Freunde, ich muss euch sagen: Dieses Wochenbriefing zum üblichen Termin und annähernd im gewohnten Umfang fertigzustellen, war ein ganz schöner Kraftakt. Ich war während der zurückliegenden Woche nahezu dauerhaft im Stress, und ich fürchte, der Stress ist auch noch nicht vorbei. – Zu dem Stressfaktoren, die sich nicht sinnvoll in den thematischen Abschnitte dieses Artikels haben unterbringen lassen und die ich daher gleich hier im einleitenden Abschnitt würdigen möchte, gehört es, dass unser Kühlschrank kaputtgegangen ist und dass ich einen Zahnarzttermin unseres Tochterkindes verschieben musste, weil am selben Tag die KiTa unseres Jüngsten wegen einer Mitarbeiterfortbildung geschlossen war. Der kitafreie Tag mit dem Jüngsten war an und für sich durchaus nett – wir waren nach langer Zeit mal wieder bei der "Rumpelberggruppe", haben Tierdokus und ein paar Folgen der Serie Novelmore geguckt, zwei Runden Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt und dabei jeder einmal gewonnen –; ich will mich also eigentlich gar nicht beklagen... außer über den Kühlschrank. Das war (und ist) schon echt lästig. Aber eine Lösung des Problems ist in Sicht, immerhin.
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| Heiliger Josef, durch die Liebe, die du Jesus Christus entgegenbringst, und zur Ehre Seines Namens, erhöre unsere Bitten und Gebete. |
Mit den Wölflingen auf dem Kreuzweg
Als ich am vorletzten Freitag mit meiner Tochter vom Kampfsporttraining nach Hause ging, erhielt ich eine Nachricht von der Leiterin des KPE-Mädchenstammes Hl. Thomas Morus in Berlin-Schöneberg, die mich auf einen Umstand aufmerksam machte, den ich in ihrer jüngsten Rundmail an die Eltern der Wölflingsmädchen übersehen hatte: Das Meutentreffen am Samstag, dem 14.03., fand nicht wie gewohnt im Garten von St. Norbert unweit des S-Bahnhofs Schöneberg statt, sondern in St. Matthias am Winterfeldtplatz. Dieser liegt ganz in der Nähe des Nollendorfplatzes, der traditionell als das Epizentrum der Berliner Schwulenszene gilt, und das machte sich im Straßenbild durchaus bemerkbar; aber das mal nur am Rande. Auf dem Winterfeldtplatz selbst fand eine Art Wochenmarkt statt, auf dem eine große Bandbreite an Waren – von Lebensmitteln über Kunsthandwerk bis hin zu Räucherstäbchen, Heilsteinen und sonstigem Esoterik-Gedöns – angeboten wurde. Vielleicht müssen wir da mal wieder hingehen, wenn wir mehr Zeit und Geld übrig haben (wenn auch nicht gerade wegen des Esoterik-Gedöns).
Die untypische Programmgestaltung dieses Meutentreffens war offenkundig zumindest teilweise dadurch bedingt, dass von den pfadfinderpädagogisch qualifizierten Leitern niemand zur Verfügung stand und die Aufsicht über die Gruppe daher der Mutter dreier Mädchen, die schon in der Woche zuvor einen Teil der Programmgestaltung übernommen hatte, übertragen worden war; diese hatte zu ihrer Verstärkung eine weitere Mutter mitgebracht (die wohl selbst mal bei den Pfadfindern gewesen war, jedenfalls trug sie Rock und Barrett), und due inhaltliche Gestaltung des Meutentreffens oblag einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin der Gemeinde St. Matthias, die ich bereits aus anderen Zusammenhängen kannte – die katholische Welt Berlins ist nun mal recht klein. Vierzehn Mädchen nahmen an dem Treffen teil, davon diesmal nur drei in vollständiger Kluft (bei dieser Gelegenheit sei erwähnt: Klufthemd und Barrett fürs Tochterkind sind bestellt!); der erste Programmpunkt war eine Führung durch die Gemeindebücherei, bei der – wie meine Tochter mir hinterher erzählte – in spielerischer Form eingeübt wurde, wie man in einer Bücherei Bücher zu einem bestimmten Thema findet. Im Übrigen berichtete sie mir staunend, es gebe in dieser Gemeindebücherei sogar Bücher aus der Fantasy-Reihe "Warrior Cats" (die bei ihr und ihren Schulfreundinnen derzeit hoch im Kurs steht). – Während die Mädchen in der Gemeindebücherei waren, hielt ich mich in der Kirche auf, in der es u.a. eine Reliquie des Sel. Kardinal von Galen (der hier ab 1906 für einige Jahre Kaplan war) und einige interessante Kunstwerke zu bewundern gab.
