Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Samstag, 9. Mai 2026

Utopie und Alltag 24: Alles neu macht der Mai?

Wenn ich mir, o Leser, so ansehe, was der Monat Mai noch so alles an spannenden Ereignissen verheißt, dann mutet die zurückliegende Woche zwar nicht direkt wie die "Ruhe vor dem Sturm" an – Ruhe hatte ich in dieser Woche eher weniger –, aber doch ein wenig wie "Harren der Dinge, die da kommen mögen". An Stoff zum Bloggen, aus der Nähe wie aus der Ferne, fehlt es mir dennoch nicht, aber ein bisschen kürzer geraten als sonst ist das Wochenbriefing dann doch; ich schätze mal, das wird so bald nicht wieder passieren... 

Das Vorschaubild visualisiert schon mal recht augenfällig eins der Top-Themen der Woche. 

Erstkommunion und Permakultur 

Am 5. Sonntag der Osterzeit fand, wie schon mehrfach angekündigt, in St. Joseph Siemensstadt die zweite Runde der diesjährigen Erstkommunionen statt, und nachdem wir in der Woche zuvor verhindert gewesen waren, wollten wir diesmal dabei sein – auch wenn die Kinder nach dem vorangegangenen Pizza- und Filmabend in der Kampfsportschule etwas schwer aus dem Bett zu kriegen waren. Letztendlich war das "Aus-dem-Bett-Kommen" aber noch nicht das eigentliche oder hauptsächliche Problem: Dass die Kinder unausgeschlafen und wohl auch noch reizüberflutet vom vorangegangenen Abend waren, bot von vornherein keine günstigen Voraussetzungen dafür, in einem überlangen Gottesdienst, in dem man wegen der für die Familien der Erstkommunionkinder reservierten Bankreihen so weit hinten sitzen musste, dass man sowohl optisch als auch akustisch nicht viel vom Geschehen im Altarraum mitbekam, aufmerksam und konzentriert zu bleiben. Gerade von unserer Großen hätte ich mir in Hinblick darauf, dass sie ja nächstes Jahr selbst zur Erstkommunion gehen soll, etwas mehr Interesse erhofft, aber wie gesagt, die Voraussetzungen waren einfach ungünstig. Zwar war vor Beginn der Messe angesagt worden, ganz vorne seien zwei Bänke freigelassen worden, "da dürfen sich gerne alle Kinder alleine hinsetzen, die sich alleine nach vorn trauen, damit sie was sehen können"; aber dass unser Tochterkind lieber bei uns bleiben wollte, kann ich ihr nun auch nicht direkt verübeln, und für unseren Jüngsten gilt das wohl erst recht. 

Dreizehn Kinder empfingen im Rahmen dieser Messe ihre erste Kommunion; unter diesen war, wie schon mehrfach erwähnt, ein Mädchen, das wir ursprünglich vom JAM her kennen, außerdem das mittlere von drei Kindern einer Frau, die im KiWoGo-Arbeitskreis mitarbeitet und 2023/24 auch bei der Leitung der kurzlebigen Wichtelgruppe in St. Stephanus Haselhorst assistiert hatte; ein weiteres Mädchen kannte ich von der Teilnahme an den Religiösen Kindertagen im Februar und März, die anderen Kinder maximal vom Sehen. Zelebriert wurde der Erstkommuniongottesdienst, wie schon im Vorjahr, von Padre Ricardo aus Mexiko, und auch sonst war, wie ich beim Nachlesen meiner damaligen Notizen festgestellt habe, vieles genauso wie voriges Jahr, bis hin zur Liedauswahl und zum Wortlaut zumindest einiger der Fürbitten – daher muss ich das, was ich seinerzeit dazu angemerkt habe, hier wohl nicht unbedingt wiederholen. Überhaupt habe ich den Eindruck, bei der Gestaltung der Erstkommuniongottesdienste in St. Joseph Siemensstadt ändere sich von Jahr zu Jahr nicht sonderlich viel, aber das, was sich ändere, ändere sich wenigstens tendenziell zum Besseren. So hatte ich mich im vorigen Jahr über "Pipifax wie 'Umschläge unter den Sitzpolstern verstecken und die Gottesdienstteilnehmer danach suchen lassen'" geärgert, und das gab es diesmal nicht; aber ganz ohne Pipifax ging es dann doch nicht ab: Auch diesmal wieder gab es anstelle der Predigt ein Frage-und-Antwort-Spiel mit dem Publikum; die zwei Fragen, die die Erstkommunionkinder dabei an ihre Eltern richteten, waren bereits im Rahmen der Ansagen vor Beginn der Messe verraten worden, um den Eltern Zeit zu geben, sich im Voraus Antworten zu überlegen – und ich stellte dabei fest, dass ich die Fragen doof bis ärgerlich fand. Die erste Frage bezog sich auf Erinnerungen der Eltern an ihre eigene Erstkommunion – schöne oder auch nicht so schöne Erinnerungen, bevorzugt aber natürlich schöne. An und für sich wohl eine legitime Frage für den Smalltalk an der Kaffeetafel, aber eben eine Frage, die tendenziell eher den "kulturkatholischen" Aspekt der Erstkommunion als "feierliches Ereignis in der Kindheit, das bleibende Erinnerungen schafft" in den Fokus rückt. Noch problematischer fand ich die zweite Frage: "Was bringt es für den Alltag, zur Messe zu gehen und die Kommunion zu empfangen?" Da möchte ich einwenden: Die religiöse Praxis in solcher Weise nach ihrem Gebrauchswert für den sogenannten Alltag zu befragen, birgt in sich bereits den Keim dessen, was ich gern als "entfremdete Kirchlichkeit" bezeichne. Es wird suggeriert, der sogenannte Alltag sei das eigentliche Leben, und die Kirche, oder anders ausgedrückt eben die religiöse Praxis, kein Bestandteil davon, sondern etwas diesem gewissermaßen Gegenüberstehendes – ja im Grunde sogar etwas ihm Untergeordnetes, da ihr Wert danach bemessen wird, inwieweit sie für den Alltag nützlich ist. Ich will denen, die sich diese Frage ausgedacht haben, nicht unterstellen, dass sie diese Implikation beabsichtigt haben, aber das macht's nicht unbedingt besser; denn das würde eher dafür sprechen, dass sie diese Sichtweise unterschwellig als selbstverständlich betrachten. – Anerkennen muss man indes, dass die Antworten, die auf beide Fragen gegeben wurden, besser waren als die Fragen selbst: Auf die Frage nach den Erstkommunion-Erinnerungen der Eltern meldete sich zuerst ein Mann zu Wort, der vor 20 Jahren die Taufe, Erstkommunion und Firmung in einer einzigen Feier empfangen hatte, und dann eine Frau aus dem Irak, die dort im Jahr 1990 ihre Erstkommunion gefeiert hatte; beides also keine typisch volkskirchlichen Biographien. Auf die zweite Frage – was es denn "bringe", zur Messe und zur Kommunion zu gehen – gab es ebenfalls zwei Antworten; die erste stammte von dem Mann, der am 3. Fastensonntag im Rahmen der Redditio Symboli ein Zeugnis gegeben hatte und mit dem ich auf dem Rückweg vom Männereinkehrtag in Neuzelle im "Neo-Mobil" mitgefahren war. Auf die genannte Frage hin bekannte er, er sei nicht selten "richtig kaputt von der Arbeit und von den vielen Aufgaben zu Hause", und wenn er es dann schaffe, "vor allem am Sonntag, klar, aber auch in der Woche in die Messe zu gehen und dann auch zur Kommunion", dann merke er sofort, wie Frieden in sein Herz einziehe. Anschließend meldete sich eine Frau zu Wort und erklärte, wenn sie die Kommunion empfange, empfinde sie "Dankbarkeit, und mir wird sehr, sehr warm ums Herz, und ich bin glücklich". – Man könnte die These wagen, gerade an diesen Antworten könne man erkennen, dass die Gemeinde eigentlich schon über jenen post-volkskirchlichen Kulturkatholizismus hinaus ist, der mit dieser Art "niederschwelliger" Gestaltungselemente bedient werden soll. Nun müsste diese Erkenntnis nur noch bei den Katecheten ankommen. 

Die dritte Frage richtete sich dann an den Zelebranten und lief auf einen Werbeblock für die Eucharistische Anbetung hinaus. Nun, sehen wir mal das Positive daran: Den Hinweis darauf, wann und wo es in dieser Teilgemeinde der Großpfarrei Heilige Familie die Möglichkeit zur Eucharistischen Anbetung gibt, fand ich durchaus dankenswert, und ebenso, dass es für diejenigen Messbesucher, die mit dieser Andachtsform nicht vertraut sind, einige erläuternde Hinweise gab. Ob das nun unbedingt an dieser Stelle und in dieser Form sein musste, ist indes eine Frage für sich. Insgesamt bleibe ich dabei, dass mir sehr daran gelegen wäre, jedwede Art von "Showeinlagen" grundsätzlich aus dem Gottesdienst herauszuhalten. Macht meinetwegen eine Woche vorher oder eine Woche nachher einen Bunten Abend für die Familien der Erstkommunionkinder, da könnte ihr dann die Eltern einladen, Fotos oder Super-8-Filme von ihrer eigenen Erstkommunion mitzubringen und zu zeigen, könnt Ratespiele mit NGL-Texten in Emoji-Form veranstalten und Sketche einstudieren, wenn's denn partout sein muss; aber lasst es bitte, bitte aus der Heiligen Messe raus. Andernfalls muss ich ernsthaft erwägen, meine Kinder lieber in St. Afra zur Erstkommunion gehen zu lassen. 

-- Der letztere Gedanke kam mir tatsächlich ganz spontan im Zuge des Schreibens, und ich möchte ihn nun nicht direkt zurücknehmen – wohl aber betonen, dass es in der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt um die Erstkommunion-Vorbereitung und -Feier zweifellos noch besser steht als "sonstwo". Einige interessante Einblicke gewährt diesbezüglich ein Artikel von Guido Rodheudt bei Corrigenda; der Autor, den ich vor einigen Jahren persönlich kennenlernen durfte, ist Pfarrer im Bistum Aachen und hat in seiner Pfarrei einen eigenen Erstkommunionkurs erarbeitet. Die Materialien zu diesem Kurs habe ich zu Hause und hoffe sie ab dem kommenden Herbst nutzen zu können, um im Erstkommunion-Jahrgang meiner Tochter mindestens ein paar Akzente zu setzen

Obwohl die Kinder nach der Messe in einer noch, sagen wir mal, schwierigeren Stimmung waren als vorher und währenddessen, waren meine Liebste und ich entschlossen, anschließend noch mit ihnen zum Permakultur-Picknick im Baumhaus zu fahren, und nach einigen typischen Verzögerungen Komplikationen ("Dürfen wir ein Eis?" – "Ich muss aufs Klo!") kamen wir gegen 14 Uhr auch tatsächlich dort an. Als eine glückliche Fügung erwies es sich, dass im hinteren Raum des Baumhauses gerade eine Malschule stattfand – da machten die Kinder mit und waren damit zum ersten Mal an diesem Tag auf eine Weise beschäftigt, die sie sowohl befriedigte als auch befriedete. Was indes das Permakultur-Picknick als solches betraf, lautete mein erster Eindruck, man hätte es lieber Permakultur-Stuhlkreis nennen sollen: Eine Gruppe von vielleicht zehn oder zwölf Leuten, darunter – im Vergleich dazu, was für ein Publikum ich im Baumhaus normalerweise zu erwarten gewohnt bin – überraschend viele ältere Mitbürger, saßen im Kreis und tauschten sich über ihre Erfahrungen mit Permakultur aus oder stellten Projekte oder Initiativen vor, an denen sie arbeiteten. Da fühlte ich mich erst mal nicht so ganz am richtigen Ort. Immerhin, zu essen gab es tatsächlich was, in Form eines Mitbring-Büffets, und das Essen war auch durchaus lecker; als die Malschule im hinteren Raum beendet war, boten die Permakultur-Leute im vorderen Raum den Kindern eine Bastelmöglichkeit an, und es kamen auch noch ein paar weitere Kinder hinzu. 

