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Dienstag, 9. Juni 2026

Mehr Neues vom Schulkind, den anderen Schulkindern und deren Eltern

Neulich war Tag der offenen Tür an der Schule des Tochterkindes, und auch wenn ich den Eindruck hatte, dort sei nicht sonderlich viel los, hatte ich da doch ein paar Begegnungen, die ich erwähnenswert finde – und sei es nur als Aufhänger für die Reflexionen, die ich im Folgenden daran zu knüpfen gedenke. Zunächst einmal wäre da die Begegnung mit den Eltern eines vielleicht neun- oder zehnjährigen Jungen, die sagten, sie scheiterten gerade am Regelschulsystem und suchten daher nach einer Schulalternative für ihren Sohn. Zu der von Mitarbeitern der Schule angebotenen Führung durch die Räumlichkeiten waren sie zu spät gekommen, und so ergab es sich, dass sie zunächst mit meiner Liebsten ins Gespräch kamen. Als sie ihnen den Wochenplan erläuterte, gesellte ich mich dazu, und als die Mutter Interesse zeigte, den Kunstraum zu sehen, bot ich ihr an, ihr diesen zu zeigen. (Genauer gesagt fragte ich zunächst meine Tochter, ob sie das übernehmen möge, da sie sich im Kunstraum sicher besser auskenne als ich; aber sie war gerade anderweitig beschäftigt.) Auf dem Weg durch das Schulgebäude stellte die Mutter mir zahlreiche Fragen zum Schulalltag und ‐konzept; nach dem Kunstraum zeigte ich ihr, ihrem Sohn und dessen Vater auch noch den Naturwissenschafts-Raum, die Bibliothek, den Musikraum und die Holzwerkstatt, und am Ende bedankte sich die Mutter so überschwänglich bei mir, als hätte ich ihrem Jungen gerade das Leben gerettet. (Das meine ich übrigens, auch wenn es so wirken mag, überhaupt nicht spöttisch; ich finde eher, es illustriert, wie sehr manche Familien unter dem Regelschulsystem leiden und wie froh sie sind, wenn sie sehen, dass es auch was anderes gibt.) – Die zweite erwähnenswerte Begegnung bei diesem Tag der offenen Tür hatte ich mit einer Journalistin, die eine Reportage über diese Schule schreiben will und zu diesem Zweck Interviews mit Schülern und Eltern führte. Da beteiligte ich mich natürlich gern, so von Kollege zu Kollegin; ich gab einige meiner Lieblingsanekdoten aus den zurückliegenden knapp drei Schuljahren zum Besten und beantwortete anschließend noch ein paar Fragen – darunter auch die, ob ich anfangs auch Bedenken gegenüber dem Schulkonzept gehabt hätte. Dazu sagte ich wahrheitsgemäß und zur offenkundigen Überraschung der Interviewerin, gewisse Bedenken gegenüber dem Schulkonzept hätte ich durchaus immer noch bzw. immer mal wieder – wenn auch eher nicht in der Hinsicht, dass ich etwa denken würde, meine Tochter würde an dieser Schule nicht genug lernen, sondern eher in Hinblick auf Dinge wie unregulierten Medienkonsum und allgemein sehr locker gehandhabte Aufsicht. Während ich darüber sprach, fiel mir plötzlich auf, dass ich, wenn ich anderen von der Schule meines Tochterkindes erzähle, nahezu ausschließlich, oder jedenfalls weit überwiegend, darüber spreche, was ich an dieser Schule gut finde. Was wohl dafür spricht, dass in meiner Wahrnehmung das, was ich an dieser Schule nicht so ganz ideal finde, im Verhältnis zu dem Guten nicht so sehr ins Gewicht fällt. Aber es ist nicht nur das: So sehr es zuweilen Anlass zur Sorge geben mag, dass mein Kind im Schulalltag problematischen Einflüssen ausgesetzt sein könnte – von ein paar Fallbeispielen war hier schon mal die Rede –, bin ich doch der Überzeugung, dass dies an einer Regelschule eher noch mehr der Fall wäre, wenn auch vielleicht in anderer Form. 

Symbolbild: Hauswand irgendwo in der Nähe des Spreeufers, glaub ich. 

Zugegeben: Womit man rechnen muss, ist, dass an einer freien Schule mit sehr alternativem Lernkonzept die Eltern der Mitschüler im Durchschnitt eher "progressiver" sind als an einer Regelschule, wo ja alle möglichen Leute ihre Kinder hinschicken, die nicht mehr miteinander gemeinsam haben als die Tatsache, dass sie in derselben Gegend wohnen – was zwar, je nach Zuschnitt der Schulbezirke, aus soziologischer Sicht schon größere Gemeinsamkeiten implizieren könnte als man meinen möchte, aber das ist jetzt und hier nicht mein Thema. Was die Lehrkräfte angeht, die sich bewusst dafür entscheiden, an so einer Schule zu arbeiten, und dafür gegenüber einer Tätigkeit im Regelschuldienst ein erheblich geringeres Einkommen und überhaupt ein sehr viel geringeres Maß an materieller Sicherheit in Kauf nehmen, kann und muss man wohl ebenfalls davon ausgehen, dass sie tendenziell anders drauf sind als der durchschnittliche Deutsch- und Mathelehrer an der Hans-Huckebein-Grundschule in Oberniederndorf; engagierter und idealistischer vielleicht, aber Idealismus geht ja nicht selten auch mit, sagen wir mal, nicht ganz mehrheitsfähigen Anschauungen und Überzeugungen einher bzw. speist sich aus diesen – da spreche ich aus eigener Erfahrung. Bleiben wir aber erst mal bei den Eltern. Beim Tag der offenen Tür fiel mir auf, dass die Mutter eines Mitschülers meiner Tochter nicht nur einen neuen Haarschnitt hat, sondern auf ihrem selbstgebastelten Namensschild die Pronomen dey/dem angegeben hatte. Augenroll. So sehr ich bereit und bemüht bin, Menschen, die sich selbst eine nichtbinäre oder fluide Gender-Identität zusprechen, mit Achtung und Takt zu begegnen: Bei dieser Masche mit den ausgedachten Pronomen hört's für mich auf. Das ist doch nur ein bescheuerter Social-Media-Trend. Ich habe erhebliche Schwierigkeiten, mir vorzustellen, dass es ernsthaft Leute gibt, die irgendwo die Pronomen ze/zir oder eben dey/dem lesen und spontan denken: Das bin ich! Endlich habe ich eine Möglichkeit gefunden, meine Gender-Identität adäquat auszudrücken! I don't think so. 

(Übrigens kenne ich zufällig und aus einem ganz anderen Zusammenhang – wie das Leben so spielt – auch den Bruder dieser nonbinären Elternperson, und der ist erzkatholisch. Aber das soll hier nicht mehr sein als eine anekdotische Randbemerkung.)

