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Samstag, 28. Februar 2026

Utopie und Alltag 14: Im Epizentrum der Erkältungssaison

Na, Leser, seid ihr gut in die Fastenzeit gestartet? Was meine Familie und mich betrifft, kann ich im Großen und Ganzen nicht klagen, außer dass bei uns die üblichen saisonalen Erkältungskrankheiten 'rumgehen: Meine Liebste hatte es gerade so ungefähr hinter sich, als es beim Jüngsten losging – der dadurch Anfang der zurückliegenden Woche zwei Tage lang nicht in die KiTa gehen konnte, was natürlich auch auf meinen Tagesablauf erhebliche Auswirkungen hatte. Zeitweilig dachte ich "Ich hab die ganze Woche noch nichts geschafft", aber dann sagte ich mir, das sei eine Frage der Perspektive und ich solle lieber sagen "Ich habe diese Woche viel Zeit mit meinem Sohn verbracht und nebenbei noch ein bisschen was im Haushalt erledigt". Derweil hat die Erkältung auch mich nicht ganz verschont, aber bisher liegt die Intensität meiner Symptome noch unterhalb der Grenze, wo ich alle Viere von mir strecken und sagen würde "Ich bin krank". Hoffen wir mal, dass es nicht schlimmer wird... 

Was ich auch noch erwähnen möchte, bevor ich zu den einzelnen thematischen Abschnitten dieses Wochenbriefings komme: Die mit viel Verve in Angriff genommene Kinderzimmer-Neugestaltung ist derzeit ins Stocken geraten, nachdem sich ein Hochbett, das wir gebraucht kaufen wollten, für unsere Zwecke als unbrauchbar erwiesen hat – und wir somit demnächst wohl mal einen Trip zu einem namhaften schwedischen Einrichtungshaus werden planen müssen. In diesem Zusammenhang konnte ich mich des Gedankens nicht erwehren: Wenn man mich mit sieben oder acht Jahren zu den Wölflingen geschickt hätte, dann könnte ich jetzt auch selber ein Hochbett bauen. Na ja: Paths not taken in history. Unsere Kinder fechten's besser aus... 

Dieser sympathische Bär steht im Foyer des neuen Ausbildungszentrums des Erzbistums Berlin im Ortsteil Marienfelde.

Update Religionspädagogik 

Na, seid ihr alle gespannt, wie es mir beim "Bewerbendentag" des Erzbistums Berlin für pastorale Berufe ergangen ist? – Ich bin mir nicht ganz sicher, inwieweit es opportun ist, Details über den Ablauf der Veranstaltung auszuplaudern, zumal ich durchaus den Eindruck gewonnen habe, Veranstaltungen dieser Art leben zu einem gewissen Grad davon, dass die "Bewerbenden" nicht – oder jedenfalls nicht genauwissen, was sie erwartet; was ich aber auf jeden Fall sagen kann, ist: Ich fand's gut. Ich hatte sogar richtig Spaß dabei und habe interessante und sympathische Leute kennengelernt, die ich mit Freuden Kollegen nennen würde, falls es sowohl bei ihnen als auch bei mir mit der Ausbildung für die Pastoral klappt. 

Aber mal von vorne: Am Samstag kurz vor 10 fand ich mich am neuen, baulich noch nicht ganz fertigstellten Ausbildungszentrum des Erzbistums Berlin im Ortsteil Marienfelde ein, zusammen mit neun anderen "Bewerbenden", von denen allerdings, wie sich im Laufe der Veranstaltung zeigte, nur rund die Hälfte das Berufsziel Gemeindereferent/-in hatte; die anderen interessierten sich eher für die sogenannte "kategoriale Seelsorge", also z.B. im Krankenhaus. Es waren gleich viele Männer wie Frauen vertreten, und was die Altersstruktur betraf, waren zwei junge Erwachsene dabei, für die das im Frühjahr beginnende Religionspädagogik-Studium das Erststudium ist oder wäre; ein Bewerber war wohl so ungefähr am oberen Ende dessen einzuordnen, was im kirchlichen Kontext noch als "junger Erwachsener" gilt; die anderen waren so etwa in meinem Alter oder älter. Das schien mir zu bestätigen, was mir schon bei meinem ersten Infogespräch gesagt worden war: dass ich durchaus ins typische Bewerberprofil passe, auch vom Alter her

Zu Beginn der Veranstaltung durfte sich, wer wollte, an Kaffee und Tee bedienen, dann ging es erst einmal in den über dem Tagungsraum gelegenen Andachtsraum, zu einem Geistlichen Impuls. Dieser wurde eröffnet mit dem Lied "Herr, gib uns Mut zum Hören" von Kurt Rommel – einem "alten, aber doch sehr meditativen Lied", wie der Regens meinte; das fand ich ein bisschen witzig, denn das Lied ist von 1963, für ein Kirchenlied also doch eher jung, und gehört entstehungsgeschichtlich in den Kontext der ersten "Jazz-Messen". Aber das mal nur am Rande, weil das Thema nun mal ein Steckenpferd von mir ist. – Der Andachtsraum war übrigens recht modern-abstrakt gestaltet, aber die Fenster gefielen mir gut: 

Nach der Andacht ging es wieder in den Tagungsraum, wo eine Vorstellungsrunde mit Kennenlernspielen folgte; nach einer kurzen Pause, die die "Bewerbenden" für individuelle Kennenlerngespräche untereinander nutzten, wurden wir für ein Rollenspiel in zwei Gruppen à 5 Personen aufgeteilt, und danach gab's erst mal Mittag – geliefert von einem italienischen Restaurant in der Nähe: Gemüselasagne, Salat und Brot. Am Nachmittag ging es dann weiter mit Teamspielen, die mir, als ich jünger war, wahrscheinlich fürchterlich auf die Nerven gegangen wären, aber ich ließ mich darauf ein und hatte tatsächlich Spaß dabei. Nach einer abschließenden Reflexionsrunde endete die Veranstaltung gegen 15:30 Uhr. 

– Und wie geht's jetzt weiter? Allen Beteiligten wurde in Aussicht gestellt, sie würden innerhalb von 14 Tagen eine Rückmeldung erhalten, wie die nächsten Schritte auf dem Weg zur angestrebten pastoralen Tätigkeit aussehen könnten und sollten. Von diesen 14 Tagen ist aktuell die Hälfte rum, also übe ich mich mal in Geduld... 


Währenddessen beim Fraueneinkehrtag 

Wie ich ebenfalls bereits erwähnt habe, hatte meine Liebste parallel zu meinem "Bewerbendentag" ebenfalls eine interessante Veranstaltung, nämlich einen "Frauentag" an der EFG Hohenstaufenstraße – mit Lobpreis, Vorträgen und Workshops. Die Hohenstaufenstraße liegt im Stadtteil Schöneberg, aber wenn man bei Google "EFG Schöneberg" eingibt, landet man erst mal bei den Baptisten – und die scheinen in Schöneberg eher hip und woke zu sein, jedenfalls glänzt die Website mit Gender-Sternchen und allfälligen Beteuerungen, für jeden und alles offen zu sein. Die Gemeinde in der Hohenstaufenstraße ist hingegen eine Brüdergemeinde, und nach allem, was ich über konfessionelle Unterschiede innerhalb des Bundes Evangelisch-Freikirchlicher Gemeinden gehört habe, heißt das wohl, dass sie tendenziell eher hardcore ist. Einen "Frauentag", für den dann auch übergemeindlich geworben wird, richten sie dort offenbar einmal im Jahr aus, und dieses Jahr war die Buchautorin Nelli Bangert als Referentin eingeladen, die in einem Ort mit dem schön biblisch anmutenden Namen Linsengericht lebt. Das Tagesprogramm stand unter dem Motto "NachHALLtig leben", und wie mir meine Liebste verriet, trägt eins der Bücher von Nelli Bangert den Titel "KreaTIEF Beten"; Wortspiele dieser Qualität kennt man ja sonst eher von den Namen von Friseursalons, aber dergleichen war vor Jahren auch im kirchlichen und sozialen Bereich Mode, und manch einer ist wohl auf diesem Trip hängengeblieben. Na ja, Geschmackssache. Davon abgesehen kam meine Liebste jedenfalls ausgesprochen begeistert von diesem Fraueneinkehrtag zurück – und mit ungefähr zehn Seiten handschriftlichen Notizen. Ein Buch der Referentin hat sie sich auch gleich gekauft, allerdings eins ohne grobschlächtiges Wortspiel im Titel: "Frei. Geliebt leben" heißt es, und es ist ein "interaktives" Buch, das an vielen Stellen vorsieht, dass die Leserin selbst etwas hineinschreibt. Sieht ganz interessant aus, vielleicht komme ich im Laufe der Fastenzeit noch mal darauf zurück. 


Fast'n Hirtenbrief 

Während wir Eltern am Samstag bei unseren jeweiligen Veranstaltungen waren, hatten die Kinder einen außerplanmäßigen "Omatag" mit meinen Schwiegermüttern. Diesen verbrachten sie in der Hauptsache im Holland-Park in Schwanebeck, und als sie zurückkamen, hatte die Große einen verknacksten Fuß und der Jüngste war erkältet und hatte Durchfall. Nicht dass ich da jetzt einen ursächlichen Zusammenhang unterstellen möchte, aber jedenfalls war der Kleene auch am Sonntagmorgen noch zu kränklich, um in die Kirche mitzukommen. Also blieb meine Liebste mit ihm zu Hause, während ich mit dem Tochterkind, dessen Fuß keine nennenswerten Beschwerden mehr machte, nach St. Joseph Siemensstadt fuhr. Es waren auffallend viele Kinder in der Kirche, was, wie sich zeigte, damit zusammenhing, dass an diesem Sonntag die Erneuerung des Taufversprechens der Erstkommunionkinder anstand: Wenn ich richtig gezählt habe, waren zu diesem Anlass nicht weniger als 28 Erstkommunionkinder erschienen. Darüber hinaus sollte in dieser Messe der Fastenhirtenbrief des Erzbischofs verlesen werden und es sollte das Aschenkreuz für alle diejenigen gespendet werden, die am Mittwoch nicht in eine Messe hatten gehen können. Um das alles unter einen Hut zu bringen, ohne dass die Leut' zu spät zum Mittagessen kamen, entschied Padre Ricardo, die 1. Lesung und den Antwortpsalm wegzulassen, und verlas den Fastenhirtenbrief lediglich in der Version "in einfacher Sprache" – und auch das nur auszugsweise. Wie ich bestimmt früher schon mal angemerkt habe, finde ich "einfache Sprache" in der Regel eher anstrengend, aber diese Hirtenbrief-Version hat was; im Druckbild sieht sie ein bisschen aus wie freie Lyrik, ja geradezu wie konkrete Poesie, und das lenkt ein bisschen vom dürftigen Inhalt ab, der die "normalsprachliche" Version zu einer recht ermüdenden Lektüre macht. Ein bisschen spirituelle Wellness ("Nehmen Sie sich Zeit, um zu prüfen, wo Ihr Leben einen Aufbruch braucht"), ein bisschen Werbung für die Institution im Sinne des Mottos "take the customer into the organization" ("In diesem Jahr stehen in unseren Pfarreien die Wahlen zu Gemeinde- und Pfarreiräten sowie zu den Kirchenvorständen an. [...] Wer daran teilnimmt, setzt ein klares Zeichen: Wir wollen aktiv mitgestalten, Verantwortung übernehmen und die Ausrichtung unserer Gemeinden mitgestalten"), ein bisschen Appell an staatsbürgerliche Verantwortung ("Auf dem Gebiet unseres Erzbistums stehen in diesem Jahr in Berlin die Wahlen zum Abgeordnetenhaus und in Mecklenburg-Vorpommern die Landtagswahlen an. Wir Christinnen und Christen sollten den Aufruf zur demokratischen Wahl wahrnehmen und sehr bewusst und verantwortlich eine Wahlentscheidung treffen, die der Würde und Größe eines jeden Menschen entspricht und die sich den herausfordernden gesellschaftlichen Situationen, in denen wir stehen, verantwortlich gegenüber zeigt. Ich danke all denen, die bereit sind, sich zur Wahl zu stellen und politische Verantwortung für unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung übernehmen wollen")... Wenn man sich nun unwillkürlich fragt "Ja, was hätte er denn sonst schreiben sollen?", dann dokumentiert das im Grunde nur, wie sehr wir diesen Sound von unseren Bischöfen bereits gewohnt sind. – Betitelt ist der Fastenhirtenbrief mit dem Motto des diesjährigen Katholikentags, "Hab Mut, steh auf!"; und da kann ich mich des Gedankens nicht erwehren, ein guter Anfang wäre es doch schon mal, wenn Erzbischof Koch, den ich ansonsten ja durchaus schätze, mal den Mut fände, ein Hirtenwort zu verfassen, das weniger brav, politisch korrekt und allgemein wischiwaschi wäre. 


Mit den Wölflingen durch die Fastenzeit 

Wie sich bereits letzte Woche abgezeichnet hat, haben wir es tatsächlich den ganzen Monat nicht geschafft, zu den KPE-Wölflingen in Schöneberg zu gehen – was ich umso "schader" finde, als wir vor den Winterferien gerade erst das Mitgliedschaftsformular fürs Tochterkind ausgefüllt und abgegeben hatten. Aber okay, wenn man's genau nimmt, gab es in diesem ganzen Monat auch nur ein einziges "normales" Meutentreffen – nämlich heute –, und ausgerechnet das kollidierte terminlich mit dem RKT in Haselhorst. Na, im März wird's hoffentlich besser laufen; einstweilen gilt es aber zu Protokoll zu geben, dass die Wölflingsleiterin per Mail einige Vorlagen für Fastenzeitkalender mit kindgerechten "Challenges" verschickt hat (also mit "Aufgaben" wie "Mama oder Papa helfen", "auf Süßigkeiten verzichten", "Beim Streiten zuerst nachgeben", aber z.B. auch "Jesus im Tabernakel besuchen". – "[D]ie Kinder werden euch schon erzählen, welchen Kalender sie haben wollen", merkte die Wölflingsleiterin dazu an, und zumindest auf unsere Kinder bezogen hat sie damit Recht behalten. 

