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Samstag, 4. April 2026

Utopie und Alltag 19: Im Epizentrum der Passion

Gesegneten Karsamstag, Freunde! Wie schon im den vergangenen Jahren ist das Wochenbriefing aus der Karwoche wieder recht umfangreich und, wie ich hoffe, gehaltvoll geworden; daher spare ich mir eine längere Vorrede und beginne lieber mit einem schönen Bild: 

Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß Seiner Mutter gelegt – Kreuzwegstation aus St. Matthias am Winterfeldtplatz.

Wieder Palmsonntag auf dem Achorhof 

Eins vorweg: Wer vielleicht darauf gehofft hat, der erste thematische Abschnitt dieses Wochenbriefings würde einem Besuch der Community Networking Night im Baumhaus gewidmet sein, den muss ich leider enttäuschen, denn ich war nicht da. Der Samstag vor Palmsonntag war in der Hauptsache davon geprägt, dass eine alte Freundin meiner Liebsten vorbeikam, um dabei zu helfen, in der Abstellkammer unter der Treppe (dem "Harry-Potter-Zimmer", wie wir es gern nennen) eine Kindergarderobe einzurichten, um im eigentlichen Kinderzimmer Platz für die angestrebte Umgestaltung zu schaffen. 

Hier ein partieller Eindruck vom Ergebnis.

Mein eigener Anteil an dieser Arbeit beschränkte sich zwar weitgehend darauf, Müll rauszutragen und aussortierte Kinderkleidung zum Altkleidercontainer des Kolpingwerks zu bringen, aber trotzdem war ich am Ende des Tages ziemlich geschafft – wozu es sicherlich auch beitrug, dass ich einen ziemlichen Schnupfen hatte. Das Wetter am Abend lud auch nicht gerade dazu ein, noch einmal rauszugehen, also blieben wir lieber alle zu Hause – zumal wir ja für den nächsten Tag einen größeren Ausflug geplant hatten, nämlich zum Achorhof, wo wir wie schon im Vorjahr den Palmsonntag feiern wollten. 

Erst einmal schliefen wir am Sonntag aber aus und frühstückten ausgiebig, ehe wir uns gegen Mittag mit S-Bahn und Regionalbahn auf den Weg nach Thyrow machten – von wo aus wir noch eine knapp drei Kilometer lange Fußwanderung zum Achorhof zurückzulegen hatten, größtenteils über Feldwege. Laut Google Maps gäbe es auch eine Busverbindung, aber ich finde, die Fußwanderung ist an sich schon ein unverzichtbarer Bestandteil des Erlebnisses. Übrigens kamen wir auf dem Weg, zum Entzücken der Kinder, an einer Weide mit Schottischen Hochlandrindern vorbei. 


Als wir auf dem Hof ankamen, saßen die bereits vor uns angekommenen Gäste gerade beim Mittagessen (Suppe und Brot), und für uns war auch noch etwas übrig. Der Generalvikar des Erzbistums Berlin, Pater Manfred Kollig SSCC, war auch bereits zugegen. Ich hatte ja bereits angedeutet, dass ich die Tatsache, dass er die Palmsonntags-Messe auf dem Achorhof zelebrierte, mit eher gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen hatte; und das hatte wesentlich mit seiner Haltung zum Synodalen Weg zu tun. Ich erinnere mich noch gut an einen Pressetermin anlässlich der Vorstellung der Ergebnisse der berüchtigten MHG-Studie, bei dem der Generalvikar mahnte, man dürfe das Thema Missbrauch nicht zum Vorwand nehmen, die Lehre der Kirche verändern zu wollen. Gar nicht mal so viel später stand sein Name dann zusammen mit denen von neun weiteren Generalvikaren unter einem Positionspapier, in dem gefordert wurde, der Synodale Weg solle eine "grundlegende Reform der Kirche" auf den Weg bringen. Diese Kehrtwende hat seinem Ansehen bei mir nachhaltig geschadet, so sehr er sich bei einer Diskussionsveranstaltung in Falkensee auch bemühen mochte, die Beschlüsse des Synodalen Weges als in Einklang mit der kirchlichen Lehre stehend zu interpretieren. Und dann war da noch ein Leitartikel in der vom Erzbistum Berlin herausgegebenen Broschüre "Auf dem Weg – Über den Kirchturm hinaus" , den ich auch eher ärgerlich fand – und dazu anmerkte: "Ich bin bereit zu glauben, dass Generalvikar Kollig selbst seine Absichten für gut hält, aber ich halte das für einen Irrtum." Das alles widerspricht übrigens durchaus nicht der Tatsache, dass Pater Kollig – der übrigens, wie ich der chronologischen Erzählreihenfolge vorgreifend erwähnen möchte, mit demselben Zug nach Berlin zurückfuhr wie wir, was uns Gelegenheit zu ein bisschen freundlichem Smalltalk bot – persönlich einen durchaus sympathischen Eindruck macht. (Mal nebenbei bemerkt scheint mir der Umstand, dass im vorigen Jahr Ordinariatsrat und Domkapitular Stefan Dybowski auf dem Achorhof die Messe zum Palmsonntag gehalten hat und dieses Jahr der Generalvikar, doch recht deutlich zu zeigen, wie gut dieses Hofprojekt beim Erzbischöflichen Ordinariat angesehen ist, und das finde ich natürlich erfreulich.) 

Aber kommen wir mal zur Messe, die wie im vorigen Jahr musikalisch von der St.-Annen-Schola aus Berlin-Lichterfelde gestaltet wurde und, ebenfalls wie im vorigen Jahr, im Garten mit Palmzweigsegnung und dem Evangelium vom Einzug in Jerusalem begann, woran sich eine kurze und eher symbolische Prozession vom Garten in die kleine Kapelle anschloss. 

Dass Pater Kollig es offenkundig nicht für nötig hielt, zur Zelebration einer Messe an diesem Ort eine Kasel anzulegen, erinnerte mich stark an eine meiner Lieblingsanekdoten über Dorothy Day: Irgendwann um 1970 herum zelebrierte der als Aktivist gegen den Vietnamkrieg und gegen Atomwaffen bekannte Jesuitenpater Daniel Berrigan eine Messe auf der Catholic Worker Farm und wollte dazu lediglich eine Stola anlegen, aber Dorothy bestand darauf, dass er vollständige Messgewänder trug. Auf seinen Einwand, die liturgischen Kleidungsvorschriften seien doch nur eine überholte Konvention, erwiderte Dorothy schlicht: "Auf dieser Farm gehorchen wir den Regeln der Kirche." 

Ich hätte mir gewünscht, auf dem Achorhof hätte das dem Generalvikar auch jemand gesagt, denn es gab durchaus noch ein paar weitere Indizien dafür, dass er zu glauben schien, an diesem Ort müsse er es mit der Liturgie nicht so genau nehmen. Der knapp acht Minuten langen Predigt würde ich eine relativ mittige Wertung auf der "Rasierpinsel-ins-Klo-gefallen"-Skala geben, sie war insgesamt nicht untypisch für einen Priester seiner Altersgruppe (Kollig ist Geburtsjahrgang 1956); aber ich frage mich wirklich, wie viele Palmsonntagspredigten ich in meinem Leben noch werde hören müssen, in denen jemand, der es eigentlich besser wissen müsste, behauptet, der Umstand, dass Jesus auf einem Esel nach Jerusalem einzieht, sei ein Zeichen von Bescheidenheit, ja geradezu von Understatement. Halten wir bitte mal ein für allemal fest: Schon in der Erzählung von Sauls Salbung zum König in 1. Samuel 9-10 erscheinen Esel als mit der Königswürde assoziierte Tiere, und selbst wenn man das außer Acht lassen möchte, geht aus dem Evangelium vom Palmsonntag explizit hervor, dass der Einzug Jesu nach Jerusalem gezielt als Erfüllung einer Prophezeiung aus Sacharja 9,9 in Szene gesetzt wird – das heißt: Indem Jesus auf einem Esel nach Jerusalem einzieht, erhebt Er demonstrativ den Anspruch, der verheißene Messias zu sein. Es ist mir wirklich ein Rätsel, wie man das so sehr verkennen kann. 

Ebenso wie wir es schon im vorigen Jahr am Palmsonntag erlebt hatten, gab es auch in dieser Messe wieder freie Fürbitten – zum Teil für allgemeine Anliegen, wie man sie regelmäßig in Fürbitten hört, besonders für den Frieden in der Welt, zum Teil aber auch für spezielle Anliegen namentlich genannter Personen aus dem Umfeld der Achor-Community. Und dann ergriff die verbittert wirkende Frau aus der Choralschola, die im vorigen Jahr "für eine menschliche Kirche" gebetet hatte, wieder das Wort und betete dafür, "dass alle Menschen, vor allem queere Menschen, die Anerkennung erhalten, die sie zu erwarten haben". Es war deutlich zu bemerken, dass zumindest ein Teil der Gemeinde sehr zögerte, darauf mit "Wir bitten dich, erhöre uns" zu antworten. Was soll das überhaupt heißen, "die Anerkennung, die sie zu erwarten haben"? Von wem haben sie wofür Anerkennung zu erwarten? Weiß die Frau selber, was sie meint, oder will sie nur provozieren? 

Nach der Messe gab es Kaffee und Kuchen, und wir Erwachsenen unterhielten uns gut mit einigen Mitgliedern des Achor-Vereins und Nachbarn des Hofes, während die Kinder im Garten herumtollten. Zu Hause waren wir erst relativ spät am Abend – erst nach der üblichen Schlafengehzeit der Kinder, die uns übrigens schon auf der Rückfahrt mit Fragen bestürmten, wann wir denn das nächste Mal zum Achorhof fahren könnten. Na, mal sehen – vielleicht am letzten Aprilwochenende; dann ist da nämlich "Französischer Tag", und das Programm sieht recht vielversprechend aus... 


Triduum Teil 1: Freiwillig bei der Fußwaschung 

Schon während der Palmsonntagsmesse auf dem Achorhof hatte ich – wohl veranlasst durch die eigentümliche Kombination "einerseits Choralschola, andererseits aber liturgische Schlampereien" (ist es eigentlich eine besondere Auszeichnung für ein Robbenbaby, vom Generalvikar persönlich gemeuchelt zu werden?) – den Gedanken, "zum Ausgleich" könnte es vielleicht ganz schön sein, am Gründonnerstag nach St. Afra zu gehen. Ganz überzeugt war ich aber dich nicht, ob das so eine gute Idee wäre – zumal die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt hat, dass die Messe vom Letzten Abendmahl, was die Fähigkeit und Bereitschaft der Kinder betrifft, sich ruhig und friedlich zu verhalten der kritischste Punkt des ganzen Ostertriduums zu sein pflegt. Aus demselben Grund war es für uns jedoch auch keine Option, am Gründonnerstag nach Spandau zu gurken, um die Messe vom Letzten Abendmahl in der voraussichtlich völlig überfüllten Behnitzkirche mitzufeiern. Wir sahen uns also nach Alternativen um und entschieden uns schließlich für die Messe in St. Bernhard Tegel-Süd, die von dem bekanntermaßen kinderfreundlichen Pater Brody zelebriert wurde. Tatsächlich begrüßte er uns sehr freundlich, als wir einige Zeit vor Beginn der Messe die Kirche betraten; es erwies sich aber auch noch aus mehreren anderen Gründen als die richtige Entscheidung, dass wir gerade hierher gekommen waren. – Als wir ankamen, musste unser Jüngster erst mal dringend aufs Klo, also ging meine Liebste mit ihm in die Sakristei, um nach einer Toilette zu fragen; währenddessen sagte ich zum Tochterkind, wir könnten uns ja schon mal einen Platz suchen, und dabei stellten wir fest, dass in jeder Bankreihe ein Platz, nämlich der am Mittelgang, reserviert war. "Ach so, das ist bestimmt wegen der Fußwaschung", fiel mir ein, und jemand aus der Gemeinde bestätigte das. Kurz darauf fragte mich das Tochterkind: "Kann bei der Fußwaschung eigentlich jeder mitmachen?" – "Im Prinzip ja", erwiderte ich. "Oft ist es sogar so, dass dringend Leute gesucht werden, die da mitmachen wollen, weil es oft nicht so viele gibt, die sich dafür freiwillig melden." Die Folge dieser Mitteilung war, dass meine Tochter laut darüber nachzudenken begann, dass sie es ja ganz spannend fände, da mitzumachen. Mein erster Impuls war, ihr erklären zu wollen, für dieses Jahr seien wahrscheinlich schon alle Plätze vergeben, aber wir könnten das ja mal für nächstes Jahr ins Auge fassen; aber als sie insistierte, wir könnten doch "mal fragen", dachte ich: Warum nicht. Wir wandten uns also an den Küster – ich nehme jedenfalls an, dass das seine Funktion war, zumindest war er gerade dabei, den Ministranten Anweisungen zu erteilen –, und dieser reagierte tatsächlich ausgesprochen erfreut und wies dem Tochterkind einen der reservierten Plätze zu. Ich setzte mich daneben, während die andere Hälfte der Familie etwas weiter entfernt Platz nahm und unser Jüngster vom Küster einen Malblock und Buntstifte erhielt. Alles in allem perfekte Voraussetzungen für den besten Gründonnerstag, den wir erlebt haben, seit wir eine vierköpfige Familie sind. Die Teilnahme an der Fußwaschung war für unsere Große ein spannendes Erlebnis und trug offenbar dazu bei, dass sie während der gesamten Messe so aufmerksam und konzentriert war wie sonst nicht unbedingt immer; der Kleene malte derweil friedlich, und dass sie nicht zusammen saßen und sich folglich nicht gegenseitig stören oder ablenken konnten, war offenkundig für beide gut. 

