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Donnerstag, 23. März 2023

Ansichten aus Wolkenkuckucksheim #22

Willkommen zurück beim Wochenbriefing! Ich darf zu Protokoll geben, dass die Neubelebung meines Blogs, nachdem dieser so lange brachgelegen hatte, sich bislang recht erfreulich entwickelt: Die täglichen Zugriffszahlen sind noch nicht wieder ganz auf dem Niveau von "früher", aber auch nicht mehr allzu weit davon weg; ich bekomme gutes Feedback, und an Stoff mangelt es mir auch nicht. Ein Aspekt, den ich hier nicht unerwähnt lassen darf, ist, dass eine Reihe von Lesern nachdrücklich angefragt hat, wann es denn wohl endlich mal mit der eingekerkerten Nonne weitergeht; und ich möchte betonen, dass mich das nachhaltige Interesse meiner Leser an dieser Artikelserie durchaus nicht kalt lässt. Ich würde diesem Leserwunsch daher durchaus gern entgegenkommen und habe zu diesem Zweck schon mal die bislang letzte Folge der Artikelserie nachgelesen, musste dabei allerdings feststellen...: boah. Da steckt echt Arbeit drin, das schreibt sich nicht mal eben so nebenbei. Also; ich werde mal sehen, was sich machen lässt; wenden wir uns jetzt und hier aber erst mal den Ereignissen der zurückliegenden Woche zu mit der neu benannten Rubrik 


Tagesreste 

Freitag: Das Erzbistum Berlin wirbt auf seiner Facebook-Seite für Online-Familiengottesdienste. Beeindruckend, was man sich so alles einfallen lässt, um Familien mit Kindern physisch aus dem Kirchenraum fernzuhalten. Einen entsprechenden Kommentar von mir beantwortet der episkopale Account wie folgt: "Das Angebot ist für Familien gedacht, die in ihrer Gemeinde keine passenden Angebote finden. Wir finden es klasse, wenn in Gemeinden Familiengottesdienste vor Ort stattfinden." Da sieht man mal, wie tief die Überzeugung sitzt, die Kirche müsse "passende Angebote" für verschiedene Zielgruppen machen. Diese Annahme wird überhaupt nicht mehr hinterfragt. Und wer bleibt dann als Zielgruppe für den "normalen" Gemeindegottesdienst übrig? – Ich weiß, meine Ansichten zum Thema "Kinder in die Kirche mitnehmen" werden hierzulande von Vielen, quer durch alle innerlirchlichen "Lager", als extrem angesehen. Komischerweise gelten sie in anderen Gegenden der Welt als völlig normal, und es scheint mir nur folgerichtig, dass das kirchliche Leben dort besser gedeiht. Aber auf dieses Thema werde ich sicherlich noch öfter zurückkommen. Müssen. 

Samstag: Besuch bei meinen Schwiegermüttern, um den Geburtstag unseres Jüngsten nachzufeiern. 

Sonntag: Zur Sonntagsmesse gingen wir in St. Joseph Siemensstadt, wo der aus Mexiko stammende Vikar mit Blick auf die recht zahlreich anwesenden Kinder anmerkte: "Es gibt noch Hoffnung für die Kirche, trotz mancher düsterer Aussichten, trotz vieler Debatten, trotz des Synodalen Weges." Ich hab gefeiert. Anschließend aßen wir zu Mittag im "Hans im Glück" im Hauptbahnhof und trafen uns dort mit Jonathan Liedl vom National Catholic Register, der derzeit kreuz und quer durch Deutschland reist, um über die Situation an der Basis der hiesigen katholischen Kirche zu berichten. Ein paar Tage zuvor hatte ich auf Twitter gelesen, dass er auf dem Weg nach Berlin sei, und ihn daraufhin kurzerhand angeschrieben: "Lass ma' treffen". Ein klassischer Fall von "Frechheit siegt": Normalerweise liegt mir so etwas gar nicht, aber ich lerne eben von meiner Liebsten. – Kurzzeitig stand die Überlegung im Raum, dass ich allein zu dem Treffen gehen könnte, aber das Tochterkind war der Meinung, wir sollten alle zusammen gehen, und ich denke, das war eine gute Entscheidung: Zusammen sind wir einfach am besten. Das Gespräch war jedenfalls rundum erfreulich, und ich bin gespannt, inwieweit die Dinge, über die wir gesprochen haben, in Jonathans Berichterstattung einfließen werden. Im Übrigen möchte ich anmerken, dass es bei "Hans im Glück" ausgesprochen leckere Burger und Fritten gibt. 

Montag: Nachdem die ganze Familie seit Wochen reihum immer mal wieder mit den typischen saisonalen Erkältungssymptomen zu kämpfen hatte, ging meine Liebste am Morgen nicht zur Arbeit, sondern stattdessen zum Arzt – eigentlich in der Absicht, sich zwei Tage lang krankschreiben zu lassen. Wurden dann aber doch fünf Tage draus. Am Nachmittag waren wir schon wieder bei meinen Schwiegermüttern, zum regulären wöchentlichen "Omatag". 

Dienstag: Als aktuell eindeutig gesündestes Familienmitglied unternahm das Tochterkind mit einem Freund und dessen Mutter einen Ausflug, während der Rest der Familie es ruhig angehen ließ. Im Laufe des Vormittags stand für mich allerdings die Aktion "I Fought the Bürgeramt (and I Won)" an: Um wie geplant die (Co-)Leitung einer "Wichtelgruppe" unter dem Dach der "Katholischen Pfadfinder Haselhorst" übernehmen zu können, benötige ich ein erweitertes Führungszeugnis. Beantragen kann man das bei jedem Bürgeramt, angeblich aber nur mit Termin. Termine sibd jedoch auf mindestens zwei Monate hinaus ausgebucht. Aber das kenne ich schon von Berliner Bürgerämtern: Hätte ich mich von der "Nur mit Termin!"-Regel einschüchtern lsssen, hätte ich seinerzeit meine Hochzeit um mehrere Monate verschieben müssen. Ich versuchte also mein Glück ohne Termin, und siehe da: keine Pförtner, die einen abwimmeln, keine Warteschlangen auf den Fluren. Ich musste nur abwarten, bis eine Mitarbeiterin ihr Telefonat beendet hatte, und dann war die ganze Angelegenheit in kaum zehn Minuten erledigt. Mir scheint, mit Terminen beim Bürgeramt verhält es sich so ähnlich wie mit dem Kaffeeautomaten in einer Geschichte von Horst Evers: Der Automat ist defekt, wird repariert, und nach erfolgreicher Reparatur hängt der Servicemitarbeiter ein Schild mit der Aufschrift "außer Betrieb" dran. Warum? "An sich ist der Automat tadellos. Nur wenn er dauernd benutzt wird, dann geht er natürlich kaputt. Deshalb das Schild, dann benutzen ihn weniger, und die Reparatur hält länger." 

Mittwoch: Am Nachmittag waren wir wieder beim JAM in der Christuskirche Haselhorst; das Wetter war so schön, dass der Spiel-Anteil der Veranstaltung zum ersten Mal in diesem Jahr in den Garten verlegt werden konnte. 

Donnerstag: Stundenlang mit den Kindern durchs Viertel gezockelt – Hundewiese, Bücherei, Einkaufen. Heute Abend gibt's selbstgemachte Süßkartoffel-Fritten mit Rahmblumenkohl. 

Im Übrigen war ich in den letzten Tagen in eine ausufernde Diskussion auf der Facebook-Seite einer ungenannten Bistumszeitung verstrickt, die so ätzend war, dass ich zu anderen Zeiten wohl einen eigenen Artikel (wenn nicht sogar mehrere) darüber verfasst hätte; vielleicht mache ich das auch noch, aber im Moment habe ich jedenfalls keine Lust dazu. Die nächsten Tage versprechen etwas aktivistischer zu werden als die zurückliegenden: Am Samstag ist vormittags Pfadfindertreffen und abends mal wieder Community Dinner im Baumhaus, mal sehen, ob ich es zu beidem schaffe; und nächsten Donnerstag ist ein Planungstreffen für die gemeinsamr Fronleichnamsfeier der Spandauer Gemeinden, da will ich nach Möglichkeit auch hin. Ansonsten darf man gespannt sein, was sich noch so ergibt... 


Währenddessen in Tegel 

Im Schaukasten der Pfarrkirche unsrer "Ex-Gemeinde" kann man derzeit diesen Aushang bewundern: 

Nanu, möchte man fragen, was ist denn da los? Ist der Pfarrer – der sich notorischerweise persönlich um die Gestaltung des Schaukastens kümmert – plötzlich fromm geworden? – Nun, ganz so kann man das wohl nicht sagen. Ich erinnere mich, diese Grafiken und/oder ähnliche auch in früheren Jahren schon im Schaukasten gesehen zu haben. Vielleicht geht es dem Pfarrer mehr um den witzig-originellen Blickfang als um die Aussage, oder vielleicht ist doch etwas dran an der vielbeschworenen Überzeugung des Pfarrers, die Außendarstellung der Pfarrei solle "die Vielfalt der Gemeinde abbilden". So oder so, leichtfertig abtun sollte man solche Signale wohl nicht. Ich habe diesen Pfarrer auch schon mal bei einem Vortrag von Johannes Hartl getroffen, als der vor ein paar Jahren mal in Berlin-Tegel war. Das mal nur als Beispiel. Ich will damit sagen: Irgendwie ist der Pfarrer meiner Ex-Gemeinde wohl doch, zumindest immer mal wieder, auf der Suche nach etwas, das ihm den Glauben plausibel machen könnte. Auch seine Predigten fand ich immer dann am besten – oder ehrlich gesagt: am wenigsten schlecht –, wenn darin etwas von diesem Ringen spürbar wurde. Man sollte wohl öfter mal für ihn beten. Machst Du mit, Leser? 


