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Samstag, 17. Oktober 2026

Utopie und Alltag 47: Trari-trara, der Herbst ist da

Salvete, liebwerte Freunde und andere Leser! Ihr werdet's sicher auch schon bemerkt haben: Die Nächte werden länger und die Tage kühler, das Kirchenjahr neigt sich allmählich dem Ende zu und damit auch die Reihe "Utopie und Alltag". Aber gleichzeitig gibt es eben auch viel Neues, das, wie schon ein paarmal angedacht und angedeutet, nach einer neuen Form der Gestaltung strebt; wie das konkret aussehen wird, weiß ich im Moment selber noch nicht, aber wir werden es zu gegebener Zeit schon gemeinsam herausfinden! – Kommen wir erst mal zum Bericht über die zurückliegende Woche... 


Bei den Wichteln ist der Wurm drin 

Ich hatte es schon im vorigen Wochenbriefing protokolliert: Bei den KPE-Pfadfindern in Berlin-Schöneberg haben am vergangenen Samstag nicht nur die Wölflingsmädchen ihr Meutentreffen gehabt, sondern parallel dazu traf sich auch die Wichtelgruppe (für Kinder unter 7 Jahren). Diese Gruppe trifft sich ja insgesamt eher selten: regulär einmal im Monat, in den Schulferien jedoch nicht – da bleiben dann vielleicht noch acht oder neun Termine im Jahr, und wenn man da dann ein paarmal nicht kann, ist das Potential dafür, ein Gefühl der Zugehörigkeit zur Gruppe zu entwickeln, doch sehr begrenzt. Wenn ich richtig sehe, war unser Jüngster insgesamt erst viermal bei den Schöneberger KPE-Wichteln, und ich sag mal: Das jüngste Wichtelgruppentreffen hat die Chancen, dass unser Jüngster da zukünftig öfter hingeht, nicht gerade erhöht. 

Aber mal der Reihe nach: Wir fuhren erst einmal alle zusammen nach Schöneberg, und während ich unsere Große bei den Wölflingen "abgab", um sie später wieder abzuholen, und in der Zwischenzeit meiner eigenen Wege ging, begleitete die Liebste unseren Jüngsten zur Wichtelgruppe. Deren Gruppentreffen war um eine volle Stunde kürzer als das der Wölflingsmeute, weshalb Frau und Sohn sich schon wieder auf den Heimweg machten, bevor ich die Große abholte. Als ich meine Liebste per elektronischer Textnachricht fragte, wie's denn bei den Wichteln gewesen sei, erhielt ich zur Antwort ein Foto einer Bastelarbeit, die unser Sohn angefertigt hatte. 

Als ich wieder am Ort des Meutentreffens ankam, waren die Wölflingsmädchen gerade noch dabei, aus Holzstämmen und Seilen sogenannte "Dreiböcke" zu bauen. Ich setzte mich auf eine Bank und wartete das Ende des Meutentreffens ab, und als meine Tochter nach der Abschlussrunde fröhlich auf mich zugelaufen kam und ich sie fragte "War's gut heute?", erwiderte sie nachdrücklich: "Sehr gut." Sie berichtete, außer dem Dreibock-Bauen hätten sie auch wieder das Winkeralphabet geübt, einige neue Gebete gelernt und ein Quizspiel über das Leben des Hl. Franz von Assisi gespielt. (In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass ein geschätzter Bloggerkollege, mit dem ich mich neulich in Paderborn zum Abendessen getroffen habe und dem ich bei dieser Gelegenheit von der Wölflingsmeute meiner Tochter erzählte, darauf mit den Worten reagierte: "Bei euch gibt's KPE-Pfadfinder? Das erwirbt dir die höchste Form meiner Anerkennung: meinen Neid!".) 

Als wir wieder zu Hause waren und ich meinen Jüngsten fragte, wie es denn bei den Wichteln gewesen sei, erntete ich hingegen ein grimmiges Gesicht und einen Daumen nach unten; erläutern musste mir meine Liebste diese Reaktion. Dass der Knabe mit der Bastelaufgabe unzufrieden war, weil er lieber etwas anderes gebastelt hätte, kann man wohl noch darauf schieben, dass er in letzter Zeit insgesamt oft zu Eigensinn und niedriger Frustrationstoleranz neigt (sollte das etwa die gefürchtete "Wackelzahnpubertät" sein? Seine Zähne wackeln aber noch gar nicht!); das war aber noch nicht alles: Für weiteren Verdruss sorgte es, dass das beliebte Spiel "Feuer-Wasser-Sturm" bei der Wichtelgruppe mit anderen Regeln gespielt wurde, als unser Jüngster es aus der KiTa und vom Kampfsporttraining kennt, und auch bei einem weiteren Spiel war er der Meinung, die Regeln seien nicht eindeutig genug erklärt worden. Und wenn der Knabe etwas so macht, wie es seiner Erfahrung nach richtig ist, und man sagt ihm, das sei falsch, das kann er nun wirklich gar nicht ab. Verständlich, finde ich. 

Es bleibt also dabei, dass unser Jüngster mit den Schöneberger KPE-Wichteln nicht so recht warm wird; etwas schade finde ich das schon, zumal ich denken würde, positive Erfahrungen bei den Wichteln könnten die Chancen erhöhen, dass er dann auch zu den Wölflingen geht, wenn er in das richtige Alter dafür kommt. Man könnt's natürlich nochmal bei der Wichtelgruppe in St. Afra versuchen, aber auf der Basis unserer bisherigen Erfahrungen bin ich nicht gerade überzeugt, dass es da besser liefe. Na, schauen wir mal – irgendwann werden wir bestimmt mal wieder nach St. Afra gehen... 


Ja is' denn heut' scho' wieder Marathon?

Am 28. Sonntag im Jahreskreis gingen wir wie gewohnt in St. Joseph Siemensstadt in die Messe; unsere Große nahm wieder neben ihrer Freundin aus dem Erstkommunionkurs Platz, außer diesen beiden Mädchen nahmen noch sieben oder acht weitere Erstkommunionkinder an der Messe teil. Sie begann allerdings mit Verspätung: Einige Minuten nach der regulären Anfangszeit trat eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der Gemeinde ans Ambo und erklärte, der Zelebrant – der Spandauer Krankenhausseelsorger – stecke "im Stau, weil ja heute Marathon ist". Schon wieder?, dachte ich. Der Berlin-Marathon war gerade zwei Wochen zuvor gewesen, in einen Halbmarathon war ich, wie sich Mancher erinnern wird, Anfang September auf dem Weg zum Gemeindefest in St. Stephanus geraten. Nun, da haben wir mal wieder was gelernt, nämlich dass Berlin zu dieser Jahreszeit ausgesprochen reich an Laufsportveranstaltungen ist: Im vorliegenden Fall handelte es sich offenbar um den Berliner Morgenpost Great 10K, der am Schloss Charlottenburg startete. "Die Berliner sind eben manchmal zu sportlich", merkte der Priester an (und das, wo er doch auch Sportpfarrer ist!). "Ich erkundige mich ja immer schon nach Marathon und allem möglichen, aber die sind so viel im Laufen unterwegs, und dann fahre ich da lang und dann kommt man nicht raus." – Jedenfalls kündigte er an, angesichts der Verspätung "auf die Predigt zu verzichten" – eine überraschende Entscheidung, die ich aber allemal besser fand, als die Liturgie an anderer Stelle zu kürzen. 

Gleichwohl war es wohl nicht verwunderlich, dass er das Evangelium vom Tag – Matthäus 22,1-10, das Gleichnis vom Hochzeitsmahl des Königs – doch nicht ganz unkommentiert im Raum stehen mochte; allerdings beschränkte er sich auf einen nur rund drei Minuten langen Predigt-Impuls, in dem er sich auf einen Einzelaspekt der Perikope konzentrierte: nämlich darauf, dass die zur Hochzeit geladenen Gäste meinen, keine Zeit zu haben. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die verschiedenen Begriffe für "Zeit", die es im Altgriechischen gebe – chronos und kairos: "Chronos, das ist die bemessene Zeit, die ablaufende Zeit. Kairos, das ist der Moment. Die erfüllte Zeit, die Gott schenkt." Und er mahnte: "Es gibt den Moment, den man nicht verpassen darf, und die Einladung, die man nicht ausschlagen sollte. [...] Gott schenkt dir Zeit. Nimm dir Zeit für das, was wichtig ist, und für das, was zum Heile dient. Und schlage niemals die Einladung Gottes aus. Sie ist unwiderruflich sie geht an alle, aber es kann sein, dass der Moment verpasst wird." – Ich muss sagen, ich fand diesen kurzen Impuls deutlich gelungener, überzeugender und anregender als die meisten längeren Predigten, die ich von diesem Priester bisher gehört habe; man könnte den Eindruck haben, die "kleine Form" liege ihm mehr, weil die Notwendigkeit, sich aus Zeitgründen inhaltlich auf einen einzelnen Aspekt zu konzentrieren, ihn davor bewahrt, sich zu verzetteln. Womit ich nun nicht unbedingt sagen möchte, ich würde ihm wünschen, öfter im Stau zu stehen... 

Am Ende der Messe stellten sich dann noch die Kandidaten für die Wahlen zum Gemeinderat, Pfarreirat und Kirchenvorstand vor, worauf ich gern verzichtet hätte. Zu den einzelnen Kandidaten will ich mich gar nicht näher äußern – es waren durchaus ein paar dabei, von denen ich mir hätte vorstellen können, ihnen meine Stimme zu geben, wenn ich in dieser Gemeinde bzw. Pfarrei wahlberechtigt wäre –, aber insgesamt geht das Thema der kirchlichen Gremienwahlen mir mehr und mehr auf den Keks. Nicht nur deshalb, weil das ganze Bohei, das um diese Wahlen gemacht wird, in einem so tragikomischen Missverhältnis zum tatsächlichen Gestaltungsspielraum dieser Gremien stehen; eher würde ich sagen, hätten die Gremien tatsächlich mehr mitzubestimmen, fände ich das noch schlimmer. – So oder so erscheint mir der ganze Gremienapparat als charakteristisch für ein Modell "von Kirche", dessen Zeit – Gott sei Dank! – im Wesentlichen vorbei ist; zukünftige Generationen werden, so hoffe ich, mit ungläubigem Kopfschütteln auf eine Zeit zurückblicken, in der die Kirche derart über-institutionalisiert und in Bürokratie erstarrt war, dass partout auch das ehrenamtliche Engagement von Laien in entsprechende Formen gezwängt werden musste. Schagwortartig zugespitzt würde ich sagen, die Kirche braucht weniger Gremienarbeit und mehr Gebetskreise. Das ist ein Gedanke, den ich schon seit einiger Zeit mit mir herumschleppe und über den ich schon längst mal außerhalb der Wochenbriefing-Reihe etwas schreiben wollte; ich schätze, ich sollte versuchen, den betreffenden Artikel bis zum Wahltermin in vier Wochen fertig zu bekommen. 


Seltsame Leiden eines Theologiestudenten 

In meinem vorigen Wochenbriefing nicht erwähnt habe ich den Umstand, dass am Freitag der dort besprochenen Woche, dem 9. Oktober, der Gedenktag des Hl. Dionysius war. Worin aber besteht die besondere Signifikanz dieses Umstands? – Diese Frage müsste man E.T.A. Hoffmann stellen, aber der ist ja längst tot. Irgend etwas wird er sich aber ja dabei gedacht haben, dass er seinen Dialog "Seltsame Leiden eines Theaterdirektors", an den ich meinen Rubrikentitel angelehnt habe, just "[a]m Tage des heiligen Dionysius, das heißt, am neunten Oktober" spielen lässt. Mit ein paar Tagen Verspätung gegenüber diesem historischen Datum habe ich jedenfalls den entsprechenden Band der antiquarischen Hoffmann-Werkausgabe herausgesucht, die in unserem heimischen Bücherregal steht, um gelegentlich darin zu lesen – zur Entspannung und als Gegengewicht dazu, was ich für mein Studium so alles lesen muss. 

Dass ich ein solches Gegengewicht gut würde brauchen können, zeigte sich schnell. Zu den ersten Büchern von der Lektüreliste für mein Studium, die ich mir am vorigen Wochenende aus der Bibliothek besorgt habe, gehört ein utb-Taschenbuch mit dem Titel "Basiswissen Bibel: Lesen und Verstehen", und schon im Vorwort lässt der Autor, Klaus Dorn, sehr deutlich die böswillige Absicht durchblicken, aus der er das Buch verfasst hat. "Dieses Buch will dazu ermutigen, als Nichttheologe die Bibel einmal in die Hand zu nehmen" – so beginnt der erste Satz, und das klingt ja erst mal ganz gut, aber dann geht es so weiter: "und selbst zu versuchen, eine eher wissenschaftliche Betrachtung der Heiligen Schrift zu wagen" – und da denke ich mir: Um Himmels Willen, wieso das denn? Die Antwort lautet: Weil er den einfachen Gläubigen ihren nicht-wissenschaftlichen Zugang zur Bibel, den er denn auch prompt als "(Kinder-)Glauben" abqualifiziert, schlichtweg nicht gönnt. Ihm selbst hat das Studium diesen Zugang verbaut, und jetzt sieht er es als seine Aufgabe, ihn auch allen anderen zu verbauen. Wenn er sich in diesem Zusammenhang beschwert, die wissenschaftliche Exegese gerate zuweilen "fast schon in den Ruch der Ketzerei", ist das ein nur allzu durchsichtiger Fall von Schuldumkehr: Wenn Exegeten nicht der Ketzerei geziehen werden wollten, dann sollten sie halt keine Ketzerei betreiben, so einfach ist das. – Als ein Beispiel dafür, wie die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Exegese mit den naiven Vorstellungen des Pöbels in Konflikt geraten können, führt der Verfasser an: "Wie kann da jemand behaupten, es seien keine drei Könige gewesen, die da zum Kind gekommen sind, wo sie doch in Köln begraben liegen?" – was ja gar keine so dumme oder lächerliche Frage ist, wie Dorn es seinem Leser offenbar suggerieren will; und sein zweites Beispiel – "Wie kann jemand behaupten, das jüdische Volk sei gar nicht schuld am Tode Jesu? Das kennt man doch von früher ganz anders" – ist im Grunde eine noch größere Unverschämtheit, weil er damit insinuiert, wer nichts von wissenschaftlicher Exegese verstehe, sei quasi automatisch Antisemit, in letzter Konsequenz also Nazi. 

