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Samstag, 6. Juni 2026

Utopie und Alltag 28: Im Auge des Gewitters

Wieder einmal, Freunde, liegt eine Woche hinter mir, die so voll mit interessanten Eindrücken war, dass ich gar nicht die Zeit hatte, das alles aufzuschreiben, geschweige denn dass es alles in diesem Wochenbriefing Platz gefunden hätte. Ein paar separate Artikel sind also in Vorbereitung, aber erst einmal dürft ihr euch auf ein Wochenbriefing freuen, das thematisch recht anmutig von Pfingsten über den Dreifaltigkeitssonntag zu Fronleichnam überleitet. Seht selbst! 


Feuerzungen unterschiedlicher Art 

Wie zumindest andeutungsweise schon erwähnt, war ich am vorigen Wochenende sozusagen alleinerziehend, da meine Liebste – wozu weiter unten noch mehr zu sagen sein wird – von Freitag nach der Arbeit bis Sonntagnachmittag beim Alpha-Kurs-Wochenende der EFG The Rock Christuskirche eingespannt war. Darüber, wie ich die Kinder während dieser ganzen Zeit beschäftigen wollte, musste ich mir zum Glück nicht viele Gedanken machen, denn das Wochenende war ohnehin bereits zu einem großen Teil verplant. Zu den Dingen, die es mir leichter machten, dem Nachwuchs einen zugleich strukturierten und unterhaltsamen Tagesablauf zu bieten, gehörte es, dass ich am Samstag mit beiden Kindern zu den Schöneberger KPE-Pfadfindern fahren konnte, denn zeitgleich mit dem wöchentlichen Treffen der Wölflingsmeute fand dort auch das monatliche Treffen der Wichtelgruppe statt. Um optisch zu seiner großen Schwester in ihrer Wölflingskluft zu passen, ließ sich der Jüngste mit erkennbarem Stolz ein hellblaues Hemd anziehen, das immerhin so ähnlich aussieht wie ein Klufthemd ("offiziell" tragen die Wichtel noch keine Kluft). – Als wir ankamen, begrüßte eine der beiden Wichtel-Leiterinnen meinen Sohn, der ja länger nicht mehr dabei gewesen war (zuletzt Ende Januar, wie ich just nachgelesen habe), ausgesprochen erfreut und sprach ihn mit Namen an; aber nun wurde er plötzlich uncharakteristisch schüchtern, versteckte sich hinter meinem Rücken und wollte in der Gruppenstunde nicht so richtig mitmachen. Die Mutter eines anderen Wichtelkindes meinte verständnisvoll, ihre Tochter sei auch manchmal so, und als ich erwähnte, mein Sohn sei gerade erst drei Tage auf KiTa-Fahrt gewesen und möglicherweise sei ihm deshalb gerade alles ein bisschen zu viel, stimmte sie mir zu, dass das wohl ein Grund sein könne, und staunte zugleich, dass mein Knabe sich schon mit fünf Jahren getraut habe, an so einer Fahrt teilzunehmen. 

Neben meinem Jüngsten erschienen zur Wichtelgruppe noch zwei weitere Jungen und drei Mädchen; inhaltlich ging es um das Thema Pfingsten: Zunächst trug eine der Leiterinnen eine Nacherzählung des Pfingstberichts aus der Apostelgeschichte vor, dann ging es darum, dass der Heilige Geist in verschiedenen Gestalten erscheint – etwa als Wind oder als Flamme –, und es wurde darüber gesprochen, welche Wirkungen Wind und Feuer haben. Abgerundet wurde das Thema durch Spiele und kleine Sinneswahrnehmungs-Übungen (Hören, Fühlen, Schmecken). 

Bemerkenswert fand ich übrigens, dass mein Herr Sohn, obwohl er beim Programm nicht so richtig hatte mitmachen wollen, hinterher trotzdem sagte, die Wichtelgruppenstunde habe ihm gut gefallen. Ich selbst fand sie auch gut, und folglich ist es ganz und gar nicht als Kritik an den Leiterinnen zu verstehen, dass mich beim Gedanken an meine eigene wenig ruhmreiche Karriere als Wichtelgruppenleiter in Haselhorst zwischenzeitlich der Eindruck befiel, ich sei damals wohl ziemlich überambitioniert gewesen – also hinsichtlich meiner Vorstellungen darüber, was man den Kindern da so bieten müsse. Indes will ich nicht ausschließen, dass das "Das könnte ich auch"-Gefühl, das ich angesichts des Programms dieser Wichtelgruppenstunde empfand, auch ein Hinweis darauf sein könnte, wie viel ich in den letzten Jahren – z.B. durch meine KiWoGo-Aktivitäten – dazugelernt habe. 

Übrigens hatten zeitgleich auch die Pfadfinderinnen der sogenannten "Grünen Stufe" – das ist die Altersgruppe der 12- bis 16-Jährigen – ihr Gildentreffen; dazu erschienen allerdings nur drei Mädchen, die ihr Programm selbständig gestalteten. Die mit Abstand am stärksten vertretene Altersgruppe war somit wie gewohnt die der Wölflinge – mit, wenn ich richtig gezählt habe, achtzehn Mädchen. Ein bedeutender Programmpunkt bei diesem Meutentreffen war die Rückgabe bzw. der Austausch von Fundsachen aus dem Lager; davon abgesehen stand dieses Treffen – wie mir mein Tochterkind hinterher erläuterte – unter dem Oberthema "Die rote Blume"; so wird das Feuer im Dschungelbuch genannt. Folgerichtig bestand der Höhepunkt des Meutentreffens darin, dass die Wölflingsmädchen selbst Feuer machen durften – in speziell dafür vorgesehenen Metalltonnen, eine Feuertonne pro Rudel, und anschließend durften die Wölflinge auf dem seibst entzündeten Feuer Brotscheiben und Marshmallows rösten. 

Erwähnt sei im Übrigen noch, dass mein Tochterkind einen bemerkenswerten Ehrgeiz entwickelt, das Winkeralphabet (Semafor) zu erlernen. Für die "Leise Pfoten"-Prüfung braucht sie nur den "1. Kreis", der die Buchstaben A-G enthält; aber da man damit natürlich nur eine sehr begrenzte Auswahl an Wörtern buchstabieren kann und sie das begreiflicherweise unbefriedigend findet, bemüht sie sich, auch schon die weiteren Kreise zu lernen. 

Und übrigens, da es hier gerade chronologisch passt, möchte ich eben noch ein erfreuliches Erlebnis aus der Rubrik Catholic Parenting Goals loswerden: Am Samstagabend entdeckte unsere Tochter in einem Regal einen Rosenkranz, dessen ehemals rot lackierte Holzperlen, nachdem er einmal versehentlich in einer Hosentasche mitgewaschen worden war, jetzt eher unregelmäßig rosa sind. Den fand sie schön und fragte, ob sie ihn haben dürfe – wozu ich erklärte, wenn er ihr besser gefalle als den, den sie derzeit in ihrer Pfadfindertasche habe, dann könne sie ihn gern behalten, aber dann solle sie den anderen an ihren kleinen Bruder abtreten. So machten wir es, und dann schlug die Große vor, wir könnten zum Schlafengehen zusammen Rosenkranz beten. Fast noch überraschender als diesen Vorschlag fand ich es, dass der Kleene ebenfalls dafür war. Wir beteten also gemeinsam den Eröffnungsteil und dann das erste Gesätz des freudenreichen Rosenkranzes, die Große zeigte ihrem Bruder dabei geduldig, wann er jeweils zur nächsten Perle wechseln musste, und als ich die Kinder am Ende des ersten Gesätzes fragte, ob sie auch noch das zweite beten wollten, bejahten beide. Danach hatte der Jüngste dann genug, aber das war ja auch ganz okay. Ich fand diesen Tagesabschluss jedenfalls sehr schön und hoffe, dass wir das zukünftig öfter so machen können... 


Schwarzer Gürtel in KiWoGo: Man kann ja auch mal was basteln 

Auch noch in den Zeitraum, in dem ich mit den Kindern allein war, fiel der Kinderwortgottesdienst zum Dreifaltigkeitssonntag; glücklicherweise hatte ich schon vor längerer Zeit eine Idee zur Gestaltung dieses KiWoGo gehabt und mit dem Gemeindereferenten abgesprochen, sodass ich nun nicht mehr sonderlich viel vorzubereiten brauchte. Das Evangelium vom Dreifaltigkeitssonntag war Johannes 3,16-18, das Kernstück aus dem Gespräch Jesu mit Nikodemus; dazu hatte ich schon Ende Januar im Rahmen einer Vorschau auf die KiWoGo-Termine der ersten Jahreshälfte notiert:

"Erinnert sich noch jemand an den Typen, der früher immer bei weltweit im Fernsehen übertragenen Sportereignissen im Publikum saß und ein Schild mit der Aufschrift 'John 3:16' hochhielt? Eine gut gewählte Bibelstelle, denn wenn es einen Vers gibt, den man als 'Das Evangelium in einem Satz' bezeichnen könnte, dann ist das ja wohl dieser." 

Eine Gestaltungsidee für die kindgerechte Präsentation dieser Bibelstelle hatte ich zu diesem Zeitpunkt explizit noch nicht gehabt, war dann aber gegen Mitte April in den Weiten des Internets über eine Bastelvorlage zu diesem Vers gestolpert und hatte mir gedacht: Wieso nicht mal was basteln? Wir basteln schließlich sonst nie beim KiWoGo, und ich bin doch prinzipiell ein großer Verfechter von Methodenvielfalt. – Der Bastelbogen aus dem Internet zeigte verschiedene Bildemente – ein Herz, ein Kreuz, einen Menschen, eine Wolke, ein aufgeschlagenes Buch –, die jeweils mit einem Teil des Bibelverses beschriftet waren; die Anleitung sah vor, diese Bildelemente auszumalen, auszuschneiden und beispielsweise ein Mobile daraus zu basteln. Ich hatte jedoch die vom JAM inspirierte zusätzliche Idee, die Kinder zunächst einmal in Gruppenarbeit herausfinden zu lassen, in welcher Reihenfolge die Satzteile zusammengehören; ursprünglich hatte ich angedacht, zu diesem Zweck je ein Exemplar der Mobile-Teile auf festeren Karton zu kleben, sie im Raum zu verstecken und die Kinder danach suchen zu lassen, aber das ließen wir dann doch weg, um mehr Zeit für einen Wortbeitrag des Gemeindereferenten zu haben. – Lobend zu erwähnen ist, dass meine Kinder nicht nur dem rechtzeitigen Losgehen keinerlei Steine in den Weg legten, sondern auch bereitwillig und sogar freudig beim Aufbau für den KiWoGo mithalfen. 