Derweil entdeckte ich die nicht fehlen dürfende "Notfallklampfe" in einem Winkel des Raumes, angelte sie hervor und stellte – nicht sehr überrascht – fest, dass sie grausam verstimmt war. Also machte ich mich daran, sie mittels der Stimmgerät-App auf meinem Mobilgerät zu stimmen – und wurde prompt dafür gelobt, dass ich mich der armen alten vernachlässigten Gitarre annehme. Das ermutigte mich, im Rahmen meiner bescheidenen Fähigkeiten ein bisschen "Hintergrundmusik" zu machen, und auch das kam erfreulich gut an. 

Alles in allem war es also doch eine gute Entscheidung, da hinzugehen, und insbesondere dürfte der Umstand, dass es den Kindern so gut gefallen hat, die Chancen erhöhen, dass wir es demnächst auch mal wieder zusammen zur Community Networking Night schaffen. Schauen wir mal... 


Update "Guerilla-Urlauberseelsorge" 

Es ist schon wieder zwei Wochen her, dass ich mich selbst ermahnt habe, "dass es Zeit wird, mit dem Projekt 'Guerilla-Urlauberseelsorge' voranzukommen"; aber nachdem es dazu im vorigen Wochenbriefing nichts Neues gab, kann ich jetzt sagen: Es tut sich was. Zunächst mal: Unter uns, und mit Augenzwinkern, können wir ruhig weiterhin "Guerilla-Urlauberseelsorge" sagen, aber der offizielle Titel des Projekts lautet jetzt "Spirituelle Angebote für Familien im Urlaub". Unter diesem Titel habe ich im Laufe der zurückliegenden Woche ein Konzeptpapier zusammengeschustert und dazu ein Anschreiben an den Pastor (so die ortsübliche Amtsbezeichnung) der Pfarrei St. Willehad, Michael Kenkel, formuliert; nachdem ich dafür zunächst ein Feedback von meiner Liebsten eingeholt habe, habe ich das Ganze erst heute Morgen, kurz vor dem Redaktionsschluss dieses Wochenbriefings, abgeschickt und kann daher noch über keine Reaktion berichten. Na ja, nächste Woche vielleicht. Im Wesentlichen läuft das, was ich da geschrieben habe, jedenfalls auf den Vorschlag hinaus, dass wir während unseres Aufenthaltes in Butjadingen in den Sommerferien je einmal pro Woche Lobpreis mit dem Stundenbuch, Kinderlobpreisdisco und eine Kinderkatechese zum jeweiligen Sonntagsevangelium anbieten können und wollen; und der Clou an der Sache ist, der Pfarrei zu signalisieren: Wir würden uns freuen, wenn ihr das unterstützt, aber wenn nicht, machen wir es trotzdem. Ich ahne, dass da nun mancher Leser meinen wird, gerade das sei unklug, da es den Leuten in St. Willehad geradezu eine Steilvorlage gebe, zu sagen "Dann macht es halt, aber ohne uns"; aber ich spekuliere darauf, dass sie so nicht ticken, sondern sich vielmehr sagen: Wenn wir es schon nicht verhindern können, ist es besser, wir unterstützen es, als dass es ohne uns abläuft. – Im Prinzip würde ich ja gerne denken, es gäbe gar keinen Grund, weshalb das Pastoralteam von St. Willehad etwas dagegen haben sollten, dass wir Spirituelle Angebote für Familien im Urlaub machen wollen, bzw. eigentlich sollten sie sich sogar darüber freuen. Aber man hat halt so seine Erfahrungen, und jenseits persönlicher Animositäten geht es in letzter Konsequenz – um einmal mehr auf eine griffige Formulierung aus Maria Hinsenkamps Dissertation "Visionen eines neuen Christentums" zurückzugreifen – um "die Frage nach der zukünftigen Profilierung der Kirche": 

"Soll die Kirche weiterhin danach streben, eine möglichst in die Breite der Gesellschaft anschlussfähige Institution zu bleiben, die nach innen und außen eine große Ambiguitäts- und Pluralitätstoleranz aufweist [...], oder aber eine missionarisch ausgerichtete, klar bekenntnis- und bekehrungsorientierte Kirche [...]?" 

Nicht von ungefähr habe ich mir, unabhängig von der Frage nach Zuständigkeiten innerhalb des Pastoralteams von St. Willehad, gerade Pastor Kenkel als Adressaten für meine Mail ausgesucht, denn bei ihm kann ich mir am ehesten vorstellen, dass er unser Anliegen unterstützt. Mit Widerstand rechne ich derweil hauptsächlich von Seiten des Diakons. So oder so bin ich ausgesprochen gespannt auf eine Reaktion aus St. Willehad... 


...und sonstige Pläne für den Sommer 

Was die Anmeldung zur KPE-Bundeswallfahrt nach Kloster Schöntal am letzten Juni-Wochenende angeht, hatte ich es zunächst als einigermaßen herausfordernd empfunden, auf der einen Seite die Frage der Übernachtungsmöglichkeiten zu klären und parallel dazu an anderer Stelle die Anmeldung für die Busfahrt unter Dach und Fach zu bringen; schließlich gibt es für beides nur begrenzte Plätze, folglich hatte ich die Sorge, wir könnten am Ende zwar eine Zimmerreservierung, aber keinen Platz im Bus haben, oder umgekehrt. Die Preise für die verschiedenen Übernachtungsvarianten waren ebenfalls etwas verwirrend. Gleichwohl ist es mir gelungen, für die Liebste, den Jüngsten und mich (da das Tochterkind, wie ich annehme, mit seinem Wölflingsrudel im Zelt schlafen wird) ein Zimmer im Waldschulheim des Klosters Schöntal, inklusive Frühstück, zu reservieren, und für die Busfahrt habe ich uns ebenfalls angemeldet. Es sieht also ganz danach aus, als stünde unserer Teilnahme an der Wallfahrt – immer unter dem Jakobäischen Vorbehalt, versteht sich – nichts im Wege; nun könnte ich mich, um das letzte Juni-Wochenende so richtig rund zu kriegen, auch gleich noch für die Grunewaldwanderung anmelden, die das Erzbistum Berlin für die Auszubildenden in der Pastoral veranstaltet, aber da besteht noch keine Eile – die Anmeldefrist endet erst in drei Wochen. 

Noch etwas mehr Zeit ist bis zur Religiösen Kinderfreizeit, die nämlich erst nach unserem geplanten Sommerurlaub in Butjadingen ansteht – in der ersten Augustwoche –, aber die Vorbereitungen kommen trotzdem schon so langsam in Gang. Vergangenen Sonntag wurde sogar schon vermeldet, es solle am 10. Mai – das wäre morgen – einen Elternabend zur RKF geben, aber das war ein Irrtum: Tatsächlich ist dieser Elternabend für den 10. Juni geplant. Kein Irrtum ist hingegen, dass sich am kommenden Dienstag das RKF-Team in St. Stephanus Haselhorst zu einem "inhaltlichen Vorbereitungstreffen" versammeln soll, wie es in der Einladung hieß. Da wird es unter anderem darum gehen, sich mit den zentral von einem Vorbereitungsteam aus dem Bistum Dresden-Meißen erarbeiteten Materialien zum Thema "Mensch, Mose – beweg dich!" auseinanderzusetzen und darüber zu beraten, inwieweit diese Materialien übernommen werden sollen oder was man anders machen könnte oder sollte. Da bin ich gespannt und habe die Absicht, mich kreativ einzubringen, auch wenn ich offiziell "nur" als Küchenhelfer im Team bin. – Schon mal reingehört habe ich in die auf der Website zur Religiösen Kinderwoche zum Download bereitgestellten Songs, und während ich das Titellied "Mensch, Mose – beweg dich!" durchaus schmissig finde und keine Bedenken hätte, es in meine "Kinderlobpreisdisco"-Playlist aufzunehmen, würde ich die meisten anderen Lieder, soweit ich sie bisher gehört habe, eher als "mittel bis schlecht" einordnen. Da würde ich doch sehr viel lieber "Mr. Pharao" von NimmZwei für die RKF verwenden (das hier auch schon mal "Ohrwurm der Woche" war) – aber das hatte ich ehrlich gesagt sowieso vor... 


Ein Jahr Papst Leo 

Wie die Zeit vergeht: Gestern war es genau ein Jahr her, dass Kardinalprotodiakon Mamberti auf die Mittelloggia des Petersdoms heraustrat und die Wahl von Kardinal Robert Francis Prevost zum 266. Nachfolger des Apostels Petrus bekanntgab. Schon im Vorfeld dieses Jubiläums erreichte mich die folgende Messenger-Nachricht von meinem alten Freund und selbsternannten Manager "Patrick" aus Wien

Meine unmittelbare Antwort lautete "Doch, ziemlich"; aber ich schätze, ich sollte das hier und jetzt etwas genauer ausführen. Dazu möchte ich zunächst auf etwas verweisen, was ich bereits gut zwei Wochen nach der Wahl des neuen Papstes geschrieben habe, und zwar an einer so versteckten Stelle, dass ich es selbst fast nicht wiedergefunden hätte: Ich schrieb da, ich hätte "das Gefühl, Papst Leo XIV. könnte genau der richtige Mann sein, um das, was am Pontifikat seines Vorgängers Franziskus gerade für das Thema Neuevangelisierung richtungsweisend war, in die Tradition der Kirche einzubinden und dabei auch 'das Krumme gerade zu machen' (vgl. Jesaja 40,4Lukas 3,5)." Und auch wenn er diese Hoffnung im ersten Jahr seines Pontifikats vielleicht noch nicht vollumfänglich erfüllt hat, sehe ich doch immerhin keinen Grund, diese Einschätzung zu revidieren. Man kann sagen, dieses erste Jahr seines Pontifikats sei alles in allem nicht sonderlich spektakulär verlaufen, aber ich schätze, genau das ist charakteristisch für seine Amtsführung und sein Amtsverständnis. Oder vielleicht wäre es richtiger zu sagen, er ist ein sehr viel "normalerer" Papst als sein doch in vielerlei Hinsicht sehr eigenwilliger Vorgänger, aber genau diese Normalität ist die Weltöffentlichkeit nach zwölf Jahren Franziskus einfach nicht mehr gewohnt? – Und wo wir schon beim Urteil der Weltöffentlichkeit sind: Der Bayerische Rundfunk hat zum einjährigen Amtsjubiläum des Papstes eine TV-Doku produziert, in der u.a. die Comedienne Carolin Kebekus und die Klimaaktivistin Luisa Neubauer mit ihrer Sicht auf Papst Leo zu Wort kommen, aber die habe ich mir nicht angesehen und glaube nicht, damit etwas verpasst zu haben. Recht offensichtlich ist es, dass der linksliberale Mainstream der öffentlichen Meinung – so hartnäckig sich die schon von Tag 1 an zu beobachtende Tendenz fortsetzt, möglichst alles, was der Papst sagt und tut, so hinzudrehen, dass es in das Bild eines Papstes hat, den man gern hätte – ein einigermaßen zwiespältiges Bild von Leo hat: Während man es schätzt, dass er Donald Trump Kontra gibt, verübelt man es ihm, dass er insbesondere in Hinblick auf Sexualitäts-, Gender- und LGBTQ-Themen "immer noch viel zu konservativ" ist. Auf der anderen Seite gibt es eine insbesondere in den Sozialen Medien durchaus lautstarke Koalition aus Trumpisten und Tradis, die Papst Leo tendenziell als "noch schlimmer als Franziskus" beurteilen. (Zum Stichwort "Koalition aus Trumpisten und Tradis" möchte ich übrigens anmerken, dass ich den inflationären Gebrauch der Vokabel "rechtskatholisch" nicht zuletzt deshalb so ärgerlich finde, weil es ein Phänomen, das man berechtigterweise so bezeichnen könnte, ja durchaus gibt, eine ernsthafte Auseinandersetzung damit aber erheblich erschwert wird, wenn ständig Personen, Gruppierungen und Standpunkte so bezeichnet werden, die damit gar nichts zu tun haben.) 

