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Samstag, 20. Juni 2026

Utopie und Alltag 30: Keine Zeit für Langeweile

Salvete, liebwerte Freunde und andere Leser! Neulich habe ich die Prognose gewagt, bis zu den Sommerferien werde mir der Stoff zum Bloggen wohl nicht ausgehen, und es sieht danach aus, dass sich das bewahrheitet: In der zurückliegenden Woche war schon wieder mehr los, als in ein Wochenbriefing passt, ich musste also wieder Themen auslagern und die Liste der separaten Artikel, die noch zu schreiben sind, wird länger und länger. Ob ich wohl in den Ferien dazu komme, das aufzuarbeiten? – Nun, das wird sich zeigen. Schauen wir uns erst mal an, was es über die zurückliegende Woche zu berichten gibt. 

Das Brötchen kam so, wie man es hier sieht, vom Bäcker – keine Sonderanfertigung, nicht eigens so bestellt. Aber offenbar lag Segen drauf.


Alt-Reinickendorf trifft Jung-Reinickendorf 

Am vergangenen Samstag waren wir in der Kirche St. Marien in der Klemkestraße in Alt-Reinickendorf zur Vorabendmesse; dafür gab es mehrere Gründe, unter denen der wichtigste war, dass ein aus der dortigen Gemeinde stammender, am Vormittag desselben Tages zum Diakon geweihter Bekannter von uns dort anschließend die Vesper feiern wollte. Dass die Messe vom leitenden Pfarrer von St. Klara Reinickendorf-Süd zelebriert wurde, nahmen wir dabei notgedrungen in Kauf; ich sagte mir, so schlimm werde es schon nicht werden, aber das erwies sich leider als Irrtum. Zunächst einmal erwies sich die Ankündigung aus den Vermeldungen, der neu geweihte Diakon werde in dieser Vorabendmesse assistieren, als falsch: Wie der Pfarrer in seinen Begrüßungsworten richtigstellte, fand die Erstassistenz des neuen Diakons tatsächlich erst am folgenden Tag in Köpenick statt, in derjenigen Gemeinde, in der er bisher als Praktikant tätig gewesen war. Gut für ihn, schätze ich mal. – Die Ärgernisse der Messe begannen damit, dass der Pfarrer die Verlesung des Evangeliums (Matthäus 9,36-10,8, Die große Ernte und die wenigen Arbeiter / Die Aussendung der Zwölf Apostel) allen Ernstes an der Stelle, an der die namentliche Aufzählung der Zwölf Apostel beginnt, unterbrach, um die Gemeinde zu befragen, ob sie denn wohl alle zwölf zusammen bekäme. (Das Ergebnis, nebenbei bemerkt, offenbarte eine durchaus erwartungsgemäße Unsicherheit unter deb Anwesenden darüber, wer zu den Zwölf Aposteln gehörte oder nicht – Paulus? Markus? Lukas? –, aber ich vermute mal, das wäre in einer beliebigen anderen Gemeinde nicht wesentlich anders gewesen, wahrscheinlich nicht mal in einer evangelikalen.) Und dann die Predigt! Nachdem ein paar Anmerkungen zum Evangelium schon in den Begrüßungsworten des Pfarrers enthalten gewesen waren, konzentrierte er sich in seiner knapp neun Minuten langen Predigt auf die 2. Lesung aus dem Römerbrief (5,6-11) – und hier vorrangig auf Vers 7: "Dabei wird nur schwerlich jemand für einen Gerechten sterben; vielleicht wird er jedoch für einen guten Menschen sein Leben wagen." Er begann mit der Bemerkung, er denke bei diesem Vers an Bodyguards bzw. Personenschützer, die sich vielleicht auch manchmal fragen, ob die Person, zu deren Schutz sie abgeordnet sind, es eigentlich wert ist, das eigene Leben für sie einzusetzen. Na gut, sagen wir so: Als induktiven Einstieg kann man das durchaus nehmen, warum nicht; nur müsste man dann halt irgendwie die Kurve kriegen, um über den geistlichen Sinn dieses Verses zu sprechen. Stattdessen wurde die Predigt, wie man in Österreich sagt, "länger wie blöder". Als der Pfarrer anmerkte, er persönlich würde "kein Personenschützer für Putin oder für Trump sein wollen", dachte ich noch: Gähn. Damit aber nicht genug, zog er Vergleiche zwischen Söldnertruppen im 30jährigen Krieg und dem Umstand, dass "Putin ja jetzt auch seine Soldaten teuer einkaufen" müsse, "weil das auch keiner freiwillig machen will", im Unterschied zu den Ukrainern, "die sagen: Wir verteidigen unser Land, wir verteidigen unsere Souveränität". Daran anknüpfend referierte der Pfarrer etwas, was er von einer befreundeten Religionslehrerin gehört habe: Diese habe berichtet, unter ihren Schülern seien die Pläne zur Wiedereinführung der Einberufung von Wehrpflichtigen (die Wehrpflicht selbst wurde ja, entgegen landläufiger Annahmen, nie abgeschafft) begreiflicherweise ein heiß diskutiertes Thema, allerdings mit der Tendenz, dass die Schüler sagen "Nö, wollen wir nicht". Daraufhin habe die Lehrerin ihre Schüler gefragt, ob sie eigentlich gern in Deutschland leben, und auf die erwartungsgemäß bejahende Antwort hin die Frage aufgeworfen, wer denn wohl ihre bzw. unsere Freiheit verteidigen solle, "wenn Putin Deutschland angreift". Im Ernst. Mir drängen sich da Erinnerungen an "Im Westen nichts Neues" auf, aber dass ausgerechnet eine Religionslehrerin ihren Schutzbefohlenen solche Kriegspropaganda auftischt, macht mich dann doch besonders fassungslos. – Gleichzeitig muss man wohl einräumen, dass das in gewisser Weise in eine Zeit passt, in der sogar Robert Habeck und Campino sagen, heutzutage würden sie nicht mehr den Wehrdienst verweigern. Mir fällt dazu immer ein Zitat aus Sir John Retcliffes Roman "Biarritz" ein: 

"Die Welt kehrt sich um, mein lieber Freund, [...] und was heute Rechts, ist morgen Links!'" 

Das schrieb der alte Fuchs Retcliffe im Jahr 1870, und ja, er meinte "Rechts" und "Links" tatsächlich im Sinne politischer Lager. – Jenseits der konkreten politischen Tendenz war das Ärgerlichste (und zugleich Bezeichnendste) an dieser Predigt aber wohl doch, dass sie so konsequent vom eigentlichen Kern des Schriftworts, von seiner geistlichen Dimension wegführte. Ich kann an dieser Stelle nur empfehlen, die Passage aus dem Römerbrief, auf die sich die Predigt bezog, noch einmal im Kontext zu lesen: Da muss man sich dann schon sehr am Kopf kratzen angesichts der Frage, wie jemand auf die Idee kommen kann, darauf eine Predigt aufzubauen, in der mit keinem Wort vom Erlösungshandeln Jesu die Rede ist, sondern ausschließlich vom Handeln des Menschen in Staat und Gesellschaft. Aber so ist es eben oft bei (sicherlich nicht nur) diesem Priester: Wenn man über den christlichen Glauben nicht sprechen kann oder will, weicht man auf sogenannte "christliche Werte" aus. – Mit dem Hinweis, es gebe ja auch Möglichkeiten, sich für etwas einzusetzen, ohne dass es gleich "auf Leben und Tod" gehe, baute er kurz vor Schluss auch noch einen Hinweis auf die Gremienwahlen im November in seine Predigt ein. 

Die Fürbitten rundeten dieses Bild effektvoll ab: Da wurde u.a. "für die Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer", "für die Mieterinnen und Mieter" und "für die Rentnerinnen und Rentner" gebetet, jeweils ohne irgendwelche konkreteren Aussagen dazu, was man denn nun eigentlich für diese Personengruppen erbittet; das sollte Gott offenbar selber wissen, und sicherlich tut Er das auch – aber kann und sollte man sich derart nichtssagende Fürbitten dann nicht lieber gleich ganz sparen? 

Immerhin gab's ein Ausmalbild zum Sonntagsevangelium.

Als ich während der (sehr langen) Vermeldungen meinen Jüngsten zur Toilette begleiten musste und am Handwaschbecken einem jungen Mann in Soutane und mit einem wie mit dem Lineal gezogenen Scheitel begegnete, dämmerte es mir, dass die anschließende Vesper einen effektvollen Kontrast zu dieser Boomer-Messe bilden würde. Wohlgemerkt: Der Mann am Waschbecken war nicht der Diakon, der die Vesper feierte – den kannten wir schließlich; aber der war ebenso präzise gescheitelt und trug ebenfalls Soutane, bei der Zelebration der Vesper aber, wie es sich gehört, Dalmatika und diagonale Stola drüber. Was ich an dieser Stelle eigentlich sagen wollte: Nachdem die Vorabendmesse sehr überwiegend von grauen Häuptern besucht gewesen war, kamen zur Vesper auffallend viele junge Erwachsene und Familien mit kleinen Kindern. Natürlich kann man da jetzt sagen, das waren eben friends & family des frisch geweihten Diakons, die waren nur des besonderen Anlasses wegen da, wohingegen die Besucher der Vorabendmesse zur örtlichen Kerngemeinde gehören und auch nächstes Wochenende wieder ihre Plätze in den Bänken einnehmen werden. Gleichwohl hatte ich – anders als es etwa bei Erstkommunionen oder Taufen oft der Fall ist – den Eindruck, dass es sich bei den persönlichen Gästen des Diakons überwiegend um Leute handelte, die sonst auch zur Kirche gehen, wenn auch vielleicht woanders. Insofern hatte es durchaus etwas Peinliches, dass der Pfarrer – der die Vesper sozusagen "anmoderierte" – den zu diesem Anlass in die Kirche gekommenen Personen auf seine dröge Art erklären zu müssen glaubte, was eine Vesper eigentlich ist und aus welchen Teilen sie besteht. 

Unterstützt von einem Organisten, den meine Liebste noch aus ihrer Zeit als Domministrantin an der Hedwigskathedrale kannte (in St. Marien steht die Orgel nicht auf der Empore, sondern seitlich im Kirchenschiff, dadurch saß der Organist ganz in unserer Nähe), gestaltete der Diakon die Vesper schön und feierlich und würdigte dabei auch den Umstand, dass gerade der Gedenktag des Unbefleckten Herzen Mariens war; in der Messe, die ja als Vorabendmesse zum Sonntag gefeiert worden war, war davon nicht die Rede gewesen. Der neue Diakon baute nun das Evangelium vom Samstag – Lukas 2,41-51, der zwölfjährige Jesus im Tempel – als Lesung in die Vesper ein und hielt eine kurze Predigt dazu. Er begann diese mit ein paar persönlichen Worten dazu, welche Rolle die Gottesmutter für seinen Berufungsweg gespielt hatte, und würdigte dabei insbesondere das wöchentliche Rosenkranzgebet in St. Marien; in der Hauptsache drehte die Predigt sich aber – ausgehend von dem Satz "Seine Mutter bewahrte all die Worte in ihrem Herzen" (V. 51) – darum, das Verlieren und Wiederfinden des Jesusknaben als Vorausdeutung auf Seine Passion und Auferstehung zu betrachten. Was man aus diesem Evangelium lernen könne "für ein gelingendes Leben nach dem Bild Gottes", sei, "dass der Herr unsere Herzen vorbereitet auf das, was in unserem Leben auf uns zukommt". 