Da die diesjährige Erstkommunion ja schon vorbei war, stand durchaus die Befürchtung im Raum, es würden nicht viele Kinder zum KiWoGo kommen, aber tatsächlich waren es dann doch immerhin neun – also meine eigenen und dann noch sieben, darunter mindestens drei, die vor ein paar Wochen ihre Erstkommunion gefeiert hatten. Zur Eröffnung spielte ich wie üblich das Lied "Alles was ich hab" auf meiner treuen Gitarre, und dann war erst einmal der Gemeindereferent mit seinem Wortbeitrag an der Reihe. Darin verglich er die Beziehung zwischen den drei göttlichen Personen mit einer Familie und illustrierte dies durch einen Hinweis auf die gute alte Zeit, als die Leute noch keine Handys, sondern nur ein Festnetztelefon pro Haushalt hatten: Wenn man bei einer Familie anrief, kam es öfter vor, dass man ein anderes Familienmitglied am Hörer hatte als das, das man eigentlich hatte sprechen wollen, aber wenn die Kommunikation innerhalb der Familie gut funktionierte, konnte der Anrufer trotzdem davon ausgehen, mit seinem Anliegen an die richtige Adresse zu kommen. Dann stellte er den Kindern die Frage, wodurch eine Familie denn idealerweise zusammengehalten werde, und die erwünschte Antwort darauf lautete natürlich: durch Liebe. Und so, betonte der Gemeindereferent, verhalte es sich auch mit der göttlichen Dreifaltigkeit. – Für die Aufgabe, die Satzteile des Bibelverses in die richtige Reihenfolge zu bringen, teilte ich die Kinder in zwei Gruppen ein, und beide wurden annähernd gleich schnell damit fertig. 

Für das individuelle Basteln blieb dann schon fast keine Zeit mehr, aber jedes Kind durfte einen Bastelbogen mit nach Hause nehmen. – Derweil wollte meine Liebste zum Abschluss des Alpha-Kurs-Wochenendes in den Nachmittagsgottesdienst der EFG The Rock Christuskirche gehen, daher hatten wir verabredet, uns dort zu treffen; da wir zwischendurch nicht noch einmal nach Hause gegangen waren, sondern die Zeit stattdessen auf einem Spielplatz in Haselhorst verbracht hatten, hatte ich meine Gitarre noch dabei, und das führte dazu, dass ich schon beim Betreten des Foyers von einer Frau aus der Gemeinde, die uns eher flüchtig bzw. oberflächlich kennt, gefragt wurde: "Machst du heute Lobpreis?" Ich verneinte, woraufhin sie nachhakte: "Aber hast du heute schon." Das bejahte ich und freute mich irgendwie darüber. 

Worüber ich mich ebenfalls freute, war, dass mir an diesem Sonntag gewissermaßen ein Direktvergleich zwischen dem von mir selbst mitgestalteten KiWoGo und der "Kinderkirche" der The Rock-Gemeinde ermöglicht wurde. Die "Kinderkirche" für dir Altersgruppe der 6- bis 16-Jährigen wurde diesmal geleitet von einem jungen Mann, der früher auch beim JAM mitgearbeitet hatte, dort aber, bedingt durch seine Arbeitszeiten, schon länger nicht mehr gewesen war; er nutzte seine privaten Urlaubsfotos als Einstieg, um mit den Kindern über das Thema Schöpfung zu sprechen, und das gefiel mir gut. Im weiteren Verlauf ging es um den priesterlichen Schöpfungsbericht aus Genesis 1-2,4a, was zu einem Quervergleich mit dem Religiösen Kindertag zum Thema Schöpfung einlud, den wir im Februar in St. Stephanus hatten. Mein Eindruck war, dass hier im freikirchlichen Kindergottesdienst ein stärkerer Akzent auf der kreationistischen Auffassung lag, Gott habe die Welt buchstäblich in sechs Tagen erschaffen, während es beim katholischen RKT eher darum ging, was die Erzählung von den sechs Schöpfungstagen über die Schöpfung als Prozess und über ihre Ordnung bzw. Struktur aussagt; ich möchte allerdings nicht ausschließen, dass eine gewisse Voreingenommenheit meinerseits aus dieser Wahrnehmung spricht. Gebastelt wurde hier jedenfalls auch etwas, nämlich eine "Schöpfungsuhr", auf Englisch auch "Creation Wheel" oder "Creation Spinner" genannt. – Besonders unter dem Aspekt "Die Evangelikalen kennen kein Kirchenjahr" fand ich es bemerkenswert, dass der Katechet durch Fragen einiger Kinder (es waren übrigens elf an der Zahl, also gar nicht so viel mehr als "bei uns") veranlasst wurde, am Dreifaltigkeitssonntag auch etwas zur göttlichen Dreifaltigkeit zu sagen. – Zum Abschluss der Kinderkirche durften die Kinder Blumensamen in das über einen Zeitraum von mehreren Wochen beim JAM gebaute Hochbeet säen. 


Und wie war's eigentlich beim Alpha-Kurs-Wochenende in Falkensee? 

Der Alpha-Kurs der EFG The Rock Christuskirche läuft ja jetzt schon seit ungefähr acht Wochen und neigt sich somit allmählich dem Ende zu: Zehn Abendtermine umfasst so ein Kurs regulär, und dazu, als Kern- oder Herzstück, ein Wochenende, bei dem es thematisch schwerpunktmäßig um den Heiligen Geist geht. Dieses Wochenende fand im vorliegenden Fall nicht in den Gemeinderäumen in Haselhorst statt, sondern begann am letzten Freitag im Mai mit einem Grillabend in demselben privaten Garten in Falkensee, in dem wir letztes Jahr vor den Sommerferien einen Gartengottesdienst mit Swimmingpooltaufe miterlebt hatten. Das Programm am Samstag fand am selben Ort statt und nahm ungelogen den ganzen Tag in Anspruch, vom Frühstück um 9 Uhr bis zu einem weiteren Grillabend, dazwischen zwei Vorträge zum Thema "Heiliger Geist", Kleingruppen und "viel Freizeit zum Spazierengehen, Quatschen, Chillen" und dergleichen mehr (und Mittagessen gab es auch). Das Programm für den Sonntag – erst Brunch, dann ein Vortrag zum Thema "Wie mache ich das Beste aus meinem Leben?" und schließlich wieder Kleingruppen – fand dann in den Gemeinderäumen in Haselhorst statt, damit Team und Teilnehmer anschließend den regulären Sonntagsgottesdienst der Gemeinde besuchen konnten. 

Als wir dort meine Liebste trafen, hatte ich unmittelbar den Eindruck, dass ihr die Teilnahme an diesem Wochenende sehr gut getan hatte: Sie leuchtete richtig von innen heraus, fand ich. Bei der Kaffeetafel nach dem Gottesdienst stellte sie uns einige Teilnehmer des Alpha-Kurses vor; dazu gehörte ein junger Mann mit langem Hipsterbart, tätowiertem Hals und riesigen Tunnelohrringen, ein nicht mehr so junger Mann, der sich mit uns an einen Tisch setzte, aber nicht sehr gesprächig war, und eine junge Frau, die sich im Zuge des Alpha-Kurses dazu entschlossen hat, sich taufen zu lassen – die Taufe soll am übernächsten Sonntag sein, wiederum im Swimmingpool in dem besagten Garten in Falkensee. 

Ein weiteres erfreuliches Ergebnis des Alpha-Kurs-Wochenendes war es, dass es meiner Liebsten dort gelungen war, zwei Mitarbeiter (m/w) der Gemeinde für die Aufgabe zu rekrutieren, uns mit dem Projekt "Kinderzimmer-Neugestaltung" zu helfen. #BenOp at its best, möchte ich dazu mal sagen. Mit zwei Arbeitseinsätzen im Laufe der Woche haben wir ein Ergebnis erzielt, das sich sehen lassen kann: Die neuen Hochbetten sind aufgebaut, und die Kinder haben angefangen, den Bereich unter den Betten nach ihren jeweiligen eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen zu gestalten und einzurichten. 

Und schließlich wäre noch zu erwähnen, dass im Eröffnungsteil des Gottesdienstes in der EFG The Rock Christuskirche dafür geworben wurde, bei einer "Outreach" genannten Straßenevangelisations-Aktion in der Spandauer Altstadt mitzumachen, woraufhin das Tochterkind mich voller Enthusiasmus fragte: "Wollen wir das machen?" Ich erklärte, ich wäre grundsätzlich nicht abgeneigt, aber wir sollten da "mal mit Mami drüber reden". Bei der Kaffeetafel fragte dann aber meine Liebste ihrerseits unsere Töchter, wie sie es denn fände, wenn wir beim "Outreach" mitmachten. In summa lief das also auf ein klares Ja hinaus, also schauten wir mal auf die Liste mit den Terminen: Bis zu den Sommerferien findet "Outreach" jeden Samstag statt, aber wie sich zeigte, kamen von den Terminen, für die noch Leute gebraucht wurden, für uns nur zwei in Frage, also entschieden wir uns für den späteren von diesen – den 4. Juli. Das kann ja spannend werden! 


