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Samstag, 25. Juli 2026

Utopie und Alltag 35: Im Epizentrum der Tourismussaison

Seid gegrüßt, Leser! Eine weitere Urlaubswoche in Butjadingen liegt hinter uns, und langweilig ist es uns dabei ganz und gar nicht geworden – im Gegenteil, es gibt so viel zu berichten, dass ich mich gar nicht lange mit der Vorrede aufhalten möchte. Also mitten hinein ins Vergnügen! 

 Dieses Kunstwerk, das in Eckwarderhörne am Deich steht, habe ich schon vor zwei Wochen fotografiert; es stammt von dem Oldenburger Künstler Ivo Gohsmann und trägt den Titel "Der Regenbogen – Bindung zwischen Himmel und Erde als Prinzip Hoffnung".

Camino de Willehado '26 – Teil 3: Ein Pott Püree

Am vergangenen Samstag verabschiedete sich das Sommerwetter bis auf Weiteres aus Butjadingen: Temperaturen um 18 Grad, bewölkter Himmel und gelegentlicher Nieselregen führten dazu, dass die Vorabendmesse in Herz Mariä Burhave, die bei freundlicherem Wetter wieder im Garten stattgefunden haben würde, in die Kirche hinein verlegt wurde. Dagegen hätte ich an sich nichts einzuwenden gehabt, ärgerlich war hingegen, dass – wie Pastor Kenkel, der die Messe zelebrierte, gleich in seinen Begrüßungsworten mitteilte – wegen des Wetters auch das eigentlich vorgesehene Grillen gestrichen wurde. – Im Übrigen hatte ich den Eindruck, die Messe sei etwas besser besucht als eine Woche zuvor, und vor allem waren mehr jüngere Leute da; darunter war ein Mann mit zwei kleinen Kindern, von denen ich mich insgeheim fragte, ob wir sie wohl in den folgenden Tagen im Kirchenzelt wiedersehen würden, womöglich sogar als das neue Team der Urlauberkirche. – Der Küster verteilte, bevor die Messe losging, Fürbitten an die Gemeinde und wollte auch mir eine geben, aber als ich sah, dass es sich um eine Fürbitte für das Finale der Fußball-WM handelte, gab ich sie ihm zurück. Die anderen Fürbitten waren übrigens auch nicht besser, aber dazu später. – Im Übrigen fiel mir auf, dass Pfarrer Fechtenkötter, in Zivilkleidung, in einer der hinteren Bänke Platz nahm; und wie schon einmal in einem ähnlichen Fall fragte ich mich: Wenn er schon da ist, warum konzelebriert er dann nicht oder assistiert wenigstens? Ich finde diese Frage keineswegs banal, ich würde sagen, da hängen grundsätzliche Erwägungen zum Amtsverständnis dran, aber das zu vertiefen, ist hier wohl nicht ganz der richtige Ort. 

Die Liedauswahl in der Messe war abermals sehr NGL-lastig, teilweise waren es dieselben Lieder wie am Donnerstag, nur eben jetzt mit schleppender Orgelbegleitung. Insgesamt war es auffällig, dass so viele Lieder gesungen wurden, dass die Liednummern gar nicht alle an die Tafel passten; und zum Teil passten sie auch nur so pi mal Daumen zu ihrer liturgischen Funktion. Ich bin da vielleicht ein bisschen streng, aber ich betrachte es als Zeichen eines empfindlich mangelnden Sinnes für Liturgie, wenn man meint, jedes Lied, in dessen Text irgendwas mit Lob und Preis vorkommt, eigne sich als Gloria-Lied, jedes Lied, dessen Text mit "Ich glaube" oder "Wir glauben" beginnt, eigne sich als Credo-Lied – und beim Agnus Dei hört es dann völlig auf: Da habe ich es ja schon befremdlich oft erlebt, dass der Kirchentagsschlager "Da berühren sich Himmel und Erde" gesungen wurde, diesmal war's "Da wohnt ein Sehnen tief in uns". Also ehrlich mal, was soll sowas. 

Dass zum Credo das Lied "Ich glaube, Gott, mit Zuversicht" gesungen wurde, hatte für mein Empfinden bei der allem Anschein nach so liberalen Ausrichtung dieser Gemeinde schon etwas Ironisches: Während ich das Lied angesichts der Tatsache, dass im Text keine konkreten Glaubensinhalte benannt werden, nicht gerade ideal dafür geeignet finde, die Stelle des Credo in der Messe zu vertreten, ist es in anderer Hinsicht doch ein sehr starker Text, und die Verse "Ich glaube, Gott, mit Zuversicht / Was Deine Kirche lehret" hätte geradezu eine Steilvorlage dafür liefern können, an das Gespräch anzuknüpfen, das ich am Samstag zuvor mit dem Küster geführt habe – nur dass zusammen mit dem Grillen eben auch das ganze "gesellige Beisammensein" nach der Messe wegfiel. Tja, schade. 

Aber wo ich schon mal dabei bin, die chronologische Reihenfolge zu missachten, kann ich mich wohl auch gleich noch an den Fürbitten abarbeiten, bevor ich zu Pastor Kenkels Predigt komme, über die es sicherlich am meisten zu sagen geben wird, auch wenn sie wieder einmal nur rund fünf Minuten lang war. – Neben der schon erwähnten Fürbitte für das Finale der Fußball-WM ("für die Spieler und Trainer, die sich für Geduld in Rückschlägen und Demut im Erfolg bemühen; für die Fans und Zuschauer, die Begeisterung, Gemeinschaft und ein friedliches Miteinander suchen; für die Schiedsrichter, die sich für Fairness und Toleranz einsetzen") gab es auch eine "für die Menschen, die besonders unter der anhaltenden Hitze und Trockenheit leiden" (wobei hervorzuheben ist, dass darin nicht explizit vom Klimawandel die Rede war), eine zum Gedenken an die Ahrtal-Flutkatastrophe vor fünf Jahren, aber auch eine für "alle, die in den Ferien Erholung suchen" – eine wilde Mischung. Nicht umsonst hatte der Zelebrant in der Einleitung zu den Fürbitten auf den Vers "Wir wissen nicht, was wir in rechter Weise beten sollen" (Röm 8,26) aus der zweiten Lesung verwiesen. – Spaß beiseite: Ich schätze, es ist sowas wie ein pet peeve von mir, aber ich kann und kann es nicht leiden, wenn Fürbitten den Eindruck erwecken, die darin angesprochenen Anliegen seien geradewegs der Tageszeitung oder der Tagesschau entnommen. "Wer nicht weiß, wofür er beten soll, der lese die Zeitung", das hat, so oder so ähnlich, Jörg Zink mal geschrieben – das habe ich als Jugendlicher mal gelesen, vielleicht im Religionsunterricht, und schon da hat mich intuitiv irgend etwas daran gestört. Heute würde ich sagen, darin offenbart sich ein vom Ansatz her verfehltes Streben nach Aktualität und Relevanz, das charakteristisch für eine Tendenz ist, die ich an anderer Stelle mal als "eine Art 'Bitterfelder Weg' der Pastoraltheologie" bezeichnet habe. Sehr zu meinem Verdruss hatte auch die Predigt so begonnen. "Wenn ich die täglichen Nachrichten lese, sehe oder höre, ärgere ich mich fast immer", so lautete wortwörtlich der Einstieg, und dann ging der Prediger erst einmal tagesaktuell auf den Rücktritt Jens Spahns als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ein. Leihmutterschaft sei in Deutschland verboten – "wir Christen sagen: durchaus zurecht"; das wurde nicht weiter erläutert oder begründet, der Fokus lag vielmehr auf der Arroganz der Macht, sich selbst etwas zu erlauben, was dem Normalbürger verboten sei. Eigentlich, so fuhr Pastor Kenkel fort, habe er bei diesem Thema eher "an Trump oder Putin gedacht", und ich dachte: ächz. Ohne jetzt näher auf die zahlreichen möglichen Argumente dafür eingehen zu wollen, dass man Trump und Putin, bei aller berechtigten Kritik an beiden, nicht kurzerhand auf eine Stufe stellen sollte, möchte ich doch anmerken, dass Trump-und-Putin-Bashing wohl so ziemlich die billigste, dümmste und überflüssigste Form des politischen Predigens ist, die es derzeit gibt. Man bestärkt die Leute damit nur in dem, was sie sowieso schon aus der Tagesschau zu wissen und verstanden zu haben glauben, und das ist nun wirklich nicht die Aufgabe einer Predigt. Als ich schon drauf und dran war, innerlich abzuschalten, kriegte Pastor Kenkel aber doch noch die Kurve. Er setzte die drei Gleichnisse des Tagesevangelium – das Unkraut unter dem Weizen, das Senfkorn,  der Sauerteig (Matthäus 13,24-43) – zur 1. und 2. Lesung in Beziehung und arbeitete auf diese Weise heraus, dass wir, wenn wir am Ende der Tage zum guten Weizen gehören wollen, der in die Scheuer gebracht wird, und nicht zum Unkraut, das verbrannt wird, uns nicht auf unsere eigene Kraft verlassen dürfen, sondern auf Gottes "Milde" und "Schonung" (Weisheit 12,18) sowie nicht zuletzt auf den Beistand des Heiligen Geistes (Römer 8,26f., wie gesagt) angewiesen sind. In diesem Zusammenhang bemerkte er: "Ich hab nicht die Kraft, die Welt zu retten oder auch nur Butjadingen und Nordenham zu bekehren" – woraus ja immerhin das Bewusstsein spricht, dass Butjadingen und Nordenham Bekehrung nötig haben und dass es prinzipiell in seinen Aufgabenbereich fällt, darauf hinzuarbeiten. Und weiter: 

"Aber ich kann meine kleine Kraft, meinen kleinen Samen aussäen, einpflanzen. Ein jeder von uns kann sich mit seinen Talenten, mit seinem kleinen Samen einbringen. Und ist mein Beitrag auch so klein wie ein Senfkorn – mit Gottes Hilfe kann daraus ein großer Baum erwachsen, wo andere sich einnisten." 

Ein schön griffiges Mission Statement für das Prinzip "Christliche Graswurzelrevolution", ob man es nun unter dem Label #BenOp oder Punkpastoral oder unter einem ganz anderen Namen betreibt; und somit durchaus auch für das Projekt "Guerilla-Urlauberseelsorge"

Nach den Fürbitten kam Pastor Kenkel – ganz spontan, wie es schien – auf die Idee, die anwesenden Kinder könnten ihm bei der Gabenbereitung assistieren; unsere Große zierte sich zunächst ein bisschen, aber nach etwas gutem Zureden meinerseits übernahm sie dann doch die Aufgabe, dem Zelebranten die Kännchen mit Wein und Wasser zu bringen, und kehrte danach freudestrahlend in die Bank zurück. 

Insgesamt hinterlässt diese Messe somit einen recht bunt gemischten Gesamteindruck, aber dass es für das wetterbedingt ausgefallene Grillen keine "Indoor-Alternative" gab und somit das gesellige Beisammensein nach der Messe komplett wegfiel, war schon recht ärgerlich – auch deshalb, weil Pastor Kenkel ab Montag in Urlaub war und wir ihn somit an diesem Abend zum letzten Mal in diesem Sommer, und aller Voraussicht nach auch zum letzten Mal in diesem ganzen Jahr, sahen. 


