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Samstag, 30. August 2025

Die 3 K der Woche (40): Kinder, Kirche, Krimi-Spiele

Freunde, ich glaube, so langsam sind wir wieder richtig in Berlin angekommen, nicht nur mit dem Körper, sondern auch mit dem Bewusstsein (das, wie es scheint, "zu Fuß nachkommen" musste). Wir haben eine ereignisreiche Woche hinter uns, die, wie schon vorausgesehen, sehr wesentlich von der Kinderbibelwoche in der EFG The Rock Christuskirche geprägt war; trotzdem gibt es aber auch noch andere Themen. Darum ohne weitere Vorrede hinein ins Vergnügen!


Durch die enge Tür: Sonntagabendmesse in Herz Jesu Tegel 

Wie im vorigen Wochenbriefing bereits angekündigt, gingen wir am 21. Sonntag im Jahreskreis in Herz Jesu Tegel in die Abendmesse, nachdem wir vormittags und bis in den frühen Nachmittag hinein auf einem Reiterhof am Rande einer Kleingartensiedlung in Französisch-Buchholz gewesen waren (wohin ich auf besonderen Wunsch meiner Kinder mitgekommen war, was ich ursprünglich nicht vorgehabt hatte). Die Messe wurde von Pater Brody zelebriert, der uns als umgänglicher Charakter und vor allem als kinderfreundlich bekannt ist; etwas besorgt war ich indes wegen der Predigt, denn in dieser Hinsicht hatte er sich schon ein paarmal als etwas, sagen wir mal, eigenwillig erwiesen, und gerade an diesem Sonntag kamen in der Leseordnung ja notorisch "schwierige" Texte dran. Das hatte sich schon am Nachmittag in einer Facebook-Diskussion niedergeschlagen, die damit begann, dass ein befreundeter "Netzkatholik" berichtete, er habe zum Evangelium dieses Sonntags – Lukas 13,22-30, Von der engen und der verschlossenen Tür – eine Predigt gehört, in der diese "Drohbotschaft" "mit der Begründung für belanglos erklärt" worden sei, "dass Lukas Jesus sowieso nicht gekannt und erst recht kaum verstanden habe"; im weiteren Verlauf hatte ein anderer Diskussionsteilnehmer geurteilt: "Furchtbare Lesungen heute! Von vorne bis hinten! Die Passage aus dem Hebräerbrief gehört rausgeschmissen aus dem Kanon oder wenigstens aus der Leseordnung!" Was dieser Herr gegen die 1. Lesung (Jesaja 66,18-21, die Ankündigung der Verehrung Gottes durch alle Nationen) auszusetzen hatte, blieb unklar, aber sein Unmut über die 2. Lesung (Hebräer 12,5-7.11-13, Die Zucht des Herrn) rührte offenkundig daher, was dort über die Züchtigung von Kindern gesagt wird. Diese Bibelstelle vertrete "ein unchristliches Menschenbild, das unendlich viel Leid in der Kirche erzeugt hat", äußerte er. Nun ist es zwar – worauf auch der Urheber dieser Facebook-Diskussion hinwies – wohl etwas abenteuerlich, sich einzubilden, man könne besser beurteilen, was christlich sei und was nicht, als die Verfasser des Neuen Testaments es konnten, aber man muss wohl zugeben, dass man diese Vorstellung heutzutage nicht so ganz selten antrifft – gerade innerhalb des Funktionärsapparats der Kirche: Der hier zitierte Diskussionsteilnehmer ist, wie ich allerdings erst im Nachhinein herausfand, Direktor der Katholischen Akademie im Bistum Limburg. Keine weiteren Fragen. 

Kommen wir lieber mal zur Sonntagabendmesse in Herz Jesu Tegel: Hier begannen die Ärgernisse tatsächlich schon deutlich vor der Predigt. Dabei ging es gar nicht so schlecht los: Dass Pater Brody in der Überleitung von der Begrüßung zum Kyrie sagte "Wir werden in der 1. Lesung gleich hören, dass Gott die Taten und auch die Gedanken der Völker kennt. Er muss sie aber nicht unbedingt gutheißen. Unsere Taten und Gedanken sind vielleicht auch nicht immer in einer Linie mit denen Gottes", ließ jedenfalls nicht erahnen, was uns noch bevorstand. Dass er in einer frei formulierten Kyrie-Litanei die Message des Tagesevangeliums in den Worten zusammenfasste "Heiliger Christus, du hast den Deinen gesagt, deinen Freunden: Wer zu mir kommen will, muss sich schon ein wenig anstrengen", fand ich von der Formulierung her etwas lahm, aber richtig arg wurde es erst vor der 2. Lesung, denn dieser schickte der Zelebrant einen regelrechten Warnhinweis voraus: "Ich lasse sie lesen, weil sie eben im Programm steht", bekannte er, fügte jedoch hinzu: "Mit dem ersten Teil kann man nicht mehr übereinstimmen, er ist aus der Zeit gefallen; er war damals aktuell, als der Brief geschrieben wurde – heute nicht mehr. [...] Es geht [...] um körperliche Züchtigung, um das Schlagen von Kindern. Das wollen wir nicht." – Ich sag mal so: Wenn man der Meinung ist, es sei sinnvoll oder sogar notwendig, der anwesenden Gemeinde zu erklären, sie sollten diese Lesung nicht als Rechtfertigung oder gar Aufforderung verstehen, ihre Kinder zu schlagen (und manch einer wird sich vielleicht noch erinnern, was für ein Shitstorm über Papst Franziskus hereinbrach, als er Anfang 2015 in einer Generalaudienz lobend über einen Vater sprach, der seine Kinder schlägt, "aber nicht ins Gesicht"), dann wäre dafür doch wohl die Predigt der geeignete Ort. Der Lesung geradezu einen Disclaimer voranzustellen, verträgt sich hingegen schwerlich mit dem gebotenen Respekt vor der Heiligen Schrift, und dabei mit so fragwürdigen Kategorien wie "aus der Zeit gefallen" zu argumentieren, öffnet einem verderblichen historischen Relativismus Tür und Tor. – Übrigens erwähnte Pater Brody, er habe, "als die Lesung vor drei Jahren in St. Joseph im Wedding gelesen wurde" bei dem Vers Denn wo ist ein Sohn, den sein Vater nicht züchtigt?" "aufgezeigt und laut 'JA' gesagt". Da möchte ich dann doch mal die Frage in den Raum stellen, ob jemand, der so etwas macht und noch Jahre später stolz davon erzählt, wirklich die nötige charakterliche Reife besitzt, um Seelsorger zu sein. 

Das war aber noch nicht alles: Als der Zelebrant nach dem Halleluja-Ruf nicht etwa ans Ambo trat, sondern sich ein Handmikrofon griff und die Gemeinde jovial aufforderte, sich zu setzen, dachte ich einen Moment lang, er habe vergessen, das Evangelium vorzutragen, und wolle jetzt direkt zur Predigt übergehen; was er jedoch tatsächlich im Sinn hatte, war, dem Evangelium eine Art Quiz voranzustellen, bei dem die beiden Ministranten als Kandidaten herhalten mussten. Die eigentliche Predigt war dann kaum der Rede wert, sie war gerade mal drei Minuten lang und wirkte trotzdem langatmig und redundant; zu einem vertieften Verständnis des Evangeliums trug sie jedenfalls nicht bei. Die abschließenden Sätze lauteten: "Jeder, der gerettet werden will, kann gerettet werden; und ich hoffe, ihr alle wollt." 

Übrigens bin ich annähernd sicher, dass Pater Brody im Credo, an der Stelle, an der der Glaube an die heilige katholische Kirche bekannt wird, statt "heilige" ein anderes Wort sagte, das allerdings über die Stimmen der Gemeinde (einschließlich meiner eigenen) hinweg nicht zu verstehen war. Das Hochgebet, das er verwendete, wirkte auf mich zunächst recht selbstgestrickt, aber wie ich später herausfand, war es mit nur geringen Abweichungen dem Direktorium für Kindermessen entnommen. Das sagt ja auch schon etwas aus. – Alles in allem muss man sagen, dass "Man kann ja ruhig mal in Tegel in die Abendmesse gehen" wohl keine so gute Idee war; aber vielleicht wird uns das ja aufs Fegefeuer angerechnet...


Foodsaving-Kindergeburtstag 

Am Montag feierte eine der liebsten Schulfreundinnen unseres Tochterkindes (aus dem "Club der Unglaublichen", wie sie sich nennen – ich erwähnte es schon mal) ihren Geburtstag, und zwar im Garten ihrer Oma. Ein gelungenes Anschauungsbeispiel dafür, dass ein Kindergeburtstag auch heutzutage noch nicht unbedingt ein perfekt durchgestyles und –organisiertes Event sein muss, auch wenn es manchmal den Anschein haben mag. Die Kinder brauchen das eigentlich gar nicht, die haben auch so ihren Spaß. Natürlich ist es von Vorteil, wenn der Geburtstag in die Sommermonate fällt und man einen Garten hat, aber wir haben auch schon mal im Oktober auf einem Spielplatz Kindergeburtstag gefeiert. 


Nachdem in meinem vorigen Wochenbriefing der Abschnitt über den Schnitzelrekord in der Malzfabrik irritierte Reaktionen ausgelöst hat (zwar nur bei einem einzelnen Leser, aber ich stelle mir ja gern vor, dass hinter jedem Leser, der einen Kommentar schreibt, eine unbestimmte Zahl anderer Leser steht, die keinen Kommentar schreiben), möchte ich es nicht unterlassen, zu erwähnen, dass das Buffet bei diesem Kindergeburtstag ganz oder teilweise vom Foodsaving stammte; das umfasste Hotdog-Zutaten aus einem namhaften schwedischen Einrichtungshaus, Donuts mit Topping, aber z.B. auch Frischkäse-Dips mit am selben Tag oder einen Tag zuvor abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum. Und? War alles lecker. 


Die Mutter des Geburtstagskindes, eine engagierte Foodsaverin, die uns auch sonst schon mal Brot oder Obst mitgebracht hat, würde ich übrigens nicht direkt als linksradikal bezeichnen; in manchen Punkten würde ich ihre Anschauungen sogar eher als konservativer einschätzen als meine eigenen oder die meiner Liebsten. – Zu den Geburtstagsgästen zählten ein weiteres Mitglied des "Clubs der Unglaublichen" (die vierte Bunde war noch in Urlaub, Fußballcamp oder sowas) und noch zwei Mädchen aus der Schule unserer Tochter, außerdem einige Kinder, die entweder zum erweiterten Familienkreis gehörten oder das Geburtstagskind noch aus der KiTa kannten. Zu den letzteren gehörte ein Geschwisterpaar, bei dem ich Stein und Bein geschworen hätte, beide Kinder wären Jungs, aber laut Auskunft der Eltern waren es beides Mädchen. Da könnte man nun auch wieder eine Gender- oder Transgender-Debatte dran aufhängen, aber muss vielleicht nicht unbedingt sein. – Was jedenfalls die neulich in einem Kommentar zum Schnitzelevent aufgeworfene Frage angeht, ob ich mich "denn in diesem linksalternative[n] Milieu so sauwohl" fühle, kann ich angesichts dieser Geburtstagsfeier einmal mehr feststellen: doch, ja, im Großen und Ganzen schon. Sehr viel wohler jedenfalls als in einem dezidiert "bürgerlich-konservativen" Milieu. Und ich finde, gerade diejenigen Glaubensgeschwister, die sich selbst in "linksalternativen" Kreisen unwohl fühlen würden, könnten sich ruhig mal darüber freuen, dass ich da hingehe; denn dass da überhaupt keine Christen hinkämen, können ja wohl auch sie nicht wollen. 

