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Montag, 24. Februar 2020

Kaffee & Laudes - Das Wochen-Briefing (7. Woche im Jahreskreis)

Herzlich willkommen, Leser, zur letzten Folge der Artikelserie "Kaffee & Laudes"! -- Zur letzten? Ja, ganz richtig: Seit Beginn dieser Reihe ist zwar noch kein ganzes Kalenderjahr vergangen, aber durchs Kirchenjahr sind wir einmal durch: Die Fastenzeit steht vor der Tür, und das scheint mir ein sinnvoller Anlass zu sein, eine Zäsur zu setzen. Zumindest was den Reihentitel angeht, da es sich sonst wohl nicht vermeiden ließe, dass Artikelüberschriften sich wiederholen. Aber keine Sorge, "Wochen-Briefings" wird es auf diesem Blog auch weiterhin geben, unter einem neuen Reihentitel und mit einigen weiteren kleinen Änderungen. Genaueres dazu erfahrt Ihr nächste Woche! 

Was bisher geschah: Während des größten Teils der zurückliegenden Woche habe ich mich immer dann, wenn das Kind mit der Mama und/oder den Omas unterwegs war, darum bemüht, meinen Lektüre-Rückstand aufzuarbeiten und außerdem an ein paar schon seit längerer Zeit geplanten Blogartikeln weiterzuarbeiten, und ich darf sagen, ich bin recht zufrieden mit den Ergebnissen. Mit der im engeren Sinne journalistischen Arbeit geht es weniger gut voran, was, wie ich glaube, vor allem mit einem gewissen Widerwillen meinerseits zu tun hat, mich mit derzeit tagesaktuellen Themen auseinanderzusetzen. Nachrichten, insbesondere politische, konsumiere ich nur in sehr vorsichtiger Dosierung und kann mich dabei des Eindrucks nicht erwehren, es seien ausnahmslos alle bekloppt geworden. Erholung vom täglichen Wahnsinn bot am Donnerstagabend ein erneuter Besuch der Community Networking Night im Baumhaus, wohin ich aufbrach, nachdem ich gerade einen Blogartikel über diese zauberhafte Location fertiggestellt hatte. Ich unterhielt mich dort ausgesprochen gut, warb in der "News You Can Use"-Runde für unser offenes Büchertauschregal, und außerdem machte ich ein paar Beobachtungen, die ein interessantes Licht auf die Frage "Wie christlich ist eigentlich das Baumhaus?" werfen (eine Frage, die im just erwähnten Blogartikel teils explizit, teils implizit eine gewisse Rolle spielt).  Beobachtung 1: An der "Ressources & Needs"-Pinnwand suchte jemand Partner für ein "Bibel-Tandem". Beobachtung 2: Baumhaus-Co-Initiator Scott, der unter anderem auch DJ ist, legte eine Instrumentalversion des Titelsongs von "Jesus Christ Superstar" auf und zeigte sich entzückt, dass ich das Stück erkannte. --  Am Freitagnachmittag druckte ich in Berlins preisgünstigstem Copyshop neue Flyer für "Dinner mit Gott", Krabbelbrunch und unsere wöchentliche Lobpreis-Andacht, am Abend hatte meine Liebste dann mal wieder einen Foodsaving-Einsatz in einem Biomarkt, der uns neben allerlei Backwaren diverse Blattsalate sowie Äpfel, Weintrauben, Möhren, Zucchini und Paprika bescherte. Am Sonntag hatte ich Lektorendienst, und nach der Messe fand wieder unser "Büchertreff" statt; wir waren diesmal nicht sehr gut vorbereitet und die Veranstaltung war vergleichsweise schwach besucht, aber immerhin unterhielten wir uns gut mit einem Ehepaar aus Heiligensee, das eigens für den Büchertreff nach Tegel gekommen war. Außerdem fanden wir eine Bücherspende vom "Freundeskreis Maria Goretti" für unser Büchereiprojekt vor; eine erste flüchtige Durchsicht hat mir den Eindruck vermittelt, dass es sich überwiegend um Heiligenbiographien in jugendgerechter Darstellung handelt. Durchaus interessant! 


Was ansteht: Für heute Abend ist ein Treffen mit einem befreundeten Journalisten- und Bloggerkollegen und seiner Familie geplant;  und zwar treffen wir uns zum Abendessen bei mir zu Hause, und meine Frau kocht. Ganz altmodisch. Am Dienstag gilt es, bei der Lobpreis-Andacht noch einmal möglichst viele Lieder mit "Halleluja" zu singen, bevor die Fastenzeit anfängt; dann kommt der Aschermittwoch, da ist im unserer Kirche um 19 Uhr Messe mit Spendung des Aschenkreuzes. Für den Rest der Woche ist nicht viel geplant. Am Samstag gibt es in Heiligensee einen "Tag der liturgischen Dienste" für Ministranten, Lektoren, Küster und Gottesdienstbeauftragte; ich habe  der Veranstaltungsankündigung in den Vermeldungen nicht eindeutig entnehmen können, ob sich die Einladung an die ganze Pfarrei oder nur den Heiligenseer Gemeindeteil richtet, aber ich hoffe mal, das finde ich bis dahin noch heraus.


aktuelle Lektüre: Was lange währt, wird endlich gut, ich habe - fünf Tage später, als mein Zeitplan es eigentlich vorgesehen hatte - Leseetappe 4 meiner "100-Bücher-Challenge" endlich abgeschlossen und mit Etappe 5 begonnen. Da der dazugehörige Auswertungs-und Vorschauartikel noch einiges an Zeit und Arbeit beanspruchen wird, will ich erst mal nicht zu viel verraten, aber eins kann ich doch schon mal sagen: Im Unterschied zu Etappe 4 ist mein erster Eindruck von praktisch allen Büchern, die in Etappe 5 auf meiner Leseliste stehen, besser als erwartet. Einige deutlich besser, einige immerhin ein bisschen. 


Linktipps: 
Donal McKernan lebt mit seiner Familie in Danthonia, einer Niederlassung der neutäuferischen "Bruderhof"-Bewegung im ländlichen Australien. Das Leben dort, sagt er, sieht in etwa so aus, wie sich wahrscheinlich viele Leute eine #BenOp-Community vorstellen: Man betreibt Selbstversorger-Landwirtschaft, verbringt viel Zeit unter freiem Himmel, die Kinder werden von anderen Mitgliedern der Gemeinschaft unterrichtet. Vor diesem Erfahrungshintergrund setzt er sich mit Rod Drehers "Benedikt-Option" und den gängigen Topoi der Kritik an dieser auseinander - und weist darauf hin, dass die "Bruderhof"-Bewegung schon seit 100 Jahren ein Konzept dezidiert christlichen Gemeinschaftslebens praktiziert, das mit den Ideen der #BenOp vieles gemeinsam hat. (Übrigens verweist Rod Dreher in seinem Blog wiederholt sehr wohlwollend auf den "Bruderhof".) -- McKernan räumt ein, dass Dreher in seinem Buch kein "detailliertes Bild davon zeichnet, wie die Benedikt-Option [in der Praxis] aussehen könnte", meint aber, sinnvoller, als vermeintliche oder tatsächliche Schwächen von Drehers Buch zu attackieren, sei es - wie etwa Leah Libresco es in ihrem Buch "Building the Benedict Option" tue - eigene Antworten auf die Frage zu finden, wie christliche Gemeinschaft aussehen könne. Weiterhin verweist er auf die Catholic Worker-Bewegung, die lateinamerikanischen Basisgemeinden und L'Arche und hebt hervor, dass all diese Bewegungen mit wenig oder gar keinem Geld angefangen hätten -- was ein gewichtiges Argument gegen das Vorurteil darstelle, die #BenOp sei nur für Christen aus der oberen Mittelschicht realisierbar, die genug Geld für so etwas übrig hätten. Die genannten Gemeinschaften, so McKernan, hätten "durch Gebet, harte Arbeit und Wunder überlebt, nicht durch ausgeklügelte Businesspläne. Das mag verrückt klingen und ist es wohl auch, aber es scheint, dass Gott über derartige verrückte Unternehmungen freundlich lächelt." 
Vorige Woche habe ich in der Rubrik "Heilige der Woche" darauf hingewiesen, dass der Tagesheilige vom 21. Februar, Petrus Damiani, für "scharfe Kritik an moralischen Missständen im Klerus (insbesondere Päderastie)" bekannt gewesen sei. Dass gerade dieser Umstand sein Werk heute wieder ausgesprochen aktuell erscheinen lässt, wollte ich damit implizit angedeutet haben. Derweil bezeichnete ein als "Whisky-Priester" bekannter Geistlicher das "Liber antigomorrhanius" des Hl. Petrus Damiani (das allerdings eigentlich "Liber Gomorrhianus" heißt, aber wer wird so kleinlich sein) auf seiner Facebook-Wall als "eines der wirkmächtigsten homophoben Pamphlete der Kirchengeschichte"; nun gut, so kann man den Sachverhalt wohl auch ausdrücken. Der Catholic World Report dagegen holte am Gedenktag des Heiligen einen erstmals am 27.09.2018 veröffentlichten Artikel von Matthew Cullinan Hoffman aus dem Archiv hervor, in dem es, na guck, um die Aktualität des Werks Petrus Damianis (den der Autor den "Cheftheoretiker der Konterrevolutionäre gegen das korrupte kirchliche Establishment" des 11. Jhs. nennt) vor dem Hintergrund der Missbrauchskrise geht. Der Autor weiß, wovon er spricht, denn er ist der Übersetzer und Herausgeber einer 2015 erschienenen englischsprachigen Ausgabe des "Liber Gomorrhianus"

Ja, ich weiß: Der FOCUS. Ich gehöre gewissermaßen zu der Generation, die gelernt hat, diesem Nachrichtenmagazin zu misstrauen, seit es existiert, und oftmals hst dieses Misstrauen wohl auch seinen guten Grund. Aber manchmal ist man doch froh, dass es den FOCUS gibt, nämlich dann, wenn dort Stimmen zu Wort kommen, denen man im linksliberalen Mainstream der deutschen Medienlandschaft eher kein Gehör geben würde. Im vorliegenden, recht umfangreichen Beitrag stellt der "Kindheitsforscher" Michael Hüter die provokante These auf, "seelisch und emotional" gehe es der Mehrzahl der Kinder in unserer modernen Gesellschaft so schlecht wie nie zuvor, jedenfalls "außerhalb  von Kriegszeiten". Warum? Weil sie zu wenig Liebe erfahren, insbesondere von ihren Eltern. -- Es überrascht mich nicht im geringsten, dass Johannes Hartl diesen Artikel auf Facebook und Twitter empfohlen hat, denn einige Aussagen Michael Hüters weisen ein hohes Maß an Übereinstimmung mit Thesen auf, die Hartl in seinen Vorträgen (z.B. "Ökologie des Herzens") vertritt.  Diese Übereinstimmung sehe ich z.B. in Passagen wie diesen: 
"Totalitarismus, Krieg, gesellschaftliche Polarisierung und generell alle Formen von Missachtung und Zerstörung wären ohne den frühen (auch elterlichen) Liebesmangel unmöglich. Wer nicht früh Liebe erfahren und somit lieben gelernt hat, der wird später auch nichts lieben und bewahren. [...]
Auch die [...] maßlose Zerstörung unserer natürlichen Lebensräume lässt sich auf diesen frühen und seit langem zur Norm gewordenen frühkindlichen Liebesmangel zurückführen. Wir brauchen nicht das Klima oder die Natur retten, sondern lediglich die hohe Entfremdung von unserer eigenen Natur beenden."
Vor diesem Hintergrund betrachtet Hüter den Trend zur "Fremdbetreuung des Kindes vom 1. bis zum 18. Lebensjahr, 38 Stunden die Woche und das am besten auch noch in den Ferien" als eine dramatische Fehlentwicklung mit katastrophalen Folgen: "Mit Ganztageskrippen, Ganztages-Kitas und Ganztages-Schulen, weggesperrt vom 1. bis zum 18. Lebensjahr, wird der Mensch nicht gebildeter, nicht kompetenter, und schon gar nicht humaner werden." 