Ebenfalls ein Jahr im Amt ist seit der zurückliegenden Woche übrigens Friedrich Merz als deutscher Bundeskanzler; das hätte man zum Anlass für einen Blogartikel oder wenigstens einen Wochenbriefing-Abschnitt mit der Überschrift "Der Merz unseres Missvergnügens" nehmen können, aber ich habe ja notorischerweise wenig Lust, auf meinem Blog über Politik (im landläufigen Verständnis dieses Begriffs) zu schreiben, und biete diese Überschriften-Idee daher zur freien Verfügung an. Angemerkt sei lediglich noch: Wenn Friedrich Merz den Ehrgeiz hat, nicht als Bundeskanzler mit der kürzesten Amtszeit in der Geschichte der Bundesrepublik in die Annalen einzugehen, dann muss er noch fast zwei Jahre durchhalten, bis er in dieser Hinsicht an Kurt Georg Kiesinger vorbeizieht. Ich habe erhebliche Zweifel, ob er das schafft. Aber natürlich kann man sich da sehr irren: Von Kohl und Merkel hätte anfangs auch niemand geglaubt, dass sie so lange im Amt sein würden. – Derweil hat Papst Leo, was die Länge seiner Amtszeit angeht, laut Wikipedia bereits mindestens 42 seiner Vorgänger überholt. In diesem Sinne: ad multos annos! 


Geistlicher Impuls der Woche 

Wenn wir, ohne zu zweifeln, mit dem Herzen glauben, was wir mit dem Mund bekennen, dann sind wir mit Christus gekreuzigt, wir sind gestorben, wir sind begraben und mit Ihm am dritten Tag auferweckt. Damit aber die Herzen der Gläubigen wissen, dass sie die Möglichkeit haben, durch Verachtung der Begierden dieser Welt sich zur himmlischen Weisheit zu erheben, verspricht uns der Herr Seine Gegenwart, wenn Er sagt: "Ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung der Welt" (Mt 28,20). Wenn Er in den Himmel auffährt, lässt Er die an Kindes Statt Angenommenen nicht im Stich; der zur Rechten des Vaters sitzt, bewohnt Seinen ganzen Leib, und von oben stärkt Er jene zum Durchhalten, die Er nach oben zur Herrlichkeit einlädt. Weil die Erde erfüllt ist von der Huld des Herrn (Psalm 33,5), steht uns überall der Sieg Christi bei, damit sich erfülle, was Er gesagt hat: "Habt Mut: Ich habe die Welt besiegt" (Joh 16,33). Wenn ihr das große Geheimnis unseres Glaubens (1 Tim 3,16) versteht und darauf achtet, was der eingeborene Gottessohn zum Heil des Menschengeschlechts getan hat, dann habt die gleiche Gesinnung in euch, die auch in Christus war (vgl. Phil 2,5). Ahmt also nach, was Er getan, liebt, was Er geliebt; denn wie Er durch seine Armut den Reichtum nicht verloren, Seine Herrlichkeit durch Seine Erniedrigung nicht vermindert, die Ewigkeit durch Seinen Tod nicht verloren hat, so verachtet auch ihr im gleichen Schritt und in denselben Fußspuren das Irdische, um das Himmlische zu erlangen. Denn das Kreuz auf sich nehmen bedeutet, die Begierden abtöten, die Laster ausrotten, alles Eitle vermeiden, jedem Irrtum absagen. 

(Leo d. Gr., Predigt zum Festgeheimnis des Karfreitags) 


Ohrwurm der Woche 

Duffy: Mercy 

Ein weiteres Lied, das während der Kampfsport-Gürtelprüfung meiner Tochter im Zuschauerraum im Hintergrund lief. Das erste, was mir daran auffiel, war die Ähnlichkeit mit "Rehab" von Amy Winehouse; aber obwohl das Arrangement im direkten Vergleich eher weniger "retro" wirkt als das von "Rehab", hätte es mich nicht gewundert, wenn es sich bei "Mercy" um einen "echten" Soul-Klassiker aus den späten 60ern oder frühen 70ern gehandelt hätte. So war ich einigermaßen überrascht, mit Hilfe der Shazam-App herauszufinden, dass das Lied von einer blonden Waliserin gesungen wird und erst über ein Jahr nach "Rehab" erschien. Nun bin ich grundsätzlich gern bereit zuzugeben, dass die Popmusik der Nuller Jahre nicht gerade mein Spezialgebiet ist, aber dass ich von Aimee Ann Duffy, anders als von der fast gleichaltrigen Amy Winehouse, bisher kaum etwas gehört hatte, hat einen ganz eigenen Grund: Ungefähr von 2011 bis 2020 hat nämlich buchstäblich niemand etwas von ihr gehört. Dass sie bald nach der Veröffentlichung ihres zweiten Albums für fast ein Jahrzehnt komplett aus der Öffentlichkeit verschwand, erklärte sie später damit, dass sie entführt, unter Drogen gesetzt und vergewaltigt worden sei und Jahre gebraucht habe, um dieses traumatische Erlebnis zu verarbeiten. 


Vorschau / Ausblick 

Große Dinge werfen ihre Schatten voraus – namentlich das Himmelfahrtslager der KPE-Wölflingsmädchen! Durchgängig dabei sein werde ich zwar nicht, da diesmal jemand anderes die Küche macht, aber ich habe die Erlaubnis bzw. Einladung bekommen, mal vorbeizukommen, Fotos zu machen und Eindrücke für einen Bericht zu sammeln und das werde ich natürlich gerne tun. Heute Vormittag war noch einmal ein "normales" Meutentreffen; ganz so normal allerdings doch nicht, denn für mein Tochterkind war es das erste, zu dem es seine neue Kluft anziehen konnte – einschließlich eines im "Mid-Season Sale" bei Galeria erbeuteten neuen Jeansrocks. Im Anschluss an das Meutentreffen, nur mit einem kurzen Zwischenstopp zum Umziehen, fuhren wir zum Tag der offenen Tür an der Schule des Tochterkindes; da war zwar nicht viel los, aber zu dem angekündigten Thema "Neues vom Schulkind, den anderen Schulkindern und deren Eltern" wird in naher Zukunft wohl trotzdem einiges zu sagen sein. – Bevor das Tochterkind am Donnerstag ins Wölflingslager abdampft, gibt es noch Manches vorzubereiten, aber gleichzeitig stehen natürlich noch ein paar andere Dinge an. Morgen zum Beispiel ist nicht nur der 6. Sonntag der Osterzeit, sondern auch Muttertag – und ich freue mich, zu Protokoll geben zu können, dass beide Kinder bereits eine Überraschung für meine Liebste vorbereitet haben. Am Dienstag steht, wie gesagt, ein Teamtreffen für die RKF an; am Mittwoch beginnt dann in Würzburg der 104. Deutsche Katholikentag, und auch wenn ich von diesem Event nicht sonderlich viel – und erst recht nicht viel Gutes – erwarte, wird es wohl doch ratsam sein, aus der Ferne den einen oder anderen Blick darauf zu werfen. Und ansonsten lassen wir uns mal überraschen! 


Donnerstag, 7. Mai 2026

Der Weg des Kriegers und der geistliche Kampf

Wie in letzter Zeit schon ein paarmal angeklungen ist, folge ich auf Bluesky, dem Sozialen Netzwerk einer vermeintlich besseren Welt, mehreren Accounts, die sich der Dokumentation der Aktivitäten von (zu Recht oder zu Unrecht so bezeichneten) christlichen Fundamentalisten widmen; und unlängst fiel mir da ein Link zu einem schon nicht mehr ganz neuen Artikel ins Auge, in dem es darum ging, dass "der rechtsklerikale Verein 'Christkönigtum e.V.' ein Kampfsport-Treffen für Männer" veranstalte. Einigen Kommentatoren auf Bluesky fielen angesichts der Konstellation "Christen und Kampfsport" vorrangig Flachwitze à la "Vollkontakt-Wangen-Hinhalten?" ein, aber der auf der Website der "Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München" (kurz a.i.d.a., kein Witz) veröffentlichte Artikel wollte offenbar insinuieren, wenn eine solche Gruppierung, die "ein reaktionäres Männlichkeitsbild, traditionalistischen Katholizismus, Antifeminismus, medienwirksame Selbstdarstellung und eine gefährliche Politisierung von Religion" betreibt, ihre Mitglieder oder Sympathisanten zum Kampfsport schicke, dann könne es sich dabei quasi nur um Bürgerkriegsvorbereitungen handeln. – Ich kann ehrlicherweise nicht einmal ganz ausschließen, dass die Absichten der Veranstalter tatsächlich in eine solche Richtung gehen. Die Gruppierung "Christkönigtum" ist mir vorrangig von Facebook her ein Begriff, ein paar meiner Facebook-Kontakte haben die Seite abonniert und daher bekomme ich gelegentlich auch Beiträge angezeigt. Von der Optik her sind das meist abschreckende Beispiele für das Phänomen "Tradi-Ästhetik trifft KI", und inhaltlich macht der Account auf mich den Eindruck, der Piusbruderschaft näher zu stehen als dem Papst; womit ich sagen will: So ganz meine Kragenweite sind die nicht. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass die unermüdlichen Fundamentalistenjäger auf Bluesky jemanden wie mich wohl ziemlich in der Nähe solcher Leute verorten würden. Da passt es ja irgendwie ins Bild, dass meine Kinder auch Kampfsport lernen