Dabei ist Dorns Vorwort nur ein besonders krasses Beispiel für Tendenzen, die man in der akademischen Theologie auch sonst beobachten kann und die mir auch in der Einführungswoche in Paderborn gelegentlich aufgefallen sind: Den Studienanfängern wird zwar permanent gepredigt, wissenschaftlich zu arbeiten bedeute alles zu hinterfragen, aber gleichzeitig werden sie darauf trainiert, gerade das nicht in Frage zu stellen, was sie am gründlichsten hinterfragen sollten, nämlich das, was ihnen im Studium beigebracht wird. Da ist es wohl kein Wunder, dass so viele Leute so verkorkst aus dem Studium herauskommen. 

– Ich hoffe, das klingt jetzt alles nicht zu negativ; im Großen und Ganzen habe ich nach zwei Wochen Fernstudium nämlich durchaus den Eindruck, dass ich mit den Anforderungen des Studiums einigermaßen zurechtkomme, und tatsächlich auch, dass ich – über den rein formalen Aspekt hinaus, dass ich den Abschluss als Qualifikation für eine Tätigkeit in der Pastoral benötige – von diesem Studium profitieren kann. Aber gerade dafür betrachte ich eine kritische Distanz nicht nur gegenüber einzelnen Inhalten des Studiums, sondern gegenüber der grundsätzlichen Ausrichtung der Ausbildung des pastoralen Personals als absolut notwendig. Das ist zweifellos ein Thema, über das es in Zukunft noch sehr viel mehr zu sagen geben wird, daher mache ich für diesmal erst einmal einen Punkt. 

Übrigens verdichten sich die Anzeichen für einen Theologie-Boom in Deutschland. Okay, "Boom" ist vielleicht (noch) ein bisschen zuviel gesagt. Aber nachdem ich neulich schon die ungewöhnlich hohe Zahl von Studienanfängern im Bachelor-Studiengang Angewandte Theologie an der Katholischen Hochschule in Paderborn zu der Tatsache in Beziehung gesetzt habe, dass es auch für den Studiengang Religionspädagogik an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin im vergangenen Frühjahrssemester mehr Bewerber als Studienplätze gegeben hat, habe ich auf häretisch.de einen Artikel gesehen, der einen "Rekord bei Neueinschreibungen" für den "digitalen Bachelorstudiengang Theologie der Universitäten Passau und Eichstätt-Ingolstadt" meldet: "Mit 160 Neueinschreibungen habe sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt", erfährt man da, und ein "Sprecher des Departments für Katholische Theologie der Universität Passau" wird mit der Einschätzung zitiert: "Soweit uns dazu Daten vorliegen, ist dies im gesamten deutschsprachigen Raum aktuell die höchste Zahl an Erstsemestern in einem theologischen Studiengang". – Auch interessant ist, dass häretisch.de an diesen Artikel einen Verweis auf einen Bericht von vor knapp einem Jahr anhängt, in dem ebenfalls schon von einem erstaunlichen Zuwachs an Theologie-Studienanfängern an der Universität Passau die Rede war: "Dort hat sich die Zahl der Studienanfänger in den vergangenen drei Jahren auf mehr als 140 versiebenfacht." Seinerzeit wurde das als ein Wachstum "gegen den Trend" beurteilt; jetzt ist es der Trend. 

Derweil wird die Philosophisch-Theologische Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main – an der ich mich ebenfalls für ein Fernstudium hätte bewerben können, wenn ich nicht Paderborn den Vorzug gegeben hätte – 100 Jahre alt. Ein diesem Jubiläum gewidmeter Artikel der Frankfurter Rundschau, den mir Google News unlängst präsentierte, trägt die vielsagende Überschrift "Noch 6 Priesteramtskandidaten, aber 250 Studierende". Was aus dem Artikel nicht hervorgeht, ist, dass die Zahl von 250 "Studierenden" tatsächlich einen Tiefststand markiert: Vor 15 Jahren waren es noch rund 100 mehr. An diesem langsamen, aber stetigen Niedergang hat auch die Einführung des neuen Bachelor-Studiengangs "Kirchliche Praxis in säkularer Gesellschaft" im Wintersemester 2023/24 nichts ändern können. Alles in allem glaube ich, ich kann ganz froh sein, mich nicht in St. Georgen eingeschrieben zu haben. (Ursprünglich wollte ich an dieser Stelle schreiben "auch deshalb, weil dort der durch das Wort zum Sonntag bundesweit bekannte Pastoraltheologe Wolfgang Beck Rektor ist", aber wie ich gerade festgestellt habe, ist der seit diesem Semester in Erfurt.)


Fortschritte in Haus und Garten 

Seit ich aus Paderborn zurück bin, habe ich angefangen, für diejenigen meiner Aufgaben, die nicht zum Studium und nicht zu meiner publizistischen Tätigkeit gehören und auch nicht in den Bereich der täglichen Routine (Frühstück vorbereiten, Kinder wecken und zu ihren jeweiligen Bildungseinrichtungen begleiten, Küche aufräumen...) fallen, wöchentliche To-Do-Listen zu erstellen; und ein Punkt auf meinen Listen für die zurückliegenden zwei Wochen war es, pro Woche mindestens fünf Umzugskisten auszupacken. Diese Vorgabe habe ich bislang übererfüllt, aber so langsam wird es schwierig zu entscheiden, wo ich die Dinge, die ich den Umzugskisten entnehme, eigentlich hinräumen soll. Und solange es in der Wohnung nicht für alles einen klar definierten Platz gibt, besteht halt die Gefahr, dass man alles immer nur von einer Ecke in die andere räumt. Trotzdem: Dass nicht mehr so viele Kisten unausgepackt herumstehen, ist allemal ein Fortschritt. 

Derweil hat sich in unserem Garten in der letzten Woche mehr getan, als ich es in so kurzer Zeit für möglich gehalten hätte: Mit Hilfe eines Handwerkers aus dem Bekanntenkreis unserer Hausgenossin wurde innerhalb nur eines Nachmittags der Fußboden für den Kaninchenstall fertig verlegt, der Stall aufgebaut und obendrein auch noch das Trampolin zusammengebaut. 



Und da der Stall nun einmal steht, wurde er dann auch gleich am nächsten Tag mit Stroh, Heu und sonstigem Kaninchenbedarf ausgestattet, und noch einen Tag später zogen vier putzige Zwergkaninchen dort ein: Jedes der Kinder aus unserem "kuriosen Wohnprojekt" – also unsere beiden und die beiden Töchter unserer Hausgenossin – hatte sich bei der Züchterin ein persönliches Lieblingskaninchen ausgesucht. Ihre Namen: Mei, Schnüffel, Brownie und Olivia. 

Dies ist Mei – benannt nach der Protagonistin des Films "Mein Nachbar Totoro".

Für die Kinder sind die Kaninchen im Moment das Tollste auf der Welt, unsere Große hat in der Holzwerkstatt ihrer Schule – gemeinsam mit einem Mitarbeiter – sogar schon eine Kletterrampe für den Stall gebaut und plant als nächstes eine Hängematte. Auch sonst hat die Begeisterung der Kinder für die Kaninchen einige positive Nebeneffekte: Zum Beispiel beeilen sie sich neuerdings morgens beim Aufstehen und Anziehen mehr, damit sie noch Zeit haben, in den Stall zu gehen, bevor sie zur Schule bzw. zur KiTa müssen, und wir haben derzeit auch keinerlei Mühe damit, den Medienkonsum der Kinder regulieren zu müssen. – Ich fürchte nur, die Katzen fühlen sich ein bisschen vernachlässigt... 


Bald haben wir zwei Schulkinder 

Zu den Dingen, um die ich mich in der zurückliegenden Woche neben den fortlaufenden Anforderungen von Studium, Blog, Haushalt und Kinderbetreuung (und, wie schon angesprochen, dem Auspacken von Umzugskisten) noch kümmern musste, gehörte die Anmeldung unseres Jüngsten zur Einschulung. Es gehört zu den Mysterien des bürokratischen Staates, dass es in Deutschland zwar eine allgemeine Schulpflicht ab dem vollendeten 6. Lebensjahr gibt und für jede Meldeadresse eine zuständige Einzugsschule, die Kinder aber trotzdem nicht (sofern die Eltern sich nicht von sich aus um einen anderen Schulplatz, eine vorzeitige Einschulung oder Zurückstellung kümmern) "automatisch" für das nach ihrem 6. Geburtstag beginnende Schuljahr dort eingeschult werden und dies den Eltern lediglich mitgeteilt wird. Stattdessen müssen die Eltern es selbst beantragen – aber "müssen" eben auch in dem Sinne, dass sie Konsequenzen zu spüren bekommen, wenn sie es nicht innerhalb einer bestimmten Frist tun. Man wird mir wieder sagen, ich übertreibe, aber ich empfinde Zwang, der freiwillige Mitwirkung verlangt, als die entwürdigendste Form der Tyrannei. 

Wie dem auch sei: Wir haben zwar die Absicht, unseren Sohn an derselben freien Alternativschule einzuschulen, auf die auch seine große Schwester geht – dazu weiter unten noch eine Anmerkung –, aber angemeldet werden muss die Einschulung trotzdem an der örtlich zuständigen Regelschule – und da sorgt nun unser Umzug für weitere Komplikationen, denn da der Termin, den wir beim Bürgeramt für dir zum Ummeldung unseres Wohnsitzes  bekommen haben, noch in der Zukunft liegt, ist vorläufig noch die Einzugsschule unseres ehemaligen Wohnsitzes für uns zuständig. Man kann von Glück sagen, dass wir nur innerhalb desselben Stadtbezirks umgezogen sind, sonst wäre alles noch komplizierter. Na, jedenfalls habe ich es fristgerecht geschafft, die für die Anmeldung zur Einschulung erforderlichen Unterlagen im Sekterariat der formal dafür zuständigen Schule abzugeben; und jetzt schauen wir mal, wie's weitergeht. 

Was ich übrigens noch zu dem Umstand anmerken wollte, dass wir die Absicht haben, unseren Jüngsten auf dieselbe Schule zu schicken wie das Tochterkind: Neulich auf dem Heimweg sinnierte unsere Große darüber, wie viele Geschwisterkinder es an ihrer Schule gibt. Gemeinsam zählten wir durch, wie viele Kinder uns einfielen, die Geschwister an derselben Schule haben, und das waren, gemessen an der sehr überschaubaren Gesamt-Schülerzahl, wirklich sehr viele. Natürlich tragen zu diesem Sachverhalt mehrere Aspekte bei. Einerseits gibt es bei der Vergabe der Schulplätze einen "Geschwisterbonus", das heißt, ein Kind hat schlichtweg bessere Chancen, an der Schule angenommen zu werden, wenn es bereits Geschwister an dieser Schule hat. Andererseits sagt es natürlich etwas über die Zufriedenheit der Eltern mit der Schule aus, wenn Eltern, die bereits ein Kind an dieser Schule haben, ihr nächstes Kind auch wieder dort anmelden. Hinzu kommt aber noch ein anderer Aspekt, nämlich der Anteil der Kinder an dieser Schule, die überhaupt Geschwister haben. Das ist ja heutzutage nicht gerade selbstverständlich. Ob die Elternschaft dieser Schule im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung tatsächlich überdurchschnittlich viele Kinder hat, kann ich ehrlich gesagt nicht mit Bestimmtheit behaupten, es ist eher ein Fall von "gefühltem Wissen"; sollte es aber stimmen, dann gäbe es durchaus verschiedene mögliche Erklärungen dafür. Meine Liebste etwa meint, bei Familien mit einer ausgeprägt "naturnahen" Lebenseinstellung – für die diese Schule mit ihrem Garten, ihrer Nähe zum Wald, ihrer Holzwerkstatt usw. besonders attraktiv sei – sei eher mit einer kritischen Haltung gegenüber künstlicher Empfängnisverhütung zu rechnen als bei der Mehrheit der Bevölkerung, und das könne eben auch zu mehr Kindern in der Familie führen; ich selbst würde eher darauf tippen, dass Leute, die ihre Kinder auf Alternativschulen schicken, häufig Leute sind, in deren Lebensplanung der Punkt "Kinder haben" generell einen höheren Stellenwert hat als bei vielen anderen. Beides schließt sich aber wohl nicht aus, und es können sicherlich auch noch ganz andere Faktoren hinzukommen. 


Hl. Gerardo Maiella, bitte für uns! 

Am gestrigen Freitag war der Gedenktag eines Heiligen, der mir überhaupt kein Begriff gewesen war, ehe er mir beim "Jahresheiligenziehen" auf der Website von Kirche in Not als mein persönlicher Jahresheiliger für 2026 "zugelost" wurde. Gerardo Maiella hatte in diesem Jahr seinen 300. Geburtstag, sein Gedenktag ist jedoch, wie üblich, sein Todestag. Er stammte aus einem kleinen Ort in der süditalienischen Region Basilicata, war Sohn eines Schneiders und erlernte auch selbst dieses Handwerk; schon als Kind soll er den Spitznamen "der Heilige" gehabt haben. Sein Wunsch, in den Kapuzinerorden einzutreten, wurde ihm wegen seiner schwachen Gesundheit verwehrt; als junger Erwachsener erlebte er eine Volksmission der Redemptoristen in seinem Heimatort und verspürte die Berufung, sich dieser Gemeinschaft anzuschließen, wurde jedoch erneut zunächst abgewiesen. Daraufhin, so heißt es, habe er sich mittels zusammengeknoteter Bettlaken aus dem Fenster seines Zimmers abgeseilt, seiner Mutter die schriftliche Nachricht "Mama, vergib mir, ich werde ein Heiliger" hinterlassen und sei den Volksmissionaren 20 Kilometer weit nachgereist, um sie zu überreden, ihn als Laienbruder aufzunehmen. Fortan lebte und arbeitete er – bis zu seinem frühen Tod im Alter von 29 Jahren – als Gärtner, Schneider, Pförtner, Koch und Tischler im Redemptoristenkloster Materdomini bei Neapel und stand im Ruf, u.a. die Gaben der Levitation, der Bilokation und der Seelenschau zu besitzen. Als er beschuldigt wurde, Vater eines unehelichen Kindes zu sein, schwieg er zu den Vorwürfen und nahm eine strenge Buße auf sich, bis sich seine Unschuld herausstellte. Heute wird Gerardo Maiella als Patron der Mütter, der Schwangeren, der ungeborenen Kinder und als Fürsprecher bei Kinderwunsch verehrt; 1893 wurde er von Papst Leo XIII. selig- und 1904 von Papst Pius X. heiliggesprochen.  


