...mit gelegentlichen Abstechern nach Nordenham bzw. Butjadingen! Brainstorming für eine christliche Graswurzelrevolution - von Kneipenapostolat bis Punkpastoral, von "Benedict Option" bis Dorothy Day (und zurück). Nicht Sandsäcke auftürmen, sondern eine Arche bauen. Politik wird uns nicht retten.
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Tja, Freunde: Wir befinden uns im achten Monat seit der Gründung der Zeitschrift "Lebendige Steine", und zum ersten Mal in dieser Zeitspanne war die neue Ausgabe nicht pünktlich zum Monatsanfang fertig. Ich lern's aber auch einfach nicht: Erst habe ich, wie einst in Studententagen, zu spät angefangen, in dem Irrglauben, "noch sooo viel Zeit" zu haben; dann war der September plötzlich schon halb rum, ich hatte noch so gut wie nichts geschafft, und es lag auch noch eine Woche Urlaub in Butjadingen und Ostfriesland vor mir. Na gut, dachte ich mir, nimmste halt ein bisschen Arbeit in den Urlaub mit.
Finde den Fehler.
Wie man sich hätte denken können, kam ich im Urlaub exakt zu nichts und musste die eine Woche Arbeit, die mir dadurch fehlte, wohl oder übel hinten dranhängen. Aber jetzt ist das Heft fertig! Hier der Link zum Download.
Schade ist natürlich, dass der Gedenktag jener Heiligen, der dieses Heft in besonderer Weise gewidmet ist, schon vorbei ist; nämlich der Gedenktag der Hl. Thérèse von Lisieux am 1. Oktober.
Die "kleine Hl. Thérèse"- wie sie zur Unterscheidung von der "großen" Hl. Teresa von Ávila gern genannt wird -hat mich von jeher fasziniert, seit ich mit etwa sechs Jahren während eines Familienurlaubs in der Normandie, wo einer meiner Großväter auf einem Soldatenfriedhof bestattet ist, die Basilika Sainte-Thérèse in Lisieux besucht habe; gleichzeitig ist sie mir aber auch lange fremd geblieben. Ich erinnere mich dunkel, als Teenager den Film Thérèse von Alain Cavalier (1986) im Fernsehen gesehen zu haben; so fragmentarisch meine Erinnerungen an diesen Film sein mögen, weiß ich doch noch, dass er mich eher irritierte, und ich glaube, dass diese Zuschauerreaktion von den Machern des Films auch intendiert ist: dass es dem Film gerade darum geht, die innige Frömmigkeit und totale Selbsthingabe seiner Protagonistin als etwas Verstörendes darzustellen. Was vielleicht gar kein so verkehrter Ansatz ist im Vergleich zu der Versuchung, diese bemerkenswerte Heiligengestalt zu verharmlosen und zu verniedlichen. "Die Hl. Thérèse von Lisieux benutzte die blumige Sprache ihrer Zeit um die Strenge ihrer Lehren zu kaschieren", schrieb Dorothy Day, die im Todesjahr Thérèses geboren wurde. "In ihrer Härte gegen sich selbst steht sie den spanischen Mystikern in nichts nach."
Jedenfalls: Nachdem ich vor vielleicht zwanzig Jahren die Autobiographie der Hl. Thérèse auf einem Flohmarkt erstanden hatte, brauchte ich drei Anläufe - jeweils mit einigen Jahren Abstand -, um sie tatsächlich durchzulesen. Was mir schließlich doch einen Zugang zur "kleinen Thérèse" eröffnete, war ihr Ausspruch "Nach meinem Tod werde ich Rosen vom Himmel regnen lassen" -- der erinnerte mich an Hildegard Knefs berühmtes Lied "Für mich soll's rote Rosen regnen" von 1968, und wie das beides zusammenpasst, trotz der augenfälligen Unterschiede, ja Gegensätze zwischen diesen beiden Frauencharakteren, darüber habe ich nun einen Leitartikel geschrieben. Und dann auch gleich das ganze Heft so betitelt, schließlich ist der Oktober Rosenkranzmonat, und dazu passt das ja auch.
Ein weiteres wichtiges Anliegen der neuen "Lebendige Steine"-Ausgabe ist der Aufruf zur Gründung eines Gebetsleiterkreises, mit dem Ziel, in den sieben Kirchen des Raums Reinickendorf-Süd eine größere Bandbreite unterschiedlich gestalteter Gebetszeiten anbieten zu können und auf diesem Wege eine größere Zahl von Gemeindemitgliedern zu einer Vertiefung ihres persönlichen Gebetslebens anzuregen.
Was es sonst noch zu berichten gibt: Das gewissermaßen zum Zweck der Zweitverwertung der Telefonischen geistlichen Impulse unserer pastoralen Mitarbeiter begründete Heft "Texte für den Augenblick" scheint tatsächlich nach nur drei Ausgaben wieder eingegangen zu sein. Nachdem, wie schon erwähnt, im August keine neue Nummer erschienen war, wurden im September die Telefonimpulse eingestellt -- ziemlich plötzlich und überraschend, wie nicht nur ich fand; ob das wohl mit einem einigermaßen gewagten Beitrag eines unserer Pfarrvikare zusammenhing? Als ich beim Begegnungsfest unseres Gemeindestandorts Mitte September den Diakon traf, der die "Texte für den Augenblick" federführend herausgegeben hat, sagte der mir, das Heft solle vorläufig noch weiter erscheinen, aber nun ist der September auch schon wieder vorbei und noch keine neue Ausgabe erschienen. Ehrlich gesagt bezweifle ich, dass da noch was kommt.
Alles Weitere aus der Gemeindearbeit und was mich sonst noch so umtreibt gibt's dann wie gewohnt in den "Ansichten aus Wolkenkuckucksheim". Aber lest das Heft, Freunde -- und verbreitet den Download-Link gern weiter!
Was bisher geschah: Am Montag brach meine Liebste schon morgens mit den Kindern zu einer Spielplatz-Verabredung auf, die dann aber wegen des schlechten Wetters doch nicht zustande kam; nach einigem Hin und Her fuhren sie schließlich ins Trampolinland, während ich die neue Ausgabe der "Lebendigen Steine" ausdruckte und damit anfing, einen Teil der Auflage in öffentlichen Bücherschränken, Supermärkten usw. zu verteilen. Davon abgesehen rang ich noch ein wenig mit meiner bereits im vorigen Wochenbriefing thematisierten Sitzungs-Unlust und schrieb schließlich eine eMail, in der ich meine Teilnahme an dem für Freitag angesetzten Meeting zum Thema "SWOT-Analyse" absagte und darüber hinaus die Hoffnunf ausdrückte, beim Treffen der AG Neuevangelisierung am Mittwoch werde es nicht nur darum gehen, ein paar Sätze für das Pastoralkonzept zu formulieren. Einen Satz, der inhaltlich in etwa hätte aussagen sollen "Wir sollten nicht so viel Energie auf dieses Pastoralkonzept verwenden, am Ende interessiert es ja doch keine Sau, was da drinsteht", formulierte ich dreimal um, ehe ich ihn schließlich ganz wegließ.
Am Dienstag hatten wir eine sehr schöne Lobpreisandacht, auch wenn das Tochterkind zwischendurch im Hof mit den Nachbarsmädchen spielen wollte und meine Liebste (mit dem Baby auf dem Arm) daraufhin auch nach draußen gehen musste, um die Mädchen ein bisschen zu beaufsichtigen. Dann kamen sie aber zurück -- mit den Nachbarsmädchen, und ich registrierte erfreut, dass sogar die frechste und wildeste unter den Spielkameradinnen meiner Tochter zeitweilig ganz brav und andächtig in der Kirchenbank saß. Fast noch besser war, dass ein mir unbekannter älterer Mann, von dem ich nicht ganz sicher war, ob er gezielt zu unserer Andacht gekommen oder nur zufällig ein paar Minuten vor Beginn in die Kirche 'reingeschneit und dann kurzentschlossen dageblieben war, nach dem Ende der Gebetszeit (während ich mit dem Kirchenschließdienst beschäftigt war) mit meiner Frau sprach, ihr sagte, diese Andachtsform gefalle ihm sehr gut, und fragte, ob wir das öfter machen. Außerdem fragte er, ob ich Gemeindereferent sei... (Immerhin hielt er mich nicht für den Pfarrer. Das ist mir auch schon öfter passiert, allein im letzten Monat zweimal.)
Der Mittwoch begann damit, dass ich eine Anfrage erhielt, mal wieder was für die Tagespost zu schreiben - woraufhin ich direkt damit anfing, im Kopf einen Essay zu entwerfen. Ihr dürft Euch schon mal freuen, Leser: Es wird um das Thema "Ökologie und Apokalyptik" gehen, darüber wollte ich schon lange mal was schreiben, jetzt habe ich endlich einen konkreten Anlass und Ansporn. -- Auch ohnedies bot der Mittwoch ein umfangreiches Programm: 16 Uhr AG Neuevangelisierung in St. Joseph, 18 Uhr Vesper in Herz Jesu und anschließend das "Phantom-Dinner", wie ich es insgeheim nannte -- jenes "Dinner mit Gott", das in den Vermeldungen angekündigt worden war, obwohl wir gar keins geplant hatten. -- Aber mal der Reihe nach: Um den Teil des AG-Meetings, auf den ich - wie oben schon geschildert - am wenigsten Lust hatte, nämlich die Formulierung von Sätzen fürs Pastoralkonzept, möglichst effizient über die Bühne zu bringen, hatte ich mir eigentlich vorgenommen, schon vorab ein paar Textbausteine zu entwerfen. Infolge eines nicht ganz plangemäß verlaufenen Vormittags (die Kinder... die Waschmaschine... reden wir nicht drüber) hatte ich dafür letzten Endes zwei Stunden weniger Zeit, als ich eigentlich gehofft hatte, bekam aber trotzdem etwas ganz Anständiges zustande, was zugleich auch noch "unfertig" genug war, um noch Impulse von den anderen AG-Mitgliedern aufnehmen zu können. Und dann widmeten wir uns "unserer eigentlichen Arbeit" -- diese Formulierung kam wohlgemerkt nicht von mir, und ich empfand es als sehr erfrischend, festzustellen, dass ich offenbar nicht allein mit der Auffassung stehe, unsere eigentliche Arbeit bestehe nicht darin, irgendwelche Formulierungen für das Pastoralkonzept auszuhecken. Unter anderem sprachen wir über den Aufbau eines Gebetsleiterkreises und eines Begrüßungsdienstes für neu zugezogene Gemeindemitglieder. Insgesamt war es ein sehr erfreuliches, motivierendes und ermutigendes Meeting -- schön, dass es auch so etwas gibt... Der Mann, der am Dienstag zum Lobpreis gekommen war, kam auch zur Vesper, diesmal zusammen mit einer (seiner?) Frau; ich bin gespannt, wie sich das weiter entwickelt. -- Gerade als ich die Kirche schließen wollte, kam noch ein junges Pärchen herein; soweit ich die Situation "von außen" beurteilen konnte, war der Mann wohl nur "mitgekommen", er setzte sich in die letzte Reihe und schaute auf sein Handy, während die Frau sich ganz nach vorn setzte und dort wohl still betete. Als sie einige Minuten später wieder gingen, fragte die Frau noch, ob sie sich einen Pfarrbrief mitnehmen dürfe. Ich kann nur immer wieder sagen: Man sollte die Wirkung einer offenen Kirche nicht unterschätzen! -- Anschließend war ich inmer noch etwas unschlüssig, wie ich in Hinblick auf das "Phantom-Dinner" vorgehen sollte, auch wenn ich die Wahrscheinlichkeit, dass da irgendwer kommen würde, nur weil die Veranstaltung in den Vermeldungen stand, als eher gering einschätzte. Schließlich setzte ich mich auf eine Bank auf dem Brunowplatz und genoss eine Weile lang den lauen Spätsommerabend, dann ging ich nach Hause.
Am Donnerstag begann ich - veranlasst durch Kommentare zu meinem Wochenbriefing - einen Blogartikel über die Situation im Erzbistum Hamburg zu schreiben, und wurde am Samstag früh damit fertig. Das Wochenende stand dann sehr wesentlich im Zeichen des vom Verein Freunde der katholischen Kirche Herz Jesu Tegel e.V.ausgerichteten Begegnungsfests. Am Samstag waren noch allerlei Vorbereitungen dafür zu treffen - wozu es u.a. gehörte, dass meine Liebste spontan ein Kindertrampolin kaufte, das bei Woolworth im Sonderangebot war -, und am Sonntag standen wir superfrüh auf, um beim Aufbau mit anzufassen.
Symbolbild: Tag der Offenen Tür
Kurz bevor es losging, hatte ich schon keine Lust mehr, denn es kam mir vor, als müsste ich eigentlich überall gleichzeitig sein: Bänke schleppen, den Bücherstand aufbauen, das Trampolin zusammenbauen, meinen Kindern die Windeln wechseln, mich auf den Lektorendienst in der Messe vorbereiten... Aber dann wurde doch alles sehr schön.
An der Heiligen Messe unter freiem Himmel, die musikalisch von einem Bläseremsemble gestaltet wurde, nahmen schätzungsweise 60-70 Personen teil; eigentlich war eine solche Freiluftmesse schon für den Sonntag nach Fronleichnam geplant gewesen, aber an fehlenden behördlichen Genehmigungen gescheitert, und um nun sozusagen "ein bisschen Fronleichnam nachzufeiern", gab es zum Abschluss der Messe eine kurze Aussetzung des Allerheiligsten und den Eucharistischen Segen.
