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Samstag, 14. Februar 2026

Utopie und Alltag 12: Brot und Salz

Die erste von sieben Schul- und Arbeitswochen zwischen Winter- und Osterferien ist schon wieder rum, Leser; und das war eine recht ereignisreiche Woche – so sehr, dass ich nicht dazu gekommen bin, mich mehr als nur oberflächlich mit dem Thema "Missbrauch bei den Pfadfindern" zu befassen (kommt aber noch!), und auch wenn nicht alles, was in der zurückliegenden Woche so los war, blogrelevant war, haben mir einige der Themen der Woche so viel zu reflektieren gegeben, dass ich ein paar andere Themen aus Zeit- und Platzgründen weglassen bzw. verschieben musste. Herausgekommen ist dabei ein Wochenbriefing, dessen Themenschwerpunkte den Anschein erwecken könnten, ich wäre schon mittendrin in der Ausbildung zum Gemeindereferenten --- aber seht selbst! 

Kalt erwischt 

Nachdem ich vorige Woche zu Protokoll gegeben hatte, bei unserer Abreise in den Urlaub habe Berlin sich uns von seiner schlechtesten Seite gezeigt, war auch der Empfang, der uns bei unserer Rückkehr zuteil wurde, etwas unterkühlt. Das lag nicht an den Außentemperaturen, die am Freitag deutlich milder waren als in der gesamten vorangegangenen Woche und der Woche davor; aber als wir buchstäblich mitten in der Nacht in unserem Zuhause ankamen (wir hatten sowieso schon eine ziemlich späte Zugverbindung gebucht, und dann hatte der Zug, in den wir in Hannover umsteigen wollten und mussten, auch noch fast eine Stunde Verspätung), stellten wir fest: Ganz schön kalt hier. 12 Grad, um genau zu sein. Was war passiert? – Keine Bange, das Gas war uns nicht abgestellt worden, aber die Flamme der Gastherme war ausgegangen. Das kann schon mal vorkommen, und wenn es passiert, während man zu Hause ist, und man es schnell bemerkt, ist das nicht so wild: Man drückt auf einen Knopf, dann geht's wieder. Passiert es aber, während man fünf Tage weg ist, und das in der kältesten Zeit des Jahres, dann... nun ja. Nachdem die Heizung wieder lief, dauerte es die ganze restliche Nacht, bis es wieder einigermaßen warm in der Wohnung war, und den Großteil des nächsten Tages, bis wieder eine normale Raumtemperatur herrschte. 

Durch solche Misshelligkeiten ließen wir uns indes nicht davon abhalten, am Samstag wie geplant die Kinderzimmer-Neugestaltung in Angriff zu nehmen. Und gemessen daran, wie uns vor dieser Arbeit gegraut hatte, kamen wir ziemlich gut voran damit. 

Hier entstehen Platz und Sauberkeit für eine Neuanordnung der Kinderzimmermöbel. Die Kisten und Kartons in der Bildmitte dienen der thematischen Vorsortierung des im Zimmer verstreuten Spielzeugs.

Einen Tag später sah es dann schon so aus.

Die gegenüberliegende Ecke des Zimmers machte erheblich mehr Arbeit: Die hier zu sehenden Möbel sollten ausrangiert und durch neue ersetzt werden.

Fertig geworden sind wir mit der Kinderzimmer-Neugestaltung noch nicht, aber der erreichte Zwischenstand hat schon erfreuliche Auswirkungen gezeitigt, zum Beispiel, dass die Kinder sich fröhlich mit Spielsachen beschäftigen, von denen sie vermutlich schon gar nicht mehr wussten, dass sie sie haben, und sie abends auch selbständig wieder aufräumen. Nächste Woche geht's weiter... 


Salz der Erde und Blasiussegen 

Am Sonntagmorgen fühlte meine Liebste sich erkältet, erschöpft vom Räumen im Kinderzimmer und hatte Kopfschmerzen, daher beschloss sie, lieber zu Hause zu bleiben und sich auszuruhen; unser Jüngster wollte daraufhin partout bei ihr bleiben, aber wenigstens das Tochterkind konnte ich überzeugen, mit mir in die Kirche zu gehen. Ich schätze, ein bisschen exklusive Vater-Tochter-Zeit tat uns beiden gut, jedenfalls unterhielten wir uns auf dem Weg nach Siemensstadt und zurück gut, und in der Messe – die vom Spandauer Krankenhausseelsorger zelebriert wurde – war sie aufmerksamer, fokussierter als sonst oft, was sicherlich zu einem gewissen Anteil daran lag, dass sie und ihr kleiner Bruder sich nicht gegenseitig ablenken konnten. 

Das Evangelium vom Tag war Matthäus 5,13-16 – das Doppelbildwort vom Salz und vom Licht –, und auch wenn es sich bei dem Zelebranten bekanntermaßen nicht um meinen Lieblingsprediger handelte, war ich doch gespannt, was er dazu zu sagen haben würde. Die erste Hälfte seiner Predigt, oder etwas mehr als die Hälfte, bezog sich allerdings auf die 1. Lesung, Jesaja 58,7-10: "Brich dem Hungrigen dein Brot, nimm obdachlose Arme ins Haus auf; wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn, und entziehe dich nicht deiner Verwandtschaft." Der herrschenden Meinung der historisch-kritischen Exegese folgend, ordnete der Geistliche diesen Teil des Jesajabuches in die nachexilische Zeit ein: Der Prophet spreche hier in eine Situation hinein, in der "die mühsame Realität des Alltags" das aus Babylon zurückgekehrte Volk Israel "im Gelobten Land eingeholt" habe. Auf unsere Gegenwart bezogen, stellte die Predigt besonders die gesellschaftspolitische Relevanz dieser prophetischen Mahnung heraus: 

"Wir können darauf nicht verzichten, auch nicht im Deutschland unserer Tage – auch wenn wir sicherlich in vernünftiger Weise die Leistung eines jeden Menschen fördern dürfen und müssen und auch Leistung einfordern dürfen, darf dies nicht ausgespielt werden gegen die bleibende empathische Gesellschaft, solidarische Gesellschaft. Es muss immer die Bereitschaft bleiben, mit dem Hungrigen das Brot zu teilen, Obdachlosen ein Dach über dem Kopf zu geben, Nackte zu bekleiden und sich seiner Verwandtschaft und seinen Freunden nicht zu entziehen. Und es war schon immer Mode der Menschen, wenn sie in die Bedrängnis kommen, wenn es schwerer wird, zu sagen: Na, ich muss erst mal an mich selber denken, muss erst mal schauen, wie ich irgendwie durchkomme, und dann kommt erst mal eine Weile nüscht. – Aber dann wird die Gesellschaft immer ärmer und immer schwieriger, und auch der Einzelne, dem geht's dadurch nicht besser. Denn wir alle sind immer auf die Hilfe und Solidarität anderer angewiesen. Und so dürfen wir auch in schwierigeren Zeiten diese Solidarität nicht schleifen lassen." 

Politischer, oder sagen wir: offensichtlicher politisch wird's in den Predigten in dieser Gemeinde eigentlich nie, und das finde ich auch ganz gut so. Richtig spannend wurde es dann aber, als der Priester "eine letzte Bemerkung zum Evangelium" ankündigte. Hier hob er hervor, wenn Jesus sage "Ihr seid das Licht der Welt", sei das eine notwendige Ergänzung dazu, dass Er an anderer Stelle über sich selbst sage "Ich bin das Licht der Welt": Wir dürfen nicht alles nur von Jesus erwarten, sondern müssen uns bewusst sein, dass wir als getaufte und gefirmte Christen einen Auftrag haben, selbst daran mitzuwirken, das Licht Christi in die Welt zu tragen: "Wir alle sind gefordert und wir sind begabt durch Gottes Gnade und Fähigkeiten." – Normalerweise bin ich ja geneigt, die Botschaften, die der Spandauer Krankenhausseelsorger den Hörern seiner Predigten mitgibt, als "volkskirchlich konservativ unter leicht liberalem Anstrich" einzuordnen, aber in dieser Predigt zeigte er überraschend #benOppige Tendenzen – so etwa, indem er betonte, es könne nicht die Aufgabe der institutionellen Kirche sein, ihren Mitgliedern ständig hinterherzulaufen und alles Mögliche anzustellen, um sie irgendwie bei der Stange zu halten; stattdessen sei jeder einzelne Gläubige gefordert, mit seinem persönlichen Leben "Salz in der Suppe" zu sein, und das heiße, 

"dass wir den Geschmack nicht verlieren und dass andere durch unser Engagement und unser Leben auf den Geschmack kommen, auf den Geschmack Gottes und den Geschmack des Himmels. Und dann ist Kirche lebendig und dann läuft vielleicht auch manches anders." 

Dieses Thema griff er im weiteren Verlauf der Messe, von der Einleitung zum Friedensgruß bis hin zu seinen Schlussworten, noch mehrfach auf, und auch wenn ich bekanntlich kein Fan davon bin, wenn die Predigt in andere Teile der Liturgie hinein wuchert, schließt das ja nicht aus, dass dabei Richtiges und Bedeutendes gesagt werden kann. So zitierte er Karl Rahner mit dem Satz "Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein, oder er wird nicht mehr sein" und den unlängst zum Kirchenlehrer John Henry Newman mit der Aussage "Ich sehe eine Zeit weit verbreiteten Unglaubens kommen" – und führte dazu aus:

"Und man begegnet diesem Unglauben, dem Fernbleiben nicht dadurch, dass man manchmal krampfhaft alles Mögliche anstellt, wie das Vereine machen, sondern man wird nicht anders können, als die mystische, die eigentliche Seele der Kirche zum Leuchten zu bringen. Das ist der Glaube, die Feier der Sakramente, die Verkündigung des Evangeliums, die Bereitschaft zur Diakonie, Trost und Hilfe zu spenden – und dass wir alle teilnehmen an dieser Sendung." 

Dass die Kirche kleiner werde, weil sie ihre weniger überzeugten, weniger engagierten Mitglieder nicht mehr halten könne, sei, so fügte er hinzu, etwas, worauf man sich einstellen müsse. – Bezeichnend fand ich es, dass dem Priester kurz vor Schluss plötzlich einfiel, dass die Messe ja auf YouTube gestreamt wird, und er daraufhin prompt etwas Angst vor der eigenen Courage bekam: Es wäre womöglich problematisch, meinte er, wenn das, was er da gerade ausgeführt habe, "woanders noch gehört wird". 

Zum Abschluss der Messe gab es den Blasiussegen, was angesichts der grassierenden Erkältungswelle natürlich sehr gelegen kam, und ich nahm mit Freude wahr, wie gespannt und fasziniert meine achtjährige Tochter das Zeremoniell der Segensspendung beobachtete. Ich habe es bei anderer Gelegenheit schon mal angesprochen, aber ich glaube wirklich, vielen Leuten ist überhaupt nicht klar, was für einen Schatz die Kirche in ihren Ritualen und Zeremonien besitzt. 


"Warum machst du nicht mal 'nen Podcast, Tobi?" 

Ich erwähnte es vorige Woche schon: Am Rande der jüngsten Community Networking Night im Baumhaus hat mir der Betreiber desselben eifrig zugeredet, ich solle doch mal einen Podcast machen, wenn nicht anstelle meines Blogs, dann eben zusätzlich. Der Gedanke hat mich seither nicht so ganz losgelassen, und da ich mich daran erinnerte, dass ich schon vor Jahren gelegentlich mal Beiträge für Radio Horeb ohne weitere technische Hilfsmittel auf meinem Handy eingesprochen hatte, dachte ich mir: Was soll's, probieren wir's einfach mal. Ein Thema für die "Nullnummer" stellte sich ebenfalls wie von selbst ein, in Gestalt des Buches "Die Wesermarsch während der Dänenzeit" von Jens Schmeyers, das bei meiner Mutter auf mich wartete, als wir diese in den Winterferien besuchten. Wie und warum dieses Buch in meinen Besitz gelangt ist, was die "Dänenzeit" ist bzw. war und so weiter, erkläre ich im Podcast und möchte es daher hier nicht lang und breit wiederholen, aber jedenfalls kann ich sagen, dass mir zu diesem Buch eine ganze Menge eingefallen ist – so viel, dass die am vergangenen Mittwoch erschienene "Nullnummer" meines Podcasts (mit dem Titel "It's Dänenzeit and the Feeling's Right") unversehens über zwei Stunden lang geworden ist. In Zukunft sollte ich mir wohl überschaubarere Themen vornehmen, damit die einzelnen Folgen nicht so lang werden. 