Geistlicher Impuls der Woche 

Heilige dich: morgen stirbst du! 

In unserem Herzen wäre mehr Himmel, wenn sich darin nicht so viel Erde befände. 

Wohin unsere Werke nicht gelangen können, dahin sollen uns die Schwingen der Sehnsucht demütig und vertrauensvoll im Fluge tragen. 

Nehmen wir uns der Sache Gottes an, dann wird auch Gott an uns denken. 

Gott ist zufrieden, wenn du tust, was du kannst. Aber mit halben Maßnahmen machen wir die Sache schlechter. 

Nicht nach der Menge der Erfolge, sondern nach der Größe der Opfer wird jedem der ewige Lohn zugemessen. 

Wenn wir unsere Schwäche kennen, bauen wir unsere Hoffnung auf Gott. 

Suche Gott, und du wirst ihn finden. Suche ihn in allen Dingen, und du wirst ihn überall finden. Suche ihn zu jeder Zeit, und du wirst ihn immer finden. 

(Vincenz Pallotti, Aphorismen) 


Ohrwurm der Woche 

Simon & Garfunkel: Leaves That are Green

Es liegt wohl auf der Hand, dass dieses melancholische Lied gut zur Jahreszeit passt; aber der eigentliche Grund, weshalb es zu meinem Ohrwurm der Woche avanciert ist, ist dann doch ein anderer. Ich geriet nämlich unlängst auf Facebook in eine Diskussion über den Song "A New England" von Billy Bragg, den ich auch mal in der Rubrik Ohrwurm der Woche gewürdigt habe – als Paradebeispiel für den Sound meiner Abi-Partys vor gut 30 Jahren. Jedenfalls wurde in der besagten Facebook-Diskussion darauf hingewiesen, dass das faszinierend paradoxe Verspaar "I was 21 years when I wrote this song / I'm 22 now but I won't be for long", mit dem der Songtext beginnt, ein Zitat ist und eigentlich von Paul Simon stammt. Was mich an dieser Information so verblüffte, war, dass ich das eigentlich hätte wissen können oder müssen, aber mein Gehirn hatte bisher keine Verknüpfung zwischen diesen ansonsten so unterschiedlichen Songs hergestellt. Jedenfalls geht mir infolge dieser Erkenntnis der Song, aus dem diese Verse ursprünglich stammen, nicht mehr aus dem Kopf. – Nebenbei sei angemerkt, dass dies bereits mein fünfter Ohrwurm der Woche aus der Feder von Paul Simon ist; das ist einsamer Rekord, und ich würde mal sagen, das spricht für sich. 


Vorschau/Ausblick 

Heute hatten die Wölflinge kein Meutentreffen, da praktisch gesehen bereits Ferien sind; jawohl wir haben, Herbstferien bis einschließlich Allerheiligen. Bis einschließlich Montag sind wir aber noch zu Hause, sodass die Kinder sich weiter um ihre heißgeliebten Kaninchen kümmern können. Und morgen geht's natürlich wieder in die Messe, aller Voraussicht nach wieder in St. Joseph Siemensstadt. Am Dienstag fahren wir dann für fünf Tage nach Nürnberg. Warum Nürnberg? Nun ja, das hat sich halt so ergeben. Ist eine schöne, geschichtsträchtige Stadt, es gibt dort das Museum der Deutschen Bahn und, im Vorort Zirndorf, den Playmobil Fun Park; außerdem und nicht zuletzt ist es ein geeigneter Zwischenstopp auf dem Weg zum geplanten Schauplatz unserer zweiten Ferienhälfte, aber darüber verrate ich nächste Woche mehr. – Ganz in der Nähe unserer Unterkunft in Nürnberg liegt übrigens eins der ältesten erhaltenen Sakralgebäude der Stadt, die ehemalige Klosterkirche St. Klara aus dem 13. Jh.; die weniger gute Nachricht ist, dass diese Kirche seit 1996 von der bzw. für die Katholische City-Seelsorge Nürnberg genutzt wird, und beim Stichwort "Citypastoral" kriege ich ja bekanntlich die Motten. Aber gucken wir mal! 


Donnerstag, 15. Oktober 2026

Glanz und Elend der Urlauberkirche, Teil 3: Summer of '92, Fortsetzung

Im ersten Teil meiner Erinnerungen an die Urlauberkirchen-Saison 1992 in Butjadingen hatte ich festgehalten, dass ich das Programm der katholischen Strandkorbkirche schon damals, "gerade unter dem Aspekt der religiösen Substanz", eher dürftig fand, aber auch, dass die Strandkorbkirche damals immerhin noch deutlich mehr auf die Beine gestellt hat, als die katholische Urlauberseelsorge in Butjadingen es heute tut. Um dies zu unterstreichen, möchte ich die nun folgende Fortsetzung mit dem Hinweis einleiten, dass in der Pfarrei St. Willehad unlängst die Herbstausgabe der neuen Quartalsschrift "Leuchtturm" erschienen ist, und darin findet sich auch ein Rückblick auf die diesjährige Urlauberkirchen-Saison, verfasst von Diakon Christoph Richter. Der geneigte Leser möge sich gern selbst ein Urteil bilden, aber mir drängt sich der Eindruck auf, da schreibt einer, der genau weiß, dass das gebotene Programm arg dürftig war, der aber krampfhaft versucht, es sich und dem Publikum schönzureden. Dies gerät ihm teils defensiv ("Das Nachmittagsprogramm mussten wir erst einmal testen: Was geht? Was geht nicht? Ist die Zielgruppe überhaupt offen und bereit für ein Angebot?"), teils trotzig ("Ein Riesenerfolg waren die Bingoabende [...]. Bingo hat 4× auf jedem Platz Menschen miteinander verbunden"); konsequent vermieden wird es hingegen, sich der Frage zu stellen, ob die Angebote der Urlauberkirche nicht auch inhaltlich gewissen – idealerweise katechetischen und/oder spirituellen – Anforderungen genügen sollten. Lediglich über das Kinoprogramm heißt es, dass die ausgewählten Filme "Spaßcharakter hatten und auch etwas mit dem christlichen Glauben zu tun hatten" – was ja nun auch wieder ziemlich defensiv klingt und im Übrigen so ziemlich alles Mögliche bedeuten kann. 

Nun aber zurück zu meinen Aufzeichnungen aus dem Sommer '92! – Über das zweite Strandkorbkirchen-Team dieses Sommers hatte ich ja, wie erwähnt, schon am 5. Juli die Einschätzung festgehalten, im Vergleich zu den Wellenbrechern könne dieses "eigentlich nur besser werden"; noch ehe ich jedoch Gelegenheit hatte, diese Annahme einer Überprüfung zu unterziehen, traf erst einmal ein Team der eher evangelikal ausgerichteten "Strandmission" im Burhaver Gästehaus des Geistlichen Rüstzentrums Krelingen ein, was mir Veranlassung zu einem Tagebucheintrag mit der vielsagenden Überschrift "Die andere Seite" gab. Dieser Eintrag trägt das Datum vom 15. Juli, einem Mittwoch, und an diesem Tag ging ich erstmals in diesem Sommer zum Teenie-Programm der Strandmission, das abends stattfand unter der Bezeichnung "Teestube" lief; wie ich notierte, war das Team der Strandmission einen Tag zuvor angereist. Zur "Teestube" am Mittwoch ging ich zusammen mit meiner Schwester, und "[a]uf dem Weg dorthin verriet ich" dieser "auf ihre Frage hin, was mir an Freikirchlern nicht gefiel" – was ausgesprochen interessantes Material für die "Dokumente meiner ersten Fundi-Phase" bietet, weshalb ich diesen Teil des Tagebucheintrags lieber an anderer Stelle würdigen möchte; hier genüge es erst einmal, festzuhalten, dass ich mich mit meinen 16 Jahren entschieden als katholischer Christ sah, unbeschadet der Tatsache, dass mich bestimmte Formen der Glaubenspraxis, wie ich sie in freikirchlichen Kreisen (oder eben bei den "Krelingern", die ja keine Freikirchler waren, was mir damals aber wohl nicht bewusst war) vorfand, stark ansprachen und ich "so etwas" in meiner eigenen Kirche eher vermisste. 

Auf dem Weg zur Teestube trafen wir ein Mädchen aus dem Dorf, das ebenfalls zu dieser Veranstaltung wollte; dieses Mädchen war ungefähr in meinem Alter, war aber bisher (was sich nach diesen Sommerferien änderte) auf eine andere Schule gegangen als ich, und so hatten wir nicht sonderlich viel Kontakt zueinander; aber natürlich "kannte man sich", und als wir bei der Teestube ankamen, setzten wir uns zu dritt an einen Tisch – und nun passierte etwas Interessantes: "Zu uns gesellte sich ein Mädchen aus dem Team. Sie hieß witzigerweise Willi, was eine Abkürzung für Wiltrud war. Wir unterhielten uns sehr gut." Mir scheint, dass ich mir damals nicht besonders viel dabei gedacht habe, aber aus heutiger Sicht bin ich überzeugt, dass ich in diesen Zeilen ein sehr bewusstes und strategisch kluges Vorgehen des Teams festgehalten habe. Da kommen drei Leute rein, die sich untereinander offenbar schon kennen, und setzen sich zusammen an einen Tisch – was macht man da? Man setzt jemanden vom Team dazu, der ein Gespräch mit ihnen anfängt. So zeigt man Interesse, gibt den Neuankömmlingen das Gefühl, willkommen zu sein, und verhindert zugleich, dass sie zu sehr "unter sich bleiben" und damit in einer gewissen Distanz zum Geschehen verharren. Der Unterschied zur Strandkorbkirche, aber auch zu anderen Angeboten im post-volkskirchlichen Bereich, ist mit Händen zu greifen: Da fühlt man sich, wenn man zu einer Veranstaltung kommt, wo man (noch) niemanden kennt, ja eher wie jemand, der unbefugt in eine geschlossene Gesellschaft eingedrungen ist, und wird nicht selten auch so behandelt – "sogar da, wo die Kirche sich gezielt als jung und hip zu präsentieren sucht", wie ich im Februar 2025 aus seinerzeit gerade aktuellem Anlass notierte. 

Im Gespräch mit "Willi" und/oder anderen Teammitgliedern stellte sich übrigens heraus, dass die Leute von der Strandmission angenommen hatten, die Strandkorbkirche wäre ab dem nächsten Tag nicht mehr da; wir informierten sie jedoch darüber, "dass das nur das erste Team war und dass morgen (zum Glück) ein neues Team kam". In diesem Zusammenhang hielt ich die Beobachtung fest, die "Krelinger" wirkten "dieses Jahr bemüht, die üblichen Querelen mit der Strandkorbkirche zu umgehen", und merkte dazu an: 

"Meine Meinung zu dem Thema war: Lieber miteinander als gegeneinander. Wäre es so abwegig, wenn Strandmission und Strandkorbkirche mal das eine oder andere gemeinsam machen würden?" 

Tatsächlich könnte man ja meinen, "so abwegig" dürfte es eigentlich nicht sein, aber gerade die Tatsache, dass ich mir diese Frage stellte, impliziert ja, dass es auf der Basis der Erfahrungen früherer Jahre wohl doch ziemlich undenkbar war. Folgerichtig fügte ich sogleich einschränkend hinzu: "Zumindest aber könnte man sich ja miteinander arrangieren, um sich nicht gegenseitig Konkurrenz zu machen." – Darüber könnte man nun natürlich auch wieder ausgiebig philosophieren: Können ein vom Ansatz her nicht-missionarisches und ein missionarisches Projekt einander Konkurrenz machen? Man muss diese Frage gar nicht zwingend auf ein religiöses Verständnis von Mission zuspitzen, sondern könnte auch sagen: Das eine Projekt – die Strandmission – sucht aktiv ein Publikum für sein Angebot, das andere – die Strandkorbkirche – tut dies nicht, sondern verlässt sich darauf, dass die angestrebte Zielgruppe sich von allein einfindet. Damit ist schon mal klar, dass die Strandkorbkirche für die Strandmission keine Konkurrenz darstellt; umgekehrt müsste aber die Strandkorbkirche – insofern, als sie ohnehin nicht darauf ausgerichtet ist, über den engen Kreis ihrer "Stammkundschaft" hinaus zu wirken – die Strandmission eigentlich auch nicht als Konkurrenz fürchten, tut es aber in gewissem Sinne doch, möglicherweise deshalb, weil sie gerade das, was dort anders gemacht wird, als eine Art stillen Vorwurf empfindet; und man könnte sagen: durchaus zu Recht. 

Dass ich es erwähnenswert (und "überaus positiv zu bewerten") fand, dass bei meinem ersten Besuch der Strandmissions-Teestube in diesem Sommer "keinerlei Katholikenfeindlichkeit auftrat", sagt sicher auch einiges aus, ist aber wohl eher ein Thema für die "Dokumente meiner ersten Fundi-Phase". Zum inhaltlichen Programm des Abends notierte ich, zunächst sei "ein Sketch mit zwei Spinnen aufgeführt" worden, "der übrigens echt tiefsinnig war", und dann habe unsere neue Freundin "Willi" die Geschichte des Zöllner Zachäus mit Jonglierbällen dargestellt: "Es war super". An die Jongliernummer erinnere ich mich in Grundzügen tatsächlich heute noch, was ich von dem Spinnen-Sketch leider nicht im selben Maße behaupten kann. 