Ein sicheres Zeichen, nicht auf einem veganen Kindergeburtstag zu sein, ist Eierlaufen mit echten Eiern.


Bibelentdecker, dem Geheimnis auf der Spur 

Das wie gesagt herausragende Ereignis im Berichtszeitraum dieses Wochenbriefings, die Kinderbibelwoche, begann am Dienstagnachmittag; und tatsächlich ist mir erst jetzt bewusst geworden, dass die erste Teilnahme unserer Kinder an der Kinderbibelwoche dieser Gemeinde schon drei Jahre zurückliegt. Die Kinderbibelwoche des Jahres 2022 ist auf meinem Blog nicht dokumentiert, da dieser zu der Zeit inaktiv war; ich erinnere mich aber noch, dass sie unter dem Motto "Kampf um Rom" lief und ich deswegen anfangs eine antikatholische Tendenz befürchtete. Tatsächlich rührte dieses Motto jedoch daher, dass sich das Konzept dieser Kinderbibelwoche an dem Trickfilm "Asterix erobert Rom" orientierte. Im nächsten Jahr ging es um das Thema "Superhelden", und im vorigen Jahr, als wir nicht teilnehmen konnten, weil wir zu dieser Zeit verweist waren, lautete das Motto "Abenteuer auf den sieben Weltmeeren". Diesmal gab es ein "Sherlock Holmes"-Motto, folglich waren "Detektivaufgaben" zu bewältigen. 


Ähnlich wie man es vom JAM her kennt, gab es an den einzelnen Tagen der Kinderbibelwoche eine gleitende Ankunftsphase vor der eigentlichen Eröffnung des Programms; in dieser Zeit konnten die Kinder im Garten verschiedene Spiele bestreiten und dafür Punkte sammeln – dazu gehörten zum Beispiel Dosenwurf, Slalomlauf und Balancieren, aber auch ein Bibelquiz. Neben solchen individuell lösbaren Aufgaben gab es aber auch Spiele, für die die Kinder in Gruppen eingeteilt wurden, so zum Beispiel ein großes Geländespiel nach dem Vorbild des Brettspiels "Cluedo". Am zweiten Tag begannen einige erwachsene Mitarbeiter zudem damit, aus Holzteilen eine Telefonzelle zu bauen, und die Kinder konnten Punkte sammeln, indem sie dabei halfen. 


Am dritten Tag, Donnerstag, regnete es; die Mitarbeiter erzählten, sie hätten damit nicht gerechnet, da sie dafür gebetet hatten, dass es bis einschließlich Freitag keinen Regen geben sollte, und in den zurückliegenden Jahren seien diese Gebete stets erhört worden. Ich erwähne dies übrigens keineswegs in der Absicht, mich über die Mitarbeiter lustig zu machen – im Gegenteil. Dass gerade an diesem Tag nicht im Garten gespielt werden konnte, erwies sich allerdings als gar nicht so schlimm, da der Donnerstag sowieso als Bau- und Basteltag vorgesehen war. Gebastelt wurden u.a. Dosentelefone, und außerdem konnten die Kinder Baseballkappen und Schlüsselanhänger gestalten. – In der Gesamtauswertung aller im Laufe der Woche gesammelten Punkte belegte unser Jüngster übrigens unter mehr als 30 teilnehmenden Kindern den 8. Platz; unsere Große war vergleichsweise weniger ehrgeizig beim Punktesammeln gewesen und landete eher im Mittelfeld, Preise gab es aber für alle

Nun kann man sich natürlich fragen, worin – einmal abgesehen von dem schon erwähnten Bibelquiz – eigentlich der Bibel-Aspekt dieser Kinderbibelwoche bestand. Okay, ich verrat's euch, Freunde: An jedem Tag wurde den Kindern eine Bibelgeschichte erzählt, und zwei Mädchen, die als "Teresa Holmes" und "Tessa Watson" verkleidet auftraten, steuerten eine Rahmenhandlung bei, durch die die jeweilige biblische Erzählung als Detektivgeschichte präsentiert wurde. Dazu war im Gottesdienstsaal der Gemeinde ein stilechtes Detektivbüro aufgebaut worden. 


Am Dienstag konnten wir leider nicht bis zur Bibelgeschichte bleiben, da wir noch einen Termin hatten; am Mittwoch ging es um die Heilung von zehn Aussätzigen, am Donnerstag um die Heilung eines Gelähmten. 

Tatort Kapernaum: Warum wurde hier das Dach abgedeckt?

Am letzten Tag mussten Holmes und Watson den "Fall der verschwundenen Leiche" lösen, d.h. es ging um die Auferstehung Jesu. 

Vor und nach diesen Bibelgeschichten wurden jeweils ein paar Lobpreislieder gesungen, und gebetet wurde mit den Kindern auch. Und dann gab's Abendessen: am Mittwoch Nudeln mit Tomatensauce, am Donnerstag belegte Brote und Obst, am letzten Abend wurde gegrillt. – Übrigens gab es parallel zum Kinderprogramm jeden Tag auch ein Elterncafé

Zweimal, am Donnerstag und am Freitag, nahm ich daran teil, und es gefiel mir tendenziell besser als das Elterncafé beim JAM – weil es lockerer, offener war, mehr Raum für freien Austausch bot, anstatt strikt auf ein vorgegebenes Thema konzentriert zu sein. Möglicherweise hatte das damit zu tun, dass die Kinderbibelwoche stärker darauf ausgerichtet ist, "neue Leute" anzusprechen und für die Gemeinde zu interessieren, während zum JAM im Großen und Ganzen jede Woche dieselben Leute kommen. Natürlich könnte man sich die Frage stellen, ob nicht auch umgekehrt ein Schuh draus wird, ob man nicht auch mit dem JAM-Elterncafé mehr und unterschiedlichere Leute erreichen könnte, wenn es lockerer und weniger "bibelschulmäßig" gestaltet würde; aber das ist ein Thema für sich, zu dem ich ohnehin schon länger mal was sagen wollte – ein Artikel dazu ist in Vorbereitung. 

Im Großen und Ganzen war die Kinderbibelwoche jedenfalls super; unsere Tochter sagte am letzten Abend sogar, es sei "die beste Woche aller Zeiten" gewesen. – Auch wenn es auf der Hand liegt, dass ein Event dieser Größenordnung nur dank der Mitwirkung einer großen Zahl freiwilliger Helfer aus der Gemeinde möglich ist (ich habe sie nicht genau gezählt, würde aber schätzen, dass mindestens 15 Erwachsene und noch einmal so viele Jugendliche beteiligt waren), drängte sich ein Vergleich mit dem Kinderprogramm der Urlauberkirche in Butjadingen doch in gewisser Weise auf, und dieser Vergleich warf einmal mehr ein recht grelles Licht darauf, wie viel Luft nach oben es bei der Urlauberkirche gibt, selbst wenn man den Rahmen von "an fünf Tagen der Woche je zwei Stunden Kinderbespaßung" nicht überschreiten möchte. Etwas vom Prinzip her Ähnliches wie die Kinderbibelwoche, wenn auch sicherlich vom Aufwand her einige Nummern kleiner (d.h. vor allem mit einer erheblich kleineren Zahl unterschiedlicher und gleichzeitig angebotener Spiel- und Bastelstationen, aber z B. auch ohne Live-Band, ohne Essen und ohne paralleles Elterncafé) könnte man theoretisch auch da als Wochenprogramm anbieten – das ist, diese Überzeugung lasse ich mir nicht so leicht ausreden, in erster Linie eine Frage des Wollens. Meine Liebste zog daraus die Konsequenz, den Flyer, mit dem die Butjenter Urlauberkirche um Mitarbeiter für die Saison 2026 wirbt, an eine Mitarbeiterin der EFG The Rock Christuskirche zu schicken, damit sie ihn gegebenenfalls an interessierte Gemeindemitglieder weiterleiten kann. Ist schließlich eine ökumenische Urlauberkirche, also warum sollte nicht auch mal ein Team aus einer evangelisch-freikirchlichen Gemeinde aus Berlin mitmachen dürfen?  


"Pieper-Pop" und pipapo 

Hinsichtlich der Verleihung des Josef-Pieper-Preises an Bischof Robert Barron in Münster vor fünf Wochen hätte man ja denken können, die Wogen hätten sich allmählich einigermaßen geglättet; aber es gibt halt immer Leute, die sich nicht damit zufrieden geben können, wenn zwar schon alles gesagt ist, aber noch nicht von jedem. Zu diesen gehört allem Anschein nach der in Fribourg (Schweiz) lehrende Moraltheologe Daniel Bogner, der Lesern meines Blogs daher ein Begriff sein könnte, dass er anno 2021 Aussagen Papst Benedikts XVI. in einem Interview mit der Herder-Korrespondenz als "paradox und wohl auch naiv" kritisierte. Bogners in diesem Zusammenhang formulierte These, es gebe "auch so etwas wie ein institutionelles, amtliches Zeugnis der Kirche", das darin bestehe, "dass in ihrem Namen gute Bildungsarbeit, bestmögliche medizinische Versorgung, sensible Beratungsarbeit oder nachhaltige Entwicklungshilfe angeboten werden", und dafür brauche es eben "Manpower, große Stäbe und Management", habe ich seither mehrfach als Paradebeispiel für die verfehlte Funktionärsmentalität zitiert, die in der Kirche um sich greift; dies mal nur zur Einordnung. Dass dieser selbe Daniel Bogner nun "die Vereinnahmung des Philosophen Josef Pieper bei der Verleihung des nach ihm benannten Preises kritisiert" und meint, da habe "keine ernsthafte Rezeption" von Piepers Werk stattgefunden, würde mich nun an sich nicht sonderlich bewegen; aber dass er in diesem Zusammenhang von "Pieper-Pop" spricht, finde ich schon rein klanglich ganz großartig, und wenn er meint, die Verleihung des Pieperpreises an Bischof Barron impliziere eine bestimmte Positionierung im "Deutungskampf um das wahrhaft 'Katholische'", dann ist ihm in dem Punkt wohl kaum zu widersprechen. Anders als er (oder vielleicht auch nur: anders als er vorgibt) bin ich allerdings der Auffassung, dass eine solche Positionierung absolut legitim und sogar geboten ist. Wird ein Deutungskampf um das wahrhaft Katholische nicht geführt oder den Falschen überlassen, dann braucht man sich nicht zu wundern, wenn Leute Dinge sagen, schreiben oder denken wie "Alles, was sich so nennt, ist das Christentum [...]. Man darf der Versuchung nicht nachgeben, festlegen zu wollen, was rechtmäßig dazu gehört und was nicht" (Antje Schrupp, 2014). Man beachte: Das ist so eine Aussage wie "Eine Frau ist jeder, der sich als Frau definiert". Wenn's dann aber doch mal der Falsche tut, ist das Geschrei groß