Als erste Zwischenbilanz wäre festzuhalten, dass auf Süßigkeiten verzichten nicht gerade eine Stärke unserer Kinder ist, aber darin, Mama oder Papa zu helfen, entwickeln sie durchaus einen gewissen Ehrgeiz. Und als ich am Mittwoch die Kinder von der KiTa und von der Schule abholte, um mit ihnen zum JAM zu fahren, und ein Streit darüber auszubrechen drohte, wer im Bus neben mir sitzen darf, gab die Große sich sichtlich einen Ruck und überließ den begehrten Sitzplatz ihrem Bruder. "Dafür kannst du heute Abend ein Feld auf deinem Fastenkalender ausmalen", sagte ich zu ihr, und sie erwiderte: "Daran hab ich auch gedacht." – Ich vermute mal, dass es durchaus Leute gibt, die hier gern einwerfen würden, wenn die Kinder das erwünschte Verhalten nur um der Belohnung willen praktizieren – selbst wenn die "Belohnung" nur darin besteht, ein Bild ausmalen zu dürfen –, dann sei damit noch nicht viel gewonnen; aber dieser Einwand ließe sich natürlich auf jede Form "extrinsischer Motivation" anwenden. Ich bin geneigt, darauf zu erwidern: So ist der Mensch nun mal, und auch die Gnade baut auf der Natur auf. Letzten Endes geht es darum, Verhaltensmuster einzuüben, die, wenn es gut läuft, auch über die Fastenzeit hinaus zur Gewohnheit werden und dann auch ohne "Belohnung" funktionieren. 

Wie man sieht, gibt es auch schlechtere Methoden, seine Kinder dazu zu motivieren, z.B. ihr Zimmer aufzuräumen. Eine Art Anti-Fastenkalender, könnte man sagen.


Schwarzer Gürtel in KiWoGo – und darüber hinaus 

Der Arbeitskreis Kinderwortgottesdienst für den Gemeindeteil St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst hatte in der zurückliegenden Woche viel zu tun, schließlich galt es sowohl einen Religiösen Kindertag als auch einen KiWoGo vorzubereiten. Ich hatte daher mit dem Gemeindereferenten vereinbart, uns am Mittwoch nach dem JAM in Haselhorst zu treffen; da traf es sich gut, dass das JAM diesmal relativ zeitig zu Ende war. Im Rahmen der schon früher zu beobachtenden Bestrebungen, die Jugendlichen, die im vorigen Jahr den "Next Step"-Kurs absolviert haben, verstärkt in Leitungsaufgaben einzubinden, wurde die Katechese (bzw. "Andacht", wie das hier heißt – woran ich mich einfach nicht gewöhnen kann und will) zum Thema "Ich bin der Gute Hirte" von Jugendlichen geleitet: bei den "Minis" (=Vorschulkindern) von einem Mädchen, das bei der Gemeindefreizeit im September getauft worden war, bei den "Kids" (=Grundschulkindern) von einem 14jährigen Jungen, der auch schon den Gottesdienst zum Abschluss des "Next Step"-Kurses "moderiert" hatte. Die "Kids" waren etwas verwundert, wie kurz die Katechese dieses Jungen war, aber wie sich mit Hilfe von ein paar Fragen zur Ergebnissicherung feststellen ließ, war die wesentliche Message durchaus 'rübergekommen. – Schön war übrigens auch, dass es beim JAM-Abendessen diesmal mehr Käsebrote gab als vorige Woche

Das Treffen mit dem Gemeindereferenten, in informeller Atmosphäre, verlief ausgesprochen produktiv; wir hatten zwar ein recht üppiges Arbeitspensum, waren aber glücklicherweise auch gut vorbereitet. Man könnte ja durchaus der Meinung sein, auf die Schnelle und zu zweit einen Religiösen Kindertag zum Thema Schöpfung aus dem Ärmel zu schütteln, nachdem man kurz zuvor noch dachte, das Thema würde Abraham lauten und man hätte ein erheblich größeres Leitungsteam, entbehre nicht einer gewissen Tragikomik, aber ich empfand die Herausforderung eher als motivierend. Im Detail werde ich erst im nächsten Wochenbriefing schildern können, wie der RKT zum Thema Schöpfung gelaufen ist, aber ein paar Ergebnisse unseres Planungsgesprächs möchte ich doch schon mal skizzieren. Dazu gehört, dass der Gemeindereferent – der mal Physik als Leistungsfach in der Oberstufe hatte und sich bis heute ein reges Interesse an Naturwissenschaft bewahrt hat – ein paar spannende Ideen dazu mitbrachte, wie man den Kindern vermitteln könne, dass gerade die wissenschaftlichen Erkenntnisse über die Entstehung des Universums auf einen Schöpfer schließen lassen; dazu gehört aber auch, dass ich eine Gelegenheit gewittert habe, das immer noch der Verwirklichung harrende Projekt "Kinder-Lobpreis-Disco" quasi durch die Hintertür in den Ablaufplan für diesen RKT einzuschmuggeln, und eine Playlist aus acht Lobpreis-Songs zum Thema "Schöpfung" erstellt habe (wenn bei meinen Lesern Interesse besteht, zu erfahren, um welche Songs es sich handelt, verrate ich das gern beim nächsten Mal). – Besonders interessant wurde es dann nochmal, als wir uns die Frage stellten, was denn eigentlich die "Take-Home-Message" für die Kinder sein sollte; oder präziser gefragt: wie man es vermeidet, dass beim Stichwort "Verantwortung für die Schöpfung" in den Köpfen der Kinder nur "irgendwas mit Klimaschutz" ankommt bzw. hängen bleibt. Ein allgemeiner Tipp für Situationen, in denen solche Fragen aufkommen: Zuerst und vor allem nochmal in den Text gucken, in diesem Fall Genesis 1,1-2,3. Warum hat der Mensch denn überhaupt eine Verantwortung für die Schöpfung? Antwort: weil Gott ihn als Sein Abbild geschaffen hat. Es gibt in der Ökologiebewegung ja das Narrativ, dass die Natur ohne den Menschen viel besser dran wäre – dass alle anderen Lebewesen dem Ökosystem nur so viel nehmen, wie sie ihm auch wieder geben, nur der Mensch macht alles kaputt. Aber Gott sieht das offenbar anders: Erst nachdem Er den Menschen geschaffen hat, betrachtet Er das Werk der Schöpfung als vollbracht und gönnt sich einen freien Tag. 

Weiterhin war der KiWoGo für den bevorstehenden 2. Fastensonntag zu besprechen; das Evangelium dieses Sonntags ist Matthäus 17,1-9, die Verklärung Jesu, daher wird es im KiWoGo darum gehen, die Verklärung als Offenbarung der göttlichen Natur Christi verständlich zu machen und zu Passion und Auferstehung in Beziehung zu setzen – deshalb kommt dieses Evangelium ja schließlich in der Fastenzeit "dran". Sicherlich eine herausfordernde Aufgabe, dieses Thema dem Verständnishorizont von Kindern im Grundschulalter angemessen zu gestalten; ich werde dann nächste Woche berichten, wie uns das gelungen ist... 


Neues aus Synodalien: Wer den Wal hat, hat den Tran 

Im schönen Würzburg ist in diesem Jahr nicht nur Katholikentag, sondern vom Montag bis zum Donnerstag der zurückliegenden Woche hat dort die Deutsche Bischofskonferenz auch ihre Frühjahrsvollversammlung abgehalten. Die Tagung war nichtöffentlich, aber es gab eine Reihe von Presseterminen, und auf der Tagesordnung stand nicht zuletzt – am Dienstag – die Wahl eines neuen Vorsitzenden. Zu den Spekulationen darüber, wer das denn wohl werden könnte, hatte Philipp Greifenstein im Eule-Magazin (dem "Zentralorgan der im Sitzen pinkelnden Föhnfrisurträger", wie ich es früher mal genannt habe) im Vorfeld festgestellt, der neue DBK-Vorsitzende werde "mit Sicherheit ein weißer, deutscher Mann Ende 50, Anfang 60 sein. Diversität wird katholisch eben anders buchstabiert als im Rest der Gesellschaft." Wozu mir ja wieder der Witz mit dem Kunstkritiker einfällt, aber den hatten wir ja neulich erst. Nun, wie ich schon früher schrieb, dem Greifenstein muss man zutrauen, dass sein geistiger Horizont tatsächlich nicht über derlei grob gezimmerte ideologische Schubladen hinausreicht, und Framing ist, wenn man aus den Brettern, die man vorm Kopf hat, einen Bilderrahmen baut. – Jedenfalls ließ der Eule-Chefredakteur seinem selbstbewusst als "Analyse" bezeichneten Artikel zum Thema "Wer wird neuer Vorsitzender der Bischofskonferenz?" noch am Tag vor der Wahl einen satirisch gemeinten Text folgen, in dem der Passauer Bischof Stefan Oster als Kandidat ins Spiel gebracht wird: Dieser bringe die besten Voraussetzungen mit, "die katholische Kirche wieder zu einer deutlich vernehmbaren, unterscheidbaren Stimme in der Öffentlichkeit unseres gottabgewandten Landes" zu machen, da er "für die katholische Sexualmoral, den Lebensschutz und Neuevangelisierung und gegen das Lai:innen-Verständnis von Synodalität" stehe; er sei eine "Stimme, die sich quer zum Mainstream der Gesellschaft stellt und auch die Gläubigen seiner eigenen Kirche herausfordert", indem er sich nicht scheue, auch mit den unbequemen Botschaften der Kirche zu provozieren". – Sagen wir mal so: Damit, dass Bischof Oster tatsächlich DBK-Vorsitzender werden könnte, hätte wohl niemand, auch und erst recht nicht der Eule-Fipsi, ernsthaft gerechnet, und ich würde es beim derzeitigen Zustand der Deutschen Bischofskonferenz auch gar nicht als wünschenswert betrachten; aber davon abgesehen hatte ich beim Lesen von Greifensteins sogenannter Glosse zahlreiche "this, but unironically"-Momente, und unter diesem Aspekt möchte ich den Text ausdrücklich empfehlen

Wer hingegen tatsächlich den Vorsitz der Bischofskonferenz übernommen hat, werden die meisten meiner Leser wahrscheinlich schon mitbekommen haben: Heiner Wilmer SCJ, ehemaliger Generaloberer der Herz-Jesu-Priester und seit 2018 Bischof von Hildesheim. Gründe dafür, dass diese Personalie bei mir keine reine Freude aufkommen lässt, kann man im Kontext der bislang letzten Erwähnung Bischof Wilmers auf meinem Blog nachlesen; aber hey – damit, dass es jemand werden würde, über den man Besseres bzw. mehr Gutes würde sagen können als "immerhin ist es nicht mehr Bätzing", war ja von vornherein schwerlich zu erwarten, und immerhin hat der neue DBK-Vorsitzende gleich bei seiner ersten in dieser Funktion getätigten öffentlichen Äußerung ein paar bemerkenswerte Akzente gesetzt. Die Tagespost notierte, Wilmers erstes Statement sei von "wenig Politik und viel Spiritualität" geprägt und "im Ton bemerkenswert geistlich"; auf eine Frage aus dem Kreis der anwesenden Pressevertreter hin erklärte Wilmer, seine "Hauptaufgabe" sei es, "Gott ins Zentrum zu stellen" – das wär ja mal ganz was Neues. – Gründlich blamiert hat sich derweil die alte Tante Tagesschau – nicht nur, weil sie den verbreiteten Irrglauben weiterkolportiert, der Vorsitzende der DBK sei "der oberste Vertreter der katholischen Kirche in Deutschland" (halten wir bitte ein für allemal fest: das ist er nicht), sondern auch, weil sie in der ersten Fassung ihrer Facebook-Meldung (es gibt Screenshots!) behauptete, Wilmer sei Bischof von Heidelberg. Die gute alte Diözese Heidelberg, wer kennt sie nicht

Derweil ist im Xantener Dom ein Wal gestrandet. Kein echter natürlich; vielmehr handelt es sich um eine "Kunstinstallation". Von einem 2018 an der Küste Südafrikas gestrandeten Buckelwal wurde ein Abguss angefertigt, und die lebebsgroße, 600 Kilo schwere Walskulptur liegt nun einen Monat lang im Kirchenschiff von St. Viktor in Xanten direkt vor dem Altar. Eine treffende Metapher für den Synodalen Weg, möchte man meinen; aber natürlich ahnt man, dass die beabsichtigte Message eine andere ist. Nach eigener Aussage will der israelische Künstler Gil Shachar mit seinem Werk "an die Verletzlichkeit der Schöpfung erinnern", und der Schirmherr der Aktion, der für die Region Niederrhein innerhalb des Bistums Münster zuständige Weihbischof Rolf Lohmann – der zugleich "Umweltbischof" (oder, formal korrekter ausgedrückt, Vorsitzender der Arbeitsgruppe für ökologische Fragen) in der DBK ist, gab gar zu Protokoll, es sei "nicht zufällig, dass die Kunstinstallation während der Fastenzeit im Xantener Dom stattfindet", denn: "Mit diesem gestrandeten, toten Tier haben wir im Grunde genommen die ganze [!] Botschaft von Tod und Auferstehung [!!] plastisch vor uns." Das muss man sich mal auf der Zunge zergehen lassen. Auf Facebook habe ich in ominöser zeitlicher Nähe zu diesem Vorgang ein Meme gesehen, in dem Papst Leo die Aussage in den Mund gelegt wird, Delfine seien zwar fähig zu sündigen, hätten aber keinen Erlöser, da Jesus nur für die Menschheit gekommen sei, und darum sei die Hölle voll von Delfinen und auch Walen. Stellt der Wal im Xantener Dom somit den Messias der Meeressäuger dar, gestrandet für ihre Sünden? – Nee, natürlich nicht. Im Ernst gesprochen ist es recht offensichtlich, dass der Wal da liegt, um die (Umwelt-)Sünden der Menschen anzuprangern. Ebenso offensichtlich ist es indes, dass das, was da im Xantener Dom St. Viktor in Szene gesetzt wird, mit der christlichen Heilslehre nur sehr entfernt und indirekt etwas zu tun hat. – Was ich mich dabei aber auch noch frage: Wie muss man eigentlich drauf sein, um das mediale Echo auf den Stuttgarter "Schleim-Jesus" zu sehen und daraufhin zu denken "Sowas wollen wir bei uns auch!"? Ich schätze, es wird Zeit, dass die Sedisvakanz im Bistum Münster endet – wobei man durchaus Zweifel haben kann, ob es danach besser oder eher schlimmer wird... 