Erwähnen will ich indes noch, dass ich mit dem Gedanken gespielt habe, meinen Podcast "Just Talk Shit" zu nennen – nach dem Rat, den Scott aus dem Baumhaus mir gegeben hat. Aber da hätte sich bestimmt wieder jemand beschwert. Also heißt er jetzt vorerst einfach "Der Mittwochsklub-Podcast" und wird in Zukunft, je nachdem wie die Dinge sich entwickeln, vielleicht mal "Der Huhn meets Ei-Podcast" heißen. Zu finden ist der Podcast auf der Mittwochsklub-Patreon-Seite, der Zugang ist bis auf Weiteres kostenlos, aber ich möchte dennoch nicht die Gelegenheit versäumen, darauf hinzuweisen, dass die Plattform Patreon eigentlich dafür konzipiert ist, die jeweiligen Content Creators finanziell zu unterstützen – mit einem Beitrag ab 5 € im Monat. Dafür gibt's auch allerlei Premium-Content, aber wie ich immer gern sage, wenn das als Anreiz nicht ausreicht, dann kann man es auch als solidarischen Akt betrachten: Jeder, der für die Patreon-Seite zahlt, leistet einen Beitrag dazu, dass dieser Blog für den Rest der Welt kostenlos bleibt! 

Das Thema für die nächste Podcastfolge – die eigentliche Nr. 1 also, die, wenn's gut läuft, am kommenden Mittwoch erscheinen soll – steht auch schon fest, nämlich "100 Jahre offene Kirche Herz Jesu Tegel"; in Wirklichkeit sind es erst 25 oder jetzt wohl bald 26 Jahre, aber "100 Jahre" klingt einfach besser, und wir wollen mal hoffen, dass es noch 100 Jahre werden


Kleine Brötchen: JAM vs. Erstkommunionkatechese

Am Mittwoch war wieder JAM, und da gingen wir natürlich hin; erstmals in diesem Jahr gab es in der "gleitenden Ankunftsphase" mal wieder ein Bastelangebot, und danach erklärte unser Jüngster, er wolle, dass ich mit ihm nach oben zum Programm für die "Minis" (also für die Vorschulkinder) gehe. Na gut, dachte ich mir, da habe ich immer noch mehr Lust drauf als aufs Elterncafé. Am liebsten wäre ich aber natürlich zum Programm für die größeren Kinder gegangen – umso mehr, als es in der Katechese diesmal um die Wundersame Brotvermehrung ging, und zwar in der Version des Johannesevangeliums. Bei den "Minis" wurde diese Perikope im Wesentlichen nur nacherzählt, und zur Veranschaulichung erhielt jedes Kind ein kleines Stück Milchbrötchen. Dass Jesus im Zusammenhang mit der Brotvermehrung sagt "Ich bin das Brot des Lebens" (Joh 6,35), wurde durchaus erwähnt, aber lediglich metaphorisch gedeutet, also in etwa: "Genauso wie man Brot für das tägliche Leben braucht, braucht man Jesus für das ewige Leben, d.h. um in den Himmel zu kommen". Man mag sagen, das sei in einer evangelischen Freikirche kaum anders zu erwarten gewesen, aber im Nachhinein dachte ich mir doch: Abendmahl feiern die doch auch in ihrem Gottesdienst, wenn auch vielleicht nur einmal im Monat; und auch wenn das ihrem Verständnis nach bloß eine symbolische Handlung ist, könnte man es vielleicht doch verwunderlich finden, dass in einer Katechese zu Johannes 6 überhaupt kein Bezug zum Abendmahl hergestellt wird. Nochmals darüber nachgedacht, ist es aber vielleicht weniger verwunderlich als bezeichnend: Stellt man nämlich einen Zusammenhang zwischen der "Brotrede" in Joh 6,22-59 und den Einsetzungsworten beim Letzten Abendmahl her, dann deutet dieser Zusammenhang doch recht stark in Richtung Realpräsenz, und das ist für Konfessionen, die nicht an die Realpräsenz glauben, wohl ein plausibler Grund, diesen Zusammenhang nicht herzustellen. – Jedenfalls war ich nun natürlich neugierig, wie das Thema wohl bei den größeren Kindern gestaltet worden war, sonderlich viel wusste mein Tochterkind mir zunächst allerdings nicht darüber zu berichten, außer dass es auch da Milchbrötchen zu essen gab – zusätzlich aber auch Brötchen gebacken wurden, was ja, wie man so hört, auch in der Erstkommunionkatechese eine beliebte Aktivität ist. Ich hatte zu diesem Thema schon vor Jahren mal einen Absatz aus dem Buch "Nightfever. Theologische Grundlegungen" zitiert, der mit der Feststellung begann "Es wird immer noch ganz viel Brot gebacken in der Eucharistiekatechese und immer noch zu wenig von der realen und substantialen Gegenwart des Herrn gesprochen, der unter den eucharistischen Gestalten die Gemeinschaft seiner Kirche aufbaut". Erneut daran erinnert wurde ich im letzten Sommer durch eine Instagram-Story von Horse & Hound, von der ich zur späteren Verwendung einen Screenshot angelegt habe: Da berichtete der damals noch alleinige Seitenbetreiber Thomas H. aus G., er habe neulich "eine Kollegin getroffen", die "beklagt, dass sich die Seelsorgenden [sic] in der Erstkommunion-Vorbereitung vor allem um die Vermittlung von 'Glaubenswissen' kümmern würden". Meine spontane Reaktion darauf war, das sei ja mal wieder typisch PUU, und nach allem, was ich so über die landläufige Praxis der Erstkommunionvorbereitung wisse, werde da ja wohl eher zu wenig Glaubenswissen vermittelt. Aber dann sagte ich mir, ich sollte besser mal keine voreiligen Schlüsse darüber ziehen, worauf die besagte Kollegin mit ihrem Stoßseufzer hinaus wolle, und lieber erst mal weiterlesen. Und so las ich: 

"Sie meinte: 'Hier in der Stadt werden 90% aller Ehen geschieden. Die Welten unserer Kinder zerbrechen und wir reden mit den Kindern übers Brotbacken?'" 

Was sollen wir nun hierzu sagen (Röm 6,1)? Versuchen wir das mal zu "entpacken": Wenn die Dame damit sagen will, dass es ein wichtiger Aspekt von Kinderkatechese sein könnte und sollte, die Kinder in ihrer Lebensrealität, auch in ihrer konkreten individuellen Lebenssituation wahrzunehmen und auf sie einzugehen, und dass dieser Aspekt vielfach vernachlässigt wird, weil Kinderkatechese nach Schema F gemacht wird, dann mag sie wohl Recht haben. Aber dass sie "übers Brotbacken reden" kurzerhand mit "Vermittlung von Glaubenswissen" gleichsetzt, hat dann doch etwas Tragikomisches. Ich möchte da nochmals auf den weiter oben schon zitierten Absatz aus dem Nightfever-Buch zurückverweisen: Das Problematische an der Brotbackerei im Erstkommunionunterricht ist, dass da zunächst einmal nur "das Symbol in seinem menschlichen Gehalt erschlossen" wird und die Gefahr besteht, dass dies als "ein rein horizontaler Vorgang" wahrgenommen wird: 

"Brot ist zum Essen da, und beim Herstellungsvorgang sowie beim Verzehr entsteht, wenn es gut geht, Gemeinschaft. [...] Was wirklich deutlich werden muss, ist, dass die Gabe des Brotes nicht nur dem irdischen Leben dient, sondern Symbol für die Hingabe Jesu Christi an uns als Speise zum ewigen Leben. Das ist nicht unmöglich. Es müsste nur gemacht werden." 

– Übrigens teilte unser Tochterkind uns schließlich noch mit, in der Katechese für die größeren Kinder habe die JAM-Leiterin gesagt, wenn Jesus von sich selbst als dem "Brot des Lebens" spreche, sei das "natürlich" nicht so zu verstehen, dass man "Butter auf Ihn draufschmieren und Ihn aufessen" könne. Daraufhin fanden meine Liebste und ich es dann doch ratsam, vor dem Schlafengehen noch eine kleine Nachbesprechung zum JAM abzuhalten und darauf hinzuweisen, dass wir glauben, Jesus habe tatsächlich gemeint, dass wir Seinen Leib (in Gestalt von Brot) essen sollen, und dass wir das in der Kommunion tun. Zu unserer Großen sagte ich in diesem Zusammenhang auch, dass sie ja nach den Sommerferien mit dem Erstkommunion-Unterricht anfangen und dann noch mehr und Genaueres zu diesem Thema lernen werde. (Wozu übrigens anzumerken ist, dass ich entschieden die Absicht habe, in der Erstkommunionkatechese meiner Kinder – also erst einmal eines Kindes, das andere hat ja noch ein paar Jahre Zeit – auch persönlich "mitzumischen". In welcher Form und welchem Umfang genau, muss sich noch zeigen.) Bemerkenswert fand ich, dass das Tochterkind im Zuge dieses Gesprächs von sich aus anmerkte, man brauche Jesus ja nicht nur für das ewige Leben, sondern Er mache auch jetzt schon das Leben besser. – Im Übrigen war am Abend zuvor die Lourdes-Novene zu Ende gegangen, und nun überraschten mich meine Kinder mit dem Wunsch, eine neue Novene anzufangen. Daraufhin musste ich erst mal schauen, was für eine Novene denn jetzt "dran" wäre; und siehe da, am 20. Februar ist der Gedenktag der Seherkinder von Fátima, Jacinta und Francisco Marto, und natürlich findet man Novenen zu diesem Anlass im Netz. Also ist jetzt nach der Lourdes- eine Fátima-Novene dran. Mal sehen, was danach kommt... 


Aufbrechen wie Abraham: Neues vom Projekt "Religiöse Kindertage"

Am Donnerstagabend fand im Gemeindehaus von St. Stephanus in Haselhorst das Vorbereitungstreffen für den nächsten "Religiösen Kindertag" statt, das ursprünglich schon für zwei Wochen vorher anberaumt worden war, aber wegen krankheitsbedingter Absagen hatte verschoben werden müssen. Gut für mich, denn am ursprünglichen Termin hätte ich nicht teilnehmen können. – Schon das Vorbereitungstreffen zur ersten Veranstaltung des Formats "Religiöse Kindertage" in St. Stephanus – an dem ich nicht hatte teilnehmen können, weil ich da im Urlaub war – hätte, wie ich seinerzeit notierte, eigentlich unter dem Motto "Beten – Planen – Essen" stehen sollen, aber wie der Gemeindereferent mir hinterher berichtete, hatte sich gezeigt, dass den anderen Teilnehmern der Leitgedanke, die Planungsarbeit für das neue Projekt im Gebet zu verankern, eher fremd war, und so war das Beten ein bisschen kurz gekommen. Nun sollte es in dieser Hinsicht einen neuen Anlauf geben. 

An dem Treffen an diesem Donnerstag nahmen insgesamt sieben Personen teil – vier junge Erwachsene, von denen drei schon beim ersten RKT im November mitgewirkt hatten (den vierten kannte ich vom Jugendeinkehrtag letztes Jahr vor Ostern) und drei nicht mehr so junge Erwachsene, darunter der Gemeindereferent und ich. Die jungen Leute kamen allerdings sämtlich etwas zu spät, weshalb wir mit der "geistlichen Einstimmung" schon mal ohne sie anfingen: Wir sangen ein paar Lieder, wozu ich ein bisschen auf der alten Gitarre spielte, die im Gemeindesaal von St. Stephanus zum Inventar gehört, und als dann alle eingetrudelt waren, begannen wir eine (vom Gemeindereferenten "anmoderierte") Gebetsrunde. Es war deutlich zu bemerken, dass freies Beten allen Beteiligten, besonders aber den Jüngeren, eher ungewohnt war; aber es war ein Anfang. Zum Abschluss der Gebetsrunde wurde ein Gebet aus dem Gotteslob (Nr. 7,7, "Du bist heilig, Herr, unser Gott" vom Hl. Franz von Assisi) gemeinsam gesprochen, da fühlten sich alle wieder in sicheren Gewässern. 

Für den anstehenden Religiösen Kindertag – in zwei Wochen, am 28. Februar – war ja das Thema "Raus dem Alltag, rein ins Abenteuer – mit Abraham ins Heilige Land" geplant, und dazu gab es erst einmal eine "Bibelarbeit": Der Gemeindereferent hatte für jeden Teilnehmer auf einer DIN-A-4-Seite die Verse Genesis 12,1-9 ausgedruckt und stellte nun verschiedene Methoden vor, an diesem Text zu arbeiten: Die eine Option war, einen "Sehtext" zu gestalten (diese Methode kannte ich schon vom Jugendeinkehrtag her, sie wurde aber nur von einem Teilnehmer gewählt), die andere, miteinander ein "Schriftgespräch" zu führen, indem jeder auf seinen Blatt Anmerkungen, Fragen oder Assoziationen zum Text an den Rand schreibt und das Blatt dann an den Sitznachbarn weitergibt, der auf diese Randnotizen "antworten" oder eigene hinzufügen kann. Als angehender Religionspädagoge (hihi) fand ich diese Methode sehr interessant, und sie erbrachte auch durchaus bemerkenswerte Ergebnisse; nicht unerwähnt lassen möchte ich indes, dass am Beginn dieser "Bibelarbeit" der Wunsch an den Gemeindereferenten herangetragen wurde, ein bisschen Kontext zu dieser Bibelstelle zu referieren, "weil wir alle nicht so bibelfest sind, außer vielleicht Tobias". Lassen wir das mal so stehen... 