Zu Gast in Deinem Zelt – Teil 2: Betreutes Basteln 

Am Sonntagmorgen regnete und gewitterte es; zum Kirchenzelt wollten wir trotzdem, da wir neugierig auf das neue Team waren, und tatsächlich hörte der Regen rechtzeitig auf, ehe wir los mussten. Als wir am Zelt ankamen, waren außer dem Team – das aus zwei Frauen unterschiedlichen Alters bestand; wie sich herausstellte, waren sie Mutter und Tochter – bereits drei Kinder in Begleitung ihrer Mutter da, etwas später kam eine sehr junge Mutter mit einem vielleicht etwa sechsjährigen Knaben dazu, der allerdings relativ bald die Lust verlor und wieder gehen wollte, und noch später ein Mädchen, das schon in der vorigen Woche regelmäßig dabei gewesen war. Das war alles. Wie neulich schon mal angemerkt: ein bisschen wenig dafür, dass theoretisch die Hauptsaison begonnen haben sollte. – Was die Programmgestaltung anging, hatte ich in der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings ja die Hoffnung formuliert, vielleicht würde es ja besser werden als erwartet; tatsächlich war es aber noch schlechter als erwartet, und dieser Eindruck ergab sich nicht nur durch den Kontrast zum wirklich guten Programm der Woche davor. Einen solchen Kontrast hatte es letztes Jahr von unserer ersten zur zweiten Urlaubswoche nämlich tendenziell auch gegeben: Da hatte ich angemerkt, der Umstand, dass unter der Leitung des zweiten Kirchenzelt-Teams "tatsächlich nur gebastelt wurde", sei "zwar mehr oder weniger das, was ich im Vorfeld vom Kinderprogramm der Urlauberkirche erwartet hatte, aber das Programm in der vorangegangenen Woche war eben so viel besser gewesen als erwartet, dass meine Erwartungen dadurch nun gestiegen waren". Abgesehen vom gänzlichen Fehlen eines katechetischen Anspruchs hatte ich dort kritisiert, dass es "keinen gemeinsamen Anfang und [...] auch keinen gemeinsamen Abschluss" gab und dass die Bastelideen schlichtweg nicht ausreichten, um "zwei Stunden Veranstaltungsdauer" zu füllen – was beides zusammen dazu führte, "dass bei den teilnehmenden Kindern ein permanentes Kommen und Gehen herrschte". Das war auch diesmal wieder der Fall, mit dem Unterschied, dass es diesmal insgesamt viel weniger Kinder waren. Möglicherweise trug schon dies allein wesentlich dazu bei, dass nicht so richtig Stimmung aufkam – am Montag, als es immerhin zwölf Kinder waren (allerdings wieder nicht alle gleichzeitig), war die Stimmung nämlich schon spürbar besser. Aber es lief auch keine Musik – nicht mal "nur so Quatschlieder wie 'Der Gorilla mit der Sonnenbrille'", wie meine Tochter im Vorjahr kritisiert hatte, sondern überhaupt keine, und die beiden Frauen, die das Team bildeten, wirkten auch ziemlich lustlos und wenig interessiert an den Kindern. Als meine Liebste sie fragte, ob dies ihr erster Einsatz als Kirchenzelt-Team sei, erfuhren wir, dass sie schon das achte Jahr in Folge dabei sind. Finde ich ja ehrlich gesagt eher beunruhigend. Im weiteren Verlauf des Vormittags brauchte meine Liebste mehrere Anläufe, um wenigstens ein bisschen Smalltalk mit den Teamerinnen zustande zu bringen; mit ihnen über etwas Interessantes sprechen zu wollen, schien ziemlich aussichtslos, da sie den Eindruck machten, einfach keine interessanten Menschen zu sein. Das Bastelprogramm gefiel den Kindern gleichwohl gut, also "mussten" wir am nächsten Tag wieder hin. 

An diesem zweiten Tag war, wie schon erwähnt, die Beteiligung und damit auch die Stimmung besser, was sich auch auf die Gesprächigkeit der älteren der beiden Teamerinnen auszuwirken schien. Mehrmals wies sie darauf hin, dass es am Abend im Kirchenzelt Bingo gebe, so als wäre das was Tolles; daneben kam sie auch auf das Nachmittagsprogramm zu sprechen, und ich wurde hellhörig, als sie sagte, da solle "auch etwas für die Seele" geboten werden. Was damit gemeint war, geriet in den Bereich des Erahnbaren, als sie erwähnte, sie habe mal eine "Kinesiologie-Ausbildung" gemacht und sich überlegt, das könne man da einbringen. Musste daraufhin erst mal heimlich "Kinesiologie" googeln. Das Ergebnis war sozusagen zwiespältig: Einerseits ist das einfach der "wissenschaftsgriechische" Fachbegriff für die Wissenschaft von der Bewegung, andererseits aber auch der Name einer esoterischen Parawissenschaft, bei der es darum geht, das Qi freizusetzen. Und nun darf man mal raten, was davon hier wohl gemeint ist. Hinsichtlich der Frage, was beim Kirchenzelt-Nachmittagsprogramm sonst noch so "für die Seele" geboten wird, schnappte ich das Stichwort "Fußbäder" auf. Ich fand das alles sehr bezeichnend und komme gegebenenfalls nächste Woche darauf zurück. – Mir fiel in diesem Zusammenhang aber noch etwas anderes auf: Sollte das Nachmittagsprogramm im Burhaver Kirchenzelt, anders als in dem in Tossens, nicht erst nächste Woche beginnen? Und wenn diese Teamerin daran beteiligt ist, heißt das dann, dass ausgerechnet dieses Team zwei Wochen lang "im Dienst" ist? Frustrierende Vorstellung! Später fanden wir allerdings heraus, dass dieses Team zwar nächste Woche für das Nachmittagsprogramm zuständig ist, für das Bastelprogramm am Vormittag aber ein neues kommt. Da besteht also noch Hoffnung auf Verbesserung. 

Zum Bingo gingen wir jedenfalls nicht, konnten aber tags darauf auf Instagram Fotos von der Veranstaltung bewundern, die verrieten, dass der Diakon höchstpersönlich sie moderiert hatte. Nicht zu erkennen war auf den Bildern, wie gut oder wie schlecht der Bingoabend besucht war. – Am Dienstag fuhren wir, statt zum Kirchenzelt-Programm zu gehen, morgens nach Fedderwardersiel, um an einer Aquariums-Führung im Nationalparkhaus-Museum teilzunehmen, und am Mittwoch war im Kirchenzelt Pausentag. Diesen nutzten wir, um die Kinder mal versuchsweise zur kommunalen Ferienbetreuung zu schicken, die in einem separaten Bereich der Spielscheune stattfand – und da gefiel es ihnen so gut, dass sie auch an den folgenden Tagen lieber dorthin wollten als zum Kirchenzelt. Unter anderem stellten sie dort Seife her – wie bei Fight Club, na ja, ganz so wohl doch nicht. Jedenfalls wäre das Thema Kirchenzelt damit für diese Woche für uns gegessen gewesen, wenn wir uns nicht am Donnerstag relativ spontan dazu entschlossen hätten, zum Abendprogramm zu gehen – da wurde ein Film gezeigt, welcher, wurde im Vorfeld nicht verraten, aber wir ließen uns überraschen. Diesen dann tatsächlich unerwartet bemerkenswerten Filmabend zu schildern, verschiebe ich aber auf das fällige Gesamtfazit zu unseren diesjährigen Erfahrungen mit der Urlauberkirche in Butjadingen; ob diese im nächsten Wochenbriefing Platz findet oder vielleicht sogar einen separaten Artikel abgibt, 0dürfte sich u.a. in Abhängigkeit davon entscheiden, ob wir in unserer verbleibenden Urlaubszeit noch ein-, zweimal zum Bastelprogramm und/oder vielleicht sogar mal zum Nachmittagsprogramm gehen... 


Camino de Willehado '26 – Teil 4: Liturgisches Strandgut 

Am Montagmorgen ging ich, wie an anderer Stelle schon erwähnt, ohne Frau und Kinder zum ökumenischen Friedensgebet in der Herz-Mariä-Kirche; ich war ein bisschen früh dran und betete erst einmal leise Invitatorium und Laudes, wobei es mir angesichts meiner etwas klischeehaften Vorstellungen davon, was mich wohl bei einem Friedensgebet in dieser Gemeinde erwartete, etwas ironisch vorkam, dass in den Laudes das Canticum Jesaja 42,10-16 drankam – mit Versen wie "Der Herr zieht in den Kampf wie ein Held, * er entfacht seine Leidenschaft wie ein Krieger. / Er erhebt den Schlachtruf und schreit, * er zeigt sich als Held gegenüber den Feinden". Wozu diese Verse indes umso besser passten, war der Umstand, dass ich mit meinem Versuch, meinen Bibelleseplan wieder "einzuholen", immer noch nicht über das Buch Josua hinausgekommen bin – und ebenso, dass wir als Gutenachtlektüre derzeit das aus dem Bücherregal in der Tourist-Info ausgeliehene "Ich zog mit Hannibal" von Hans Baumann am Wickel haben, aber das ist ein Thema für sich. 

Am Friedensgebet nahmen außer mir ungefähr zehn ältere Leute, weit überwiegend Frauen, teil, die ich fast alle auch schon bei den Vorabendmessen der beiden vorangegangenen Samstage und/oder bei der Werktagsmesse am Donnerstag gesehen hatte, und der Küster spielte wieder Gitarre. Wie ich schon im Vorfeld gehört hatte, wechseln sich mehrere der regelmäßigen Teilnehmerinnen mit der Gestaltung der Andacht ab, und so ist es "jedesmal ganz verschieden"; insofern ist es wohl nur ein sehr punktueller, nicht verallgemeinerbarer Eindruck, dass die Gestaltung der Andacht, an der ich teilnahm, erheblich "konservativer" war, als ich es von dieser Gemeinde erwartet hätte. Das fing damit an, dass die Frau, die die Andacht leitete, ausführlich die Tagesheilige – die Hl. Margareta von Antiochien – würdigte und dabei auch die im Zusammenhang mit ihrem Martyrium überlieferten Wunder nicht aussparte oder irgendwie zu relativieren versuchte. Es folgte eine Evangelien-Perikope, nämlich Markus 8,10-13, die Verweigerung eines Zeichens. Die Andachtsleiterin wies darauf hin, dass es auch eine parallele Stelle bei Matthäus (16,1-4) gebe, sie habe aber die Markus-Version als die kürzere und schlichtere gewählt. Interessant fand ich das nicht zuletzt deshalb, weil ich erst kurz zuvor auf Facebook einen Beitrag mit religions- oder jedenfalls christentumskritischer Tendenz gesehen hatte, in dem die beiden Versionen der Verweigerung eines Zeichens miteinander verglichen wurden: Bei Matthäus spricht Jesus an dieser Stelle nämlich vom Zeichen des Jona, was schon ein paar Kapitel zuvor, in Mt 12,39f., als Vorausdeutung auf Seine Auferstehung gedeutet wurde; im Markusevangelium, das die historisch-kritische Bibelwissenschaft als das ältere ansieht, fehlt dieser Hinweis auf das Zeichen des Jona, und daraus leitete der besagte Facebook-Beitrag Zweifel an der Historizität der Auferstehung Jesu ab. Dazu wäre vielleicht an anderer Stelle mehr zu sagen; im Rahmen dieser Andacht bestand die gesamte Auslegung zu dieser Evangelienstelle hingegen in den schlichten Sätzen "Ich glaube, dass Jesus damit sagen wollte, er lässt sich nicht herausfordern. Er setzt sich durch und geht dann einfach." Hatte was. 

