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Montag, 22. Mai 2023

Der seltsame Fall der eingekerkerten Nonne, Teil 17

Was ist eigentlich aus Jovita von den Engeln geworden? Es ist schon wieder recht viel Zeit ins Land gegangen, seit hier von den Schicksalen der eingekerkerten Nonne zu lesen war; was hauptsächlich daran liegt, dass die Arbeit an zwei Artikeln über die theo-ideologischen und kirchengeschichtlichen Wurzeln des Schismatischen Wegs mich ziemlich lange aufgehalten hat. Daher wird es nun aber höchste Zeit, dass ich mich dem LX. Kapitel des Romans "Barbara Ubryk oder Die Geheimnisse des Karmeliter-Klosters in Krakau" zuwende, das den ominösen Titel "Der Wink Gottes" trägt und das ich eigentlich schon in der vorigen Folge dieser Artikelserie hatte besprechen wollen, es dann aber aus Platzgründen auf später verschoben habe. Wohlan denn: Später ist jetzt. 

Das Kapitel beginnt mit Ausführungen über den schlechten Gesundheitszustand der Protagonistin: "Von Natur aus schwächlich und zart in ihrer Constitution, schwächte sie die harte klösterliche Lebensweise , die Entbehrung von Fleischspeisen und der Genuß süßlichen Backwerkes und von Fischen nur noch mehr" (S. 895); guck an, Ernährungsberatung kann der Autor also auch. "Jovita [...] wurde zusehends blässer und magerer. Ihre Wangen wurden hohl, die Augen sanken ein und die Haare fielen büschelweise aus" (ebd.). 

Damit aber noch nicht genug, ereignet sich "kurz nach Ostern" (S. 896) "des Jahres 1845" (S. 895) ein in der Kapitelüberschrift als "Wink Gottes" bezeichneter Unfall: "Beim Abstauben eines Altares" fällt "einer der großen Leuchter, welche neben dem Tabernakel stehen, in Folge eines Anstoßes" Jovita auf den Kopf, und zwar "so heftig , daß sie besinnungslos am Altare hinsank und erst nach längerer Zeit in diesem Zustande aufgefunden ward" (S. 896). Zu allem Übel trifft der schwere Leuchter auch noch ausgerechnet "den Theil des Hauptes [...], an dem sich die große Narbe [...] befand", die Jovita alias Barbara im Alter von 13 Jahren von den Barrikadenkämpfen in Warschau davongetragen hat (ebd.). Wie wir gesehen haben, hat der Autor den Leser und vermutlich auch sich selbst erst kürzlich an diese Episode aus dem Polnischen Aufstand von 1830/31 erinnert, und nun scheint er entschlossen, das Möglichste daraus zu machen. Die alte Wunde bricht wieder auf und entzündet sich, und das Ergebnis lautet: "Den Krankensaal sollte Jovita sobald nicht mehr verlassen" (ebd.). 

Alexander Zick, Illustration zu "Die zweite Frau" von E. Marlitt. Auch so ein klassischer Kulturkampfroman. 

Gerade in der Zeit, in der die Protagonistin solcherart außer Gefecht gesetzt ist, ereignen sich einige Dinge, die für den weiteren Handlungsverlauf bedeutsam zu sein versprechen. Zunächst stirbt Jovitas Mutter, "die verwittibte Frau Elka von Ubryk, geborne Gräfin Zolkiewicz, [...] in ihrem 74. Lebensjahre" (S. 898). Halten wir anlässlich dieser Altersangabe gleich mal fest, dass der Verfasser sich wieder einmal in der Chronologie der Romanhandlung verheddert hat: Die Todesanzeige ist auf den 13. März 1845 datiert (ebd.), demnach müsste Elka 1771 oder '72 geboren sein; aber obwohl der Beginn der Romanhandlung auf den Oktober "des letzten Jahres im vorigen Jahrhunderte", also 1799, datiert ist (S. 15), ist Elka bei ihrem ersten Auftritt, auf S. 67, erst "ungefähr dreizehn Jahre" alt. Bedeutsamer als die Altersangabe dürfte indes der Ort sein, an dem Elka das Zeitliche gesegnet hat: "Wie fiel es denn der Alten ein, in Krakau zu sterben?", fragt Pater Gratian nicht ohne Grund, als er die Todesanzeige liest. "War sie denn nicht mehr hier?" (S. 898). Die Antwort auf diese Frage geht aus einem Brief hervor, den Barbaras alias Jovitas Schwestern ihr zusammen mit der Todesanzeige geschickt haben, den die Priorin Zitta jedoch abgefangen hat: Aus diesem Brief erfährt man, dass Elka überraschend vom Tod ereilt wurde, während sie bei ihrer zweiten Tochter Therese und deren Ehemann, dem Kaufmann Paul Niemojowski, in Krakau zu Besuch war. Auf S. 704 hatte es zwar geheißen, Niemojowski sei in Warschau ansässig und Elkas anderer Schwiegersohn, der Privatgelehrte Ludwig Gorzkowski, in Krakau, aber das kann man ja mal verwechseln, oder das Ehepaar Niemojowski könnte in der Zwischenzeit umgezogen sein. Jedenfalls mehren sich die Indizien, dass Krakau als Handlungsschauplatz noch eine größere Rolle spielen wird als bisher. Die Priorin und Pater Gratian interessieren sich für Elkas Tod natürlich vorrangig wegen der damit verbundenen Erbschaft: "Dieses Vermögen muß uns zufallen. [...] Gott, unser Kloster würde das reichste in Warschau, welche Reliquien könnten wir in Rom ankaufen, welche Ablässe vom Papste erhalten, welche Begünstigungen vom hochwürdigsten Generale auswirken!" (S. 901). 

Um dieses Vermögens schnellstmöglich habhaft zu werden, fingiert die Priorin einen Brief "an die Schwestern Jovitas [...], worin sie – als Jovita – ihre tiefe Trauer wegen des Todesfalles der Mutter und endlich den lebhaften Wunsch aussprach, die Vermögensangelegenheiten umgehend erledigt zu sehen" (S. 901). Als "[k]urz darauf [...] der Gemahl Theresens von Krakau nach Warschau" kommt, "um Jovita persönlich das ganze Erbtheil hinauszubezahlen" (ebd.), verhindert die Priorin eine persönliche Begegnung, indem sie "dem Herrn Niemojowski" weismacht, "seine Schwägerin wäre auf ihr Ansuchen, um sich wegen des Ablebens der Mutter zerstreuen zu können, auf Bettel, das ist Einsammeln von Almosen für das Kloster, ausgeschickt worden, und also nicht zu Hause. Da sie erst in drei Wochen zurückkehren würde, so möge er das Geld einstweilen dem Klosterpriorate zur Verwahrung anvertrauen" (ebd.). Kaum hat sie das Geld in Empfang genommen, meldet die Priorin schon ihrem Ordensgeneral in Rom, "das ganze Vermögen der Nonne Barbara Ubryk, genannt Jovita von den Engeln, befinde sich jezt im Depot des Klosters und stehe zur Disposition. Sie bitte einen Theil desselben für das Kloster St. Theresia verwenden zu dürfen" (S. 902). Besonders frohlocken sie und Pater Gratian darüber, dass sie "den Jesuiten einen guten Bissen weggeschnappt" haben (ebd.) – was uns daran erinnert, dass es über weite Teile der Romanhandlung ja die Jesuiten waren, die mit allen Mitteln danach trachteten, das Vermögen der Familie Zolkiewicz an sich zu bringen; seit Barbaras Eintritt bei den Karmelitinnen ist davon aber nicht mehr die Rede gewesen. Sollte man diese beiläufige Bemerkung als Indiz dafür auffassen, dass die Jesuiten zukünftig nochmals in die Romanhandlung eingreifen werden? 

Im nächsten Schritt fassen Pater Gratian und die Priorin den Entschluss, Jovita endgültig ihrer Familie zu entfremden, "damit wir mit ihr nach Belieben schalten und walten können" (S. 903); sie erreichen dies durch einen weiteren fingierten Brief an Jovitas Schwestern, in dem es u.a. heißt: "Mein einziger Wunsch ist die baldige Heimkehr zur seligen Mutter. Ich habe nichts mehr auf dieser Welt zu suchen. [...] Unter solchen Umständen fühle ich keinerlei Bedürfniß mehr zu Berbindungen mit der Außenwelt. Bestrebt Euch daher, mich zu vergessen; betrachtet mich als Todte. [...] Ich will alle und jede Verbindung mit Euch abgebrochen wissen und werde mich bemühen, die Erinnerung an Geschwisterte und Verwandte meinem Gedächtniße auszutilgen, wie die Liebe zu Euch im Herzen längst erstorben ist , um einer reineren überirdischen Platz zu machen" (ebd.). – Man kann sich vorstellen, dass dieser Brief die "beabsichtigte Wirkung" nicht verfehlt: "Die Schwestern Jovitas fühlten sich tief gekränkt durch denselben und sagten sich, jetzt, nachdem ihre Schwester das Geld erhalten habe, fange sie an brutal zu werden" (ebd.). 

"Jovita lag unterdessen schwerkrank im Krankensaale und ahnte nicht, welch boshaftes Spiel hinter ihrem Rücken getrieben wurde" (S. 904). – "Ihr Zustand verschlimmerte sich von Tag zu Tag. Die Entzündung der Narbe raubte ihr zeitweilig die Besinnung, und der Arzt fürchtete sehr für ihr Leben. Wäre sie damals gestorben – das Schauderhafteste wäre ihr erspart geblieben" (S. 905). Die Nachricht vom Tod ihrer Mutter überbringt Gratian ihr in grell überzeichneter Form: Während Elka tatsächlich friedlich im Bett gestorben ist, behauptet Gratian "Sie fiel über die Stiege herab und brach das Genick" (S. 907) – und fügt hinzu: "Die Eltern büßen auch die Sünden ihrer Kinder" (ebd.). Damit nicht genug, macht er der leidenden Jovita weis, "noch ein anderes Unglück" habe die Familie getroffen: "Eine Deiner Schwestern starb im Kindbette, die andere entfloh ihrem Manne und man weiß nicht, wohin" (ebd.). 

Gegen Ende des Kapitels gibt es dann aber doch einen Lichtblick für die arg gepeinigte Jovita: Sie bekommt einen neuen Beichtvater. Wie es dazu kommt, ist eine Geschichte für sich, und da lohnt es sich, ein bisschen auszuholen: 

"Der erzbischöfliche Generalvikar war in einer Nacht plötzlich aus dem Bette geholt und von Kosaken nach Sibirien transportirt worden", erfährt man auf S. 908. "Man munkelte in Warschau, die russische Regierung ginge damit um, die katholischen Geistlichen Polens zur griechischen Kirche hinüberzuziehen und habe den Generalvikar, der dieselben im Falle des Uebertrittes mit dem Banne bedrohte, deshalb verhaften und in die Verbannung abführen lassen." So so, "man munkelte". Da lehne ich mich mal ein Stück aus dem Fenster und sage, das ist ausgedachter Quatsch. Immerhin hat mich diese Passage aber veranlasst, ein bisschen zur Geschichte des Erzbistums Warschau im handlungsrelevanten Zeitraum zu recherchieren. Dabei habe ich festgestellt, dass der erzbischöfliche Stuhl von Warschau bereits seit 1838 vakant war; bis 1844 war Tomasz Chmielewski Kapitularvikar der Erzdiözese, nach dessen Tod dann Antoni Melchior Fijałkowski, der 1857 Erzbischof wurde und sich als spiritueller Führer der polnischen Nationalbewegung einen Namen machte. – Wenn man also bedenkt, dass ein bedeutender Wechsel in der Leitung der Diözese in der Realität ziemlich genau ein Jahr früher stattfand als in der Romanhandlung, könnte man meinen, der Autor hätte sich ruhig ein bisschen mehr Mühe geben können, seine Erzählung so zu konstruieren, dass sie zu den nachprüfbaren historischen Fakten passt; aber dass er sich diese Mühe gerade nicht gibt, unterstreicht einmal mehr den Gesamteindruck, dass er die Romanhandlung überhaupt nicht in nennenswertem Ausmaß vorausgeplant hat, sondern von Woche zu Woche aufs Geratewohl drauflosschreibt. Beachten wir übrigens, wie nah die Handlungszeit inzwischen an den Zeitpunkt des Erscheinens dieses Fortsetzungsromans herangerückt ist: Es liegen nur noch ungefähr 25 Jahre dazwischen. Zur Verdeutlichung: Das ist so, als würde ich heute einen Roman herausbringen, der 1998 spielt. Und wenn in diesem Roman dann Wolfgang Schäuble Bundeskanzler wäre und die DDR noch existierte, würden die Leser vielleicht sagen "Oh, ein Alternate History-Roman"; aber den Anspruch, die authentischen Hintergründe eines realen Kriminalfalls aufzudecken, würde man diesem Roman wohl eher nicht abkaufen. 