Nach der "Bibelarbeit" wurde erst mal gemeinsam gekochtOne-Pot-Hähnchencurry mit Reis – und dann gemeinsam gegessen, und während des Essens wurde Organisatorisches besprochen, zum anstehenden RKT wie auch zur diesjährigen Religiösen Kinderwoche in den Sommerferien – ein Thema, auf das zu gegebener Zeit noch zurückzukommen sein wird. Was den RKT-Termin in zwei Wochen angeht, stellte sich indes heraus, dass beinahe das gesamte Team – bis auf den Gemeindereferenten und mich – da gar nicht da ist, weshalb der Beschluss gefasst wurde, das Abraham-Thema lieber auf Ende März zu verschieben. Der Termin am 28. Februar soll aber trotzdem nicht einfach ausfallen, also werden wir da wohl in reduzierter Besetzung etwas improvisieren müssen. Wahrscheinlich zum Thema Schöpfung bzw. Adam und Eva. Ich werde berichten... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Der Verlust der Hoffnung hat seinen Grund in dem Versuch, eine Anthropologie ohne Gott und ohne Christus durchzusetzen. Diese Denkart hat dazu geführt, den Menschen "als absoluten Mittelpunkt allen Seins zu betrachten, indem man ihn fälschlicherweise den Platz Gottes einnehmen ließ und dabei vergaß, dass nicht der Mensch Gott erschafft, sondern Gott den Menschen erschafft. 

Das Vergessen Gottes hat zum Niedergang des Menschen geführt. Es wundert daher nicht, dass in diesem Kontext ein großer Freiraum für die Entwicklung des Nihilismus im philosophischen Bereich, des Relativismus im erkenntnistheoretischen und moralischen Bereich, des Pragmatismus und sogar des zynischen Hedonismus in der Gestaltung des Alltagslebens entstanden ist. Die europäische Kultur erweckt den Eindruck einer "schweigenden Apostasie" seitens des satten Menschen, der lebt, als ob es Gott nicht gäbe.

(Johannes Paul II., Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 9


Ohrwurm der Woche 

Screaming Trees: Nearly Lost You 

Diesen Song kenne ich ursprünglich vom Soundtrack-Album zu Cameron Crowes Spielfilm "Singles" aus dem Jahr 1992, womit dies nach "State of Love and Trust" von Pearl Jam (in "Grüße aus dem Corona-Park #3", April 2020) und "Waiting for Somebody" von Paul Westerberg (im "Creative Minority Report" Nr. 6, Dezember 2023) schon mein dritter "Ohrwurm der Woche" ist, der auf dieser Platte bzw. in diesem Film vertreten ist. In Erinnerung gerufen hat mir den Song indes ein YouTube-Video über "Bands aus den 90ern, die 'das nächste große Ding' hätten werden können, es dann aber doch nicht wurden"; ein Video übrigens, aus dem durchaus noch der eine oder andere weitere "Ohrwurm der Woche" hervorgehen könnte. Tatsächlich wird die Gruppe Screaming Trees zwar zu den Pionieren des Grunge-Genres gezählt, aber nach ihrem Durchbruch mit dem Album "Sweet Oblivion" (1992), auf dem der Song "Nearly Lost You" enthalten war, brauchte die Band vier Jahre, um ein weiteres Album herauszubringen, und inzwischen war der Grunge-Boom vorbei. Tja, schade. 


Vorschau/Ausblick 

Die Karnevalssaison geht ihrem Höhepunkt entgegen, und dieser Umstand hat uns am heutigen Samstag ein Termin-Dilemma beschert: Einerseits war Kinderfasching in St. Bernhard Tegel-Süd, da war meine Liebste voriges Jahr mit den Kindern, während ich in Sachen Pfarrhausfamilie unterwegs war, und unser Jüngster hat sich da mit einem etwa gleichaltrigen Jungen angefreundet; diese Freundschaft hat sich übers Jahr gut entwickelt, wir verstehen uns auch mit den Eltern sehr gut, und nun wollten die Jungs natürlich wieder zusammen Kinderfasching feiern. Gleichzeitig war aber auch Kinderfasching in der Gemeinde St. Norbert in Schöneberg, und dazu waren die KPE-Wölflinge sozusagen kollektiv eingeladen; oder anders ausgedrückt, zugunsten der gemeinsamen Teilnahme an der Faschingsfeier fiel das "normale" Meutentreffen aus. Theoretisch hätten wir uns nun aufteilen können, ein Elternteil geht mit dem Jüngsten nach St. Bernhard, das andere mit der Großen nach St. Norbert, aber so richtig ideal fanden wir das alle nicht, und hinzu kam, dass die Faschingsfeier in St. Norbert unter dem Motto "Arche Noah" stand und unser Tochterkind dafür kein geeignetes Kostüm hatte. Also entschieden wir uns doch lieber dazu, alle zusammen zum Kinderfasching in St. Bernhard zu gehen; darüber berichte ich dann beim nächsten Mal. – Zum Ausgleich für das ausgefallene Wölflingstreffen in Schöneberg wollen wir morgen wieder zu den KPE-Wölflingen und -Wichteln in Gesundbrunnen, und das heißt, dass wir planen, in St. Afra in die "Alte Messe" zu gehen; da haben wir wohl die größtmögliche Sicherheit, am letzten Sonntag vor Beginn der Fastenzeit von einer Karnevals-"Liturgie" mit Schunkelliedern und gereimter Predigt verschont zu bleiben. Ausgestanden ist das Thema Karneval damit aber noch nicht, denn am Rosenmontag ist ist antifaschistischer, kultursensibler Fasching in der Schule des Tochterkindes, am Dienstag feiert die KiTa des Jüngsten Fasching, dafür hat sie tags darauf geschlossen, aber nicht wegen Aschermittwoch, sondern wegen einer Mitarbeiterfortbildung. Ich schätze, das ist eine gute Gelegenheit, mal wieder mit dem Jüngsten in St. Marien Maternitas in die Messe zu gehen – die, dem Zelebrationsplan der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd zufolge, von Pater Mephisto zelebriert wird. 

– Und wie steht es mit guten Vorsätzen für die Fastenzeit? Sagen wir so: Im Vergleich zum Vorjahr wäre es schon ein Fortschritt, wenn ich an meinem Bibelleseplan dranbliebe (dazu, wie es damit läuft, gibt es folgerichtig nächste Woche ein Update); davon abgesehen hatte ich in der vorigen Fastenzeit damit begonnen, möglichst jeden Werktag mit Invitatorium und Laudes (plus Kaffee) zu beginnen, dies dann aber auch über die Fastenzeit hinaus beibehalten – und nun bin ich mir recht unsicher, ob es nun ein realistischer Vorsatz für die diesjährige Fastenzeit ist, darüber hinaus noch eine weitere Hore des Stundengebets in meinen Tagesablauf zu integrieren. Was ich hingegen sehr gern mal wieder machen würde, wäre "Beten mit Musik" – und zur Eucharistischen Anbetung gehen. Wir werden sehen, was daraus wird. 

Am kommenden Samstag ist dann volles Programm: Ich bin beim "Bewerber:innentag" des Erzbistums Berlin für pastorale Berufe, und gleichzeitig ist meine Liebste bei einem Einkehrtag für Frauen in der EFG Schöneberg, zu dem eine JAM-Mitarbeiterin sie eingeladen hat. – Und was machen die Kinder währenddessen? Die gehen mit den Omas zu den Pfadfindern. So jedenfalls der Plan. Das verspricht alles recht spannend zu werden, aber berichten werde ich darüber wohl erst im übernächsten Wochenbriefing können. 


Samstag, 7. Februar 2026

Utopie und Alltag 11: Des einen Auszeit ist des anderen Eiszeit

Moin und Ahoi, hochgeschätzter Leser: Einen Großteil des Berichtszeitraums dieses Wochenbriefings habe ich mit meiner Familie im Urlaub in Butjadingen verbracht – eine wohltuende und wohlverdiente Auszeit, aber was es darüber zu berichten gibt, hält sich doch einigermaßen in Grenzen. So war mehr Raum für andere Themen, und ich möchte mal behaupten, es ist mal wieder ein thematisch recht buntes Wochenbriefing dabei herausgekommen. In diesem Sinne: Vorhang auf! 

Konzertmuschel in Tossens. So winterlich haben wir unseren regelmäßigen Urlaubsort noch nie erlebt.

Alles Theater 

Zu den lebhaftesten Erinnerungen, die ich an mein Studium habe, zählt diejenige an das Proseminar Dramaturgie in meinem ersten Semester. In einer der ersten Sitzungen, wenn nicht in der allerersten, ging es um die Frage "Was ist eigentlich Theater?", und die Dozentin, Dr. Christa Hasche, war bestrebt, uns klar zu machen, dass unser Theaterbegriff – geprägt von dem, was wir auf dem Gymnasium über Dramentheorie gelernt hatten – viel zu bildungsbürgerlich-eng sei: Sie plädierte für eine Definition von Theater, die z.B. auch "Revuen im Friedrichstadtpalast" einschließt. "Aber sowas schauen Sie sich ja nicht an." 

Was mich betrifft, hat sie damit bis letzte Woche Recht behalten. Am vergangenen Samstag, dem 31. Januar, war ich tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben im Friedrichstadtpalast. Das kam so: Meine Liebste hatte die Idee gehabt, ihrer Mutter (die letztes Jahr einen runden Geburtstag hatte) und deren Partnerin Karten für die Revue "Frida & Frida" zu schenken, aber meine Schwiegermütter meinten, wir sollten dorthin mitkommen. Ich war darauf zunächst nicht besonders scharf, ließ mich aber überzeugen. Und ich kann schon mal sagen, ich habe es nicht bereut. 

"Frida & Frida" war eine Show des "Jungen Ensembles" des Friedrichstadtpalasts, wozu es passte, dass die gespielte Handlung in Inhalt und Stil eher Schultheater-Niveau hatte – was aber gar nicht so abwertend gemeint ist, wie es vielleicht klingt; man wird indes behaupten dürfen, dass diese szenischen Elemente vorrangig dazu dienten, einen erzählerischen Zusammenhang zwischen den Shownummern herzustellen. Und was da in Sachen Tanz und Akrobatik sowie an opulenten Kostümen und bühnentechnischen Effekten geboten wurde, war schon sehr sehenswert. (Übrigens hieß es in einer Ansage in der Einlassphase, der Friedrichstadtpalast habe "die größte Theaterbühne der Welt". So riesig kam sie mir eigentlich gar nicht vor, aber da mag der Eindruck täuschen.) 


Zu der Frage, warum die Show "Frida & Frida" heißt und was genau das mit Frida Kahlo zu tun hat, muss man indes sagen: Es ist kompliziert. Die Protagonistin der gespielten Handlung heißt Frida, träumt davon, Malerin zu werden, und erkrankt plötzlich an Polio (Kinderlähmung), woraufhin sie längere Zeit in einer Klinik verbringen muss; insoweit ist diese Figur also lose an die reale Frida Kahlo angelehnt, und dann begegnet sie in mehreren Traumsequenzen einer anderen Frida, gewissermaßen einer Phantasieversion ihrer selbst, und die trägt so einen Kopfputz aus Blumen, wie man ihn aus mehreren ikonischen Selbstporträts von Frida Kahlo kennt. Darüber hinaus waren besonders in den Traumsequenzen, die mit der sterilen Klinik-Atmosphäre kontrastierten, die Bühnenbilder und Kostüme von der Bildsprache der Gemälde Frida Kahlos inspiriert. – Was ich an dieser Stelle aber auch noch anmerken möchte, ist, dass die Show so viele Klischees über Mexiko bediente – angefangen davon, dass die Conférence von einer Mariachi-Band übernommen wurde, bis hin dazu, dass im Finale eine riesige Piñata aus dem Schnürboden herabgelassen wurde –, dass ich mich fast schon wunderte, dass es von "woker" Seite keine Proteste gegen diese Show gegeben hat. Zukünftig wird es jedenfalls wohl keine mehr geben, da die Vorstellung, die wir gesehen haben, die letzte war. 


Rettet das Baumhaus! 

Dazu, am Samstagabend noch zur Community Networking Night ins Baumhaus zu gehen, waren die Kinder nicht zu motivieren, also blieb meine Liebste mit ihnen zu Hause und ich fuhr alleine hin. Dies war nicht nur meine erste Teilnahme an der Community Networking Night seit Juni letzten Jahres, sondern es gab auch einen konkreten Anlass für diesen Besuch: Das Baumhaus, ein Ort, den ich hier schon des öfteren als vorbildlich und inspirierend in Sachen "community building" gewürdigt habe, befindet sich finanziell in einer schwierigen Lage und hat daher gerade eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um die laufenden Kosten für die nächsten drei Monate zu decken – insgesamt 12.000 Euro. Eigentlich sollte die erste Community Networking Night des Neuen Jahres unter anderem dazu dienen, diese Spendenaktion anzuschieben; Baumhaus-Initiator Scott Bolden wollte dazu, der Programmankündigung zufolge, eine Ansprache halten. Tatsächlich war der Abend aber so schwach besucht, dass er sich das sparte und stattdessen lieber Einzelgespräche führte. Mit mir redete er u.a. auch über meinen Blog – ja, genau diesen hier – und regte an, ich solle einen Podcast machen: Damit erreiche man ein breiteres Publikum, zum Beispiel auch Leute, die wenig bzw. ungern lesen. Wenn ich die schriftliche Form nicht aufgeben möge, solle ich erwägen, zusätzlich einen Podcast zu starten; das mache nicht viel Arbeit, man könne da ganz frei von der Leber weg über alles reden, was einem so in den Sinn kommt, könne sich Gäste einladen und mit denen "einfach quatschen"... Also, ich kann nicht behaupten, dass ich darauf keine Lust hätte. Und die technische Seite würde man wohl auch noch irgendwie in den Griff kriegen. 