Aber zurück zu Bogner: Wenn er beklagt, beim Pieper-Symposium seien "nachvollziehbare Überlegungen mit abwertenden Polemiken gegen 'die deutsche Kirche', den 'liberalen Zeitgeist' oder eine vermeintlich falsch ausgerichtete Theologie verbunden worden" und ein "Brückenbau zwischen progressiv und traditionell" sei dabei offenbar "gar nicht gewollt gewesen", sieht das erst mal nach einem klaren Fall von "Heul doch!" aus; aufmerken lässt jedoch der Umstand, dass Bogner "Abschottung und Gesprächsverweigerung" ausdrücklich auch im eigenen Lager ausmacht und tadelnd fragt: "Will man eigentlich noch etwas lernen, auch von den ausgemachten Gegnern? Sich zumindest einen eigenen Eindruck verschaffen?" – 

Wollen wir dem guten Daniel mal wünschen, dass er mit seiner Forderung, auch mit Gegnern zu reden bzw. ihnen zuzuhören, nicht der "Eule" in die Krallen gerät; die versteht da nämlich keinen Spaß, wie kürzlich der "landeskirchliche Influencer" Nicolai Opifanti – "der bekannteste Online-Pfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg (ELKWUE) und Teil des evangelischen Content-Netzwerkes 'yeet'" – zu spüren bekam, und mit ihm der "Podcast von 'Schöner glauben', einem 'progressiven' christlichen Content-Netzwerk", auf dem Opifanti unlängst interviewt wurde. (Der Interviewer hieß übrigens Peer Asmussen, und #sorrynotsorry, wenn ich "Asmussen" lese, ergänzt mein Gehirn automatisch "Fips". Die Vorstellung, der würde einen progressiven evangelischen Podcast moderieren, ist nun wirklich Kopfkino der schönsten Sorte.) Die Eule beklagt sich nun, Opifanti habe "rechtspopulistische Talking Points" vertreten, z.B. zum Thema Abtreibung; was ihm und seinem Interviewer Asmussen sonst noch so alles vorgeworfen bzw. warum es ihnen vorgeworfen wird, ist zum Teil gar nicht so leicht zu entschlüsseln, wenn man mit den Diskursen in den evangelischen Landeskirchen nicht vertraut ist; unterm Strich darf man aber wohl festhalten: Die Eule betrachtet es als einen unverzeihlichen Affront gegen progressiv-postchristliche Prinzipien, dass Opifanti argumentiert, auch konservative Positionen sollten in den evangelischen Landeskirchen einen legitimen Platz haben, und Asmussen ihm darin nicht widerspricht. Wie sehr die Eule diesen Umstand skandalisiert, möge exemplarisch das folgende Zitat zeigen: 

"Ausgerechnet in einem post-evangelikalen, 'progressiven' Format wie dem 'Schöner glauben'-Podcast werden so die Verletzungen von Menschen verharmlost, denen von pietistisch bzw. evangelikal geprägten Glaubensgeschwistern ihr Glauben abgesprochen und deren Lebensführung als sündhaft markiert wurde."  

Derweil meldete sich der "Horse & Hound"-Vodkaster Thomas Halagan früher als erwartet aus dem Urlaub zurück – zunächst per Instagram-"Story": Als einen seiner ersten Beiträge teilte er ein witzig gemeintes Kurzvideo von Messdienern einer Pfarrei auf der Schwäbischen Alb, in dem es um die "Entsorgung" übriggebliebenen Messweins ging, und kurz darauf einen Beitrag des Dortmunder Soziologen Aladin El-Mafaalani, in dem dieser sich darüber freute, als Muslim beim ökumenischen Saisoneröffnungsgottesdienst des BVB predigen zu dürfen. Soweit also alles wie immer. Die Entscheidung des ehemalige Grünen-"Kanzlerkandidaten" Robert Habeck, von seinem Bundestagsmandat zurückzutreten, kommentierte Halagan mit einem derben "Scheiße nochmal" und gab der Hoffnung Ausdruck, Habeck werde zurückkommen; dass er in diesem Zusammenhang die Idee einer "Doppelspitze" aus Habeck und Ex-Kanzlerin Merkel ins Spiel brachte, sollte wahrscheinlich ein Witz sein, aber bezeichnend dafür, in was für einem Paralleluniversum der Typ lebt, ist es wohl allemal. Im Übrigen zitierte er in seiner "Story" ausgiebig aus Habecks Rücktritts-Interview mit der taz (einschließlich der Passage über "Söders fetischhaftes Wurstgefresse"). – Also, manchmal würde ich mir ja wünschen, die Kirche würde ihre hauptamtlichen Mitarbeiter (oder meinetwegen auch Ehrenamtliche, sobald sie in einem einer hauptamtlichen Tätigkeit vergleichbaren Umfang für die Kirche tätig sind) vertraglich zu parteipolitischer Neutralität in ihren öffentlichen Äußerungen verpflichten. Wer dieser Forderung nicht zustimmt, kann sich ja mal überlegen, wie er es fände, wenn ein Kirchenmitarbeiter seine beträchtliche mediale Präsenz dazu nutzen würde, für die AfD zu werben. 


Gar nicht so schlecht, Grok! 

Zu meinem Artikel "Horse & Hound ist in Urlaub..." muss ich übrigens noch anmerken, dass dieser zwar ein hohes Maß an Leserbeteiligung in Form von Kommentaren generiert hat, dass diese Kommentare sich aber – wie es zugegebenermaßen insgesamt nicht selten der Fall ist – überwiegend auf einen Aspekt des Artikels bezogen, den ich als eher nebensächlich betrachtet haben würde: nämlich darauf, dass ich einmal mehr meine Überzeugung bekräftigte, "man müsse als gläubiger Christ nicht unbedingt wählen gehen und wenn doch, dann nicht zwingend die CDU". Insbesondere ein anonymer Kommentator nahm mir diese Einstellung, noch mehr aber meine Wahlentscheidung bei der vorgezogenen Bundestagswahl im vergangenen Februar, ausgesprochen übel; ich gehe davon aus, dass er derselbe Leser ist, der schon mehrere meiner Blogartikel in ähnlicher Weise kommentiert hat – trotz seiner Anonymität sind sein Stil und seine Argumentation doch ziemlich unverkennbar. Die letztere läuft in etwa darauf hinaus, dass es zwar gute Gründe gebe, mit der Politik der CDU unzufrieden zu sein, aber man müsse sie trotzdem wählen, um Schlimmeres zu verhindern. Was das angeht, halte ich's einmal mehr mit Cat Stevens: "If they were right, I'd agree." Will sagen: Ich kann diese Sichtweise nachvollziehen, stimme ihr aber nicht zu. 

Nun, jedenfalls hat das beharrliche Wederauftauchen dieser Debatte mich auf die Schnapsidee gebracht, versuchsweise einmal Grok, dem AI-Chatbot der App Formerly Known As Twitter, die Frage zu stellen "Welcher politischen Partei steht der Blog 'Huhn meets Ei' nahe?". Die Antwort lautete wie folgt: 

Der Blog "Huhn meets Ei" von Katholisch in Berlin steht keiner politischen Partei explizit nahe. Der Autor, der unter dem Pseudonym "KingBear" schreibt, legt in seinen Beiträgen einen starken Fokus auf christliche, insbesondere katholische Themen, sowie auf eine "christliche Graswurzelrevolution". Er betont wiederholt, dass "Politik uns nicht retten wird", was eine gewisse Distanz zu parteipolitischem Engagement andeutet. 

Die Inhalte des Blogs drehen sich um Glaube, Kirche, Gesellschaft, Popkultur und Alltag, oft mit einem kritischen Blick auf moderne Entwicklungen und einem Hang zu alternativen Lebensmodellen wie der "Benedict Option" oder "Punkpastoral". Politische Statements sind meist allgemein gehalten und zielen auf kulturelle oder moralische Fragen ab, ohne eine klare Affiliation zu einer bestimmten Partei in Deutschland oder anderswo zu zeigen. Es gibt keine Hinweise darauf, dass der Blog einer bestimmten politischen Partei wie CDU, SPD, Grüne, AfD oder anderen nahesteht. Stattdessen scheint der Autor eine unabhängige, christlich geprägte Perspektive zu verfolgen, die sich eher von parteipolitischen Strukturen abgrenzt.

Gar nicht mal so schlecht, oder? Ich würde mal sagen: Wenn ein AI-Chatbot das erkennen kann, dann kannst du es auch, Leser. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Du ewige Wahrheit, wahre Liebe, geliebte Ewigkeit. Du bist mein Gott, nach dir verlange ich Tag und Nacht. Gleich als ich dich erkannte, zogst du mich an dich, damit ich sähe, es gebe etwas, was zu sehen ich bestimmt bin; nur dass ich es noch nicht schauen kann. Deine Strahlen drangen mächtig auf mich ein, und du blendetest mein schwaches Sehvermögen. Ich zitterte vor Liebe und Furcht, und ich entdeckte, dass ich weit weg von dir war in einem Bereich, der dir nicht gleicht. Es war, als hörte ich deine Stimme aus der Höhe: "Ich bin die Speise der Starken! Wachse, und iss mich! Du wirst mich nicht in dich verwandeln wie eine leibliche Speise, sondern du wirst in mich verwandelt werden!" Da suchte ich einen Weg, die Kraft zu gewinnen, ausreichend, dich zu genießen. Aber ich fand dich nicht, bis ich den Menschen Jesus Christus in die Arme schloss, den Mittler zwischen Gott und den Menschen (1 Tim 2,5), der Gott ist über allem, gepriesen in Ewigkeit (Röm 9,5). Er rief mich und sprach: "Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben" (Joh 14,6), und er war meine Speise, die ich nicht zu nehmen vermochte. Aber er verband sich mit dem Fleisch - denn das Wort ist Fleisch geworden (Joh 1,14) - um unsere kindliche Schwachheit mit der Weisheit zu nähren, durch die du alles erschaffen hast. Spät habe ich dich geliebt, du Schönheit, so alt und doch so neu, spät habe ich dich geliebt. Siehe, du warst in meinem Inneren, und ich war draußen und suchte dich dort. Ich stürzte mich, hässlich wie ich war, auf diese schönen Dinge, die du geschaffen hast. Du warst bei mir, aber ich nicht bei dir. Die Dinge hielten mich fern von dir. Du riefest, du schriest, und da durchbrachst du meine Taubheit. Du strahltest auf, du leuchtetest und vertriebst meine Blindheit. Duft ging von dir aus, ich zog den Hauch ein, und nun verlangte ich nach dir. Ich habe gekostet, und nun hungere und dürste ich. Du hast mich angerührt, und ich entbrannte nach deinem Frieden. 