Die Kommunion wurde in beiderlei Gestalt gereicht, wozu Pater Brody ansagte, es sei "jeder eingeladen, aus dem Kelch zu trinken", aber wer das nicht wolle, der könne "die Hostie auch selbst eintauchen" – was ja, wie ich nicht müde werde zu betonen, eigentlich verboten ist, aber wenn man die landläufigen liturgischen Gepflogenheiten kennt, kann man wohl schon halbwegs froh sein, dass dies nicht als die sozusagen normative Form des Kommunionempfangs in beiderlei Gestalt dargestellt wurde. Ich selbst ließ mich auch von der in die Predigt eingestreute Bemerkung des Zelebranten, es mache aus seiner Sicht "nicht viel Sinn, die Kommunion auf den Knien zu empfangen" – denn schließlich sei Jesus es doch, der sich auf unsere Augenhöhe herablasse, und nicht umgekehrt –, nicht davon abhalten, die Kommunion kniend und auf die Zunge zu empfangen, und fand es recht ermutigend, zu sehen, dass ich da nicht der einzige war. 

Übrigens zeigte es sich, dass wir unerwartet viele Leute in der Kirche kannten – und zwar überwiegend vom Kinderfasching her: Dazu zählten zwei Messdienerinnen, eine Kommunionhelferin und auch der schon erwähnte Küster. Ein anderer Messbesucher gab sich mir beim Verlassen der Kirche als Tagespost-Leser zu erkennen und lobte meine Kolumne. – Insgesamt muss man diese Messe vom Letzten Abendmahl leider als schwach besucht bezeichnen: Nur um die 50, maximal 60 Personen fanden sich in den Kirchenbänken ein. Na ja, hätten wir eine volle Kirche gewollt, hätten wir ja nach St. Marien am Behnitz fahren können...! 


Triduum Teil 2: Seht das Holz des Kreuzes  

Zur Karfreitagsliturgie fuhren wir dann aber, wie in den letzten Jahren, nach St. Joseph Siemensstadt. Die Kirche war erheblich besser besucht, als es auf dem YouTube-Mitschnitt, auf dem nur die vorderen Bankreihen zu sehen ist, den Anschein hat; wer mir das nicht glaubt, kann gern bis zur Kreuzesverehrung vorspulen, die nicht ohne Grund fast eine halbe Stunde dauerte. Das Mädchen aus dem Erstkommunionkurs, das wir ursprünglich vom JAM kennen, ministrierte, die kleine Schwester war – zur Freude unseres Jüngsten – ebenfalls da, zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Oma. – Zelebriert wurde die Feier vom Leiden und Sterben Christi vom "örtlich zuständigen" Pfarrvikar; die Predigt war für seine Verhältnisse ungewöhnlich lang – rund zwölf Minuten –, aber ich will mich hier auf einige Schlaglichter beschränken, zumal man die Predigt ja in voller Länge auf YouTube nachhören kann. – Ein Kerngedanke der Ausführungen des Pfarrvikars zur Johannespassion lautete: "Der Evangelist Johannes versteht die Kreuzigung als eine Liturgie – das heißt: als den Ort, an dem man Gott begegnen kann." Zum Verhalten verschiedener Akteure der Passionserzählung merkte er an: 

"Die Wahrheit Gottes macht unsere Wahrheiten sichtbar: die Feigheit des Petrus, das Geld des Judas, die Machtinteressen des Hohenpriesters, die Weltlichkeit des Pilatus, der denkt, er kann sich irgendwie so durchschlängeln; aber auch die Wahrheit der Frauen, die unterm Kreuz stehen und mitleiden. Auch die Wahrheit des Josef von Arimatäa, der mutig wird – der vorher Jesus nur im Geheimen bekannt hat, aber jetzt um den Leichnam bittet. Und die Wahrheit des Nikodemus, der beginnt zu lieben, und er kauft diese Myrrhe. Am Anfang, als er das erste Mal Jesus begegnet ist, hat er irgendwelche komischen theoretischen Probleme gewälzt, aber nicht geliebt. Jetzt hat er gelernt zu lieben." 

Ich muss sagen, besonders dieser Blick auf das Religionsgespräch mit Nikodemus in Johannes 3 – dass Nikodemus dort theologische Fragen als rein theoretische, abstrakte Denkaufgaben zu betrachten versuche, ohne sich persönlich wirklich von diesen Fragen berühren zu lassen – sprach mich sehr an. Ein weiterer besonders interessanter Aspekt der Predigt drehte sich darum, die Signifikanz von Blut und Wasser, die aus der Seite Jesu strömen, zur Bedeutung von Blut und Wasser im Alten Bund in Beziehung zu setzen: 

"Das Blut heiligt, das ist mehr als reinigen. Es wurden die Altäre, die Priester mit Blut besprengt und das Volk, um es zu heiligen. Heiligen bedeutet nicht ein bisschen etwas zu verbessern, sondern Heiligen bedeutet eine neue Qualität Gottes in unserem Leben. Karfreitag ist nicht ein bisschen auf seine Sünden zu schauen, sondern geheiligt zu werden vom Blut Christi, eine neue Qualität der Liebe zu bekommen. Und: Blut weiht. Weihen bedeutet, es macht zu Gott gehörig. Der Tempel und das Bundeszelt wurden mit Blut besprengt, um zu sagen, es gehört zu Gott. Das Blut Christi verbindet uns mit Gott." 

Und zum Wasser aus der Seite Christi merkte der Prediger an, das griechische Wort pleura bezeichne einerseits das Rippenfell, andererseits aber auch die Seite des Tempels – so beim Propheten Ezechiel, der "aus der pleura des Tempels" eine "Quelle von lebendigem Wasser" fließen sieht – als ein "Bild des Heiligen Geistes". 

Übrigens muss ich einräumen, dass meiner Tochter, nachdem sie in der Gründonnerstagsmesse so vorbildlich bei der Sache gewesen war, in der Karfreitagsliturgie die Zeit doch ein wenig lang wurde – nicht zuletzt auch, weil sie Hunger hatte. Na, schauen wir mal, wie die Kinder sich in der Osternacht schlagen; es sollte mich nicht wundern, wenn sie einen Teil der Liturgie verschlafen. Ich denke, ich werde vorsorglich ihre Reisekopfkissen einpacken... 


Update Religionspädagogik 

Kein Aprilscherz ist, dass ich am letzten Tag im März meine offizielle Bewerbung für die Ausbildung zum Gemeindereferenten beim Erzbistum Berlin eingereicht habe. Die dafür notwendigen Unterlagen – also Zeugnisse und so weiter – hatte ich schon vor dem Palmsonntagswochenende fast komplett gehabt; was noch fehlte, war ein "Pfarramtliches Zeugnis". Um ehrlich zu sein, hatte ich, als ich dieses Stichwort auf der Liste der Bewerbungsunterlagen sah, die das Erzbistum von mir haben wollte, gleich gedacht, dass es damit Schwierigkeiten geben könnte – weil dafür eben meine Wohnsitzpfarrei zuständig ist, also St. Klara Reinickendorf-Süd, und mit dieser Pfarrei, und insbesondere mit ihrem Pfarrer, habe ich ja eine etwas schwierige Vorgeschichte. Indes hatte ich auch keine klare Vorstellung davon, was ein Pfarramtliches Zeugnis eigentlich genau ist bzw. was da drinstehen muss; meine vage Hoffnung, es handle sich um eine reine Formalität, die man unkompliziert im Pfarrbüro erledigen könne, zerschlug sich jedoch, als ich Mitte März dort vorsprach und die Sekretärin mir mitteilte, so ein Zeugnis müsse der Pfarrer persönlich ausstellen. Sie schrieb ihm aber eine Notiz, und ich wartete erst einmal ab; als ich die Sekretärin jedoch rund zwei Wochen später auf dem Kirchhof traf, riet sie mir, ich solle vielleicht doch lieber mal persönlich beim Pfarrer vorsprechen. Dem im Schaukasten ausgehängte Wochenplan der Pfarrei verriet mir, dass der Pfarrer gerade in St. Joseph Tegel die Messe hielt, also sagte ich mir: Wenn ich mich beeile, treffe ich ihn vielleicht noch dort an, oder er kommt mir unterwegs mit dem Fahrrad entgegen. 

Tatsächlich traf ich den Pfarrer, noch im Messgewand, vor dem Kirchenportal von St. Joseph an, wo er mit einem mir nicht näher bekannten älteren Ehepaar sprach, das wohl in der Messe gewesen war; ich hielt mich im Hintergrund, bis sie ihr Gespräch beendet hatten, trat dann einen Schritt auf den Pfarrer zu und erklärte, ich wolle mich "noch einmal in Erinnerung bringen". Der Pfarrer erwiderte darauf, er habe mein Zeugnis in Arbeit, sei aber noch nicht damit fertig – und zwar nicht, wie man wohlwollend hätte unterstellen können, weil es angesichts des nahenden Osterfests so viel anderes zu tun gibt, sondern weil er sagte, noch mit den Formulierungen ringe: Er wolle mir ja nun nicht direkt Steine in den Weg legen, aber dass er mir kein durchweg positives Zeugnis ausstellen könne, könne ich mir ja wohl denken. Ich verlegte mich in der Hauptsache auf Lächeln und Nicken und dachte mir: Soll er doch schreiben, was er will, beim Ordinariat kennen sie ihn ja auch und können selber einschätzen, was davon zu halten ist. 

Alles Nicken und Lächeln meinerseits konnte den Pfarrer indes nicht davon abhalten, noch einige Sätze darüber zu verlieren, was aus seiner Sicht so problematisch an mir sei. Vielleicht würde es sich lohnen, darauf bei Gelegenheit noch einmal zurückzukommen; nicht um aus persönlichem Groll "alte Geschichten" aufzuwärmen, sondern weil das Ganze (abzüglich der nicht zu leugnenden Tatsache, dass wir einfach charakterlich nicht miteinander harmonieren) so bezeichnend ist für Konflikte zwischen Pfarrpersonen, die eigentlich nichts anderes wollen als ruhig und geordnet das langsame Sterben der Volkskirche verwalten (Stichwort "palliative Pastoral"), und Leuten, die ihnen plötzlich und ungebeten mit Konzepten für Gemeindeerneuerung und Neuevangelisierung kommen. Nun, wie gesagt, vielleicht ein andermal mehr dazu. Das Zeugnis habe ich jedenfalls bis heute nicht erhalten, was insofern etwas schade ist, als ich hier gern das eine oder andere knallige Zitat daraus präsentiert hätte. Aber na ja, aufgeschoben ist nicht aufgehoben, denke ich mal... 


Das ZDF-Mittagsmagazin erklärt Ostern 

Derweil machte mich der Instagram-Account der Pfarrei St. Klara auf einen Beitrag des ZDF-Mittagsmagazins aufmerksam, in dem der besagte Pfarrer zu sehen ist und zu Wort kommt, und das machte mich ja nun doch neugierig. Also habe ich da mal reingeschaut, damit ihr es nicht müsst, Leser. Ziemlich gegen Ende der Sendung vom 26. März gibt es einen gut drei Minuten langen Beitrag zum Thema "Was feiern wir eigentlich an Ostern?"; in der Anmoderation heißt es: 

"Christlich gesehen geht es um die Auferstehung Christi, der am Karfreitag gekreuzigt wurde. Aber wieso suchen wir dann da Eier und was hat der Hase damit zu tun?" 

In dem Filmchen, das dieser Frage auf den Grund gehen soll, kommt neben dem Pfarrer von St. Klara auch ein (ebenfalls katholischer) Theologieprofessor von der FU Berlin, Rainer Kampling, zu Wort; im Vergleich mit so bizarren Elaboraten wie dem Artikel "So unterschiedlich feiern Heiden und Christen Ostern", den ich anno 2018 am Wickel hatte und in dem eine Volontärin der Nordwest-Zeitung einen evangelischen Pfarrer und eine "Naturschamanin" gleichberechtigt zu Wort kommen ließ, kann man diesem Fernseh-Magazinbeitrag somit immerhin attestieren, dass die christliche Sicht auf das Osterfest deutlich im Fokus steht; die angebliche – oder sagen wir: hypothetische germanische Fruchtbarkeitsgöttin Ostara wird nur einmal am Rande erwähnt. Ärgerlich finde ich es hingegen, dass die Verfasserin des Beitrags entweder nicht weiß, dass der Genitiv von Jesus Jesu lautet, oder aber dem Publikum keine korrekten Genitive zumuten wollte. – Was derweil die Mitwirkung des Pfarrers von St. Klara an der Sendung betrifft, so sagt er gerade mal drei Sätze, und an diesen ist inhaltlich nichts auszusetzen; aber ein bisschen frage ich mich doch, was für Umstände dazu geführt haben mögen, dass gerade er für diesen Fernsehauftritt ausgewählt wurde. 

