte Unfreundlichkeit hätte auslegen können" (S. 135); oder wenn der ehemalige Kriegsgewinnler Visconti meint, der Borgia-Papst Alexander VI. habe eine gewisse Ähnlichkeit mit "meinem Gönner, dem weiland Reichsmarschall Göring" gehabt (S. 233). Davon abgesehen gefällt mir dieser Visconti aber gar nicht. "Skepsis ist dem Katholiken angeboren", erklärt er auf S. 228 süffisant, und auf S. 252: "Jeder Katholik weiß, daß eine Legende, die man glaubt, denselben Wert und dieselbe Wirkung hat wie die Wahrheit. Denken Sie an den Heiligenkult." Woran er in Wirklichkeit glaubt, führt er auf S. 237 aus: "Für den Fall, daß einige Modelle versagen, hat Gott, wenigstens wie ich ihn mir vorstelle, eine Reihe von Möglichkeiten geschaffen -- das ist der Sinn der Evolution. Manche Spezies überleben, andere sterben aus." Kurz, er ist ein typischer "schlechter Katholik", der sich seine eigene Phantasiereligion zusammengebastelt hat und sich darin den "einfachen Gläubigen" überlegen wähnt; und just darin gleicht ihm Tante Augusta augenfällig: Auf die Frage ihres Neffen "Bist du wirklich Katholikin?" antwortet sie "prompt und ernsthaft": "Natürlich, mein Lieber, nur glaube ich nicht an alles, an das die glauben" (S. 145).

Des Ich-Erzählers eigene religiöse Einstellung hebt sich davon auch nicht gerade positiv ab: Er geht zwar alljährlich zum anglikanischen Heiligabendgottesdienst, jedoch nur, weil er "die poetischeren Seiten des Christentums" schätzt (S. 164). Gleichwohl fühlt er sich berechtigt, an der Kommunion teilzunehmen: "Die Anglikanische Kirche schließt niemanden aus: Die Kommunion dient der Erinnerung an das heilige Abendmahl, und ich hatte genausoviel Recht, mich einer schönen Legende zu erinnern wie jeder wahre Gläubige." (S. 166) Es steht zu befürchten, dass eine solche Auffassung über die Kommunion heutzutage weit verbreitet ist, auch unter nominellen Katholiken.

Um meine Besprechung dieses Buches aber nicht mit einer so negativen Note enden zu lassen, möchte ich zum Ausklang noch ein wirklich schönes und, wie ich finde, durchaus charakteristisches Zitat bringen:
"Unser Leben, meine ich mitunter, wird mehr von Büchern als von Menschen bestimmt: aus Büchern lernen wir von Liebe und Schmerz, sozusagen aus zweiter Hand. Selbst wenn es das Glück will, daß wir lieben, dann geschieht das nur, weil uns geformt hat, was wir gelesen haben, und wenn ich nie geliebt habe, so vielleicht deshalb, weil die Bibliothek meines Vaters nicht die richtigen Bücher enthielt." (S. 194)  
Fazit: Ich behalte das Buch privat und bin auch gern bereit, es privat zu verleihen -- an Personen, die ich für ausreichend charakterlich gefestigt halte, um sich davon nicht negativ beeinflussen zu lassen.

Mit Antoine de Saint-Exupérys "Nachtflug" bin ich bis zum Schluss nicht warm geworden, wenngleich ich anerkennen muss, dass ich in der zweiten Hälfte des Buches sowohl interessantere als auch schönere Passagen entdeckt habe, als ich nach dem ersten Eindruck vermutet hätte.  Recht bemerkenswert fand ich eine Reflexionspassage, in der der Flugdirektor Rivière seine Arbeit mit dem "ewige[n] Kampf des Gärtners um seinen Rasen" vergleicht:
"Kraft seiner bloßen Hand treibt er den Urwald in die Erde zurück, die jeden Augenblick bereit wäre, ihn emporwuchern zu lassen" (S. 81f.). 
Okay, mit Gartenmetaphern kann ich was anfangen. Andererseits: Wer will schon einen Rasen? Rasen ist langweilig! -- Noch bezeichnender wird's, als Rivière fortfährt:
"Angst hat man nur vor dem Geheimnisvollen. Es darf nichts Geheimnisvolles mehr geben. Es müssen Menschen hinuntergestiegen sein in diesen dunklen Brunnen, und wenn man sie fragt: Was ist euch begegnet?, so müssen sie sagen können: Nichts." (S. 82) 
Hier sieht man: Rivières erbarmungsloser, buchstäblich über Leichen gehender Kampf um die Durchsetzung des Nachtflugbetriebs fußt auf einer atheistischen, im Grunde sogar satanischen Weltanschauung. Sein "non serviam", seine Weigerung, eine höhere Macht anzuerkennen, qualifiziert ihn zum Technokraten und könnte ihn gegebenenfalls auch zum Faschisten oder wahlweise zum Stalinisten qualifizieren. Mir fällt dabei unwillkürlich Gagarins Raumflug ein, der ja auch in Neutschs "Spur der Steine" abgefeiert wird und dessen Erfolg in erster Linie ein propagandistischer war: ein Triumph der Machbarkeit über das Mysterium. Rein assoziativ kommt mir in diesem Zusammenhang auch Schillers Ballade "Das verschleierte Bild zu Saïs" (1795) in den Sinn ("Kein Sterblicher, sprach des Orakels Mund, / Rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe"), bzw. mehr noch Novalis' Erwiderung darauf in seinem Romanfragment "Die Lehrlinge zu Saïs" (1798/99), wo es heißt "[W]enn kein Sterblicher, nach jener Inschrift dort, den Schleier hebt, so müssen wir Unsterbliche zu werden suchen; wer ihn nicht heben will, ist kein echter Lehrling zu Sais"; aber das müsste man wohl mal an anderer Stelle vertiefen. Unklar bleibt jedenfalls, ob Saint-Exupéry den totalitären Pragmatismus Rivières kritisieren oder preisen will; André Gide hat diese Frage in seinem Vorwort im Sinne des Preisens beantwortet, aber gleichwohl bleibt eine kritische Lesart möglich. Wie erwähnt, befindet sich bereits ein Exemplar des Romans im Büchereiregal, und bis auf Weiteres erscheint es mir vertretbar, dass es dort bleibt.

Von Hermann Kochs "Flieg, Friedenstaube" hatte ich ja im zweiten Viertel den Eindruck, es sei, wenn auch stilistisch schwer zu ertragen, inhaltlich auf einem ganz guten Weg, aber das hat sich als Irrtum erwiesen: Das Buch wird, wie es eine mir nicht näher bekannte Österreicherin mal formuliert hat, "länger wie blöder". Hin und wieder möchte man den Autor bei den Schultern packen und unsanft schütteln. Auf S. 461-466 dichtet er dem sterbenden Jesaja eine unsäglich kitschige letzte Vision an, in der Glaube, Hoffnung, Unglaube und Verzweiflung als allegorische Frauenfiguren auftreten; da der Prophet darüber stirbt, kann er diese Vision glücklicherweise nicht mehr für die Nachwelt festhalten, aber unglücklicherweise nimmt Hermann Koch ihm das ab. Es folgt ein Zeitsprung  über gut 700 Jahre, und nun wird auf weiteren 60 Seiten Jesus als derjenige in Szene gesetzt, der die Verheißungen Jesajas erfüllt. Erzählt wird dieser letzte Abschnitt aus der Perspektive des zunächst blinden, dann von Jesus geheilten Bartimäus, der im Roman ein leiblicher Nachfahre Jesajas ist und dessen Gitarre geerbt hat. Das Ganze ist in einem Maße unfreiwillig komisch, das auf hochgradige Humorresistenz beim Autor schließen lässt. Ein Paradebeispiel für den grässlichen Religionspädagogen-Sprech, den Koch Personen aus biblischer Zeit in den Mund legt, findet sich auf S. 486, wo er den bekehrten Zöllner Levi alias Matthäus sagen lässt: "Was da geschah, in dieser Tischgemeinschaft, das habe ich zunächst in seiner Tiefe nicht begriffen." Würg! Gleich anschließend erzählt Levi das Gleichnis vom Verlorenen Sohn, und zwar im Wortlaut der Lutherbibel-Ausgabe von 1912. Man mag sich fragen, wie es dann wohl kommt, dass dieses Gleichnis gar nicht im Matthäus-, sondern nur im Lukasevangelium steht, aber okay...

Immerhin, ein paar Stellen gibt's, die mir gefallen; so zum Beispiel eine über den Hohenpriester Kaiphas, die mich an gewisse heutige Bischöfe denken lässt:
"Kaiphas hatte sein Amt als Oberpriester vor einigen Jahren noch mit jugendlicher Frömmigkeit angetreten. Doch diese Haltung von einst war immer mehr dem Ehrgeiz und dem Geschäftssinn gewichen. Er hatte sich inzwischen seine eigene 'Realtheologie' zugelegt" (S. 502). 
Aber alles in allem sind ein paar interessante Passagen und Denkanstöße einfach nicht genug für einen inklusive Anhang über 550 Seiten langen Roman. Für die Kategorie "Giftschrank" ist er wiederum inhaltlich nicht verwerflich genug. Ich schätze, ich werde ihn bei der nächsten Büchertour einfach irgendwo stehen lassen. Vielleicht findet das Buch ja auf diese Weise noch mal einen Leser, für den es gut (oder jedenfalls brauchbar) ist.