Deutlich zu bemerken war, dass bei der im Vergleich zur Heiligen Messe eher offenen Form die eingeübten liturgischen Reflexe der Gemeinde nur so mehr oder weniger funktionierten: Beim Evangelium blieb die Gemeinde sitzen, bei den Fürbitten stand sie auf. Die Fürbitten waren übrigens erheblich allgemeiner, "zeitloser" wenn man so will, formuliert als die in der Messe am Samstag andererseits wurden in der Fürbitte für die Kranken und in der für die Verstorbenen einige Geneindemitglieder namentlich genannt; das fand ich gut. Zum Abschluss der Andacht wurde nicht nur ein Vaterunser, sondern auch ein Gegrüßet seist du, Maria gebetet, und nachdem der Küster, wie neulich schon erwähnt, als Schlusslied "Ein Licht in dir geborgen" von Gregor Linßen gespielt hatte, äußerten einige Frauen aus der Gemeinde den Wunsch nach einem Marienlied zum Abschluss – woraufhin der Küster, ausgerechnet, "Segne du, Maria" spielte. Normalerweise empfinde ich das als eine arge Kitschgranate, aber mit der leichtfüßigen Gitarrenbegleitung des Küsters gefiel es mir unerwartet gut. 

"Unerwartet gut" fasst auch meinen Gesamteindruck von dieser Andacht zusammen: Unter der Bezeichnung "Friedensgebet" hätte ich mir etwas erheblich "Boomermäßigeres", um nicht zu sagen "'68er-Mäßigeres" vorgestellt, und es ist wohl auch nicht auszuschließen, dass das Format – je nachdem, wer jeweils gerade für die Gestaltung und Leitung zuständig ist – zuweilen tatsächlich etwas mehr in die von mir imaginierte Richtung geht als diesmal. Aber das grundsätzliche Konzept einer wöchentlichen Andacht, die von verschiedenen Geneindemitgliedern im Wechsel gestaltet und geleitet wird, wobei jeweils eigene formale und inhaltliche Akzente gesetzt werden können, finde ich prima – und als Beitrag von Laien dazu, einen Gottesdienststandort geistlich am Leben zu erhalten, an dem nur noch selten Messe gefeiert wird, sogar vorbildlich. – Wenn man sich die Altersstruktur der Teilnehmer ansieht, kann man freilich auf die Idee kommen, die Entscheidung, diese Andacht montags morgens abzuhalten – was mehrere Teilnehmerinnen mir gegenüber damit begründeten, dass sie einen geistlichen Einstieg in die neue Woche bilden solle –, schließe berufstätige Menschen, wenn sie nicht gerade Urlaub haben, von vornherein aus; aber abgesehen davon, dass man dasselbe auch über die Mehrzahl der Werktagsmessen in mir bekannten Pfarreien in Berlin sagen könnte, scheint mir das größere Problem in dieser Gemeinde zu sein, dass auch zu den Vorabendmessen am Samstagabend nur sehr vereinzelt jüngere Leute kommen. Wenn ich mir die Erstkommunionzahlen der letzten Jahre ansehe, ergibt sich der Eindruck, dass der Anteil junger Familien in der Gemeinde im Vergleich zu meiner Kindheit eigentlich gestiegen sein müsste; da fragt man sich nun natürlich: Wo sind die alle, wenn nicht gerade Erstkommunion ist? – Aber das ist wohl ein Thema für sich. 


Krankenhaus-Feedback 

Mein Artikel über die angekündigte Schließung des katholischen Krankenhauses in Brake hat zwar innerhalb kurzer Zeit viele Leser gefunden, aber meine Hoffnung, durch Leserkommentare weiterführende Informationen über die Vorgänge rund um die Klinik zu erhalten, erfüllte sich zunächst nicht: Das Kommentarfeld unter dem Artikel blieb leer; über Social Media erntete ich einige Leserreaktionen, von denen sich allerdings ein unverhältnismäßig großer Teil auf das Vorschaubild des Artikels bezog. Ich hatte da nämlich zunächst irrtümlich ein Pressefoto eines anderen Krankenhauses verwendet, das zufällig auch "St.-Bernhard-Hospital" heißt; nachdem ich darauf aufmerksam gemacht worden war, nahm ich das Bild aus dem Artikel 'raus, in der Vorschauansicht blieb es aber trotzdem stehen und zog weitere Kommentare à la "Was ist denn das für ein Krankenhaus? Das in Brake ist es jedenfalls nicht!" auf sich. Ächz. Immerhin bekam ich eine interessante Mail von einem befreundeten Lokalblogger, der anmerkte, er sei darüber gestolpert, dass in der Presse mehrfach die Rede davon gewesen sei, das St.-Bernhard-Hospital werde "nach 146 Jahren geschlossen": Er habe irgendwie die Ahnung gehabt, dass etwas daran nicht stimme, und habe daher etwas recherchiert. Er hatte nämlich "von früher her" noch in Erinnerung, dass es in Brake mal zwei Krankenhäuser gab, ein Kreiskrankenhaus und eben das katholische; das Kreiskrankenhaus wurde 1986 nach fast 100jährigem Bestehen geschlossen und das St.-Bernhard-Hospital im Gegenzug vergrößert. Der Erinnerung meines Bloggerkollegen zufolge gab es seinerzeit "Streit um die Trägerschaft eines Braker Krankenhauses": Der Landkreis habe eine gemeinsame Trägerschaft mit der katholischen Krankenhausstiftung angestrebt, das Bischöflich Münstersche Offizialat in Vechta habe das aber abgelehnt. Einem an diese Mail angehängten Zeitungsartikel aus dem Jahr 1986 war indes zu entnehmen, dass die damalige CDU-FDP-Mehrheitsgruppe im Kreistag bestrebt gewesen sei, den Kreishaushalt von den Kosten des Krankenhauses zu entlasten. An der Erinnerung meines Bloggerkollegen wird wohl dennoch etwas dran sein; auch aus den letzten Jahren erinnere ich mich daran, dass im Zuge der Bemühungen, die Krankenhausstandorte in Nordenham und in Brake zu erhalten, immer wieder die Idee einer Kooperation zwischen den beiden Trägern ins Spiel gebracht wurde, und stets hieß es, die katholische Krankenhausstiftung verweigere sich solchen Überlegungen. Inwieweit dieses Narrativ vom tiefsitzenden Antikatholizismus in der Bevölkerung befördert wird, sei mal dahingestellt. 

Beim Stichwort "Antikatholizismus in der Bevölkerung" drängt sich mir übrigens der Gedanke auf, dass ein tieferes Einsteigen in die Geschichte des St.-Bernhard-Hospitals auch unter dem Aspekt interessant sein könnte, die Gründung dieses Krankenhauses im Kontext der (wohl noch unter dem Eindruck der Kulturkampfzeit stehenden) Bemühungen der katholischen Minderheit zu betrachten, sich in dieser erz-evangelisch geprägten Gegend ihre eigene Infrastruktur zu schaffen; das hat ja vom Ansatz her durchaus etwas #BenOppiges. In demselben Kontext ist auch ein Beitrag in der aktuellen Quartalschrift des Rüstringer Heimatbundes zur Geschichte der 1911/12 gegründeten und 1973 geschlossenen katholischen Volksschule in Einswarden interessant. Darauf wird also vielleicht noch in einem Extra-Artikel zurückzukommen sein. Zum katholischen Krankenhaus in Brake sei noch angemerkt, dass dort – wie aus dem Zeitungsartikel hervorgeht, den mein Bloggerkollege mir geschickt hat – anno 1986 noch acht Ordensschwestern tätig waren, nachdem es "einstmals" ganze 16 gewesen waren. Heute gibt es im St.-Bernhard-Hospital keine Ordensschwestern mehr, aber wie lange schon nicht mehr, habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können. 


Ein neuer Kaplan für Reinickendorf-Süd 

Mitten im Urlaub erreichten mich via Instagram wichtige Neuigkeiten aus meiner (Noch-)Wohnsitzpfarrei: Die Personalabteilung des Erzbistums Berlin hat der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd einen weiteren Geistlichen zugewiesen, allerdings nur mit einer 50%-Stelle, womit die durch den Weggang eines langjährigen Pfarrvikars Anfang des Jahres entstandene personelle Lücke vorerst lediglich zur Hälfte geschlossen wird. Kam der besagte Pfarrvikar aus Nigeria, so kommt der neue Kaplan aus Ghana – und soll, ehe er in der Seelsorge eingesetzt wird, erst einmal seine Deutschkenntnisse aufpolieren. Mehr als diese Notiz in den Vermeldungen der Pfarrei St. Klara war vorerst nicht über diese Personalie in Erfahrung zu bringen, auch nicht auf den Seiten des Erzbistums Berlin; aber spannend finde ich das allemal und hoffe, Näheres herauszufinden, wenn ich wieder in Berlin bin. Wie immer gilt: Hier erfährst du es zuerst, Leser! 


Geistlicher Impuls der Woche 

Wenn das schwache Herz wegen guter Taten das schmeichelnde Säuseln menschlicher Gunst zu spüren bekommt, gleitet es oft ab zu äußeren Freuden. Was es innerlich wünscht, stellt es zurück und ist ohne Hemmung dem hingegeben, was es draußen hört. Es hat mehr Freude daran, glücklich genannt zu werden, als es in Wirklichkeit zu sein. Weil es begierig auf die Stimmen hinhört, die ihm Lob spenden, verlässt es den Weg, den es zu beschreiten angefangen hat. So wird es eben dadurch von Gott getrennt, weswegen es in Gott des Lobes wert erschienen war. Manchmal widmet sich der Geist einem guten Werk, wird aber vom Spott der Menschen bedrängt. Er vollbringt erstaunliche Dinge, empfängt aber Schmähung. Lobsprüche lockten ihn nach draußen, von Schmähung getroffen, zieht er sich wieder in sich selbst zurück. Um so stärker verbindet er sich innerlich mit Gott, je weniger er draußen einen Ruheplatz findet. All seine Hoffnung klammert sich an den Schöpfer, und in allem Spott und Gezänk ruft er den inneren Zeugen an. Der Geist des Bedrängten kommt Gott um so näher, je mehr er der Gunst der Menschen abgeneigt ist. 