Uneingeschränkt empfehlen möchte ich in diesem Zusammenhang jedoch ein Facebook-"Reel" von Elisabeth Wheatley zum Thema "NEIN, Ostern ist KEIN ursprünglich heidnisches Fest". Zur Einordnung sei gesagt, dass Elisabeth Wheatley eine Romanautorin ist, deren Werke sich genretechnisch im Bereich "Historie/Abenteuer/Romantasy" bewegen, sich aber von der breiten Masse derartiger Trivialliteratur dadurch abheben, dass die Autorin die historischen Hintergründe ihrer Geschichten wirklich sorgfältig recherchiert und sich auf diesem Wege ein nicht gerade alltägliches Wissen über mittelalterliche Geschichte angeeignet hat. Außerdem ist sie Christin. (Auch dazu gibt's ein lustiges Reel von ihr, in dem sie sinngemäß erklärt: "Mir ist zu Ohren gekommen, dass es Gerüchte über mich gibt, ich sei angeblich Christin – das hat mich ein bisschen überrascht, denn eigentlich hatte ich gedacht, ich hätte daraus nie ein Geheimnis gemacht." Im weiteren Verlauf empfiehlt sie ihren Fans dann fünf christliche "Non-Fiction"-Bücher, und gerade als man anfängt zu denken, die Auswahl dieser Bücher offenbare eine gewisse liberale Schlagseite, präsentiert sie als letzte Empfehlung den Katechismus der Katholischen Kirche und sagt dazu wörtlich: "I freaking love it.") Wie ich inzwischen festgestellt habe, gibt es ihr Oster-Reel auch bei YouTube, sodass ich es hier direkt einfügen kann: 

Ich empfehle jedoch dringend, nicht die Kommentare zu lesen. 


"Leafletting" für den Alpha-Kurs 

Währenddessen rückt der Alpha-Kurs der EFG The Rock Christuskirche, bei dem meine Liebste im Küchenteam mitarbeiten wird, mit großen Schritten näher: Übernächsten Montag soll es schon losgehen. Am Montag der Karwoche war meine Liebste bei einem Vorbereitungstreffen und brachte von dort ein Plakat mit, das sie in einem Geschäft in Tegel unterzubringen hoffte – aber dann hatte sie doch Hemmungen, dort zu fragen. "Jeder von uns hat offenbar seine eigenen social-awkwardness-Inseln", merkte ich dazu an und bot ihr an, ihr diese Aufgabe abzunehmen. Mein erster Versuch führte mich in einen Buchladen, wo mein Ansinnen freundlich abgelehnt wurde – ins Schaufenster hänge man nur eigene Werbung und innerhalb des Ladens gebe es keinen sinnvollen Platz dafür –, mir jedoch der Rat gegeben wurde, ich solle es doch mal ein paar Häuser weiter bei einem Büro für Ehrenamtskoordination versuchen. Die Leute dort wollten lediglich wissen, ob es sich um eine nichtkommerzielle Veranstaltung handle, und da auf dem Plakat gut sichtbar der Satz stand "Der Alphakurs ist kostenlos", nahmen sie es mir ohne Weiteres ab. 

Motiviert durch diesen Erfolg, fand ich, ich könne auch noch mehr Werbematerial für den Alpha-Kurs unter die Leute bringen, und traf mich daher am Mittwoch gegen Mittag mit einer Mitarbeiterin der EFG The Rock Christuskirche, die mir vier weitere Plakate und 300 Flyer im Postkartenformat aushändigte. Da Frau und Kinder am Nachmittag bei einer Spielverabredung waren, machte ich mich direkt ans Verteilen und wurde tatsächlich alle Plakate los – bei einem "Mini-Markt" in der Fußgängerzone von Alt-Tegel, einem kombinierten DHL-Paketshop und Lottoladen, einem Restaurant und einer Einrichtung für Familiencoaching. Von den 300 Flyern wurde ich im ersten Anlauf 85 los, hauptsächlich in Restaurants, aber auch in einer Weinhandlung, einem Getränkemarkt, einer Bäckerei, einem Späti und einer Kneipe. Auch in den Kirchen Herz Jesu und St. Joseph Tegel legte ich einige Flyer aus; in Herz Jesu traf ich ein paar Leute an, die dort Opferkerzen anzündeten, und drückte diesen direkt einen Flyer in die Hand. Man muss sagen, dass das noch einmal ein anderes Level an Überwindung kostet, als im einem Laden oder Lokal anzufragen, ob man da Flyer auslegen darf; aber ich habe festgestellt, es hilft, wenn man selbst davon überzeugt ist, der anderen Person damit etwas Gutes tun zu wollen. 

Am Gründonnerstag unternahm ich am frühen Nachmittag eine weitere "Leafletting"-Tour in der Nachbarschaft und wurde innerhalb einer Dreiviertelstunde noch einmal ca. 40 Flyer los (bei drei Restaurants, einer Kneipe, einem Feinkostladen, einem Buchladen, einer Bäckerei und einem Späti), und natürlich nahm ich auch einen Stoß Flyer mit zur Messe vom Letzten Abendmahl in St. Bernhard. Nach der Karfreitagsliturgie wurde ich in Siemensstadt noch einige Flyer in einem indischen Restaurant und im "City Pub" los, und damit war der Stapel schon mal ungefähr auf die Hälfte seiner ursprünglichen Größe zusammengeschrumpft. 

Was übrigens die Flyer selbst angeht, kreisten meine Gedanken während der Verteilaktion immer wieder um die Vorstellung, wie es wäre, wenn wir Flyer in vergleichbarer Qualität und ansprechender Optik beispielsweise für den Religiösen Kindertag in St. Stephanus hätten. Ich würde mir vorstellen, 1000 Stück davon auszudrucken und auf zehn Leute aus der Gemeinde zu verteilen, die sie in unterschiedlichen Ecken des Einzugsgebiets weiterverbreiten, mit dem Idealziel, dass in möglichst jedem Restaurant, jedem Späti, jedem Waschsalon in ganz Haselhorst und Siemensstadt welche ausliegen. Ist das eine realistische Perspektive? – Ein bisschen in die Zukunft schauend, kann ich jedenfalls sagen, als Gemeindereferent – oder erst mal als Gemeindeassistent – würde ich solche Werbeaktionen gern regelmäßig unternehmen. Ist man erst mal zwei-, dreimal durch den Kiez durch, kennen einen auch die ganzen Ladenbetreiber, und umgekehrt weiß man dann auch irgendwann, bei wem man es gar nicht erst versuchen muss. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Sie tauschen ihre verkehrten Gedanken aus und sagen: Lasst uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung. Er rühmt sich, die Erkenntnis Gottes zu besitzen, und nennt sich einen Knecht des Herrn. Er ist unserer Gesinnung ein Vorwurf, schon sein Anblick ist uns lästig; denn er führt ein Leben, das dem der andern nicht gleicht, und seine Wege sind grundverschieden. Als falsche Münze gelten wir ihm; von unseren Wegen hält er sich fern wie von Unrat. Das Ende der Gerechten preist er glücklich und prahlt, Gott sei sein Vater. Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, und prüfen, wie es mit ihm ausgeht. Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner. Durch Erniedrigung und Folter wollen wir ihn prüfen, um seinen Gleichmut kennenzulernen und seine Widerstandskraft auf die Probe zu stellen. Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt. So denken sie, aber sie irren sich; denn ihre Schlechtigkeit macht sie blind. 

(Weisheit 2,1a.12-21) 


Ohrwurm der Woche 

Peter Janssens Group: Jesus, der Menschensohn 

Beweisstück A für die These "Der klassische Sacropop à la Janssens, Edelkötter et al. war eigentlich ein Subgenre des Krautrock". Was wir hier hören, war das Schlusslied einer von Peter Janssens für das Bundestreffen der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) 1972 in Fulda komponierten Messe mit dem Titel "Wir haben einen Traum" – ein Meilenstein der NGL-Geschichte. Der Text, verfasst vom späteren Bamberger Generalvikar Alois Albrecht, der auch in bedeutendem Umfang an der Gotteslob-Neuausgabe von 2013 mitgearbeitet hat, ist so interessant, dass man darüber wahrscheinlich mindestens eine Bachelorarbeit schreiben könnte – das sollte ich mir vielleicht für mein angestrebtes Religionspädagogik-Studium vormerken! –, aber noch interessanter finde ich das Stück tatsächlich von der musikalischen Seite her, von Janssens' psychedelischem Orgelspiel bis hin zum Gitarrensolo von Gerd Geerken, der vor seiner NGL-Phase übrigens der Frontmann der im regionalen Maßstab recht erfolgreichen Beatband "Die Mustangs" war. Am Schlagzeug saß derweil Peter Backhausen, der wenig später zur Urbesetzung von Udo Lindenbergs Panik-Orchester gehörte. Das Album "Wir haben einen Traum/Unser Leben sei ein Fest", die dritte Veröffentlichung auf Peter Janssens' eigenem Plattenlabel "Pietbiet", wird man insgesamt wohl als einen Klassiker des Genres bezeichnen dürfen. Dass die Fotos der Bandmitglieder auf dem Plattencover mich irgendwie ominös an RAF-Fahndungsplakate erinnern, die in meiner Kindheit noch in jedem Postamt hingen, sei indes nur am Rande vermerkt. 


Vorschau/Ausblick 

Heute Abend um 21 Uhr beginnt in St. Joseph Siemensstadt die Feier der Osternacht, und da wollen wir wie in den vergangenen Jahren auch diesmal wieder dabei sein. Morgen, am Ostersonntag, ist dann die "säkulare Observanz" des Osterfests in Form eines Besuchs bei meinen Schwiegermüttern an der Reihe, am Ostermontag geht's voraussichtlich erneut in St. Joseph Siemensstadt in die Messe, und "für danach" ist ein Treffen mit der Familie einer Schulfreundin unserer Großen angedacht, aber hundertprozentig spruchreif war das bis zum Redaktionsschluss noch nicht. Und dann sind weiterhin Ferien! Große Pläne haben wir für diese Woche nicht; aber das ist vielleicht auch mal ganz gut, den im weiteren Verlauf des Monats April stehen uns noch genug spannende Ereignisse bevor. Aber was das für welche sind, verrate ich erst zu gegebener Zeit! 


Samstag, 28. März 2026

Utopie und Alltag 18: Kirche auf dem Weg

Hand aufs Herz, Leser: Wenn ich auf die 5. Woche der Fastenzeit – zugleich die letzte Schul- und Arbeitswoche vor den Osterferien – zurückblicke, drängt sich mir der Eindruck auf, sie sei in hohem Maße davon geprägt, was ich alles nicht geschafft habe – am Kinderkreuzweg in St. Joseph Siemensstadt mitzuwirken zum Beispiel, oder am Hochfest Erscheinung des Herrn eine Messe zu besuchen; auch bei der Gartenaktion in der KiTa des Jüngsten waren wir nicht dabei. Das alles könnte ich ausführlich begründen, aber ich schätze mal, so genau wollen es meine Leser gar nicht wissen. – Was ich in diesem Wochenende an Selbsterlebtem zu berichten habe, bezieht sich daher überwiegend auf den vorigen Samstag und Sonntag; die weiteren Themen sind eher "von weiter weg". Den inneren Zusammenhang zwischen den verschiedenen thematischen Abschnitten zu erkennen, überlasse ich euch selbst, Leser...! 

Ostern ist nahe, Freunde.

Abenteuer mit Abraham 

Zum Religiösen Kindertag zum Thema Abraham, der am vergangenen Samstag in St. Stephanus Haselhorst stattfand, musste ich untypischerweise ohne meine Familie gehen, denn wie schon erwähnt war das Tochterkind zum Geburtstag einer Schulfreundin eingeladen, meine Liebste musste sie hinbringen und der Jüngste hatte erklärt, lieber "mit Mami rumgurken" als ohne die Mami zum RKT gehen zu wollen. Aber auch sonst fiel die Teilnehmerzahl diesmal deutlich niedriger aus als bei den beiden vorherigen Veranstaltungen des Formats "Religiöse Kindertage": Nur sechs Kinder fanden sich ein, darunter vier aus dem aktuellen Erstkommunionkurs. Über Ursachen für diesen Teilnehmerrückgang zu spekulieren ist vermutlich müßig, es kann auch einfach Pech gewesen sein; ich bin jedenfalls optimistisch, dass es in Zukunft auch wieder mehr werden können. – Vom Leitungsteam waren vier Personen dabei, nämlich der Gemeindereferent, zwei der jungen Erwachsenen, die schon an der ersten Veranstaltung mitgewirkt hatten, und ich. Ein bisschen ungünstig war es , dass der Termin mit der vorösterlichen Kirchenputzaktion zusammenfiel, sodass wir die Kirche und zunächst auch den Saal im Gemeindehaus (wo die liturgischen Geräte blankpoliert wurden) nicht nutzen konnten. Zudem war ironischerweise kühleres und allgemein ungemütlicheres Wetter als Ende Februar; trotzdem gingen wir erst einmal in den Garten und später in einen Gruppenraum im Keller, bis und mitgeteilt wurde, der Saal sei jetzt frei, woraufhin wir dorthin umzogen. 