Tags darauf, am 16. Juli, fand erneut ein Glaubensgespräch im Rat-Schinke-Haus statt, über das ich mich schon in meinem Artikel "Kirche wozu? Die schon fast nicht mehr erwartete Fortsetzung" geäußert habe; hier möchte ich mich daher auf die "urlauberkirchenrelevanten" Details beschränken, zu denen es gehört, dass meine Schwester und ich vor Beginn des Gesprächsabends "einen Teil des neuen Strandkorbkirchenteams" kennenlernten, nämlich "ein junges Ehepaar, Dirk und Erika Schumann, mit zwei kleinen Kindern. Der Rest des Teams sollte erst morgen kommen". – "Und dann war da noch ein junger Mann am anderen Ende des Tisches", von dem ich im Zuge der von meiner Seite recht polemisch geführten Debatte mit der eher "postchristlich" eingestellten Referentin den Eindruck hatte, dass er "eher auf meiner Seite stand, aber moderater, ruhiger argumentierte [...]. Er wirkte jedenfalls sehr gebildet, zum Beispiel behandelte er mit größter Genauigkeit das Problem, ob man ohne Gott glücklich sein könne." Wie ich in "Kirche wozu? Die schon fast nicht mehr erwartete Fortsetzung" bereits verraten habe, handelte es sich bei diesem jungen Mann um Kai-Uwe Schroeter, der später (von 2004-2007) Leiter des Geistlichen Rüstzentrums Krelingen und noch später Pfarrer in Dortmund wurde; im Sommer 1992 war er Vikar in der evangelischen Kirche und Teamchef der Strandmission. Dass meine Schwester und ich ihn nicht schon am Abend zuvor kennengelernt hatten, muss man wohl als Zufall betrachten; jedenfalls stellte sich Kai-Uwe "nach der Diskussion unserem Pfarrer vor und sprach auch mit den Schumanns" – sowie mit meiner Schwester und mir, wobei er anmerkte, er habe "uns noch von vor ungefähr sechs Jahren in Erinnerung" (Man beachte: Da war ich zehn!). Recht offensichtlich erscheint es jedenfalls, dass Kai-Uwes Teilnahme an diesem Glaubensgespräch im Zusammenhang mit seinen Bemühungen stand, das schwierige Verhältnis zwischen den "Krelingern" und den örtlichen Kirchengemeinden zu verbessern – wobei es bemerkenswert ist, dass gerade das Verhältnis zur evangelischen Kirchengemeinde stark belastet war. "Der Höhepunkt der Auseinandersetzungen zwischen evangelischer Gemeinde und den Krelingern war letztes Jahr der traditionelle Strandgottesdienst gewesen, der ohne Beteiligung der Krelinger stattfand. Grund: Die Krelinger waren gar nicht gefragt worden, ob sie sich beteiligen wollten." Wie Kai-Uwe verriet, hatte er eine volle Stunde mit dem örtlichen evangelischen Pastor reden müssen, um ihn einigermaßen versöhnlich zu stimmen. 

Näheres über das neue Strandkorbkirchen-Team – über die beiläufige Erwähnung des Ehepaars Schumann hinaus – erfährt man im Tagebucheintrag vom kommenden Wochenende, dem 18./19. Juli: Am Samstagvormittag gab es im Rat-Schinke-Haus einen Termin zur Vorbereitung der Sonntagsmesse, und daran nahmen neben dem örtlichen Pfarrer, dem polnischen Gastpriester ("Woyzeck") und eben dem neuen Strandkorbkirchenteam auch meine Schwester und ich teil, was ja an sich schon mal ein ganz interessantes Faktum ist. "Zum Team waren inzwischen noch einige Mädchen gestoßen: Elisabeth, die wohl etwas älter als [meine Schwester] war, sowie zwei jüngere Mädchen, Nina und Ela. Ich hätte gedacht, dass die beiden etwa in meinem Alter wären, aber ich erfuhr, dass sie erst 14 waren." Von diesen jungen Damen wird in Folgenden noch ein paarmal die Rede sein; kommentarwürdig erscheint mir aus heutiger Sicht indes vor allem die folgende Passage zum Thema Gottesdienstgestaltung: 

"Im Gegensatz zu den Wellenbrechern machten die neuen Strandkorbkirchler einen separaten Teil für die Kinder außerhalb der Kirche. So musste man den eigentlichen Wortgottesdienst nicht auf Kinderniveau bringen, und die Kinder hatten viel mehr davon. Außerdem störten die Kinder dann nicht." 

Den letzten Satz finde ich ja entwaffnend ehrlich; im Übrigen möchte ich darauf verweisen, was ich in meinem Artikel "Gideon und Bernadette gehen nicht zur Kinderkatechese" von Anfang 2017 "zu dem Konzept [...], Kinder aus dem Gottesdienst 'rauszuholen, um ihnen ein Alternativprogramm zur Feier der Heiligen Messe angedeihen zu lassen", angemerkt habe. Inzwischen gestalte ich zwar selbst Kinderwortgottesdienste mit, aber zu meiner grundsätzlichen Kritik an diesem Format stehe ich im Großen und Ganzen auch weiterhin. Dass ich das mit 16 Jahren anders sah, finde ich im Rückblick allerdings verständlich: Nachdem ich dem Kindergottesdienst-Alter glücklich entwachsen war, hatte ich natürlich wenig Lust darauf, dessen Stilmittel auf dem Wege des "Familiengottesdienstes" in die "normale" Sonntagsmesse eindringen zu sehen. 

Zum Inhalt der Gottesdienst-Vorbesprechung an diesem Samstag erfährt man an dieser Stelle erst mal nichts Näheres, weiter unten liest man dann aber:

"Das Thema dieses Gottesdienstes, in dem das Evangelium von Maria und Martha vorkam, war: 'Nimm dir Zeit für Gott!' Und das war ja genau das, was ich in diesen Ferien machte." 

Diese letzte Anmerkung ist unter anderem wohl als Kommentar dazu zu verstehen, dass ich am selben Wochenende, nämlich am Samstagabend, zusammen mit meiner Schwester erneut auch die – wie an dieser Stelle ausdrücklich hervorgehoben wird – "täglich stattfindende Teestube" der Strandmission besuchte. Dies veranlasste mich, darüber zu reflektieren, "dass ich in diesen Ferien total auf dem religiösen Trip war. Krelinger, Strandkorbkirche – überall war ich voll dabei. Das gefiel mir, ich fühlte mich sehr wohl dabei"; und folgerichtig trägt der Tagebucheintrag über das Wochenende des 18./19. Juli die Überschrift "Voll auf dem Religionstrip". 

Die Strandmissions-Teestube an diesem Samstagabend fand ich übrigens "mal wieder voll gut". Zentraler Programmbeitrag war eine mit Musik unterlegte Diashow, die zur Diskussion und/oder zum Nachdenken anregen sollte, "und zwischendurch einige Ausschnitte aus einer Umfrage 'Was ist ein Christ?'". – "Die Dias passten perfekt zur Musik, oder umgekehrt"; na, wer hätte das gedacht. Die Musik ordnete ich als "hauptsächlich harter Rock" ein, was wohl eine Definitionsfrage ist; ausdrücklich genannt wurden "Knocking on Heaven's Door" – offenbar die damals gerade ziemlich aktuelle Coverversion von Guns 'N Roses – sowie "I am the Six O'Clock News" von Larry Norman, von dem ich festhielt, dass ich es "bisher nicht gekannt hatte", dass es mir aber "besonders gut" gefiel. Wer Larry Norman war, wusste ich damals nicht und war einigermaßen überrascht, das Lied Jahre später im Zuge meiner Lektüre von Gregory Alan Thornburys Norman-Biographie "Why Should the Devil Have All the Good Music?" quasi "wiederzuentdecken". – Was ich damals jedenfalls vom Liedtext wahrnahm und verstand, war, dass es darin um "all das Elend" ging, "das einem durch die Nachrichten vermittelt wurde Die Dias dazu: Mehrere Bilder von Soldaten, zwischendurch ein Nachrichtensprecher, dann eine US-Flagge vor einer Gedenktafel, und schließlich ein Soldatenfriedhof." 

Nicht minder interessant ist, dass meine Schwester und ich bei dieser Teestube mit einem jungen Mann ins Gespräch kamen, "der Markus hieß und Missionar werden wollte": "Er hatte vor einiger Zeit einen 'Einsatz' in der Mongolei mitgemacht und war davon völlig begeistert." – Und dann fanden sich "ein paar Jungs" bei der Teestube ein, von denen ich fand, dass sie "irgendwie nicht in das Milieu passten": "Sie trugen Heavy- Metal-T-Shirts und macht auch sonst einen dementsprechenden Eindruck." Dass ich Leute mit einem solchen Erscheinungsbild bei dieser Veranstaltung eher nicht erwartet hätte, ist wohl durchaus aussagekräftig; "[a]ber sie brachten Stimmung", und die Antwort auf die Frage "Wie hatten sie sich hierherverirrt?" lautete, "dass die Jungs zur Jugendfeuerwehr aus Holzminden gehörten, die zurzeit am Burhave" Strand kampierte– in der Nähe des Krelinger-Zeltes": 

"Da hatten die Krelinger es sich nicht nehmen lassen, sie zur Teestube einzuladen. Und jetzt war es natürlich eine große Freude, dass die Feuerwehrler gekommen waren. Ihnen zuliebe wurde die Dia-Show noch einmal gezeigt, und da die Musik genau den Geschmack der Jungs traf, gefiel es ihnen ziemlich gut." 

Diese Anekdote scheint mir recht illustrativ für den missionarischen "Spirit" der Strandmission, den man bei der Strandkorbkirche und erst recht bei ihren post-volkskirchlichen Nachfolgeprojekten vergeblich suchen würde; es folgt noch ein weiterer anekdotischer Beleg dafür, aber zunächst einmal wandte ich mich in meinem Tagebuch wieder dem neuen Strandkorbkirchenteam zu, das bis zu seinem ersten Sonntagsmessen-Einsatz noch einmal Verstärkung bekommen hatte: "Ansgar, ein alter Bekannter, und Gabi, eine schon nicht mehr ganz so junge Frau, die auch schon letztes Jahr dabeigewesen war, waren noch hinzugekommen." An diesen Ansgar erinnere ich mich tatsächlich recht gut, leider weiß ich seinen Nachnamen nicht und kann daher nicht Google befragen, was aus ihm geworden sein mag. Am Dienstag, dem 21. Juli, hielt ich jedenfalls fest, das neue Strandkorbkirchenteam gefalle mir "wirklich gut"; bezeichnend ist hier indes der Hinweis, "besonders Nina" sei "echt nett" – ehrlicherweise müsste man wohl ergänzen "und hübsch" –, "auch wenn sie nicht zu den Aktivsten gehörte". Im Klartext darf man das wohl so verstehen, dass ich, weil ich die 14jährige Nina einfach mochte, in ihrem Fall nicht so schlimm fand, was ich an anderen Strandkorbkirchen-Mitarbeitern scharf kritisiert haben würde – nämlich dass sie ihren Einsatz in erster Linie als billigen Urlaub betrachteten und nutzten und an der inhaltlichen Seite des Ganzen eher wenig Interesse zeigten. "Aktiv war dagegen Elisabeth (von Nina und Ela 'Betty' genannt), die auch ziemlich nett war" – von der ich indes auch zu Protokoll gab, meine Schwester sei "zunächst nicht so begeistert von ihr gewesen, aber mittlerweile hatte sich das geändert". Diese Bemerkung enthält einen subtilen Hinweis darauf, dass meine Schwester als junge Erwachsene nicht gerade der einfachste und umgänglichste Charakter war, aber ich kann versichern, dass sie seither erheblich entspannter geworden ist. – Der entscheidende Punkt des Tagebucheintrags vom 21. Juli ist jedoch, dass Strandkorbkirchen-Mitarbeitern Elisabeth am Abend "sogar mit zur Teestube der Krelinger" kam, die "[d]iesmal [...] im Zelt am Strand" stattfand. Zum Programmauftakt war dort "Gymnastik angesagt, geleitet von Kai-Uwes sehr sportlicher Frau. Ich beteiligte mich daran nicht", was wohl auch ziemlich typisch für mich war. "Es folgten die üblichen Gespräche und das Teetrinken, und dann kam der heutige programmatische Beitrag", den ich ausführlich genug geschildert habe, um meiner Erinnerung daran auf die Sprünge zu helfen. Es handelte sich um eine "gestellte Umfrage zum Thema Zukunft", das heißt, ein Mitarbeiter trat in der Rolle des Interviewers auf und befragte "Passanten", die jedoch ebenfalls zum Team gehörten und in die Rollen verschiedener etwas klischeehaft überzeichneter "Bevölkerungstypen" schlüpften, wie ich es damals formulierte – "Zum Beispiel: Öko-Freak. Oder: Fitness-Fanatiker. Markus spielte einen Sektenjünger, der meditierte, und Kai-Uwe einen Unternehmer, der in 2½ Minuten 50 Mark verdient. Der Typ Mode-Freak und der No-Future-Typ kamen auch vor. Alles sehr witzig. Natürlich war es eine völlige Verarschung all dieser Lebensstile" – oder anders ausgedrückt, eine in satirischer Form dargebotene Kritik daran, seine Hoffnungen für die Zukunft auf etwas anderes zu setzen als auf Jesus Christus. – Strandkorbkirchen-Mitarbeiterin Elisabeth "gefiel es offenbar recht gut", und dann kamen erneut einige Mitglieder der Jugendfeuerwehr-Gruppe vorbei: 

"Diesmal waren es noch mehr, und es waren auch Mädchen dabei. Eine kurze Absprache unter den Teamern genügte, und schon wurde beschlossen, den Feuerwehrlern zuliebe den Programmteil zu wiederholen." 

Was die Wiederholung des Interview-Sketchs für mich persönlich besonders spannend machte, war, dass Elisabeth mir heimlich den Vorschlag machte: "Misch' dich doch da mal unter die Passanten und sag' auch was!" Schon interessant, dass sie mir das zutraute; und mindestens ebenso interessant, dass die Strandmissions-Mitarbeiter so flexibel auf diese spontane Erweiterung ihrer Nummer reagierten. Da ich fand, ich müsse, wenn ich schon auf Elisabeths Anregung eingehe, "etwas Originelles bringen", und "fast alle 'Typen'" seien "schon vertreten", liefert ich eine Imitation des "Nationalhelden Bobbele Becker" ab, der kurz zuvor im Viertelfinale von Wimbledon gegen André Agassi ausgeschieden war. "Die Feuerwehrheinis fanden meine Darbietung offenbar gut, sie lachten lauthals." – Auch ein interessantes Detail dieses Tagebucheintrags ist es, dass Elisabeth im Anschluss an die Teestube "noch mit zu uns nach Hause" kam – zum Fernsehen. 