Das anschließende Begegnungsfest auf dem Hof der Kirche verlief ebenfalls durchweg erfreulich: Der Förderverein bot Kaffee, Kuchen und Kaltgetränke an, die Initiative "Hilfe und Solidarität für Owerri/Nigeria" steuerte frische Waffeln und ein Gewinnspiel bei, es gab einen Trödelmarkt, unseren Büchertisch sowie eine Reihe von Infoständen, an denen sich u.a. die Legio Mariae, die Gruppen "Christliche Meditation", "Bibelteilen" und "Tegeler Glaubensgespräche" vorstellten, und ich hatte den Eindruck, es war überall "ganz gut was los".
Irgendwie bezeichnend fand ich es, dass meine Liebste praktisch im Alleingang - lediglich mit ein bisschen Unterstützung von ihrem treuen Gatten (und beim Trampolin-Aufbau packte auch unser neuer Büchereiprojekt-Mitarbeiter Timo mit an) - mit Rutsche, Trampolin und Maltisch ein umfangreicheres "Kinderprogramm" auf die Beine gestellt hatte als der "offiziell dafür zuständige" Stand des Familiengottesdienst-Teams. Genug jedenfalls, um auch die nebenan wohnenden Spielkameradinnen unserer Tochter aufs Festgelände zu locken.
Da ich - wie ich wohl schon mal erwähnt habe - kein besonderer Freund des für Kirchenfeste charakteristischen, in riesigen Blechzylindern aufgebrühten und dann stundenlang warmgehaltenen Filterkaffees bin, bereitete ich zwischendurch in einer French-Press-Kanne eigenen Kaffee für Timo, meine Liebste und mich zu; lustigerweise brachte uns das in Kontakt mit einigen Festbesuchern, die ebenfalls keinen "Kirchenkaffee" mochten. Zu einem kurzen, aber recht netten Gespräch mit dem Diakon, der die "Texte für den Augenblick" herausgibt, kam ich auch; und schließlich gelang es meiner Liebsten sogar, das erst am Vortag erworbene Trampolin fast verlustfrei weiterzuverkaufen, nämlich an eine Familie, die wir vor Jahren im Zusammenhang mit Foodsharing-Aktivitäten kennengelernt hatten, zu der wir nun aber schon seit einiger Zeit keinen Kontakt mehr gehabt hatten und somit erst jetzt erfuhren, dass sie inzwischen ganz in der Nähe unserer Kirche wohnt. -- Um 13:30 Uhr waren wir bereits mit dem Abbau fertig, theoretisch hätten wir also direkt im Anschluss noch zum "Festival für Selbstgebaute Musik"am Holzmarktgehen können, aber wir fanden, es sei auch ohnedies schon genug Action für einen Tag gewesen.
Was ansteht: Heute muss ich erst mal meinen Tagespost-Essay fertig schreiben, während Frau und Kinder zu einer Spielplatz-Verabredung gehen. Morgen ist natürlich wieder Lobpreis; da die Sommerpause des Glaubensgesprächskreises vorbei ist, rechne ich da mit erhöhter Teilnehmerzahl, vor allem bin ich aber gespannt, ob der "Mann von letzter Woche" wieder dabei ist. Am Mittwoch - am Fest Mariä Geburt - tagt die AG Liturgie; ich gehe davon aus, dass auch da das Formulieren einiger Sätze für das Pastoralkonzept eine vorrangige Aufgabe sein wird, daher scheint es mir ratsam, auch hier wieder ein paar vorformulierte Sätze (sagen wir so drei bis fünf) in die Sitzung "mitzunehmen". Außerdem müssen meine Liebste und ich, nachdem wir die ganze letzte Woche nocht dazu gekommen sind, uns endlich mal näher mit unseren Briefwahlunterlagen befassen und uns darüber klar werden, was wir da eigentlich ankreuzen wollen. -- Mit dem Grund dafür, dass wir überhaupt Briefwahl beantragt haben - sprich: mit unseren Reiseplänen für Ende September - werden wir uns auch noch beschäftigen müssen: Gegenüber unseren ursprünglichen Plänen sind da ein paar Änderungen eingetreten, u.a. infolge einer unverhofften Einladung zu einer Familienfeier. Aber davon zu gegebener Zeit mehr! Der mit Abstand wichtigste Termin der Woche ist jedoch die Taufe meines Sohnes Gideon. Die steht am Samstag an, und natürlich gibt es bis dahin noch allerlei vorzubereiten. Ich bin jedenfalls voll froher Erwartung...!
Zitat der Woche:
"Gott und ich, wir kamen gut miteinander aus, solange ich in die Kirche und ab und zu mal zum Beichten ging. Ansonsten wäre ich ihm sehr verbunden, wenn er sich weitgehend aus meinem Leben heraushielte. Denn irgendwie hatte ich auch ein bisschen Angst davor, dass er vielleicht mehr von mir und für mich wollte, als ich zu geben bereit war.
Lange bin ich vor der Frage davongelaufen was Gott von mir will."
Dass der "stern" eine Kummerkasten-Kolumne mit dem blumigen Titel "Der geheime Code der Liebe" unterhält, ist ja an und für sich schon ein Faktum, von dem zumindest ich nicht weiß, ob ich darüber lachen oder weinen soll. Okay, ursprünglich ist das der Titel eines 2011 erschienenen Buches der Hamburger Psychotherapeutin Julia Peirano; und weil dieses Buch sie wohl bekannt gemacht hat (Hat es? Also bei mir nicht so, aber das hat nicht viel zu sagen), heißt jetzt eben auch ihre Kummerkasten-Kolumne beim "stern" so, na meinetwegen.
Auf die hier verlinkte Folge dieses Kummerkastens bin ich aufmerksam geworden, weil die Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) sie bei Facebook geteilt hat. Aus Gründen. Hier meldet sich nämlich die 19-jährige Luisa bei Dr. Peirani: Vor zwei Jahren, also mit 17, war sie ungeplant schwanger geworden -- und hat abgetrieben, nachdem der Kindsvater schroff erklärt hatte, "dass er sich nicht vorstellen kann, so früh Vater zu werden und dass ihm das seine Zukunft versaut", und auch ihre Mutter, bei der sie zu diesem Zeitpunkt noch wohnte, ihr keinen Rückhalt bot. "Ein paar Tage später wurde mir klar, was ich getan hatte und ich konnte nicht aufhören zu weinen", berichtet Luisa. Um ihren "Schmerz zu betäuben", sei sie für einige Zeit "viel feiern gegangen und habe auch sehr viel getrunken"; die "Schuldgefühle und Stimmungsschwankungen" hörten aber nicht auf, "und manchmal musste ich weinen, wenn ich in einem Film eine Mutter mit ihrem Baby gesehen habe. Ich habe mir dann ausgerechnet, wie alt meine Tochter jetzt wäre". Schließlich stellte sich auch noch heraus, dass Luisa infolge einer "schwere[n] Endometriose" wahrscheinlich keine Kinder mehr bekommen kann. Ihr Fazit:
"Ich habe leichtfertig mein Kind abgetrieben, und jetzt sieht es so aus, als wenn es das einzige Kind war, das ich je bekommen werde."
Wer sich mit Menschen unterhält, die in der Schwangerenkonfliktberatung tätig sind, oder vielleicht selbst schon einmal in diesem Bereich aktiv gewesen ist, wird in Luisas Geschichte einige durchaus typische Muster wiedererkennen. Was aber sagt nun Psychotherapeutin und Buchautorin Dr. Julia Peirano dazu? Sie legt Luisa nahe, zu erwägen, "dass Ihre Probleme nicht erst mit Ihrer Schwangerschaft angefangen haben, sondern schon viel früher" -- konkret nämlich mit dem von jeher belasteten Verhältnis zu ihrer zu Depressionen neigenden Mutter. Die "negativen Glaubenssätze", die Luisa durch diese beschädigte Mutterbindung quasi erlernt habe - "ich bin nicht wichtig", "ich bin eine Last, wenn ich etwas brauche", "ich muss alleine klarkommen" - habe ihr Partner, von dem sie schwanger wurde, dann "durch sein abweisendes und entwertendes Verhalten verstärkt" -- und diese Erfahrung sei der eigentliche Auslöser "für Ihre depressiven und posttraumatischen Symptome, unter denen Sie bis heute leiden".
Um's ganz deutlich zu sagen: Ich bin nicht unbedingt der Meinung, dass diese Einschätzungen ganz und gar falsch sind. Es ist geradezu eine Binsenweisheit der Küchenpsychologie, dass jedes akute und manifeste psychische Problem über den offenkundigen Auslöser hinaus noch tiefer gehende Ursachen hat, und gerade für die Schwangerenkonfliktberatung gilt diese Grundregel in einem ganz spezifischen Sinne: Das Kind ist nicht das Problem -- das heißt im Umkehrschluss: Abtreibung ist nicht die Lösung. Bleiben wir beim konkreten Fall: Auf die Idee, die Tatsache, dass Luisa mit 17 Jahren eine Beziehung mit einem "etwas [!] älteren (23) Jungen" [nicht etwa "Mann"!] hatte und von diesem schwanger wurde, könnte etwas mit fehlendem Rückhalt im Eltetnhaus zu tun haben, wäre ich mit meinen Laienkenntnissen in Küchenpsychologie vielleicht noch von alleine gekommen. Bezeichnend ist jedoch, worüber Dr. Peirano nicht spricht. Man muss sich das mal auf der Zunge zergehen lassen: Da sucht eine Frau ausdrücklich deshalb nach Rat und Hilfe, weil sie Schuldgefühle nach einer Abtreibung hat, und die Kummerkastentante geht in ihrer Antwort mit keinem Wort auf das Faktum der Abtreibung ein, sondern versucht der Ratsuchenden stattdessen einzureden, ihr eigentliches Problem läge ganz woanders. Das hat schon fast das Niveau des berüchtigten Dr. Sommer in der BRAVO, der den Mädchen, die sich über sexuelle Belästigung beklagten, einredete, sie bildeten sich das nur ein oder hätten es selbst gewollt und genossen. Aber ich will nicht so tun, als wäre mir nicht klar, warum Dr. Peirano so verfährt. Überhaupt nur darüber zu reden, dass eine Abtreibung nachteilige Folgen für die psychische und physische Gesundheit der betroffenen Frau haben könnte, ist hoch problematisch, denn es gefährdet das Narrativ, ungehinderter Zugang zu Abtreibung sei ein notwendiger Bestandteil des Rechts von Frauen auf sexuelle und reproduktive Selbstbestimmung, ja "reproduktive Gesundheit". Das "Post Abortion Syndrome", so hört man immer wieder, sei "nur eine rechte Verschwörungstheorie". Und genau aus diesem Grund finden Frauen, die daran leiden, Hilfe praktisch ausschließlich in den Kreisen der ach so bösen Lebensschützer. Zum Beispiel bei Rahel e.V.oder SaveOne. Beim "stern" jedenfalls eher nicht.
Diesen Artikel, auf den ich durch Twitter aufmerksam wurde, finde ich auf mehreren Ebenen interessant. Zum einen kommen Jom Jones und der People's Temple drin vor, aber okay, das habe ich erst entdeckt, als ich schon mitten in der Lektüre steckte, und es ist auch eher eine Randbemerkung -- ein Extrembeispiel dafür, wozu sektenförmige Kommunikationsstrukturen führen können.
Ein erheblich offensichtlicherer Grund, weshalb ich mich für diesen Artikel interessiert habe, liegt in der Erwähnung von "Wellness Mommy Bloggers" in der Überschrift; denn seit ich Kinder habe, und insbesondere seit ich in der kindergartenfrei-Szene unterwegs bin, habe ich eben auch so meine Erfahrungen mit verschiedenen Typen von "Netzmamis" gemacht. Sehr unterschiedliche Erfahrungen, möchte ich betonen. Und genau diese Diversität an Erfahrungen bedingt es, dass mir eine Sache noch suspekter ist als esoterisch durchgeistigte windelfrei-unerzogen-homöopathisch-frutarische Impfgegner-Mamis im Blümchenkleid; nämlich Leute, die alle irgendwie "alternativ" oder "unkonventionell" daherkommenden Eltern unter den Generalverdacht stellen, gemeingefährliche Irre und/oder Extremisten zu sein. So als wäre es irgendwie anrüchig, mehr Zeit, Mühe und Sorgfalt auf das Wohlergehen der eigenen Kinder zu verwenden, als die postmodern-spätkapitalistische Arbeits- und Konsumwelt es Eltern normalerweise zugesteht. So ging's mir mit der Reportage von Sabine Rennefanz in der Berliner Zeitung, durch die ich erstmals überhaupt auf die Existenz einer kindergartenfrei-Bewegung aufmerksam wurde; und Ähnliches erwartete ich auch hier. Nicht ganz zu Unrecht, wenngleich die Autorin sich durchaus darum bemüht, zumindest den Anschein von Differenzierung zu erwecken -- nach dem Muster "Es sind ja nicht alle so, aber konzentrieren wir uns mal auf die, die so sind". Und natürlich gibt's die tatsächlich, das sagte ich ja schon. Gleichwohl gilt auch hier wie so oft: Was jemand für extrem hält, ist nicht zuletzt deshalb aufschlussreich, weil es Rückschlüsse darauf zulässt, was dieser Jemand für normal hält. Darauf komme ich noch zurück.