Reden wir aber erst mal über den Programmablauf: Auf die Begrüßung durch den Gemeindereferenten und eine kurze Vorstellungsrunde (die meisten Anwesenden kannten sich ohnehin schon) folgte erst einmal ein Gebet vor der Marienskulptur im Garten, und dann wurde rund eine Dreiviertelstunde gespielt – wobei das letzte Spiel bereits zur "thematischen Einheit" des Tages überleitete: Die Kinder sollten im Garten versteckte Gegenstände suchen, und bei diesen Gegenständen handelte es sich z.B. um einen Rucksack, eine Zeltplane, Campinggeschirr, einen Klappspaten und einen Kompass; damit war sozusagen das Motiv "Leben auf Wanderschaft" assoziativ vorbereitet. 

Dann ging es nach drinnen in den Gruppenraum, und mir fiel die schöne Aufgabe zu, die Geschichte Abrahams von seinem Aufbruch aus Haran bis zur Geburt Isaaks aus meiner erprobten Kinderbibel vorzulesen – allerdings mit einigen Kürzungen, die ich größtenteils spontan während des Vorlesens vornahm, da der Text eine gewisse Neigung zu übermäßig gefühligen Ausschmückungen aufwies. Zur "Vertiefung" der biblischen Erzählung wurde anschließend gebastelt; und zu meiner eigenen Überraschung – da ich schon als Kind nicht gern gebastelt habe und gegen "katechetisches Basteln" noch einmal spezielle Vorbehalte habe – fand ich's gut. Konkret bestand die Aufgabe darin, unter Verwendung von aus einem "Bibelbilderbuch" herauskopierten Illustrationen von Kees de Kort Collagen anzufertigen, und ich finde, die Ergebnisse können sich sehen lassen. 



Nicht unerwähnt lassen möchte ich übrigens – da es doch in gewissem Sinne recht lehrreich war –, dass am Rande der Bastelaktion eins der teilnehmenden Mädchen heftig mit einer der jungen erwachsenen Mitarbeiterinnen aneinandergeriet. Wegen eines Klebestifts oder sowas Banalem, glaube ich, aber die Chemie zwischen diesen beiden war schon vorher spürbar nicht die beste gewesen. Jedenfalls meckerte das Kind die Mitarbeiterin an, weil diese ihm (oder einem anderen Mädchen?) den Kleber weggenommen habe; die Mitarbeiterin fühlte sich daraufhin respektlos behandelt und schien drauf und dran, empört abzurauschen und ihre zukünftige Mitarbeit aufzukündigen. – Mein spontaner Eindruck war, wer in der Kinder- und Jugendarbeit Leitungsverantwortung übernehmen wolle, dürfe sich von einem halb so alten Kind nicht derart auf die Palme bringen lassen; aber aus der Distanz sagt sich das natürlich leicht, und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie souverän ich mit 20 Jahren mit so einer Situation umgegangen wäre. 

Nach dem Basteln wurde jedenfalls das Kochen in Angriff genommen. Beim Vorbereitungstreffen hatte ich ein One-Pot-Rezept für ein Gericht namens "Burrito Bowl" in die Diskussion geworfen, aber die jungen Damen hatten sich mit einem Gegenvorschlag durchgesetzt: Nudeln mit Hähnchen und Brokkoli in Sahnesauce. Grundsätzlich keine schlechte Idee, aber der Versuch, dieses Essen als One-Pot-Gericht zuzubereiten, erwies sich als eher wenig praktikabel. Ich wage zu behaupten, hätte man die Nudeln separat gekocht und die Zeit, bis das Wasser kochte, für die ganze Schnippelarbeit genutzt, wäre der ganze Kochvorgang schneller und weniger chaotisch über die Bühne gegangen und leckerer geworden wär's wahrscheinlich obendrein. Wobei, schlecht schmeckte es auch so nicht. 

– Und wie lautet nun das Gesamturteil über diese dritte RKT-Veranstaltung? Ich würde sagen, die Tendenz der ersten beiden Male setzt sich fort: Es läuft alles etwas chaotisch und improvisiert, aber unter dem Strich dann doch besser, als es angesichts der knappen Vorbereitungszeit und unvorhergesehener Komplikationen eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Kurz und gut, ich mag dieses Format, auch und gerade mit seinen Schwächen; was indes nicht heißt, dass ich nicht gern Manches daran verbessern würde. Was ich in dieser Hinsicht beim letzten Mal angemerkt habe, gilt nach wie vor und muss ich daher hier wohl nicht wiederholen; zu fragen wäre nun also, inwieweit die dritte Veranstaltung dieses Formats neue Erkenntnisse gebracht hat. – Zunächst einmal würde ich festhalten wollen, dass die überschaubarere Teilnehmerzahl offenbar einem geordneteren Ablauf förderlich war; gleichwohl würde man sich ja eigentlich mehr Teilnehmer wünschen, und daraus folgt meiner Auffassung nach mindestens zweierlei: Auf der einen Seite wäre es erstrebenswert, die Zielgruppe zu verbreitern – wofür es erforderlich wäre, mehr, besser und anders für die Veranstaltung zu werben. Auf der anderen Seite würden eine größere Teilnehmerzahl und eine heterogenere Zielgruppe auch höhere Anforderungen an die Leitung stellen, d.h. man bräuchte einen klarer strukturierten Ablauf und eine klarere Aufgabenverteilung innerhalb des Leitungsteams. – Zur Verdeutlichung sei gesagt: Unter einer "heterogeneren Zielgruppe" stelle ich mir eine Gruppe von Kindern vor, in der nicht der weit überwiegende Teil zum aktuellen Erstkommunionkurs gehört, dadurch sozusagen bereits "prästabilisiert" ist und an dem Format RKT gerade den Umstand schätzt, dass es da lockerer und spielerischer zugeht als im eigentlichen Erstkommunionunterricht. Und da – das habe ich beim letzten Mal schon angedeutet – muss man sich dann halt fragen, ob man aus dem RKT wirklich etwas grundsätzlich anderes machen will als ein freiwilliges und eher "spaßorientiertes" Zusatzangebot zum Erstkommunionunterricht, und ob man auch bereit ist, sich den Herausforderungen zu stellen, die das mit sich bringen würde. Ich persönlich würde das natürlich bejahen, ja ich würde sogar sagen, es nicht wenigstens zu versuchen, würde eine Vergeudung des Potentials bedeuten, das in diesem Format steckt. Allerdings bin ich keineswegs sicher, ob diese Auffassung innerhalb des Teams mehrheitsfähig ist. 

Auch unabhängig von solchen Grundsatzfragen bin ich jedenfalls der Meinung, dass der katechetische Teil des Programms höhere Priorität und mehr Sorgfalt verdient. Gerade wenn man der Meinung ist, im Unterschied zum Erstkommunionunterricht und auch zum KiWoGo solle beim RKT der Spaß im Vordergrund stehen, wäre es doch misslich, wenn der katechetische Teil von den Kindern als der einzige Teil des Programms wahrgenommen würde, der keinen Spaß macht. Dass es beim Abraham-RKT, wie geschildert, ein zum Thema der Katechese hinführendes Spiel gab und auch das Basteln der Vertiefung des Themas diente, würde ich schon mal als Schritte in die richtige Richtung ansehen, dennoch denke ich, da ist noch Luft nach oben. Der nächste RKT steht laut meinem Terminkalender am 30. Mai an, das Thema steht meines Wissens noch nicht fest. Schauen wir mal... 


Schwarzer Gürtel in KiWoGo 

Wie schon Ende Februar folgte direkt auf den RKT in St. Stephanus der KiWoGo in St. Joseph, und diesmal kam erschwerend dazu, dass ich es vergessen hatte und somit völlig unvorbereitet war. Glücklicherweise hatte der Gemeindereferent sich jedoch einige Gedanken gemacht, unter anderem auch dazu, wie man einen thematischen Bogen von unserem vorherigen KiWoGo (zum Thema Verklärung) zu diesem schlagen könnte, bei dem es um die Auferweckung des Lazarus gehen sollte. Ich war also verhalten optimistisch, dass wir diesem KiWoGo einigermaßen hinkriegen würden; was an gründlicher und detaillierter Vorbrreitung fehlte, würde uns eben der Geist zur rechten Zeit eingeben müssen. Wie sich zeigte, erwarteten uns allerdings noch einige Unwägbarkeiten. 

Da ich, wenn ein Kinderwortgottesdienst ansteht, vor der Messe immer gern noch etwas Zeit zur Besinnung und zum Gitarre-Üben haben möchte, fand ich mich deutlich früher als nötig in der Kirche ein und stellte fest, dass wieder eine Bank für "Taufbewerber und Konvertiten" reserviert war; dann schnappte ich ein paar Fetzen eines Gesprächs zwischen einem Jugendlichen oder "knapp Erwachsenen", der in dieser Reihe Platz nahm, und dem Pfarrvikar auf und schloss daraus, dass es wieder, wie schon vor zwei Wochen, einen Effata-Ritus für Taufbewerber und ein Glaubenszeugnis ("Redditio Symboli") geben sollte. Diese Beobachtung teilte ich dem Gemeindereferenten mit, als er kurz danach eintraf; gemeinsam vergewisserten wir uns beim Pfarrvikar über den Ablauf und erhielten zur Auskunft, ja, der Wortgottesdienst werde länger dauern als gewöhnlich, wir könnten uns mit unserem KiWoGo also Zeit lassen. Nun gut: Wir begannen also ganz entspannt mit einer Begrüßungsrunde und unserem üblichen Begrüßungslied "Alles was ich hab", und dann gingen wir dazu über, das recht umfangreiche Tagesevangelium, nur leicht gekürzt, mit verteilten Rollen vorzutragen (wobei ich den Part von Jesus und meine Liebste den von Marta sprechen durfte); gelegentlich unterbrach der Gemeindereferent den Vortrag für Erläuterungen oder andere Randbemerkungen. Wir waren jedoch noch nicht mit der Perikope zu Ende, da erschien schon die Küsterin im zwischen Sakristei und Pfarrsaal gelegenen Innenhof und signalisierte uns, dass wir in die Kirche zurückkehren sollten. Nanu? – Wir beeilten uns also, mit dem Evangelium fertig zu werden und noch einige knappe Anmerkungen dazu zu machen; aber diese Eile erwies sich als völlig unnötig, denn als wir wieder in die Kirche kamen, hatte das Glaubenszeugnis einer Frau aus der Neokatechumenalen Gemeinschaft gerade erst angefangen. Offenbar war die Küsterin selbst nicht so ganz über den Ablauf im Bilde gewesen. Jedenfalls war ich jetzt fast froh, dass ich nicht mehr Mühe auf die Vorbereitung dieses KiWoGo verwendet hatte. 

Übrigens habe ich die Kinder, die diesmal am KiWoGo teilnahmen, nicht genau gezählt, würde aber schätzen, dass es so zwölf bis fünfzehn waren. Es hätten aber locker doppelt so viele werden können, wenn ein paar kinderreiche Familien aus der Neokatechumenalen Gemeinschaft, die in der Messe waren, ihre Sprösslinge ebenfalls hätten teilnehmen lassen. Nun wäre ich sicherlich der letzte, der kein Verständnis oder keine Sympathie für Eltern hätte, die es vorziehen, dass ihre Kinder mit ihnen zusammen im "normalen" Gottesdienst bleiben, statt zum Kinderprogramm zu gehen, und es wäre wohl arg eingebildet, wenn ich sagen wollte "Ja, aber wenn ich den Kinderwortgottesdienst mache, ist das was anderes!" Gleichwohl – und das meine ich ausdrücklich ohne einseitige Schuldzuweisungen – hatte ich schon öfter den Eindruck, die Interaktion zwischen den Neokatechumenalen Gemeinschaften und den "normalen" Gemeindemitgliedern könnte besser sein. Zu diesem Thema wäre vielleicht mal Grundsätzlicheres zu sagen – wobei indes nachdrücklich zu würdigen wäre, was der Neokatechumenale Weg in Berlin so alles bewegt; angefangen damit, dass der weit überwiegende Teil des Priesternachwuchses im Erzbistum vom neokatechumenalen Priesterseminar Redemptoris Mater in Berlin-Biesdorf kommt. 