Heilige der Woche: 

Heute, Montag, 24. Februar: Hl. Matthias, Apostel. Im 1. Kapitel der Apostelgeschichte wird geschildert, wie die Elf Apostel nach der Himmelfahrt Jesu einen Nachfolger für dem abtrünnig gewordenen Judas Iskariot bestimmen, um die symbolträchtige Zahl von Zwölf Aposteln wiederherzustellen: Zwischen zwei für das Apostelsmt infrage kommenden Kandidaten aus dem weiteren Kreis der Jünger Jesu entscheidet das Los und fällt auf Matthias. Diese Episode ist deshalb so bedeutsam, weil sie gewissermaßen den ersten administrativen Akt der jungen Kirche schildert, und sie gilt als grundlegend für das Prinzip der Apostolischen Sukzession, das in der kirchlichen Hierarchie bis heute Gültigkeit hat. Darüber hinaus berichtet die Bibel nichts über den Apostel Matthias; der außerbiblischen Tradition zufolge soll er im Jahr 63 das Martyrium erlitten haben. Seine Gebeine sollen im 4. Jh. nach Trier gelangt sein, ihre Verehrung in der dortigen Abteikirche St. Matthias ist seit dem Jahr 1127 nachgewiesen. Es handelt sich um das einzige Apostelgrab nördlich der Alpen. 

Dienstag, 25. Februar: Hl. Walburga (ca. 710-779), Äbtissin. Stammte der Überlieferung zufolge aus dem angelsächsischen Königshaus von Wessex, war die Schwester der Hll. Willibald und Wunibald und mütterlicherseits eine Nichte des Hl. Bonifatius, der sie, nachdem sie im Kloster Wimborne in Dorsetshire erzogen worden war, als Missionarin ins Frankenreich berufen und wurde 761 Äbtissin des Klosters Heidenheim in Mittelfranken. Der 25. Februar ist ihr Todestag; daneben wurde und wird ihrer auch am Tag der Übertragung ihrer Gebeine nach Eichstätt, dem 1. Mai, gedacht -- daher rührt der Name "Walpurgisnacht" für die Nacht zum 1. Mai. 


Aus dem Stundenbuch: 

Ihr seid jetzt nicht mehr Fremde ohne Bürgerrecht, sondern Mitbürger der Heiligen und Hausgenossen Gottes. (Epheser 2,19)



Montag, 17. Februar 2020

Kaffee & Laudes - Das Wochen-Briefing (6. Woche im Jahreskreis)

Was bisher geschah: Fangen wir mal mit dem Positiven an: Ichgabe in der zurückliegenden Woche sehr viele schöne Momente mit meiner Tochter erlebt, die - so kommt es dem stolzen Papi zumindest vor - in jüngster Zeit rasante Fortschritte in ihren kognitiven Fähigkeiten und ihrem sprachlichen Ausdrucksvermögen macht. Tag für Tag schafft sie es, mich zu verblüffen. Wenn ich daran denke, wie viel davon ich verpassen würde, wenn ich einen handelsüblichen 38,5-Stunden-Job in irgendeinem Büro oder dergleichen hätte, dann bin ich ausgesprochen glücklich über mein Leben als "Stay-at-Home-Dad". Die Kehrseite der Tatsache, dass mein Kind - auch durch einen wohl zumindest teilweise durch Erkältung und einen kurz vor dem Durchbruch stehenden Backenzahn bedingten unregelmäßigen Schlafrhythmus - meine Zeit, Aufmerksamkeit und Energie derzeit sehr stark beansprucht, besteht indes darin, dass ich in dieser Woche in Hinblick auf meine Tätigkeit als Journalist, Essayist, Blogger und #BenOp-/Punkpastoral-Aktivist nicht halb so viel geschafft habe, wie mir lieb gewesen wäre. 

Wobei, immerhin: Am Montag habe ich einen befreundeten Ordenspriester besucht und ihm dabei geholfen, seinen persönlichen Bücherbestand zu reduzieren -- mit anderen Worten, ich habe von ihm einige Bücher als Spende für das Büchereiprojekt entgegengenommen. Habe mich dabei auf 20 Bände beschränkt: überwiegend Theologisches, aber auch ein paar Werke aus den Bereichen Philosophie, Geschichte und Archäologie sowie einige Literaturklassiker (Boccaccio, Cervantes u.a.); besonders gespannt bin ich indes auf das Buch "Apokalypse jetzt!" von Greta Taubert. Könnte mir vorstellen, dass sich das als hochgradig #BenOp-relevant herausstellt -- wobei es angesichts meiner umfangreichen Leseliste vorerst noch nicht abzusehen ist, wann ich wohl mal dazu kommen werde, es zu lesen. 

Am Donnerstag hatte ich dann mein erstes Firmkurs-Modul, unter der Überschrift "Der Schatz im Acker - Jesus erzählt vom Reich Gottes". Sechs Jugendliche nahmen daran teil, und von diesen machte einer auf mich den Eindruck, es sei etwas bei ihm angekommen. Leute, die Erfahrung mit so etwas haben, sagen mir allerdings, das sei gar keine so schlechte Quote; und dass die anderen fünf Jugendlichen eher wenig Reaktion zeigten, muss auch nicht zwingend etwas Schlechtes bedeuten. Mein Modul war allerdings auch anspruchsvoll: Es mutete den Teilnehmern zu, eine Reihe von Impulsen selbständig weiterzudenken, und vor allem im ersten Drittel setzte es methodisch stark auf paradoxe Intervention. Es würde mich daher nicht unbedingt wundern, wenn der eine oder andere den Eindruck gewonnen haben sollte, ich hätte ihnen nahe legen wollen, sich lieber nicht firmen zu lassen. Wenn sie das allerdings ihren Gruppenleitern erzählen, bekomme ich womöglich Mecker... na, ich werd's überleben. Eventuell arbeite ich mein in Stichworten gehaltenes Konzeptpapier für dieses Modul noch zu einem eigenständigen Blogartikel aus, damit auch noch Andere etwas davon haben. Falls ich im Laufe der Woche Zeit dafür finde, haha. 

Davon abgesehen war ich diese Woche recht aktiv auf Twitter, was ja etwas ist, was sich gut "nebenbei" erledigen lässt; das große Thema war hier natürlich das nachsynodale Schreiben "Querida Amazonia" von Papst Franziskus, oder genauer gesagt, die Reaktionen darauf. Noch genauer gesagt waren es ja weniger die Reaktionen darauf, was in dem Schreiben drinsteht, als vielmehr darauf, was zur Enttäuschung der Einen und Erleichterung/Befriedigung der Anderen nicht drinsteht. Mit dem tatsächlichen Inhalt des Schreibens  habe ich mich noch nicht groß befassen können, aber das geht wohl den meisten anderen Kommentatoren genauso. Schade ist es aber doch, denn ich habe die vage Ahnung, "Querida Amazonia" könnte durchaus einige #BenOp- bzw. Punkpastoral-relevante Impulse enthalten. Aber okay, das läuft ja nicht weg. Von Mittwoch bis Freitag war es erst einmal vorrangig, sich am Heulen und Wehklagen der üblichen Verdächtigen von "ZdK", kfd, Maria Zwonull, häretisch.de etc. zu weiden. (Mehr dazu unten in den Linktipps.)  

Am Samstag war eigentlich Krabbelbrunch, und da zwei Mütter, die sich mit ihren Kindern in den letzten Monaten zu Stammgästen dieses Veranstaltungsformats gemausert hatten, diesmal schon im Vorfeld aus unterschiedlichen Gründen hatten absagen müssen, waren wir etwas in Sorge, ob überhaupt jemand kommen würde. Tatsächlich fand sich dann aber eine Familie ein, die wir im November letzten Jahres bei der Tauferinnerungsfeier in St. Rita getroffen hatten, und das war sehr erfreulich. Parallel zum Krabbelbrunch traf sich im Nebenraum der Erstkommunion-Vorbereitungskurs, und auch das fand ich im Prinzip gut: Dann sehen die mal, was wir hier veranstalten, dachte ich mir, und vielleicht haben einige der Erstkommunionkinder ja noch jüngere Geschwister. Der Haken an dieser Überlegung ist allerdings die (wahrscheinlich nicht nur) in dieser Gemeinde tief verwurzelte Angewohnheit, dass jeder sich nur um seinen Kram kümmert und sich nicht dafür interessiert, was andere Gruppen machen. --  Am Sonntag schliefen wir erst einmal gründlich aus, umgingen so den monatlichen Familiengottesdienst und gingen lieber in die Abendmesse. Ob das, mal abgesehen vom Ausschlafen, eine kluge Entscheidung war, erscheint allerdings fraglich. Ich will hier gar nicht auf alle Ärgernisse dieser Messe eingehen, aber die Fürbitten kann ich nicht unkommentiert stehen lassen: Da wurde für all jene gebetet, "die sich nach der Amazonas-Synode deutlichere Signale für eine Erneuerung der Kirche erhofft hatten", für jene, "die im Zuge des Synodalen Weges aufeinander zugehen wollen" -- und das alles in einer so heimtückisch manipulativen Wortwahl... Bisher, so schien es, hatte in unserer Pfarrgemeinde - bei allen sonstigen Konflikten - an dieser kirchenpolitischen Front Waffenstillstand geherrscht, aber das ist nun wohl vorbei. Zum Auszug wurde "Maria Zwonull, du bist allzeit mein Sinn" gesungen. Nein, nicht wirklich; aber unterschwellig drängte sich der Eindruck auf, dass es so gemeint war. 
Was ansteht: Heute Nachmittag hat meine Tochter ihren "Oma-Tag", was für mich bedeutet, dass ich diese Zeit tunlichst nutzen sollte, liegengebliebene Arbeit zu erledigen. Dienstag und Mittwoch sind aller Voraussicht nach mehr oder weniger "business as usual"; am Donnerstag wird in der Schönstatt-Kapelle in Frohnau eine Heilige Messe anlässlich der bevorstehenden offiziellen Eröffnung des Pastoralen Raums Reinickendorf-Süd gefeiert, und da könnte man natürlich hingehen. Man könnte aber stattdessen auch mal wieder zur "Community Networking Night" im Baumhaus gehen. (Ein mehrfach angekündigter Blogartikel darüber, was am Baumhaus so toll ist, ist übrigens in Arbeit und gehört zu den Dingen, die ich in der vergangenen Woche nicht fertig gekriegt habe.) Am Freitag hat meine Liebste, wenn ich richtig informiert bin, mal wieder einen Foodsaving-Einsatz in einem Biomarkt; am Sonntag ist dann Büchertreff, und dazu fehlt uns noch ein "thematischer Beitrag". Okay, irgendwas wird uns schon einfallen, aber das will dann ja auch noch vorbereitet sein. Kurz, es gibt schon wieder mehr als genug zu tun für eine Woche...


aktuelle Lektüre: Laut dem ursprünglichen Zeitplan meiner "100-Bücher-Challenge" hätte ich heute mit der 4. Etappe fertig sein müssen. Bin ich aber noch nicht, und es wird wohl noch ein paar Tage länger dauern. Mit der Auswertung der 3. Etappe bin ich in der zurückliegenden Woche auch nicht großartig vorangekommen. Aber es besteht Hoffnung: Die Bücher, die ich mir für die fünfte Etappe vorgenommen habe, sind zum größten Teil erheblich weniger umfangreich als die zuletzt gelesenen. Es handelt sich - so viel sei schon mal verraten - um einen auf historischen Tatsachen basierenden Roman über Widerstandskämpfer in Odessa während der deutschen Besatzung im II. Weltkrieg, Memoiren eines Klatsch-, äh, Pardon: Gesellschaftskolumnisten, ein Jugendbuch über Liebe im Internet, einen unter Genre-Kennern hoch geschätzten Science-Fiction-/Fantasy-Roman und eine Edition vin Tagebuchnotizen, Briefauszügen und anderen Kleinschriften der Hl. Mutter Teresa. Fast unnötig zu sagen, dass ich mir vom erst- und letztgenannten Buch am meisten verspreche, aber warten wir's mal ab. 