Geistlicher Impuls der Woche 
Der Mensch kann nicht ohne Hoffnung leben; sein Leben wäre der Bedeutungslosigkeit verschrieben und würde unerträglich. Im Bedürfnis nach Hoffnung meinen viele, in kurzlebigen und brüchigen Realitäten Frieden finden zu können. Und so wird die auf einen der Transzendenz verschlossenen innerweltlichen Raum eingeengte Hoffnung zum Beispiel mit dem von Wissenschaft und Technik versprochenen Paradies identifiziert, mit dem vom Konsumismus vermittelten Glück hedonistischer Natur oder mit jenem imaginären, von Drogen künstlich ausgelösten Glücksgefühl, mit der Faszination orientalischer Philosophien, mit der Suche nach Formen esoterischer Spiritualität. 
Das alles erweist sich freilich als zutiefst illusorisch und ungeeignet, jenen Durst nach Glückseligkeit zu stillen, den das Herz des Menschen in seinem Inneren weiterhin verspürt. Und so bleiben und verschärfen sich die besorgniserregenden Zeichen des Schwindens der Hoffnung, die sich manchmal auch in Formen von Aggressivität und Gewalt äußern. 
(Johannes Paul II., Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 10) 

Ohrwurm der Woche 

Rufus Thomas: Walking the Dog 

Ein Rhythm & Blues-Klassiker aus der Zeit, als R&B noch das "schwarze" Pendant zum Rock'n'Roll war. Bluessänger Rufus Thomas hatte mit diesem Song 1963, im vorgerückten Alter von 46 Jahren, seinen größten Hit, der schon im Jahr darauf von den Rolling Stones und später noch von zahlreichen anderen Bands gecovert wurde. Was mich betrifft, habe ich "Walking the Dog", soweit ich mich erinnere, erstmals in der "MTV unplugged"-Version von Aerosmith gehört, etwas später dann live bei einem Blueskonzert im "Yorckschlösschen" in Berlin-Kreuzberg; den Namen des Interpreten habe ich mir nicht gemerkt, aber er hatte durchaus Ähnlichkeit mit Rufus Thomas, und auch seine Version von "Walking the Dog" hatte größere Ähnlichkeit mit dem Original als mit den Versionen von Aerosmith, den Rolling Stones und noch ein paar anderen, die ich seither gehört habe. 


Vorschau/Ausblick 

Ich kündigte es im vorigen Wochenbriefing bereits an: An diesem Wochenende ist mal wieder volles Programm. Heute haben wir den halben Tag beim RKT in Haselhorst verbracht, worüber es in der nächsten "Utopie und Alltag"-Folge allerlei zu berichten geben wird; vorausschicken kann ich jedenfalls schon mal, dass da ganz schön was los war. Ob wir uns heute Abend, wenn dieses Wochenbriefing bereits online ist, noch dazu werden aufraffen können, zur "Community Night + General Meeting" ins Baumhaus zu fahren, war bei Redaktionsschluss noch nicht entschieden – aber ehrlich gesagt nicht allzu wahrscheinlich, zumal bei den Berliner Verkehrsbetrieben mal wieder Streiksaison ist, was die Hin- und Rückfahrt etwas verkomplizieren dürfte. Am morgigen Sonntag steht jedenfalls, wie angekündigt, der KiWoGo zum Thema Verklärung an, und dann folgt, aller Voraussicht nach, eine "ganz normale" Woche mit Schule, KiTa und Kampfsport. Am Mittwoch ist, was die Zahl der Schul- und Arbeitstage angeht, tatsächlich schon Halbzeit zwischen Winter- und Osterferien, und zum JAM gehen werden wir da wohl auch wieder. Am nächsten Wochenende beginnen die Feierlichkeiten zum 50jährigen Bestehen der Katholischen Pfadfinderschaft Europas mit einem Bundesfest in Neu-Ulm, zu dessen Programm auch ein "Singe- und Instrumentalwettstreit" gehört. Hinfahren werden wir da nicht, aber ich bin mal gespannt, was darüber so in Erfahrung zu bringen sein wird. Gleichzeitig sind jenseits der Donau, in Baden-Württemberg, Landtagswahlen, denen auch eine gewisse bundespolitische Signalwirkung zugeschrieben wird. Schauen wir mal... 


Donnerstag, 26. Februar 2026

Neues vom Schulkind: Der Weg der Kriegerin

Ein Thema, zu dem ich in den Wochenbriefings der vergangenen Wochen aus Platzgründen nicht gekommen bin, über das es aber Gleichwohl allerlei zu sagen gibt, betrifft das Kampfsporttraining meiner Kinder; ja, Kinder im Plural, denn an derselben Schule, in der der Jüngste schon seit Dezember trainiert, hat nun auch unser Tochterkind mit Kampfsport angefangen – und bringt nun nach und nach auch ihre Schulfreundinnen auf den Geschmack. 

Aber mal von vorne: Vor den Winterferien hatten wir unsere Große auf ihren eigenen Wunsch hin zum Probetraining angemeldet, das am Dienstag vor zwei Wochen stattfand – wobei es sich gut traf, dass das Training für ihre Altersstufe (6-8 Jahre) dienstags zur selben Zeit stattfindet wie das Training für die ganz Kleinen, sodass ich beide Kinder in einem Rutsch von der KiTa und der Schule abholen und mit ihnen zur Kampfsportschule fahren konnte. In der Schule zeigte es sich, dass gleich zwei Freundinnen meiner Tochter mitkommen und beim Probetraining zuschauen wollten: Eins der Mädchen zählt schon zu ihren besten Freundinnen, seit sie vor gut drei Jahren eine Probewoche an dieser Schule gemacht hat, und sie unternehmen auch sonst oft noch nach der Schule etwas gemeinsam, von JAM oder Fußballtraining bis hin zu gegenseitigen Übernachtungsbesuchen; bei dem anderen Mädchen handelt es sich, wie mir scheint, eher um eine "On-Off-Freundschaft". Wie dem auch sei, ich erklärte mich bereit, die beiden mitzunehmen, sofern ihre Eltern damit einverstanden wären; dies wurde rasch telefonisch geklärt, und auf ging's in großer Besetzung zur Kampfsportschule. 

Das Training für die 6-8-Jährigen fand im offenen Bereich der Kampfsportschule statt, sodass man dabei erheblich besser zuschauen konnte als bei den Kleineren; und geleitet wurde es von dem Trainer, den ich hier neulich schon mal gewürdigt habe. Er begrüßte meine Tochter freundlich, fragte sie nach ihrem Namen und ihrem Alter und versprach ihr: "Du wirst schnell merken, das macht ganz viel Spaß." In der Gruppe waren noch zwei weitere "Neue" und dazu fünf Kinder, die schon länger dabei sind. Den "Neuen" gab der Trainer einen Überblick darüber, was sie in diesem Kurs alles lernen können, und als er an einem siebenjährigen Jungen, der ziemlich klein und zart aussah, aber bereits den gelb-orangen Gürtel hatte und demnach wohl schon eine Weile dabei war, ein paar Wurfübungen vorführte, merkte er an: "Ihr denkt jetzt vielleicht, was ist denn das für'n Typ, der schmeißt hier Kinder durch die Gegend...!" Als ein Kind bei einer Übung sagte "Das kann ich nicht", erwiderte der Trainer ungerührt "Genau deswegen trainieren wir es" – das muss ich mir merken. Zwischendurch fragte er mich mit Blick auf meine Tochter: "Ist das deine?", und als ich bejahte, sagte er: "Die ist top, für acht Jahre macht sie das super." Gleichwohl war ich mir, als ich sie hinterher fragte, ob sie Lust habe, hier regelmäßig – einmal in der Woche oder öfter – mitzumachen, einer positiven Antwort nicht sicher. Nicht etwa weil sie ein Mädchen ist – tatsächlich trainieren in dieser Kampfsportschule ziemlich viele Mädchen –, aber sagen wir's mal so, ich hätte mir vorstellen können, dass ihr das Kämpferische einfach weniger liegt als ihrem kleinen Bruder, und eventuell auch, dass sie mit der vom Trainer geforderten Disziplin Schwierigkeiten haben würde. Letzteres war aber ersichtlich nicht der Fall, und kurz und gut, die Frage, ob sie Lust hätte, hier regelmäßig mitzumachen, bejahte sie ohne Zögern. Den Vertrag für sie machten wir noch nicht gleich, holten das aber bei der nächsten Gelegenheit nach; und den Eltern der beiden Mädchen, die zum Zugucken mitgekommen waren, schickte meine Liebste den Link zur Website der Kampfsportschule – für den Fall, dass sie auch mal ein Probetraining vereinbaren wollten. Und siehe da, schon am nächsten Dienstag war eins der beiden Mädchen mit von der Partie – und zwar nicht die supergute Freundin unseres Tochterkindes, sondern die mit der "On-Off-Freundschaft". Wie's aussieht, ist sie auch in Zukunft fest dabei, nachdem der Trainer zu ihrem Vater gesagt hat "Die will ich behalten, die ist Hammer!" Man darf gespannt sein, wie sich das gemeinsame Training auf das Verhältnis der beiden Mädchen zueinander auswirkt; bis jetzt läuft's jedenfalls ganz gut, würde ich sagen. 

Übrigens hatte ich ja neulich schon mal angedeutet, dass man in der Kampfsportschule zuweilen Eltern begegnet, die offensichtlich ein erheblich anderes Erziehungskonzept haben als wir. Dazu könnte in Zukunft durchaus noch öfter etwas zu sagen sein, aber eine Beobachtung möchte ich doch gleich hier und jetzt festhalten. Während des Probetrainings meiner Tochter wurde ein Mädchen, das in derselben Gruppe trainierte, allerdings offenbar schon etwas länger dabei war, mehrfach von einem Zuschauer – wollen wir mal annehmen, dass es ihr Vater war – angeschnauzt, weil dieser offenbar der Meinung war, sie strenge sich nicht genug an oder sei nicht konzentriert genug bei der Sache. Mir drängte sich da die Frage auf: Wäre das nicht eigentlich Aufgabe des Trainers? Ehrlich gesagt wunderte es mich sogar, dass der sich diese Einmischung gefallen ließ. Dann wieder dachte ich mir: Wenn ich meiner Tochter von der Seitenlinie Lob oder Ermutigung zurufe, gilt dafür nicht in gewissem Sinne dasselbe? Na, lassen wir das vorläufig mal so im Raum stehen. 

Der Kurs für die Altersstufe unseres Jüngsten findet dreimal in der Woche statt und der für die Altersstufe unserer Großen sogar fünfmal in der Woche, aber wir haben uns vorläufig darauf eingestellt, dass beide Kinder "nur" zweimal in der Woche hingehen, der Kleene dienstags und donnerstags, das Tochterkind dienstags und freitags; denn am Montag haben wir normalerweise "Omatag", am Mittwoch ist JAM und am Donnerstag hat die Große länger Schule. Nicht schlecht gestaunt habe ich, als meine Tochter zum ersten Mal an einem Freitag zum Training ging – es war ihr drittes Training überhaupt, das zweite, wenn man das Probetraining nicht mitrechnet, und es stand sehr wesentlich im Zeichen der Vorbereitung auf ein anstehendes Turnier (an dem sie allerdings, wie man sich wohl denken kann, noch nicht teilnimmt). Das heißt, es wurde viel gekämpft; 13 Kinder waren zum Training erschienen, und nach Möglichkeit sollte jeder einmal gegen jeden kämpfen. Ganz reichte dafür die Zeit nicht, aber immerhin kämpfte jedes Kind gegen vier oder fünf Gegner; und gleich zu Beginn beeindruckte meine Tochter mich dadurch, dass sie sich von ihrer ersten Gegnerin (die zugegebenermaßen einen Kopf kleiner als sie, dafür aber sichtlich Kampfsport-erfahrener war) einfach nicht umwerfen ließ. Im weiteren Verlauf hielt sie auch gegen zwei Kinder, die schon den gelben Gürtel haben, sehr gut mit, und als sie an einen Gegner geriet, der wohl ähnlich "neu dabei" ist wie sie (wie man angesichts der Tatsache vermuten konnte, dass er noch keinen Anzug hatte), schickte sie ihn gnadenlos auf die Matte und setzte sich auf ihn drauf. Naturtalent. Hätt ich nicht gedacht. Klar besiegt wurde sie nur von einem Jungen, der nicht nur einen gelben Gürtel, sondern auch den ganzen Ärmel voll mit Turnier-Abzeichen hatte. 

In der nächsten Trainingsstunde der Großen – zu der wieder eine andere Schulfreundin zum Zuschauen mitkam – wurde die Turniervorbereitung fortgesetzt; der Trainer ging mit den Kindern verschiedene Tipps und Tricks für den Kampf durch (wie man den Gegner am besten umwirft, was man tun kann, um selbst nicht umgeworfen zu werden, wie man schnell wieder aufsteht, wenn man zu Boden gegangen ist...) und fragte dann plötzlich: "Und was ist am schwierigsten? Gürtel binden, oder?" – Das war kein Witz; die Eltern der neuen Schüler erhielten in dieser Trainingsstunde ein Infoblatt mit den Anforderungen für die erste Gürtelprüfung, und nicht nur gehört es zu diesen Anforderungen, den Gürtel selbst binden zu können, sondern es steht ausdrücklich auf dem Infoblatt, dass dies für die meisten Kinder die schwierigste Prüfungsaufgabe sei und man es daher möglichst auch zu Hause üben solle. 

Derweil war unser Jüngster Anfang der Woche zwei Tage krank zu Hause (nix Dramatisches, die typische saisonale Erkältung) und durfte in dieser Zeit etwas mehr fernsehen als gewöhnlich; zusammen schauten wir uns einige Folgen der Serie Ninjago – Aufstieg der Drachen an, und während der Folge "Die innere Ruhe" kam mir plötzlich der Gedanke, ob meine Kinder möglicherweise deshalb mit den rituellen und meditativen Elementen des Budō intuitiv etwas anfangen können (mehr als andere gleichaltrige Kinder, scheint mir jedenfalls), weil sie so fleißig Ninjago gucken. Könnte ja sein. 

Nicht in meinem Interesse wäre es indes natürlich, wenn die Begeisterung für den Kampfsport diejenige für die Pfadfinderei in den Hintergrund drängte; aber obwohl in den letzten Wochen einige Wölflingstreffen ausgefallen sind oder wir nicht daran teilnehmen konnten, bin ich einigermaßen optimistisch, dass das nicht der Fall sein wird. Tatsächlich glaube ich sogar, dass sich beides ganz gut ergänzen könnte. Dazu, wie es bei den Wölflingen läuft, wird wohl in absehbarer Zeit auch mal ein eigener Artikel fällig... 