Eine andere Eltern-Anekdote hatte ich schon vor ein paar Wochen kurz angerissen und "zur eventuellen späteren Verwendung" vorgemerkt: Da hatte sich mein Tochterkind nämlich mit zwei Schulfreundinnen zu einem Ausflug ins Schwimmbad verabredet, oder genauer gesagt, die beiden anderen Mädchen hatten unsere Tochter eingeladen, zu einem bereits geplanten Schwimmbadausflug mitzukommen. Stattfinden sollte das Ganze an einem Sonntag, an dem ich in St. Joseph Siemensstadt einen Kinderwortgottesdienst mitzugestalten hatte; und als ich mich mit der Mutter der beiden anderen Mädchen in Verbindung setzte, um abzuklären, wie wir uns denn da jetzr miteinander koordinieren sollten, stellte sich heraus, dass sich alles bemerkenswert gut zusammenfügte: Nicht nur wohnte sie ebenfalls in Siemensstadt – genauer gesagt, im Neuen Gartenfeld –, sondern zudem hatte sie ziemlich genau in dem Zeitraum, in dem wir in der Kirche waren, auch noch einen Termin. Und zwar bei der Partei Die Linke, zur Vorbereitung des nächsten Wahlkampfs. Vive la difference, sag ich mal. Wir trafen uns nach ihrem Termin bei ihr zu Hause, sodass ich, auch wenn ich nicht ins Schwimmbad mitkam, immerhin die Wohnung zu sehen bekam – und das Bücherregal; das interessiert mich in fremden Wohnungen immer am meisten. Im vorliegenden Fall fand ich da ziemlich viele Bücher über Feminismus und Gender vor, aber auch "Deutschland schafft sich ab" von Thilo Sarrazin Seite an Seite mit "Freiheit statt Kapitalismus" von Sahra Wagenknecht und, was ich fast noch witziger finde, den Koran neben Richard Dawkins' "Der Gotteswahn"

Und dann gibt es ja noch den jungen Mann, mit dem ich mal am heimischen Küchentisch eine Diskussion über Anarchismus und den Spanischen Bürgerkrieg hatte und dessen Tochter – deren Verhältnis zu meiner Tochter ich mal als "On/Off-Freundschaft" charakterisiert habe – seit einiger Zeit auch beim Kampfsport mitmacht. Dadurch sehe ich den Papa jetzt auch öfter – und habe ihm inzwischen auch, wie längst versprochen, das Buch "Mein Katalonien" von George Orwell ausgeliehen. Erwähnen wollte ich hier aber ein paar andere Erlebnisse mit ihm in der letzten Zeit. Unlängst hatten wir am Rande des Kampfsporttrainings einen kurzen Austausch darüber, dass seine Tochter ziemlich neidisch auf meine sei, da diese schon den weiß-gelben Gürtel hat und sie selbst "noch nicht mal" das gelbe Bändchen. Er merkte dazu an, es könne seiner Tochter gar nicht schaden, mal die Erfahrung zu machen, nicht in allem immer die Erste, Beste und Tollste zu sein, und ich signalisierte Zustimmung – verkniff mir dabei allerdings die Anmerkung, es liege ja wohl auch in der Verantwortung der Eltern, ihren Kindern beizubringen, dass sich nicht die ganze Welt um sie dreht. – Bei einer anderen Gelegenheit holten wir beide gleichzeitig unsere Töchter von der Schule ab, um sie zum Training zu bringen, und ich hatte dabei auch noch meinen Jüngsten im Schlepptau, den ich unmittelbar zuvor von der KiTa abgeholt hatte und der ebenfalls Training hatte. Unterwegs kam es zu ein paar kleinen, mehr oder weniger alltäglichen Konfliktsituationen zwischen den Geschwistern – nichts wirklich Dramatisches, aber ausreichend, um den Vater des anderen Mädchens zu der Bemerkung zu veranlassen, er stelle es sich ja ziemlich herausfordernd vor, mehr als ein Kind zu haben und diesen Kindern gleichermaßen gerecht zu werden. Er fügte hinzu, er könne sich auch nicht so richtig vorstellen, woher Eltern, wenn sie mit einem Kind "gerade so aus dem Gröbsten raus" seien, die Motivation nähmen, ein weiteres Kind zu bekommen, mit dem sie dann sozusagen wieder "von vorne anfangen" müssten. Ich schätze mal, das war mit einem gewissen Augenzwinkern gemeint, aber es warf doch ein gewisses Licht darauf, wieso seine Tochter Einzelkind ist. Da konnte ich es mir dann doch nicht verkneifen, meinen Gesprächspartner ein bisschen zu schocken, indem ich ihm von dem Väterwochenende in Zinnowitz erzählte, an dem ein Vater mit vier Kindern teilnahm – und dass dieser Vater noch vier weitere Kinder hatte, die nicht mitgekommen waren. 

Nun, wie es in einer Folge der Sendung mit dem Elefanten mal so schön und treffend hieß: Jeder Mensch ist anders, aber es gibt auch Menschen, die sind besonders anders. Ich glaube, das beschreibt unsere Position und Rolle in dem eigentümlichen Sozio-Biotop dieser Schulgemeinschaft recht gut. Akzeptanzprobleme wegen unserer besonderen Art des Andersseins haben wir da bisher noch nicht zu spüren bekommen, oder sagen wir: kaum. Wir haben schon mehrfach Freundinnen unseres Tochterkindes von der Schule aus zum christlichen Kindernachmittag JAM ("Jungschar am Mittwoch") mitgenommen, wohlgemerkt auf deren ausdrücklichen Wunsch und nicht ohne die Einwilligung der jeweiligen Eltern; das ist bisher nur einmal daran gescheitert, dass die Eltern einer Schulfreundin in letzter Sekunde doch etwas dagegen hatten, aber ob das mit dem christlichen Charakter der Veranstaltung zu tun hatte, weiß ich streng genommen nicht. Und neulich gab es mal einen Fall, wo die Mutter eines Mädchens, mit dem unsere Tochter gerade Streit hatte, sich in einer WhatsApp-Nachricht sarkastisch bis abfällig darüber äußerte, dass wir ja angeblich so tolle Christen seien. Auf die Hintergründe dieses Streits will ich hier gar nicht näher eingehen, es war eigentlich eher ein Streit zwischen zwei Freundinnen unserer Tochter, bei dem sie zwischen die Fronten geriet, weil sie nicht Partei ergreifen wollte. Religiöse Fragen spielten da eigentlich überhaupt keine Rolle, aber dass Leute, die selber mit dem christlichen Glauben nichts am Hut haben, bekennenden Christen einen besonders empfindlichen Stoß zu versetzen versuchen  indem sie vorwerfen, sie verhielten sich nicht sehr christlich, habe ich durchaus auch schon mal in ganz anderen Zusammenhängen erlebt. Das wäre vielleicht mal ein Thema für sich. 