Kurz und gut, sowohl liturgisch als auch homiletisch lagen Welten zwischen der Messe und der Vesper, und es war kaum zu verkennen, welche dieser verschiedenen Erscheinungsformen "von Kirche" der Vergangenheit angehört und welche Zukunft hat. Ein Gedanke, der mir im Zuge der Nachbetrachtung dieses Abends kam, den ich aber über den konkreten Einzelfall hinaus wesentlich finde, lautet: Diejenigen, die die "gesellschaftliche Relevanz" der Kirche vorrangig in Stellungnahmen zu sozialen und politischen Tagesfragen ausgedrückt sehen möchten, verkennen häufig, dass die Kirche schlichtweg keine andere Autorität hat als die, die ihr von Jesus Christus verliehen ist. Das heißt, die Relevanz ihrer Äußerungen steht und fällt mit dem Glauben an Jesus Christus. Wenn also nicht das Bekenntnis zu Christus im Mittelpunkt ihrer Verkündigung steht, ist alles andere, was die Kirche zu sagen hat, maximal irrelevant. Es ist daher einigermaßen folgerichtig, dass die Vorstellung, die Kirche müsse sich im gesellschaftspolitischen Diskurs profilieren, vorrangig in den Resten der alten Volkskirche zu Hause ist, die noch von der Erinnerung an Zeiten zehren, in denen der gesellschaftspolitische Einfluss der Institution Kirche noch nicht in Frage stand. Die Jüngeren dagegen kommen entweder gar nicht mehr zur Kirche oder wenn doch, dann deshalb, weil sie da etwas suchen, was politisch-soziales Engagement ihnen nicht bieten kann: die Begegnung mit Christus. –

Im Anschluss an die Vesper wechselten wir auf dem Kirchenvorplatz noch ein paar Worte mit dem frischgebackenen Diakon, und dabei ergab sich wieder einmal so eine "Sie werden mehr gelesen als Sie denken"-Situation: Der Diakon verriet mir, vor ein paar Wochen habe ein Kollege aus seinem Pastoralkurs ihn darauf aufmerksam gemacht, dass seine bevorstehende Weihe in einem Blogartikel erwähnt worden sei. Das war dann wohl mein Blog. Immer wieder spannend, wie der sein Publikum findet. 


Paulus schrieb an die Komantschen... 

...erst kommt die Taufe, dann das Plantschen, dichtete einst Robert Gernhardt; und so war es im vorigen Jahr beim Sommer-Taufgottesdienst der EFG The Rock Christuskirche, der in einem privaten Garten in Falkensee stattfand, auch tatsächlich: Da war, wie berichtet, ein Swimmingpool als Taufbecken zum Einsatz gekommen, in dem – bei herrlichstem Sommerwetter – im Anschluss an den Gottesdienst noch gebadet wurde. Dieselbe Location war auch für den diesjährigen Sommer-Taufgottesdienst vorgesehen, nur leider zeigte sich das Wetter heuer erheblich weniger freundlich: Auf unserem Weg nach Falkensee wechselte es mehrfach von "grau, kalt und ungemütlich" zu "na, vielleicht kriegen wir ja doch noch Badewetter"; und just als wir zu Fuß vom Bahnhof Falkensee zum Ort des Geschehens unterwegs waren, erwischte uns ein richtig heftiger Gewitterschauer. Als wir unser Ziel erreicht hatten, erfuhren wir durch einen Aushang, dass der Gottesdienst wegen der Wetterlage in die benachbarte Dorfkirche Falkenhagen verlegt worden war, eine denkmalgeschützte evangelische Kirche aus dem 17. Jahrhundert. Der zuständige Pfarrer hatte die Nutzung durch die Freikirchler spontan erlaubt, und ich wage mal zu spekulieren, dass das Kirchenschiff schon lange nicht mehr so voll gewesen war: Rund 120 Leute drängten sich in die engen Holzbänke. 


Nachdem es letztes Jahr beim Sommer-Taufgottesdienst der EFG The Rock Christuskirche nur einen einzigen Täufling gegeben hatte und beim Herbst-Taufgottesdienst (im Rahmen der Gemeindefreizeit) zwei, waren es diesmal nicht weniger als sechs; ein recht beachtlicher Mitgliederzuwachs für eine so kleine Gemeinde – man fragt sich unwillkürlich, ob sich auch hier die Spuren eines "Quiet Revival" bemerkbar machen. – Einen beträchtlichen Teil des Gottesdienstes nahmen die Zeugnisse der sechs Täuflinge ein; es waren zwei junge Männer (darunter der Mann mit dem Hipsterbart und den Tunnelohrringen, der mir zwei Wochen zuvor bei der Kaffeetafel ins Auge gefallen war), zwei ebenfalls noch recht junge Frauen und zwei Jugendliche, die ihre Zeugnisse in Form von Interviews mit der Jugendleiterin der Gemeinde (die wir vom JAM kennen) präsentieren durften. Die Taufzeugnisse waren durchweg sehr eindrucksvoll, gerade auch hinsichtlich der Unterschiedlichkeit der Lebenswege, die diese sechs Menschen dazu geführt hatten, sich taufen zu lassen; besonders bemerkenswert fand ich in dieser Hinsicht die Zeugnisse der beiden Jugendlichen. Bei der einen von diesen handelte es sich um ein 13-jähriges Mädchen (was ich schon deshalb interessant fand, weil ich bisher dachte, das Mindestalter für "Erwachsenen"-Taufen sei 14, aber das gilt offenbar nicht überall und ausnahmslos) aus nicht-religiöser Familie, das nach der Trennung seiner Eltern in einer betreuten Wohngruppe lebt und durch diese in Kontakt mit der Gemeindejugend gekommen ist; die andere Jugendliche war dagegen ein typisches "Gemeindekind", die Tochter einer Mitarbeiterin. Im direkten Vergleich konnte man den Eindruck haben, das "Gemeindekind" habe den schwierigeren Glaubensweg gehabt; und ich glaube, das ist über den konkreten Einzelfall hinaus lehrreich und beachtenswert. Vertiefen müsste man das vielleicht mal an anderer Stelle, hier und jetzt habe ich leider nicht die Zeit und den Platz dafür. 

Auf die Taufzeugnisse folgte ein Lobpreis-Block, dann eine (für evangelikal-freikirchliche Verhältnisse eher kurze) Predigt und eine Gebetsgemeinschaft (was man "bei uns" wohl als "freie Fürbitten in besonderen Anliegen" bezeichnen würde, nur dass das "bei uns" im Sonntagsgottesdienst eher unüblich ist, erst recht in diesem Umfang); insgesamt dauerte der Gottesdienst wohl gut eineinhalb Stunden, die eigentliche Taufe noch nicht mitgerechnet, denn die fand – weil sie in dieser Konfession zwingend durch Untertauchen vollzogen werden muss – dann doch in dem Garten mit dem Swimmingpool statt. Das Wetter hatte sich inzwischen auch etwas stabilisiert. 

Was ich voriges Jahr über die aus meiner Sicht doch arg dürftige Tauftheologie der Evangelikalen gesagt habe, brauche ich hier wohl nicht zu wiederholen; es stimmt aber immer noch. Was ich dabei auch diesmal wieder bemerkenswert fand, war, dass die Gottesdienstleiter es offenbar nicht lassen können, diese Dürftigkeit dezidiert herauszustellen, also immer wieder zu betonen, die Taufe sei lediglich eine symbolische Handlung, mit der der Täufling sein Bekenntnis zu Christus dokumentiere. Da scheint mir das Missverhältnis dazwischen, wie viel Wert einerseits auf die Taufe gelegt wird und wie wenig echte Bedeutung ihr zuerkannt wird, besonders augenfällig, aber wie gesagt, im Grunde habe ich das alles letztes Jahr schon festgestellt. 

An die sechs Taufen schloss sich eine Gartenparty mit Grillwurst, Salat- und Kuchenbüffet an; es waren einige Leute da, wie wir vom JAM kannten, und meine Liebste kannte dank ihrer Mitarbeit im Alpha-Kurs noch mehr der Anwesenden. Während wir am Büffet anstand, erwies mein Tochterkind sich einmal mehr als exzellente Foto-Beraterin für meinen Blog, indem sie zu mir sagte, ich müsse unbedingt die Torte fotografieren – und dann, als ich mein Handy zückte, präzisierte: "Nein, von dieser Seite!" Warum? – Darum: 

Auch noch erwähnenswert: Als die Kinder ihre Grillwurst aufgegessen hatten und noch eine wollten, sagten wir ihnen, sie könnten ruhig allein zum Grill gehen und nach Wurst fragen, und wenn sie mit irgendetwas Hilfe bräuchten, sollten sie "einfach irgendjemanden fragen – die sind hier alle nett". Gleich darauf fiel mir auf, dass ich das am Sonntag zuvor in Maria, Hilfe der Christen wohl nicht zu meinen Kindern gesagt hätte. Das ist nicht böse gemeint, sondern einfach eines von vielen Fallbeispielen dafür, dass die The Rock-Gemeinde in Hinblick auf das Jesuswort "An eurer Liebe zueinander wird jeder erkennen, dass ihr meine Jünger seid" (Johannes 13,35, Hoffnung für Alle) wirklich Maßstäbe setzt.

Und übrigens möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass meine Kinder es sich tatsächlich auch diesmal wieder nicht nehmen ließen, ein Bad im Taufbecken zu nehmen. Angesichts des wechselhaften Wetters waren sie diesmal allerdings die einzigen, die sich das trauten...


Neues aus Nigeria (und aus Tegel)

Bei der Vesper in St. Marien Alt-Reinickendorf am Samstagabend hatten wir auch den Priester aus Nigeria wiedergetroffen, der Anfang des Jahres als Pfarrvikar in der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd verabschiedet worden war und nun gerade zu Besuch in Berlin war; er verriet uns, er feiere am Sonntag eine Messe in der Allerheiligenkirche in Borsigwalde und am Montag in Herz Jesu Tegel, mit anschließender Kaffeetafel im Pfarrsaal. Am Sonntag waren wir ja nun schon anderweitig verplant, und die Messe in Herz Jesu am Montag begann um 9 Uhr, was für mich ziemlich knapp war, da ich vorher ja die Kinder zur Schule und zur KiTa bringen musste; aber ich nahm mir trotzdem vor, es zu versuchen. Tatsächlich erreichte ich die Kirche um 9:10 Uhr und kam damit gerade noch rechtzeitig zur Lesung von Nabots Weingarten (1. Könige 21,1-16). Die Kirche war auffallend gut besucht für eine Werktagsmesse; der Priester hielt eine kurze Predigt ("zwei Minuten" kündigte er an, es waren dann aber wohl doch ein paar mehr), in der er das Jesuswort "Leistet dem, der euch etwas Böses antut, keinen Widerstand,
sondern wenn dich einer auf die rechte Wange schlägt, dann halt ihm auch die andere hin" (Mt 5,39) zu der Situation der Christen in Nigeria in Beziehung setzte. Die Kommunion wurde in beiderlei Gestalt gereicht, jedoch nicht mit Selbstintinktion; vielmehr legte der Priester den meisten Kommunikanten die in den Wein eingetauchte Hostie direkt auf die Zunge, nur einige wenige bestanden darauf, sie in die Hand zu nehmen. 