Neues aus Synodalien 

Die rein quantitativ eher magere Resonanz auf meinen jüngsten "Follow-Up-Artikel" zur Butjenter Regenbogenflaggen-Affäre hat mir gezeigt, dass es sich wohl eher nicht lohnt, dem Thema noch weitere eigenständige Artikel zu widmen; aber zu sagen gibt es doch noch etwas dazu, und dafür ist hier im Wochenbriefing wohl allemal Platz. Inzwischen hat sich nämlich auch die Münsteraner Bistumszeitung Kirche + Leben der Sache angenommen, und wer diese Publikation kennt, braucht sich über die Tendenz des Artikels nicht zu wundern: "Pfarrei steht zur Regenbogenflagge vor ihrem Gästehaus", lautet die Überschrift, und im Text wird nicht nur der dümmliche Satz "Wir setzen daher ein sichtbares und klares Zeichen pro Mensch" aus der Stellungnahme der Geistlichen zitiert, sondern man erfährt auch Weiteres zum Hintergrund der Beflaggung: Diakon Richter habe "die Regenbogenflagge im vergangenen Sommer aus Anlass einer ökumenischen Aktion vor der Burhaver Kirche" gehisst. "In einer gemeinsam organisierten 'Nacht der Acht' konnten sich dabei Paare in verschiedenen Kirchen segnen lassen – ausdrücklich auch solche, die nach katholischem Recht nicht heiraten dürfen. Die Herz-Mariä-Kirche war dabei eine der 'Segenskirchen'." – "Da haben wir mitgemacht", wird der Diakon zitiert. "Weil bei uns jeder willkommen ist, egal in welcher Facette er lebt. Das ist nichts Ungewöhnliches für uns". – Offen gestanden: Was mich an solchen Äußerungen und solchen Aktionen am meisten aufregt, ist ihre greifbare Unehrlichkeit, die gewollte Schwammigkeit der Formulierungen; man bekennt sich nicht klar zur Lehre der Kirche, widerspricht ihr aber auch nicht explizit, sondern tut so, als könne man sich irgendwie in der Mitte dazwischen durchmogeln. Das ist feige, heuchlerisch und eine bewusste Irreführung der Gläubigen. – "Die Nacht der Acht" ist übrigens auch der Titel eines für Jugendliche ab 14 Jahren geschriebenen Horror-Thrillers von Philip Le Roy; "Ein Abend, der zum Horrortrip wird", heißt es in der Verlagswerbung. Das passt ja. – Wie gerufen kommt in diesem Zusammenhang übrigens ein Artikel der christlichen Satireseite The Babylon Bee zum Verhältnis zwischen dem Regenbogen als Symbol des Noachidischen Bundes und der Flagge der LGBT-Bewegung. 

Manche Leser werden vielleicht der Meinung sein, ich verwendete unverhältnismäßig viel Energie auf diese Angelegenheit. Dazu möchte ich sagen: Die kleine Kirche Herz Mariae in Burhave liegt mir nicht nur deshalb besonders am Herzen, weil ich dort aufgewachsen bin – und wie ich wohl schon erwähnt habe, bin ich gemessen daran, was für meine Generation als "normal" gelten kann, sehr "kirchennah" aufgewachsen –, sondern auch deshalb, weil diese Diasporagemeinde nach dem II. Weltkrieg von Heimatvertriebenen aus Schlesien mit ihrem Herzblut und ihren Spargroschen aufgebaut wurde, und ich bin schlichtweg nicht bereit, sie kampflos der Synodalen Mafia zu überlassen. – Immerhin hat mein Artikel mit dem Offenen Brief an die Verantwortlichen der Pfarrei und dem Gebet für die Gemeinde inzwischen mehr Leser erreicht, als die Facebook-Seite der Pfarrei Follower hat, und entschieden mehr Leute, als in Burhave und Nordenham regelmäßig zur Messe gehen; aber wenn auch mehr, so doch nicht unbedingt genau diese. Was mir also noch fehlt, wäre jemand vor Ort, der zumindest die Kernsätze des Briefes und vor allem das Gebet ausdruckt und an den beiden Kirchenstandorten auslegt oder, noch besser, vor oder nach der Messe an die Kirchgänger verteilt... 

Ach ja, und dann gibt es noch diese Facebook-Gruppe, die ich vor Jahren mal zu dem Zweck gegründet habe, die Vorgänge in der Pfarrei St. Willehad "kritisch zu begleiten", wie man so schön sagt. Leider führt die Gruppe ein ziemliches Schattendasein... Würd mich freuen, wenn sich daran mal was änderte.


Was ich gerade lese 
  • zu Studienzwecken: Mitten in dieser Welt. 82. Deutscher Katholikentag vom 4. September bis 8. September 1968 in Essen. Paderborn: Bonifacius, 1968

Ein ziemlicher Wälzer, aber durchaus aufschlussreich in Hinblick auf die Frage: Wie ist die katholische Kirche in Deutschland da hingekommen, wo sie heute ist? – Ich bin allerdings noch ziemlich am Anfang. Unmittelbar vor der offiziellen Eröffnung des Katholikentages fand in Essen ein "Pastoraler Priestertag" statt, bei dem zwei Vorträge über "Das moderne Priesterbild" gehalten wurden, einer davon von Karl Rahner. Nun überlegen wir mal: Es ist 1968, meine Freundin ist weg und beim "Pastoralen Priestertag" werden zwei Vorträge über "Das moderne Priesterbild" gehalten, mit ziemlich unterschiedlicher Tendenz; und einer davon ist von Karl Rahner. Welcher Redner wird da wohl die (nach landläufiger kirchenpolitischer Kategorisierung) "konservativere" Position vertreten? Bestimmt nicht Karl Rahner, oder? 

Doch: Karl Rahner. 

Man könnte das sicher mit einigem Recht als Indiz für die Relativität und Fragwürdigkeit von Zuschreibungen wie "konservativ" und "progressiv" im innerkirchlichen Diskurs betrachten – so habe ich z.B. auch bei der Lektüre von Manfred Plates Buch über die Würzburger Synode den Eindruck gewonnen, dass die damaligen "Progressiven" in einigen Fragen Positionen vertraten, die heute als "konservativ" gelten, und ungekehrt –; aber gleichzeitig bin ich ziemlich sicher, dass Teile von Rahners Ausführungen über Wesen und Aufgaben des katholischen Priestertums schon vom zeitgenössischen Publikum als vergleichsweise konservativ wahrgenommen wurden, gerade auch im Vergleich zu den Thesen des anderen Redners, des Pastoraltheologen Alois Müller, der geradezu besoffen von revolutionärem Überschwang  scheint. – Eine Äußerung Rahners, die sich nicht ohne Weiteres in das Schema konservativ-progressiv einordnen lässt, finde ich so großartig, dass ich sie hier zitieren möchte: 

"Gewiss wird der Priester in der Erfahrung seines Amtes immer wieder durch das Erlebnis gedemütigt, dass der Geist auch lebendig wirkt außerhalb der Grenzen des Institutionellen und bürokratisch veralteten Amtes, aber der Priester kann aus dieser Erfahrung nur die Folgerung ziehen, dass er sich immer aufs Neue diesem freien Walten des Geistes öffne. Er kann nicht sagen: Ich bin ein Kirchenbeamter mit geregelten Pflichten, Charismatiker soll ein anderer sein!" 
Man darf gespannt sein, was dieser Band sonst noch so an Entdeckungen bereithält. 

Dieses Buch hat unser Jüngster in der ausgesprochen gut sortierten Kinder- und Jugendbuchabteilung unserer örtlichen Stadtteilbibliothek aus dem Regal gezogen, und ich glaube, es hat ihm vor allem wegen der Katze auf dem Titelbild gefallen. Inhaltlich ist es sicher noch zu hoch für ihn – aber seine große Schwester findet's spannend, wenn sie vielleicht auch nicht alles versteht. Für sie ist es schon mal ein wesentlicher Pluspunkt des Buches, dass die Hauptfiguren Mädchen sind, deren Hobby Rollschuhlaufen ist. Und worum geht's in dem Buch sonst so? Um Geheimnisse und Gerüchte in einer amerikanischen Kleinstadt, Abenteuer in den Sommerferien. Fesselnd und flott erzählt, gelegentlich ein bisschen gruselig. Mit einer gewissen Besorgnis betrachte ich es, in welchem Ausmaß Aberglaube und Okkultismus (Aura-Sehen, Voodoo-Zauber) in der Romanhandlung eine Rolle spielen, und ich frage mich, ob es wohl bis zum Schluss des Buches in der Schwebe bleiben wird, ob in dem im Titel des Buches angesprochenen hohlen Baum im Wald tatsächlich ein Geist wohnt, oder wenn nicht, in welche Richtung diese Frage wohl aufgelöst wird. Na, warten wir's mal ab. 


Aus dem Stundenbuch 

Also sind wir vom Weg der Wahrheit abgeirrt, das Licht der Gerechtigkeit strahlte uns nicht, und die Sonne ging nicht für uns auf. Bis zum Überdruss gingen wir die Pfade des Unrechts und des Verderbens und wanderten durch weglose Wüsten, aber den Weg des Herrn erkannten wir nicht. 

Was nützte uns der Übermut, was brachten uns Reichtum und Prahlerei? All das ist vorbei wie ein Schatten, wie eine flüchtige Nachricht. 

So sind wir ins Dasein getreten, um hinzuschwinden; wir hatten keinerlei Tugend aufzuweisen, sondern wurden von unserer Schlechtigkeit verschlungen. 

Ja, die Hoffnung des Frevlers ist wie Spreu, die der Wind verweht, wie Gischt, die der Sturm verjagt, wie Rauch, den der Winf zerstäubt; sie schwindet wie die Erinnerung an einen flüchtigen Gast. Die Gerechten aber leben in Ewigkeit, der Herr belohnt sie  der Höchste sorgt für sie. 