Linktipps: 
Weiter oben war bereits die Rede davon:  Das nachsynodale Schreiben zur Pachamama- Amazonas-Synode war im Vorfeld - und zwar allem Anschein nach besonders hierzulande - mit allerlei sensationellen Erwartungen befrachtet worden; dann kam es am vergangenen Mittwoch endlich raus, und die Öffentlichkeit rieb sich verwundert die Augen: Na sowas, der Papst ist immer noch katholisch, der Rhein fließt doch nicht in den Amazonas (oder umgekehrt); es bleibt beim Nein zur Frauenweihe, und viri probati (Gesundheit!) sind überhaupt kein Thema. Die zwischen Ratlosigkeit und blankem Entsetzen schwankenden Reaktionen der liberal-progressiven "Reformkatholiken", besonders in Deutschland, betrachtet der Theologieprofessor und Catholic Herald-Kolumnist Pecknold mit Gelassenheit und sardonischem Humor. Sehr hübsch auch, wie nonchalant er das im Gefühl seiner angemaßten Wichtigkeit oft etwas angeschwollen wirkende "ZdK" auf Normalmaß zurückstutzt, indem er es schlicht als "a lay group" bezeichnet. Auch die deutschen Bischöfe, namentlich Kardinal Marx, fasst Pecknold nicht mit Samthandschuhen an. Sein Fazit: Im Zweifel ist immer noch darauf Verlass, dass der Heilige Geist die Geschicke der Kirche lenkt und nicht das dicke Scheckbuch der deutschen Teilkirche. 

Eine 13jährige Schülerin fragt den Pastor ihrer (anglikanischen) Kirchengemeinde, ob es verhältnismäßig sei, einem Jungen "einen zu blasen", wenn dieser ihr dafür ein Menü bei McDonalds  ausgibt, oder ob sie eine teurere Gegenleistung verlangen könne. Ärzte berichten von Ehepaaren mit Kinderwunsch, die erst einmal an "normalen" (d.h. penil-vaginalen) Geschlechtsverkehr gewöhnt werden müssen. Sind das extreme Einzelfälle? Sicherlich. Wahrscheinlich. Möchte man annehmen. Aber solche Extrembeispiele existieren ja nicht im luftleeren Raum; stellt man sie sich als Gipfel vor, dann impliziert das, dass sich unter ihnen ein ganzes Gebirgsmassiv befindet -- das heißt, eine unüberschaubare Masse jeweils für sich betrachtet weniger spektakulärer, dafür aber umso verbreiteterer Symptome einer krankhaften Übersexualisierung der Gesellschaft, die sich in der Summe zu einer ernsthaften Gefahr für den Fortbestand der Zivilisation auswachsen. Das mal als Mahnung an die Adresse all derer, die meinen, mit der Sexualmoral der katholischen Kirche stimme etwas nicht, weil sie sich zu weit "von der Lebenswirklichkeit der Menschen entfernt" habe, sowie auch aller anderen, die meinen, was unsere Gesellschaft ganz dringend brauche, sei noch mehr "Offenheit" in sexualibus. Freund Rod meint, angesichts solcher Entwicklungen verspüre er den Drang, ein neues Buch namens "The Benedict Option II: Head for the Hills!" zu schreiben. Also, ich würd's kaufen. Vielleicht muss ich es aber auch selber schreiben. (Wenn ich mal Zeit habe, haha.) 

So, und dann habe ich diese Woche ungewöhnlicherweise noch einen dritten Linktipp. Ich habe überlegt, den folgenden Pressebericht zum Anlass für einen eigenständigen Artikel zu nehmen, aber angesichts der sehr realen Gefahr, dass ich dazu doch nicht komme, handle ich ihn mal kurz und bündig hier ab:

Eine Filmproduktion eines südkoreanischen Fernsehsenders mit dem Titel "I Met You" hat weltweit für Aufsehen gesorgt: In dem Film wird die "Begegnung" einer Frau mit einer mit modernster Computertechnik "erschaffenen" virtuellen Projektion ihrer 2016 im Alter von sechs Jahren an Leukämie gestorbenen Tochter in Szene gesetzt. Der Fall wirft natürlich allerlei Fragen auf, wie zum Beispiel: "Haben diese Leute alle nicht 'Friedhof der Kuscheltiere' gelesen?!?" Aber mal im Ernst: Was ich an der Art, wie die Berliner Zeitung, das alte SED-Blatt, den Vorgang schildert, am frappierendsten finde, sind Formulierungen, die komplett auszublenden scheinen, dass die Frau nicht wirklich ihre verstorbene Tochter trifft. Das fängt mit der Überschrift an und zieht sich durch den ganzen Artikel. Natürlich wiry nicht verschwiegen, dass es sich um eine computergenerierte Simulation handelt, aber unterschwellig wird der Eindruck vermittelt, es gäbe da keinen entscheidenden qualitativen Unterschied. Wir haben es hier gewissermaßen mit einer "technologically enhanced version" der Idee zu tun, dass Verstorbene "in der Erinnerung ihrer Lieben weiterleben" -- was ich schon immer als bekloppte Aussage empfunden habe. Stellt es nicht eine eklatante Missachtung der Würde der verstorbenen Person dar, wenn man sie zu einem bloßen Hirngespinst ihrer Hinterbliebenen degradiert? -- Nun ist es zugegebenermaßen nicht so, dass in der Zeitungsmeldung überhaupt keine Kritik an dieser TV-Produktion laut würde. Doch, die gibt es schon: 
"Während viele Zuschauer starkes Mitgefühl mit der trauernden Mutter zeigten und die Dokumentation lobten, warfen andere den Machern Ausbeutung des Leids der Familie vor."
Ah ja. Dass in einer kapitalistischen Gesellschaft das Streben nach Gewinn als moralisch anrüchig gilt - während dieselbe Gesellschaft ansonsten kaum noch verbindliche moralische Maßstäbe kennt bzw. anerkennt -, wird wohl nie aufhören, mich zu faszinieren. Und sonst so? Auf der Facebook-Seite der Berliner Zeitung kommentierte eine Leserin: 
"Wenn es für die Beteiligten ok und aufarbeitend ist, warum nicht. Kann jeder selbst entscheiden. Ich finde es gut, dass es solch eine möglichkeit gibt..." 
Nun gut, das ist ja heutzutage quasi der Standard-Kommentar zu so ziemlich allem. Aber mal im Ernst: Immer wenn ich so etwas lese oder höre, verspüre ich den Drang, mich auf ein hohes Gebäude zu stellen und in die Welt hinauszurufen "EBEN NICHT!!!". 


Heilige der Woche: 

Heute, Montag, 17. Februar: Hll. Gründer des Servitenordens. Sieben wohlhabende Bürger aus Florenz - Bonfilius Monaldi (1176-1262), Bonajunkta Manetti (1206-1267), Manettus dell'Antella (†1268), Amadeus von Amidei (†1266), Hugo Lippi-Ugoccioni (†1282), Sosteneus di Sostegno  (1205-1282) und Alexis Falconieri (ca. 1200-1310) -, die sich im Jahre 1233 zusammentaten, um den "Orden der Diener Mariens" (Ordo Servorum Mariae, daher kurz "Serviten" genannt) zu gründen. Sie verzichteten auf ihren Besitz, lebten auf dem Monte Senario nach der Ordensregel der Augustiner, sorgten für Arme und Kranke und standen schon zu Lebzeiten im Ruf der Heiligkeit. 

Freitag, 21. Februar: Hl. Petrus Damiani (ca. 1007-1072),  Bischof und Kirchenlehrer. Benediktinermönch und Kirchenreformer, übte scharfe Kritik an moralischen Missständen im Klerus (insbesondere Päderastie); wurde 1057 von Papst Stephan IX. zum Bischof von Ostia und zum Kardinal ernannt, wichtiger Berater mehrerer Päpste. 1828 von Papst Leo XII. zum Kirchenlehrer ernannt, auch Schutzheiliger gegen Kopfschmerzen. 

Am Samstag, dem 22. Februar, ist das Fest Kathedra Petri, auf Deutsch auch "Petri Stuhlfeier" genannt. An diesen Tag erinnert die katholische Kirche an die Übertragung des obersten Hirtenamtes an den Apostel Petrus.


Aus dem Stundenbuch: 

Rette uns, Herr, Du Gott des Alls, *
und wirf Deinen Schrecken auf alle Völker! (Sir 36,1f.)


Montag, 10. Februar 2020

Kaffee & Laudes - Das Wochen-Briefing (5. Woche im Jahreskreis)

Was bisher geschah: Der Start in den Urlaub geriet ein wenig holprig, dank der Deutschen Bahn, die bekanntlich immer für eine Überraschung (oder, wie in diesem Fall, gleich mehrere auf einmal) gut ist. Das begann damit, dass die Abfahrtzeit des Zuges, mit dem wir am Montagvormittag Berlin verlassen wollten, wegen Bauarbeiten auf der Strecke um rund eine halbe Stunde vorverlegt worden war, was wir erst erfuhren, als wir schon am Bahnhof waren (und dort eigentlich noch hätten frühstücken wollen). Die nächste Überraschung bestand darin, dass aus technischen Gründen nur einer von zwei Zugteilen bereitgestellt wurde, und in dem Zugteil, der fehlte, befanden sich unsere reservierten Plätze. Damit noch immer nicht genug, musste der Zug schon kurz nach Beginn der Fahrt wegen eines Antriebsschadens umkehren und wir mussten den nächsten nehmen -- der folgerichtig total überfüllt war. Aber im Grunde hatten wir angesichts dieser Häufung von Zwischenfällen noch Glück, denn im weiteren Verlauf ging alles glatt und wir erreichten unser Reiseziel nur eine Stunde später als geplant. 

Eine weitere Fehlkalkulation meinerseits bestand in der zugegebenermaßen arg naiven Vorstellung, im Urlaub würde ich endlich mal ausreichend Zeit zum Arbeiten haben. War natürlich Quatsch. Hätte ich eigentlich wissen können, dass das nicht klappt. Ein mittelschwerer Männergrippe-Rückfall kam auch noch hinzu. Und kaum dass ich angefangen hatte, den Urlaub trotz allem zu genießen, war er auch schon wieder vorbei. Nein, das klingt jetzt alles viel zu negativ: Ehrlich gesagt war's alles in allem ziemlich schön im Urlaub, außer dass die Woche nachrichtentechnisch erst vom Schismatischen Weg, dann vom Iowa Caucus und dann von der Ministerpräsidentenwahl in Thüringen überschattet war. Keine gute Woche, um mal ein bisschen zur Ruhe zu kommen. Die Rückreise am Freitag gestaltete sich recht anstrengend, zumal sowohl die Liebste als auch ich mit Kopfschmerzen zu kämpfen hatten, während das Kind putzmunter war. Trotzdem war ich prinzipiell guten Willens, am Samstag beim Krippenabbau in der Kirche mitzuhelfen, aber meine Tochter wollte, dass ich mit ihr in den Zoo gehe, und dieser Wunsch war mir natürlich Befehl. Am Sonntag nach der Messe kamen wir mit einer weiteren erst relativ kürzlich ins Gemeindegebiet gezogenen Familie (drei Kinder!) ins Gespräch; allmählich tut sich hier was, scheint mir...