(Aus den "Bekenntnissen" des Hl. Augustinus) 


Ohrwurm der Woche 

Charlotte Raus & Piano Papa: Wu Wi Wa Wespen 

"Ne Wespe fliegt nach Westen mit ner Weste überm Bauch. Sie sucht nach süßem Kuchen und nach Limo sucht sie auch." Noch Fragen? Meine Kenntnis dieses Liedes verdanke ich der Hintergrundmusik im Kirchenzelt in unserer dritten Urlaubswoche. Und in dem Maße, wie der Sommer sich dem Ende zuneigt, gewinnt das Lied zusehends an Aktualität... 


Vorschau / Ausblick 

Heute haben wir so ziemlich den ganzen Nachmittag beim Festival "Fête du Seeee#3" am Strandbad Tegelsee verbracht, obwohl ich es im Verhältnis dazu, was ich mir darunter vorgestellt hatte, ziemlich enttäuschend fand; trotzdem, oder gerade deswegen, wird es dazu wohl im nächsten Wochenbriefing noch ein bisschen was zu sagen geben. Darüber, wie wir den morgigen Sonntag verbringen werden, lag bei Redaktionsschluss noch keine endgültige Entscheidung vor, und das beinhaltet auch die Frage, wo wir in die Messe gehen werden. Ich hoffe, es wird sich vermeiden lassen, erneut in Tegel in die Abendmesse zu gehen – obwohl da Stoff zum Bloggen winken würde, denn es ist der letzte Sonntag im Monat, und da pflegt der Pfarrer stets ein Predigtnachgespräch anzubieten. – Sodann folgt offiziell noch eine weitere Ferienwoche in Berlin und Brandenburg, aber meine Liebste muss trotzdem schon wieder zur Arbeit: Vorbereitungswoche. Ich gehe mal davon aus, dass damit ein entscheidender Grund für unseren Jüngsten wegfällt, nicht in die KiTa gehen zu wollen, und das Tochterkind habe ich vorausschauenderweise für diese Woche zur Ferienbetreuung in der Schule angemeldet. Sollten die Kinder jedoch die Zeit, in der meine Liebste arbeiten muss, doch lieber mit mir verbringen wollen als in KiTa und Schule, dann soll mir das auch recht sein und ich werde mir was einfallen lassen, was wir Schönes zusammen machen können. In der zweiten Septemberwoche ist damit dann aber Schluss...! 


Donnerstag, 28. August 2025

Blogoezese-Rundschau am Donnerstag – Vol. 8

Wohlan, Leser: Erneut erwartet euch eine Blogoezese-Rundschau, die mehr in die Tiefe als in die Breite geht. Besprochen werden diesmal "nur" neun Artikel aus acht verschiedenen Blogs, einige dafür aber desto ausführlicher – insbesondere diejenigen, von denen ich finde, dass sie inhaltlich auf recht bemerkenswerte Weise miteinander korrespondieren. Aber seht selbst! 

Freitag, 22. August (Maria Königin

Der TheoBlog dürfte zu den produktivsten der von mir beobachteten Blogs zählen, und wenngleich es auf diesem Blog, der die Welt "aus der Perspektive reformatorischer Theologie" zu sehen beansprucht, häufig um Fragen geht, von denen ich weder etwas verstehe noch mich für sie interessiere, und nicht wenige Beiträge lediglich einzelne Absätze aus Zeitungsartikeln enthalten, gibt es da doch immer wieder viel Interessantes. Unter dem Titel "Über die Anziehungskraft eines 'objektiven' Gottesdienststils" erwarten den Leser Erörterungen zu der Frage, "warum sich jüngere Evangelikale dem Katholizismus oder der Orthodoxie zuwenden" und welche Rolle die Liturgie der Gottesdienste dabei spielt; das ist ein Thema, das auch schon im Liturgie-Unterkapitel der "Benedikt-Option" angesprochen wurde, und auch der im TheoBlog-Artikel zitierte Religionssoziologe Christian Smith – hier vorgestellt als "ehemaliger evangelikaler Protestant und heute römisch-katholischer Soziologe" – ist #BenOp-Lesern ein Begriff, nämlich als derjenige, der in einer gemeinsam mit Melinda Lundquist Denton verfassten Studie von 2005 erstmals das Phänomen des Moralistisch-Therapeutischen Deismus (MTD) beschrieb und benannte. Hier nun kommt Smith mit der These zu Wort, in der Kirche gehe es "um eine gemeinsame Identität in Christus, um das sakramentale Leben und um die Bildung zu einem rechtschaffenen christlichen Leben"; dafür sei es "nicht erforderlich, dass alle einander gut kennen, geschweige denn 'Intimität' miteinander erleben. Es ist jedoch erforderlich, dass die Menschen an der Liturgie teilnehmen, Gott anbeten, die Sakramente feiern und Gutes im Namen Christi tun". Wenn TheoBlog-Autor Ron Kubsch daraufhin einwendet, er halte "die Sichtweise von Christian Smith für übertrieben" – "Natürlich ist es hilfreich, wenn die Glieder einer Gemeinde sich kennen, miteinander reden, füreinander beten usw." –, dann habe ich den Eindruck, die Herrschaften reden ein wenig aneinander vorbei: Dass diese Dinge hilfreich wären, bestreitet Smith ja gar nicht, er meint nur, sie seien nicht erforderlich. – Erforderlich wofür? Für die Feier des Gottesdienstes. Wie sehe ich das? Regelmäßige Leser werden sich erinnern, dass ich immer mal wieder (und gern unter Verweis auf das Kapitel "Die erneuerte Gemeinde" aus Lothar Zenettis Buch "Heiße (W)Eisen" von 1966) Vergleiche zwischen dem Gemeindeleben in freikirchlichen und post-volkskirchlichen Gemeinden anstelle und dabei nicht mit der Meinung hinter den Berg halte, gerade von dem, was ich in der EFG The Rock Christuskirche in Berlin-Haselhorst in puncto Gemeindeleben erlebe, könnten wir Katholiken uns die eine oder andere Scheibe abschneiden. Das bezieht sich aber eben gerade nicht auf die Feier des Gottesdienstes. Hier ist es ja gerade so, dass die Liturgie der Heiligen Messe es dem Katholiken ermöglicht, sich auch dann im Gottesdienst zu Hause und zugehörig zu fühlen, wenn er am jeweiligen Ort niemanden kennt und womöglich nicht einmal die Sprache versteht. – Auf den Punkt gebracht: Ein Gemeindeleben, das davon geprägt ist, dass die Gemeindemitglieder einander kennen und sich füreinander interessieren, betrachte ich in hohem Maße als wünschenswert und hilfreich für ein christliches Leben, das über die Mitfeier des Gottesdienstes hinausgeht, in dem der Gottesdienstbesuch also nicht ein isolierter Punkt im wöchentlichen Terminkalender ist, der zum übrigen Leben in keinerlei Verbindung steht. Zwar sollte der gemeinsame Gottesdienst durchaus im Zentrum des christlichen Gemeindelebens stehen, weshalb ich es grundsätzlich für sinnvoll und ratsam halte, den Gottesdienst in der eigenen Gemeinde zu besuchen, sofern man nicht gerade auf Reisen ist oder einen besonderen Grund hat, am Gottesdienst einer anderen Gemeinde teilzunehmen. Aber aus alledem folgt nicht, dass das persönliche Verhältnis der Gemeindemitglieder untereinander die Form des Gottesdienstes prägen sollte oder müsste. Und da ist es dann doch recht interessant zu sehen, dass es auch in evangelikalen Kreisen ein zunehmendes Interesse an Gottesdienstformen gibt, "in denen die horizontale Ebende (Beziehungen untereinander) zugunsten der vertikalen Ebene (Gott begegnen, auf ihn hören, über ihn staunen, ihn anbeten) zurückgefahren wird", wie es im TheoBlog-Artikel heißt. 

Der Blog Europäische Bibeldialoge. Begegnungstagungen meldet sich zurück aus dem Urlaub – mit einem Artikel namens "Bibeldialoge und Frauen an der Macht?". Da ließ ja schon die Überschrift eher Fragwürdiges erwarten, aber ich gebe zu, gerade das machte mich neugierig. Nun, im Wesentlichen handelte es sich um eine Veranstaltungsankündigung zu einem "Bibeldialog im Kloster Stift zum Heiligengrabe" unter dem Motto "Frauen an der Macht? Im Schatten von Politik, Kirche und Gesellschaft". – "Wir haben viele wirklich interessante Frauen eingeladen", verspricht die Verfasserin: "aus der Politik [...], Frauen, die in der Wendezeit für den Frieden einstanden [...], die Leiterin des Modemuseums im Schloss Meyenburg" – und mitten in diese illustre Aufzählung hinein heißt es: "Das ist noch nicht alles, aber die Tagung ist ohnehin ausgebucht." Na dann. "Nur zum Konzert kann man gerne noch dazukommen: Herzensdinge – Gesänge der früh-europäischen und indischen Mystik. Das sind Lieder und Kompositionen aus verschiedenen Kulturen zu den Themen Liebe, Verlust, Trauer, Abschied, Mystik und Ekstase." Man kann sich's in etwa vorstellen. Danke, aber nein danke. 


Samstag, 23. August (Hl. Rosa von Lima

Zu den Blogs, die ich mit wohlwollendem Interesse beobachte, gehört der Emmauspilger, bei dem es allem Anschein nach so ungefähr alle zwei Wochen etwas Neues gibt. "Christusorte: Der Abendmahlsaal" heißt der neueste Artikel; hier erfährt der geneigte Leser allerlei aus der Geschichte Jerusalems, über Zerstörung und Wiederaufbau von Sakralbauten und Stätten religiöser Tradition. Kenntnisreich und gut geschrieben. 

Bei Tu Domine geht es derweil um die Frage "Wurde die apostolische Tradition im Osten oder im Westen besser bewahrt?"; genauer gesagt wird dort ein Buch rezensiert, das sich dieser Frage widmet, nämlich "Christen in Ost und West" von Heinz-Lothar Barth, erschienen im traditionalistisch-katholischen Sarto-Verlag. Die Fragestellung, unter der dieses Buch hier betrachtet wird, korrespondiert auffallend mit dem Thema des weiter oben besprochenen TheoBlog-Artikels: Ging es dort um Evangelikale, die sich "dem Katholizismus oder der Orthodoxie zuwenden", richtet sich hier das Augenmerk darauf, dass in jüngerer Zeit "zahlreiche Katholiken zur russisch-orthodoxen Kirche oder anderen nicht-katholischen Ostkirchen übergetreten" seien. Hinzu kommt: 

"Manche zeigten, ohne die katholische Kirche offiziell zu verlassen, ihre Sympathien für diese Kirchen, indem sie deren Gottesdienste besuchten. Man kann spekulieren, ob dafür die wunderbaren östlichen Liturgien ausschlaggebend waren, oder aber der Verlust des Heiligen in der katholischen Kirche. Sicherlich war das Phänomen während des Pontifikats von Papst Franziskus verstärkt zu beobachten". 