(Weisheit 5,6-9.13b-15)


Ohrwurm der Woche 

Sting feat. Eric Clapton: It's probably me 


Der Auslöser dafür, dass dieser Song mir tagelang nicht aus dem Kopf ging, war eher abseitig: Mit meiner Liebsten sprach ich darüber, ob man wohl behaupten könne, dass ich nach fast eineinhalb Jahren Recherche für ein Buchprojekt (über das ich wohl demnächst mal Genaueres verraten werde, aber ein bisschen warte ich damit noch) mehr über das Thema dieses geplanten Buches weiß als irgendjemand sonst. Meine Liebste ist ganz entschieden dieser Meinung, und wenn ich ehrlich bin, glaube ich es eigentlich auch. – Davon abgesehen ist "It's probably me" aber auch einfach ein großartiger Song. 



Sonntag, 19. März 2023

Flagge zeigen, Farbe bekennen

Es ist zwar durchaus nicht so, als gäbe es keine anderen interessanten Themen, aber ich denke doch, ich bin meinen Lesern noch ein Update zur Butjenter Regenbogenflaggen-Affäre schuldig. Zunächst mal möchte ich Euch für Eure Unterstützung danken: Die Aktion, zu der ich am vorigen Sonntag auf meinem Blog aufgerufen habe, hat offensichtlich Wirkung gezeigt. Am Mittwoch veröffentlichte die Pfarrei auf ihrer Website und auf ihrer Facebook-Seite eine "Stellungnahme der Seelsorger der katholischen Kirchengemeinde St. Willehad Nordenham zur Regenbogenfahne am Gästehaus und Pfarrheim Rat-Schinke-Haus in 26969 Butjadingen-Burhave"; und tags darauf brachte die Kreiszeitung Wesermarsch einen Artikel, in dem die wichtigsten Passagen dieser Stellungnahme teilweise paraphrasiert, teilweise im Wortlaut wiedergegeben wurden. 

Bei aller Befriedigung über diese doch vergleichsweise prompte Reaktion kann ich den Inhalt dieser Stellungnahme indes nicht als befriedigend bezeichnen. Ein großer Teil des Texts dreht sich darum, dass der Regenbogen "[s]eit Menschengedenken" ein "Symbol des Bundes zwischen den Menschen und Gott" sei: 

"Schon im Buch Genesis (1 Mose) finden wir dazu klare Worte in den Versen 9 bis 17. Das Buch Jesus Sirach (43,11 und 50,7) im Alten Bund der Bibel spricht vom Regenbogen als Symbol des Ruhms über den Schöpfergott und als Symbol des Bundes Gottes mit der Erde. Im Neuen Bund schreibt Johannes in der Offenbarung über den Regenbogen als Begleiter der Engel und als Symbol, welches über dem Thron strahlt (Offb 4,3 und 10,1)." 

Gut und schön, aber was hat diese Bedeutung des Regenbogens mit der Flagge der LGBTTIQ-usw.-Bewegung zu tun? Richtig: überhaupt nichts. Ausführlich hat sich hierzu Bloggerkollegin Claudia in einem Artikel geäußert, den ich hier gern verlinke und darüber hinaus ein paar besonders relevante Passagen zitieren möchte: 

"Allenthalben – auch vor einigen katholischen Kirchen – findet man nun die sechsfarbige Regenbogenflagge (quergestreift, also eher Block als Bogen). Aussagen Geistlicher zu dieser deplazierten Beflaggung haben oft mit Toleranz und Nächstenliebe zu tun, sehr selten aber mit genauen Bibelzitaten und tiefgehender religiöser Kenntnis." 

und:

"Der quergestreifte sechsfarbige Block entstammt der postchristlichen LGTB-Bewegung. Daß nun Christen, die sich von ihnen unbequemen Punkten der christlichen Lehre entfernt haben, auch diesen bunten Block benutzen, macht ihn nicht zu einem Teil der christlichen Ikonographie."
Dass die Verantwortlichen der Pfarrei St. Willehad tatsächlich sehr genau wissen, wofür die Flagge, die sie da am Rat-Schinke-Haus gehisst haben, wirklich steht, macht schon ihre Beteiligung an der federführend vom CSD Wesermarsch Verein lancierten "Gemeinsamen Erklärung" vom 07.03. deutlich, die ein explizites Bekenntnis dazu enthält, "dass alle Menschen  [...] lieben können, wen sie wollen"; aussagekräftig ist auch, dass auf der Facebook-Seite der Pfarrei, die sich zuvor (soweit ich es beobachtet habe) nie besonders mit Stellungnahmen zu kirchenpolitischen Streitfragen hervorgetan hatte, am 11. und 12. März zwei Artikel über die Beschlüsse der 5. Synodalversammlung geteilt wurden, darunter einer mit der bezeichnenden Überschrift "Weg für Segensfeiern für homosexuelle Paare ist frei". Dagegen wird in der nun veröffentlichten Stellungnahme der Geistlichen nur in Form von vagen Andeutungen ein assoziativer Zusammenhang zwischen dem Regenbogensymbol und Schlagworten wie Vielfalt und Toleranz hergestellt – wenn etwa vom "strahlenden Regenbogen mit all seinen Farben des Lebens" die Rede ist: "Wir stehen hinter diesem Regenbogen mit all seinen Farben"; der Regenbogen werde "bis heute selbstverständlich als Symbol des Segens angesehen"; man wolle "ein sichtbares und klares Zeichen pro Mensch" setzen (ausgerechnet diese schon rein sprachlich ausgesprochen grausige Formulierung greift die Kreiszeitung in ihrer Überschrift auf); und: "Als Gemeinde in der nördlichen Wesermarsch schließen wir niemanden aus, der an unsere Türen klopft. Das wird auch deutlich in unserem Lokalen Pastoralplan, der durch den Pfarreirat St. Willehad am Fest des heiligen Willehad am 8. November 2020 verabschiedet wurde." Ja ja, bla bla. Die Leute will ich mal sehen, die da an die Tür klopfen. 

Zu allem Überfluss wird zudem behauptet, die "Regenbogenfahne am Fahnenmast am Rat-Schinke-Haus" bringe "sichtbar nach außen, was am Osterfest 1990 im Innern der Kirche vollendet wurde": Damals wurde nämlich "auf die Stirnseite direkt hinter dem Altar ein Regenbogen an die Wand gemalt. Mitte dieses Symbols ist Jesus Christus selbst, dessen Kreuz vor dem Licht der Auferstehung (goldene Mitte des Regenbogens) die Gläubigen zum Gebet einlädt". Ja danke, das weiß ich sehr gut: Der Entwurf zu diesem Wandgemälde stammt von meiner Schwester, die seinerzeit im Bauausschuss des Pfarrgemeinderats war. 

Eine andere Art von Regenbogen: Das in der Stellungnahne der Geistlichen von St. Willehad erwähnte Wandbild in Herz Mariae Burhave. 

In diesem Zusammenhang wird aus der "Gemeindechronik [...] von Pfarrer em. Alfons Kordecki († 2022)" zitiert: 

"Nun fällt der Schatten dieses Kreuzes je nach Lichteinfall und eigenem Standpunkt auf den goldenen Kreis in der Mitte der Altarfront und weist so auf die Kreuzigungsszene Jesu hin, in der das Heil für die ganze Menschheit geschehen ist. Dieser goldene Kreis, umgeben von Regenbogenfarben, deutet auf die verborgene Gegenwart Gottes in unserer Welt. Sein Licht strahlt aus in die Dunkelheit dieser Welt und fällt wie ein Lichtfall in Richtung des Altares, um uns auf die Gegenwart Christi in der Eucharistie hinzuweisen." 

Das ist schön dargelegt, hat aber – abermals – absolut nichts mit der hier in Frage stehenden Flagge zu tun. Und ich möchte hinzufügen: Den verstorbenen Pfarrer Kordecki in diese Sache hineinzuziehen, offenbart eine Schamlosigkeit, die ich nur als atemberaubend bezeichnen kann. 

Mein Gesamturteil über diese Stellungnahme lässt sich füglich in dem Satz "Das glauben die doch wohl selber nicht" zusammenfassen. Und genau das ist das hoch Problematische an solchen Aussagen: Jeder weiß, dass es gelogen ist, und jeder weiß, dass die anderen es auch wissen, aber man schließt eine stillschweigende Übereinkunft, so zu tun, als glaube man es. Das ist viel schlimmer als eine einfache Unwahrheit, denn es korrumpiert das Verhältnis zur Wahrheit insgesamt.

Übrigens hat diese ganze Affäre in meinen Augen frappierende Ähnlichkeit mit einem Vorgang in meiner hiesigen "Ex-Gemeinde", relativ kurz bevor meine Liebste und ich dort unsere Mitarbeit aufkündigten. Damals lief gerade die Namensfindung für die zu gründende Großpfarrei, und einer der drei Pfarrvikare, den ich – auch aus physiognomischen Gründen – privat gern Pater Mephisto nannte, brachte in einem Telefonimpuls (eine Errungenschaft der Corona-Lockdown-Zeit) allen Ernstes den Namensvorschlag "Regenbogen-Gemeinde" ins Gespräch. Auch er begründete dies ausführlich mit der Rolle des Regenbogens als Bundessymbol in der Sintfluterzählung und ließ so nebenbei den Hinweis einfließen, "junge Leute" verstünden den Regenbogen als Symbol für Vielfalt, Toleranz, Selbstbestimmung usw. und gegen Diskriminierung. Vermutlich fand Pater Mephisto sich und seine Ansprache enorm clever, aber tatsächlich war sie ein prächtiges Fallbeispiel für ein ebenso verbreitetes wie faszinierendes Paradox: Allzu clever macht dumm. 

Ein ähnlich interessantes Phänomen ist es, dass derjenige, der es allen recht zu machen versucht, es am Ende meist niemandem recht macht. So kommentierte ein Facebook-Nutzer das Regenbogenflaggen-Statement der Willehad-Geistlichen wie folgt: 

"In der Stellungnahne nicht auch ausdrücklich Bezug auf die Bedeutung dieser Flagge für die LGBTQ+ Community zu nehmen und sich klar dafür zu positionieren, ist wirklich ein Armutszeugnis. Da wären für eine Glaubensgemeinschaft, die den Schritt in unser Jahrtausend wagen will, mehr und klarere Worte angebracht gewesen." 

Tja. Ich würd mal sagen, das geschieht ihnen recht. 


