Wieder einmal, Freunde, liegt eine Woche hinter mir, die so voll mit interessanten Eindrücken war, dass ich gar nicht die Zeit hatte, das alles aufzuschreiben, geschweige denn dass es alles in diesem Wochenbriefing Platz gefunden hätte. Ein paar separate Artikel sind also in Vorbereitung, aber erst einmal dürft ihr euch auf ein Wochenbriefing freuen, das thematisch recht anmutig von Pfingsten über den Dreifaltigkeitssonntag zu Fronleichnam überleitet. Seht selbst!
Feuerzungen unterschiedlicher Art
Wie zumindest andeutungsweise schon erwähnt, war ich am vorigen Wochenende sozusagen alleinerziehend, da meine Liebste – wozu weiter unten noch mehr zu sagen sein wird – von Freitag nach der Arbeit bis Sonntagnachmittag beim Alpha-Kurs-Wochenende der EFG The Rock Christuskirche eingespannt war. Darüber, wie ich die Kinder während dieser ganzen Zeit beschäftigen wollte, musste ich mir zum Glück nicht viele Gedanken machen, denn das Wochenende war ohnehin bereits zu einem großen Teil verplant. Zu den Dingen, die es mir leichter machten, dem Nachwuchs einen zugleich strukturierten und unterhaltsamen Tagesablauf zu bieten, gehörte es, dass ich am Samstag mit beiden Kindern zu den Schöneberger KPE-Pfadfindern fahren konnte, denn zeitgleich mit dem wöchentlichen Treffen der Wölflingsmeute fand dort auch das monatliche Treffen der Wichtelgruppe statt. Um optisch zu seiner großen Schwester in ihrer Wölflingskluft zu passen, ließ sich der Jüngste mit erkennbarem Stolz ein hellblaues Hemd anziehen, das immerhin so ähnlich aussieht wie ein Klufthemd ("offiziell" tragen die Wichtel noch keine Kluft). – Als wir ankamen, begrüßte eine der beiden Wichtel-Leiterinnen meinen Sohn, der ja länger nicht mehr dabei gewesen war (zuletzt Ende Januar, wie ich just nachgelesen habe), ausgesprochen erfreut und sprach ihn mit Namen an; aber nun wurde er plötzlich uncharakteristisch schüchtern, versteckte sich hinter meinem Rücken und wollte in der Gruppenstunde nicht so richtig mitmachen. Die Mutter eines anderen Wichtelkindes meinte verständnisvoll, ihre Tochter sei auch manchmal so, und als ich erwähnte, mein Sohn sei gerade erst drei Tage auf KiTa-Fahrt gewesen und möglicherweise sei ihm deshalb gerade alles ein bisschen zu viel, stimmte sie mir zu, dass das wohl ein Grund sein könne, und staunte zugleich, dass mein Knabe sich schon mit fünf Jahren getraut habe, an so einer Fahrt teilzunehmen.
Neben meinem Jüngsten erschienen zur Wichtelgruppe noch zwei weitere Jungen und drei Mädchen; inhaltlich ging es um das Thema Pfingsten: Zunächst trug eine der Leiterinnen eine Nacherzählung des Pfingstberichts aus der Apostelgeschichte vor, dann ging es darum, dass der Heilige Geist in verschiedenen Gestalten erscheint – etwa als Wind oder als Flamme –, und es wurde darüber gesprochen, welche Wirkungen Wind und Feuer haben. Abgerundet wurde das Thema durch Spiele und kleine Sinneswahrnehmungs-Übungen (Hören, Fühlen, Schmecken).
Bemerkenswert fand ich übrigens, dass mein Herr Sohn, obwohl er beim Programm nicht so richtig hatte mitmachen wollen, hinterher trotzdem sagte, die Wichtelgruppenstunde habe ihm gut gefallen. Ich selbst fand sie auch gut, und folglich ist es ganz und gar nicht als Kritik an den Leiterinnen zu verstehen, dass mich beim Gedanken an meine eigene wenig ruhmreiche Karriere als Wichtelgruppenleiter in Haselhorst zwischenzeitlich der Eindruck befiel, ich sei damals wohl ziemlich überambitioniert gewesen – also hinsichtlich meiner Vorstellungen darüber, was man den Kindern da so bieten müsse. Indes will ich nicht ausschließen, dass das "Das könnte ich auch"-Gefühl, das ich angesichts des Programms dieser Wichtelgruppenstunde empfand, auch ein Hinweis darauf sein könnte, wie viel ich in den letzten Jahren – z.B. durch meine KiWoGo-Aktivitäten – dazugelernt habe.