Auffällig war jedenfalls, dass die Kirche dank der zahlreichen Anwesenheit der "Neos" nicht nur gut besucht war – das ist sie auch sonst oft –, sondern rappelvoll: Schon vor Beginn der Messe bekamen wir als Familie nicht mehr vier Sitzplätze in einer Reihe, also teilten wir uns auf – je ein Kind blieb bei einem Elternteil –, aber als wir vom KiWoGo zurückkamen, waren auch diese Plätze belegt. Wir fanden aber andere. 


Kirchensteuer-Dämmerung in Magdeburg? 

Ich muss sagen, für den Blick über den Tellerrand des Selbsterlebten hinaus erweist sich Peter Winnemöllers "Montagskick"-Kolumne auf kath.net in letzter Zeit als ausgezeichnete Quelle: Für mein voriges Wochenbriefing habe ich dort den Hinweis auf die Jugendpastoral-Fachtagung über "Christfluencer" im Bistum Münster gefunden, und diesmal hat mich der "Montagskick" auf den Umstand aufmerksam gemacht, dass im Bistum Magdeburg – dessen Territorium weitgehend deckungsgleich mit dem Bundesland Sachsen-Anhalt ist – die Angst vor einem Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl im September umgeht. Eine nicht sehr rühmliche Figur gibt die Kirche dabei insofern ab, als diese Befürchtungen sich in erster Linie um Kohle drehen: Aus dem im Internet kursierenden Entwurf eines "Regierungsprogramms" der sachsen-anhaltinischen AfD geht hervor, dass die Partei im Fall einer Regierungsübernahme beabsichtigt, den Großkirchen schlicht den Geldhahn zuzudrehen – das heißt, sie wollen die Staatsleistungen an die Kirchen (das wären im Fall der katholischen Kirche, laut dem Stand des Landeshaushalts von 2022, gut 6,7 Millionen Euro jährlich) "sofort einstellen" und zudem den Kirchensteuereinzug stoppen. Es liegt auf der Hand, dass damit "die Arbeit von Pfarreien, Schulen und sozialen Einrichtungen ernsthaft in Gefahr wäre". 

Einmal abgesehen von der Frage, wie realistisch die Perspektive ist, dass Sachsen-Anhalt ab dem kommenden Herbst von der AfD reagiert werden könnte – Umfragen sehen sie bei etwa 40%, das ist zwar viel, aber von einer absoluten Mehrheit doch noch ein gutes Stück entfernt –, stellt sich angesichts dieser Drohungen natürlich die Frage: Können die das einfach so machen? Peter Winnemöllers Einschätzung hierzu lautet: theoretisch eigentlich nicht, aber praktisch vielleicht doch. Einerseits gilt: "Die katholischen Bistümer in Deutschland haben, ebenso wie die evangelischen Landeskirchen, gesetzlich verbriefte Rechte, die teilweise sogar Verfassungsrang haben." Die Staatsleistungen an die Kirchen sind auf der Grundlage völkerrechtlicher Verträge geregelt und das Land Sachsen-Anhalt ist, ebenso wie die anderen Bundesländer, zur Zahlung dieser Leistungen "rechtlich klar verpflichtet". Dennoch, so gibt Peter Winnemöller zu bedenken, ist es prinzipiell möglich, "eine exekutive oder legislative Entscheidung zu fällen, diese Zahlungen einfach nicht zu leisten". Das wäre zwar rechtswidrig und man könnte dagegen klagen, aber erst einmal hieße das für die Kirche trotzdem, dass sie ohne Geld dastünde. 

Angesichts dieses Bedrohungsszenarios mahnt Peter Winnemöller, das Bistum Magdeburg solle sich darauf besinnen, dass "die Kirche [...] am Glauben, nicht am Geld" hängt bzw. hängen sollte – und dies gelte es umso mehr zu beherzigen, als man "in einem kirchenfeindlichen Staat, der Sachsen-Anhalt im Fall der Fälle wäre, wenn eine Regierung so handelte, wie es die AfD dort angekündigt hat", nicht davon ausgehen könne, "dass es beim Entzug von Geldmitteln bleibt": 

"Ein Staat, wie ihn die AfD errichten will, kommt [...] durchaus auf die Idee, auch einen Bischof zu verhaften. Wir brauchen für so einen Staat einen Bekennerbischof in Magdeburg [...], der nicht einknickt und auch im Kerker standhaft bleibt. Zaudern und Jammern müssen ein Ende haben. Das mutige Bekenntnis muss her." 

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass der derzeitige Magdeburger Oberhirte Gerhard Feige Mitte November, etwa 10½ Wochen nach dem Wahltermin, 75 Jahre alt wird und somit beim Papst seinen Rücktritt einreichen muss. Käme es schon vor diesem Termin zu einer dramatischen Konfrontation zwischen Bistum und Landesregierung, könnte das ein Grund sein, Feige länger im Amt zu belassen, aber ebenso erscheint es denkbar, dass die Regierung erst das Eintreten der Sedisvakanz abwartet und dann zuschlägt. 

Noch einmal fürs Protokoll: Ich glaube eigentlich nicht, dass es dazu kommt. Schon allein, weil ich eine absolute Mehrheit für die AfD im Magdeburger Landtag nicht für sehr wahrscheinlich halte. Liest man allerdings in Peter Winnemöllers "Montagskick"-Kolumne Sätze wie 

"In der Verfolgung, denn nichts anderes droht in Sachsen-Anhalt, [...] geht es darum, die Reihen zu schließen und sich gegenseitig im Glauben und im Alltag zu stärken. Es kann sogar darum gehen, die Arbeit der Kirche in den Untergrund zu verlegen" 

und schließlich 

"Eine von einer AfD arm gemachte Kirche in Magdeburg könnte trotz Diaspora, trotz kleiner Zahlen, trotz wenig Personal und trotz Verfolgung zu einer der stärksten Kirchen in Deutschland werden. [...] Denn auch das ist eine Wahrheit: Jede Kirche in der Verfolgung wächst", 

dann drängen sich schon so allerlei "Was-wäre-wenn"-Gedanken auf. Darunter nicht zuletzt dieser: Man will und soll der Kirche zwar keine Verfolgung wünschen, aber unter dem Aspekt dessen, was Papst Benedikt XVI. im Jahr 2011 in Freiburg zum Stichwort "Entweltlichung" sagte, mag man sich doch fragen, ob ein gewisser Bruch im Verhältnis zwischen Staat und Kirche der letzteren nicht vielleicht ganz gut tun könnte. Was mir dazu auch noch einfällt, ist, dass Dorothy Day einmal in ihrem Tagebuch notierte, sie würde gern einmal Garibaldi auf einem Kirchenfenster dargestellt sehen, in Anerkennung der Tatsache, dass er das Papsttum von seiner weltlichen Macht befreit und damit einer geistlichen Erneuerung der Kirche den Weg gebahnt habe. – Übrigens denke ich, man sollte sich darauf einstellen, dass in dem Maße, wie die vielbeschworene "gesellschaftliche Relevanz" der Kirchen schwindet, das Klima zwischen Kirche und Staat ohnehin frostiger werden wird, unabhängig davon, ob sich politische Mehrheiten rechts oder links von der sich traditionell kirchennah gebenden Union bilden. Eine radikal und unverhohlen kirchenfeindliche Politik, wie die sachsen-anhaltinische AfD sie in Aussicht stellt, hätte da immerhin den Vorzug, dass sie den Bischöfen nicht die Option offen ließe, bis zur Selbstverleugnung Appeasement zu betreiben – und wäre somit möglicherweise ein klassischer Fall von "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende"


Kein neues Gesicht im deutschen Episkopat 

Dass die Sedisvakanz in meinem allerzweitliebsten Bistum (Münster) sich nach über einem Jahr dem Ende zuneigte, zeichnete sich recht deutlich ab, als die Pressestelle des Bistums für Donnerstag, 12 Uhr, die Bekanntgabe einer "wichtigen Personalentscheidung" ankündigte. Dass es da nicht um einen neuen Hausmeister ging, war wohl so annähernd jedem klar. Da musste ich mich natürlich erst mal in den Sozialen Medien umhorchen, was das Kirchenvolk denn so munkelt, wer der neue Bischof von Münster werden könnte oder werden sollte. Stellte dabei mit einem gewissen Unbehagen fest, dass ein offenbar recht hoch gehandelter Kandidat der derzeitige Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, war. Nun gut, von der Papierform her hatte das eine gewisse Logik: Overbeck kommt gebürtig aus dem Bistum Münster, war seit seiner Priesterweihe dort inkardiniert und von 2007-2009 auch Weihbischof in Münster; und nachdem sein Vorgänger auf dem bischöflichen Stuhl von Essen, Felix Genn, im Anschluss an seine dortige Amtszeit Bischof von Münster geworden war, war die Vorstellung, Overbeck könne denselben Karriereweg einschlagen, wohl nicht ganz abwegig. Als ein weiterer Kandidat wurde der Diözesanadministrator Antonius Hamers genannt, offenbar aus der Erwägung heraus, man habe sich über das letzte Jahr halt daran gewöhnt, dass dieser die Diözese faktisch leitet, also könne er das ruhig auch weiterhin tun. Der Name desjenigen Geistlichen, der es dann tatsächlich wurde, tauchte in den Spekulationen durchaus auch auf, aber ich muss gestehen, den hielt ich eher nicht für einen realistischen Kandidaten. 

Jedenfalls konsultierte ich daraufhin – hauptsächlich um die beunruhigende Vorstellung loszuwerden, ausgerechnet Overbeck könnte die mitgliederstärkste deutsche Diözese übernehmen – erst einmal die Facebook-Gruppe "Ein ungenanntes Bistum", wo ich zu der Frage, wer denn wohl der 76. Nachfolger des Hl. Liudger werden würde, einen bunten Strauß von Einschätzungen erhielt – von "Heidi Reichinnek" über "Kardinal Woelki, unter Dispens vom Verbot der Änterkumulation" ind "ein bayerischer Prinz" bis hin zu "einer der fünf Herren, die am 1.7. in Écône geweiht werden". Kurz vor der offiziellen Bekanntgabe lancierte dann die BILD, wer es tatsächlich wird: none other than Heiner Wilmer, derzeit noch Bischof von Hildesheim und seit Kurzem Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Eine etwas phantasielose Wahl, wie ich finde: Fast könnte man den Eindruck haben, es gäbe keine anderen geeigneten Kandidaten. – Sicher werden jetzt einige Beobachter sagen, der Umstand, dass Wilmer vom Bistum Hildesheim, wo er das Oberhaupt von rund einer halben Million Katholiken war, ins mehr als dreimal so viele Mitglieder zählende Bistum Münster wechselt, stärke seine Position an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz; aber sollte man auf der anderen Seite nicht auch in Betracht ziehen, dass ein größeres Bistum wohl auch mehr Arbeit macht und somit weniger Raum für repräsentative Aufgaben auf Bundesebene lässt? Bei Georg Bätzing konnte man ja zuweilen den Eindruck haben, er sei sozusagen hauptberuflich DBK-Vorsitzender und leite seine eigene kleine Diözese eher so nebenbei. – Die zahlreichen positiven Reaktionen, die die Wahl Wilmers zum DBK-Sprecher quer durch alle innerkirchlichen Lager hervorgerufen hat, lassen natürlich auch für seine Amtsführung als Bischof von Münster einiges hoffen; freilich können, wie mein Freund Rudolf Gehrig unlängst hervorgehoben hat, solche Hoffnungen auch trügen, aber erst einmal freue ich mich für mein allerzweitliebstes Bistum, dass Overbeck es nicht geworden ist. Auch damit, dass Antonius Hamers es nicht geworden ist, bin ich recht zufrieden, nachdem dieser sich erst kürzlich "für weniger Kirchen in seiner Diözese" ausgesprochen hat. Damit will ich nicht sagen, dass ich vom neuen Bischof erwarte, sämtliche Gotteshäuser im Bistum Münster zu erhalten – im Bistum Hildesheim wurden in Bischof Wilmers Amtszeit laut Tante Wikipedia 14 Kirchen profaniert –; aber wenn Hamers zu Protokoll gibt, er sei "erschrocken, welch großen Stellenwert materielle Strukturen mitunter haben - wenn mit großer Vehemenz an Kirchen und kirchlichen Gebäuden festgehalten wird, obwohl die Kirchen und Räume nur noch wenig genutzt werden und es nahe läge, kirchliches Leben zu konzentrieren", dann frage ich mich doch: Ist das nun raffiniertes "Framing", oder kapiert er tatsächlich nicht, dass es ganz andere Gründe gibt, die Präsenz der Kirche in der Fläche, auch und gerade in Gestalt geweihter Räume, erhalten zu wollen, als das Streben nach materieller Besitzstandswahrung? – Na, das ist wohl eher ein Thema für sich. 