(Bildquelle: Pinterest)

Was ansteht: Für heute Nachmittag hatte ich eigentlich ins Auge gefasst, die  Berliner Niederlassung einer bekannten Ordensgemeinschaft aufzusuchen und dort aussortierte Bücherbestände in Augenschein zu nehmen; allerdings hat meine Liebste einen Arzttermin, da müssen wir also mal sehen, ob das zeitlich unter einen Hut zu kriegen ist. Morgen, Dienstag, hat am frühen Abend die Foodsharing-Ortsgruppe Reinickendorf  ihr Quartalstreffen; eigentlich will meine Liebste da hin, allerdings kollidiert das einigermaßen mit unserer wöchentlichen Lobpreis-Andacht. Schlimmstenfalls werde ich die Andacht daher allein gestalten und dabei gleichzeitig das Kind beaufsichtigen müssen, aber das klären wir bis dahin noch untereinander. Für Mittwoch haben wir uns bereit erklärt, quasi zum Ausgleich für unsere in der vergangenen Woche ausgefallenen Veranstaltungen die Gestaltung des Vespergebets in unserer Kirche (und im Anschluss daran dann auch den Kirchenschließdienst) zu übernehmen. Am Donnerstag habe ich dann mein erstes Firmkurs-Modul; darauf werde ich mich noch gründlich vorbereiten müssen, auch wenn durchaus die Frage im Raum steht, wann ich dafür eigentlich Zeit haben soll. Und am Samstag ist schon wieder Krabbelbrunch -- so schnell vergeht die Zeit... 


aktuelle Lektüre: In den Urlaub hatte ich, wie angekündigt, von vornherein nur zwei der fünf Bücher von meiner aktuellen Leseliste mitgenommen, nämlich "Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes" von Dietrich von Hildebrand und "Jahrmarkt der Eitelkeit" ("Vanity Fair") von William Makepeace Thackeray. Beide Bücher finde ich nach wie vor großartig, wenn auch auf ganz unterschiedliche Weise und aus unterschiedlichen Gründen. Insgesamt bin ich aber im Urlaub weit weniger zum Lesen gekommen, als ich gehofft hatte, und konnte diesen Rückstand auch am Wochenende nicht aufholen. Alles in allem heißt das, dass ich mit der 4. Etappe meiner 100-Bücher-Challenge kräftig im Rückstand bin, und gleichzeitig bin ich mit der Auswertung der 3. Etappe auch noch nicht fertig. Aber da geht es immerhin einigermaßen voran. Der betreffende Blogartikel kommt also demnächst... hoffe ich. 


Linktipps:

Der eine oder andere wird's mitbekommen haben: Kardinal Woelki, Erzbischof von Köln, hat sich recht kritisch über die erste Synodalversammlung des Schismatischen Weges geäußert und sich damit natürlich prompt sehr unbeliebt gemacht -- jedenfalls bei den Propagandisten der emergierenden deutschsynodalen Unkirche und all denen, die sich von diesen das Denken abnehmen lassen. Mit seiner Kritik, so hieß es, erweise sich der Kardinal als Verfechter eines quasi-aristokratischen Amtsverständnisses, das es gerade zu überwinden gelte, weil es total unzeitgemäß und undemokratisch und überhaupt un- sei, also kurz und gut, wenn der Synodale Weg einem Kardinal Woelki nicht gefalle, dann beweise das geradezu die Notwendigkeit dieses Weges. Bloggerkollege Kephas stellt dieses Narrativ infrage, indem er über Ursprung, Wesen und Aufgaben des Bischofsamts reflektiert. Sehr lesenswert!  

Nicht erst im Zusammenhang mit dem Debakel um die Auszählung der Abstimmungsergebnisse beim Iowa Caucus ist mir recht beharrlich die Frage im Kopf herumgegangen, wie es kommt, dass ich im Rennen um die Präsidentschaftskandidatur der Demokraten intuitiv so etwas ähnliches wie Sympathie für den Linksaußen-Kandidaten Bernie Sanders empfinde, obwohl er Positionen vertritt, die für einen gläubigen Katholiken absolut inakzeptabel sein sollten. Okay, da könnte man einwendem: Das tun die anderen Bewerber um die demokratische Nominierung zum Präsidentschaftskandidaten ebenfalls, und die sind dabei wesentlich weniger cool. Nun, jedenfalls habe ich Matthew Schmitz' Analyse des "Phänomens Bernie Sanders aus katholischer Sicht", wenn man das so nennen will, mit großem Interesse gelesen. Schmitz sieht Sanders - durchaus überzeugend - als eine Art linkes Pendant zu Trump und argumentiert, ebenso wie Trump als Präsident eine weit "normalere" Politik betreibe, als sein unkonventionelles Auftreten und seine markigen Sprüche es vermuten lassen würde, könne man dies auch von einem Präsidenten Sanders erwarten; noch interessanter erscheint mir Schmitz' Überlegung, aus Sicht der katholischen Soziallehre sei ein "radikal linker" Präsident womöglich besser als ein "gemäßigt linker": Eine Politik der "Mitte", so Schmitz, laufe heutzutage praktisch auf einen "radikalen Liberalismus" hinaus, denn "die gemäßigten Rechten liberalisieren den Markt und die gemäßigten Linken liberalisieren die Moral". Was derweil ein eindeutig schlechtes Licht auf Sanders wirft, ist seine Positionierung als geradezu fanatischer Abtreibungsbefürworter; ausgerechnet darin unterscheidet er sich indes kaum von seinen Mitbewerbern in der Demokratischen Partei. Man ist, so ungern man es eingestehen mag, geneigt zu sagen: Ungeborene würden Trump wählen. 


Heilige der Woche: 

Heute, Montag, 10. Februar: Hl. Scholastika (ca. 480-542), Jungfrau. Schwester (evtl. Zwillingsschwester) und enge Vertraute des Hl. Benedikt; dessen vom Hl. Papst Gregor dem Großen verfasste Vita ist die maßgebliche Quelle über ihr Leben. Darin wird Scholastika als Vorbild in der vollkommenen Gottesliebe hervorgehoben und ihr wird die Gabe des wunderwirkenden Gebets zugeschrieben. Traditionell wird sie als Begründerin des weiblichen Zweigs des Benediktinerordens betrachtet. 

Der morgige Dienstag, der 11. Februar, ist der Gedenktag Unserer Lieben Frau in Lourdes, oder anders ausgedrückt, der Jahrestag der ersten der 18 Neuerscheinungen, die die Hl. Bernadette Soubirous in der Grotte Massabielle in bzw. bei Lourdes erlebte. Für meine kleine Familie ist dies nicht zuletzt deshalb ein bedeutsames Datum, weil sich an diesem Tag vor drei Jahren herausstellte, dass meine Liebste schwanger war. Nicht von ungefähr heißt unsere Tochter Bernadette. 

Freitag, 14. Februar: Hl. Valentin, Märtyrer -- nee, eben nicht. Ja, okay, es ist der Gedenktag des Hl. Valentin, aber das ist seit der Reform des liturgischen Kalenders, also seit 1969, in der ordentlichen Form des Römischen Ritus kein liturgisch relevanter Gedenktag mehr; und ich bezweifle stark, dass es Traditionalisten mit Befriedigung erfüllt, wenn Kirchen landauf, landab "Gottesdienste für Verliebte" und ähnlichen Ramsch veranstalten, um von der kommerziellen Vermarktung des Valentinstags als  "Tag der Liebenden" ein paar Brosamen abzubekommen. Nein, liturgisch ist der 14. Februar der Gedenktag der Hll. Kyrill (ca. 826-869) und Methodius (ca. 815-885), Glaubensboten. Als Söhne eines hochrangigen byzantinischen Beamten erhielten sie eine umfassende Bildung;  Methodius schlug zunächst die militärische Laufbahn ein, Kyrill (ursprünglich Konstantin) wurde ca. 848 zum Diakon geweiht, 850/51 auf eine religiös-diplomatische Mission in den heutigen Irak, 860 zu den Chasaren im nördlichen Kaukasus gesandt. Methodius war inzwischen in ein Kloster eingetreten. 862 wurden die beiden Brüder vom byzantinischen Kaiser Michael III. als Missionare ins Großmährische Reich entsandt. Sie schufen ein eigenes Alphabet für die damalige slawische Sprache und übersetzten die Evangelien und die wichtigsten liturgischen Texte in diese, heute als "Altkirchenslawisch" bezeichnete Sprache. In den Ostkirchen werden Kyrill und Methodius als "apostelgleiche Heilige" verehrt; Papst Johannes Paul II. ernannte sie 1980 zu Mitpatronen Europas. 


Aus dem Stundenbuch: 

In deiner Hand liegen Kraft und Stärke; *
von deiner Hand kommt alle Größe und Macht. (1. Chronik 29,12)


Montag, 3. Februar 2020

Kaffee & Laudes - Das Wochen-Briefing (4. Woche im Jahreskreis)