Erst nachdem ich dieses Foto gemacht hatte, fiel mir auf, dass unter den um den Baum herum gruppierten Stichworten "Inspiration" noch nicht vertreten war, also fügte ich es oben links hinzu.

Auch mit einigen der wenigen anderen Gäste führte ich interessante Gespräche; so z.B. auch mit dem HipHop-Reporter und Moderator Motasch, der erst unlängst im Baumhaus und im angrenzenden Panke-Club die erste Runde der German Beatmaking Championship moderiert hat und der nun mit seinem Handy ein paar Leute, darunter auch mich, interviewte – dazu, was uns mit dem Baumhaus verbindet und warum wir das Baumhaus als erhaltenswert ansehen. Wo man diese Interviews sehen kann, habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können, aber vielleicht finde ich da noch was raus. – Auch das Essen war mal wieder hervorragend – und, in Anbetracht des eher überschaubaren Publikums, sehr reichlich. 

Zu Scotts Plänen fürs die Zukunft des Baumhauses zählt es übrigens auch und nicht zuletzt, die Räumlichkeiten mehr als bisher für unterschiedliche Veranstaltungskonzepte von verschiedenen Leuten zu öffnen; da lag für mich natürlich der Gedanke nicht fern, ob wir nicht auch mal was im Baumhaus machen könnten. Als ich diesen Gedanken am nächsten Morgen beim Frühstück meiner Familie unterbreitete, hatte das Tochterkind die Idee, wir könnten ein Kinderprogramm im Baumhaus anbieten. Einen anderen Vorschlag hatte meine Liebste: nämlich, das Baumhaus zu mieten, um meinen Geburtstag dort zu feiern. Wäre mir natürlich – buchstäblich – ein Fest. Aber dafür muss das Baumhaus natürlich erst mal seine finanzielle Durststrecke überstehen. Als ich das letzte Mal nachgeguckt habe, hatte die Crowdfunding-Kampagne 2.152 € eingebracht, also gut ein Sechstel der angestrebten Gesamtsumme. Da geht noch mehr, würde ich mal sagen! 


Lichtmess in Siemensstadt 

Am Sonntag fuhren wir – obwohl es der erste Sonntag im Monat war und somit theoretisch ein "Gottesdienst-Double-Feature in Haselhorst" möglich gewesen wäre – zur Messe in St. Joseph Siemensstadt, wo das Fest Darstellung des Herrn bzw. Mariä Lichtmess "vorgefeiert" wurde – "damit es nicht am Montag untergeht", wie der örtliche Pfarrvikar in seinen Begrüßungsworten erläuterte. Ziemlich zu Beginn der Messe, vor dem Kyrie, gab es eine Kerzenweihe; dazu hatten wir extra eigene Kerzen von zu Hause mitgebracht, aber wie es schien, war das wohl eigentlich gar nicht vorgesehen: Stattdessen wurde ein Korb voller schmaler gelber Wachskerzen auf den Altar gestellt, mit Weihwasser besprengt, dann wurden die gesegneten Kerzen angezündet und an die Gemeinde verteilt. Ich denke aber mal, wir können unsere selbst mitgebrachten Kerzen getrost als "mitgesegnet" betrachten, auch wenn sie kein Weihwasser abbekommen haben. – Auch im weiteren Verlauf der Messe kamen die Texte vom Montag und nicht die vom Sonntag zum Einsatz, wodurch es keine Predigt zu den Seligpreisungen gab – worüber ich, nachdem ich zu diesem Evangelium einen Impuls aus der Reihe "Langweilig predigen für Anfänger" auf dem Instagram-Kanal der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd gesehen und gehört habe, gar nicht so unglücklich bin. Erst recht nicht angesichts der Predigt, die der Pfarrvikar stattdessen zum Evangelium von der Darstellung Jesu im Tempel (Lukas 2,22-40) hielt. Aus dieser im Verhältnis zu ihrer Länge (knapp zehn Minuten) wieder einmal bemerkenswert inhaltsreichen Predigt möchte ich hier nur ein paar Aspekte herausgreifen – wer die ganze Predigt im Zusammenhang hören möchte, kann das gern auf YouTube tun. Interessant fand ich, was der Pfarrvikar dazu ausführte, wie die Figuren des greisen Simeon und der greisen Hanna, denen der Säugling Jesus bei der Darstellung im Tempel begegnet, im Alten Testament verankert sind: Hannah verweist schon durch ihren Namen auf die Mutter des Propheten Samuel – "das heißt, sie war eine unfruchtbare Frau, sie ging in den Tempel und bat den Herrn um ein Kind. Und Gott erhörte sie." Zudem wird sie als "eine Tochter Penuëls" bezeichnet; Penuël ("Angesicht Gottes") erscheint im Alten Testament nicht als Personen-, sondern als Ortsname, der Erzvater Jakob nennt so den Ort, an dem er mit dem Engel gerungen hat (Genesis 32,31). "Und die Hanna, Tochter Penuëls, ist eine, die wartet, das Angesicht Gottes zu sehen. Und das sieht sie in diesem Kind." 

Ein weiterer Aspekt der Predigt, der mich persönlich sehr ansprach, betraf die persönliche Begegnung mit Christus – und was es bedeutet, Christus anzunehmen wie ein Kind, das "in unsere Arme gelegt wird": 

"Ein Kind revolutioniert das Leben. Wenn ein Säugling geboren wird, nix is mehr so wie's war. Man braucht ein Kinderzimmer, auf einmal die ganze Babyausrüstung und so weiter. Das heißt, das Leben steht Kopf. Die Zeiten sind anders, das Leben ist anders, alles ist anders. Das macht Christus in unserem Leben." 

Das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen... Schließlich merkte der Pfarrvikar noch an, bei der Vorbereitung dieser Predigt habe ihn "die Hanna beeindruckt", weil es im Evangelium von ihr heißt "Sie diente Gott mit Fasten und Beten". – Das habe er, so führte er aus, als Mahnung verstanden, in seinem Berufsalltag als Pfarrvikar ("weil ich gesehen habe in der letzten Zeit, bei diesen ganzen acht Kirchen, da rotiert man wie der Doofe... In der Kirche werden wir immer technischer, weil wir uns der Welt angliedern. So viel wie ich hinterm Computer sitze, ist absurd") "das Stundengebet nicht zu vernachlässigen und die Beziehung mit Gott. Gott sucht nicht, was ich tue in der Pfarrei oder was ich leiste, sondern Gott will mich. Er sucht mein Herz." 

Erwähnen möchte ich noch, dass, als wir in der Kirche ankamen, der Gemeindereferent gerade dabei war, auf den Stufen vor dem Kirchenportal Streusand zu verteilen. "Gut zu wissen, dass das auch zum Berufsbild gehört", merkte ich augenzwinkernd an. – Im Anschluss an die Messe bot der Sozialdienst Katholischer Männer auf dem Kirchenvorplatz Schnittchen, Kaffee und Kinderpunsch an, letzteres auf Wunsch auch mit einem Schuss Amaretto; das war durchaus lecker, aber gleichzeitig dachte ich mir, "Kinderpunsch mit Amaretto" wäre ein lustiger Titel für irgendwas, zum Beispiel für einen Roman im Stil von Eva Völlers "Ich bin alt und brauche das Geld" (den ich im Zuge meiner unvollendeten "100-Bücher-Challenge" gelesen und dabei festgestellt habe, dass er besser ist, als man denken könnte). Obendrein war auf dem Kirchenvorplatz ein Infostand mit Flyern zu diversen Angeboten der Gemeinde und Möglichkeiten zum ehrenamtlichen Engagement aufgebaut. Wie ich gehört habe, soll dieser Infostand zukünftig regelmäßig oder jedenfalls "öfter mal" da stehen. Scheint mir unter dem Aspekt der neulich erst angesprochenen Frage "Was tut die Kirche eigentlich dafür, dass Leute, die sich irgendwie für den Glauben interessieren, aber (noch) nicht kirchlich (ein-)gebunden sind, Anschluss an die Ortsgemeinden finden?" ein ganz guter Ansatz zu sein. 


Camino de Willehado, Winter-Edition 

Am Montag in aller Früh' ging es los in dem Urlaub, und zum Abschied zeigte Berlin sich von seiner schlechtesten Seite: BVG-Streik, verspätete S-Bahnen, defekte Rolltreppen, und dann gab's beim Backwerk nicht mal das klassische "Huhn meets Ei"-Sandwich, das ich normalerweise immer zum Reiseantritt verputze. 

Ein Bild aus besseren Tagen. 

All diese Misshelligkeiten hinderten uns jedoch nicht daran, schon bei Sonnenaufgang in Hannover zu sein; am späten Vormittag waren wir dann zum Kaffee bei meiner Mutter, bei der wir auch Mittagessen bekamen. Unser eigentliches Reiseziel erreichten wir dann am frühen Nachmittag. Wie ich inzwischen nachgezählt habe, war dies nach 2020 (unser letzter Urlaub "vor Corona"), '23, '24 und '25 bereits das fünfte Mal, dass wir die Winterferien im CenterParc Nordseeküste verbrachten; ebenso wie vor zwei Jahren hatten wir auch diesmal wieder statt eines Ferienhauses ein Hotelzimmer gebucht, was, wie ich schon seinerzeit schrieb, "im Wesentlichen zwei Vorteile hatte: Zum einen war das Frühstücksbüffet inklusive, zum anderen konnte man vom Hotelzimmer aus trockenen Fußes zum Schwimmbad und zum Market Dome gelangen". Letzteres führte dazu, dass wir – angesichts der strengen Temperaturen und der Tatsache, dass es im Winter in Butjadingen ohnehin nicht viel zu unternehmen gibt – nach dem Einchecken erst mal rund 42 Stunden lang nicht nach draußen gingen. Im Grunde hätten wir das ruhig noch länger durchziehen können, aber für Mittwochvormittag hatten wir – nach dem bewährten Motto "Wenn die Kinder nicht wenigstens einmal reiten gehen, ist es dann überhaupt Urlaub?" – für die Kinder Reitstunden auf Hof Seeverns gebucht, die wir dann aber doch wieder absagen mussten, da der Bürgerbus am Mittwoch wegen Glatteis seinen Betrieb einstellte. Das erfuhren wir allerdings erst, nachdem wir bereits mit dem regulären Linienbus nach Niens gefahren waren und dort vergeblich darauf warteten, in den Bürgerbus umsteigen zu können. Also kein Reiten diesmal, schade! – Aber im Sommer kommen wir wieder... 

Ein Blick in die Landschaft – aufgenommen an der Bushaltestelle, an der wir vergeblich auf Anschluss warteten. 

Übrigens hatte ich ja vorige Woche die Absicht festgehalten, in diesem Wochenbriefing nicht "in epischer Breite über Frühstücksbüffet und Schwimmbadbesuche" zu schreiben, aber erwähnen muss ich beide Themen wohl doch. Zum Frühstücksbüffet stellte ich am ersten Morgen nach unserer Ankunft fest, es sei "fast wie auf der AIDA – außer dass es weniger schwankt. Das fehlt mir ein wenig." – "Mir nicht", warf meine Liebste ein. Den Impuls, mich auf dem Weg vom Büffet zurück zum Tisch mit dem vollen Teller gegen den imaginären Wellengang zu lehnen, verspürte ich trotzdem. – Im Schwimmbad waren Frau und Kinder während unseres Aufenthaltes viermal, ich selbst kam jedoch nur sozusagen zweieinhalbmal mit – wobei ich betonen möchte, dass das für mich schon eine ganz schöne Leistung war, denn wie ich vor Jahren schon mal erläutert habe, ist für mein persönliches Empfinden die Vokabel "Spaßbad" ein Widerspruch in sich. – Kinderdisco gab es während unseres Aufenthaltes nur einmal, und just da hatten unsere Kinder keine Lust; sie waren wohl enttäuscht, dass diese Kinderdisco nicht von einem der CenterParcs-Maskottchen Orry, Woops, Rep und Bing moderiert wurde, sondern von einer "ganz normalen", nicht kostümierten Mitarbeiterin. Zum "Kreativ-Workshop" gingen sie dreimal, und an unserem letzten Abend nahmen wir spontan an einer Quizshow teil, belegten unter 25 Teams den 2. Platz und gewannen einen Bowling-Gutschein. Den werden wir dann wohl beim nächsten Mal einlösen müssen. 