"Jane Eyre" von Charlotte Brontë ist, man ahnt es schon, das andere Buch, das mich nicht genervt hat. Ähnlich wie "Die Reisen mit meiner Tante" gewinnt auch dieses Buch in der zweiten Hälfte noch beträchtlich an Spannung und "drive"; und auch hier nehmen in der zweiten Hälfte die religiösen Unter- bzw. Obertöne zu. Man sollte schließlich nicht vergessen, dass die Brontë-Schwestern Pastorentöchter waren.

Dass die ausgesprochen unsympathische Eliza Reed sich nach dem Tod ihrer Mutter "eine Zeitlang der Prüfung der römisch-katholischen Dogmen widmen und vielleicht zu diesem Glauben übertreten und den Schleier nehmen" will (S. 192) - was Jane mit den Worten kommentiert "Ich zeigte keine Überraschung über diesen Entschluß und versuchte auch nicht, sie davon abzubringen" (ebd.) -, ist kaum mehr als eine Randbemerkung, aber nicht uninteressant, wenn man bedenkt, dass eine Konversion zum Katholizismus im damaligen England gesellschaftliche Ächtung und den Verlust bestimmter staatsbürgerlicher Rechte mit sich brachte.  Weitaus bemerkenswerter scheint es mir, dass Jane im Vorfeld ihrer vereitelten Heirat mit Rochester bekennt "Ich sah Gott nicht mehr, ich sah nur noch den Menschen [...], den ich mir zum Abgott gemacht hatte" (S. 220) -- und damit gewissermaßen eine moraltheologische Erklärung dafür liefert, warum ihr das so nahe geglaubte Glück in diesem Moment wieder durch die Finger rinnt. Es ist ja unschwer vorstellbar, dass moderne Leser angesichts der geplatzten Hochzeit zwischen Jane und Rochester auf die Idee kommen könnten, zu schlussfolgern "Na, ein Glück, dass man sich heutzutage scheiden lassen kann"; aber es wird im Grunde deutlich genug, dass Jane selbst, und somit wohl auch die Autorin, mit dieser Lesart nicht einverstanden wäre. Der Mahnung des Geistlichen, "daß jede Ehe, die anders als nach Gottes Wort geschlossen ist, vor Gott und den Menschen nicht besteht" (S. 231), stimmt sie offenkundig zu -- und betont: "Gottes Gebote [...] waren nicht für die Zeiten, da es keine Versuchungen gab, aufgestellt: sie waren für Augenblicke wie diesen, da Körper und Seele sich auflehnten gegen ihre Strenge" (S. 253). Eine sehr starke Passage! "Gott hatte mich die rechte Wahl treffen lassen, Seine Vorsehung lenkte mich", erkennt Jane rückblickend (S. 277); und bei ihrem Wiedersehen mit dem mittlerweile verwitweten Rochester beschreibt auch dieser den Reifungsprozess, den er inzwischen durchgemacht hat, als eine Art Bekehrung: "[M]it einem Schlag zerschmetterte Gott meinen Stolz für immer. Ich erkannte seine Hand in meinem Schicksal, Reue erfaßte mich und tiefe Sehnsucht, mich meinem Schöpfer zu versöhnen. Ich fing an zu beten" (S. 341).

Was schließlich den Landpfarrer und späteren Missionar St. John Rivers betrifft, äußert Jane zwar Kritik an dessen Hang zu "calvinistische[n] Doktrinen" (S. 272), spricht ansonsten aber mit großer Zuneigung und sogar Hochachtung über ihn, wohingegen der heutige säkular geprägte Leser wohl kaum anders könnte, als einen manipulativen, soziopathischen Fanatiker in ihm zu sehen. Ich kenne keine der neueren Verfilmungen von "Jane Eyre", aber es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn Reverend Rivers darin eine entschieden negative Figur wäre.

Der promovierte Literaturwissenschaftler in mir findet den Handlungsstrang um Rochesters erste Frau Bertha - wenngleich dieser, ungeachtet seiner Bedeutung für die Gesamthandlung, weniger Raum einnimmt, als ich erwartet hätte - auch aus stoff- bzw. motivgeschichtlicher Sicht äußerst interessant: Einerseits verweist dieser Handlungsstrang nämlich auf den Einfluss der Gothic Novel - die auf dem Dachboden eingesperrte Wahnsinnige ist gewissermaßen ein säkularisiertes Gespenst -, gleichzeitig und andererseits ist er aber ausgesprochen modern, denn in Berthas Familiengeschichte - "Schwachsinnige und Tollhäusler durch drei Generationen hindurch" (S. 234) - spiegelt sich das ausgeprägte zeitgenössische Interesse an Vererbungsfragen wider, insbesondere an Degeneration, dem bösen Zwilling der Evolution. Dass Berthas Geisteskrankheit zumindest assoziativ-unterschwellig auch mit ihrer kreolischen Abstammung in Zusammenhang gebracht wird, ist natürlich irgendwie rassistisch, entspricht darin aber ganz dem einschlägigen Diskurs der Zeit -- wie man etwa in Leslie Fiedlers Standardwerk "Love and Death in the American Novel" (definitive Leseempfehlung!) nachlesen kann:
"The black woman is typically Catholic or Jew, Latin or Oriental or Negro. Wherever the Dark Lady plays a serious role in our literature, she is likely to represent either our relationship with the enslaved Africa in our midst or with the Mediterranean Europe from which our culture began; she is surrogate for all the Otherness against which an Anglo-Saxon world attempts to define itself and a Protestant one to justify its existence" (S. 301).
Auf eine ganz eigene Art bezeichnend ist das fünfeinhalb Seiten lange Nachwort von Peter Krumme, das dem außen auf das in der Ullstein-Reihe "Die Frau in der Literatur" erschienene Taschenbuch aufgedruckten Werbetext, der den emanzipatorischen Charakter dieses Romans betont, geradewegs widerspricht. Mit Janes christlicher Tugend kann Nachwortautor Krumme indes erst recht nichts anfangen, er sieht darin bloß ein Kennzeichen des "masochistischen Charakters" (S. 351) und des Verhaftetseins in der "Moral des viktorianischen Zeitalters" (S. 348). Ich würde sagen, diese Einschätzung wird der Romanheldin ja nun gar nicht gerecht, aber um darauf näher einzugehen, ist hier wohl nicht ganz der Platz. Jedenfalls denke ich, diesen Roman kann man wohl getrost ins Büchereiregal aufnehmen.

Was schließlich das Buch "Islam in Deutschland" von Silke Fauzi betrifft, hat meine Einschätzung zu der Frage "Was soll man nun mit diesem Buch machen?" in der zurückliegenden Woche allerlei Wendungen und Windungen durchgemacht. Schlecht fand ich es zwar die ganze Zeit, aber wie man ja z.B. auch an "Flieg, Friedenstaube" sieht, gibt es ja durchaus unterschiedliche Kategorien von "schlecht". Die Abschnitte, in denen es um politische und juristische Auseinandersetzungen über Themen wie "Die Kopftuchfrage", "Unterrichtsbefreiung muslimischer Mädchen", "Islamunterricht" und "Schächten" geht (ca. S. 92-110), fand ich nämlich teilweise durchaus interessant und #BenOp-relevant, nämlich insofern, als sie einerseits erahnen lassen, was gläubigen Christen in der Auseinandersetzung mit dem säkularen Staat und der säkularen Gesellschaft noch so alles blühen könnte, und andererseits eben auch zeigen, wie geschickt islamische Verbände in solchen Auseinandersetzungen ihre Position vertreten -- wovon #BenOp-Communities zweifellos eine Menge lernen können. Zuweilen muss man dabei allerdings ziemlich um die Ecke denken. So äußert die Autorin im Zusammenhang mit Bedenken gegen einen islamischen Religionsunterricht: "Und welch merkwürdige Furcht herrscht vor der verschlossenen Klassentür, dass dahinter eine Art Gehirnwäsche an den Schülerinnen und Schülern befürchtet wird?" (S. 94). Da sag ich mal einfach nur: Tja. -- Im selben Zusammenhang wird gegen einen "bekenntnisneutrale[n] Religionsunterricht" eingewandt, dieser berge "die Gefahr, die 'religiöse Mittelschicht' auszumerzen. [...] Nur Familien mit einer bewusst gelebten Religiosität werden darauf achten, ihren Kindern andere Wege der religiösen Bildung zu eröffnen" (S. 100); da sind wir wieder bei Pastor Kurowski und dem Lob der Volkskirche als Garantin religiöser Mittelmäßigkeit. Man darf, so lautet das Argument, die Religion nicht den sehr Religiösen überlassen.