Was bisher geschah: Meine Einschätzung, ein Großteil der Woche werde ohne besonders spektakuläre Vorkommnisse verlaufen, hat sich im Wesentlichen bewahrheitet; allerdings war der betreffende Teil der Woche stark von dem mysteriösen Phänomen geprägt, dass man ständig "zu tun" hat, dabei aber kaum etwas fertig kriegt und sich hinterher selbst fragt, was man eigentlich die ganze Zeit gemacht hat. Okay, ich habe Sachen für die Tagespost und für den Pfarrbrief geschrieben, an meinem Lektürepensum gearbeitet, Gitarre geübt und mich um das Kind gekümmert, und erkältet war (und bin) ich außerdem auch noch. Die mit Abstand spannendsten Tage der Woche waren jedenfalls Donnerstag und Freitag, und das lag nicht (oder höchstens marginal) an der Eröffnung der ersten Synodalversammlung des "Schismatischen Weges" in Frankfurt. Was für eine armselige, bizarre Veranstaltung. Derweil besuchte uns am Donnerstag Vormittag eine Mitstreiterin aus der Pfarrgemeinde zu einem allgemeinen Gedanken- und Ideenaustausch, der sich über drei Stunden hinzog und allerlei interessante, in Zukunft noch vertiefungswürdige Aspekte aufwarf. Am Abend war ich, da meine Erkältung mir doch ziemlich zu schaffen machte, zunächst unschlüssig, ob ich zum "Emergency Meeting" im Baumhaus gehen sollte, entschied mich dann aber doch dafür -- und bin froh darüber. In Zukunft muss ich da öfter hin -- okay, das habe ich mir nach meinen früheren Besuchen auch schon gedacht, aber ich möchte das nun wirklich noch einmal bekräftigen. Zu erläutern, was ich am Baumhaus so toll finde und warum ich die dortige Community Networking Night als so inspirierend und motivierend erlebe, wäre eigentlich ein Thema für einen eigenständigen Artikel; vielleicht (hoffentlich) komme ich ja im Urlaub (s.u.) mal dazu. Die Absichtserklärung, dieses Veranstaltungsformat an diesem Ort zukünftig häufiger zu besuchen, setzt natürlich voraus, dass der derzeitige finanzielle Engpass, der die Einberufung eines Emergency Meetings veranlasst hat, den Baumhaus-Betreibern nicht das Genick bricht. Konkret geht es darum, die laufenden Kosten für die nächsten zwei Monate aufzubringen, und dabei handelt es sich nicht um astronomische Summen; ich sag mal so: Wenn 200 Leute, die diesen Artikel lesen, dem Baumhaus pro Nase einmalig 30 Euro spenden, ist die ganze Geschichte ausgestanden. (Spendenquittung gibt's leider nicht.) -- Am Freitag fand dann in "unserer" Kirche Herz Jesu Tegel zum zweiten Mal (nach September 2018) ein Nightfever-Special statt. Ich half beim Auf- und Abbau mit, Frau und Kind, die den Nachmittag mit einer der beiden Patentanten des Kindes verbracht hatten, fanden sich pünktlich zu Beginn der Abendmesse in der Kirche ein.  Insgesamt war es - wie Nightfever im Allgemeinen zu sein pflegt - sehr schön und berührend, wenn auch leider weniger gut besucht als beim vorigen Mal; zu einem wesentlichen Teil lag das daran, dass der diesjährige Firmkurs überwiegend durch Abwesenheit glänzte. Zwar ist lobend zu erwähnen, dass ein paar Mädels schon zum Aufbau erschienen und auch tatsächlich mit anpackten, aber wie mir später aus den Reihen des Nightfever-Teams berichtet wurde, verschwanden sie schon kurz darauf wieder -- nachdem sie sich ihre Teilnahme durch eine Unterschrift hatten quittieren lassen. Nun gut, das verweist wohl auf ein typisches Dilemma, das man nicht nur in der kirchlichen Jugendarbeit antrifft: Gerade der Versuch, eun gewisses Minimum an "freiwilliger" Beteiligung dadurch sicherzustellen, dass man Teilnahmenachweise verlangt, führt dazu, dass das ganze Interesse sich auf den Erwerb dieses Nachweises konzentriert. So ähnlich wie wenn Studenten einen bestimmten Kurs nur besuchen, weil sie "den Schein brauchen", und nicht, weil sie dort etwas lernen wollen. Been there, done that. Eine Patentlösung dafür, wie man solche Effekte vermeidet, habe ich leider auch nicht parat; aber ich denke, ich werde das mal mit den Teilnehmern meines ersten Firmkurs-Moduls diskutieren. -- Eine schöne Überraschung brachte der sonntägliche Messbesuch: Wir trafen nämlich eine Familie wieder, die wir Ende Oktober kennengelernt hatten und die, wie ich in der seinerzeitigen "Kaffee & Laudes"-Folge vermerkt habe, zu diesem Zeitpunkt gerade auf Wohnungssuche war. Und jetzt haben sie eine Wohnung im Gebiet unserer Pfarrei gefunden! Gebetserhörung: check. Bin mal gespannt, was sich aus dieser Bekanntschaft zukünftig noch ergibt.


Was ansteht: Mit einem Wort: Urlaub! Heute Vormittag mache ich mich zusammen mit Frau und Kind auf die Reise an einen geheimen Ort, wo uns (besonders zu dieser Jahreszeit) niemand vermuten würde, und kommen am Freitag spät abends zurück nach Berlin. Ich hoffe sehr, dass ich während dieses Urlaubs mal etwas mehr zum Schreiben kommen werde -- für den Blog und auch für Anderes.  Ach ja, und meine Liebste hat sich in den Kopf gesetzt, die Gitarre mitzunehmen, damit ich fleißig üben kann. Meine Fähigkeiten auf den sechs Saiten sind noch sehr unausgereift, aber ich sehe mich schon, wenn das Frühjahr kommt, mit der Gitarre auf einer Bank am Brunowplatz sitzen und Jugendliche anlocken wie weiland der Rattenfänger von Hameln. 

Infolge unseres Urlaubs fällt nicht nur unsere wöchentliche Lobpreis-Andacht in Herz Jesu einmal aus, sondern auch das "Dinner mit Gott" für diesen Monat. Was in Herz Jesu Tegel in dieser Woche auch noch ansteht, ist der Abbau der Weihnachtskrippe -- der aus praktischen Gründen in zwei Etappen vor sich gehen muss: Bereits heute werden sich einige Damen aus der Gemeinde um den Abbau der Krippenfiguren und kleinerer Dekorationsteile kümmern; für den Rückbau der größeren und sperrigeren Bauelemente werden jedoch einige kräftige Männer benötigt, und da die heute nicht zur Verfügung stehen, wurde dieser Teil der Arbeit auf Samstag verschoben. Da werde ich dann wohl auch mit von der Partie sein. -- Ich muss in diesem Zusammenhang anmerken, dass ich in den vergangenen Jahren schon ein paarmal darüber sinniert habe, ob man nicht eine kleinere, schlichtere Weihnachtskrippe gebrauchen könnte, deren Auf- und Abbau mit weniger Aufwand verbunden wäre; andere Kirchen unseres "Pastoralen Raums" haben schließlich auch nicht so ein monumentales Teil. Aber, was soll ich sagen: Meine Tochter liebt diese Krippe, und das überzeugt mich natürlich restlos. 


aktuelle Lektüre: In der zurückliegenden Woche habe ich die dritte Leseetappe meiner 100-Bücher-Challenge abgeschlossen und die vierte begonnen, aber da ich mit dem dazugehörigen Bilanz- und Ausblick-Blogartikel noch nicht fertig geworden bin, will ich mich zu diesem Thema erst mal einigermaßen bedeckt halten. Eine Feststellung möchte ich hier aber doch loswerden, nämlich dass es geradezu Fügung gewesen sein muss, dass ich ausgerechnet am Tag der Eröffnung der Synodalversammlung damit angefangen habe, "Das trojanische Pferd in der Stadt Gottes" von Dietrich von Hildebrand zu lesen; denn vor diesem Hintergrund wirkt die 1967 verfasste scharfe Abrechnung des katholischen Philosophen Hildebrand mit einer sich als "zeitgemäß" und "fortschrittlich" gerierenden Theologie so aktuell wie nur je. Anders ausgedrückt: Hätte die Kirche in den letzten gut 50 Jahren Hildebrands Warnungen vor der Dekonstruktion des katholischen Glaubens im Namen eines vermeintlichen "Fortschritts" besser beherzigt, müssten wir uns heute nicht mit solchen Leuten herumärgern, wie sie die Agenda des "Schismatischen Weges" bestimmen -- Leuten, bei denen man sich, wie Hildebrand in seiner Vorrede schreibt, "des Eindrucks nicht erwehren" kann, dass sie "nicht nur ihren katholischen Glauben verloren haben, sondern nicht einmal mehr das Wesen der auf göttliche Offenbarung gegründeten Religion verstehen" (S. 9). Ein paar weitere bezeichnende Zitate aus Hildebrands Buch:
"Angesichts einer [...] Frage, bei der es allein auf die wahre Antwort ankommt, von 'konservativ' und 'fortschrittlich' zu sprechen, ist nicht nur sinnlos, sondern sogar ausgesprochen dumm. Denn jedes andere Motiv als das der Wahrheit ist ebenso unsachlich, wie wenn jemand ein Bild für schön hält, bloß weil es sein Vetter gemalt hat." (S. 18f.)  
"Jede wahre Reform aber ist eine Rückkehr zu Christus, eine Erneuerung des wahren Lebens der Kurche, das zu allen Zeiten ein und dasselbe ist." (S. 28f.) 
Ich bin mal gespannt, was da noch so alles kommt. -- Ebenfalls mit großem Vergnügen, wenngleich aufgrund gänzlich anderer Qualitäten, lese ich derzeit Thackerays "Jahrmarkt der Eitelkeit" ("Vanity Fair"). Diese beiden Bücher werde ich wohl auch in den Urlaub mitnehmen und die anderen, die in der aktuellen Leseetappe "dran" wären, auf die Zeit danach vertagen... 


Linktipps: 
In einer Diskussion auf Facebook (den Link habe ich gerade nicht parat) bemerkte die Bloggerin, Kolumnistin, Buchautorin, gefragte Vortragsrednerin und zehnfache Mutter Simcha Fisher unlängst, sie erlebe es durchaus zuweilen, dass Leute es sich explizit verbitten, von einer Frau, durch ein Kinder hat, über Familienplanung belehrt zu werden; das seien in der Regel dieselben Leute, die es vehement ablehnen, sich von zölibatär lebenden Männern in ihr Sexualleben hineinreden zu lassen. You get the point, don't you. Anno 2013 hat die gute Simcha ein Buch mit dem originellen Titel "The Sinner's Guide to Natural Family Planning" veröffentlicht, und die Leser(innen)rezensionen auf goodreads.com ergeben ein deutliches Bild: Diese Frau kennt sich aus mit NFP -- und mit den Schwierigkeiten, die damit verbunden sein können. Um die geht es auch in diesem aktuellen Artikel. Allerdings empfinde ich den zweiten Satz der Überschrift als ein bisschen irreführend: Ja, es ist durchaus von technischen Fortschritten auf dem Gebiet der natürlichen Empfängnisregelung die Rede, von neu entwickelten Produkten und Methoden, die die Zyklusbeobachtung einfacher und sicherer machen sollen, und von deren Kosten; aber der Schwerpunkt des Artikels, so wie ich ihn gelesen und verstanden habe, ist ein anderer: nämlich, was die Kirche - in ihrer institutionellen Gestalt - tun könnte, sollte oder müsste, um Frauen bzw. Paaren, die gewillt sind, die kirchliche Lehre zum Thema Empfängnisverhütung zu befolgen, dabei zu helfen, dies auch praktisch umzusetzen. Dazu muss ich zunächst einmal anmerken, dass mich schon die Fragestellung mitverwas Ähnlichem wie Neid erfüllt hat. Die Kirche in Deutschland hat ja - siehe Königsteiner Erklärung etc. - die Lehre von Humanae Vitae nie so richtig angenommen, und folgerichtig ist NFP in kirchlichen Kreisen hierzulande ein ausgesprochenes Nischenthema; mir wäre jedenfalls nicht bekannt, dass Verbände wie kfd, KDFB oder gar BDKJ Schulungen dazu in ihrem Programm hätten. Vermutlich geht man dort davon aus, dass katholische Frauen genauso selbstverständlich die Pille nehmen wie alle anderen auch, was zu einem gewissen Grad natürlich eine self-fulfilling prophecy ist. Vor diesem Hintergrund fand ich es dann doch bemerkenswert, dass in den USA "sogar" das ausgeprägt "liberalkatholische", vom Jesuitenorden herausgegebene "America"-Magazin einen Beitrag wie diesen veröffentlicht. -- Nicht der uninteressanteste Aspekt des Artikels ist der Hinweis darauf, dass das Thema "fertility awareness" - ein schöner Begriff; "awareness" ist ja heutzutage immer etwas Gutes - in der säkularen Welt durchaus im Aufwind ist (weil: gesund... natürlich... die Signale des eigenen Körpers besser verstehen lernen... im Einklang mit sich selbst und der Natur leben... und so), während die Kirche diesen Trend offenbar weitgehend verschläft. -- Als den zentralen Absatz des Artikels betrachte ich jedoch diesen: 
"Given the church’s desire for couples to practice fertility awareness based methods, you might think every parish and diocese would offer numerous, easily accessible and affordable ways to learn these methods in order to use them consistently and reliably. You would be wrong." 
Ich übersetze mal schnell und schmutzig: 
"Bedenkt man, wie sehr die Kirche will, dass Paare Methoden der Familienplanung anwenden, die auf Beobachtung der Fruchtbarkeit basieren, sollte man denken, dass jede Pfarrei und jede Diözese zahlreiche, leicht zugängliche und kostengünstige Programme anbietet, mit deren Hilfe man lernen kann, diese Methoden konsequent und verlässlich anzuwenden. Aber das wäre ein Irrtum." 
Nun gut: Ich habe ja bereits angemerkt, dass es bei der institutionellen Kirche in Deutschland offenbar schon am Wollen scheitert. Aber auch unabhängig von dieser Einschätzung finde ich die Vorstellung bzw. Forderung, jede Pfarrei solle NFP-Lehrgänge anbieten, faszinierend. Mit Blick auf "meine" Pfarrei war mein erster Gedanke, ein solches Projekt würde wohl schon daran scheitern, dass es in der Gemeinde zu wenige Frauen "im gebärfähigen Alter" gibt. Wobei das eigentlich gar nicht stimmt. Man braucht sich nur mal die Zahlen der Kindertaufen der letzten paar Jahre bei uns in der Pfarrei anzusehen, um festzustellen, dass es hier offenbar eine gar nicht so geringe Zahl junger Familien gibt. Nur kommen die irgendwie nicht in der "Kerngemeinde" an. Okay, das ist ein Problem eigener Art, aber eines, das mich permanent stark beschäftigt, also musste ich es hier auch erwähnen. 
Wie oben schon angedeutet, betrachte ich die just zu Ende gegangene erste Synodalversammlung des Schismatischen Weges als ein Thema, dem man nicht mehr Aufmerksamkeit schenken sollte als unbedingt nötig; aber ganz ignorieren kann man es ja doch nicht. Insofern trifft es sich günstig, dass  Freund Rudolf für die Catholic News Agency (CNA) in Frankfurt am Start gewesen ist und seine Eindrücke freimütig in den Sozialen Netzwerken mitgeteilt hat -- was z.T. durchaus kontrovers aufgenommen wurde: So beschwerte sich etwa ein Twitter-Nutzer,  er könne nicht verstehen, "daß jemand als Pressevertreter akkreditiert wird", der über den Synodalen Weg "mit dem Hashtag #KartoffelKatholizismus schreibt. Unterirdisch!" Rudolfs abschließender Gesamtkommentar zur ersten Synodalversammlung kommt jedoch ausgesprochen seriös und un-polemisch daher, und er enthält in übersichtlicher Form alles, was man über diese fragwürdige Veranstaltung wissen muss. Wirklich restlos alles.