Nach draußen gingen wir nach dem missglückten Seeverns-Trip kaum noch; ein bisschen aber doch, z.B. zum Friesenstrand... 


...und zur OASE, die im Winter allerdings völlig verwaist ist. 

Wie's aussieht, war da schon seit Wochen niemand mehr. Dafür sprachen auch die im Schaukasten ausgehängten Pfarrnachrichten aus dem Januar.

Mit "kirchenbezogenen Aktivitäten" war es während dieses Butjadingen-Aufenthaltes also nichts; theoretisch hätten wir am Donnerstagnachmittag in Burhave in die Messe gehen können, da traf sich anschließend die Gruppe "60+" zu einem Vortrag über "Die Arbeiten eines Küsters", aber nach Lage der Dinge verzichteten wir doch lieber auf diesen Trip. Eine bemerkenswerte Fügung war es derweil, dass der erste Tag unserer Reise zugleich der erste Tag der Novene zu Unserer Lieben Frau von Lourdes war; ich regte daher an, die Novene in unser allabendliches Zubettgeh-Ritual einzubauen, und das machten wir dann auch. Unsere Große freute sich, dass im Novene-Gebet ihre Namenspatronin erwähnt wird, und sprach das Vaterunser und das Ave Maria eifrig mit (letzteres hat sie bei den Pfadfindern gelernt!). – Im Übrigen informierte mich meine Stundenbuch-App, dass der 3. Februar nicht nur der Gedenktag des Hl. Blasius ist, sondern zugleich auch der des Hl. Ansgar, des "Apostels des Nordens" und Gründers des Erzbistums Hamburg. Was mich daran erinnert, dass ich meinen ersten "Camino de Willehado" betitelten Blogartikel – im Juni 2021 – mit der Ankündigung eröffnete: "Wenn ich einmal ganz, ganz viel Zeit habe, schreibe ich einen wilden Mystery-Thriller über die Suche nach den in der Reformationszeit verloren gegangenen Reliquien des Hl. Willehad." Sollte ich tatsächlich mal dazu kommen, dann wird der Hl. Ansgar darin sicherlich eine Rolle zu spielen haben, schließlich war er es, der die Gebeine des Hl. Willehad im Jahr 860 in den Bremer Dom umbetten ließ. Aber das ist vielleicht eher mal ein Thema für eine Podcast-Folge. 

Davon abgesehen hat mich der Aufenthalt in Butjadingen dazu motiviert, mich mit der konkreten Ausgestaltung der bisher noch sehr vagen Idee zu befassen, in den kommenden Sommerferien in Butjadingen "Guerilla-Urlauberseelsorge" zu machen. Fertig geworden bin ich damit noch nicht, aber ich würde sagen, es entwickelt sich. Bei Gelegenheit mehr dazu...!


I Read the NiUS Today, oh Boy 

Was ist derweil eigentlich bei Horse & Hound so los? Nun, im Großen und Ganzen nicht viel; meine Einschätzung, dass der stolz angepriesene "Relaunch" des Projekts in der Praxis eher auf eine Verlangweiligung hinausläuft, hat sich bisher jedenfalls bestätigt. Neu ist gegenüber der Zeit, in der der streitlustige Thomas Halagan die Plattform allein betrieben hat, zum Beispiel, dass dort nun gelegentlich "Spirituelle Impulse" erscheinen, die sich vom Niveau her ganz gut auf Teebeutelanhängern für Wellness-Tee machen würden. Derweil wird in den täglichen Instagram-Storys hauptsächlich Content anderer Akteure aus der liberalen Kirchen- und Theologenbubble geteilt; und da gab's neulich immerhin mal etwas, worüber es sich lohnt ein paar Worte zu verlieren: Geteilt wurde ein Beitrag von Birgit Mattausch alias Frau Auge, die ihrerseits einen Beitrag von Carsten Leinhäuser alias Vaticarsten teilte. Was für ein ikonisches Crossover: Vaticarsten, Frau Auge UND Horse & Hound! Da ist die PUU-Bubble (postchristlich, undogmatisch, universalistisch) ja mal so richtig bei sich selbst. Und was ist in diesem speziellen Fall ihr gemeinsames Anliegen? Mal wieder gegen Johannes Hartl stänkern, den Frau Auge sarkastisch als "unser aller Starphilosoph" tituliert. Was hat er diesmal gemacht? Der Online-Nachrichtenplattform NiUS ein Interview gegeben. NiUS, das ist doch diese rechte Abspaltung von der Bild; und somit gilt alles, was die bundesdeutsche Linke seit '68 (bzw. eigentlich schon länger: Hans Magnus Enzensbergers Gedicht "Bildzeitung" ist von 1957) über die "Springerpresse" gesagt hat, für die NiUS in verschärftem Maße. Dass der Gebetshaus-Gründer Johannes Hartl unlängst beim NiUS-Talkformat "Schuler! Fragen, was ist" zu Gast war, woraus ein 37 Minuten langer Beitrag auf YouTube entstanden ist, hat Hochwürden Leinhäuser – den ich hier zuletzt im Zusammenhang mit dem Mord an Charlie Kirk am Wickel hatte – zu einem Blogartikel mit der Überschrift "Fragwürdige Allianzen" veranlasst. Darin argumentiert er, es sei "kein Zufall", dass Hartl "dem rechtspopulistischen Medienportal NIUS ein Interview" gebe, sondern vielmehr "Ausdruck einer systematischen Anbiederung an rechte Netzwerke": "Hartl legitimiert durch seine Teilnahme eine rechtspopulistische Plattform und verleiht ihr durch seine theologische Autorität Seriosität." Letztlich laufe dies auf eine "bewusste politische Positionierung im rechtspopulistischen Spektrum, eine strategische Allianz zur Verbreitung seiner Botschaft" hinaus – ja, auf eine "Verbindung von konservativ-charismatischer Theologie und rechtspopulistischer Politik", die "kein deutsches Unikum, sondern ein internationales Phänomen" sei: "von evangelikalen Trump-Unterstützern in den USA über Bolsonaro-nahe Pfingstkirchen in Brasilien bis zu katholischen Traditionalisten in europäischen Rechtsbewegungen". Mehr braucht man von diesem Vaticarsten-Artikel eigentlich nicht zu lesen. Wie ich immer wieder gern sage: Es ist keine Verschwörungstheorie, wenn die Guten es sagen. Oder, wie ich ebenfalls im zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit den öffentlichen Reaktionen auf die Kirk-Ermordung schrieb: Die gute alte Redensart "Wenn zwei das gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe" ist, but unironically, geradezu ein zentrales Credo der intersektionslistischen Linken. Wäre dem nicht so, wäre es ein Leichtes, ein Gegennarrativ zu dem, was Hochwürden Leinhäuser im zitierten Artikel behauptet, zusammenzuschustern: Kann es wirklich Zufall sein, dass Vaticarsten das Hartl-Interview zum Anlass nimmt, NiUS zu attackieren, wo doch gerade der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther hat durchblicken lassen, eigentlich sollte man dieses Portal verbieten? Bahnt sich da etwa eine strategische Allianz zwischen liberaler Theologie und der um ihren Machterhalt fürchtenden posmerkelianischen Polit-Oligarchie an? Aber nee, das ist ein alter Hut, und im Übrigen habe ich auch einfach keine Lust mehr, Carsten Leinhäuser ernst zu nehmen – das tut er selbst schließlich schon mehr als genug. Die zur Schau gestellte Empörung darüber, dass Hartl mit Schuler getalkt hat, scheint mir allerdings greifbar unehrlich und aufgesetzt: Genuine Empörung setzt eigentlich immer ein Element von Überraschung, im Sinne von "Das hätte ich nicht von dem gedacht!", voraus, und das ist hier wohl kaum gegeben. Auch die Art und Weise, wie Frau Auge und Horse & Hound den Artikel von Hochwürden Leinhäuser aufgreifen, erweckt den Eindruck, dass sie sich im dem bestätigt fühlen, was sie sowieso schon über Johannes Hartl gedacht haben. – Natürlich könnte man sagen, gerade weil es an Versuchen, Hartl in die rechte Ecke zu stellen, schon in der Vergangenheit nicht gefehlt hat, täte er, der Logik von Kontaktschuld und Cancel Culture zufolge, gut daran, alles zu vermeiden, was geeignet ist, dieses Bild von ihm zu bestärken; aber ich finde es durchaus respektabel, dass er dieser Logik eben gerade nicht folgt. Zu bedenken ist auch, dass dieses NiUS-Interview unschwer als Reaktion auf die ARD-Reportage "Die hippen Missionare" zu erkennen ist; und nachdem der dem Anspruch nach so seriöse Bayerische Rundfunk für diese Sendung vier ausführliche Interviews mit Johannes Hartl geführt, davon aber nur Schnipsel in einem Gesamtumfang von 45 Sekunden gesendet hat, wer möchte es ihm da verdenken, dass er die Gelegenheit ergreift, seine Position zu den in der ARD-Reportage aufgeworfenen Fragen ausführlich zu erläutern, und dies gegenüber einem Gesprächspartner, der ihm wohlwollendes Interesse und Aufgeschlossenheit signslisiert? Natürlich wird dem Portal NiUS damit einmal mehr die Gelegenheit geboten, sich als alternatives Medium zu profilieren, in dem die Stimmen zu Wort kommen, die von den "Mainstream-Medien" marginalisiert und in ein schiefes Licht gerückt werden; aber sind daran nicht, hier wie auch in manchen anderen Fällen, die etablierten Medien irgendwo selbst schuld

Davon abgesehen bekenne ich mich zu der wohl etwas altmodischen und im Sinne der oben angesprochenen Logik von Kontaktschuld und Cancel Culture zweifellos problematischen Auffassung, wichtiger als die Entscheidung, wem man ein Interview gibt, sei es allemal, was man in diesem Interview sagt. Also habe ich mir Johannes Hartls Auftritt bei "Schuler! Fragen, was ist" angesehen – was ich wohl nicht getan hätte, wenn der Blogartikel von Vaticarsten mich nicht darauf aufmerksam gemacht hätte. Isn't it ironic. Und ich muss sagen, ich fand das Interview alles in allem ziemlich gut. Wer Johannes Hartl schon öfter hat reden hören, wird darin vielleicht nicht besonders viel Neues oder Überraschendes zu hören bekommen, aber das heißt zugleich eben auch, dass jemand, der ihn bisher nicht kannte – und das wird sicherlich auf einen signifikanten Teil des NiUS-Publikums zutreffen –, aus diesem Interview einen ganz guten Eindruck davon gewinnen kann, was der Hartl für einer ist, wie er denkt und was seine vorrangigen Themen und Anliegen sind. Auf den einen oder anderen Punkt wird zukünftig vielleicht noch zurückzukommen sein. Im Ganzen hat dieses Interview bei mir jedenfalls den Eindruck verfestigt, dass das, worüber Hartls Gegner sich ereifern, weniger bei dem ansetzt, was er sagt, als vielmehr bei der Unterstellung, er meine damit in Wirklichkeit etwas ganz anderes. Das scheint mir auch über die Person Johannes Hartls hinaus ein grundsätzliches Problem der heutigen Debattenkultur zu sein. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Wir erleben eine verbreitete Zersplitterung des Daseins; es überwiegt ein Gefühl der Vereinsamung; Spaltungen und Gegensätze nehmen zu. Unter anderem Symptomen dieses Zustandes erfährt das heutige Europs das ernste Phänomen einer Krise der Familie und des Schwindens einer Konzeption von Familie überhaupt, die Fortdauer oder das Wiederaufflammen ethnischer Konflikte, das Wiederaufleben gewisser rassistischer Verhaltensweisen, die interreligiösen Spannungen, die Egozentrik, die Einzelne und Gruppen in sich verschließt, die Zunahme einer allgemeinen sittlichen Gleichgültigkeit und einer krampfhaften Sorge um die eigenen Interessen und Privilegien. In den Augen vieler läuft die zunehmende Globalisierung Gefahr, statt zu ei er größeren Eingeit der Menschheit zu führen, einer Logik zu folgen, die die Schwächsten Ausgrenzung und die Zahl der Armen auf der Erde vermehrt. 

(Johannes Paul II., Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 8) 


Ohrwurm der Woche 

Led Zeppelin: Immigrant Song 

In der letzten Januarwoche, der letzten Woche vor den Winterferien also, wurde an den Bahnsteigen der Berliner S-Bahn regelmäßig und zweisprachig, auf Deutsch und in bahntypisch schlechtem Englisch, vor Glatteis gewarnt, und praktisch jedesmal, wenn ich die Worte "ice and snow" hörte, begann der hier verlinkte Song in meinem Kopf zu spielen. Wozu ich anmerken möchte, dass ich diesen, ehe ich mir das Album "Led Zeppelin III" auf CD zulegte, zuerst aus dem "MTV unplugged"-Konzert des kanadischen Comedians Denis Leary kannte: Da gibt es einen Moment, wo Leary vorgibt, Liedwünsche aus dem Publikum entgegennehmen zu wollen; tatsächlich lehnt er aber alle geäußerten Wünsche ab und beschließt stattdessen "Immigrant Song" zu spielen, scheitert aber schon im Intro an der hohen Tonlage. – Man kann durchaus der Meinung sein, der Song sei ein gefundenes Fressen für einen Comedian, da ihm schon im Original eine gewisse unfreiwillige Komik anhaftet; man könnte sagen, Led Zeppelin schramme hier hart an der Grenze der Selbstparodie vorbei. Aber der Bass- und Schlagzeug-Part sind genial. 