Die Einfalt des Gerechten wird verlacht; denn dies ist die Weisheit der Welt: das Herz listig verstecken; die Gesinnung hinter Worten verschleiern; was falsch ist, als wahr, und was wahr ist, als falsch hinstellen. Das ist dagegen die Weisheit der Gerechten: nichts durch bloßen Anschein vorspielen; die Gesinnung im Wort offenbaren; lieben, was wahr ist, und Falschheit meiden; uneigennützig Gutes tun; lieber Böses leiden als tun; für Unrecht keine Vergeltung suchen; Schmähung um der Wahrheit willen als Gewinn betrachten. Aber diese Einfalt verlacht man. Lauterkeit gilt bei den Weisen dieser Welt als Torheit. Denn alles, was in Unschuld geschieht, hält die Welt mit Gewissheit für dumm. Was immer die Wahrheit an einer Tat für gut hält, gilt der irdischen Weisheit als töricht. 

(Gregor der Große, Auslegung zum Buch Ijob) 


Ohrwurm der Woche 

Them: Gloria 

Von diesem oft gecoverten Song lief hier im Küchenradio kürzlich eine Version, die ich nicht kannte, also befragte ich meine Shazam-App und erhielt zur Auskunft, dass sie von Santa Esmeralda sei – einer Gruppe, von der ich bisher nur ihre Coverversion von "Don't Let Me Be Misunderstood" kannte, und ungefähr so wie dort war der qualitative und stilistische Abstand zwischen Original und Coverversion auch hier. Natürlich musste ich meiner Familie daraufhin erst einmal das Original vorspielen. "Das ist im Grunde Proto-Punk", merkte ich an, und meine Liebste stimmte dieser Einschätzung zu. Urteile selbst, o Leser! 


Vorschau/Ausblick 

Die aktuelle Ausgabe des Pfarrblatts "Willehad aktuell" hat uns verraten, dass heute in der Kirche Herz Mariä Burhave eine Taufe und eine Trauung stattfanden; zur Taufe ging ich – ohne Frau und Kinder – und werde im nächsten Wochenbriefing sicher ein paar Anmerkungen dazu haben. Am Nachmittag wollten wir allerdings – und zwar eigentlich zusammen mit meiner Mutter, die dann aber krankheitsbedingt absagen musste – zu dem zeitgleich mit der Trauung stattfindenden Jubiläumskonzert anlässlich des 120-jährigen Bestehens des Männergesangsvereins Eintracht Burhave; ein Event, auf das ich wohl im nächsten Wochenbriefing noch werde zurückkommen müssen, ebenso wie auf die Gründe dafür, dass wir da unbedingt hin mussten. Heute Abend, kurz nachdem dieses Wochenbriefing online gegangen sein wird, ist jedenfalls wieder Vorabendmesse in Herz Mariä, die laut "Willehad aktuell" von Pfarrer Fechtenkötter zelebriert wird; die Wetterlage gibt Grund zur Hoffnung, dass im Anschluss an die Messe diesmal wieder gegrillt werden kann. – Danach bleiben uns, den Rückreisetag nicht mitgerechnet, noch vier Urlaubstage in Butjadingen. Morgen wollen wir mit dem Ausflugsschiff Wega II ab Fedderwardersiel eine Fahrt ins Wattenmeer machen, Montag und Dienstag gäbe es nochmals die Gelegenheit, beim Kirchenzelt vorbeizuschauen, und die Frage, ob wir noch eine dritte Lobpreisandacht im Bürgerobstgarten veranstalten, steht ebenfalls noch im Raum. Darüber hinaus haben wir für die letzten Urlaubstage nicht sonderlich viel "Programm", aber bald nach unserer geplanten Rückkehr nach Berlin steht schon das nächste Abenteuer bevor: die Religiöse Kinderfreizeit zum Thema "Mose"...  


Mittwoch, 22. Juli 2026

Der Prophet im eigenen Land (2): Singt dem Herrn ein neues Lied!

Zeit für ein Update in Sachen "Guerilla-Urlauberseelsorge in Butjadingen"! Eine sehr schöne Reaktion auf den ersten Teil dieses Berichts habe ich auf Facebook geerntet, von einem Pastoralreferenten aus dem Bistum Münster, der auch Mitautor des Buches "Urworte des Evangeliums" ist; der schrieb nämlich schlicht: "Weitermachen. Einfach weitermachen. Danke." Wenn das nicht motivierend ist! 

Ähnlich motivierend war ein Erlebnis beim Gemeindekaffee im Anschluss an die Werktagsmesse am Gedenktag Unserer Lieben Frau auf dem Berge Karmel: Da fand sich nämlich die Frau ein, die zwei Tage zuvor spontan zu unserer ersten Lobpreisandacht dazugestoßen war, und unterhielt sich mit dem Küster – mit dem Ergebnis, dass dieser mir quer über die Kaffeetafel zurief "Du bringst uns ganz schön auf Ideen!" Da war ich ja nun neugierig und setzte mich zu den beiden. Wie sich zeigte, war der Küster ausgesprochen angetan von der Idee öffentlicher Andachten im Bürgerobstgarten – er meinte sogar, "sowas" könne man doch auch mal im Rahmen der Urlauberkirche machen (wozu mir im Stillen nur ein loriot'sches "Ach" einfiel). Damit nicht genug, fügte er hinzu, am derzeitigen Konzept der Urlauberkirche störe ihn, dass da "im Wesentlichen nur Kinderaufbewahrung" betrieben werde – woraufhin ich mich unversehens in der Position wiederfand, das Kirchenzelt-Programm verteidigen zu müssen, indem ich darauf hinwies, gerade das (zum Zeitpunkt dieses Gesprächs gerade noch) aktuelle Team, bestehend aus dem neuapostolischen Gemeindevorsteher und seiner Familie, biete durchaus mehr als nur "betreutes Basteln" und mache das sehr gut. – Unabhängig davon betonte der Küster, ihm sei daran gelegen, dass die Kirche in der Öffentlichkeit sichtbar werde; das mag ein etwas institutions- und "relevanzorientierterer" Ansatz sein als der meine, aber daran kann man ja immerhin sehen, dass man sich auch von unterschiedlichen Ausgangspunkten kommend am selben Punkt treffen kann – eine womöglich richtungsweisende pastorale Erkenntnis. Der Küster meinte noch, auch den Gemeindetreff könnte man mal in den Bürgerobstgarten verlegen und öffentlich, also außerhalb der üblichen kircheninternen Informationskanäle, dafür werben. Ich muss sagen, ich bin ziemlich erfreut darüber, solche Überlegungen angestoßen zu haben. 

Im Laufe dieses Gesprächs fiel mir zudem ein, die Frage aufzuwerfen, ob eigentlich irgendjemand im Blick habe, dass die Gemeinde Herz Mariä Burhave (wenn auch nicht das Kirchengebäude als solches) an Mariä Himmelfahrt dieses Jahres 80 Jahre alt wird. Der Küster verneinte dies, meinte aber, das sei ein guter Hinweis, und wir sprachen gemeinsam den Pfarrer darauf an, der sich gerade anschickte, sich von der Kaffeetafel zu verabschieden. Er notierte es sich in seinem Kalender. Seien wir mal gespannt, ob sich daraus irgend etwas ergibt. 

Im Anschluss an die Gemeinde-Kaffeetafel ging ich einkaufen (wobei ich zwei Mädchen traf, die ich aus dem Kirchenzelt kannte) und sammelte auf dem Weg zurück zur Ferienwohnung meine Familie wieder ein, und gerade als ich Frau und Kindern von den erfreulichen Erlebnissen beim Gemeindekaffee berichten wollte, kachelte der Diakon – mit auftoupierten Haaren, Tanktop und Goldkettchen – auf einem E-Scooter an uns vorbei. Ich schätze, da erübrigt sich jeder Kommentar. 

Zur Tragikomik und Absurdität des Umstands, dass das Pastoralteam von St. Willehad (oder zumindest eben der Diakon) uns partout von jeder Mitwirkung an der Urlauberpastoral auszuschließen bestrebt ist, gehört es natürlich auch und nicht zuletzt, dass wir während der ersten Woche des Kirchenzelt-Programms auf dem Burhaver Campingplatz nicht nur permanent dabei waren, sondern dank unseres guten Drahts zum Team eine Art inoffiziellen Mitarbeiterstatus hatten (und von den anderen Kindern, die am Programm teilnahmen, wohl auch so wahrgenommen wurden). Den letzten Programmtag vor dem Teamwechsel – Freitag – gestalteten unsere Freunde, ganz ähnlich wie schon im Vorjahr, als eine Art Abschiedsfest mit Waffeln, Obst, Käsehäppchen und Knabbergebäck; für die Kinder, die im Laufe der Woche regelmäßig dabei gewesen waren, gab es mit Namen beschriftete Einladungskarten, und ebenso wie im Vorjahr wurden die Kinder losgeschickt, auf dem Campingplatz weitere Kinder zu suchen und einzuladen. Trotz dieser Bemühungen war der Freitag der bis dahin am schwächsten besuchte Kirchenzelt-Tag, wohl weil es für viele Familien auf dem Campingplatz der Abreisetag war und der erwartete Ansturm von Butjadingen-Urlaubern aus Nordrhein-Westfalen noch nicht eingetroffen war. Jedenfalls nahmen insgesamt nur acht Kinder daran teil. 

Indes hatten sich unsere Kinder im Laufe der Woche so innig mit den ungefähr gleichaltrigen Töchtern der "Teamer" angefreundet, dass sie kaum von ihnen zu trennen waren; daher suchten wir die Familie am späteren Nachmittag nochmals bei ihrem Wohnwagen auf, die Kinder gingen auf den Spielplatz, und meine Liebste machte den Vorschlag, wir könnten am nächsten Vormittag, während die Eltern den Wohnwagen für die Übergabe ans nächste Urlauberkirchen-Team herrichten mussten, etwas mit den Kindern unternehmen. So machten wir es dann auch; angesichts des nicht so schönen Wetters am Samstag gingen wir in die Spielscheune. Freunde im Urlaub zu haben ist eine feine Sache, und wenn es christliche Freunde sind, dann erst recht; gegen Mittag hieß es dann aber doch Abschied nehmen. 

Insgesamt darf man dem ersten Kirchenzelt-Team ein sehr gutes Zeugnis ausstellen; das Programm war sogar so gut, dass eine "gefühlte Notwendigkeit", wenigstens für die eigenen Kinder noch zusätzliche katechetische Angebote zu schaffen, kaum aufkommen konnte. Es war aber nicht unbedingt davon auszugehen, dass das für den Rest des Urlaubs so bleiben würde. Ziemlich gespannt waren wir daher darauf, das zweite Kirchenzelt-Team kennenzulernen. – Eine ausführliche Kritik des Programms der zweiten Woche im Kirchenzelt hebe ich mir fürs nächste Wochenbriefing auf, zumal die Woche ja noch nicht rum ist; was ich jedoch schon vorab erwähnen muss, weil es im Kontext dieses Artikels relevant ist, ist, dass da, jedenfalls an den ersten Tagen, tatsächlich ausschließlich "betreutes Basteln" angeboten wurde, ohne jeglichen katechetischen Anspruch. Das war natürlich unbefriedigend – offenbar nicht nur für uns: Dass am Sonntag insgesamt nur sieben Kinder auftauchten (nachdem unsere Freunde vom ersten Team uns gesagt hatten, in der Hauptsaison, also wenn in Nordrhein-Westfalen Schulferien sind, sei im Kirchenzelt mit 30 Kindern pro Tag zu rechnen), kann man zur Not noch auf das unfreundliche Wetter schieben, aber nach ungefähr der Hälfte der Zeit waren davon nur noch drei übrig, nämlich unsere Kinder und dann noch ein Mädchen, das schon in der vorigen Woche regelmäßig dabei gewesen war. Nun, wie gesagt, eine ausführliche Kritik folgt an anderer Stelle. 