Interessant ist allemal, was die Verfasserin des Artikels, Sara Petersen, über das Buch von der Linguistin Amanda Montell verfasste Buch "Cultish" zu sagen hat. Der Buchtitel ist nicht leicht zu übersetzen: "Cult" wird im deutschen Sprachgebrauch meist mit "Sekte" wiedergegeben, aber die Nachsilbe -ish signalisiert eine Abmilderung oder Relativierung; so beispielsweise in dem Wort "fattish" = "dicklich". Die Wortbildung "cultish" wäre demnach in etwa als "mehr oder weniger sektenartig bzw. sektenähnlich" zu verstehen, und diese Eigenschaft beobachtet die Linguistin Montell in diversen Sprachverwendungszusammenhängen, von Fitness- und Wellness-Ratgebern über Multilevel-Marketing bis hin zu buchstäblichen Massenselbstmord-Kulten wie "Heaven's Gate" oder eben Jim Jones' "People's Temple". Die Analyse gemeinsamer sprachlicher Muster in diesen unterschiedlichen Bereichen ist ohne Frage ein spannendes Thema. Ich fühle mich da an ein Gespräch zwischen meinem Bruder und einem damaligen Freund und Kommilitonen desselben erinnert, bei dem ich zufällig zugegen war -- das mag schon an die 30 Jahre her sein, aber es hat sich mir tief eingeprägt. Der besagte Freund meines Bruders war zu dieser Zeit gerade dabei, sich von der evangelikalen Szene "loszusagen", und in diesem Gespräch verglich er die Missionierungsmethoden evangelikaler Studentengruppen mit den Marketingmethoden von Tupperware. Andere würden vielleicht behaupten, die Marketingstrukturen von Tupperware seien sektenartig. Beide Aussagen beschreiben denselben Sachverhalt, aber eben aus unterschiedlichen, ja einander geradezu entgegengesetzten Blickwinkeln. Ein anderes Beispiel: Anlässlich des Weltjugendtags 2005 in Köln konnte man in der Presse lesen, die Jugendlichen würden dem Papst zujubeln "wie einem Popstar". Über einen Popstar würden dieselben Journalisten wohl eher nicht schreiben, dass seine Fans ihm zujubeln wie dem Papst. Was ich damit sagen will, ist: Was jemand womit vergleicht, hängt von dessen eigenem Standpunkt ab.
Und damit komme ich zu einem weiteren bemerkenswerten Aspekt dieses Artikels -- und das ist der, der mich ursprünglich dazu veranlasst hat, ihn überhaupt zu lesen. Der mir ansonsten nicht näher bekannte Twitter-Nutzer David Hines teilte den Artikel nämlich mit der Anmerkung, er finde es "erstaunlich", wie sich da eine "linksgerichtete Journalistin über die Charakteristika sektenartiger Sprache" auslasse, "ohne dabei auch nur ein einziges Mal in den Spiegel zu schauen". Ein ausgesprochen treffender Kommentar, wie ich finde. Warum bezieht Sara Petersen die Erkenntnisse der Linguistin Montell ausgerechnet auf Mamiblogger? Die Antwort, die sie selbst gibt, lautet: Weil Mamiblogger mit ihrer manipulativen, sektenartigen Sprache andere Mütter beeinflussen und potentiell gefährliche Desinformation, etwa zu Gesundheitsthemen, verbreiten. Nun gut: Ich zweifle nicht unbedingt daran, dass dieser Vorwurf zuweilen zutrifft, und da ist es dann auch nurvein schwacher Trost, dass die Mamiblogger in aller Regel wohl nicht böswillig, sondern in gutem Glauben agieren. Andererseits wissen wir aber auch, dass der Vorwurf potentiell gefährlicher Desinformation seit Brexit, Trump und nochmals verstärkt seit COVID-19 zur Universalwaffe im Kampf um die Diskurskontrolle geworden ist. Der Vorwurf, "Fake News" zu verbreiten, kann jeden treffen, der das politisch-ideologisch erwünschte Narrativ infrage stellt. Genau diese Form der Delegitimierung und Marginalisierung unerwünschter Standpunkte und Sichtweisen gehört natürlich auch zu den in Amanda Montells Buch beschriebenen Kennzeichen sektenartiger Kommunikation, und Sara Petersen referiert darüber, ohne dabei im Geringsten zu reflektieren, dass sie selbst genau das tut. Ähnliches ließe sich über die Methode sagen, durch einen gruppenspezifischen Jargon ein Gefühl von Identität zu erzeugen. Okay, das tun nun wirklich alle möglichen Arten von Gruppen . Allein innerhalb der Kirche gibt es einen traditionalistischen Jargon, einen charismatischen Jargon, einen Jargon der nachkonziliaren Progressiven und so weiter. Das ist auch nicht unbedingt schlimm. Amanda Montell würde sagen, Sektenähnlichkeit ist ein Spektrum. Aber auch hier wirft Sara Petersen wieder fröhlich im Glashaus sitzend mit Steinen. Besonders auffällig wird das, wenn sie den Esoterik-/Wellness-Mamibloggern vorwirft, Begriffe aus dem Vokabular der feministischen Bewegung aufzugreifen und in ihrem Sinne umzudeuten. Ja Moment mal: Geht es hier noch um die Kritik an sprachlichen Mustern oder doch eher darum, wer bestimmte Begriffe verwenden "darf" und wer nicht? Abstrakter formuliert: Geht es darum, Methoden zu kritisieren, oder hängt es von den Inhalten ab, ob die Methoden zur Vermittlung oder Verbreitung dieser Inhalte legitim sind? Alles in allem drängt sich der Eindruck auf, Sara Petersen verarge es den Mamibloggern nicht so sehr, dass sie agieren wie eine Sekte, als vielmehr, dass sie nicht in ihrer Sekte sind. So tadelt sie, wer derart beschäftigt damit sei, seiner inneren Stimme zu lauschen und dem ultimativen körperlichen und seelischen Gleichgewicht nachzuspüren, dem bleibe umso weniger Zeit, Energie und Motivation übrig, um sich "aktiv antirassistisch" zu engagieren oder "systemische Ungerechtigkeit" zu bekämpfen -- wenngleich sie in einem wohlmeinenden Differenzierungsversuch einräumt, man könne sehr wohl "Momfluencer" sein und sich trotzdem für "Black Lives Matter" begeistern. -- Wie schon gesagt: Sektenähnlichkeit ist ein Spektrum. Im Endergebnis dürfte das tatsächlich der klügste Satz des ganzen Artikels sein.
Micah Murphy, der vor einigen Wochen im Zusammenhang mit Traditionis Custodes schon einmal in meinen Linktipps vertreten war, hat auf seinem Blog eine vierteilige Artikelserie über Probleme der modernen Katechese angekündigt bzw. begonnen, und in deren erstem Teil geht es um Anforderungen für die Zulassung zum Sakrament der Firmung. Ein heikles Thema, zu dem ich mich - zumindest in Teilaspekten - auch schon einmal geäußert habe; grob vereinfacht könnte man meine Haltung zu dem Umstand, dass die Firmlinge, ehe sie zum Empfang des Sakraments zugelassen werden, erst mal eine Liste mit Pflicht-Anforderungen abarbeiten müssen, in die vielleicht etwas paradoxe Formulierung kleiden "Erstens ist es falsch, dass es diese Anforderungen überhaupt gibt, und zweitens sind sie zu niedrig". Und was sagt nun Micah Murphy dazu?
Er konzentriert sich in seinen Ausführungen sehr weitgehend auf den in den USA offenbar recht verbreiteten Usus, die Firmlinge zu einem bestimmten Stundenkontingent an ehrenamtlicher sozialer Arbeit zu verpflichten; mancherorts muss es sich dabei explizit um Arbeit in einer kirchlichen Einrichtung handeln, andernorts wird auch Arbeit in irgendeiner anderen sozialen Einrichtung akzeptiert. Was ist davon zu halten? -- Dagegen, dass Jugendliche dazu angehalten werden, Werke der Barmherzigkeit zu praktizieren, ist grundsätzlich natürlich nichts einzuwenden -- das sieht auch Micah Murphy so. Aber es gibt ein sehr großes ABER; oder eigentlich sogar gleich mehrere, die allerdings eng miteinander zusammenhängen. Der offensichtlichste Haken an der Sache ist, dass die Anforderung, ein festgelegtes Kontingent an Sozialstunden ableisten zu müssen, bei den Jugendlichen leicht dazu führen kann, dass sie diese Tätigkeit nur als eine lästige Pflicht wahrnehmen, die sie "abhaken" müssen, und somit gerade nicht dazu beiträgt, ein nachhaltiges Interesse an sozialem bzw. caritativem Engagement zu wecken oder zu fördern. Noch heikler ist indes, dass die Aufstellung eines solchen Pflichtprogramms als Voraussetzung für die Zulassung zur Firmung den strengen Beigeschmack eines Geschäfts bzw. Tauschhandels hat -- als wäre das Sakrament etwas, was man sich durch eigene Leistung verdienen könnte und auch müsste. Dahinter lauert, so Murphy, "die Sünde der Simonie" -- und die "damit verwandte Häresie des Pelagianismus", also die Vorstellung, "das Heil sei eine Belohnung, die man sich verdient, und nicht ein freies Geschenk der Gnade Gottes".
Eine Diskussion auf Twitter hat Murphy davon überzeugt, dass dies nicht nur sein persönliches "pet peeve" ist, sondern ein gravierendes Ärgernis für viele Gläubigen. Murphy räumt ein, dass die Sakramente, um eine fruchtbringende Wirkung zu entfalten, der Mitwirkung des Empfängers bedürfen (Die Gnade baut auf der Natur auf, wie der Hl. Thomas von Aquin lehrt); allerdings ist gerade die Fähigkeit und Bereitschaft zu dieser Mitwirkung wiederum eine Frucht der Gnade. Das Kirchenrecht schreibt vor, die Kirche habe dafür Sorge zu tragen, dass die Empfänger eines Sakraments in rechter Weise zu dessen Empfang disponiert sind (can. 843 CIC); anstatt die Firmlinge eine Liste von Aufgaben abarbeiten zu lassen, so meint Murphy, sollte man lieber mit solider Katechese für diese rechte Disposition sorgen -- sowie dadurch, sie möglichst kurz vor der Firmung zur Beichte gehen zu lassen.
Gespannt bin ich jetzt, wie die Artikelserie weitergeht; wir werden sehen, ob auch die weiteren Folgen in meinen Linktipps auftauchen!
Vom 30. September bis zum 2. Oktober 2021 soll in Frankfurt am Main die zweite Synodalversammlung des "Katholischen Reformprozesses Synodaler Weg" (KRSW) stattfinden -- ein volles Jahr später als ursprünglich geplant, was mich unwillkürlich daran denken lässt, wie der Magdeburger Bischof Feige im vergangenen Frühjahr die Frage aufwarf, ob die Coronavirus-Pandemie eine Strafe Gottes für den Synodalen Weg sei. Okay, er hat diese Frage verneint, aber immerhin hat er sie gestellt. Was natürlich Anlass dafür bieten mag, sich zu fragen, was für Katastrophen wohl notwendig sein werden, um den Schismatischen Weg abermals auszubremsen.
Diese kleine Vorrede mag demonstrieren, dass ich eher nicht davon ausgehe, meine Leser noch groß davon überzeugen zu müssen, wie die in der Überschrift des hier verlinkten Artikels formulierte Frage zu beantworten sei. Das wäre ja wie Eulen nach Athen tragen und auf dem Weg dahin lauter offene Türen einrennen. Wer aber doch noch daran zweifelt, dass die Agenda des Schismatischen Weges auf eine Vorstellung "von Kirche" (wie man so unschön sagt) ausgerichtet ist, die nichts Katholisches mehr an sich hat, den dürfte diese "Standortbestimmung" meines Freundes Rudolf Gehrig unschwer von seinen Illusionen befreien. Ich empfehle diesen Artikel aber ausdrücklich auch jenen, die bereits wissen, was sie vom Schismatischen Weg zu halten haben; denn die Palette der Grausamkeiten, die die entfesselte Funktionärsriege durch die Synodalversammlung zu peitschen beabsichtigt, ist hier sehr plastisch und übersichtlich dargestellt.
Irgendwann, wenn der Staub sich gelegt hat, wird es ein spannendes Arbeitsfeld für Kirchenhistoriker sein, sich zu fragen: Wie konnte es dazu kommen, dass eine Versammlung von Vertretern der kirchlichen Hierarchie einerseits und offiziell anerkannter katholischer Laiengremien und -verbände andererseits über einen "Abschied von sakralisierten priesterlichen Rollenbildern", über eine Anpassung der Sexualmoral an die "Realität des 21. Jahrhunderts" und über eine "Anerkennung der Existenz von Geschlechteridentitäten jenseits der Binarität 'männlich' und 'weiblich'" beraten. Spoiler: Die Go-To-Antwort der Ultra-Tradis, "Das II. Vaticanum ist an allem schuld!", dürfte da um Einiges zu kurz greifen. Hingegen wird man kaum fehlgehen, anzunehmen, dass da irgendwie der Deifi seine Klauenhand mit im Spiel haben muss, aber diese Feststellung liegt bereits außerhalb der Zuständigkeit der Kirchenhistoriker.
Das ist so die Art von Musik, die ich in meinen frühen Zwanzigern bevorzugt gehört habe, kurz bevor ich das Interesse an aktueller Rock- und Popmusik weitgehend verlor. Dass ich für die Rubrik "Ohrwurm der Woche" gerade diesen Song ausgewählt habe und nicht irgendwas von Matchbox 20, die fast genauso klangen, die ich aber um die entscheidende kleine Nuance besser fand (und immer noch finde) als die Goo Goo Dolls, hat natürlich einen konkreten Grund; nämlich den, dass mich unlängst ein Facebook-Beitrag der Aktion Lebensrecht für Alle (ALfA) darauf aufmerksam gemacht hat, dass es in diesem Song um Abtreibung geht. Also jedenfalls unter anderem. "Don't you love the life you killed? The priest is on the phone", heißt es in der zweiten Strophe. Ein bisschen kryptisch vielleicht, aber irgendwie doch bewegend. Finde ich. Na, hört's Euch an oder lasst es, nächste Woche ist dann vielleicht mal wieder Soul Asylum dran, oder vielleicht auch ganzwasanderes.