Nun aber mal weiter im Text: "Der betrübte Erzbischof" – von dem wir ja nun wissen, dass es einen solchen zu diesem Zeitpunkt realiter gar nicht gab – ernennt "sogleich in der Stille einen etwas vorsichtigeren Priester zum Generalvikar" (S. 908). Für die Handlung ist das deshalb von Belang, weil der schurkische Pater Gratian ein Protegé des bisherigen, nun nach Sibirien deportierten Generalvikars war, wohingegen der neue Generalvikar "ein vertrauter Freund und das Beichtkind des Carmeliterpaters Alfons" ist; und dieser "benützte sogleich seinen Einfluß auf ihn und ließ sich zum Beichtvater im Kloster St. Theresia designiren" (ebd.). So erhält Jovita "endlich einen Beichtvater [...], der es wirklich aufrichtig und gut mit ihr meinte", nämlich eben "den kleinen schmächtigen Pater Alfons" (ebd.), von dem ja bereits abzusehen war, dass er noch eine einigermaßen bedeutsame Rolle im Romangeschehen zu spielen haben würde. Obwohl nicht frei von menschlichen Schwächen, wird er als grundsätzlich sympathischer Charakter gezeichnet. "Pater Alfons hatte sich aus keinem selbstsüchtigen Grunde zu dem Amte eines Beichtvaters im Carmeliterinnenkloster gedrängt", heißt es auf S. 909: "Er wollte nur von dem ihm lästigen Chorgebete zur Nachtzeit befreit werden, eine Begünstigung, die den auswärtigen Beichtvätern zu Theil wird." (Das ist demnach also kein selbstsüchtiger Grund? Interessant.) "Er verlangte daher auch von seinen Beichtkindern weit größeren Ernst in der Befolgung der Ordensregeln, da ihm Pläne, wie sie von Pater Gratian gehegt wurden, gänzlich ferne lagen" (ebd.). Ein Seelsorgegespräch zwischen Alfons und Jovita dient dem Autor einmal mehr als Vorwand zu seitenlangen Exkursen über das Leben und die Schriften der Hl. Teresa von Àvila; während er bei früheren Gelegenheiten aber die Leidensmystik der großen Ordensreformerin als Beleg für den krankhaft masochistischen Charakter des kontemplativen Klosterwesens herangezogen haben würde, lautet sein Urteil hier: "Durch solche Belehrungen und Zusprüche richtete Pater Alfons die kranke Jovita auf. Auch Gratian hatte ihr viele Züge aus dem Leben der Heiligen vorgeführt, aber nicht in der frommen Absicht, sie zu erbauen und ihr Seelenheil zu befördern. Pater Alfons dagegen, dem stets eine höhere Pflicht vor Augen schwebte, erwies sich ihr als wirklicher geistlicher Vater" (S. 912). 

Nun, man wird sehen, wie sich das weiter entwickelt; das LXI. Kapitel trägt jedenfalls den Unheil verheißenden Titel "Geister, Kobolde, Dämone, Teufel, Belzebuben, Satanas". Aber bevor wir dazu kommen, bin ich den Fans dieser Artikelserie noch die Fortsetzung einer anderen gruseligen Klostergeschichte aus der Kolportageliteratur des späten 19. Jahrhunderts schuldig – nämlich des Kapitels "Die sieben Todsünden" aus Sir John Retcliffes Roman "Biarritz". Und sei es nur, um den qualitativen Abstand zwischen dem Großmeister des Genres und seinen Epigonen zu demonstrieren. – Gehen wir mal direkt rein in den Text:

"Dort, wo sich die Monti Quadri [...] erheben und die Scheidewand zwischen dem Flußgebiet des Sangro und des Garigliano bilden, von denen der erste östlich, der zweite westlich des Fuciner See's in den Gebirgen entspringen und der Sangro in die Adria, der Garigliano unterhalb Lanciano in das mittelländische Meer münden, [...] erhebt sich eine hohe Reihe von Felsgebirgen, deren Charakter an Rauhheit und Unzugänglichkeit zunimmt, je mehr sie sich dem hohen Bergriesen der Abruzzen nähern.
So zaudernd auch der Schritt der sonst so kühnen und nichts weniger als zaghaften Männer war, und mit so viel seltsamlichen und abenteuerlichen Geschichten auch der Aberglaube der eingebornen Gebirgsbewohner die Kameraden anderer Heimath über die Geheimnisse des Klosters unterhielt, – Niemand wagte doch, der Weisung des alten Banditenchefs ungehorsam zu sein, und der Marsch der Truppe endete in der That am späten Abend in der Nähe des verrufenen Klosters.
Einen gewissen Trost gewährte es freilich, daß man sich durch eine schroffe hohe Bergwand davon getrennt wußte." (S. 133f.) 

So viel zum Atmosphärischen! – Wir erinnern uns, dass der Brigantenhauptmann Tonelletto den Offizier Chevigné gebeten hatte, an seiner Stelle – da er wegen einer Fußverletzung nicht selbst gehen kann – einem Einsiedler, dessen Klause ganz in der Nähe des sogenannten "Klosters der Verdammten" liegt, eine geheime Botschaft zu überbringen. Nachdem die Freischärler ihr Lager aufgeschlagen haben, will Chevigné diesen Auftrag sogleich ausführen, obwohl es bereits dunkel geworden ist: "Die Nacht ist so schön, das Spiel des Mondlichts in diesen grotesken Felsen so malerisch, daß der Gang eher ein Vergnügen wäre, wenn ich nicht fürchten müßte, den Weg zu verfehlen" (S. 136). Wegen dieser Bedenken gibt Tonelletto ihm einen ortskundigen Führer mit: "Er hat früher schon den Weg bei Tage gemacht und ist der Einzige, der den Muth hat, ihn bei Nacht zu finden. Der Bursche war einmal Laienbruder in Rom, bis er eines schönen Abends bei irgend einer Hure einem Maler das Messer zwischen die Rippen stieß und deshalb in die Berge lief!" (S. 137f.). Selbst diesen ansonsten so unerschrockenen Burschen versetzt der Gedanke daran, "jetzt bei Nacht [...] nach dem verfluchten Kloster" gehen zu sollen, in erhebliche Unruhe, und er erklärt sich nur gegen eine großzügige Belohnung bereit, Chevigné zu begleiten – aber auch "nur so weit, daß der Signor nicht fehl gehen kann zur Klause des Eremiten" (S. 138). Unterwegs verrät er dem Offizier, dass "in dem Kloster der Verfluchten" nur die Mitternachtsmesse gelesen wird – "weil, wie das Volk erzählt, keine der Nonnen das Tageslicht wieder sehen darf" (S. 140). – Aber spulen wir noch einmal ein Stück zurück: Die Botschaft, die Chevigné dem Eremiten überbringen soll, besteht zu seiner Verwunderung lediglich aus einem scheinbar unbeschriebenen Blatt Papier. "Das fängt in der That an, ziemlich abenteuerlich zu werden", merkt er an. "Welcher Heiligen ist denn dieses geheimnißvolle Kloster gewidmet?", fragt er Tonelletto, und als dieser antwortet "Der Santa Maddalena!", ergibt sich der folgende bezeichnende Wortwechsel: 

"Parbleu - das klingt fast nach Meyerbeer und Robert dem Teufel. Ich würde Nichts dawider haben, wenn eine schöne Helena da wäre, um mich zu verlocken und wahrlich mich nicht so lange sträuben, wie der heilige Herr Robert von der Normandie." 

"Ich verstehe nicht, was Sie damit meinen, Signor, aber kann Sie versichern, so furchtlos ich auch bin, es gäbe keinen Preis der Welt, für den ich eine Nacht in der Kirche der heiligen Maddalena zubringen möchte!" (S. 137). 

Die Anspielung auf Meyerbeers Oper "Robert le diable" (uraufgeführt 1831) bezieht sich offenbar auf eine Szene im dritten Akt, in der der Titelheld den Friedhof eines verfallenen Klosters aufsucht, wo die Geister verstorbener Nonnen auf ihren Gräbern tanzen: 

Dies bleibt indes nicht die einzige literarische Referenz: Den Einsiedler, dem Chevigné die Botschaft überbringen soll, stellt dieser sich zunächst in etwa so vor wie den "berühmten Bruder Tuck aus Walter Scott's 'Ivanhoe'" (S. 145) – und ist entsprechend überrascht, in der Klause einen etwa sechzigjährigen, großen, hageren Mann mit "abgezehrte[m] Gesicht" und "dunklen feurigen Augen" (S. 145f.) anzutreffen, der gerade dabei ist, sich zu geißeln. Chevigné schließt daraus, "daß er entweder einen jener Fanatiker des Glaubens vor sich hatte, die gleich den indischen Fakirs in der wüthendsten Selbstpeinigung den Dienst ihres Gottes suchen, oder einen Unglücklichen, der Sühnung für schwere Sünden darin findet" (S. 145). 

Auftragsgemäß übergibt Chevigné diesem düsteren Asketen das weiße Blatt Papier, das, wie man sich schon hat denken können, nicht wirklich unbeschrieben ist: 

"Der Klausner nahm einen alten Blechnapf aus dem Winkel, füllte ihn zur Hälfte mit klarem Wasser aus einem irdenen Krug und goß dann einige Tropfen aus der Phiole in den Napf.

Der Offizier bemerkte, daß sofort ein leichter Dampf aus der Schaale emporstieg. In diese Flüssigkeit tauchte der Eremit das erhaltene Blatt und zog es dann auf beiden Seiten über die Flamme der Lampe.

Das scharfe Auge des Offiziers bemerkte, daß sofort auf beiden Seiten des Papiers eine schwarze Schrift sichtbar wurde.

Nachdem der Klausner das Blatt getrocknet, begann er diese Schrift, die in Chiffern bestand, zu lesen" (S. 149f.). 

Den Inhalt der Nachricht erfährt der Leser an dieser Stelle nicht, wohl aber, dass sie den Einsiedler zu beunruhigen scheint: 

"'Der Wille Derer, die im Namen der Kirche zu gebieten haben, muß geschehen,' sagte er mit traurigem leisen Ton, 'wenn auch das schwache Auge des Dienenden seine Weisheit nicht zu erkennen vermag. Gott und die Heiligen mögen geben, daß es nicht selbst zum Schaden der Kirche ausschlage'" (S. 151). 

Gleich darauf erklärt der Einsiedler seinem Besucher, "eine dringende Pflicht" (ebd.) zwinge ihn zum sofortigen Aufbruch; er erlaubt Chevigné jedoch auf dessen Bitte hin, in seiner Klause zu übernachten – und ist plötzlich verschwunden, ohne dazu die Tür benutzt zu haben. Dieser Umstand veranlasst den allein zurückgebliebenen Offizier, sich in der Behausung des Eremiten genauer umzusehen – und dabei entdeckt er hinter dem Altar der Klause einen Geheimgang, der "in das Innere des Felsens" und somit offenbar in Richtung des Klosters führt, was Chevigné zu der bezeichnenden Bemerkung veranlasst: "[W]enn ich nicht Gelegenheit gehabt hätte, mich zu überzeugen, daß es diesem seltsamen Eremiten Ernst ist mit seiner Reue und Buße, würde mir dieser Weg zu seinen Beichttöchtern etwas verdächtig erscheinen" (S. 153). 

Die Entdeckung dieses Geheimgangs hält Chevigné allerdings nicht davon ab, sich erst einmal schlafen zu legen; erzähltechnisch ein ausgesprochen cleverer Schachzug, da es das darauffolgende Geschehen – ganz ähnlich wie im Fall des im ersten Band desselben Retcliffe-Romans enthaltenen Kapitels "Auf dem Judenkirchhof in Prag", das als literarische Vorlage für die berüchtigten "Protokolle der Weisen von Zion" gilt – in ein gewisses Zwielicht rückt: Zwar lautet der nächste Absatz "Der Offizier mochte etwas mehr als eine Stunde geschlafen haben, wobei es ihm träumte, er sei in der großen Oper zu Paris und höre den Gesang des Chors, als er erwachte" (ebd.); aber erwacht er wirklich? Könnte es nicht sein, dass auch die im Folgenden geschilderten Geschehnisse in Wirklichkeit nur ein Traum Chevignés sind? Mir scheint, das wird sehr bewusst in der Schwebe gehalten; und weiterhin scheint mir, dass dies eine Gelegenheit für einen Cliffhanger ist, die ich mir keinesfalls entgehen lassen darf. 

Fortsetzung folgt! 