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| Michael Triegel: Deus absconditus (2013). Dauerleihgabe. |
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| Dieser Hahn, der den Verrat des Petrus symbolisiert, thront auf den Beichtstühlen der Kirche. |
Die Wölflingsgruppe fand sich schließlich ebenfalls in der Kirche ein, erhielt auch da eine Führung, und zum Abschluss sollte der Kreuzweg gebetet werden. Allerdings war die Zeit inzwischen so weit vorgerückt, dass die Andacht auf vier Stationen gekürzt werden musste – die ersten drei (Jesus wird zum Tode verurteilt, Jesus nimmt das Kreuz auf Seine Schulter, Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz) und die zwölfte (Jesus stirbt am Kreuz). Die Broschüre mit den Andachtstexten nahm ich mir mit; es handelt sich um einen ganz klassischen, traditionellen Kreuzweg ohne irgendwelche politisch-sozialen oder psycho-wellnessmäßigen Aktualisierungsversuche und auch ohne eine Spur von dem, was man landläufig unter "kindgerechter Gestaltung" versteht. Gefällt mir.
Heute waren wir übrigens erstmals in diesem Monat nicht bei den Wölflingen, da das Tochterkind zum Geburtstag einer Schulfreundin eingeladen war – und wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätten wir trotzdem nicht gekonnt, da gleichzeitig auch Religiöser Kindertag in Haselhorst war. Ich sage mir ja immer, wenn mehrere Gründe, an einem Termin verhindert zu sein, zusammenkommen, ist es allemal besser, als wenn diese Gründe auf mehrere Termine verteilt wären. Aber schade ist es doch, da das das letzte Meutentreffen vor den Osterferien gewesen wäre. Wichtelgruppe wäre auch gewesen, aber die verpasst zu haben, finde ich ehrlich gesagt weniger schlimm – dazu wohl mal bei Gelegenheit mehr.
Wie schön, dass du geboren bist
Nachdem wir unsere Sonntagspflicht für den Sonntag Laetare aus pragmatischen Gründen bereits am Vorabend erfüllt hatten, begann der kalendarische Sonntag für mich damit, dass ich um sieben Uhr aufstand, um einen Kuchen zu backen. Am vorangegangenen Freitag hatte uns nämlich, als wir unseren Jüngsten von der KiTa abholten, ein Erzieher so nebenbei wissen lassen, es werde erwartet, dass der Knabe anlässlich seines Geburtstags etwas zum Morgenkreis mitbringt. Am Montag. Gefühlt hatte der Knabe zwar sowieso schon die halbe KiTa zu seiner Feier eingeladen, aber eben nicht die ganze. Eine zusätzliche Komplikation bestand darin, dass die KiTa und wohl auch ein Teil der Elternschaft Wert darauf legt, dass die Kinder nicht übermäßig viel Zucker bekommen. Daher suchte meine Liebste mir aus'm Netz ein Rezept für einen zuckerfreien (mit Datteln und Bananen gesüßten) Schokokuchen heraus, der in der Umsetzung allerdings nicht ganz zuckerfrei wurde, da ich kein zuckerfreies Kakaopulver für den Teig verwendete.
Tatsächlich empfand ich das Teiganrühren als einen exzellenten Start in den Tag und bekam richtig Lust, in Zukunft mal wieder öfter zu backen; ein erheblicher Dämpfer für meinen Enthusiasmus war es hingegen, dass der Teig beim Backen nicht richtig aufging und der Kuchen insgesamt eher verunglückte. Na, ein Grund mehr, es bei Gelegenheit nochmal zu probieren und dann besser zu machen!