Übrigens hatten zeitgleich auch die Pfadfinderinnen der sogenannten "Grünen Stufe" – das ist die Altersgruppe der 12- bis 16-Jährigen – ihr Gildentreffen; dazu erschienen allerdings nur drei Mädchen, die ihr Programm selbständig gestalteten. Die mit Abstand am stärksten vertretene Altersgruppe war somit wie gewohnt die der Wölflinge – mit, wenn ich richtig gezählt habe, achtzehn Mädchen. Ein bedeutender Programmpunkt bei diesem Meutentreffen war die Rückgabe bzw. der Austausch von Fundsachen aus dem Lager; davon abgesehen stand dieses Treffen – wie mir mein Tochterkind hinterher erläuterte – unter dem Oberthema "Die rote Blume"; so wird das Feuer im Dschungelbuch genannt. Folgerichtig bestand der Höhepunkt des Meutentreffens darin, dass die Wölflingsmädchen selbst Feuer machen durften – in speziell dafür vorgesehenen Metalltonnen, eine Feuertonne pro Rudel, und anschließend durften die Wölflinge auf dem seibst entzündeten Feuer Brotscheiben und Marshmallows rösten.
Erwähnt sei im Übrigen noch, dass mein Tochterkind einen bemerkenswerten Ehrgeiz entwickelt, das Winkeralphabet (Semafor) zu erlernen. Für die "Leise Pfoten"-Prüfung braucht sie nur den "1. Kreis", der die Buchstaben A-G enthält; aber da man damit natürlich nur eine sehr begrenzte Auswahl an Wörtern buchstabieren kann und sie das begreiflicherweise unbefriedigend findet, bemüht sie sich, auch schon die weiteren Kreise zu lernen.
Und übrigens, da es hier gerade chronologisch passt, möchte ich eben noch ein erfreuliches Erlebnis aus der Rubrik Catholic Parenting Goals loswerden: Am Samstagabend entdeckte unsere Tochter in einem Regal einen Rosenkranz, dessen ehemals rot lackierte Holzperlen, nachdem er einmal versehentlich in einer Hosentasche mitgewaschen worden war, jetzt eher unregelmäßig rosa sind. Den fand sie schön und fragte, ob sie ihn haben dürfe – wozu ich erklärte, wenn er ihr besser gefalle als den, den sie derzeit in ihrer Pfadfindertasche habe, dann könne sie ihn gern behalten, aber dann solle sie den anderen an ihren kleinen Bruder abtreten. So machten wir es, und dann schlug die Große vor, wir könnten zum Schlafengehen zusammen Rosenkranz beten. Fast noch überraschender als diesen Vorschlag fand ich es, dass der Kleene ebenfalls dafür war. Wir beteten also gemeinsam den Eröffnungsteil und dann das erste Gesätz des freudenreichen Rosenkranzes, die Große zeigte ihrem Bruder dabei geduldig, wann er jeweils zur nächsten Perle wechseln musste, und als ich die Kinder am Ende des ersten Gesätzes fragte, ob sie auch noch das zweite beten wollten, bejahten beide. Danach hatte der Jüngste dann genug, aber das war ja auch ganz okay. Ich fand diesen Tagesabschluss jedenfalls sehr schön und hoffe, dass wir das zukünftig öfter so machen können...
Schwarzer Gürtel in KiWoGo: Man kann ja auch mal was basteln
Auch noch in den Zeitraum, in dem ich mit den Kindern allein war, fiel der Kinderwortgottesdienst zum Dreifaltigkeitssonntag; glücklicherweise hatte ich schon vor längerer Zeit eine Idee zur Gestaltung dieses KiWoGo gehabt und mit dem Gemeindereferenten abgesprochen, sodass ich nun nicht mehr sonderlich viel vorzubereiten brauchte. Das Evangelium vom Dreifaltigkeitssonntag war Johannes 3,16-18, das Kernstück aus dem Gespräch Jesu mit Nikodemus; dazu hatte ich schon Ende Januar im Rahmen einer Vorschau auf die KiWoGo-Termine der ersten Jahreshälfte notiert:
"Erinnert sich noch jemand an den Typen, der früher immer bei weltweit im Fernsehen übertragenen Sportereignissen im Publikum saß und ein Schild mit der Aufschrift 'John 3:16' hochhielt? Eine gut gewählte Bibelstelle, denn wenn es einen Vers gibt, den man als 'Das Evangelium in einem Satz' bezeichnen könnte, dann ist das ja wohl dieser."