Der besagte Streit im Freundinnenkreis bringt mich indes noch auf zwei weitere Aspekte, die ich in Hinblick auf den Schulalltag unserer Großen erwähnenswert finde; ich meine damit den Umgang der Schule mit zwei Themen, die beide mit M anfangen, nämlich Medien und Mobbing. In dem Streit zwischen den Freundinnen unserer Tochter verschränkten sich beide Themen auf charakterische Weise miteinander, denn dieser Streit spielte sich zu einem großen Teil in Form von Sprachnachrichten über WhatsApp ab. Was ich bis dahin nicht wusste, ist, dass WhatsApp sogar seitens des Anbieters der App nicht für Nutzer unter 12 Jahren empfohlen wird, und das hat offenbar seinen Grund. "Digital naiv", wie ich von Haus aus bin, hätte ich angenommen, WhatsApp sei "im Prinzip auch nichts anderes als früher SMS", aber wie es scheint, hat WhatsApp doch eine andere Dynamik, regt zu einem anderen Nutzerverhalten an und lässt Konflikte schneller und heftiger eskalieren. Im vorliegenden Fall führte das dazu, dass eine Mitarbeiterin der Schule den beteiligten Mädchen das Versenden von WhatsApp-Nachrichten während der Schulzeit kurzerhand verbot. Eine auffallend harte Maßnahme, wenn man bedenkt, dass Lehrkräfte an dieser Schule den Schülern normalerweise nicht einfach so etwas verbieten: Normalerweise gibt es für so etwas eine Rechtsversammlung, in der Lehrer und Schüler gleichberechtigt über Streitfälle richten und Konsequenzen für Regelverletzungen beschließen. Im vorliegenden Fall handelte es sich bei dem WhatsApp-Verbot aber um eine Sofortmaßnahme im Interesse der Deeskalation: Natürlich, so erklärte mir die besagte Mitarbeiterin, sei der eigentliche Konflikt damit noch nicht geklärt oder beigelegt, aber immerhin könne man so erst einmal verhindern, dass er sich weiter hochschaukelt. Ich fand, da hatte sie ganz recht. 

Ein paar Tage später ergab es sich dann, dass meine Liebste und ich (und unser Jüngster) unsere Große zu einer gemeinsamen Aktivität am Nachmittag von der Schule abholen wollten, und während sie noch damit beschäftigt war, ihre Sachen zusammenzusuchen usw., fiel mir auf, dass im Türspalt ihres Schließfachs ein Zettel klemmte – auf dem eine Beleidigung stand. Ich zeigte den Zettel erst einmal meiner Liebsten – und die marschierte damit sofort zu einem Mitarbeiter der Schule, nämlich einem, der am Rande einer Schulveranstaltung mal erzählt hatte, er sei Lehrer geworden, um Mobbing zu verhindern. Der reagierte sofort – nämlich indem er sich neben unsere Tochter, die noch mit Aufräumen beschäftigt war, auf den Boden hockte und sie ruhig und freundlich fragte, wie denn ihr Schultag so gewesen sei. "So mittel", erwiderte sie gedämpft, und im weiteren Verlauf des Gesprächs stellte sich dann heraus, was für Konflikte es zwischen ihr und ein paar anderen Mädchen gegeben hatte und warum da jemand so sauer auf sie war, dass diese Person eine beleidigende Botschaft an ihrem Spind hinterließ. Der Mitarbeiter nahm das alles ruhig zur Kenntnis und gab ihr ein paar gute Ratschläge, wie sie mit der Situation umgehen solle, und ich möchte mal sagen, in meiner eigenen Grundschulzeit habe ich in vergleichbaren Situationen deutlich schlechtere Erfahrungen mit dem Konfliktmanagement von Lehrkräften gemacht. 

Um abschließend noch eine ganz andere Beobachtung festzuhalten: Es kommt immer mal wieder vor, dass ich Teenager, von denen ich weiß, dass sie dieselbe Schule besuchen wie mein Tochterkind, während der Schulzeit außerhalb der Schule treffe, zuweilen sogar ziemlich weit entfernt von der Schule (was in einigen Fällen sogar heißen kann "in einem anderen Stadtteil"). Zum Beispiel in einem Einkaufszentrum oder auf einem Kinderspielplatz, wo sie am höchsten Punkt einer Kletterspinne sitzen und chillen. In letzter Zeit sind mir in dieser Hinsicht wiederholt drei Mädchen aufgefallen, von denen eins vor knapp drei Jahren die Einschulungspatin meiner Tochter war. Aktuell sind bei diesen Mädchen punkige Klamotten, knallig gefärbte Haare und düsteres Make-up angesagt, sie tragen  Antifa-Aufnäher auf ihren Umhängetaschen, kauen mit offenem Mund Kaugummi und schlurfen betont lässig durch die Gegend. Neulich traf ich sie, als ich gerade meinen Jüngsten von der KiTa abholen wollte; da hatten sie eine mobile Lautsprecherbox bei sich, aus der "Because I Got High" von Afroman ertönte. Was diese ganzen "Wir sind böse Mädchen und schwänzen die Schule"-Attitüde aus meiner Sicht allerdings ziemlich unfreiwillig komisch macht, ist das Wissen darum, dass sie in Wirklichkeit gar nicht die Schule schwänzen. Das brauchen sie nämlich gar nicht. Wenn sie morgens vor 10:30 Uhr in der Schule aufkreuzen und sich in die Anwesenheitsliste eintragen, dann hindert sie – vorausgesetzt sie haben eine entsprechende Ausgeh-Erlaubnis von ihren Erziehungsberechtigten – nichts und niemand daran, den weiteren Schultag zum größten Teil im Einkaufszentrum, auf einem Klettergerüst oder an einem Badesee zu verbringen, vorausgesetzt, sie geben auf der "Ausgehliste" der Schule an, wo sie hingehen und wann sie voraussichtlich zurückkommen: Das gilt dann als an "außerschulischen Lernorten" verbrachte Schulzeit. Damit will ich sagen: Diese Teenager haben eigentlich überhaupt nichts, wogegen sie rebellieren müssten oder auch nur könnten. -- Man könnte auf den Gedanken kommen, das sei vielleicht gar nicht so gut für die Jugendlichen und man sollte ihnen lieber ein bisschen mehr Grund geben, sich aufzulehnen und sich ihre Freiheiten zu erkämpfen. Ein anderer Gedanke, der mir im diesem Zusammenhang kam, lautet, dass es irgendwie folgerichtig ist, wenn besonders solche Jugendliche, die in ihrer konkreten, unmittelbaren Lebenswirklichkeit wenig Grund oder Anlass zu Rebellion haben, ihre Spinde und Rucksäcke mit Parolen "gegen Rechts" und/oder gegen den Klimawandel bepflastern: Das sind eher diffuse Bedrohungsszenarien, die davon, dass man gegen sie protestiert, nicht weggehen, aber dafür kann man sich moralisch auf der richtigen Seite fühlen und wird von den maßgeblichen Autoritätsfiguren, wie zum Beispiel Lehrern, mit hoher Wahrscheinlichkeit sogar dafür gelobt

