Schon wieder liegt eine enorm ereignisreiche Woche hinter mir, Freunde; so ereignisreich, dass ich mal wieder gar nicht alles in diesem Wochenbriefing untergekriegt habe und zusehen muss, dass ich ein paar "übriggebliebene" Themen an anderer Stelle anspreche. Damit steht also weiterhin die unlängst schon mal ins Spiel gebrachte Überlegung im Raum, den Zuschnitt des Artikelformats "Wochenbriefing" zukünftig anders zu gestalten; aber dazu zu gegebener Zeit. Nicht auf "ein Andermal" verschieben wollte ich jedenfalls diejenigen Themen, die als verbindenden Roten Faden den Kontrast zwischen post-volkskirchlichem Normalbetrieb und geistlichen Aufbrüchen haben, die sich eher unter dem Radar der Institution oder jedenfalls außerhalb ihrer Strukturen vollziehen. Und damit genug der Vorrede!
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| Horch, was kommt von draußen rein! |
Ein Glücksmoment
Eigentlich hätte dies chronologisch noch ins vorige Wochenbriefing gehört, aber da war ja aus bekannten Gründen "kein Platz", und deshalb kommt es jetzt: Am vorletzten Donnerstag, als meine Liebste bei der Arbeit und die Kinder in der Schule und in der KiTa waren, hatte ich ganz unverhofft einen intensiven Glücksmoment. Ich war im Garten, die Sonne schien, die Katzen spielten um mich herum – eine von ihnen war, wie vorige Woche schon erwähnt, kurz zuvor nach mehr als 24 Stunden Abwesenheit unversehens wieder aufgetaucht –, und plötzlich kam mir der Gedanke: Dass ich jetzt hier bin und diesen Moment erlebe, das ist die Summe meiner Lebensentscheidungen. Alles, was ich in meinem Leben getan und nicht getan habe, hat mich im Endergebnis hierher geführt. Einfachstes, greifbarstes Beispiel: Wir würden jetzt nicht in diesem Häuschen mit Garten wohnen, wenn unsere Tochter sich nicht mit der gleichaltrigen Tochter unserer jetzigen Hausgenossin angefreundet hätte; das wiederum war aber nur möglich, weil wir unsere Tochter an genau dieser Schule eingeschult haben, von deren Existenz wir gar nichts gewusst hätten, wenn sie uns nicht ein Nachbar empfohlen hätte; und immer so weiter. – Ich kann es nur empfehlen, wenn man mal einen besonders glücklichen Moment erlebt, ein wenig über die Kette der Ereignisse zu sinnieren, die einen dort hingeführt hat. Das hilft dabei, den eigenen Lebensweg – mit all seinen Irrungen und Wirrungen – wertzuschätzen.
Erstkommunionkatechese und ich: Es bleibt kompliziert
Als wir am vorletzten Sonntag in Herz Jesu Tegel in der Abendmesse waren, war dort unter anderem auch die Rede davon, dass in der dortigen Gemeinde gerade "der erste Elternabend für den neuen Sakramentenkurs" stattgefunden habe – womit dasselbe gemeint ist, was anderswo Erstkommunionvorbereitung heißt, aber der dortige Pfarrer nennt es gern "Sakramentenkurs", denn: "Wir bereiten die Kinder ja auch noch auf ein zweites Sakrament vor, nicht nur auf die Erstkommunion, sondern auch auf die Erstbeichte." Dürfte man unter diesem Aspekt in der Benennung des Kurses als "Sakramentenkurs" ein Signal dafür sehen, dass der Fokus tatsächlich auf Sakramentenkatechese gelegt wird statt auf irgendwelchen Ringelpiez, dann wäre das sicherlich zu begrüßen, aber wenn man den Pfarrer von St. Klara Reinickendorf-Süd kennt, drängt sich doch der Verdacht auf, dass er hier lediglich eine Gelegenheit gesehen hat, seiner Profilneurose und seinem Hang zur Besserwisserei zur Abwechslung mal ein fromm wirkendes Mäntelchen umzuhängen. – Noch mehr als darüber ärgerte ich mich jedoch, als die Caritas-Direktorin Ulrike Kostka, die in dieser Messe "predigte", einleitend auf die Erwähnung des "Sakramentenkurses" zurückgriff und dabei auf die Erinnerung an ihre eigene Erstbeichte einging: Sie habe damals nicht so recht gewusst, was das Ganze eigentlich soll, habe sich daher "ziemlich krampfhaft überlegt hab, was ich da vielleicht sagen könnte", und habe auf ihrem "kleinen Zettel" schließlich "irgendwas aufgeschrieben, wo ich meiner Mutter nicht geholfen habe oder irgend sowas". Meiner Tochter, die neben mir saß, hätte ich an dieser Stelle am liebsten die Ohren zugehalten. Man sieht hier, die Vertreter des post-volkskirchlichen Establishments sind so sehr daran gewöhnt bzw. setzen voraus, es mit einer desinteressierten und unmotivierten Zielgruppe zu tun zu haben, dass sie gar nicht merken, was für einen Schaden sie mit dieser Haltung bei jungen Menschen anrichten, die möglicherweise doch Interesse und Motivation mitbringen.