Das leitet übrigens recht gut über dazu, was mich an diesem Buch bei fortschreitender Lektüre zunehmend fassungslos gemacht hat: nämlich, mit welcher arroganten Selbstverständlichkeit manche darin zu Wort kommenden Stimmen (zu denen tendenziell wohl auch die Autorin selbst gehört) voraussetzen, die Anhänger einer Religion hätten sich gegenüber der säkularen Gesellschaft bzw. dem säkularen Staat für ihren Glauben zu rechtfertigen. Zu den Schlimmsten von dieser Sorte gehört - neben dem selbsternannten "Schöpfer der Idee Euro-Islam" (S. 194), Bassam Tibi - der vermeintlich so harmlos-biedere Grünen-Politiker Cem Özdemir -- der übrigens gleich in seiner ersten Antwort auf eine Interviewfrage den Islamismus mit "evangelikalen Kreisen innerhalb des Christentums" vergleicht (S. 113); da weiß man doch gleich, woran man ist. Auf die Frage, ob es für ihn "vorstellbar" wäre, "dass eine Frau mit Kopftuch an einer deutschen Schule unterrichtet", antwortet er:
"Das wäre mir ungefähr so egal, wie wenn die Person eine Kippa auf dem Kopf hat oder ein Kreuz um den Hals, solange es nicht missbraucht [!] wird, um zu missionieren" (S. 121). 
Okay, zum Missionsbegriff kommen wir noch; davon abgesehen mag man dieses Statement ja einigermaßen fair finden. Die Maske fallen lässt er an anderer Stelle:
"Wer mitdiskutieren möchte, über die Frage des Religionsunterrichts oder über andere Fragen, der muss bereit sein, die Spielregeln dieser Gesellschaft zu übernehmen - und was das ist, ist ja relativ klar: Säkularismus." (S. 113) 
Ganz schön heftig, mit welcher Nonchalance Özdemir hier den Säkularismus zur Staatsdoktrin erklärt und dekretiert, wer das nicht akzeptiere, dürfe über Fragen des Verhältnisses zwischen Staat und Religion(en) nicht einmal mitdiskutieren. Man könnte ihm womöglich zugute halten, dass er sich einfach unglücklich ausgedrückt hat oder nicht weiß, dass es zwischen "säkular" und "säkularistisch" einen Unterschied gibt, aber überzeugt uns das? Ich persönlich gehe jedenfalls davon aus, dass Cem Özdemir weder so dumm ist, wie er tut, noch so intelligent, wie er glaubt. -- Aber auch ein Günther Beckstein (CSU) erklärt in der "Tacheles"-Talkrunde vollmundig:
"Wir müssen zu einem Euro-Islam kommen. Der Islam muss sich einer historisch-kritischen Forschung stellen und die Aufklärung erleben, die wir im Christentum gehabt haben." (S. 188) 
Und so jemand gilt als konservativ! Am vernünftigsten unter den Teilnehmern der Talkrunde, die im Buch alle auch einzeln interviewt werden, erscheint mir bezeichnenderweise Ali Kızılkaya, der damalige Vorsitzende des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland und frühere Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî GörüşBezüglich des immer wieder auftretenden Verdachts, gewisse Islamverbände gäben sich nur nach außen hin verfassungstreu, verträten nach innen aber ein fundamentalistisches Religionsverständnis, verweist Kızılkaya auf ein "türkisches Sprichwort":
"[W]er nicht so lebt, wie er glaubt, der glaubt, wie er lebt. Das heißt, wenn einer vierzig Jahre lang etwas vormacht, dann glaubt er das schließlich. Wenn er denn überhaupt etwas vorgemacht hat." (S. 149)
Das scheint mir eine profunde und ausgesprochen #BenOp-relevante Aussage! -- Übrigens werden im Buch mehrfach Bestrebungen erwähnt, die Millî Görüş in Deutschland zu verbieten; das finde ich nicht uninteressant, zumal die Moschee in Einswarden, dem "Problemstadtteil" meines Heimatstädtchens Nordenham, von diesem Verband betrieben wird.

Letztendlich geht es mir hier allerdings (was einige meiner Leser sicherlich schon gemerkt haben werden) gar nicht so sehr um den Islam, sondern weit mehr darum, was für eine Sicht auf das Christentum sich aus den Aussagen des Buches zum Islam extrapolieren lässt. Dazu habe ich ja vorige Woche schon ein bisschen was gesagt, aber weiter hinten im Buch wird es immer schlimmer. So wird dem Islam vorgehalten, er "kenne zum Beispiel keine sexuelle Befreiung" (S. 157), oder es ist von einer "Entwicklung des Christentums von der Kreuzzugsreligion zum Sammelbecken pazifistischer Bewegungen" die Rede (S. 176). Insgesamt wird der Eindruck erweckt, das Christentum als Ganzes habe sich mit der Säkularisation nicht nur abgefunden, sondern erkenne sie sogar als einen positiven Wert an, und daran solle sich der Islam gefälligst ein Beispiel nehmen. Was er, beispielsweise in Gestalt des ägyptischen Muftis Ahmed El-Tayeb, anscheinend auch tut: "Ich habe jetzt erst begriffen, dass die Trennung von Religion und Politik einen Schutz der Glaubensfreiheit bedeutet", gibt er anlässlich einer Reise nach Deutschland zu Protokoll. "Früher habe ich das als Ablösung der Religion aus dem Leben verstanden" (S. 156). Der Witz daran ist allerdings, dass El-Tayeb vom ägyptischen Präsidenten Mubarak zum Mufti ernannt wurde, nachdem sein Vorgänger sich zu sehr "von der offiziellen Regierungslinie entfernt hatte" (ebd.). Und der redet nun von Trennung von Staat und Religion! Ziemlich doll lachen musste ich bei der Aussage "Die protestantische Kirche versteht sich schon lange nicht mehr als die 'allein selig Machende'" (S. 176) -- denn das war sie schließlich nie! Ansonsten ist der Abschnitt über den "Dialog der Religionen" (S.154-177) allerdings eher nicht zum Lachen. "Jemanden missionieren zu wollen hat für viele Christen aus den Erfahrungen der Geschichte einen außerordentlich üblen Beigeschmack", heißt es etwa auf S. 161; und das, so soll es der Leser offenkundig verstehen, ist auch gut so, denn: "Die Absage an missionarische Ambitionen ist im Dialog der Religionen notwendige Voraussetzung für das Gelingen des Gesprächs." (S. 163) Endgültig als Fall für den Giftschrank erweist sich das Buch, wenn es einem evangelischen Theologen namens Reinhard Leuze das Wort erteilt, der etwa erklärt, "[e]s sei zwar ein und derselbe Gott, der sich den Juden, Christen und Muslimen offenbart habe. Zugleich seien die Offenbarungen aber so verschieden, dass man Gottes Freiheit und Souveränität darin erkennen müsse, dass er sich nicht allen Menschen als der gleiche Gott offenbare" (S. 165). Wie  bitte? Falls man noch im Zweifel ist, was man davon nun halten soll, wird Leuze an späterer Stelle noch deutlicher: "Der Koran ist nicht nur heilige Schrift einer anderen Religion; er ist Offenbarungsurkunde des einen Gottes, den wir als den Gott Jesu Christi verehren" (S. 170). Dem zur Entstehungszeit des Buches bereits verstorbenen iranischen Religionswissenschaftler Abdoldjavad Falaturi wird die Aussage zugeschrieben,
"[w]er aus Überzeugung und im Bewusstsein seiner Verantwortung seine Religion vertrete, erkenne in exklusiven Wahrheitsansprüchen eine unzulässige Bevormundung Gottes. Die Vorstellung von alleiniger Seligkeit für die Anhänger des eigenen Glaubens und von Verdammnis für alle anderen sei nichts als eine egozentrische Einengung der göttlichen Liebe und Barmherzigkeit." (S.166f.) 
Also echt mal, was für ein Scheiß. Auf S. 172 wird zu allem Übel auch noch Hans Küng zitiert; nochmals fällt dieser Name in einem Interview mit Bassam Tibi, als Anschauungsbeispiel dafür, dass Religionskritik im christlichen Kontext weniger gefährlich sei als im islamischen:
"Wenn Sie als Christ abweichende Positionen haben, kann man Sie ausgrenzen, wie es Hans Küng passiert ist, aber er hat seinen Lehrstuhl behalten, ist anerkannt als Christ. Und er ist am Leben." (S. 196) 
Nun gut: Dass Küng am Leben ist, das wollen wir ihm gern gönnen, auch wenn er selbst schon mal angedeutet hat, dass er durchaus an den Punkt kommen könnte, das lieber nicht mehr sein zu wollen. Aber "anerkannt als Christ"? Von wem? Von mir jedenfalls nicht!

Abschließend will ich aber noch einen Satz zitieren, den ich gerade aus #BenOp-Sicht recht interessant finde und auf dem ich immer noch herumkaue: "Interessenvertretung in einer Demokratie ist notwendigerweise immer politisch" (S. 125). Da frage ich mich: Stimmt das? Und wenn ja, ist es dann wirklich spezifisch für Demokratien? Was für ein Politikbegriff liegt dieser Aussage zugrunde? Das muss wohl noch zu Ende gedacht werden.

Kurz und gut, da das Buch ja durchaus seine - wenn auch eher "unfreiwillig" - interessanten Aspekte hat, landet es nicht in der Blauen Tonne, sondern ich behalte es vorläufig privat. Auf längere Sicht wäre vielleicht mal über eine "geschlossene Abteilung" der Pfarrbücherei nachzudenken, wo Bücher 'reinkommen, die nur mit Sondergenehmigung 'rausgerückt werden...