Oder um es noch einmal in anderen Worten zu rekapitulieren: "Menschen wenden sich den Ostkirchen zu, weil sie meinen, dort würden die Klarheit und Exaktheit des Glaubens besser bewahrt als in der lateinischen Kirche." Heinz-Lothar Barths Buch vertritt nun, wie es scheint, die These, diese Auffassung sei zwar verständlich, aber trotzdem falsch: Die ganze Fülle des apostolischen christlichen Glaubens und die wahre Einheit mit der von Christus selbst eingesetzten Hierarchie sei eben doch in der katholischen Kirche zu finden. – Es versteht sich einigermaßen von selbst, dass dies kein sonderlich ökumenischer Ansatz ist. So tadelt Barth, "[g]erade von Seiten der katholischen Kirche" würden seit Jahrzehnten "ökumenische Positionen" formuliert, "die bei näherer Ansicht gekennzeichnet [seien] von "immer wieder auftretenden Ungereimtheiten bis hin zu direkten Widersprüchen'". Auf den Punkt gebracht wird Barths Einstellung zu den Ostkirchen einerseits und zur Ökumene andererseits in einer Passage seines Buches, die am Ende des Blogartikels zitiert wird: 

"So sehr wir besagte Abweichungen von der katholischen Doktrin gerade bei Orthodoxen und Orientalen bedauern, die so viel Herrliches in ihrer Tradition, besonders in der Liturgie, bewahrt haben, so deutlich begrüßen wir es auf der anderen Seite, daß Christen unterschiedlichen Glaubens nicht um eines ökumenistischen Einheitsbreis willen ohne innere Überzeugung (die manche derjenigen, die vorschnell alles über Bord zu werfen bereit sind, vielleicht auch nie bezüglich der eigenen Lehre besessen haben!) auf ihnen angestammte Positionen verzichten." 

Ich will dazu inhaltlich gar nicht besonders viel sagen, außer: So ganz ist das alles nicht meine Welt. Ich habe es ja durchaus schon erlebt, dass Leute die religiösen Anschauungen, die ich auf meinem Blog vertrete, als "traditionalistisch" einordnen, aber da möchte ich mal sagen: Wer das meint, der hat nicht einmal eine vage Ahnung davon, was Traditionalismus ist

Bei der Überschrift "Glückliches Essen" auf Die Christenheit dachte ich sogleich: Aha, Kommensalität! (Ja, Leser, ich habe ein neues Wort gelernt und benutze es jetzt öfter, damit es sich verfestigt. Auch wenn ich es zuerst nicht mochte.) Der Autor des Blogs Die Christenheit theoretisiert aber nicht groß herum, das ist nicht seine Art; stattdessen bringt er eine hübsche Prosaminiatur über eine Bahnreise, die er als "eine sehr gemütliche Sache" beschreibt: 

"Ich sitze auf meinem Platz, lese ein Buch, lade mein Handy auf, trinke Wasser und esse ein belegtes Brot. Ich bin dankbar, dass ich darauf vertrauen kann, dass mich der Zug ans Ziel bringt." 

Das ist schön, gerade auch als Kontrapunkt dazu, dass so viele Leute ständig auf die Bahn schimpfen. "Wenn ich sage 'dankbar', dann ist es auch Gott, bei dem ich mich bedanke." Nicht unbedingt eine bahnbrechende oder originelle Erkenntnis, aber muss vielleicht einfach mal gesagt werden. 


Sonntag, 24. August (21. Sonntag im Jahreskreis) 

Neues von Peter Winnemöllers Blog katholon gibt es unter der Überschrift "Gehen Sie nicht weiter, hier gibt es viel zu sehen"; darin geht es wieder einmal um Politik: Ausgangspunkt ist ein Rückblick auf die gescheiterte (oder sagen wir besser: erfolgreich verhinderte) Wahl von Frauke Brosius-Gersdorf zur Verfassungsrichterin, es wird ausgiebig erörtert, was an der vieldiskutierten Aussage der Juristin, die "Annahme, dass die Menschenwürde überall gelte, wo menschliches Leben existiert", sei "ein biologistisch-naturalistischer Fehlschluss", so problematisch ist, auch über das Thema Abtreibung hinaus, und weshalb jemand, der solche Auffassungen vertritt, eine schlechte Wahl fürs oberste Bundesgericht wäre. Ungefähr im letzten Drittel des Artikels geht es dann um die Frage, wie es denn nun weitergeht mit der Verfassungsrichterwahl; es stehe zu erwarten, so wird gewarnt, dass die SPD nach der parlamentarischen Sommerpause erneut versuchen werde, die Berufung von Richtern durchzusetzen, die "demnächst die Welt zurecht richten werden, wie es die linke Ideologie will". Das gelte es zu verhindern: "Wenn dazu wieder eine Kampagne nötig ist, bitte gerne. Wir haben gerade gezeigt, dass wir es können, wenn es nötig ist." 

Was mir daran nicht so ganz behagt, ist das "Wir" im letzten Satz, aber dazu gleich mehr; kommen wir erst einmal zu einer Passage des Artikels, der ich von Herzen zustimme: 

"Die in der Wurzel kranke Koalition aus CDU und SPD könnte an der scheiternden Wahl von Richtern für das Bundesverfassungsgericht scheitern. Das sagt sehr viel über die Qualität dieser Koalition aus. Aber bitte, dann soll sie es." 

Der Punkt, an dem meine Übereinstimmung mit den von Peter Winnemöller in diesem Artikel vertretenen Standpunkten endet, lässt sich exemplarisch am letzten Satz des Artikels aufzeigen: "Die Bürgerlichen sind zurück." – Sich zu freuen, ja zu feiern, dass es gelungen ist, die Wahl Frauke Brosius-Gersdorfs zur Verfassungsrichterin zu verhindern, finde ich legitim; zu rechtsbürgerlichem Triumphalismus sehe ich dennoch keinen Anlass. Nicht nur, weil ich persönlich keine besondere Sympathie für das gemeinhin als "bürgerlich-konservativ" eingeordnete politische Lager hege (wie ich immer gern sage: "Wertkonservativ und wirtschaftsliberal", das heißt doch im Prinzip nichts anderes als "Du sollst die Witwen und die Waisen / nur dann, wenn es sich lohnt, bescheißen"). Auch nicht nur deshalb, weil ich die Vorstellung, es gäbe in der Bevölkerung eine "schweigende Mehrheit" im Sinne bürgerlich-konservativer Politik und es sei lediglich seit Jahrzehnten nicht mehr gelungen, diese in eine auf Bundesebene regierungsfähige Mehrheit umzusetzen, für illusorisch halte. Ich denke da immer an Rod Drehers Vergleich "christlich-konservative[r] politische[r] Aktivisten" mit "exilierte[n] russische[n] Aristokraten, die in ihren Pariser Salons sitzen, Tee aus Samowaren trinken und Pläne zur Restauration der Monarchie schmieden": "Man wünscht ihnen alles Gute, aber tief im Innern weiß man, dass diese Leute nicht die Zukunft sind." Mein hauptsächlicher Einwand ist jedoch, dass ich es grundsätzlich als eine gefährliche Versuchung für Christen betrachte, zu hoffen oder sich auch nur zu wünschen, sie hätten die politische Macht auf ihrer Seite. Nicht umsonst zählt der Satz "Politik wird uns nicht retten" zu den Kernthesen der #BenOp. (Man könnte freilich mit einigem Recht anmerken, mein Freund Rod täte gut daran, sich selbst öfter mal an diese Mahnung zu erinnern, wenn er den Impuls verspürt, sich lobend über die Trump-Regierung zu äußern; aber das ist ein Thema für sich.) 

Erstmals aufgefallen ist mir derweil ein Blog namens Geistliches – was auffällt, einfällt, zufällt, und ironischerweise verdankt er diese Entdeckung "Probleme[n] auf der Startseite". Unter dieser Überschrift weist der Verfasser des Blogs – der ehemalige Bonner Stadtdechant Wilfried Schumacher – darauf hin, dass einige seiner neueren Beiträge nicht auf der Startseite des Blogs angezeigt werden: Zum einen handelt es sich um einen Beitrag zum 60jährigen Jubiläum der Kolpingsfamilie Dernau unter dem Titel "Eine himmlischere Welt ist eine menschlichere Welt", zum anderen eine Predigt zu Lukas 13,22-30 (Von der engen und der verschlossenen Tür) unter der Überschrift "Nicht wir in den Himmel – der Himmel zu uns!". In beiden Fällen lässt ja schon die Überschrift den Verdacht aufkommen, bei dem 1949 geborenen Schumacher habe man es mit einem typischen Boomer-Katholiken zu tun, der die "horizontale" Achse des Christseins überbetont und darüber die "vertikale" vernachlässigt. Dass er im erstgenannten Beitrag wiederholt auf ein Musical namens "Kolpings Traum" verweist, dessen Texter und Komponist u.a. auch die Bestseller "Der Medicus" und "Die Päpstin" als Musicals verwurstet haben, passt da durchaus ins Bild. Im zweiten Beitrag bemerkt er, "Kirche" – man beachte den fehlenden bestimmten Artikel! beschäftige sich "viel mit sich selber – mit Strukturen und nötigen Reformen": 

"Wir fragen uns, wo gibt es Sonntag noch eine Messe? Was ist mit dieser und jener Tradition? Warum haben die Frauen nicht mehr zu sagen in der Kirche? Und und und. Sie kennen die Diskussionen – alle sind wichtig." 

Aha. Sind sie das.

"Aber oft vergessen wir darüber unsere eigentliche Berufung und Sendung: dafür zu sorgen, dass der Himmel auf die Erde kommt, wenigstens anfanghaft." 

Das ist mal wieder eine Aussage, die einen arg großen Interpretationsspielraum mit sich mitschleppt. Schumacher bemüht sich, sie mit Verweisen auf Sätze von Papst Benedikt XVI. abzusichern und als rechtgläubig zu kennzeichnen, aber das ändert nichts daran, eine marxistisch inspirierte Lesart – es sei dem Menschen aufgetragen, den Himmel auf Erden zu errichten – möglich und sogar naheliegend bleibt. Nochmals: Schumacher ist Geburtsjahrgang 1949, da kann man sich ja leicht ausrechnen, wovon seine Teenagerjahre geprägt waren. Auch seine captatio benevolentiae gegenüber denen, die die Zukunft der Kirche durch Strukturdebatten zu gestalten suchen, trägt dazu bei, dass er und ich so bald wohl keine Freunde werden. Aber im Auge behalten will ich seinen Blog vorerst trotzdem mal. 


Mittwoch, 27. August (Hl. Monika

Zu Ehren der Tagesheiligen brachte sacerdos viennensis unter der Überschrift "Der Traum Monikas – Dein Ohr lag an ihrem Herzen" einen schönen und bewegenden Auszug aus den Bekenntnissen des Hl. Augustinus. Derweil beglückte Feinschwarz den mehr oder weniger geneigten Leser mit einem "It is what it is" betitelten Beitrag, der durch seine vollkommene Inhaltslosigkeit fasziniert. Bis kurz vor Schluss denkt man, da muss doch noch was kommen, aber da kommt nichts. Es ist praktisch Blindtext. Kurioserweise verspüre ich Lust, diesem eigentümlichen Lektüreerlebnis einen separaten Artikel zu widmen. Na, schauen wir mal. 