Darüber, ob dieser einmalige Besuch einer Strandkorbkirchen-Mitarbeiterin beim Programm der Strandmission irgendwelche weiteren Auswirkungen gehabt hat, geht aus meinen Tagebuchaufzeichnungen leider nichts Konkretes hervor. Dokumentiert ist, dass ich am 25. Juli, einem Samstag, nochmals bei der Teestube der Strandmission war, zusammen mit meiner Schwester und diesmal auch ihrem Freund, meinem jetzigen Schwager; was es über diese Teestube zu berichten gibt, gehört aber eher in den Kontext der "Dokumente meiner ersten Fundi-Phase". Der Besuch meines Schwagers bei uns an dem besagten Wochenende ist allerdings noch in anderer Hinsicht erwähnenswert: An dem Samstag wollten meine Schwester und ich nämlich wieder an dem Treffen zur Gottesdienstvorbereitung im Rat-Schinke-Haus teilnehmen, und er kam kurzerhand dorthin mit. "Und dabei geschah heute etwas unheimlich Revolutionäres" – nun gut, diese Wortwahl würde ich aus heutiger Sicht als etwas übertrieben bezeichnen, aber dass ich es damals so empfand, sagt wohl schon einiges aus. – Worum also ging's? 

In der Gestaltung der betreffenden Sonntagsmesse sollte "besonderes Augenmerk auf das Vaterunser gelegt werden", und in diesem Zusammenhang machte Strandkorbkirchen-Mitarbeiterin Elisabeth "den Vorschlag, das Vaterunsergebet zu singen und gestisch zu begleiten – eine Art Tanz also". "Starke Idee", fand ich; wie sich zeigte, hatte Elisabeth "dazu sogar schon eine Vorlage", plädierte aber dafür, diese "noch zu vereinfachen". Ihre ältere Kollegin Gabi "war ebenfalls der Meinung 'weniger ist mehr'. Ich sah das aber anders" – und an diesem Punkt schaltete sich der Freund meiner Schwester in die Diskussion ein, "der zwar eigentlich nichts mit der Sache zu tun hatte, dafür aber mit ähnlichen Dingen praktische Erfahrung hatte": Er meinte, statt von der Vorlage "etwas wegzulassen, könne man sogar noch etwas hinzufügen. Elisabeth war da skeptisch", aber immerhin konnte man sich darauf einigen, in die Kirche zu gehen und die Choreographie dort "einfach mal auszuprobieren". "Die beiden Pfarrer – also der örtliche Pfarrer Kordecki und der schon erwähnte polnische Gastpriester Wojciech, von mir beharrlich "Woyzeck" geschrieben – "sahen zu"; eine durchaus wichtige Information, wie sich noch zeigen wird. Am Einüben der Choreographie beteiligten sich vom Strandkorbkirchen-Team außer Elisabeth "nur Erika, Ela und Gabi", und die letztere "stieg auch noch aus", als mein späterer Schwager "sich schließlich mit seinen Ideen durchsetzte"; wobei ich betonte, dass Gabi sich "nicht aus Protest" aus der Tanzgruppe zurückzog, sondern weil sie sich die anspruchsvollere Choreographie nicht zutraute. Elisabeth hingegen "ließ sich überzeugen, dass weniger eben doch nicht mehr war". – So war der Freund meiner Schwester, der, wie neulich schon erwähnt, einer Freien evangelischen Gemeinde angehörte, "auf gar wundersame Weise zum Chefchoreografen geworden. Er sagte später, er hätte nie gedacht, einmal so aktiv an einem katholischen Gottesdienst mitzuwirken". 

Der Tagebucheintrag vom Folgetag, eben dem Sonntag, trägt indes die Unheil verheißende Überschrift "Musste das sein?" und beginnt mit dem Eingeständnis, dass "der Gottesdienst zum Thema Vaterunser [...] beiweitem nicht so revolutionär [wurde] wie geplant". Als Grund bzw. Ursache dafür identifizierte ich den Umstand, dass die Messe nicht vom Ortspfarrer Kordecki, sondern vom polnischen Gastpriester zelebriert wurde – und der "ließ unsere Vaterunser-Inszenierung geradezu in letzter Minute platzen". (Wir erinnern uns, dass derselbe Priester schon zwei Wochen zuvor, in einer musikalisch von der Gruppe Wellenbrecher gestalteten Messe, einen geplanten Vaterunser-Song kurzerhand durch ein normales gesprochenes Vaterunser ersetzt hatte – was allerdings vielleicht keine Absicht, sondern eher das Ergebnis mangelnder Absprache gewesen war.) Wie ich notierte, begründete "Woyzeck" seinen Einspruch gegen die Vaterunser-Choreographie damit, "dass wir das Gesicht vom Altar abgewandt hätten" – nicht vielleicht eher vom Tabernakel? Aber das blieb sich im Endergebnis wohl gleich –, "und das sei aus liturgischen Gründen sehr schlecht". 

Ohne hier eine Grundsatzdiskussion über das Für und Wider liturgischen Tanzes anstoßen zu wollen, würde ich den genannten Kritikpunkt aus heutiger Sicht als durchaus valide betrachten, muss meinem jüngeren Ich aber gleichwohl in der Ansicht zustimmen, der Priester "hätte [...] es uns auch eher sagen können, er hatte uns schließlich beim Proben zugesehen"; hätte er seinen Einwand da vorgebracht, hätte man die Choreographie, oder genauer gesagt die Positionierung der Tänzer im Altarraum, vielleicht noch entsprechend anpassen können. Die Proben unkommentiert laufen zu lassen und dann den fertig vorbereiteten Beitrag kurzerhand abzusagen, verrät dagegen eine Haltung, die ich nicht unbedingt als "klerikale Arroganz" bezeichnen möchte, aber wenn sie jemand so bezeichnet, würde ich nicht direkt widersprechen. Zumindest zeigt sich hier mangelnde Einsicht in die Tatsache, dass ehrenamtliches Engagement von Laien eine kostbare Ressource ist und dass man es sich eigentlich nicht leisten kann, damit derart verschwenderisch umzugehen, indem man die Aktiven unnötig frustriert und vor den Kopf stößt. – Insbesondere meine Schwester "ärgerte sich unheimlich über das abgesetzte Vaterunser-Gestenspiel" – beteiligte sich aber dennoch zusammen mit Elisabeth (die sie, da wiederhole ich mich, ursprünglich gar nicht mochte) an der musikalischen Gestaltung des Gottesdienstes: Sie :spielten einige Stücke mit Orgel und Querflöte, unter anderem 'Air' von Bach und 'Zünde an dein Feuer'", ein Lied, das, wie ich beflissen vermerkte, auf "die Melodie der israelischen Nationalhymne" gesungen wurde. Außerdem gab ich noch zu Protokoll, dass "nach der Messe [...] ein von den Damen der Gemeinde organisierter Basar" stattfand, "dessen Erlös einem Kinderheim in Litauen zugute kam. Der Basar hatte recht guten Erfolg." 

Mit diesem Eintrag endet die Behandlung des Themas "Strandkorbkirche" in meinem Tagebuch aus dem Jahr 1992, obwohl die Sommerferien in Niedersachsen noch bis zum 5. August andauerten – und in Nordrhein-Westfalen, woher erfahrungsgemäß die meisten Butjadingen-Touristen kommen, sogar noch den ganzen August hindurch. Es ist somit eigentlich anzunehmen, dass es in diesem Sommer noch ein drittes Strandkorbkirchen-Team gab, aber darüber erfährt man ebenso wenig wie darüber, was das zweite Team in der dritten Woche seines Einsatzes noch so gemacht hat. Schade! – Noch "schader" finde ich es ehrlich gesagt, dass ich nicht noch mehr über die Teestube der Strandmission geschrieben habe bzw. dass ich da nicht noch öfter hingegangen bin; denn wenn man aus den hier ausgewerteten Tagebuchaufzeichnungen positive Impulse für die Kinder- und Jugendpastoral ableiten kann, dann sind diese ja wohl am ehesten bei der Strandmission zu finden und nicht bei der Strandkorbkirche. – Ich erinnere mich einigermaßen deutlich, dass ich auch in den folgenden zwei Sommern mindestens gelegentlich noch die Strandmissions-Teestube besucht habe, fürchte aber, die Quellenlage wird da nicht so gut sein wie im "Summer of '92" – weil ich nicht mehr so fleißig Tagebuch geführt habe, aber auch, weil sich meine "erste Fundi-Phase" im Schuljahr 1992/93 rapide dem Ende zuneigte. Dem letzteren Umstand wird in einem eigenständigen Artikel nachzuspüren sein; wie es mit der Reihe "Glanz und Elend der Urlauberkirche" weitergeht, ist demgegenüber weniger gewiss, aber mindestens ein Gesamtfazit wird es da wohl noch geben müssen... 


Montag, 12. Oktober 2026

Sagenhaft, diese Demokratie

Eigentlich, o Leser, hätte ich ganz andere Themen auf dem Zettel, über die ich mal außerhalb der Wochenbriefing-Reihe bloggen müsste und sollte; aber während diese Themenliste immer länger wird und ich nicht weiß, wann und wie ich sie jemals abgearbeitet bekommen soll, muss ich ein Thema wohl vorziehen, ehe es alt wird: nämlich die jüngsten, aus Sicht der auf Bundesebene regierenden Parteien – der führenden Parteien der alten Bundesrepublik – so desaströs ausgegangenen Landtagswahlen und die Frage, wie man mit diesen Wahlergebnissen nun umgehen soll. 


Die Veröffentlichung meines Bestsellers "Endlich Nichtwähler!" wird jedenfalls noch länger auf sich warten lassen müssen, da ich bei den Wahlen zum Berliner Abgeordnetenhaus und zur Bezirksversammlung doch wieder meine Stimme abgegeben habe. Es ist, so scheint mir (und die vergleichsweise hohen Wahlbeteiligungsquoten scheinen mir da Recht zu geben) einfach gerade keine günstige Zeit dafür, sich das Wählen abzugewöhnen, ähnlich wie es nach dem 11. September 2001 keine günstige Zeit war, sich das Rauchen abzugewöhnen. – Einige skurrile Beobachtungen aus dem Berliner Wahlkampf habe ich ja bereits in meiner Tagespost-Kolumne "Klein.Kram" mitgeteilt; da ich mich hier anders als dort aber nicht an Formatvorgaben halten muss, möchte ich hier doch noch nachtragen, wie ich eigentlich an die dort besprochenen "lustvoll polarisierenden" Wahlkampfmaterialien der Grünen gekommen bin. 

– Das war nämlich so: Ein paar Tage vor der Wahl ging ich die Buddestraße in Tegel entlang und kam an ein paar jungen Leuten vorbei, die Wahlkampfmaterial für die Grünen verteilten – in Papiertüten. Unmittelbar vor mir fragte eine Frau, was denn da drin sei in diesen Tüten, und erhielt zur Antwort: "Ein paar Flyer, ein Stift und ein Müsliriegel." Da schaltete ich mich ein und sagte: "Ich hätte ja gehofft, da wären vielleicht auch Samentütchen für den Garten drin." (Schließlich hatte ich solche erst kurz zuvor von der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen zugeschickt bekommen.) Die Wahlkämpferin, die ich solcherart angesprochen hatte, stutzte kurz, sagte dann "Haben wir auch, glaube ich", hielt Rücksprache mit ihrem Kollegen, und kurze Zeit später hielt ich eine Papiertüte in den Händen, die zusätzlich zu den schon genannten Artikeln auch ein Tütchen mit Samen für honigbienenfreundliche Wildblumen enthielt. "Nehm' ich", sagte ich, "danke." – Dass zusammen mit diesem Samentütchen, einem Stift und einem Müsliriegel u.a. auch ein Sticker mit der Forderung "Weg mit § 218!" in der Tüte steckte – und das so kurz vor dem Marsch für das Leben! –, war natürlich nicht gerade geeignet, meine Wahlentscheidung zugunsten der Grünen zu beeinflussen; dasselbe galt für einige weitere in den Wahlkampfmaterialien in dieser Tüte enthaltene Parolen, von denen bereits in meiner Tagespost-Kolumne die Rede gewesen ist. 

Im Zusammenhang damit, dass ich in ebendieser Kolumne argumentiert habe, eine CDU, die sich lediglich als kleineres Übel und goldenen Mittelweg zwischen "Rechtsruck" und "Linksrutsch" zu verkaufen versuche, habe offenbar nicht verstanden, dass viele Leute deshalb AfD wählen, weil für sie nicht mehr erkennbar ist, wofür die CDU eigentlich steht, möchte ich übrigens betonen, dass ich zwar auch diesmal wieder nicht die CDU gewählt habe, die AfD aber auch nicht. Und zwar deshalb nicht, weil es eins der fundamentalsten Prinzipien der Moraltheologie ist, dass man auch dann nicht etwas in sich Schlechtes tun darf, wenn man hofft, dass daraus etwas Gutes hervorgeht. Das werden mir die AfD-Sympathisanten unter meinen Lesern jetzt übel nehmen, aber das nehme ich in Kauf: Ja, ich habe von Zeit zu Zeit Verständnis für die Versuchung, AfD zu wählen, aber ich betrachte es eben als eine Versuchung, der man widerstehen muss. Natürlich sehe ich da voraus, dass mir manch ein Leser entgegnen möchte, dasselbe müsse dann aber doch wohl auch für die BöSeWicht-Partei gelten, die ich, wie aufmerksame Leser aus meinen Bemerkungen zur jüngsten Bundestagswahl geschlussfolgert haben, sehr wohl schon mal gewählt habe (und vielleicht diesmal auch wieder? Wer weiß!). Wer das so sieht, der hat natürlich ein Recht auf seine Meinung. Ich persönlich sehe da jedoch einen qualitativen Unterschied, und der hat mit der folgenden Beobachtung zu tun: So fragwürdig ich die Einteilung politischer Positionen in die Kategorien "rechts" und "links" in vielfacher Hinsicht finde, nehme ich es doch als ein wesentliches Unterscheidungsmerkmal zwischen sich selbst als links bzw. rechts definierenden politischen Akteuren wahr, dass die Linken sich selbst, wenn auch irrtümlich, für die Guten halten, wohingegen die Rechten mit Absicht böse sind. 