Derweil bedeutet die Ernennung Wilmers zum Bischof von Münster natürlich auch, dass die Zahl der vakanten Bischofssitze in Deutschland unterm Strich gleich bleibt: Nun braucht also Hildesheim einen neuen Bischof, und das kann auch wieder dauern. Aber vielleicht gibt es da dann ja mal eine überraschende Ernennung. Hoffen wir mal das Beste. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Das erste Wort, das ich mit euch betrachten will, ist der Gruß des Engels an Maria. In der Übersetzung sagt der Engel "Ich grüße dich, Maria!" Aber das ursprüngliche griechische Wort, "chaire", bedeutet eigentlich "Freue dich", "Sei froh". Und das ist die erste Überraschung, denn der Gruß unter den Juden war "Shalom", "Frieden", während der Gruß in der griechischen Welt "chaire", "Freue dich", lautete. Es überrascht, dass der Engel, als er Mariens Haus betritt, mit dem Gruß der Griechen grüßt: "chaire", "Sei froh, freue dich". Es ist das erste Wort, das im Neuen Testament als solchem erklingt. Erst mit diesem Dialog, den der Engel Gabriel mit Maria führt, beginnt das Neue Testament wirklich. Wir können also sagen, dass das erste Wort des Neuen Testaments eine Einladung zur Freude ist: "Freue dich!" 

(Benedikt XVI., Predigt in einer römischen Pfarrei, 18.12.2005) 


Ohrwurm der Woche 

Letters to Cleo: Cruel to be Kind 

Ja, das ist eine Coverversion, und ja, sie stammt aus dem Film "Zehn Dinge, die ich an dir hasse". Im Original war der Song im Jahre 1979 ein Solo-Hit für den britischen Pub-Rocker Nick Lowe, und der Titel spielt allen Ernstes auf ein Zitat aus Hamlet an. – Verglichen mit anderen Exemplaren des Genres "Punk-Coverversionen von Popsongs", die ich bei früheren Gelegenheiten in der Rubrik "Ohrwurm der Woche" gewürdigt habe, unterscheidet sich die Version der Alternative-Rock-Band Letters to Cleo gar nicht mal so sehr vom Original – abgesehen von der weiblichen Gesangsstimme und ein bisschen mehr Wumms, aber gerade diese kleinen Abweichungen machen für mein Empfinden den entscheidenden Unterschied. Und davon abgesehen ist "Zehn Dinge, die ich an dir hasse" unironisch einer meiner Lieblingsfilme. Hashtag #isso


Vorschau/Ausblick 

Wir sind in den Ferien angekommen, aber das heißt nicht automatisch, dass wir deswegen weniger zu tun hätten. Heute zum Beispiel haben wir einige Energie auf die Wiederaufnahme des unterbrochenen Projekts "Kinderzimmer-Neugestaltung" verwendet und dafür die Gelegenheit sausen lassen, in dem einen oder anderen Pfarrsaal (es hätten mehrere Optionen zur Auswahl gestanden) Palmstöcke für den morgigen Palmsonntag zu basteln. Heute Abend ist mal wieder Community Networking Night im Baumhaus, aber wie so oft stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest, ob wir da hingehen (oder wenigstens ich). Morgen ist wie gesagt Palmsonntag, da wollen wir, wie vorige Woche schon angedacht, zum Achorhof fahren, wo wir seit dem Wölflings-Herbstlager nicht mehr gewesen sind; just heute erreichte uns eine persönliche Einladung dorthin per WhatsApp. – Den "Omatag" am Montag erwäge ich erneut zu "schwänzen", um meine Bewerbung beim Erzbistum fertigzustellen, die ich am Dienstag abschicken will. Ebenfalls am Dienstag soll (endlich!) unser neuer Kühlschrank geliefert werden. Und dann steht schon fast das Ostertriduum vor der Tür! Am Gründonnerstag soll es wieder eine zentrale Messe vom Letzten Abendmahl für die gesamte Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland geben, aber da die Pfarrkirche Maria, Hilfe der Christen nach dem Schwelbrand im letzten Sommer immer noch wegen Rauchschäden geschlossen ist, soll diese Messe in St. Marien am Behnitz stattfinden. Was mir erst einmal ein Stirnrunzeln entlockt hat, denn diese Kirche ist zwar sehr schön (und liegt zudem recht zentral am Rande der Spandauer Altstadt), aber für diesen Zweck eigentlich zu klein. Ich bin geneigt, das als ein illustratives Beispiel dafür zu sehen, wie wenig Raum für Flexibilität und Pragmatismus die post-volkskirchlichen Strukturen und Gepflogenheiten in mancherlei Hinsicht lassen. Hätte man nicht sagen können "Okay, eigentlich wollten wir es als feststehenden Gebrauch etablieren, dass die ganze Pfarrei die Messe vom Letzten Abendmahl gemeinsam feiert, aber da die Pfarrkirche dafür nun mal nicht zur Verfügung steht, machen wir dieses Jahr eine Ausnahme und feiern wie früher™️ drei Messen, also in jeder Teilgemeinde der Pfarrei eine"? Wenn man das nun aber partout nicht wollte, hätte man dann nicht, wenn die größte Kirche der Pfarrei nicht zur Verfügung steht, die zweitgrößte nehmen sollen, also St. Joseph? Aber die liegt wohl zu sehr am Rand des Pfarreigebiets, da hätten sich diejenigen, die am entgegengesetzten Ende wohnen, benachteiligt gefühlt. – Die Karfreitagsliturgie und die Osternacht gedenken wir jedenfalls in St. Joseph Siemensstadt mitzufeiern, das hat sich in den letzten Jahren bewährt. Aber das ragt jetzt schon in den Berichtszeitraum des übernächsten Wochenbriefings hinein...  


Samstag, 21. März 2026

Utopie und Alltag 17: Man hat ja sonst nichts zu tun

Freunde, ich muss euch sagen: Dieses Wochenbriefing zum üblichen Termin und annähernd im gewohnten Umfang fertigzustellen, war ein ganz schöner Kraftakt. Ich war während der zurückliegenden Woche nahezu dauerhaft im Stress, und ich fürchte, der Stress ist auch noch nicht vorbei. – Zu dem Stressfaktoren, die sich nicht sinnvoll in den thematischen Abschnitte dieses Artikels haben unterbringen lassen und die ich daher gleich hier im einleitenden Abschnitt würdigen möchte, gehört es, dass unser Kühlschrank kaputtgegangen ist und dass ich einen Zahnarzttermin unseres Tochterkindes verschieben musste, weil am selben Tag die KiTa unseres Jüngsten wegen einer Mitarbeiterfortbildung geschlossen war. Der kitafreie Tag mit dem Jüngsten war an und für sich durchaus nett – wir waren nach langer Zeit mal wieder bei der "Rumpelberggruppe", haben Tierdokus und ein paar Folgen der Serie Novelmore geguckt, zwei Runden Mensch-ärgere-dich-nicht gespielt und dabei jeder einmal gewonnen –; ich will mich also eigentlich gar nicht beklagen... außer über den Kühlschrank. Das war (und ist) schon echt lästig. Aber eine Lösung des Problems ist in Sicht, immerhin. 

Heiliger Josef, durch die Liebe, die du Jesus Christus entgegenbringst, und zur Ehre Seines Namens, erhöre unsere Bitten und Gebete.


Mit den Wölflingen auf dem Kreuzweg 

Als ich am vorletzten Freitag mit meiner Tochter vom Kampfsporttraining nach Hause ging, erhielt ich eine Nachricht von der Leiterin des KPE-Mädchenstammes Hl. Thomas Morus in Berlin-Schöneberg, die mich auf einen Umstand aufmerksam machte, den ich in ihrer jüngsten Rundmail an die Eltern der Wölflingsmädchen übersehen hatte: Das Meutentreffen am Samstag, dem 14.03., fand nicht wie gewohnt im Garten von St. Norbert unweit des S-Bahnhofs Schöneberg statt, sondern in St. Matthias am Winterfeldtplatz. Dieser liegt ganz in der Nähe des Nollendorfplatzes, der traditionell als das Epizentrum der Berliner Schwulenszene gilt,  und das machte sich im Straßenbild durchaus bemerkbar; aber das mal nur am Rande. Auf dem Winterfeldtplatz selbst fand eine Art Wochenmarkt statt, auf dem eine große Bandbreite an Waren – von Lebensmitteln über Kunsthandwerk bis hin zu Räucherstäbchen, Heilsteinen und sonstigem Esoterik-Gedöns – angeboten wurde. Vielleicht müssen wir da mal wieder hingehen, wenn wir mehr Zeit und Geld übrig haben (wenn auch nicht gerade wegen des Esoterik-Gedöns). 

Die untypische Programmgestaltung dieses Meutentreffens war offenkundig zumindest teilweise dadurch bedingt, dass von den pfadfinderpädagogisch qualifizierten Leitern niemand zur Verfügung stand und die Aufsicht über die Gruppe daher der Mutter dreier Mädchen, die schon in der Woche zuvor einen Teil der Programmgestaltung übernommen hatte, übertragen worden war; diese hatte zu ihrer Verstärkung eine weitere Mutter mitgebracht (die wohl selbst mal bei den Pfadfindern gewesen war, jedenfalls trug sie Rock und Barrett), und due inhaltliche Gestaltung des Meutentreffens oblag einer ehrenamtlichen Mitarbeiterin der Gemeinde St. Matthias, die ich bereits aus anderen Zusammenhängen kannte – die katholische Welt Berlins ist nun mal recht klein. Vierzehn Mädchen nahmen an dem Treffen teil, davon diesmal nur drei in vollständiger Kluft (bei dieser Gelegenheit sei erwähnt: Klufthemd und Barrett fürs Tochterkind sind bestellt!); der erste Programmpunkt war eine Führung durch die Gemeindebücherei, bei der – wie meine Tochter mir hinterher erzählte – in spielerischer Form eingeübt wurde, wie man in einer Bücherei Bücher zu einem bestimmten Thema findet. Im Übrigen berichtete sie mir staunend, es gebe in dieser Gemeindebücherei sogar Bücher aus der Fantasy-Reihe "Warrior Cats" (die bei ihr und ihren Schulfreundinnen derzeit hoch im Kurs steht). – Während die Mädchen in der Gemeindebücherei waren, hielt ich mich in der Kirche auf, in der es u.a. eine Reliquie des Sel. Kardinal von Galen (der hier ab 1906 für einige Jahre Kaplan war) und einige interessante Kunstwerke zu bewundern gab. 


Michael Triegel: Deus absconditus (2013). Dauerleihgabe. 

Dieser Hahn, der den Verrat des Petrus symbolisiert, thront auf den Beichtstühlen der Kirche. 

Die Wölflingsgruppe fand sich schließlich ebenfalls in der Kirche ein, erhielt auch da eine Führung, und zum Abschluss sollte der Kreuzweg gebetet werden. Allerdings war die Zeit inzwischen so weit vorgerückt, dass die Andacht auf vier Stationen gekürzt werden musste – die ersten drei (Jesus wird zum Tode verurteilt, Jesus nimmt das Kreuz auf Seine Schulter, Jesus fällt zum ersten Mal unter dem Kreuz) und die zwölfte (Jesus stirbt am Kreuz). Die Broschüre mit den Andachtstexten nahm ich mir mit; es handelt sich um einen ganz klassischen, traditionellen Kreuzweg ohne irgendwelche politisch-sozialen oder psycho-wellnessmäßigen Aktualisierungsversuche und auch ohne eine Spur von dem, was man landläufig unter "kindgerechter Gestaltung" versteht. Gefällt mir. 

Heute waren wir übrigens erstmals in diesem Monat nicht bei den Wölflingen, da das Tochterkind zum Geburtstag einer Schulfreundin eingeladen war – und wenn das nicht der Fall gewesen wäre, hätten wir trotzdem nicht gekonnt, da gleichzeitig auch Religiöser Kindertag in Haselhorst war. Ich sage mir ja immer, wenn mehrere Gründe, an einem Termin verhindert zu sein, zusammenkommen, ist es allemal besser, als wenn diese Gründe auf mehrere Termine verteilt wären. Aber schade ist es doch, da das das letzte Meutentreffen vor den Osterferien gewesen wäre. Wichtelgruppe wäre auch gewesen, aber die verpasst zu haben, finde ich ehrlich gesagt weniger schlimm – dazu wohl mal bei Gelegenheit mehr. 

Wie schön, dass du geboren bist 

Nachdem wir unsere Sonntagspflicht für den Sonntag Laetare aus pragmatischen Gründen bereits am Vorabend erfüllt hatten, begann der kalendarische Sonntag für mich damit, dass ich um sieben Uhr aufstand, um einen Kuchen zu backen. Am vorangegangenen Freitag hatte uns nämlich, als wir unseren Jüngsten von der KiTa abholten, ein Erzieher so nebenbei wissen lassen, es werde erwartet, dass der Knabe anlässlich seines Geburtstags etwas zum Morgenkreis mitbringt. Am Montag. Gefühlt hatte der Knabe zwar sowieso schon die halbe KiTa zu seiner Feier eingeladen, aber eben nicht die ganze. Eine zusätzliche Komplikation bestand darin, dass die KiTa und wohl auch ein Teil der Elternschaft Wert darauf legt, dass die Kinder nicht übermäßig viel Zucker bekommen. Daher suchte meine Liebste mir aus'm Netz ein Rezept für einen zuckerfreien (mit Datteln und Bananen gesüßten) Schokokuchen heraus, der in der Umsetzung allerdings nicht ganz zuckerfrei wurde, da ich kein zuckerfreies Kakaopulver für den Teig verwendete. 