Aber spulen wir erst mal noch zurück zum Samstagabend: In St. Joseph Siemensstadt in die Abendmesse zu gehen, was unter dem Aspekt der geistlichen Erbauung wahrscheinlich am besten gewesen wäre, schied leider aus, weil das Hin-und-Her-Gegurke mit dem Bus inmitten der Geburtstagsvorbereitungen zu zeitaufwändig gewesen wäre. In Haselhorst gab's keine Vorabendmesse, also blieb uns in einigermaßen wohnortnaher Lage "nur" die Wahl zwischen St. Joseph Tegel (der "Beten-mit-Musik-Kirche", wie sie bei meinem Jüngsten heißt) mit Pater Brody und St. Rita mit Pater Mephisto. Wir entschieden uns schließlich für den früheren Termin in St. Joseph – wo wir nicht nur den Altersdurchschnitt der Mitfeiernden signifikant senkten, sondern auch die Gesamtzahl der Messbesucher um rund 20% steigerten. Pater Brody trug zur Feier des Tages ein rosafarbenes Messgewand; seine rund acht Minuten lange Predigt war im Guten wie im Bösen nicht gerade herausragend, abgesehen von einer komödiantischen Einlage am Anfang, auf die ich gern verzichtet hätte, und der Tatsache, dass er sich bei der Beschreibung des Effata-Ritus selbst widersprach und den Ritus zuerst richtig und dann falsch darstellte – da muss er sich irgendwie in seinem Gedankengang verheddert und Augen und Ohren verwechselt haben, kann vorkommen, sowas. Dass das schöne Lied "Fest soll mein Taufbund immer stehn" (GL 835, Regionalteil) anstelle des Credo gesungen wurde, fand ich indes eher irritierend.
Was ich an Pater Brody, unabhängig von seinen Qualitäten als Liturg und Prediger, jedenfalls schätze, ist, dass er kinderfreundlich ist und besonders unseren Jüngsten einfach aufrichtig gern zu mögen scheint. Als er im Anschluss an die Messe am Portal stand und Hände schüttelte, begrüßte er uns ausgesprochen freundlich und sprach ein paar Sätze mehr mit uns, als man in einer solchen Kirchentürsituation normalerweise erwarten würde.
Aber wenn wir schon mal dabei sind, die chronologische Reihenfolge zu missachten, sei auch noch auf ein anderes im Zusammenhang mit dem Thema Kindergeburtstag relevantes Ereignis vom Samstag eingegangen: Während ich mit der Großen bei den Wölflingen war, verkrachte sich unser Jüngster nämlich mit dem wohl langjährigsten gemeinsamen Freund unserer Kinder – der mit seiner Mutter zu Besuch gekommen war, um unserem Knaben schon vorab sein Geschenk zu geben, damit er es nicht zu der großen Party am Sonntag mitschleppen musste. Bei diesem Geschenk handelte es sich um eine Autorennbahn, und das gemeinsame Spiel der beiden Jungen mit dieser neuen Errungenschaft mündete bald in einen Streit, den ich – auch wenn ich ihn zugegebenermaßen vom Hörensagen her beurteilen kann – als an und für sich eher banal und für Jungs in diesem Alter nicht ungewöhnlich einschätzen würde, der dann aber durch das Eingreifen der Mütter eskalierte. Meine Liebste hatte eigentlich nur die Absicht, zu vermitteln und die Wogen zu glätten, aber die Mutter des anderen Jungen war – mit aller Vorsicht gesagt – eher nicht an Deeskalation interessiert: Wenn sie den Eindruck hat, ihrem Goldkind sei irgendwie Unrecht geschehen, sieht sie Rot, das war auch früher schon ein paarmal zu bemerken gewesen, aber diesmal kochte der Topf endgültig über. – Traurig an dieser Geschichte, aber möglicherweise auch irgendwie bezeichnend ist es, dass der Kontakt zu diesem Jungen und seiner Mutter für uns die einzige über Jahre stabile Freundschaft ist oder war, die sich aus der #kindergartenfrei-Community heraus entwickelt hatte. Gewisse Ressentiments angesichts der Tatsache, dass unser Jüngster seit rund einem Dreivierteljahr eben doch in die KiTa geht, spielen in diesem Konflikt untergründig definitiv eine Rolle. In gewisser Hinsicht finde ich den ganzen Vorgang so illustrativ, dass er vielleicht – unter sorgfältiger Wahrung der Anonymität der Beteiligten – einen eigenständigen Artikel verdient hätte; aber vielleicht bin ich auch nicht die richtige Person, diesen zu schreiben, denn bei dem eigentlichen Streit war ich ja gar nicht anwesend.