Was letzten Samstag in der Post war 

Spulen wir chronologisch mal ein kleines Stück zurück: Nachdem ich am vorigen Samstag mit den Kindern von den Pfadfindern nach Hause gekommen war, machte ich mich als erstes daran, den Briefkasten zu leeren; auf dem Weg dorthin murmelte ich noch halb an mich selbst, halb an die Kinder gerichtet, dass ich eigentlich gar keine besonders wichtige oder interessante Post erwarte, aber da sah ich auch schon, dass ein dicker und großformatiger Umschlag aus dem Briefkastenschlitz herausragte. Als Absender firmierte die Initiative Ostwind 3000, und als ich den Umschlag öffnete, fand ich darin eine fast 200 Seiten starke Broschüre – man könnte auch sagen, ein Buch – mit dem Titel "Charismen-Seminar – 27 Werkzeuge des Heiligen Geistes zur Erweckung der Gemeinde", verfasst von Pater Paulus Maria Tautz CFR. 

In einem Begleitschreiben zu dieser Broschüre schreibt Pater Paulus, das "Charismen-Seminar-Buch" erscheine mit "fast 3 Jahren Verspätung", aber gleichzeitig zeigt er sich überzeugt, "dass der Zeitpunkt auch von Gott her organisiert worden ist": 

"Besonders in Deutschland spüre ich einen Wind der Veränderung. Die Menschen scheinen der kirchlichen Botschaft gegenüber offener zu sein. [...] Es ist eine gute Zeit für dieses Charismen-Seminar der praktischen Anleitung zur göttlichen Effektivität in unserem Leben und dem Leben der Kirche!" 

Auch schön: Auf der Rückseite der Broschüre verrät Pater Paulus, der Untertitel habe ursprünglich "27 Werkzeuge des Heiligen Geistes zur Erneuerung der Gemeinde" (Hervorhebung von mir) lauten sollen, er habe aber kurzfristig "Erneuerung" durch "Erweckung" ersetzt, da er "immer mehr feststelle, wie tot die Pfarreien mittlerweile sind". In diesem Zusammenhang muss ich anmerken, dass ich mich durchaus frage, ob ich in dem Umstand, dass mir diese Broschüre so unverhofft ins Haus geflattert ist, einen Fingerzeig sehen sollte, mich tatsächlich in den Gemeinderat von Herz Jesu Tegel wählen zu lassen. Aber nun gut, um darüber eine verbindliche Entscheidung zu fällen, ist ja noch etwas Zeit. 

"Noch etwas Zeit" werde ich wohl auch noch benötigen, um die Broschüre gründlich durchzulesen, aber ein paar erste Eindrücke kann und will ich schon mal festhalten. Einen nicht unwesentlichen Teil des Gesamtumfangs nehmen biographische Kurzporträts von Heiligen und anderen Persönlichkeiten der Kirchengeschichte ein, die als Vorbilder oder Beispiele für die einzelnen Charismen betrachtet werden können; zu meinem großen Entzücken ist da auch Dorothy Day vertreten (im Abschnitt "Gastfreundschaft", übrigens), und auch sonst noch einige meiner persönlichen Lieblingsheiligen. Im Einleitungsteil, in dem es allgemein darum geht, was Charismen überhaupt sind und welche Bedeutung sie im Leben der Kirche haben, ist mir zudem ein Abschnitt ins Auge gefallen, in dem der Wettlauf der Jünger zum Grab (vgl. Joh 20,1-9) als Bild für das Verhältnis zwischen hierarchischen und charismatischen Gaben in der Kirche gedeutet wird: Der Jünger, den Jesus liebte – also Johannes – kommt zuerst am Grab an, bleibt aber am Eingang stehen und lässt Petrus den Vortritt. Sieht man nun in Petrus das Amt verkörpert und in Johannes das Charisma, dann heißt das: Das Charisma ist "schneller", weil spontaner, flexibler und wohl auch mehr von Leidenschaft getrieben, aber es hat dennoch die Vorrechte des Amtes zu respektieren. – Wenn ich nun auch dies mit dem Gedanken im Hinterkopf lese, mich zukünftig womöglich wieder in der Gemeinde von Herz Jesu Tegel zu engagieren, ergibt sich für mich natürlich die durchaus selbstkritische Frage, was daraus für meinen Umgang mit dem dortigen Pfarrer folgt. Man könnte die dieser Überlegung zugrunde liegende Frage natürlich auch allgemeiner fassen, nämlich: Wie kann das Zusammenwirken von Amt und Charisma funktionieren, wenn man es mit einem Amtsträger zu tun hat, der sich partout nicht bewegen will


O ihr Kleingläubigen: Fronleichnam fällt aus 

Ebenfalls nicht bewegt hat sich am Donnerstag die zentrale Fronleichnamsprozession des Erzbistums Berlin: Die wurde nämlich, mitsamt dem Pontifikalamt auf dem Bebelplatz, kurzfristig abgesagt. Ironie des Schicksals, nachdem ich mich erstmals seit Jahren eigentlich auf die diözesane Fronleichnamsfeier gefreut hatte – hauptsächlich wegen der Aussicht, meine Tochter könnte in ihrer Wölflingskluft im Zug der KPE-Pfadfinder mitlaufen. Einer Rundmail der Wölflingsleiterin ("Akela") hatte ich entnommen, dass die KPE jedes Jahr mit Kluft und Banner in der Fronleichnamsprozession des Erzbistums vertreten ist; wozu ich nicht unerwähnt lassen möchte, dass ich aus meinem Bekanntenkreis die Einschätzung gehört habe, angesichts der Ablehnung, die der KPE von Seiten des BDKJ und des dieser Dachorganisation angehörenden Pfadfinderverbands DPSG entgegenschlägt, sei das nicht gerade selbstverständlich. – Einmal ganz abgesehen vom pfadfinderischen Aspekt ist die zentrale Fronleichnamsfeier aber natürlich auch immer eine Art Familientreffen der Berliner Katholiken, und da hätte ich es schon auch spannend gefunden, zu gucken, wen man da so alles trifft. Indes war mir – ohne da nun im Nachhinein eine Verschwörungstheorie draus basteln zu wollen – schon im Vorfeld aufgefallen, dass die Öffentlichkeitsarbeit des Erzbistums sich in Sachen Fronleichnam ziemlich bedeckt hielt: keine Pressemitteilung, keine Vorab-Veröffentlichung der Predigt, auch auf den Social-Media-Kanälen des Erzbistums standen andere Themen im Vordergrund. 

Ebenfalls schon im Vorfeld war mir aufgefallen, dass die Wetteraussichten nicht die günstigsten waren: Ausgerechnet und ausschließlich für den späten Nachmittag und den frühen Abend war Regen angesagt. Da stellte sich nun einerseits schon die Frage, ob der Himmel etwas gegen die Berliner Fronleichnamsfeier hatte – wofür es nach der Erfahrung früherer Jahre durchaus Gründe geben mochte –, aber andererseits konnte ich mir nicht recht vorstellen, dass der Regen sonderlich schlimm werden würde, zumal am Donnerstagmorgen noch schönstes Frühsommerwetter herrschte. Gegen Mittag wurde jedoch auf Instagram bekannt gegeben, dass der "Abend der Begegnung", der im Anschluss an die Prozession hätte stattfinden sollen, abgesagt sei – ich hatte darauf gehofft, dass es da wie vor zwei Jahren (letztes Jahr war ich nicht dabei, weil ich mich auf der heimischen Couch von einer Operation erholte) Imbissbuden mit internationalen Spezialitäten geben würde, tja, schade. Im Übrigen hieß es, man beobachte die Wetterlage und empfehle regenfeste Kleidung. Gegen 15 Uhr folgte dann jedoch ein Update: Wegen einer Gewitterwarnung des Deutschen Wetterdienstes habe man "schweren Herzens entschieden, Gottesdienst und Prozession zu Fronleichnam auf dem Bebelplatz abzusagen". Weiter hieß es: "Die Entscheidung macht uns selbst sehr traurig. Wir müssen jedoch unserer Verantwortung für die Gottesdienstbesucher gerecht werden." 

Tja, und was nun? Von den KPE-Pfadfindern kam die Nachricht, um 19 Uhr werde ersatzweise eine Heilige Messe in St. Matthias am Winterfeldtplatz gefeiert (ohne Prozession), aber das war für uns zu weit und zu spät, zumal wir ja auch noch irgendwie zu Abend essen mussten. Also kamen wir an diesem Fronleichnams-Donnerstag in überhaupt keine Messe, was natürlich ziemlich unbefriedigend war. – Übrigens kann ich ehrlich gesagt nicht beurteilen, was für ein Wetter an diesem Abend rund um den Bebelplatz herrschte, aber in Tegel gab's lediglich leichte Regenschauer. Ich bin geneigt zu sagen, das kommt dabei heraus, wenn man sein Vertrauen mehr auf den Deutschen Wetterdienst setzt als auf Gott. 