Aus der Lesehore:
Als Christus Jesus, der wahre Sohn Gottes, am Leidensholz hing, wurde ihm die Kirche in der Verborgenheit des himmlischen Geheimnisses vermählt, und sie erhielt als Hochzeitsgabe sein purpurfarbenes Blut. Darauf deutet sie auch selber hin; denn immer wieder tritt sie zum Altar hinzu, bittet um ihre Hochzeitsgabe und beobachtet mit der größten Aufmerksamkeit, wie innig die Andacht ist, mit der ihre Kinder zum Empfang der göttlichen Geheimnisse hinzutreten.
Was bisher geschah: Termine, Termine! Für die meisten Leute ist die Urlaubszeit vorbei, gleichzeitig ist die Corona-Situation (das "Infektionsgeschehen", wie man das wohl nennt) noch recht entspannt, also versucht jeder Arbeitskreis, jeder Ausschuss und jedes Gremium irgendwo noch schnell ein Meeting 'reinzuquetschen. Da kann ich geradezu von Glück sagen, dass ich in der zurückliegenden Woche "nur" drei Sitzungen in kirchlichen Angelegenheiten hatte -- theoretisch wären es vier gewesen aber eine fiel aus; dazu später. Derweil ist es jedoch keineswegs so, als hätte ich die ganze Woche sonst nichts zu tun gehabt. Am Montag beispielsweise arbeitete ich ausgiebig an der September-Ausgabe der "Lebendigen Steine", denn es war Redaktionsschluss. Währenddessen war meine Liebste mit den Kindern im Bürgerpark Pankow -- wo ihnen allen Ernstes die Wickeltasche und ein Kinderrucksack voller Sandkastenspielzeug aus dem Bollerwagen geklaut wurde. Mit Hilfe aufmerksamer Passanten fand sich aber alles wieder an -- in einem Gebüsch, wohin der Dieb (generisches Maskulinum) seine Beute offenbar entsorgt hatte, nachdem er festgestellt hatte, dass da nichts drin war, was man gemeinhin als "Wertsachen" bezeichnen würde.
Sodann hatten meine Liebste und ich beschlossen, am Dienstag nach unserer Lobpreisandacht zusammen mit den Kindern zu einer Veranstaltung im Rahmen des "Emergent Berlin Festivals" im idyllischen Garten des "Panke"-Clubs zu fahren, wo ich vor ein paar Wochen ja schon einmal (allerdings allein) gewesen war. Da es absehbar war, dass wir vorher keine Zeit mehr zum Abendessen haben würden, kamen wir auf die Idee, einfach etwas zu essen dorthin mitzunehmen, und da lag dann der Gedanke nicht fern, die Menge an Essen so zu kalkulieren, dass es nicht nur für uns selber reichte. Ich bereitete also am Nachmittag eine große Schüssel mediterranen Nudelsalat vor und freute mich darauf, mir den Ruf zu erarbeiten, der zu Veranstaltungen kommt und Essen mitbringt. Letztendlich aß außer uns nur Baumhaus-Mitbegründer Scott von dem Salat, aber ihm schmeckte er, und überhaupt fand er's super, dass wir etwas mitgebracht hatten. Fast noch erfreulicher war, dass der Salat auch meiner Tochter schmeckte.
Inhaltlich ging's in der Veranstaltung um "Kiezblocks" und "Wandering Liveable Streetspaces", zu deutsch Wandernde lebenswerte Straßenräume. Das sind zwei verschiedene, wenn auch miteinander zusammenhängende Themen, folglich gab es zwei Vorträge von zwei Vertretern der Initiative Changing Cities, Jakob Schwarz und Kai Siefke. Beim Thema "Kiezblocks", über das Jakob Schwarz referierte, geht es um verkehrsplanerische Maßnahmen, mit denen verhindert werden soll, dass Straßen in Wohngebieten als Durchgangsstraßen genutzt werden. Der Referent stellte einige solcher Maßnahmen vor, erläuterte ihre jeweiligen Vorzüge und Grenzen, und dann verteilte er Kopien eines Stadtplanausschnitts an die Zuhörer, die das Karree Chausseestraße-Invalidenstraße-Brunnenstraße-Torstraße in Berlin-Mitte zeigten, und forderte sie auf, auf der Basis des Gehörten selbst einen Plan zur Verkehrsberuhigung des dazwischen liegenden Wohngebiets zu entwerfen. Unsere Tochter sperrte auf ihrer Stadtplankopie kurz entschlossen die Torstraße. Das nenn' ich mal eine radikale Lösung. "Einfacher Plan, kindlich genial", wie Herbert Grönemeyer singen würde.
Anschließend stellte Kai Siefke das von ihm und seiner Frau entwickelte Konzept der Wandernden lebenswerten Straßenräume vor, das man als positive Ergänzung zu den Kiezblocks bezeichnen kann: Während es bei Kiezblocks primär darum geht, was man nicht will - Durchgangsverkehr in Wihngebieten -, entwickelt Siefkes Konzept eine Vision davon, was man mit den Freiräumen anfangen könnte, die entstünden, wenn es in Wohngebieten weniger Autoverkehr gäbe. Die Idee ist, einzelne Wohnstraßen temporär, gewissermaßen auf Probe, als autofrei zu deklarieren und für die Dauer dieser Probezeit - beispielsweise vier Wochen - den auf diese Weise "frei" gewordenen Straßenraum mit Sitzgruppen, Hochbeeten o. dergl. so zu gestalten, dass es der Lebensqualität der Anwohner und der Stärkung nachbarschaftlicher Beziehungen dient. Nach Ablauf der Probephase lässt man die Anwohner entscheiden, ob diese Straßenraumgestaltung ihnen so gut gefallen hat, dass sie sie behalten wollen, oder ob sie doch lieber den Autoverkehr wiederhaben wollen.
Ungünstig war indes, dass das Baby - nachdem es, kurz bevor wir den Veranstaltungsort erreichten, im Tragetuch eingeschlafen war - allzu früh wieder aufwachte und darüber sehr ungehalten war. Und es ist fast schon ein Naturgesetz: Wenn das Baby laut und anstrengend ist, wird die Große auch laut und anstrengend. Schließlich machte meine Liebste sich rund eine halbe Stunde vor dem Ende der Veranstaltung mit beiden Kindern auf den Heimweg, ich blieb noch bis zum Schluss, beeilte mich dann aber ebenfalls, nach Hause zu kommen.
Am Mittwoch war ich, während Frau und Kinder den Tag mal wieder im Tierpark verbrachten (Jahreskarte lohnt sich!), den ganzen Tag auf dem Kriegspfad -- aber in einem guten Sinne, jedenfalls in dem Sinne, dass ich mich gut dabei fühlte. Es ging damit los, dass das für Donnerstag angesetzte Treffen in Sachen "Instagram-Account für den Pastoralen Raum" per eMail abgesagt bzw. auf vorerst noch ungewisse Zeit verschoben wurde. Nicht dass ich gegen einen freien Abend in dieser Woche etwas einzuwenden gehabt hätte, aber die für die Absage des Termins angeführten Gründe fand ich nicht recht einleuchtend bzw. tendenziell eher ärgerlich, also schrieb ich eine Antwortmail, in der ich mit Kritik nicht sparte. Anschließend beschäftigte ich mich ein paar Stunden lang mit dem Layout für die neuen "Lebendigen Steine", dann machte ich einen Spaziergang und konzipierte währenddessen ein (für meine Verhältnisse kurzes) Thesenpapier über Sinn und Unsinn von SWOT-Analysen in der Pfarreientwicklung, das ich, als ich wieder zu Hause war, innerhalb von zweieinhalb Stunden 'runterschrieb. (Hier ist es, falls es jemanden interessiert.) Und dann musste ich auch schon los zu zwei der drei anstehenden Meetings bzw. Sitzungen in dieser Woche. Das erste war recht kurz und schmerzlos, da ging es nur darum, die Zuständigkeit für die Gestaltung der Andachten zu den Herz-Jesu-Freitagen der nächsten zehn Monate zu klären. Das war innerhalb einer halben Stunde erledigt; ich sicherte mir den 1. Oktober (Hl. Thérèse von Lisieux), den 3. Dezember (Hl. Franz Xaver) und den 3. Juni (Hl. Karl Lwanga und Gefährten). Im Anschluss ging es, genau, um das Thema "SWOT-Analyse". Da ich keine Gelegenheit gehabt hatte, mein Thesenpapier für die Teilnehmer des Meetings auszudrucken, las ich es kurzerhand vor; eine heftige Debatte war die Folge, aber am Ende änderten all meine prinzipiellen Einwände gegen die Zweckmäßigkeit des Vorhabens, eine SWOT-Analyse für die Pfarrei zu erstellen, nichts daran, dass schließlich doch damit fortgefahren wurde, ebendies zu tun. Ich kann nicht sagen, dass mich das überrascht hätte. Wie neulich schon mal angemerkt: Das Verhältnis des kirchlichen Mitarbeiters, besonders des ehrenamtlichen, zu den Strukturen, die er vorfindet, ist typischerweise von Pragmatismus geprägt. Oder vielleicht auch, auf Merkelianisch ausgedrückt, von Alternativlosigkeit. Eigentlich hat niemand die Pastoralen Räume gewollt, aber "jetzt sind sie halt da". Na ja, lassen wir das.
Der Donnerstag verlief infolge der Absage des Instagram-Meetings weitestgehend ruhig, ich feilte weiterhin an den "Lebendigen Steinen" sowie an diesem Blogartikel herum. Am Freitag erhielten meine Liebste und ich zusammen mit unseren Wahlbenachrichtigungen auch gleich die Briefwahlunterlagen, die wir beantragt hatten, weil wir am Wahltag - wenn nichts dazwischenkommt - verreist sein werden. Ach ja, die Wahlen. Auch so ein Thema. Na, dazu äußere ich mich lieber nächste Woche. Ebenfalls in der Post war ein Brief von der Herder-Korrespondenz, mit einem "persönlichen Gutschein-Code" für drei Gratis-Ausgaben. Na, warum nicht. -- Am frühen Nachmittag ging ich mit meiner Tochter in die Bücherei, und anschließend machten wir noch eine Spazierfahrt mit dem Bollerwagen, gerieten dabei allerdings in mehrere Regenschauer, mit denen ich nicht gerechnet hatte undfür die ich nicht passend angezogen war. Am Abend war Lokalausschuss -- wodurch sich wie schon am Dienstag die Frage stellte, wann wir eigentlich Zeit zum Abendessen finden sollten. Wie machen das die Anderen eigentlich alle? Gibt's bei denen die Hauptmahlzeit des Tages schon mittags, und abends dann nur Schnittchen? Wie dem auch sei, wir griffen erneut zu der Lösung, die sich am Dienstag bereits bewährt hatte, d.h. ich bereitete wieder eine Schüssel Salat vor, diesmal Reissalat mit Fisch. War sehr lecker und kam auch bei einigen anderen Ausschussteilnehmerinnen gut an. Die Sitzung selbst war ungewöhnlich produktiv: Der wichtigste Tagesordnungspunkt war der Beschluss über ein Konzept zu Umbau und Renovierung der Pfarrhausküche, das nun dem Kirchenvorstand vorgelegt werden soll, aber auch darüber hinaus wurden so allerlei Themen abgearbeitet.
Am Samstag passierte nicht besonders viel, außer dass unsere Große am frühen Nachmittag im Hof der Kirche mit ihren Freundinnen aus dem Mietshaus nebenan spielte, während in der Kirche eine Trauung stattfand. Aber am Sonntag stand ja noch ein, wenn man so will, "designiertes Highlight" der Woche an, nämlich die Familienandacht in St. Joseph, mit anschließendem "Beisammensein" im Gemeindehaus. Ich verrate sicherlich kein Geheimnis, wenn ich sage, dass es unter normalen Umständen definitiv keine Option gewesen wäre, an einem Sonntag zu einem "Kinder-Wortgottesdienst" o. dergl. zu gehen statt zur Heiligen Messe, aber die Sonntagspflicht ist im Erzbistum Berlin meines Wissens immer noch ausgesetzt, und unsere liebe Pastoralreferentin hatte uns in Aussicht gestellt, diese Familienandacht könne eine Art Initialzündung für eine Neubelebung der Familienpastoral in unserer Pfarrei werden -- und da wollten wir natürlich unbedingt dabei sein.