Dass Frau Kostka als Kind mit dem Sakrament der Versöhnung so wenig anfangen konnte, führte sie darauf zurück, dass "damals [...] die Vorbereitung nicht allzu sehr intensiv oder [...] an Äußerlichkeiten geknüpft" war; das schien mir nun auch wieder so ein typisch liberalkatholisches Narrativ zu sein: Früher™️ war in der Kirche alles ganz furchtbar, heute machen wir alles besser. Andererseits muss man bedenken, dass Frau Kostka, ihrem Geburtsjahrgang nach zu schließen, vermutlich um 1980 herum zur Erstkommunion gegangen ist, und es kann durchaus sein, dass die Krise der Katechese da gerade auf einem Höhepunkt war. – Wie dem auch sei: Ich muss gestehen, dass mir gerade der Punkt mit der Konzentration auf Äußerlichkeiten erneut in den Sinn kam, als ich am vergangenen Samstag mit meinem Tochterkind erstmals zum Erstkommunionkurs für die Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst ging.
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| Which Way, Western Girl? |
Eigentlich war es bereits das zweite Kurstreffen; das erste hatten wir ja verpasst, weil wir da auf Gemeindefreizeit waren. Jedenfalls hatte sich die Teilnehmerzahl seit dem Elternabend noch einmal signifikant erhöht, 21 Kinder erschienen zum Treffen, ungefähr vier weitere waren entschuldigt. Die inhaltliche Planung für Gesamtablauf des Kurses sah für dieses Treffen zwei thematische Einheiten vor, zu den Themen "Bibel" und "Gebet", und diese beiden Themenblöcke fand ich durchaus nicht schlecht, wenn auch ausbaufähig; aber ehe ich darauf näher eingehe, möchte ich mich zunächst einmal darauf konzentrieren, was ich am Konzept dieses Erstkommunionkurses als problematisch und ärgerlich empfunden habe. Und das hat sehr viel mit dem bereits genannten Stichwort "Konzentration auf Äußerlichkeiten" zu tun. Oder zumindest würde ich sagen, das Verhältnis zwischen dem, was den Kindern beigebracht werden soll, und dem, was als bekannt oder selbsterklärend vorausgesetzt wird, stimmt nicht.
Vorausgesetzt wird ein gewisser "kulturkatholischer" Hintergrund – was insofern vermutlich realistisch ist, als die Kinder immerhin aus Elternhäusern kommen, die Wert darauf legen, dass sie zur Erstkommunion gehen, auch wenn die meisten von ihnen ansonsten eher wenig Kontakt zur Kirche haben. Das Problem ist, dass – jedenfalls meiner Wahrnehmung zufolge – ein allzu großer Anteil des Kurses darauf ausgerichtet ist, die Kinder in diesem Kulturkatholizismus zu bestärken: Sie werden darauf trainiert, die äußeren Abläufe zu beherrschen – böse könnte man sagen: so weit zu beherrschen, dass sie in der Kirche nicht negativ auffallen –, aber inwieweit sie Grundlagen des christlichen Glaubens kennen und verstanden haben, wird dabei kaum hinterfragt.
Wohlgemerkt, ich bin durchaus der Meinung, dass die Kinder im Laufe des Erstkommunionkurses die äußeren Abläufe der Messe erlernen sollten – aber das sollte für mein Empfinden nicht gleich am Anfang des Kurses stehen. Wenn man den Kindern nicht zuerst einen Kontext vermittelt, der ihnen begreiflich macht, warum sie sich für die Abläufe der Messe interessieren sollten, kommt bei ihnen nur an "Wir müssen das lernen, damit wir zur Erstkommunion gehen können", und dann ist es kein Wunder, wenn sie, sobald die Erstkommunion vorbei ist, jedes Interesse daran verlieren.