Am morgigen Sonntag ist dann sozusagen "Fronleichnam, der zweite Versuch": Ohnehin wird ja die äußere Feier des Hochfests des Heiligsten Leibes und Blutes Christi mit Rücksicht auf die Tatsache, dass der eigentliche Fronleichnamstag im Gebiet des Erzbistums Berlin kein arbeitsfreier gesetzlicher Feiertag ist, auf Pfarreiebene üblicherweise am Sonntag nachgeholt, was man im aktuellen Fall wohl mit "Na, wenigstens was" zu kommentieren wäre. Doch nicht genug der Komplikationen: Morgen findet in Berlin nämlich auch die ADFC-Fahrradsternfahrt statt, was zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtungen führt. In Spandau, und vermutlich nicht nur da, fällt – wie am vergangenen Sonntag vermeldet wurde – die traditionelle Fronleichnamsprozession aus diesem Grund signifikant kürzer aus als sonst, da für die Fahrradsternfahrt der Altstädter Ring gesperrt wird. Mir würden dazu allerlei Anmerkungen zu Stichworten wie "unterschwelliger Antikatholizismus" oder "verkehrspolitischer Aktivismus als Götzendienst" einfallen, aber man kann's vielleicht auch übertreiben. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Was uns Jesus in der Vertraulichkeit des Abendmahlssaales geschenkt hat, bringen wir heute öffentlich zum Ausdruck, da die Liebe Christi nicht einigen wenigen vorbehalten, sondern für alle bestimmt ist. Alles nimmt seinen Anfang beim Herzen Christi, der beim Letzten Abendmahl, am Vorabend seines Leidens, Gott gedankt und Ihn gepriesen hat und so durch die Macht Seiner Liebe den Sinn des Todes, dem Er entgegenging, verwandelt hat. Die Tatsache, daß das Altarsakrament den Namen "Eucharistie" – "Danksagung" – erhalten hat, bringt genau dies zum Ausdruck: Die Verwandlung der Substanz von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi ist Frucht der Selbsthingabe Christi, Geschenk einer Liebe, die stärker ist als der Tod, der göttlichen Liebe, die Ihn von den Toten auferstehen ließ. Und deshalb ist die Eucharistie Speise des ewigen Lebens, Brot des Lebens. Aus dem Herzen Christi, aus Seinem "eucharistischen Gebet" am Abend vor Seinem Leiden und Sterben, entspringt jene dynamische Kraft, die die Wirklichkeit in allen ihren Dimensionen – kosmisch, menschlich und geschichtlich – verwandelt. 

(Benedikt XVI., Predigt zum Hochfest des Leibes und Blutes Christi am 23.06.2011 in der Lateranbasilika) 


Ohrwurm der Woche 

Liane Rudolph: Glühwürmchen-Idyll (aus der Operette "Lysistrata" von Paul Lincke) 

Vom Musikstil her zweifellos ziemlich untypisch für diese Rubrik, aber noch skurriler ist die Geschichte, wie und warum dieses Musikstück zum Ohrwurm der Woche geworden ist. Dafür ist nämlich allen Ernstes die in anderem Zusammenhang schon ein paarmal erwähnte Serie "Ninjago" verantwortlich: In der Folge "Die Oni und die Drachen" tritt Erdninja Cole undercover in einer Karaoke-Bar auf, wählt versehentlich das falsche Playback und muss daraufhin dieses Lied singen. In einigen weiteren Folgen taucht es als Running Gag auf; so singt es der von den Bösewichten gefangen genommene Cole, um seinen Bewacher zu nerven, und ein andermal singt er es, um ein schreiendes Baby zu beruhigen, das in Wirklichkeit der durch die Berührung mit einer Zeit-Klinge schlagartig verjüngte Sensei Wu ist. – Im Ninjago-Fandom-Wiki gibt es einen Artikel zu diesem Lied, der an und für sich wenig informativ ist, immerhin aber einen Link zu einem englischsprachigen Wikipedia-Artikel enthält, der mit allerlei Hintergründen zur Geschichte des Liedes und seiner Verwendung in verschiedenen Medien aufwartet. Hier sehen und hören wir es aber mal in seinem Originalkontext. 


Vorschau / Ausblick 

Heute Vormittag habe ich erneut mein Tochterkind zu den Wölflingen begleitet, worüber nächste Woche zweifellos ein paar Worte zu verlieren sein werden; außerdem ist heute auch noch Fiesta Kreutziga, und wenn man bedenkt, was für eine bedeutende Rolle dieses punkige Straßenfest für die erst unlängst gewürdigte Berufungsgeschichte (wenn man sie denn so nennen möchte) meiner reizenden kleinen Familie gespielt hat, war es ja eigentlich Ehrensache, dass wir da hingehen – auch dazu also im nächsten Wochenbriefing mehr. Was die morgige Fronleichnams-Nachfeier angeht, bin ich zwar von einem Leser meines Blogs nach St. Afra eingeladen worden, denke aber, dass wir im Interesse der Vernetzung in der Gemeindearbeit wohl doch unserer Spandauer Wahlpfarrei den Vorzug geben werden, die in Maria, Hilfe der Christen feiert. Den geselligen Teil nach der Prozession werde ich allerdings wohl ohne meine Familie bestreiten, da an diesem Tag auch eine der liebsten Schulfreundinnen unseres Tochterkindes ihren Geburtstag nachfeiert. Auch noch am selben Tag feiert die KiTa unseres Jüngsten ihr 20jähriges Bestehen, aber diese Feier wird dann wohl ohne uns stattfinden müssen. – Und sonst so? Am Dienstag habe ich Geburtstag – einen runden, ich werde allen Ernstes 50 Jahre alt, das hätte ich mir in meinen Teenagerjahren nicht träumen lassen, dass ich da mal hinkomme. Allerdings habe ich erst kürzlich gelesen, wie der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst – im Zusammenhang mit den ihm nachgesagten Ambitionen aufs Kanzleramt – als "noch jung" bezeichnet wurde, und das fand ich dann doch recht ermutigend, denn Wüst ist ein knappes Jahr älter als ich. – Am Mittwoch nach dem JAM ist der Elternabend zur Religiösen Kinderfreizeit, da müssen wir wohl hin, oder zumindest ich. Was die Woche sonst noch so bringen wird, bleibt abzuwarten, aber vormerken will ich schon mal, dass am kommenden Samstag bei uns um die Ecke eine temporäre Spielstraße eingerichtet werden soll... Ich bin gespannt! 


Donnerstag, 4. Juni 2026

Zehn Jahre Punkpastoral!

Wie die Zeit vergeht, Leser: Es ist tatsächlich schon zehn Jahre her, dass meine Liebste und ich, kurz nachdem wir gemeinsam einen Tagesausflug nach Leipzig zum 100. Deutschen Katholikentag unternommen hatten, im Zuge eines "Straßenfest-Crawls" bei der in der Punk- und Hausbesetzer-Szene verwurzelten "Fiesta Kreutziga" landeten und dort nach dem Motto "Wer, wenn nicht wir?" die Idee zu einer eigenen Laienapostolats-Initiative entwickelten, die darauf ausgerichtet sein sollte, die dahinsiechenden post-volkskirchlichen Strukturen, wie es in einem populären Kirchenlied heißt, "aus dem Schlaf der Sicherheit" aufzurütteln. Die Idee, für ein solches Ansinnen könne man Manches von der Punk-Bewegung lernen, hat zwar von Anfang an immer wieder zu Missverständnissen und Abwehrreaktionen geführt, die ich wohl auch mittels meines zweiteiligen Dossiers "Warum eigentlich 'Punkpastoral'?" (das ich Gleichwohl allen interessierten Lesern sehr ans Herz legen möchte) nicht endgültig habe besiegen können; umso mehr hat es mich aber gefreut, unlängst feststellen zu dürfen, dass es in anderen Winkeln der katholischen Welt durchaus ähnliche Denkansätze gibt. Man stelle sich mal vor, wie mir zumute war, als ich dieses Visual auf Instagram sah: 

Quelle hier

Was ich da sah, entpuppte sich als erster Teil einer Artikelserie, die die Punk-Bewegung der 70er Jahre als ein Aufbegehren gegen die Dominanz einer auf Hochglanz polierten Harmlosigkeit in der Popkultur betrachtet und argumentiert, eine solche auf Hochglanz polierte Harmlosigkeit präge heute auch das Erscheibungsbild der Kirche in der Öffentlichkeit – weshalb auch die Kirche einen Aufbruch hin zu mehr Authentizität, Leidenschaft, Nonkonformismus und Mut zum Risiko nötig habe. Entzückt war ich, festzustellen, dass der zweite Teil der Artikelserie auf Instagram mit einem Foto von Dorothy Day geschmückt ist: 

Quelle hier

Den kompletten Inhalt der Artikelserie gibt's auch als 30minütigen mündlichen Vortrag auf YouTube, und auch da steht das Foto von Dorothy Day auf dem Schreibtisch. 

Wollte ich nun dem jungen Mann gegenüber, der sich da auf Instagram und YouTube über Punk Catholicism verbreitet, Priorität beanspruchen, indem ich sage "Na hör mal, ich mach' schon seit zehn Jahren Punkpastoral", müsste ich mich wohl auf die Frage gefasst machen "Und was hat's gebracht?". Man könnte natürlich von vornherein bestreiten, dass das eine sinnvolle Frage ist. Die Hl. Mutter Teresa von Kalkutta sagte bekanntlich einmal: "Gott hat uns nicht dazu berufen, erfolgreich zu sein, sondern treu." Der Hl. Charles de Foucauld versuchte in der Sahara eine Ordensgemeinschaft zu gründen, fand aber niemanden, der sich ihm hätte anschließen wollen, und konnte auch als Missionar keine zählbaren Bekehrungserfolge vorweisen, aber über 100 Jahre nach seinem Tod existieren zahlreiche geistliche Gemeinschaften, die sich auf ihn als ihre spirituelle Leitfigur berufen. Nicht dass ich mich mit solchen Vorbildern messen wollte, aber es liegt schließlich in der Natur von Graswurzelarbeit, dass ihre Ergebnisse, aus der Distanz betrachtet, in der Regel eher klein und unauffällig sind. Ich verweise ja immer wieder gern auf den Babywickeltisch in der Besuchertoilette von Herz Jesu Tegel und das Büchertauschregal im Vorraum dieser Toilette: bleibende Zeugnisse unseres Engagements in der dortigen Gemeinde, und ich sage in vollem Ernst, wer weiß, wie vielen Menschen diese Einrichtungen im Laufe der Jahre gute und wichtige Dienste geleistet haben. Drei Jahre lang, von Frühjahr 2017 bis kurz vor dem ersten Corona-Lockdown, haben wir fast jeden Monat im Gemeindehaus von Herz Jesu Tegel ein "Dinner mit Gott" veranstaltet. Ein häufiger Teilnehmer dieser Veranstaltungsreihe wird nächste Woche zum Diakon geweiht. Ob unser "Dinner" irgendeinen Einfluss auf seinen Berufungsweg gehabt hat – wer weiß? Bei unseren wöchentlichen Lobpreisandachten in Herz Jesu Tegel kam es immer wieder vor, dass Leute, die nichtsahnend hereingeschneit waren, tief bewegt wurden. Und wenn ich mir meine Tätigkeit im Bereich Kinderkatechese in St. Joseph Siemensstadt ansehe, dann würde ich schätzen, die Zahl der Kinder, an deren religiöser Bildung ich mitwirken durfte, nähert sich nach knapp drei Jahren so allmählich dem dreistelligen Bereich. – Noch sehr viel mehr Menschen erreiche ich natürlich mit meinem Blog; wozu mir immer wieder die Begegnung mit einem Pastoralreferenten aus dem Bistum Münster beim Forum Altötting einfällt, der zu mir sagte "Sie werden mehr gelesen, als Sie denken." Und da kommt nun derjenige Aspekt ins Spiel, dem ich unter der Rubrik "Prinzipien der Punkpastoral oder Was würde ein Punk tun?" im zweiten Teil meines Punkpastoral-Dossiers das Motto "Wachstum durch Anregung oder Vom Apfel zum Baum" gegeben habe: Wie ich dort betonte, geht es mir, wenn ich "in meinen Wochenbriefings meine alltäglichen Bemühungen dokumentiere, in der Pfarrei, der Familie und anderswo eine christliche Graswurzelrevolution voranzutreiben",  