Denjenigen Lesern, die ich nicht schon mit dieser Einleitung in die Flucht geschlagen habe, möchte ich allerdings versichen, dass ich meine Kinder nicht in erster Linie dazu zum Kampfsporttraining gehen lasse, um sie auf Straßenschlachten mit radikalen Abtreibungsbefürwortern o.ä. vorzubereiten; auch wenn solide Kenntnis von Selbstverteidigungs-Techniken sicherlich von Vorteil sind, falls es mal zu so einer Situation kommen sollte (Ich zum Beispiel bin mit Anfang 20 mal von zwei Skinheads überfallen worden und denke mir heute, mit den Techniken, die ich allein durchs Zugucken beim Training meiner Kinder gelernt habe, hätte ich die wahrscheinlich in die Flucht schlagen können; die hatten nämlich überhaupt keine Kampftechnik und haben sich nur darauf verlassen, dass sie zu zweit waren und ich Angst hatte). Um zu erläutern  wo ich den eigentlichen Zusammenhang zwischen Kampfsporttraining und geistlichem Kampf sehe, werde ich etwas weiter ausholen müssen; erst einmal möchte ich aber mit gebührendem Stolz zu Protokoll geben, dass meine achtjährige Tochter, nachdem sie erst Mitte Februar mit dem Kampfsporttraining angefangen hat, ihre erste Gürtelprüfung (weiß-gelb) bestanden hat. Das kam ziemlich plötzlich, hat aber natürlich eine Vorgeschichte. Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass in einem Infoblatt der Kampfsportschule über die Anforderungen für die erste Prüfung darauf hingewiesen wird, die schwierigste bzw. anspruchsvollste Aufgabe sei es für viele Kinder, den Gürtel des Kampfanzugs korrekt zu binden. Nicht lange darauf zeigte meine Tochter ihrem Sensei kurz vor Beginn der Trainingsstunde stolz ihren ohne fremde Hilfe gebundenen Gürtelknoten – und er bekam prompt große Augen. "Den hast du alleine gebunden?", vergewisserte er sich, und seine nächste Frage lautete: "Kannst du Rolle rückwärts?" Das musste sie verneinen, aber der Trainer ließ durchblicken, wenn sie das noch lerne, könnte sie schon bald ihr "gelbes Bändchen" machen. Bei diesem "gelben Bändchen" handelt es sich um eine inoffizielle Vorstufe zur ersten Gürtelprüfung, die die Kampfsportschule eingeführt hat, um die Anfänger "niederschwellig" auf Prüfungssituationen vorzubereiten. Was ich im Falle meiner Tochter umso sinnvoller finde, als es an der freien Schule, die sie besucht, nicht einmal Klassenarbeiten gibt und sie somit noch erheblich weniger Erfahrung mit Prüfungsdruck hat als andere Kinder in ihrem Alter. – Wir übten also fleißig Rolle rückwärts, auch zu Hause; die übrigen Anforderungen für das gelbe Bändchen umfassten u.a. einen Haltegriff, eine Wurfübung und eine Selbstverteidigungstechnik, das alles wurde in den normalen Trainingsstunden sowieso regelmäßig geübt, und nachdem der Trainer sich überzeugt hatte, dass mein Tochterkind alles Nötige draufhatte, vereinbarten wir einen Termin für die Prüfung zum gelben Bändchen – für die letzte Aprilwoche. Etwa eineinhalb Wochen vorher sprach mich der Sensei jedoch am Rande des Trainings an: Ende des Monats gebe es eine Gürtelprüfung, und er habe sich überlegt, dass er meine Tochter gern für den weiß-gelben Gürtel anmelden würde – "sie lernt ja schnell" (das hört man als Vater natürlich gern). Dafür wäre es allerdings notwendig, den angepeilten Termin für die Prüfung zum gelben Bändchen um eine Woche vorzuverlegen – und nach Möglichkeit noch ein paar zusätzliche Trainingseinheiten einzuschieben. Ich fragte meine Tochter, was sie davon hielte, und sie war Feuer und Flamme. In der darauffolgenden Woche ging sie viermal zum Training und ließ dafür sogar einen Schulausflug in eine Trampolinhalle sausen. Eine ziemlich starke Leistung in Sachen Disziplin, würde ich mal sagen: auf etwas verzichten, was Spaß machen würde, weil man ein Ziel vor Augen hat, das man erreichen will. 

Tschüss, Weißer Gürtel. 

Und erreicht hat sie es: Die Prüfung fürs gelbe Bändchen absolvierte sie im Rahmen einer regulären Trainingsstunde, und der Trainer wies dabei die anderen Kinder an, ihren Respekt zu zeigen, indem sie sich ordentlich hinsetzen, aufmerksam zuschauen, nicht quatschen und nach der erfolgreichen Bewältigung der letzten Aufgabe kräftig applaudieren. Diese letzte Aufgabe bestand darin, ein Holzbrett mit dem Fuß durchzuhauen. 

Hier bekommt man einen Eindruck, wie dick das Brett war.

Die offizielle Gürtelprüfung fand am darauffolgenden Sonntag an einem anderen Standort der Kampfsportschule statt und wurde von einer vierköpfigen Jury abgenommen. Geprüft wurden Schlag- und Tritttechniken, Fallübungen, Festhaltegriffe, Wurfübungen und Abwehrtechniken, und zum Schluss gab's ein bisschen Bodenkampf. Meine Tochter bewältigte alle Anforderungen und wurde hinterher von ihrem Trainer sehr gelobt: Normalerweise, sagte er, brauche man ein halbes Jahr bis zum weiß-gelben Gürtel, und sie war zum Zeitpunkt der Prüfung erst seit knapp 12 Wochen dabei. 

Dass ich dies alles als ein blogrelevantes Thema betrachte, hat derweil vor allem damit zu tun, dass das häufige Zuschauen beim Kampfsporttraining der Kinder mich zu allerlei Reflexionen über Motivation und Disziplin angeregt hat. Auch dies nicht zum ersten Mal übrigens: Nicht von ungefähr hatte ich den Trainer der Jiu Minis (6-8 Jahre) und Jiu Kids (9-11 Jahre) auf meinem Blog schon erwähnt, als meine Tochter noch gar nicht bei ihm trainierte; dabei hatte ich hervorgehoben, dass er, obwohl er locker rüberkommt und gern mal Späße macht, eine enorme Autorität ausstrahlt, und angedeutet, dass die Souveränität, mit der er seine Trainingsgruppen leitet, offenbar auch einen spirituellen Aspekt hat. Ich schrieb sogar, ich hätte Lust, "diesen Kampfsporttrainer mal auf der Bühne der MEHR oder in einer Podiumsdiskussion mit Johannes Hartl zu sehen". Gut drei Monate später sehe ich keine Veranlassung, etwas davon zurückzunehmen. Nun kann man sicher einwenden, das Spirituelle sei nicht das, was die Kinder motiviert, da hinzugehen. Aber was, wenn es das doch wäre – auch wenn es den Kindern vielleicht nicht bewusst ist? – Behalten wir diesen Gedanken ruhig mal im Hinterkopf. 

Fakt ist jedenfalls, dass zahlreiche Kinder mit Freude und Begeisterung zu diesen Trainingsstunden kommen, viele mehrmals pro Woche, und dieser Freude und Begeisterung tut es offenkundig keinen Abbruch, dass die Kinder im Training nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst werden. Zum Beispiel: In der Kampfsportschule gibt es ein elektronisches Check-in-System, das u.a. dazu dienen soll, leichter nachverfolgen zu können, wie viele Trainingseinheiten ein Schüler in einem bestimmten Zeitraum absolviert hat. Wer es versäumt, sich vor dem Training in diesem System anzumelden, muss Strafliegestütze machen – wie viele, liegt im Ermessen des Trainers. Und der Trainer meiner Tochter ist bekannt dafür, dass er in dieser Frage keine Ausreden hören will. Ich erinnere mich da an einen Fall, wo ein Junge aus der Trainingsgruppe der 9- bis 11jährigen zu einer Erklärung ansetzte, wieso er sich nicht habe einchecken können, und der Sensei ihm kurzerhand das Wort abschnitt: "Macht ja nichts, Liegestütze sind nicht teuer, gib mir 15 Stück und alles ist gut." Der Junge gehorchte, und danach ließ der Trainer die ganze Gruppe 20 Liegestütze machen. Als der Junge daraufhin einwandte, er habe doch schon 15 gemacht, erwiderte der Trainer ungerührt: "Ja, und jetzt fängst du nochmal bei Null an." Warum erzähle ich das hier? Weil ich den Eindruck habe, die Kinder lassen sich diese Behandlung von ihrem Sensei nicht bloß gefallen, sondern sie finden das sogar gut. Weil es ihre Motivation erhöht – weil sie ihrem Trainer zeigen wollen, was sie drauf haben und dass sie sich nicht unterkriegen lassen. "Die Übungen werden übrigens nicht leichter mit der Zeit", habe ich den Sensei mal zu seinen Schülern sagen hören, "sondern ihr werdet stärker. Ihr seid nicht hier, weil ihr ein leichtes Leben haben wollt, sondern weil ihr stärker werden wollt." 

Und nun vergleiche man das mal mit den Angeboten der post-volkskirchlichen Kinder- und Jugendpastoral – wo wohl kaum jemand auf die Idee käme, man könnte die Zielgruppe dazu motivieren, mehrmals pro Woche an Angeboten teilzunehmen; selbst einmal pro Woche gilt vielfach schon als kaum zumutbar. Und insbesondere meidet man alles, was irgendwie nach Leistungsdruck aussehen könnte. Dabei wird jedoch verkannt, dass man junge Menschen – oder Menschen überhaupt – nicht motivieren kann, wenn man ihnen nichts abverlangt; und dass es auch kein Zeichen von Wertschätzung ist, effektiv zu sagen "Wir machen euch ein Angebot, aber ob ihr da mitmacht oder nicht, ist uns im Grunde egal". Sehr richtig erkannt haben das übrigens die Pfadfinderjedenfalls die von der KPE; wie es in dieser Hinsicht bei DPSG und VCP zugeht, kann ich nicht beurteilen. Was den Zusammenhang zwischen Disziplin, Verantwortungs- bzw. Pflichtbewusstsein und Motivation angeht, sehe ich durchaus Parallelen zwischen dem, was meine Tochter bei den KPE-Wölflingen lernt, und dem, was ihr in der Kampfsportschule vermittelt wird. Möglicherweise fällt mir das umso mehr ins Auge, als sie, wie schon angedeutet, eine Schule besucht, in der Disziplin und Leistung eher nicht so groß geschrieben werden. Man könnte denken, dass es ihr vor diesem Erfahrungshintergrund eher schwerer fiele, sich in die – wie ich es bei früherer Gelegenheit mal genannt habe – "ritualisierte Disziplin" der Wölflinge und des Budō einzufügen, als anderen Kindern, die von KiTa und Regelschule geprägt sind. Aber das ist offensichtlich nicht der Fall. Ich würde da mal die Arbeitshypothese wagen, dass gerade die von KiTa und Regelschule geprägten Kinder eher geneigt sind, Regeln als Zwang zu empfinden. Bei den Pfadfindern wie auch beim Kampfsport geht es aber um freiwillige Selbstverpflichtung: Meine Tochter geht da hin, weil sie es WILL – aber indem sie sich zum Mitmachen entscheidet, verpflichtet sie sich auch dazu, sich an die dort geltenden Regeln zu halten. Und sie macht die Erfahrung: Die Regeln zu befolgen, führt zu Lernfortschritt. Lernfortschritt bedeutet, man kann etwas, was man vorher nicht konnte. Man hat mehr Möglichkeiten, also mehr Freiheit. Disziplin führt zu Freiheit. Irre, oder? 