Kommen wir aber lieber mal zu den wie gesagt doch relativ gut gelungenen thematischen Einheiten "Bibel" und "Gebet". Zum Thema "Bibel" stellten die Katecheten der Gruppe verschiedene Bibelausgaben vor, von Bibel-Bilderbüchern für kleine Kinder über eine Comic-Bibel und die YouCat-Jugendbibel (die hatte ich mitgebracht) bis hin zu "erwachsenen" Bibelausgaben mit exegetischen Fußnoten; diese wurden zu einer "gestalteten Mitte" des Stuhlkreises arrangiert (ein Stilmittel, über das ich mich ja normalerweise gern lustig mache, aber was will man machen), und dann wurden die Verse Apostelgeschichte 2,1-6 – über das Pfingstwunder – in verschiedenen Sprachen vorgetragen.
Nun bin ich zwar der Meinung, man hätte da durchaus noch mehr draus machen können – wenn ich etwa daran denke, wie unlängst beim JAM "Fakten zur Bibel" in interaktiver und spielerischer Form präsentiert wurden –, und vor allem scheint mir im Rückblick, dass die Frage, warum wir uns eigentlich dafür interessieren sollten, was in der Bibel steht, etwas kurz kam; aber direkt schlecht fand ich diese thematische Einheit wie gesagt nicht, und das ist ja schon mal was. Beim Thema "Gebet" ging es zunächst um verschiedene Formen bzw. Intentionen des Gebets, und dafür wurde die "Gestaltete Mitte" noch einmal umgestaltet:
"In den Sommerferien war ich mit meiner Familie in einer Ferienwohnung, die gehörte einer ganz alten Frau, und da gab es kein Internet – also kein WLAN –, aber was es gab, war ein altes Radio. Das Gerät war bestimmt so 40, 50 Jahre alt. Und so ein Radio kann natürlich alle möglichen Sender empfangen, auf manchen kommen ganz viele Nachrichten, auf anderen hauptsächlich Musik, aber vielleicht nicht unbedingt die Musik, die man hören möchte. Und bei so einem alten Gerät, da kann man nicht einfach einen Knopf drücken oder irgendwas eingeben und dann kommt der Sender, den man hören möchte, sondern da gibt es so einen Drehknopf, und da muss man den Sender einstellen. Und wenn man ein bisschen zu weit dreht, dann kommen Störgeräusche, oder man hört plötzlich zwei Sender gleichzeitig, also durcheinander. – Warum erzähle ich euch das? Weil ich finde, dass das auch etwas mit dem Beten zu tun hat. Das Wichtigste am Beten ist gar nicht unbedingt, was man Gott sagen möchte: Es stimmt zwar, dass man Gott im Gebet alles sagen kann, was einen gerade beschäftigt und was einem wichtig ist, und es ist auch gut, das zu tun – aber es ist ja nicht so, dass man Gott damit etwas erzählen würde, was Er nicht schon wüsste. Ich jedenfalls stelle immer wieder fest, das eigentlich Wichtige am Beten ist, dass ich dabei mein inneres Radio auf Gottes Sender einstelle – und dabei die ganzen Störgeräusche und die ganzen anderen Stimmen, die mir alles Mögliche erzählen wollen, abstelle."