Donnerstag, 16. März 2023

Ansichten aus Wolkenkuckucksheim #21 – Die (erneute) Rückkehr des Wochenbriefings

Du siehst richtig, Leser: Nachdem ich nach langer, allzulanger Pause kürzlich wieder mit dem Bloggen angefangen habe, habe ich mir vorgenommen, nicht so bald wieder damit aufzuhören; und ich habe mir gedacht: Die beste Methode, mich zu einigermaßen regelmäßigem "Output" zu motivieren, ist es, das erpobte Format "Wochenbriefing" wieder aufzugreifen. Auch wenn es aus praktischen Gründen vorläufig donnerstags abends statt montags morgens erscheint und ich zudem keine Garantie dafür übernehme, jede Woche eine neue Folge rauszuhauen. Wir werden sehen, wie die Sache sich entwickelt. – Aber lassen wir die Vorrede und wenden uns lieber mal der Frage zu: Was ist eigentlich aus der Alternative 

Spandau oder Portugal 

geworden? – Auf den ersten Blick könnte man meinen, die Entscheidung sei gefallen, und bis auf Weiteres ist sie das wohl auch: Bis auf Weiteres haben meine Familie und ich unsere kirchliche Heimat in der Großpfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland gefunden, präziser gesagt in den Gemeinden St. Joseph Siemensstadt und St. Stephanus Haselhorst, die, bevor sie mit Beginn des laufenden Kalenderjahres in der besagten Großpfarrei aufgingen, eine gemeinsame Pfarrei bildeten; und in jüngster Zeit zeichnen sich auch einige recht interessante Perspektiven für ein verstärktes Engagement in der Gemeinde ab – darüber wird weiter unten noch einiges zu sagen sein. Dennoch ist die Option Portugal damit noch nicht vom Tisch: Erst kürzlich hat meine Liebste sich einen Pilgerführer für den Caminho Português – den portugiesischen Jakobsweg – gekauft, mit der expliziten Absicht, zu prüfen, wo ein strategisch günstiger Ort wäre, um eine Pilgerherberge zu eröffnen. Auch dazu später mehr... 

Symbolbild zur Fastenzeit. 
(Der Stapel lag übrigens tatsächlich so im Regal, ist also nicht eigens für das Foto arrangiert worden.) 

Zur kirchlichen Situation in Siemensstadt und Haselhorst ist zunächst einmal zu sagen, dass der für diese Gemeindestandorte zuständige Pfarrvikar (bis vor kurzem noch: Pfarrer) sympathisch und glaubwürdig 'rüberkommt, die Liturgie geradlinig und ohne Firlefanz zelebriert, oft anregende und manchmal sogar ganz exzellente Predigten hält und wiederholt zu verstehen gegeben hat, dass er mit der Agenda des "Synodalen Weges" nichts am Hut hat. Von den beiden genannten Gottesdienstorten ist St. Stephanus in Haselhorst für uns zwar schneller und unkomplizierter zu erreichen, aber St. Joseph in Siemensstadt ist, sowohl von der Sozialstruktur der Gemeinde als auch von den Räumlichkeiten her, familienfreundlicher. In der Regel entscheiden wir daher von Fall zu Fall, ob wir da oder dort zur Sonntagsmesse gehen. 

Was nun den Punkt "Engagement in der Gemeinde" betrifft, wird mancher Leser sich vielleicht erinnern, dass ich schon vor bald einem Jahr schrieb, meine Liebste und ich würden in St. Stephanus Haselhorst die Leitung einer Krabbelgruppe übernehmen. Nun ja, das haben wir auch gemacht, aber so richtig befriedigend hat sich dieses Projekt nicht entwickelt. Die Nachfrage nach diesem Angebot war innerhalb der Gemeinde offenbar überschaubar, es gab wiederholt Unklarheiten bezüglich der Raumbelegung, und zu guter Letzt fackelte unser Jüngster beinahe die Küche ab (okay, das ist jetzt übertrieben dramatisch ausgedrückt). Vor allem aber stellte ich, nachdem meine Liebste nach dem Ende der Elternzeit wieder arbeiten ging und ich die Leitung der Krabbelgruppe allein weiterführen musste, fest, dass das eigentlich nicht so mein Ding ist. Aber hey, sogar in der Benedikt-Option steht, man soll sich nicht scheuen, Projekte aufzugeben, wenn sich abzeichnet, dass sie nicht funktionieren. Also machen wir jetzt was anderes. 

Zum Beispiel: Seit Herbst 2021 gibt es in St. Stephanus eine kleine Pfadfindergruppe – "Stamm", sagt man, glaube ich, dazu. Sie gehört bislang keinem Verband an, aber ich schätze mal, man darf sagen, dass sie der KPE tendenziell näher steht als der DPSG. Derzeit gibt es Pläne, diese Gruppe um ein Angebot für Kinder im Alter von 5-7 Jahren, eine sogenannte "Wichtelgruppe" zu ergänzen; und siehe, ich bin gebeten (!) worden, gemeinsam mit einer Frau aus der Gemeinde diese Wichtelgruppe zu leiten. Nach Ostern soll's losgehen, und zur Vorbereitung habe ich ein paarmal bei der Leitung der "Wölflinge" – also der 8- bis 11jährigen – "hospitiert" und meine Tochter, obwohl sie erst 5 und somit gerade mal im "Wichtel"-Alter ist, kurzerhand dazu mitgenommen. Sie findet's super: Abenteuer, Lagerfeuer... 


Nun habe ich bei früherer Gelegenheit ja mal geschrieben, so ziemlich alles, was ich über Pfadfinder wisse, hätte ich von Tick, Trick und Track und dem Fähnlein Fieselschweif; insofern könnte man vielleicht meinen, ich sei nicht unbedingt eine naheliegende Wahl für die (Co-)Leitung einer pfadfinderisch inspirierten Kindergruppe, aber ich sage mir, gerade dieser "fremde Blick" auf die pfadfinderischen Bräuche und Gepflogenheiten kann die Sache interessant machen. Davon abgesehen bin ich dank einer Spende aus Leserkreisen im Besitz von ca. 40 Jahrgängen des legendären "Komm-mit-Kalenders" und denke, daraus lassen sich bestimmt allerlei Anregungen beziehen – wenn auch natürlich mit angemessener kritischer Distanz. 

Und sonst so? Zum einen muss ich sagen, dass ich sehr darauf erpicht bin, das bewährte Konzept unserer Lobpreisandachten (unter der Überschrift "Lobpreis mit dem Stundenbuch") wieder aufzugreifen, sei es in Siemensstadt oder in Haselhorst. Die Osterzeit wäre vielleicht ein guter Anlass, damit anzufangen. Ich sollte wohl mal mit dem zuständigen Vikar darüber sprechen. – Davon abgesehen war unlängst "Familientag" in St. Stephanus, und während ich mit unserer Tochter zum Kinderprogramm (Trommelworkshop, Kinderschminken, Lagerfeuer) ging, knüpfte meine Liebste Kontakte beim Erwachsenenprogramm. Daraus hervorgegangen ist die Idee zur Gründung einer Frauen- und einer Männergruppe. (Meine erste Frage dazu: "Gibt's bei der Männergruppe Bier?" – "Unbedingt!"). Schauen wir mal, wie die Sache sich entwickelt... 

Was ich auch schon mal erwähnt habe, ist, dass in unmittelbarer Nachbarschaft der Kirche St. Stephanus in Haselhorst die EFG The Rock Christuskirche liegt; und da gehen wir mit unseren Kindern fast jede Woche zum Kinderprogramm, das sich JAM nennt – ein Kürzel für "Jungschar am Mittwoch". Das Konzept dieser Veranstaltungsreihe finde ich so gut, dass ich es hier kurz vorstellen möchte: Ab 16 Uhr geht es los mit freiem Spiel, dann folgt kindgerechter Lobpreis (mit Bewegungsliedern), eine Katechese und zum Abschluss ein gemeinsames Abendessen. Alles kostenlos übrigens. Parallel zum Kinderprogramm findet auch ein "Elterntreff" (mit Kaffee) statt, aber ich gehe meistens mit unserer Tochter zur Kinderkatechese – und habe selten etwas daran auszusetzen, was, wenn man mich kennt, schon einiges heißen will. Wenn meine katholischen Leser nun die Frage aufwerfen möchten, wie es denn mit konfessionellen Eigenheiten aussehe – ob die Kinderkatechese in einer evangelischen Freikirche nicht mehr oder weniger zwangsläufig gewisse Elemente enthalte, die aus katholischer Sicht einer gewissen Richtigstellung oder zumindest Ergänzung bedürfen – dann kann ich nur sagen: Ja, das gibt es durchaus; aber meinen bisherigen Erfahrungen zufolge hält sich das sehr im Grenzen, und verglichen mit dem Niveau, das man in der volkskirchlichen Kinderkatechese vielfach antrifft, finde ich das eher unproblematisch. – Im Übrigen möchte ich über die The Rock-Freikirche noch zu Protokoll geben, dass die Leute dort wirklich gut darin sind, Besuchern das Gefühl zu vermitteln, willkommen zu sein. Davon könnten sich die meisten katholischen Gemeinden, die ich kenne, eine dicke Scheibe abschneiden. 

Nun aber noch einmal kurz zurück zu den Stichworten "Caminho Português" und "Pilgerherberge": Der Wunschtraum, "irgendwann mal" – und sei es im Rentenalter – eine Herberge für Jakobspilger zu eröffnen und zu leiten, bewegt meine Liebste wohl schon länger, als wir uns kennen; seit unserem gemeinsamen Jakobsweg im Sommer 2016 ist das jedenfalls immer mal wieder Gesprächsthema zwischen uns gewesen, und mich reizt die Vorstellung auch – nicht zuletzt, weil sie sich sicherlich unschwer mit anderen Aspekten eines Konzepts kombinieren ließe, wie es im Buch "Mission Manifest" unter der Überschrift "Der Traum vom lebendigen Pfarrhaus" beschrieben wird. Und etwas in der Art wollen wir mittelfristig auf jeden Fall machen. Das muss natürlich nicht unbedingt am portugiesischen Jakobsweg sein, aber es könnte immerhin. Mit dem Pilgerführer habe ich mich noch nicht besonders eingehend befasst, aber einen Ort an der Strecke gibt es schon mal, der mir auf den ersten Blick reizvoll erscheint: die Stadt Tui, direkt am Grenzfluss Minho bzw. Miño gelegen, allerdings bereits auf dessen spanischer Seite. Na, bei Gelegenheit mal mehr zu diesem Thema. 