Nicht nur aus diesem Grund habe ich wenig Sympathie für die Forderung, jene, die ein paar Wochen zuvor Zeter und Mordio über den Wahlsieg der AfD in Sachsen-Anhalt geschrien haben, sollten nun aber gefälligst auch den Wahlsieg der Linken in Berlin gebührend beklagen. Ich würde darauf erwidern, grundsätzlich gibt es überhaupt keine moralische Verpflichtung, sich über die Wahlentscheidung seiner Mitbürger zu empören. Weit eher könnte man im Gegenteil von einer staatsbürgerlichen Pflicht sprechen, demokratische Wahlergebnisse so zu akzeptieren, wie sie nun mal sind. Aus diesem Grund bin ich – auch wenn ich mir mit dieser Positionierung nun wahrscheinlich nirgendwo Freunde mache – angesichts der Wahlergebnisse, wie sie nun mal sind, sowohl der Meinung, dass in Sachsen-Anhalt die AfD die Regierung bilden sollte, als auch, dass in Berlin, auch wenn das Ergebnis da nicht ganz so eindeutig zugunsten einer Partei ausgefallen ist, eine Koalitionsregierung unter Führung der Linken gebildet werden sollte. So funktioniert nun mal unser politisches System. Und wenn man Demokratie will, muss man halt auch akzeptieren, dass andere Leute ihre Wahlentscheidung anders treffen, als man selbst es gerne hätte. 

Schwierig wird das natürlich, wenn das politische Klima im Lande derart aufgeheizt und polarisiert ist, dass jede Wahl quasi zu einer Entscheidung über Leben und Tod hochstilisiert wird. Wenn das Schreckensszenario im Raum steht, wenn die falsche Partei ans Ruder käme, würde sie ein so katastrophales Unheil anrichten, dass auch zukünftige Regierungen es nicht wiedergutmachen könnten, dann können die Verlierer einer Wahl nicht einfach sagen "Okay, dann müssen wir halt in den nächsten Jahren gute Oppositionsarbeit machen und uns bemühen, die nächste Wahl zu gewinnen". Genau dies wäre aber den Spielregeln einer parlamentarischen Demokratie zufolge eine normale und angemessene Reaktion auf eine Wahlniederlage. 

Unter diesem Aspekt kann man den Stefan-Evers-Slogan "Muss man wohl wieder CDU wählen", über den ich mich in der Tagespost lustig gemacht habe, durchaus dahingehend verstehen, dass es geradezu unverantwortlich wäre, etwas anderes als CDU zu wählen. Ich weiß aus Erfahrung, dass ich Leser habe, die das so sehen. Ich meine mich zu erinnern – auch wenn ich keine Quellen oder Belege dafür zur Hand habe –, dass im Bundestagswahlkampf 1980 (Schmidt gegen Strauß) ein Journalist, ich glaube vom Spiegel, undercover in Beichtstühle ging und die Priester fragte, was er denn wählen solle; und durch die Bank wurde ihm, teilweise angeblich geradezu als Bedingung für die Absolution, aufgetragen, CDU/CSU zu wählen. Manch einer wünscht sich diese Zeiten vielleicht zurück – ich persönlich aber nicht so. Wie ich neulich schon mal schrieb, bin ich "sehr wohl der Meinung, dass es zum Hirtenamt der Bischöfe gehört, darauf aufmerksam zu machen, dass bestimmte politische Positionen oder politische Forderungen im Widerspruch zum christlichen Menschenbild, zur christlichen Glaubens- und Sittenlehre stehen, und die Gläubigen zu ermahnen, dies bei ihrer Wahlentscheidung zu berücksichtigen"; aber was der einzelne Gläubige mit dieser Ermahnung anfängt, welche Schlüsse er daraus für seine tatsächliche Wahlentscheidung zieht, wird man ihm selbst und seinem Gewissen überlassen müssen, wenn das Bekenntnis zur Demokratie keine hohle Phrase sein soll. 

Zum Abschluss dieses kontroversen Artikels möchte ich noch einmal auf den Workshop "Kirche und Politik – Wie geht das?" zurückkommen, an dem ich unlängst teilgenommen habe und zu dem ich bereits die Beobachtung festgehalten habe, "dass ein nicht ganz kleiner Teil der Anwesenden die Frage des gesellschaftspolitischen Auftrags der Kirche erheblich konservativer beurteilt[e], als es der offiziellen Linie des Erzbistums oder der Deutschen Bischofskonferenz entspräche"; der Workshopleiter, den man von seinem Auftreten und seiner ganzen Ausstrahlung her durchaus auch für den persönlichen Referenten eines Grünen-Abgeordneten hätte halten können (und das meine ich gar nicht unbedingt negativ), wusste sich darauf einzustellen. Positionen aus dem Plenum, mit denen ich mich identifizieren konnte, lauteten etwa, dass das Handeln der institutionellen Kirche, sobald es in den Raum des öffentlichen Lebens hinein wirkt, geradezu zwangsläufig auch eine politische Relevanz hat, dass ihre Kompetenz auf diesem Gebiet jedoch eher Grundsatzfragen politischer Ethik betrifft als tagespolitische Einzelfragen; dass die Kirche sich darum bemühen sollte, gesprächsbereit und sprachfähig gegenüber Vertretern aller politischen Richtungen zu sein; und schließlich, dass sie auch (und gerade?) für diejenigen ihrer Mitglieder, die problematische oder ganz und gar inakzeptable politische Positionen vertreten, eine seelsorgerische Verantwortung hat. In diesem Zusammenhang wurde an dem KNA-Interview mit Erzbischof Koch, in dem dieser die Frage, ob die Kirche es riskieren dürfe oder müsse, AfD-Anhänger zu verprellen, kurzerhand bejaht hatte, deutliche Kritik laut. Sogar der Referent räumte ein, dieses "Ja" des Erzbischofs sei "unglücklich" gewesen, und es sei im Grunde verwunderlich, dass das Interview in dieser Form freigegeben worden sei. 


Samstag, 10. Oktober 2026

Utopie und Alltag 46: Eine neue Normalität?

Gott zum Gruße, Leser! Die erste Woche nach meiner Rückkehr aus Paderborn liegt hinter mir, und man kann wohl sagen, sie war wesentlich von dem Bemühen geprägt, in der neuen Lebenssituation (neue Wohnung, neues Studium) anzukommen. Fragte man mich, wie es mit diesem "Ankommen" vorangehe, würde ich sagen, ich sehe da noch Luft nach oben. Aber urteile selbst, Leser! 


Wie machen sich denn die Erstkommunionkinder so? 

Am 27. Sonntag im Jahreskreis, der heuer auf den 800. Todestag des Hl. Franz von Assisi fiel, gingen wir "ganz normal" in St. Joseph Siemensstadt in die Messe; hätte ich nicht zugesagt, im Anschluss an die Messe den Infotisch vor der Kirche mitzubetreuen, hätte es auch die Möglichkeit gegeben, nach St. Martin im Märkischen Viertel zu gehen, wo anlässlich des Patronatsfests unserer neuen Wohnortpfarrei St. Franziskus Erzbischof Koch die Messe feierte (und ich möchte mal anmerken: Dass der Erzbischof zum Patronatsfest dieser Pfarrei die Kirche im Märkischen Viertel, also im "Sozialen Brennpunkt", mit seinem Besuch beehrt und nicht die in den gut betuchten Reinickendorfer Ortsteilen Hermsdorf oder Frohnau, ist definitiv ein Statement); und hätte unser Tochterkind am Herbstlager der KPE-Wölflingsmädchen teilgenommen, hätte auch noch die Möglichkeit im Raum gestanden, zusammen mit den Wölflingen in der Kirche St. Nikolaus in Blankenfelde in die Messe zu gehen (zumal der Hl. Franz von Assisi ja der Patron der Wölflinge ist). Als einen Pluspunkt für den Messbesuch im Siemensstadt mag man es indes betrachten, dass unsere Große dort einige andere Kinder aus ihrem Erstkommunionkurs traf, darunter ein Mädchen, mit dem sie sich beim Kurstreffen vor ein paar Wochen spontan angefreundet hat. 

Insgesamt waren, wenn ich richtig gezählt habe, vierzehn Kinder aus dem Erstkommunionkurs in der Messe, was gemessen an der Tatsache, dass die Kirche an diesem Sonntag insgesamt eher schwach besucht war, wohl eine ganz stattliche Zahl war; es gab allerdings keine speziell für sie reservierten Plätze (vielleicht weil der Gemeindereferent in Urlaub war?), daher waren die Erstkommunionkinder so ziemlich über die gesamte Kirche verstreut. Unsere Tochter setzte sich allerdings trotzdem zu ihrer Freundin, die ihr einen Platz freigehalten hatte. 

Zelebriert wurde die Messe vom leitenden Pfarrer der Großpfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland, der über Leben und Wirken des Hl. Franz von Assisi predigte; der wie gesagt doch recht hohe Kinderanteil unter den Gottesdienstteilnehmern wurde weder in der Predigt noch in der Liturgie besonders berücksichtigt – was ich ja grundsätzlich nicht schlecht finde, schließlich sollen die Kinder an "erwachsene" Gottesdienste gewöhnt werden; aber Fakt ist nun mal, dass viele, vielleicht die meisten von ihnen noch nicht daran gewöhnt sind, und da wäre es vielleicht doch eine Überlegung wert, wie man es ihnen ein bisschen leichter machen könnte. – Was mir besonders auffiel: Beim Kurstreffen vor ein paar Wochen war der Dialog vor dem Evangelium – der Priester sagt "Aus dem heiligen Evangelium nach (z.B.) Matthäus", die Gemeinde antwortet "Ehre sei Dir, o Herr", dabei macht jeder drei kleine Kreuzzeichen auf Stirn, Mund und Herz – rauf und runter geprobt worden, aber soweit ich sehen konnte, hatten die Kinder das durchweg wieder vergessen. Fühle mich nun natürlich bestätigt in meiner Auffassung, dass es nicht zielführend ist, im Erstkommunionkurs dem Einüben äußerer Abläufe einen so hohen Stellenwert einzuräumen – schon gar nicht ganz am Anfang des Kurses, wo man den Kindern lieber erst mal ein grundlegendes Verständnis dafür vermitteln sollte, was das Ganze überhaupt soll, statt sie lediglich dazu zu dressieren, im System zu funktionieren. 

Nebenbei bemerkt muss man einräumen, dass das Einüben liturgischer Abläufe – etwa, wann man in der Messe stehen, sitzen oder knien soll – den Kindern auch durch die laufende Kirchenbankrestaurierung erschwert wird. Schätzungsweise ein Drittel der Bänke aus St. Joseph ist aktuell in der Werkstatt und wird provisorisch durch Stühle aus dem Pfarrsaal ersetzt, bei einigen weiteren fehlen die Kniebänke. Direkt auf dem Fußboden knien aber auch erfahrene Messbesucher nicht gern, und wenn sich schon die Erwachsenen nicht einig sind, ob man anstelle des Kniens stehen (weil es ehrerbietiger ist als Sitzen) oder sitzen sollte (um den hinteren Reihen nicht die Sicht zu versperren), ist es wohl kein Wunder, wenn die Kinder erst recht nicht wissen, was sie tun sollen. 

Immerhin war diese Sonntagsmesse ein guter Anlass, sich klar zu machen, dass die Erstkommunionvorbereitung nicht nur aus den zehn Kurstreffen (zuzüglich freiwilliger Zusatzangebote wie den Religiösen Kindertagen) besteht, sondern dass auch jeder Gottesdienst, an dem mindestens ein Erstkommunionkind teilnimmt, Bestandteil der Erstkommunionvorbereitung ist, auch dann, wenn es keinen KiWoGo und keine speziell auf die Kinder zugeschnittenen Gestaltungselemente gibt. 

Gleichwohl bleibt es natürlich eine wichtige Aufgabe, die Qualität der Kurstreffen zu verbessern, und da das nächste – einer Anregung zweier der "Neuen" im Katechetenteam folgend – dem Thema "Biblische Grundlagen der Messe" gewidmet sein soll, habe ich mich daran erinnert, dass ich in der Kinderecke von Herz Jesu Tegel mal ein Buch mit dem Titel "Die Geschichte von unserer Heiligen Messe" gesehen habe, das sich um genau dieses Thema dreht. Da ich am Sonntag nach der Messe sowieso für ein paar Erledigungen nach Tegel fahren musste, stattete ich bei dieser Gelegenheit auch der dortigen Pfarrkirche einen Besuch ab, um mir das Buch noch einmal anzusehen. Tatsächlich fand ich es so gut, dass ich die Versuchung verspürte, es mir auf informellem Wege "auszuleihen" (was ich dann aber doch nicht tat). 

Das Buch – erstmals erschienen 1965, im letzten Konzilsjahr – schlägt einen erzählerischen Bogen vom Auszug aus Ägypten über die Speisung der 5000 bis hin zum Letzten Abendmahl und erläutert davon ausgehend die Liturgie der Heiligen Messe; nebenbei stellt es auch einen assoziativen Bezug von der Fußwaschung beim Letzten Abendmahl zur Beichte her. Der Autor, Auguste-Maurice Cocagnac OP – als Dichter und Sänger von Chansons zu biblischen Themen auch einer der Wegbereiter des Neuen Geistlichen Liedes –, driftete zwar später unter dem Einfluss Carlos Castañedas ziemlich in Richtung Schamanismus ab (ja, echt. War 'ne wilde Zeit damals), aber dafür kann dieses Buch ja nichts. Fast wäre ich geneigt zu sagen, dieses Buch könnte einen ganzen Erstkommunionkurs ersetzen. 

Ein anderes Buch, das tatsächlich daraufhin konzipiert zu sein scheint, einen ganzen Erstkommunionkurs zu ersetzen, haben wir zu Hause, und im Wochenbriefing von vor zwei Wochen war es schon mal auf einem Foto zu sehen: "Kommunion-Kind" von Heinrich Kautz. Ich weiß nicht genau, wie es in unseren Besitz gelangt ist, vermute aber einen Zusammenhang mit dem Büchereiprojekt. Was mir beim ersten Durchblättern noch gar nicht auffiel, ist der Umstand, dass dieses Buch sich aus zehn je acht Seiten starken Einzelheften zusammensetzt, die neben Auslegungen von Bibeltexten, Bildbetrachtungen, Episoden aus dem Leben von Heiligen, Anregungen zur Gewissenserforschung, Gebeten, Hintergrundwissen zu liturgischen Themen und einer das ganze Buch durchziehenden, übrigens ganz reizenden Fortsetzungsgeschichte auch jeweils einige "Aufgaben für die Woche" enthalten; es ist also als auf zehn Wochen angelegter Kurs aufgebaut. – Das Büchlein stammt aus "vorkonziliarer" Zeit, genauer gesagt aus den 50er Jahren, was sich nicht nur in den Ausführungen zur Liturgie niederschlägt, sondern fast noch mehr in der Art und Weise, wie da über Schuld und Sühne gesprochen wird, und allgemein darin, welche Verhaltenserwartungen da an ein "gutes Kommunionkind" gestellt werden. Manches davon ist für heutige Verhältnisse sicherlich zu krass, aber ich denke trotzdem, dass man an der einen oder anderen Stelle wertvolle Anregungen aus dem Bändchen beziehen kann. Gegebenenfalls komme ich darauf noch zurück. 