Nachdem der Lesestoff der zurückliegenden zwei Wochen sich also in Hinblick auf #BenOp-Relevanz als ausgesprochen unergiebig erwiesen hat, versprechen die Bücher, die ich als nächste auf meiner Leseliste habe, bessere Ergebnisse. Es handelt sich nämlich um die folgenden:

Gegen Spende aus der Grabbelkiste des Büchertischs beim Forum Altötting gefischt. Ich war unmittelbar begeistert, dass es so ein Buch überhaupt gibt. Der Band enthält acht kurze dramatische Texte zu geistlichen Stoffen, die, wie das Vorwort verrät, die junge Ordensfrau in den Jahren 1894-97 für Aufführungen im Karmel von Lisieux verfasste. Theaterstücke von einer echten Kirchenlehrerin: Das wird man wohl als Rarität bezeichnen dürfen! Für die Beurteilung der #BenOp- und der Büchereiprojekt-Relevanz des Bändchens wird es natürlich entscheidend sein, ob die Stücke sich dazu eignen, von einer ggf. eigens zu diesem Zweck zu gründenden Laientheatergruppe aufgeführt zu werden.

Aus dem Nachlass von Pfarrer Michael Silvers: eine 1962 erschienene Dokumentation zum Verhältnis zwischen der katholischen Publizistik und dem NS-Staat. Zu den in diesem Band versammelten Quellen zählen etwa Auszüge aus Presseartikeln, aus Hirtenbriefen deutscher Bischöfe, öffentliche Bekanntmachungen von staatlicher und kirchenamtlicher Seite, Schriftwechsel zwischen staatlichen und kirchlichen Dienststellen, Statistiken u.a.; leichte Lektüre wird das sicherlich nicht, aber vermutlich sehr aufschlussreich.

Ebenfalls aus dem Nachlass von Pfarrer Silvers: eine Sammlung von Kurzbiographien über Persönlichkeiten, die das 1930 gegründete Bistum Berlin in seiner Anfangszeit geprägt haben, darunter der von Kurt Tucholsky als "Zigeuner der Wohltätigkeit" charakterisierte Arbeiterpriester Carl Sonnenschein, der im Zuge des "Röhm-Putschs" 1934 ermordete Erich Klausener, der Sel. Bernhard Lichtenberg und der Theologe Romano Guardini. Dürfte spannend werden.

Ja nun, das ist einfach ein Jugendbuch. Ich habe es aus einer Büchertelefonzelle. Es sah irgendwie nett aus. Und ich will einfach mal sehen, ob es heutzutage noch Mädchenbücher gibt, die man seiner Tochter ohne Bedenken in die Hand geben kann. Ich habe mit der Lektüre noch nicht begonnen und kann daher noch nicht viel darüber sagen, außer dass die Protagonistin Henri heißt -- wohl eine Kurzform von Henriette.

Nach langer Zeit mal wieder ein Buch, für das ich Geld ausgebe; für die eBook-Version zunächst einmal, die ist billiger und wird schneller geliefert, nämlich sofort. Auf ie Autorin war ich zunächst auf Twitter aufmerksam geworden, und vor einigen Monaten hatte ich einen Blogartikel von ihr in meinen Linktipps. Schon da dachte ich, dass ich dieses Buch mal würde lesen müssen, aber man kommt ja immer zu nichts. In "The Grace of Enough" schildert die Autorin, wie sie ihrem vorstädtischen Lebensstil Adieu sagte und mit ihrer Familie auf eine Farm in Texas zog, um Selbstversorger-Landwirtschaft zu betreiben --- und dabei Gott näher zu kommen. Ich bin sehr, sehr gespannt.

Linktipps: 

Praktisch unmittelbar vor meinem #BenOp-Vortrag in Herzogenrath erreichte mich die Nachricht, dass in der Nacht zuvor ein Anschlag auf die "Pro femina"-Schwangerenkonfliktberstungsstelle in Berlin-Charlottenburg verübt worden war; auf der einschlägig bekannten linksradikalen Online-Plattform indymedia erschien ein Bekennerschreiben, das den Anschlag in gewohnter Diktion damit rechtfertigt, dass die Beratungsstelle "Teil eines patriarchalen und menschenfeindlichen Systems" und obendrein mit "christlich-fundamentalistischen" Kreisen verbandelt sei. Während dieser Angriff in der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen worden zu sein scheint, ist in meiner Ecke des Internets in den vergangenen Tagen recht viel darüber geschrieben worden; ich möchte hier den Kommentar von Harald Stollmeier herausgreifen und empfehlen, der ebenso sachlich wie engagiert darlegt, dass und wieso es richtig und wichtig ist, die so massiv angefeindete Arbeit von "Pro femina" zu unterstützen.



Über 30 Jahre lang wurde die Pfarrei St. Ludwig in Berlin-Wilmersdorf seelsorgerisch vom Franziskanerorden betreut; nun aber zwingt die "hohe Zahl älterer und alter Brüder und der in den letzten Jahren nicht nur spärliche, sondern völlig fehlende Nachwuchs" die deutsche Ordensprovinz "zu drastischen Reduzierungen der Standorte und Aufgaben". Da St. Ludwig zudem im Zuge des "Pastoralen Prozesses 'Wo Glauben Raum gewinnt'" ohnehin in einer Großpfarrei mit "an die 30.000 Gläubigen" aufgehen soll, hat die Provinzleitung der Franziskaner beschlossen, dies sei "ein angemessener Zeitpunkt für den Abschied" -- der allerdings erst im Sommer 2020, " also in einem knappen Jahr", erfolgen soll.


Heilige der Woche: 

Heute, Montag, 14. Oktober: Hl. Kallistus I., Papst von ca. 217-222. Bekämpfte die Irrlehren des Adoptianismus und des Modalismus; Gegner, darunter der Presbyter Hippolyt, warfen ihm allzu große Milde im Umgang mit Todsündern sowie ein zweifelhaftes Vorleben vor. Die Authentizität von Überlieferungen, denen zufolge er unter Kaiser Alexander Severus das Martyrium erlitten habe, ist fraglich.

Dienstag, 15. Oktober: Hl. Teresa von Ávila (1515-1582), Ordensfrau, Mystikerin, Kirchenlehrerin.  Trat 1536 in ein Kloster der Karmelitinnen ein; betrieb ab 1560 eine durchgreifende Reform ihres Ordens, die sich dank ihrer Zusammenarbeit mit dem Hl. Johannes vom Kreuz auch auf den männlichen Zweig des Ordens erstreckte. Gründete 17 Klöster. Bedeutende Visionärin und theologische Schriftstellerin.

Mittwoch, 16. Oktober: Hl. Hedwig (1174-1243), Herzogin von Schlesien, Klostergründerin. Eine besonders unter schlesischen Heimatvertriebenen sehr populäre Heilige. Patronin des Erzbistums Berlin, weshalb ihr Gedenktag hier im Rang eines Fests steht. Hl. Gallus (ca. 550-640), Einsiedler und Glaubensbote. Stammte aus Irland, zog als Missionar durch das heutige Frankreich und die heutige Schweiz und lebte ab ca. 612 als Einsiedler am Bodensee. Hl. Margareta Maria Alacoque (1647-1690), Ordensfrau und Mystikerin. Hatte bereits als Kind Visionen, trat 1671 gegen den Willen ihrer Familie in ein Kloster der Salesianerinnen ein. Sah 1675 in einer Vision das "in Liebe entflammte Herz Jesu" und wurde daraufhin zur bedeutendsten Vorkämpferin der Herz-Jesu-Verehrung. In "meiner" Pfarrkirche Herz Jesu Tegel ist sie daher auf einem Buntglasfenster abgebildet.

Donnerstag, 17. Oktober: Hl. Ignatius von Antiochien (ca. 35-117), Bischof, Märtyrer, Apostolischer Vater. Laut frühkirchlicher Überlieferung Schüler des Apostels Johannes und zweiter oder dritter Patriarch von Antiochien, soll unter Kaiser Trajan verhaftet, nach Rom gebracht und im Zirkus den Löwen vorgeworfen worden sein. Verfasser von sieben Briefen, die wertvolle Quellen für die frühe Kirchengeschichte darstellen und deren Echtheit daher von interessierten Kreisen bestritten wird.

Freitag, 18. Oktober: Hl. Lukas, Evangelist. Verfasser des nach ihm benannten Evangeliums sowie der Apostelgeschichte; nach Auskunft der Kirchenväter Irenäus, Eusebius und Hieronymus identisch mit dem gleichnamigen Mitarbeiter und Reisebegleiter des Apostels Paulus, den dieser in mehreren Briefen (Philemon, Kolosser, 2. Timotheus) erwähnt.

Samstag, 19. Oktober: Hl. Johannes de Brébeuf, Hl. Isaak Jogues und Gefährten, zusammenfassend als "Märtyrer in Kanada" verehrt. Jean de Brébeuf (1593-1649) und Isaac Jogues (1607-1646) waren französische Jesuiten, die in der heutigen kanadischen Provinz Québec als Missionare unter den Ureinwohnern tätig waren. Jogues wurde von den Mohawk erschlagen und Brébeuf von den Irokesen am Marterpfahl zu Tode gefoltert. 1930 wurden sie zusammen mit sechs weiteren in den 1640-er Jahren in Nordamerika als Märtyrer gestorbenen Missionaren heiliggesprochen. Hl. Paul vom Kreuz (1694-1775), Mystiker, Priester und Ordensgründer. Stammte aus verarmtem piemontesischem Adel, führte ab 1720 infolge mystischer Erlebnisse ein Leben nach den Evangelischen Räten (Armut, Keuschheit und Gehorsam) und entwarf die spätere Ordensregel der 1741 päpstlich anerkannten Kongregation vom Leiden Jesu Christi ("Passionisten"). 1727 zum Priester geweiht, hielt Volksmissionen und Exerzitien ab, hinterließ umfangreiche geistliche Schriften.