Zu der Feier am Sonntag, die in einem ungenannten Erlebnispark im Umland von Berlin stattfand, kamen der besagte Junge und seine Mutter jedenfalls nicht – aber eine große Runde wurde es trotzdem: Unser Sohn hatte sechs Kinder aus seiner KiTa eingeladen, von denen lediglich ein Junge nicht kommen konnte; außerdem einen Jungen, mit dem er sich vor gut einem Jahr beim Fasching angefreundet hat, und eine Schulfreundin seiner großen Schwester, die er sehr mag. Jedes der Kinder kam mit mindestens einem Elternteil – in einem Fall waren es beide –, und drei Kinder brachten noch je ein Geschwisterkind mit. Unser Tochterkind war natürlich auch mit dabei, und somit kamen wir alles in allem auf zwölf Kinder und zehn Erwachsene. Die alle bei uns zu Hause zu verköstigen und zu bespaßen, wäre wohl schwerlich leistbar gewesen, aber man muss auch einräumen, dass der klassische Kindergeburtstag mit selbstgebackenem Kuchen und Topfschlagen ein Veranstaltungskonzept ist, das schon in meiner eigenen Schulzeit deutlich auf dem absteigenden Ast war – und das, obwohl ich auf einem Dorf aufgewachsen bin, wo so gut wie jeder ein Haus mit Garten hatte. Dank einer Werbeaktion des Erlebnisparks, bei der – unter dem Motto "Bring a Friend" – jeder Inhaber einer gültigen Jahreskarte eine kostenlose Tageskarte für eine weitere Person erhalten konnte, war die Geburtstagsparty auch gar nicht so teuer, wie man hätte denken können; tatsächlich war sie sogar erheblich günstiger als die Feier zum 4. Geburtstag des Knaben, obwohl wir da weniger Gäste hatten. Es gab enorme Mengen an Essen, die Kinder konnten nach Herzenslust spielen und toben, und am Ende waren alle rechtschaffen müde.
Im Zusammenhang mit der Anzahl der Gäste sei übrigens daran erinnert, dass dies der erste Geburtstag unseres Jüngsten als KiTa-Kind war. Ich hatte den Eindruck, dass die Kinder aus der KiTa, die er eingeladen hatte – und auch deren Eltern – wohl schon länger eine Clique sind, aber ich denke, man kann es durchaus positiv sehen, dass es unserem Sohn offenbar gut gelungen ist, in diesen Freundeskreis aufgenommen zu werden, und mit den Eltern verstanden wir uns auch gut. Zudem zeigte es sich, dass die Eltern sich bezüglich der Geburtstagsgeschenke hervorragend miteinander abgestimmt hatten: Unser Knabe hatte sich "Ninja Turtles"-Actionfiguren gewünscht, und tatsächlich bekam er von seinen KiTa-Freunden alle vier Turtles und die beiden Gegenspieler "Bebop" und "Rocksteady" (ein Nashorn und ein Warzenschwein).
Mit der Feier am Sonntag war das Thema Kindergeburtstag aber noch nicht abgehakt: Erst einmal stand am Montag die Feier in der KiTa an, für den ich von dem missglückten Dattel-Bananen-Kuchen so viel rettete, wie zu retten war, zusätzlich aber auf dem Weg von der S-Bahn zur KiTa (auf dem man dankenswerterweise an einem Drogeriemarkt und einem Bio-Supermarkt vorbeikommt) noch Kekse kaufte; am Nachmittag folgte dann die Nachfeier mit den Omas, die zugleich auch dem am selben Tag wie unser Jüngster geborenen Sohn der Cousine meiner Liebsten galt. Im Vorfeld hatte ich zwar erwogen, an diesem "Omatag" zu Hause zu bleiben, fand dann aber, ich sei vom Wochenende her ohnehin noch zu erschöpft, um sonderlich produktiv sein zu können, und verbrachte den Tag lieber im Kreise der Familie statt mit meinen Bewerbungsunterlagen. Und dann durfte ich mich noch kuchenbäckerisch für das Dattel-Bananen-Desaster rehabilitieren, da wir auch zum JAM am Mittwoch einen Geburtstagskuchen mitbringen wollten. Zu diesem Anlass wünschte sich der Jüngste einen Apfelkuchen mit Schokoglasur, und ich dachte mir: Warum nicht.