Samstag, 20. Mai 2023

Der Geist und die Synodalen

Unlängst, nämlich als Randbemerkung zu meinem Artikel über innerkirchliches Lagerdenken seit dem II. Vatikanischen Konzil unter besonderer Berücksichtigung der Würzburger Synode, hatte ich die Beobachtung festgehalten, "dass die Lehre von der Wirksamkeit der Sakramente 'ex opere operato' in jüngerer Zeit gerade von 'progressiver' Seite dazu herangezogen wird, weitreichende Befugnisse für Laien in der Kirche zu fordern", und daran die Frage angeschlossen: "Glauben die das eigentlich echt oder wollen sie nur die 'Konservativen' mit deren eigenen Waffen schlagen?" Dieser Frage möchte ich nun gern ein wenig auf den Grund zu kommen versuchen; somit trifft es sich eigentlich recht gut, dass bei der jüngsten Blog-Umfrage das "Würzburger Synode"-Thema vor dem Thema "Der Geist und die Synodalen" gelandet ist. 

Heiliger Geist hinter Gittern? So sehen es wohl viele Kirchen-"Reformer". 
(Buntglasfenster in St. Stephanus, Berlin-Haselhorst.) 

Beginnen wir mal mit einem "Online-Buch" mit dem vielsagenden Titel "Mit dem Schwung des Konzils", auf das ich im Zuge von Recherchen zur Aufführungsgeschichte des Musicals "Ave Eva" von Wilhelm Willms und Peter Janssens aufmerksam geworden bin (aber das ist eine andere Geschichte und soll ein andermal erzählt werden). Der Verfasser von "Mit dem Schwung des Konzils", Bernd Staßen, war von 1970-72 Kaplan und anschließend bis 2007 einer von zwei gleichberechtigten Pfarrern in der Pfarrei St. Franziskus in Hochdahl, die in der Nachkonzilszeit offenbar eine Art Hotspot für pastoraltheologische Experimente war. Nicht das Uninteressanteste daran ist, dass Hochdahl eine Planstadt war, die in den 1960er Jahren als Vorstadt von Düsseldorf konzipiert worden war; die angepeilte Einwohnerzahl von 45.000 Menschen, von denen rund die Hälfte katholisch hätte sein sollen, wurde jedoch nie auch nur annähernd erreicht, und 1975 wurde Hochdahl nach Erkrath eingemeindet. In den Gründerjahren Hochdahls schien die Idee, eine "neue Stadt" biete besonders günstige Bedingungen, um auch die Kirche gewissermaßen neu zu erfinden, durchaus eine gewisse Plausibilität für sich zu haben. "An vielen Stellen sind wir miteinander neue Wege gegangen", erinnert sich Staßen. "Nicht immer hatten wir dabei die Zustimmung des Bischofs. Und auch manchen Gläubigen fiel es schwer, uns zu folgen."

Schon ziemlich zu Beginn seiner Erinnerungen an die Zeit der nachkonziliaren Aufbruchsstimmung in Hochdahl betont Staßen "die zentrale Bedeutung, die Taufe und Eucharistie in unserem Kirchen- und Gemeindebild hatten", und führt aus: "Die Taufe ist der alles entscheidende Vorgang, in dem der Mensch in die Gemeinschaft der Jünger Jesu aufgenommen wird. Er empfängt neues Leben, eine ganz neue Existenzform. [...] Und nach der Taufe kann keiner mehr als 'Privatmann' leben, immer lebt er in der Gemeinschaft des Geistes Gottes. [...] Ein Getaufter gehört nicht mehr sich selbst und er gehört nie einem anderen Menschen bedingungslos. 'Wisst ihr nicht, dass ihr Gottes Tempel seid und der Geist Gottes in euch wohnt?' (vgl. 1 Kor 6,19)". Das klingt soweit eigentlich ganz gut und durchaus rechtgläubig, auch und erst recht, wenn er an anderer Stelle bekräftigt, "in der Taufe wurden wir alle durch den einen Geist in einen einzigen Leib, nämlich den Leib Christi, aufgenommen und mit dem einen Geist getränkt". Worauf er damit allerdings in letzter Konsequenz hinaus will, wird erahnbar, wenn er an wiederum anderer Stelle betont: "Da alle Getauften Kirche sind, ist die Gemeinde das Subjekt aller kirchlichen Lebensvollzüge und nicht das Objekt." Der springende Punkt ist hier, kurz gesagt, das gemeinsame Priestertum aller Gläubigen, das Staßen sehr gezielt gegen die kirchliche Hierarchie in Stellung zu bringen versucht. Zentral für seine Argumentation in dieser Frage ist das 13. Kapitel von "Mit dem Schwung des Konzils", das die Überschrift "Die Gaben des Geistes" trägt und als Auslegung der Kapitel 12-14 des 1. Korintherbriefs angelegt ist. Hier meint er, "dass man das Bild, das Paulus [...] entwickelt, nur verstehen kann, wenn man mit dem Geist Jesu rechnet und ihn ernst nimmt", und diese Aussage ist ja an sich gut und recht; ebenso, dass er hervorhebt: "Was in der Gemeinde [...] an Gaben sichtbar wird, [...] ist nicht menschliches Wollen und Konstruieren, sondern das Handeln des Geistes, des Herrn, Gottes." Wenn er aber erst erklärt "Die Gaben Gottes sind für jeden Menschen unverfügbar", wenig später jedoch sagt, "dass Gott selbst alle Gaben und Fähigkeiten zur Verfügung stellt, damit der Glaube wächst und die Gemeinde lebt" (Hervorhebungen von mir), dann merkt man schon rein sprachlich, dass da etwas nicht stimmt. 

Wohlgemerkt: Mit Staßens im selben Kapitel enthaltener Aussage "Und für uns wird die Nähe des Reiches Gottes erfahrbar, wenn wir die Gaben des Geistes in allen Mitgliedern der Gemeinde erkennen" kann ich, unbeschadet der arg pathetischen Formulierung, durchaus etwas anfangen – jedenfalls sofern man sie darauf bezieht, dass auch einfache Gemeindemitglieder ihre Berufung zur Jüngerschaft erkennen und annehmen sollen und dass man sie dazu motivieren und ermutigen sollte, aus dieser Berufung heraus in der Gemeinde Verantwortung zu übernehmen und Eigeninitiative zu entwickeln, anstatt alles den vermeintlichen "Profis" zu überlassen. Was das betrifft, bin ich voll und ganz an Bord. Ja, wenn es nur darum ginge! 

Dass es tatsächlich noch um ganz Anderes geht, wird exemplarisch deutlich in Staßens Schlusskapitel, in dem es heißt: "Wenn eine Gruppe von Glaubenden und Getauften versammelt ist, kann ich davon ausgehen, dass den Teilnehmern der Geist Jesu gegeben ist. Dann ist nicht nur einer der Wissende und alle anderen Lernende, sondern alle sind gleichzeitig Lernende und Lehrende." Hier wie auch an anderen Stellen bekennt sich Staßen ganz offen zu einer Form von – sagen wir mal – "Glaubenskommunikation", deren Ziel es nicht ist, den apostolischen Glauben der Kirche weiterzutradieren, sondern die davon ausgeht, dass eben jeder seine eigenen Glaubenserfahrungen hat und dass man auf dieser Basis voneinander lernen kann. Dieselbe Auffassung kann man in der Kritik des theologischen Establishments am Mission Manifest oder am Wiederaufleben traditioneller "Volksfrömmigkeit" im Zuge der Corona-Krise ebenso wiederfinden wie in Verlautbarungen aus dem Umfeld des Synodalen Wegs; das Spannende – und der entscheidende Grund, weshalb ich hier darauf eingehe – ist jedoch, dass diese Idee eines hierarchiefreien Glaubensdialogs hier explizit mit der Aussage begründet bzw. gerechtfertigt wird, bei einer "Gruppe von Glaubenden und Getauften" könne man "davon ausgehen [!], dass den Teilnehmern der Geist Jesu gegeben ist". Das sieht nach einem so unbedingten Glauben an die objektive Wirksamkeit der Sakramente aus, dass selbst hartgesottene, bei jeder Gelegenheit auf das Konzil von Trient pochende Traditionalisten vor Scham erröten müssten; aber ist das wirklich so? 

Auffällig ist zunächst, dass Staßen zwar viel von der Taufe als Voraussetzung dafür spricht, dass der Geist Gottes in einem Menschen wirkt, aber wenig von der Firmung. Dabei ist nach katholischer Lehre doch die Firmung das Sakrament, das "die Ausgießung des Heiligen Geistes in Fülle bewirkt, wie sie einst am Pfingsttag den Aposteln zuteil wurde" (KKK 1302). Wie wenig Staßen damit anzufangen weiß, wird in einem Kapitel über die Firmvorbereitung in der Hochdahler Pfarrei deutlich. Hier räumt er ein, dass die Entscheidung, das Mindestalter für die Firmung auf 17 Jahre heraufzusetzen, "nicht aus der Theologie der Sakramente" heraus begründet war, sondern "einem pastoralen Anliegen" geschuldet war: "Wir meinten, irgendwann sollte ein Mensch sich entscheiden können, wie er zu Glaube und Kirche steht. Und dafür könnte die Firmung eine Gelegenheit [!] sein." Über diese Umdeutung bzw. Umfunktionierung der Firmung ließe sich eine Menge sagen, was hier und jetzt allerdings den Rahmen sprengen würde; halten wir aber jedenfalls fest, dass Staßen argumentiert, würde man die Firmung zu einem früheren Zeitpunkt spenden, könnte man die Vorbereitung nicht "zur Auseinandersetzung mit dem Glauben nutzen. Und die Entscheidung zum Empfang des Sakraments ist genau so wenig abgeklärt wie bei Taufe und Erstkommunion". Und dann folgt der bemerkenswerte Satz: "Wer an dieser Stelle auf die 'geheimnisvolle Kraft des Sakramentes' setzt, ist sich hoffentlich darüber im Klaren, dass Jesus Christus nicht zaubert." – Ja was denn nun? Einerseits baut Staßen sein ganzes Pastoralkonzept auf dem Glauben an die objektive Wirksamkeit der Sakramente auf, und andererseits macht er sich über ebendiesen Glauben lustig?! – Einräumen muss man freilich, dass Staßen bei aller Flapsigkeit Recht damit hat, dass man die Wirkung von Sakramenten nicht mit Magie verwechseln sollte. In dieser Hinsicht hat mich seine zuletzt zitierte Äußerung sogar an etwas erinnert, was der hinsichtlich seiner Rechtgläubigkeit wohl eher unverdächtige Fr. James Mallon in seinem Buch "Divine Renovation – Wenn Gott sein Haus saniert" über die Firmung schreibt: "Das Sakrament der Firmung ist keine 'Gnaden-Kapsel' zum Einnehmen mit Langzeitwirkung, und wenn wir so tun, als ob es eine wäre, dann dient diese Pille dazu, die jungen Leute gegen die wahre Kraft des Glaubens an Jesus Christus immun zu machen" (S. 278). 

Bei Mallon ist diese Äußerung allerdings eingebettet in Reflexionen über das Verhältnis zwischen Gültigkeit und Fruchtbarkeit von Sakramenten, und diese sind von einer Klarheit, die man bei Staßen schmerzlich vermisst. 

"Unter einem gültigen Sakrament", so führt Mallon aus, "versteht die Kirche, dass durch das Sakrament das geschieht, was Christus versprochen hat. Ist eine Ehe gültig, werden zwei eins. Ist eine Messe gültig, werden Brot und Wein zu Fleisch und Blut Jesu. Ist eine Absolution gültig, ist der Sünder freigesprochen. Unter Fruchtbarkeit versteht die Kirche, dass die Spuren Gottes in uns offenbar werden, dass der Empfangende liebevoller, sanfter, freundlicher und geduldiger wird – kurz mehr wie Jesus wird" (S. 257f.). Mallon kritisiert eine "unverhältnismäßige Betonung der Gültigkeit der Sakramente – anstatt deren Fruchtbarkeit hervorzuheben" (S. 257); eine Tendenz, die aus der "Theologie der Gegenreformation und den darauf folgenden Lehrdefinitionen des späten 16. Jahrhunderts" stamme (S. 256f.). Worauf Mallon mit alledem hinaus will, ist, dass die Disposition des Empfängers – seine Bereitschaft, das Sakrament in dem Sinne zu empfangen, wie die Kirche es meint – zwar nicht für die Gültigkeit der Sakramentenspendung entscheidend ist, wohl aber dafür, dass sie Frucht bringt. "Ex opere operato war ursprünglich die Rechtfertigung einer pastoralen Praxis, in der beim Sakramentenspender ein schwerwiegender Mangel besteht, und die so die objektive Gültigkeit des Sakramentes garantierte. Heute wird allerdings dieses Konzept benutzt, um eine pastorale Praxis zu rechtfertigen, bei der beim Empfänger des Sakramentes ein schwerwiegender Mangel besteht" (S. 259). Irgendwann einmal müssen angesichts dieser Situation auch Staßen Bedenken gekommen sein, denn in einem Kapitel seiner Erinnerungen dokumentiert er den Stoßseufzer "Wir taufen uns eine Kirche von Ungläubigen zusammen" – und schließt daran allerlei Überlegungen zur Verbesserung der gängigen Taufpraxis an, die allerdings hinsichtlich der Frage, ob er denn nun eigentlich an die Wirksamkeit der Sakramente ex opere operato glaubt oder nicht, mehr Fragen aufwerfen als beantworten. 