Auf jeden Fall bot die Gesamtsituation im Kirchenzelt keine besonders günstigen Voraussetzungen, um für unsere nächste Lobpreisandacht im Bürgerobstgarten zu werben, was umso "schader" war, als sich im Anschluss an die Vorabendmesse ebenfalls keine Gelegenheit dazu ergeben hatte. Dass am Sonntagnachmittag ein ökumenischer Familiengottesdienst in der Konzertmuschel in Tossens stattfand, fiel mir erst ein, als es schon zu spät war, die Frage zur Diskussion zu stellen, ob wir da hinwollen; aber ehrlich gesagt glaube ich, es war besser so. Blieb also noch das ökumenische Friedensgebet in Herz Mariä am Montagmorgen. Das – oder jedenfalls der anschließende Klönschnack, um den es mir ja hauptsächlich ging – überschnitt sich zwar ein wenig mit dem Kirchenzelt-Programm, aber nachdem das am Sonntag ja nicht so der Hit gewesen war, dachte ich, das wäre vielleicht nicht so schlimm, und wenn die Kinder unbedingt wollten, könnten sie ja mit einem Elternteil früher vom Kirchenkaffee aufbrechen und das andere Elternteil könnte dann zum Zelt nachkommen. – Leider herrschte aber am Montagmorgen wieder ein Wetter, das nicht gerade dazu einlud, die Ferienwohnung zu verlassen, geschweige denn erst einen knappen Kilometer zur Kirche und dann von dort aus knapp zwei Kilometer zum Campingplatz zu latschen, statt noch eine Stunde länger in der Bude zu bleiben und dann direkt zum Campingplatz zu gehen. Ich machte das letzten Endes trotzdem, aber eben allein. – 

Die Andacht zu schildern, ist ebenfalls etwas, das ich mir lieber für das nächste Wochenbriefing aufheben möchte, aber hier und jetzt erwähnen muss ich, dass das vom Küster als Schlusslied vorgesehene Lied (tatsächlich "musste" er dann auf Wunsch der Gemeinde noch ein weiteres spielen, aber dazu wie gesagt ein andermal) mich auf eine Idee brachte, die man vielleicht für den nächsten Sommer ins Auge fassen könnte. Dieses Lied – "Ein Licht in dir geborgen" von Gregor Linßen – kannte ich nämlich ursprünglich vom Nightfever; und plötzlich hatte ich eine Vision. Könnte man nicht mal – im Sommer, in der Tourismus-Hauptsaison – in dieser Kirche Nightfever feiern? Könnte ich mir atmosphärisch sehr gut vorstellen, gerade weil die Kirche so klein ist; und das Geniale am Konzept Nightfever ist ja gerade, dass es nicht das alleinige "Eigentum" einer bestimmten Gemeinschaft oder Organisation ist, sondern dass das im Prinzip jeder machen kann. Man müsste da eigentlich nur jemanden mit ins Boot holen, der zur Aussetzung des Allerheiligsten befugt ist, und dem gitarrespielenden Küster könnte man vorab ein paar Lieder schicken, damit er sein Repertoire erweitert. Um Widerstände aus dem Pastoralteam und/oder den Gremien der Pfarrei zu umgehen, wär's allerdings vielleicht hilfreich, wenn dieser Vorschlag nicht gerade von mir käme... 

Bei der Kaffeetafel nach der Andacht gab es "Beerdigungskuchen", der von einer Trauerfeier am Freitag übrig geblieben war, und ich nutzte die Gelegenheit, auf unsere Lobpreisandacht im Bürgerobstgarten am folgenden Tag hinzuweisen. Und siehe da, sämtliche Anwesenden – so um die zehn Leute, würde ich mal schätzen – zeigten sich wohlwollend interessiert und stellten in Aussicht, zu kommen. Damit nicht genug, erklärte der Küster, falls es regnen sollte könnten wir die Andacht ruhig in die Kirche verlegen. Heißa! – Man muss halt nur mit den richtigen Leuten reden, scheint mir... 

Was die Ankündigung unserer zweiten Lobpreisandacht auf Facebook angeht, fand ich es derweil recht auffällig, dass diese deutlich mehr positive Reaktionen sammelte als die erste; wozu ich mir sagte: Selbst wenn von den Leuten, die das auf Facebook "liken", am Ende niemand zu der Andacht kommt, ist allein die Tatsache, dass die Leute mitkriegen, dass es diese Veranstaltung gibt, ja auch schon eine Form von Zeugnis. Warnungen oder Distanzierungen von unseren nicht institutionell eingebundenen Umtrieben blieben diesmal aus; lediglich "Arwen Abendstern" ließ es sich erneut nicht nehmen, ein Kotz-Emoji unter der Veranstaltungsankündigung zu hinterlassen. 

Das Wetter meinte es übrigens gut mit uns: Nachdem es von Samstag bis Montag – und am Mittwoch dann auch wieder – bewölkt und kühl gewesen war und häufig Regenschauer gegeben hatte, schien am Dienstag den ganzen Tag die Sonne. Vom "harten Kern" der katholischen Gemeinde erschienen immerhin drei Personen zu unserer Lobpreisandacht: ein Mann, den ich noch "von früher her" kenne (auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob er sich an mich erinnert bzw. mich wiedererkennt) und der in der Gemeinde als ehrenamtlicher Gehilfe des Küsters tätig ist; die Frau, die tags zuvor das Friedensgebet geleitet hatte; und noch eine weitere Frau, die mit polnischem Akzent sprach und zum Entzücken unserer Kinder ihren kleinen Hund mitbrachte. Wir verwendeten wieder die Psalmen und die Lesung aus der Vesper vom Tag, dazu die Lieder "Herr der ganzen Schöpfung", "Ich will dir danken, Herr" (eine freie Nachdichtung von Psalm 23), "Ich lege meine Krone" von Johannes Hartl & Friends sowie Joe Falks "Magnificat"-Version. Unsere Gäste fanden es zwar schade, dass sie die Lieder nicht kannten und nicht mitsingen konnten, beteten aber die Antwortverse der Psalmen mit und ließen sich auch insgesamt sehr gut auf das für sie ungewohnte Format ein. Hinterher bedankten sie sich für die "ganz neue Erfahrung", und wir unterhielten uns noch nett, während die Kinder mit dem Hund spielten. 

Für mich unterstrich dieses Erlebnis erwas, was ich mir schon nach dem Friedensgebet am Tag zuvor gedacht hatte: nämlich dass innerkirchliche Flügelkämpfe und Lagerdenken in so einer kleinen, ländlichen Diaspora-Gemeinde – so sehr sie oberflächlich betrachtet vom linksliberalen Boomer Catholicism geprägt sein mag – längst nicht so eine Rolle spielen, wie "extremely online people" es womöglich annehmen würden. Ein ausgrenzendes Lagerdenken könnten sich die Mitglieder einer solchen Gemeinde auch gar nicht leisten, denn dafür gibt es zu wenige von ihnen: Es ist wohl kaum übertrieben zu sagen, dass die Gemeinde für ihr Überleben darauf angewiesen ist, unterschiedlichen Frömmigkeitsformen Platz zu bieten. Was Fragen der Liturgie bzw. des liturgischen "Stils" angeht, halten die Leut' sich verständlicherweise an das, was sie kennen und gewohnt sind, aber das heißt nicht notwendigerweise, dass sie in ihren Anschauungen festgefahren und nicht offen für Neues wären. Eigentlich, so scheint mir, wären die Voraussetzungen, hier Aufbauarbeit in Sachen Gemeindeerneuerung und Neuevangelisierung zu betreiben, gar nicht so schlecht; das Pastoralteam müsste es halt nur wollen. – Also, ich lerne hier so richtig was für die pastorale Praxis. Ich sollte mir diesen Urlaub als Praktikum anerkennen lassen. 

Ob wir in unserer dritten und letzten Urlaubswoche noch eine weitere Lobpreisandacht im Obstgarten veranstalten, steht derzeit noch nicht fest; falls am Samstag das Wetter wieder gut genug für einen Gartengottesdienst mit anschließendem Grillen ist, könnte man das da zur Diskussion stellen. Lust hätte ich jedenfalls... 


Samstag, 18. Juli 2026

Utopie und Alltag 34: Freu dich, du bist in Butjadingen

Moin, Leser! Erinnerst du dich, dass es vor Jahren mal eine Tourismus-Werbekampagne mit dem Slogan "Freu dich, du bist in Spanien" gab? So ähnlich geht's mir derzeit jeden Morgen beim Aufwachen, nur dass ich eben nicht in Spanien bin, sondern in Butjadingen. Hier ist es nicht nur schön, sondern es gibt auch jede Menge Stoff zum Bloggen – sogar so viel, dass es schon wieder eine problematische Seite hat: Würde ich aus allen Themen, die sich an und für sich dafür anbieten, je einen eigenständigen Artikel machen, bliebe für das Wochenbriefing nicht viel übrig. Das Publikum erwartet aber nun mal mit Recht am Samstag um 18 Uhr sein Wochenbriefing, und ich möchte diesen Rhythmus auch im Urlaub nicht unterbrechen. So waren die letzten Tage geprägt von einem ständigen Tauziehen hinsichtlich der Frage "Was kommt ins Wochenbriefing, was in einen Extra-Artikel?"; aber ich glaube, ich habe da eine ganz gute Balance gefunden. Urteile selbst, o Leser! 


Wattwanderer über dem Nebelmeer 

Die Kinder hatten am letzten Samstag "Hummeln im Mors", wie der Norddeutsche sagt, und deshalb verließen wir unsere Ferienwohnung schon bald nach dem Frühstück und verbrachten so ziemlich den ganzen Tag draußen – und zwar hauptsächlich am Burhaver Strand. Am frühen Nachmittag wurden wir dort Zeuge eines eigentümlichen Naturschauspiels: Über dem Wattenmeer zog Nebel auf. Das hielt eine ganze Reihe von Leuten nicht davon ab, im Watt herumzuspazieren; man konnte sogar den Eindruck haben, sie fänden es besonders toll, durch den Nebel zu wandern – was von der ästhetischen Erlebnisqualität her verständlich sein mag, aber etwas leichtsinnig war es wohl doch, auch wenn gerade Ebbe war. 


Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. 