Man sieht, Akzente zu setzen ist im Rahmen des Kursprogramms durchaus möglich, aber ich bin durchaus noch nicht überzeugt, ob das reicht – ob man das Konzept des Kurses nicht lieber komplett über den Haufen werfen sollte. Für ein eindeutiges Urteil in dieser Frage ist es aber auch sicherlich noch zu früh. Ich hatte ja schon erwähnt, dass beim ersten Katechetentreffen der Ablaufplan für die beiden ersten Kurstreffen aus pragmatischen Gründen praktisch unverändert aus dem Vorjahr übernommen wurden, während für das dritte Kurstreffen bereits allerlei Änderungsvorschläge und –wünsche seitens der Neulinge im Katechetenteam geäußert wurden. So gesehen ist es vielleicht von Vorteil, dass bis zum dritten Kurstreffen noch Zeit ist, diese Änderungen gründlich auszuarbeiten; aber dass es ganze acht Wochen sind, bis der Erstkommunionskurs sich das nächste Mal trifft, ist so vorteilhaft dann wohl doch nicht: Wenn man nach zwei Kurstreffen, von denen das erste größtenteils aus Kennenlernspielen bestand, erst mal acht Wochen Pause macht, kann man danach im Grunde wieder bei Null anfangen. Mit einer gewissen Portion Zynismus könnte man sagen, das sei vielleicht ganz gut so; aber für eine solche Einstellung sind es insgesamt zu wenige Kurstreffen, und der Terminplan hält noch weitere Katastrophen bereit: Mal folgen zwei oder sogar drei Kurstreffen rasch aufeinander, dann ist wieder wochenlang Pause. Von der Papierform her soll wohl dadurch eine gewisse Kontinuität hergestellt werden, dass die Kinder auch in den Wochen, in denen samstags kein Kurstreffen ist, sonntags in die Messe gehen sollen, aber da sag ich mal: Viel Glück. – Im Grunde bräuchte man für diejenigen Kinder, die wirklich motiviert sind und die Erstkommunionvorbereitung nicht nur als Pflichtprogramm absitzen wollen, mehr freiwillige Zusatzangebote. Was unser Tochterkind betrifft, stehen meiner Liebsten und mir natürlich alle Möglichkeiten offen, in den Wochen zwischen den Kurstreffen eigene Angebote zur Erstkommunionvorbereitung zu machen, zumal wir allerlei Material dafür zu Hause haben; aber es wäre schon schade, dabei nicht auch andere Kinder "mitzunehmen". Die Frage ist, wo die Motivation herkommen soll, denn von dem Kurstreffen am vergangenen Samstag kann ich mir ehrlich gesagt eher nicht vorstellen, dass es den Kindern Lust auf mehr gemacht hat. Nun gut, seit ein paar Tagen gibt es eine Eltern-WhatsApp-Gruppe, vielleicht kann man die nutzen, um mal ein Treffen "außer der Reihe" anzuregen.
Zu erwähnen wäre noch der Vorstellungsgottesdienst der Erstkommunionkinder, der am Sonntag in St. Joseph Siemensstadt gefeiert wurde; die Vorstellung der Kinder war tags zuvor am Ende des Kurstreffens unter Leitung des Gemeindereferenten geprobt worden, der Zelebrant – Padre Ricardo – gestaltete sie dann aber doch ganz anders. Gut fand ich immerhin, dass, wie schon im Vorjahr, Gemeindemitglieder Gebetspatenschaften für die einzelnen Erstkommunionkinder übernahmen; drei Kinder trugen Kyrie-Rufe vor, eins die 1. Lesung, drei weitere je eine Fürbitte – da war auch mein Tochterkind dabei. Schon ein stolzer Moment für einen Vater.
Theorie und Praxis: Vom Erstkommunionkurs zum Marsch für das Leben
Aber noch einmal zurück zum Samstag: Das Erstkommunion-Kurstreffen hätte bis 13 Uhr gehen sollen, dauerte tatsächlich aber etwas länger; direkt im Anschluss brach ich jedenfalls mit dem Tochterkind zum Marsch für das Leben auf, der mit einer Kundgebung auf dem Washingtonplatz am Hauptbahnhof begann. Letztes Jahr war der Marsch ja auf das Wochenende gefallen, an dem wir bei der Gemeindefreizeit der EFG The Rock Christuskirche waren, und in den beiden Jahren zuvor war ich allein hingegangen, nicht zuletzt aufgrund der Überlegung, möglicherweise sei es nicht ratsam, Kinder dorthin mitzunehmen. Diesmal jedoch hatte ich – wie letzte Woche schon erwähnt – im Vorfeld erfahren, dass die Schöneberger KPE-Pfadfinder ihre Zeremonie zum Übertritt von vier Mädchen aus der Wölflingsmeute in die Pfadfinderinnengilde eigens dazu an diesem Samstag und auf dem Gelände des ehemaligen Zellengefängnisses Moabit abhielten, um anschließend am Marsch für das Leben teilnehmen zu können, und daher dachte ich, da könnte man ja nach dem Erstkommunionkurs noch dazustoßen. Ich hatte mit meiner Großen darüber gesprochen, und sie wollte, also machten wir es so.