Üblicherweise wird in Herz Jesu Tegel montags im Anschluss an die 9-Uhr-Messe der Rosenkranz gebetet; da es an diesem Montag aber nach der Messe eine Kaffeetafel im Pfarrsaal geben sollte, bei der der frühere Pfarrvikar darüber berichten wollte, wie es ihm in den zurückliegenden Monaten in Nigeria ergangen ist, wurde der Vorschlag gemacht, statt des "normalen" Rosenkranzes den Barmherzigkeitsrosenkranz zu beten, da der weniger Zeit in Anspruch nimmt. – Dabei ging mir wie schon öfter wieder einmal der Gedanke durch den Kopf, dass die fleißigen Rosenkranzbeterinnen (es sind weit überwiegend Frauen) erheblichen Anteil daran haben, dass diese ganze Gemeinde noch nicht mit Schwefeldampf und Theaterdonner im Erdboden versunken ist. Um so bedauerlicher ist es, dass es ihnen offenbar an Nachwuchs mangelt. Was mich wieder auf die im vorigen Wochenbriefing angesprochene "Sofortmaßnahmen"-Idee eines Flyers für die verschiedenen spirituellen Angebote der Gemeinde bringt. Auch ein Workshop "Einführung ins Rosenkranzgebet" oder so ähnlich könnte wahrscheinlich nicht schaden. 

Bei der anschließenden Kaffeetafel im Pfarrsaal gab es neben gekauftem Kuchen auch selbstgemachte Schwarzwälder Kirschtorte, und der ehemalige Pfarrvikar erzählte hauptsächlich von der Schule in Owerri, die er mit Hilfe von Spenden aus Deutschland aufbaut, aber auch von der allgemein angespannten Sicherheitslage in Nigeria, gerade für Christen – sowie von der Pfarrei, in der sein Erzbischof ihn seit Ostern als Aushilfe einsetzt: Es handelt sich um eine Dorfpfarrei mit zwei Priestern (mit ihm zusammen jetzt drei), die jeden Tag die Messe feiern und sonntags zweimal – um 6 Uhr und um 9:30 Uhr. Auf die Erwähnung der 6-Uhr-Sonntagsmesse reagierten einige der Anwesenden mit ungläubigem Staunen und sogar Gelächter, dabei hätte ich gedacht, due müssten alt genug sein, um sich an Zeiten zu erinnern, als dergleichen auch hierzulande noch nicht unüblich war. Mein nächster Gedanke war, dass manche berufstätige Gläubige es vielleicht begrüßen würden, wenn Werktagsmessen um 6 statt um 9 Uhr angesetzt würden. 

Was übrigens mein weiteres Engagement in der Tegeler Gemeinde angeht, habe ich mich für den übernächsten Montag (nach dem Rosenkranz) zu einem erneuten konspirativen Treffen verabredet, bin aber inzwischen annähernd sicher, dass ich nicht für den Gemeinderat kandidieren werde – nicht zuletzt deshalb, weil es im Moment danach aussieht, dass ich zum Zeitpunkt der Wahl gar nicht mehr in Tegel wohnen werde. Große Neuigkeiten, ich weiß; aber im Interesse der Spannungssteigerung möchte ich hier und jetzt erst mal nicht näher darauf eingehen. Die neulich hier angedachte Wiederbelebung des Arbeitskreises Neuevangelisierung würde ich trotzdem gern ins Gespräch bringen, mitsamt meinen Ideen für "Sofortmaßnahmen"; in welchem Umfang ich mich persönlich an deren Umsetzung werde beteiligen können, muss erst einmal dahingestellt bleiben. 


Wenn der Vater mit dem Sohne: Lobpreis verbindet 

Im vorigen Wochenbriefing nicht erwähnt hatte ich, dass am Freitag der dort geschilderten Woche die KiTa unseres Jüngsten wegen krankheitsbedingten Personalmangels Notbetreuung ausgerufen hatte, weshalb wir unseren Knaben freiwillig zu Hause ließen; bzw. "zu Hause" im wörtlichen Sinne eigentlich nicht: Vielmehr ging ich mit ihm zunächst zur "Rumpelberggruppe" (d.h. zur offenen Eltern-Kind-Gruppe in der Gemeinde auf dem Weg) und von dort aus dann nach St. Joseph Tegel, wo wir zum Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu eine schöne "Beten mit Musik"-Andacht abhielten. Am Dienstag nun wollte der Knabe zuerst überhaupt nicht aus dem Bett, hatte dann beim Frühstück einen "Meltdown", weil es das, was er essen wollte, nicht mehr gab, und wollte vor lauter Frust nicht in die KiTa. Nun ist es für mich als #kindergartenfrei-Veteranen, wie schon mehrfach betont, Ehrensache, zu sagen "Wenn das Kind nicht in die KiTa will, dann muss es auch nicht"; also erklärte ich mich, auch wenn ich die Zeit eigentlich gern anders genutzt hätte, bereit, mit ihm im Wesentlichen wieder dasselbe Programm durchzuziehen wie am Freitag zuvor. 

Dass wir gerade St. Joseph zu unserer bevorzugten "Beten-mit-Musik-Kirche" auserkoren haben, hängt unter anderem auch damit zusammen, dass es dort – infolge der weniger prominenten Lage – nicht so viel "Publikumsverkehr" gibt wie in Herz Jesu und wir daher weniger darauf gefasst sein müssen, dass uns jemand "erwischt", der an unserer Art des Lobpreises Anstoß nehmen könnte. Bei der Andacht am Dienstag erlebten wir allerdings eine Überraschung: Während als drittes Lied der Andacht, auf besonderen Wunsch des Jüngsten, ausgerechnet das sehr HipHop-lastige "Jesus, unser Herr (Jetzt beten wir für diese Stadt)" aus der Sammlung "Es geht um Jesus" lief und der Knabe dazu abtanzte wie weiland König David vor der Bundeslade, registrierte ich, dass in einer der hinteren Bankreihen eine alte Dame Platz genommen hatte – so um die 80, würde ich schätzen, jedenfalls älter als meine Mutter oder meine Schwiegereltern. Immerhin machte sie ein freundliches Gesicht, das war ermutigend. Als das Lied zu Ende war, läuteten gerade die Glocken zum Angelus, also schob ich spontan das Angelusgebet in den Ablauf der Andacht ein, ehe ich zu den Fürbitten überging, gefolgt von Vaterunser, Tagesgebet und Segensbitte. Als Schlusslied hatte ich eigentlich "Beschützer der Welt" von Miriam Buthmann geplant, dachte aber "Noch ein Lied mit HipHop-Elementen ist vielleicht ein bisschen too much" und entschied mich stattdessen für den Klassiker "Zehntausend Gründe", in der Hoffnung, dieses Lied sei auch für ältere Ohren akzeptabel. Die alte Dame verharrte auf ihrem Platz, bis mein Sohn und ich uns anschickten, die Kirche zu verlassen; da sprach sie uns dann an – und zwar, um sich für die Andacht zu bäedanken. Das sei so schön gewesen, betonte sie, und habe ihr große Freude bereitet. Sie wirkte richtig gerührt, und ich war es daraufhin auch

Am Freitag war ich, wie schon angekündigt, beim "Elternbesuchstag" an der KiTa des Jüngsten: Solche Besuchstage gibt es dort einmal im Monat, und jedesmal darf ein Kind aus jeder Gruppe (es gibt zwei Gruppen) ein Elternteil mitbringen. Da ich fand, wenn ich schon in der KiTa zu Gast wäre, sollte ich wohl auch ein bisschen Unterhaltungsprogramm beisteuern, nahm ich meine Gitarre (bzw. "Giraffe", wie eins der KiTa-Kinder sagte) mit, und das erwies sich tatsächlich als gute Idee – auch weil ein Mädchen aus der Gruppe meines Sohnes Geburtstag hatte. Diesen Umstand nahm ich zum Anlass, nach dem Frühstück "Wie schön, dass du geboren bist" von Rolf Zuckowski zu spielen, und wo ich schon mal dabei war, schob ich noch das "Kaugummi"-Lied von Daniel Kallauch hinterher. Die Kinder waren entzückt, also hängte ich noch "Die Affen rasen durch den Wald" aus dem Wölflings-Liederbuch "Der Kupferschmied" dran, dachte aber, danach wäre das Interesse der Kinder an meinem Gitarrespiel erst mal gestillt und "Planschen im Garten" wäre, gerade angesichts der hochsommerlichen Temperaturen, die größere Attraktion. Als ich dann aber, etwas abseits vom Getümmel auf einer Bank im Schatten sitzend, für mich allein den bewährten KiWoGo-Opener "Alles was ich hab" spielte, kamen doch wieder einige Kinder angelaufen und hörten zu. Also spielte ich weiter; allerdings besteht mein Repertoir an Liedern, die ich auswendig spielen kann, eben zum größten Teil aus Lobpreis oder allgemeiner gesprochen aus christlichem Liedgut, aus dem einfachen Grund, dass ich meine bescheidenen Gitarrenkünste überwiegend in kirchlichem Kontext praktiziere. Ich spielte also so Sachen wie Albert Freys Magnificat-Vertonung "Meine Seele preist die Größe des Herrn", "Gottes guter Segen sei mit euch" von Siegfried Fietz und "Gott, dein guter Segen" von Detlev Jöcker, aber auch "Einer hat uns angeleckt (mit der Zunge der Liebe)" und mein Medley aus "Lady in Black" und "Die Sache Jesu braucht Begeisterte". Ermutigt durch das Interesse der Kinder, legte ich nach Mittagessen und Vorlesezeit noch eine weitere Gitarrensession ein; das "Kaugummi"-Lied musste ich auf Wunsch der Kinder mehrfach wiederholen, überlegte aber gleichzeitig, was ich noch so spielen könnte, und verfiel schließlich auf "Einfach spitze" von Daniel Kallauch – das ich mit den Worten einleitete "Einige von euch kennen das vielleicht aus der Krabbelgruppe oder aus dem Kindergottesdienst." Das Ergebnis war: Sie kannten es alle. Wirkt sich offenbar doch aus, dass es eine evangelische KiTa ist. 