Samstag, 21. Februar 2026

Utopie und Alltag 13: Im Epizentrum des Karnevals

Eins vorweg: Leser aus dem Rheinland haben mein vollstes Verständnis, wenn sie angesichts der Überschrift dieses Wochenbriefings meinen, das sei ja wohl Anmaßung bzw. Etikettenschwindel, das Epizentrum des Karnevals sei ja wohl bei ihnen, jedenfalls ganz bestimmt nicht in Berlin. Trotzdem finde ich, diese Überschrift drängte sich einfach auf, nachdem der Berichtszeitraum dieses Wochenbriefings doch sehr stark vom Thema Karneval geprägt war. Indes: Nach den Karneval hat der Herr in Seiner Weisheit die Fastenzeit gesetzt, und da der Aschermittwoch ja so ziemlich in die Mitte des Berichtszeitraums dieses Wochenbriefings fiel, gibt es hier auch schon etwas "Fastenzeit-Content" – wovon in den nächsten Wochen naturgemäß noch mehr kommen wird. Damit nun aber auch genug der Vorrede! 

Aus der Rubrik "Dinge mit Gesicht" – arrangiert vom Tochterkind.

Kinderfasching 1: Atemlos durch den Nachmittag 

Wie in der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings bereits geschildert, hatten wir uns am vergangenen Samstag dazu entschieden, alle zusammen zum Kinderfasching in St. Bernhard (Tegel-Süd) zu gehen; unser Jüngster verkleidete sich zu diesem Anlass als Michelangelo von den Teenage Mutant Ninja Turtles und unsere Große als Luna Lovegood aus "Harry Potter" – das heißt, ihr Kostüm war eine Hogwarts-Schuluniform in den Farben von Ravenclaw, dem Haus für die besonders schlauen Kinder. Der Umhang war ihr ein bisschen zu groß, was daher rührte, dass meine Liebste das gewünschte Kostüm nur bei einem Kostümversand für Erwachsene hatte finden können – ein Umstand, der, wie ich finde, viel über das "Harry Potter"-Fandom aussagt. – 

Zur Gemeinde von St. Bernhard hatten wir selbst in unserer aktiven Zeit in der Tegeler Pfarrei kaum Kontakte gehabt, daher war es nicht sonderlich überraschend, dass wir bei dieser Faschingsfeier kaum jemanden kannten; die erfreulichste Ausnahme war die Familie des Jungen, mit dem unser Jüngster sich im Vorjahr bei dieser Veranstaltung angefreundet hatte (und der diesmal als "Super Mario" verkleidet war). Begrüßt wurden wir von einem Mädchen im Waldelfenkostüm, das bunte Glasperlen an die Eintretenden verschenkte; auch einige der anderen Kinder hatten sehr schöne und phantasievolle Kostüme, und auch die meisten Erwachsenen erschienen in Verkleidung, wobei im vielen Fällen das Kostüm lediglich durch ein paar Accessoires angedeutet war. Ich selbst hatte mir kurz entschlossen meinen Grinch-Kapuzenpulli übergezogen und fand, das müsse genügen. – Es gab ein Mitbring-Büffet, zu dem wir Popcorn (süßes und salziges) beisteuerten; hier nur mal ein Ausschnitt von dem, was es sonst noch so gab (es kam noch erheblich mehr dazu, nachdem ich dieses Foto gemacht hatte): 

Ja, Bier gab es auch, und das war nicht alkoholfrei.

Im Übrigen bestand das Programm der Veranstaltung in der Hauptsache aus Tanzspielen, oder sagen wir, Bewegungsspielen zu Musik. Bei der Liedauswahl fiel mir – nicht zum ersten Mal – auf, wie schmal und durchlässig die Grenze zwischen Kinderliedern und Ballermann-Sauf-und Mitgröl-Liedern heutzutage ist; ich schätze, der Oberbegriff lautet "Partyschlager" oder vielleicht auch "Stimmungsmusik". Jedenfalls liefen bei diesem Kinderfasching neben Kinderdisco-Klassikern von "Das Lied über mich" bis "Tschu Tschu Wah" z.B. auch "Helikopter 117" von Tobee – ein Lied, das ich erstmals bei der Urlauberkirche in Burhave gehört habe, da hatte ein Junge im Grundschulalter sich das gewünscht, aber vom Text her ist es eindeutig ein Sauflied –, "Was geht ab" von den Atzen, "Polka Polka Polka" von der Kölner Kapelle Brings und unvermeidlicherweise auch "Atemlos" von Helene Fischer. Da war es geradezu schon eine Erleichterung, dass als "Rausschmeißer" zum Ende der Veranstaltung "Drink doch eine met" von den Bläck Fööss aus den Boxen drang. – Übrigens war deutlich zu bemerken, dass nach ungefähr zwei Stunden die Stimmungskurve bei den Kindern – nicht nur unseren, sondern ganz allgemein – deutlich nach unten zu zeigen begann, und insofern war es wohl ganz gut, dass die ganze Veranstaltung nicht länger als zweieinhalb Stunden ging. Aber ich bin da auch voreingenommen, ich fand Kinderfasching schon als Kind eher anstrengend. Ich denke da immer an das Lied "1000 und 1 Nacht (Zoom!)" von der Klaus Lage Band – mit der Textstelle "Erinnerst du dich, wir ham Indianer gespielt / und uns beim Fasching in die Büsche versteckt": Als Kind habe ich das immer ganz selbstverständlich so verstanden, dass das lyrische Ich und seine Freundin sich versteckt haben, um beim Fasching nicht mitmachen zu müssen – obwohl sie sonst durchaus gern Indianer spielten. Und damit konnte ich mich sehr gut identifizieren. (Zum Stichwort "Indianer" weiter unten noch mehr.) 


Quinquagesima und Wichtelgruppe 

Zur Messe gingen wir an diesem Sonntag in St. Afra, hauptsächlich deshalb, weil im Anschluss daran das zweite Treffen des an diesem Standort neu gegründeten Pfadfinderstammes stattfinden sollte: Da es sich abzeichnete, dass wir es im gesamten Monat Februar nicht schaffen würden, zu den KPE-Wölflingen in Schöneberg zu gehen, wollten wir uns wenigstens diesen Termin nicht entgehen lassen. – Wir vielleicht nicht alle meine Leser wissen, ist das St.-Afra-Stift in Berlin-Gesundbrunnen der Sitz des Instituts St. Philipp Neri, das die außerordentliche Form des Römischen Ritus – sprich: die "alte Messe" nach dem Messbuch von 1962 – pflegt; aber erst als wir die Kirche betraten und den Altarraum mit violetten Tüchern geschmückt sahen, ging mir auf, dass nach dem hier verwendeten liturgischen Kalender bereits Vorfastenzeit war. Es war der Sonntag Quinquagesima, und die Messe war ausgesprochen schön und feierlich; damit verfestigt sich – nachdem ich nun zweimal im Abstand von vier Wochen (und dreimal innerhalb von vier Monaten) in St. Afra in der Messe war – der schon beim letzten Mal festgehaltene Eindruck, dass ich mich mehr und mehr mit dieser Form des Ritus "anfreunde". Sehr interessant fand ich auch die Predigt von Propst Piranty, in der es um die Kardinaltugenden ging – unter Berufung auf den "heiligen Aristoteles", wie der Propst einmal versehentlich sagte, sich aber sogleich schmunzelnd korrigierte. 

Das anschließende Pfadfindertreffen im Garten des Stifts war etwas schwächer besucht als das erste seiner Art vier Wochen zuvor – was sich bei der Wölflings-Mädchengruppe besonders auffällig auswirkte, denn da nahmen diesmal nur vier Mädchen teil – darunter allerdings wiederum zwei, die unser Tochterkind schon vom Herbstlager her kannte. Übrigens hatten wir am Morgen in der Eile des Losgehens vergessen, unserer Tochter ihren "Skort" überzuziehen, und hatten angenommen, das werde wohl nicht weiter auffallen, aber tatsächlich war sie das einzige Mädchen ihrer Gruppe, das keinen Rock trug. Das erwähne ich aber nicht etwa, weil ich es schlimm gefunden hätte; es fiel mir einfach nur auf. (Wenn sie erst mal eine komplette Wölflingskluft hat, dann soll sie die zu den Meutentreffen natürlich auch anziehen, aber so weit sind wir noch nicht.) – Derweil hatte unser Jüngster, der in der Nacht zuvor schlecht geschlafen hatte, plötzlich keine Lust auf die Wichtelgruppe und ließ sich nur unter der Bedingung zum Mitmachen überreden, dass seine Mami dabei blieb. Da meine Anwesenheit vergleichsweise weniger gefragt war, verzog ich mich ins Gemeindecafé (wenn ich das mal so nennen darf) und führte dort ein sehr nettes und anregendes Gespräch mit den Eltern einiger anderer Wichtelkinder. Nach einer Weile hielt ich es aber doch für geraten, mal zu gucken, ob ich meine Liebste bei der Wichtelgruppe vielleicht mal "ablösen" könnte und sollte. Nachdem das Wichtelgruppentreffen mit Spielen im Garten begonnen hatte, war die Gruppe dann relativ bald nach drinnen umgezogen, in einen Raum neben der Krypta, wo gemalt und gebastelt und außerdem Obstsalat gefuttert wurde. Bald nachdem ich dazugestoßen war, wurde auch noch ein Topf Gulaschsuppe hereingebracht, den die Wölflinge draußen auf dem offenen Feuer heiß gemacht hatten. Mein Sohn zeigte mir stolz seine Bastelarbeiten, berichtete, er habe "ganz viel Obst" gegessen, und noch beim Schlafengehen betonte er, bei der Wichtelgruppe sei es "toll" gewesen – ein schöner Erfolg, wenn man bedenkt, dass er anfangs eigentlich keine Lust hatte. – Zum nächsten Wichtelgruppentreffen werden wir nicht kommen können, da es terminlich mit dem Kinderwortgottesdienst in St. Joseph Siemensstadt kollidiert; aber grundsätzlich sind wir da weiterhin im Boot, würde ich mal sagen. 


Kinderfasching 2: Amerikanische Erstbewohner_innen und Meerjungmänner 

Ebenfalls schon in der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings hatte ich erwähnt, dass am Rosenmontag an der Schule des Tochterkindes "antifaschistischer, kultursensibler Fasching" sei. Der Hintergrund dieser etwas polemischen Bemerkung war eine Mail der Schule an die "Eltern, Sorgeberechtigte[n] und Bezugspersonen" der Schüler, in der sich neben allerlei Informationen zum Ablauf der Schulfaschingsfeier die Anregung fand, "das Thema Verkleidung dazu zu nutzen mit euren Kindern kritisch zu reflektieren, wie rassistische Klischees oder Geschlechterrollen durch Kostüme verstärkt werden könnten". Nun gut, das war ja noch vergleichsweise moderat und freundlich formuliert, aber ein gewisses Augenrollen löste es bei mir doch aus. Angehängt an die Mail war eine Broschüre mit dem Titel "Fasching vorurteilsbewusst feiern! –Anregungen für eine diskriminierungssensible Praxis", herausgegeben von der Beratungsstelle "KiDs –Beratung & Kampagnen der Fachstelle Kinderwelten für Vorurteilsbewusste Bildung und Erziehung" im Rahmen des Bundesprogramms "Demokratie leben!". Die Broschüre stammt aus dem Jahr 2016, man könnte also sagen, das ganze Thema sei ein ziemlich alter Hut; aber ein paar Anmerkungen habe ich doch dazu. Exemplarisch kritisiert wird in dieser Broschüre – nicht sehr überraschend, wenn man mit einschlägigen Diskursen vertraut ist – die "Kostümierung als amerikanische Erstbewohner_innen"; ja, damit sind Indianer gemeint. "Die sogenannten 'Indianer' gibt es nicht und gab es nie", liest man da. "Der Begriff wurde im Zuge der Kolonialisierung Nord- und Südamerikas der damaligen Bevölkerung aufgezwungen und steht somit in Zusammenhang mit der brutalen Vernichtung großer Teile dieser Personengruppe." Lassen wir mal beiseite, dass nicht wenige Angehörige "dieser Personengruppe" sich selbst sehr wohl als Indianer bezeichnen und definieren; viel interessanter finde ich es, wie knapp die Verfasser der Broschüre im ersten hier zitierten Satz an einer richtigen Erkenntnis vorbeischrammen: Wer sich im Karneval als "Indianer" verkleidet, hat in der Regel gar nicht den Anspruch oder die Absicht, eine realitätsadäquate Darstellung "amerikanischer Erstbewohner_innen" abzuliefern; der Indianer als Karnevalskostüm ist im Grunde ebenso eine Phantasiefigur wie etwa eine Meerjungfrau. – À propos: Eine Verkleidung als Meerjungfrau ist deshalb problematisch, weil sie geeignet ist, Geschlechtsstereotype zu befestigen. "Dass es Piratinnen und Meerjungmänner geben kann, braucht manchmal eine Ermutigung durch Erwachsene." Ich schätze, man kann schon froh sein, dass hier nicht der Wortbestandteil "Jungfrau" als Kennzeichen einer restriktiven Sexualmoral, ja als "Slutshaming" getadelt wird. – Aber mal im Ernst: Auch hier enthält die Bemerkung, für eine Kostümierung als Piratin oder Meerjungmann brauche es möglicherweise eine "Ermutigung durch Erwachsene", wieder ein bisschen mehr Wahrheit, als den für diese Broschüre Verantwortlichen lieb sein dürfte. Der entsprechende thematische Abschnitt beginnt nämlich mit dem Satz "Der Druck auf Kinder, sich eindeutig als Junge oder Mädchen zu definieren und dies durch entsprechendes Aussehen und Verhalten zu unterstreichen, ist hoch" – ein klassisches Beispiel dafür, wie Glaubenssätze der Gendertheorie als vermeintliche Tatsachen präsentiert werden. Wie ich aus der Broschüre "Trans* in der Schule" weiß, die ich jüngst für die Tagespost rezensiert habe, sagen Evolutions- und Entwicklungspsychologie etwas ganz Anderes, nämlich dass es für die allermeisten Kinder völlig normal und selbstverständlich ist, "sich eindeutig als Junge oder Mädchen zu definieren", und dass sie von ihrem Umfeld auch so wahrgenommen werden wollen

Als ich das Tochterkind zur Schulschlusszeit von der Faschingsfeier abholte, hatte ich angesichts der kostümierten Kinder, denen ich begegnete, nicht den Eindruck, dass die in der Broschüre dargelegten Prinzipien wesentlichen Einfluss auf die Kostümauswahl gehabt hätten. Zu denken gab mir indes etwas, was meine Tochter mir auf dem Heimweg erzählte: Zum Programm der Feier hatte eine "Kostümpräsentation" gehört, die jedoch dezidiert keinen Wettbewerbscharakter hatte; nicht nur gab es keine Prämierung der besten Kostüme, sondern "man durfte nicht mal sagen, welches Kostüm man am coolsten fand". Auf meine Nachfrage, was denn wohl passiert wäre, wenn man es doch getan hätte, erklärte sie, das wisse sie nicht, da sich alle daran gehalten hätten. 