Als der Nebel immer dichter wurde, hatten nach und nach die meisten Wattwanderer ein Einsehen und kehrten an Land zurück, aber mindestens zwei Personengruppen, eine mit Hunden und eine mit einem vielleicht elf- oder zwölfjährigen Kind, spazierten weiter seelenruhig am Priel entlang und machten keine Anstalten, umzukehren. Meine Kinder regte das sehr auf, und sie meinten, man müsse doch irgend etwas tun können, um die Leute zur Vernunft zu bringen. Eine Badeaufsicht gibt es an diesem Küstenabschnitt allerdings nicht (mehr), da er offiziell nicht (mehr) als Badestrand gilt; folglich wandten wir uns – auf das beharrliche Drängen der Kinder hin, nichts unversucht zu lassen, an die Tourist Info jenseits des Deiches, wo man uns beschied, da könne man jetzt nicht viel machen: In einem akuten Notfall sei die Feuerwehr zu benachrichtigen, aber noch sei das ja wohl kein solcher. Ansonsten sei der nächste DLRG-Stützpunkt bei der Nordseelagune; alternativ könnten wir auch mal beim Café Rondell auf dem Deich fragen, ob man von dort aus eine Lautsprecherdurchsage machen könne, um die leichtsinnigen Wanderer zu warnen. – Wir wandten uns also zunächst dem Rondell zu, dessen Wirt – den ich noch "von früher her" kannte – mir zwar in der Einschätzung zustimmte, dass die Leute da draußen sich offenbar nicht der Gefahr bewusst seien, in die sie sich begeben, zugleich aber meinte, da könne man jetzt nicht viel machen, außer zu hoffen, dass die Leute schlau genug sein würden, ihre eigenen Fußspuren zurückzuverfolgen. Im Übrigen habe er keine Lautsprecheranlage für Durchsagen. Ich wäre daraufhin bereit gewesen, aufzugeben, aber die Kinder bestanden darauf, noch zur DLRG zu gehen.

Wir wanderten also einen knappen Kilometer an der Uferpromenade entlang Richtung Nordseelagune, wo wir feststellten, dass es nicht möglich war, bis in Rufweite an den Rettungsschwimmerturm heranzukommen, ohne das Gelände der Nordseelagune zu betreten. Eintritt bezahlen wollten wir dafür nun natürlich nicht, gingen aber zum Haupteingang und fragten am Kassentresen, ob wir mit jemandem von der DLRG sprechen könnten. Die Dame an der Kasse wirkte mit dieser Frage etwas überfordert, aber ein Security-Mitarbeiter nahm sich unseres Anliegens an. Er erklärte uns, die hier stationierten DLRG-Mitarbeiter seien für die Überwachung des Badebetriebs in der Lagune zuständig und stünden daher für andere Aufgaben nicht zur Verfügung; im Übrigen wiederholte auch er, solange kein akuter Notfall vorliege, könne man nicht viel machen, und wenn ein akuter Notfall eintrete, müsse man die Feuerwehr rufen. Wir könnten aber einigermaßen beruhigt sein, denn der Nebel fange schon wieder an sich aufzulösen und bis zum Hochwasser seien noch ein paar Stunden Zeit. – Man könnte nun meinen, unsere Bemühungen seien somit letztlich umsonst gewesen, aber immerhin konnten wir uns sagen, dass wir nichts in unserer Macht Stehendes unversucht gelassen hatten, und soweit ich es mitbekommen habe, gab es an diesem Tag tatsächlich keinen Notfall im Watt vor Burhave. Alles in allem war ich ziemlich stolz auf meine Kinder, dass sie sich so ins Zeug gelegt hatten; und ich sag mal: Wenn das Ganze tatsächlich dazu geführt hätte, dass Leute vor dem Ertrinken gerettet worden wären, wäre für meine Große wohl ein Pfadfinderabzeichen fällig gewesen... 


Camino de Willehado '26 – Teil 1: Vorabendmesse und Grillwurst 

Wir verließen das Strandgelände rechtzeitig, um in Herz Mariä zur Vorabendmesse zu gehen – oder genauer gesagt eigentlich nicht in der Kirche, sondern in ihrem Garten, aber das kennen wir ja nun schon aus früheren Jahren. Schon beim Betreten des Kirchengrundstücks fiel uns auf, dass in einigem Abstand von den für die Gottesdienstbesucher aufgestellten Bänke ein Grill stand, und so spekulierten wir darauf, dass wir es uns an diesem Abend würden sparen können, in der Ferienwohnung noch Abendessen zu machen. – Pastor Kenkel begrüßte uns freundlich, ebenso der Küster ("Schön, dass ihr mal wieder da seid"); die allermeisten Geneindemitglieder, die sich zur Vorabendmesse versammelten, waren über 80, weit überwiegend waren es Frauen. Freudig überrascht war ich, als auch ein paar Kinder (zusätzlich zu unseren eigenen) auf der Bildfläche erschienen; auf den zweiten Blick zeigte sich, dass es die Töchter des neuapostolischen Gemeindevorstehers aus Nordenham waren, die mit ihren Eltern an der Messe teilnahmen, offenbar aus Anlass der Tatsache, dass diese Familie ab dem Folgetag das Urlauberkirchen-Programm auf dem Burhaver Campingplatz bestritt (s.u.). Das Team des Tossenser Kirchenzelts, bestehend aus einer jungen und einer nicht mehr ganz so jungen Frau, war ebenfalls zugegen und bediente nach dem Gottesdienst den Grill. 

Zum Einzug wurde "Herr, gib uns Mut zum Hören" von Kurt Rommel gesungen, begleitet von einem vage psychedelisch scheppernden Keyboard; auch im weiteren Verlauf war die musikalische Gestaltung der Messe sehr NGL-lastig, aber irgendwie fand ich, dass das ein auf fast rührende Weise stimmiges Gesamtbild ergab: Gartengottesdienst für Senioren, mit Musik, die frisch und modern war, als sie jung waren. Die Predigt war jedenfalls gut – darauf bin ich ja schon an anderer Stelle eingegangen –, und auch liturgisch gab es nichts zu meckern, wenn man davon absieht, dass der Antwortpsalm durch ein Lied ersetzt wurde (und zwar ausgerechnet durch "Gott gab uns Atem" von Eckart Bücken und Fritz Baltruweit, zwei Vertretern des NGL-Genres, die ich besonders wenig schätze). Im Anschluss an das Credo erklärte der Zelebrant, er habe zwar Fürbitten vorbereitet, diese aber auf dem Schreibtisch liegengelassen. Stattdessen schlug er vor – "wir haben das auch sonst schon so gemacht" –, die Anwesenden könnten einfach die Namen von Personen nennen, in deren Anliegen die Gemeinde beten solle. Das fand ich gut und beteiligte mich auch daran. 

Natürlich blieben wir auch noch zum "geselligen Teil" – mit Grillen, wie gesagt –; während wir unsere Wurst verzehrten und ich auch ein Bierchen dazu trank, hörte ich mit halbem Ohr mit, wie der Pastor die neuapostolische Familie zu ihren Eindrücken von der Messe befragte, woraus sich ein Gespräch über signifikante Unterschiede zwischen katholischen und neuapostolischen Gottesdiensten entwickelte. Der Gemeindevorsteher äußerte dazu, in der Neuapostolischen Kirche seien zwar die Predigten viel länger, dafür aber die biblischen Lesungen deutlich kürzer – ersteres überraschte mich nicht unbedingt, letzteres schon eher. – Mit uns sprach der Pastor nicht mehr als ein bisschen (allerdings freundlichen) Smalltalk; ziemlich gut kam ich hingegen – kurz bevor wir eigentlich den Heimweg hätten antreten wollen – mit dem Küster ins Gespräch, den ich schon bei früheren Gelegenheiten als einen sehr jovialen und zugänglichen Menschen, als einen ausgesprochen fähigen Gitarristen, aber auch als einen sehr liberalen Katholiken kennengelernt hatte. Der interessante Teil unseres Gesprächs an diesem Abend begann damit, dass ich mich bei ihm vergewisserte, ob an diesem Donnerstag in Burhave Messe sei – die Gottesdienstordnung der Pfarrei sieht nämlich vor, dass es hier donnerstags entweder eine Wort-Gottes-Feier oder eine Heilige Messe oder einen "besonders gestaltete[n] Gottesdienst" gibt, und der Wochenplan kündigte für diesen Donnerstag eine Messe an. Im Prinzip sei das korrekt, meinte der Küster, gab jedoch zu bedenken: "Das letzte Mal, als es laut Plan donnerstags eine Messe geben sollte, kam der Pastor nicht, und ich durfte ganz spontan meine erste Wort-Gottes-Feier leiten." Ich erzählte daraufhin von ähnlichen Erlebnissen in St. Marien Maternitas Berlin-Heiligensee und erwähnte in diesem Zusammenhang, ich hätte es da auch schon erlebt, dass, wenn der für die Zelebration vorgesehene Priester unerwartet nicht auftaucht, die Gemeinde stattdessen Rosenkranz betet. An dieser Stelle ließ der Küster durchblicken, das Rosenkranzgebet sei so gar nicht sein Ding – wofür ich erst einmal Verständnis signalisierte: "Ich bin ja sozusagen 'dritte Generation' in der Gemeinde hier, und ich bin mit dem Eindruck aufgewachsen, Rosenkranzbeten ist etwas, was die vorletzte Generation macht – die dazwischen hat das nicht weitertradiert, also bin ich da, wie man im Pastoralsprech so sagt, nicht herangeführt worden. Du wahrscheinlich auch nicht." – Das räumte der Küster zwar ein, fügte aber hinzu: "Vor allem verstehe ich nicht, was mir das bringen soll. Ich rede doch direkt mit Gott." (Man beachte übrigens: Wenn ein liberaler Christ sagt, er "rede direkt mit Gott", klingt das modern, aufgeklärt und undogmatisch; aber wenn ein Charismatiker das sagen würde, auweia.) Im weiteren Verlauf erzählte mir der Küster, er sei als Jugendlicher aus der Kirche ausgetreten und habe damals gemeint, mit dem Glauben an Gott nichts anfangen zu können, später aber festgestellt, dass er nicht mit dem Glauben an Gott Probleme gehabt habe, sondern mit der Institution Kirche. Auch seine Einstellung zu dieser habe sich aber über die Jahre gewandelt, und so sei er nach drei Jahrzehnten wieder in die Kirche zurückgekehrt. Und nun arbeitet er in einer katholischen Kirchengemeinde als Küster und in einer evangelischen als Friedhofsgärtner (die katholische Kirche unterhält in dieser Gegend keine eigenen Friedhöfe). Ein bemerkenswerter Glaubensweg, den man als solchen durchaus respektieren sollte – gleichzeitig aber nur hoffen kann, dass er noch nicht abgeschlossen ist. Was das Thema "Einstellung zur Kirche" angeht, äußerte er mir gegenüber die Überzeugung, man müsse ja nicht alles akzeptieren, was "die in Rom" sagen: Die "Kirche vor Ort" sei schließlich in vielerlei Hinsicht "schon viel weiter", gerade in Deutschland, auch wenn es selbst hierzulande noch einige konservative Bremser gebe; aber speziell in dieser Gemeinde hier gehe es "sehr frei" zu.– Was mich ja immer wundert, ist, dass Leute, die einem so etwas erzählen, nie auf die Idee zu kommen scheinen, dass ihr Gegenüber eine andere Einstellung zu diesen Fragen haben könnte als sie selber. Immerhin glaube ich aus diesem Gespräch aber etwas über einen in durchschnittlichen post-volkskirchlichen Gemeinden (noch) recht verbreiteten Typus liberaler Christen gelernt zu haben, der sich vom "aktivistisch-progressiven" PUU-Flügel deutlich unterscheidet und sozusagen nur zufällig mit diesem im selben kirchenpolitischen Lager steht: Während der letztere konsequent das Ziel verfolgt, die Kirche zu einem Instrument "woker" Ideologie umzugestalten, ist der post-volkskirchliche Liberale jemand, der halt irgendwie an Gott glaubt und von der Kirche lediglich erwartet, dass sie einen institutionellen Rahmen dafür bereitstellt, individuelle spirituelle Bedürfnisse in Gemeinschaft auszuleben – wozu sie sich natürlich nicht allzu dogmatisch gebärden darf. Em tasol, wie man in Papua-Neuguinea sagt. Theoretisch müsste man davon ausgehen, dass diese Klientel im aktuellen Transformationsprozess der Kirche am stärksten vom Aussterben bedroht ist, aber die Erfahrung zeigt, dass derartige Prognosen sich nicht selten als irrig erweisen. – Jedenfalls sagte ich dem Küster, ich würde dieses Thema mit ihm "gern noch weiter vertiefen, aber nicht mehr heute Abend".