Am späteren Nachmittag war dann die Talentshow der Schule des Tochterkindes; darauf werde ich nächste Woche noch zurückkommen müssen, aber da ich zwischendurch nicht nach Hause gekommen war, hatte ich immer noch meine Gitarre dabei, und während des anschließenden geselligen Beisammenseins im Schulgarten dachte ich mir: Eine Gitarre zu einer Talentshow mitbringen und dann nicht spielen, geht eigentlich nicht. Also packte ich die Gitarre gegen Abend nochmals aus und spielte ein wenig, allerdings eher gedämpft als Hintergrundmusik – und wurde von mehreren Anwesenden dafür gelobt, auclĺ und sogar vom Hauptorganisator der Talentshow, der meinte, das sei genau das Richtige für die entspannte Abendstimmung. Hashtag #kannstemalsehen


Geistlicher Impuls der Woche 

Da also Christus aus Liebe zu uns gestorben ist, bitten wir zur Zeit des Opfers, wenn wir das Gedächtnis seines Todes begehen, dass durch die Ankunft des Heiligen Geistes die Liebe geschenkt werde. Wir bitten inständig, dass wir durch die Liebe, in der sich Christus für uns kreuzigen ließ, die Gnade des Heiligen Geistes erlangen; die Welt soll uns gekreuzigt sein und wir der Welt (Gal 6,14). Wir ahmen den Tod des Herrn Jesus nach: wie er "durch sein Sterben ein für allemal tot für die Sünde ist, sein Leben aber für Gott lebt" (Röm 6,10), so wollen "auch wir in dieser neuen Wirklichkeit leben" (Röm 6,4). Wenn wir die Gabe der Liebe erhalten haben, wollen auch wir der Sünde sterben und für Gott leben. Die Liebe Gottes ist ausgegossen in unsere Herzen durch den Heiligen Geist, der uns gegeben ist (Röm 5,5). Denn auch die Teilhabe am Leib und Blut des Herrn, wenn wir sein Brot essen und seinen Kelch trinken, legt uns nahe, dass wir der Welt sterben und unser Leben mit Christus verborgen in Gott haben (vgl. Kol 3,3) und unser Fleisch mit seinen Leidenschaften und Begierden kreuzigen (vgl. Gal 5,24)

(Fulgentius von Ruspe, Buch gegen Fabian) 


Ohrwurm der Woche 

Mark Morrison: Return of the Mack 

Ein Song, der auf der Auswahlliste für meine "Abi 95 Top 100"-Hitliste stand, bis ich feststellte, dass die Single erst 1996 erschienen war. Eine knappe Entscheidung, aber irgendwo muss man halt die Grenze ziehen, und dies war auch nicht der einzige Song, der aus diesem Grund von der Liste gestrichen wurde. Ich erinnere mich gut, dass ich seinerzeit sehr überrascht war, dass "Return of the Mack" Mark Morrisons erster Charterfolg überhaupt war; ich fand und finde immer noch, der Song habe, nicht nur dank des Wortes "Return" im Titel, entschiedene Comeback Energy. Wovon der damals 34-jährige Sänger indes tatsächlich zurückgekommen war, ehe er den Song aufnahm, war eine dreimonatige Haftstrafe (die übrigens auch nicht seine letzte bleiben sollte). Erneut in den Vordergrund meines Bewusstseins geschoben hat sich "Return of the Mack" in jüngster Zeit vor allem dadurch, dass der Song häufig im Foyer der Kampfsportschule meiner Kinder läuft. Wie schon mal angemerkt: Die Musik ist dort meistens sehr gut


Vorschau/Ausblick 

Zu den Themen, die ich ins nächste Wochenende werde mitnehmen müssen, zählt neben der schon angesprochenen Talentshow der Schule unseres Tochterkindes auch ein "Probelauf" für unseren Straßenevangelisations-Einsatz in Spandau sowie das Geburtstagspicknick einer Künstlerfreundin. Am morgigen Sonntag wird der bisherige Bischof von Hildesheim, Heiner Wilmer SCJ, feierlich in sein neues Amt als Bischof von Münster eingeführt; gleichzeitig findet allerdings der Münster-Triathlon statt, was Straßensperrungen und weitere Verkehrsbehinderungen mit sich bringt und mich unwillkürlich an die ADFC-Fahrradsternfahrt in Berlin am Fronleichnamssonntag erinnert. Dass man selbst im traditionell erzkatholischen Münster vor derartigen verkehrsplanerischen Interessenkonflikten nicht (mehr) sicher ist, sagt wohl einiges aus. – Im Übrigen fällt mir im Zusammenhang mit Bischof Wilmer ein, dass ich einen Beitrag dazu in Planung habe, wie sich in seiner Eigenschaft als Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz bisher so macht; mal sehen, ob ich nächste Woche dazu komme, den fertig zu schreiben. Auf den Sonntag folgt die vorletzte "ganze" Schul- und Arbeitswoche vor den Sommerferien; das kommende Wochenende verspricht dann wieder ein Highlight zu werden: Zuerst, am Freitag, bin ich zu einer Veranstaltung des "Bewerbendenkreises" für pastorale Berufe im Erzbistum Berlin eingeladen, in Gestalt einer Wanderung durch den Grunewald, und da freue ich mich ziemlich drauf; noch mehr freue ich mich jedoch auf die KPE-Bundeswallfahrt zum Kloster Schöntal, die am Samstag in aller Früh' losgeht. Folgerichtig ist es etwas ungewiss, wann und von wo aus das nächste Wochenbriefing online gehen wird. Lasst euch überraschen, Leser – ich tue es auch... 


Mittwoch, 17. Juni 2026

Neues aus dem Laodizea des Nordens

Zunächst mal: Muss ich diese Überschrift erläutern? Ursprünglich hatte ich es nicht vor, aber vielleicht ist es doch besser. Also: Als mir unlängst seitens des Pastoralteams der Pfarrei St. Willehad Nordenham lapidar beschieden wurde, man habe dort kein Interesse an den spirituellen Angeboten für Familien im Urlaub, die ich zusammen mit meiner Liebsten in unserem bevorstehenden Sommerurlaub in Butjadingen auf die Beine zu stellen beabsichtige, und dieses Desinteresse u.a. mit der Aussage begründet wurde "Die Urlauber-Kirche ist bereits komplett geplant und es gibt genügend Familien, die als Teamer in den nächsten Jahren mit uns arbeiten", fühlte ich mich spontan an das Sendschreiben an die Gemeinde in Laodizea aus dem 3. Kapitel der Offenbarung des Johannes erinnert. Da heißt es nämlich in Vers 17: 

"Du behauptest: Ich bin reich und wohlhabend und nichts fehlt mir. Du weißt aber nicht, dass gerade du elend und erbärmlich bist, arm, blind und nackt." 

Matthäus Merian, Erscheinung des Menschensohns. Nachbearbeitet mit Hilfe von Google Gemini.

Ich kann mir zwar gerade bei dieser Pfarrei nur schwer vorstellen, dass ernsthaft irgendjemand meint, sie habe alles was sie braucht; aber da kann man mal sehen, wie unterschiedlich die Wahrnehmungen manchmal sind. – Ein bisschen ironisch erscheint es mir, dass ich gerade neulich erst in einem ganz anderen Zusammenhang schrieb, ich sei "zunehmend überzeugt, dass das Medium 'Pfarrbrief' in seiner gängigen Form eigentlich passé ist und im Grunde eine enorme Ressourcenverschwendung darstellt", und kurz darauf präsentiert die Pfarrei St. Willehad stolz ihren neuen Pfarrbrief im Hochglanz-Journal-Format, nachdem sie jahrelang lediglich ein schwarz-weiß kopiertes, wenige Seiten umfassendes Gemeindeblatt ("Willehad aktuell") herausgegeben hatte. "Leuchtturm" heißt die Publikation ganz ländlich-sittlich, und 'reinschauen musste ich in die erste Nummer natürlich unbedingt, schon allein um zu sehen, was man da so über die bevorstehende Urlauberkirchen-Saison erfährt. Und das ist in der Tat Einiges

Fangen wir mal mit ein paar Eckdaten an: Das Kinderprogramm im Kirchenzelt auf dem Campingplatz Tossens soll am ersten Juli-Wochenende beginnen, auf dem Campingplatz in Burhave eine Woche später – da sind wir bereits vor Ort. Dieses Kinderprogramm soll täglich außer samstags (da ist Teamwechsel) und mittwochs (da hat das Team einen Pausentag) von 10:30 bis 12:30 Uhr stattfinden; das ist so, wie wir es im letzten Sommer kennengelernt haben, und ich halte es für ziemlich wahrscheinlich, dass das Programm auch inhaltlich wieder ziemlich genauso aufgebaut sein wird wie im Vorjahr, zumal es wohl zumindest teilweise von denselben Leuten gestaltet werden wird. In einem von Diakon Christoph Richter namentlich gezeichneten Artikel im "Leuchtturm"-Magazin klingt es zwar ein bisschen toller bzw. nach "mehr" – wörtlich heißt es da "Im Kirchenzelt wird gesungen, gebastelt, Geschichten gehört, gespielt, geklönt, sich getroffen, neue Menschen kennen gelernt etc., eben alles, was den Urlaub bereichert" –, aber bis zum Erweis des Gegenteils gehe ich doch mal davon aus, dass es in der Hauptsache wieder betreutes Basteln sein wird. Gleichwohl bin ich natürlich bereit, mich positiv überraschen zu lassen. 

Als eine positive Überraschung würde ich es jedenfalls gern auch betrachten, dass das Angebot der Urlauberkirche in Butjadingen heuer nicht nur aus dem Kinderprogramm im Kirchenzelt besteht. Was die Veranstalter bewogen hat, ihr Programmangebot, nachdem sie es in den zurückliegenden Jahren immer weiter zurückgefahren hatten, nun wieder auszubauen, sei mal dahingestellt, aber grundsätzlich ist das ja eine Entwicklung, die man gern positiv bewerten möchte. Aber worin genau besteht denn nun die Erweiterung des Angebots? – Zunächst, so erfährt man im "Leuchtturm"-Magazin, soll "[i]n der Zeit, in der fast alle Bundesländer Ferien haben", in den Kirchenzelten auch ein Nachmittagsprogramm stattfinden, das sich an "Erwachsene, Jugendliche ab 14 Jahren und Familien" richtet. Dieses Nachmittagsprogramm soll viermal in der Woche – montags, dienstags, donnerstags und freitags – jeweils von 15-16:30 Uhr stattfinden, und zwar in Tossens vom 20. Juli bis 8. August und in Burhave vom 27. Juli bis 8. August. Das sind, was auf den ersten Blick vielleicht nicht so auffällt, in Tossens drei Wochen und in Burhave nur zwei, insgesamt also zwölf respektive acht Termine. Da ich mit meiner Familie in Burhave Urlaub mache und wir am 30. Juli wieder abreisen, bleiben uns also – wenn wir nicht eigens hierfür nach Tossens fahren wollen – gerade mal zwei Gelegenheiten, dieses Nachmittagsprogramm in Augenschein zu nehmen. 