Nun aber mal genug von Bernd Staßen, um den es hier schließlich gar nicht vorrangig gehen sollte! Bleiben wir hingegen mal noch bei der Firmung als dem Sakrament, das "die Ausgießung des Heiligen Geistes in Fülle bewirkt". Bereits vor Jahren habe ich mich im Zuge einer breit angelegten Auseinandersetzung mit dem "Neuen Geistlichen Lied" (NGL) über ein Lied gewundert, das "besonders gern für Firmgottesdienste verwendet" wird, nämlich "Wenn der Geist sich regt"  von Norbert Weidinger (Text) und the one and only Ludger Edelkötter (Musik). Ich merkte seinerzeit an: "Wenn man bedenkt, dass das Sakrament der Firmung laut Lumen Gentium 11 – auch zitiert im Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1285 – dazu dienen soll, die Getauften 'vollkommener der Kirche' zu verbinden und 'mit der besonderen Kraft des Heiligen Geistes' auszustatten – 'so sind sie noch strenger verpflichtet, den Glauben als wahre Zeugen Christi in Wort und Tat zugleich zu verbreiten und zu verteidigen' –, dann mutet es allerdings recht seltsam an, wie die Jugend in diesem Liedtext quasi zur innerkirchlichen Oppositionsbewegung stilisiert wird." Ich stellte fest, der Refrain des Liedes – 

"Füllt den neuen Wein nicht in die alten Schläuche!
Zwängt die junge Kirche nicht in alte Bräuche!"

– verleihe dem bekannten Jesuswort aus Matthäus 9,17 ("Auch füllt man nicht neuen Wein in alte Schläuche. Sonst reißen die Schläuche, der Wein läuft aus und die Schläuche sind unbrauchbar. Neuen Wein füllt man in neue Schläuche, dann bleibt beides erhalten") eine "betont aktivistische und anti-traditionalistische Wendung": Sicherlich könne man die genannte Bibelstelle – auch wenn es, was weniger bekannt zu sein scheint, an der parallelen Stelle bei Lukas heißt "Und niemand, der alten Wein trinkt, will jungen; denn er sagt: Der alte ist bekömmlich" (Lk 5,39) – dahingehend verstehen, dass Jesus

"das revolutionär Neue seiner Lehre betonen wollte, das sich nicht dem von den Pharisäern und Schriftgelehrten verfochtenen zeremoniellen Gesetz des alten Judentums unterwerfen lasse. Aus Norbert Weidingers Liedtext spricht nun aber eine Haltung, die das Revolutionäre am Christentum im quasi-trotzkistischen Sinne als permanente Revolution auffasst: Die historisch 'alt gewordene' Kirche rückt in dieser Sichtweise an die Stelle der alten Pharisäer und Schriftgelehrten, sodass ihre 'alte[n] Bräuche' abermals der Kraft des Neuen weichen müssen. Als treibende Kraft dieser permanenten Revolution wird, hier wie auch sonst, der Heilige Geist angesehen" –
und damit sind wir im Zentrum unseres Themas angekommen. In der zweiten Strophe des besagten Liedes heißt es sehr deutlich:
"Wenn der Geist sich regt
Und Feuer legt
Und verbrennen will
Was ihr noch pflegt" ...

Man kann sich lebhaft vorstellen, dass viele von den Leuten, die sich heute im Sinne des Synodalen Wegs engagieren, dieses erstmals 1978 auf Schallplatte veröffentlichte Lied auch bei ihrer Firmung gesungen haben und nun alles anzünden wollen. 


Dass der Heilige Geist so ein Lieblingstier vieler Möchtegern-Kirchenreformer und -Revolutionäre ist, die ihn geradezu als Rammbock gegen Hierarchie und Tradition einzusetzen und sich dabei auch noch als besonders fromm in Szene zu setzen suchen   verdankt er zweifellos vor allem dem Umstand, dass er laut Johannes 3,8 "weht, wo er will" und laut 1. Korinther 12,11 seine Gaben (Charismen) verteilt, "wie er will". Nicht von ungefähr hat sich allerdings im Jahre 2016 die damals noch von Kardinal Müller geleitete Glaubenskongregation veranlasst gesehen, in ihrem Schreiben Iuvenescit Ecclesia klarzustellen, dass hierarchische und charismatische Gaben nicht in Konkurrenz oder Rivalität zueinander stehen, sondern einander vielmehr ergänzen und bedingen. In dem Schreiben wird das "Zeugnis einer wirklichen Gemeinschaft mit der Kirche" geradezu als Kennzeichen und Kriterium für die Authentizität von Charismen hervorgehoben; dieses Zeugnis beinhalte eine "kindliche Abhängigkeit vom Papst, dem bleibenden und sichtbaren Prinzip der Einheit der Universalkirche, und vom Bischof, dem sichtbaren Prinzip und Fundament der Einheit in der Teilkirche", und nicht zuletzt auch die "aufrichtige Bereitschaft, ihr Lehramt und ihre pastoralen Richtlinien anzunehmen" (IE 18d). Iuvenescit Ecclesia unterstreicht entschieden die Rolle der von Christus eingesetzten kirchlichen Hierarchie als Garant der Einheit der Kirche und der Wahrheit ihrer Lehre. Daher hat die kirchliche Hierarchie auch das Recht und die Pflicht, "über die rechte Ausübung der anderen Charismen zu wachen, so dass alles dem Wohl der Kirche und der Sendung zur Evangelisierung dient" (IE 8). Wie ich in diesem Zusammenhang schon einmal schrieb: "Da die Leute nicht unbedingt selbst in der Lage sind, ihren eigenen Vogel zweifelsfrei vom Heiligen Geist zu unterscheiden, muss im Zweifel die kirchliche Hierarchie diese Unterscheidung treffen." 

Entschieden zurückgewiesen werden in diesem Schreiben der Glaubenskongregation eine "Gegenüberstellung einer institutionellen Kirche jüdisch-christlicher Prägung und einer charismatischen Kirche paulinischer Art, wie sie von gewissen verkürzenden ekklesiologischen Interpretationen behauptet wurde" (IE 7), oder gar "zweideutige theologische Sichtweisen [...], welche eine „Kirche des Geistes“ postulieren, die von der hierarchisch-institutionellen Kirche verschieden und getrennt wäre" (IE 11). –Dahinter steckt mehr, als man zunächst denken möchte; ich zitiere hier der Einfachheit halber nochmals mich selber, nämlich aus meiner schon angesprochenen Auseinandersetzung mit dem Lied "Wenn der Geist sich regt": 
"Im 12. Jh. entwickelte der Zisterziensermönch Joachim von Fiore die Lehre der Drei Reiche, die mit den drei Personen der göttlichen Dreifaltigkeit korrespondierten: Das alttestamentliche Judentum sei das Reich des Vaters gewesen, dieses sei abgelöst worden durch das Christentum als Reich des Sohnes, das seinerseits wieder abgelöst werden werde durch ein Drittes Reich [sic!] – das des Heiligen Geistes nämlich. Joachim sagte den Beginn des Letzteren für das Jahr 1260 voraus; das Nichteintreffen seiner Voraussage hat er nicht mehr erlebt, aber die Hoffnung auf das Anbrechen eines Zeitalters des Heiligen Geistes, verstanden als ein Zeitalter universeller Harmonie, ist dennoch  nicht ausgestorben – und hat sich in neuerer Zeit verbunden mit astrologisch-esoterischen Vorstellungen, die den Anbruch eines neuen spirituellen Zeitalters an den Durchzug des so genannten 'Frühlingspunkts' durch das Tierkreiszeichen des Wassermanns knüpft. Das passt auch deshalb so gut, weil die Ära des Christentums – Joachims Reich des Sohnes – auf diese Weise mit dem astrologischen Zeitalter der Fische zusammenfällt – der Fisch ist ja ein traditionelles Christussymbol." 
Nun will ich denjenigen, die sich im Zusammenhang mit dem Synodalen Weg auf den Heiligen Geist berufen, durchaus nicht unterstellen, dass sie sich bewusst und dezidiert zu derartigen esoterisch-okkult beeinflussten Lehren bekennen; aber dass solche Vorstellungen unterschwellig einen gewissen Einfluss ausüben, halte ich doch für mehr als wahrscheinlich. Erst recht gilt das, wenn in synodal bewegten Kreisen die grammatikalisch weibliche Bezeichnung "Geistkraft" für den Heiligen Geist verwendet wird. Ja, das Wort "ruach", die hebräische Bezeichnung für den Geist Gottes, ist ein weibliches Wort, und wo so viel vom Streben nach Geschlechtergerechtigkeit in der Kirche die Rede ist, wird das offenbar als willkommener Anlass genommen, eine Art Frauenquote innerhalb der göttlichen Dreifaltigkeit einzuführen. Wie ich schon im Zuge meiner erwähnten NGL-Studien anlässlich des Liedes "Mutter Geist" von Sibylle Fritsch-Oppermann (vertont von Peter Janssens) angemerkt habe, sieht das "auf den ersten Blick nach einer ganz modernen feministisch-esoterischen Häresie aus"; 
"aber wie schon Chesterton so treffend sagte: Neue Ideen sind in Wirklichkeit meist nur alte Irrtümer. Mit spekulativen Lehren der Art, dass der Heilige Geist, die dritte Person der Trinität, 'Mutter des Sohnes und Gefährtin des Vaters' sei, musste sich schon der Heilige Augustinus herumschlagen. Die Gnostiker identifizierten die als weiblich verstandene Personifikation der Weisheit Gottes, genannt Sophia, sowohl mit der Braut Christi als auch mit dem Heiligen Geist. Auch auf feministisch-neuheidnischen Websites kann man zu dieser Heiligen Geistin so Einiges finden." 

Gehen wir hier mal lieber nicht zu sehr ins Detail; wer in dieser Hinsicht unerschrocken genug ist, darf gern mit Hilfe der in den Text eingebetteten Links auf eigene Faust weiterrecherchieren. Was mich betrifft, muss ich sagen, je mehr ich mich mit diesem Thema befasse, desto mehr geht es mir mit der Ausgangsfrage "Glauben die das eigentlich wirklich?" so ähnlich wie mit dem Buchtitel "Glaubten die Griechen an ihre Mythen?": Erst einmal müsste man sich darüber verständigen, was man eigentlich unter "Glauben" versteht. Ich glaube tatsächlich, das ist der springende Punkt bei der ganzen Sache. Und der Befund lautet: Es ist kompliziert. – Wenn man das Buch "Das deutsche Konzil" von Manfred Plate, auf das ich in meinem Artikel zur Würzburger Synode ausgiebig Bezug genommen habe, einmal mit Blick darauf durchblättert, wie der Verfasser die Vokabel "charismatisch" verwendet, wird man feststellen, dass er damit in den meisten (aber nicht in allen!) Fällen etwas ganz anderes meint als die Charismatische Erneuerung in der katholischen Kirche, die es damals (1975) ja durchaus schon gab. Vielmehr scheint er "charismatisch" nahezu durchgehend als Gegenbegriff zu "hierarchisch" zu verwenden und damit genau die Auffassung an den Tag zu legen, der die Glaubenskongregation Jahrzehnte später in "Iuvenescit Ecclesia" so vehement widersprach. An einer Stelle – S. 245 – attestiert Plate der Würzburger Synode das "Bemühen, den Heiligen Geist zu reglementieren", und findet dies "peinlich"; hier wie auch sonst drängt sich der Eindruck auf, der Heilige Geist werde mit dem Zeitgeist oder dem Hegelschen Weltgeist identifiziert, oder nüchterner ausgedrückt, er spiele nur die Rolle einer Metapher für "Entwicklungen die nicht von der Hierarchie her vorgegeben sind, sondern (vermeintlich) 'von selbst' entstehen". Umso frappierender wirkt es, dass Plate auf S. 145 schreibt: "Die jüngste Anerkennung der katholischen 'charismatischen Bewegung', die Pfingsten 1975 sogar im Petersdom in Rom einen Gottesdienst halten konnte, zeigt, wie stark sich die nachkonziliare Kirche ihrer charismatischen Struktur bewusst geworden ist." Kann es sein, dass er ganz ernsthaft nicht versteht, dass es  zwischen Leuten, die buchstäblich an das Wirken des Heiligen Geistes glauben, und solchen, für die das nur eine bildhafte Umschreibung für eine "Modernisierung der Kirche von der Basis her" ist, einen Unterschied gibt? 