Aus dem Stundenbuch: 

Ehe die Berge geboren wurden, die Erde entstand und das Weltall, * bist Du, o Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Psalm 90,2)


Mittwoch, 9. Oktober 2019

Suchen & Fragen Vol. III (Gedanken beim Aufwachen)

Was sind das eigentlich für Leute, die auf die Idee kommen, Saure-Gurken-Limonade auf den Markt zu bringen? Und wer kauft sowas? Okay, die zweite Frage ist relativ leicht zu beantworten: Ich. Als ich im Supermarktregal die Geschmacksrichtung "Limette-Gurke" der Bio-Marke eines bekannten internationalen Limonadekonzerns entdeckte, konnte ich nicht daran vorbeigehen. Das ist so eine Macke von mir. Wenn ich ein Produkt sehe, von dem ich auf den ersten Blick denke "Uääh, wie abwegig, wer macht denn sowas?", ist mein unmittelbar darauf folgender Impuls: "Muss ich mal probieren". Ich erinnere mich noch gut an "Glibber, den Wackel-Drink": Wackelpudding mit Brausepulver drin. War kein großer Erfolg. Gelatine und Brausepulver funktionieren nicht zusammen. Hätte man eigentlich vorher wissen können.

Im Fall der Gurkenlimo kann ich allerdings zu meiner Verteidigung vorbringen, dass ich sie mir erheblich anders vorgestellt hatte. Ich hätte gedacht, die würde wie eine halbwegs normale Limo schmecken, nur halt mit einer wellnessmäßigen leicht-erfrischenden Gurkennote. Gibt ja auch Leute, die trinken ihren Gin Tonic mit Gurke statt Zitrone. Wohlgemerkt: Salatgurke, nicht Gewürzgurke. Aber die besagte Brause schmeckt allen Ernstes so, als hätte jemand die Lake aus einem Glas Spreewaldgurken genommen und daraus eine Schorle gemacht.

Symbolbild, Quelle: Pexels 
Irgendwie fühlte ich mich an eine Geschichte aus einem alten Lustigen Taschenbuch erinnert, das theoretisch noch irgendwo in der Wohnung sein müsste. Darin geht es um ein diktatorisch regiertes, an Carl Barks' Brutopia erinnerndes Land, dessen einziger nennenswerter Exportartikel Pfeffergurkenmarmelade ist. Man könnte sich eine Fortsetzung vorstellen, in der der bekannte internationale Brausekonzern einen Putsch in Brutopia finanziert und anschließend den Weltmarkt mit Pfeffergurkenlimo überschwemmt. Wie ich neulich schon mal feststellte: Der Kapitalismus ist besser dazu in der Lage, die Visionen des Sozialismus zu verwirklichen, als dieser selbst.


Montag, 7. Oktober 2019

Kaffee & Laudes - Das Wochen-Briefing (27. Woche im Jahreskreis)

Was bisher geschah: Die Anzeichen verdichten sich, dass beim Kind die letzten Milchzähne (d.h. die hinteren Backenzähne) im Anmarsch sind; das bedeutet schlechten Schlaf für die ganze Familie. Besonders am Montag hing ich ziemlich in den Seilen. Am Dienstagabend tagte, wie bereits angekündigt, der scheidende Pfarrgemeinderat letztmals in öffentlicher Sitzung; eine gute Gelegenheit, in mich zu gehen und mich zu fragen, ob ich eigentlich komplett lebensmüde bin, für den neuen Pfarrgemeinderat zu kandidieren. Eineinhalb Stunden in so einer Sitzung, und man fühlt sich um Jahre gealtert. Insgesamt war ich im Laufe der letzten Jahre bei drei Sitzungen dieses Gremiums, und ich habe immer noch keine klare Vorstellung davon gewonnen, was es eigentlich tut; oder präziser gesagt: was für einen Unterschied es machen würde, wenn es dieses Gremium einfach nicht gäbe. Im Alter von 16-19 Jahren war ich schon mal Mitglied in einem Pfarrgemeinderat, aber die Erinnerung daran habe ich größtenteils verdrängt. Nach aktuellem Stand gibt es für die Wahl am 23./24. November übrigens noch immer nicht genügend Kandidaten, um alle vorgesehenen Sitze zu besetzen. Dabei hatte ich gedacht, meine Kandidatur würde vielleicht andere Gemeindemitglieder dazu motivieren, zu verhindern, dass ich reinkomme. Na, wenn nicht, dann will ich hinterher aber auch keine Klagen hören! -- Am Mittwoch hatte ich alle Hände voll zu tun, um die Rosenkranzandacht und das Dinner mit Gott vorzubereiten und nebenbei das Kind zu bespaßen, aber es klappte alles ziemlich gut und hatte somit etwas ausgesprochen Befriedigendes. Die Rosenkranzandacht war erfreulich gut besucht, aber leider blieb nur ein vergleichsweise kleiner Teil der Teilnehmer anschließend noch zum Essen. Dennoch war das "Dinner" sehr schön, und ich freue mich schon auf das nächste (am 6. November). -- Am Freitag war nicht nur der Gedenktag des Hl. Franz von Assisi, sondern auch Herz-Jesu-Freitag, da gingen wir eine gute Stunde lang zur Anbetung und anschließend zur Abendmesse, die der Goldenen Hochzeit eines sehr sympathischen Ehepaares gewidmet war. Insgesamt ein erfreulicher "Kirchenabend",  allerdings befürchte ich, unser Pfarrer kriegt allmählich die Krise, wenn er uns nur sieht; denn nachdem er zum Abschluss der Anbetung recht kurz und unzeremoniös den Eucharistischen Segen gespendet hatte, stimmte meine Liebste eigenmächtig das "Tantum ergo" an, ich stimmte natürlich ein, und ein paar andere Gemeindemitglieder ebenfalls. Wirkte schon ein bisschen demonstrativ. Am Samstag machten wir uns gegen Mittag auf den Weg zu "Suppe & Mucke" (ich berichtete bereits darüber) und gingen von dort aus zur Vorabendmesse in St. Antonius am Ostbahnhof. Mal ein bisschen Erholung von der eigenen Pfarrei. Am Sonntag machten wir uns schon sehr früh auf die Reise und kamen am Nachmittag in der Abtei Rolduc in Kerkrade an. Was machen wir da? Urlaub? Nicht direkt, wenngleich es sich bisher durchaus danach anfühlt... 


Was ansteht: Heute ist der Gedenktag Unserer Lieben Frau vom Rosenkranz, mit anderen Worten: der Jahrestag der Seeschlacht von Lepanto. Wenn das mal kein passendes Datum für einen Vortrag über die Benedikt-Option ist! Einen solchen halte ich heute Abend ab 19:30 Uhr im Rahmen der Herzogenrather Montagsgespräche in der Pfarrei St. Gertrud in Herzogenrath bei Aachen. Morgen geht's dann zurück nach Berlin, von Mittwoch auf Donnerstag bekommen wir Übernachtungsbesuch vom jüngeren meiner beiden Neffen, und am Wochenende beginnt im Baumhaus das "Emergent Berlin Festival" -- mit Projektpräsentationen, Vorträgen, Diskussionsrunden und Workshops rund um Themen wie Nachhaltigkeit, "Zero Waste", Permakultur, Street Art und und und. Könnte sich lohnen, da mal vorbeizuschauen -- im Baumhaus ist es schließlich immer schön...  

aktuelle Lektüre:
  • Graham Greene: Die Reisen mit meiner Tante 
Ein biederer frühpensionierter Bankangestellter lernt bei der Einäscherung seiner Mutter deren exzentrische Schwester kennen und wird in der Folge in eine Kette bizarrer Abenteuer verstrickt. Ein unterhaltsamer und brillant geschriebener Roman, allerdings lässt die Frivolität der Titelfigur (also der Tante) die Eignung des Buches für eine Pfarrbücherei mehr als fragwürdig erscheinen. Ich bin geneigt zu sagen, im direkten Vergleich zu "Die Reisen mit meiner Tante" ist "Naomi und Ely" ein hochmoralisches Werk, und selbst in "Manhattan Transfer" geht es vergleichsweise gesittet zu. Hinzu kommt das zutiefst zwiespältige Verhältnis des Autors zur katholischen Kirche, das sich im Roman auf vielfältige Weise niederschlägt.  Die Episode um die "Hundekirche", die ein ehemaliger Zirkusdompteur in einem Pub in Brighton betrieben hat (S. 41ff.), kann man durchaus noch als satirisches Kabinettstückchen goutieren, gerade auch dank solcher Details wie dem, dass der Hundegeistliche von eigenen Gnaden sich "unerbittlich" (S. 43) gegen die Wiederverheiratung Geschiedener sträubt. Aber bei einer anderen Episode, in der Tante Augustas Ex-Lover Visconti ("ein guter Katholik, aber sehr, sehr antiklerikal", S. 113) kurz vor Ende des II. Weltkriegs in geistlichem Kostüm aus Rom flüchtet und infolge dieser Verkleidung mehrfach wider Willen als Beichtvater agieren muss, hört der Spaß dann doch auf. Das kommt mir nicht in die Bücherei! 