Darüber, wie die Veranstaltung dann tatsächlich war und was für die Zukunft daraus zu folgern wäre, könnte man sicher problemlos einen eigenen Artikel schreiben, aber ich versuch' mich mal an einer Kurzfassung. Zunächst einmal war ich beeindruckt, wie viele Familien zu der Andacht kamen; viele der teilnehmenden Kinder waren wohl ungefähr im Alter unserer Großen, ein paar Babys waren auch dabei. Die Andacht selbst war in Inhalt und Gestaltung nicht weiter der Rede wert - zwei Lieder ("Wir feiern heut ein Fest" und "Eingeladen zum Fest des Glaubens"), eine aus einer Kinderbibel vorgelesene Paraphrase zu Matthäus 19,13-15 ("Lasst die Kinder zu mir kommen"), gefolgt von einem ganz kurzen ausdeutenden Impuls, frei formulierte Fürbitten (dafür gibt's von mir einen dicken Pluspunkt), Vaterunser und Segen, das war's -, aber als zielgruppenspezifisches Angebot für Kinder im Vorschulalter fand ich das absolut okay und allemal erheblich besser als das, was in unserer Pfarrkirche einmal im Monat im Rahmen der normalen Gemeindemesse als "Familiengottesdienst" angeboten wird. Soweit, so okay; von dem anschließenden "Beisammensein" hätte ich mir indes mehr versprochen, oder wenn man so will, zugleich mehr UND weniger: Ich hatte mir vorgestellt, es würden weniger Familien daran teilnehmen, aber die würden dafür vielleicht mehr Interesse an einer Form von Familienpastoral signalisieren, die über "ab und zu mal ein Kindergottesdienst mit 'Gott-hat-uns-alle-lieb'-Message" hinausginge. Aber wie gesagt, eigentlich wäre das ein Thema für einen eigenen Artikel. Beim Manöverkritik-Gespräch auf dem Heimweg zeigte sich, dass meine Liebste - die erheblich mehr mit den anderen Eltern gesprochen hatte als ich und dabei auch Flyer für unseren "Krabbelbrunch" verteilt hatte - die Veranstaltung insgesamt eher noch kritischer beurteilte als ich: Im Wesentlichen, meinte sie, sei es eine Veranstaltung von Kita-Eltern für Kita-Eltern gewesen; dass man damit auch Eltern hätte ansprechen können, deren Kinder nicht in die zur Pfarrei gehörenden St.-Josephs-Kita gehen, hätten die Organisatoren offenbar gar nicht auf dem Schirm gehabt. (Wir hätten ja auch nichts davon gewusst, wenn die Pastoralreferentin - die selbst leider nicht dabei war - uns nicht persönlich eingeladen hätte.) -- Aber okay, man wird sehen, ob sich aus der einen oder anderen Begegnung, die sich bei diesem "Beisammensein" ergeben hat, doch noch etwas entwickelt. Tendenziell hat sich bei mir allerdings ein Eindruck verfestigt, den ich schon vor dieser Veranstaltung hatte: Wenn wir andere Familien kennenlernen, die irgendwie einen Bezug zur Kirche haben, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass die in einem bürgerlich-konventionellen Sinne erheblich konservativer sind als wir, dafür aber in Glaubensfragen liberaler. Eine diffizile Kombination...
Was ansteht: Die Termindichte in dieser Woche steht der der vergangenen kaum nach -- was zum Teil daran liegt, dass Termine aus der letzten Woche in dieser Woche eine Fortsetzung finden sollen. Dies betrifft vor allem die verschiedenen Arbeitsgruppen des Pastoralausschusses, denn am 19. September ist die nächste Pastoralausschusssitzung, und bis dahin sollen die diversen Arbeitsgruppen ihre Hausaufgaben gemacht haben. Mich betrifft das insoweit, als die AG Neuevangelisierung sich am Mittwoch treffen will bzw. soll, um über einen Kurztext für das Pastoralkonzept zu beraten, und am Freitag erneut über die "SWOT-Analyse" gesprochen werden soll. Es dürfte wohl kaum jemanden überraschen, dass meine Motivation sich in Grenzen hält -- zumal ich im Grunde noch nie so recht daran geglaubt habe, dass der Pastoralausschuss irgend etwas anderes produziert als heiße Luft bzw. das Altpapier von übermorgen. Wieso mache ich da überhaupt mit? Insbesondere im Fall der "SWOT-Analyse" finde ich es ein bisschen tragikomisch, dass, nachdem ich lang und breit erklärt habe, warum ich die nicht sinnvoll finde, dennoch von mir erwartet wird, dass ich daran mitarbeite. Vermutlich liegt das zum Teil daran, dass ich nicht besonders gut darin bin, laut und deutlich NEIN zu sagen, wenn jemand etwas von mir will. Damit hatte ich schon immer Schwierigkeiten. Dennoch möchte ich zum gegebenen Zeitpunkt nicht ausschließen, dass ich meine Teilnahme an den Sitzungen am Mittwoch und Freitag doch noch absage. Klüger wär's wahrscheinlich gewesen, ich hätte schon letzte Woche die Frage in den Raum gestellt, ob man das, was es bei diesen Sitzungen zu besprechen gibt, nicht genauso gut oder besser per eMail klären könne. Aber vielleicht ist es dafür ja noch nicht zu spät.
Ansonsten habe ich die Absicht, heute die neuen "Lebendigen Steine" zu drucken, morgen ist natürlich Lobpreis, außerdem aber auch Fraktionsempfang der Grünen Reinickendorf, und wenn ich rechtzeitig "Hier!" geschrieen hätte, hätte ich da durchaus als Vertreter des Pfarrgemeinderats von Herz Jesu Tegel hingehen können. Was mich davon abgehalten hat, war in erster Linie der Umstand, dass der Empfang an einem Ort stattfindet, wo man ohne Auto nicht gut hinkommt. Findet den Fehler, Grüne! -- Okay, zugegeben, mit dem Fahrrad ginge es. Wir haben familienintern durchaus erwogen, uns zu diesem Anlass Fahrräder (und einen Fahrradanhänger für die Kinder) zu leihen, konnten uns letztlich aber doch nicht entschließen, zumal an dem Abend eben auch Lobpreis ist.
Am Mittwoch werde ich um 18 Uhr wieder die Vesper vorbeten, nachdem im Lokalausschuss vereinbart worden ist, dass diese Gebetszeit am jeweils ersten Mittwoch im Monat weiterhin stattfindet. Überrascht war ich hingegen, in den Vermeldungen zu lesen, an diesem Mittwoch sei "Dinner mit Gott". Offensichtlich ein Irrtum bzw. Missverständnis, aber ich frage mich jetzt, ob ich mich vorsichtshalber nach der Vesper ins Gemeindehaus setzen und abwarten sollte, ob jemand kommt -- und ob ich gegebenenfalls auch etwas zu essen vorbereiten sollte...
Am Sonntag steht dann das vom Verein der Freunde der katholischen Kirche Herz Jesu Tegel e.V. organisierteBegegnungsfest an; wenn das Wetter mitspielt, wird die 9:30-Uhr-Messe unter freiem Himmel auf dem Brunowplatz gefeiert, anschließend gibt's auf dem Kirchengelände Kaffee, Kuchen und Infostände, und da bin ich natürlich voll involviert. Vielleicht schaffe ich es sogar noch, einen Kuchen zu backen.
Zitat der Woche:
"Ein Mensch ist dem anderen immer Sonne und Sonnenblume zugleich, Kranker und Krankenpfleger, Bettler und Almosengeber. Auf dem Weg des Glaubens gibt es im Grunde Geben und Empfangen nie so verteilt, dass der eine nur Geber, der andere nur Empfänger wäre. Vielmehr ist wirkliches Geben immer Empfangen und wirkliches Empfangen zugleich ein Geben - vor allem im Angesicht des Geheimnisses, um das wir kreisen und dem wir alle unser Leben verdanken."
Für alle, die über das, was ich weiter oben zum Konzept Kiezblocks geschrieben habe, noch mehr wissen wollen, gibt's hier jede Menge Informationen -- und darüber hinaus Möglichkeiten, selbst aktiv zu werden. Die Navigation der Seite ist praktisch selbsterklärend, dazu muss ich also wohl nicht viel sagen. Stattdessen kann ich den Raum hier nutzen, um noch ein paar Details zum Vortrag von Jakob Schwarz am vergangenen Dienstag nachzutragen. Autoverkehr in der Stadt, erklärte er, verhält sich in gewissem Sinne wie Wasser: Wenn man es an einer Stelle staut, sucht es sich einen anderen Weg. Aus demselben Grund, so Schwarz, sei es häufig keine ausreichende Lösung, einfach Verbotsschilder aufzustellen, um eine Straße für den Durchgangsverkehr zu sperren: "Wasser würde sich durch ein Schild auch nicht aufhalten lassen." Interessant fand ich auch, dass er anmerkte, das Problem, dass Autofahrer Nebenstraßen nutzen, um dem Stau auf den Hauptverkehrsachsen auszuweichen, habe es grundsätzlich "schon immer" gegeben, aber mit dem Aufkommen von Navigationsgeräten habe es sich massiv verschärft.
Kurz und gut: Was ich am Dienstag über "Kiezblocks" gehört habe, hat mich überzeugt, dass das ein durchaus praktikables Konzept ist, und der Grundgedanke einer Stadtplanung, die - so das Schlagwort - Raum für Menschen statt für Autos schafft, ist mir allemal sympathisch. Ich bin auch durchaus der Meinung, dass das ein #BenOp-relevantes Thema ist -- wie man z.B. aus Rod Drehers "Crunchy Cons", Haley Stewarts "The Grace of Enough" und sogar aus dem Kinderbuch "Lene und die Pappelplatztiger" lernen kann.
Ein Haken an der Sache, den ich nicht verschweigen will, besteht darin, dass sich das Konzept "Kiezblock" - und ebenso bzw. erst recht das dazu gewissermaßen komplementäre Konzept der "Wandernden lebenswerten Straßenräume" - letztlich nur "top-down" verwirklichen lässt, also mit Unterstützung der jeweiligen Stadt- oder Bezirksverwaltung. Das widerstrebt nicht nur meinem ausgeprägten Hang zum Prinzip "Graswurzelrevolution", sondern wirft auch die Frage auf: Gibt es in "der Politik" überhaupt Unterstützung für sowas, außer bei den Grünen? In Berlin sind demnächst Wahlen, aber die Grünen sind hier schließlich jetzt schon an der Regierung beteiligt, und da kann ich mir mit Blick auf die zu erwartenden Wahlergebnisse den Kalauer nicht verkneifen: Grüner wird's nicht. Und die SPD ist nun mal eine Autofahrerpartei. Oder?
Guck an: Neulich gab's hier "10 Hinweise für die Notwendigkeit von Gemeindeneugründungen" von Hanniel Strebel, und nun kommt Tobias Faix, evangelischer Theologe und Professor an der CVJM-Hochschule Kassel UND zugleich an der University of South Africa, und setzt noch einen (bzw. fünf) drauf. Musste ich mir natürlich ansehen, auch wenn ich nicht verhehlen will, dass mich schon allein das Wort "Startups" in der Überschrift abschreckte bzw skeptisch stimmte. Damit nicht genug, enthält allein der einleitende Absatz Vokabeln wie "Fresh-X", "Erprobungsräume", "Coworkingspaces" und "Innovationen in den Zwischenräumen von Kirche, Diakonie und Gemeinwesen", und ich denke: gniärch. Im weiteren Verlauf kommen dann noch "Entrepreneure", "Resilienz", "Balance zwischen Evangelium und Kultur", "Gesellschaft der Singularitäten" und "Empowerment" (kotz!) hinzu, vom Gender-Doppelpunkt bei "Gründer:innen" ganz zu schweigen. Kann jemand, der sich einer derart korrupten und kurzum superkackeekeligen Sprache bedient, dennoch etwas Wertvolles zu sagen haben? -- Erstaunlicherweise lautet die Antwort Ja. Tatsächlich finde ich einige seiner Kernthesen - oder jedenfalls das, was ich als seine Kernthesen betrachte - sehr gut; so gut, dass ich ein paar Auszüge daraus in meinem Thesenpapier zum Thema SWOT-Analyse zitiert habe. Nämlich die folgenden:
„Gott ist das handelnde Subjekt und wir sind Teil seiner Mission, dies bestimmt wesentlich die Haltung und nimmt Erfolgsdruck und Machbarkeitswahn raus. […] Es geht nicht nur um das menschlich Machbare. […] Gott ist schon da, handelt schon und unsere Aufgabe ist es, zuzuhören, Gott und den Menschen, um herauszufinden, was wirklich in diesem Stadtteil nötig ist. Was ist die Vision Gottes."
Man kann sich nun natürlich fragen - ich jedenfalls tue es -, wie diese Einsichten sich eigentlich mit dem garstigen Marketing-Sprech vertragen, auf den ich oben hingewiesen habe. Faix hat eine Antwort darauf -- in der letzten seiner 15 Thesen: "Neugründungen und Startup stehen in der Spannung zwischen unternehmerischem Handeln und einer Reich Gottes Ethik" (nur echt mit den Deppenleerzeichen). Sorry, ich bin nicht überzeugt. Sicher, so Mancher, der sich anschaut, was ich hier auf meinem Blog für Positionen miteinander in Verbindung zu bringen trachte, wird ebenfalls der Meinung sein, da passe Vieles nicht recht zusammen. Sehe ich naturgemäß anders. Was jedenfalls die 15 Thesen des Tobias Faix betrifft, nehme ich mir die Freiheit, mir da herauszupicken, was mich anspricht, und den Rest weiterhin doof zu finden; und natürlich kann ich niemanden daran hindern, mit meinen Thesen genauso zu verfahren.
Eigentlich finde ich es ja ein bisschen grenzwertig, Artikel aus dem Neuen Ruhr-Wort zu promoten, dessen redaktionelle Linie man wohl irgendwo zwischen Doofradio und häretisch.de verorten kann. Anders als diese ist das Gelsenkirchener Blatt allerdings kein kircheneigenes Medium: In Name und Selbstverständnis tritt das Neue Ruhr-Wort zwar als Nachfolgeprojekt zur 2013 eingestellten Bistumszeitung RuhrWort des Bistums Essen auf, legt aber Wert darauf, von der institutionellen Kirche unabhängig zu sein, und das finde ich ja grundsätzlich sympathisch. Aber die redaktionelle Linie ist eben trotzdem so, wie sie ist.