Kinderfasching 3: Junges Gemüse 

Über die Faschingsfeier an der KiTa unseres Jüngsten gibt es vergleichsweise weniger zu berichten, aber der Vollständigkeit halber (und um der Kontrastwirkung willen) seien auch ihr ein paar Zeilen gewidmet. Hier wurde den Eltern im Vorfeld mitgeteilt, es gebe "keine Vorgaben für Kostüme, nur Waffen sind nicht so gerne gesehen". So geht's also auch! Was dabei herauskommt, wenn in der Kostümfrage so wenig Regulierung herrscht, dokumentieren die Fotos, die in der KiTa-App hochgeladen wurden: Die Mädchen waren fast durchgehend als Prinzessinnen oder Feen verkleidet, eins als Biene und eins als Löwe, was zweifellos etwas aus dem Rahmen fiel; bei den Jungs standen Superheldenkostüme hoch im Kurs, ein Junge war als Feuerwehrmann verkleidet und einer als Pirat. – Auch hier gab es übrigens ein Mitbring-Büffet, anders als beim Fasching in St. Bernhard gab es hier jedoch eine Liste, auf der aufgeführt war, was alles mitgebracht werden sollte, und die Eltern sollten auf dieser Liste angeben, was davon sie mitzubringen gedachten. Auf die Existenz dieser Liste wurden wir erst aufmerksam, als schon fast alle Posten vergeben waren, und so fiel uns die Aufgabe zu, einen von zwei Gemüsetellern zum Büffet beizusteuern. Da auch vom Büffet ein Foto in der KiTa-App hochgeladen wurde, kann ich zu Protokoll geben, dass "unser" Gemüseteller "dem anderen" an Auswahl und Menge einigermaßen ebenbürtig war. Also nochmal alles gutgegangen...! 


Doppelter Aschermittwoch, mal wieder 

Der Umstand, dass die KiTa unseres Jüngsten am Mittwoch wegen einer Mitarbeiterfortbildung geschlossen war, ermöglichte es mir, wie in den Jahren zuvor wieder zusammen mit dem Knaben in St. Marien Maternitas in Heiligensee in die Aschermittwochs-Messe zu gehen, die heuer wieder von Pater Mephisto zelebriert wurde. In seinen Begrüßungsworten hob er hervor, der Aschermittwoch sei "eine echte Zäsur – zunächst mal im Ablauf der Liturgie und im kirchlichen Jahreskreis": 

"Etwas Neues soll beginnen, und für Neues ist es immer notwendig, sich vorzubereiten. Sich darauf vorzubereiten, dass wir irgendwann, an Ostern, Auferstehung feiern – dazu ist es notwendig, dass wir uns bewusst machen, wo wir dem nicht entsprechen, wo Defizite sind" – 

An der Stelle musste ich dann doch ein Augenrollen darüber unterdrücken, was für Verrenkungen manche Seelsorger machen, um nur nicht "Sünde" sagen zu müssen. Vermutlich würden sie, wenn man sie darauf anspräche, argumentieren, mit solchen Begriffen könnten die Menschen heutzutage nichts mehr anfangen und sie würden eher Abwehrreaktionen hervorrufen; dagegen denke ich mir, wenn man die Leute, jedenfalls die, die einigermaßen regelmäßig in die Kirche kommen, mal an ein paar Grundbegriffe der christlichen Glaubenslehre gewöhnen wollte, hätte das nicht zuletzt den Vorteil, dass man ihnen nicht immer wieder von Neuem erklären müsste, was das ist. – 

Anknüpfend an das Stichwort "Zäsur" drehte sich die gut sechs Minuten lange Predigt dann, ohne auf die Lesungstexte des Tages Bezug zu nehmen, um das Thema "Grenzen": solche, "die wir respektieren müssen und vielleicht manchmal zu wenig respektieren und uns zu wenig bewusst machen, und andere, die eigentlich überwunden werden müssten." Ich war durchaus gespannt, was Pater Mephisto zu diesem Thema einfallen würde, welches seiner diversen Gesichter er der Gemeinde diesmal zeigen würde; aber das Ergebnis war im Guten wie im Bösen eher enttäuschend. So nannte er als Beispiel für "sichtbare Grenzen, ganz greifbare Grenzen" die "Mauern dieser Kirche" und betonte, dass diese "uns hier einen Raum geben des Gebets, der Sammlung, des Abstandnehmens von dem Betrieb, der draußen herrscht"; nun hätte man annehmen können, dass er daran die Mahnung anschließen würde, die Kirche dürfe nun aber nicht der Versuchung erliegen, es sich in ihren eigenen vier Wänden bequem zu machen oder sich gar "einmauern", aber davon war in der Predigt keine Rede, weder im Sinne von Evangelii Gaudium noch gar im Sinne des Synodalen Wegs. Weiterhin hätte man erwarten können, dass in einer Predigt zum Stichwort "Grenzen" auch das Thema Migrationspolitik eine Rolle spielen würde, aber nichts da; die einzige politische Anmerkung, die Pater Mephisto sich erlaubte, war eine ziemlich unverfängliche, da sie sich auf ein Thema bezog, das sozusagen bereits "Geschichte" ist: "Wir haben es ganz deutlich, denke ich, hier damals erlebt beim Fall dieser Mauer, die diese Stadt umschlossen hat. Eine unnatürliche, eine zu überwindende Grenze." (Man könnte meinen, diese Bemerkung provoziere geradezu die Frage, nach was für Kriterien denn im politischen Bereich zu entscheiden sei, ob eine Grenze "natürlich" oder "unnatürlich", überwindens- oder erhaltenswert sei, aber auch dazu: nada.) Ein letztes Mal regte sich bei mir die Hoffnung, es könnte doch noch interessant werden, als Pater Mephisto erklärte: "Heutzutage denke ich, dass manche Grenzen in unserem Leben sich sehr erweitert haben". Und was meinte er damit? "Zum Beispiel was unsere Kommunikationsmöglichkeiten angeht – da haben wir ganz viele neue Möglichkeiten..." Gähn. Da sind wir jetzt auf dem Niveau "Heidi Kabel wirbt für Volkshochschulkurse zum Thema 'Internet für Senioren'". – Das Schlussplädoyer der Predigt lautete: 

"Ich möchte Sie einladen, diese Fastenzeit zu nutzen, da nachzuschauen: welche dieser Grenzen uns hilfreich sind; wie wir sie respektieren – oder auch übertreten, dort, wo ein Übertreten eben nicht angesagt ist; nachzuschauen, welche Grenzen uns eher behindern und hemmen in unserer Entfaltung und deshalb überwunden werden sollten. Darüber ein bisschen nachzudenken, vielleicht die eine oder andere Korrektur anzubringen, das ist, denke ich, ein gutes Ziel für die Fastenzeit." 

Lame, wie die jungen Leute sagen. Derart schwammige, lauwarme, einer klar erkennbaren Aussageabsicht ermangelnden Predigten bin ich von diesem Priester eigentlich nicht gewohnt; auch die zahlreichen Sprechpausen, ohne die die Predigt um mindestens ein Drittel kürzer gewesen wäre, trugen zu dem Eindruck bei, dass er eigentlich gern etwas Substanzielleres, vielleicht sogar Kontroverseres gesagt hätte, sich aber nicht so richtig traute. Was mag da los sein? (Nur nebenbei, und da Pater Mephisto ja in der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd auch für die "queersensible Pastoral" zuständig ist, sei erwähnt, dass es – soweit es aus den Vermeldungen ersichtlich ist – heuer anders als in den letzten Jahren in dieser Pfarrei keine "Segensfeier für Verliebte" zum Valentinstag gab. Ist das schon der "Leo-Effekt" oder lag es nur daran, dass der Valentinstag auf das Karnevalswochenende fiel und man darum Anderes zu tun hatte?) 

Beim anschließenden Gemeindefrühstück gab es, ebenso wie letztes Jahr, Graupensuppe, Brot und Butter; das nutzte ich für meine einmalige Sättigung des Tages, nachdem ich zu Hause nur Kaffee getrunken hatte. Bis zum Abend, d.h. bis zum Abendessen beim JAM, hatte ich dann aber richtig Hunger; da traf es sich ungünstig, dass dort überwiegend Wurstbrote aufgetischt wurden. Ich konnte ein einziges Wurstbrot ergattern, dazu ein paar Happen Laugengebäck, Apfel- und Bananenstücke und ein kleines Stück Möhre. Fühlte sich richtig nach Fasten an. – 

Da wir alle etwas müde und erschöpft waren und meine Liebste obendrein ziemlich erkältet war, stand es am Ende des JAM ein bisschen auf der Kippe, ob wir danach noch wie in den Jahren zuvor in St. Stephanus zur Aschermittwochsmesse gehen würden, aber nun waren es bemerkenswerterweise die Kinder, die sich entschieden dafür aussprachen. – Die Messe in St. Stephanus war gut besucht und wurde zelebriert von einem polnischen Pfarrvikar, drn ich bisher sozusagen nur "vom Sehen" kannte, nämlich als Konzelebranten bei festlichen Messen für die gesamte Pfarrei. Das erste, was mir an ihm auffiel, war, dass er die liturgischen Texte in einem atemberaubenden Tempo sprach; bei der Predigt zügelte er dieses Tempo aber so einigermaßen und kam so auf eine Predigtlänge von rund sechs Minuten. In dieser Zeit nahm er auf alle drei Lesungstexte Bezug, am meisten aber auf die 2. Lesung (2. Korinther 5,20-6,2) – und hier vorrangig auf den Satz "Lasst euch mit Gott versöhnen!". Dabei wies er darauf hin, dass Paulus unmittelbar zuvor, in Vers 5,19, schreibt "Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat" – und stellte folgerichtig die Frage in den Raum, was denn eigentlich noch zu tun bleibe, wenn doch "Gott bereits alles gemacht" habe und "diese Versöhnung längst geschehen" sei. In diesem Sinne verglich er das Versöhnungsangebot Gottes mit einem Geschenk, das man erst einmal annehmen und auspacken müsse, "damit es mir wirklich zum Geschenk wird". Das Geschenk der Versöhnung anzunehmen, bedeute aber, dass "ich mein Leben im Einklang mit Gott lebe, soweit es mir möglich ist": 

"Doch wo dies noch nicht der Fall ist, wo ich noch immer meine eigene Suppe koche, nicht bereit bin, Seinen Willen in meinem Leben geschehen zu lassen, wo Er keine oder nur eine Nebenrolle in meinem Leben spielt, brauche ich eben die Versöhnung mit Gott auch heute noch." 

Zum JAM möchte ich aber auch noch etwas sagen, obwohl da erneut kein thematischer Bezug zum Aschermittwoch hergestellt wurde. Wieder einmal herrschte beim JAM krankheitsbedingter Mitarbeitermangel, was u.a. dazu führte, dass die Kinder für den katechetischen Teil nicht in zwei Altersgruppen geteilt wurden, sondern alle zusammen im großen Saal blieben. Inhaltlich ging es weiter um die "Ich bin"-Worte Jesu: Nach "Ich bin das Licht der Welt" vor den Winterferien und "Ich bin das Brot des Lebens" in der vorigen Woche kam diesmal "Ich bin die Tür" an die Reihe, und da die JAM-Leiterin erkältungsbedingt nicht gut bei Stimme war, hielt sie nicht die komplette Katechese "live", sondern griff auf ein schon ein paar Jahre altes YouTube-Video zurück, das ich hier kurzerhand mal teile, um meinen Lesern einen Eindruck von Stil und Methodik der JAM-Katechesen zu vermitteln: 

Der "Live"-Anteil an der Katechese beschränkte sich im Wesentlichen auf ein "Ergebnissicherungs"-Gespräch mit den Kindern, und ich stellte erfreut fest, dass meine Große dazu wieder ein paar sehr gute Wortmeldungen beisteuerte. Wenn ich das so beobachte, freue ich mich schon richtig auf den Erstkommunion-Unterricht im nächsten Schuljahr... 


Wie läuft's denn so mit dem Bibelleseplan? 

Wie unlängst schon berichtet, habe ich für das laufende Kalenderjahr ja den wohllöblichen Vorsatz gefasst, das ganze Alte Testament durchzulesen, mit Hilfe eines Bibelleseplans der EFG The Rock Christuskirche, der allerdings, um auch die dort teils aus konfessionellen Gründen weggelassenen, teils anscheinend einfach vergessenen Bücher darin unterzubringen, einige Modifikationen erfordert. Nun bin ich seit sechs Wochen dabei und denke mir, es ist Zeit für eine erste Zwischenbilanz – zumal meine Bemühungen, gegenüber dem Original-Zeitplan einen Vorsprung herauszuarbeiten, bereits messbare Erfolge gezeitigt hat: So habe ich eine Woche früher, als der Plan es vorsieht, mit dem Buch Exodus angefangen. – Mit den Geschichtsbüchern des Alten Testaments kenne ich mich ja eigentlich schon von Kindheit an recht gut aus (habe ich schon mal die Anekdote erzählt, wie ich zu meiner ersten eigenen Kinderbibel gekommen bin? Nein? Na, vielleicht ein andermal) und bin ja, wie berichtet, auch voriges Jahr mit meinem selbstauferlegten Bibellesepensum immerhin bis zum 1. Buch Samuel gekommen, aber trotzdem ist mir auf meiner aktuellen Lesereise durchs Alte Testament schon im Buch Genesis etwas aufgefallen, was ich vorher nie so richtig bemerkt habe: nämlich, dass sich an die Erzählung, wie Abraham bei den Eichen von Mamre Besuch von Gott (in dreifaltiger Gestalt, wenn man so will) bekommt, direkt das Strafgericht über Sodom und Gomorrha anschließt. Gott ist also praktisch schon auf dem Weg, Sodom zu zerstören, und schaut unterwegs bei Abraham vorbei; und nachdem Er mit ihm gegessen und ihm die Geburt eines Sohnes angekündigt hat, sagt Er im Wesentlichen: "So, ciao, ich muss los, Sodom vernichten." Und dann kommt der berühmte Dialog, in dem Abraham Gott die Zusage abringt, die Stadt zu verschonen, sofern Er mindestens zehn Gerechte in ihr findet. Was ich mit dieser Erkenntnis anfangen soll, weiß ich selbst nicht, aber ich finde es von der Erzählstruktur her irgendwie interessant. 