Eine Gestaltungsidee für die kindgerechte Präsentation dieser Bibelstelle hatte ich zu diesem Zeitpunkt explizit noch nicht gehabt, war dann aber gegen Mitte April in den Weiten des Internets über eine Bastelvorlage zu diesem Vers gestolpert und hatte mir gedacht: Wieso nicht mal was basteln? Wir basteln schließlich sonst nie beim KiWoGo, und ich bin doch prinzipiell ein großer Verfechter von Methodenvielfalt. – Der Bastelbogen aus dem Internet zeigte verschiedene Bildemente – ein Herz, ein Kreuz, einen Menschen, eine Wolke, ein aufgeschlagenes Buch –, die jeweils mit einem Teil des Bibelverses beschriftet waren; die Anleitung sah vor, diese Bildelemente auszumalen, auszuschneiden und beispielsweise ein Mobile daraus zu basteln. Ich hatte jedoch die vom JAM inspirierte zusätzliche Idee, die Kinder zunächst einmal in Gruppenarbeit herausfinden zu lassen, in welcher Reihenfolge die Satzteile zusammengehören; ursprünglich hatte ich angedacht, zu diesem Zweck je ein Exemplar der Mobile-Teile auf festeren Karton zu kleben, sie im Raum zu verstecken und die Kinder danach suchen zu lassen, aber das ließen wir dann doch weg, um mehr Zeit für einen Wortbeitrag des Gemeindereferenten zu haben. – Lobend zu erwähnen ist, dass meine Kinder nicht nur dem rechtzeitigen Losgehen keinerlei Steine in den Weg legten, sondern auch bereitwillig und sogar freudig beim Aufbau für den KiWoGo mithalfen.
Da die diesjährige Erstkommunion ja schon vorbei war, stand durchaus die Befürchtung im Raum, es würden nicht viele Kinder zum KiWoGo kommen, aber tatsächlich waren es dann doch immerhin neun – also meine eigenen und dann noch sieben, darunter mindestens drei, die vor ein paar Wochen ihre Erstkommunion gefeiert hatten. Zur Eröffnung spielte ich wie üblich das Lied "Alles was ich hab" auf meiner treuen Gitarre, und dann war erst einmal der Gemeindereferent mit seinem Wortbeitrag an der Reihe. Darin verglich er die Beziehung zwischen den drei göttlichen Personen mit einer Familie und illustrierte dies durch einen Hinweis auf die gute alte Zeit, als die Leute noch keine Handys, sondern nur ein Festnetztelefon pro Haushalt hatten: Wenn man bei einer Familie anrief, kam es öfter vor, dass man ein anderes Familienmitglied am Hörer hatte als das, das man eigentlich hatte sprechen wollen, aber wenn die Kommunikation innerhalb der Familie gut funktionierte, konnte der Anrufer trotzdem davon ausgehen, mit seinem Anliegen an die richtige Adresse zu kommen. Dann stellte er den Kindern die Frage, wodurch eine Familie denn idealerweise zusammengehalten werde, und die erwünschte Antwort darauf lautete natürlich: durch Liebe. Und so, betonte der Gemeindereferent, verhalte es sich auch mit der göttlichen Dreifaltigkeit. – Für die Aufgabe, die Satzteile des Bibelverses in die richtige Reihenfolge zu bringen, teilte ich die Kinder in zwei Gruppen ein, und beide wurden annähernd gleich schnell damit fertig.
Für das individuelle Basteln blieb dann schon fast keine Zeit mehr, aber jedes Kind durfte einen Bastelbogen mit nach Hause nehmen. – Derweil wollte meine Liebste zum Abschluss des Alpha-Kurs-Wochenendes in den Nachmittagsgottesdienst der EFG The Rock Christuskirche gehen, daher hatten wir verabredet, uns dort zu treffen; da wir zwischendurch nicht noch einmal nach Hause gegangen waren, sondern die Zeit stattdessen auf einem Spielplatz in Haselhorst verbracht hatten, hatte ich meine Gitarre noch dabei, und das führte dazu, dass ich schon beim Betreten des Foyers von einer Frau aus der Gemeinde, die uns eher flüchtig bzw. oberflächlich kennt, gefragt wurde: "Machst du heute Lobpreis?" Ich verneinte, woraufhin sie nachhakte: "Aber hast du heute schon." Das bejahte ich und freute mich irgendwie darüber.