Aber das mal nur am Rande; wichtiger ist mir etwas anderes: Dass die Schule es den Schülern erlaubt, die Schulzeit an "außerschulischen Lernorten" zu verbringen, ist in meinen Augen ein illustratives Beispiel für die Chancen und Risiken dieses Schulkonzepts. Es leuchtet durchaus ein, dass selbstbestimmtes Lernen impliziert und voraussetzt, Verantwortung für den eigenen Lernprozess zu übernehmen. Das ist eine feine Sache, wenn's funktioniert – und es funktioniert dann, wenn die Schüler einen gewissen Sinn für Verantwortung mitbringen. Wenn das jedoch nicht der Fall ist, ist das Schulkonzept, meiner Wahrnehmung nach jedenfalls, nicht sonderlich gut dazu geeignet, ihnen ein solches Verantwortungsbewusstsein zu vermitteln. Schlimmstenfalls lernen die Schüler dann eben nichts (oder zumindest nichts Gutes und Sinnvolles). Wobei man durchaus in Betracht ziehen sollte, wie viele Schüler es gibt, die in zehn oder mehr Jahren Regelschule ebenfalls nichts lernen (oder zumindest nichts Gutes und Sinnvolles). Gleichzeitig bin ich persönlich durchaus froh, dass im Fall meiner Tochter JAM, Kampfsport und Pfadfinder ein gewisses Gegengewicht zum Schulalltag bilden; aber das würde ich vermutlich, wenn auch aus teilweise anderen Gründen, ebenso empfinden, wenn sie auf eine Regelschule ginge. 

Wie komme ich jetzt zum Schluss? Vielleicht, indem ich an einen Satz anknüpfe, den ich zu der oben erwähnten Journalistin gesagt habe: Diese Schule ist nicht unbedingt die bestmögliche, die ich mir theoretisch vorstellen oder erträumen könnte, aber es gibt eben Vieles, was ich an ihr schätze und nicht missen möchte. Man könnte diesen Sachverhalt auch anders ausdrücken: Wenn ich mal in die Situation käme, an einer Schulgründung mitzuwirken – idealerweise nur in beratender Funktion, denn aus dem administrativen Teil einer Schulgründung würde ich mich dann doch gerne raushalten –, dann würde ich sagen, es gäbe so einiges, was man sich von der Schule meiner Tochter im positiven Sinne "abgucken" könnte; andererseits liefert sie aber durchaus auch einige Anregungen dazu, was man lieber anders machen sollte. Womit ich nicht behaupten will, dass ich mein Idealbild einer christlich-#benOppigen Alternativschule schon fertig im Kopf hätte. Ich denke, es wird noch Anlass und Gelegenheit geben, auf dieses Thema zurückzukommen. 


Samstag, 6. Juni 2026

Utopie und Alltag 28: Im Auge des Gewitters

Wieder einmal, Freunde, liegt eine Woche hinter mir, die so voll mit interessanten Eindrücken war, dass ich gar nicht die Zeit hatte, das alles aufzuschreiben, geschweige denn dass es alles in diesem Wochenbriefing Platz gefunden hätte. Ein paar separate Artikel sind also in Vorbereitung, aber erst einmal dürft ihr euch auf ein Wochenbriefing freuen, das thematisch recht anmutig von Pfingsten über den Dreifaltigkeitssonntag zu Fronleichnam überleitet. Seht selbst! 


Feuerzungen unterschiedlicher Art 

Wie zumindest andeutungsweise schon erwähnt, war ich am vorigen Wochenende sozusagen alleinerziehend, da meine Liebste – wozu weiter unten noch mehr zu sagen sein wird – von Freitag nach der Arbeit bis Sonntagnachmittag beim Alpha-Kurs-Wochenende der EFG The Rock Christuskirche eingespannt war. Darüber, wie ich die Kinder während dieser ganzen Zeit beschäftigen wollte, musste ich mir zum Glück nicht viele Gedanken machen, denn das Wochenende war ohnehin bereits zu einem großen Teil verplant. Zu den Dingen, die es mir leichter machten, dem Nachwuchs einen zugleich strukturierten und unterhaltsamen Tagesablauf zu bieten, gehörte es, dass ich am Samstag mit beiden Kindern zu den Schöneberger KPE-Pfadfindern fahren konnte, denn zeitgleich mit dem wöchentlichen Treffen der Wölflingsmeute fand dort auch das monatliche Treffen der Wichtelgruppe statt. Um optisch zu seiner großen Schwester in ihrer Wölflingskluft zu passen, ließ sich der Jüngste mit erkennbarem Stolz ein hellblaues Hemd anziehen, das immerhin so ähnlich aussieht wie ein Klufthemd ("offiziell" tragen die Wichtel noch keine Kluft). – Als wir ankamen, begrüßte eine der beiden Wichtel-Leiterinnen meinen Sohn, der ja länger nicht mehr dabei gewesen war (zuletzt Ende Januar, wie ich just nachgelesen habe), ausgesprochen erfreut und sprach ihn mit Namen an; aber nun wurde er plötzlich uncharakteristisch schüchtern, versteckte sich hinter meinem Rücken und wollte in der Gruppenstunde nicht so richtig mitmachen. Die Mutter eines anderen Wichtelkindes meinte verständnisvoll, ihre Tochter sei auch manchmal so, und als ich erwähnte, mein Sohn sei gerade erst drei Tage auf KiTa-Fahrt gewesen und möglicherweise sei ihm deshalb gerade alles ein bisschen zu viel, stimmte sie mir zu, dass das wohl ein Grund sein könne, und staunte zugleich, dass mein Knabe sich schon mit fünf Jahren getraut habe, an so einer Fahrt teilzunehmen. 

Neben meinem Jüngsten erschienen zur Wichtelgruppe noch zwei weitere Jungen und drei Mädchen; inhaltlich ging es um das Thema Pfingsten: Zunächst trug eine der Leiterinnen eine Nacherzählung des Pfingstberichts aus der Apostelgeschichte vor, dann ging es darum, dass der Heilige Geist in verschiedenen Gestalten erscheint – etwa als Wind oder als Flamme –, und es wurde darüber gesprochen, welche Wirkungen Wind und Feuer haben. Abgerundet wurde das Thema durch Spiele und kleine Sinneswahrnehmungs-Übungen (Hören, Fühlen, Schmecken). 