Einstweilen habe ich, um die lange Zeit bis zum nächsten Kurstreffen zu überbrücken, aus der Erstkommunionmappe aus St. Gertrud Herzogenrath ein paar Übungsblätter für meine Tochter kopiert, die thematisch zum Kurstreffen von Mitte September passen, und nach anfänglichen Anwandlungen von Unlust bearbeitete sie diese Blätter dann doch so eifrig, dass ich nun mit dem Gedanken spiele, die Vorlagen einzuscannen und als pdf-Datei in die Eltern-WhatsApp-Gruppe zu stellen... 


Seltsame Leiden eines Theologiestudenten 

Für den Einstieg in mein Fernstudium hatte ich mir gegen Ende meiner Einführungswoche einen schönen Plan zurechtgelegt: Von Montag bis Freitag wollte ich, sobald die Kinder in der Schule und in der KiTa wären, erst einmal die Lesehore aus dem Stundenbuch beten, mich dann ungefähr eine Stunde lang mit dem propädeutischen Modul "Einen Anfang machen" beschäftigen – dem einzigen, das man schon innerhalb des ersten Semesters abschließen soll; alle anderen Module sind auf mindestens zwei Semester angelegt – und anschließend jeden Wochentag an einem anderen Modul arbeiten. Für den Montag nahm ich mir "Der Weg Israels durch die Geschichte – Einleitung Altes Testament" vor, für Dienstag "Einführung in die Kirchengeschichte des Altertums", für Mittwoch "Nach Gott fragen", für Donnerstag "Warum moralisch sein? Eine Einführung in die Metaethik" und für Freitag "Religiöses Lehren und Lernen – Grundfragen der Religionspädagogik". 

Soweit der Plan; aber wie es im Leben wohl oft zu sein pflegt, stellten sich der Umsetzung dieses Plans schon vom Start weg Hindernisse in den Weg. Meine Liebste, die sich schon übers Wochenende unpässlich gefühlt hatte, ging am Montagmorgen zum Arzt statt zur Arbeit; das allein hätte nicht zwingend irgendwelche Auswirkungen auf meinen Tagesablauf und den der Kinder haben müssen, aber unser Jüngster schien irgendwie zu wittern, dass nicht alles war wie sonst, und wollte partout nicht in die KiTa. So musste ich ihn, nachdem wir gemeinsam die Große zur Schule begleitet hatten, wieder mit nach Hause nehmen, und es wurde Mittag, ehe ich mal dazu kam, das Online-Lernportal meiner Hochschule aufzurufen. 

Das nächste Problem bestand darin, dass mir das Propädeutik-Modul, mit dem ich mich eine Stunde lang hatte beschäftigen wollen, schon nach erheblich kürzerer Zeit unfassbar auf die Nerven ging. Insbesondere den Abschnitt "Lernen als selbstverantworterer Prozess", der beim Motivations- und Zeitmanagement helfen soll, empfand ich als demotivierend und als Zeitverschwendung. Isn't it ironic. Vielleicht sollte ich doch mal versuchen, mich von der Modulprüfung in diesem Bereich ganz oder teilweise befreien zu lassen, mit dem Argument, dass ich schließlich schon mal ein Studium (bzw. eigentlich sogar zwei, wenn man das Promotionsstudium extra zählt) erfolgreich abgeschlossen habe, was als Nachweis, dass ich weiß, wie wissenschaftliches Arbeiten geht, eigentlich ausreichen sollte. 

Mit dem "Weg Israels durch die Geschichte" kam ich erheblich besser klar, auch wenn mir am Montag nicht mehr sonderlich viel Zeit dafür blieb. – Am Dienstag klappte die Morgenroutine mit den Kindern zwar besser, aber dafür hatte ich am Vormittag allerlei anderes zu tun (z.B. mit meiner Liebsten ein Schlafsofa aussuchen gehen) und kam wieder erst gegen Mittag zum Studieren. Obendrein vergaß ich diesmal, zuerst die Lesehore zu beten. Trotzdem lief es tendenziell besser: Im Propädeutik-Modul ließ ich den nervigen Selbstorganisations-Kram erst mal weg und machte lieber einen Test zum Thema "Regeln guter wissenschaftlicher Praxis", den ich mit zwölf von dreizehn richtigen Antworten bestand. Im Kirchengeschichts-Modul schaffte ich mein selbstgesetztes Tagespensum mit Ach und Krach, fing aber gleichzeitig an, mir ernsthaft Sorgen zu machen, wie ich das Studium eigentlich bewältigen können soll, wenn ich mich ständig um tausend andere Dinge kümmern muss und kaum mal einen Moment Ruhe habe, um einen klaren Gedanken zu fassen. Besser lief es am Mittwoch, denn da verbrachte ich vormittags ein paar Stunden in einer Bibliothek. Dass in der Lerneinheit "KI im Studium" (natürlich wiederum im Propädeutik-Modul) ernsthaft von mir verlangt wurde, mir eine halbstündige Folge von "Leschs Kosmos" über Deepfakes anzusehen, fand ich etwas bizarr, ich tat es aber und fand die Sendung am Ende gar nicht sooo schlecht, wie ich anfangs dachte. Danach arbeitete ich das für diesen Tag bzw. diese Woche vorgesehene Pensum im Modul für Systematische Theologie ab (den Inhalt der ersten Sitzung der Vorlesung "Nach Gott fragen" gab's online als PowerPoint-Präsentation, das ging schnell) und hatte dann das Gefühl, ich könnte oder sollte eigentlich noch mehr tun, wo ich doch endlich mal Zeit und Ruhe hatte. Ich entschied mich daher, noch den ersten Abschnitt eines "Lehrbriefs" zum Thema "Religion im Deutschland" zu lesen, der ohne weitere Begründung oder Erläuterung im Ordner für das Einführungsmodul Systematische Theologie hinterlegt war; darin ging es zunächst einmal um Grundfragen der Religionssoziologie, und ich muss sagen, unter den Lerninhalten, mit denen ich mich in dieser Woche beschäftigt habe, war das der erste, bei dem ich das Gefühl hatte, da lerne ich etwas, was ich a) nicht schon wusste und womit ich b) etwas anfangen kann, was mich weiterbringt. Noch spannender fand ich dann allerdings das Ethik-Modul, mit dem ich am Donnerstag anfing. Am Freitag, also gestern, hatte ich dann so gut wie überhaupt keine Zeit zum Studieren, was insofern eine bemerkenswerte Fügung war, als ich auf Religionspädagogik eigentlich sowieso nicht so recht Lust hatte; am späten Nachmittag schaffte ich es dann doch noch, mir zumindest mal einen ersten Überblick über das Religionspädagogik-Modul zu verschaffen. Es sieht allerdings weiterhin stark danach aus, dass das nicht unbedingt mein Lieblingsmodul werden wird. 

Wenn ich meinen Gesamteindruck von einer Woche Fernstudium mal mit meinen Erinnerungen an mein Erststudium vor 30 Jahren abgleiche, ergibt sich das leicht paradoxe Bild, dass das in Modulen aufgebaute Bachelor-Studium, bei dem man quasi an der Hand genommen und durch das Studienprogramm hindurch geführt wird und den Lernstoff in mundgerechte Häppchen vorportioniert bekommt, viel einfacher scheint als ein Studium in der Prä-Bologna-Ära, wo man sich praktisch selbst seinen Weg durch den Dschungel suchen und bahnen musste, andererseits aber gleichzeitig der Druck viel höher ist: Man hat ständig das Gefühl "Wenn ich mal einen Tag nicht zum Studieren komme, gerate ich in einen Rückstand, den ich nie wieder aufholen kann", und dieses Gefühl hatte ich in meinem Erststudium nie. Okay, da habe ich dann auch die Regelstudienzeit großzügig überschritten, aber erst im Hauptstudium, und nicht etwa deshalb, weil ich es nicht schneller hätte schaffen können, sondern weil, wenn man das so sagen kann, das Studium selbst mir wichtiger war als der Abschluss. Das wird bei meinem jetzigen Studium wohl kaum der Fall sein. 

In diesem Zusammenhang erscheint es mir kommentarwürdig, dass die Dozenten während der Einführungswoche großen Wert auf die Feststellung gelegt haben, auch wenn der Studiengang "Angewandte Theologie" heißt und zu einer Berufstätigkeit in der pastoralen Praxis befähigen soll, solle es in diesem Studium darum gehen, Theologie als Wissenschaft zu betreiben. Was mir hingegen noch keiner plausibel hat erklären können, ist, inwiefern es für eine Tätigkeit in der pastoralen Praxis notwendig oder auch nur nützlich sein soll, zu lernen, wie man Theologie als Wissenschaft betreibt. Dass ich mir diese Frage stelle, hat durchaus einiges damit zu tun, was ich vor knapp zweieinhalb Jahren in "Requiem für eine Seelsorgehelferin" geschrieben habe. Ich gehe davon aus, dass dieses Thema mich noch weiter durch mein Studium begleiten wird; fürs erste habe ich es aber als einen bemerkenswerten Fingerzeig empfunden, dass ich durch einen Facebook-Beitrag aus Anlass des 800. Todestages des Hl. Franz von Assisi auf einen Brief dieses großen Heiligen "an Antonius" (wohl den Hl. Antonius von Padua) aufmerksam gemacht worden bin, in dem es heißt: 

"Es gefällt mir, dass du den Brüdern die heilige Theologie vorträgst, wenn du nur bei diesem Studium nicht den Geist des Gebetes und der Hingabe auslöschst, wie es in der Regel steht." 

Das passt übrigens gut dazu, dass ich am letzten Tag der Einführungswoche die spontane Eingebung hatte, mit denjenigen Kommilitoninnen, mit denen ich mich so angeregt über Stundengebet, Rosenkranz, Anbetung und Wallfahrten unterhalten hatte, und noch einigen weiteren eine "Lern- und Gebetsgruppe" auf WhatsApp zu gründen; eine Idee, von der ich ausgesprochen überzeugt bin, dass sie gute Früchte bringen wird. Ziel und Zweck dieser Gruppe soll es nämlich nicht nur sein, sich über den Lernstoff und andere studienrelevante Inhalte auszutauschen, sondern auch, sich gegenseitig im Glauben zu stärken – wozu so ein Theologiestudium, wie man immer wieder hört, an und für sich ja nun eher gerade nicht beiträgt. Man darf gespannt sein, wie sich das entwickelt. 


Neues von unserem kuriosen Wohnprojekt 

Ja, wir wohnen hier immer noch zwischen allerlei unausgepackten Umzugskisten, aber man kann doch immerhin konstatieren, dass deren Zahl erheblich abgenommen hat. Wenn wir im bisherigen Tempo weitermachen, habe ich Hoffnung, dass wir noch vor Weihnachten komplett eingerichtet sein werden. Große Neuigkeiten gibt es derweil an anderer Stelle – nämlich im Garten: 

Ja, wir haben jetzt einen Kaninchenstall, wenn auch vorerst noch in Einzelteilen. Die Kaninchen kommen später, wir haben also noch ein bisschen Zeit, damit fertig zu werden. Anspruchsvoller als die eigentliche Montage scheint es zu werden, im Garten einen Boden zu verlegen, auf dem der Stall stehen kann, aber damit haben wir – mit kompetenter Unterstützung aus dem Bekanntenkreis – immerhin schon mal angefangen. Außerdem wollen wir in unserem Garten einen Igel zum Überwintern aufnehmen. Dafür gibt es nämlich eine Vermittlungsstelle. – Im Hintergrund des Fotos zu sehen ist der Rohrrahmen eines Gartentrampolins. Das haben wir günstig gebraucht bekommen – so günstig, dass für die Erwägung, so etwas sollte man sich vielleicht lieber im Frühjahr anschaffen statt im Herbst, kein Raum blieb. Eine Hollywoodschaukel haben wir auf diesem Wege auch noch aufgegabelt, aber die werden wir vielleicht doch lieber erst im Frühling aufbauen. 


Auf der anderen Straßenseite: Engelsturz und Junge Erde 

Am Mittwoch gingen wir wieder zum JAM, wo es in der Kinderkatechese einen zusammenfassenden Rückblick auf die Themen der zurückliegenden Wochen seit Beginn des neuen Schuljahres gab. In der vorigen Woche war nicht nur ich nicht da gewesen, sondern der Rest der Familie auch nicht, da unser Jüngster etwas kränkelte; wie wir jetzt erfuhren, war es da um den Sündenfall gegangen. 

Nachzutragen wären aber noch ein paar Eindrücke vom JAM in der Woche vor meinem Paderborn-Trip, nachdem ich im vorletzten Wochenbriefing keinen Platz dafür hatte. – Wie so oft war ich da zunächst mit unserer Großen, auf ihren ausdrücklichen Wunsch hin, beim Programm für die "Kids", also die Grundschulkinder, geblieben; die Katechese drehte sich um die Auflehnung Satans gegen Gott, und geleitet wurde sie von einem der "Teenie-Mitarbeiter", einem vielleicht 15jährigen Jungen. Hätte ein Erwachsener die Katechese geleitet, hätte ich es mir möglicherweise nicht verkneifen können, zu fragen (oder mein Tochterkind anzustiften, die Frage zu stellen) "Wo steht das denn in der Bibel?"; aber diesen Jugendlichen mochte ich nicht verunsichern, entmutigen oder gar vorführen. Tatsächlich gibt es durchaus eine Antwort auf diese Frage, aber sie ist kompliziert. Ich habe spaßeshalber mal einen von dem neulich von mir so betitelten "Chefideologen" oder "Obersten Glaubenshüter" der The Rock-Gemeinde programmierten Bibel-Chatbot danach befragt; dieser verwies zunächst auf 2. Petrus 2,4, Judas 6, Offenbarung 12,7-9 und Lukas 10,18, musste aber einräumen, dass diese Bibelstellen lediglich gewissermaßen schlaglichtartig auf eine Erzählung Bezug nehmen, die als solche nicht in der Bibel zu finden ist, die aber offenbar als bekannt vorausgesetzt wird. Über Stellen aus dem Alten Testament, die in traditioneller Lesart vielfach auf den Sturz Satans bezogen werden – nämlich Jesaja 14,12-15 und Ezechiel 28,12-17 –, wird festgestellt, dass es sich dem "historischen Primärkontext" nach um prophetische Reden über irdische Könige handelt, was freilich nicht ausschließt, ihnen eine weitere Bedeutungsebene zuzuerkennen, die tatsächlich auf den Sturz Satans hinweist. – Mit anderen Worten, die Erzählung vom Sturz des Satans und der mit ihm verbündeten Engel basiert auf außerbiblischer Überlieferung, und das ist doch normalerweise etwas, was Evangelikale aus ihrem sola scriptura-Verständnis heraus nicht gelten lassen. Genau deswegen fand ich es so interessant, dass dieses Thema beim JAM drankam. 