Ganz ehrlich: Vorstellen könnte ich's mir, dass er das tatsächlich nicht versteht. Die meisten Anhänger des Synodalen Wegs oder sonstige "progressive Christen", die mir bisher – persönlich oder in Form von Äußerungen in den Medien – begegnet sind, machen auf mich den Eindruck, sie würden die Frage, ob sie an Gott und an Jesus Christus glauben, vehement bejahen oder sogar beleidigt reagieren, dass man ihren Glauben in Frage stellt; aber was sie damit meinen, ist eher eine abstrakte Idee, so wie man auch sagt, man glaube an die Liebe, an die Demokratie, an das Gute im Menschen, an die Wissenschaft, an die Zukunft. Dass Glauben an Gott hingegen bedeuten könnte, Gott als objektive Realität zu betrachten, die unabhängig davon existiert, wie sie sich Ihn vorstellen, das haben sie überhaupt nicht auf dem Schirm; das ist ihnen so fremd und unverständlich, dass sie es auch ihren "konservativen" Gegnern nicht abkaufen. Deshalb sind sie auch ständig so sauer auf die sogenannten Konservativen: Sie nehmen es ihnen übel, wie sie sich Gott vorstellen. Das ist, wenn man die Frage nach der objektiven Realität Gottes außen vor lässt, nur konsequent: Denn dann könnten sich die Konservativen ja, wenn sie nur nicht so verbohrt und intolerant wären, Gott auch anders vorstellen, z.B. eben so wie die Progressiven, und alles wäre schön. 

Ich denke daher, es würde zu kurz greifen, den Propagandisten des Synodalen Wegs vorzuwerfen, sie bedienten sich lediglich einer frommen Sprache, um zu verschleiern, dass sie in Wirklichkeit gar nicht an Gott und das Wirken des Heiligen Geistes glauben. Ich glaube vielmehr, sie – oder sagen wir vorsichtiger: einige, manche, viele von ihnen – sind tatsächlich der Meinung, dass die Art von Überzeugung, die sie haben und vertreten, Glaube an Gott sei. 

Und genau da irren sich. 


Donnerstag, 18. Mai 2023

Ansichten aus Wolkenkuckucksheim #30

Ein gesegnetes Hochfest Christi Himmelfahrt, Leser! Im aktuellen Wochenbriefing gibt es wieder allerlei Spannendes zu berichten; daher will ich mich gar nicht lange mit der Vorrede aufhalten. Wie es sich fügt, lassen sich die herausragenden Ereignisse der zurückliegenden Woche recht stimmig den Hauptrubriken des Wochenbriefings zuordnen, und das sogar ziemlich weitgehend in chronologischer Reihenfolge. Na dann mal los! 

Himmelfahrt Christi, Fresko von Gebhard Fugel in der Pfarrkirche St. Johannes Baptist, Obereschach, Stadt Ravensburg (1893/94), nachbearbeitet 


Spandau oder Portugal 

Zunächst einmal freue ich mich zu Protokoll geben zu können, dass das Engagement meiner Familie in der Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland erhebliche Fortschritte macht. Hat ja eine Weile gedauert und mehrere Anläufe gebraucht, aber jetzt tut sich allmählich was. Es begann am Freitag mit unserer Maiandacht in St. Stephanus; die Vorbereitung ging mir einigermaßen leicht von der Hand, schließlich hatten wir – wie schon mal erwähnt – schon in unserer Zeit in der Tegeler Pfarrei vier Maiandachten gestaltet, dazu Kreuzweg- und Rosenkranzandachten, mehrere Novenen, einmal im Monat die Vesper und (fast) jede Woche eine halbe Stunde "Lobpreis mit dem Stundenbuch". Etwas aufgeregt war ich angesichts der Aussicht, erstmals in dieser Gemeinde eine selbst gestaltete Andacht zu leiten, aber doch. – Wesentliche Bausteine für die Maiandacht entnahm ich dem Buch "Gib mir deinen Glauben – Gespräche mit Maria von Nazareth" von Carlo Carretto; dazu kamen eine biblische Lesung, ein Gesätz des Rosenkranzes, freie Fürbitten, das Schlussgebet aus der Vesper zum Tag und zum Abschluss die Regina caeli. Und natürlich Lobpreismusik. 

Außer uns erschienen zur Maiandacht der leitende Pfarrer der Großpfarrei Heilige Familie, der auch die anschließende Abendmesse zelebrierte, der Lektor der Abendmesse, der auch den Küsterdienst versah, der Gemeindereferent und eine Handvoll weitere Gemeindemitglieder, überwiegend Frauen; diejenigen griesgrämigen alten Damen, die uns immer böse angucken, wenn unsere Kinder in der Messe nicht mucksmäuschenstill sind, waren jedoch, anders als befürchtet, nicht darunter – dabei konnten die eigentlich gar nicht wissen, wer die Maiandacht gestaltete, vermeldet worden war es jedenfalls nicht. 

Übrigens war es der Gedenktag der Hll. Nereus und Achilleus sowie des Hl. Pankratius, und der Pfarrer, der auch Kustos der Reliquien im Erzbistum Berlin ist, hatte eine Reliquie des Hl. Pankratius zur Messe mitgebracht und spendete mit ihr den Entlassungssegen. Das bewegte mich deshalb besonders, weil der Hl. Pankratius in der Kirche meines Heimatdorfes – der Kirche, in der ich sozusagen "religiös aufgewachsen" bin – auf einem Buntglasfenster dargestellt ist, zur Erinnerung daran, dass er der Patron der in den 1870er Jahren abgerissenen mittelalterlichen Dorfkirche war. (Ein leider nur mäßig gelungenes Foto dieses Buntglasfensters ist in diesem älteren Blogartikel zu finden.) 

Tags darauf war Samstag und zudem der Gedenktag Unserer Lieben Frau in Fatima, und die erste Schnupperstunde der Wichtelgruppe stand an. Vorher hatte unser Tochterkind aber noch ihren zweiten Inline-Skating-Kurs, und zwar in der Eissporthalle im Olympiapark. Ich muss sagen, ich war recht beeindruckt von den Lernfortschritten, die das Kind in so kurzer Zeit machte – auch wenn das thematisch eigentlich nicht in diese Rubrik gehört. Am frühen Nachmittag trafen wir uns dann bei schönstem Wetter mit der Co-Leiterin der Wichtelgruppe und ihrer Tochter, die ungefähr so alt ist wie unsere, im Garten von St. Stephanus zu letzten Vorbereitungen. Bis kurz vor der festgesetzten Anfangszeit der Schnupperstunde sah es so aus, als würde außer uns keiner mehr kommen, aber gerade als wir uns schon mit dem Gedanken anfreunden wollten, diesen ersten Termin als internes Kennenlerntreffen unserer Familien zu nutzen, tauchten doch noch drei weitere Kinder auf. Und von da an lief es dann richtig gut. Auch in Hinblick auf mein Vertrauen in meine eigene Leitungskompetenz. Um die inhaltliche Gestaltung der ersten Gruppenstunde hatte meine Co-Leiterin sich nahezu allein gekümmert, was mir einerseits durchaus recht gewesen war, andererseits aber doch dazu geführt hatte, dass ich mir ein bisschen nutzlos vorkam. Aber als dann der Moment da war, wo es hieß "So, jetzt sind die Kinder da, jetzt müssen wir loslegen und was machen", nahm ich spontan und intuitiv doch die Zügel in die Hand. War ein gutes Gefühl. 


Im Mittelteil der Gruppenstunde ergab sich übrigens die klassische Situation, dass die Mädchen malen und die Jungs Fußball spielen wollten. Eigentlich hätten wir auch noch Muttertagsgeschenke basteln sollen... 

Jedenfalls war das, wie ich finde, ein gelungener Einstand für die Wichtelgruppe, und ich freue mich aufs nächste Mal – am 3. Juni um 15 Uhr, wieder im Garten von St. Stephanus in Berlin-Haselhorst. Wenn Ihr Kinder im Alter von 4-7 Jahren habt und der Weg nicht zu weit für Euch ist, kommt vorbei! 


Neues aus Synodalien 

Am Sonntag wurde erst einmal der Inline-Skating-Kurs des Tochterkindes fortgesetzt, und danach stand ich vor der Entscheidung,  zu der schon mehrfach angekündigten "Synodale Gemeinde"-Veranstaltung nach Kreuzberg zu fahren oder eben nicht. Interessiert hätte es mich ja durchaus, aber andererseits stellte ich auch fest, dass ich nach einer Woche, in der ich kaum Gelegenheit zum Ausruhen gehabt hatte, sehr erschöpft war, und obendrein musste zu Hause die Wäsche aufgehängt werden. Als ich dann via Facebook erfuhr, dass Bloggerkollegin Claudia vorhatte, zu der Veranstaltung zu gehen und darüber zu berichten, sagte ich mir: Okay, dann muss ich ja nicht. Arbeitsteilung. 

Claudias Bericht erschien am nächsten Tag und überzeugte mich endgültig, dass es die richtige Entscheidung gewesen war, da nicht hinzugehen und mich stattdessen zu Hause um die Wäsche zu kümmern. Offenkundig handelte es sich noch eindeutiger und entschiedener, als es ein paar Wochen zuvor in Falkensee der Fall gewesen war, um eine Veranstaltung für Gleichgesinnte, bei der Personen, die den Synodalen Weg prinzipiell kritisch sehen – und zwar nicht deshalb, weil ihnen die Beschlüsse der Synodalversammlungen nicht weit genug gehen –, gar nicht vorgesehen, geschweige denn erwünscht waren. Die von Claudia aus gutem Grund schon in der Überschrift ihres Berichts zitierte Äußerung der Diözesanratsvorsitzenden Karlies Abmeier, man müsse "ganz hartnäckig bleiben" und dürfe sich "nicht von Argumenten abschrecken lassen, die von anderen Seiten hervorgebracht werden", sagt da im Grunde schon alles; ebenso auch die Tatsache, dass es beim einleitenden "Berichtsteil" der Veranstaltung explizit "keinen Raum für Diskussion und Fragen" geben sollte. (Dass beim abschließenden, der "Vernetzung und Begegnung" gewidmeten Teil der Veranstaltung erst recht vorrangig an Vernetzung und Begegnung unter Gleichgesinnten gedacht war, liegt wohl in der Natur der Sache und finde ich auch grundsätzlich legitim.) Natürlich könnte man sagen, es sei gerade wichtig, bei solchen Veranstaltungen Präsenz zu zeigen, um den Kryptoschismatikern zu demonstrieren, dass sie eben nicht "unter sich" sind. Denjenigen, die das so sehen und praktizieren, sende ich hiermit solidarische Grüße; aber ich habe zunehmend Zweifel, ob das etwas bringt. Es ist ja nicht so, als wüssten die Anhänger des Schismatischen Wegs nicht, dass es Andersdenkende gibt. In gewissem Sinne ist es sogar wesentlich für ihr Selbstverständnis, dass sie Gegner haben. Dass sie oft so ausgesprochen weinerlich auf Widerspruch reagieren, heißt ja nicht, dass sie sich durch diesen Widerspruch nicht gleichzeitig auf gewisse Weise auch bestätigt fühlten. 

Zu Claudias Bericht möchte ich noch anmerken, dass ich ihn bemerkenswert moderat und sachlich finde, sehr zurückhaltend mit Wertungen oder gar mit Polemik, und für mein Empfinden fast schon zu wohlwollend den Veranstaltern gegenüber. Wie die Leserkommentare auf ihrem Blog zeigen (vgl. auch diesen Artikel), ändert jedoch auch größtmögliche Konzilianz nichts daran, dass manche Leute jedwede kritische Berichterstattung über diese Art von Veranstaltung schlichtweg als Unverschämtheit empfinden. Das versorgt mich mal wieder mit Stoff für einen angedachten Artikel zum Thema "Bloggen als unehrenhafte Form des Journalismus"... 

Bei einem "digitalen Gesprächsabend" unter dem Motto "Quo vadis Synodaler Weg?", zu dem der Diözesanrat des Bistums Würzburg eingeladen hatte, ging es dem Vernehmen nach ähnlich zu. 

Im Bistum Aachen wurde derweil der "IDAHOBIT" – der "Internationalen Tag gegen Homo-, Bi-, Inter- und Transphobie" – gefeiert. Wird der demnächst auch als Eigenfest in den liturgischen Kalender aufgenommen? Ich frag ja nur. Auf der Facebook-Seite der Diözese wurden Nutzer jedenfalls aufgefordert, "mit einem 'Like-Herzchen' ein klares Zeichen gegen Hass" zu setzen und "die Liebe in all ihren Farben" zu feiern. Die Resonanz fiel, soweit ich gesehen habe, eher mager aus. 