In der Abteilung "Weisheitsliteratur" bin ich mit dem Buch der Sprichwörter ganze neun (!) Wochen früher fertig geworden, als der Plan es vorsieht, und ich muss gestehen, dass mir dieses Buch stellenweise etwas redundant vorkommt. Einzelne Verse enthalten ja redaktionelle Hinweise, denen man entnehmen kann, dass es sich bei verschiedenen Abschnitten dieses Buches um Sammlungen seinerzeit gängiger Sprichwörter handelt, und dabei scheint es, dass in den einzelnen Abschnitten zuweilen mehrere Varianten desselben Sprichworts auftauchen; eine nachvollziehbare Ordnung (im Sinne einer thematischen Sortierung) kann ich in diesen Sammlungen vielfach nicht entdecken. Ein paar Verse habe ich mir jedoch notiert, da ich sie ausgesprochen bemerkenswert fand; so z.B. Kapitel 15, Vers 15

"Der Bedrückte hat lauter böse Tage, / der Frohgemute hat ständig Feiertag." 

Schön, oder? Und erinnert sich noch jemand an die "Man or Bear?"-Debatte, die ab Frühjahr 2024 durch die Sozialen Netzwerke tobte und die sich um die Frage drehte, ob Frauen, wenn sie allein im Wald sind, lieber einem Bären oder einem (fremden) Mann begegnen würden? Da frage ich mich nun, ob eigentlich irgendjemand auf die Idee gekommen ist, Spr 17,12 in die Debatte zu werfen: 

"Lieber einer Bärin begegnen, der man die Jungen geraubt hat, / als einem Toren in seinem Unverstand." 

In der kommenden Woche kann ich jedenfalls mit einem Buch der Bibel anfangen, das im Bibelleseplan der EFG The Rock Christuskirche gar nicht vorkommt, nämlich mit dem Buch Kohelet (auch genannt "Prediger Salomo"). Damit gedenke ich in zwei Wochen "durch" zu sein, und dann kommt das Hohelied dran, das im "The Rock"-Plan ebenfalls fehlt. Ich werde berichten! 


Geistlicher Impuls der Woche 

Das höchste Gut ist Gebet und Gespräch mit Gott: denn das ist Gemeinschaft und Vereinigung mit ihm. Wie die Augen des Leibes erleuchtet werden, wenn sie Licht sehen, so wird der Geist erleuchtet, wenn er sich auf Gott richtet, angestrahlt von seinem unsagbar hellen Licht. Ich meine aber ein Beten, das nicht nur gewohnheitsmäßig ist und eingeschränkt wird auf bestimmte Zeiten und Stunden, sondern ein Beten, das Tag und Nacht immer währt. Es genügt nicht, dass wir die Gedanken schnell auf Gott richten, wenn wir uns dem Gebet zuwenden. Auch wenn jemand mit gewissen Pflichten befasst ist oder mit der Sorge für die Armen und anderen Sorgen oder mit nützlichen Werken der Wohltätigkeit, immer soll er damit das Denken an Gott und das Verlangen nach ihm verbinden, damit sein Tun durch die Gottesliebe gleichsam wie mit Salz gewürzt (vgl. Kol 4,6) und so für den Herrn aller Dinge eine angenehme Speise wird. Durch das Gebet hoch in den Himmel erhoben, umarmt die Seele den Herrn mit unsagbar inniger Hingabe. Wie das Kind unter Tränen nach der Mutter ruft, verlangt die Seele nach der geistigen Milch (vgl. 1 Petr 2,2). Sie trägt ihre eigenen Bitten vor und erhält Gaben, die größer sind als alle sichtbare Schöpfung.

Das Gebet ist eine ehrwürdige Botschaft von Gott, es erfreut das Herz und macht die Seele still. Wenn ich von Gebet spreche, denke ich nicht an Worte. Es ist vielmehr ein Verlangen nach Gott, eine unsägliche Liebe, die nicht aus dem Menschen kommt, sondern von der göttlichen Gnade. Der Apostel schreibt: "Wir wissen nicht, wofür wir in der rechten Weise beten sollen: der Geist selber tritt jedoch für uns ein mit Seufzen, das wir nicht in Worte fassen können" (Röm 8,26). Wenn der Herr jemandem dieses Gebet schenkt, dann ist das für ihn ein Schatz, der ihm nicht genommen werden kann, eine Speise vom Himmel, welche die Seele sättigt. Wer von ihr genießt, dessen Herz wird von ewiger Sehnsucht nach Gott wie von einem heißen Feuer entzündet.

(Johannes Chrysostomus, Predigt über das Gebet) 


Ohrwurm der Woche 

The La's: There She Goes 

Ein weiteres Fundstück aus dem schon vorige Woche erwähnten YouTube-Beitrag zum Thema "Bands aus den 90ern, die 'das nächste große Ding' hätten werden können,  es dann aber doch nicht wurden". Ich muss gestehen, ich kannte den Song ursprünglich nur in der rund ein Jahrzehnt später entstandenen Coverversion von Sixpence None the Richer (habe ich schon mal erwähnt, dass das eine christliche Band ist? – Äh, ja, habe ich). Die Version ist zwar ganz süß, gehört aber ehrlich gesagt zu der von mir am wenigsten geschätzten Sorte von Coverversionen, nämlich der Sorte "Gar nicht mal so sehr anders als das Original, nur nicht ganz so gut". Am Original gefällt mir der rauere und kantigere Sound; gar nicht zufrieden war damit hingegen der Frontmann der Band, Lee Mavers, der am liebsten das ganze Album noch einmal neu eingespielt hätte – was dazu führte, dass die Band sich zerstritt. Aus heutiger Sicht gelten The La's als Vorläufer des Brit-Pop-Hypes der 90er, und es hat durchaus einen gewissen Reiz, sich ein Paralleluniversum vorzustellen, in dem sie – anstelle von Oasis – die größte Band dieses Jahrzehnts geworden wären. 



Vorschau/Ausblick

Wie vorige Woche schon angekündigt, war heute ein außerordentlich ereignisreicher Tag: Ich war von morgens bis nachmittags bei einem "Bewerber:innentag" des Erzbistums Berlin für pastorale Berufe, und im selben Zeitraum war meine Liebste bei einem Einkehrtag für Frauen, der an einer freikirchlichen Gemeinde in Schöneberg stattfand. Währenddessen übernahmen meine Schwiegermütter die Betreuung der Kinder; zeitweilig war im Gespräch gewesen, dass sie mit den Kindern zu den KPE-Wölflingen in Schöneberg gehen würden, wo heute der "BiPi-Tag" (der Geburtstag von Lord Baden-Powell und seiner Frau Olave) gefeiert wurde, aber unser Jüngster erklärte, er habe darauf keine Lust – was vielleicht teilweise dadurch bedingt war, dass es "nur" ein Wölflingstreffen, also ohne paralleles Wichtelgruppentreffen, war und er nicht nur ein Anhängsel seiner großen Schwester sein wollte (die ihrerseits sagte, sie habe zwar Lust, bestehe aber nicht darauf, dort hinzugehen). Mein Eindruck war, meinen Schwiegermüttern kam das ganz gelegen, und so fuhren sie mit den Kindern stattdessen zum "Holland-Park" in Schwanebeck. Aber so oder so dürfte es nächste Woche so allerlei über diesen Samstag zu berichten geben. 

Für den morgigen 1. Fastensonntag haben wir nichts Besonderes  geplant, außer "ganz normal" in St. Joseph Siemensstadt in die Messe zu gehen; ich habe das Gefühl, solche "ganz normalen" Sonntage sind in letzter Zeit selten geworden. Von Montag bis Donnerstag trifft sich die Deutsche Bischofskonferenz in Würzburg zu ihrer Frühjahrsvollversammlung und wird im Zuge dessen auch einen neuen Vorsitzenden wählen; darüber, wer das wird, darf noch spekuliert werden, aber viel schlimmer als Bischof Bätzing kann der Neue eigentlich kaum sein. – Und was ist währenddessen bei uns so los, abgesehen von Schule, KiTa, Omatag und Kampfsport? Am Mittwoch ist JAM, da geht's voraussichtlich mit den "Ich bin"-Worten weiter, und anschließend trifft sich der Arbeitskreis Kinderwortgottesdienst in kleiner Besetzung und informellem Rahmen, denn fürs nächste Wochenende gibt es jede Menge zu planen und zu erwägen: Am Samstag steht der weitgehend improvisierte RKT zum Thema Schöpfung auf dem Programm und am Sonntag der KiWoGo zur Verklärung Christi. Dazwischen, nämlich am Samstagabend, ist auch noch "General Meeting" im Baumhaus – mal sehen, ob ich es dahin schaffe, sei es mit der Familie oder ohne. Langweilig wird's jedenfalls nicht... 


Samstag, 14. Februar 2026

Utopie und Alltag 12: Brot und Salz

Die erste von sieben Schul- und Arbeitswochen zwischen Winter- und Osterferien ist schon wieder rum, Leser; und das war eine recht ereignisreiche Woche – so sehr, dass ich nicht dazu gekommen bin, mich mehr als nur oberflächlich mit dem Thema "Missbrauch bei den Pfadfindern" zu befassen (kommt aber noch!), und auch wenn nicht alles, was in der zurückliegenden Woche so los war, blogrelevant war, haben mir einige der Themen der Woche so viel zu reflektieren gegeben, dass ich ein paar andere Themen aus Zeit- und Platzgründen weglassen bzw. verschieben musste. Herausgekommen ist dabei ein Wochenbriefing, dessen Themenschwerpunkte den Anschein erwecken könnten, ich wäre schon mittendrin in der Ausbildung zum Gemeindereferenten --- aber seht selbst! 

Kalt erwischt 

Nachdem ich vorige Woche zu Protokoll gegeben hatte, bei unserer Abreise in den Urlaub habe Berlin sich uns von seiner schlechtesten Seite gezeigt, war auch der Empfang, der uns bei unserer Rückkehr zuteil wurde, etwas unterkühlt. Das lag nicht an den Außentemperaturen, die am Freitag deutlich milder waren als in der gesamten vorangegangenen Woche und der Woche davor; aber als wir buchstäblich mitten in der Nacht in unserem Zuhause ankamen (wir hatten sowieso schon eine ziemlich späte Zugverbindung gebucht, und dann hatte der Zug, in den wir in Hannover umsteigen wollten und mussten, auch noch fast eine Stunde Verspätung), stellten wir fest: Ganz schön kalt hier. 12 Grad, um genau zu sein. Was war passiert? – Keine Bange, das Gas war uns nicht abgestellt worden, aber die Flamme der Gastherme war ausgegangen. Das kann schon mal vorkommen, und wenn es passiert, während man zu Hause ist, und man es schnell bemerkt, ist das nicht so wild: Man drückt auf einen Knopf, dann geht's wieder. Passiert es aber, während man fünf Tage weg ist, und das in der kältesten Zeit des Jahres, dann... nun ja. Nachdem die Heizung wieder lief, dauerte es die ganze restliche Nacht, bis es wieder einigermaßen warm in der Wohnung war, und den Großteil des nächsten Tages, bis wieder eine normale Raumtemperatur herrschte. 

Durch solche Misshelligkeiten ließen wir uns indes nicht davon abhalten, am Samstag wie geplant die Kinderzimmer-Neugestaltung in Angriff zu nehmen. Und gemessen daran, wie uns vor dieser Arbeit gegraut hatte, kamen wir ziemlich gut voran damit. 

Hier entstehen Platz und Sauberkeit für eine Neuanordnung der Kinderzimmermöbel. Die Kisten und Kartons in der Bildmitte dienen der thematischen Vorsortierung des im Zimmer verstreuten Spielzeugs.

Einen Tag später sah es dann schon so aus.

Die gegenüberliegende Ecke des Zimmers machte erheblich mehr Arbeit: Die hier zu sehenden Möbel sollten ausrangiert und durch neue ersetzt werden.

Fertig geworden sind wir mit der Kinderzimmer-Neugestaltung noch nicht, aber der erreichte Zwischenstand hat schon erfreuliche Auswirkungen gezeitigt, zum Beispiel, dass die Kinder sich fröhlich mit Spielsachen beschäftigen, von denen sie vermutlich schon gar nicht mehr wussten, dass sie sie haben, und sie abends auch selbständig wieder aufräumen. Nächste Woche geht's weiter... 


Salz der Erde und Blasiussegen 

Am Sonntagmorgen fühlte meine Liebste sich erkältet, erschöpft vom Räumen im Kinderzimmer und hatte Kopfschmerzen, daher beschloss sie, lieber zu Hause zu bleiben und sich auszuruhen; unser Jüngster wollte daraufhin partout bei ihr bleiben, aber wenigstens das Tochterkind konnte ich überzeugen, mit mir in die Kirche zu gehen. Ich schätze, ein bisschen exklusive Vater-Tochter-Zeit tat uns beiden gut, jedenfalls unterhielten wir uns auf dem Weg nach Siemensstadt und zurück gut, und in der Messe – die vom Spandauer Krankenhausseelsorger zelebriert wurde – war sie aufmerksamer, fokussierter als sonst oft, was sicherlich zu einem gewissen Anteil daran lag, dass sie und ihr kleiner Bruder sich nicht gegenseitig ablenken konnten. 