Bemerkenswert fand ich übrigens, dass mein Herr Sohn, obwohl er beim Programm nicht so richtig hatte mitmachen wollen, hinterher trotzdem sagte, die Wichtelgruppenstunde habe ihm gut gefallen. Ich selbst fand sie auch gut, und folglich ist es ganz und gar nicht als Kritik an den Leiterinnen zu verstehen, dass mich beim Gedanken an meine eigene wenig ruhmreiche Karriere als Wichtelgruppenleiter in Haselhorst zwischenzeitlich der Eindruck befiel, ich sei damals wohl ziemlich überambitioniert gewesen – also hinsichtlich meiner Vorstellungen darüber, was man den Kindern da so bieten müsse. Indes will ich nicht ausschließen, dass das "Das könnte ich auch"-Gefühl, das ich angesichts des Programms dieser Wichtelgruppenstunde empfand, auch ein Hinweis darauf sein könnte, wie viel ich in den letzten Jahren – z.B. durch meine KiWoGo-Aktivitäten – dazugelernt habe. 

Übrigens hatten zeitgleich auch die Pfadfinderinnen der sogenannten "Grünen Stufe" – das ist die Altersgruppe der 12- bis 16-Jährigen – ihr Gildentreffen; dazu erschienen allerdings nur drei Mädchen, die ihr Programm selbständig gestalteten. Die mit Abstand am stärksten vertretene Altersgruppe war somit wie gewohnt die der Wölflinge – mit, wenn ich richtig gezählt habe, achtzehn Mädchen. Ein bedeutender Programmpunkt bei diesem Meutentreffen war die Rückgabe bzw. der Austausch von Fundsachen aus dem Lager; davon abgesehen stand dieses Treffen – wie mir mein Tochterkind hinterher erläuterte – unter dem Oberthema "Die rote Blume"; so wird das Feuer im Dschungelbuch genannt. Folgerichtig bestand der Höhepunkt des Meutentreffens darin, dass die Wölflingsmädchen selbst Feuer machen durften – in speziell dafür vorgesehenen Metalltonnen, eine Feuertonne pro Rudel, und anschließend durften die Wölflinge auf dem seibst entzündeten Feuer Brotscheiben und Marshmallows rösten. 

Erwähnt sei im Übrigen noch, dass mein Tochterkind einen bemerkenswerten Ehrgeiz entwickelt, das Winkeralphabet (Semafor) zu erlernen. Für die "Leise Pfoten"-Prüfung braucht sie nur den "1. Kreis", der die Buchstaben A-G enthält; aber da man damit natürlich nur eine sehr begrenzte Auswahl an Wörtern buchstabieren kann und sie das begreiflicherweise unbefriedigend findet, bemüht sie sich, auch schon die weiteren Kreise zu lernen. 

Und übrigens, da es hier gerade chronologisch passt, möchte ich eben noch ein erfreuliches Erlebnis aus der Rubrik Catholic Parenting Goals loswerden: Am Samstagabend entdeckte unsere Tochter in einem Regal einen Rosenkranz, dessen ehemals rot lackierte Holzperlen, nachdem er einmal versehentlich in einer Hosentasche mitgewaschen worden war, jetzt eher unregelmäßig rosa sind. Den fand sie schön und fragte, ob sie ihn haben dürfe – wozu ich erklärte, wenn er ihr besser gefalle als den, den sie derzeit in ihrer Pfadfindertasche habe, dann könne sie ihn gern behalten, aber dann solle sie den anderen an ihren kleinen Bruder abtreten. So machten wir es, und dann schlug die Große vor, wir könnten zum Schlafengehen zusammen Rosenkranz beten. Fast noch überraschender als diesen Vorschlag fand ich es, dass der Kleene ebenfalls dafür war. Wir beteten also gemeinsam den Eröffnungsteil und dann das erste Gesätz des freudenreichen Rosenkranzes, die Große zeigte ihrem Bruder dabei geduldig, wann er jeweils zur nächsten Perle wechseln musste, und als ich die Kinder am Ende des ersten Gesätzes fragte, ob sie auch noch das zweite beten wollten, bejahten beide. Danach hatte der Jüngste dann genug, aber das war ja auch ganz okay. Ich fand diesen Tagesabschluss jedenfalls sehr schön und hoffe, dass wir das zukünftig öfter so machen können... 


Schwarzer Gürtel in KiWoGo: Man kann ja auch mal was basteln 

Auch noch in den Zeitraum, in dem ich mit den Kindern allein war, fiel der Kinderwortgottesdienst zum Dreifaltigkeitssonntag; glücklicherweise hatte ich schon vor längerer Zeit eine Idee zur Gestaltung dieses KiWoGo gehabt und mit dem Gemeindereferenten abgesprochen, sodass ich nun nicht mehr sonderlich viel vorzubereiten brauchte. Das Evangelium vom Dreifaltigkeitssonntag war Johannes 3,16-18, das Kernstück aus dem Gespräch Jesu mit Nikodemus; dazu hatte ich schon Ende Januar im Rahmen einer Vorschau auf die KiWoGo-Termine der ersten Jahreshälfte notiert:

"Erinnert sich noch jemand an den Typen, der früher immer bei weltweit im Fernsehen übertragenen Sportereignissen im Publikum saß und ein Schild mit der Aufschrift 'John 3:16' hochhielt? Eine gut gewählte Bibelstelle, denn wenn es einen Vers gibt, den man als 'Das Evangelium in einem Satz' bezeichnen könnte, dann ist das ja wohl dieser." 

Eine Gestaltungsidee für die kindgerechte Präsentation dieser Bibelstelle hatte ich zu diesem Zeitpunkt explizit noch nicht gehabt, war dann aber gegen Mitte April in den Weiten des Internets über eine Bastelvorlage zu diesem Vers gestolpert und hatte mir gedacht: Wieso nicht mal was basteln? Wir basteln schließlich sonst nie beim KiWoGo, und ich bin doch prinzipiell ein großer Verfechter von Methodenvielfalt. – Der Bastelbogen aus dem Internet zeigte verschiedene Bildemente – ein Herz, ein Kreuz, einen Menschen, eine Wolke, ein aufgeschlagenes Buch –, die jeweils mit einem Teil des Bibelverses beschriftet waren; die Anleitung sah vor, diese Bildelemente auszumalen, auszuschneiden und beispielsweise ein Mobile daraus zu basteln. Ich hatte jedoch die vom JAM inspirierte zusätzliche Idee, die Kinder zunächst einmal in Gruppenarbeit herausfinden zu lassen, in welcher Reihenfolge die Satzteile zusammengehören; ursprünglich hatte ich angedacht, zu diesem Zweck je ein Exemplar der Mobile-Teile auf festeren Karton zu kleben, sie im Raum zu verstecken und die Kinder danach suchen zu lassen, aber das ließen wir dann doch weg, um mehr Zeit für einen Wortbeitrag des Gemeindereferenten zu haben. – Lobend zu erwähnen ist, dass meine Kinder nicht nur dem rechtzeitigen Losgehen keinerlei Steine in den Weg legten, sondern auch bereitwillig und sogar freudig beim Aufbau für den KiWoGo mithalfen. 