Wodurch empfiehlt sich nun also dieser Artikel, über den ich auf Twitter stolperte, für meine Linktipps der Woche? Was die inhaltliche Seite angeht, konnte man die zentrale Information - dass der Hamburger Generalvikar Thim auf eine rasche Entscheidung des Vatikans über Erzbischof Heßes Rücktrittsgesuch drängt und, um dieser Forderung Nachdruck zu verleihen, die diözesanen Gremien nicht mehr einberufen will - auf der Facebook-Seite des Erzbistums Hamburg schon vor mehr als zwei Wochen erfahren; ist der Neuigkeitswert des Artikels im Neuen Ruhr-Wort demnach eher gering, so besticht er doch durch einen geradezu lächerlich pompösen Boulevardstil. Schon die Formulierung "Wer ist der Mann, der ein starkes Signal setzt und den Konflikt mit Rom riskiert?" im Teaser-Absatz bescherte mir einen hartnäckigen Ohrwurm:
"Who is the man who would risk his neck for his brother man?
Who's the cat that won't cop out when there's danger all about?"
Can you dig it? I say that Ansgar Thim is a bad mother--
SHUT YOUR MOUTH!
Ja, schon gut. -- Aber im Grunde, glaube ich, geht's dem Artikel tatsächlich genau darum: Generalvikar Thim über den grünen Klee zu loben, weil er den Mut hat, sich mit "Rom" anzulegen (sowas kommt in Deutschland immer gut an!), und ihn womöglich - da "das Erzbistum Hamburg nach eigenem Bekunden davon aus[geht], dass der Rücktritt Heßes angenommen wird" - selbst als potentiellen neuen Oberhirten im "Bistum im Norden, wo die Katholiken rar und die Kassen knapp sind" (das steht da wirklich!) in Stellung zu bringen. Schließlich ist er ein "erklärter Unterstützer des katholischen Reformprozesses Synodaler Weg". -- Heißt der jetzt eigentlich offiziell so? "Katholischer Reformprozess Synodaler Weg (KRSW)"? Klänge doch toll. Man könnte auch noch ein paar Namensbestandteile hinzufügen, das würde dann noch sozialistisch-bürokratischer 'rüberkommen. "Katholisch-demokratischer Reformprozess bürgerlichen Rechts 'Synodaler Weg' gemeinnützige UG (haftungsbeschränkt)" würde mir z.B. gut gefallen, das würde dann auch gleich deutlich machen, dass, wenn das ganze Ding Bankrott macht, niemand für die Schulden aufkommt.
Aber mal was Anderes: Nutzerkommentare auf der oben erwähnten Facebook-Seite des Erzbistums Hamburg haben mich darüber belehrt, dass es Leute gibt - und zwar offenbar nicht ganz wenige -, die es bedauern würden, wenn der Papst Erzbischof Heßes Rücktrittsgesuch annähme, und die der Meinung sind, dieser sei "ein guter Erzbischof", ja sogar "ein hervorragender Mann". Das hat mich zunächst mal gewundert, aber vermutlich hat es mit dem verbreiteten Phänomen des "Amtsbonus" zu tun - einer milden Form von Stockholmsyndrom, ohne die es z.B. wohl auch kaum erklärlich wäre, warum so viele Deutsche Angela Merkel für eine gute Bundeskanzlerin halten. Das ist so ähnlich, wie wenn man auf dem Zahnarztstuhl sitzt bzw. liegt: Da will man einfach glauben, die Person, die sich über einen beugt, sei erstens kompetent und habe zweitens gute Absichten.
Indes werde ich den Verdacht nicht ganz los, die Leute, die wollen, dass Stefan Heße Erzbischof von Hamburg bleibt, seien im wesentlichen dieselben, die meinen, Kardinal Woelki müsse zurücktreten - obwohl dasselbe Gutachten, das Heße aus seiner Zeit als Personalchef im Erzbistum Köln regelmäßiges schweres Fehlverhalten bei der Aufklärung oder besser Nicht-Aufklärung von Missbrauchsfällen vorwirft, bei Woelki kein Fehlverhalten feststellen konnte. Es liegt wohl einigermaßen nahe, den Umstand, dass der Volkszorn in Sachen Missbrauchsaufarbeitung sich so auffallend asymmetrisch auf die Person Woelki konzentriert, im Zusammenhang mit dessen Haltung zum KRSW zu betrachten; gleichwohl wüsste ich nicht, wie man bei Erzbischof Heße selbst aus postchristlich-"progressiver" Sicht zu der Auffassung gelangen kann, dieser sei eine besondere Zierde für sein Amt. Okay, er hat sich wiederholt für mehr Wertschätzung gegenüber homosexuellen Partnerschaften und für eine "offene Debatte" über das Frauenpriestertum ausgesprochen. Aber das sind doch nur Worte. In der kirchenpolitischen Debatte mitreden könnte er als emeritierter Bischof schließlich immer noch; das sieht man ja an Margot Käßmann, von der man wohl behaupten kann, ihr Ansehen in der Öffentlichkeit - und damit ihr Einfluss - sei nach ihrem Rücktritt als Landesbischöfin erheblich gestiegen. Von öffentlichkeitswirksamen Statements mal abgesehen frage ich mich jedenfalls: Was hat Stefan Heße in seinem Amt als Erzbischof denn konkret getan, was man ihm als positive Leistung anrechnen könnte? Vielleicht können meine Leser im hohen Norden mir diesbezüglich auf die Sprünge helfen, aber bisher habe ich über die dortigen Verhältnisse eigentlich nur Schlechtes gehört. Möglicherweise könnte man argumentieren, für vieles von dem, was im Erzbistum Hamburg im Argen liegt, sei Heße nicht verantwortlich zu machen, da er ja erst seit 2015 in Hamburg ist und die Ursachen für die Misere weiter in die Vergangenheit zurückreichen. Wer aber wäre dann dafür verantwortlich zu machen? Am Ende womöglich gar - zumindest zum Teil - Ansgar Thim, der schließlich bereits seit 2008 zur Leitungsebene des Erzbistums gehört, 2013/14 schon einmal Generalvikar und anschließend Administrator des Erzbistums Hamburg war?
Vor ein paar Jahren habe ich auf meinem Blog mal darüber phantasiert, dass Klosterneugründungen an "spirituell verödeten" Orten eine ähnlich durchschlagende Wirkung entfalten könnten wie die Wiederansiedlung von Wölfen im Yellowstone-Nationalpark. Als Paradebeispiel dafür, dass Klosterneugründungen - anders als man denken könnte - auch hierzulande heute noch möglich sind und tatsächlich stattfinden, hatte ich das Zisterzienserpriorat Neuzelle vor Augen, das ich seither mehrmals besucht habe; was och hingegen bis vor Kurzem nicht wusste, ist, dass auch die Prämonstratenser-Abtei Hamborn bereits 1991 ein Priorat in Magdeburg gegründet hat. Für die Prämonstratenser ist Magdeburg ein außerordentlich geschichtsträchtiger Ort, da ihr Ordensgründer, der Hl. Norbert von Xanten, dort 1126 Erzbischof wurde und den Prämonstratensern das dortige Kloster Unser Lieben Frauen übertrug, das in der Folge praktisch zum Mutterkloster des Ordens wurde, infolge der Reformation aber 1601 aufgegeben wurde. Im 30-jährigen Krieg erhielt der Orden das Kloster vorübergehend zurück, aber 1632 verließen die Prämonstratenser Magdeburg endgültig. Bis 1991, wie gesagt.
-- Was halten wir davon? Dass das Bauprojekt, wie man unter dem Menüpunkt "Projektschritte" erfahren kann, im Frühsommer 2018 mit dem symbolischen Niederreißen der "Mauer zwischen den Konfessionen" begonnen wurde, das ist schon sehr "cringe", wie die jungen Leute sagen. Aber davon abgesehen klingt das eigentlich alles sehr gut. Fast ein bisschen zu gut, um wahr zu sein. Wo ist der Haken? Falls Leser aus dem Bistum Magdeburg (oder auch andere) mich mit genaueren Informationen über dieses Projekt versorgen können, komme ich bei Gelegenheit gern auf dieses Thema zurück.
Der Beatles-Klassiker in einer Coverversion mit einer Extraportion Soul, eineinhalb Jahre nach dem Original veröffentlicht. Zum durchaus brisanten geistlichen Gehalt des von Paul McCartney verfassten Songtexts gibt es einen lesenswerten Blogartikel von Elizabeth Scalia; in diesem Zusammenhang ist es nicht uninteressant, dass ich bei flüchtigem Hinhören den Eindruck hatte, Ray Charles habe die "härteste" Textstelle de Songs - "as he walked from the grave / no one was saved" - zu "as he walked from the green / no one was seen" abgemildert. Das hat sich aber bei mehrmaligem Anhören als Irrtum erwiesen.
Aus der Lesehore:
Hoffnung auf Leben ist Anfang und Ziel unseres Glaubens; Gerechtigkeit ist der Anfang und das Ziel des Gerichts; Liebe in Fröhlichkeit und Freude sind Zeugnis für die Werke der Gerechtigkeit. Denn der Herr hat uns durch die Propheten das Vergangene und das Gegenwärtige kundgetan und hat uns den Vorgeschmack künftiger Seligkeit gegeben. Ich aber will – nicht wie ein Lehrer, sondern wie euresgleichen – einiges dartun, wodurch ihr schon in den gegenwärtigen Verhältnissen Freude gewinnen könnt. Da "die Tage böse sind" (vgl. Eph 5,16) und der Widersacher die Macht hat, müssen wir auf uns selbst achten und die Weisung des Herrn erforschen. Helfer unseres Glaubens sind Furcht und Geduld, unsere Mitstreiter Großmut und Enthaltsamkeit. Wenn diese Tugenden unversehrt dem Herrn zugewandt bleiben, freuen sich zusammen mit ihnen Weisheit und Einsicht, Wissen und Erkenntnis.
Was bisher geschah: Ich beginne mal mit etwas, was strenggenommen noch in das vorige Wochenbriefing hineingehört hätte -- einem Dialog am Frühstückstisch an Mariä Himmelfahrt, vorletzten Sonntag. "Also nächstes Jahr gibt es keine MEHR, sondern stattdessen eine WENIGER-Konferenz", teilte meine Liebste mir mit. "Die findet zweimal hintereinander statt, ohne Kinderprogramm und auch ohne Live-Übertragung; man kann sie nur erleben, indem man an ihr teilnimmt."
Na ja, was soll man sagen. Ob das nun in die dicker und dicker werdende Ablage "How COVID ruined everything" gehört oder, wie meine Liebste meint, eher damit zu tun hat, dass "Hartl auf so'nem Entschleunigungstrip" ist -- lassen wir das mal dahingestellt.
Am Montag ging es mir sehr schlecht: Ich litt, bedingt durch Stress und Schlafmangel, an Kopfschmerzen, vor allem aber war ich frustriert darüber, in der Gremienarbeit in der Pfarrei immer wieder gegen Wände zu laufen (ein Gefühl, das sich in meinem Wochenbriefing von voriger Woche wohl sehr deutlich niedergeschlagen hat), und hatte das Gefühl, unendlich viel zu tun zu haben und mit nichts so richtig voran zu kommen. Aber schon am Dienstag ging es wieder bergauf mit mir. Das begann damit, dass ich es schaffte, etwa eineinhalb Stunden früher aufzustehen als der Rest der Familie, um erst mal ein bisschen "Zeit für mich" zu haben. Am frühen Abend hatten wir, wie jeden Dienstag, Lobpreisandacht, allerdings hatte ich meiner Tochter Bernadette versprochen, vorher noch mit ihr die beiden Schnecken, die sie seit etwa eineinhalb Wochen in einem Schraubglas gehalten hatte, im Garten der Kirche "auszuwildern" und gegebenenfalls neue zu suchen. Meine Liebste kam mit dem Baby kurze Zeit später nach, Bernadette spielte auf dem Kirchengrundstück fröhlich mit den Nachbarsmädchen, und dann trafen wir unsere Pastoralreferentin, die wohl eigentlich gerade etwas im Pfarrbüro zu erledigen hatte, sich aber fast eine halbe Stunde Zeit für ein Gespräch mit uns nahm -- zunächst rein "privat", dann aber doch auch über verschiedene Aktivitäten und Projekte in der Pfarrei, und das erwies sich als sehr hilfreich zur Überwindung meiner Motivationskrise.
Schnecken fanden sich im Garten der Kirche reichlich; noch mehr als hier zu sehen sind.
Was die Lobpreisandacht betrifft, dachte ich zunächst, ich würde sie allein bestreiten müssen, während unsere Große weiterhin im Hof mit den Nachbarsmädchen spielte und meine Liebste sie dabei beaufsichtigte (und gleichzeitig das Baby stillte). Aber kaum hatte ich mit der Andacht begonnen, da kamen Bernadette und eins der anderen Mädchen in die Kirche gelaufen und tanzten zur Lobpreismusik. Ich war entzückt. Nicht minder entzückt war ich, als ich während der laufenden Andacht erwog, anstelle der Kurzlesung aus der Vesper vom Tag (die sich schließlich alle vier Wochen wiederholt) die Tageslesung aus dem Messlektionar zu nehmen -- und feststellte, dass da die Berufung Gideons aus dem Buch der Richter dran war; habe ich erwähnt, dass mein kleiner Sohn Gideon heißt? Nach der Andacht gingen wir erneut bei dem Vietnamesen gegenüber der Kirche essen, und der Laden ist echt gut.