Vom Thema "post-volkskirchliche Kinder- und Jugendpastoral", auf das ich eigentlich hinauswollte, bin ich jetzt ziemlich weit abgekommen; aber ich bin geneigt zu sagen: Genau das – dass sich die obige Erkenntnis nicht so ohne Weiteres auf die Jugendpastoral-Angebote der Großkirchen beziehen lässt – verweist auf ein Problem, das diese Angebote haben. Wozu sollen die Kinder oder Jugendlichen da überhaupt motiviert werden, was können sie da lernen, was ihnen neue Möglichkeiten eröffnet? Dass diese Frage nicht so leicht zu beantworten ist, ist ein Problem

Sprechen wir daher mal über ein Format von Kinderkatechese, bei dem es noch vergleichsweise einleuchtend ist, dass es da darum geht, etwas zu lernen, und bei dem folgerichtig auch gewisse Anforderungen an die Kinder gestellt werden; und damit meine ich den Erstkommunionunterricht. Es ist wohl nicht gerade abwegig, dass ich im Zusammenhang mit dem elektronischen Check-in-System der Kampfsportschule, von dem weiter oben die Rede war, an die Erstkommunionkinder denken musste, die am Ende der Sonntagsmesse in die Sakristei stürmen, um sich für ihre Teilnahme an der Messe einen Stempel geben zu lassen. Wozu ich anmerken muss, dass mir dieses Stempelsystem – also dass man festlegt, wie oft die Kinder bis zur Erstkommunion mindestens am Gottesdienst teilnehmen müssen, und die Einhaltung dieser Vorgabe mittels eines Stempelhefts kontrolliert – nicht so recht gefällt: Ich sehe darin die Gefahr, dass die Heilige Messe als etwas wahrgenommen wird, was man "absitzen" muss, um seinen Stempel zu bekommen, und wenn man die geforderte Anzahl an Stempeln zusammen hat, "muss" man da nicht mehr hin. Wieso sagen wir nicht, wir erwarten, dass die Erstkommunionkinder jeden Sonntag in die Messe kommen; wenn sie aus wichtigen Gründen verhindert sind, sollen die Eltern ihnen eine Entschuldigung schreiben; und unentschuldigt dürfen sie nicht öfter als, sagen wir, dreimal fehlen? – Ja, ich ahne schon, dass da jetzt Leute sagen werden, das wäre zu krass und würde am Ende womöglich gar dazu führen, dass die Eltern mit ihren Kindern lieber in eine andere Pfarrei gehen, wo sie die Erstkommunion billiger kriegen. Ich würde darauf erwidern, diese Sichtweise ist selbst Teil des Problems. Wie schon gesagt: Man kann niemanden motivieren, ohne ihn zu fordern. Sehr viel ernster zu nehmen sind sakramententheologische Einwände – die man in dem Satz zusammenfassen könnte: Der Zugang zu den Sakramenten sollte nichts sein, was man sich durch Leistung verdienen muss. Da würde ich sagen: Das ist richtig, aber wenn man diesen Einwand ernst nimmt, dann stellt er den Erstkommunionunterricht insgesamt in Frage. Die wirklich zwingenden Voraussetzungen, um Kinder zum Empfang der Eucharistie zuzulassen, sind im Grunde recht überschaubar: Sie müssen zunächst einmal getauft sein, müssen wissen und verstehen, dass sie in der Kommunion den wirklichen Leib Christi empfangen, und da sie vor der Kommunion zur Beichte gehen sollen, ist es zudem notwendig, ihnen Grundlegendes zu Sünde und Gewissenserforschung beizubringen. Alles andere, was im Erstkommunionunterricht sonst noch vorkommt, dürfte daher eigentlich nicht verpflichtend sein. Das heißt – und an dem Punkt war ich eigentlich vor Jahren schon mal –, das eigentliche Problem ist, dass im post-volkskirchlichen Normalbetrieb die Sakramentenkatechese praktisch die einzige Katechese ist, die überhaupt stattfindet. Den Umstand, dass Eltern ihre Kinder zur Erstkommunion gehen lassen wollen, nutzt man, um die Kinder auf dem Weg dahin zu soundsoviel Stunden Katecheseunterricht zu verpflichten, und für die Firmung gilt Analoges. Man kann das, wenn man gerade streitlustig drauf ist, durchaus als einen Missbrauch des Sakraments bezeichnen. Andersherum ausgedrückt ist auch das wieder ein Motivationsproblem: Man glaubt nicht daran, dass man Kinder oder auch Jugendliche zur Teilnahme am katechetischen Unterricht "kriegen" kann, wenn man ihnen und ihren Familien nicht als Bonbon eine rauschende Abschlussfeier in Form der Erstkommunion bzw. der Firmung anbieten kann. – Ich will an dieser Stelle gar nicht viele Worte darüber verlieren, welchen Stellenwert die Erstkommunion, mehr noch als die Firmung, in der säkularisierten Volksfrömmigkeit des Kulturkatholizismus hat; diesen Aspekt setze ich als bekannt voraus. Gerade das könnte aber ein weiteres Argument dafür sein, das "Pflichtprogramm" der Erstkommunionvorbereitung strikt auf das Wesentliche zu beschränken, gleichzeitig aber zusätzliche Angebote für die zu machen, die mehr wollen. Spannend wird's da natürlich bei der Frage: Wie mache ich den Kindern begreiflich, dass sie mehr wollen SOLLTEN? – Und natürlich auch ihren Eltern, denn ohne dass die mitziehen, wird's schwierig. Was die Rolle der Eltern angeht, ist auch wieder der Vergleich mit der Kampfsportschule erhellend, denn die Eltern (oder andere Familienmitglieder; in unserem Fall z.B. schießen meine Schwiegermütter etwas zu) lassen sich das regelmäßige Training der Kinder einiges kosten. Man darf wohl unterstellen, dass die meisten Eltern dies als eine Investition in die Zukunft ihrer Kinder betrachten; das heißt, sie hoffen und erwarten, dass die Kinder durch das Training etwas fürs Leben lernen – auch über die rein körperliche Ertüchtigung hinaus. Wie ich schon mal erwähnt habe, wirbt die Kampfsportschule damit, ihren Schülern auch ein "gesteigertes Selbstbewusstsein, -vertrauen und -verantwortung" sowie nicht zuletzt einen "moralischen Kompass" zu vermitteln; und nachdem ich seit einigen Monaten mehrmals pro Woche dort bin, bin ich überzeugt, dass das nicht nur eine Werbebehauptung, sondern ein sehr ernsthafter Anspruch ist. Auch wenn Eltern darauf Wert legen, dass ihre Kinder in der Schule gute Leistungen bringen, und gegebenenfalls bereit sind, Geld für Nachhilfeunterricht auszugeben, geht es wohl in den meisten Fällen weniger darum, sich mit guten Zeugnisnoten zu "schmücken", als vielmehr um die Zukunftsperspektiven, die eine gute Schulbildung den Kindern eröffnen soll. Wäre es da nicht schön, wenn man Eltern davon überzeugen könnte, dass ihre Kinder bei katechetischen und pastoralen Angeboten ihrer Kirchengemeinde etwas für ihr EWIGES Leben lernen

(Dafür, dass es nicht unbedingt notwendig ist, zunächst die Eltern zu überzeugen, ihre Kinder zu katechetischen Angeboten zu schicken, sondern dass es auch umgekehrt funktionieren kann – dass die Kinder ihre Eltern überzeugen, sie da hingehen zu lassen –, könnte ich ein paar Beispiele vom JAM, dem wöchentlichen Kinderprogramm der EFG The Rock Christuskirche in Berlin-Haselhorst, anführen. Mal wieder so ein Fall, wo man geneigt sein mag zu fragen: Wenn das bei den Freikirchlern funktioniert, warum dann nicht auch "bei uns"?) 

Fragen wir also einmal ganz direkt: Wie könnte oder sollte man das Ziel benennen, das zu erreichen die Teilnahme an katechetischen Angeboten die Kinder und Jugendlichen befähigen soll? Eine griffige Antwort könnte lauten: heilig zu werden. Ich habe auf meinem Blog schon mehrfach ein Buch erwähnt, das ich von meiner Oma zur Erstkommunion geschenkt bekommen habe – "Fromme Geschichten für kleine Leute" von Josef Quadflieg. Da heißt es im Vorwort: 

"[W]ir alle können heilig werden. Ja, Gott will es sogar. Daß wir heilig werden, ist der Wille Gottes. [...] Zum Gutsein gehören keine schiefgeneigten Köpfchen und auch keine immerfort gefalteten Hände; zum Gutsein gehört der Mut, bei Gebet und Spiel und Arbeit immer und überall Gott zu ehren und zu lieben, um wie er heilig sein zu dürfen. Das weiße Gewand, das Zeichen der Freude über Gott, wird uns dazugegeben, wenn wir in den Himmel kommen. Heimlich tragen wir es wohl jetzt schon: das unsichtbare Kleid der Gnade Gottes, die uns in der Taufe geschenkt wurde. Vorerst aber werden andere Kleider getragen: Arbeitsanzüge, Kittelschürzen, Sporthemden, Uniformen, Lodenmäntel, Kordhosen [...]! Wir müssen versuchen, in diesen Kleidern heilig zu werden. Gott will es so." 

Trauen sich heutige Katecheten noch, Kindern so etwas zu sagen? Wenn nicht: Hat das vielleicht damit zu tun, dass sie selbst Schwierigkeiten haben, daran zu glauben? –Man könnte auch mal darüber reden, dass Jesus Seinen Jüngern verheißen hat "Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun" (Joh 14,12) und "Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort! und er wird wegrücken" (Mt 17,21). Da müsste man als Katechet dann ehrlicherweise hinzufügen "Das mit dem Berge-Versetzen habe ich selber auch noch nicht hingekriegt, daran könnt ihr sehen, dass ich auch noch was zu lernen habe. Ich lerne mit euch zusammen." Meiner Erfahrung zufolge schätzen Kinder und Jugendliche diese Art von Offenheit. – Und schließlich fällt mir dazu noch ein Zitat von Papst Benedikt XVI. ein, das in einer nicht ganz wortgetreuen, aber sinngemäßen und griffigen Fassung in den Sozialen Medien kursiert:

"Die Welt bietet euch Bequemlichkeit, aber ihr seid nicht für Bequemlichkeit geschaffen – ihr seid für Größe geschaffen." 

So ähnlich hätte das auch der Kampfsportlehrer meiner Tochter sagen können. 


Samstag, 2. Mai 2026

Utopie und Alltag 23: Von Mittag weht es lau

Der Frühling zieht ins Land, Freunde! In dem letzten Tagen hat mich das sonnige Wetter wiederholt dazu verlockt, mich um die Mittagszeit auf eine Bank am Brunowplatzvis-à-vis der Herz-Jesu-Kirche – zu setzen und dort Gitarre zu üben; außerplanmäßige Einnahmen habe ich damit noch nicht erzielt, aber vielleicht kommt das ja noch. Und gestern habe ich mir den ersten Sonnenbrand des Jahres  geholt (nur einen kleinen, auf der Nase). Insgesamt bin ich voll freudiger Erwartung, was der Marienmonat Mai dieses Jahr so bringen wird, aber schauen wir uns erst mal an, was in der zurückliegenden Woche so los war... 

Zum Auftakt des Marienmonats: Eine im Garten von St. Joseph Tegel etwas versteckte Marienfigur. 

Neues von den Pfadfindern: Die Jagd nach der Kluft 

Am vergangenen Samstag fuhr ich, wie angekündigt, mit dem Tochterkind nach Schöneberg, wo im Garten von St. Norbert das vorletzte Meutentreffen der dortigen KPE-Wölflingsmädchen vor dem Himmelfahrtslager anstand. Wie ich ebenfalls schon im vorigen Wochenbriefing zu Protokoll gegeben habe, konnte das Tochterkind auch an diesem Treffen wieder nicht in Kluft teilnehmen, da das Klufthemd und das Barrett, das wir bestellt hatten, noch immer nicht bei uns eingetroffen war – aber dazu später. Da die eigentliche "Akela" des Stammes aus familiären Gründen abwesend war, oblag die Leitung dieses Treffens zwei Jugendlichen (oder vielleicht gerade-so-Erwachsenen), unterstützt von einer Mutter, die in jüngster Zeit schon ein paarmal in der Leitung ausgeholfen hatte. Um den Leiterinnen nicht das Gefühl zu geben, ich wolle ihnen "auf die Finger gucken", verabschiedete ich mich bei Beginn des Programms und ging meiner Wege, d.h. ich spazierte erst einmal ein wenig durch Schöneberg, ging dann einen Kaffee trinken und arbeitete an meinem Blog. – Als ich meine Große nach zweieinhalb Stunden wieder abholte, zeigte sie mir zunächst einmal stolz eine Landkarte, die sie zusammen mit den anderen Mädchen aus ihrem Rudel gezeichnet hatte: 

Sie durfte die Karte mitnehmen, weil sie angeboten hatte, in der Schule Kopien für die anderen Rudelmitglieder anzufertigen. – Bis zum S-Bahnhof Schöneberg hatten wir noch einen gemeinsamen Weg mit zwei anderen Wölflingsmädchen, die dann allerdings die Bahn in die entgegengesetzte Richtung nahmen. Während der Fahrt fragte ich meine Tochter, was beim Meutentreffen denn so alles gemacht worden sei; wie ich erfuhr, war ein zentraler Teil des Programms ein aus mehreren Aufgaben bestehendes Teamspiel (ich glaube, im Pfadfinderjargon nennt man das "Postenlauf"), und zu den Aufgaben gehörte es unter anderem, die Zehn Gebote aufzusagen. "Kannst du die?", fragte ich meine Tochter, und sie erwiderte: "Ein bisschen." Daraufhin hakte ich nach, ob sie mir denn auf die Schnelle drei der Zehn Gebote nennen könne, "egal welche" – und sie erwiderte ohne langes Zögern: "Ihr sollt keine anderen Götter neben mir haben, ihr sollt euren Vater und eure Mutter ehren... und nicht klauen." Nicht schlecht für den Anfang, fand ich. "Den Rest lernst du im Erstkommunion-Unterricht", sagte ich; wobei ich es durchaus auch für möglich halte, dass das Tochterkind die Zehn Gebote bei den Wölflingen lernt, bevor im nächsten Herbst ihr Erstkommunionkurs losgeht. 