Da die diesjährige Erstkommunion ja schon vorbei war, stand durchaus die Befürchtung im Raum, es würden nicht viele Kinder zum KiWoGo kommen, aber tatsächlich waren es dann doch immerhin neun – also meine eigenen und dann noch sieben, darunter mindestens drei, die vor ein paar Wochen ihre Erstkommunion gefeiert hatten. Zur Eröffnung spielte ich wie üblich das Lied "Alles was ich hab" auf meiner treuen Gitarre, und dann war erst einmal der Gemeindereferent mit seinem Wortbeitrag an der Reihe. Darin verglich er die Beziehung zwischen den drei göttlichen Personen mit einer Familie und illustrierte dies durch einen Hinweis auf die gute alte Zeit, als die Leute noch keine Handys, sondern nur ein Festnetztelefon pro Haushalt hatten: Wenn man bei einer Familie anrief, kam es öfter vor, dass man ein anderes Familienmitglied am Hörer hatte als das, das man eigentlich hatte sprechen wollen, aber wenn die Kommunikation innerhalb der Familie gut funktionierte, konnte der Anrufer trotzdem davon ausgehen, mit seinem Anliegen an die richtige Adresse zu kommen. Dann stellte er den Kindern die Frage, wodurch eine Familie denn idealerweise zusammengehalten werde, und die erwünschte Antwort darauf lautete natürlich: durch Liebe. Und so, betonte der Gemeindereferent, verhalte es sich auch mit der göttlichen Dreifaltigkeit. – Für die Aufgabe, die Satzteile des Bibelverses in die richtige Reihenfolge zu bringen, teilte ich die Kinder in zwei Gruppen ein, und beide wurden annähernd gleich schnell damit fertig. 

Für das individuelle Basteln blieb dann schon fast keine Zeit mehr, aber jedes Kind durfte einen Bastelbogen mit nach Hause nehmen. – Derweil wollte meine Liebste zum Abschluss des Alpha-Kurs-Wochenendes in den Nachmittagsgottesdienst der EFG The Rock Christuskirche gehen, daher hatten wir verabredet, uns dort zu treffen; da wir zwischendurch nicht noch einmal nach Hause gegangen waren, sondern die Zeit stattdessen auf einem Spielplatz in Haselhorst verbracht hatten, hatte ich meine Gitarre noch dabei, und das führte dazu, dass ich schon beim Betreten des Foyers von einer Frau aus der Gemeinde, die uns eher flüchtig bzw. oberflächlich kennt, gefragt wurde: "Machst du heute Lobpreis?" Ich verneinte, woraufhin sie nachhakte: "Aber hast du heute schon." Das bejahte ich und freute mich irgendwie darüber. 

Worüber ich mich ebenfalls freute, war, dass mir an diesem Sonntag gewissermaßen ein Direktvergleich zwischen dem von mir selbst mitgestalteten KiWoGo und der "Kinderkirche" der The Rock-Gemeinde ermöglicht wurde. Die "Kinderkirche" für dir Altersgruppe der 6- bis 16-Jährigen wurde diesmal geleitet von einem jungen Mann, der früher auch beim JAM mitgearbeitet hatte, dort aber, bedingt durch seine Arbeitszeiten, schon länger nicht mehr gewesen war; er nutzte seine privaten Urlaubsfotos als Einstieg, um mit den Kindern über das Thema Schöpfung zu sprechen, und das gefiel mir gut. Im weiteren Verlauf ging es um den priesterlichen Schöpfungsbericht aus Genesis 1-2,4a, was zu einem Quervergleich mit dem Religiösen Kindertag zum Thema Schöpfung einlud, den wir im Februar in St. Stephanus hatten. Mein Eindruck war, dass hier im freikirchlichen Kindergottesdienst ein stärkerer Akzent auf der kreationistischen Auffassung lag, Gott habe die Welt buchstäblich in sechs Tagen erschaffen, während es beim katholischen RKT eher darum ging, was die Erzählung von den sechs Schöpfungstagen über die Schöpfung als Prozess und über ihre Ordnung bzw. Struktur aussagt; ich möchte allerdings nicht ausschließen, dass eine gewisse Voreingenommenheit meinerseits aus dieser Wahrnehmung spricht. Gebastelt wurde hier jedenfalls auch etwas, nämlich eine "Schöpfungsuhr", auf Englisch auch "Creation Wheel" oder "Creation Spinner" genannt. – Besonders unter dem Aspekt "Die Evangelikalen kennen kein Kirchenjahr" fand ich es bemerkenswert, dass der Katechet durch Fragen einiger Kinder (es waren übrigens elf an der Zahl, also gar nicht so viel mehr als "bei uns") veranlasst wurde, am Dreifaltigkeitssonntag auch etwas zur göttlichen Dreifaltigkeit zu sagen. – Zum Abschluss der Kinderkirche durften die Kinder Blumensamen in das über einen Zeitraum von mehreren Wochen beim JAM gebaute Hochbeet säen. 


Und wie war's eigentlich beim Alpha-Kurs-Wochenende in Falkensee? 

Der Alpha-Kurs der EFG The Rock Christuskirche läuft ja jetzt schon seit ungefähr acht Wochen und neigt sich somit allmählich dem Ende zu: Zehn Abendtermine umfasst so ein Kurs regulär, und dazu, als Kern- oder Herzstück, ein Wochenende, bei dem es thematisch schwerpunktmäßig um den Heiligen Geist geht. Dieses Wochenende fand im vorliegenden Fall nicht in den Gemeinderäumen in Haselhorst statt, sondern begann am letzten Freitag im Mai mit einem Grillabend in demselben privaten Garten in Falkensee, in dem wir letztes Jahr vor den Sommerferien einen Gartengottesdienst mit Swimmingpooltaufe miterlebt hatten. Das Programm am Samstag fand am selben Ort statt und nahm ungelogen den ganzen Tag in Anspruch, vom Frühstück um 9 Uhr bis zu einem weiteren Grillabend, dazwischen zwei Vorträge zum Thema "Heiliger Geist", Kleingruppen und "viel Freizeit zum Spazierengehen, Quatschen, Chillen" und dergleichen mehr (und Mittagessen gab es auch). Das Programm für den Sonntag – erst Brunch, dann ein Vortrag zum Thema "Wie mache ich das Beste aus meinem Leben?" und schließlich wieder Kleingruppen – fand dann in den Gemeinderäumen in Haselhorst statt, damit Team und Teilnehmer anschließend den regulären Sonntagsgottesdienst der Gemeinde besuchen konnten. 