Heilige der Woche: 

Heute, Montag, 3. Februar: Hl. Ansgar (ca. 801-865), Glaubensbote und Bischof. Benediktiner, ging 826 als Missionar nach Dänemark, 829/30 nach Schweden; wurde 834 von Kaiser Ludwig dem Frommen zum Erzbischof von Hamburg ernannt, widmete sich in dieser Position weiterhin dem Projekt der Christianisierung Skandinaviens. Nach der Zerstörung Hamburgs durch Wikinger im Jahr 845 wurde sein Bischofssitz nach Bremen verlegt. Bistumspatron des 1994 wiederbegründeten Erzbistums Hamburg; Kirchenpatron zahlreicher Kirchen in Norddeutschland und Dänemark. -- Hl. Blasius, Bischof und Märtyrer. Ursprünglich Arzt in der damaligen römischen Provinz Armenien,  suchte der Legende zufolge angesichts einer Christenverfolgung unter Kaiser Licinius Zuflucht in einer Höhle im Wald und lebte dort mit wilden Tieren zusammen. Auch als er Bischof von Sebaste wurde, soll er sein Bistum von dieser Einsiedelei aus geleitet haben. Etwa im Jahr 316 erlitt er das Martyrium; vor seiner Hinrichtung soll er einen zusammen mit ihm eingekerkerten Jungen geheilt haben, der sich an einer Fischgräte verschluckt hatte und zu ersticken drohte. Wird daher als Schutzpatron gegen Halskrankheiten verehrt; an seinem Gedenktag wird traditionell der Blasiussegen über zwei gekreuzte Kerzen hinweg gespendet. Da ich mit meiner kleinen Familie ja heute auf Reisen bin, müssen wir mal sehen, wo wir einen Blasiussegen herbekommen; Schutz gegen Halskrankheiten könnten wir jedenfalls gut gebrauchen... 

Dienstag, 4. Februar: Hl. Rabanus Maurus (ca. 780-865), Bischof. Wurde in der Benediktinerabtei Fulda erzogen, ab ca. 804 Lehrer an der dortigen Klosterschule, später (etwa ab 816) deren Leiter, 822 Abt von Fulda, 847 von Ludwig dem Frommen zum Erzbischof von Mainz ernannt. Umfassend gebildet, verfasste Schriften von großer thematischer Vielfalt. 

Mittwoch, 5. Februar: Hl. Agatha (ca. 225-ca. 250), Jungfrau und Märtyrerin. Über die Legende dieser populären frühchristlichen Heiligen und das mit ihr verbundene Brauchtum habe ich mich an anderer Stelle schon mal ausfürlich geäußert. 

Donnerstag, 6. Februar: Hl. Paul Miki (1565-1597) und Gefährten, Märtyrer in Nagasaki. Der in Kyoto geborene Paul Miki trat im Alter von 22 Jahren in den Jesuitenorden ein und machte sich in der Folge um die Ausbreitung des christlichen Glaubens in seinem Heimatland Japan verdient; nach dem Verbot des Christentums in Japan und dem Beginn staatlicher Christenverfolgungen wurde er in Osaka festgenommen und zusammen mit 25 anderen gefangenen Christen bei winterlicher Kälte zu Fuß und ohne Schuhe nach Nagasaki überführt, wo sie am 5. Februar 1597 öffentlich gekreuzigt wurden. 

Samstag, 8. Februar: Hl. Hieronymus Aemiliani (1486-1537), Ordensgründer. Aus venezianischer Patrizierfamilie; schlug zunächst die militärische Laufbahn ein und brachte es bis zum General, ehe er 1511 in Kriegsgefangenschaft geriet. Nach dem Ende seiner Gefangenschaft wandte er sich der Fürsorge für durch den Krieg verwaiste Kinder zu und gründete mehrere Waisenhäuser. 1518 zum Priester geweiht, gründete 1534 mit zwei anderen Priestern eine Kommunität, aus der der Orden der Somasker hervorging. Starb an der Pest. -- Hl. Josephine Bakhita (1869-1947), Jungfrau. Stammte aus der westsudanesischen Provinz Darfur, wurde im Alter von sechs oder sieben Jahren von arabischen Sklavenhändlern verschleppt, lebte daraufhin rund acht Jahre lang als Sklavin und wurde oft und schwer misshandelt. Gelangte schließlich nach Italien, wo sie als Kindermädchen beschäftigt wurde, 1890 auf eigenen Wunsch die Taufe empfing und in der Folge in den Orden der Canossianerinnen eintrat.  47 Jahre lebte sie als Klosterpförtnerin im norditalienischen Schio, wo sie sich bei der Bevölkerung hohes Ansehen erwarb; schon bald nach ihrem Tod wurden Rufe nach ihrer Heiligsprechung laut, die im Jahr 2000 durch Papst Johannes Paul II. erfolgte. Benedikt XVI. würdigte sie in seiner Enzyklika Spe Salvi (2007). 


Aus dem Stundenbuch: 

Unsere Tage zu zählen, lehre uns! *
Dann gewinnen wir ein weises Herz. (Psalm 90,12)



Montag, 27. Januar 2020

Kaffee & Laudes - Das Wochen-Briefing (3. Woche im Jahreskreis)

Was bisher geschah: Der Großteil der zurückliegenden Woche verlief vergleichsweise unspektakulär: Ich war viel mit dem Kind beschäftigt und feuerte nebenbei eine kleine Glosse für die Tagespost aus der Hüfte; meine Liebste hatte am Mittwochabend wieder einen Foodsaving-Einsatz in einem Biomarkt, der uns Pilze, Tomaten, Äpfel und anderes Obst, veganen Fruchtjoghurt auf Kokosmilch-Basis und viel Brot bescherte. Am Freitag nach der Abendmesse traf sich der Lokalausschuss unseres Kirchenstandorts; besonders erfreulich war, dass eine junge Frau, die erst seit Kurzem im Gemeindegebiet wohnt, erstmals daran teilnahm. Inhaltlich wurde eine große Bandbreite von Themen verhandelt, von Fragen der Müllentsorgung auf dem Pfarrgrundstück über die Gestaltung der Schaukästen und Maßnahmen zur besseren Profilierung der "spirituellen Angebote" an diesem Standort  (das setze ich nur deshalb in Anführungszeichen, weil mir die Bezeichnung missfällt, andererseits aber auch keine bessere einfällt) bis hin zu organisatorischen Fragen des anstehenden Nightfever-"Gastspiels" (s. unten). Im Großen und Ganzen, würde ich sagen, verlief die Sitzung recht produktiv. Am Samstag versah ich unser Offenes Büchertauschregal mit einer kurz und simpel gehaltenen "Benutzungsordnung", ansonsten war der Tag hauptsächlich den Vorbereitungen für den Büchertreff am Sonntag gewidmet -- wozu auch ein weiterer Foodsaving-Einsatz gehörte, diesmal in einer Bäckerei, um beim Büchertreff Kuchen und diverses anderes Kleingebäck anbieten zu können. Der Büchertreff selbst, bei dem wir über die MEHR-Konferenz berichteten, war eine rundum gelungene Veranstaltung, auch wenn man sich durchaus eine größere Teilnehmerzahl hätte wünschen können. Zum krönenden Abschluss der Woche wurde ich in einem "Teaser"-Artikel in der Online-Ausgabe der Tagespost, der auf einen in der kommenden Print-Ausgabe der Zeitung erscheinenden Essay von mir hinweist, als "Kirchenexperte" betitelt. Wenn das die Leute in meiner Pfarrgemeinde wüssten... 



Was ansteht: Am morgigen Dienstag ist das zweijährige Taufjubiläum meiner Tochter -- ein Anlass, den wir sicherlich in der Gestaltung unserer wöchentlichen Lobpreis-Andacht berücksichtigen werden. Im Anschluss an die besagte Andacht hat meine Liebste einen weiteren Foodsaving-Einsatz, abermals in einem Biomarkt. Am Donnerstag sind wir vormittags mit einer anderen ehrenamtlichen Mitarbeiterin der Pfarrgemeinde zum gemeinsamen Ideensammeln verabredet, und abends ist im Baumhaus nicht nur die wöchentliche "Community Networking Night", zu der wir sowieso schon längst mal wieder hätten gehen wollen, sondern - laut Veranstaltungs-Ankündigung - ein "Emergency Meeting": Die Baumhaus-Betreiber sind offenbar in akuter Finanznot und wollen gemeinsam mit den Teilnehmern der Veranstaltung nach Lösungen suchen. Ich fürchte zwar, dass meine Liebste und ich ihnen da im Moment nicht großartig helfen können (außer vielleicht durch einen Notfall-Rosenkranz, an dem meine Leser sich natürlich gegen beteiligen dürfen!), hoffe aber sehr, dass wird es schaffen, zu der Veranstaltung hinzugehen. Am Freitagabend findet in Herz Jesu Tegel zum zweiten Mal nach September 2018 ein Nightfever Special statt; ich freue mich sehr darauf und hoffe, dass es gut besucht sein wird. Außerdem ist Ende der Woche Redaktionsschluss für den neuen Pfarrbrief, also werden wir bis dahin unsere kommenden Veranstaltungstermine durchplanen müssen, und ich möchte einen kleinen Beitrag über das Büchertauschregal beisteuern. Am Sonntag ist dann Darstellung des Herrn alias Mariä Lichtmess, da werden in der Messe Kerzen geweiht. Müssen wir mal schauen, ob wir noch Kerzen zu Hause haben, die wir weihen lassen möchten. 


aktuelle Lektüre: Mit "Winteraustern" von Alexander Oetker, "Level 4 - Die Stadt der Kinder" von Andreas Schlüter und "Fool on the Hill" von Matt Ruff bin ich im Laufe der vergangenen Tage fertig geworden, ein paar Erzählungen von Maxim Gorki und einen Teil von Chestertons Biographie über Franz von Assisi habe ich noch vor mir, ehe ich in die nächste Leseetappe starte. Ausführlicher Bericht folgt. 