Übrigens war der katechetische Impuls für die "Kids" recht kurz, und danach gab es Spiele im Garten – was ich zum Anlass nahm, noch beim Elterncafé vorbeizuschauen. Aber ach: Dort referierte dieselbe Mitarbeiterin, die vor gut eineinhalb Jahren am selben Ort einen Vortrag über Evolution gehalten hatte, darüber, ob (bzw. dass) die sechs Schöpfungstage aus Genesis 1,1-2,3 als buchstäbliche Tage zu verstehen seien. Das argumentative Niveau dieses (mit KI-generierten Grafiken illustrierten) Vortrags fand ich dermaßen platt und läppisch, dass ich, nachdem ich einen Kaffee getrunken hatte, kurzerhand wieder 'rausging. – Interessant war allerdings, dass ich wenig später auf Facebook einen (ironischerweise in genau demselben Stil illustrierten) Beitrag sah, der aus einer kritisch-distanzierten Haltung heraus erläuterte, dass hinter dem Junge-Erde-Kreationismus durchaus noch mehr und Anderes steckt als nur die Weigerung, einen biblischen Text anders als wortwörtlich zu verstehen. Vielmehr ergäben sich aus der Annahme einer Millionen oder Milliarden langen Entwicklung des Lebens auf der Erde bis zum Auftreten der ersten Menschen Anfragen an das Gottesbild und nicht zuletzt an die kosmologische Signifikanz des Sündenfalls (kam wirklich erst durch die Sünde der Tod in die Welt?), die sich durch die Annahme einer Schöpfung in sechs Tagen sehr viel leichter auflösen lassen. – So plausibel ich das dort dargelegt fand, bin ich doch der Ansicht, dass es den Gläubigen unnötige Lasten auferlegt, sie auf das Bekenntnis zum Junge-Erde-Kreationismus verpflichten zu wollen. Es wird ihnen dadurch erschwert, ihren Glauben gegenüber Menschen zu vertreten, die ein naturwissenschaftlich geprägtes Weltbild haben, und umgekehrt können sie durch naturwissenschaftliche Argumente leicht in unnötige Glaubenszweifel gestürzt werden. Noch schärfer formuliert: Jemandem beizubringen, der Erkenntnisstand der Naturwissenschaften widerspreche dem Glauben an Gott, birgt naturgemäß das Risiko, dass derjenige daraus den Schluss zieht, dann habe eben die Naturwissenschaft Recht und der Glaube Unrecht; er wird also einer größeren Gefahr ausgesetzt, ganz und gar vom Glauben abzufallen, als jemand, dem vermittelt wurde, dass es keinen prinzipiellen Widerspruch zwischen Glauben und Wissenschaft gibt (vgl. Katechetismus der Katholischen Kirche, Nr. 159). 


Taufboom in Frankreich, Papst Leo und die Kirche in Deutschland 

Die Apostolische Reise Papst Leos XVI. nach Frankreich habe ich längst nicht so intensiv verfolgen können, wie sie mich eigentlich interessiert hätte; aber mitbekommen habe ich natürlich doch so allerlei davon – so zum Beispiel von der monumentalen Messfeier auf der Place de la Concorde oder vom Gebet bei der Grotte Massabielle in Lourdes; hängen geblieben ist unterm Strich vor allem der Gesamteindruck, dass die Berichterstattung über diese Papstreise stark unter dem Eindruck des erstaunlichen Aufschwungs stand, den der Katholizismus in Frankreich derzeit gerade unter Jugendlichen und jungen Erwachsenen erlebt: ein "Not-So-Quiet Revival", möchte man sagen. In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass mein Liturgiewissenschafts-Professor am vorletzten Tag der Einführungswoche eine Datei mit Infografiken zum "Taufboom in Frankreich" auf der Online-Lernplattform der Hochschule bereitstellte. Die dort zusammengestellten Zahlen lassen es durchaus gerechtfertigt erscheinen, von einem "Boom" zu sprechen: Nachdem die Zahl der jährlichen Erwachsenentaufen in der katholischen Kirche in Frankreich von 2016 (weiter zurück reicht die Statistik nicht) bis 2020 ziemlich stabil bei etwas über 4.000 lag und 2021 unter 4.000 fiel, hat sich diese Zahl seither von Jahr zu Jahr deutlich gesteigert und erreichte in der Osternacht des laufenden Jahres den Wert von 13.234 – das sind mehr als dreimal so viele wie zehn Jahre zuvor. Zusätzlich wurden in 89 der 94 Diözesen Frankreichs im Jahr 2026 nicht weniger als 8.125 jugendliche Katechumenen gezählt. 

Schlüsselt man die Erwachsenentäuflinge nach Altersgruppen auf, stellt man fest, dass die 18- bis 25-Jährigen mit 42% die größte Gruppe bilden, dicht gefolgt von den 26- bis 40-Jährigen mit 40%; gerade mal 1% ist älter als 65. Gut ein Drittel der Täuflinge sind Angestellte bzw. Arbeiter, ein Viertel sind Studenten. – Über diese nackten Zahlen hinaus erhalten die Infografiken interessante Daten zu den Beweggründen bzw. "auslösenden Faktoren" dafür, die Taufe anzustreben. An erster Stelle werden hier Erfahrungen von Leid und Trauer genannt, die "eine Sinnsuche ausgelöst" hätten; an zweiter Stelle steht die Aussage, Ausgangspunkt für den Weg zur Taufe seien "Fragen über die christliche Religion" gewesen. Besonders bemerkenswert erscheint mir, dass knapp ein Drittel der Befragten angab, "eine starke spirituelle Erfahrung gemacht" zu haben. Zum Einfluss der Sozialen Medien heißt es in der Auswertung der Erhebung, dieser erweise sich als "recht bescheiden", da "nur" 11% der befragten Katechumenen christliche Influencer als einen wesentlichen Faktor ihrer Bekehrung benannt hätten; aber ich würde sagen, das ist Ansichtssache, denn 11% von 13.234 sind immerhin 1.455 Menschen. Festzuhalten ist indes, dass – soweit man es aus der Statistik ersehen kann – das persönliche Glaubenszeugnis von Menschen aus dem eigenen Bekannten- oder Familienkreis eine stärkere Wirkung hat als das von irgendwelchen Leuten aus dem Internet: 19% der Befragten schrieben dem "Lebenszeugnis von Christen aus Ihrem Umfeld (Schule, Freunde, Familie…)" eine entscheidende Bedeutung für ihre Bekehrung zu, bei 16% handelte es sich ganz konkret darum, dass "jemand aus ihrem Umfeld" die Taufe erhalten bzw. erbeten hat und sie dadurch "auf den Weg gebracht" hat. Daran zeigt sich einmal mehr: Die Entscheidung für den Glauben gewinnt einfach an Plausibilität, wenn man jemanden kennt, der für sich diese Entscheidung getroffen hat. Und das bedeutet auch, dass jede Erwachsenentaufe die Wahrscheinlichkeit weiterer Taufen im persönlichen Umfeld des Getauften erhöht. So gesehen hat es durchaus seine innere Stimmigkeit, wenn etwa Jan-Philipp Görtz prognostiziert, aus 300 Erwachsenentaufen in Berlin zu Ostern dieses Jahres würden in fünf Jahren 3.000 und in zehn Jahren 30.000 werden. Und wo wir schon dabei sind, die Entwicklungen aus Frankreich auf Deutschland zu übertragen, möchte ich auf einen Ausschnitt aus einem Interview mit Papst Leo hinweisen, den ich auf Facebook zu sehen bekommen habe und in dem dieser zu der Einschätzung Stellung nimmt, die Kirche in Deutschland liege im Sterben. "Dasselbe hat man früher auch über Frankreich gesagt", erklärt der Papst, "und doch haben wir gesehen, was in den letzten vier Tagen hier geschehen ist." Er fügt hinzu, er sei sich der Probleme der Kirche in Deutschland bewusst, sei jedoch überzeugt, dass es "immer noch viele, viele Menschen in Deutschland" gebe, "die ihren christlichen und katholischen Glauben leben und feiern wollen", und sei daher optimistisch, dass die Dinge sich positiv entwickeln, "wenn wir den wahren missionarischen Geist finden". 

Mit Blick auf diesen "wahren missionarischen Geist" muss ich allerdings anmerken, dass mir sowohl die bisherigen Veranstaltungen für den Bewerbendenkreis des Erzbistums Berlin als auch meine Beobachtungen bei der Einführungswoche in Paderborn nicht unbedingt den Eindruck vermittelt haben, der institutionelle Apparat der Kirche hierzulande sei auf "französische Verhältnisse" vorbereitet – oder bestrebt, sein zukünftiges pastorales Personal auf solche Verhältnisse vorzubereiten. Viel eher scheint mir die Ausbildung darauf ausgerichtet, den post-volkskirchlichen Normalbetrieb am Laufen zu halten, was in erster Linie heißt: lebensabschnittsbezogene spirituelle Dienstleistungen für ein religiös eher wenig interessiertes Publikum anzubieten. Man darf dabei nicht außer Acht lassen, dass möglicherweise gar nicht so wenige Leute, die eine Tätigkeit in der Pastoral anstreben, genau das wollen, weil auch sie sich unter dieser Tätigkeit gar nichts anderes vorstellen können; aber ich habe doch die Hoffnung, dass sich da in den nächsten Jahren etwas bewegt. – In jedem Fall dürfte das ein Thema sein, zu dem es im Zusammenhang mit meinem Studium zukünftig noch öfter etwas zu sagen geben wird... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Wer eine Erneuerung der menschlichen Sitten ins Auge fasst, muss zunächst einmal mehr als alles andere die Ehre Gottes suchen und für eine so Heil bringende, aber schwere Aufgabe die Hilfe Gottes, von dem alles Gute kommt, erwarten und erbitten. Sodann muss er selber als Spiegel aller Tugend vor den Augen derer stehen, die er erneuern will – wie ein Licht auf den Leuchter gestellt, um durch die Unbescholtenheit seines Lebens und die Lauterkeit seiner Sitten allen zu leuchten, die im Haus Gottes sind. Denn der Liebreiz des Guten ist es, der zur Erneuerung eher anzieht als antreibt. 

(Johannes Leonardi, Brief an Papst Paul V.) 


Ohrwurm der Woche 

Matchbox 20: 3 am  

Die Gruppe Matchbox 20 habe ich, wie ich soeben nachrecherchiert habe, in der Wochenbriefing-Rubrik "Ohrwurm der Woche" schon zweimal erwähnt, jeweils im Zusammenhang mit Ohrwürmern von anderen Bands derselben Ära und Stilrichtung; wie ich bei einer dieser Gelegenheiten schrieb, war das "die Art von Musik, die ich in meinen frühen Zwanzigern bevorzugt gehört habe, kurz bevor ich das Interesse an aktueller Rock- und Popmusik weitgehend verlor". Das Matchbox 20-Album "Yourself or Someone Like You" war indes schon ein paar Jahre alt, als ich es bei Saturn auf dem Grabbeltisch entdeckte; es kann sogar sein, dass ich auf die Gruppe erst durch den Gastauftritt des Bandleaders Rob Thomas als Leadsänger der Santana-Single "Smooth" aufmerksam geworden war. Gleichwohl würde ich "Yourself or Someone Like You" bis heute als ein Album bezeichnen, auf dem jeder einzelne Song hörenswert ist. Die musikalische Stilrichtung wurde damals als Alternative Rock oder gar Post-Grunge eingeordnet, aber wenn ich mir "3 am", die dritte Single-Auskopplung aus diesem Album, heute anhöre, dann denke ich: Im Grunde ist das Folkrock. Es hat große Ähnlichkeit mit "Like a Rolling Stone" von Literaturnobelpreisträger Bob Dylan, auch Anklänge an die Byrds, Neil Young, John Cougar Mellencamp, Sheryl Crow, ja sogar Tracy Chapman kann man unschwer heraushören. Auch der Text – "She thinks that happiness is a mat that sits on her doorway" ist mein Lieblingsvers – hat eine durchaus folkrocktypische Tiefe. Ich glaube, ich sollte mir das ganze Album mal wieder anhören. 


Vorschau/Ausblick 

Heute Vormittag war wieder Meutentreffen bei den Wölflingsmädchen in Schöneberg; gleichzeitig traf sich auch die Wichtelgruppe, und unser Jüngster ließ sich überzeugen, dorthin mitzukommen, nachdem er noch gestern Abend verkündet hatte, er habe keine Lust. Morgen ist, soweit ich sehe, ein "ganz normaler" Sonntag, da werden wir wohl in St. Joseph Siemensstadt in die Messe gehen; und dann beginnt auch schon – man glaubt es kaum – die letzte Schul- und Arbeitswoche vor den Herbstferien! Was wir in den Ferien vorhaben, verrate ich aber erst nächste Woche; bis dahin steht nicht sonderlich viel im Terminkalender, aber natürlich werde ich mit dem Studium einiges zu tun haben und muss mich außerdem darum kümmern, unseren Jüngsten zur Einschulung anzumelden (sie werden ja so schnell groß!). Auch nicht verschweigen möchte ich, dass ich eingeladen worden bin, am letzten Oktoberwochenende bei einer Jugendkonferenz der Berliner Diözese der Russisch-Orthodoxen Kirche einen Vortrag zu halten; es ist allerdings noch unklar, ob ich das zeitlich hinkriegen werde, und ich hoffe, dass sich dies im Laufe der kommenden Woche klären lassen wird. Im Übrigen gibt es natürlich auch in Haus und Garten noch allerlei zu tun...!