Als wir nach Hause kamen, zeigte sich, dass inzwischen zwei Pakete den Weg zu uns gefunden hatten, von denen eins bei einem Paketshop und eins bei einer Nachbarin gelegen hatte; aber keins davon enthielt die ersehnte Wölflingskluft. Daraus zog ich die Konsequenz, am Montag mal beim Pfadfinderausstatter anzurufen – was sich als eine gute Entscheidung erwies: Mein Grsprächspartner sicherte mir zu, das Paket gleich am folgenden Tag abzuschicken, und ein paar Tage später erhielten wir die Nachricht, die Sendung warte in einem Paketshop in unserer Nähe auf Abholung. Heute vormittag habe ich sie abgeholt; ich würde mal sagen, der Eindruck, bei diesem Pfadfinderausstatter handle es sich im Wesentlichen um eine Ein-Mann-Firma, wird unterstrichen durch den Umstand, dass die Lieferung im einem gebrauchten Weinpaket ankam. Mit dem Inhalt des Pakets bin ich indes, auch wenn es sich nicht um sechs Flaschen Grauburgunder handelt, sehr zufrieden. 

Derweil stand ja auch noch die Frage im Raum, ob wir am letzten Juni-Wochenende als ganze Familie an der KPE-Bundeswallfahrt zum Kloster Schöntal teilnehmen wollen. Verkompliziert wurde die Entscheidungsfindung dadurch, dass ich an demselben Wochenende die Möglichkeit hätte, an zwei Veranstaltungen des Erzbistums Berlin für Auszubildende in der Pastoral teilzunehmen: einer Wanderung durch den Grunewald und einem "Oasentag" in der Klause eines Eremiten in Lindow (zwischen Gransee und Neuruppin). Okay, die Grunewaldwanderung ist am Freitag, daran könnte ich also auf jeden Fall, unabhängig von der KPE-Wallfahrt, teilnehmen und werde das also wohl auch tun; noch mehr reizen würde mich indes der Besuch beim Eremiten, und da gäbe es dann doch eine Terminkollision. Was also tun? Eine Münze werfen? Erst mal anfragen, ob für die KPE-Bundeswallfahrt überhaupt noch Plätze frei sind? Ich denke, das werden wir übers Wochenende noch gemeinsam beraten. 


Wieder mal auf dem Achorhof 

Ins Baumhaus schafften wir es am Samstagabend wieder nicht, unter anderem aus der Erwägung heraus, dass wir am Sonntag früher aufstehen mussten als sonst – nämlich um pünktlich zur Jiu-Jitsu-Gürtelprüfung unserer Großen zu kommen. Zu diesem Thema habe ich bereits gestern auf der Patreon-Seite des Mittwochsklubs einen Artikel veröffentlicht, der demnächst auch noch hier auf "Huhn meets Ei" erscheinen soll; aber erwähnen möchte ich hier doch, dass das Tochterkind am Samstag am Abendbrottisch aus heiterem Himmel die Frage aufwarf, ob und wie wir es denn hinkriegen würden, trotz Gürtelprüfung am Sonntag zur Kirche zu gehen. Das hatten wir aber bereits bedacht: Auf dem Achorhof fand – wie wir schon bei unserem Besuch dort am Palmsonntag erfahren hatten, inzwischen aber auch noch per WhatsApp dazu eingeladen worden waren – an diesem Sonntag ein "Französischer Tag" statt; zunächst hatte ich befürchtet, das würde mit der Erstkommunion in St. Joseph Siemensstadt kollidieren (dazu weiter unten mehr), und dann eben, es würde mit der Kampfsportprüfung kollidieren, aber dann zeigte sich, dass es vom Ort der Kampfsportprüfung bis zum Achorhof gar nicht so weit war und dass wir es zwar wohl nicht pünktlich zum Mittagessen dorthin schaffen würden, wohl aber früh genug, um dort die Messe mitzufeiern. 

Am Sonntagmorgen war dann allerdings unser Jüngster ziemlich launisch und ein wenig kränklich und wollte zur Kampfsportprüfung seiner Schwester nicht mitkommen, also teilten wir uns auf – was ironischerweise dazu führte, dass meine Liebste und der Knabe eine Stunde früher auf dem Achorhof ankamen als das Tochterkind und ich. Vom Mittagessen – Coq au vin und eine vegetarische Alternative mit Champignons, dazu Reis – waren noch Reste übrig, als wir ankamen, und ich wurde auch prompt gefragt, ob ich noch etwas essen wolle; der unmittelbar darauf folgende Hinweis, für das Essen werde ein Unkostenbeitrag von 10 € erwartet, war vermutlich nicht so unfreundlich gemeint, wie er bei mir ankam, aber bei diesem Preis verzichtete ich dann doch lieber darauf, mir die Reste aus den Töpfen zusammenzukratzen. Da mache ich lieber mal wieder selber Coq au vin, ich glaube nämlich, ich kann das besser. 

Auch nicht so ganz meinen Erwartungen entsprach es, dass fast nur alte Leute bei der Veranstaltung waren; man muss freilich anerkennen, dass die Veranstalter selbst sich das wohl ebenfalls anders gewünscht hätten. Darauf komme ich noch zurück. 

Gleichwohl war es, wie immer, einfach schön, dort zu sein, und schönes Wetter hatten wir auch, wie man hier sehen kann: 


Davon abgesehen war es mir natürlich, wie eingangs erwähnt, vor allem wichtig, dass wir hier die Messe zum 4. Sonntag der Osterzeit – dem "Sonntag vom Guten Hirten" – mitfeiern konnten. Als Zelebrant war der aus der Demokratischen Republik Kongo (ehemals Zaïre, noch ehemaliger Belgisch-Kongo) stammende Ordenspriester André Kibeti SSCC eingeladen worden, der üblicherweise in der am Standort St. Thomas Aquin in Berlin-Charlottenburg beheimateten französischsprachigen Gemeinde Dienst tut; ein älterer Diakon, der wohl dem Hof bzw. dessen Trägerverein verbunden ist, assistierte. Der Priester machte einen ausgesprochen sympathischen Eindruck und zelebrierte teils auf Deutsch, teils aus Französisch, mit gesungenem Hochgebet; die Predigt (zu Johannes 10,1-10) hatte zwar gewisse Längen, aber durchaus auch starke Momente – so etwa, wo sie sich um die fremden Stimmen drehte, auf die die Schafe, anders als auf die Stimme des Hirten, nicht hören (sollen): "Es gibt viele Stimmen in unserer Welt – Stimmen, die verführen, Stimmen, die spalten, Stimmen, die versprechen, ohne zu halten. Jesus warnt uns vor allen diesen Stimmen: Es sind die Diebe, die Lügner, die Banditen, die nicht das Wohl der Schafe suchen." 

Wie von Messen auf dem Achorhof mittlerweile gewohnt, gab es auch diesmal wieder freie Fürbitten; daran beteiligte sich auch meine Liebste, nämlich mit einer Fürbitte für die Kinder, die in diesen Wochen zur Erstkommunion gehen. – Musikalisch gestaltet wurde diese Messe mit Taizé-Liedern; ich muss ganz ehrlich sagen, mein Stil ist das eher nicht so, aber das ist nun wirklich nur ein rein persönliches Geschmacksurteil. 

Nach der Messe gab es Kaffee und Kuchen; die Programmankündigung sah zudem "Fabeln und Vorträge (franz./dt) sowie Spiele auf der Picknickwiese" vor, aber tatsächlich gab es als einzigen Programmbeitrag eine zweisprachig vorgetragene Fabel von La Fontaine ("Der Rabe und der Fuchs") – mehr Freiwillige, die etwas zum Programm hätten beitragen mögen, hatten sich schlichtweg nicht gefunden. Nun will ich gar nicht unbedingt sagen, dass die Veranstaltung mehr Programm gebraucht hätte – aus Sicht unserer Kinder schon gar nicht: denen war es vor allem wichtig, im Garten spielen zu können –, aber in Verbindung mit der oben schon festgehaltenen Beobachtung, dass es der Veranstaltung insgesamt kaum gelang, ein Publikum diesseits des Rentenalters anzuziehen, gibt es doch zu denken. Ich musste in diesem Zusammenhang daran denken, was ich im vergangenen Sommer anlässlich meines Besuchs beim "offenen Samstagsfrühstück" der Naunynstraßen-WG notiert habe; ich zog da Vergleiche zwischen dieser WG, der Kommunität Grimnitz und eben dem Achorhof – und stellte fest, zu den Gemeinsamkeiten zwischen diesen, sagen wir mal, Projektorten gehöre es meinem zugegebenermaßen nur punktuellen Eindruck nach, dass sie sich alle "eher schwer damit tun, junge Leute zu erreichen". Die Frage, woran das liegt, steht nach wie vor im Raum, aber ergänzen würde ich sie gern um die Frage, ob das im Raum Berlin zumindest in Ansätzen zu beobachtende "Quiet Revival" nicht gute Voraussetzungen dafür bieten müsste, daran etwas zu ändern. – Immerhin scheint der Achorhof erheblich weniger als vergleichbare Projekte aus dieser Generation von jener charakteristischen Mischung aus theologischem Liberalismus und esoterisch-pantheistisch angehauchter Spiritualität geprägt zu sein, die man schlagwortartig als "Boomer Catholicism" bezeichnen könnte. Wobei ich von einem Ende der Kaffeetafel durchaus ein paar Gesprächsfetzen aufschnappte, die in diese Richtung gingen; u.a. saß da eine Frau, die zwar evangelisch war, aber trotzdem, wie sie betonte, "ganz bewusst" in der Messe zur Kommunion gegangen war – wohl wissend, dass das eigentlich nicht erlaubt ist, aber "Jesus wird das schon nicht so genau nehmen". Was soll man zu solchen Leuten sagen? 