"nicht darum, zu sagen 'Schaut her, was ich alles mache', sondern zu sagen 'Du kannst das auch; oder wenn nicht genau das, dann etwas anderes'." 

Wenn indes die Arbeit, die ich in den letzten zehn Jahren im Sinne meines Konzepts von "Punkpastoral" betrieben habe, in Hinblick auf das Prinzip "Wachstum durch Anregung" ein Ergebnis gebracht hat, das man sozusagen vom Mond aus sehen kann, dann ist es die Tatsache, dass ich die "Benedikt-Option" nach Deutschland gebracht habe. Damit meine ich – das sei für die Nachwelt festgehalten –, dass ich nicht nur die offizielle deutsche Übersetzung von Rod Drehers so betiteltem Buch besorgt habe, sondern dass es sehr wesentlich auf meine Initiative zurückgeht, dass dieses Buch überhaupt auf Deutsch erschienen ist. Rod selbst würde das jederzeit bestätigen. Vom amtskirchlichen Establishment in Deutschland und der diesem verpflichteten Presse wurde das Buch zwar weitgehend ignoriert bzw. totgeschwiegen, hat sich aber trotzdem ziemlich gut verkauft – präzise Zahlen habe ich gerade nicht parat, aber über 5.000 Exemplare sind es inzwischen bestimmt, wozu zu sagen ist, dass der durchschnittliche Absatz auf dem deutschen Buchmarkt zwischen 2.000 und 3.000 Exemplaren pro Titel liegt. Und wie ein russisch-orthodoxer Priester aus Krefeld mal sehr treffend sagte: Jedes verkaufte Buch ist ein potentieller Kleingarten. In welchem Ausmaß und in welcher Form die #BenOp in den zurückliegenden Jahren ihre Leser dazu angeregt und motiviert haben mag, eigene Graswurzelinitiativen zu starten, werden wir vermutlich nie ganz genau erfahren, aber ich nenn' mal ein prominentes Beispiel: Maria 1.0. Ja, tatsächlich: Die ursprüngliche Initiatorin dieser Bewegung habe ich einmal bei der MEHR und einmal beim Forum Altötting getroffen, und bei einer dieser Begegnungen erzählte sie mir, ohne die #BenOp hätte sie sich nie (zu)getraut, eine solche Initiative ins Leben zu rufen, bzw. wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dass sie das könnte

– Wenn nun jemand wissen möchte, was für mich persönlich die Highlights der zurückliegenden zehn Jahre waren, dann muss ich an erster Stelle natürlich die Heirat mit meiner Liebsten und die Geburt unserer beiden Kinder nennen, und auf die denkbare Nachfrage hin, wie es nun aber speziell mit spirituellen Highlights aussehe, möchte ich betonen, dass die genannten Ereignisse selbstverständlich auch und nicht zuletzt eine spirituelle Dimension hatten und weiterhin haben, letzteres insofern, als sie selbstverständlich bis heute und auch für die Zukunft sämtliche Aspekte meines Lebens, den spirituellen nicht zuletzt, entscheidend prägen. Sprechen wir aber trotzdem mal über diejenigen Ereignisse und Erlebnisse der letzten zehn Jahre, an die man beim Stichwort "spirituelle Highlights" wohl vorrangig denken würde. Da wären zu nennen: 

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; aber wenn man sich hier mal die Jahreszahlen anschaut, dann ist es schon recht auffällig, was für eine Lücke die Corona-Zeit gerissen hat. Immerhin geht die Tendenz in jüngster Zeit wieder bergauf – und angesichts der allüberall zu beobachtenden "Quiet Revival"-Tendenzen ist mir diesbezüglich auch für die Zukunft nicht bange. Schon für diesen Sommer ist mit allerlei spannenden Entwicklungen zu rechnen, danach beginnt für meine Tochter die Erstkommunionvorbereitung und für mich aller Voraussicht nach die Ausbildung zum Gemeindereferenten – die ihrerseits wiederum allerlei neue Perspektiven eröffnen dürfte, auf mittlere Sicht womöglich sogar für das Projekt "Pfarrhausfamilie". Wie immer gilt, dass meine Familie und ich ausgesprochen dankbar für Unterstützung im Gebet sind; wer uns darüber hinaus auch materiell unterstützen möchte, dem sei ein Abonnement unserer Patreon-Seite "Mittwochsklub" empfohlen – ab 5 € im Monat! 

Hasta la victoria siempre! 



Samstag, 30. Mai 2026

Utopie und Alltag 27: Mut zur Lücke!

Schon ein paarmal, o Leser, habe ich in der Geschichte meines Blogs ein Zitat aus dem Roman "Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman" von Lawrence Sterne gebracht, wo der Titelheld und Ich-Erzähler versucht, seine Autobiographie zu schreiben, und dabei klagt: "The more I write, the more I shall have to write!". Und im Moment geht's mir mal wieder so. Die Liste der Themen, über die ich schreiben will – sei es im Rahmen der Reihe Utopie und Alltag oder außerhalb davon – wird immer länger, immer wieder sage ich mir "Nächste Woche komme ich aber bestimmt dazu!", und dann ist plötzlich schon wieder eine Woche rum. Auch in der zurückliegenden Woche bin ich, wie ich gestehen muss, wieder nicht annähernd so produktiv gewesen, wie ich mir das vorgestellt oder gewünscht hätte – und das liegt nicht nur daran, dass meine Liebste, während dieses Wochenbriefing online geht, als Helferin beim Alpha-Kurs-Wochenende in Falkensee eingespannt ist und darum nicht der Familie zur Verfügung steht; auch das lange Pfingstwochenende hatte seinen Anteil daran, dazu kamen die Vorbereitungen für die KiTa-Reise des Jüngsten und gesundheitliche Unpässlichkeiten bei mehreren Familienmitgliedern. Meine Ankündigung von vor einer Woche, ich wolle mich mal wieder "um Themen wie meine Ausbildung zum Gemeindereferenten, die Religiöse Kinderfreizeit und die 'Guerilla-Urlauberseelsorge' in Butjadingen" kümmern, habe ich bei alledem nur in sehr eingeschränktem Maße verwirklichen können. Zur RKF kann ich immerhin ein paar Überlegungen vorstellen, die ich im Wesentlichen bereits erarbeitet habe, als ich am Himmelfahrtswochende "sturmfrei" hatte; Updates zu den beiden anderen genannten Themen werden hingegen mindestens noch eine weitere Woche warten müssen. Zu berichten gibt's aus der vergangenen Woche aber auch so einiges... Sieh selbst, o Leser! 

Gute Message, gesehen nahe der Frankfurter Allee in Berlin-Lichtenberg. 


Auf dem christlichen Hüpfburgenfest 

Am vergangenen Samstag machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zum Stadtpark Lichtenberg, wo das Kinderprogramm eines freikirchlichen Evangelisierungs-Events namens "City of Light" stattfand. Vor gut eineinhalb Jahren, im September 2024, waren wir da auch schon mal gewesen, allerdings hatte ich das auf meinem Blog nur beiläufig (und obendrein mit Verspätung) erwähnt und die Ankündigung, darauf noch ausführlicher zurückzukommen, uneingelöst gelassen. Dass wir diesmal erneut mit von der Partie waren, war hauptsächlich dadurch veranlasst, dass – man höre und staune – eine Mitarbeiterin der Schule unseres Tochterkindes uns die Veranstaltung empfohlen hatte. Das ist eigentlich eine Geschichte für sich, da komme ich vielleicht an anderer Stelle noch drauf zurück. 


Meine Erinnerungen an das City of Light-Kinderprogramm von 2024 war in Ermangelung schriftlicher Aufzeichnungen eher lückenhaft, aber hängen geblieben war bei mir der Eindruck, dass die Veranstalter nicht mit so viel Publikum gerechnet hatten, wie dann tatsächlich kam, und das Team infolgedessen etwas überfordert mit dem Andrang war. Daraus hatte man nun offenbar gelernt, denn schon auf den ersten Blick sah die Veranstaltung ein paar Nummern größer aus, als ich sie in Erinnerung hatte. Das schlug sich schon allein darin nieder, dass es auf dem Festgelände nicht eine oder zwei, sondern fünf Hüpfburgen gab. Darüber hinaus gab's Kinderschminken, Geschicklichkeitsspiele wie "Luftballon-Dart", einen Stand, an dem man sich Luftballontiere basteln lassen konnte, und eine "Snackstation" mit Zuckerwatte, Popcorn und Getränken – alles gratis. (Ab Mittag kam auch noch ein Würstchengrill dazu.) Ein wesentlicher Bestandteil des Events war ein Van mit der Aufschrift "Kidsfest Kinderkirche", an dessen offene Seitentür eine Bühne angebaut war. 