Währenddessen in Tegel 

Derweil wohnen wir – u.a. deshalb, weil die Situation auf dem Wohnungsmarkt es nahezu unmöglich macht, umzuziehen – nach wie vor auf dem Territorium unserer "Ex-Gemeinde", in fußläufiger Entfernung von der Pfarrkirche. Da bleibt es nicht aus, dass ich immer mal wieder – z.B. beim Einkaufen oder wenn ich mit den Kindern spazieren gehe – Leuten aus der Gemeinde begegne. Mehrfach wurde ich in den vergangenen Monaten sogar von Gemeindemitgliedern angesprochen, die ich persönlich gar nicht oder nur flüchtig vom Sehen kannte, denen meine Liebste und ich aber durch unsere früheren Aktivitäten in der Pfarrgemeinde bekannt waren und die sich nun erkundigen wollten, wie es denn komme, dass man uns "gar nicht mehr sehe". Ich habe es bei solchen Gelegenheiten vermieden, aus dem Nähkästchen zu plaudern, und stattdessen lediglich angedeutet, es habe "Konflikte" mit den tonangebenden Leuten in der Gemeinde (worunter nicht nur die hauptamtlichen Mitarbeiter zu verstehen sind) gegeben. Umso überraschter war ich, dass die Reaktion meiner Gesprächspartner durchweg lautete, ja, das hätten sie sich schon gedacht, und sie hätten selbst auch schon öfter die Erfahrung gemacht, dass Leute, die neue Impulse ins Gemeindeleben einzubringen versuchten, in dieser Gemeinde einen schweren Stand hätten. Einige erklärten sogar ganz direkt, dass sie uns und unser Engagement vermissten. Das hat ja doch etwas Tröstliches. 

Übrigens sind auch die bislang vier Pfarreien des Pastoralen Raums Reinickendorf-Süd inzwischen offiziell zu einer Großpfarrei mit dem Namen St. Klara fusioniert. Viel geändert hat sich dadurch abgesehen vom Briefkopf,  aber wohl nicht. Positiv ist zu vermerken, dass es am Standort Herz Jesu Tegel nach wie vor jeden Freitag Eucharistische Anbetung gibt; manchmal gehe ich da hin, bemühe mich aber, nicht gesehen zu werden. An dem wöchentlichen Termin, an dem früher unsere Lobpreisandacht stattfand, gibt es jetzt (und wohl auch schon seit rund einem Jahr) ein Friedensgebet für die Ukraine; num gut. Das von uns installierte Büchertauschregal gibt es auch noch, und offenbar erfreut es sich eines recht regen Zuspruchs. Und schließlich kann ich mir nicht verkneifen, noch ein weiteres Detail anzusprechen, das ich einigermaßen bezeichnend für diese Gemeinde finde: Noch bis vor kurzem wurde in den Vermeldungen allwöchentlich auf die Einhaltung der Corona-Schutzmaßnahmen gepocht, und das mit einer solchen Eindringlichkeit, dass ich mich, als das Erzbischöfliche Ordinariat die Aufhebung des Schutzkonzepts beschloss und verkündete, unwillkürlich fragte: Was schreiben die wohl jetzt in ihre Vermeldungen? Und siehe da, seitdem findet sich in den Vermeldungen der Satz: 

Wir bitten weiterhin alle um ehrliches Bemühen zur Minimierung des Covid-19-Ansteckungs-Risikos und ermutigen zur Eigenverantwortung! 

So schwer kann es sein, loszulassen. Man frage nur mal Björn Casapietra. 


Neues aus Synodalien 

Es läge vielleicht nahe, in dieser neu ersonnenen Rubrik darauf einzugehen, was es in der Butjenter Regenbogenflaggen-Affäre Neues gibt – denn Neues gibt es da in der Tat –, aber das hebe ich mir lieber für einen separaten Artikel auf. Es ist ja auch nicht so  dass es nicht auch sonst genug Stoff für eine Rubrik "Neues aus Synodalien" gäbe. Zum Beispiel bin ich unlängst auf den Twitter-Account des BDKJ-Bundesvorsitzenden Gregor Podschun aufmerksam geworden. Das war allerdings ein kurzes Vergnügen, da er mich gleich nach der ersten Interaktion geblockt hat. Das ist an und für sich nicht unbedingt ehrenrührig: Ich halte die großzügige Nutzung der Blockierfunktion in Sozialen Netzwerken für ein völlig legitimes Mittel zur Optimierung des eigenen Nutzererlebnisses und habe selbst enorm viele Leute auf Facebook und Twitter geblockt, aus den unterschiedlichsten Gründen. Gregor Podschun indes fühlt sich auch beim Leute-Blocken als Rächer der intersektionell Marginalisierten: "Ich habe in den letzten Tagen viele Hassbotschaften auf Twitter bekommen", twitterte er am 11. März. "Oft gegen mich gerichtet, aber ich viel gegen Trans*Personen und homosexuelle Menschen. In der Konsequenz habe ich die schlimmsten Account blockiert, komme aber nicht bei allen hinterher." – Meine Interaktion mit ihm fand wohlgemerkt erst ein paar Tage später statt; und sie bestand lediglich darin, dass ich zu einem Tweet von ihm, in dem er die Zustimmung der Synodalversammlung zum "Handlungstext zu Frauen im sakramentalen Amt" als "Mega wichtig für alle Frauen!" bezeichnete und darüber hinaus forderte "Wir brauchen endliche [sic] die Priester*innenweihe und Öffnung aller Ämter für Frauen!", anmerkte, so eine Äußerung könne man "doch schon rein sprachlich unmöglich ernst nehmen". Ja, schlimm sowas. Schon klar, dass die "Solidarität mit allen Menschen, die auf Twitter und sonst wo aufgrund ihrer geschlechtlichen Identität oder sexuellen Orientierung Hass erfahren", es erfordert  so üble Typen wie mich zu blockieren. Nun, wie gesagt: Kann er ja ruhig machen. Wobei ich allerdings zu bedenken geben möchte, dass man, wenn man offiziell als Repräsentant eines großen Verbands in den Sozialen Netzwerken unterwegs ist, vielleicht doch die Weisheit "Zieh die Filterblase nicht zu klein" beherzigen sollte. Derzeit hat Podschun jedenfalls nur gut halb so viele Twitter-Follower wie, beispielsweise, ich; ich finde, das sollte ihm zu denken geben. 


Was ich gerade lese 

  • zu Studienzwecken: Günter Hegele (Hg.), Warum neue religiöse Lieder? Eine Dokumentation. Regensburg: Bosse,  1964. 
Ein zeitgeschichtliches Dokument aus der Frühzeit des Neuen Geistlichen Liedes, herausgegeben von einem der zentralen Anreger dieser ganzen kirchenmusikalischen Bewegung. Auch wenn das Buch sich "Dokumentation" nennt, kann es seinen Charakter als Streitschrift nicht verleugnen. Abgesehen von einer gewissen unfreiwilligen Komik ist die Lektüre nicht unbedingt unterhaltsam, aber aufschlussreich. 

Der letzte Band einer uneingeschränkt empfehlenswerten Fantasy-Trilogie. So empfehlenswert, dass es eine Überlegung wert wäre, die Trilogie in einem separaten Blogartikel angemessen ausführlich zu rezensieren. Wenn ich mal dazu komme... 


Aus dem Stundenbuch 

Wenn seine Söhne meine Weisung verlassen, *
nicht mehr leben nach meiner Ordnung,

wenn sie meine Gesetze entweihen, *
meine Gebote nicht mehr halten,

dann werde ich ihr Vergehen mit der Rute strafen *
und ihre Sünde mit Schlägen.

Doch ich entziehe ihm nicht meine Huld, *
breche ihm nicht die Treue.

Meinen Bund werde ich nicht entweihen; *
was meine Lippen gesprochen haben, will ich nicht ändern. 

(Psalm 89,31-35 – dem Synodalen Weg gewidmet) 

Ohrwurm der Woche 

Helge Schneider: Comeback 


Selbsterklärend, oder? 



Sonntag, 12. März 2023

Einige Anfragen an die Pfarrei St. Willehad. Und ein Gebet.

Ich hatte es bereits angekündigt: Im Zusammenhang mit der Butjenter Regenbogenflaggen-Affäre möchte ich noch einmal speziell die Rolle, die die Pfarrei St. Willehad in diesen Vorgängen gespielt hat und weiterhin spielt, ins Auge fassen. Wie erfahrene Leser meines Blogs wissen, bin ich von dieser Pfarrei ja Kummer gewohnt, aber was da neuerdings los ist, übertrifft meine schlimmsten Erwartungen dann doch noch um Einiges. Gleichzeitig könnte man meinen, angesichts der Katastrophe des "Synodalen Weges" sei das, was in Butjadingen abläuft, nur ein Nebenkriegsschauplatz. Das mag so sein. Aber auch Nebenkriegsschauplätze – und vielleicht gerade sie – verdienen es, dass jemand um sie kämpft. 

Ich habe daher unten ein paar Textbausteine für eine kritische Bewertung des Verhaltens der örtlichen Kirchenvertreter zusammengestellt, und diese Textbausteine würde ich gern für eine Briefaktion nutzen; will sagen: Ich würde mich freuen, wenn möglichst viele meiner Leser diesen Text (oder Teile davon) als Vorlage nähmen, um den Verantwortlichen der Pfarrei ein bisschen Feedback für ihr Agieren in dieser Angelegenheit zukommen zu lassen – sei es per Mail an 

pfarrbuero@st-willehad-nordenham.de 

oder aber, um den Empfängern das Ausdrucken zu ersparen, direkt mit der guten alten Schneckenpost an die Adresse 

Katholische Pfarrei St. Willehad
St.-Willehad-Straße 37
26954 Nordenham.