Zum Problem der Überalterung des Achor-Trägervereins hatte meine Liebste eine bemerkenswerte Anmerkung: Sie meinte, gerade die enorme Arbeit, die die langjährigen Vereinsmitglieder in das Projekt investiert hätten – allein schon was die Instandsetzung der Gebäude und des Grundstücks betrifft –, stelle ein Hindernis dafür dar, Verantwortung in jüngere Hände abzugeben. Denn wenngleich es da weiterhin mehr als genug zu tun gibt, hätten junge Leute, die neu in den Verein kommen – so sehr sie sich auch engagieren mögen – kaum eine Chance, das, was die altgedienten Vereinsmitglieder bereits geleistet haben, "einzuholen". Ich denke, da könnte was dran sein; und sofern man daraus etwas lernen kann, dann wohl am ehesten, dass eine Gemeinschaft sich permanent um Nachwuchs bemühen sollte und nicht erst dann, wenn die bisherigen Verantwortungsträger allmählich zu alt werden. Aber das ist offenkundig oft leichter gesagt als getan. 

Festzuhalten bleibt, dass der Achorhof ein Projekt ist, das mir sehr ans Herz gewachsen ist und in dem ich zugleich erhebliches Potential für eine Weiterentwicklung sehe. Wobei "Weiterentwicklung" vielleicht nicht ganz das richtige Wort ist: Es geht eigentlich gar nicht darum, etwas zu verändern, sondern eher darum, das, was bereits da ist, mehr zu nutzen. Wozu mir natürlich einfällt, dass ich schon im Spätsommer 2024 mit der Idee umging, ein Einkehrwochenende für das KiWoGo-Team und ggf. noch weitere ehrenamtliche Mitarbeiter der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt auf dem Achorhof zu veranstalten. Ein solches Einkehrwochenende hatte ich auch schon Ende 2019 für den damaligen Pfarrgemeinderat von Herz Jesu Tegel ins Gespräch gebracht, allerdings kannte ich damals den Achorhof noch nicht. So oder so – ob ich mich weiterhin und verstärkt in der Siemensstädter Gemeinde engagiere, ob ich mich im Herbst in den neuen Gemeinderat von Herz Jesu Tegel wählen lasse und/oder in naher Zukunft eine Praktikantenstelle in einer mir noch unbekannten Pfarrei bekomme – gilt es, diesen Gedanken weiterzuverfolgen; und auf mittlere Sicht gäbe es, wenn es denn mit der Ausbildung zum Gemeindereferenten wie erhofft weiter vorangeht, sicherlich noch weitere Möglichkeiten der Kooperation mit dem Achorhof; z.B. könnte man da vielleicht mal einen Firmkurs oder einen "Kreis junger Erwachsener" zur Gartenarbeit hinschicken. Eine andere Idee, die mir gerade spontan mitten im Schreiben in den Sinn kam, wäre, mal im Rahmen der "News You Can Use"-Runde im Baumhaus für das Projekt Achorhof zu werben. Na, das muss alles noch zu Ende gedacht werden. 


Impressionen aus der Erstkommunion-Saison 

Osterzeit ist Erstkommunion-Zeit, Freunde; man liest zwar immer wieder – nicht zuletzt auch in den Sozialen Netzwerken –, der sozusagen "klassische", traditionelle Termin für die Erstkommunion sei der Weiße Sonntag, aber meiner persönlichen Erfahrung und Wahrnehmung zufolge ist es eher so, dass die Erstkommunionfeiern in den Pfarreien frühestens an diesem Termin stattfinden, meist aber ein paar Wochen später. In meiner alten Heimatpfarrei St. Willehad in Nordenham etwa ist, wie ich via Instagram erfahren habe, die diesjährige Erstkommunion erst an Christi Himmelfahrt. (Bei dieser Gelegenheit sei übrigens zu Protokoll gegeben, dass der Instagram-Auftritt der Pfarrei St. Willehad seit einiger Zeit von plumpen und kitschigen KI-Grafiken dominiert wird – was ich, neben Rasenmährobotern und Brötchenbestellung per WhatsApp, als ein weiteres Fallbeispiel dafür betrachten möchte, dass der technische Fortschritt in Butjadingen vorrangig in seinen negativen Aspekten ankommt). – In unserer Wahlgemeinde in Siemensstadt war die erste Runde der Erstkommunion schon am vergangenen Sonntag – da waren wir aus oben geschilderten Gründen nicht dabei, was einerseits schade ist, denn einige der Kinder hätte man ja sicherlich vom KiWoGo und/oder vom RKT her gekannt, aber andererseits ist am nächsten Sonntag, also morgen, eben nochmal Erstkommunion, und ich schätze, öfter als einmal im Jahr muss man sich das wohl wirklich nicht geben. – Auch in Tegel gab es für die diesjährigen Erstkommunionen zwei Termine; allerdings beide an einem Tag (einmal vormittags, einmal nachmittags) und auffälligerweise nicht in der Pfarrkirche Herz Jesu, sondern in der kleineren und weniger zentral gelegenen Kirche St. Joseph. Ich vermute, dass diese auf den ersten Blick eher überraschende Entscheidung damit zusammenhängt, dass der Standort St. Joseph – nicht zuletzt auch, weil sich dort die KiTa befindet – als vorrangiger Standort für die Kinder- und Familienarbeit der Tegeler Gemeinde profiliert werden soll, aber ein bisschen hat man schon auch den Verdacht, die Kerngemeinde am Standort Herz Jesu solle nicht mit dem Erstkommunion-Trubel behelligt werden. Wobei, so viel "Kerngemeinde" gibt es da meines Wissens gar nicht mehr. (Möglicherweise werde ich diese Einschätzung bei Gelegenheit mal überprüfen müssen.) 

Damit, was sich die Social-Media-Abteilungen der deutschen Bistümer heuer so alles zum Thema Erstkommunion ausgedacht haben, möchte ich mich lieber nicht allzu ausgiebig befassen; nicht unerwähnt lassen möchte ich indes ein auf der Website des Bistums Mainz veröffentlichtes "Erstkommunion-Quiz". Die sechs Quizfragen, die dem geneigten Leser da vorgelegt werden, sind, wenn man sich ein bisschen "mit Kirche" auskennt, nicht sonderlich anspruchsvoll; herausgreifen möchte ich hier aber mal die Frage "Warum spielen ausgerechnet Brot und Wein so eine zentrale Rolle bei der Kommunion?"; denn da lautet die "richtige" Antwortoption: 

"Beim letzten Abendmahl hat Jesus diese Zeichen ausgewählt, damit sich die Jünger:innen an ihn 'erinnern' können." 

Also, ich weiß ja nicht. – In den Kontext des Themas Erstkommunion gehört auch der "Kirche im SWR"-Impuls des Ex-Caritas-Direktors Mario Junglas, den ich zum Aufhänger für meine aktuelle Kolumne in der Tagespost genommen habe und den ich ursprünglich in schriftlicher Form auf Facebook gesehen hatte. Dieser Impuls beginnt nämlich mit dem Satz "Unser neunjähriger Enkel geht dieses Jahr zur ersten heiligen Kommunion" – was ja schon mal eine bemerkenswerte Wortwahl ist. Und dann geht es so weiter: 

"'Und, was macht ihr so in der Kommunionvorbereitung?", frage ich ihn. Er antwortet: 'Nur unnützes Zeug. Wir taufen Kuscheltiere.'" 

Da könnte man ja nun denken, das liefe auf Kritik am landläufigen Niveau des Erstkommunionunterrichts hinaus, und tatsächlich ging ein Teil der Facebook-Nutzerkommentare in diese Richtung. Junglas will aber auf etwas anderes hinaus: vermutet in dieser Kuscheltiertaufe einen Versuch, den Kindern "das Thema 'Taufe' handgreiflich nahe[zu]bringen"; denn da "die Zahl der Taufen [...] in Deutschland deutlich zurückgegangen" sei, könnten "immer weniger Kinder [...] anschaulich erfahren, was bei einer Taufe geschieht." 

"Einige in der Gruppe sind selbst noch nicht getauft oder haben noch keine Taufe miterlebt. Da ist es vielleicht doch nicht unnütz, wenn sie an ihrem geliebten Kuscheltier sehen, wie Taufe geht." 

Ich würde ja sagen, vielleicht sollte der Herr Junglas bei der Beurteilung dieser Kuscheltiertaufe lieber auf seinen Enkel hören, aber nun gut. Jedenfalls hat dieses Detail eines Beitrags, in dem ich – wie in der Tagespost dargelegt – vorrangig einen Versuch des früheren Caritas-Direktors sehe, das "Quiet Revival" zu verharmlosen und in einem für ein religiös liberales Publikum akzeptablen Licht erscheinen zu lassen, mich einmal mehr in der Auffassung bestärkt, dass das post-volkskirchliche Modell der Erstkommunion-Vorbereitung und -Feier ein Auslaufmodell ist und man sich tunlichst um neue Konzepte bemühen sollte, bevor das alte krachend zusammenbricht. Da nun allerdings, wie schon verschiedentlich erwähnt, ab dem kommenden Herbst mein Tochterkind mit dem Erstkommunionunterricht "dran" ist, wird mir vorerst wohl nur die Option bleiben, zu versuchen, das System von innen her zu verändern. Ein paar Überlegungen dazu finden sich auch in dem weiter oben bereits angesprochenen, auf Patreon vorveröffentlichten Kampfsport-Artikel; was sie dort thematisch zu suchen haben, erklärt sich, wie ich hoffe, wenn man den Artikel liest. 


Tegel feiert in den Mai 

Am gestrigen Freitag war Tag der Arbeit – oder, "auf Katholisch" ausgedrückt, das Fest Hl. Josef der Arbeiter; für uns hieß das zunächst einmal, dass keine Schule und keine KiTa war, aber meine Liebste stand trotzdem ungefähr so früh auf wie an einem normalen Arbeitstag, um, solange die Kinder noch schliefen, ein paar Abiturklausuren zu korrigieren. Noch davor nahm sie aber an einem Zoom-Gebetskreis der EFG The Rock Christuskirche teil – und hatte anschließend ein paar bei allem grundsätzlichen Wohlwollen durchaus kritische Anmerkungen dazu. So bewertete sie es als "auf die Dauer ziemlich anstrengend", dass diese Gemeinde praktisch keine andere Gebetsform kennt als das, was "bei uns" Fürbitten in besonderen Anliegen heißt. Es scheint kaum übertrieben zu sagen, dass die lieben Leute aus der The Rock-Gemeinde das, und nur das, unter "Gebet" verstehen, und meine Liebste meinte, wenn man allein damit eine gemeinschaftliche Gebetszeit von 45 Minuten zu füllen versuche, führe das nahezu zwangsläufig zu einer Redundanz, auf die die Mahnung Jesu, beim Beten nicht zu "plappern wie die Heiden, die meinen, sie werden nur erhört, wenn sie viele Worte machen" (Mt 6,7), weit eher zu beziehen wäre als auf kontemplative Gebetsformen wie den Rosenkranz (gegen die diese Bibelstelle von evangelikaler Seite gern ins Feld geführt wird). Ein interessanter Aspekt, den man vielleicht an anderer Stelle mal vertiefen sollte. 

Am Nachmittag feierte ein KiTa-Freund unseres Jüngsten seinen Geburtstag, und meine Liebste fuhr mit dem Knaben hin; als Antwort auf die Frage, was das Tochterkind und ich währenddessen machen sollten, hatte ich bereits im vorigen Wochenbriefing ins Auge gefasst, zum Patronats- und Siedlungsfest in St. Joseph Tegel zu gehen, das in diesem Jahr zugleich als Pfarrfest für die gesamte Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd gefeiert wurde; und so machten wir es auch. 