Bible-Män hat einen Bibelvers mitgebracht. 

Der Programmablauf sah vor, dass es immer abwechselnd eine Stunde freie Spielzeit und eine halbe Stunde Bühnenprogramm geben sollte; während des Bühnenprogramms, das seinerseits aus Spielen, Musik und einer katechetischen Darbietung bestand, hatten die Hüpfburgen und sonstigen Stände, einschließlich der "Snackstation", Pause. Zur ersten Runde des Bühnenprogramms versammelten sich schätzungsweise 70 Kinder im Vor- und Grundschulalter vor der Bühne, bei der zweiten waren es schon um die 90. Einige der Spiele, die im Rahmen des Bühnenprogramms vorgeführt bzw. zusammen mit dem Publikum gespielt wurden, gefielen mir recht gut, und ich überlegte, ob man sie beispielsweise für die RKF verwenden könnte; was die katechetischen Elemente anging, stand im Mittelpunkt des ersten Programmblocks eine Geschichte aus Max Lucados Buch "Du bist einmalig", die ich schon vom JAM her kannte, und im zweiten Block gab es eine Pantomime zum Thema Sünde und Vergebung. 

Jesus schenkt Friede, Freude und Liebe, nicht jedoch Eierkuchen. 

Es hätte noch zwei weitere Programmblöcke gegeben, aber so lange blieben wir nicht, da die Kinder am Nachmittag noch eine Spielverabredung hatten. – Bekannte trafen wir übrigens nicht, was vielleicht gar nicht so überraschend ist, wenn man bedenkt, dass das Event in einer ganz anderen Ecke Berlins stattfand als der, in der wir uns sonst überwiegend bewegen. Aber irgendwie hatte ich doch damit gerechnet, beispielsweise jemanden von der EFG The Rock Christuskirche oder der Gemeinde auf dem Weg zu treffen. Da kann man jetzt natürlich sagen, das Ausbleiben solcher Begegnungen zeigt, dass – anders als man manchmal denken könnte – die christliche Szene in Berlin doch nicht so überschaubar ist, dass da jeder jeden kennt und man überall dieselben Leute trifft. 

Nebenbei sei erwähnt, dass der Schauplatz dieses Fests weniger als einen Kilometer von der katholischen Kirche St. Mauritius entfernt lag. Ich sag mal: Wenn ich da Gemeindereferent wäre, würde ich gerne mal mit den Veranstaltern Möglichkeiten einer Kooperation sondieren, mindestens aber in "meiner" Gemeinde für das Event werben und mit dem Erstkommunionkurs dort hingehen. ("Und wenn, wie in diesem Jahr, die Erstkommunion dann schon vorbei ist?" – "Dann erst recht!") Na, kann ja noch kommen, wer weiß... 


Ein besonderes Pfingsten 

Am Pfingstsonntag gingen wir in St. Joseph Siemensstadt in die Messe, wo – wie am Sonntag zuvor bereits angekündigt worden war – eine Jugendliche und vier junge Erwachsene getauft wurden und eine weitere junge Erwachsene konvertierte. "Wenn ihr heute hier seid, dann, weil der Heilige Geist existiert", begrüßte der Pfarrvikar diese jungen Leute zu Beginn der Messe. "Dies ist ein besonderes Pfingsten: Es ist ein Moment, wo der Heilige Geist die Herzen der Menschen berührt, euch berührt hat, und ihr habt eine Antwort der Liebe gegeben." 

Da es sich in jüngster Zeit als vorteilhaft erwiesen hatte, dass unsere Kinder in der Kirche etwas Abstand voneinander haben, setzte sich meine Liebste mit unserem Jüngsten in eine Bank und ich mich mit dem Tochterkind in eine andere; da unsere Große gern möglichst weit nach vorne wollte und ich das auch guthieß, nahmen wir unmittelbar hinter der letzten der für Familien und Freunde der Täuflinge reservierten Bankreihen Platz – und bekamen dadurch mit, wie eine junge Frau, die in dieser Messe getauft und gefirmt wurde, ihren Angehörigen freudestrahlend mitteilte, eine Bekannte – Arbeitskollegin oder so –, die sie zwar eingeladen, aber eigentlich nicht erwartet hatte, dass sie kommen würde, sei nun doch da. Auch ohne irgend etwas über die Hintergründe zu wissen, fand ich diese Freude ausgesprochen anrührend; ebenso auch, dass dieselbe junge Frau im nächsten Moment jemanden, der noch eine Reihe weiter vorn saß, daran erinnerte, ihrer Oma den Link zum Livestream zu schicken. 

Insgesamt hatte es den Anschein, dass in den reservierten Bänken überwiegend ein eher kirchenfernes, mit dem Ablauf der Messe wenig vertrautes Publikum Platz nahm; so ähnlich wie bei der Erstkommunion, könnte man sagen, aber so ganz dasselbe war das eben doch nicht. Es erscheint fast zu offensichtlich, um es auszusprechen, aber der entscheidende Punkt ist hier natürlich, dass Erwachsenentaufen in einer Konfession, in der die Kindertaufe als normativ gelehrt und praktiziert wird, immer etwas Außergewöhnliches sind, egal wie sehr ihre Zahl in den letzten Jahren zugenommen hat. Anders ausgedrückt: Taufen im Säuglings-oder Kleinkindalter, gefolgt von Erstkommunion im Grundschul- und Firmung im Teenageralter, sind systemimmanent; die Erwachsenentaufe ist es nicht. Wer sich als Erwachsener oder älterer Jugendlicher in der katholischen Kirche taufen lässt, der kommt von außerhalb der etablierten Strukturen, und schon allein dieser Umstand verleiht der Erwachsenentaufe einen offensichtlicheren Zeugnischarakter. Die Leute, die in den für Familie und Freunde reservierten Bänken Platz nehmen, sind bei der einen Veranstaltung nicht zwangsläufig mehr oder weniger kirchenfern als bei der anderen, aber es steht dennoch zu vermuten, dass das Geschehen, dessen sie Zeugen werden, anders auf sie wirkt: Eine Erstkommunion, und ebenso eine Kindstaufe, mag jemand, der mit dem Glauben nichts am Hut hat, als eher brauchtümlich-konventionellen Rahmen und Anlass für eine Familienfeier wahrnehmen, an der er teilnehmen kann, ohne dass dies seinen eigenen Glauben oder Nichtglauben irgendwie tangierte; das ist bei einer Erwachsenentaufe nicht so einfach. Eine Erwachsenentaufe ist, auch wenn gewisse Religionssoziologen diesen Umstand gern wegdiskutieren möchten, prinzipiell Frucht und Ausweis einer Bekehrung, und eine solche lässt auch das Umfeld des Bekehrten nicht unberührt. Das heißt nicht zwangsläufig, dass sie in diesem Umfeld nach Art eines Domino-Effekts weitere Bekehrungen auslöst; aber gar so unwahrscheinlich ist es wohl nicht, dass jemand, der sich im Erwachsenenalter dem christlichen Glauben und dann auch noch ausgerechnet der so viel gescholtenen katholischen Kirche zuwendet, auch den Menschen in seinem Umfeld, die dies miterleben, eine Tür oder zumindest ein Fenster öffnet. Nicht umsonst erwähnte der Pfarrvikar in einer Predigt im vergangenen Advent, von den Leuten in seinem Taufkurs sei die Hälfte einfach deshalb da, "weil sie einen Christen gesehen haben – weil sie einen Christen kennen, der sie zu Gott geführt hat; wo sie etwas gesehen haben, wovon sie sagen: Das möchte ich auch haben." – Ich denke nun natürlich darüber nach, ob nicht auch die Erstkommunion einen solchen Zeugnischarakter gegenüber den Leuten in den reservierten Bänken haben könnte und sollte, die sich zu diesem Anlass ausnahmsweise mal in die Kirche verirren; inwieweit dabei der Umstand in Rechnung zu stellen wäre, dass der post-volkskirchliche Kulturkatholizismus, der dazu führt, dass ansonsten kirchenferne Familien ihre Kinder trotzdem zur Erstkommunion gehen lassen möchten, weil es für sie immer noch irgendwie "dazugehört", ohnehin im Schwinden begriffen ist; und ob es einem solchen Zeugnischarakter nicht zuträglich sein könnte, Erstkommuniongottesdienste ernster und feierlicher und mit weniger Firlefanz und Pipifax zu gestalten. Das ist wohl ein Thema, mit dem ich nicht so bald fertig werde. 