Den Mittwoch verbrachten Frau und Kinder größtenteils im Tierpark, was mir den nötigen Freiraum verschaffte, an der September-Ausgabe der "Lebendigen Steine", an meinen Buchrezensionen und an diesem Blogartikel zu arbeiten. Am Donnerstag begleitete ich meine Familie erst einmal zu einer Spielplatz-Verabredung, klinkte mich da aber nach knapp zwei Stunden aus, und als ich nach Hause kam, fand ich im Briefkasten das eigentlich schon letzte Woche erwartete Rezensionsexemplar des Buches "Den ersten Schritt macht Gott" von Bischof Stefan Oster und meinem Freund Rudolf Gehrig vor. Kommt natürlich auf meine Leseliste, allerdings würde es im Rahmen der "100-Bücher-Challenge" erst in Etappe 10 drankommen, und ich fürchte, ein Teil meiner Leser - allen voran Rudolf selbst - kann so lange nicht warten, also muss ich vielleicht demnächst schon mal eine "Sneak-Preview" auf Facebook veröffentlichen oder so.
Am Freitag, dem Gedenktag des Hl. Bernhard von Clairvaux, hatte meine Liebste nachmittags eine Vorstandssitzung des Vereins "Freunde der katholischen Kirche Herz Jesu Tegel e.V." zum Zweck der Planung eines "Begegnungsfests" am 5. September; ich beaufsichtigte derweil - nach einem kurzen Besuch der Eucharistischen Anbetung - unsere Große beim Spielen im Hof der Kirche. Im Anschluss an die Vorstandssitzung war Abendmesse, und wir hatten gehört, dass ein junges Ehepaar, das erst seit wenigen Monaten im Gemeindegebiet wohnt, in dieser Messe ihr zehnjähriges Ehejubiläum feiern wollte. Junge Familie? Neu in der Gemeinde? Die wollten wir natürlich kennenlernen! Tatsächlich schafften wir es, uns ihnen nach der Messe vorzustellen und ein paar Worte mit ihnen zu wechseln. Schauen wir mal, wie sich das weiter entwickelt.
Am Samstag standen wir zeitig auf, um den Krabbelbrunch vorzubereiten -- den ersten seit 17 Monaten.
Schon im Vorfeld hatten wir uns - u.a. angesichts mangelnder Werbung, wofür wir uns zum Teil (zum Teil aber auch nicht) an die eigene Nase fassen müssen - Gedanken gemacht, ob überhaupt jemand kommen würde. Diese Sorge erwies sich als berechtigt, aber hey: Für unsere eigenen Kinder war's schön, für die Erwachsenen gab's leckeren Kaffee und coronakonform einzeln verpacktes Kleingebäck, und schließlich verfuhren wir wie in dem Gleichnis vom Hochzeitsmahl und luden die Nachbarsmädchen ein, sich zu uns zu gesellen. Aus dem Alter für die von uns aufgebaute Spiellandschaft waren die zwar schon deutlich raus, aber nett war's trotzdem.
Das designierte Highlight des Sonntags war dann das Maria 1.0-Regionaltreffen für das Erzbistum Berlin. Der Anfang des Zoom-Meetings geriet aus technischen Gründen etwas holprig, aber dann wurde es doch sehr interessant und nett. Der voraussichtliche nächste Schritt wird die Einrichtung einer Mailingliste für die Koordination zukünftiger gemeinschaftlicher Aktivitäten sein; da steckt also noch Einiges an Potential drin.
Was ansteht: Ich hatte es vorige Woche bereits angedeutet: Diese Woche platzt mein Terminkalender wirklich aus allen Nähten. Okay, heute noch nicht; heute ist "nur" der Redaktionsschluss für die September-Ausgabe der "Lebendigen Steine". Aber morgen - am Fest des Apostels Bartholomäus - steht beim vom Baumhaus ausgerichteten Emergent Berlin Festival ein, wie mir scheint, ziemlich vielversprechendes Thema auf dem Programm: "How to Kiezblock - Wandering Liveable Streetspace", ein "Teach-In" mit Kai Siefke vom Verein Changing Cities. (Was mich übrigens daran erinnert, dass dieser Verein auch mal eine Veranstaltung in "unserem" Pfarrhaus hatte...). Schauen wir mal, ob ich es schaffe, da nach der Lobpreisandacht hinzufahren.
Am Mittwoch, dem Gedenktag des Heiligen Ludwig, trifft sich die AG Neuevangelisierung, vorrangig zu dem Zweck, die monatlichen Herz-Jesu-Andachten in unserer Pfarrkirche für das nächste halbe Jahr oder so zu planen, aber ich gehe mal davon aus, dass bei der Gelegenheit auch andere Anliegen diskutiert werden. So zum Beispiel die abgefahrene Idee des Pastoralausschusses, die einzelnen Gemeinden und "Orte kirchlichen Lebens" des Pastoralen Raums sollten eine "SWOT-Analyse" erarbeiten. Wie ich mich kenne, wird mein Beitrag dazu vorrangig darin bestehen, darzulegen, warum ich diese Idee eher nicht so brillant finde -- oder sagen wir: was ich daran problematisch finde.
Am Donnerstag soll, meinem Terminkalender zufolge, das zweite Planungstreffen für die Einrichtung eines Instagram-Accounts für den Pastoralen Raum Reinickendorf-Süd stattfinden, aber da ich seit dem ersten Treffen dieser Gruppe (vor acht [!] Wochen) nichts mehr davon gehört habe, bin ich nicht ganz sicher, dass es wirklich stattfinden wird. Schauen wir mal. Dann ist schon Freitag, der Gedenktag der Hl. Monika, und da ist Lokalausschuss. Ein wichtiges Thema dürfte da wohl die angestrebte Renovierung der Pfarrhausküche sein; was sonst noch auf die Tagesordnung kommt, bleibt abzuwarten, aber die Erfahrung spricht dafür, dass da eine ganze Reihe von Themen zusammenkommen wird.
Am Samstag ist der Gedenktag des Hl. Augustinus, und der wird in der zu unserem Pastoralen Raum gehörenden Pfarrei St. Rita - die aus einem Augustinerkonvent hervorgegangen ist - groß gefeiert: mit einer Festmesse um 18:30 Uhr, anschließendem Umtrunk im Klostergarten und einem Sinfoniekonzert um 21 Uhr. Der Umtrunk würde mich ja - unter Networking-Gesichtspunkten, versteht sich - durchaus interessieren, das Sinfoniekonzert ehrlich gesagt weniger. Aber vielleicht liest dies ja jemand, der sowohl Lust als auch die Möglichkeit hat, da hinzugehen.
Und am Sonntag gibt's in St. Joseph einen "Familien-Wortgottesdienst". Normalerweise wäre das ja nun so richtig überhaupt nicht unser Ding, aber uns wurde mitgeteilt, dass diese Veranstaltung auf Initiative einer erst kürzlich ins Gemeindegebiet gezogenen Familie organisiert worden ist -- nicht der Familie, die vergangenen Freitag in Herz Jesu ihr Ehejubiläum gefeiert hat, aber die wird wohl auch dabei sein. Ich bin gespannt!
Zitat der Woche:
"Nur ein ganz klein wenig Glaube genügt, und Petrus kann auf dem Wasser gehen. Denn Glaube bedeutet Einssein, Einigsein mit Gott, und diese Einheit wirkt Wunder. Sich einzulassen auf die Wirklichkeit Gottes, ist ansteckend. Oft bemerken wir gerade bei Menschen, die Übermenschliches leisten oder erleiden, dass ihnen solches nur in der Kraft des Glaubens möglich ist."
Ein Artikel von vor einem Jahr, aber sein Anlass - der Gedenktag des Hl. Maximilian Kolbe - wiederholt sich ja jedes Jahr, und somit wurde der Artikel unlängst erneut in den Sozialen Medien verbreitet. Und das ist gut so, denn ich (und sicherlich nicht nur ich) habe ihn dadurch zum ersten Mal zu Gesicht bekommen. Hätte ich schon früher von der Existenz dieses Artikels gewusst, hätte ich vermutlich ein paar Auszüge daraus für die August-Ausgabe der "Lebendigen Steine"verwendet.
Elizabeth Scalia präsentiert in ihrem Artikel keine umfassende biographische Skizze des Heiligen, sondern konzentriert sich weitgehend auf die Umstände seines Todes im KZ Auschwitz. Die äußeren Fakten dieses Vorgangs sind ja recht bekannt, aber Elizabeth Scalia schildert die Ereignisse - unter Berufung auf Zeugenaussagen - sehr eindringlich.
Dreh- und Angelpunkt des Artikels ist, dass Elizabeth Scalia die letzten Tage des Hl. Maximilian Kolbe als ein Zeugnis für die subversive Kraft des Gebets betrachtet. "Das Gebet eines gläubigen Menschen ist die Waffe des wahren Widerstandskämpfers", schreibt sie: "Was auch immer man dem Leib antun mag: Der Geist, wenn er durch das Gebet freigesetzt wird, kann nicht gezähmt werden." Und schließlich:
"Die weltlich Gesinnten nennen den Glauben töricht und spotten über ihn. Genau deswegen werden sie letzten Endes unterliegen. Man kann keinen Krieg gewinnen, wenn man die Waffen geringschätzt, die denen zur Verfügung stehen, die man unterdrückt."
In diesem Zusammenhang scheint es mir übrigens erwähnenswert, dass neulich in einem informellen Gespräch unter engagierten Gemeindemitgliedern die Rede davon war, die Gemeinde solle Vorschläge für ein Patrozinium der Großpfarrei sammeln, die in ein paar Jahren aus unserem Pastoralen Raum hervorgehen soll. Spontan brachte ich den Namen Maximilian Kolbe ins Gespräch, u.a. auch mit Blick auf die signifikante Anzahl polnischstämmiger Katholiken im Pastoralen Raum. Meine Gesprächspartner äußerten jedoch Bedenken: Kolbe sei ja ein Widerstandskämpfer gewesen, und das vertrage sich womöglich schlecht mit dem Selbstverständnis einer Kirche, die in der Mitte der Gesellschaft stehen wolle.
Nanu, schon wieder Hanniel? Jo, isso. Die Überschrift hat mich neugierig gemacht. Aufmerksamen Lesern wird nicht entgangen sein, dass ich in den letzten beiden Wochenbriefings andeutungsweise ein gewisses Maß an Sympathie oder jedenfalls Verständnis für die sogenannte "Querdenker"-Bewegung signalisiert habe; und wenngleich ich wenig Lust verspüre, mich dafür zu rechtfertigen, denke ich doch, ein bisschen Kontextualisierung und differenzierte Betrachtung ist da durchaus ratsam. Und dafür bietet eine Auseinandersetzung mit diesem Hanniel-Blogartikel recht gute Ansatzpunkte.
"Corona ist für mich Symptom-Thema", beginnt Hanniel. "Sie [?] fördert Schwach- und Bruchstellen sowohl bei säkularen Post-Evangelikalen als auch bei den gegenweltlichen Konservativen zu Tage." Das klingt erst einmal sehr ausgewogen und ist sicherlich auch so gemeint; folglich war ich zunächst etwas überrascht, dass Hanniels insgesamt sehr knappe Anmerkungen zu diesem Thema vorrangig als Kritik oder Ermahnung an die Adresse der "gegenweltlichen Konservativen" zu verstehen sind. Das mag zum Teil mit der Zielgruppenorientierung des Hanniel-Blogs zu tun haben -- in dem Sinne, dass der Autor möglicherweise davon ausgeht, die "säkularen Post-Evangelikalen" würden sich von ihm sowieso nichts sagen lassen bzw er habe ihnen schlichtweg nichts zu sagen. Trotzdem erscheint es mir bezeichnend, dass ich mir unter der Überschrift dieses Artikels tendenziell etwas Anderes vorgestellt hätte; und ich möchte behaupten, das hat mit einem unterschiedlichen Erfahrungshorizont zu tun.
Damit will ich sagen: Wenn ich beim Stichwort Vermischung von Corona und Evangelium in erster Linie eher nicht an fundamentalistische Impfgegner denke, die ihre Haltung zur herrschenden Corona-Politik zum Prüfstein christlicher Rechtgläubigkeit erheben, sondern eher an die exakt gegenteilige Position, dann hat das zweifellos auch damit zu tun, welche Haltung ich als die dominante erlebe. Gut, zugegeben: In einem Buch für Gebetsanliegen, das in unserer Pfarrkirche ausliegt, finden sich in jüngster Zeit immer mal wieder Einträge, in denen gewarnt wird, die Corona-Impfung sei "vom Satan", und hin und wieder tauchen entsprechend apokalyptische Pamphlete auch in der Schriftenauslage oder im Büchertauschregal auf. Aber das würde ich alles in allem doch als extreme Außenseiterpositionen betrachten, die im volkskirchlichen Mainstream kaum toleriert, geschweige denn ernst genommen werden. Volkskirchliche Normalität, so wie ich sie wahrnehme, ist ja eher von einem Ausmaß von Compliance gegenüber den behördlichen Corona-Vorschriften geprägt, dass man sich manchmal wünschen würde, die Glaubenslehre der Kirche würde auch nur halb so gewissenhaft befolgt. "Desinfektionsmittel statt Weihwasser" ist, wie mir scheint, eine recht symbolkräftige Illustration für diesen Sachverhalt.
Nun ist dies allerdings eine Frage, in der auch der Papst nicht unfehlbar ist. Er kann - mit Recht - darauf hinweisen, dass es moralisch geboten ist, die eigene Gesundheit und die der Mitmenschen nach Möglichkeit zu schützen. Darüber zu urteilen, inwieweit eine Corona-Impfung diesem Zweck dient oder gar notwendig dafür ist, fällt nicht in seinen Kompetenzbereich als Papst.