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| Den mache ich mal wieder. |
Auch sonst war es schön beim JAM: Im Garten wurde damit begonnen, aus den Einzelteilen der im Zuge der Kinderbibelwoche im vergangenen Sommer gebauten Telefonzelle (die eigentlich ein Bücherschrank hätte werden sollen, aber "die Gemeinde hat sich anders entschieden") ein Hochbeet zu bauen, und im katechetischen Teil ging es um den Verrat des Petrus und um seine Begegnung mit dem auferstandenen Jesus am See von Tiberias – ein Text, der mich immer wieder bewegt. Ich fand, unter dem Aspekt "Versöhnung zwischen Freunden, die einander enttäuscht und/oder verletzt haben" müssten meine Kinder einiges mit dieser biblischen Geschichte anfangen können – der Jüngste mit Blick auf den Streit am Tag vor seinem Geburtstag, aber auch die Große, unter deren Schulfreundinnen es in jüngster Zeit gleich mehrere Zerwürfnisse gegeben hat...
Von Josef bis Abraham
Am Donnerstag war das Hochfest des Hl. Josef, das erste von zwei Hochfesten, die die diesjährige Fastenzeit sozusagen "unterbrechen". Ich muss jedoch zugeben, dass ich es trotz meiner Verehrung für den Beschützer und Ernährer der Heiligen Familie möglicherweise unterlassen hätte, direkt nach dem Kampfsporttraining meines Jüngsten nach Siemensstadt zu fahren, um in der dortigen Kirche St. Joseph die Abendmesse zum Patronatsfest mitzufeiern, wenn nicht im Anschluss daran ein Vorbereitungstreffen für den Religiösen Kindertag zum Thema Abraham angesetzt worden wäre. Zudem wollte ich die Gelegenheit nutzen, den Gemeindereferenten um ein paar Tipps für meine Bewerbung beim Erzbistum zu bitten, und schließlich stellte ich zu meinem Schrecken fest, dass am morgigen Sonntag auch noch KiWoGo ist, was ich peinlicherweise überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt hatte.
Reden wir aber trotzdem zunächst mal über die Messe! Zelebriert wurde diese vom leitenden Pfarrer der Großpfarrei Heilige Familie in einem schönen Messgewand, auf dem der Tagesheilige abgebildet war; es fanden sich zwar nur rund zwanzig Gläubige ein, aber das tat der geradezu opulenten Feierlichkeit der Liturgie keinen Abbruch: Credo, Sanctus und Agnus Dei wurden auf Latein gesungen, der Pfarrer verwendete das Hochgebet I, vor dem Schlusssegen wurde die St. Josefs-Litanei gebetet. Die Predigt war über eine Viertelstunde lang und enthielt Ausführungen zur Geschichte der St.-Josefs-Verehrung, zu Parallelen zwischen dem Josef des Buches Genesis und dem gleichnamigen Ziehvater Jesu sowie natürlich zu dessen Rolle in den Kindheitserzählungen der Evangelien nach Matthäus und Lukas.