Währenddessen in Reinickendorf-Süd 

Was ich im vorigen Wochenbriefing nicht erwähnt habe, ist, dass ich in der Woche, in der mein Jüngster wegen Erkältung nicht zur KiTa gehen konnte oder wollte, zweimal – am Dienstag und am Donnerstag – mit ihm "Beten mit Musik" in St. Joseph Tegel war. Bei einer dieser Gelegenheiten nahm ich mir den neuen Pfarrbrief mit – die "Sommerausgabe" quasi, die den Zeitraum von Juni bis August abdeckt. Ich bin zwar zunehmend überzeugt, dass das Medium "Pfarrbrief" in seiner gängigen Form eigentlich passé ist und im Grunde eine enorme Ressourcenverschwendung darstellt, und für den der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd gilt das dank der tragikomischen Inkompetenz der Redaktion (und wohl auch und nicht zuletzt dank der allgemeinen Richtungslosigkeit der ganzen Pfarrei, die aber wohl weniger ein Alleinstellungsmerkmal als vielmehr "typisch post-volkskirchlich" ist) in besonders augenfälligem Maße; aber ein paar interessante Dinge standen doch drin. Ein Beitrag – mit der Überschrift "Die Zukunft der Gottesdienstordnung" und namentlich gezeichnet vom Pfarrer – wäre, obwohl gerade mal eine Seite lang, möglicherweise sogar ergiebig genug für einen eigenständigen Blogartikel, also komme ich vielleicht noch einmal ausführlicher darauf zurück; halten wir jedenfalls erst einmal fest, dass dieser Text durch das Problem veranlasst ist, dass die Pfarrei in Hinblick auf ihr geistliches Personal unterbesetzt ist. Wie berichtet, ist um den Jahreswechsel herum ein von der Diözese Owerri in Nigeria ans Erzbistum Berlin "ausgeliehener" Priester, nachdem er hier gut acht Jahre lang als Pfarrvikar tätig gewesen war, in den Ruhestand getreten und in seine Heimat zurückgekehrt; da seine Stelle bisher noch nicht wieder neu besetzt werden konnte, sind die im Personalschlüssel eigentlich für diese Pfarrei vorgesehenen Priesterstellen seither zu einem Drittel unbesetzt. Zwar sind neben dem Pfarrer noch zwei Pfarrvikare, beides Ordenspriester, in St. Klara Reinickendorf-Süd tätig, beide jedoch nur mit einer 50%-Stelle. Dass das in einer Pfarrei mit sieben Kirchen Probleme verursacht, kann man sich leicht ausrechnen. Eine Vollzeitstelle hat im Pastoralteam von St. Klara neben dem Pfarrer derzeit nur der Diakon, dessen Stellung damit natürlich an Gewicht zunimmt; insbesondere schlägt sich dies in einer vom Liturgieausschuss der Pfarrei erarbeiteten und vom Pfarreirat beschlossenen "Rahmen-Gottesdienstordnung" nieder, die sicherstellen soll, dass auch zukünftig "in jeder unserer Kirchen zu regelmäßigen Zeiten ein Gottesdienst gewährleistet" werden kann. Diese Rahmen-Gottesdienstordnung sieht vor, dass die bisherigen "zehn Sonntagsgottesdienste" in der Pfarrei – drei am Vorabend, sechs am Sonntagvormittag und einer am Sonntagabend – "zunächst beibehalten werden, allerdings vermehrt als Wort-Gottes-Feiern". Der Diakon wird also zukünftig noch mehr predigen dürfen als bisher, und obendrein sollen auch "unsere (ehrenamtlichen) Gottesdienstbeauftragten" verstärkt zum Zuge kommen. – Man könnte natürlich auf die Idee kommen, gerade auch angesichts der räumlichen Nähe der Kirchenstandorte zueinander (vier der sieben Kirchen, nämlich Herz Jesu, St. Joseph, Allerheiligen und St. Bernhard, sind jeweils nur rund 2 km voneinander entfernt) wäre es den Gemeindemitgliedern durchaus zuzumuten, einen etwas weiteren Weg zur Sonntagsmesse zurückzulegen, und man könnte daher, bis die derzeit vakante Pfarrvikarsstelle wieder besetzt ist, ein paar Sonntagsgottesdienste einsparen; aber man scheut sich wohl, einzelne Kirchenstandorte zu benachteiligen, und das hat, wie der diesem Thema gewidmete Pfarrbriefartikel zwischen den Zeilen zu verstehen gibt, unter anderem mit dem Immobilienentwicklungsprozess des Erzbistums zu tun. Das wäre nun allerdings einer der Aspekte des Artikels, die man mal an anderer Stelle vertiefen müsste. – Und wenn man nun eine solche Standortbenachteiligung dadurch vermeiden würde, dass man beispielsweise im Zwei-Wochen-Rhythmus abwechselnd an einander benachbarten Standorten die Messe feiert? Da ahne ich den Einwand, insbesondere ältere Gemeindemitglieder würden das nicht auf die Reihe kriegen und sonntags vor der falschen Kirchentür stehen. Da nützt es wohl auch nichts, darauf hinzuweisen, dass ein solches System in anderen Pfarreien, in denen die Kirchorte erheblich weiter voneinander entfernt sind, sehr wohl funktioniert

Zum Mangel an geistlichem Personal in der Pfarrei St. Klara sei übrigens noch angemerkt, dass es noch vor wenigen Jahren drei im Pfarreigebiet lebende Ruhestandsgeistliche gab, die bei Bedarf zur Zelebration herangezogen werden konnten, aber die sind inzwischen alle verstorben. Allerdings war ich am Mittwoch spontan in St. Marien Maternitas in Heiligensee in der Messe, nachdem ich im Zelebrationsplan einen mir nicht bekannten Namen gelesen hatte. Wie sich zeigte, handelte es sich um einen Ruhestandsgeistlichen aus Velten, der so etwa Mitte 80, aber noch gut beieinander war und erfreulich schnörkelllos und geradlinig zelebrierte. Vor der Messe gab es eine Maiandacht, die die ehrenamtliche Küsterin/Lektorin/Ministrantin aus Texten aus dem alten Gotteslob und einem noch aus ihrer Kindheit stammenden Buch zusammengestellt hatte, und auch die fand ich gut – was umso erfreulicher war, als es meine einzige Maiandacht in diesem Jahr war. 

Aber mal zurück zum Pfarrbrief: Gerade mal zehn Zeilen lang ist ein Artikel unter der Überschrift "Neuer Akzent – Regenbogen-Gottesdienst" im Abschnitt über die Gemeinde St. Rita. Einleitend heißt es da: 

"Das Erzbistum Berlin (EBO) engagiert sich zunehmend für queersensible Pastoral, um auch queeren Menschen Räume für Gemeinschaft und Seelsorge in den Gemeinden zu schaffen. Es werden unter anderem Gottesdienste angeboten und die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist möglich." 

Alles zu sagen, was mir zu diesen wenigen Zeilen einfiele, würde hier entschieden den Rahmen sprengen, daher beschränke ich mich hier mal darauf, den schon früher festgehaltenen Eindruck zu wiederholen, queersensible Pastoral in Reinickendorf-Süd sei ein bisschen wie "Gay Pride in Stars Hollow": Das liegt halt gerade im Trend, da muss man irgendwie mitmachen, auch wenn man sich dafür "queere Menschen" aus anderen Gemeinden ausleihen muss, weil man selbst zu wenige hat. Sogar die biedere Nordwest-Zeitung leistet sich seit einiger Zeit eine Queer-Kolumne. Das besonders Tragikomische an diesem Hinter-dem-Trend-Herhecheln ist nun allerdings, dass es in diesem Fall eindeutig zu spät kommt: Einem Satz wie "[D]ie Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist möglich" kann man nach jüngsten Klarstellungen von Papst und Glaubensdikasterium ja im Grunde nur ein simples "Eben nicht!" entgegenhalten. 

Für den "Regenbogen-Gottesdienst" in St. Rita kamen diese Klarstellungen indes womöglich zu spät: "Erstmals fand im März ein Regenbogengottesdienst statt, den Pater Felix zelebrierte", erfährt man im Pfarrbrief. Pater Felix, das ist der neue Prior des Augustinerklosters St. Rita, der zugleich Hochschulseelsorger an der KSG Edith Stein ist. Dass der bei sowas mitmacht, enttäuscht mich irgendwie – obwohl ich andererseits nicht wüsste, wieso die eine von ihm zelebrierte Messe, die ich bisher miterlebt habe, mich hätte veranlassen sollen, Besseres von ihm zu erwarten. 

Dass es über diesen Regenbogengottesdienst in St. Rita heißt, er habe "[e]rstmals [...] im März" stattgefunden, darf man wohl als Hinweis darauf verstehen, dass es zukünftig weitere Veranstaltungen dieser Art geben soll; unterstrichen wird dieser Eindruck durch den Schlusssatz des Artikels, welcher lautet: "Zu diesen Gottesdiensten sind alle Menschen herzlich eingeladen, denn der Regenbogen ist das Symbol für die Verbindung von Gott mit den Menschen". Inhaltlich ein klarer Fall von "Für dumm verkaufen kann ich mich alleine", zugleich aber auch bezeichnend für das stilistische und gedankliche Niveau dieser Publikation. Mehr will ich dazu mal lieber nicht sagen. 

Eine wichtige Rolle spielen in diesem Pfarrbrief auch die anstehenden Gremienwahlen; die sind zwar erst im November, aber in Relation zu der Tatsache, dass der Pfarrbrief nur einmal in drei Monaten erscheint, ist das ja gar nicht mehr sooo lange hin. Jedenfalls scheint es, dass nicht nur in dieser Pfarrei händeringend nach Leuten gesucht wird, die sich zu einer Kandidatur bereit finden, sondern dass insgesamt seitens des Erzbistums ein beträchtlicher Aufwand betrieben wird, um die Kirchenmitglieder für die Wahlen zu interessieren. So hofft man offenbar der notorisch schwachen Wahlbeteiligung aufzuhelfen, indem erstmals die Möglichkeit zur digitalen Stimmabgabe geschaffen wird: 

"Wahlberechtigte erhalten ab etwa Mitte Oktober ein individualisiertes Schreiben direkt nach Hause. Mit diesem erhalten Wählende Zugriff auf die elektronischen Wahlzettel und können diese direkt ausfüllen." 

Na, wenn's schee macht! Gleichzeitig wird Pfarrbrieflesern, die womöglich "Bedenken bezüglich der digitalen Wahl haben", zugesichert, dass auch "Möglichkeiten vor Ort zur Verfügung stehen" werden, "damit auch Sie Ihre Stimme abgeben können". 

Foto aus St. Joseph Siemensstadt. 