Das Hippie-Mädchen Tooley, das der Ich-Erzähler im Orient-Express von Paris nach Istanbul kennenlernt, mag ich allerdings irgendwie. Sie wirkt auf mich wie eine Art "reine Törin", die auf ihre bekifft-naive Weise zuweilen durchaus profunde Wahrheiten ausspricht. Okay, die Aussage
"Ich wäre auch einmal beinahe katholisch geworden. Wegen der Kennedys. Wie dann aber zwei erschossen wurden - ich meine, ich bin eben abergläubisch. War Macbeth katholisch?" (S. 95) 
gehört vielleicht eher nicht dazu; wohl aber diese:
"Das Unglück heutzutage ist nur, dass Männer nichts wissen. Früher hat ein Mädchen nie gewusst, was es tun soll, und jetzt wissen es die Männer nicht." (S. 96) 
Und was sie auf S. 110 über die Pille und ihre Auswirkungen auf das Verhältnis der Geschlechter sagt ("Jetzt ist nur noch das Mädchen schuld. Ich hab's wirklich vergessen. [...] Aber Julian wird mir das alles nicht glauben. Er wird glauben, daß er in der Falle sitzt"), ist gar nicht so blöd, jedenfalls wenn man mehrfach um die Ecke denkt. 

Hier noch ein paar andere schöne Zitate, die nicht von Tooley stammen: 
"Freiheit der Rede und des Handelns ist es vielleicht, was den Erfolglosen wirklich mit Neid erfüllt, nicht Geld und nicht einmal Macht." (S. 50)  
"Ihre Konversation glich einer Illustrierten, bei der man, um das Ende einer Geschichte zu erfahren, von Seite zwanzig auf Seite achtundneunzig blättern muß und alle möglichen anderen Themen überspringt: Jugendkriminalität, neue Cocktailrezepte, das Liebesleben der Filmstars, ja sogar eine ganz andere Geschichte als die, die so roh unterbrochen wurde." (S. 54)  
"Ich mußte daran denken, wie ich mich als Junge immer gefragt hatte, ob sich im Grab des Unbekannten Soldaten eigentlich wirklich die Gebeine eines Gefallenen befanden; Regierungen sind meist sparsam mit Gefühlen und versuchen die Gemüter möglichst billig zu entflammen." (S. 58) 
Übrigens stammt die mir vorliegende Ausgabe des Romans aus dem Ostberliner Verlag "Volk und Welt", und ich finde es durchaus etwas überraschend, dass dieses Buch in der DDR erscheinen durfte. Gerade angesichts der unvorteilhaften Urteile über  die kommunistischen Länder, die der Orient-Express auf dem Weg nach Istanbul durchquert (S. 108f.). Okay, Jugoslawien war kein "Bruderland". Bulgarien aber schon, und da ist es noch schlimmer.

  • Antoine de Saint-Exupéry: Nachtflug 
Dieser Kurzroman, der seinem Autor erst den literarischen Durchbruch bescherte und ihn dann (infolge seiner Überempfindlichkeit gegen Kritik) in eine Schaffenskrise stürzte, wurde 1933 verfilmt, aber trotz Starbesetzung (Clark Gable, Myrna Loy, Robert Montgomery, Helen Hayes u.a.) war der Film ein Flop. Wundert mich gar nicht: Es mag ja sein, dass das ein gutes Buch ist, aber dann habe ich einfach keinen Sinn dafür. Es interessiert mich einfach nicht die Bohne. "Diese Art Kunst langweilt uns und langweilt Sie; Sie geben es nur nicht zu", heißt es auf S. 59, und ich dachte nur: Isso.  -- Schon das Vorwort von André Gide fand ich, gelinde gesagt, abtörnend: Dieses ganze Pathos um den Begriff des "Heldischen" (geschrieben 1930!) kam mir irgendwie faschistoid vor. Dann aber (S. 9f.) zitiert Gide einen Brief Saint-Exupérys, in dem dieser "eine kleine Heldentat", die Bergung eines Flugzeugs in der mauretanischen Wüste, schildert, und der Humor und das Understatement dieses Texts schien mir so sehr im Gegensatz zu Gides verbalem Säbelrasseln zu stehen, dass ich mich fragte: Wer von uns beiden versteht Saint-Exupéry jetzt eigentlich falsch? Na ja, wahrscheinlich dann wohl doch ich. Oder Saint-Exupéry hat sich selbst nicht ganz verstanden, das erscheint mir nicht unplausibel. Jedenfalls mag ich das Buch nicht. Glücklicherweise ist es kurz. 

  • Hermann Koch: Flieg, Friedenstaube 
Diesem Buch hatte ich von vornherein eine gewisse Skepsis entgegengebracht, und zwar nicht zuletzt deshalb, weil der Autor evangelisch-landeskirchlicher Religionspädagoge ist. Tatsächlich trieft bereits das Vorwort von typischem Religionspädagogen-Sprech: pedantisch, gestelzt und doch gleichzeitig von der blumigen Sentimentalität der "Neuen Innerlichkeit" angekränkelt. Man hofft, die eigentliche Romanhandlung werde in einem anderen Stil erzählt, aber zugleich ahnt man schon, dass dieser Autor nicht anders kann. Diese Ahnung bestätigt sich nur allzu bald: Das Buch zeichnet sich durch eine ungelenke, im Grunde unliterarische Sprache aus, zusätzlich störend wirkt ein recht eigentümlicher Umgang mit den Zeitformen; insbesondere mit dem Plusquamperfekt scheint der Autor auf Kriegsfuß zu stehen und vermeidet es nach Kräften. Tendenziell noch irritierender finde ich jedoch die vielfach arg anachronistische Wortwahl. Der Roman spielt um 700-und-ein-paar-Zerquetschte v. Chr., und trotzdem kommen Wörter wie "Planziel" (S. 55 u.ö.), "Verteidigungsfall" (S. 77), "Modejournal" (S. 117) und "Realpolitiker" (S. 187) darin vor. Erinnert mich ein wenig an einen Roman, den ich vor Jahren mal auf einem Flohmarkt aufgerissen habe: "Die Kaiserin Galla Placidia" von Henry Benrath. Da ist dieser anachronistische Stil aber noch penetranter. Gleich am Anfang hält der Feldherr Stilicho eine Rede vor dem römischen Senat und drückt sich dabei aus wie ein Politiker des 20. Jahrhunderts. Ich fand das so unerträglich, dass ich mich nicht überwinden konnte, das Buch weiterzulesen, und darüber war ich ziemlich sauer, da ich den historischen Hintergrund wahnsinnig interessant fand und dachte, das müsste ein hervorragender Stoff für einen spannenden Roman sein. Tja. 

Nun, Benrath hatte seine Gründe, so zu schreiben (die er,  wenn ich mich recht erinnere, in einem Vor- oder Nachwort explizit darlegte, was mich nicht davon abhielt, es trotzdem Scheiße zu finden); das ist hier vermutlich ebenso der Fall, aber hier finde ich es noch auf eine besondere Weise bezeichnend. Das Buch tut sich ja sehr viel darauf zugute, die Erkenntnisse "historischer und archäologischer Forschungen" zu berücksichtigen. Und dann sowas. Ein Paradebeispiel dafür, wie es kommt, dass die Ergebnisse "historisch-kritischer Exegese" (oder dessen, was sich landläufig dafür ausgibt) auf mich oft so ahistorisch und unkritisch wirken: Historisch-kritische Forschung müsste eigentlich damit anfangen, erst mal die historische Bedingtheit der eigenen Perspektive zu dekonstruieren. Genau das tut aber anscheinend kaum jemand.

Ironischerweise trug allerdings gerade dieser anachronistische Blick auf das historische Geschehen dazu bei, dass ich schon relativ früh Hoffnung schöpfte, der Roman könnte, so schlecht er auch geschrieben ist, doch einigermaßen interessant werden. Auf S. 26ff. stellt nämlich der Wirtschaftsberater Schebna einen "Dreistufenplan" vor, mit dem er das kleine Königreich Juda zur bedeutenden Regionalmacht aufbauen will; und der erste Teil dieses Plans betrifft eine radikale Umstrukturierung der Landwirtschaft. Anstelle eher kümmerlich vor sich hin ackernder Kleinbauern und Weinbergsbesitzer will Schebna die "assyrische Großraumwirtschaft" zum Vorbild nehmen: "Alles [...] zentral verwaltet, von der Beamtenschaft" (S. 26).  Mich erinnert das punktgenau an die LPG-Debatte in "Spur der Steine"! Auch sonst habe ich, bei aller Berufung auf die Erkenntnisse "historischer und archäologischer Forschungen" und wenngleich es in den Prophetenbüchern, Psalmen hinreichend Anhaltspunkte gibt, die den Handlungsstrang um die Enteignung der kleinen Weinbergsbesitzer usw. einigermaßen plausibel erscheinen lassen, den Verdacht, dass auch der Umstand eine gewisse Rolle spielt, dass das Buch auf dem Höhepunkt des Kalten Krieges entstanden ist. Nämlich 1981. Zwischenzeitlich vergaß ich sogar, dass Autor Hermann Koch der evangelischen Landeskirche Württembergs angehört, und dachte, das Buch stamme womöglich aus der DDR - zumal "Verlag Junge Gemeinde" ja auch irgendwie "realsozialistisch" klingt, aber das täuscht: Der Verlag sitzt in der Pietisten-Hochburg Leinfelden-Echterdingen.