Währenddessen in Tegel 

Hier mal nur eine kleine Anekdote: Angesichts gewisser terminlicher Komplikationen am Wochenende, die u.a. mit dem bereits erwähnten Inline-Skating-Kurs des Tochterkindes, der Notwendigkeit des Wäschewaschens und des Badens der Kinder zu tun hatte, erwog ich zwischenzeitlich, meine Sonntagspflicht dadurch zu erfüllen, dass ich in die Sonntagabendmesse in Herz Jesu Tegel ging. Ein Blick in den Zelebrationsplan offenbarte allerdings ein Worst-Case-Szenario: Es war "Jugendmesse", zelebriert vom leitenden Pfarrer persönlich. "Da gehst du nicht hin", sagte meine Liebste streng. "Der bringt es fertig und baut in seine Predigt eine Bemerkung ein wie 'Ach, unser bekannter Blogger traut sich auch mal wieder hierher." – "Na jaaa", erwiderte ich und wollte gerade anfangen, an dieser Vorstellung Gefallen zu finden, da erklärte meine Liebste kategorisch: "Ich verbiete dir, da hinzugehen!" 

Wohl dem, der so eine Ehefrau hat, ich sag's Dir ohne Quatsch, Leser. (Ich ging dann stattdessen in die "Ersatzkathedrale" St. Joseph Wedding.) 

P.S.: Gestern um die Mittagszeit spazierte ich an St. Joseph Tegel vorbei und traf dort den Hausmeister der Gemeinde, der gerade im Garten arbeitete. Er hatte seinerzeit sehr engagiert in der kurzlebigen "AG Neuevangelisierung" des Pastoralausschusses mitgearbeitet, und nun unterhielten wir uns ausgesprochen angeregt – nicht so sehr über konkrete Vorgänge in der Pfarrei oder gar über einzelne Personen, sondern eher über Themen wie Bibelteilen, Andachten mit Kindern bzw. für Kinder, Hauskreise, Erfahrungen mit dem Rosenkranzgebet und die Frage, was Neuevangelisierung und Missbrauchsprävention miteinander zu tun haben. Ich glaube, hauptsächlich redete er, und ich hörte zu; und ich kann sagen, ich habe so allerlei aus diesem Gespräch "mitgenommen". Gerne mal wieder...! 


Was ich gerade lese 
  • zu Studienzwecken: 
Es mag komisch klingen, aber in meiner Lektüre des offiziellen Dokumentationsbands zum Katholikentag 1968 in Essen bin ich erst jetzt zu den Ansprachen bei der Eröffnungsfeier vorgedrungen. Die beginnen nämlich erst auf S. 148 des Bandes. Weitgehend einig sind sich die verschiedenen Redner darüber, welche aktuellen Themen den Katholikentag in erster Linie prägen, um nicht zu sagen überschatten: die Enzyklika Humanae vitae und der Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die Tschechoslowakei. Vietnam, Biafra und die Studentenrevolte spielen auch eine Rolle, scheinen aber vergleichsweise nachrangig. – Präsident des Katholikentags war übrigens der damalige rheinland-pfälzische Kultusminister Bernhard Vogel, später (1976-88) Ministerpräsident von Rheinland-Pfalz und noch später (1992-2003) von Thüringen. Seine Ansprache ist durchaus interessant, wird aber – überraschenderweise, wie ich finde – deutlich in den Schatten gestellt vom Grußwort des damaligen nordrhein-westfälischen Ministerpräsidenten Heinz Kühn (SPD). Ich möchte sogar sagen, Kühns Ansprache ist gehaltvoller, als man es von einem Pflicht-Grußwort eines politischen Amtsträgers bei einer solchen Veranstaltung eigentlich erwarten sollte. Damit will ich wohlgemerkt nicht sagen, dass ich mit Kühns oder Vogels Ausführungen inhaltlich einverstanden wäre: Beide gehen von der Vorstellung einer Art "Sozialpartnerschaft" zwischen den institutionellen Kirchen und der säkularen Gesellschaft aus, die so prägend für die "Bonner Republik" war und an der nicht wenige Kirchenvertreter bis heute festhalten. Immerhin kann man aber beiden Rednern – und, wie gesagt, Kühn noch mehr als Vogel – attestieren, dass ihre Ausführungen deutlich mehr Substanz haben, mehr Sachkenntnis und Reflexionsvermögen verraten als das meiste, was heutige Politiker zu kirchlichen Belangen äußern, und das schließt zahlreiche deutsche Bischöfe mit ein. – Noch nicht gelesen habe ich den Hauptvortrag der Eröffnungsveranstaltung des '68er Katholikentags, gehalten von Klaus Hemmerle, damals Geistlicher Direktor des "ZdK", später Bischof von Aachen. Darauf komme ich dann wohl nächste Woche zurück. 

Ein Zufallsfund aus der Kinder- und Jugendbuchabteilung unserer örtlichen Stadtteilbibliothek. Ich bin mir nicht sicher, welches meiner Kinder es angeschleppt hat oder ob ich es am Ende selber war. Dass wir es in der zurückliegenden Woche als Gute-Nacht-Lektüre gelesen haben, war jedenfalls die Entscheidung des Tochterkindes, und ich finde, das passte thematisch ausgezeichnet zum Start der Wichtelgruppe: In dem Buch veranstaltet nämlich ein Lehrer in den Sommerferien ein "Naturcamp" im Wald, an dem sieben Zweitklässler (drei Mädchen, vier Jungen) teilnehmen. "Jeder Mensch, egal aus welcher Schulklasse, sollte wenigstens einmal im Leben mit dem Wald, dem Fluss, dem See, der Wiese und dem Moor Bekanntschaft machen", verkündet der Lehrer. "Ohne Wald, Fluss, See, Wiese und Moor gäbe es nämlich kein Leben, und weil das so ist, müssen wir sie beschützen und bewahren. Mutter Natur ist verständnisvoll und freigebig, aber auch anspruchsvoll und streng. Wir müssen sie respektieren und ihre Ratschläge beherzigen, aber wir werden dafür auch belohnt. Wir wollen in dieser Woche lernen, in der Natur und mit der Natur zu leben. Wir werden ein Camp aufbauen und ein Lagerfeuer machen, wir werden Pflanzen und Tiere bestimmen, Fische fangen und Beeren und Pilze sammeln, all solche Sachen, aber vor allem werden wir üben, uns ohne Karte in der Wildnis zurechtzufinden. Dabei werden wir viel über die Natur lernen, aber mindestens genauso viel über uns selbst. Wir sind ein Teil der Natur, aber genauso ist sie ein Teil von uns" (S. 22f.). An einer Stelle heißt es sogar von einem Kind, das sich einen falschen Bart aus Flechten vors Gesicht gebunden hat, sein Aussehen erinnere "an einen Wichtel [!] in den Sommerferien" (S. 50). – Bewegung kommt in die Handlung, als die Kinder erfahren, dass mitten im Wald eine Ferienhaussiedlung mit Schwimmbad errichtet werden soll, und gemeinsam mit ihrem Lehrer versuchen, diese Pläne zu sabotieren – u.a., um den Lebensraum einer Otterfamilie zu erhalten. 

Was diese Inhaltsangabe und auch die zitierten Passagen nicht zu erkennen geben, ist, dass das Buch sich durch einen überkandidelt satirischen, zuweilen ins Surreale lappenden Erzählstil auszeichnet, den ich irgendwo zwischen "Lemony Snicket – Eine Reihe betrüblicher Ereignisse" und den Kommissar-Schneider-Romanen von Helge Schneider einordnen würde; in dieser Hinsicht unterscheidet sich "Ella" doch erheblich von den Kinderbüchern, die ich meiner Tochter sonst vorlese. Auf die Dauer würde mir dieser Stil möglicherweise auf die Nerven gehen, aber "für mal" habe ich durchaus Spaß daran, und das Tochterkind auch. – Als charakteristisch für die Gratwanderung, die überdrehte Komik der Erzählung selbst dann noch aufrecht zu erhalten, wenn es eine eigentlich durchaus ernst gemeinte Message 'rüberzubringen gilt, sei eine Passage von kurz vor Schluss erwähnt, in der der Lehrer eine höchst pathetische Rede über das Verhältnis zwischen Mensch und Natur hält: Diese Ansprache lehnt sich eng an die berühmte "Rede des Häuptlings Seattle" an (genauer gesagt allerdings an die fiktionale Version dieser Rede, die seit den 1970er Jahren in der Umwelt- und Alternativbewegung populär geworden ist, jedoch mit der zuerst – nämlich 1887 – publizierten Fassung dieser 1854 gehaltenen Rede nur marginale Ähnlichkeit hat); – und dabei sieht der Lehrer "mit dem Schlafsack, den er noch um die Schultern gewickelt hatte, [...] ein bisschen wie ein Indianerhäuptling aus" (S. 146). 

Zusammenfassend gesagt, mir hat das Buch gut gefallen und meiner Tochter auch, aber wenn mir jemand sagt, er finde es total doof, habe ich auch dafür Verständnis. Als nächstes lesen wir "Pembo – Halb und halb macht doppelt glücklich" von Ayşe Bosse. 


Aus dem Stundenbuch 
Heute ist unser Herr Jesus Christus in den Himmel aufgestiegen. Mit ihm steige auch unser Herz empor. Er ist aufgestiegen, aber nicht von uns gegangen. So sind auch wir mit ihm schon dort, wenn unser Leib auch noch nicht erfahren hat, was uns verheißen ist. Er ist schon über die Himmel erhoben. Dennoch leidet er noch auf Erden alle Mühen und Plagen, die wir, seine Glieder, empfinden. Warum mühen nicht auch wir uns so auf der Erde, daß wir durch Glauben, Hoffnung und Liebe, die uns mit ihm verbinden, schon jetzt mit ihm im Himmelreich ausruhen? Obwohl er dort ist, ist er bei uns, und obwohl wir noch hier sind, sind wir auch bei ihm. Das gilt bei ihm für seine Gottheit, seine Macht und seine Liebe. Wir vermögen es nicht wie er durch die Gottheit, aber wir vermögen es mit der Liebe, mit der Liebe zu ihm. Er verließ den Himmel nicht, als er von dort zu uns herabstieg. Auch ist er von uns nicht fortgegangen, als er wieder zum Himmel zurückkehrte.  
(Augustinus, Predigt zu Christi Himmelfahrt) 

Ohrwurm der Woche 

Skillet: Locked in a Cage 


Der eine oder andere wird's wohl mitbekommen haben: Die Gruppe Skillet ist vor zwei Wochen im Wiesbadener Schlachthof aufgetreten (wie Max Goldt mal irgendwo schrieb – ich zitiere aus dem Gedächtnis –: "Lokalitäten, in denen ich auftrete, heißen erstaunlich oft Schlachthof. Wenn man meinen Tourneeplan liest, könnte man denken, da ist ein Metzger unterwegs"), wofür das seinem Selbstverständnis nach in der linksalternativen Szene verwurzelte Kulturzentrum heftige Kritik einstecken musste, weil es "christlichen Fundamentalisten" eine Bühne geboten habe. Nachdem ich bei den Kollegen von idea von diesem Vorfall erfahren hatte, schlug ich der Redaktion der Tagespost vor, etwas dazu zu schreiben; vorerst ist nur eine kurze Meldung daraus geworden, aber da soll demnächst noch mehr nachkommen. So wie das menschliche Gehirn nun mal funktioniert, hat der Fall vermutlich hauptsächlich deshalb meine Aufmerksamkeit erregt, weil ich die Gruppe kenne – im Sinne von "schon mal was von ihr gehört habe". Nämlich eben den obigen Song; der war auf einer Compilation-CD drauf, die ich im Sommer 1999 im Zuge einer Evangelisierungs-Aktion auf dem Campus der Humboldt-Uni geschenkt bekommen habe und die ich schon in einem früheren Blogartikel mal gewürdigt habe. "Locked in a Cage" stammt vom 1998 erschienenen dritten Skillet-Album "Hey You, I Love Your Soul"; seither hat die Gruppe mehrere Umbesetzungen erlebt und sich nach Meinung von Kritikern auch "stilistisch weiterentwickelt", was immer das konkret heißen mag. Der Song ist also nicht unbedingt repräsentativ dafür, was die Gruppe heute so macht, aber ich finde, er hat was. 


Blogvorschau 

Hier gibt's nicht sonderlich viel Neues zu berichten: Die Arbeit an dem Artikel "Der Geist und die Synodalen" geht zäher voran als gehofft, aber ich bin dran und hoffe übers verlängerte Wochenende entscheidende Fortschritte zu machen. Mit ein bisschen Glück wird sich dasselbe auch über meine Liebste und ihren versprochenen Blogartikel zum Thema "Mit Kindern im Gottesdienst" sagen lassen, jedenfalls bei einer einigermaßen ausgewogenen Arbeitsteilung nach dem Prinzip "der eine bloggt, während sich der andere um die Kinder kümmert". 