Als wir dort meine Liebste trafen, hatte ich unmittelbar den Eindruck, dass ihr die Teilnahme an diesem Wochenende sehr gut getan hatte: Sie leuchtete richtig von innen heraus, fand ich. Bei der Kaffeetafel nach dem Gottesdienst stellte sie uns einige Teilnehmer des Alpha-Kurses vor; dazu gehörte ein junger Mann mit langem Hipsterbart, tätowiertem Hals und riesigen Tunnelohrringen, ein nicht mehr so junger Mann, der sich mit uns an einen Tisch setzte, aber nicht sehr gesprächig war, und eine junge Frau, die sich im Zuge des Alpha-Kurses dazu entschlossen hat, sich taufen zu lassen – die Taufe soll am übernächsten Sonntag sein, wiederum im Swimmingpool in dem besagten Garten in Falkensee. 

Ein weiteres erfreuliches Ergebnis des Alpha-Kurs-Wochenendes war es, dass es meiner Liebsten dort gelungen war, zwei Mitarbeiter (m/w) der Gemeinde für die Aufgabe zu rekrutieren, uns mit dem Projekt "Kinderzimmer-Neugestaltung" zu helfen. #BenOp at its best, möchte ich dazu mal sagen. Mit zwei Arbeitseinsätzen im Laufe der Woche haben wir ein Ergebnis erzielt, das sich sehen lassen kann: Die neuen Hochbetten sind aufgebaut, und die Kinder haben angefangen, den Bereich unter den Betten nach ihren jeweiligen eigenen Vorstellungen und Bedürfnissen zu gestalten und einzurichten. 

Und schließlich wäre noch zu erwähnen, dass im Eröffnungsteil des Gottesdienstes in der EFG The Rock Christuskirche dafür geworben wurde, bei einer "Outreach" genannten Straßenevangelisations-Aktion in der Spandauer Altstadt mitzumachen, woraufhin das Tochterkind mich voller Enthusiasmus fragte: "Wollen wir das machen?" Ich erklärte, ich wäre grundsätzlich nicht abgeneigt, aber wir sollten da "mal mit Mami drüber reden". Bei der Kaffeetafel fragte dann aber meine Liebste ihrerseits unsere Töchter, wie sie es denn fände, wenn wir beim "Outreach" mitmachten. In summa lief das also auf ein klares Ja hinaus, also schauten wir mal auf die Liste mit den Terminen: Bis zu den Sommerferien findet "Outreach" jeden Samstag statt, aber wie sich zeigte, kamen von den Terminen, für die noch Leute gebraucht wurden, für uns nur zwei in Frage, also entschieden wir uns für den späteren von diesen – den 4. Juli. Das kann ja spannend werden! 


Was letzten Samstag in der Post war 

Spulen wir chronologisch mal ein kleines Stück zurück: Nachdem ich am vorigen Samstag mit den Kindern von den Pfadfindern nach Hause gekommen war, machte ich mich als erstes daran, den Briefkasten zu leeren; auf dem Weg dorthin murmelte ich noch halb an mich selbst, halb an die Kinder gerichtet, dass ich eigentlich gar keine besonders wichtige oder interessante Post erwarte, aber da sah ich auch schon, dass ein dicker und großformatiger Umschlag aus dem Briefkastenschlitz herausragte. Als Absender firmierte die Initiative Ostwind 3000, und als ich den Umschlag öffnete, fand ich darin eine fast 200 Seiten starke Broschüre – man könnte auch sagen, ein Buch – mit dem Titel "Charismen-Seminar – 27 Werkzeuge des Heiligen Geistes zur Erweckung der Gemeinde", verfasst von Pater Paulus Maria Tautz CFR. 

In einem Begleitschreiben zu dieser Broschüre schreibt Pater Paulus, das "Charismen-Seminar-Buch" erscheine mit "fast 3 Jahren Verspätung", aber gleichzeitig zeigt er sich überzeugt, "dass der Zeitpunkt auch von Gott her organisiert worden ist": 

"Besonders in Deutschland spüre ich einen Wind der Veränderung. Die Menschen scheinen der kirchlichen Botschaft gegenüber offener zu sein. [...] Es ist eine gute Zeit für dieses Charismen-Seminar der praktischen Anleitung zur göttlichen Effektivität in unserem Leben und dem Leben der Kirche!" 

Auch schön: Auf der Rückseite der Broschüre verrät Pater Paulus, der Untertitel habe ursprünglich "27 Werkzeuge des Heiligen Geistes zur Erneuerung der Gemeinde" (Hervorhebung von mir) lauten sollen, er habe aber kurzfristig "Erneuerung" durch "Erweckung" ersetzt, da er "immer mehr feststelle, wie tot die Pfarreien mittlerweile sind". In diesem Zusammenhang muss ich anmerken, dass ich mich durchaus frage, ob ich in dem Umstand, dass mir diese Broschüre so unverhofft ins Haus geflattert ist, einen Fingerzeig sehen sollte, mich tatsächlich in den Gemeinderat von Herz Jesu Tegel wählen zu lassen. Aber nun gut, um darüber eine verbindliche Entscheidung zu fällen, ist ja noch etwas Zeit. 

"Noch etwas Zeit" werde ich wohl auch noch benötigen, um die Broschüre gründlich durchzulesen, aber ein paar erste Eindrücke kann und will ich schon mal festhalten. Einen nicht unwesentlichen Teil des Gesamtumfangs nehmen biographische Kurzporträts von Heiligen und anderen Persönlichkeiten der Kirchengeschichte ein, die als Vorbilder oder Beispiele für die einzelnen Charismen betrachtet werden können; zu meinem großen Entzücken ist da auch Dorothy Day vertreten (im Abschnitt "Gastfreundschaft", übrigens), und auch sonst noch einige meiner persönlichen Lieblingsheiligen. Im Einleitungsteil, in dem es allgemein darum geht, was Charismen überhaupt sind und welche Bedeutung sie im Leben der Kirche haben, ist mir zudem ein Abschnitt ins Auge gefallen, in dem der Wettlauf der Jünger zum Grab (vgl. Joh 20,1-9) als Bild für das Verhältnis zwischen hierarchischen und charismatischen Gaben in der Kirche gedeutet wird: Der Jünger, den Jesus liebte – also Johannes – kommt zuerst am Grab an, bleibt aber am Eingang stehen und lässt Petrus den Vortritt. Sieht man nun in Petrus das Amt verkörpert und in Johannes das Charisma, dann heißt das: Das Charisma ist "schneller", weil spontaner, flexibler und wohl auch mehr von Leidenschaft getrieben, aber es hat dennoch die Vorrechte des Amtes zu respektieren. – Wenn ich nun auch dies mit dem Gedanken im Hinterkopf lese, mich zukünftig womöglich wieder in der Gemeinde von Herz Jesu Tegel zu engagieren, ergibt sich für mich natürlich die durchaus selbstkritische Frage, was daraus für meinen Umgang mit dem dortigen Pfarrer folgt. Man könnte die dieser Überlegung zugrunde liegende Frage natürlich auch allgemeiner fassen, nämlich: Wie kann das Zusammenwirken von Amt und Charisma funktionieren, wenn man es mit einem Amtsträger zu tun hat, der sich partout nicht bewegen will