Was es heute Nachmittag Neues gab, nehme ich mit in die nächste Woche... 


Samstag, 23. August 2025

Die 3 K der Woche (39): Kinder, Kirche, Kommensalität

Willkommen zum neuen Wochenbriefing, Freunde! In Berlin und Brandenburg sind weiterhin Sommerferien, wodurch wir uns nach unserer Rückkehr aus Butjadingen in einem eigentümlichen Zwischenstadium zwischen Urlaub und Alltag befinden. Dass der aktuelle Artikel daher etwas kürzer geraten ist als die Wochenbriefings aus dem Urlaub, wird, wie ich vermute, manchen Lesern ganz recht sein. Was derweil das dritte K in der Überschrift angeht, dürfte denjenigen Lesern, die meine wöchentlichen "Blogoezese-Rundschauen" verfolgen, aufgefallen sein, dass ich den Begriff "Kommensalität" erst jüngst kennengelernt habe, und zwar in einem Artikel, den ich doof fand. Ich übernehme diesen Begriff daher eigentlich nur ungern, aber das, was er bedeutet – so etwas wie "Tischgemeinschaft" –, drängt sich mir als gemeinsamer Nenner derjenigen Themen auf, um die es in den beiden umfangreichsten Abschnitte dieses Wochenbriefings geht. Aber seht selbst! 


Bloggerrelations live: Zum ersten Mal zu Gast in der Naunynstraßen-WG  

Eine unerwartete Frucht meines Projekts "Blogoezese-Rundschau am Donnerstag" ist es, dass ich auf die schon seit gut 40 Jahren bestehende interkulturelle und interreligiöse Kommunität in der Naunynstraße in Kreuzberg aufmerksam geworden bin, aus deren Alltag (sofern man da überhaupt von "Alltag" reden kann) der Blog naunyn berichtet. Praktisch seit dem ersten Artikel, den ich auf diesem Blog gelesen habe – das war am 5. Juli, einen Tag nachdem ich damit begonnen hatte, die Bloggerliste des Kreuzknappen regelmäßig auf aktuelle Aktivitäten hin zu beobachten –, hatte ich den Wunsch verspürt, da mal vorbeizuschauen, und tatsächlich erhielt ich schon bald, in Form eines Kommentars zu meinem ersten Blogrundschau-Artikel, die Einladung, ich solle doch mal zum offenen Samstagsfrühstück kommen. Ich hätte das am liebsten gleich bei nächster Gelegenheit gemacht, aber in der Woche vor unserem Urlaub hatten wir zu viel um die Ohren, und dann waren wir erst mal drei Wochen weg. An dem Samstag nach unserer Rückkehr nach Berlin nun hatte meine Liebste, wie schon berichtet, eine von langer Hand geplante Verabredung mit einer Freundin, und auch wenn ich es einerseits etwas schade fand, dass sie auf diese Weise bei meinem ersten Besuch in der Naunynstraßen-WG nicht dabei war, sah ich dies andererseits doch als eine günstige Gelegenheit an, mit den Kindern "auf Abenteuer zu gehen", wie wir das familienintern gern nennen – ähnlich wie ich letztes Jahr gegen Ende der Sommerferien, als meine Liebste schon wieder zur Arbeit musste, mit den Kindern auf den Achorhof gefahren war

Einen oder zwei Tage zuvor hatte ich schon mal auf Google Maps geschaut, wo genau die Naunynstraßen-WG eigentlich zu finden ist und wie man da mit den Öffentlichen am besten hinkommt, und hatte überrascht bis amüsiert festgestellt, dass es sich um dasselbe Haus handelt, in dessen Erdgeschoss die Punk-Kneipe "Trinkteufel" untergebracht ist: Ende der Nuller Jahre hatte ich da in der Gegend einen Job und war manchmal nach Feierabend mit Kollegen in den "Trinkteufel" gegangen. 


Wie der Zufall es wollte, kamen wir praktisch gleichzeitig mit einer Frau an, die ebenfalls zum WG-Frühstück wollte, anders als wir aber schon öfter dort gewesen war. Wir wurden herzlich begrüßt, und das Frühstück war auch lecker. Hätte ich im Vorfeld beschreiben wollen oder sollen, wie ich mir die Kommunität in der Naunynstraße vorstellte, hätte ich vermutlich gesagt: wie eine Art urbanes Pendant zur Kommunität Grimnitz, die ich vor knapp sechs Jahren mal zusammen mit meiner Liebsten und dem Tochterkind besucht habe, oder zum Achorhof. Und tatsächlich erwies sich diese Einschätzung als gar nicht mal so verkehrt, jedenfalls vom "Vibe" her; auch wenn man wohl sagen kann, dass der Achorhof tendenziell katholischer ist – da gibt es eine Anbetungskapelle! – und die Kommunität Grimnitz dafür auf etwas klischeehaftere Weise "Alt-68er-mäßig". Okay, das sind alles nur punktuelle und teilweise oberflächliche Eindrücke; gemeinsam ist allen drei Orten jedenfalls neben einem gewissen Hang zur Hippie-Ästhetik (nicht falsch verstehen: mir gefällt das!) eine Atmosphäre bedingungsloser Gastfreundschaft und genuiner Aufgeschlossenheit gegenüber jedem, der durch die Tür kommt. Das könnte man natürlich, beispielsweise, auch über das Baumhaus sagen – wobei es auffällt, dass man dort im Durchschnitt signifikant jüngere Leute antrifft. Das ist zunächst mal eine ganz wertfreie Feststellung, aber zu denken gibt es doch: Falls es stimmt (und also nicht nur ein zufälliger punktueller Eindruck ist), dass religiös motivierte Formen gemeinschaftlichen Lebens, wie sie in Projekten wie der Kommunität Grimnitz, Achor oder eben auch der Naunynstraßen-WG praktiziert werden, sich eher schwer damit tun, junge Leute zu erreichen, wäre zu fragen, woran das liegt – und was Projekte, die gezielt junge Menschen ansprechen wollen, anders machen müssten. 

Aber wie gesagt, vielleicht stimmt das ja auch alles gar nicht und die Altersstruktur der Gäste sieht an anderen Samstagen ganz anders aus. Falls nicht, finde ich das übrigens auch nicht schlimm – und meine Kinder auch nicht: Andere Kinder waren zwar nicht da, dafür aber ein Hund, über den sich meine Kinder sehr freuten und der sich umgekehrt auch über sie zu freuen schien. Das Tochterkind unterhielt sich zudem recht angeregt mit der Frau, die gleichzeitig mit uns angekommen war. Nach und nach kamen noch einige weitere Gäste hinzu, überwiegend wohl Stammgäste bzw. alte Bekannte, schließlich aber auch einer, der wie wir zum ersten Mal da war – und der, über und über tätowiert (auch im Gesicht) und mit grünen Haaren, gut ins Ambiente des "Trinkteufels" im Erdgeschoss gepasst hätte. "Hallo, ich bin Lutz", sagte er überraschend schüchtern, "ich wollt' hier einfach mal reinschauen." Er wurde herzlich willkommen geheißen und nahm neben meinem Jüngsten Platz, der seine Tattoos anstaunte; und da an diesem Ende der langen Tafel gerade ein Gespräch über die Messe zu Mariä Himmelfahrt im Gange war, die einige der Anwesenden tags zuvor in der Kirche St. Marien Liebfrauen im Wrangelkiez besucht hatten, merkte er höflich an, er habe "auch noch eine Frage zu Mariä Himmelfahrt", nämlich ob diese eigentlich in der Bibel erwähnt werde. An der auf diese Frage folgenden Diskussion hätte ich mich eigentlich gern stärker beteiligt, aber wir mussten schon wenig später aufbrechen, da wir ja noch zum Baden verabredet waren. – Insgesamt hat es mir beim offenen Samstagsfrühstück der Naunynstraßen-WG jedenfalls so gut gefallen, dass ich Lust habe,  da demnächst mal wieder hinzugehen und dann auch meine Liebste mitzubringen. Im Übrigen nahm ich mir ein Exemplar des vergriffenen Buches "Brücke sein – Vom Arbeiterpriester zum Bruder" von Christian Herwartz SJ mit, aus dem auf dem naunyn-Blog unlängst ein Auszug präsentiert worden war und blätterte in der U-Bahn ein wenig darin; auf den ersten Blick schien es mir recht interessant, ich werde wohl noch darauf zurückkommen, wenn ich mehr gelesen habe. 


Mariä Himmelfahrt, nachgefeiert 

Am Sonntag gingen wir in St. Joseph Siemensstadt in die Messe, mussten aber vorher noch beim Bäcker frühstücken, da wir abgesehen von Restbeständen an Keksen und Gummibärchen buchstäblich nichts zu Essen in der Wohnung hatten. Trotzdem schafften wir es pünktlich zur Messe, wenn auch nur dank eines kleinen Sprints beim Umsteigen von einem Bus in den anderen. Die Messe wurde vom Spandauer Krankenhausseelsorger zelebriert, und schon allein die Tatsache, dass er ein weißes Messgewand trug und kein grünes, barg einen deutlichen Hinweis darauf, dass an diesem Sonntag die äußere Feier des Hochfests der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel nachgeholt werden sollte – was der Zelebrant dann in seinen Worten zur Eröffnung auch explizit bestätigte. Auch in der musikalischen Gestaltung der Messe schlug sich dies nieder: Zum Einzug, zur Gabenbereitung, als Danklied nach der Kommunion und zum Auszug wurden traditionelle Marienlieder gesungen, zum Credo, Sanctus und Agnus Dei gab es lateinische Gesänge. Alles in allem ergab das einen deutlichen Kontrast zu den in der musikalischen Gestaltung sehr NGL-lastigen und liturgisch insgesamt eher formlosen Messen, die wir in im Urlaub in Burhave erlebt hatten; fast möchte man da von High Church vs. Low Church sprechen. Nebenbei fiel mir auf, dass der Innenraum der Burhaver Herz-Mariä-Kirche mindestens viermal, wenn nicht sechsmal in den von St. Joseph Siemensstadt hineinpassen würde, aber das hat natürlich nicht zwingend etwas mit Stil und Qualität der dort gefeierten Gottesdienste zu tun. 