Davon abgesehen denke ich, noch wichtiger, als den Verantwortlichen der Pfarrei die Meinung zu geigen, ist es, für die Gemeinde zu beten, und auch dafür habe ich weiter unten ein paar Textbausteine zusammengestellt. Auch hier würde ich mich freuen und wäre dankbar, wenn sich mir möglichst viele Leser im Gebet anschließen würden, und auch hier ist der von mir formulierte Text natürlich nur als Anregung zu verstehen und kann gern individuell angepasst werden. Zuerst aber zur Briefvorlage: 


Sehr geehrter Pfarrer Jasbinschek, sehr geehrter Diakon Richter, sehr geehrte Mitglieder des Pfarreirates von St. Willehad, 

in der Gemeinde Butjadingen hat es in jüngster Zeit erhebliche Aufregung um eine am Fahnenmast des zu Ihrer Pfarrei gehörigen Rat-Schinke-Hauses in Burhave gehisste Regenbogenflagge gegeben. Stein des Anstoßes war dabei – so hat es, aus der Distanz betrachtet, jedenfalls den Anschein – nicht so sehr die Anbringung der Flagge als vielmehr der Umstand, dass ein Mitglied des Gemeinderates von Butjadingen die Flagge als "kulturelle Schande" bezeichnete und ihre Entfernung verlangte.  Mit Datum vom 07.03. veröffentlichten daraufhin verschiedene politische und gesellschaftliche Gruppen aus der Wesermarsch eine "Gemeinsame Erklärung zur Äußerung des Butjadinger Ratsherrn Dr. Hortig", in der "die Hissung der Regenbogenfahne am katholischen Gästehaus in Burhave durch die katholische Kirchengemeinde" gutgeheißen und die Kritik daran scharf zurückgewiesen wurde. Unter den Unterzeichnern der Erklärung steht die "Kath. Kirchengemeinde Nordenham-Butjadingen-Stadland" an prominenter Stelle, direkt nach dem "CSD Wesermarsch Verein". 

Dass es in der Erklärung weiter heißt "Wir betrachten die Regenbogenfahne nicht als Symbol von Minderheiten, sondern als Symbol für Akzeptanz, Vielfalt und eine bunte Gesellschaft", verschleiert den Umstand, dass die Regenbogenflagge seit Jahrzehnte als Erkennungszeichen der Schwulenbewegung (heute meist "LGBT"- bzw. "LGBTTIQ"-Bewegung o.ä. genannt) etabliert und bekannt ist. Es handelt sich also gewissermaßen um das "Parteisymbol" einer ideologisch ausgerichteten Bewegung, deren Programmatik nicht bloß der Sittenlehre, sondern dem gesamten Menschenbild der katholischen Kirche entschieden widerspricht. Man kann den Verantwortlichen der Pfarrei St. Willehad daher schwerlich den Vorwurf ersparen, dass sie mit ihrem demonstrativen Bekenntnis zur Regenbogenflagge sowie dazu, "dass alle Menschen so sein können wie sie sind und lieben können, wen sie wollen" (wie es in der oben genannten Erklärung heißt), die Öffentlichkeit, aber auch und nicht zuletzt die eigenen Gemeindemitglieder darüber in die Irre führen, was die katholische Kirche tatsächlich über die Geschlechtlichkeit und Sexualität des Menschen lehrt. So heißt es im Katechismus der katholischen Kirche: 

2357 Homosexuell sind Beziehungen von Männern oder Frauen, die sich in geschlechtlicher Hinsicht ausschließlich oder vorwiegend zu Menschen gleichen Geschlechtes hingezogen fühlen. [...] Gestützt auf die Heilige Schrift, die sie als schlimme Abirrung bezeichnet (vgl. Gen 19, 1-29; Röm 1,24-27; 1 Kor 6,9-10; 1 Tim 1,10), hat die kirchliche Überlieferung stets erklärt, "daß die homosexuellen Handlungen in sich nicht in Ordnung sind" (CDF, Erkl. "Persona humana" 8). [...] Sie sind in keinem Fall zu billigen.

2358 Eine nicht geringe Anzahl von Männern und Frauen haben tiefsitzende homosexuelle Tendenzen. Diese Neigung [...] stellt für die meisten von ihnen eine Prüfung dar. Ihnen ist mit Achtung, Mitgefühl und Takt zu begegnen. Man hüte sich, sie in irgend einer Weise ungerecht zurückzusetzen. Auch diese Menschen sind berufen, in ihrem Leben den Willen Gottes zu erfüllen und, wenn sie Christen sind, die Schwierigkeiten, die ihnen aus ihrer Verfasstheit erwachsen können, mit dem Kreuzesopfer des Herrn zu vereinen.

2359 Homosexuelle Menschen sind zur Keuschheit gerufen. Durch die Tugenden der Selbstbeherrschung, die zur inneren Freiheit erziehen, können und sollen sie sich [...] durch das Gebet und die sakramentale Gnade Schritt um Schritt, aber entschieden der christlichen Vollkommenheit annähern.

Papst Franziskus betont im nachsynodalen Schreiben Amoris Laetitia (2016), es gebe "keinerlei Fundament dafür, zwischen den homosexuellen Lebensgemeinschaften und dem Plan Gottes über Ehe und Familie Analogien herzustellen, auch nicht in einem weiteren Sinn" (AL 251). Erinnert sei auch an die Klarstellung der Glaubenskongregation, vom 21. März 2021, es sei "nicht erlaubt, Beziehungen oder selbst stabilen Partnerschaften einen Segen zu erteilen, die eine sexuelle Praxis außerhalb der Ehe (das heißt außerhalb einer unauflöslichen Verbindung eines Mannes und einer Frau, die an sich für die Lebensweitergabe offen ist) einschließen, wie dies bei Verbindungen von Personen gleichen Geschlechts der Fall ist". 

Sie mögen persönlich der Meinung sein, diese Lehren der katholischen Kirche seien nicht mehr zeitgemäß, nicht menschenfreundlich o. dergl.; Sie sollten sich jedoch darüber im Klaren sein, dass Sie im lokalen Maßstab die Kirche als Ganze repräsentieren und dass die Gläubigen, aber auch die breitere Öffentlichkeit ein Recht darauf haben, dass man ihnen die Lehre der Kirche unverfälscht und unverkürzt verkündet.  

Kennen Sie diesen Herrn, und hat Er in Ihrer Kirche noch etwas zu sagen? 
(Wandgemälde in St. Willehad Nordenham, verfremdet) 

Gerade Priester und Diakone sollten sich bewusst sein, dass sie keine andere Autorität besitzen als die, die die Kirche ihnen durch das Sakrament der Weihe verliehen hat. Es ist daher ausgesprochen widersinnig, wenn sie diese Autorität dazu nutzen, gegenüber der Öffentlichkeit Auffassungen zu vertreten, die der Lehre der Kirche widersprechen. 

Mag der sogenannte "Synodale Weg" der Deutschen Bischofskonferenz und des "Zentralkomitees der deutschen Katholiken" den Eindruck erweckt haben, die Lehre der Kirche in den genannten Punkten könne gewissermaßen per Mehrheitsbeschluss geändert werden, so ist an die Mahnung Papst Franziskus' vom 21. Juli letzten Jahres zu erinnern, der "Synodale Weg" sei "nicht befugt, die Bischöfe und die Gläubigen zur Annahme neuer Formen der Leitung und neuer Ausrichtungen der Lehre und der Moral zu verpflichten". 

Der verstorbene Papst Benedikt XVI. bemerkte: "Vor hundert Jahren hätte es noch jedermann für absurd gehalten, von homosexueller Ehe zu sprechen. Heute ist gesellschaftlich exkommuniziert, wer sich dem entgegenstellt. [...] Die moderne Gesellschaft ist dabei, ein antichristliches Credo zu formulieren, dem sich zu widersetzen mit gesellschaftlicher Exkommunikation bestraft wird." In Butjadingen entsteht derzeit der fatale Eindruck, dass die institutionelle Kirche sich auf die Seite derer schlägt, die diese gesellschaftliche Exkommunikation über die Kritiker der herrschenden Ideologie der "sexuellen Vielfalt" verhängen. 

Ich wäre Ihnen dankbar für eine Stellungnahme dazu, inwieweit Sie der Auffassung sind, mit Ihrem Verhalten in dieser Angelegenheit Ihrer Verantwortung vor Gott und für die Ihnen anvertraute Gemeinde gerecht zu werden. 


*  *  *


Gebet für die Pfarrei St. Willehad Nordenham-Butjadingen-Stadland

Gott, stelle uns wieder her! Lass dein Angesicht leuchten und wir sind gerettet! Einen Weinstock hobst du aus in Ägypten, du hast Völker vertrieben und ihn eingepflanzt. Du schufst ihm weiten Raum, er hat Wurzeln geschlagen und das ganze Land erfüllt. Sein Schatten bedeckte die Berge, seine Zweige die Zedern Gottes. Warum rissest du seine Mauern ein? Alle, die des Weges kommen, plündern ihn. Der Eber aus dem Wald wühlt ihn um, es fressen ihn ab die Tiere des Feldes. Gott der Heerscharen, kehre doch zurück, blicke vom Himmel herab und sieh, sorge für diesen Weinstock! (Psalm 80,4.9-11.13-15) 

Allmächtiger Gott, 

Du hast Dir in Nordenham, Butjadingen und Stadland Dein Haus unter den Menschen erbaut, und Du wolltest, dass es ein Haus aus Lebendigen Steinen sei. Lass nicht zu, dass jene, denen Du die Sorge für Dein Haus anvertraut hast, seine Mauern einreißen und es der Verwüstung preisgeben. Schenke Deiner Gemeinde treue Hirten, die sich nicht scheuen, Dein Wort und Deinen Willen "gelegen oder ungelegen" (2 Tim 4,2) zu verkünden. Gewähre Deinem Volk in dieser Fastenzeit den Geist der Umkehr und Buße, erbarme Dich der Seelen, die durch falsche Lehren in die Irre geführt wurden, und steh denen bei, die für die Treue zu Deinem Wort Verfolgung erleiden. Darum bitten wir durch Jesus Christus, Deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit Dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. 