Durchaus "heutig" mutet es an, dass Schebna den kleinen Weinbergsbesitzern die Wasserzufuhr sperrt: "Wollt ihr Wasser, so müßt ihr dafür bezahlen!" (S. 92). Nestlé lässt grüßen... Dass es auf S. 93 heißt : "Daß er uns jetzt auch das Wasser abstellt, das hat das Faß zum Überlaufen gebracht!", ist indes eine sehr unglücklich gewählte Metapher.

Noch mehr als Kochs unbeholfene Schreibe hat mich vor allem anfangs der Umstand irritiert, dass von Gott darin zumeist in einer Weise die Rede ist, als sei Er für die handelnden Personen bestenfalls eine hypothetische Größe, jedenfalls keine erfahrbare Realität. Sehr bezeichnend hierfür ist ein Satz auf S. 67: "S. 67: "Die Priester standen in feierlicher Haltung da, als sei [!] Gott gegenwärtig." -- Nach und nach verdichtet sich allerdings der Eindruck, dass es dem Autor gerade darum geht, diese "als ob"-Haltung, die formalisierte und institutionalisierte Religion der Priester und Hofpropheten als Negativfolie zu nutzen, von der sich Jesaja positiv abhebt: Der hat Gott nämlich in seiner Berufungsvision tatsächlich gesehen. Dann wiederum irritiert es umso mehr, dass der Jesaja des Romansdennoch vielfach agiert wie ein Politiker und dass seine Prophezeiungen zumeist eher die Ergebnisse seiner eigenen Überlegungen darzustellen scheinen als direkte Eingebungen von Gott.

Übrigens trägt Jesaja seine Prophezeiungen zuweilen zur Gitarre vor, und einmal macht er sogar Anstalten, à la Pete Townshend seine Gitarre zum Abschluss seiner Performance auf dem Boden zu zerschmettern (S. 139).

Kurzum, ich weiß nicht so recht, was ich aus diesem Buch machen soll. Während der Lektüre des ersten Viertels des Romans lautete meine Prognose, dieses Buch würde irgendwo zwischen "Platz 17 oder vielleicht doch eher 18 auf der Rangliste der #BenOp-relevanten Lesefrüchte" und "Giftschrank" landen; zur Mitte hin verschob sich mein Eindruck dann aber doch erheblich zum Positiven hin, sodass ich derzeit sogar Platz 13 oder 14 für erreichbar halte. (Genaueres zur Rangliste der #BenOp-relevanten Lesefrüchte verrate ich am Ende des Kirchenjahres, also an Christkönig.) Im zweiten Viertel des Romans mehren sich nämlich die im positiven Sinne bemerkenswerten Stellen, wie zum Beispiel:
"Verstockung liegt dann vor, wenn der fromme Betrieb weiterläuft und man trotzdem Gott nicht gehorcht" (S. 178). 
Oder:
"Angst und Grauen stiegen im Herzen des Propheten auf. Grauen vor einer gottlosen Welt, in der keiner mehr bezeugt, daß Gott da ist." (S. 198) 
Jesajas Vorschlag "Laß uns die Menschen regelmäßig zusammenrufen, die auf mein Wort hören" (S. 205) drückt in gewissem Sinne sogar den Kerngedanken der #BenOp aus. -- Schön ist auch eine Passage, mit der ein längeres Verstummen des Propheten begründet wird: 
"Aber der Sämann sät nicht immer. Einmal ist das Feld bestellt und die Arbeit getan. [...] Nun will ich warten und hoffen. Darauf, daß Gott wachsen und reifen läßt." (S. 236) 
Abzüge in der B-Note gibt's hingegen dafür, dass Koch im Zusammenhang mit der Immanuel-Prophezeiung (Jesaja 7,14f.) ausdrücklich und wiederholt "junge Frau" schreibt und nicht "Jungfrau"  (S. 199ff.)...

  • Charlotte Brontë: Jane Eyre 
Ein echter Lichtblick in dieser insgesamt eher wenig begeisternden Etappe meiner Lektürerotation. Dass, wie schon letzte Woche erwähnt, die Werke der Marlitt von zeitgenössischen Kritikern gern mit "Jane Eyre" verglichen wurden, wundert mich gar nicht: Die Kindheit der Hauptfigur von E. Marlitt Erfolgsroman "Das Geheimnis der alten Mamsell" hat erhebliche Ähnlichkeit mit derjenigen Janes im Hause der Mrs. Reed; die lange und häufige Abwesenheit des Mr. Rochester von seinem Gut kehrt sehr ähnlich in E. Marlitts "Goldelse" wieder, und überhaupt ähnelt der Charakter des Mr. Rochester und sein Verhalten gegenüber der Titelfigur sehr stark dem typischen Schema der Marlitt-Marlitt-Romane. Rochesters frühere Liaison mit einer Pariser Tänzerin, deren Kind er dann in seine Obhut nimmt, findet partielle oder ungefähre Entsprechungen in E. Marlitts "Heideprinzeßchen" und "Im Schillingshof".  Bisschen viele Ähnlichkeiten, um rein zufällig zu sein, möchte man meinen. Aber okay: Zwischen dem Erscheinen von "Jane Eyre" und dem des ersten Marlitt-Romans lagen knapp 20 Jahre; möglicherweise waren die genannten Motive inzwischen in der Unterhaltungsliteratur von und für Frauen derart topisch geworden, dass die Marlitt den Roman der Brontë gar nicht selbst gelesen haben musste, um diese Elemente zu übernehmen. Da zumindest die deutschsprachige Unterhaltungsliteratur aus jener Zeit noch kaum erforscht ist, kann man darüber nur spekulieren. Bei allen Gemeinsamkeiten muss man allerdings festhalten, dass "Jane Eyre" erheblich kühler, nüchterner und härter ist als jeder Marlitt-Roman. Die Marlitt war zwar keinesfalls die harmlose Kitschtante, als die die Nachwelt sie abgestempelt hat, aber Charlotte Brontë war im direkten Vergleich eindeutig gnadenloser. 

Abgesehen von solchen intertextuellen Bezügen haben mich in der ersten Hälfte des Romans vor allem die Passagen um Janes Schulfreundin Helen Burns angesprochen. Aus ihrem Gespräch mit Jane über ihre Lehrerinnen und über disziplinarische Maßnahmen in der Schule (S. 50ff.) kann man, ein wenig um die Ecke gedacht, einiges über Pädagogik lernen; so zum Beispiel anhand des Umstands, dass Helen im Unterricht nur dann aufmerksam ist, wenn das, was die Lehrerinnen erzählen, interessanter ist als das, was sie sich selbst denken kann. (Das ging mir auch immer so.) 

  • Silke Fauzi: Islam in Deutschland 
Ein weiteres Buch, von dem ich - ähnlich wie im Falle von Hermann Kochs "Flieg, Friedenstaube" - von vornherein nicht erwartet hatte, dass ich es gut finden würde; wohl aber interessant, nicht zuletzt als zeitgeschichtliches Dokument. Und, nun ja, diese Erwartung hat es bislang so ziemlich erfüllt. Es ist in Teilen durchaus informativ, gleichzeitig aber auch ziemlich doof; wobei ich fürchte, das Faktenwissen über den Islam in Geschichte und Gegenwart, das das Buch vermittelt, könnte man auch woanders finden, sodass als "Sondergut" dieser Publikation nur das Doofe übrigbleibt. Natürlich ist in gewissem Sinne gerade das interessant. Das Buch ist 2003 unter dem Eindruck des Irakkriegs entstanden, auch die Erinnerung an den "9/11"-Schock war noch frisch; so schlägt das Buch bei all seinem Bemühen um eine moderate Haltung zuweilen doch erheblich kritischere Töne hinsichtlich des Extremismus- und Gewaltpotentials des Islam und auch gegenüber den Positionen und Strategien von Islamvertretern im gesellschaftlichen Diskurs an, als es einer vergleichbaren Publikation heutzutage zuzutrauen wäre. Und das ist ja schon ein bemerkenswerter Befund. Schon die Abfolge der Hauptabschnitte im Inhaltsverzeichnis ist in dieser Hinsicht aufschlussreich: "Der Islam: Grundlagen und Geschichte", "Wie gefährlich ist der Islam?", "Interview mit dem bayerischen Innenminister Dr. Günther Beckstein (CSU)", "Wo verlaufen die Grenzen der Toleranz?", weiter bin ich noch nicht.