Übrigens habe ich, wenn ich über die Gremienwahlen schreibe und dies auch noch gezielt mit der Pfarrei St. Klara in Zusammenhang bringe, natürlich durchaus die Absicht, die Gerüchteküche hinsichtlich der Frage, ob ich etwa für den Gemeinderat von Herz Jesu Tegel kandidieren will, am Köcheln zu halten; zugleich möchte ich aber nicht verschweigen, dass inzwischen auch die Anregung bzw. der Wunsch an mich herangetragen worden ist, ich solle für den Gemeinderat von St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst und/oder für den Pfarreirat der Großpfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland kandidieren. Wozu ich sagen möchte: Natürlich ist es schmeichelhaft, so gefragt zu sein; und sicherlich hat es auch eine gewisse Stimmigkeit, zu argumentieren, wenn man sich schon dem Fegefeuer der Gremienarbeit aussetzen will, wäre es doch am sinnvollsten, das dort zu tun, wo man sowieso schon ehrenamtlich tätig ist. Aber ehrlich gesagt sehe ich das nicht ganz so. Einerseits hätte ich die Befürchtung, dass es zwischen Gremienarbeit, so wie ich sie bisher kennengelernt habe, und eigenem ehrenamtlichen Engagement eher Interessenkonflikte als positive Synergieeffekte geben könnte; und andererseits fühle ich mich, wie der "fromme Chaot" sagen würde, "innerlich geführt", dahin zu gehen, wo die Not am größten ist. Weniger pathetisch ausgedrückt: In Tegel sehe ich mehr Potential, etwas zu bewegen, gerade deshalb, weil da die Notwendigkeit, dass sich etwas bewegt, größer ist. Ich möchte derweil allerdings klarstellen, dass es noch keineswegs sicher ist, ob ich überhaupt zu den Gremienwahlen antrete. Ich fürchte, meine Liebste würde mir was husten... 


Update RKF: Wenn der Küchenhelfer sein eigenes Süppchen kocht 

Mit den von einem Team aus dem Bistum Dresden-Meißen erstellten Materialien für die diesjährige Religiöse Kinderwoche (RKW) – die in der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst seit ein paar Jahren Religiöse Kinderfreizeit (RKF) heißt – habe ich mich, nachdem ich vor zwei Wochen ein recht ungnädiges Gesamturteil darüber abgegeben habe, inzwischen etwas eingehender befasst; das Ergebnis könnte man als zwiespältig bezeichnen, aber so ganz die richtige Bezeichnung ist das wohl doch nicht. Auf der einen Seite hat das genauere Studium der Materialien nämlich zwar ergeben, dass es da im Detail – in den Spiel- und Bastelvorschlägen, aber zum Teil auch in den "Anspielen", in den Andachten zum Tagesabschluss und in den Entwürfen zu Kleingruppenkatechesen – durchaus mehr gibt, was ich als brauchbar einschätzen würde, als ich es auf den ersten Blick vermutet hätte; gleichzeitig und andererseits hat dies jedoch nicht dazu geführt, dass ich mein negatives Gesamturteil revidieren möchte – eher im Gegenteil. Wie bereits angedeutet, sehe ich das Kernproblem des vorgegebenen Gesamtkonzepts darin, dass es nicht im eigentlichen Sinne auf Katechese abzielt, sondern vielmehr durch und durch vom "Moralistisch-Therapeutischen Deismus" geprägt ist. Mose erscheint in den Materialien als "Archetyp für unsere gegenwärtigen Lebenserfahrungen", als welche etwa "innere Zerrissenheit", "die Vielschichtigkeit von Erlebnissen und der eigenen Identitäten" und die "Suche […] nach sich selbst" angesprochen werden; der moralistische Aspekt des MTD ist vorangig in Gestalt linksliberal ausgerichteter politischer Bildung präsent, wobei es fast schon eine Erleichterung darstellt, dass die Urheber dieses RKW-Konzepts nicht auf die Idee gekommen sind, die Ägyptischen Plagen unter Klimawandel-Gesichtspunkten zu betrachten

Wenig ergiebig sind die RKW-Materialien hingegen in Hinblick darauf, die Geschichte des Mose als die Geschichte vom Bund Gottes mit Seinem Volk erfahrbar zu machen, was ich eigentlich als das Wesentliche an diesem biblischen Stoff betrachten würde. Davor, das Alte Testament im Licht des Neuen zu deuten – wie es schon die Kirchenväter, ja im Grunde sogar schon die Verfasser des Neuen Testaments selbst getan haben – wird in der "Theologischen Hinführung" des RKW-Materialienbuchs unter dem Stichwort "Stolperfallen" sogar ausdrücklich gewarnt: In den Katechesen müsse "jeder Gedanke einer Ersetzung des Alten Bundes (Judentum) durch eine vermeintlich bessere, neue Version des Bundes (Christentum)" vermieden werden, denn eine solche Sichtweise führe "direkt in den Antijudaismus und von da in den Antisemitismus". – Sagen wir mal so: Eine gewisse Sensibilität gegenüber der Gefahr, unterschwellig antisemitische Ressentiments zu füttern, ist sicherlich begrüßenswert und gerade im heutigen politischen Klima angebracht, aber das sollte nicht als Ausrede dafür dienen, einer spezifisch christlichen Perspektive auf das Alte Testament auszuweichen. Ich würde zum Beispiel nicht darauf verzichten wollen, den Durchzug durchs Rote Meer als Bild für die Taufe zu deuten und den Zusammenhang zwischen Pessach und Letztem Abendmahl aufzuzeigen. 

Bedenken muss man bei alledem natürlich, dass die RKW gewissermaßen ein "Markenartikel" ist, der in den ostdeutschen Bistümern fest etabliert ist und einen guten Ruf genießt; und wenn eine Pfarrei oder Gemeinde dieses Format anbietet, ist es – auch wenn die Veranstaltung in Siemensstadt/Haselhorst geringfügig anders heißt – einigermaßen folgerichtig, dass die Erwartung im Raum steht, die Veranstaltung habe im Großen und Ganzen dem vorgegebenen Konzept zu folgen. Hinzu kommt, dass ich – wie ich neulich schon mal betont habe – offiziell nur als Küchenhelfer im Team bin. Auch so bin ich zwar grundsätzlich optimistisch, in Absprache mit den anderen Teammitgliedern einige Akzente zur Verbesserung des katechetischen Niveaus der RKF setzen zu können, aber mehr als ein paar Akzente werden es realistischerweise wohl nicht werden – jedenfalls diesmal noch nicht. Auf längere Sicht könnte ich mir sehr wohl vorstellen, auf der Basis dessen, was mir an den Materialien für die diesjährige RKW so alles nicht gefällt, ein Alternativkonzept für eine Kinderbibelwoche zum Thema Mose zu entwickeln und dieses dann auch in die Praxis umzusetzen. Ich komme bei Gelegenheit noch auf das Thema zurück... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Brüder! Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet. Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. Denn wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.

(1. Korinther 12,3b-7.12-13; 2. Lesung vom Pfingstsonntag) 


Ohrwurm der Woche 

The Doors: L.A. Woman 

Ja, da ist natürlich das City of Light-Event dran schuld. Are you a lucky little lady in the city of light?, heißt es im Titelsong des letzten zu Lebzeiten von Frontmann Jim Morrison produzierten Albums der Doors. Ob man diese Platte als das Meisterwerk der Gruppe bezeichnen möchte, mag Geschmackssache sein, aber ich könnte mir vorstellen, dass Mancher, dem die frühen Doors zu psychedelisch sind, an dem geradlinigen und doch virtuosen Bluesrock von "L.A. Woman" umso mehr Freude haben dürfte. Zu dem von einem Fan erstellten Video sei noch angemerkt, dass es an die beliebte Verschwörungstheorie anknüpft, Jim Morrison alias "Mr. Mojo Risin'" habe seinen Tod nur vorgetäuscht: Am Anfang des Videos sieht man, wie der Sänger seine eigene Todesnachricht im Autoradio hört. 


Vorschau/Ausblick

Wir sind noch mittendrin im Alpha-Kurs-Wochenende; genauer gesagt ist zu dem Zeitpunkt, da dieses Wochenbriefing online geht, schon etwas mehr als die Hälfte des Kursprogramms rum, und deutlich mehr als die Hälfte der Zeit, die die Kinder ihre Mutter nicht gesehen haben. So oder so wird es im nächsten Wochenbriefing allerlei darüber zu berichten geben, was ich an diesem Wochenende so alles mit den Kindern unternommen habe – an erster Stelle wäre hier sicher das heutige Wölflings- und Wichtelgruppentreffen zu nennen – oder noch unternehmen werde, wozu es u.a. gehört, dass am morgigen Dreifaltigkeitssonntag in St. Joseph Siemensstadt KiWoGo ist. Und um's mal ein bisschen spannend zu machen: Was heute in der Post war, dürfte ebenfalls mindestens einen thematischen Abschnitt im nächsten Wochenbriefing wert sein. Darüber, was meine Liebste an diesem Wochenende erlebt hat, dürfte es, so hoffe ich, ebenfalls einiges zu sagen geben; dann folgen ein paar voraussichtlich eher normale Schul- und Arbeitstage, aber am Donnerstag ist einerseits Fronleichnam, andererseits das Jubiläum "10 Jahre Punkpastoral", und natürlich gilt es beides gebührend zu feiern – letzteres mit einem separaten Jubiläumsartikel, der auch schon in Vorbereitung ist, wohingegen die Frage, wie genau wir in diesem Jahr Fronleichnam feiern wollen, tendenziell weniger leicht zu beantworten ist: Die Teilnahme an der zentralen Fronleichnamsfeier des Erzbistums Berlin war ja in der Vergangenheit meist eher nicht so erfreulich, aber andererseits nehmen die Schöneberger KPE-Pfadfinder mit Kluft und Banner an der Prozession teil, und da wäre es ja schon schön, wenn unser Wölflingsmädchen da mitliefe. Am Sonntag, wenn Fronleichnam auf Pfarreiebene "nachgefeiert" wird, stellt sich erneut die Frage, wo wir uns zuordnen wollen, aber das fällt ja bereits in den Berichtszeitraum des übernächsten Wochenbriefings.