Linktipps: 

Den oder das Eltern-Blog "Große Köpfe" habe ich schon vor längerer Zeit mal "entdeckt", seitdem aber nicht regelmäßig verfolgt, obwohl ich den männlichen Teil des Autoren-Ehepaares auch aus dem Offline-Leben kenne. Bei gelegentlichem Reinlesen hat sich mir der Eindruck vermittelt, die "Große Köpfe"-Familie sei in Fragen der Kindererziehung tendenziell - zumindest ein bisschen - aufgeschlossener gegenüber postmodernen, postgender, post-wasauchimmer Persönlichkeitskonzepten, als beispielsweise meine Liebste und ich es sind, und stündem - folgerichtig, könnte man sagen - dem zumindest in Berlin zunehmend als gesellschaftlicher Normalfall dastehenden System der Kinderbetreuung in KiTa, Schule und Hort im Grundsatz weniger kritisch gegenüber; den konkreten Erscheinungsformen dieses Systems dann aber doch, schon aus Erfahrung. (Mal anekdotisch ausgedrückt: Man könnte ja meinen, Eltern, die aus Überzeugung kitafrei leben, und Eltern, deren wichtigster Kritikpunkt am KiTa-System der ist, dass sie für ihr Kind keinen Platz bekommen, stünden in derart entgegengesetzten Lagern, dass sie einander nichts zu sagen haben könnten; aber in der Praxis ist das nicht unbedingt so.) Diesen Artikel hier - den mir Facebook dankenswerterweise in die Timeline gespült hat - habe ich jedenfalls mit großem Interesse gelesen: Hier beklagt sich die Mutter, dass ihre Älteste so stark von der Schule in Anspruch genommen wird, dass ein Familienleben praktisch nicht mehr stattfindet. 

Das berühmte, zwischen 1432 und 1435 entstandene Genter Altarbild des Jan van Eyck ist frisch restauriert worden, und dabei hat sich herausgestellt,  dass das Lamm Gottes, das eine zentrale Stellung in der Bildkomposition dieses Meisterwerks einnimmt, ursprünglich ganz anders aussah als bisher bekannt. In der Öffentlichkeit forderte der verstörende,  wenig realistische Gesichtsausdruck des Lammes zunächst vor allem Spott heraus: Die vorherrschende Meinung lautete, Jan van Eyck - immerhin der bedeutendste Vertreter der altniederländischen Malerei des Spätmittelalters - sei mit der Aufgabe, einen Schafskopf von vorn zu malen, schlichtweg überfordert gewesen und sein missglücktes Lamm Gottes sei zurecht im 16. Jahrhundert durch eine naturalistuschere Darstellung ersetzt worden. Doch dann wendete sich das Blatt: Wie Kollege Marco Gallina für die Tagespost dokumentiert, entdeckten vor allem Katholiken aus dem sogenannten "konservativen Lager" im aufrüttelnden Blick des Lammes eine tiefere Botschaft. "15 Stunden später bin ich voll im Team Humanoides Apokalypsenlamm", schrieb etwa ein Priester aus Pittsburgh auf Twitter. "Ich liebe es. Ich würde dafür sterben." Inzwischen ist aus dem Lamm Gottes von Gent ein Meme geworden. Ich will es auf einem T-Shirt. Na, der nächste Geburtstag kommt bestimmt. 


Heilige der Woche: 

Heute, Montag, 27. Januar: Hl. Angela Merici (1474-1540), Ordensgründerin. Aus angesehener Familie in der Lombardei; trat nach dem frühen Tod ihrer Eltern dem Dritten Orden der Franziskaner bei und widmete sich besonders der Verbesserung der Schulbildung für Kinder und gründete zu diesem Zweck Schulen in ihrem Heimatort Deren Zahl am Gardasee (in ihrem Elternhaus) und in Brescia. 1535 gründete sie die "Gemeinschaft der Hl. Ursula", aus der nach ihrem Tod der Ursulinenorden hervorging. 

Dienstag, 28. Januar: Hl. Thomas von Aquin (1225-1274), Ordenspriester und Kirchenlehrer. Ich habe gerade Chestertons Biographie über ihn gelesen, die ich nur wärmstens empfehlen kann; ich selbst möchte mich hier aber mit biographischen Angaben kurz fassen und nur erwähnen, dass Thomas aus adliger Familie stammte und sich gegen den Willen der Eltern, die ihn in einem Benediktinerkloster unterbringen wollten, dem damals noch jungen Bettelorden der Dominikaner anschloss. Thomas gilt als bedeutendster christlicher Philosoph und Theologe des Mittelalters (und darüber hinaus); besonders verdienstvoll ist seine intensive Auseinandersetzung mit der Philosophie des Aristoteles. Übrigens ist sein Gedenktag der Tauftag meiner Tochter, aber das habe ich ja schon erwähnt. 

Freitag, 31. Januar: Hl. Johannes Bosco (1815-1888), Priester und Ordensgründer. Sohn piemontesischer Bauern; äußerte schon mit neun Jahren den Wunsch, Priester zu werden, was seine Mutter sich nach dem frühen Tod des Vaters jedoch nicht leisten konnte. Ging daher mit zwölf Jahren zunächst bei einem Schneider in die Lehre und arbeitete zeitweilig als Stallbursche auf einem Meierhof, um das Geld für seine Ausbildung selbst aufzubringen. 1835 konnte er schließlich ins Priesterseminar eintreten und wurde 1841 geweiht. Erlangte große Popularität als Jugendseelsorger für arme und benachteiligte Jugendliche in der Industriemetropole Turin und wurde meist nur "Don Bosco" genannt. Gründete 1859 die "Gesellschaft des Hl. Franz von Sales", heute bekannt als "Salesianer Don Boscos" (SDB), und 1872 gemeinsam mit der später ebenfalls heiliggesprochenen Maria Mazzarello einen weiblichen Zweig, die "Töchter Mariens, Hilfe der Christen" oder "Don-Bosco-Schwestern"


Aus dem Stundenbuch: 

Singt dem Herrn und preist Seinen Namen, * 
Verkündet Sein Heil von Tag zu Tag! (Psalm 96,2)


Montag, 20. Januar 2020

Kaffee & Laudes - Das Wochen-Briefing (2. Woche im Jahreskreis)

Was bisher geschah: Im Laufe der zurückliegenden Woche habe ich - in Gestalt mehrerer Telefonate und eines Arbeitsessens - recht vielversprechende Gespräche über eine Ausweitung meiner Präsenz im katholischen Online-Journalismus sowie über die Teilnahme  an einer Literaturtagung geführt; darauf wird zu gegebener Zeit noch zurückzukommen sein. Die Dienstplanbesprechung des Lektorenkreises am Montagabend verlief unspektakulär; am Dienstag hatte meine Liebste nach unserer Lobpreis-Andacht einen Foodsaving-Einsatz im Biomarkt, der uns u.a. Süßkartoffeln, Pilze, Knoblauch, Salat und Kuchen bescherte. Der Besuch beim Kinderarzt am Mittwoch ergab, dass meine Tochter quietschgesund und gut entwickelt ist, ich hatte aber auch nicht ernsthaft mit einem anderen Ergebnis gerechnet. Das Firmkurs-Modul meiner Liebsten, das eigentlich am Mittwochabend hätte stattfinden sollen, fiel - worüber uns der Diakon ein paar Tage zuvor per Mail mitgeteilt hatte - mangels Anmeldungen aus, folglich hatte ich keine Ausrede mehr, mich um den gleichzeitig stattfindenden Weihnachtsbaum-Abbau in der Kirche herumzudrücken. Nein, Spaß beiseite: An der Weihnachtsbaum-Abbau-Aktion gibt es diesmal wirklich nichts zu meckern, es gab eine ausreichende Zahl helfender Hände und vernünftiges Werkzeug, und somit ging die Arbeit zügig und ordentlich über die Bühne. Unmittelbar vorher hatte ich noch zusammen mit unserem nigerianischen Pfarrvikar die Vesper gebetet. -- Zum Thema Firmkurs hat der Diakon übrigens gleichzeitig mitgeteilt, die beiden von mir angebotenen Module stießen auf größeres Interesse und würden somit stattfinden. Das erste ist am 13. Februar; da werde ich noch einiges vorbereiten müssen, aber dazu zu gegebener Zeit mehr... Der Krabbelbrunch am Samstag war schön, es waren überwiegend dieselben Leute da wie letzten Monat, und einige Eltern hatten Salat und Kuchen mitgebracht; und dann kam noch eine Mutter mit einem 14 Monate alten Knaben spontan vorbei, nachdem sie den mit Straßenmalkreide aufs Pflaster gemalten Veranstaltungshinweis gesehen hatte. Kurz und gut, nach einigen Anlaufschwierigkeiten scheint sich das Projekt jetzt recht gut zu entwickeln. -- Am Sonntag gingen wir in Heiligensee zur Messe, da dort anschließend der Neujahrsempfang für die Ehrenamtlichen stattfand. Eine besonders förmliche Veranstaltung war das nicht, aber das wäre ja ohnehin nicht so mein Ding gewesen; dafür gab es reichlich zu essen, und meine Liebste und ich führten einige recht erfreuliche Gespräche.