Für den Umstand, dass diese Publikation im Auftrag bzw. unter der Ägide der EKD entstanden ist, erscheint es äußerst bezeichnend, dass überall da, wo Unterschiede zwischen Islam und Christentum betont werden, implizit ein liberales, "aufgeklärtes" Christentum vorausgesetzt wird. Aufklärung und Säkularisation werden als etwas ungebrochen Positives betrachtet. So heißt es auf S. 42:

"Während sich in Europa die Säkularisierung vollzogen hatte, bei der die Religion sich auf einem gesellschaftlichen Teilbereich zurückzog und autonom neben anderen Teilbereichen wie Politik, Justiz, Wissenschaft existierte, blieb in der islamischen Welt der Absolutheitsanspruch der Religion erhalten." 
Und auf S. 50:
"In einer säkularisierten Gesellschaft ist die Religion nur ein gesellschaftlicher Teilbereich unter vielen. Religionssoziologen sehen darin einen Fortschritt und auch eine Befreiung der Religion von ihr wesensfremden Aufgaben."
Ja klar, solche Religionssoziologen kenne ich auch. Wie sagt doch der "Realpolitiker Schebna in "Flieg, Friedenstaube"
"Priester und Propheten sollen sich nicht mit Politik befassen! Innerhalb der Tempelmauern sollen sie bleiben!" (S. 208) 
Aber mal im Ernst: Wenn von "der Religion" - und nicht nur den religiösen Institutionen - "wesensfremden Aufgaben" die Rede ist, dann setzt das bereits ein reduziertes Religionsverständnis voraus. Ein solches, nämlich subjektivistisch-"privates" und gefühlsbetontes, wird schon ganz am Anfang des Buches deutlich, wenn die muslimische Gebetspraxis in einem Tonfall geschildert wird, als sei sie etwas zutiefst Fremdartiges und Unverständliches; dabei gibt es doch auch im Christentum die Tradition des Stundengebets! -- Ich weiß, darüber habe ich mal einen ganzen Artikel verfasst. Es scheint aber dennoch notwendig zu sein, das hier nochmals zu betonen, denn auf S. 12 schreibt Frau Fauzi:
"Für einen Christen mag diese Form des Gebetes sehr reglementiert wirken. Es ist kaum ein freies Gespräch mit Gott, wie Christen es führen, darüber, was sie bedrückt oder verunsichert oder wo sie sich Hilfe erhoffen." 
Meine Fresse, was für ein Scheiß. Aber noch mal zurück zur Säkularisierung: Auch der damalige bayerische Innenminister Beckstein strapaziert im Interview die beliebte Platitüde, "dass der Islam keine Aufklärung vollzogen hat, wie sie das Christentum entscheidend verändert hat" (S. 74); kurz darauf stellt er fest: "Die Solidarität innerhalb der Glaubensgemeinschaft ist bei Muslimen höher als bei uns Christen" (S. 75). Aber darauf, dass das eine mit dem anderen irgend etwas zu tun haben könnte, kommt er augenscheinlich nicht. -- Auf S. 50 liest man:
"In ihrer Betrachtung des Westens sehen sich die Vertreter des islamischen Systems bestätigt: zerbrechende Familien, moralische Promiskuität, Drogenmissbrauch sind für sie deutliche Zeichen, dass die Vernachlässigung der Religionen Verderben über den Menschen bringt." 
Und, stimmt's etwa nicht? Mal abgesehen von der Frage, was denn bitteschön "moralische Promiskuität" sein soll.

Mehr oder weniger explizit wird das ganze Buch von der säkularen Heilserwartung beherrscht, die globale Durchsetzung der liberalen Demokratie werde das "Ende der Geschichte" (Fukuyama) herbeiführen. So heißt es im Abschnitt "Perspektiven" (!) auf S. 72:
"Die Ausbreitung demokratischer Strukturen im Nahen Osten sind [!] sicherlich eine Voraussetzung zur Schwächung des islamistischen Extremismus. Wird den Menschen die Möglichkeit zur politischen Partizipation gegeben, dann müssten sich die Unzufriedenen nicht mehr in den Moscheen und unter der Führung islamischer Agitatoren versammeln, um ihrem [!] Widerstand gegen korrupte und despotische Herrscher zum Ausdruck zu bringen." 
Ja, klar. Ganz bestimmt. Mal abgesehen davon, dass die Autorin diese abenteuerliche Prognose bezeichnenderweise nicht ohne zwei grobe Satzbaufehler zu Papier zu bringen vermag: Was von dieser Art von Voraussagen zu halten ist, erkennt man exemplarisch schon auf S. 56, wo es heißt, der "Leiter der Konrad-Adenauer-Stiftung in der Türkei" verbinde "Hoffnung auf einen Neuanfang mit Erdogans Wahlsieg".  Da möchte ich mal Nelson Muntz zitieren: "Ha-ha!"

Nachdem ich zunächst der Auffassung war, auf die Liste der #BenOp-relevanten Lesefrüchte gehöre dieses Buch zwar sicher nicht, aber für einen vorläufigen Platz im Büchereiregal könnte es doch taugen, tendiere ich zunehmend dazu, es als einen Fall für die Tonne zu betrachten. Spätestens bei der Frage an Beckstein "Können Sie sich vorstellen, dass sich in Deutschland ein Euro-Islam entwickelt, der dann auch Vorbildcharakter für den Nahen Osten haben kann?" (S. 75) verspürte ich große Lust, das Buch aus dem Fenster zu schmeißen. Die einst von Emanuel Geibel ("Deutschlands Beruf", 1861) formulierte Erwartung, dass "am deutschen Wesen / Einmal noch die Welt genesen" möge, ist offenbar nicht totzukriegen. Seufz. 


Linktipps: 


Interessantes Portrait über den viktorianischen Denker John Ruskin (1819-1900), der sich selbst als "altmodischen Konservativen" und entschiedenen Monsrchisten sah, sich gleichzeitig aber auch als "Kommunisten" bezeichnete -- woraus wohl schon ersichtlich ist, dass er unter "Kommunismus" etwas entschieden Anderes verstand als etwa sein Zeitgenosse Karl Marx. Die sozial-politischen und ökonomischen Ideen, die Ruskin in seinen offenen Briefen an die englische Arbeiterklasse darlegte, bezeichnet Eugene McCarraher als "a road not taken in the history of movements for a just social order". Sieht nach einem Thema aus, das man mal vertiefen müsste.
Peter Winnemöller analysiert, was von dem drohenden "Synodalen Weg" von Deutscher Bischofskonferenz und "ZdK" zu erwarten ist, und kommt zu dem Schluss: "Es wirkt wie eine unfreundliche Übernahme der Kirche durch Kirchenkritiker." Angestrebt werde nichts Geringeres als ein radikaler Bruch mit der Lehrtradition der katholischen Kirche -- mit absehbaren dramatischen Folgen:
"Verwirrung der Gläubigen, Streit um Kirchengebäude und -finanzen, Streit um Bischofssitze und -vermögen, Unklarheit über wahre und falsche Jurisdiktion und vieles anderes sind die spürbaren Folgen der Spaltung. Der synodale Weg wird uns genau dort hinführen, wenn wir nicht sehr schnell gegensteuern." 
Ich halte es für mehr als wahrscheinlich, dass die große Mehrheit der einfachen Gläubigen an der Basis überhaupt nichts von diesen drohenden Verwerfungen ahnt, und genau deswegen finde ich diesen Artikel so wichtig. Es könnte sein, dass für gläubige Katholiken in Deutschland der Schritt in die Illegalität, von dem ich noch vor einigen Monaten meinte, er stehe bis auf Weiteres nicht auf der Tagesordnung, durch den "Synodalen Weg" ein Stück näher rückt. 

Heilige der Woche: 

Mittwoch, 9. Oktober: Hl. Dionysius, Glaubensbote, Bischof und Märtyrer. Ging ca. Mitte des 3. Jhs. von Rom aus - wohl im Auftrag von Papst Fabianus - als Missionar nach Gallien und wurde der Chronik des Gregor von Tours  zufolge um das Jahr 250 erster Bischof von Paris. Im Zuge der von Kaiser Decius forcierten Christenverfolgungen erlitt er das Martyrium: Der Überlieferung zufolge wurde er auf dem Montmartre enthauptet, hob dann jedoch seinen Kopf auf und trug ihn rund sechs Kilometer weit bis zu der Stelle, an der man ihn dann bestattete. Aufgrund dieser Legende wird er in der bildenden Kunst häufig mit seinem Kopf in der Hand dargestellt und daher volkstümlich als Nothelfer gegen Kopfschmerzen angerufen. Irgendwo logisch: Ist der Kopf erst mal ab, tut er nicht mehr weh. -- Hl. Johannes Leonardi (1541-1609), Ordensgründer. Bauernsohn, ab 1567 Apothekergehilfe, 1571 zum Priester geweiht. Widmete sich unter dem Eindruck des Konzils von Trient der katechetischen Bekämpfung reformatorischer Tendenzen, aber auch der Betreuung von Armen, Kranken, Häftlingen und Jugendlichen. Gründete 1574 die Gemeinschaft der "Regularkleriker von der Mutter Gottes". Ab 1602 Volksprediger, starb bei der Pflege  Pestkranker. 

Freitag, 11. Oktober: Hl. Johannes XXIII. (1881-1963), Papst. Lombardischer Bauernsohn, 1904 zum Priester geweiht; päpstlicher Gesandter in Bulgarien, Griechenland, der Türkei und Frankreich; 1953 Patriarch von Venedig und Kardinal. Prägte das Schlagwort "Aggiornamento" für die Forderung, der Verkündigung der Kirche eine zeitgemäße Gestalt zu geben. 1958 unerwartet zum Nachfolger Papst Pius' XII. gewählt; berief das II. Vatikanische Konzil ein, war bei dessen Eröffnung jedoch bereits schwer krank und starb nach der ersten Sitzungsperiode. 2000 von Johannes Paul II. selig- und 2014 zusammen mit diesem heiliggesprochen. 


Aus dem Stundenbuch: 

Der Herr ist bei mir, ich fürchte mich nicht. * Was können Menschen mir antun? (Psalm 118, 6)