Vorschau/Ausblick 

Kaum aus dem Urlaub zurück, haben wir die seltene Gelegenheit eines Wochenendes ohne Termine dazu genutzt, das lange aufgeschobene Projekt der Kinderzimmer-Neugestaltung in Angriff zu nehmen. So viel Arbeit das auch ist, wollen wir uns dennoch morgen die Zeit nehmen, zur üblichen Zeit in St. Joseph Siemensstadt zur Messe zu gehen, zumal da der Blasiussegen gespendet wird. – Sodann folgt die erste von sieben Schul- und Arbeitswochen zwischen Winter- und Osterferien. Am Dienstag hat das Tochterkind auf eigenen Wunsch ein Probetraining in derselben Kampfsportschule, in der der Jüngste schon seit Dezember trainiert; ich bin mal gespannt, wie ihr das gefallen wird. Und am Donnerstag hat sie einen Zahnarzttermin – dafür gilt in gewissem Sinne dasselbe. – Bei Redaktionsschluss noch nicht endgültig festgelegt war der Nachholtermin für das Vorbereitungstreffen zum nächsten Religiösen Kindertag (RKT) in St. Stephanus, aber irgendwann in der kommenden Woche, wahrscheinlich Dienstag oder Donnerstag, soll das wohl über die Bühne gehen. Und nachdem meine Teilnahme an diesem Treffen erst durch die Verschiebung des ursprünglich dafür geplanten Termins ermöglicht worden ist, bin ich ausgesprochen motiviert, mich da konzeptionell voll einzubringen, und habe daher die Absicht, dort gut vorbereitet aufzukreuzen. Nicht stattfinden wird hingegen die für Freitag, den 13. (!) anberaumte 99. Sitzung der Gemeinsamen Konferenz von DBK und "ZdK": Diese wurde seitens der Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, Beate Gilles, abgesagt, nachdem sich abgezeichnet hatte, dass die Konferenz nicht beschlussfähig sein würde, weil zu wenige Bischöfe ihre Teilnahme zugesagt hatten. Hihi. – Im Übrigen hoffe ich in der kommenden Woche etwas Zeit zu finden, um mich mit dem Thema "Missbrauch bei den Pfadfindern" zu befassen – konkreter gesagt, mit den jüngst veröffentlichten Studien über sexualisierte Gewalt in den Pfadfinderverbänden VCP und DPSG und den Reaktionen darauf. Ob daraus ein Abschnitt in einem der nächsten Wochenbriefings wird, ein eigenständiger Blogartikel oder womöglich gar eine Podcast-Folge, wird sich zeigen... 


Samstag, 31. Januar 2026

Utopie und Alltag 10: Guten Rutsch!

Gott zum Gruße, Leser! Ist es bei euch auch so kalt – und vor allem: so glatt? In Berlin-Reinickendorf ist derzeit jeder Schritt vor die Haustür ein Abenteuer; wenn auch nicht unbedingt "Das Abenteuer, nach dem du dich sehnst" – um mal den Titel eines Buches zu zitieren, das ich im Zuge der Arbeit am Büchereiprojekt an Land gezogen, aber immer noch nicht gelesen habe. Gleichwohl haben die Straßenverhältnisse meine Familie und mich nicht davon abhalten können, in der zurückliegenden Woche wieder ziemlich viel unterwegs zu sein, und so gibt es wieder allerlei zu berichten; schwerpunktmäßig wieder einmal aus dem Bereich Kinderkatechese. Also, auf geht's! 


Neues von den Pfadfindern 

Eins vorweg: Kürzlich regte sich bei mir die Befürchtung, meine achtjährige Tochter habe eine vorzeitige "Null-Bock-Phase". Das ging damit los, dass meine Schwiegermütter sie von der Schule abholen wollten, um mit ihr ins Labyrinth Kindermuseum zu gehen, und sie erklärte, darauf habe sie keine Lust. Sie blieb so standhaft bei ihrer Weigerung, dass die Omas sie schließlich stattdessen zu Hause ablieferten. Am selben Tag machte ich Lasagne zum Abendessen – eigentlich ihr erklärtes Lieblingsessen, aber just als das Abendessen fertig war, teilte sie mir mit, sie habe "auf Lasagne irgendwie keinen Bock". Sorge bereitete mir dieses sich abzeichnende Muster nicht zuletzt, weil ich mich fragte: Was, wenn sie plötzlich auch auf die Pfadfinder "keinen Bock" mehr hat? Ich habe gerade das Antragsformular für die Aufnahme in den Stamm ausgefüllt! – Einigermaßen beruhigt war ich, als meine Große ihre Portion Lasagne dann doch mit gutem Appetit aufaß und dabei (!) unaufgefordert erklärte, sie freue sich schon auf das nächste Wölflingslager – "aber nur, wenn du wieder mitkommst". Worauf ich erklärte, ich würde mit Vergnügen wieder z.B. im Küchenteam mithelfen. (Die nächste Gelegenheit dazu dürfte es nach meinem aktuellen Kenntnisstand am langen Wochenende ab Christi Himmelfahrt geben, also Mitte Mai – zeitgleich mit dem Katholikentag. Schauen wir mal.) 

Derweil war der Jüngste ein paar Tage lang so erkältet gewesen, dass er am Donnerstag nicht zum Kampfsporttraining und am Freitag nicht zur KiTa gehen konnte, aber pünktlich zum Wochenende war er wieder fit und fest entschlossen, zum Treffen der Schöneberger KPE-Pfadfinder mitzukommen, wo sich diesmal auch wieder die Wichtelgruppe (für Kinder im Alter von 4-7 Jahren) traf. (Wie schon mal erwähnt, gibt es Wichtelgruppentreffen an diesem Standort nämlich nur einmal im Monat, wohingegen die Wölflingsmädchen sich wöchentlich treffen.) 

Wir fuhren also am Samstag nach dem Frühstück alle vier nach Schöneberg; meine Liebste ging mit dem Jüngsten zur Wichtelgruppe, die sich im Gemeindehaus der Kirche St. Norbert versammelte, während die erste Hälfte des Meutentreffens der Wölflingsmädchen trotz frostiger Temperaturen draußen stattfand. Immerhin war unser Tochterkind diesmal warm genug angezogen. 15 Mädchen erschienen zu dem Treffen; es gab einige bewegungsintensive Spiele, ein Quiz zu den Charakteren des "Dschungelbuchs", und gebetet wurde auch wieder viel. Dann ging es nach drinnen, wo es eine kleine Stärkung gab (jedes Mädchen erhielt ein Stück Fladenbrot und zwei Stückchen Schokolade), ein paar Lieder gesungen wurden und in der letzten Dreiviertelstunde gebastelt wurde. 

Dieses Modell eines Wölflingsmädchens, das man mittels eines Magneten am Kühlschrank befestigen kann, soll die Mädchen an ihre korrekte Kluft erinnern.

In der Wichtelgruppe hörten die Kinder, wie mir später erzählt wurde, Geschichten über den Hl. Franziskus und bekamen ein Ausmalbild dazu; gebetet wurde auch da, und zum Abschluss wurde draußen gespielt. Da das Programm für die Wichtel aber insgesamt rund eine Stunde kürzer war als das für die Wölflinge, kamen meine Liebste und unser Jüngster schließlich noch mit in den Gemeindesaal, und einige andere Mütter, die Kinder in beiden Altersstufen haben, handhabten es genauso. 

Insgesamt würde ich diesen Besuch bei den Schöneberger KPE-Pfadfindern als einen vollen Erfolg bezeichnen, die Kinder hatten viel Spaß in ihren jeweiligen Gruppen und ihre Motivation für zukünftige Pfadfinderaktivitäten ist ohne Zweifel gestärkt worden. Erst mal ist damit jetzt aber Pause, wegen der Winterferien. Dass es heute vormittag kein Wölflingstreffen gab, traf sich insofern ganz gut, als meine Schwiegermütter heute mit uns in den Friedrichstadtpalast wollten, zu einer Frida-Kahlo-Revue; nächstes Wochenende wird ebenfalls keins sein, danach ist dann erst mal Fasching und danach der "BiPi-Tag" – der Geburtstag von Lord Baden-Powell und seiner Frau Olave, ein großer Feiertag in der weltweiten Pfadfinderbewegung. – Okay, bis dahin sind es noch ein paar Wochen; aber eine kleine Anekdote zum Thema Pfadfinder habe ich noch auf Lager: Am vorletzten Sonntag, auf der Rückfahrt vom Pfadfindertreffen in St. Afra, stellte ich fest, dass ich einen hartnäckigen Ohrwurm hatte, nämlich die Fußball-WM-Hymne "'54, '74, '90, 2006" der Sportfreunde Stiller. Dabei bin ich gar kein Fußballfan, und ein Fan der deutschen Nationalmannschaft schon gar nicht. Wo kam das also her? Schlagartig wurde mir klar: Das Lied, das bei den St.-Afra-Pfadfindern zum Abschluss gesungen war, war schuld. "Frei wie ein Albatros", zuweilen auch, nach den Anfangsworten, "Wir sind Kameraden" genannt. Gerade die letzten Verse im Refrain – "Heute hier, morgen dort, g'rade wie es uns gefällt / Ja, so frei ist die Pfadfinderei" – haben für mein Ohr erhebliche Ähnlichkeit mit den Sportfreunde-Stiller-Versen "Mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein / werden wir Weltmeister sein". Ich fand die Ähnlichkeit so ausgeprägt, dass ich mich fragte, ob sie wirklich zufällig sein kann. Zumal ich mir, wenn ich mir die Sportfreunde Stiller so ansehe, gut vorstellen kann, dass die auch mal bei den Pfadfindern waren. 

Auf der Rückfahrt aus Schöneberg am vergangenen Samstag ging mir das Lied erneut im Kopf herum, und mein dadurch veranlasster Versuch, der Frage auf den Grund zu gehen, ob die Sportfreunde Stiller womöglich bewusst und absichtlich ein traditionelles Pfadfinderlied gecovert haben, führte zu einer bemerkenswerten Entdeckung (die allerdings mit dieser Frage so direkt gar nichts zu tun hat): Als ich bei YouTube nach einer Aufnahme von "Frei wie ein Albatros" suchte, um sie mir zum Vergleich mit "'54, '74, '90, 2006" anzuhören, stieß ich auf ein Video der Pfadfinder im Mühlenbecker Land e.V. – und dachte: Wat? Im Mühlenbecker Land gibt's Pfadfinder? Zu welchem Verband gehören die denn wohl? Die Antwort auf diese Frage ist so interessant wie tendenziell widersprüchlich, sie lautet: zu gar keinem, bzw. doch, nämlich zur World Federation of Independent Scouts (WFIS) – und das ist ein Dachverband für Pfadfindergruppen, die keinem Verband angehören. Erinnert ein bisschen an das Russellsche Mengenparadox, oder? Jedenfalls finde ich es interessant, dass es so etwas gibt, und dann auch noch im Mühlenbecker Land. Als jemand, der grundsätzlich immer an Möglichkeiten der Vernetzung über institutionelle und sonstige Grenzen hinaus interessiert ist, denke ich mir nun, vielleicht könnte und sollte man da mal einen Kontakt herstellen, mit der Perspektive, gelegentlich mal gemeinsame Aktivitäten der verschiedenen hier in der Gegend vertretenen Pfadfindergruppen ins Auge zu fassen – z.B. mal ein gemeinsames Lager, mit Wettkämpfen und so. Ist natürlich erst mal nur so eine Idee; es kann natürlich auch sein, dass die verschiedenen Gruppen daran überhaupt kein Interesse haben und dass es gerade deshalb so viele verschiedene Pfadfinderorganisationen gibt, weil die alle nichts miteinander zu tun haben wollen. Aber das muss ja nicht unbedingt so sein. Behalten wir den Gedanken mal im Hinterkopf... 