Das Evangelium vom Tag war Matthäus 5,13-16 – das Doppelbildwort vom Salz und vom Licht –, und auch wenn es sich bei dem Zelebranten bekanntermaßen nicht um meinen Lieblingsprediger handelte, war ich doch gespannt, was er dazu zu sagen haben würde. Die erste Hälfte seiner Predigt, oder etwas mehr als die Hälfte, bezog sich allerdings auf die 1. Lesung, Jesaja 58,7-10: "Brich dem Hungrigen dein Brot, nimm obdachlose Arme ins Haus auf; wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn, und entziehe dich nicht deiner Verwandtschaft." Der herrschenden Meinung der historisch-kritischen Exegese folgend, ordnete der Geistliche diesen Teil des Jesajabuches in die nachexilische Zeit ein: Der Prophet spreche hier in eine Situation hinein, in der "die mühsame Realität des Alltags" das aus Babylon zurückgekehrte Volk Israel "im Gelobten Land eingeholt" habe. Auf unsere Gegenwart bezogen, stellte die Predigt besonders die gesellschaftspolitische Relevanz dieser prophetischen Mahnung heraus: 

"Wir können darauf nicht verzichten, auch nicht im Deutschland unserer Tage – auch wenn wir sicherlich in vernünftiger Weise die Leistung eines jeden Menschen fördern dürfen und müssen und auch Leistung einfordern dürfen, darf dies nicht ausgespielt werden gegen die bleibende empathische Gesellschaft, solidarische Gesellschaft. Es muss immer die Bereitschaft bleiben, mit dem Hungrigen das Brot zu teilen, Obdachlosen ein Dach über dem Kopf zu geben, Nackte zu bekleiden und sich seiner Verwandtschaft und seinen Freunden nicht zu entziehen. Und es war schon immer Mode der Menschen, wenn sie in die Bedrängnis kommen, wenn es schwerer wird, zu sagen: Na, ich muss erst mal an mich selber denken, muss erst mal schauen, wie ich irgendwie durchkomme, und dann kommt erst mal eine Weile nüscht. – Aber dann wird die Gesellschaft immer ärmer und immer schwieriger, und auch der Einzelne, dem geht's dadurch nicht besser. Denn wir alle sind immer auf die Hilfe und Solidarität anderer angewiesen. Und so dürfen wir auch in schwierigeren Zeiten diese Solidarität nicht schleifen lassen." 

Politischer, oder sagen wir: offensichtlicher politisch wird's in den Predigten in dieser Gemeinde eigentlich nie, und das finde ich auch ganz gut so. Richtig spannend wurde es dann aber, als der Priester "eine letzte Bemerkung zum Evangelium" ankündigte. Hier hob er hervor, wenn Jesus sage "Ihr seid das Licht der Welt", sei das eine notwendige Ergänzung dazu, dass Er an anderer Stelle über sich selbst sage "Ich bin das Licht der Welt": Wir dürfen nicht alles nur von Jesus erwarten, sondern müssen uns bewusst sein, dass wir als getaufte und gefirmte Christen einen Auftrag haben, selbst daran mitzuwirken, das Licht Christi in die Welt zu tragen: "Wir alle sind gefordert und wir sind begabt durch Gottes Gnade und Fähigkeiten." – Normalerweise bin ich ja geneigt, die Botschaften, die der Spandauer Krankenhausseelsorger den Hörern seiner Predigten mitgibt, als "volkskirchlich konservativ unter leicht liberalem Anstrich" einzuordnen, aber in dieser Predigt zeigte er überraschend #benOppige Tendenzen – so etwa, indem er betonte, es könne nicht die Aufgabe der institutionellen Kirche sein, ihren Mitgliedern ständig hinterherzulaufen und alles Mögliche anzustellen, um sie irgendwie bei der Stange zu halten; stattdessen sei jeder einzelne Gläubige gefordert, mit seinem persönlichen Leben "Salz in der Suppe" zu sein, und das heiße, 

"dass wir den Geschmack nicht verlieren und dass andere durch unser Engagement und unser Leben auf den Geschmack kommen, auf den Geschmack Gottes und den Geschmack des Himmels. Und dann ist Kirche lebendig und dann läuft vielleicht auch manches anders." 

Dieses Thema griff er im weiteren Verlauf der Messe, von der Einleitung zum Friedensgruß bis hin zu seinen Schlussworten, noch mehrfach auf, und auch wenn ich bekanntlich kein Fan davon bin, wenn die Predigt in andere Teile der Liturgie hinein wuchert, schließt das ja nicht aus, dass dabei Richtiges und Bedeutendes gesagt werden kann. So zitierte er Karl Rahner mit dem Satz "Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein, oder er wird nicht mehr sein" und den unlängst zum Kirchenlehrer John Henry Newman mit der Aussage "Ich sehe eine Zeit weit verbreiteten Unglaubens kommen" – und führte dazu aus:

"Und man begegnet diesem Unglauben, dem Fernbleiben nicht dadurch, dass man manchmal krampfhaft alles Mögliche anstellt, wie das Vereine machen, sondern man wird nicht anders können, als die mystische, die eigentliche Seele der Kirche zum Leuchten zu bringen. Das ist der Glaube, die Feier der Sakramente, die Verkündigung des Evangeliums, die Bereitschaft zur Diakonie, Trost und Hilfe zu spenden – und dass wir alle teilnehmen an dieser Sendung." 

Dass die Kirche kleiner werde, weil sie ihre weniger überzeugten, weniger engagierten Mitglieder nicht mehr halten könne, sei, so fügte er hinzu, etwas, worauf man sich einstellen müsse. – Bezeichnend fand ich es, dass dem Priester kurz vor Schluss plötzlich einfiel, dass die Messe ja auf YouTube gestreamt wird, und er daraufhin prompt etwas Angst vor der eigenen Courage bekam: Es wäre womöglich problematisch, meinte er, wenn das, was er da gerade ausgeführt habe, "woanders noch gehört wird". 

Zum Abschluss der Messe gab es den Blasiussegen, was angesichts der grassierenden Erkältungswelle natürlich sehr gelegen kam, und ich nahm mit Freude wahr, wie gespannt und fasziniert meine achtjährige Tochter das Zeremoniell der Segensspendung beobachtete. Ich habe es bei anderer Gelegenheit schon mal angesprochen, aber ich glaube wirklich, vielen Leuten ist überhaupt nicht klar, was für einen Schatz die Kirche in ihren Ritualen und Zeremonien besitzt. 


"Warum machst du nicht mal 'nen Podcast, Tobi?" 

Ich erwähnte es vorige Woche schon: Am Rande der jüngsten Community Networking Night im Baumhaus hat mir der Betreiber desselben eifrig zugeredet, ich solle doch mal einen Podcast machen, wenn nicht anstelle meines Blogs, dann eben zusätzlich. Der Gedanke hat mich seither nicht so ganz losgelassen, und da ich mich daran erinnerte, dass ich schon vor Jahren gelegentlich mal Beiträge für Radio Horeb ohne weitere technische Hilfsmittel auf meinem Handy eingesprochen hatte, dachte ich mir: Was soll's, probieren wir's einfach mal. Ein Thema für die "Nullnummer" stellte sich ebenfalls wie von selbst ein, in Gestalt des Buches "Die Wesermarsch während der Dänenzeit" von Jens Schmeyers, das bei meiner Mutter auf mich wartete, als wir diese in den Winterferien besuchten. Wie und warum dieses Buch in meinen Besitz gelangt ist, was die "Dänenzeit" ist bzw. war und so weiter, erkläre ich im Podcast und möchte es daher hier nicht lang und breit wiederholen, aber jedenfalls kann ich sagen, dass mir zu diesem Buch eine ganze Menge eingefallen ist – so viel, dass die am vergangenen Mittwoch erschienene "Nullnummer" meines Podcasts (mit dem Titel "It's Dänenzeit and the Feeling's Right") unversehens über zwei Stunden lang geworden ist. In Zukunft sollte ich mir wohl überschaubarere Themen vornehmen, damit die einzelnen Folgen nicht so lang werden. 

Erwähnen will ich indes noch, dass ich mit dem Gedanken gespielt habe, meinen Podcast "Just Talk Shit" zu nennen – nach dem Rat, den Scott aus dem Baumhaus mir gegeben hat. Aber da hätte sich bestimmt wieder jemand beschwert. Also heißt er jetzt vorerst einfach "Der Mittwochsklub-Podcast" und wird in Zukunft, je nachdem wie die Dinge sich entwickeln, vielleicht mal "Der Huhn meets Ei-Podcast" heißen. Zu finden ist der Podcast auf der Mittwochsklub-Patreon-Seite, der Zugang ist bis auf Weiteres kostenlos, aber ich möchte dennoch nicht die Gelegenheit versäumen, darauf hinzuweisen, dass die Plattform Patreon eigentlich dafür konzipiert ist, die jeweiligen Content Creators finanziell zu unterstützen – mit einem Beitrag ab 5 € im Monat. Dafür gibt's auch allerlei Premium-Content, aber wie ich immer gern sage, wenn das als Anreiz nicht ausreicht, dann kann man es auch als solidarischen Akt betrachten: Jeder, der für die Patreon-Seite zahlt, leistet einen Beitrag dazu, dass dieser Blog für den Rest der Welt kostenlos bleibt! 

Das Thema für die nächste Podcastfolge – die eigentliche Nr. 1 also, die, wenn's gut läuft, am kommenden Mittwoch erscheinen soll – steht auch schon fest, nämlich "100 Jahre offene Kirche Herz Jesu Tegel"; in Wirklichkeit sind es erst 25 oder jetzt wohl bald 26 Jahre, aber "100 Jahre" klingt einfach besser, und wir wollen mal hoffen, dass es noch 100 Jahre werden


Kleine Brötchen: JAM vs. Erstkommunionkatechese

Am Mittwoch war wieder JAM, und da gingen wir natürlich hin; erstmals in diesem Jahr gab es in der "gleitenden Ankunftsphase" mal wieder ein Bastelangebot, und danach erklärte unser Jüngster, er wolle, dass ich mit ihm nach oben zum Programm für die "Minis" (also für die Vorschulkinder) gehe. Na gut, dachte ich mir, da habe ich immer noch mehr Lust drauf als aufs Elterncafé. Am liebsten wäre ich aber natürlich zum Programm für die größeren Kinder gegangen – umso mehr, als es in der Katechese diesmal um die Wundersame Brotvermehrung ging, und zwar in der Version des Johannesevangeliums. Bei den "Minis" wurde diese Perikope im Wesentlichen nur nacherzählt, und zur Veranschaulichung erhielt jedes Kind ein kleines Stück Milchbrötchen. Dass Jesus im Zusammenhang mit der Brotvermehrung sagt "Ich bin das Brot des Lebens" (Joh 6,35), wurde durchaus erwähnt, aber lediglich metaphorisch gedeutet, also in etwa: "Genauso wie man Brot für das tägliche Leben braucht, braucht man Jesus für das ewige Leben, d.h. um in den Himmel zu kommen". Man mag sagen, das sei in einer evangelischen Freikirche kaum anders zu erwarten gewesen, aber im Nachhinein dachte ich mir doch: Abendmahl feiern die doch auch in ihrem Gottesdienst, wenn auch vielleicht nur einmal im Monat; und auch wenn das ihrem Verständnis nach bloß eine symbolische Handlung ist, könnte man es vielleicht doch verwunderlich finden, dass in einer Katechese zu Johannes 6 überhaupt kein Bezug zum Abendmahl hergestellt wird. Nochmals darüber nachgedacht, ist es aber vielleicht weniger verwunderlich als bezeichnend: Stellt man nämlich einen Zusammenhang zwischen der "Brotrede" in Joh 6,22-59 und den Einsetzungsworten beim Letzten Abendmahl her, dann deutet dieser Zusammenhang doch recht stark in Richtung Realpräsenz, und das ist für Konfessionen, die nicht an die Realpräsenz glauben, wohl ein plausibler Grund, diesen Zusammenhang nicht herzustellen. – Jedenfalls war ich nun natürlich neugierig, wie das Thema wohl bei den größeren Kindern gestaltet worden war, sonderlich viel wusste mein Tochterkind mir zunächst allerdings nicht darüber zu berichten, außer dass es auch da Milchbrötchen zu essen gab – zusätzlich aber auch Brötchen gebacken wurden, was ja, wie man so hört, auch in der Erstkommunionkatechese eine beliebte Aktivität ist. Ich hatte zu diesem Thema schon vor Jahren mal einen Absatz aus dem Buch "Nightfever. Theologische Grundlegungen" zitiert, der mit der Feststellung begann "Es wird immer noch ganz viel Brot gebacken in der Eucharistiekatechese und immer noch zu wenig von der realen und substantialen Gegenwart des Herrn gesprochen, der unter den eucharistischen Gestalten die Gemeinschaft seiner Kirche aufbaut". Erneut daran erinnert wurde ich im letzten Sommer durch eine Instagram-Story von Horse & Hound, von der ich zur späteren Verwendung einen Screenshot angelegt habe: Da berichtete der damals noch alleinige Seitenbetreiber Thomas H. aus G., er habe neulich "eine Kollegin getroffen", die "beklagt, dass sich die Seelsorgenden [sic] in der Erstkommunion-Vorbereitung vor allem um die Vermittlung von 'Glaubenswissen' kümmern würden". Meine spontane Reaktion darauf war, das sei ja mal wieder typisch PUU, und nach allem, was ich so über die landläufige Praxis der Erstkommunionvorbereitung wisse, werde da ja wohl eher zu wenig Glaubenswissen vermittelt. Aber dann sagte ich mir, ich sollte besser mal keine voreiligen Schlüsse darüber ziehen, worauf die besagte Kollegin mit ihrem Stoßseufzer hinaus wolle, und lieber erst mal weiterlesen. Und so las ich: 

"Sie meinte: 'Hier in der Stadt werden 90% aller Ehen geschieden. Die Welten unserer Kinder zerbrechen und wir reden mit den Kindern übers Brotbacken?'" 