Hinzu kommen im Zeitraum vom 20. Juli bis 8. August auch noch Abendveranstaltungen – aber was für welche: Montags in Burhave und dienstags in Tossens wird Bingo angeboten, und zwar kostenpflichtig; donnerstags in Burhave und freitags in Tossens gibt's Kino. Da würde mich ja schon interessieren, was für Filme da gezeigt werden, aber ich weiß ehrlich gesagt nicht, woher ich den Mut nehmen soll, darauf zu hoffen, dass es sich um Filme mit einem gewissen evangelistischen Potential handeln könnte. Auch hier gilt wieder: Ich lasse mich gern positiv überraschen. Gleichwohl muss ich sagen: Wenn noch etwas gefehlt hätte, um mich in meinem Vorurteil zu bestärken, dass das Urlauberkirchen-Programm von vornherein nicht auf Evangelisierung, Katechese und Jüngerschaft ausgerichtet ist, dann wäre das der Umstand, dass in den Kirchenzelten allen Ernstes Bingo-Abende veranstaltet werden. Wenn ich versuche, mir die Zielgruppe dieses Angebots vorzustellen, fällt mir unwillkürlich das brieftaschenklauende Greisenpärchen aus "Dirty Dancing" ein. – 

Aber nicht dass hier jemand meint, ich wolle mich darüber bloß lustig machen: Ich finde es tatsächlich sehr illustrativ. Wie ich neulich schrieb, ich bin mehr und mehr der Überzeugung, entweder die Kirche betreibt Neuevangelisierung oder sie betreibt "palliative Pastoral", dazwischen gibt es eigentlich nichts. Wendet man diese Feststellung auf das Programm der Urlauberkirche in Butjadingen an, ergibt sich ein recht eindeutiges Bild: Ein Angebot, das vorrangig auf Unterhaltung und Geselligkeit setzt und in dem Glaubensinhalte eine so vernachlässigenswerte Rolle spielen, dass dieses Programm fast genauso auch von nichtkirchlichen Anbietern veranstaltet werden könnte, ist offensichtlich auf eine Zielgruppe zugeschnitten, die sich der Institution Kirche noch irgendwie verbunden fühlt, an religiösen Inhalten aber kein besonderes Interesse hat. Ich würde es als evident bezeichnen, dass diese Zielgruppe rapide im Schwinden begriffen ist. Die Bedürfnisse einer aussterbenden Zielgruppe zu befriedigen, solange es sie noch gibt, ist geradezu der Inbegriff palliativer Pastoral. Der umgekehrte Ansatz – Programm für eine Zielgruppe zu machen, die offen und ansprechbar für religiöse Fragen ist, der Institution Kirche aber eher fern steht – ist ohne Zweifel anspruchsvoller und hat nach weltlichen Maßstäben ein höheres Misserfolgsrisiko, ist aber meiner Überzeugung nach der einzig zukunftsweisende Weg. Dass die Verantwortlichen der Urlauberkirche in Butjadingen diesen Weg nicht gehen wollen, ist schon bedauerlich genug; dass sie aber auch nicht wollen, dass andere es tun, steht nochmal auf einem anderen Blatt. Zugegeben: Dass es innerhalb der Institution Kirche – nicht nur, aber besonders in Deutschland – Kräfte gibt, die eine geistliche Erneuerung nicht nur nicht fördern, sondern sogar aktiv bekämpfen, ist grundsätzlich nichts Neues und wird immer deutlicher, je mehr sich eine solche geistliche Erneuerung dennoch abzeichnet. Aber gerade in Bezug auf die Pfarrei St. Willehad hatte ich in dieser Hinsicht eigentlich auf Besserung gehofft. 

Aber noch einmal zurück zum "Leuchtturm"-Magazin: Darin sind auch zwei in etwas aufdringlich kitschiger KI-Optik gehaltene Plakate zum kirchlichen Sommerprogramm für den Zeitraum vom 20. Juli bis 7. August abgedruckt, und diese Plakate enthalten gegenüber den Textbeiträgen im Magazin ein paar zusätzliche Informationen. So soll es im Rahmen des Programms "für Familien & junge Erwachsene" jeweils mittwochs eine "Geschichtenstunde im Atrium Burhave" geben, und im Abendprogramm ebenfalls mittwochs eine "Andacht an touristischen Orten"das gab's voriges Jahr als Angebot der evangelischen Urlauberseelsorge. Freitags um 20:45 Uhr soll es zudem am DLRG-Wachtturm in Tossens eine Veranstaltung namens "Sundowner" geben. Das alles könnte durchaus ein gewisses Potential haben, mehr jedenfalls als die Kirchenzelt-Angebote; man nehme es mir aber bitte nicht übel, wenn ich nach allen bisherigen Erfahrungen erhebliche Zweifel daran habe, dass aus diesem Potential tatsächlich etwas gemacht wird. Nähere Informationen zu diesen Veranstaltungsformaten sind bisher noch nirgends zu finden, auch nicht im Online-Veranstaltungskalender des Tourismus-Service Butjadingen. Na, es ist ja noch ein bisschen Zeit bis dahin; warten wir's also erst mal noch ab. 

Sehr wohl in dem besagten Veranstaltungskalender wie auch im Textteil des "Leuchtturm"-Magazins aufgeführt sind die Ökumenischen Familiengottesdienste in der Konzertmuschel in Tossens, die an vier Sonntagen in diesem Sommer stattfinden sollen: am 5. und 19. Juli sowie am 2. und 16. August, jeweils um 15 Uhr. Für uns käme lediglich der zweite dieser Termine in Frage; wer mich kennt, der weiß allerdings, dass ich beim Stichwort "Familiengottesdienst" Gänsehaut auf dem Zahnfleisch zu bekommen pflege, und beim Stichwort "ökumenisch" nicht minder. Dass das "Leuchtturm"-Magazin den Hinweis auf die sogenannten "Muschelgottesdienste" mit einem Foto illustriert, auf dem eine Gay Pride Flag (um nicht immer "Regenbogenflagge" zu sagen) in der Konzertmuschel weht, tut ein Übriges. Na, möglicherweise werde ich mir den "Muschelgottesdienst" am 19. Juli trotzdem ansehen, dann aber nur zum Zweck der Berichterstattung und vorsichtshalber wohl lieber ohne Frau und Kinder. 

Was derweil unser beabsichtigtes Alternativprogramm in Sachen "Spirituelle Angebote für Familien im Urlaub" (intern auch "Guerilla-Urlauberseelsorge" genannt) betrifft, gibt es derzeit noch keine weiterreichenden Pläne als "mittwochs Lobpreis mit dem Stundenbuch im Bürgerobstgarten, sonntags Kinderwortgottesdienst auf dem Spielplatz am Strand"; ich muss sagen, ich hatte auch noch nicht so recht Zeit und Muße, mich nach anderen möglichen Kooperationspartnern als der örtlichen katholischen Pfarrei umzusehen oder sonstigen organisatorischen Aufwand zu treiben. Aber wer weiß, vielleicht findet dieser Artikel ja Leser, die zu einer Kooperation bereit und in der Lage wären – seien es Personen oder Institutionen, die im Butjadingen oder Umgebung ansässig sind, oder einfach Leute, die im selben Zeitraum wie wir Urlaub in Butjadingen machen. Und sollte dieser Artikel Reaktionen ernten wie "Wir können euch zwar nicht bei der Organisation helfen, wären aber interessiert, zu euren Angeboten zu kommen", würde mich auch das sehr freuen... 


Samstag, 13. Juni 2026

Utopie und Alltag 29: Gast auf Erden

Es gibt mal wieder eine Menge zu berichten, Freunde; und es sieht derzeit stark danach aus, dass das mindestens bis zu den Sommerferien so weitergeht. Wann ich bei alledem mal dazu kommen soll, über die Themen zu schreiben, für die in den Wochenbriefings kein Platz ist, sei mal dahingestellt... Aber nun möchte ich mich erst einmal nicht länger mit der Vorrede aufhalten! 

Fast schon Punkpastoral-Style: Straßenmalereien auf dem Vorplatz der Spandauer Pfarrkirche Maria, Hilfe der Christen am Tag der Fronleichnamsprozession

Ein Samstag zwischen Wölflingen und Punks 

Wie in der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings schon angekündigt, stand am ersten Samstag im Juni das Meutentreffen der KPE-Wölflingsmädchen in Schöneberg ganz oben auf der Tagesordnung; eine unerwartete Schwierigkeit ergab sich indes dadurch, dass unsere Große am Frühstückstisch verkündete, sie habe "heute keine Lust". Zunächst war ich gewillt, das als einen klassischen Fall von "Dann mach's halt ohne Lust" zu behandeln, umso mehr, als ich überzeugt war, der Spaß an der Sache werde sich schon noch einstellen, wenn sie erst mal dort wäre; sie blieb jedoch sehr entschieden dabei, dass sie da nicht hinwolle – was mich wunderte, zumal ich beim vorigen Mal eigentlich den Eindruck gehabt hatte, es sei alles prima gewesen. Auf mehrfache Nachfrage hin stellte sich heraus, dass sie mit der Rudel-Einteilung unzufrieden war und dass es beim vorigen Meutentreffen eine Situation gegeben hatte, in der sie sich von ihrer Rudelführerin ungerecht bzw. übertrieben streng behandelt gefühlt hatte. Ich beharrte allerdings darauf, das sei kein Grund, nicht zum Meutentreffen zu gehen; wenn es Konflikte zwischen ihr und ihrer Rudelführerin gebe, dann müsse sie darüber eben mit Akela sprechen. Etwas widerwillig bzw. unter Protest legte meine liebe Tochter ihre Wölflingskluft an, aber kaum trug sie diese, veränderte sich auch ihre Haltung. (Das ist ein wirklich faszinierendes Phänomen, das sich so ähnlich auch bei der Trainingskleidung im Kampfsport beobachten lässt.) Weiter trug es zur Aufhellung der Stimmung bei, dass wir auf dem Weg zur S-Bahn einen herrenlosen 10-Euro-Schein auf dem Gehweg fanden und ihn sogleich in Snacks und Getränke für unterwegs umsetzten. Und dann wünschte uns im Vorbeigehen eine uns persönlich nicht bekannte Frau sehr herzlich ein schönes Wochenende und merkte dazu an, wir würden "so viel Lebensfreude ausstrahlen". Hätte ich in dem Moment gar nicht gedacht. 

In der S-Bahn fragte ich mein Tochterkind: "Erinnerst du dich, als wir das erste Mal auf dem Reiterhof 'Kleine Mücke' waren, und gleich beim ersten Ausritt haben ein paar der Ponys gescheut und zwei Mädchen sind abgeworfen worden? Und eins der Mädchen hat geweint und gesagt, es wollte nie wieder reiten?" Meine Tochter bejahte, und ich fuhr fort: "Und da haben die Reitlehrerinnen ihr gesagt, sie soll aufhören zu heulen, gleich wieder aufsteigen und weiterreiten. Das wirkte erst mal ziemlich streng und fast ein bisschen herzlos, aber es war trotzdem richtig so – es ging nämlich darum, dass das negative Erlebnis sich nicht festsetzen sollte." Diese Botschaft kam bei meinem Tochterkind offenbar an; und als wir dann am Ort des Meutentreffens ankamen und meine Große auf andere Wölflingsmädchen traf, war ihr die Frage der Rudel-Einteilung – wie sie mir versicherte, als ich sie fragte, ob wir die Leiterin gemeinsam darauf ansprechen sollten – "eigentlich schon egal". Sie hätte es zwar gern gesehen, wenn ich mich auf eine Bank im Garten gesetzt und dem Meutentreffen zugesehen hätte, aber ich argumentierte "Wenn das alle so machen würden, wäre der ganze Garten voller Eltern", und das sah sie ein. Ich fuhr also erst mal mit dem Bus nach Steglitz zur Rosenkranzbasilika und betete dort eine Weile; ungefähr die letzte halbe Stunde des Meutentreffens sah ich mir aber doch an. Was ich vom Programm der Veranstaltung mitbekam, war zunächst ein Quizspiel, in dem es um Hauptstädte europäischer Staaten und deutscher Bundesländer ging, und dann bekamen die Mädchen Briefe von Wölflingsmädchen aus dem französischen Partnerverband AGSE, die sie lesen und beantworten sollten. Insbesondere von der Aussicht, eine Brieffreundin in Frankreich zu haben, war mein Tochterkind absolut begeistert. Und dann wurde ich noch Zeuge, wie meine Große in der Schlussrunde erklärte, sie wolle für ihre "Leise Pfoten"-Prüfung die Probe "Du kennst deinen Namenspatron und kannst aus seinem Leben erzählen" ablegen – woraufhin die Leiterin sie vor versammelter Mannschaft aus dem Leben ihrer Namenspatronin erzählen ließ, und ich fand, sie machte das ausgesprochen gut. 