Worüber ich mich ebenfalls freute, war, dass mir an diesem Sonntag gewissermaßen ein Direktvergleich zwischen dem von mir selbst mitgestalteten KiWoGo und der "Kinderkirche" der The Rock-Gemeinde ermöglicht wurde. Die "Kinderkirche" für dir Altersgruppe der 6- bis 16-Jährigen wurde diesmal geleitet von einem jungen Mann, der früher auch beim JAM mitgearbeitet hatte, dort aber, bedingt durch seine Arbeitszeiten, schon länger nicht mehr gewesen war; er nutzte seine privaten Urlaubsfotos als Einstieg, um mit den Kindern über das Thema Schöpfung zu sprechen, und das gefiel mir gut. Im weiteren Verlauf ging es um den priesterlichen Schöpfungsbericht aus Genesis 1-2,4a, was zu einem Quervergleich mit dem Religiösen Kindertag zum Thema Schöpfung einlud, den wir im Februar in St. Stephanus hatten. Mein Eindruck war, dass hier im freikirchlichen Kindergottesdienst ein stärkerer Akzent auf der kreationistischen Auffassung lag, Gott habe die Welt buchstäblich in sechs Tagen erschaffen, während es beim katholischen RKT eher darum ging, was die Erzählung von den sechs Schöpfungstagen über die Schöpfung als Prozess und über ihre Ordnung bzw. Struktur aussagt; ich möchte allerdings nicht ausschließen, dass eine gewisse Voreingenommenheit meinerseits aus dieser Wahrnehmung spricht. Gebastelt wurde hier jedenfalls auch etwas, nämlich eine "Schöpfungsuhr", auf Englisch auch "Creation Wheel" oder "Creation Spinner" genannt. – Besonders unter dem Aspekt "Die Evangelikalen kennen kein Kirchenjahr" fand ich es bemerkenswert, dass der Katechet durch Fragen einiger Kinder (es waren übrigens elf an der Zahl, also gar nicht so viel mehr als "bei uns") veranlasst wurde, am Dreifaltigkeitssonntag auch etwas zur göttlichen Dreifaltigkeit zu sagen. – Zum Abschluss der Kinderkirche durften die Kinder Blumensamen in das über einen Zeitraum von mehreren Wochen beim JAM gebaute Hochbeet säen.
Und wie war's eigentlich beim Alpha-Kurs-Wochenende in Falkensee?
Der Alpha-Kurs der EFG The Rock Christuskirche läuft ja jetzt schon seit ungefähr acht Wochen und neigt sich somit allmählich dem Ende zu: Zehn Abendtermine umfasst so ein Kurs regulär, und dazu, als Kern- oder Herzstück, ein Wochenende, bei dem es thematisch schwerpunktmäßig um den Heiligen Geist geht. Dieses Wochenende fand im vorliegenden Fall nicht in den Gemeinderäumen in Haselhorst statt, sondern begann am letzten Freitag im Mai mit einem Grillabend in demselben privaten Garten in Falkensee, in dem wir letztes Jahr vor den Sommerferien einen Gartengottesdienst mit Swimmingpooltaufe miterlebt hatten. Das Programm am Samstag fand am selben Ort statt und nahm ungelogen den ganzen Tag in Anspruch, vom Frühstück um 9 Uhr bis zu einem weiteren Grillabend, dazwischen zwei Vorträge zum Thema "Heiliger Geist", Kleingruppen und "viel Freizeit zum Spazierengehen, Quatschen, Chillen" und dergleichen mehr (und Mittagessen gab es auch). Das Programm für den Sonntag – erst Brunch, dann ein Vortrag zum Thema "Wie mache ich das Beste aus meinem Leben?" und schließlich wieder Kleingruppen – fand dann in den Gemeinderäumen in Haselhorst statt, damit Team und Teilnehmer anschließend den regulären Sonntagsgottesdienst der Gemeinde besuchen konnten.