Das Problem an solchen Positionierungen ist, so wie ich (und gewiss nicht nur ich allein) es sehe, nämlich dies: Wenn, wie man immer wieder hört und liest, die Impfung zwar das Risiko eines schweren Krankheitsverlaufs signifikant verringert, den Geimpften aber weder davor schützt, infiziert zu werden, noch auch davor, Andere anzustecken, dann ist das in kirchlichen Kreisen sehr beliebte Narrativ, es sei ein Gebot der christlichen Nächstenliebe, sich impfen zu lassen, um Andere zu schützen, schlichtweg gegenstandslos. Aber wenn das so ist - und wenn somit auch durch eine flächendeckende "Durchimpfung" der Bevölkerung keine "Herdenimmunität" erreicht werden kann -, stellt sich die Frage: Wozu dann der enorme politische, mediale und gesellschaftliche Druck, mit dem dafür gesorgt werden soll, dass alle Welt geimpft werde? Solange es auf diese Frage keine überzeugende Antwort gibt, braucht man sich über das Grassieren von Verschwörungstheorien nicht zu wundern. Sicherlich sind manche Vorstellungen, die in den Kreisen der sogenannten "Querdenker" kursieren, deutlich "over the top" -- zum Teil einfach abwegig, zum Teil wohl auch mit einer potentiell gefährlichen ideologischen Schlagseite ausgestattet -; aber dass diese Leute das Gefühl haben, den "offiziellen Autoritäten" nicht trauen zu können, kann ich ihnen schwerlich verübeln. Und darum erscheint es mir ausgesprochen unglücklich, wenn auch die Kirchen sich demonstrativ auf die Seite jener offiziellen Autoritäten schlagen.
Nun aber zurück zu Hanniel! Seiner Ausgangsthese, es sei "problematisch", eine "Positionierung zur Impfung direkt mit dem Evangelium zu verbinden", kann ich voll und ganz zustimmen; interessant wird es dann in den nächsten zwei Sätzen:
"Diejenigen, die so auf die Unterscheidung des bürgerlichen und staatlichen Regiments pochten, werden so unvermittelt zu Jüngern gegen die Impfung. Das nenne ich eine Vermischung der zwei Reiche (statt einer Unterscheidung)."
Das gibt zu denken; aber stimmt das eigentlich, oder ist es doch nur argumentative Spiegelfechterei? Ich bin mir da nicht ganz sicher. Vielleicht könnte das Buch "Corona und Christus" von John Piper, das Hanniel als weiterführende Lektüre empfiehlt; aber ich glaube, so genau, dass ich deswegen freiwillig ein ganzes Buch zum Thema "Christen und Corona" lesen würde, will ich es dann doch nicht wissen.
Wiederum gänzlich mit Hanniel einverstanden bin ich, wenn er denjenigen Christen, die sich "unverhohlen als Vertreter der 'harten Rechten' zu erkennen" geben, vorhält, sie stellten "damit das Evangelium unter einen Gesinnungsvorbehalt". In der Tat: Die Glaubensüberzeugungen des Christen sollen seine politische Haltung prägen, nicht umgekehrt. (Das ist übrigens eine Forderung, die viele "liberale Christen" - unter Verweis auf die Trennung von Staat und Kirche, die sie als Trennung von Politik und Religion missverstehen - empört bis entsetzt zurückweisen würden. Aber das ist ein Thema für sich.)
Zum Schluss merkt Hanniel noch an: "Die Geimpften kochen vor Wut über nicht Geimpfte und sind verhindert zu beten." Fundamentalistische Impfskeptiker unter den Christen könnten hier nun empört fragen: "Wie bitte, sollen wir daran jetzt auch noch schuld sein?" Dazu würde ich sagen, man muss nicht unterstellen, dass Hanniel das so gemeint hat, aber es kann wohl nicht schaden, in diesem Zusammenhang an die eindringlichen Warnungen der Evangelien davor zu denken, dass Christen füreinander zum skandalon, zum Stein des Anstoßes werden. Wie der Theologe Klaus Berger in seinem Buch "Jesus", S. 88, schreibt, ist "Ärgernisgeben" - verstanden als "ein Verhalten, mit dem ich den anderen provoziere, ihn störe, ihn irritiere, ihn unsicher mache in seinem Christsein" - dem Zeugnis der Evangelien und Briefe des Neuen Testaments zufolge "ungefähr das Schlimmste, was ein Christ dem anderen antun kann". Zumindest könnte man sagen, wer ein besonders guter Christ sein will, ist gut beraten, sich besonders darum zu bemühen, seine Feinde zu lieben. Das gilt im hier angesprochenen Konflikt natürlich für beide Seiten, und auch unabhängig vom Thema Corona immer und für uns alle, nicht zuletzt für mich. Ich weiß sehr wohl, dass die Feindesliebe nicht meine stärkste Seite ist. Aber ich bemühe mich um Besserung.
(Nebenbei möchte ich anmerken, dass dieser Artikel durchaus auch exemplarisch ist für den trockenen, hölzernen Stil, der erheblichen Anteil daran hat, dass ich mit Hanniel Strebel nicht so richtig warm werde. Aber das gilt unabhängig von seinen inhaltlichen Positionierungen.)
Vivian Warren ist 43, lebt und arbeitet in einer Niederlassung der Bruderhof-Gemeinschaft im Staat New York -- und sie ist Single. Das hat sie sich nicht so ausgesucht, es hat sich einfach nicht anders ergeben. Damit ist das Thema dieses Artikels schon einigermaßen umrissen: Wie schwer ist es, ein solches unfreiwilliges Singledasein als gottgewollt, ja womöglich sogar als eine Art von Berufung zu akzeptieren?
An dieser Stelle ein paar Anmerkungen zur Bruderhof-Gemeinschaft: Meinen ersten Kontakt zu dieser nach dem I. Weltkrieg in Deutschland gegründeten neutäuferischen Bewegung, deren Gründergeneration 1937 vor den Repressionen durch das Nazi-Regime flüchtete und die heute Niederlassungen in den USA, Australien, Großbritannien, Paraguay, Österreich und auch wieder in Deutschland hat, hatte ich auf der MEHR 2017, jedoch - auch wenn das komisch klingt - gewissermaßen ohne es richtig zu merken. Im MEHR-Space gab es einen Bruderhof-Infostand, an dem ich allerlei Giveaways abgriff -- darunter zwei Bücher: "Leben in der Nachfolge", eine thematisch sortierte Sammlung von Auszügen aus den Schriften von Johann Heinrich Arnold, dem Sohn des Bruderhof-Gründers und langjährige Leiter dee Gemeinschaft, sowie die Autobiographie seiner Mutter Emmy Arnold, "Gegen den Strom". In der Masse an Infomaterial, die ich von meiner ersten MEHR mit nach Hause brachte, gingen diese Bücher aber erst mal unter und wurden bald darauf auch noch beim Umzug verkramt, kurz und gut, gelesen habe ich sie bis heute nicht, aber immerhin stehen sie auf meiner Leseliste für die "100-Bücher-Challenge" und sind da für die Etappen 9 und 13 vorgesehen.
Wie ich bereits in früherenArtikeln angemerkt habe, erwähnt Rod Dreher die Bruderhof-Bewegung mehrfachauf seinemBlog; umgekehrt erschien auf der deutschsprachigen Bruderhof-Website eine sehr positive Besprechung meiner Übersetzung von Rod Drehers "Benedikt-Option", und in dieser Besprechung wurde auch mein Blog lobend erwähnt.
Vorbehaltlich der noch ausstehenden eingehenderen Auseinandersetzung mit Lehre und Praxis der Bruderhof-Bewegung glaube ich jedenfalls sagen zu können, dass ihre Anhänger eine Form christlichen Gemeinschaftslebens kultivieren, die dem durchschnittlichen Volkskirchen-Angehörigen "sektenartig" vorkommen dürfte -- es dabei aber irgendwie scgaffen, sympathisch und ungefährlich 'rüberzukommen. Vivian Warren jedenfalls kommt enorm sympathisch 'rüber. Und ich glaube, dass ihr sehr persönliches und emotional aufrichtiges Zeugnis auch und gerade solchen Lesern "etwas sagen" kann die sich mit dem Konzept "Keuschheit" eher schwertun; oder, for that matter, auch mit dem Konzept "Gehorsam".
Wie Vivian Warren erläutert, legen Mitglieder von Bruderhof-Gemeinschaften ebenso wie die Mitglieder religiöser Ordensgemeinschaften ein Gelübde der Armut, der Keuschheit und des Gehorsams ab. Ein Bruderhof ist aber eben kein Kloster, die Gemeinschaft besteht nicht nur aus Personen, die sich zu lebenslanger Ehelosigkeit verpflichtet haben, sondern auch Familien -- womit schon mal klar sein dürfte, dass mit dem Keuschheitsgelübde etwas Anderes gemeint sein muss als das, was sich Viele wohl unter diesem Begriff vorstellen würden, nämlich "absolute sexuelle Enthaltsamkeit, Punkt". Von Vivian Warren kann der geneigte Leser lernen, dass Keuschheit bedeutet, Sexualität so zu leben, wie es dem Willen Gottes entspricht -- und das bedeutet in der Praxis natürlich für Verheiratete etwas Anderes als für Unverheiratete. In diesem Sinne lehrt übrigens auch die katholische Kirche, dass alle Christen zur Keuschheit berufen sind (vgl. KKK 2348) -- wenngleich sie einfachen Laien bzw. "Weltchristen" im Normalfall nicht durch ein formelles Gelübde dazu verpflichtet. Allerdings wage ich zu behaupten, dass es für die Mehrheit der Getauften - und wahrscheinlich sogar für die Mehrheit der aktiven Kirchgänger - eine völlig abwegige Vorstellung ist, der Frage nach dem Willen Gottes für das eigene Leben höhere Priorität einzuräumen als dem Anspruch auf "Selbstverwirklichung". Das ist natürlich nicht zuletzt auch ein Problem mangelnder bzw. falscher Katechese. Wieso sollte Gott überhaupt etwas von mir bzw. für mich wollen, was meinen eigenen Wünschen widerspricht? Ist Gott nicht dazu da, MICH glücklich zu machen? -- Nun ja, ehrlich gesagt: Nicht direkt, Schnucki. Umgekehrt wird ein Schuh draus: Wahres Glück findet man, indem man den eigenen Willen mit dem Willen Gotte in Einklang bringt. Dass das nicht einfach ist und zuweilen schmerzhaft sein kann, stellt Vivian Warren sehr eindringlich dar. Kurz gesagt, ein Text, den ich gerade auch Jugendlichen und/oder den für sie zuständigen Katecheten gern ans Herz legen möchte.
Diesen Song widme ich der Tatsache, dass ich es in der zurückliegenden Woche endlich geschafft habe, Darryl Coopers siebenteiligen Podcast über Jim Jones und den People's Templezu Ende anzuhören. Rund 30 Stunden. Vier Wochen hat's gedauert. Aber ich kann diesen Podcast nicht g'nug empfehlen. Ich habe unheimlich viel daraus gelernt, nicht nur über den People's Temple, sondern auch über die Black Power-Bewegung, den Weather Underground, über ideologische Ent- und Verwicklungen der "Neuen Linken" seit den 1960er-Jahren, die bis heute fortwirken, und noch über Manches andere.
Was man sich auch ohne spezielles Hintergrundwissen hätte denken können, ist, dass eine Sekte unbedingt eine gute Band braucht. Der People's Temple hatte eine -- die im Jahr 1973 sogar eine professionell produzierte Schallplatte, "He's Able", herausbrachte. Die elf Songs des Albums gibt's sämtlich auf YouTube, ich habe sie mir aber noch nicht alle angehört. Der Song "Hold On, Brother" wird in Darryl Coopers Podcast mehrfach angespielt, und ich finde ihn sehr bezeichnend für die gewissermaßen "para-religiöse" Ideologie des People's Temple: Musikalisch hat die Nummer eindeutige Gospel-Vibes, aber im Text wird die Anrufung Gottes konsequent ersetzt durch die Verheißung einer besseren Zukunft, die man, ganz in marxistischer Manier, selbst zu schaffen habe. Wir wissen, wie die Sache ausging: Gut fünf Jahre später waren all diese Leute - sofern sie nicht schon vorher aus der Sekte ausgestiegen waren - tot, im Dschungel von Guyana mit einem mit Blausäure versetzten Fruchtsaftgetränk vergiftet.
Aus der Lesehore:
Dreifach und doch wieder einfach ist der Sinn des göttlichen Mysteriums. Mysterium ist zunächst Gott in sich, Gott als der unendlich Ferne, der Heilige, der Unnahbare, dem kein Mensch sich nahen kann, ohne zu sterben; dem verglichen alles unrein ist, wie der Prophet sagt: "Ich bin ein Mann mit unreinen Lippen und lebe mitten in einem Volk mit unreinen Lippen, und meine Augen haben den König, den Herrn der Heere, gesehen." (Jes 6,5)
Und dieser Allheilige entschleiert sein Mysterium, lässt sich zu seinen Geschöpfen herab und offenbart sich ihm, aber immer wieder "im Mysterium", das heißt, in gnadenvoller Offenbarung an die von ihnen Erwählten, Demütigen, Herzensreinen, nicht an die Stolzen und Selbstbewussten. So bleibt auch seine Offenbarung ein Mysterium, da es nicht der profanen Welt offensteht, sondern sich vor ihr verbirgt und sich nur dem Gläubigen, dem Auserwählten, enthüllt. Gottes Wesen ist also unendlich erhaben über die Welt, und doch wohnt er gnadenvoll in der Kreatur, in der Menschheit; er ist transzendent und immanent zugleich; er übersteigt alle Kreatur dem Wesen nach und durchdringt sie der Allgegenwart und der Allwirksamkeit nach.