Insgesamt war die Teilnahme am Meutentreffen somit ein voller Erfolg und ich durfte mich darin bestätigt fühlen, der anfänglichen Unlust meiner lieben Tochter nicht nachgegeben zu haben. Anschließend zog sie sich auf der Toilette des Caritas-Seniorenheims um, und wir fuhren auf direktem Wege nach Friedrichshain zum Kreutzigerstraßenfest ("Fiesta Kreutziga"), wo wir uns mit der "anderen Hälfte der Familie" treffen wollten. 

Wir kamen dort so frühzeitig an, dass noch gar nicht alle Buden und Stände aufgebaut waren; aber wie schon vor zwei Jahren (voriges Jahr waren wir nicht dabei) wurde wieder ein recht umfang- und abwechslungsreiches Kinderprogramm geboten: 

Nachdem das Tochterkind sich eine Weile im Kuscheltierbad vergnügt, Dosenwerfen und Schokokusswurf ausprobiert hatte, schlenderten wir erst einmal über das Festgelände bis zur Bühne, wo gerade eine aus älteren Frauen (und mit "älter" meine ich hier: älter als ich) bestehende Punkband Soundcheck machte; dort angekommen, fragte mich meine Tochter aus heiterem Himmel: "Und sind das hier alles Christen?" – "Nee", erwiderte ich überrascht, "warum denkst du das?" – "Na, es heißt doch Kreuziger-Straßenfest." Daraufhin erklärte ich ihr, dass das einfach der Name der Straße sei, und hatte den Eindruck, dass diese Mitteilung ihren Enthusiasmus für diese Veranstaltung vorübergehend etwas dämpfte. Das relativierte sich allerdings wieder, als die "andere Hälfte der Familie" zu uns stieß: Meine Liebste hatte sich ein wenig mit der Fahrtzeit verschätzt und obendrein eine Route gewählt, auf der es Schienenersatzverkehr und weitere Unregelmäßigkeiten gab, und so war sie mit dem Jüngsten in summa eine Dreiviertelstunde später am Ziel als das Tochterkind und ich. Die Kinder ließen sich schminken und probierten noch verschiedene andere Angebote des Kinderprogramms aus; als eine große Attraktion erwies sich dabei die Buttonmaschine: Die Kinder konnten gar nicht genug davon bekommen, Anstecker zu gestalten und herzustellen, und fragten schließlich, ob wir so eine Maschine auch mal für zu Hause anschaffen könnten. Meine Antwort darauf lautete: Wenn ich Gemeindereferent werde, kann ich vielleicht eine für die Gemeinde anschaffen. Würde ich tatsächlich für keine schlechte Idee halten. 

Bei der Bühne schauten wir auch nochmal vorbei; dort spielte inzwischen eine Punkband namens Muttis Lieblinge – in ohrenschmerzverursachender Lautstärke, aber davon abgesehen fand ich die Musik gar nicht schlecht. Vom Gesang verstand man nur wenig, aber bei einem Song glaubte ich im Refrain die Verse "All my friends are married now, all my friends have PhD's" herauszuhören, und das fand ich – gerade als verheirateter Inhaber eines philosophischen Doktorgrades – doch sehr amüsant. Ein paar Bekannte "von früher" traf ich auch, mehr als in den letzten Jahren bei der Fiesta Kreutziga. Einer dieser Bekannten, der wie ich mit seinen Kindern da war, äußerte sein Bedauern darüber, dass anders als in früheren Jahren kein Getränkekistenklettern angeboten wurde – worauf ich erwidern konnte, dass es diese Attraktion in den zurückliegenden Jahren stets beim Gemeindefest in St. Stephanus in Haselhorst gegeben habe. Hashtag #kannstemalsehen! Insgesamt würde ich jedenfalls sagen, der Besuch bei der Fiesta Kreutziga hat sich wieder mal gelohnt... 


Fronleichnam – der zweite Versuch 

Am Sonntag fuhren wir alle vier zur Spandauer Pfarrkirche Maria, Hilfe der Christen, um dort an der zentralen Fronleichnams(nach)feier der Großpfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland teilzunehmen. Die Entscheidung, dorthin zu gehen und nicht nach St. Afra, wo wir eine Fronleichnamsfeier im Alten Ritus hätten miterleben können, oder womöglich nach St. Norbert, wo "unser" Pfadfinderstamm mit von der Partie war, war einerseits bedingt durch den Wunsch, in der Spandauer Pfarrei Präsenz zu zeigen, und andererseits dadurch, dass es von dort ein verhältnismäßig kurzer und unkomplizierter Weg zu der Geburtstagsfeier war, zu der unsere beiden Kinder eingeladen waren. Ich möchte indes nicht ausschließen, dass wir uns beim nächsten Mal anders entscheiden. 

Die Pfarrkirche war nicht so voll besetzt, wie man es bei einer festlichen Messe für die gesamte Pfarrei vielleicht hätte erwarten mögen, aber doch ziemlich gut besucht. Wie Mancher sich erinnern wird, war die Kirche ja erst am Weißen Sonntag wiedereröffnet worden, nachdem sie wegen Rauchschäden infolge eines Schwelbrands rund ein halbes Jahr lang geschlossen war; als nächstes steht die Sanierung der Orgel an, weshalb aktuell eine Ersatzorgel im Chorraum steht. Am Einzug nahm neben dem leitenden Pfarrer, drei Konzelebranten (der Pfarrvikar aus Siemensstadt fehlte krankheitsbedingt) und ungefähr acht Messdienern auch eine Jugendliche oder junge Erwachsene vom Pfadfinderverband DPSG teil, mit Banner; andere katholische Verbände waren nicht sichtbar vertreten, weder im Kirchenraum noch bei der Prozession; die Kolpingsfamilie hatte allerdings einen der Stationsaltäre gestaltet.– Die junge Dame von der DPSG jedenfalls stand während der gesamten Messe mit ihrem Banner am Rande des Altarraums; weitere Vertreter ihres Verbands waren jedoch nicht zu entdecken – was auch meinem Tochterkind auffiel: "Ich hab noch gar keine Wölflinge gesehen – oder gibt es die bei diesen Pfadfindern nicht?" Nun, möglicherweise waren welche da, nur halt ohne Kluft; selbst die Bannerträgerin trug ihr Klufthemd offen, ohne Halstuch und am Rücken teils in die Hose gestopft und teils nicht. Ich will, indem ich dies erwähne, nicht diese junge Dame persönlich anschwärzen; ich glaube vielmehr, dass das einfach DPSG-Style ist. "Wir haben zwar eine Kluft, aber wir tragen sie bewusst nicht ordentlich" ist, wie mir scheint, eine Haltung, die auch recht gut das linke und quasi "post-scoutistische" Selbstverständnis des Verbands ausdrückt, aber das ist jetzt zugegebenermaßen ein bisschen ins Blaue hinein theoretisiert, denn sooo genau kenne ich mich mit den Unterschieden zwischen verschiedenen Pfadfinderverbänden nun auch nicht aus. 

– Dass die traditionsreiche Spandauer Fronleichnamsprozession infolge von Straßensperrungen wegen der unter dem Motto "Die Zukunft fährt Rad" stattfindenden ADFC-Fahrradsternfahrt in diesem Jahr etwas kürzer ausfallen würde als sonst, war ja bereits angekündigt worden; dennoch war ich etwas überrascht, wie sehr die Prozession reduziert worden war: Die erste Station war direkt in die Kirche verlegt worden (habe ich eigentlich schon mal erwähnt, dass die Spandauer Pfarrkirche Maria, Hilfe der Christen Anfang des 20. Jahrhunderts bewusst so angelegt wurde, dass man in ihrem Inneren Prozessionen abhalten konnte?), die zweite auf den Kirchvorplatz; dann ging es ein Stück in den Münsingerpark hinein, wo die polnische Gemeinde den dritten Stationsaltar aufgebaut hatte; die vierte und letzte Station war dann wieder vor der Kirche. 




Zur künstlerischen Gestaltung des vierten Stationsaltar kann msn letztlich auch nur sagen: Das war früher mal sehr modern

Am Ende dieser Kurzprozession war bis zu der bereits erwähnten Kindergeburtstagsfeier noch ausreichend Zeit, dass wir uns alle im Garten des Gemeindehauses von Maria, Hilfe der Christen eine Grillwurst genehmigen und uns nett mit ein paar Leuten aus der Gemeinde unterhalten konnten; im Vorfeld hatte ich erwogen, ohne meine Familie noch länger dort zu bleiben, aber so richtig hatte ich dann doch nicht den Eindruck, dass sich das lohnen würde: Ohne dass ich es an etwas Konkretem festmachen könnte, erschien mir die Atmosphäre bei diesem "geselligen Beisammensein nach der Prozession" noch deutlich weniger einladend als vor zwei Jahren, als mich die betreffende Veranstaltung zu einem Artikel darüber anregte, "warum die Volkskirche nicht zu feiern versteht". Den möchte ich bei dieser Gelegenheit gleich nochmal empfehlen

Ein schönes Fronleichnamsfest hatten jedenfalls, wie ich am Nachmittag feststellen durfte, die Eichenprozessionsspinner im Volkspark Jungfernheide. An deren Prozessionen kommt so schnell keiner ran. 


Wie schön dass ich geboren bin, ihr hättet mich sonst sehr vermisst 

Am Montagabend hatte meine Liebste wieder Alpha-Kurs, was bedeutete, dass ich wieder allein dafür verantwortlich war, die Kinder ins Bett zu bringen. Zunächst klappte das ganz leidlich, aber einige Zeit nachdem ich den Kindern Gute Nacht gesagt und das Licht im Kinderzimmer ausgemacht hatte, fühlte ich mich veranlasst, noch einmal nachzusehen, da ich Stimmen gehört hatte. Und siehe da, da saßen die Kinder beim Schein eines Farbwechsel-Dino-Nachtlichts im Hochbett der Großen und hantierten mit Bastelmaterialien. Sie erklärten mir, sie müssten noch etwas für meinen Geburtstag vorbereiten, da sie tagsüber nicht dazu gekommen seien – worauf ich verärgert erwiderte, jetzt sei aber keine Zeit dazu, da sie jetzt schlafen müssten. Gleichzeitig hatte ich ein schlechtes Gewissen, sie anzumeckern, schließlich war das ja eigentlich sehr lieb von ihnen. Tja, ich schätze, das sind so die Dilemmata des Elternseins. Tatsächlich war dies, wenn ich mich richtig erinnere, das erste Mal, dass meine Kinder (5 und 8 Jahre alt) sich im Vorfeld meines Geburtstags eigenständig Gedanken darüber machten, wie sie mir eine Freude machen könnten, und sich richtig Mühe damit gaben. Als ich sie am nächsten Morgen weckte, begrüßten sie mich gleich mit einem fröhlichen "Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag!" und bescherten mir mehrere selbstgemalte Bilder, mit Stickern verzierte Postkarten, ein Tütchen voller mit Glitzerfarbe bemalter Eichelhütchen, ein weiteres Tütchen mit schönen Steinen, einen Button mit der Aufschrift "Jesus Saved My Life", ein Herz aus Knete, einen Fineliner, einen Bogenschützen aus einer Spielzeug-Ritterburg und ein Kuscheltier. Ich war ausgesprochen gerührt. 