Was sollen wir nun hierzu sagen (Röm 6,1)? Versuchen wir das mal zu "entpacken": Wenn die Dame damit sagen will, dass es ein wichtiger Aspekt von Kinderkatechese sein könnte und sollte, die Kinder in ihrer Lebensrealität, auch in ihrer konkreten individuellen Lebenssituation wahrzunehmen und auf sie einzugehen, und dass dieser Aspekt vielfach vernachlässigt wird, weil Kinderkatechese nach Schema F gemacht wird, dann mag sie wohl Recht haben. Aber dass sie "übers Brotbacken reden" kurzerhand mit "Vermittlung von Glaubenswissen" gleichsetzt, hat dann doch etwas Tragikomisches. Ich möchte da nochmals auf den weiter oben schon zitierten Absatz aus dem Nightfever-Buch zurückverweisen: Das Problematische an der Brotbackerei im Erstkommunionunterricht ist, dass da zunächst einmal nur "das Symbol in seinem menschlichen Gehalt erschlossen" wird und die Gefahr besteht, dass dies als "ein rein horizontaler Vorgang" wahrgenommen wird: 

"Brot ist zum Essen da, und beim Herstellungsvorgang sowie beim Verzehr entsteht, wenn es gut geht, Gemeinschaft. [...] Was wirklich deutlich werden muss, ist, dass die Gabe des Brotes nicht nur dem irdischen Leben dient, sondern Symbol für die Hingabe Jesu Christi an uns als Speise zum ewigen Leben. Das ist nicht unmöglich. Es müsste nur gemacht werden." 

– Übrigens teilte unser Tochterkind uns schließlich noch mit, in der Katechese für die größeren Kinder habe die JAM-Leiterin gesagt, wenn Jesus von sich selbst als dem "Brot des Lebens" spreche, sei das "natürlich" nicht so zu verstehen, dass man "Butter auf Ihn draufschmieren und Ihn aufessen" könne. Daraufhin fanden meine Liebste und ich es dann doch ratsam, vor dem Schlafengehen noch eine kleine Nachbesprechung zum JAM abzuhalten und darauf hinzuweisen, dass wir glauben, Jesus habe tatsächlich gemeint, dass wir Seinen Leib (in Gestalt von Brot) essen sollen, und dass wir das in der Kommunion tun. Zu unserer Großen sagte ich in diesem Zusammenhang auch, dass sie ja nach den Sommerferien mit dem Erstkommunion-Unterricht anfangen und dann noch mehr und Genaueres zu diesem Thema lernen werde. (Wozu übrigens anzumerken ist, dass ich entschieden die Absicht habe, in der Erstkommunionkatechese meiner Kinder – also erst einmal eines Kindes, das andere hat ja noch ein paar Jahre Zeit – auch persönlich "mitzumischen". In welcher Form und welchem Umfang genau, muss sich noch zeigen.) Bemerkenswert fand ich, dass das Tochterkind im Zuge dieses Gesprächs von sich aus anmerkte, man brauche Jesus ja nicht nur für das ewige Leben, sondern Er mache auch jetzt schon das Leben besser. – Im Übrigen war am Abend zuvor die Lourdes-Novene zu Ende gegangen, und nun überraschten mich meine Kinder mit dem Wunsch, eine neue Novene anzufangen. Daraufhin musste ich erst mal schauen, was für eine Novene denn jetzt "dran" wäre; und siehe da, am 20. Februar ist der Gedenktag der Seherkinder von Fátima, Jacinta und Francisco Marto, und natürlich findet man Novenen zu diesem Anlass im Netz. Also ist jetzt nach der Lourdes- eine Fátima-Novene dran. Mal sehen, was danach kommt... 


Aufbrechen wie Abraham: Neues vom Projekt "Religiöse Kindertage"

Am Donnerstagabend fand im Gemeindehaus von St. Stephanus in Haselhorst das Vorbereitungstreffen für den nächsten "Religiösen Kindertag" statt, das ursprünglich schon für zwei Wochen vorher anberaumt worden war, aber wegen krankheitsbedingter Absagen hatte verschoben werden müssen. Gut für mich, denn am ursprünglichen Termin hätte ich nicht teilnehmen können. – Schon das Vorbereitungstreffen zur ersten Veranstaltung des Formats "Religiöse Kindertage" in St. Stephanus – an dem ich nicht hatte teilnehmen können, weil ich da im Urlaub war – hätte, wie ich seinerzeit notierte, eigentlich unter dem Motto "Beten – Planen – Essen" stehen sollen, aber wie der Gemeindereferent mir hinterher berichtete, hatte sich gezeigt, dass den anderen Teilnehmern der Leitgedanke, die Planungsarbeit für das neue Projekt im Gebet zu verankern, eher fremd war, und so war das Beten ein bisschen kurz gekommen. Nun sollte es in dieser Hinsicht einen neuen Anlauf geben. 

An dem Treffen an diesem Donnerstag nahmen insgesamt sieben Personen teil – vier junge Erwachsene, von denen drei schon beim ersten RKT im November mitgewirkt hatten (den vierten kannte ich vom Jugendeinkehrtag letztes Jahr vor Ostern) und drei nicht mehr so junge Erwachsene, darunter der Gemeindereferent und ich. Die jungen Leute kamen allerdings sämtlich etwas zu spät, weshalb wir mit der "geistlichen Einstimmung" schon mal ohne sie anfingen: Wir sangen ein paar Lieder, wozu ich ein bisschen auf der alten Gitarre spielte, die im Gemeindesaal von St. Stephanus zum Inventar gehört, und als dann alle eingetrudelt waren, begannen wir eine (vom Gemeindereferenten "anmoderierte") Gebetsrunde. Es war deutlich zu bemerken, dass freies Beten allen Beteiligten, besonders aber den Jüngeren, eher ungewohnt war; aber es war ein Anfang. Zum Abschluss der Gebetsrunde wurde ein Gebet aus dem Gotteslob (Nr. 7,7, "Du bist heilig, Herr, unser Gott" vom Hl. Franz von Assisi) gemeinsam gesprochen, da fühlten sich alle wieder in sicheren Gewässern. 

Für den anstehenden Religiösen Kindertag – in zwei Wochen, am 28. Februar – war ja das Thema "Raus dem Alltag, rein ins Abenteuer – mit Abraham ins Heilige Land" geplant, und dazu gab es erst einmal eine "Bibelarbeit": Der Gemeindereferent hatte für jeden Teilnehmer auf einer DIN-A-4-Seite die Verse Genesis 12,1-9 ausgedruckt und stellte nun verschiedene Methoden vor, an diesem Text zu arbeiten: Die eine Option war, einen "Sehtext" zu gestalten (diese Methode kannte ich schon vom Jugendeinkehrtag her, sie wurde aber nur von einem Teilnehmer gewählt), die andere, miteinander ein "Schriftgespräch" zu führen, indem jeder auf seinen Blatt Anmerkungen, Fragen oder Assoziationen zum Text an den Rand schreibt und das Blatt dann an den Sitznachbarn weitergibt, der auf diese Randnotizen "antworten" oder eigene hinzufügen kann. Als angehender Religionspädagoge (hihi) fand ich diese Methode sehr interessant, und sie erbrachte auch durchaus bemerkenswerte Ergebnisse; nicht unerwähnt lassen möchte ich indes, dass am Beginn dieser "Bibelarbeit" der Wunsch an den Gemeindereferenten herangetragen wurde, ein bisschen Kontext zu dieser Bibelstelle zu referieren, "weil wir alle nicht so bibelfest sind, außer vielleicht Tobias". Lassen wir das mal so stehen... 

Nach der "Bibelarbeit" wurde erst mal gemeinsam gekochtOne-Pot-Hähnchencurry mit Reis – und dann gemeinsam gegessen, und während des Essens wurde Organisatorisches besprochen, zum anstehenden RKT wie auch zur diesjährigen Religiösen Kinderwoche in den Sommerferien – ein Thema, auf das zu gegebener Zeit noch zurückzukommen sein wird. Was den RKT-Termin in zwei Wochen angeht, stellte sich indes heraus, dass beinahe das gesamte Team – bis auf den Gemeindereferenten und mich – da gar nicht da ist, weshalb der Beschluss gefasst wurde, das Abraham-Thema lieber auf Ende März zu verschieben. Der Termin am 28. Februar soll aber trotzdem nicht einfach ausfallen, also werden wir da wohl in reduzierter Besetzung etwas improvisieren müssen. Wahrscheinlich zum Thema Schöpfung bzw. Adam und Eva. Ich werde berichten... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Der Verlust der Hoffnung hat seinen Grund in dem Versuch, eine Anthropologie ohne Gott und ohne Christus durchzusetzen. Diese Denkart hat dazu geführt, den Menschen "als absoluten Mittelpunkt allen Seins zu betrachten, indem man ihn fälschlicherweise den Platz Gottes einnehmen ließ und dabei vergaß, dass nicht der Mensch Gott erschafft, sondern Gott den Menschen erschafft. 

Das Vergessen Gottes hat zum Niedergang des Menschen geführt. Es wundert daher nicht, dass in diesem Kontext ein großer Freiraum für die Entwicklung des Nihilismus im philosophischen Bereich, des Relativismus im erkenntnistheoretischen und moralischen Bereich, des Pragmatismus und sogar des zynischen Hedonismus in der Gestaltung des Alltagslebens entstanden ist. Die europäische Kultur erweckt den Eindruck einer "schweigenden Apostasie" seitens des satten Menschen, der lebt, als ob es Gott nicht gäbe.

(Johannes Paul II., Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 9


Ohrwurm der Woche 

Screaming Trees: Nearly Lost You 

Diesen Song kenne ich ursprünglich vom Soundtrack-Album zu Cameron Crowes Spielfilm "Singles" aus dem Jahr 1992, womit dies nach "State of Love and Trust" von Pearl Jam (in "Grüße aus dem Corona-Park #3", April 2020) und "Waiting for Somebody" von Paul Westerberg (im "Creative Minority Report" Nr. 6, Dezember 2023) schon mein dritter "Ohrwurm der Woche" ist, der auf dieser Platte bzw. in diesem Film vertreten ist. In Erinnerung gerufen hat mir den Song indes ein YouTube-Video über "Bands aus den 90ern, die 'das nächste große Ding' hätten werden können, es dann aber doch nicht wurden"; ein Video übrigens, aus dem durchaus noch der eine oder andere weitere "Ohrwurm der Woche" hervorgehen könnte. Tatsächlich wird die Gruppe Screaming Trees zwar zu den Pionieren des Grunge-Genres gezählt, aber nach ihrem Durchbruch mit dem Album "Sweet Oblivion" (1992), auf dem der Song "Nearly Lost You" enthalten war, brauchte die Band vier Jahre, um ein weiteres Album herauszubringen, und inzwischen war der Grunge-Boom vorbei. Tja, schade. 


Vorschau/Ausblick 

Die Karnevalssaison geht ihrem Höhepunkt entgegen, und dieser Umstand hat uns am heutigen Samstag ein Termin-Dilemma beschert: Einerseits war Kinderfasching in St. Bernhard Tegel-Süd, da war meine Liebste voriges Jahr mit den Kindern, während ich in Sachen Pfarrhausfamilie unterwegs war, und unser Jüngster hat sich da mit einem etwa gleichaltrigen Jungen angefreundet; diese Freundschaft hat sich übers Jahr gut entwickelt, wir verstehen uns auch mit den Eltern sehr gut, und nun wollten die Jungs natürlich wieder zusammen Kinderfasching feiern. Gleichzeitig war aber auch Kinderfasching in der Gemeinde St. Norbert in Schöneberg, und dazu waren die KPE-Wölflinge sozusagen kollektiv eingeladen; oder anders ausgedrückt, zugunsten der gemeinsamen Teilnahme an der Faschingsfeier fiel das "normale" Meutentreffen aus. Theoretisch hätten wir uns nun aufteilen können, ein Elternteil geht mit dem Jüngsten nach St. Bernhard, das andere mit der Großen nach St. Norbert, aber so richtig ideal fanden wir das alle nicht, und hinzu kam, dass die Faschingsfeier in St. Norbert unter dem Motto "Arche Noah" stand und unser Tochterkind dafür kein geeignetes Kostüm hatte. Also entschieden wir uns doch lieber dazu, alle zusammen zum Kinderfasching in St. Bernhard zu gehen; darüber berichte ich dann beim nächsten Mal. – Zum Ausgleich für das ausgefallene Wölflingstreffen in Schöneberg wollen wir morgen wieder zu den KPE-Wölflingen und -Wichteln in Gesundbrunnen, und das heißt, dass wir planen, in St. Afra in die "Alte Messe" zu gehen; da haben wir wohl die größtmögliche Sicherheit, am letzten Sonntag vor Beginn der Fastenzeit von einer Karnevals-"Liturgie" mit Schunkelliedern und gereimter Predigt verschont zu bleiben. Ausgestanden ist das Thema Karneval damit aber noch nicht, denn am Rosenmontag ist ist antifaschistischer, kultursensibler Fasching in der Schule des Tochterkindes, am Dienstag feiert die KiTa des Jüngsten Fasching, dafür hat sie tags darauf geschlossen, aber nicht wegen Aschermittwoch, sondern wegen einer Mitarbeiterfortbildung. Ich schätze, das ist eine gute Gelegenheit, mal wieder mit dem Jüngsten in St. Marien Maternitas in die Messe zu gehen – die, dem Zelebrationsplan der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd zufolge, von Pater Mephisto zelebriert wird. 

– Und wie steht es mit guten Vorsätzen für die Fastenzeit? Sagen wir so: Im Vergleich zum Vorjahr wäre es schon ein Fortschritt, wenn ich an meinem Bibelleseplan dranbliebe (dazu, wie es damit läuft, gibt es folgerichtig nächste Woche ein Update); davon abgesehen hatte ich in der vorigen Fastenzeit damit begonnen, möglichst jeden Werktag mit Invitatorium und Laudes (plus Kaffee) zu beginnen, dies dann aber auch über die Fastenzeit hinaus beibehalten – und nun bin ich mir recht unsicher, ob es nun ein realistischer Vorsatz für die diesjährige Fastenzeit ist, darüber hinaus noch eine weitere Hore des Stundengebets in meinen Tagesablauf zu integrieren. Was ich hingegen sehr gern mal wieder machen würde, wäre "Beten mit Musik" – und zur Eucharistischen Anbetung gehen. Wir werden sehen, was daraus wird. 

Am kommenden Samstag ist dann volles Programm: Ich bin beim "Bewerber:innentag" des Erzbistums Berlin für pastorale Berufe, und gleichzeitig ist meine Liebste bei einem Einkehrtag für Frauen in der EFG Schöneberg, zu dem eine JAM-Mitarbeiterin sie eingeladen hat. – Und was machen die Kinder währenddessen? Die gehen mit den Omas zu den Pfadfindern. So jedenfalls der Plan. Das verspricht alles recht spannend zu werden, aber berichten werde ich darüber wohl erst im übernächsten Wochenbriefing können.