Tatsächlich empfand ich das Teiganrühren als einen exzellenten Start in den Tag und bekam richtig Lust, in Zukunft mal wieder öfter zu backen; ein erheblicher Dämpfer für meinen Enthusiasmus war es hingegen, dass der Teig beim Backen nicht richtig aufging und der Kuchen insgesamt eher verunglückte. Na, ein Grund mehr, es bei Gelegenheit nochmal zu probieren und dann besser zu machen

Aber spulen wir erst mal noch zurück zum Samstagabend: In St. Joseph Siemensstadt in die Abendmesse zu gehen, was unter dem Aspekt der geistlichen Erbauung wahrscheinlich am besten gewesen wäre, schied leider aus, weil das Hin-und-Her-Gegurke mit dem Bus inmitten der Geburtstagsvorbereitungen zu zeitaufwändig gewesen wäre. In Haselhorst gab's keine Vorabendmesse, also blieb uns in einigermaßen wohnortnaher Lage "nur" die Wahl zwischen St. Joseph Tegel (der "Beten-mit-Musik-Kirche", wie sie bei meinem Jüngsten heißt) mit Pater Brody und St. Rita mit Pater Mephisto. Wir entschieden uns schließlich für den früheren Termin in St. Joseph – wo wir nicht nur den Altersdurchschnitt der Mitfeiernden signifikant senkten, sondern auch die Gesamtzahl der Messbesucher um rund 20% steigerten. Pater Brody trug zur Feier des Tages ein rosafarbenes Messgewand; seine rund acht Minuten lange Predigt war im Guten wie im Bösen nicht gerade herausragend, abgesehen von einer komödiantischen Einlage am Anfang, auf die ich gern verzichtet hätte, und der Tatsache, dass er sich bei der Beschreibung des Effata-Ritus selbst widersprach und den Ritus zuerst richtig und dann falsch darstellte – da muss er sich irgendwie in seinem Gedankengang verheddert und Augen und Ohren verwechselt haben, kann vorkommen, sowas. Dass das schöne Lied "Fest soll mein Taufbund immer stehn" (GL 835, Regionalteil) anstelle des Credo gesungen wurde, fand ich indes eher irritierend. 

Was ich an Pater Brody, unabhängig von seinen Qualitäten als Liturg und Prediger, jedenfalls schätze, ist, dass er kinderfreundlich ist und besonders unseren Jüngsten einfach aufrichtig gern zu mögen scheint. Als er im Anschluss an die Messe am Portal stand und Hände schüttelte, begrüßte er uns ausgesprochen freundlich und sprach ein paar Sätze mehr mit uns, als man in einer solchen Kirchentürsituation normalerweise erwarten würde. 

Aber wenn wir schon mal dabei sind, die chronologische Reihenfolge zu missachten, sei auch noch auf ein anderes im Zusammenhang mit dem Thema Kindergeburtstag relevantes Ereignis vom Samstag eingegangen: Während ich mit der Großen bei den Wölflingen war, verkrachte sich unser Jüngster nämlich mit dem wohl langjährigsten gemeinsamen Freund unserer Kinder – der mit seiner Mutter zu Besuch gekommen war, um unserem Knaben schon vorab sein Geschenk zu geben, damit er es nicht zu der großen Party am Sonntag mitschleppen musste. Bei diesem Geschenk handelte es sich um eine Autorennbahn, und das gemeinsame Spiel der beiden Jungen mit dieser neuen Errungenschaft mündete bald in einen Streit, den ich – auch wenn ich ihn zugegebenermaßen vom Hörensagen her beurteilen kann – als an und für sich eher banal und für Jungs in diesem Alter nicht ungewöhnlich einschätzen würde, der dann aber durch das Eingreifen der Mütter eskalierte. Meine Liebste hatte eigentlich nur die Absicht, zu vermitteln und die Wogen zu glätten, aber die Mutter des anderen Jungen war – mit aller Vorsicht gesagt – eher nicht an Deeskalation interessiert: Wenn sie den Eindruck hat, ihrem Goldkind sei irgendwie Unrecht geschehen, sieht sie Rot, das war auch früher schon ein paarmal zu bemerken gewesen, aber diesmal kochte der Topf endgültig über. – Traurig an dieser Geschichte, aber möglicherweise auch irgendwie bezeichnend ist es, dass der Kontakt zu diesem Jungen und seiner Mutter für uns die einzige über Jahre stabile Freundschaft ist oder war, die sich aus der #kindergartenfrei-Community heraus entwickelt hatte. Gewisse Ressentiments angesichts der Tatsache, dass unser Jüngster seit rund einem Dreivierteljahr eben doch in die KiTa geht, spielen in diesem Konflikt untergründig definitiv eine Rolle. In gewisser Hinsicht finde ich den ganzen Vorgang so illustrativ, dass er vielleicht – unter sorgfältiger Wahrung der Anonymität der Beteiligten – einen eigenständigen Artikel verdient hätte; aber vielleicht bin ich auch nicht die richtige Person, diesen zu schreiben, denn bei dem eigentlichen Streit war ich ja gar nicht anwesend. 

Zu der Feier am Sonntag, die in einem ungenannten Erlebnispark im Umland von Berlin stattfand, kamen der besagte Junge und seine Mutter jedenfalls nicht – aber eine große Runde wurde es trotzdem: Unser Sohn hatte sechs Kinder aus seiner KiTa eingeladen, von denen lediglich ein Junge nicht kommen konnte; außerdem einen Jungen, mit dem er sich vor gut einem Jahr beim Fasching angefreundet hat, und eine Schulfreundin seiner großen Schwester, die er sehr mag. Jedes der Kinder kam mit mindestens einem Elternteil – in einem Fall waren es beide –, und drei Kinder brachten noch je ein Geschwisterkind mit. Unser Tochterkind war natürlich auch mit dabei, und somit kamen wir alles in allem auf zwölf Kinder und zehn Erwachsene. Die alle bei uns zu Hause zu verköstigen und zu bespaßen, wäre wohl schwerlich leistbar gewesen, aber man muss auch einräumen, dass der klassische Kindergeburtstag mit selbstgebackenem Kuchen und Topfschlagen ein Veranstaltungskonzept ist, das schon in meiner eigenen Schulzeit deutlich auf dem absteigenden Ast war – und das, obwohl ich auf einem Dorf aufgewachsen bin, wo so gut wie jeder ein Haus mit Garten hatte. Dank einer Werbeaktion des Erlebnisparks, bei der – unter dem Motto "Bring a Friend" – jeder Inhaber einer gültigen Jahreskarte eine kostenlose Tageskarte für eine weitere Person erhalten konnte, war die Geburtstagsparty auch gar nicht so teuer, wie man hätte denken können; tatsächlich war sie sogar erheblich günstiger als die Feier zum 4. Geburtstag des Knaben, obwohl wir da weniger Gäste hatten. Es gab enorme Mengen an Essen, die Kinder konnten nach Herzenslust spielen und toben, und am Ende waren alle rechtschaffen müde.  

Im Zusammenhang mit der Anzahl der Gäste sei übrigens daran erinnert, dass dies der erste Geburtstag unseres Jüngsten als KiTa-Kind war. Ich hatte den Eindruck, dass die Kinder aus der KiTa, die er eingeladen hatte – und auch deren Eltern – wohl schon länger eine Clique sind, aber ich denke, man kann es durchaus positiv sehen, dass es unserem Sohn offenbar gut gelungen ist, in diesen Freundeskreis aufgenommen zu werden, und mit den Eltern verstanden wir uns auch gut. Zudem zeigte es sich, dass die Eltern sich bezüglich der Geburtstagsgeschenke hervorragend miteinander abgestimmt hatten: Unser Knabe hatte sich "Ninja Turtles"-Actionfiguren gewünscht, und tatsächlich bekam er von seinen KiTa-Freunden alle vier Turtles und die beiden Gegenspieler "Bebop" und "Rocksteady" (ein Nashorn und ein Warzenschwein). 

Mit der Feier am Sonntag war das Thema Kindergeburtstag aber noch nicht abgehakt: Erst einmal stand am Montag die Feier in der KiTa an, für den ich von dem missglückten Dattel-Bananen-Kuchen so viel rettete, wie zu retten war, zusätzlich aber auf dem Weg von der S-Bahn zur KiTa (auf dem man dankenswerterweise an einem Drogeriemarkt und einem Bio-Supermarkt vorbeikommt) noch Kekse kaufte; am Nachmittag folgte dann die Nachfeier mit den Omas, die zugleich auch dem am selben Tag wie unser Jüngster geborenen Sohn der Cousine meiner Liebsten galt. Im Vorfeld hatte ich zwar erwogen, an diesem "Omatag" zu Hause zu bleiben, fand dann aber, ich sei vom Wochenende her ohnehin noch zu erschöpft, um sonderlich produktiv sein zu können, und verbrachte den Tag lieber im Kreise der Familie statt mit meinen Bewerbungsunterlagen. Und dann durfte ich mich noch kuchenbäckerisch für das Dattel-Bananen-Desaster rehabilitieren, da wir auch zum JAM am Mittwoch einen Geburtstagskuchen mitbringen wollten. Zu diesem Anlass wünschte sich der Jüngste einen Apfelkuchen mit Schokoglasur, und ich dachte mir: Warum nicht. 

Den mache ich mal wieder. 

Auch sonst war es schön beim JAM: Im Garten wurde damit begonnen, aus den Einzelteilen der im Zuge der Kinderbibelwoche im vergangenen Sommer gebauten Telefonzelle (die eigentlich ein Bücherschrank hätte werden sollen, aber "die Gemeinde hat sich anders entschieden") ein Hochbeet zu bauen, und im katechetischen Teil ging es um den Verrat des Petrus und um seine Begegnung mit dem auferstandenen Jesus am See von Tiberias – ein Text, der mich immer wieder bewegt. Ich fand, unter dem Aspekt "Versöhnung zwischen Freunden, die einander enttäuscht und/oder verletzt haben" müssten meine Kinder einiges mit dieser biblischen Geschichte anfangen können – der Jüngste mit Blick auf den Streit am Tag vor seinem Geburtstag, aber auch die Große, unter deren Schulfreundinnen es in jüngster Zeit gleich mehrere Zerwürfnisse gegeben hat... 


Von Josef bis Abraham 

Am Donnerstag war das Hochfest des Hl. Josef, das erste von zwei Hochfesten, die die diesjährige Fastenzeit sozusagen "unterbrechen". Ich muss jedoch zugeben, dass ich es trotz meiner Verehrung für den Beschützer und Ernährer der Heiligen Familie möglicherweise unterlassen hätte, direkt nach dem Kampfsporttraining meines Jüngsten nach Siemensstadt zu fahren, um in der dortigen Kirche St. Joseph die Abendmesse zum Patronatsfest mitzufeiern, wenn nicht im Anschluss daran ein Vorbereitungstreffen für den Religiösen Kindertag zum Thema Abraham angesetzt worden wäre. Zudem wollte ich die Gelegenheit nutzen, den Gemeindereferenten um ein paar Tipps für meine Bewerbung beim Erzbistum zu bitten, und schließlich stellte ich zu meinem Schrecken fest, dass am morgigen Sonntag auch noch KiWoGo ist, was ich peinlicherweise überhaupt nicht auf dem Schirm gehabt hatte. 

Reden wir aber trotzdem zunächst mal über die Messe! Zelebriert wurde diese vom leitenden Pfarrer der Großpfarrei Heilige Familie in einem schönen Messgewand, auf dem der Tagesheilige abgebildet war; es fanden sich zwar nur rund zwanzig Gläubige ein, aber das tat der geradezu opulenten Feierlichkeit der Liturgie keinen Abbruch: Credo, Sanctus und Agnus Dei wurden auf Latein gesungen, der Pfarrer verwendete das Hochgebet I, vor dem Schlusssegen wurde die St. Josefs-Litanei gebetet. Die Predigt war über eine Viertelstunde lang und enthielt Ausführungen zur Geschichte der St.-Josefs-Verehrung, zu Parallelen zwischen dem Josef des Buches Genesis und dem gleichnamigen Ziehvater Jesu sowie natürlich zu dessen Rolle in den Kindheitserzählungen der Evangelien nach Matthäus und Lukas. 