Schwarzer Gürtel in KiWoGo 

Nachdem wir vom Pfadfindertreffen wieder zu Hause waren, hatte ich für den Rest des Samstags vorrangig zwei Dinge zu tun: mein Wochenbriefing fertigstellen und den Kinderwortgottesdienst für den nächsten Tag vorbereiten. Jedenfalls theoretisch; praktisch war daneben doch noch allerlei anderes zu tun, sodass ich für die KiWoGo-Vorbereitung am Ende weniger Zeit hatte, als mir lieb gewesen wäre, aber ich sagte mir, ein bisschen Raum für Improvisation zu lassen sei sicher nicht verkehrt. Mich noch gründlicher vorzubereiten, hätte mir auch wohl kaum etwas genützt, denn früh am Sonntagmorgen erreichte mich noch ein Last-Minute-Änderungsvorschlag zum Ablauf des Kinderwortgottesdienstes: Am Tag zuvor hatten die Erstkommunionkinder der Gemeinde ihre Erstbeichte gehabt, und da erfahrungsgemäß ein großer Teil der Kinder, die zu unseren Kinderwortgottesdienst kommen, zum jeweils aktuellen Erstkommunionkurs gehören, fand der Gemeindereferent, angesichts der Worte "Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe" aus dem Evangelium vom Tag biete es sich an, einen Bezug zur Beichte herzustellen. Ich war damit durchaus einverstanden, zumal ich fand, das Stichwort Umkehr passe auch gut zu der von mir vorbereiteten Bekehrungs– und Berufungsgeschichte der Clare Crockett. Wir einigten uns also auf folgenden Ablauf: 

  • Beginn mit dem üblichen Lied, "Alles was ich hab" (das ich thematisch diesmal sehr passend fand, aber das denke ich fast jedesmal) 
  • Das Evangelium vom Tag wird vorgetragen (mit leichten Kürzungen in der ersten Hälfte) 
  • Der Gemeindereferent greift das Stichwort "Umkehr" auf, verweist darauf, was im Erstkommunionkurs zu diesem Thema besprochen wurde, und stellt den Zusammenhang zum Beichtsakrament her 
  • Ich erinnere an das "Beruferaten" vom KiWoGo am 4. Adventssonntag, spreche darüber, dass die Jünger im Evangelium ihre berufliche Existenz, ja ihr ganzes bisheriges Leben hinter sich lassen, um Jesus nachzufolgen, und betone, dass es solche radikalen Berufungserlebnisse auch heute noch gibt; das leitet über zum Hauptteil, nämlich einer Nacherzählung der Lebensgeschichte von Clare Crockett. 
Gute Faustregel: Je mehr man erzählt, desto mehr muss man auch visualisieren, um die Aufmerksamkeit der Kinder zu behalten. Diese "gestaltete Mitte" entstand nach und nach im Zuge der Erzählung.

Im Vergleich zu den letzten Malen war dieser KiWoGo leider ein bisschen schwach besucht – vier Jungs aus dem Erstkommunionkurs waren dabei, dazu meine beiden Kinder sowie ein Mädchen, das schon letztes Jahr zur Erstkommunion gegangen ist –, aber die teilnehmenden Kinder waren aufmerksam bei der Sache und zeigten gute Beteiligung, wenn ich in meine Erzählung Fragen einstreute: etwa, was eine Nonne bzw. Ordensschwester eigentlich den ganzen Tag macht, oder was ein Rosenkranz ist und wie man ihn benutzt. – Insgesamt bin ich geneigt zu sagen, unter all den Kinderwortgottesdiensten seit Oktober 2023, an deren Gestaltung ich wesentlich beteiligt gewesen bin, zählt dieser zu meinen Favoriten, zusammen mit dem KiWoGo zum Thema "Gehet hin in alle Welt" (Mai '24) und dem zum Propheten Jeremia (Dezember '24) – und ehrlich gesagt auch meinem allerersten eigenständig konzipierten KiWoGo zum Thema "Wo wohnst du?" im Januar '24, obwohl da so viel schiefgelaufen ist. Was die Nacherzählung des Lebens von Clare Crockett angeht, könnte ich mir vorstellen, sie mal in einem anderen Format erneut zu verwenden: Wenn man mehr Zeit und eine etwas ältere Zielgruppe hätte – beispielsweise bei einem Einkehrwochenende für Firmlinge oder so –, könnte man sicherlich auf einige Aspekte noch ausführlicher und vertiefend eingehen. 

Auch zu diesem Thema möchte ich übrigens noch eine Anekdote loswerden: Wer das Foto von der "gestalteten Mitte" aufmerksam betrachtet, wird darauf eine Zigarettenschachtel entdecken. Die war leer, aber noch am Samstagnachmittag trieb mich die Frage um, wo ich eigentlich so auf die Schnelle eine leere Zigarettenschachtel herbekommen sollte, ohne zu diesem Zweck öffentliche Papierkörbe durchwühlen oder, was ja wohl noch absurder wäre, eine Schachtel Zigaretten kaufen zu müssen. Noch während ich darüber nachdachte, kam ich an einem (geschlossenen) Backshop/Kiosk vorbei, in dessen Außenbereich ein Tisch und ein paar Stühle standen, und auf dem Tisch lag eine leere, ansonsten aber wie neu aussehende Zigarettenschachtel. Ein Geschenk des Himmels, könnte man sagen...! 

Da in einem weiteren Sinne ja auch das Projekt "Religiöse Kindertage" (RKT) zum Thema "Schwarzer Gürtel in KiWoGo" gehört, sei an dieser Stelle übrigens noch darauf eingegangen, dass am vergangenen Donnerstag eigentlich ein Vorbereitungstreffen zum Februar-RKT hätte stattfinden sollen; da konnte ich leider nicht, aber wie sich zeigte, war ich da nicht der einzige: Infolge einiger krankheitsbedingter Absagen wurde das Treffen verschoben. Jetzt gilt es abzuwarten, wann der Ersatztermin ist und ob ich da dann dabei sein kann... 


Auf der anderen Straßenseite 

Das Kinderprogramm der EFG The Rock Christuskirche in Haselhorst, genannt JAM ("Jungschar am Mittwoch"), fand im Zeitraum zwischen Weihnachts- und Winterferien genau zweimal statt, und beide Male waren wir dabei. Beim ersten Mal, also vorletzten Mittwoch, herrschte akuter Mitarbeitermangel, was besonders deshalb ungünstig war, weil die Veranstaltung ausgesprochen gut besucht war: Es waren sowohl "neue" Familien da als auch solche, die früher öfter dabei gewesen waren, aber schon seit längerer Zeit nicht mehr. Eine Auswirkung des Mitarbeitermangels war, dass die Kinder für den katechetischen Teil nicht in zwei Altersgruppen (Vorschul- und Schulkinder) geteilt wurden, sondern zusammen blieben. Ich bekam jedoch leider nichts von der Kinderkatechese mit, da ich zum Elterncafé "musste". Das kam so: Zu Beginn des Programms sagte eine der Mitarbeiterinnen zu meiner Liebsten und mir, es wäre ihr wichtig, dass mindestens einer von uns zum Elterncafé ginge; ich vermutete, dass das mit dem Zusammentreffen von Mitarbeitermangel und verhältnismäßig vielen neuen oder "seltenen" Teilnehmern zu tun hatte: Sie wollte wohl sicherstellen, dass beim Elterncafé, wo es weiterhin um das Markusevangelium gehen sollte, der Anteil derer, die etwas Sinnvolles zum Bibeltext sagen konnten und wollten, nicht zu klein wäre. Unser Jüngster war aber gerade wieder einmal in ziemlich bockiger Stimmung und wollte seine Mami nicht zum Elterncafé gehen lassen, daher sagte ich mir: Dann muss ich wohl. Nach einiger Zeit kam meine Liebste dann zwar doch nach, aber daraufhin wieder 'rauszugehen und zum Kinderprogramm zurückzukehren, war wohl keine Option. Und tatsächlich gefiel es mir beim Elterncafé besser als sonst meist. Ein entscheidender Grund war, dass die Mitarbeiterin, die diesmal das Elterncafé leitete – eine Mutter von drei Söhnen, von denen zwei allerdings schon aus dem JAM-Alter raus sind – schon ungewöhnlich früh aus dem möchtegern-exegetischen Herumstochern im Bibeltext ausstieg und das Gespräch auf eine persönlichere Ebene lenkte. "Dran" war an sich Markus 6,45-52 – Jesus wandelt über den See –, und die Leiterin knüpfte daran die Frage: "Wo gibt es in unserem Leben Stürme, in denen wir den Beistand Jesu benötigen?" Sie ging auch gleich mit gutem Beispiel voran und erzählte von herausfordernden Situationen in ihrem Privatleben, besonders in ihrem Verhältnis zu ihrem ältesten Sohn. Auf diese Weise wurde Themen, die sonst bestenfalls in der letzten Viertelstunde des Elterncafés, beim Sammeln von Gebetsanliegen, zur Sprache kommen, von vornherein größerer Raum gegeben, und das fand ich gut. Gleichwohl bemerkte ich Anzeichen dafür, dass mindestens eine der "neuen" Teilnehmerinnen etwas befremdet darüber war, nichtsahnend in einen Bibelkreis geraten zu sein; unter der Bezeichnung "Elterncafé" hatte sie sich offenbar etwas anderes vorgestellt, und zumindest ich kann ihr das nicht verübeln. Na, zu dem Thema wollte ich ja eigentlich schon längst mal etwas Grundsätzliches schreiben; vielleicht komme ich über die Ferien dazu. 

Als ich meine Große später nach dem Inhalt der Kinderkatechese fragte, die ich verpasst hatte, sagte sie, es sei um "Zeit und Ewigkeit" gegangen, sah sich jedoch nicht imstande, das näher zu erläutern. Umso mehr war ich erpicht darauf, beim nächsten JAM – am vergangenen Mittwoch – wieder beim Programm für die 6-12jährigen Kinder zuzuschauen und zu -hören, und diesmal gelang mir das auch. Einleitend erklärte die JAM-Leiterin, es werde wie beim vorigen Mal eine "Gegenstands-Andacht" geben; darüber, dass Katechesen in dieser Gemeinde (und wohl auch darüber hinaus im evangelikalen Sprachgebrauch) als "Andachten" bezeichnet werden, habe ich mich schon bei früherer Gelegenheit gewundert, und so richtig gewöhnen kann ich mich da immer noch nicht dran; gleichwohl war ich – unter dem Aspekt der Methodenvielfalt – gespannt, wie das Format "Gegenstands-Andacht" konkret aussehen mochte und wie es sich von den beim JAM sonst meist üblichen interaktiv gestalteten Nacherzählungen biblischer Geschichten unterschied, die in der Regel deutlich mehr als zwei "Sitzungen" in Anspruch nehmen. 

Bereits auf den ersten Blick fiel es auf, dass die Leiterin auf der Bühne eine Vielzahl unterschiedlicher Lichtquellen – Kerzen, Glühbirnen, Taschenlampen, Scheinwerfer – aufgebaut hatte; da lag die Vermutung nahe, dass es, nachdem das Thema in der vorigen Woche "Zeit" gelautet hatte, diesmal um dss Thema "Licht" gehen sollte. Die Kinder hatten allerdings, als die Leiterin erklärte, es solle diesmal um etwas gehen, "was wir alle jeden Tag machen", zunächst andere Ideen: "Atmen", schlug ein Junge vor. "Beten", warf mein Tochterkind ein, worauf die Leiterin überrascht und erfreut reagierte, dann jedoch erklärte, was sie meine, sei: Licht anmachen. Es folgte ein kleiner Vortrag darüber, welche unterschiedlichen Methoden, Licht zu machen, die Menschen im Laufe der Jahrtausende erfunden haben; dann wurde im Saal das Licht ausgemacht, und die Kinder sollten mit Hilfe einer Schwarzlicht-Taschenlampe kleine Zettel suchen, die im Raum versteckt waren und auf denen jeweils ein Wort stand. Der nächste Schritt bestand dann darin, diese Wörter zu einem Satz zusammenzusetzen, und dieser Satz lautete: 

"Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt." 

Daran schloss sich natürlich eine Auslegung dieses Satzes an – in der Form, dass die Leiterin im Gespräch mit den Kindern erörterte, was Jesus denn wohl mit dieser Aussage über sich selbst gemeint haben könnte. Dazu gehörte auch die Frage: Wenn Jesus das Licht ist, was ist dann die Dunkelheit, in die Er hinein leuchten will? Eine besonders schöne Antwort darauf hatte mein Tochterkind: "Der Abgrund in unseren Herzen." Ich war beeindruckt, und die JAM-Leiterin offenbar auch. 

Nicht unerwähnt lassen möchte ich übrigens auch, dass mein Tochterkind in letzter Zeit schon mehrmals im Lobpreis-Teil des JAM zusammen mit einer oder mehreren Mitarbeiterinnen die Choreographien verschiedener "Adonia-Bibelvers-Songs" vortanzen durfte. Sie ist da mit großem Engagement bei der Sache, und ich finde das prima. 