Da ich aber ja wie gesagt im Anschluss an die Messe ein Teamtreffen für die Planung des Abraham-RKT hatte, fand ich es besonders bemerkenswert, dass sich die 2. Lesung – Römer 4,13.16-18.22 – um ebendiesen Abraham drehte, der unser aller Vater im Glauben sei. Auch in der Lesehore des Stundenbuchs für diesen Tag gab es einen Text ähnlichen Inhalts, nämlich Hebräer 11,8-16. Interessante Fügung, nicht? Die auf Abraham bezogenen Verse aus der Lesehore brachte ich direkt ins Teamtreffen ein – bei dem ich mich im Übrigen eher zurückhielt, einerseits, weil ich unglaublich müde war, andererseits aber auch, weil "mehr zuhören als selber reden" mein neuer Vorsatz mit Blick auf meine angestrebte Ausbildung zum Gemeindereferenten ist. Neben dem Gemeindereferenten, seiner Frau und mir nahmen noch zwei der jungen Erwachsenen an dem Teamtreffen teil, die schon am ersten RKT (im November) mitgewirkt hatten, beim zweiten (im Februar) jedoch verhindert waren; die Diskussion drehte sich größtenteils um Fragen des Ablaufs, der Spiel- und Bastelangebote und des Kochens. Für Erwägungen grundsätzlicherer Art blieb da wenig Raum und hatte ich, wie schon angedeutet, auch nicht so recht die Energie; obendrein war die Zeit zwischen dem vorigen und dem nächsten RKT ja auch etwas knapp, jedenfalls wenn man zwischendurch auch noch was anderes zu tun hat. Eine Umsetzung der durch meine Beobachtungen vom letzten Mal angeregten Verbesserungs-Ideen wird also wohl bis zum nächsten Mal warten müssen; da haben wir dann erheblich mehr Vorbereitungszeit, denn der nächste RKT steht erst Ende Mai an – jedenfalls wenn ich es nicht schlichtweg vergessen habe, den April-Termin in meinen Terminkalender einzutragen, was ich guten Gewissens nicht definitiv ausschließen kann, schließlich stand da auch nicht drin, dass morgen in St. Joseph Siemensstadt Kinderwortgottesdienst ist. Das dürfte wohl der erste KiWoGo seit ziemlich langer Zeit werden, zu dem ich konzeptionell nicht viel beigetragen habe, aber der Gemeindereferent hatte einige gute Ideen; das Evangelium, um das es gehen soll, ist die Auferweckung des Lazarus (Johannes 11,1-45), und ich bin mal gespannt, wie's läuft. – Erst als ich schon wieder auf dem Heimweg vom Teamtreffen war, fiel mir übrigens ein bzw. auf, dass ich in diesem Jahr noch gar nichts zum Stichwort "Kinderkreuzweg" gehört habe: Ich sagte mir, wenn es einen geben sollte, dann müsste der ja wohl auch bald mal dran sein. Also sprach ich das heute früh mal an, und siehe da, ich hatte Recht: Der Kinderkreuzweg in St. Joseph Siemensstadt soll am kommenden Dienstag sein, es gibt Flyer dafür, und da steht sogar mein Name drauf:
Wenn ich ehrlich bin, passt mir der Termin gar nicht, zumal dienstags meine Kinder – beide! – Kampfsporttraining haben; andererseits kann man natürlich sagen, wenn ich ernsthaft Gemeindereferent werden will, muss ich mich wohl darauf einstellen, dass dienstliche und familiäre Pflichten mal miteinander kollidieren können. Na, wir werden mal familienintern darüber beraten, wie wir das lösen.
Neues aus Synodalien: Hilfe, neue Mitglieder!
Im vorigen Wochenbriefing habe ich die Anwesenheit von acht Taufbewerbern, darunter sieben junge Erwachsene, in der Sonntagsmesse in St. Joseph Siemensstadt als anekdotische Evidenz für die innere Erneuerung der Kirche angeführt; ein paar Tage später versorgte mich der Presseverteiler des Erzbistums Berlin mit Zahlen, die dieses Thema auf eine über die rein anekdotische Ebene hinausgehende Basis stellen: Die Mitgliederstatistik für das Jahr 2025 ist da, und sie enthält einige bemerkenswerte Daten. Ja, okay, die Gesamtzahl der Katholiken im Erzbistum Berlin ist weiter gesunken, auch wenn die Zahl der Austritte im Vergleich zu den Vorjahren signifikant abgenommen hat. Derweil hat der Gottesdienstbesuch seit 2022 von Jahr zu Jahr zugenommen, sowohl prozentual im Verhältnis zur Gesamtzahl der Mitglieder als auch in absoluten Zahlen; und ebenfalls von Jahr zu Jahr zugenommen hat in diesem Zeitraum die Zahl der Erwachsenentaufen (wozu auch Taufen von Jugendlichen ab 14 Jahren gezählt werden), Konversionen und Wiederaufnahmen. Die Zahl der Erwachsenentaufen hat sich im Vergleich zu 2022 sogar mehr als verdoppelt. – Aus anderen Bistümern werden ähnliche Trends gemeldet, aber die diesbezüglichen Nachrichten habe ich (zumindest bisher) nur eher oberflächlich zur Kenntnis genommen.