Als wir dort meine Liebste trafen, hatte ich unmittelbar den Eindruck, dass ihr die Teilnahme an diesem Wochenende sehr gut getan hatte: Sie leuchtete richtig von innen heraus, fand ich. Bei der Kaffeetafel nach dem Gottesdienst stellte sie uns einige Teilnehmer des Alpha-Kurses vor; dazu gehörte ein junger Mann mit langem Hipsterbart, tätowiertem Hals und riesigen Tunnelohrringen, ein nicht mehr so junger Mann, der sich mit uns an einen Tisch setzte, aber nicht sehr gesprächig war, und eine junge Frau, die sich im Zuge des Alpha-Kurses dazu entschlossen hat, sich taufen zu lassen – die Taufe soll am übernächsten Sonntag sein, wiederum im Swimmingpool in dem besagten Garten in Falkensee.
Ein weiteres erfreuliches Ergebnis des Alpha-Kurs-Wochenendes war es, dass es meiner Liebsten dort gelungen war, zwei Mitarbeiter (m/w) der Gemeinde für die Aufgabe zu rekrutieren, uns mit dem Projekt "Kinderzimmer-Neugestaltung" zu helfen. #BenOp at its best, möchte ich dazu mal sagen. Mit zwei Arbeitseinsätzen im Laufe der Woche haben wir ein Ergebnis erzielt, das sich sehen lassen kann: Die neuen Hochbetten sind aufgebaut, und die Kinder haben angefangen, den Bereich unter den Betten nach ihren jeweiligen eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen zu gestalten und einzurichten.
Und schließlich wäre noch zu erwähnen, dass im Eröffnungsteil des Gottesdienstes in der EFG The Rock Christuskirche dafür geworben wurde, bei einer "Outreach" genannten Straßenevangelisations-Aktion in der Spandauer Altstadt mitzumachen, woraufhin das Tochterkind mich voller Enthusiasmus fragte: "Wollen wir das machen?" Ich erklärte, ich wäre grundsätzlich nicht abgeneigt, aber wir sollten da "mal mit Mami drüber reden". Bei der Kaffeetafel fragte dann aber meine Liebste ihrerseits unsere Töchter, wie sie es denn fände, wenn wir beim "Outreach" mitmachten. In summa lief das also auf ein klares Ja hinaus, also schauten wir mal auf die Liste mit den Terminen: Bis zu den Sommerferien findet "Outreach" jeden Samstag statt, aber wie sich zeigte, kamen von den Terminen, für die noch Leute gebraucht wurden, für uns nur zwei in Frage, also entschieden wir uns für den späteren von diesen – den 4. Juli. Das kann ja spannend werden!
Was letzten Samstag in der Post war
Spulen wir chronologisch mal ein kleines Stück zurück: Nachdem ich am vorigen Samstag mit den Kindern von den Pfadfindern nach Hause gekommen war, machte ich mich als erstes daran, den Briefkasten zu leeren; auf dem Weg dorthin murmelte ich noch halb an mich selbst, halb an die Kinder gerichtet, dass ich eigentlich gar keine besonders wichtige oder interessante Post erwarte, aber da sah ich auch schon, dass ein dicker und großformatiger Umschlag aus dem Briefkastenschlitz herausragte. Als Absender firmierte die Initiative Ostwind 3000, und als ich den Umschlag öffnete, fand ich darin eine fast 200 Seiten starke Broschüre – man könnte auch sagen, ein Buch – mit dem Titel "Charismen-Seminar – 27 Werkzeuge des Heiligen Geistes zur Erweckung der Gemeinde", verfasst von Pater Paulus Maria Tautz CFR.
In einem Begleitschreiben zu dieser Broschüre schreibt Pater Paulus, das "Charismen-Seminar-Buch" erscheine mit "fast 3 Jahren Verspätung", aber gleichzeitig zeigt er sich überzeugt, "dass der Zeitpunkt auch von Gott her organisiert worden ist":
"Besonders in Deutschland spüre ich einen Wind der Veränderung. Die Menschen scheinen der kirchlichen Botschaft gegenüber offener zu sein. [...] Es ist eine gute Zeit für dieses Charismen-Seminar der praktischen Anleitung zur göttlichen Effektivität in unserem Leben und dem Leben der Kirche!"
Auch schön: Auf der Rückseite der Broschüre verrät Pater Paulus, der Untertitel habe ursprünglich "27 Werkzeuge des Heiligen Geistes zur Erneuerung der Gemeinde" (Hervorhebung von mir) lauten sollen, er habe aber kurzfristig "Erneuerung" durch "Erweckung" ersetzt, da er "immer mehr feststelle, wie tot die Pfarreien mittlerweile sind". In diesem Zusammenhang muss ich anmerken, dass ich mich durchaus frage, ob ich in dem Umstand, dass mir diese Broschüre so unverhofft ins Haus geflattert ist, einen Fingerzeig sehen sollte, mich tatsächlich in den Gemeinderat von Herz Jesu Tegel wählen zu lassen. Aber nun gut, um darüber eine verbindliche Entscheidung zu fällen, ist ja noch etwas Zeit.