Um 11 Uhr war die Messe zum Patronatsfest gefeiert worden, anschließend, also gegen 12 Uhr, wurde das Fest eröffnet; mein Tochterkind und ich trafen allerdings erst gegen 15 Uhr dort ein. Das Fest war gut besucht, die Stimmung ausgelassen und die Temperaturen sommerlich; aber als ehemaliger DJ kann ich es mir wie schon in den letzten Jahren auch diesmal wieder nicht versagen, die Veranstaltung vorrangig mittels einer kritischen Analyse der Musikauswahl zu charakterisieren. Wozu ich gleich eingangs hervorheben möchte: Was es vor zwei Jahren und vor drei Jahren noch nicht gab, waren speziell für den Anlass KI-generierte Partyschlager. Ein Fortschritt, auf den ich gern verzichtet hätte, aber andererseits war das so bizarr, dass ich mir nicht versagen kann, hier noch einige Worte darüber zu verlieren. Es gab mindestens drei solcher Lieder in unterschiedlichen Stilrichtungen innerhalb des Schlager-Spektrums – eins hatte melodisch erhebliche Ähnlichkeit mit "Weiß der Geier" von Wolfgang Petry, eins ging entschieden in Richtung Ballermann und eins ein bisschen in Richtung Musette/Chanson –, aber mit teilweise identischen oder zumindest sehr ähnlichen Texten; Kernsätze lauteten etwa "St. Joseph, 1. Mai – uns're Siedlung ist dabei" oder "Hey, hey, Patronatsfest, St. Joseph gibt uns heut den Rest". Hashtag #kannstedirnichtausdenken. Und jedes dieser Elaborate lief in der Zeit unserer Anwesenheit auf dem Fest mindestens einmal pro Stunde. Auch sonst wiederholte sich in der Playlist einiges, was nach den Regeln des DJ-Handwerks, wie ich sie mal gelernt habe, eigentlich ein No-Go ist. Nicht direkt ein "Aha"-, sondern eher ein "Ach so, na dann"-Erlebnis hatte ich, als ich feststellte, dass zum dreiköpfigen DJ-Team ein vielleicht 15jähriger Knabe mit Kapuzenpulli gehörte, der das Programm offenbar hauptsächlich nach seiner Einschätzung darüber gestaltete, "was alte Leute halt so hören". Zeitweilig bewegte sich die Musikauswahl, wie ich es auch vor zwei Jahren notiert hatte, im "Grenzbereich zwischen Deutschpop und Deutschem Schlager", wobei "Paris – einfach so nur zum Spaß" und "Aber bitte mit Sahne" von Udo Jürgens, "Männer" und "Mambo" von Herbert Grönemeyer, "Ein Herz kann man nicht reparier'n" von Udo Lindenberg und "Es lebe der Sport" von Rainhard Fendrich noch zu den besten Stücken gehörten (und wenn man will, kann man vielleicht auch "Kling Klang" von Keimzeit in diese Kategorie einordnen, ein Lied, über das ich mich wirklich gefreut habe), zeitweilig mischte sich 80's-Pop (z.B. "Everybody Wants to Rule the World" von Tears for Fears und "What's Love Got to Do With It" von Tina Turner) mit hinein, zuweilen auch Italo-Pop (z.B. "Se bastasse una canzone" und "Più Bella Cosa" von Eros Ramazzotti). Wenn der Jungspund zwischendurch mal Musik einstreute, die seine eigene Generation "so hört", war das Ergebnis durchwachsen: Bruno Mars etwa ("Just the Way You Are") lasse ich mir ja durchaus gefallen, aber bei "Wildberry Lillet" von Nina Chuba hätte ich ja gedacht, es müsste schon vom Text her offensichtlich sein, dass der herzlich schlecht auf ein Kirchenfest passt. Aber so ist das wohl, wenn man die Kirche – wie Maria Hinsenkamp es in ihrer Dissertation "Visionen eines neuen Christentums" formuliert – vorrangig als "eine möglichst in die Breite der Gesellschaft anschlussfähige Institution" sehen möchte, "die nach innen und außen eine große Ambiguitäts- und Pluralitätstoleranz aufweist". (Diese Formulierung werde ich mir noch öfter ausborgen, ich finde sie ausgesprochen griffig.) Bei einigen Songs aus den 90er und Nuller Jahren fragte ich mich, ob ich eigentlich auch schon so alt bin, dass diese Musik in die Kategorie "Was alte Leute halt so hören" fällt; dazu gehörten etwa "Don't Speak" von No Doubt und "Perfekte Welle" von Juli. Letzteres erinnerte mich übrigens an ein Interview mit Johannes Hartl in der aktuellen Tagespost, in dem es um das "Quiet Revival" geht, und speziell an eine Aussage aus diesem Interview, die es nicht von ungefähr auch in die Überschrift geschafft hat: Auf die Frage nach dem Verhältnis zwischen missionarischen Bemühungen einerseits und dem Geist Gottes, der bekanntlich weht wo Er will, andererseits erklärt Hartl: "Das ist so wie beim Surfen. Man braucht die Welle und dann muss man bereit sein, die Welle zu surfen." Ein starkes Bild, wie ich finde. 

Auffällig fand ich, dass, als das Fest sich dem Ende näherte, die Musik besser wurde. Mir scheint, das kommt öfter vor – vielleicht, weil DJs meinen, es kommt nicht mehr so drauf an, und sich darum "mehr trauen". 

Und was wäre sonst noch über das Pfarrfest in St. Joseph zu sagen? Die Vorstellung, man könnte den Besuch dort als Networking-Gelegenheit für ein eventuelles Comeback in der Gemeindearbeit nutzen, erwies sich jedenfalls als wenig praktikabel; unter den Festgästen waren verhältnismäßig wenige bekannte Gesichter (darunter allerdings immerhin alle drei Priester der Pfarrei, nicht jedoch der Diakon), und ich kam kaum dazu, mit jemandem mehr zu reden als ein paar Takte Smalltalk im Vorbeigehen. Insgesamt hatte ich wie schon 2023 und '24 den Eindruck, die Gäste auf diesem Fest seien vorrangig nicht so das typische Kirchenpublikum, und überhaupt zeige sich der kirchliche Charakter der Veranstaltung an kaum etwas anderem als daran, dass sie eben auf einem Kirchengrundstück stattfand. Meine Reflexionen von vor drei Jahren zu diesem Befund könnte ich hier fast Wort für Wort wiederholen, aber muss ja nicht sein. – Erwähnt sei noch, dass es durchaus auch in der Kirche ein bisschen "Programm" gab: So bot die neue Kirchenmusikerin der Pfarrei, eine sympathisch wirkende junge Frau, eine Orgelführung für Kinder (die wir leider verpassten) und ein Offenes Singen an – da machten wir zwar nicht mit, nutzen aber die Gelegenheit, auf die Orgelempore zu steigen und uns den Kirchenraum mal von oben anzusehen. 

Außerdem gab es eine "Rätsel-Rallye", die für mein Empfinden allerdings etwas phantasievoller und auch inhaltlich anspruchsvoller hätte gestaltet sein dürfen: Im Wesentlichen ging es da nur darum, auf dem Gelände laminierte Zettel zu suchen, auf denen jeweils ein Buchstabe des Lösungswortes und ein Hinweis auf den Fundort des nächsten Zettels zu lesen war. 

Insgesamt würde ich sagen, auch da, wo die Kirche als Kirche auf diesem Fest Präsenz zeigte, tat sie es vorrangig im Sinne eines Kulturkatholizismus als Schwundstufe der früheren Volkskirche; oder, um nochmals auf Maria Hinsenkamps Formulierung zurückzugreifen, im Sinne eines Selbstverständnisses als "möglichst in die Breite der Gesellschaft anschlussfähige Institution [...], die nach innen und außen eine große Ambiguitäts- und Pluralitätstoleranz aufweist", und nicht als "missionarisch ausgerichtete, klar bekenntnis- und bekehrungsorientierte Kirche". Bezogen auf diese konzeptionelle Ausrichtung darf man das Fest als gelungen bezeichnen (und auch meiner Tochter hat es gut gefallen), aber ein bisschen mehr missionarischen Geist würde ich mir ja doch wünschen. Wie man den zur Geltung bringen könnte, ohne das Konzept des Fests komplett umzukrempeln, wäre vielleicht mal eine interessante Überlegung fürs nächste Jahr – vorausgesetzt, es gibt bei den Verantwortlichen überhaupt eine gewisse Offenheit für dieses Anliegen. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Alles, was ist, kommt von Gott; und darum kann nichts, was dem Menschen geschieht, weder Versuchungen noch Schicksalsschläge, noch Misshandlungen und Beschimpfungen, noch irgend sonst etwas, ihn aus der Fassung bringen; sondern er gibt sich zufrieden, ja er hält seine Prüfungen in Ehren, weil sie ihm von Gott geschickt sind und uns gegeben sind zu unserem Heil, und aus Liebe, nicht aus Hass.

(Aus den Briefen der Hl. Katharina von Siena) 


Ohrwurm der Woche 

Aretha Franklin: I Say A Little Prayer 

Dieser Soul-Klassiker lief während der Wartezeit auf die Gürtelprüfung meines Tochterkindes in der Steglitzer Kampfsportschule – und ist bei mir nachhaltig hängen geblieben. Trotz des Titels handelt es sich natürlich um ein im Wesentlichen säkulares Liebeslied, aber interessant finde ich es doch – und sei es nur als zeit- und kulturgeschichtliches Dokument –, dass es hier als besonders eindringlicher Ausdruck von Liebe dargestellt wird, für die geliebte Person zu beten. Worauf ich von allein allerdings nicht gekommen wäre, ist, dass der Textautor Hal David dabei den Gedanken im Hinterkopf hatte, die Frau bete deshalb für ihren Mann, weil dieser Kriegsdienst in Vietnam leistet...! 

Interessant als zeit- und kulturgeschichtliches Dokument ist der Songtext aber auch, weil er den Tagesablauf einer berufstätigen Frau schildert. Ein wichtiges Thema für Aretha Franklin, man beachte auch ihre Coverversion von Otis Reddings "Respect", wo es ja im Original darum geht, dass der Mann das ganze Geld nach Hause bringt und dafür von seiner Frau "nur ein bisschen Respekt" will, während in Arethas Version die Frau ihr eigenes Einkommen hat. Na, das nur nebenbei. 


Vorschau / Ausblick 

Heute Abend haben meine Liebste und ich, wenn alles klappt, sturmfreie Bude, denn die Kinder sind bei einer Veranstaltung ihrer Kampfsportschule, die lustigerweise "Parents' Date Night" heißt und bei der sie mit Training, Pizza essen und Film gucken bis über ihre übliche Zubettgeh-Zeit hinaus beschäftigt sein sollten. Am morgigen 5. Sonntag der Osterzeit wollen wir in St. Joseph Siemensstadt in die Messe, denn da findet, wie schon erwähnt, der zweite der beiden diesjährigen Erstkommunion-Gottesdienste statt, und zu den Erstkommunionkindern zählt ein Mädchen, das wir vom JAM kennen (und mit dem wir außerdem Anfang des Jahres Sternsingen waren). Danach gäbe es eine weitere Gelegenheit, dem Baumhaus endlich mal wieder einen Besuch abzustatten, denn dort ist morgen Permakultur-Picknick. – Für die kommende Schul- und Arbeitswoche, eine von nur zwei vollen Fünf-Tage-Wochen im Mai, steht erst mal noch nicht besonders viel im Terminkalender, aber das kann sich natürlich noch ändern. Nächsten Samstag ist vormittags das letzte Meutentreffen der Schöneberger KPE-Wölflingsmädchen vor dem Himmelfahrtslager und nachmittags Tag der offenen Tür an der Schule des Tochterkindes; letzteres könnte ein Anlass sein, mal wieder was aus der Rubrik "Neues vom Schulkind, den anderen Schulkindern und deren Eltern" zu schreiben – möglicherweise reicht das, was mir zu diesem Thema einfällt, sogar für einen eigenständigen Artikel.