Die größte Überraschung bereitete mir jedoch meine Liebste, die, als die Kinder und ich in den Tag starteten, schon bei der Arbeit war; sie hatte mir nämlich dies auf dem Frühstückstisch hinterlassen: 

Was ihr hier seht, o Leser, ist ein mit Erdbeeren, Himbeeren und Zucker-Marienkäfern verzierter Käsekuchen, und es war mir ein echtes Rätsel, wo meine Liebste den wohl hergezaubert hatte. Des Rätsels Lösung: Sie hatte es am Vortag allen Ernstes hingekriegt, zwischen Abi-Stress am Arbeitsplatz und Alpha-Kurs am Abend einen tiefgefrorenen Käsekuchen und die Zutaten für die Garnierung zu kaufen, hatte sich am Nachmittag – im Schutz des Schleuderprogramms der Waschmaschine, sozusagen – in die Wohnung und in die Küche geschlichen, den Kuchen dekoriert und im obersten Fach des Kühlschranks "versteckt". Das muss man erst mal bringen. 

Was ich mit alledem sagen will, ist: Ich bin ausgesprochen glücklich über meine Familie, die mir buchstäblich und auf sehr greifbare Weise von Gott geschenkt worden ist; und das gehört ja wohl zum Schönsten, was man an seinem 50. Geburtstag sagen kann. 

Sollte ich jetzt und hier eine Bilanz des halben Jahrhunderts ziehen, das ich auf dieser Welt verbracht habe, dann würde ich sagen: Als jüngstes von drei Kindern in recht bescheidenen Verhältnissen auf einem Dorf in Niedersachsen aufgewachsen, habe ich mir immer ein abenteuerliches Leben gewünscht; in meiner Jugend gab es ein beliebtes Postkartenmotiv, das ein Schwarzweißfoto eines kleinen Jungen mit Wollmütze und kurzen Hosen mit dem Schriftzug "Du fragst mich, was soll ich tun, und ich sage: Lebe wild und gefährlich, Arthur" kombinierte – was ich, und nicht nur ich, fälschlich mit Arthur Rimbaud in Verbindung brachte –, und irgendwie hat mich das immer angesprochen. Heute, nach allerlei Wendungen und Windungen meines Lebens (man kann, zumindest zum Teil, gern auch "Irrungen und Wirrungen" dazu sagen), kann ich bezeugen: Das größte, zugleich herausforderndste und erfüllendste Abenteuer ist es, eine Familie zu haben und sich Tag für Tag zu bemühen, als Familie am Aufbau des Reiches Gottes mitzuarbeiten. – Klingt nach KiNC? Mag sein, aber diesen Vorsatz haben meine Liebste und ich schon während unserer Ehevorbereitung gefasst, zu einem Zeitpunkt also, als von KiNC noch lange keine Rede war. In diesem Sinne bleibt mir eigentlich nur zu sagen: Seien wir gespannt, was die nächsten Jahrzehnte so bringen...! 


Update RKF 

Am Dienstagabend fand auch ein Teamtreffen für die Religiöse Kinderfreizeit (RKF) der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst statt, aber da ging ich nicht hin, weil ich den Abend meines Geburtstags im Kreis meiner Familie verbringen wollte. Um dennoch etwas zu dem Treffen beizutragen, bemühte ich mich, meine bisherigen Ideenansätze zu einer Erhöhung des katechetischen Niveaus der Fahrt übersichtlich zu strukturieren, und verschickte die (vorläufigen) Ergebnisse dieser Arbeit in Form einer knapp drei Seiten langen pdf-Datei an die Teamkollegen. – Wie neulich schon mal angesprochen, ist mir dabei – in offenem Gegensatz zu dem vom Bistum Dresden-Meißen herausgegebenen Materialienbuch zur Religiösen Kinderwoche – insbesondere der Ansatz wichtig, die Mose-Geschichte "typologisch" im Licht des Neuen Testaments zu betrachten; ein paar weitere Impulse dazu habe ich unlängst aus zwei Kurzvideos ("Reels") erhalten, die meine Liebste in den Weiten des Internets entdeckt und mir weitergeleitet hat (oh, diese Christfluencer! Diese gefährliche TikTokisierung des Glaubens!). Konkret ging es da um die Frage, was es eigentlich bedeutet, dass Mose das Volk Gottes zwar bis an die Grenze des Gelobten Landes führt, aber nicht hinein. Die These lautet: Mose repräsentiert das Gesetz, und so wichtig und notwendig das Gesetz auch ist, um dem Volk Gottes den Weg zu weisen, bringt es doch nicht die Erlösung. Ins Gelobte Land geführt wird das Volk Gottes darum nicht von Mose, sondern von Josua; und der Name Josua heißt, ins Griechische bzw. Lateinische übertragen: JESUS. Faszinierend, nicht? 

Am Mittwoch fand dann der Elternabend zur RKF statt, glücklicherweise in St. Stephanus, sodass ich vorher noch in der EFG The Rock Christuskirche zum JAM gehen konnte und anschließend nur einmal schräg über die Straße gehen musste. Bei diesem Elternabend war ich ja gewissermaßen in einer Doppelrolle, da ich einerseits zum Team gehöre und andererseits auch zu den Eltern, da ja mein Tochterkind teilnehmen wird. Außer mir nahmen noch zehn weitere Eltern an dem Treffen teil, darunter einige, von denen jeweils zwei Kinder mitfahren und/oder deren Kinder in den zurückliegenden Jahren schon einmal oder sogar mehrmals mit dabei waren. Ganz interessant war, was diejenigen, deren Kinder zum ersten Mal dabei waren, zu der Frage sagten, wie sie auf die RKF aufmerksam geworden seien: Zum Teil hatte sich dies über den Erstkommunionkurs ergeben, zum Teil besuchen die Kinder katholische Schulen und/oder sind mit Kindern befreundet, die schon mal dabei waren. Inhaltlich ging es beim Elternabend im Wesentlichen um organisatorische Fragen, um die Unterkunft, die Packliste, die An- und Abreise und auch schon um Detailfragen wie die, wer mit wem in einem Zimmer schlafen will, darf und soll; besonders intensiv wurde über die Frage diskutiert, ob die Kinder Handys mit auf die Fahrt nehmen dürfen. Das Team hätte dies am liebsten komplett verboten, stieß damit aber bei einigen Eltern auf Widerstand. Dass dabei sinngemäß geäußert wurde, verhindern könne man die Handybenutzung ja doch nicht, denn was man den Kindern verbiete, würden sie dann eben heimlich tun, hätte mich beinahe dazu veranlasst, eine Grundsatzdiskussion zum Thema Erziehung vom Zaun zu brechen, aber darauf muss ich vielleicht mal an anderer Stelle näher eingehen. Eng mit dieser Aussage verwandt war das Argument, wenn man Handynutzung generell verbiete, benachteilige das diejenigen Kinder, die sich an das Verbot halten, gegenüber denen, die einen Weg finden, es zu umgehen. Auf meinen als Frage formulierten Einwand, ob nicht eine (als Kompromisslösung vorgeschlagene) zeitlich begrenzte Erlaubnis zur Handynutzung wiederum diejenigen Kinder benachteilige, die gar kein Handy haben, wurde mir – von den Eltern wie auch von den jungen Erwachsenen im Team – beschieden, Kinder, die kein Handy haben, gebe es heutzutage doch gar nicht mehr. Es sei betont, dass hier von Kindern im Alter von 7 bis 13 Jahren die Rede war. Wozu mir einfällt, dass ich erst kürzlich den weitgehend unregulierten Medienkonsum an der Schule meines Tochterkindes als einen Aspekt des dortigen Schulkonzepts angesprochen hatte, mit dem ich nicht so recht glücklich bin; jetzt denke ich mir: Wenn Eltern ihren Kindern Smartphones geben und das ganz selbstverständlich finden, nützt es wohl auch nicht viel, wenn die Schule deren Gebrauch einzuschränken versucht. Nun ja, auch das wäre wohl an anderer Stelle zu vertiefen. 

Überhaupt keine Rolle spielte beim Elternabend die inhaltliche Seite der RKF, also der katechetische Teil. Man könnte das positiv sehen, insofern, als das dem Team einen gewissen Freiraum bei der Gestaltung eröffnet; mehr noch, man könnte es als einen Vertrauensbeweis auffassen, dass die Eltern offenbar davon ausgehen, das, was ihren Kindern auf einer kirchlichen Freizeit inhaltlich vermittelt werde, werde schon nicht verkehrt sein. Aber irgendwie irritiert es mich doch, dass dieser Aspekt der Freizeit die Eltern offenbar so wenig interessiert. Ich fühlte mich da an das erinnert, was ich bereits vor einigen Wochen über die Gefahr geschrieben habe, "dass das katechetische Programm dieser Fahrt als ein notwendiges Übel wahrgenommen" werden könnte, "als etwas, was man hinter sich bringen müsse, um in der übrigen Zeit Spiel, Sport und Spaß genießen zu können". Wie ich da schon schrieb, ist es nicht unbedingt überraschend, wenn zumindest einige der teilnehmenden Kinder das so sehen; aber wenn die Eltern – die ihre Kinder schließlich gerade deshalb zu einer kirchlich organisierten Ferienfreizeit angemeldet haben, weil sie kirchlich organisiert ist – , daran, was diese Freizeit in Sachen Glaubensvermittlung leistet, so wenig Interesse zeigen, fällt es mir doch ausgesprochen schwer, mich da hineinzuversetzen. Letztlich dokumentiert mein Befremden über diesen Umstand aber wohl nur einmal mehr, wie zutiefst fremd mir der post-volkskirchliche Kulturkatholizismus ist. 


Neues aus Herz Jesu Tegel: Neuevangelisierung oder palliative Pastoral? 