Amen. 

Heiligstes Herz Jesu – erbarme Dich unser
Heilige Maria, Mutter der Christenheit – bitte für uns
Heiliger Josef, Beschützer der Heiligen Familie – bitte für uns
Heiliger Petrus, du Fels, auf dem die Kirche erbaut ist – bitte für uns
Heiliger Johannes, du Jünger, den Jesus liebte – bitte für uns

Heiliger Benedikt – bitte für uns
Heiliger Bonifatius – bitte für uns 
Heiliger Willehad – bitte für uns 
Heiliger Liudger – bitte für uns 
Heiliger Petrus Canisius – bitte für uns 
Heiliger Pfarrer von Ars – bitte für uns 
Heiliger Papst Johannes Paul II. – bitte für uns 

Heiliger Karl Lwanga und Gefährten – bittet für uns 
Heiliger Petrus Damiani – bitte für uns 
Heilige Perpetua und Heilige Felizitas – bittet für uns 
Heiliger Sebastian – bitte für uns 
Heiliger Antonius von Padua – bitte für uns 
Heiliger Aloysius von Gonzaga – bitte für uns 
Heilige Maria Goretti – bitte für uns 

Alle Heiligen Gottes – bittet für uns 

Unter deinen Schutz und Schirm 
fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin 
Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten 
sondern erlöse uns jederzeit aus allen Gefahren 
O du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau 
Unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin 
Versöhne uns mit deinem Sohne 
Empfiehl uns deinem Sohne 
Stelle uns vor deinem Sohne. 

O mein Jesus, 
verzeih uns unsere Sünden 
bewahre uns vor dem Feuer der Hölle 
führe alle Seelen in den Himmel 
besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen. 

Komm, Heiliger Geist 
Komm durch die mächtige Fürsprache 
des Unbefleckten Herzens Mariens, 
Deiner so geliebten Braut. 

Maria mit dem Kinde lieb – uns allen deinen Segen gib. 

Marienstatue in Herz Mariae Burhave, verfremdet 



Samstag, 11. März 2023

Havels Gemüsehändler ist jetzt Tierarzt in Butjadingen

Die Butjenter haben es mal wieder geschafft. Seit Monaten werde ich von verschiedenen Seiten mit zunehmender Dringlichkeit, ja zuweilen fast mit Besorgnis gefragt, ob ich denn nicht endlich mal wieder was bloggen wolle, und immer sage ich: Wollen schon, wenn ich nur mal die Zeit dafür fände. Aber natürlich findet man die Zeit nie, wenn man sie sich nicht einfach mal nimmt. Man muss sich halt erst mal dazu aufraffen. Und den entscheidenden Schubs, damit ich das tue. haben mir, ich sagte es bereits, ausgerechnet mal wieder die Einwohner meiner idyllischen Herkunftsgemeinde an der Waterkant verpasst. Ganz unbeabsichtigt, versteht sich. 

Nämlich wie bzw. wodurch? – Seit einigen Tagen war mir in diversen Facebook-Gruppen und -Seiten aus Butjadingen eine gewisse Häufung von Beiträgen aufgefallen, die darauf schließen ließen, dass da irgendeine große virtue-signalling-Kampagne mit Regenbogenflaggen im Gange sei. Zunächst dachte ich an sowas wie "Gay-Pride-Parade in Stars Hollow" und nahm die ganze Sache nicht weiter ernst, aber nach und nach schnappte ich doch ein paar Hinweise darauf auf, dass die Aktion einen konkreten und brisanten Hintergrund hat. Irgendjemand in irgendwie prominenter Position in der Gemeinde hatte wohl irgendwas gesagt, wovon sich alle Gutgesinnten schleunigst distanzieren mussten. Es dauerte dann noch ein paar weitere Tage, bis ich dahinter kam, worum es tatsächlich ging; und dabei half mir ein am 06.03. in der Online-Ausgabe der Nordwest-Zeitung veröffentlichter Artikel von Eyleen Thümler. Über die journalistische Qualität dieses Artikels wird noch allerlei zu sagen sein, aber kommen wir erst mal zu den zentralen Fakten des Falles: 

Auslöser der ganzen Affäre war, wie es in dem Artikel heißt, "eine Regenbogenflagge vor dem Gästehaus der katholischen Kirche in Burhave". Hinzufügen sollte man, dass es sich bei diesem "Gästehaus" um das frühere Pfarrhaus handelt, das sich im selben Gebäude befindet wie die katholische Kirche Herz Mariae selbst. An einem Fahnenmast auf dem Kirchengrundstück war also eine Regenbogenflagge gehisst worden – warum? Von wem bzw. auf wessen Veranlassung? Das verrät der Artikel nicht; wohl aber, dass ein Mitglied des Gemeinderates von Butjadingen, der Tierarzt Dr. Hans Hortig, in einer Sitzung des Ausschusses für Familie, Jugend, Sport und Kultur die Entfernung der Flagge forderte und von einer "kulturellen Schande" sprach. 

Ehrlich gesagt, ich weiß nicht genau, was die Formulierung "kulturelle Schande" ausdrücken soll, und davon abgesehen meine ich mich vage zu erinnern, dass Dr. Hortig sich irgendwann mal zu einem völlig anderen Thema (oder verschiedenen) auf eine Weise positioniert hat, die ich nicht so richtig knorke fand, kann dafür aber keinen konkreten Beleg anführen. Aber wie dem auch sei, man kann wohl schwerlich leugnen, dass er mit seinem Protest gegen das Hissen einer Regenbogenflagge vor einem katholischen Kirchengebäude Rückgrat bewiesen hat. 

Und so etwas mögen die Butjenter nicht. 

Symbolbild (Quelle hier)

Zu sagen, Dr. Hortigs Einlassung habe Empörung hervorgerufen, wäre geradezu eine Untertreibung. Vielmehr scheint die Auffassung vorzuherrschen, er habe mit seiner Äußerung Schande über ganz Butjadingen gebracht, und diese Schmach könne nur dadurch abgewaschen werden, dass die ganze Gemeinde in ein Meer von Regenbogenflaggen getaucht wird. Angesichts der rituellen Qualität dieses kollektiven Bußakts möchte man als Katholik fast neidisch werden. Der oben bereits angesprochene Artikel der Nordwest-Zeitung feiert die Aktion "Butjadingen zeigt Flagge" mit der Überschrift "Jetzt zeigen die Butjenter, dass sie weltoffen und tolerant sind". Da muss man erst mal drauf kommen! Von dem journalistischen Grundsatz, sich mit keiner Sache gemein zu machen – auch nicht mit einer, die man für eine gute hält – haben Fräulein Thümler und ihre Redaktion offenbar auch noch nichts gehört, aber das ist man heutzutage ja kaum anders gewohnt. Bei den Stichworten Weltoffenheit und Toleranz will ich allerdings doch nochmal nachfassen. "Die Regenbogenflagge steht nicht nur [!] für Weltoffenheit und Toleranz", räumt Eyleen Thümler in ihrem Artikel ein, "sondern auch [!] für die LGBTQI*-Gemeinschaft und damit für sexuelle Selbstbestimmung."  Ach. Mal abgesehen davon, wie unkritisch-unreflektiert hier mit Propagandabegriffen wie "sexuelle Selbstbestimmung" hantiert wird, ist dieses "nicht nur, sondern auch" schon eine Glanzleistung in Sachen semantischer Verschleierung; es kommt aber noch besser: "Unabhängig davon ist der Regenbogen schon immer ein christliches Symbol, weshalb die bunte Flagge unter anderem auch an vielen Kirchen oder Gemeindehäusern hängt." Äh. Glaubt die Frau eigentlich selber, was sie schreibt? Man kann es wohl nicht ganz ausschließen. 

Wie dem auch sei: "Weltoffenheit und Toleranz" kann ich in dieser ganzen Angelegenheit nicht erkennen, sondern vielmehr eine beängstigende Mitläufermentalität, die der Regenbogenflagge ebenso huldigt, wie zu anderen Zeiten anderen Flaggen gehuldigt wurde. Erinnern wir uns an die Parabel vom Gemüsehändler, die Václav Havel in seinem Essay "Versuch, in der Wahrheit zu leben" (1978) erzählt und die in Rod Drehers "Benedikt-Option" wie folgt zusammengefasst und paraphrasiert wird: 

Man stelle sich vor – schreibt Havel –, ein Gemüsehändler, der unter kommunistischer Herrschaft lebt, hängt ein Schild in sein Ladenfenster, auf dem steht "Proletarier aller Länder, vereinigt euch!". Er tut das nicht unbedingt, weil er daran glaubt. Er will einfach nur keinen Ärger. Und wenn er im Grunde gar nicht recht daran glaubt, wird er das Beschämende dieses Zwangs verbergen, indem er sich selbst sagt: "Warum sollten sich eigentlich die Proletarier aller Welt nicht vereinigen?". Furcht gestattet es der offiziellen Ideologie, ihre Macht zu bewahren – und verändert schließlich die Überzeugungen des Gemüsehändlers. Jene, die, so Havel, "in der Lüge leben", kollaborieren mit dem System und kompromittieren damit ihre Integrität als Mensch.