"Noch etwas Zeit" werde ich wohl auch noch benötigen, um die Broschüre gründlich durchzulesen, aber ein paar erste Eindrücke kann und will ich schon mal festhalten. Einen nicht unwesentlichen Teil des Gesamtumfangs nehmen biographische Kurzporträts von Heiligen und anderen Persönlichkeiten der Kirchengeschichte ein, die als Vorbilder oder Beispiele für die einzelnen Charismen betrachtet werden können; zu meinem großen Entzücken ist da auch Dorothy Day vertreten (im Abschnitt "Gastfreundschaft", übrigens), und auch sonst noch einige meiner persönlichen Lieblingsheiligen. Im Einleitungsteil, in dem es allgemein darum geht, was Charismen überhaupt sind und welche Bedeutung sie im Leben der Kirche haben, ist mir zudem ein Abschnitt ins Auge gefallen, in dem der Wettlauf der Jünger zum Grab (vgl. Joh 20,1-9) als Bild für das Verhältnis zwischen hierarchischen und charismatischen Gaben in der Kirche gedeutet wird: Der Jünger, den Jesus liebte – also Johannes – kommt zuerst am Grab an, bleibt aber am Eingang stehen und lässt Petrus den Vortritt. Sieht man nun in Petrus das Amt verkörpert und in Johannes das Charisma, dann heißt das: Das Charisma ist "schneller", weil spontaner, flexibler und wohl auch mehr von Leidenschaft getrieben, aber es hat dennoch die Vorrechte des Amtes zu respektieren. – Wenn ich nun auch dies mit dem Gedanken im Hinterkopf lese, mich zukünftig womöglich wieder in der Gemeinde von Herz Jesu Tegel zu engagieren, ergibt sich für mich natürlich die durchaus selbstkritische Frage, was daraus für meinen Umgang mit dem dortigen Pfarrer folgt. Man könnte die dieser Überlegung zugrunde liegende Frage natürlich auch allgemeiner fassen, nämlich: Wie kann das Zusammenwirken von Amt und Charisma funktionieren, wenn man es mit einem Amtsträger zu tun hat, der sich partout nicht bewegen will?
O ihr Kleingläubigen: Fronleichnam fällt aus
Ebenfalls nicht bewegt hat sich am Donnerstag die zentrale Fronleichnamsprozession des Erzbistums Berlin: Die wurde nämlich, mitsamt dem Pontifikalamt auf dem Bebelplatz, kurzfristig abgesagt. Ironie des Schicksals, nachdem ich mich erstmals seit Jahren eigentlich auf die diözesane Fronleichnamsfeier gefreut hatte – hauptsächlich wegen der Aussicht, meine Tochter könnte in ihrer Wölflingskluft im Zug der KPE-Pfadfinder mitlaufen. Einer Rundmail der Wölflingsleiterin ("Akela") hatte ich entnommen, dass die KPE jedes Jahr mit Kluft und Banner in der Fronleichnamsprozession des Erzbistums vertreten ist; wozu ich nicht unerwähnt lassen möchte, dass ich aus meinem Bekanntenkreis die Einschätzung gehört habe, angesichts der Ablehnung, die der KPE von Seiten des BDKJ und des dieser Dachorganisation angehörenden Pfadfinderverbands DPSG entgegenschlägt, sei das nicht gerade selbstverständlich. – Einmal ganz abgesehen vom pfadfinderischen Aspekt ist die zentrale Fronleichnamsfeier aber natürlich auch immer eine Art Familientreffen der Berliner Katholiken, und da hätte ich es schon auch spannend gefunden, zu gucken, wen man da so alles trifft. Indes war mir – ohne da nun im Nachhinein eine Verschwörungstheorie draus basteln zu wollen – schon im Vorfeld aufgefallen, dass die Öffentlichkeitsarbeit des Erzbistums sich in Sachen Fronleichnam ziemlich bedeckt hielt: keine Pressemitteilung, keine Vorab-Veröffentlichung der Predigt, auch auf den Social-Media-Kanälen des Erzbistums standen andere Themen im Vordergrund.