Wie dem auch sei: Das Tochterkind war mit Begeisterung bei der Sache, sprach von sich aus davon, beim nächsten Mal auch wieder mit dabei sein zu wollen, und deckte sich an den Infoständen auf dem Washingtonplatz ausgiebig mit Giveaways ein, zum Beispiel mit Stickern, mit denen sie ihre Meerjungfrau-Umhängetasche dekorierte.
Konspirativer Kellerabend
Nach einer kurzen Verschnaufpause am Hauptbahnhof brachen das Tochterkind und ich direkt zur nächsten Veranstaltung auf, bei der dann auch die "andere Hälfte der Familie", also meine Liebste und unser Jüngster, zu uns stieß: Im Kardinal-Bengsch-Saal im Keller der St.-Elisabeth-Kirche in Tempelhof fand eine Diskussionsveranstaltung unter dem Motto "Quiet Revival – Gibt es eine Rückkehr des Christentums?" statt, mit Pater Paulus von den Franziskanern der Erneuerung und zwei prominenten katholischen YouTubern, Margarete Strauss ("MagStrauss") und Pastor Oliver Dembski ("Konsequent katholisch"). Margarete Strauss, mit der ich früher schon mal auf elektronischem Wege Kontakt gehabt hatte, hatte ich auf dem Marsch gesehen und ein paar Worte mit ihr gewechselt; Pastor Dembski hingegen, der zwar Diözesanpriester im Erzbistum Hamburg ist, dessen Herz aber, wie er selbst sagt, "für die Tradition" schlägt ("die alte lateinische Messe in Verbundenheit mit der alten Theologie und vor allem auch der alten Morallehre"), war mir bislang kein Begriff – was wohl nicht zuletzt daran liegt, dass das Tradiversum, wie ich es mal nennen will, nicht so ganz meine Welt ist. Ich fand es – auch wenn ich mir damit jetzt vergreife – auch irgendwie folgerichtig, dass der Tradi-Pastor die Ausgangsfrage der Diskussion, nämlich ob wir derzeit die Anfänge einer "Rückkehr des Christentums" erleben, deutlich zurückhaltender bis skeptischer beurteilte als die anderen Teilnehmer: Mit Optimismus in die Zukunft zu schauen, passt halt nicht so recht zum Tradi-Naturell.
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| Ein Blick aufs Podium: Margarete Strauss, Pastor Dembski, Pater Paulus, Jan-Philipp Görtz (v.l.n.r.) |
Bevor ich aber näher auf den Inhalt der Podiumsdiskussion eingehe, die auch auf YouTube übertragen wurde, möchte ich noch anmerken, dass die Veranstaltung ausgezeichnete Networking-Gelegenheiten bot. Dazu gehörte, dass ich mich schon vor Beginn der Gesprächsrunde mit Pater Paulus unterhielt, der andeutete, er habe ein Projekt in petto, bei dem ich ihm eventuell helfen könne; aber auch, dass der Moderator der Veranstaltung, Jan-Philipp Görtz – Mitinitiator des Exerzitienzentrums der Göttlichen Barmherzigkeit in der Kreuzberger Kirche St. Clemens – mit den Worten "Pfarrer W. hat gesagt, Sie sind wichtig" auf mich zukam. Ich erwiderte, wir seien uns doch schon mehrfach in St. Clemens und mindestens einmal auch in Neuzelle begegnet, woraufhin er erklärte, das könne wohl sein, aber er habe meinem Gesicht bisher keinen Namen zuordnen können.
In seiner Anmoderation der Gesprächsrunde bezeichnete Görtz Deutschland etwas augenzwinkernd als das "härteste Missionsgebiet der Welt – aber mit enormem Potential" und würdigte die Pfarrei St. Matthias, zu der der Veranstaltungsort gehörte, als eine der rechtgläubig katholischen Pfarrgemeinden Berlins; speziell in diesem Kellerraum fänden, oft in Kooperation zwischen der Pfarrei St. Matthias und dem Exerzitienzentrum in St. Clemens, "sehr viele katholische Veranstaltungen statt; wir nennen das auch die Freie Katholische Akademie, im Gegensatz zu anderen Katholischen Akademien. – Die Untergrundkirche, die ist lebendig, die wächst", fügte er hinzu. – Zum Stichwort "Untergrundkirche" passte es auch, dass Pater Paulus, der ja aus Sachsen stammt, die institutionellen Strukturen der Kirche mit denen der DDR verglich und in diesem Zusammenhang einen Witz aus DDR-Zeiten zitierte, in dem es hieß, im Staate gehe es zu wie in einer Champignonzucht: "Alles geschieht im Dunkeln, und sobald sich helle Köpfe zeigen, werden diese abgeschnitten." Gerade im Vergleich mit seinen Erfahrungen aus anderen Ländern beschrieb Pater Paulus seine Erlebnisse mit der institutionellen Kirche in Deutschland mit den Worten: "Man wird gebremst, man wird gestoppt, es gibt auch richtige Hetzkampagnen von oben. [...] In den USA, in England gibt's das praktisch überhaupt nicht, dass die Bischöfe eigentlich gegen die Kirche arbeiten."