Im Übrigen bin ich optimistisch, dass ich, wenn "Der Geist und die Synodalen" erst einmal geschafft ist, die Frequenz der Blogartikel-Neuerscheinungen wieder werde erhöhen können; dann ist es auch wieder Zeit für eine Umfrage zu den nächsten Themen, auch wenn die nächsten drei Artikel bereits feststehen, nämlich "Der seltsame Fall der eingekerkerten Nonne, Teil 17", ein noch zu benennender Artikel zum Thema "Kochen für die Familie" und das "Dossier Erstkommunion". – Damit das Prinzip "Take the Customer into the Organisation" jedoch nicht zu lange brach liegt, habe ich auf Facebook und Twitter erst mal eine Umfrage dazu erstellt, welche von zwei seit längerer Zeit brachliegenden Artikelreihen ich als nächstes wieder aufgreifen soll: "God Gave Rock'n'Roll to You" oder die "100-Bücher-Challenge". Schauen wir mal... 


Donnerstag, 11. Mai 2023

Ansichten aus Wolkenkuckucksheim #29

Es ist mal wieder Wochenbriefing-Zeit; und diesmal habe ich es angesichts anderer Verpflichtungen nur denkbar knapp geschafft, meine selbstgesetzte Deadline einzuhalten. Aber es hat sich gelohnt! Ganz so spektakulär wie letzte Woche ist das, was ich zu berichten habe, vielleicht nicht, aber ein bunter Strauß an Neuigkeiten zu verschiedenen Themen ist es auch diesmal wieder geworden. 

Symbolbild für die in Arbeit befindliche Maiandacht. 

Spandau oder Portugal 

Eins vorweg: Ich mache mich durchaus darauf gefasst, dass der eine oder andere Leser bemängeln wird, dass es in dieser Rubrik schon zum wiederholten Male überhaupt nicht um Portugal geht. Sollte man die Rubrik lieber umbenennen? Ich finde nicht. Es hat ja Gründe, dass sie so heißt, und die kann man bei Bedarf hier nachlesen. 

Und was gibt's nun aus Spandau Neues? – Am Sonntag war in St. Joseph Siemensstadt Erstkommunion, und nach einiger familieninterner Diskussion hatten wir beschlossen, den Erstkommuniongottesdienst nicht, wie wir es in früheren Jahren getan haben würden, zu meiden, sondern extra hinzugehen – zum einen, weil wir dachten, es könnte für das Tochterkind interessant sein, und zum anderen, weil wir aufgrund unserer bisherigen Erfahrungen mit der Siemensstädter Gemeinde fanden, hier seien die Voraussetzungen günstig, einmal zu erleben, dass die konventionelle "post-volkskirchliche" Form der Erstkommunionspendung nicht zwangsläufig zum Davonlaufen sein muss. 

Allerdings meinte das Schicksal es nicht gut mit unserem Vorhaben. Ich habe schon einmal angedeutet, dass die Busverbindung von Tegel nach Siemensstadt ihre Tücken hat: Oft verpasst man beim Umsteigen den Anschluss. Unser Vorhaben, "zur Sicherheit einen Bus früher als nötig" zu nehmen, scheiterte daran, dass die Kinder beim Anziehen nicht in die Pötte kamen und wir fünf Minuten zu spät an der Bushaltestelle waren; beim Umsteigen fuhr uns der Anschlussbus punktgenau vor der Neese weg, und der nächste Bus, mit dem wir ein bisschen, aber nicht viel zu spät gekommen wären, war so überfüllt, dass wir mit dem Kinderwagen nicht hinein kamen. Nun gut: Immerhin erreichten wir die Kirche noch rechtzeitig zum Beginn der Gabenbereitung. Etwaige speziell auf die Erstkommunion abgestimmte Gestaltungselemente im Wortgottesdienstteil bekamen wir somit schon mal nicht mit, sodass die empirische Basis zur Beantwortung der Frage, ob Erstkommunion in St. Joseph Siemensstadt signifikant anders abläuft als in anderen Gemeinden, etwas dünn ausfällt. Nicht anders als woanders war jedenfalls der Umstand, dass fast alle Sitzbänke in der nicht gerade kleinen Kirche für die Familien der Erstkommunionkinder reserviert waren. Ich nehme an, die Familien wollen und erwarten das so; aber ich finde es problematisch. Dass eine Erstkommunion unter anderem auch ein Familienfest ist, ist ja schon recht, aber eben nicht nur das –; ja eigentlich sogar nicht einmal in erster Linie. Unter anderem sollte sie auch ein Fest für die Gemeinde sein, und wenn die kaum eine Möglichkeit zum Mitfeiern hat, dann läuft etwas schief. Und das betrifft nicht allein die Anzahl der verfügbaren Plätze in der Kirche. Das Platzproblem hat man in diesem Ausmaß ja nur, weil es zwischen den Familienangehörigen der Erstkommunionkinder und der "normalen" Gottesdienstgemeinde keine besonders große Schnittmenge gibt, und dieser Umstand verweist auf ein tiefer liegendes Problem. 

Was ich übrigens auch nicht verstehe – ganz grundsätzlich nicht –, ist, wieso man meint, wenn man die Kirche mal voll hat mit Leuten, die normalerweise nicht kommen (ob das nun bei einer Erstkommunion oder einer Firmung ist oder an Weihnachten), dann müsste man die Messe diesen Leuten zuliebe besonders "niederschwellig" gestalten. Wobei "niederschwellig" dann in der Regel heißt, dass man schaurige NGL-Schlager spielt und beim Vaterunser den Embolismus weglässt. Glaubt irgendjemand ernsthaft, das würde den Leuten so gut gefallen, dass sie deshalb wiederkommen? – Leute, die selten bis "fast nie" einen Gottesdienst besuchen, bringen in der Regel einen großen Vorteil mit, nämlich den, dass sie keine allzu klaren und festen Erwartungen haben – also auch keine falschen. Das könnte eine Chance für die Evangelisierung sein; stattdessen erfüllt man partout genau die falschen Erwartungen, die die Leute wie gesagt mit hoher Wahrscheinlichkeit gar nicht haben. Man könnte denken, es gäbe irgendwo ein geheimes, aber streng verpflichtendes Messformular für "Feiern mit Kirchenfernen", so sehr gleichen sich diese "niederschwelligen" Gestaltungselemente immer und überall – bis hin zur Verwendung von "Da berühren sich Himmel und Erde" als Agnus-Dei-Lied, was für mein Empfinden schon hart an Blasphemie grenzt. 

Jetzt habe ich mich etwas in Rage geredet und muss nun wohl sicherheitshalber betonen, dass es mir nicht darum geht, die Gemeinde von St. Joseph Siemensstadt bzw. die dortigen Verantwortlichen zu kritisieren. Wäre ja auch widersinnig, eine einzelne Gemeinde für etwas zu kritisieren, was praktisch überall genauso ist; aber Leser, die etwas in den falschen Hals kriegen, gibt es wohl ebenfalls überall. Festhalten kann man jedenfalls, dass das Wenige, was ich von diesem Erstkommuniongottesdienst in St. Joseph mitbekommen habe, nicht genügt hat, meine grundsätzliche Einstellung zum Thema Erstkommunion in die eine oder andere Richtung zu verändern; und diese lautet schon seit einigen Jahren: Das (ich wie ich es oben genannt habe) "post-volkskirchliche" Erstkommunions-Prozedere ist irreparabel kaputt und sollte abgeschafft werden. 

Das Problem an dieser Aussage ist natürlich, dass sie wohl so ziemlich jeden, der sie überhaupt für diskutabel hält, zu der Frage veranlassen dürfte: "Ja, aber was soll man denn sonst machen?" Und darauf habe ich keine fertige Antwort parat. Allerdings habe ich im Laufe der Jahre immer mal wieder etwas zu diesem Thema geschrieben; vielleicht wäre es mal an der Zeit, diese diversen Fragmente zusammenzutragen und zu systematisieren. Mehr dazu unten in der Rubrik "Blogvorschau"! 

Im Übrigen haben wir morgen unsere Maiandacht in Haselhorst und übermorgen die erste Schnupperstunde für die Wichtelgruppe. Das sieht nach reichlich Stoff fürs nächste Wochenbriefing aus (und wieder nichts aus Portugal...) 


Währenddessen in Tegel 

Im Schaukasten der Tegeler Herz-Jesu-Kirche, der notorischerweise vom Pfarrer persönlich bestückt wird, hängt seit über einer Woche ein kopierter Zeitschriftenartikel mit dem Titel "Ein Lob auf die Lauen". Na, das passt ja, dachte ich sturnrunzelnd, als mir die Überschrift im Vorbeigehen erstmals ins Auge fiel. Dann habe ich mir den Artikel aber doch mal etwas genauer angesehen, und da verging mir dann der Humor. 

Der Artikel ist der Zeitschrift "Christ in der Gegenwart" entnommen, der Autor, Moritz Findeisen, verdankt seine 15 Minuten Ruhm offenbar vorrangig der Initiative #OutInChurch, aber darum geht es inhaltlich nicht. Sondern worum? Kurz gesagt um eine Zurückweisung der Auffassung, "Entscheidung und feuriges Bekenntnis" sei "die Lösung" für die "Krise der Kirche" und "Vorbild für die Zukunft des Christentums müssten der kleine Kreis und das einmütige Gebet der Urgemeinde sein". Das sei genau der falsche Weg, meint Findeisen, denn es stoße die "Mehrheit" der "Mittelmäßigen" ab, und "[m]it jedem Lauen, der die Glaubensgemeinschaft verlässt, verliert sie ein unersetzliches Bindeglied zur Welt". 

Zwar gibt der Verfasser gleich eingangs zu erkennen, dass das Mahnwort an die Gemeinde in Laodizea aus Offenbarung 3,15f. ("Ich kenne deine Taten. Du bist weder kalt noch heiß. Wärest du doch kalt oder heiß! Daher, weil du lau bist, weder heiß noch kalt, will ich dich aus meinem Mund ausspeien") sehr wohl kennt; er meint aber, man müsse berücksichtigen, dass "die frühchristlichen Texte nicht interessenfrei" seien: "Sie schreiben etwas herbei, was gerade erst im Entstehen ist, betreiben Religionspropaganda". Daher sei es befremdlich, wenn derartige "Bekenntnisrhetorik auch [in] unsere[r] Zeit" zu vernehmen sei, "als hätte sich die gesellschaftliche Situation seit Entstehung des Neuen Testaments kaum verändert". Tatsächlich hätten sich "die Zeiten seitdem eben doch geändert. Und zwar gravierend: Wir können nur zum Preis der intellektuellen Selbstaufgabe in das geschlossene Weltbild der Antike zurück. Aufklärung und gesellschaftliche Liberalisierung lassen sich nicht ungeschehen machen – zum Glück." Etwas später behauptet Findeisen dann, das Christentum sei "gerade deshalb so erfolgreich [gewesen], weil es als durch und durch laue Religion entstanden ist" – ach so, daher wohl auch die vielen Märtyrer, nicht wahr? "Es verband vorhandene religiöse Strömungen zu einer neuen Einheit", okay, jetzt reicht's mir aber echt. – 

Ich will darauf im Einzelnen gar nicht näher eingehen – nicht jetzt und hier jedenfalls; das wäre vielleicht ein Thema für einen eigenständigen Artikel, vielleicht lohnt es sich aber auch nicht, denn daran ist ja nun schlichtweg so ziemlich alles falsch. Hier und jetzt geht es mir hingegen um die Frage: Was treibt einen Pfarrer um, so etwas in den Schaukasten seiner Gemeinde zu hängen? Okay, wie meine oben festgehaltene spontane Reaktion auf die Überschrift wohl zeigt, ist es nicht ganz so überraschend, wenn man mit diesem speziellen Pfarrer schon so seine Erfahrungen gemacht hat; aber ich würde schon sagen, das ist eine neue Eskalationsstufe. Optimistisch betrachtet: ein Hilfeschrei. Der verzweifelte Versuch, sich um eine Glaubensentscheidung herumzudrücken. Man kann es sich bildlich vorstellen: Christus klopft an seine Tür, und er hält sie mit aller Gewalt von innen zu, merkt aber, dass ihm langsam die Kräfte ausgehen. Eine kritische Situation im wortwörtlichen Sinne (krisis = Entscheidung). Da heißt es nicht nachlassen im Gebet, Leser! 

Neues aus Synodalien 

Am vergangenen Wochenende fand in München eine Vollversammlung des "ZdK" statt, und wie man hört, schlug dabei insbesondere die Vorsitzende Irme Stetter-Karp recht schrille Töne an: Eine Kirche, "in der führende Männer ihre Macht zementieren, Entwicklungen verweigern und die Gräben zwischen der Kirche und der Welt weiter vertiefen", müsse "ein Ende haben", erklärte sie. "Deshalb bestehen wir auf eine Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Weges in ALLEN deutschen Diözesen." Bemerkenswert an dieser Forderung ist, dass sie – wie Birgit Kelle in einem Kommentar auf dem Online-Portal "Neuer Anfang" hervorhebt – "eklatant sowohl der Satzung des Synodalen Weges widerspricht als auch den ständigen Beteuerungen des ZdKs und der Deutschen Bischofskonferenz gegenüber der Weltkirche und vor allem gegenüber dem Vatikan, wonach alle Beschlüsse des Synodalen Weges kirchenrechtlich nicht bindend seien und niemanden – auch keinen Bischof – zur Umsetzung verpflichten". Damit nicht genug, will das "ZdK" "die Geschäftsordnung des Synodalen Ausschusses jetzt so ausgestalten, dass die Bischöfe kein Vetorecht mehr besitzen und überstimmt werden können. Bislang brauchte es unter den Bischöfen eine Zwei-Drittel-Mehrheit abseits der einfachen Mehrheit des Plenums, damit ein Beschluss gültig ist. Jetzt soll es keine Sperrminorität der Bischöfe mehr geben." 