Zu Gast in Deinem Zelt – Teil 1: Zeitreise durchs Kirchenjahr 

Am Sonntag standen wir pünktlich um halb elf beim Kirchenzelt auf dem Burhaver Campingplatz auf der Matte, um den Auftakt des Urlauberkirchen-Kinderprogramms mitzuerleben. Der Standort des Kirchenzelts war mit Flaggen gekennzeichnet, die noch das alte "Willi's"-Urlauberkirchen-Logo zeigten, hingegen war, anders als noch letztes Jahr, weit und breit keine Gay Pride-Flagge zu sehen. 

Außer der "Teamer"-Familie, zu der zwei Kinder gehörten, hatten sich vor uns bereits fünf andere Kinder eingefunden, mit unseren waren das also neun; innerhalb der ersten halben Stunde des Programms kamen noch vier weitere hinzu und einige noch später, sodass insgesamt, wenn man auch die mitzählt, die nur mal kurz reinschauten und dann wieder gingen, wohl an die zwanzig Kinder bei diesem ersten Programmtag der Urlauberkirche in Burhave auftauchten. Das Wochenprogramm, dessen Ankündigung ich schon vorab auf Instagram gesehen hatte, stand unter dem Motto "Gott feiert mit uns" und sollte sich um Feste im Kirchenjahr drehen; da war am ersten Termin folgerichtig Weihnachten dran, auch wenn das mitten im Sommer ein bisschen kontraintuitiv wirkte. Zur Begrüßung wurde erst einmal ein Spiel gespielt, bei dem es um Geburtstage ging; von da aus wurde dazu übergeleitet, dass (und warum) wir auch den Geburtstag Jesu feiern, und dies wurde visualisiert mit den aus der Herz-Mariä-Kirche ausgeliehenen Krippenfiguren

Am Rande wurde auch das Wissen der teilnehmenden Kinder darüber aktiviert, was für "Jesusfeste" es denn noch so im Kirchenjahr gibt (die dann an den folgenden Tagen im Kirchenzelt-Programm "drankommen" sollten); das Wissen, das die Kinder dabei an den Tag legten, war durchaus beachtlich, was wohl den von vornherein erwartbaren Umstand unterstreicht, dass das Urlauberkirchen-Programm vorrangig ein vergleichsweise "kirchennahes" Publikum erreicht. Gleichzeitig fiel es auf, dass eins der später hinzugekommenen Mädchen sich nicht scheute, den katechetischen Teil des Programms mit der Frage zu unterbrechen, wann denn nun endlich gebastelt werden würde. Da sieht man mal, wie die Erwartungshaltung der Kinder dazu, was sie bei der Urlauberkirche erwartet, vorkonditioniert ist. Als am nächsten Tag ein paar Minuten nach 10:30 Uhr außer uns und dem Team noch niemand da war, meinte due Frau des Gemeindevorstehers halb scherzhaft: "Die kommen alle extra später, damit sie gleich mit dem Basteln anfangen können." Tatsächlich erschienen am Montag insgesamt deutlich weniger Kinder zum Urlauberkirchen-Programm als am Sonntag, wobei man allerdings in Betracht ziehen muss, dass die fünf Kinder, die am Sonntag schon vor uns da waren, alle gesagt hatten, dass sie am Montag schon wieder abreisen würden. – Aber zunächst noch einmal zurück zum Programm am Sonntag: Gebastelt wurde da nämlich sehr wohl noch, genauer gesagt wurden, passend zum Thema Weihnachten, Adventskalender und Kerzen gestaltet. 

Am Adventskalender-Gestalten beteiligte sich auch meine Liebste.

Und so nehmen sich die Kerzen in unserer Ferienwohnung aus.

Als einen Bestandteil des Projekts "Guerilla-Urlauberseelsorge" könnte man es vielleicht betrachten, dass ich unseren guten Draht zum Urlauberkirchen-Team nutzte, um vorzuschlagen, mich am Montag um die Musikauswahl im Kirchenzelt zu kümmern – nachdem diese am Sonntag wieder im Wesentlichen aus den größten Kindergottesdienst-Hits der letzten 60 Jahre, interpretiert von Simone Sommerland und den Kita-Fröschen, bestanden hatte. Mein Angebot wurde angenommen, und so ließ ich eine Playlist laufen, die aus drei Kinder-Lobpreis-CDs zusammengestellt war, die ich vor gut eineinhalb Jahren beim Advents-Flohmarkt in der "Gemeinde auf dem Weg" gekauft hatte: "Bibellesen ist der Hit" von den "Feiert Jesus! Kids", "Ich bin ein Königskind" von Peter Menger & Königskinder Hüttenberg sowie eine Compilation mit dem Titel "Es geht um Jesus". Der Erfolg war, dass der Teamleiter mich am Dienstag bereits nach rund einem Drittel der Programmzeit bat, erneut die Musikauswahl zu übernehmen: "Meine Playlist ist schon wieder bei Weihnachtsliedern angekommen." 

Sprechen wir aber noch über das Programm am Montag, das im Zeichen der Karwoche stand. Hier wurde erst einmal das Wissen der Kinder darüber aktiviert, was für Feste es in der Karwoche gibt und welche Bedeutung sie jeweils haben; und da kam so einiges zusammen. 

Nicht verkneifen kann ich mir dabei die Anmerkung, dass es sich gerade beim Stichwort Gründonnerstag doch auswirkte, dass das Team nicht katholisch war; denn aus katholischer Sicht hätte man zur Bedeutung des Letzten Abendmahls und dazu, wie wir das Gebot Jesu "Tut dies zu meinem Gedächtnis" bis heute etfüllen, eigentlich noch mehr und Anderes sagen müssen. Womit ich aber nicht zwingend behaupten will, dass ein katholisches Team das unbedingt besser gemacht hätte. – Gebastelt wurde am Montag natürlich auch wieder, man konnte Nagelbilder in Kreuzform knüpfen und Steine mit Acrylstiften bemalen. 

Ein Highlight der ersten Kirchenzelt-Woche war indes das Programm am Dienstag, bei dem es um Christi Himmelfahrt ging; die Spiel- und Bastelideen, die da zum Einsatz kamen, kann und sollte man sich mal merken für einen Religiösen Kindertag (RKT) zum Thema Himmelfahrt, nächstes Jahr vielleicht. Da wäre zunächst ein an den Klassiker "Ich packe meinen Koffer" angelehntes Spiel zum Thema "Ich stelle mir vor, im Himmel gibt es..." zu erwähnen, und dann ein Spiel, das ich so ähnlich vom "Bewerbendentag" des Erzbistums Berlin für Auszubildende in pastoralen Berufen kannte: Da ging es darum dass die ganze Gruppe auf einem Teppich steht und die Aufgabe bekommt, den Teppich zu wenden – mit der unten liegenden Seite nach oben –, ohne dass jemand den Teppich verlässt. In der Kirchenzelt-Variante war der Teppich eine Picknickdecke mit einer dunklen und einer blau-weiß gemusterten Seite, wobei die letztere den Himmel symbolisieren sollte; dadurch bekam das Spiel eine metaphorische Ebene: Wir müssen uns alle gegenseitig dabei helfen, in den Himmel zu kommen. Gebastelt wurden Drachen sowie Raketen, die man mittels eines Schlauchs und einer Plastikflasche fliegen lassen konnte. Ich hatte den Eindruck, so viel Spaß hatten die Kinder im Kirchenzelt – oder überhaupt bei irgendeinem kirchlichen Kinderprogramm – noch nie, und meine Tochter bestätigte das auch explizit. 

Sollte man gar nicht denken, wie gut diese Dinger fliegen. 

Am Mittwoch war Pausentag im Kirchenzelt (was das Tochterkind ausdrücklich schade fand), und am Donnerstag stand folgerichtig das Thema Pfingsten auf dem Programm. Hier ging es unter anderem um die Früchte des Heiligen Geistes nach Galater 5,22f.: Anhand von Beispielen sollten die Kinder selbst einschätzen, welche dieser Früchte in ihrem eigenen Leben schon sichtbar sind und welche Früchte in ihnen "noch wachsen dürfen". Auch dies eine Übung, die ich mir mal zur Nachahmung vormerken möchte, vielleicht sogar für die Erstkommunionvorbereitung. 

Das Tochterkind betrieb die Selbsteinschätzung ausgesprochen gewissenhaft.

Die Schilderung des Abschlusses der ersten Urlauberkirchen-Woche verschiebe ich – teils aus Platzgründen, teils aus kompositorischen Erwägungen – auf den fälligen zweiten Teil von "Der Prophet im eigenen Land"; aber ich denke, festhalten kann man schon mal, dass das neuapostolische Kirchenzelt-Team die Messlatte für die noch kommenden Teams ziemlich hoch gelegt hat... 


Heiliger Heinrich und Heilige Kunigunde, bittet für uns! 