Ebenfalls schon im Vorfeld war mir aufgefallen, dass die Wetteraussichten nicht die günstigsten waren: Ausgerechnet und ausschließlich für den späten Nachmittag und den frühen Abend war Regen angesagt. Da stellte sich nun einerseits schon die Frage, ob der Himmel etwas gegen die Berliner Fronleichnamsfeier hatte – wofür es nach der Erfahrung früherer Jahre durchaus Gründe geben mochte –, aber andererseits konnte ich mir nicht recht vorstellen, dass der Regen sonderlich schlimm werden würde, zumal am Donnerstagmorgen noch schönstes Frühsommerwetter herrschte. Gegen Mittag wurde jedoch auf Instagram bekannt gegeben, dass der "Abend der Begegnung", der im Anschluss an die Prozession hätte stattfinden sollen, abgesagt sei – ich hatte darauf gehofft, dass es da wie vor zwei Jahren (letztes Jahr war ich nicht dabei, weil ich mich auf der heimischen Couch von einer Operation erholte) Imbissbuden mit internationalen Spezialitäten geben würde, tja, schade. Im Übrigen hieß es, man beobachte die Wetterlage und empfehle regenfeste Kleidung. Gegen 15 Uhr folgte dann jedoch ein Update: Wegen einer Gewitterwarnung des Deutschen Wetterdienstes habe man "schweren Herzens entschieden, Gottesdienst und Prozession zu Fronleichnam auf dem Bebelplatz abzusagen". Weiter hieß es: "Die Entscheidung macht uns selbst sehr traurig. Wir müssen jedoch unserer Verantwortung für die Gottesdienstbesucher gerecht werden."
Tja, und was nun? Von den KPE-Pfadfindern kam die Nachricht, um 19 Uhr werde ersatzweise eine Heilige Messe in St. Matthias am Winterfeldtplatz gefeiert (ohne Prozession), aber das war für uns zu weit und zu spät, zumal wir ja auch noch irgendwie zu Abend essen mussten. Also kamen wir an diesem Fronleichnams-Donnerstag in überhaupt keine Messe, was natürlich ziemlich unbefriedigend war. – Übrigens kann ich ehrlich gesagt nicht beurteilen, was für ein Wetter an diesem Abend rund um den Bebelplatz herrschte, aber in Tegel gab's lediglich leichte Regenschauer. Ich bin geneigt zu sagen, das kommt dabei heraus, wenn man sein Vertrauen mehr auf den Deutschen Wetterdienst setzt als auf Gott.
Am morgigen Sonntag ist dann sozusagen "Fronleichnam, der zweite Versuch": Ohnehin wird ja die äußere Feier des Hochfests des Heiligsten Leibes und Blutes Christi mit Rücksicht auf die Tatsache, dass der eigentliche Fronleichnamstag im Gebiet des Erzbistums Berlin kein arbeitsfreier gesetzlicher Feiertag ist, auf Pfarreiebene üblicherweise am Sonntag nachgeholt, was man im aktuellen Fall wohl mit "Na, wenigstens was" zu kommentieren wäre. Doch nicht genug der Komplikationen: Morgen findet in Berlin nämlich auch die ADFC-Fahrradsternfahrt statt, was zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtungen führt. In Spandau, und vermutlich nicht nur da, fällt – wie am vergangenen Sonntag vermeldet wurde – die traditionelle Fronleichnamsprozession aus diesem Grund signifikant kürzer aus als sonst, da für die Fahrradsternfahrt der Altstädter Ring gesperrt wird. Mir würden dazu allerlei Anmerkungen zu Stichworten wie "unterschwelliger Antikatholizismus" oder "verkehrspolitischer Aktivismus als Götzendienst" einfallen, aber man kann's vielleicht auch übertreiben.
Geistlicher Impuls der Woche
Was uns Jesus in der Vertraulichkeit des Abendmahlssaales geschenkt hat, bringen wir heute öffentlich zum Ausdruck, da die Liebe Christi nicht einigen wenigen vorbehalten, sondern für alle bestimmt ist. Alles nimmt seinen Anfang beim Herzen Christi, der beim Letzten Abendmahl, am Vorabend seines Leidens, Gott gedankt und Ihn gepriesen hat und so durch die Macht Seiner Liebe den Sinn des Todes, dem Er entgegenging, verwandelt hat. Die Tatsache, daß das Altarsakrament den Namen "Eucharistie" – "Danksagung" – erhalten hat, bringt genau dies zum Ausdruck: Die Verwandlung der Substanz von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi ist Frucht der Selbsthingabe Christi, Geschenk einer Liebe, die stärker ist als der Tod, der göttlichen Liebe, die Ihn von den Toten auferstehen ließ. Und deshalb ist die Eucharistie Speise des ewigen Lebens, Brot des Lebens. Aus dem Herzen Christi, aus Seinem "eucharistischen Gebet" am Abend vor Seinem Leiden und Sterben, entspringt jene dynamische Kraft, die die Wirklichkeit in allen ihren Dimensionen – kosmisch, menschlich und geschichtlich – verwandelt.