Derweil wirft mein neuer Freund Jonathan Liedl im "National Catholic Register" die Frage auf, ob diese Forderungen des "ZdK" wirklich ein Signal der Stärke seien oder vielleicht doch eher eines der Verzweiflung. Er merkt an, es sei nicht ganz klar, was die Laienfunktionäre mit der Forderung nach Abschaffung der bischöflichen Sperrminorität eigentlich erreichen wollten; schließlich hätten die Ergebnisse der zurückliegenden Synodalversammlungen den Eindruck vermittelt, es sei "den Organisatoren des Synodalen Wegs bereits gelungen, die Gefahr eines bischöflichen Vetos zu neutralisieren". Dass dies dem "ZdK" nun nicht mehr zu genügen scheint, könne darauf schließen lassen, dass man angesichts des zunehmenden Gegenwinds aus dem Vatikan nun auch seitens der deutschen Bischöfe mit stärkerer Opposition rechnet als bisher; oder vielleicht sei es sogar als eine Art Pfeifen im Walde zu verstehen – als Versuch, "angesichts eines zu erwartenden Scheiterns das Gesicht zu wahren". 

So oder so ist wohl Birgit Kelles Einschätzung zuzustimmen, das "ZdK" gebe nunmehr offen das Ziel zu erkennen, "die Bischöfe langfristig völlig zu entmachten". Dazu fällt mir ja nun unwillkürlich der von Generalvikar Kollig bei der Diskussionsveranstaltung in Falkensee vor zwei Wochen in geradezu beschwörendem Tonfall geäußerte Satz "Synodalität und Hierarchie gehören doch zusammen!" ein. Für mein Empfinden unterstreicht das Verhalten des "ZdK" sehr deutlich, dass jedweder Versuch, die Beschlüsse des "Synodalen Wegs" – wie die Leitung des Erzbistums Berlin es offenbar anstrebt – im Einklang mit der kirchlichen Lehre zu interpretieren und anzuwenden, bestenfalls illusorisch ist. 

Aber à propos: Wie ich schon in der "Tagespost" angekündigt habe, soll am kommenden Sonntag, dem 14. Mai, ab 15 Uhr in der Kirche St. Bonifatius in Berlin-Kreuzberg eine Veranstaltung zum Thema "Synodale Gemeinde" stattfinden, die neben einem "Berichtsteil zum Synodalen Weg" und einem "Vernetzungstreffen" auch einen Gottesdienst "mit Laienpredigt und Segnung von Paaren, die sich lieben" umfassen soll. Ich bin mir sehr unsicher, ob ich da hingehen sollte. Also, zum gottesdienstlichen Teil sicher nicht, aber vielleicht vorher zur Informationsveranstaltung und/oder hinterher zum Vernetzungstreffen? Bei letzterem gibt's immerhin Freibier! 

Ganz nebenbei sei noch angemerkt, dass es offenbar doch hartnäckige Gerüchte gibt, Georg Gänswein sei als nächster Erzbischof von Bamberg im Gespräch. Na ja, "im Gespräch" kann ja alles Mögliche heißen. "Im Gespräch" war anno 2014 auch Bischof Tebartz-van Elst als neuer Erzbischof von Berlin. Okay, das Gerücht habe ich damals selbst gestreut, aber macht ja nichts. Bis auf Weiteres gehe ich jedenfalls davon aus, dass die Gerüchte zum Thema "Gänswein nach Bamberg" ähnlich ernst zu nehmen sind... 


Was sonst noch so los war und ansteht 

Am Wochenende waren wir mit dem Tochterkind bei einem Inline-Skating-Kurs. Obwohl praktisch alle anderen teilnehmenden Kinder älter und größer waren und schon mehr Vorkenntnisse hatten, machte unser Tochterkind sehr gut mit, lernte eine Menge und hatte enormen Spaß. Nächstes Wochenende ist wieder ein Kurs. – Am Mittwoch waren wir wieder beim JAM; bei der Kinderkatechese ging's um Christi Himmelfahrt, eigentlich eine Woche zu früh, aber sei's drum. Währenddessen trug meine Liebste im Elterncafé ihre Hiob-Gedichte vor. 

Derweil nehmen die Pläne für einen erneuten Auftritt in Wien allmählich Gestalt an: In Absprache mit meinem Manager "Patrick" peile ich einen Termin im September des laufenden Jahres an, und zwar, wie unlängst schon mal angedeutet, für eine Lesung aus "Nachfolge Christi" und/oder "Philothea". 

Genauer wissen wir's noch nicht. Aus prinzipiellen Erwägungen soll es eine Veranstaltung mit freiem Eintritt werden, aber ganz ohne Geld geht es natürlich trotzdem nicht: Schließlich fallen Reise- und Übernachtungskosten an, und je nachdem, wo das Ganze stattfinden soll, gibt's den Raum ja auch nicht unbedingt für umsonst. Die Idee ist daher, die Veranstaltung durch Crowdfunding zu finanzieren. Die Kalkulation für ein Finanzierungsziel ist noch nicht fertig, aber ich werde Euch auf dem Laufenden halten! 

Die Rubrik "Was ich gerade lese" fällt diese Woche aus, denn da gibt's einfach nicht sonderlich viel Neues. Meine Lektüre zu Studienzwecken hat sich in der letzten Woche praktisch zur Gänze auf Bücher beschränkt, die ich schon in den letzten Wochen erwähnt habe, und als Bettlektüre hatten wir zuletzt einen weiteren Band aus der Reihe "Mariella Meermädchen" und einen aus der "Schule der Magischen Tiere". Mit dem letzteren – "Nass und nasser!", dem sechsten Teil der Reihe, von dem man immerhin sagen kann, dass er bedeutend besser ist als der zuletzt gelesene "Voller Löcher!" – werden wir voraussichtlich heute Abend fertig, und dann hat das Tochterkind die Wahl zwischen "Pembo – Halb und halb macht doppelt glücklich" von Ayşe Bosse und "Ella und das Abenteuer im Wald" von Timo Parvela. So oder so wird es nächste Woche also wohl wieder etwas Interessantes aus der Welt der Kinder- und Jugendliteratur zu berichten geben. 


Aus dem Stundenbuch 

Einer ist für alle gestorben, und dieser lebt und wirkt im Geheimnis des Brotes und Weines in allen Häusern der Kirche: Er nährt, indem er geopfert wird; er schenkt Leben dem, der an ihn glaubt; geheiligt, heiligt er alle, die ihn heiligen. Das ist das Fleisch des Lammes, das ist sein Blut. Das Brot, das vom Himmel kommt, spricht: "Das Brot, das ich geben werde, ist mein Fleisch für das Leben der Welt". In der Gestalt des Weines wird treffend das Blut dargestellt. Da er selbst im Evangelium sagt: "Ich bin der wahre Weinstock", erklärt er mit hinreichender Deutlichkeit, der Wein sei sein Blut, wenn er im Zeichen seines Leidens dargebracht werde. Deshalb sagte der heilige Patriarch Jakob im voraus über Christus: "Er wäscht in Wein sein Kleid, in Traubenblut sein Gewand": das Kleid unseres Leibes, sein Gewand, sollte er in seinem Blut waschen. Er ist der Schöpfer und Herr der Wesen. Er bringt aus der Erde das Brot hervor, und das Brot macht er zum eigenen Leib - er kann es und hat es verheißen. Er hat aus Wasser Wein gemacht und macht Wein zu seinem Blut. Er sagt, es sei das Pascha des Herrn, das heißt: "der Übergang" des Herrn. Halte dieses Brot und diesen Wein nicht für etwas Irdisches. Sie sind überirdisch geworden durch den Herrn, der in sie übergegangen ist und sie zu seinem Leib und Blut gemacht hat. 

(Gaudentius von Brescia, "Die Eucharistie, das Pascha des Herrn") 


Ohrwurm der Woche 

Eurythmics: Thorn in My Side 


Mal wieder etwas aus der Rubrik "Sind wir nicht alle ein bisschen Postpunk?": Dieser Song geht mir nicht mehr aus dem Kopf, seit ich im vorigen Wochenbriefing einmal die Formulierung "Stachel im Fleisch" verwendet habe. Eine meiner Lieblingsnummern von den Eurythmics, auch und gerade weil sie nicht unbedingt repräsentativ für ihr Gesamtwerk ist. Übrigens ist mir beim Ansehen des Videos die Frage in den Sinn gekommen, ob man vielleicht behaupten könne, die Eurythmics seien das Vorbild für Roxette gewesen, etwa in dem Sinne, wie The Who das Vorbild für Led Zeppelin waren. Und nun befürchte ich prompt, dass das gar keine so originelle Erkenntnis ist und einige Leser jetzt kopfschüttelnd sagen oder denken werden "Das weiß doch jeder"... – Abschließend noch ein kongenialer Kommentar vom Tochterkind: "Meine Lieblingsstrophe ist das mit dem Uah." 


Blogvorschau 

Okay: Einerseits habe ich noch reichlich damit zu tun, die Themenliste von der letzten Blog-Umfrage abzuarbeiten. Der wohl dickste Brocken – zum Thema "Innerkirchliches Lagerdenken seit dem II. Vatikanischen Konzil unter besonderer Berücksichtigung der Würzburger Synode" – ist zwar fertig und der wohl ebenfalls recht anspruchsvolle Artikel "Der Geist und die Synodalen" immerhin schon mal in Arbeit, aber danach stehen noch die 17. Folge der "eingekerkerten Nonne" und ein Artikel zum Thema "Kochen für die Familie" an. Andererseits stehen die nächsten Themen, die verbloggt werden wollen, auch schon wieder Schlange: 

  • Zunächst einmal haben mich meine obigen Reflexionen zum Thema Erstkommunion auf die Idee gebracht, aus meinen früheren Beiträgen zu diesem Thema ein "Dossier Erstkommunion" zusammenzustellen, in dem ich die betreffenden Originalartikel verlinke, auszugsweise zitiere und ggf. kommentiere, gewissermaßen als Vorstufe zu einer noch ausstehenden systematischen Darlegung meiner Ideen zu diesem Thema. Ähnlich könnte man zukünftig auch mit anderen Themen verfahren, die auf meinem Blog immer mal wieder in mehr oder weniger fragmentarischer Form eine Rolle spielen. 
  • Sodann hat mein Manager "Patrick" aus Wien mich auf ein Video mit dem verheißungsvollen Titel "How and why to retake the Mainline Churches" aufmerksam gemacht, das er auf YouTube entdeckt hat. Es ist aus protestantischer Sicht verfasst und bezieht sich konkret auf die führenden protestantischen Denominationen in den USA, aber es erscheint mir durchaus diskussionswürdig, inwieweit die darin vorgestellten Thesen und Strategien auch für Katholiken relevant sein könnten, und zwar gerade in Deutschland unter den Bedingungen des "Schmutzigen Schismas". 
  • Zudem haben mich einige Leserreaktionen auf das vorige Wochenbriefing, insbesondere auf meinen Bericht von der Diskussionsveranstaltung in Falkensee, auf den Gedanken gebracht, ich sollte wohl mal etwas zum Thema "Bloggen als unehrenhafte Form des Journalismus" schreiben. 
  • Gewissermaßen als Nebenprodukt der Arbeit an dem Artikel zur Würzburger Synode hat sich die Idee zu einem Artikel über "Visionen zur Gemeindeerneuerung in der Nachkonzilszeit – von Lothar Zenetti bis zum Komm-mit-Kalender" ergeben. 
  • Und dann stehen natürlich noch weitere Fortsetzungen der Saga um die eingekerkerte Nonne und weitere "Lola"-Rezensionen auf der Liste, und die Artikelreihe "God Gave Rock'n'Roll to You" könnte man ruhig auch mal wieder aufgreifen... 

Eine Menge Holz! Ich würd' mal sagen, das "Dossier Erstkommunion" nehme ich auf jeden Fall in Angriff, nachdem die bereits festgelegten Themen abgearbeitet sind. Und dann wäre wohl mal wieder eine Umfrage fällig. Ihr dürft mir aber gern auch schon jetzt Eure Wünsche und Vorlieben im Kommentarfeld mitteilen; gegebenenfalls auch Themenvorschläge, die noch nicht auf der Liste stehen!