Was ansteht: Heute steht außer der Krabbelgruppe im evangelischen Gemeindehaus erst mal nichts besonderes auf dem Programm; für morgen, Dienstag, ist eine große Haus- bzw. Wohnungsputz-Aktion geplant, eventuell täte ich also gut daran, solange ins Exil zu gehen. Meine Tochter müsste ich allerdings wohl mitnehmen. Am Mittwochabend hat meine Liebste abermals einen Foodsaving-Einsatz in einem Biomarkt und am Samstag  in einer Bäckerei; am Freitag nach der Abendmesse tagt der Lokalausschuss, und ich habe die Absicht, dort vorrangig das Interesse des Büchereiprojekts zu vertreten. Wir haben mittlerweile so einen eindrucksvollen Bücherbestand beisammen, dass ich denke, es wird höchste Zeit, die Bücherei in einen für die Allgemeinheit benutzbaren Zustand zu versetzen. Aber dafür ist noch einiges an Arbeit vonnöten. -- Am Samstag ist das Fest der Bekehrung des Apostels Paulus, aber soweit ich sehe, gibt es in unserem Pastoralen Raum keine besonderen Messen zu diesem Anlass, sondern nur die Vorabendmessen zum Sonntag. Am Sonntag ist dann wieder Büchertreff; bei dieser Veranstaltung wollen meine Liebste und ich über unseren Besuch der diesjährigen MEHR-Konferenz berichten, also wenn Du, Leser, zufällig in der Gegend bist: Komm vorbei! 


aktuelle Lektüre: Welche Bücher bei mir gerade auf der Leseliste stehen, habe ich ja unlängst erst zu Protokoll gegeben; als Zwischenbericht kann ich vermelden, dass ich von Chestertons Biographie über Thomas von Aquin schwerstens begeistert bin - was eigentlich zu erwarten gewesen wäre, aber tatsächlich ist das Buch noch besser, als ich dachte - und dass mir auch Maxim Gorkis "Wanderungen durch Russland" sehr gut gefallen; bei den anderen drei Büchern der aktuellen Leseetappe ist mein Eindruck zwiespältiger.  Alexander Oetkers "Winteraustern" - wie schon erwähnt, ein Weihnachtsgeschenk von meiner Mutter - ist ein gekonnt erzählter Regionalkrimi, vom Stil her etwas zu glatt und routiniert für meinen Geschmack, wartet dafür aber auf der inhaltlichen Seite mit einigen potentiell #BenOp-relevanten Details auf. Es bleibt noch abzuwarten, wie viel der Autor daraus zu machen weiß. -- Andreas Schlüters "Level 4 - Die Stadt der Kinder" könnte - um es mal paradox auszudrücken - ein richtig gutes Buch sein, wenn es nicht so schlecht wäre. Die Ausgangsidee der Handlung - 12jähriger Computerspiel-Freak bekommt ein brandneues Adventure-Game in die Hände, dessen Handlung auf beunruhigende Weise auf die Realität überzugreifen beginnt - hat enormes Potential, aber der Autor ist diesem schlichtweg nicht gewachsen. So wirkt die Handlungsführung unbeholfen und schlampig, zuweilen hat man den Eindruck, der Autor habe selbst keinen Plan, wo er mit der Geschichte hinwill, sondern hangele sich nur notdürftig von einer spannenden oder actiongeladenen Situation zur nächsten. Besonders peinlich und unangemessen wirkt es, wenn er zwischendurch Zuflucht zu Slapstick-Komik nimmt. Und ich habe ehrlich gesagt wenig Hoffnung, dass das Buch im weiteren Verlauf besser wird. -- Matt Ruffs Debütroman "Fool on the Hill" schließlich - übrigens zugleich seine Magisterarbeit, was zwar nicht unbedingt eine Empfehlung für das Buch, aber doch irgendwie hübsch skurril ist - macht den Eindruck einer gutgelaunten, flott lesbaren und ziemlich überkandidelten Phantasiegeschichte, die mich vielleicht mehr begeistert hätte, wenn ich sie mit 18 (plus/minus ein paar Jahre) gelesen hätte. Spaß macht die Lektüre durchaus, aber die aufreizende Oberflächlichkeit der Story hat zugleich auch etwas Ärgerliches. Na, mehr dazu im Gesamtfazit.


Linktipps: Für die Linktipps dieser Woche kann es nur ein Thema geben -- das Thema, das did katholische Medienlandschaft so ziemlich die gesamte zurückliegende Woche hindurch in Atem gehalten hat, nämlich das Buch "Aus der Tiefe des Herzens" von Robert Kardinal Sarah und Papst em. Benedikt XVI. (oder von Kardinal Sarah mit einem Beitrag von Benedikt XVI., oder wie auch immer). Wie viel Heulen und Zähneklappern, ungebremsten Hass, Geifer und Verschwörungstheorien ein Buch, das erklärtermaßen ein Plädoyer für die Beibehaltung der geltenden Zölibatspflicht für katholische Priester sein will, im sogenannten "liberalen" kirchenpolitischen Lager auslöst, könnte man als erschütternd bezeichnen, wenn man dergleichen aus dieser Richtung nicht schon halbwegs gewohnt wäre. Wobei man beim Stichwort "Verschwörungstheorien" wohl einräumen muss, dass die widersprüchlichen Angaben zu Art und Umfang der Beteiligung Benedikts XVI. an diesem Buchprojekt, die aus dem Umfeld des Papa emeritus zu hören gewesen sind, in der Tat Fragen aufwerfen. Dem Versuch einer Klärung dieser Fragen ist der erste Linktipp gewidmet:

Der bekannte Vatikan-Journalist Pentin trägt hier alle bekannten Fakten und offiziellen Aussagen von Beteiligten zusammen, ohne Gerüchten und Spekulationen Raum zu geben. Natürlich bleiben Fragen offen, aber man sieht doch schon erheblich klarer, als wenn man sich von den deutschen Leitmedien informieren ließe. -- Was bei der ganzen Aufregung ein bisschen untergegangen ist, ist die Frage, was nun eigentlich drinsteht in dem Buch -- und insbesondere in dem von Benedikt XVI. verfassten Abschnitt. Man muss wohl kein Verschwörungstheoretiker sein, um zu argwöhnen, dass die ganze Aufregung nicht zuletzt auch in der Absicht geschürt wurde, von genau dieser Frage abzulenken. Antwort kann man trotzdem finden, auch ohne gleich das ganze Buch kaufen zu müssen (das auf Deutsch wohl erst Mitte bis Ende Februar erscheinen wird): Einen Vorabdruck des betreffenden Kapitels hat die Tagespost veröffentlicht. Sollte der Text dort früher oder später hinter der Bezahlschranke verschwinden, kann man den Text auch auf CNA Deutsch oder kath.net finden, aber aus Loyalitätsgründen verweise ich hier vorrangig auf die Tagespost-Veröffentlichung:


So, da kann sich ja nun jeder selbst ein Bild machen. Eine Anmerkung sei mir aber noch gestattet: Gegenüber Leuten, die in diesen Ausführungen des emeritierten Papstes nichts anderes sehen können oder wollen als einen Beitrag zu kirchenpolitischen Ränken und Machtspielchen, empfinde ich, wie Mr. Krabs es formulieren würde, "eine ganz sonderbare Mischung aus Mitleid und Verachtung"...


Heilige der Woche: 

Heute, Montag, 20. Januar: Hl. Fabian, Papst von 236-250, Märtyrer. Laut der Kirchengeschichte des Eusebius von Caesarea wurde er zum Papst gewählt, weil sich während der Wahlversammlung eine weiße Taube auf seinem Haupt niederließ (vgl. dazu das Märchen "Die drei Sprachen", KHM 33). Teilte der Überlieferung zufolge Rom in sieben Diakonatsbezirke ein. Starb als Märtyrer im Zuge der Christenverfolgungen unter Kaiser Decius im Jahr 250. -- Hl. Sebastian, Märtyrer der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian (304). Der Überlieferung zufolge war er Hauptmann der Prätorianergarde; in der bildenden Kunst wird er häufig als schöner, schlanker Jüngling mit Pfeilen in der Brust dargestellt, da die Legende berichtet, der Kaiser habe ihn durch Bogenschützen hinrichten lassen wollen, er habe die Pfeilschüsse jedoch überlebt und dem Kaiser eine Predigt gehalten, woraufhin er dann erschlagen wurde.  

Dienstag, 21. Januar: Hl. Meinrad (ca. 797-861), Mönch, Einsiedler, Märtyrer. Aus alemannischem Adel, wurde in der Benediktinerabtei Reichenau erzogen und trat als Erwachsener in den Benediktinerorden ein; ab 828 lebte er als Einsiedler in strenger Askese, wurde 861 von zwei Landstreichern erschlagen. An der Stelle seiner Klause wurde 934 das Kloster Einsiedeln gegründet.  -- Hl. Agnes, Jungfrau und Märtyrerin. Erlitt der Überlieferung zufolge im Alter von 12 Jahren das Martyrium im Zuge einer der großen Christenverfolgungs-Wellen in Rom, entweder um 250 unter Decius, 258/59 unter Valerian oder 304 unter Diokletian. Ihre Verehrung ist schon früh bezeugt, sie gehört auch zu den Heiligen, deren Name im Römischen Messkanon genannt wird. Aus "lokaler" Sicht sei hinzugefügt, dass es auf dem Territorium "meiner" Pfarrei, im Ortsteil Konradshöhe, ab 1929 eine St.-Agnes-Kapelle gab, die 2017 profaniert wurde. Eine aus dieser Kapelle stammende Holzskulptur der Hl. Agnes steht jetzt in Herz Jesu Tegel. 

Mittwoch, 22. Januar: Hl. Vinzenz, Diakon und Märtyrer. Lebte um die Wende vom 3. zum 4. Jahrhundert im heutigen Spanien, war Diakon unter Bischof Valerius von Saragossa und wurde im Zuge der Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian im Jahr 304 zu Tode gefoltert. Seine Verehrung ist schon früh belegt; wird als Nationalheiliger Portugals verehrt, außerdem ist die Antillen-Insel St. Vincent nach ihm benannt, da Kolumbus sie an seinem Gedenktag entdeckte. -- Die Pallottiner indes feiern an diesem Datum ihren Ordensgründer, der ebenfalls Vinzenz hieß und bemerkenswerterweise an seinem Namenstag starb. Vincenzo Pallotti lebte von 1795-1850, wurde 1818 zum Priester geweiht und widmete sich besonders der Armen- und Jugendseelsorge. 1835 rief er die Vereinigung des katholischen Apostolats ins Leben; 1837, mitten in einer Cholera-Epidemie, gründete er in Rom ein Heim für verwaiste und obdachlose Mädchen. An seinem 100. Todestag wurde er von Papst Pius XII. selig-, 1963, während des II. Vatikanischen Konzils, von Johannes XXIII. heiliggesprochen. 

Donnerstag, 23. Januar: Sel. Heinrich Seuse (1295/97-1366), Ordenspriester und Mystiker. Trat im Alter von 13 Jahren dem Dominikanerorden bei; Schüler der umstrittenen Mystikers Meister Eckhard, wurde wie dieser zeitweilig der Ketzerei verdächtigt, stand aber andererseits schon zu Lebzeiten im Ruf der Heiligkeit und wurde 1831 durch Papst Gregor XVI. per viam cultus, d.h. in Anerkennung der ihm zuteil werdenden Verehrung, ohne formellen Prozess seliggesprochen. Produktiver und origineller geistlicher Schriftsteller. 

Freitag, 24. Januar: Hl. Franz von Sales (1567-1622), Bischof, Ordensgründer, Kirchenlehrer. Aus savoyischem Adel, studierte in Paris und Padua zunächst, dem Wunsch des Vaters entsprechend, Jura, dann aber zusätzlich auch Theologie und wurde 1593 zum Priester geweiht. Im Auftrag Papst Clemens' VIII. ging er in den calvinistisch gewordenen Teil der Diözese Genf, um die dortige Bevölkerung wieder zum Katholizismus zu bekehren -- ein Ziel, das er u.a. mit Hilfe von Flugschriften verfolgte, weshalb er als Schutzpatron der Journalisten verehrt wird. 1599 wurde er zum Koadjutor des Bischofs von Genf-Annecy mit Recht auf Nachfolge ernannt und 1602 zum Bischof ernannt. Er besuchte alle 311 Pfarreien seines Bistums, hielt über 3.000 Predigten und verfasste bedeutende theologische Werke, darunter eine "Anleitung zum frommen Leben", auch bekannt unter dem Titel "Philothea". 1877 ernannte ihn Papst Pius IX. zum Kirchenlehrer.


Aus dem Stundenbuch: 


Bei Tag schenke der Herr seine Huld; *
ich singe ihm nachts und flehe zum Gott meines Lebens. (Psalm 42,9)