Sechs Wochen ist es schon her, dass ich zu Protokoll gegeben habe, ich hätte damit angefangen, "mich um die Mittagszeit auf eine Bank am Brunowplatz – vis-à-vis der Herz-Jesu-Kirche – zu setzen und dort Gitarre zu üben". Wirklich regelmäßig habe ich das seitdem nicht weiterverfolgt, zumal manchmal das Wetter nicht so recht dazu einlud und ich manchmal einfach zu viel anderes zu tun hatte; aber hin und wieder bin ich seitdem doch mit meiner Gitarre auf dem Brunowplatz gewesen, und in der zurückliegenden Woche hat sich erstmals abgezeichnet, dass das "was bringt". Nicht in dem Sinne, dass ich Spendeneinnahmen generiert hätte – dazu müsste ich wohl erst mal deutlich besser werden –, aber es hat dazu geführt, dass ich mit Leuten ins Gespräch gekommen bin und dabei die an sich natürlich nicht besonders überraschende Erfahrung gemacht habe, dass die Leute, die in der offenen Kirche ein und aus gehen, nicht selten Leute sind, die jemanden zum Reden gut gebrauchen können. Das seelsorgerische Potential, das in dieser Konstellation liegt, kann man sich ja unschwer ausmalen. – 

Am Rande eines solchen Gesprächs ergab es sich zudem, dass eine meiner Kontaktpersonen aus der Gemeinde vorbeikam und mich informierte, dass am Donnerstagabend Gemeinderatssitzung war – was mir andererseits womöglich entgangen wäre, obwohl es natürlich auch in den Vermeldungen stand. Die Sitzung war öffentlich, also fand ich, ich könnte da ruhig mal hingehen – nicht zuletzt auch, um mir ein Bild davon zu machen, was ich zu erwarten hätte, wenn ich mich im Herbst in dieses Gremium wählen lassen wollte. Was das angeht, kann ich sagen, dass der Besuch der Veranstaltung die Wahrscheinlichkeit, dass ich mich zu einer Kandidatur bewegen lasse, erheblich verringert hat. Nicht dass an dieser speziellen Sitzung – die eine umfangreiche Tagesordnung hatte und gut zwei Stunden dauerte – irgend etwas besonders abschreckend gewesen wäre; im Gegenteil würde ich sagen, sie verlief in einer weitgehend konstruktiven Atmosphäre und alle Beteiligten machten einen engagierten und gutwilligen Eindruck, aber trotzdem hat diese Sitzung meine schon früher geformte Überzeugung "reaktiviert", dass Gremienarbeit einfach grundsätzlich nicht der richtige Weg ist, in der Kirche etwas zu bewegen. Man ist da so sehr aufs operative Tagesgeschäft fixiert (und damit, wie der Umfang der Tagesordnung dokumentiert, auch so sehr ausgelastet), dass überhaupt keine Kapazitäten übrig bleiben, darüber hinauszublicken und beispielsweise mal konzeptionelle Überlegungen in Richtung Neuevangelisierung anzustellen. Ich bin ja mehr und mehr der Überzeugung, entweder die Kirche betreibt Neuevangelisierung oder sie betreibt "palliative Pastoral", dazwischen gibt es eigentlich nichts. Im Gemeinderat von Herz Jesu Tegel, und gewiss nicht nur dort, stehen die Zeichen ganz eindeutig auf "palliative Pastoral": langsam und kontrolliert die Brennstäbe runterfahren, bis man irgendwann in nicht mehr allzu ferner Zukunft endgültig das Licht ausmachen kann. Es ist nicht unbedingt so, dass die Leute im Gemeinderat das so wollen, sie sehen einfach keine andere Perspektive – außer vielleicht die vage Hoffnung, dass doch noch mal ein paar mehr Leute kommen, mit denen und für die man den gewohnten Betrieb doch noch ein paar Jahre länger aufrecht erhalten kann. – Dass sich aber infolge der Wahlen im Herbst die Zusammensetzung des Gemeinderats so weit verändern könnte, dass eine grundsätzliche Kursänderung des Gremiums in den Bereich des Möglichen käme, scheint nun wiederum mir ziemlich aussichtslos. Und da ich mich mit Blick auf die RKF (s.o.) in letzter Zeit so viel mit Mose beschäftigt habe, frage ich mich, ob es vielleicht auch hier so ist, dass man erst mal so lange durch die Wüste wandern muss, bis die Generation, die schon an der Schwelle zum Gelobten Land stand, sich aber nicht hineingetraut hat, ausgestorben ist... 

Im Detail auf die Inhalte der Sitzung einzugehen, ist hier nicht der Platz und ist wohl auch nicht nötig; die interessantesten und auch unter den Gemeinderatsmitgliedern am kontroversesten diskutierten Themen waren der Immobilienentwicklungsprozess und die neue Gottesdienstordnung, und über diese Themen (und den Zusammenhang zwischen ihnen) wollte ich mich ja sowieso noch gesondert äußern; bis zur nächsten Gemeinderatssitzung, die erst im September ansteht, werde ich hoffentlich dazu kommen. 

Bleibt die Frage: Wenn Gremienarbeit nicht der Weg ist, in dieser Gemeinde etwas zu bewegen – was dann? Nun, eine Idee hatte ich dazu immerhin, nämlich die, mit ein paar Gleichgesinnten aus der Gemeinde den Arbeitskreis Neuevangelisierung, den es vor ein paar Jahren immerhin schon mal gab, wiederzubeleben. Einen Vertreter dieses Arbeitskreises kann man dann auch zu den Gemeinderatssitzungen schicken, die ja in der Regel öffentlich sind – dafür muss man also selbst nicht Mitglied in diesem Gremium sein. Man hat dann zwar kein Stimmrecht, aber abgestimmt wird da meiner Erfahrung nach sowieso kaum mal über irgendwas. – Und was für konkrete Initiativen könnte so ein Arbeitskreis Neuevangelisierung anstoßen? – Mir würden da schon mal drei "Sofortmaßnahmen" einfallen: 

  • einen "Willkommensflyer" für Besucher der offenen Kirche gestalten und an den Stellen auslegen, an denen er gefunden wird: am Pult mit dem (viel genutzten) Gebetsanliegen-Buch und an den Kniebänken vor der Herz-Jesu-Statue und dem Marienaltar. 
  • die verschiedenen regelmäßig stattfindenden spirituellen und katechetischen Angebote der Gemeinde (und da gibt es ja durchaus einige: die Eucharistische Anbetung am Freitag, dann die Rosenkranzandacht der Legio Mariae, das "Tegeler Glaubensgespräch für Jedermann" – im Wesentlichen ein Katechismus-Lesekreis –, die "Christliche Meditation") auf einem gemeinsamen Flyer (plus Plakat für den Schaukasten) bewerben; das ist eigentlich eine "alte" Idee, die meine Liebste schon vor Jahren mal in den Lokalausschuss Herz Jesu eingebracht hat, wo sie aber auf demonstratives Desinteresse stieß. Ergänzen würde ich, dass man diese Flyer nicht nur in der Kirche selbst auslegen, sondern auch in den umliegenden Restaurants, Spätis usw. verteilen sollte – da hab ich ja nun schon Übung
  • und schließlich: Wenn täglich um 12 Uhr zum Angelus geläutet wird, sollte in der offenen Kirche möglichst jemand anwesend sein, der den Angelus tatsächlich (vor-)betet. Dafür kann man eine Terminliste aushängen, auf der sich Freiwillige eintragen können. Wenn man nicht für jeden Tag jemanden findet, ist das (erst mal) nicht schlimm, aber anstreben sollte man es. 

Auf mittlere Sicht wäre dann ein Alpha-Kurs eine erstrebenswerte Maßnahme. – Wenn die Pfarrei dann mal einen weiteren Geistlichen bekommt, vielleicht einen jungen Kaplan, der am neokatechumenalen Seminar Redemptoris Mater ausgebildet wurde, dann könnte man den mit ins Boot holen; bis dahin hätte ich aber auch keine Hemmungen, den Arbeitskreis Neuevangelisierung ohne die Mitwirkung von Hauptamtlichen zu starten. Jetzt müsste man mal gucken, wer da mitziehen würde... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Gläubige Seele, ahme Maria nach! Geh in den Tempel deines Herzens, damit du im Geist gereinigt wirst und befreit werden kannst von der Befleckung der Sünden. Gott achtet nämlich in allem, was wir tun, mehr auf unsere innere Gesinnung als auf unser Werk. Sei es daher, dass wir durch die Übung der Betrachtung in unserem Herzen Gott Raum geben und für ihn frei sind, sei es, dass wir durch die Übung der Tugenden und durch gute Werke danach streben, enthaltsam zu sein zum Wohl unseres Nächsten, immer sollen wir so handeln, dass allein die Liebe Christi uns drängt. Das nämlich ist das wohlgefällige Opfer geistlicher Reinigung, das nicht in einem von Menschenhand gebauten Tempel dargebracht wird, sondern in einem Herzen, in das der Herr Jesus Christus mit Freuden eintritt. 

(Laurentius Justinianus, Predigt am Fest Darstellung des Herrn) 


Ohrwurm der Woche 

Peter Menger & Königskinder Hüttenberg: Dankeschön 

Ein Lied, das sehr gut dazu passt, wie ich mich anlässlich meines Geburtstags gefühlt habe; und viel mehr muss man dazu vielleicht schon gar nicht mehr sagen. 


Vorschau/Ausblick 

Das Meutentreffen der KPE-Wölflinge ist für heute abgesagt worden; gleichzeitig, aber in einer ganz anderen Ecke Berlins wurde – wie ich schon mehrfach angekündigt habe – ein früherer Stammgast unseres "Dinners mit Gott" zum Diakon geweiht, da waren wir zwar nicht dabei, haben aber ins Auge gefasst, heute in St. Marien Alt-Reinickendorf in die Vorabendmesse zu gehen, wo der neue Diakon assistiert und anschließend die Vesper feiert. Der Besuch der Vorabendmesse hätte zudem den weiteren Vorteil, dass wir dann morgen, wie schon letztes Jahr vor den Sommerferien, zum Taufgottesdienst der EFG The Rock Christuskirche nach Falkensee fahren könnten. – Am Montag nach der Schule ist unser Tochterkind schon wieder bei einem Kindergeburtstag eingeladen; für den weiteren Verlauf der Woche steht erst mal nichts besonderes im Terminkalender, aber dafür verspricht das nächste Wochenende wieder volles Programm: Zunächst einmal habe ich mich für Freitag für den Eltern-Besuchstag an der KiTa meines Jüngsten eingetragen, d.h. ich darf zur KiTa mitkommen und mir mal ansehen, was die Kinder da den ganzen Tag so machen; eventuell nehme ich meine Gitarre dorthin mit. Sodann feiert die Schule des Tochterkindes ihr Sommerfest, das wie vor zwei Jahren (und letztes Jahr vor den Osterferien) mit einer Talentshow eingeleitet wird. Unser Tochterkind will da zwar erneut nichts vorführen, aber ich denke mal, ansehen wollen wir uns die Show trotzdem. Davon abgesehen beginnt am Freitag "48 Stunden Spandau" – ein "Kirchen- und Kulturfestival", ausgerichtet vom evangelischen Kirchenkreis Spandau und der Citykirche Spandau. Es gibt in Spandau eine "Citykirche"? Wusste ich auch noch nicht, aber wie ich jetzt herausgefunden habe, gehört auch diese zur evangelischen Landeskirche. Gleichwohl beteiligt sich auch die katholische Pfarrei Heilige Familie mit einigen Veranstaltungen am Festival "48 Stunden Spandau". Gleichzeitig findet in Augsburg der "Mission is Possible"-Kongress statt; da bin ich zwar nicht live vor Ort, habe aber vor, im Rahmen meiner Möglichkeiten aufmerksam zu verfolgen, was man von dort so mitkriegt. Und dann ist am kommenden Samstag auch noch das traditionelle Geburtstagspicknick einer langjährigen Künstlerfreundin meinerseits, über das ich schon in den zurückliegenden Jahren immer mal wieder was geschrieben habe. Zu all diesen Themen werde ich allerdings voraussichtlich erst im übernächsten Wochenbriefing kommen...