Ziemlich offensichtlich ist jedenfalls, dass die synodal-"anderskatholische" Fraktion die positiven Tendenzen in diesen Statistiken nicht als Erfolg für sich verbuchen kann und sich dessen auch sehr bewusst ist – und deshalb freut sie sich auch nicht so richtig darüber. Eher im Gegenteil, könnte man sagen. Wie sehr der aktuell zu beobachtende religiöse Aufbruch in der Generation Z – der sich, wie es der für Siemensstadt und Haselhorst zuständige Pfarrvikar der Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland in seiner Jahresabschlusspredigt beschrieb, darin niederschlägt, dass die Gemeinden es mit Taufbewerbern zu tun bekommen, die "schon die Bibel gelesen haben, sich über YouTube gebildet haben über den katholischen Glauben, den Katechismus kennen" usw. – im kirchlichen Establishment als Problem und potentielle Gefahr wahrgenommen wird, dokumentiert eine Fachtagung in meinem allerzweitliebsten Bistum (Münster), auf die mich die jüngste Folge von Peter Winnemöllers "Montagskick"-Kolumne auf kath.net aufmerksam gemacht hat: eine Fachtagung des "Sachgebiets Jugendpastoral" zum Thema "Christfluencing. Extrem geglaubt". Im auf der Bistumswebsite veröffentlichten Bericht über diese Tagung äußert sich ein Kaplan aus Recklinghausen "alarniert" darüber, was religiös interessierte junge Leute "über Instagram und TikTok" von "sogenannte[n] Christfluencer[n]" aufschnappen. Zwar räumt der Kaplan ein, "80 Prozent von dem, was sie sagen", würde er "genauso sagen"; die übrigen 20 Prozent ordnet er hingegen als "gefährlich – toxisch sogar" ein. Die Gründe für diese Einschätzung bleiben unscharf: Sicherlich kann man bei manchen "Christfluencern" – besonders solchen aus dem evangelikalen oder "non-denominational"-Spektrum – Aussagen finden, die aus katholischer Sicht als Irrlehren zu klassifizieren wären, aber man hat eher nicht den Eindruck, dass das hier gemeint ist; zumindest nicht vorrangig. Das Problem dürfte eher sein, dass die Konfrontation mit Menschen, die sich mit Feuereifer und ohne relativierendes Herumgedruckse zu Jesus Christus bekennen, die Selbstgewissheit des liberalen (Post-)Christentums erschüttert. Folgerichtig scheint die Jugendpastoral-Fachtagung des Bistums Münster hauptsächlich von dem Interesse getragen, das durch "Christfluencer" geweckte oder geförderte Interesse junger Leute am christlichen Glauben in sozialverträgliche, politisch korrekte, kurz: harmlose Bahnen zu lenken. Man fühlt sich an die These von Pastor Kurowski erinnert, es sei ein "entscheidende[s] Argument für Volkskirche", dass sie "eine Art Containement [sic] für das Religiöse bietet"; ähnlich äußerte sich ja vor nicht allzu langer Zeit Pater Max Cappabianca. Um mich in diesem Zusammenhang mal selbst zu zitieren: Gesegnet sind die Lauen im Glauben, denn sie sollen die volkskirchlichen Institutionen beherrschen. Aber natürlich ist das Ganze nicht nur lustig. Zu Recht warnt Peter Winnemöller davor, "[d]en hier wirkenden Geist [...] mit Methoden der Kirchensteuerkirche erschlagen [zu] wollen", und prophezeit: "Schon allein der Versuch, diese jungen Menschen irgendwie in bestehende kirchliche (Reform-)Strukturen, gar in Verbände, zu integrieren, wird sie in die Flucht schlagen." Das mag polemisch überspitzt sein, benennt aber eine reale Gefahr. Das habe ich mir schon früher öfter gedacht, zum Beispiel angesichts der Tatsache, dass der Pfarrer von Herz Jesu Tegel (jetzt St. Klara Reinickendorf-Süd) Glaubenskurse für Erwachsene anbot – für mein Empfinden ein klassischer Fall von "Bock zum Gärtner". Aber hoffen und beten wir mal, dass Gottes Geist sich letztlich als stärker erweist als der Ungeist der post-volkskirchlichen Strukturverwalter...