Hat sich eigentlich irgendjemand gefragt, warum ich es in der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings als besonders signifikant hervorgehoben habe, dass mein Online-Vorstellungsgespräch mit einer Professorin der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen am Gedenktag des Kaisers Heinrich II. (973-1024) und seiner Frau Kunigunde stattfand? Na, wenn nicht, verrate ich es trotzdem: An dem Ort, den wir letztes Jahr für das Projekt Pfarrhausfamilie im Auge hatten, trägt die Kirche das Patrozinium St. Heinrich und besitzt Reliquien des heiligen Kaisers und seiner Frau. Ich empfand das als ein gutes Zeichen, da es in der Kirche meiner Kindheit, Herz Mariä Burhave, ein Buntglasfenster gibt, das den letzten Ottonen darstellt, und ich fand, mit ein bisschen Abstraktion könnte aus dieser Darstellung ein gutes Logo für das Pfarrhausfamilienprojekt werden: 

Kürzlich gab es übrigens Anzeichen dafür, dass es mit dem Projekt "Haus St. Heinrich", wie ich es hätte nennen wollen, doch noch etwas werden könnte, aber vorerst haben sich diese nicht verdichtet und folglich gehen unsere Pläne erst einmal in eine andere Richtung. Auf jeden Fall haben der Hl. Heinrich und die Hl. Kunigunde seit dem Frühjahr letzten Jahres einen festen Platz in meiner persönlichen Litanei von Schutzheiligen, und deshalb fand ich es ermutigend, dass das Vorstellungsgespräch an diesem Termin stattfand. 

Und was ist bei dem Gespräch nun herausgekommen? – Inhaltlich eigentlich nichts, was man nicht auch mit einer eMail hätte klären können, aber ich schätze, solche Gespräche sind vor allem dazu da, einen persönlichen Eindruck vom Bewerber zu bekommen, und ich glaube, in dieser Hinsicht habe ich mich nicht schlecht geschlagen. Ich muss nun bis Ende des Monats noch ein paar Unterlagen nachreichen, und das aus dem Urlaub heraus zu organisieren, ist durchaus eine Herausforderung, aber ich bin grundsätzlich weiterhin optimistisch. Gebetsunterstützung ist derweil selbstverständlich willkommen! 


Camino de Willehado '26 – Teil 2: Der Berg Karmel liegt nicht in Butjadingen 

Am Donnerstag, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau auf dem Berge Karmel, wollte ich gern in Herz Mariä zur Messe gehen, aber die Kinder wollten lieber baden gehen, zumal genau zur Zeit der Messe Hochwasser war und man daher am Burhaver Strand ins Wasser gehen konnte, ohne den Eintritt für die Nordseelagune zu berappen. Also teilten wir uns auf, meine Liebste ging mit den Kindern an den Strand und ich allein zur Kirche. Der Küster begrüßte mich wieder sehr jovial, ich fragte kurz entschlossen: "Braucht ihr einen Lektor?" und kam zur Belohnung für diese Forschheit in den Genuss, eine knallige Passage aus dem Buch Jesaja (26,7-9.12.16-19) vortragen zu dürfen. Zelebriert wurde die Messe von Pfarrer Fechtenkötter, den ich somit erstmals persönlich zu Gesicht bekam; "live" machte er noch mehr als auf Fotos den Eindruck eines Mannes, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann, was in einer Position wie der seinen wohl ebenso gute wie potentiell problematische Seiten haben kann. Er zelebrierte in Mantelalbe mit Stola drüber, ansonsten aber korrekt; er wies auch auf den (nicht gebotenen) Gedenktag hin, verwendete auch das entsprechende Tagesgebet (Lesung und Evangelium hingegen vom Donnerstag der 15. Woche im Jahreskreis) und fand in seiner Begrüßungsansprache einige schöne Worte über die Gottesmutter als Vorbild im Glauben. Weniger überzeugend fand ich seinen knapp vier Minuten langen Predigtimpuls zum Jesuswort "Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken" (Mt 11,28): Insbesondere angesichts der Aussage, dass die Last des Alltags "mit dem Glauben ein bisschen [!] er-träg-licher" werde, drängte sich mir der Gedanke auf: Das ist ein Christentum, wie die marxistische Religionskritik es sich vorstellt. Oder in den Worten Wilhelm Willms': "Wenn der Stacheldraht rote Rosen trägt, dann bleiben wir hier". Danke, aber nein danke. 

Das Lied vom Roten Meer und der Grünen Welle wurde übrigens nicht gesungen, dennoch stand die Liedauswahl in dieser Messe – mit Ausnahme eines im Gotteslob-Regionalteil für das Bistum Münster enthaltenen Sanctus auf die Melodie von "Alles meinem Gott zu Ehren" – vollends unter dem Motto "Schlimmst of NGL", von "Kommt herbei, singt dem Herrn" über "Lied, das die Welt umkreist" und "Wenn das Brot, das wir teilen" bis hin zu "Suchen und fragen". Anerkennen muss man, dass der Küster diese Lieder sehr schön auf der Gitarre begleitete, wodurch sie rein von der musikalischen Seite her ganz anders 'rüberkamen als mit schleppender Orgelbegleitung; aber was es mit der "sozialen Vorstellungswelt" von Katholiken macht, wenn sie im Gottesdienst immer wieder und immer nur solches Liedgut hören, dürfte wohl einigermaßen auf der Hand liegen. 

Nach der Messe luden mich zwei Damen aus der Gemeinde sehr herzlich ein, zur Kaffeetafel mitzukommen, der Küster hatte dies schon zuvor getan, und ich folgte dieser Einladung gern. Am Rande bekam ich mit, dass der Pfarrer prompt auf seine Rolle als Stiftungsratsvorsitzender des St.-Bernhard-Hospitals in Brake angesprochen wurde; er reagierte ausgesprochen souverän auf diese Anfragen und setzte auseinander, warum die Vorstellung, "die Kirche", die ja angeblich "genug Geld" habe, hätte die Pleite des Krankenhauses aus eigenen Mitteln abwenden können und auch sollen, von falschen Voraussetzungen ausgehe. – Es gibt über die Gespräche an der Kaffeetafel noch mehr Interessantes zu berichten, aber das verschiebe ich "aus Gründen" auf den fälligen zweiten Teil von "Der Prophet im eigenen Land"... 


Geistlicher Impuls der Woche 

An allen Orten steht dein Thron, du Wahrheit, für alle, die Rat bei dir suchen, und du antwortest ihnen allen zugleich, so verschieden auch der Rat sein mag, den sie bei dir suchen. Du antwortest klar, doch nicht alle hören dich klar. Alle befragen dich über das, was sie wollen, aber nicht immer hören sie, was sie wollen. Dein bester Diener ist, der nicht so sehr darauf aus ist, von dir zu hören, was er selbst zu hören wünscht, als vielmehr das zu wollen, was er von dir hört. 

(Augustinus, Bekenntnisse) 


Ohrwurm der Woche 

Relax: Radio hör'n 

Unsere Ferienwohnung in Burhave hat keine Geschirrspülmaschine, dafür aber ein wohl knapp 50 Jahre altes Grundig-Radio. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Merke auf und lausche, o Leser. Am Morgen nach unserer Ankunft meldete ich mich freiwillig, das Geschirr vom Frühstück und vom vorangegangenen Abendessen zu spülen, fand aber, für diese Arbeit benötige ich Musik. Daher probierte ich mal aus, ob das alte Radio in der Küche noch funktionierte. 

Das Ergebnis lautete: und ob! Und die Musik, die mir da entgegentönte, gefiel mir sogar unironisch ausgesprochen gut. Nun war ich natürlich gespannt, was das wohl für ein Sender war, der auf dem Radio eingestellt war; und wie sich zeigte, war ich beim "meisten Mix" (oder heißt es "Meistermix"?) von RadioWeserTV, dem Bürgerrundfunk aus Bremerhaven, gelandet. Unter anderem lief da "Wie der Wind so frei" von Wolfsmond (kannte ich noch gar nicht, gefällt mir aber),, "Sacrifice" von The Weeknd, "We Belong" von Pat Benatar und "Beautiful Madness" von Michael Patrick ("Paddy") Kelly; daneben durchaus auch mal Lieder, die ich persönlich zwar nicht so gut finde, immerhin aber tolerieren kann, wenn jemand anderes sie gut findet. – Insgesamt freute ich mich jedenfalls, dass der Bürgerrundfunk so ein gutes Programm hatte, und schwelgte in wehmütigen Erinnerungen daran, wie ich vor über zwanzig Jahren ein paarmal als Talkgast im Studio Nordenham von RadioWeserTV war, das im Rathausturm untergebracht war. Bei einem dieser Interviews hatte der Moderator – dessen Namen des Sängers Höflichkeit verschweigen möge; er ist inzwischen verstorben – überhaupt keine Ahnung, worüber er mit mir reden sollte, und nutzte die Musiknummern dazu, sich mit mir darüber zu verständigen, womit wir jeweils dir nächsten soundsoviel Minuten füllen sollten. Hach ja, good times

Das hier zum "Ohrwurm der Woche" erkorene Lied habe ich ironischerweise nicht auf RadioWeserTV gehört, obwohl es da durchaus gut in den Mix gepasst hätte; aber die Gesamtsituation mit dem alten Radio, das ich regelmäßig zur Küchenarbeit einschaltete, erinnerte mich einfach an dieses Lied, und als ich es mir dann auf YouTube anhörte, stellte ich fest, dass es geiler ist, als ich es in Erinnerung hatte. Ich hatte es mir irgendwie country-mäßiger vorgestellt, aber tatsächlich ist es brettharter 80s-Pop, durchaus vergleichbar mit dem Song "Das Blech" von Spliff, der allerdings erst ein Jahr später herauskam. Enjoy! 


Vorschau/Ausblick 

Gestern war in Nordrhein-Westfalen letzter Schultag, und da von dort für gewöhnlich der Großteil der Butjadingen-Touristen zu kommen pflegt, darf man davon ausgehen, dass mit diesem Wochenende hier die eigentliche Hauptsaison losgeht. Man wird sehen, wie sich das auswirkt; wir haben jedenfalls gehört, sämtliche Ferienwohnungen in Burhave seien ab der kommenden Woche ausgebucht. Heute ist wieder Vorabendmesse in Herz Mariä, und laut "Willehad aktuell" wird sie erneut von Pastor Kenkel zelebriert. Ab morgen geht das Urlauberkirchen-Kinderprogramm mit einem neuen Team weiter; auf Instagram habe ich eine Programmvorschau gesehen, in der die einzelnen Tage zwar unter Motti wie "Gott schuf Pflanzen und Tiere", "Gott sieht Dich, so wie Du bist" oder "Jesus lädt Dich an seinen Tisch ein" stehen, allerdings drängt sich mir dabei der Eindruck auf, damit solle lediglich notdürftig und pro forma eine "geistlich" anmutende Begründung für die jeweiligen Bastelideen geliefert werden. Aber wir wollen mal nicht von vornherein ausschließen, dass es doch besser wird als erwartet! – Außerdem gibt's morgen einen ökumenischen Gottesdienst in der Konzertmuschel in Tossens, aber ob wir da hinwollen, darf man eher als fraglich bezeichnen. Auch noch ungewiss ist, ob wir (oder wenigstens einer von uns, also ich) am Montag zum ökumenischen Friedensgebet gehen; am Dienstag wollen wir vormittags nach Fedderwardersiel und nachmittags wieder eine Lobpreisandacht im Bürgerobstgarten abhalten. Ab Mittwoch erwarten wir dann Besuch aus Berlin: Eine Schulfreundin unseres Tochterkindes und deren Mutter wollen für ein paar Tage nach Burhave kommen und am Strand zelten. Was wir den Rest d6er Woche noch so unternehmen, werden wir dann wohl gemeinsam mit diesen beiden entscheiden...