Ohrwurm der Woche
Liane Rudolph: Glühwürmchen-Idyll (aus der Operette "Lysistrata" von Paul Lincke)
Vom Musikstil her zweifellos ziemlich untypisch für diese Rubrik, aber noch skurriler ist die Geschichte, wie und warum dieses Musikstück zum Ohrwurm der Woche geworden ist. Dafür ist nämlich allen Ernstes die in anderem Zusammenhang schon ein paarmal erwähnte Serie "Ninjago" verantwortlich: In der Folge "Die Oni und die Drachen" tritt Erdninja Cole undercover in einer Karaoke-Bar auf, wählt versehentlich das falsche Playback und muss daraufhin dieses Lied singen. In einigen weiteren Folgen taucht es als Running Gag auf; so singt es der von den Bösewichten gefangen genommene Cole, um seinen Bewacher zu nerven, und ein andermal singt er es, um ein schreiendes Baby zu beruhigen, das in Wirklichkeit der durch die Berührung mit einer Zeit-Klinge schlagartig verjüngte Sensei Wu ist. – Im Ninjago-Fandom-Wiki gibt es einen Artikel zu diesem Lied, der an und für sich wenig informativ ist, immerhin aber einen Link zu einem englischsprachigen Wikipedia-Artikel enthält, der mit allerlei Hintergründen zur Geschichte des Liedes und seiner Verwendung in verschiedenen Medien aufwartet. Hier sehen und hören wir es aber mal in seinem Originalkontext.
Vorschau / Ausblick
Heute Vormittag habe ich erneut mein Tochterkind zu den Wölflingen begleitet, worüber nächste Woche zweifellos ein paar Worte zu verlieren sein werden; außerdem ist heute auch noch Fiesta Kreutziga, und wenn man bedenkt, was für eine bedeutende Rolle dieses punkige Straßenfest für die erst unlängst gewürdigte Berufungsgeschichte (wenn man sie denn so nennen möchte) meiner reizenden kleinen Familie gespielt hat, war es ja eigentlich Ehrensache, dass wir da hingehen – auch dazu also im nächsten Wochenbriefing mehr. Was die morgige Fronleichnams-Nachfeier angeht, bin ich zwar von einem Leser meines Blogs nach St. Afra eingeladen worden, denke aber, dass wir im Interesse der Vernetzung in der Gemeindearbeit wohl doch unserer Spandauer Wahlpfarrei den Vorzug geben werden, die in Maria, Hilfe der Christen feiert. Den geselligen Teil nach der Prozession werde ich allerdings wohl ohne meine Familie bestreiten, da an diesem Tag auch eine der liebsten Schulfreundinnen unseres Tochterkindes ihren Geburtstag nachfeiert. Auch noch am selben Tag feiert die KiTa unseres Jüngsten ihr 20jähriges Bestehen, aber diese Feier wird dann wohl ohne uns stattfinden müssen. – Und sonst so? Am Dienstag habe ich Geburtstag – einen runden, ich werde allen Ernstes 50 Jahre alt, das hätte ich mir in meinen Teenagerjahren nicht träumen lassen, dass ich da mal hinkomme. Allerdings habe ich erst kürzlich gelesen, wie der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst – im Zusammenhang mit den ihm nachgesagten Ambitionen aufs Kanzleramt – als "noch jung" bezeichnet wurde, und das fand ich dann doch recht ermutigend, denn Wüst ist ein knappes Jahr älter als ich. – Am Mittwoch nach dem JAM ist der Elternabend zur Religiösen Kinderfreizeit, da müssen wir wohl hin, oder zumindest ich. Was die Woche sonst noch so bringen wird, bleibt abzuwarten, aber vormerken will ich schon mal, dass am kommenden Samstag bei uns um die Ecke eine temporäre Spielstraße eingerichtet werden soll... Ich bin gespannt!