Da ich aber ja wie gesagt im Anschluss an die Messe ein Teamtreffen für die Planung des Abraham-RKT hatte, fand ich es besonders bemerkenswert, dass sich die 2. Lesung – Römer 4,13.16-18.22 – um ebendiesen Abraham drehte, der unser aller Vater im Glauben sei. Auch in der Lesehore des Stundenbuchs für diesen Tag gab es einen Text ähnlichen Inhalts, nämlich Hebräer 11,8-16. Interessante Fügung, nicht? Die auf Abraham bezogenen Verse aus der Lesehore brachte ich direkt ins Teamtreffen ein – bei dem ich mich im Übrigen eher zurückhielt, einerseits, weil ich unglaublich müde war, andererseits aber auch, weil "mehr zuhören als selber reden" mein neuer Vorsatz mit Blick auf meine angestrebte Ausbildung zum Gemeindereferenten ist. Neben dem Gemeindereferenten, seiner Frau und mir nahmen noch zwei der jungen Erwachsenen an dem Teamtreffen teil, die schon am ersten RKT (im November) mitgewirkt hatten, beim zweiten (im Februar) jedoch verhindert waren; die Diskussion drehte sich größtenteils um Fragen des Ablaufs, der Spiel- und Bastelangebote und des Kochens. Für Erwägungen grundsätzlicherer Art blieb da wenig Raum und hatte ich, wie schon angedeutet, auch nicht so recht die Energie; obendrein war die Zeit zwischen dem vorigen und dem nächsten RKT ja auch etwas knapp, jedenfalls wenn man zwischendurch auch noch was anderes zu tun hat. Eine Umsetzung der durch meine Beobachtungen vom letzten Mal angeregten Verbesserungs-Ideen wird also wohl bis zum nächsten Mal warten müssen; da haben wir dann erheblich mehr Vorbereitungszeit, denn der nächste RKT steht erst Ende Mai an – jedenfalls wenn ich es nicht schlichtweg vergessen habe, den April-Termin in meinen Terminkalender einzutragen, was ich guten Gewissens nicht definitiv ausschließen kann, schließlich stand da auch nicht drin, dass morgen in St. Joseph Siemensstadt Kinderwortgottesdienst ist. Das dürfte wohl der erste KiWoGo seit ziemlich langer Zeit werden, zu dem ich konzeptionell nicht viel beigetragen habe, aber der Gemeindereferent hatte einige gute Ideen; das Evangelium, um das es gehen soll, ist die Auferweckung des Lazarus (Johannes 11,1-45), und ich bin mal gespannt, wie's läuft. – Erst als ich schon wieder auf dem Heimweg vom Teamtreffen war, fiel mir übrigens ein bzw. auf, dass ich in diesem Jahr noch gar nichts zum Stichwort "Kinderkreuzweg" gehört habe: Ich sagte mir, wenn es einen geben sollte, dann müsste der ja wohl auch bald mal dran sein. Also sprach ich das heute früh mal an, und siehe da, ich hatte Recht: Der Kinderkreuzweg in St. Joseph Siemensstadt soll am kommenden Dienstag sein, es gibt Flyer dafür, und da steht sogar mein Name drauf: 

Wenn ich ehrlich bin, passt mir der Termin gar nicht, zumal dienstags meine Kinder – beide! – Kampfsporttraining haben; andererseits kann man natürlich sagen, wenn ich ernsthaft Gemeindereferent werden will, muss ich mich wohl darauf einstellen, dass dienstliche und familiäre Pflichten mal miteinander kollidieren können. Na, wir werden mal familienintern darüber beraten, wie wir das lösen. 


Neues aus Synodalien: Hilfe, neue Mitglieder! 

Im vorigen Wochenbriefing habe ich die Anwesenheit von acht Taufbewerbern, darunter sieben junge Erwachsene, in der Sonntagsmesse in St. Joseph Siemensstadt als anekdotische Evidenz für die innere Erneuerung der Kirche angeführt; ein paar Tage später versorgte mich der Presseverteiler des Erzbistums Berlin mit Zahlen, die dieses Thema auf eine über die rein anekdotische Ebene hinausgehende Basis stellen: Die Mitgliederstatistik für das Jahr 2025 ist da, und sie enthält einige bemerkenswerte Daten. Ja, okay, die Gesamtzahl der Katholiken im Erzbistum Berlin ist weiter gesunken, auch wenn die Zahl der Austritte im Vergleich zu den Vorjahren signifikant abgenommen hat. Derweil hat der Gottesdienstbesuch seit 2022 von Jahr zu Jahr zugenommen, sowohl prozentual im Verhältnis zur Gesamtzahl der Mitglieder als auch in absoluten Zahlen; und ebenfalls von Jahr zu Jahr zugenommen hat in diesem Zeitraum die Zahl der Erwachsenentaufen (wozu auch Taufen von Jugendlichen ab 14 Jahren gezählt werden), Konversionen und Wiederaufnahmen. Die Zahl der Erwachsenentaufen hat sich im Vergleich zu 2022 sogar mehr als verdoppelt. – Aus anderen Bistümern werden ähnliche Trends gemeldet, aber die diesbezüglichen Nachrichten habe ich (zumindest bisher) nur eher oberflächlich zur Kenntnis genommen. 

Ziemlich offensichtlich ist jedenfalls, dass die synodal-"anderskatholische" Fraktion die positiven Tendenzen in diesen Statistiken nicht als Erfolg für sich verbuchen kann und sich dessen auch sehr bewusst ist – und deshalb freut sie sich auch nicht so richtig darüber. Eher im Gegenteil, könnte man sagen. Wie sehr der aktuell zu beobachtende religiöse Aufbruch in der Generation Z – der sich, wie es der für Siemensstadt und Haselhorst zuständige Pfarrvikar der Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland in seiner Jahresabschlusspredigt beschrieb, darin niederschlägt, dass die Gemeinden es mit Taufbewerbern zu tun bekommen, die "schon die Bibel gelesen haben, sich über YouTube gebildet haben über den katholischen Glauben, den Katechismus kennen" usw. – im kirchlichen Establishment als Problem und potentielle Gefahr wahrgenommen wird, dokumentiert eine Fachtagung in meinem allerzweitliebsten Bistum (Münster), auf die mich die jüngste Folge von Peter Winnemöllers "Montagskick"-Kolumne auf kath.net aufmerksam gemacht hat: eine Fachtagung des "Sachgebiets Jugendpastoral" zum Thema "Christfluencing. Extrem geglaubt". Im auf der Bistumswebsite veröffentlichten Bericht über diese Tagung äußert sich ein Kaplan aus Recklinghausen "alarniert" darüber, was religiös interessierte junge Leute "über Instagram und TikTok" von "sogenannte[n] Christfluencer[n]" aufschnappen. Zwar räumt der Kaplan ein, "80 Prozent von dem, was sie sagen", würde er "genauso sagen"; die übrigen 20 Prozent ordnet er hingegen als "gefährlich – toxisch sogar" ein. Die Gründe für diese Einschätzung bleiben unscharf: Sicherlich kann man bei manchen "Christfluencern" – besonders solchen aus dem evangelikalen oder "non-denominational"-Spektrum – Aussagen finden, die aus katholischer Sicht als Irrlehren zu klassifizieren wären, aber man hat eher nicht den Eindruck, dass das hier gemeint ist; zumindest nicht vorrangig. Das Problem dürfte eher sein, dass die Konfrontation mit Menschen, die sich mit Feuereifer und ohne relativierendes Herumgedruckse zu Jesus Christus bekennen, die Selbstgewissheit des liberalen (Post-)Christentums erschüttert. Folgerichtig scheint die Jugendpastoral-Fachtagung des Bistums Münster hauptsächlich von dem Interesse getragen, das durch "Christfluencer" geweckte oder geförderte Interesse junger Leute am christlichen Glauben in sozialverträgliche, politisch korrekte, kurz: harmlose Bahnen zu lenken. Man fühlt sich an die These von Pastor Kurowski erinnert, es sei ein "entscheidende[s] Argument für Volkskirche", dass sie "eine Art Containement [sic] für das Religiöse bietet"; ähnlich äußerte sich ja vor nicht allzu langer Zeit Pater Max Cappabianca. Um mich in diesem Zusammenhang mal selbst zu zitieren: Gesegnet sind die Lauen im Glauben, denn sie sollen die volkskirchlichen Institutionen beherrschen. Aber natürlich ist das Ganze nicht nur lustig. Zu Recht warnt Peter Winnemöller davor, "[d]en hier wirkenden Geist [...] mit Methoden der Kirchensteuerkirche erschlagen [zu] wollen", und prophezeit: "Schon allein der Versuch, diese jungen Menschen irgendwie in bestehende kirchliche (Reform-)Strukturen, gar in Verbände, zu integrieren, wird sie in die Flucht schlagen." Das mag polemisch überspitzt sein, benennt aber eine reale Gefahr. Das habe ich mir schon früher öfter gedacht, zum Beispiel angesichts der Tatsache, dass der Pfarrer von Herz Jesu Tegel (jetzt St. Klara Reinickendorf-Süd) Glaubenskurse für Erwachsene anbot – für mein Empfinden ein klassischer Fall von "Bock zum Gärtner". Aber hoffen und beten wir mal, dass Gottes Geist sich letztlich als stärker erweist als der Ungeist der post-volkskirchlichen Strukturverwalter... 

Übrigens hatte ich mir ja eigentlich vorgenommen, mich nicht vor Fronleichnam dazu zu äußern, wie Bischof Wilmer sich als neuer Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz so schlägt, aber anlässlich der Veröffentlichung der aktuellen Kirchenstatistiken nehme ich mir mal kurz von diesem Vorsatz frei. Auf Facebook hat die DBK nämlich ein Statement von Bischof Wilmer veröffentlicht, das in der Aussage gipfelt, man wolle "nach Wegen suchen, wie Christsein heute in der Gesellschaft zu größerer Akzeptanz führen kann". Vielleicht hat er sich diese Formulierung einfach nicht gut überlegt – was in seiner Position freilich schon schlimm genug wäre –, aber wenn er das tatsächlich so meint, dann muss ich sagen: Sorry, Heiner, aber gerade darum geht es nicht, oder sollte es zumindest nicht gehen. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Psalm 1 bietet das klassische Bild des "Gerechten". Wir dürfen ihn geradezu als ein Porträt der geistlichen Gestalt des heiligen Josef ansehen. Gerecht ist demnach ein Mensch, der in der lebendigen Berührung mit dem Wort Gottes lebt, der "Freude hat an der Weisung des Herrn" (V. 2). Er gleicht einem Baum, gepflanzt an Wasserläufen, der stetig seine Frucht bringt. Mit den Wasserläufen, aus denen er sich nährt, ist natürlich das lebendige Wort Gottes gemeint, in das er die Wurzeln seines Seins hinabsenkt. Gottes Wille ist ihm nicht von außen auferlegtes Gesetz, sondern "Freude". Das Gesetz wird ihm von selbst zum Evangelium, zur frohen Botschaft, weil er es in der persönlichen, liebenden Hinwendung zu Gott liest und es so von innen her zu verstehen und zu leben lernt.

(Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Prolog) 


Ohrwurm der Woche 

Doobie Brothers: Long Train Running 

Nicht der Remix von 1993, den ich persönlich ziemlich schauderhaft finde, sondern das Original von 1973. Da stimmt einfach alles, vom Schlagzeug-Einsatz bis zum Mundharmonikasolo. Und die Refrain-Zeile "Without love, where would you be now?" spricht ja wohl auch und erst recht für sich. 


Vorschau/Ausblick 

Heute war, wie angekündigt, die dritte Veranstaltung des Formats "Religiöse Kindertage" in Haselhorst, und darüber wird es natürlich wieder allerlei zu berichten geben. Am morgigen 5. Sonntag der Fastenzeit steht, wie ebenfalls bereits erwähnt, der KiWoGo zur Auferweckung des Lazarus an; außerdem ist Landtagswahl in Rheinland-Pfalz, wo eine krachende Wahlniederlage der bisher regierenden Ampelkoalition erwartet wird. Und dann beginnt schon die letzte Schul- und Arbeitswoche vor den Osterferien. Für den kommenden Montag peile ich an, wirklich mal den "Omatag" zu schwänzen, um mich um die Vervollständigung meiner Bewerbungsunterlagen zu kümmern; ob wir es am Dienstag zum Kinderkreuzweg schaffen, müssen wir mal schauen. Am Mittwoch ist jedenfalls das Hochfest der Verkündigung des Herrn (noch neun Monate bis Weihnachten!) und obendrein das letzte JAM vor Ostern, und am Donnerstag steht eine Gartenaktion in der KiTa des Jüngsten an – da ist noch nicht ganz sicher, ob wir uns daran beteiligen, aber Lust hätte ich eigentlich schon. Und am Wochenende wird dann hoffentlich unser neuer Kühlschrank geliefert. Übrigens möchte ich bereits darauf hinweisen, dass wir erwägen, den Palmsonntag wie im vorigen Jahr wieder auf dem Achorhof zu feiern. Auch wenn diesmal der Generalvikar die Messe zelebriert...