Schade ist es, dass die Sonntagsmessen aus St. Joseph Siemensstadt während der Sommerferien nicht wie sonst auf Video aufgezeichnet und auf YouTube gestreamt werden, und noch "schader" ist, dass ich das nicht vorher wusste, denn sonst hätte ich mir bei der Predigt Notizen gemacht, statt mich darauf zu verlassen, dass ich sie mir ja später noch einmal anhören könnte. Jedenfalls gefiel mir die Predigt, die sich teils auf die Vision von der Apokalyptischen Frau aus der 1. Lesung (Offb 11,19a; 12,1–6a.10ab), teils auf das Magnificat (Lk 1,46-55) aus dem Evangelium bezog, insgesamt recht gut, sie wirkte theologisch solide und in ihrem Aufbau stringenter, als ich es bei anderen Gelegenheiten bei diesem Geistlichen erlebt habe. Umso irritierter war ich, dass er am Ende der Messe, vor dem Entlassungssegen, partout noch eine zweite (allerdings kürzere) Predigt halten musste. Zugegeben, erlebt habe ich das auch bei anderen Geistlichen schon mal: Im Alten Ritus gab's ein Schlussevangelium, im neuen hält mancher Zelebrant gern mal eine Schlusspredigt. Im vorliegenden Fall schien es, als wolle der Zelebrant einige Gedanken, die er in der eigentlichen Predigt nicht hatte unterbringen können, unbedingt noch loswerden, bevor die Leut' nach Hause gehen; konkret betraf das die politischen Implikationen des Magnificat – durchaus kein abwegiger Blickwinkel, wenn man an den Vers "Er stürzt die Mächtigen vom Thron" denkt. Ohne Länder oder Personen namentlich zu nennen, spielte der Krankenhausseelsorger auf eine Reihe aktueller politisch-militärischer Konfliktherde an; er sprach mit einer an ihm sonst nicht unbedingt gewohnten Leidenschaft, es war also durchaus zu spüren, dass es ihm wirklich ein Anliegen war, das noch zu sagen, ehe die Messe zu Ende war; es bleibt dennoch die Frage, ob es nicht passender gewesen wäre, dies innerhalb der Predigt zu tun. 

Übrigens war sowohl in den Fürbitten als auch in den Vermeldungen die Rede davon, dass es in der Spandauer Pfarrkirche Maria, Hilfe der Christen gebrannt habe; etwas genauer erfuhr man's auf der Website der Pfarrei: Am Sonntag, den 3. August, habe es "im hinteren Bereich" der Kirche einen "Schwelbrand" gegeben, der erst am Montagmorgen entdeckt wurde – soweit ich gehört habe, soll dieser Brand vom Opferkerzenständer ausgegangen sein, wo sich wohl Wachsreste entzündet haben. In der Mitteilung auf der Website heißt es weiter, es sei "kein Gegenstand in der Kirche massiv vernichtet worden", jedoch sei es "zu einer deutlichen Rußentwicklung in der gesamten Kirche gekommen". Und deswegen ist die Kirche nun bis auf Weiteres geschlossen: Die Schäden am Kirchenraum, seinen Kunstwerken und nicht zuletzt an der Orgel sollen von einem Sachverständigen begutachtet werden, und der Pfarrei wurde "eindringlich vom Erzbischöflichen Ordinariat nahegelegt", bis dahin "die Gottesdienste [...] nicht in diesem Raum zu feiern". Wie ich aus den Gesprächen auf dem Kirchenvorplatz im Anschluss an die Messe herausgehört habe, gibt es aus den Reihen der Gemeinde durchaus Kritik an dieser Entscheidung: Nicht jeder ist davon überzeugt, dass eine mehrwöchige Schließung der Pfarrkirche eine angemessene Reaktion auf ein bisschen Ruß an den Wänden ist. Ein eigenes Urteil will ich mir in dieser Frage gar nicht anmaßen, zumal ich keine klare Vorstellung davon habe, wie umfangreich und schwerwiegend die Rußschäden sein mögen; aber das eine muss ich doch sagen, dass den #BenOpper in mir die Vorstellung einer Gemeinde, die sich in einer im Inneren rußgeschwärzten Kirche zum Gottesdienst versammelt, deutlich mehr anspricht als der Gedanke an eine Amtskirche, die sagt "Erst mal brauchen wir ein Gutachten, damit die Versicherung für die Schäden an unserer kostbaren Orgel aufkommt, und solange kommt hier keiner rein". 


Verzögerter Wiedereinstieg in den Alltag 

Wenn man spät am Donnerstagabend, eigentlich mitten in der Nacht, aus dem Urlaub zurückkommt und dann praktisch den ganzen Freitag und den ganzen Samstag nicht zu Hause ist, stellt man spätestens am Sonntag fest, dass man immer noch nicht eingekauft und immer noch keine Wäsche gewaschen hat und dass das allmählich nicht mehr so weitergehen kann. Der Einkauf muss allerdings notgedrungen bis Montag warten, und wenn dann auch noch die Waschmaschine Zicken macht, wird es allmählich ungemütlich. Wir hatten also ab Montag einiges zu tun, um wieder im Alltag anzukommen, und ich würde auch nicht unbedingt behaupten, dass uns das seither vollumfänglich gelungen ist – zumal zwischendurch auch immer wieder noch was Nicht-Alltägliches los war. Aber immerhin, allmählich gibt es Fortschritte, und bis der "echte" Alltag (mit Arbeit, Schule und KiTa) wieder losgeht, ist ja noch ein bisschen Zeit – was unterstreicht, dass es eine gute Entscheidung war, das Verreisen diesmal in die erste Hälfte der Sommerferien zu legen. – Übrigens, da ich gerade "KiTa" sagte: Die KiTa unseres Jüngsten hat schon seit Montag wieder geöffnet, aber bis jetzt hat der Knabe noch kein Interesse gezeigt, da wieder hinzugehen – und da greift bei mir als altgedientem #kindergartenfrei-Veteranen wieder die Grundregel "Wenn das Kind nicht in die KiTa will, dann muss es auch nicht". Wenn die Mami wieder zur Arbeit und die große Schwester wieder zur Schule geht, reguliert sich das schon von alleine... 


Schnitzelrekord in der Malzfabrik 

Zu den nicht-alltäglichen Ereignissen der Woche zählte ein Event in der Malzfabrik in Schöneberg am Dienstagnachmittag, das unter dem Motto "Einmal Schnitzel mit Weltrekord, bitte" stand und über die einschlägigen Foodsaving-Netzwerke beworben worden war. "Das größte gerettete Schnitzel-Buffet der Welt" sollte es werden,  zugleich das "größte Lebensmittelrettungs-Event des Jahres": 15.000 vegane Schnitzel, 11.000 vegane Käsetaler und 100.000 weitere Produkte sollten da unter die Leute gebracht werden. Veranstalter war das Unternehmen Sirplus – laut Selbstbeschreibung "ein Online-Supermarkt, bei dem Du Lebensmittel bestellst, die von Produzent:innen und Großhändler:innen nicht mehr verkauft werden können". Angekündigt war zudem, dass im Rahmenprogramm die Influencerin Bianca Heinecke, bekannt durch "BibisBeautyPalace", mit von der Partie sein sollte. 

Endlich kann ich dieses Foto mal gebrauchen, das ich schon länger in meinem Symbolbilder-Archiv habe. Kartoffelbrei gab's beim Schnitzel-Event allerdings nicht. Schade.

Übrigens war dieses Riesen-Event in der Szene durchaus nicht unumstritten, was es für mein Empfinden nur umso interessanter machte: Im Vorfeld wurden Bedenken geäußert, das sei "doch keine Rettung, sondern nur eine riesengroße Lebensmittelausgabe" – "eine Aktion, die [...] echtes Engagement für Lebensmittelrettung als Marketing-Aktion missbraucht. Es geht um Bekanntheit und Greenwashing für Sirplus und ein neues Image für Bibis Ex-Beautypalace". Der letztgenannte Aspekt erfüllte auch die taz mit "Skepsis": "Ein Schelm, wer dabei denkt, es gehe hier in erster Linie gar nicht um gute Taten, sondern darum, den zweiten Karriereweg einer Influencerin von gestern zu pushen", schrieb Jonas Wahmkow in seinem Wochenvorschau-Kommentar und empfahl stattdessen, "sich diese Woche mit Afro-deutscher Geschichte auseinanderzusetzen" und zur feierlichen Umbenennung der Mohrenstraße in Berlin-Mitte zu gehen (die heute ab 14 Uhr stattfinden sollte, zwischenzeitlich infolge des Eilantrags einer Bürgerinitiative beim Berliner Verwaltungsgericht vorerst abgesagt, dann aber doch wieder zugelassen wurde – aber das ist hier eigentlich nicht mein Thema). "Wer weiß, wenn Bibi in Zukunft auch weiter Schnitzel verschenkt, wird vielleicht irgendwann mal eine Straße nach ihr benannt", witzelte Wahmkow abschließend. 

In Foodsaver-Kreisen wurde derweil sogar der Verdacht "gezielte[r] Überproduktion" geäußert, "die wir doch bei anderen Betrieben auch kritisch diskutieren. Es gibt hier nichts zu 'retten', die Sachen werden eigens zu diesem Anlass produziert." Immerhin diese Bedenken konnte Sirplus-Gründer Raphael Fellmer in einem Interview mit dem Portal Utopia allerdings zerstreuen: Die Lebensmittelmarke Veganz habe Sirplus eine große Menge veganer Schnitzel angeboten, "die wegen Produktionsstopp und abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatum nicht mehr verkäuflich sind"; diese nun im Rahmen eines großen Events unter die Leute zu bringen, solle dazu dienen, ein öffentlichkeitswirksames Zeichen gegen Lebensmittelverschwendung zu setzen: "Das Ziel ist es, maximale Aufmerksamkeit und Bewusstsein für echte Lebensmittelwertschätzung zu schaffen." 

Von uns zu Hause bis zur Malzfabrik war es eine ziemliche Weltreise, und auf dem letzten Teil des Weges, ab Bahnhof Südkreuz, zeichnete sich ab, dass eine ganze Menge Volk dorthin unterwegs war: Der Bus war extrem voll – aber muss ja: Wie sollte man sonst 15.000 Schnitzel verteilt bekommen? Vor der Hofeinfahrt zur Malzfabrik staute sich eine Menschenmenge auf dem Gehsteig, ab und zu kamen Mitarbeiter raus, versuchten gute Laune zu verbreiten und erklärten, der Einlass werde sich aus technischen Gründen noch etwas verzögern; so ein Weltrekordversuch bringt eben gewisse organisatorische Herausforderungen mit sich. Später war zu erfahren, in erster Linie sei die defekte Ladeklappe eines LKWs schuld daran gewesen, dass das Schnitzelbraten erst mit einer Stunde Verspätung beginnen konnte. Immerhin gehörten wir zu den ersten 500 Besuchern, die aufs Gelände gelassen wurden, wo schon mal Pakete mit Glückskeksen und anderem veganem Knabberkram verteilt wurden, und zu trinken gab's auch schon was. Und in dem ganzen Gewusel trafen wir sogar Bekannte – nämlich eine Familie, die wir durch das #kindergartenfrei-Netzwerk kennengelernt, zuletzt aber vor zwei, wenn nicht sogar drei Jahren bei einem Kindergeburtstag getroffen hatten. 

Schließlich war es dann auch so weit, dass in rauen Mengen Schnitzel-Sandwiches, je nach Wunsch mit oder ohne Soße, unters Volk verteilt wurden, und ich muss sagen, die veganen Schnitzel schmeckten gar nicht schlecht. Gleichzeitig wurden Kartons mit tiefgekühlter Ware verteilt; dass der Karton, den ich dabei erbeutete, keine Schnitzel enthielt, sondern (ebenfalls vegane) Käsetaler, merkte ich erst später, fand ich aber auch nicht schlimm. 