Update Religionspädagogik 

In der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings hatte ich Neuigkeiten hinsichtlich der Frage "Will der Klein jetzt ernsthaft Religionspädagogik studieren und Gemeindereferent werden?" in Aussicht gestellt, also will ich mich diesbezüglich nun auch nicht lumpen lassen. Wie angekündigt, hatte ich nämlich am Dienstag ein Infogespräch in dieser Angelegenheit, und ohne darüber allzu viel verraten zu wollen, kann ich doch immerhin sagen, dass das Gespräch in sehr netter und lockerer Atmosphäre ablief und dass ich nun schon viel klarer darüber sehe, wie der Weg zu einer Anstellung als Gemeindereferent beim Erzbistum Berlin konkret ablaufen würde. Das vielleicht wichtigste Ergebnis dieses Gesprächs ist, dass es mir bestätigt hat: Ich hab da Bock drauf. Was natürlich noch lange nicht heißt, dass es auch tatsächlich was wird. Das ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig, oder anders ausgedrückt: Es gibt zahlreiche denkbare Gründe dafür, dass entweder das Erzbistum oder ich selber (oder vielleicht beide) an irgendeinem Punkt des Prozesses sagen könnten: Das wird doch nichts mit uns. Aber erst einmal bin ich durchaus bereit, es darauf ankommen zu lassen. – Um schon im kommenden Frühjahrssemester mit dem Studium zu beginnen, ist die Bewerbungsfrist an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen indes schon abgelaufen; alternativ könnte man zum Herbstsemester ein Fernstudium in Paderborn beginnen oder aber bis nächstes Jahr warten – das will noch gut überlegt sein. Was mich an der Quereinsteiger-Offensive des Erzbistums Berlin allerdings am meisten interessiert – noch mehr als das Studium selbst –, ist die studienbegleitende berufspraktische Ausbildung; denn ich muss ehrlich gestehen, wenn man zuerst das auf sieben Semester angelegte Bachelorstudium abschließen müsste, bevor man mal damit anfangen könnte, tatsächlich in der Pastoral zu arbeiten, dann würde ich sagen, das dauert mir zu lange. Schließlich bin ich nicht mehr der Jüngste (auch wenn die freundliche Dame vom Erzbischöflichen Ordinariat, mit der ich sprach, meinte, ich passe genau ins typische Bewerberprofil, auch vom Alter her). Tatsächlich sieht der Ausbildungsplan des Erzbistums bereits ab dem dritten Semester eine studienbegleitende Anstellung im Umfang einer 50%-Stelle vor, bei der es zunächst vor allem darum geht, verschiedene Tätigkeitsfelder kennenzulernen (Religionsunterricht, Arbeit in der Pfarrei, Krankenhausseelsorge und schließlich einen selbst gewählten weiteren Schwerpunkt, z.B. "Citypastoral", Jugendpastoral, muttersprachliche Gemeinden) und die ab dem 5. Semester zu einer 100%-Stelle aufgestockt wird (wobei die fürs Studium aufgewendete Zeit auf die Arbeitszeit angerechnet wird). Das klingt für mich durchaus attraktiv. – Und wie geht's jetzt wohl weiter? Als nächster Schritt steht in drei Wochen ein "Bewerber:innen-Tag" des Erzbistums an, zu dem alle Interessenten für eine Ausbildung im Pastoralen Dienst, und somit auch ich, eingeladen wurden. Wie mir gesagt wurde, soll sich dieser "Bewerber:innen-Tag" von einem "assessment center" in der freien Wirtschaft hauptsächlich dadurch unterscheiden, dass er nicht darauf ausgelegt ist, dass die Bewerber sich gegenseitig ausstechen. Na, ich bin gespannt. Aber bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit... 


Neues aus Synodalien: Das unwillkommene Antanzen von Moni Toring und Eva Luation  

Eigentlich war ich ja der Auffassung, es lohne sich kaum, der heute Mittag mit einer Eucharistiefeier in der Stuttgarter Kirche St. Fidelis und der Ausgabe von Lunchpaketen zu Ende gegangenen 6. Synodalversammlung des Synodalen Weges größere Aufmerksamkeit zu widmen. Aber was ich dann doch von dieser Veranstaltung mitbekommen habe, hat mir den Eindruck vermittelt, dass die "Evaluation des Prozessgeschehens des Synodalen Weges" und das "Monitoring der Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Weges" Ergebnisse erbracht haben, die gerade diejenigen, die dem Anliegen des Synodalen Weges mit Sympathie gegenübergestanden haben und Hoffnungen auf den Erfolg dieses Prozesses gesetzt haben, als ausgesprochen peinlich empfinden müssten. Zum Zwecke der Evaluation des Prozessgeschehens hatte der Synodale Weg eine Studie bei der Katholischen Universität Eichstätt in Auftrag gegeben, deren empirische Grundlage eine Umfrage ist, die an alle Teilnehmer des Synodalen Weges versandt wurde. Beantwortet hat die Evaluationsfragen von vornherein nur rund die Hälfte der Synodalen, von den Bischöfen sogar nur ein Drittel; aber auch diejenigen, die sich die Mühe gemacht haben, glauben, wie es in der Studie heißt, "tendenziell nicht, dass der Synodale Weg erreicht hat, wozu er ursprünglich angetreten war". (Von den 130 Teilnehmern der Befragung rechnet die Studie übrigens nur elf zum Lager der "kritischen Bewahrer", denen die Beschlüsse der Synodalversammlungen "zu weit gingen"; diese dürften das Ergebnis also kaum wesentlich beeinflusst haben.) 

Noch blamabler steht es um das Monitoring der Umsetzung der Beschlüsse. Von "progressiven" Stimmen, die vom Synodalen Weg enttäuscht und frustriert sind, weil ihnen die Beschlüsse der vorangegangenen Synodalversammlungen nicht weit genug gingen, haben wir schon verschiedentlich gehört; nun zeigt aber das "Monitoring", dass selbst diese aus progressiver Sicht ungenügenden Beschlüsse nicht konsequent umgesetzt wurden und werden. Und daran sind nicht etwa, wie man ja geneigt sein könnte anzunehmen, nur die konservativen "Bremser" in der Bischofskonferenz, also Kardinal Woelki und die Bischöfe von Eichstätt, Regensburg und Passau, schuld: Von den 27 deutschen Diözesen haben 23 an der Befragung bezüglich des Standes der Umsetzung der synodalen Beschlüsse teilgenommen, und das Ergebnis zeigt, dass kein einziges Bistum "alle Beschlussergebnisse vollständig umgesetzt" hat. Und übrigens, was ich fast noch witziger finde, auch das "ZdK" nicht. – Sicherheitshalber möchte ich betonen, dass die Nicht-Umsetzung von Beschlüssen des Synodalen Weges an und für sich nichts ist, was ich kritisieren würde; eher im Gegenteil. Wenn ich mir die "Liste der weiterhin offenen Forderungen" so ansehe, auf der Dinge stehen wie "eine Musterordnung zur Beteiligung der Gläubigen bei Bischofsernennungen, eine Bitte an Rom um Aufhebung der verpflichtenden Ehelosigkeit für Priester", Änderungen am Katechismus in Hinblick auf die "Bewertung homosexueller Handlungen", "Zugang Homosexueller zum Weiheamt" sowie "eine Partikularnorm zur Laienpredigt", denke ich mir: Ja is' denn heut scho' Weihnachten?  Im Ernst: Wer Unmögliches fordert, darf sich über die ausbleibende Erfüllung seiner Wünsche nicht wundern oder gar beschweren. Aber bemerkenswert erscheint es doch, dass selbst die Leute, die nach außen hin als die entschiedensten Verfechter des Synodalen Weges auftreten, so wenig an dieses Projekt glauben und es so wenig ernst nehmen. Natürlich könnte man da nun sarkastisch einwerfen, dass Glauben nicht so die starke Seite dieser Leute ist, liege ja auf der Hand

Nicht von ungefähr fühlt sich mein Leser gerd, wie er in einem Kommentar zu meinem Artikel vom Donnerstag mitteilt, beim Synodalen Weg "an die berühmten Schildbürger-Geschichte" erinnert, in der "die Bürger beim Bau ihres neuen Rathauses die Fenster vergessen" und daraufhin versuchen, "mit Schaufeln, Gabeln und Säcken" das Sonnenlicht einzufangen, um damit ihr dunkles Rathaus zu erleuchten. Etwas geschafft hat die 6. Synodalversammlung aber immerhin doch, nämlich eine Wahlordnung für die künftige Synodalkonferenz zu verabschieden. Diese steht freilich unter dem Vorbehalt, dass der Vatikan der Errichtung dieser Synodalkonferenz erst einmal zustimmen müsste. Der Essener Bischof Overbeck äußert sich auf häretisch.de zwar "zuversichtlich, dass Rom die Satzung der künftigen Synodalkonferenz für die Kirche in Deutschland genehmigen wird", aber der Verdacht liegt nicht ganz fern, dass diese Äußerung eher als "Pfeifen im Walde" zu verstehen ist; oder anders gesagt: als das typische Verhalten eines notorischen Spielers, der bis zur letzten Sekunde blufft, obwohl er nichts auf der Hand hat. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Es scheint eine ganz sonderbare Unwissenheit über die Bedeutung des Wortes Entwicklung zu herrschen. Wenn wir von einem Kinde sagen, es sei gut entwickelt, dann meinen wir, dass es aus eigener Kraft größer und stärker geworden, nicht, dass es mit geborgten Kissen ausgepolstert ist und auf Stelzen geht, um größer auszusehen. Wenn wir sagen, ein Welpe entwickle sich zum ausgewachsenen Hund, dann meinen wir nicht, er entwickle sich allmählich zur Katze, sondern wir meinen, dass er mehr und nicht weniger Hund wird. Entwicklung ist die Entfaltung aller Möglichkeiten einer Lehre, all dessen, was sie in sich birgt, wenn es an der Zeit ist, diese Möglichkeiten zu unterscheiden und herauszustellen. 

(G.K. Chesterton, Thomas von Aquin) 


Ohrwurm der Woche 

Peter Cornelius: Reif für die Insel 

Am Montag geht's in den Urlaub: fünf Tage CenterParc Nordseeküste, wie schon seit Jahren eigentlich immer in den Winterferien. Auf einer Insel liegt dieses Urlaubsziel zwar nicht, aber ein bisschen Aussteiger-Feeling kommt da, von Berlin aus gesehen, trotzdem auf. Seinen Status als Ohrwurm der Woche verdankt der Song "Reif für die Insel" indes vorrangig der Tatsache, dass Google News mich unlängst mit einem Artikel über den Liedermacher Peter Cornelius überraschte, anlässlich seines 75. Geburtstags am 29. Jänner [sic]. Na dann herzlichen Glückwunsch! Das einzige andere Lied von Peter Cornelius, das ich kenne, ist "Du entschuldige, i kenn di", das man oberflächlich betrachtet für eine handelsübliche Schlager-Schnulze halten könnte, das aber zugleich eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit "My Sweet Lord" von Ex-Beatle George Harrison hat. – Im Unterschied zum gitarrenlastigen "Du entschuldige, i kenn di" ist das Arrangement von "Reif für die Insel" von unverwechselbaren 80er-Jahre-Synthi-Sounds geprägt. Hübsch und thematisch passend finde ich den behutsam angedeuteten Reggae-Rhythmus im Refrain. 


Vorschau/Ausblick 

Wie schon erwähnt, waren wir heute Vormittag mit meinen Schwiegermüttern im Friedrichstadtpalast, und ich schätze, ein paar Worte werde ich darüber beim nächsten Mal wohl verlieren müssen. Heute Abend, wenn dieses Wochenbriefing bereits online ist, ist Community Networking Night im Baumhaus, und ich hoffe sehr, dass ich es schaffe, da hinzugehen – am liebsten natürlich mit der ganzen Familie, aber zur Not auch allein. Nicht nur, weil es zu meinen Neujahrsvorsätzen gehört, da wieder öfter hinzugehen als zuletzt, sondern auch, weil das Baumhaus gerade eine Crowdfunding-Kampagne gestartet hat, um die laufenden Kosten für die nächsten drei Monate zu decken – Insgesamt 12.000 €, also 4.000 pro Monat. Aus dem Spendenaufruf ist mir nicht ganz klar geworden, ob dieser akute Geldbedarf damit zusammenhängt, dass dem Projekt Fördermittel gestrichen wurden oder ausgelaufen sind, aber irgendwas in der Richtung wird's wohl sein. – Am Montag ist das Fest Darstellung des Herrn – volkstümlich Mariä Lichtmess –, das in St. Joseph Siemensstadt allerdings schon in der morgigen Sonntagsmesse "vorgefeiert" wird. Dazu gehört traditionell eine Kerzenweihe, und da unser Tochterkind in der Adventszeit – im Rahmen des Bastelangebots beim JAM – fleißig Kerzen gezogen hat, haben wir uns gedacht, diejenigen selbstgezogenen Kerzen, die wir nicht inzwischen verschenkt haben, könnten wir bei dieser Gelegenheit mal segnen lassen. – Im Übrigen bleibt es abzuwarten, was die kommende Woche an blogrelevanten Themen bringen wird: Dass wir ab Montag fünf Tage in Urlaub sind, habe ich ja schon erwähnt; da sind wir zwar auf dem Territorium von St. Willehad, aber ich bin mir durchaus nicht sicher, ob und in welchem Ausmaß ich Zeit und Gelegenheit haben werde, mich an Ort und Stelle zu informieren, was da seit dem Amtsantritt des neuen Pfarrers so los ist. Für alle Fälle werde ich mir reichlich potentiell blogrelevante Lektüre einpacken, womit sichergestellt sein sollte, dass ich nicht in epischer Breite über Frühstücksbüffet und Schwimmbadbesuche werde schreiben müssen, um das nächste Wochenbriefing voll zu kriegen...