Trotz dieses harten Urteils war von Resignation bei ihm nichts zu spüren – im Gegenteil: Es gelte, das alles "jetzt durchzuhalten, diesen ganzen Quatsch und diese Entmutigung" – und dann zu sehen:
"Die jungen Leute kommen in die Kirche, irgendwie völlig ungeplant. Wir haben gedacht, wir haben alles unter Kontrolle. Jetzt auf einmal kommt die neue Erweckung, irgendwoher, aus dem Nichts."
Jan-Philipp Görtz merkte an, es habe in diesem Jahr "dreihundert Taufen in Berlin zu Ostern" gegeben, "und ich hab meinen Freunden damals schon gesagt, wir werden in fünf Jahren dreitausend haben und in zehn Jahren dreißigtausend. Und das ist, glaube ich, noch eine konservative Schätzung." Aus dieser Erwartung heraus prognostiziert er, "wir werden ganz andere Themen bekommen in den Gemeinden in den nächsten zehn Jahren in unseren Gemeinden":
"Wenn ich mir vorstelle, was das bedeutet, wenn 30.000 Neukatholiken in zehn gute Gemeinden geraten, das wird uns tendenziell überfordern."
Dafür Sorge zu tragen, dass "der junge Wein in den alten Schläuchen" sich nicht "zerstörerisch" auswirke, werde "für die normalen Kirchen, auch für so eine Gemeinde wie St. Matthias hier, echt die Herausforderung" der kommenden Jahre werden: "Vielleicht denkt man schon mal ein bisschen darüber nach, wie wir damit umgehen werden." Da kann ich nur sagen, ich bin dabei – und ich freue mich auf diese Herausforderung.
Neues vom Bewerbendenkreis
Allüberall geht die Sommerpause zu Ende, so auch im institutionellen Apparat des Erzbistums Berlin; und für mich schlägt sich das darin nieder, dass allerlei Termine im Zusammenhang mit meiner angestrebten Ausbildung zum Gemeindereferenten in meinem Kalender aufpoppen. Als erstes musste ich am Dienstag und Mittwoch zu einem Intensivkurs "Prävention gegen sexualisierte Gewalt", der in einem Bildungszentrum des Erzbistums in einem Nebengebäude der Liebfrauenschule im Westend stattfand. Nun kann man wohl sagen, dass eine Präventionsschulung nicht unbedingt die Art von Veranstaltung ist, auf die man Lust hat; aber ich fand sie dann doch überraschend gut. Inhaltlich und auch methodisch wiederholte sich Manches, was ich schon von meiner Basisschulung für Ehrenamtliche vor drei Jahren kannte, aber die Inhalte wurden gründlicher, ausführlicher und intensiver behandelt, ich fand die Referentin sehr gut, die Vermittlung von Präventions- und Interventionsrichtlinien sehr praxisnah und nachvollziehbar, und auch das Klima in der Gruppe war angenehm: Wir waren 15 Teilnehmer, eine bunte Mischung von Leuten, die in ganz unterschiedlichen Positionen oder Berufen in verschiedenen Einrichtungen des Erzbistums tätig sind; zwei der Teilnehmer waren Anfang des Jahres beim selben "Bewerbendentag" gewesen wie ich, eine dritte kannte ich vom Sehen aus der Gemeinde in Siemensstadt, eine ihrer Töchter ist in "meinem" Erstkommunionkurs. Damit nicht genug, kam während des Mittagessens jemand in den Speisesaal, der der Bildungseinrichtung Getränke liefern wollte und nun im Haus jemanden suchte, der dafür zuständig war; und dieser Getränkelieferant war der junge Mann mit dem Hipsterbart und den Tunnel-Ohrringen, der den Alpha-Kurs der EFG The Rock Christuskirche mitgemacht hatte und vor den Sommerferien getauft worden war. Ich empfand das als einen feinen Fingerzeig des Himmels in Sachen "Überall hat Gott seine Leute"...