Jeder Akt hingegen, der der offiziellen Ideologie widerspricht, ist eine Verweigerung gegenüber dem System. Was, wenn der Gemüsehändler das Schild eines Tages nicht mehr in sein Ladenfenster hängt? Was, wenn er sich weigert, mitzumachen, nur um unbehelligt zu bleiben? "Seine Rebellion wird ein Versuch um das Leben in Wahrheit sein" – und sie wird ihn eine Menge kosten.
Wie ich schon vor ein paar Jahren mal schrieb: Das Propagandabanner unserer Tage ist die Regenbogenflagge, und wer sie sich nicht wenigstens im metaphorischen Sinne "ins Fenster hängt", bekommt Probleme. – Mit der großflächigen Regenbogen-Beflaggung des Gemeindegebiets, die die Aktion "Butjadingen zeigt Flagge" anstrebt, ist es indes noch nicht getan: Mit Datum vom 07.03. veröffentlichten diverse politische und gesellschaftliche Gruppen aus der Wesermarsch eine "Gemeinsame Erklärung zur Äußerung des Butjadinger Ratsherrn Dr. Hortig", mit folgendem Inhalt: 

1. Wir, die Unterzeichnenden dieser gemeinsamen Erklärung, begrüßen die Hissung der Regenbogenfahne am katholischen Gästehaus in Burhave durch die katholische Kirchengemeinde und erteilen der Forderung nach Entfernung dieser eine klare Absage.

2. Wir verurteilen, unter Respektierung des Rechts auf freie Meinungsäußerung, die Äußerung des Butjadinger Ratsherren Dr. Hortig, in der dieser die Regenbogenfahne als "kulturelle Schande" bezeichnet, aufs Schärfste.

3. Wir betrachten die Regenbogenfahne nicht als Symbol von Minderheiten, sondern als Symbol für Akzeptanz, Vielfalt und eine bunte Gesellschaft, in der gemäß Grundgesetz alle Menschen ihre Persönlichkeit frei entfalten dürfen. Entsprechend sehen wir in der Äußerung von Herrn Dr. Hortig einen Angriff auf diese Werte.

4. Wir solidarisieren uns mit allen Menschen, die durch die diskriminierende Äußerung angegriffen wurden, und stehen hinter ihnen.

5. Wir, die Unterzeichnenden dieser gemeinsamen Erklärung, bekennen uns zu Respekt, Akzeptanz, Vielfalt und freier Persönlichkeitsentfaltung und stehen dafür ein, dass alle Menschen so sein können wie sie sind und lieben können, wen sie wollen.
– Leute, Orwell hat "1984" als Warnung geschrieben und nicht als Anleitung. Schon allein bei der salvatorischen Klausel "unter Respektierung des Rechts auf freie Meinungsäußerung" in Punkt 2 wird mir ganz anders. Und dann in Punkt 3: "Wir betrachten die Regenbogenfahne nicht als [...], sondern als [...]": Das ist Augenwischerei im Sinne von "Was ist so falsch daran, dass sich die Proletarier aller Länder vereinigen?" Symbole zeichnen sich nun einmal dadurch aus, dass sie eine festgelegte Bedeutung haben. Man kann sich auch nicht darauf berufen, dass die Swastika ein buddhistisches Glückssymbol sei – stopp, nehmen wir lieber ein anderes Beispiel: Wenn einen die Verkehrspolizei dafür belangt, dass man an einem Stoppschild nicht angehalten hat, kann man auch nicht sagen "Für mich hat dieses Schild aber eine andere Bedeutung". 

An erster Stelle bei den Unterzeichnern dieser Erklärung steht übrigens der "CSD Wesermarsch Verein", und direkt danach – vor dem "Ev.-luth. Kirchenkreis Wesermarsch" – folgt dann schon die "Kath. Kirchengemeinde Nordenham-Butjadingen-Stadland"; was, mit Blick auf Punkt 1, u.a. bedeutet, dass sie sich für die Anbringung der Regenbogenflagge am Rat-Schinke-Haus ein kräftiges Eigenlob zollt. Nun könnte man natürlich sagen, in Zeiten von "Synodalem Weg", #LoveIsNoSin, #OutInChurch usw. usw. brauche man sich über all das nicht sonderlich zu wundern. Es fällt allerdings auf, dass die Pfarrei St. Willehad, soweit ich sehe – sollte mir etwas entgangen sein, bitte ich um Mitteilung – weder auf ihrer Website noch auf ihrer Facebook-Seite noch gar in ihren Pfarrnachrichten irgendwie zu der Rolle, die sie in dieser ganzen Affäre gespielt hat und weiterhin spielt, Stellung nimmt. Ganz so billig, finde ich, sollte man sie nicht davonkommen lassen. Aber dazu folgt in Kürze noch ein eigener Artikel... 



Dienstag, 12. April 2022

Neustart in Haselhorst

Hallo, Leser. 

Ja, ich weiß, ich habe schrecklich lange nichts von mir hören lassen. Wie mir zugetragen wurde, hatten einige Leser schon Sorge, ob ich wohl überhaupt noch lebe. Das kann ich hiermit offiziell bestätigen: Es geht uns gut, der ganzen Familie. Ja, Corona hatten wir inzwischen auch -- offiziell allerdings nur meine Liebste; die Kinder und ich mussten halt mit in Quarantäne, wir hatten aber auch alle ungefähr dieselben Erkältungssymptome, nur unterschiedlich stark ausgeprägt. Was mich persönlich betrifft, fühlte ich mich ungefähr zwei Wochen lang nicht so richtig gesund, davon netto vielleicht drei bis vier Tage so schlecht, dass ich am liebsten den ganzen Tag im Bett geblieben wäre. Ging aber nicht, wegen der Kinder. Kurz und gut, ich bin in meinem Leben schon schlimmer krank gewesen, und das soll's jetzt auch zu diesem Thema gewesen sein, zumal das nicht der wesentliche Grund war, weshalb ich so lange nichts gebloggt habe. 

Nein, der wesentliche Grund war, dass es mir in den letzten Monaten schlicht an Zeit und Muße zum Bloggen gefehlt hat. Und dann spielte auch noch ein gewisser Unwille eine Rolle, mir, was die Zukunftsperspektiven des Projekts "Punkpastoral" angeht, allzu tief in die Karten schauen zu lassen, solange mehr oder weniger noch alles in der Schwebe war. 

Was das angeht, sind meine Liebste und ich in den vergangenen Monaten alles andere als müßig gewesen. Wir haben Konzepte entwickelt, Briefe geschrieben, Gespräche geführt - unter anderem mit unserem Erzbischof; das war ein sehr nettes und ermutigendes Gespräch, auch wenn es vorläufig noch keine konkreten Ergebnisse erbracht hat -; und noch dazu sind einige Projekte "von außen" an uns heran getragen worden bzw. uns in den Schoß gefallen (dazu bei Gelegenheit mehr). Und auch wenn Vieles weiterhin noch in der Schwebe ist und einige unserer Ideen sich zumindest vorläufig noch nicht umsetzen lassen, gibt es doch immerhin schon mal einen Erfolg zu verkünden: 

Ab dem 22. April leiten wir die Krabbelgruppe in St. Stephanus Berlin-Haselhorst! 

Die Krabbelgruppen-Ausstattung vor dem "Umzug"

Und zwar jeden Freitag, es sei denn, wir sind gerade nicht da. -- Natürlich sehen wir die Krabbelgruppe auch und nicht zuletzt als ein Angebot für Eltern, sich kennenzulernen und zu vernetzen, und daraus können und sollen sich dann auch weitere Projekte ergeben. Das Angebot steht daher ausdrücklich allen interessierten Familien offen, ob sie zur Gemeinde von St. Stephanus gehören oder nicht. In unmittelbarer Nachbarschaft von St. Stephanus befindet sich übrigens die EFG The Rock Christuskirche, die allem Anschein nach eine sehr aktive Jugendarbeit leistet; da zeichnen sich also auch Kooperationsmöglichkeiten ab, zumal wir uns mit den dortigen Mitarbeitern schon ein paarmal sehr nett unterhalten haben. 

Alles in allem kann ich sagen, dass mich die Aussicht, nach einigen Monaten Auszeit wieder mit der praktischen Gemeindearbeit durchzustarten, mit Freude und gespanntem Optimismus erfüllt. Vor allem ist es im Vergleich zu den zurückliegenden fünf Jahren schon mal eine ganz neue Erfahrung, dass sich Mitarbeiter einer Gemeinde aktiv darum bemühen, dass wir bei ihnen was machen. Wenn man es gewohnt ist, mit seinen Initiativen immer und immer wieder auf eine Mischung aus Desinteresse und Ablehnung zu stoßen, dann liegt es nahe, sich mit der Vorstellung zu trösten, woanders sei es auch nicht besser. Aber die gute Nachricht ist, das stimmt nicht. Sicherlich muss man überall damit rechnen, Verhältnisse vorzufinden, die nicht gerade ideal sind, aber es gibt doch erhebliche Unterschiede, und zwar nicht nur graduelle, sondern auch prinzipielle. Ich will hier nicht groß ins Detail gehen, aber ich muss schon sagen, im Rückblick frage ich mich, wie wir es überhaupt so lange in unserer jetzt ehemaligen Gemeinde ausgehalten haben. 

Zugeben muss man natürlich, dass die räumliche Nähe ein echtes Argument ist. Die Hürde, in einer Gemeinde aktiv zu sein, zu deren Standort man erst mal 20 Minuten mit dem Bus fahren muss (plus Wartezeit), ist schon signifikant höher als bei einem Fußweg von ca. 7 Minuten. Besonders mit Kindern. Aber auch wenn es eine Hürde ist, ist es doch keine unüberwindliche. Wenn die Krabbelgruppe erst mal gut angelaufen ist, würde ich gern als nächstes das "Dinner mit Gott" wieder aufleben lassen. Gern auch in Kombination mit einer Lobpreisandacht. Vorerst noch ungeklärt ist, wie es mit dem Büchereiprojekt weitergeht. Aber da sage ich mir: Kommt Zeit, kommt Rat. Konzentrieren wir uns erst mal auf einen guten Start für die Krabbelgruppe. Gebetsunterstützung ist selbstverständlich willkommen; und wem Berlin-Haselhorst nicht zu weit ist und wer Kinder im Krabbelalter hat, der sei herzlich eingeladen, einfach mal vorbeizukommen! 

St. Stephanus, Gorgasring 5, 13599 Berlin-Haselhorst. Die Parkplatzsituation ist derzeit, baustellenbedingt, schwierig. Dafür ist aber die ÖPNV-Anbindung gut.