Übrigens hatte ich mir ja eigentlich vorgenommen, mich nicht vor Fronleichnam dazu zu äußern, wie Bischof Wilmer sich als neuer Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz so schlägt, aber anlässlich der Veröffentlichung der aktuellen Kirchenstatistiken nehme ich mir mal kurz von diesem Vorsatz frei. Auf Facebook hat die DBK nämlich ein Statement von Bischof Wilmer veröffentlicht, das in der Aussage gipfelt, man wolle "nach Wegen suchen, wie Christsein heute in der Gesellschaft zu größerer Akzeptanz führen kann". Vielleicht hat er sich diese Formulierung einfach nicht gut überlegt – was in seiner Position freilich schon schlimm genug wäre –, aber wenn er das tatsächlich so meint, dann muss ich sagen: Sorry, Heiner, aber gerade darum geht es nicht, oder sollte es zumindest nicht gehen.
Geistlicher Impuls der Woche
Psalm 1 bietet das klassische Bild des "Gerechten". Wir dürfen ihn geradezu als ein Porträt der geistlichen Gestalt des heiligen Josef ansehen. Gerecht ist demnach ein Mensch, der in der lebendigen Berührung mit dem Wort Gottes lebt, der "Freude hat an der Weisung des Herrn" (V. 2). Er gleicht einem Baum, gepflanzt an Wasserläufen, der stetig seine Frucht bringt. Mit den Wasserläufen, aus denen er sich nährt, ist natürlich das lebendige Wort Gottes gemeint, in das er die Wurzeln seines Seins hinabsenkt. Gottes Wille ist ihm nicht von außen auferlegtes Gesetz, sondern "Freude". Das Gesetz wird ihm von selbst zum Evangelium, zur frohen Botschaft, weil er es in der persönlichen, liebenden Hinwendung zu Gott liest und es so von innen her zu verstehen und zu leben lernt.
(Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Prolog)
Ohrwurm der Woche
Doobie Brothers: Long Train Running
Nicht der Remix von 1993, den ich persönlich ziemlich schauderhaft finde, sondern das Original von 1973. Da stimmt einfach alles, vom Schlagzeug-Einsatz bis zum Mundharmonikasolo. Und die Refrain-Zeile "Without love, where would you be now?" spricht ja wohl auch und erst recht für sich.
Vorschau/Ausblick
Heute war, wie angekündigt, die dritte Veranstaltung des Formats "Religiöse Kindertage" in Haselhorst, und darüber wird es natürlich wieder allerlei zu berichten geben. Am morgigen 5. Sonntag der Fastenzeit steht, wie ebenfalls bereits erwähnt, der KiWoGo zur Auferweckung des Lazarus an; außerdem ist Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, wo eine krachende Wahlniederlage der bisher regierenden Ampelkoalition erwartet wird. Und dann beginnt schon die letzte Schul- und Arbeitswoche vor den Osterferien. Für den kommenden Montag peile ich an, wirklich mal den "Omatag" zu schwänzen, um mich um die Vervollständigung meiner Bewerbungsunterlagen zu kümmern; ob wir es am Dienstag zum Kinderkreuzweg schaffen, müssen wir mal schauen. Am Mittwoch ist jedenfalls das Hochfest der Verkündigung des Herrn (noch neun Monate bis Weihnachten!) und obendrein das letzte JAM vor Ostern, und am Donnerstag steht eine Gartenaktion in der KiTa des Jüngsten an – da ist noch nicht ganz sicher, ob wir uns daran beteiligen, aber Lust hätte ich eigentlich schon. Und am Wochenende wird dann hoffentlich unser neuer Kühlschrank geliefert. Übrigens möchte ich bereits darauf hinweisen, dass wir erwägen, den Palmsonntag wie im vorigen Jahr wieder auf dem Achorhof zu feiern. Auch wenn diesmal der Generalvikar die Messe zelebriert...