Zu den Organisationen und Initiativen, die sich im Rahmen des Events in der Malzfabrik vorstellten und mit denen das Unternehmen Sirplus zusammenarbeitet, gehörte auch das Hilfswerk "Mary's Meals", das nach eigenen Angaben Schulmahlzeiten für über 2 Millionen Kinder in den ärmsten Ländern der Welt organisiert. Das fand ich nicht zuletzt deshalb bemerkenswert, weil ich mir annähernd sicher war, dass es sich bei "Mary's Meals" um eine christliche Initiative handelt – was ich nicht nur des Namens wegen annahm, sondern auch, weil ich mich vage erinnerte, vor Jahren mal etwas über diese Hilfsorganisation gelesen zu haben. In dem auf dem Schnitzel-Event ausliegenden Infomaterial von "Mary's Meals" war von einem christlichen Hintergrund allerdings keine Rede, und auch auf der Website der Organisation muss man ganz schön tief graben, ehe man etwas zu diesem Aspekt findet: Unter der Überschrift "Der Name Mary’s Meals und seine Hintergründe" erfährt man da, dass die Gründung der direkten Vorläuferorganisation von "Mary's Meals", ursprünglich "Scottish International Relief" genannt, auf die private Initiative einer schottischen Familie zurückging, die nach einer Pilgerreise nach Medjugorje in ihrem Zuhause eine Gebetsstätte, das "Craig Lodge Family House of Prayer", eingerichtet hatte. Weiter liest man da: "Der Name 'Mary’s Meals' wurde von einer Gruppe von Menschen vorgeschlagen, deren Leben sich ebenfalls durch eine Wallfahrt nach Medjugorje verändert hatte." Und: "2012 wurde Scottish International Relief offiziell zu Mary’s Meals umbenannt. Mary’s Meals trägt den Namen zu Ehren Marias, der Mutter Jesu, und wird oft als 'Frucht von Medjugorje' bezeichnet." Interessant, oder? Jenseits aller Debatten um die Echtheit oder Glaubwürdigkeit der Marienerscheinungen von Medjugorje muss ich allerdings anmerken, dass ich es schade finde, in dem beim Schnitzel-Event ausgelegten Infomaterial so gar keine Hinweise auf den christlichen Hintergrund dieser Hilfsorganisation vorzufinden. Ist das nicht eine verpasste Gelegenheit, ein Werk der Barmherzigkeit mit einem Zeugnis für den Glauben zu verbinden? Meine Liebste vermutet, die Initiative wolle das Wohlwollen und die Unterstützung nichtreligiöser, womöglich sogar antireligiöser Kreise nicht aufs Spiel setzen, und das kann ich mir durchaus gut vorstellen; aber ist das nicht ein Geist der Verzagtheit und der Menschenfurcht? Nicht dass ich dafür persönlich kein Verständnis hätte, aber deswegen finde ich es noch lange nicht richtig. Verzeihlich, ja; aber nicht gut

Ein Blick auf die Umhängetasche eines Menschen, der in der Warteschlange vor mir stand.

In diesem Zusammenhang ist es vielleicht ganz interessant, dass wir, als wir schließlich den Rückweg antraten, an der Bushaltestelle von einer jungen Frau angesprochen wurden, die sich wunderte, dass zu solchen Events "nur so linke Leute kommen". Meine Liebste äußerte die Vermutung, das liege daran, auf welchen Kanälen diese Veranstaltungen beworben werden; das laufe eben zu einem großen Teil über Netzwerke, in denen eher konservativ gesonnene Menschen wenig präsent seien. Unsere Gesprächspartnerin merkte an, sie selbst habe von einer Arbeitskollegin von dem Event erfahren. – Was mich an dieser Unterhaltung im Grunde am meisten wunderte, war, dass diese junge Frau, als sie uns ansprach, offenbar davon ausging, dass wir nicht zu diesen "linken Leuten" gehörten. Warum war sie sich da eigentlich so sicher? 

Ob der Weltrekordversuch gelungen ist, war übrigens vorerst nicht zu erfahren. In den einschlägigen Foodsaver-Foren wurde am Abend verbreitet, es seien rund zehn Paletten Tiefkühlware "und sonst auch viel verpackte Trockenware" übrig geblieben, die noch bis 21 Uhr oder am Folgetag ab 12 Uhr abgeholt werden könnten. Bei uns gab's am nächsten Tag vegane Käsetaler zum Abendessen. Mit Kartoffelbrei. 


Nach dem Butjadingen-Urlaub ist vor dem Butjadingen-Urlaub 

Man kann wohl behaupten, dass unser unlängst zu Ende gegangener Sommerurlaub im Vergleich zu früheren Jahren zwei Dinge bewiesen hat: a) Es ist entspannender, längere Zeit an einem Urlaubsort zu verbringen, als mitten im Urlaub "umzuziehen"; und b): Man kann durchaus drei Wochen in Butjadingen verbringen, ohne dass es einem langweilig wird – selbst dann, wenn über die Hälfte dieser Zeit nicht so richtig Strandwetter ist. Auf der Basis dieser Erkenntnisse hat meine Liebste schon vor unserer Rückreise damit begonnen, unseren Sommerurlaub fürs nächste Jahr zu planen, und hat nun tatsächlich kurz entschlossen erneut eine Ferienwohnung in Burhave für uns gebucht – diesmal in einem Privathaus, wo man auch den Garten mitbenutzen darf, ungefähr auf halbem Wege zwischen Strand und Dorfzentrum. Und da die nächsten Sommerferien in Berlin und Brandenburg noch zwei Wochen früher beginnen als in diesem Jahr, sind es nur noch ungefähr 10½ Monate bis dahin. Da sollte ich wohl demnächst mal damit anfangen, meine bisher nur vage angedachten Ideen zum Thema "Guerilla-Urlauberseelsorge" zu konkretisieren! 

Okay, im Ernst: Natürlich ist das noch ganz schön lange hin, und in der Zwischenzeit wird es noch manches Dringlichere zu tun und zu bedenken geben. Aber das Thema im Auge zu behalten dürfte trotzdem sinnvoll sein. Zu bedenken ist auch, dass wir zwischen dem vergangenen und dem nächsten Sommerurlaub noch ein weiteres Mal in Butjadingen sein werden – nur für eine knappe Woche, im Februar, aber möglicherweise kann man da schon mal sondieren, wie sich die Dinge in der Pfarrei St. Willehad inzwischen entwickelt haben, und ganz, ganz vielleicht ergibt sich sogar eine Gelegenheit, den neuen Pfarrer kennenzulernen. 

Aber wie dem auch sei: Neben dem erprobten Format "Lobpreis mit dem Stundenbuch" (intern auch bekannt als "Beten mit Musik") wäre meine derzeitige Lieblingsidee zum Thema "Guerilla-Urlauberseelsorge" ein "Dinner mit Gott" für die (bzw. mit den) Gruppen, die im Rat-Schinke-Haus zu Gast sind. Kinderlobpreisdisco am Strand wäre natürlich auch was Schönes... Na, schauen wir mal. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Die Liebe genügt sich selbst, sie gefällt durch sich selbst und um ihrer selbst willen. Sie ist sich selbst Verdienst und Lohn. Außerhalb ihrer selbst sucht sie keinen Grund und keine Frucht; ihre Frucht ist, dass man sie übt. Ich liebe, weil ich liebe, ich liebe, um zu lieben. Unter allen Regungen der Seele, unter allen Sinnen und Gemütsbewegungen ist es die Liebe allein, in der das Geschöpf dem Schöpfer antworten kann, wenn auch nicht in ebenbürtiger Weise; in ihr allein kann es ihm mit Ähnlichem vergelten. Denn wenn Gott liebt, so will er nichts anderes, als geliebt werden. Zu keinem anderen Zweck liebt er, als um geliebt zu werden, denn er weiß, dass alle, die ihn geliebt haben, in dieser Liebe selig werden. 

(Bernhard von Clairvaux, Auslegung zum Hohelied) 


Ohrwurm der Woche 

Michael Jackson: Beat It 

Dieser Song verdankt seinen Status als Ohrwurm der Woche meiner Liebsten, die vor ein paar Tagen – angeregt durch mehrere Kurzvideos ("Reels"), die ihr unaufgefordert auf Facebook angezeigt wurden – angefangen hat, sich mehr oder weniger systematisch durch das musikalische Gesamtwerk des "King of Pop" durchzuhören. So lief "Beat It" bei uns gestern zum Frühstück – und zwar mehrmals, auf Verlangen unseres Jüngsten, der insbesondere vom Video sehr fasziniert zu sein schien. Ich persönlich finde ja, das Beste an dem Song ist Eddie Van Halens Gitarrensolo. Es heißt, als Produzent Quincy Jones ihn anrief, um ihn zu bitten, ein Solo für den Song einzuspielen, habe Eddie dies zunächst für einen Scherzanruf gehalten; aber dann erschien er doch im Studio, mit seiner selbstgebauten Gitarre, einem geliehenen Verstärker und einem Echogerät, spielte in zehn Minuten zwei Versionen eines Gitarrensolos ein und verlangte keinerlei Vergütung dafür. Dass während der Aufnahme ein Monitor-Lautsprecher des Studios in Flammen aufgegangen sein soll, gilt allerdings als Urbane Legende


Vorschau / Ausblick 

Heute hatte ich den größten Teil des Tages "sturmfrei", da meine Liebste mit den Kindern und einer Freundin einen Ausflug zu den "Gärten der Welt" unternommen hat; und morgen wird es ähnlich sein, da wollen meine Liebste und die Kinder zusammen mit einer anderen Freundin und deren Tochter, die unsere Große schon seit der Krabbelgruppe kennt, einen Reiterhof in Französisch Buchholz besuchen. Wir haben daher angepeilt, in Herz Jesu Tegel in die Abendmesse zu gehen, die von Pater Brody zelebriert werden soll; allerdings spiele ich mit dem Gedanken, schon vormittags in St. Bernhard Tegel-Süd in die Messe zu gehen, denn dort wird das Patronatsfest (Bernhard von Clairvaux, 20. August) nachgefeiert, und laut Website der Pfarrei ist für die Zelebration "Erzbischof Koch angefragt". – Am Montag feiert eine Schulfreundin unseres Tochterkindes Geburtstag; das vorrangige Thema des nächsten Wochenbriefings dürfte indes die Kinderbibelwoche sein, die von Dienstag bis Freitag in der EFG The Rock Christuskirche in Haselhorst stattfindet; vereinfacht ausgedrückt, wird das so wie "jeden Tag JAM, nur mit noch mehr Spiel und Spaß". Letztes Jahr waren wir nicht dabei, da wir zu der Zeit, als die Kinderbibelwoche stattfand, in Ostfriesland auf'm Ponyhof waren; aber dieses Jahr wollen wir uns das nicht entgehen lassen. Ob daneben noch Platz für andere interessante Themen sein wird, bleibt abzuwarten; aber wenn ja, dann wäre das Festival "Fête du Seeee#3", das am nächsten Wochenende am Strandbad Tegelsee stattfinden soll, wohl ein solches. Schauen wir mal!