Am Freitagnachmittag ging es dann weiter mit einer Semesterauftakt-Veranstaltung für den Bewerbendenkreis des Erzbistums Berlin; daran nahmen – abgesehen vom Regens, einem geistlichen Begleiter, einigen Mitarbeiterinnen der Ausbildungsabteilung des Erzbischöflichen Ordinarists sowie dem Geschäftsführer des Diözesanrats, der einen Workshop zum Thema "Kirche und Politik" leitete – wiederum ungefähr 15 Personen teil, darunter zwei, die ich in dieser Woche schon bei der Präventionsschulung getroffen hatte, ein weiterer, der mit mir zusammen im Februar beim Bewerbendentag gewesen war, und vier oder fünf, die ich Ende Juni beim Wandern im Grunewald kennengelernt hatte. Auch mit einigen Teilnehmen, die ich bisher noch nicht gekannt hatte, hatte ich gute Gespräche; unter dem Aspekt der sozialen Vernetzung innerhalb des Bewerbendenkreises darf man die Veranstaltung demnach als vollen Erfolg betrachten, und leckeres Essen auf Kosten des Kirchensteuerzahlers gab es auch.
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| Als ich das letzte Mal hier war, war der Innenhof noch nicht gepflastert. |
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| Schöne Sofakissen übrigens! |
Geistlicher Impuls der Woche
Mein Apostel, wieviel forderst du von uns, um den Namen eines Christen mit Recht zu tragen! Es soll aus unserem Leben das Leben Christi hervorleuchten; es sollen alle unsere Gedanken, Gebärden und Handlungen Jesu Christi Gedanken, Reden und Handlungen sein! Das ist freilich viel. Aber nachdem der heilige Paulus aus dem Geiste Gottes geredet hat, lässt sich dagegen nichts einwenden. Und lernen wir’s vielleicht nicht vom göttlichen Heiland selbst? Dass er eine so geraume Zeit unter den Menschen wandelte, wo doch wenige Augenblicke genügt hätten zur Erlösung der Welt; dass er nicht mit Worten lehrte, was er nicht selbst vorher in der Tat ausgeübt hatte; wie es Johannes bezeugt, dass er nicht nur unser Wegweiser sein, sondern der Weg selbst werden wollte: "Ich bin der Weg" (Joh 14,6); dass er so manche ausdrücklich zur Nachfolge einlud: "Folge mir nach!" (Mk 2,14); und dass er endlich den allgemeinen Ausspruch tat: "Wer nicht sein Kreuz auf sich nimmt und mir nachfolgt, ist meiner nicht würdig" (Mt 10,38). Was bedeutet das anders, als dass er Schüler verlangt, die in seine Fußstapfen genau eintreten und seinen Beispielen genau folgen. Nun aber sind wir Christen diese Schüler; denn es ist ein und dasselbe Ding, ein Christ und ein Schüler Christi zu sein. Man verdient den Namen Christ nicht, wenn man ihm nicht nachfolgt.
(Sigismund von Storchenau, Geistliche Reden auf alle Sonntage des Jahres)
Ohrwurm der Woche
Abstürzende Brieftauben: Paderborn
Vorschau/Ausblick
Heute Vormittag habe ich mein Tochterkind wieder zum Meutentreffen der KPE-Wölflingsmädchen in Schöneberg begleitet, nachdem wir da in den letzten drei Wochen nicht hatten teilnehmen können und somit seit den Sommerferien überhaupt erst einmal dort gewesen waren. Auf dieses Meutentreffen wird also nächste Woche zurückzukommen sein. Am morgigen 26. Sonntag im Jahreskreis ist in St. Joseph Siemensstadt Kinderwortgottesdienst, der erste der Saison; bin mal gespannt, wie viele der neuen Erstkommunionkinder daran teilnehmen. Und dann bin ich so ziemlich für den Rest der Woche in der Metropole des ostwestfälischen Katholizismus, d.h. in Paderborn – um an der Einführungswoche der dortigen Katholischen Hochschule teilzunehmen. Es ist wohl anzunehmen, dass dies ein dominierendes Thema des nächsten Wochenbriefings werden wird. Jedenfalls bin ich ausgesprochen gespannt!