O ihr Kleingläubigen: Fronleichnam fällt aus 

Ebenfalls nicht bewegt hat sich am Donnerstag die zentrale Fronleichnamsprozession des Erzbistums Berlin: Die wurde nämlich, mitsamt dem Pontifikalamt auf dem Bebelplatz, kurzfristig abgesagt. Ironie des Schicksals, nachdem ich mich erstmals seit Jahren eigentlich auf die diözesane Fronleichnamsfeier gefreut hatte – hauptsächlich wegen der Aussicht, meine Tochter könnte in ihrer Wölflingskluft im Zug der KPE-Pfadfinder mitlaufen. Einer Rundmail der Wölflingsleiterin ("Akela") hatte ich entnommen, dass die KPE jedes Jahr mit Kluft und Banner in der Fronleichnamsprozession des Erzbistums vertreten ist; wozu ich nicht unerwähnt lassen möchte, dass ich aus meinem Bekanntenkreis die Einschätzung gehört habe, angesichts der Ablehnung, die der KPE von Seiten des BDKJ und des dieser Dachorganisation angehörenden Pfadfinderverbands DPSG entgegenschlägt, sei das nicht gerade selbstverständlich. – Einmal ganz abgesehen vom pfadfinderischen Aspekt ist die zentrale Fronleichnamsfeier aber natürlich auch immer eine Art Familientreffen der Berliner Katholiken, und da hätte ich es schon auch spannend gefunden, zu gucken, wen man da so alles trifft. Indes war mir – ohne da nun im Nachhinein eine Verschwörungstheorie draus basteln zu wollen – schon im Vorfeld aufgefallen, dass die Öffentlichkeitsarbeit des Erzbistums sich in Sachen Fronleichnam ziemlich bedeckt hielt: keine Pressemitteilung, keine Vorab-Veröffentlichung der Predigt, auch auf den Social-Media-Kanälen des Erzbistums standen andere Themen im Vordergrund. 

Ebenfalls schon im Vorfeld war mir aufgefallen, dass die Wetteraussichten nicht die günstigsten waren: Ausgerechnet und ausschließlich für den späten Nachmittag und den frühen Abend war Regen angesagt. Da stellte sich nun einerseits schon die Frage, ob der Himmel etwas gegen die Berliner Fronleichnamsfeier hatte – wofür es nach der Erfahrung früherer Jahre durchaus Gründe geben mochte –, aber andererseits konnte ich mir nicht recht vorstellen, dass der Regen sonderlich schlimm werden würde, zumal am Donnerstagmorgen noch schönstes Frühsommerwetter herrschte. Gegen Mittag wurde jedoch auf Instagram bekannt gegeben, dass der "Abend der Begegnung", der im Anschluss an die Prozession hätte stattfinden sollen, abgesagt sei – ich hatte darauf gehofft, dass es da wie vor zwei Jahren (letztes Jahr war ich nicht dabei, weil ich mich auf der heimischen Couch von einer Operation erholte) Imbissbuden mit internationalen Spezialitäten geben würde, tja, schade. Im Übrigen hieß es, man beobachte die Wetterlage und empfehle regenfeste Kleidung. Gegen 15 Uhr folgte dann jedoch ein Update: Wegen einer Gewitterwarnung des Deutschen Wetterdienstes habe man "schweren Herzens entschieden, Gottesdienst und Prozession zu Fronleichnam auf dem Bebelplatz abzusagen". Weiter hieß es: "Die Entscheidung macht uns selbst sehr traurig. Wir müssen jedoch unserer Verantwortung für die Gottesdienstbesucher gerecht werden." 

Tja, und was nun? Von den KPE-Pfadfindern kam die Nachricht, um 19 Uhr werde ersatzweise eine Heilige Messe in St. Matthias am Winterfeldtplatz gefeiert (ohne Prozession), aber das war für uns zu weit und zu spät, zumal wir ja auch noch irgendwie zu Abend essen mussten. Also kamen wir an diesem Fronleichnams-Donnerstag in überhaupt keine Messe, was natürlich ziemlich unbefriedigend war. – Übrigens kann ich ehrlich gesagt nicht beurteilen, was für ein Wetter an diesem Abend rund um den Bebelplatz herrschte, aber in Tegel gab's lediglich leichte Regenschauer. Ich bin geneigt zu sagen, das kommt dabei heraus, wenn man sein Vertrauen mehr auf den Deutschen Wetterdienst setzt als auf Gott. 

Am morgigen Sonntag ist dann sozusagen "Fronleichnam, der zweite Versuch": Ohnehin wird ja die äußere Feier des Hochfests des Heiligsten Leibes und Blutes Christi mit Rücksicht auf die Tatsache, dass der eigentliche Fronleichnamstag im Gebiet des Erzbistums Berlin kein arbeitsfreier gesetzlicher Feiertag ist, auf Pfarreiebene üblicherweise am Sonntag nachgeholt, was man im aktuellen Fall wohl mit "Na, wenigstens was" zu kommentieren wäre. Doch nicht genug der Komplikationen: Morgen findet in Berlin nämlich auch die ADFC-Fahrradsternfahrt statt, was zu erheblichen Verkehrsbeeinträchtungen führt. In Spandau, und vermutlich nicht nur da, fällt – wie am vergangenen Sonntag vermeldet wurde – die traditionelle Fronleichnamsprozession aus diesem Grund signifikant kürzer aus als sonst, da für die Fahrradsternfahrt der Altstädter Ring gesperrt wird. Mir würden dazu allerlei Anmerkungen zu Stichworten wie "unterschwelliger Antikatholizismus" oder "verkehrspolitischer Aktivismus als Götzendienst" einfallen, aber man kann's vielleicht auch übertreiben. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Was uns Jesus in der Vertraulichkeit des Abendmahlssaales geschenkt hat, bringen wir heute öffentlich zum Ausdruck, da die Liebe Christi nicht einigen wenigen vorbehalten, sondern für alle bestimmt ist. Alles nimmt seinen Anfang beim Herzen Christi, der beim Letzten Abendmahl, am Vorabend seines Leidens, Gott gedankt und Ihn gepriesen hat und so durch die Macht Seiner Liebe den Sinn des Todes, dem Er entgegenging, verwandelt hat. Die Tatsache, daß das Altarsakrament den Namen "Eucharistie" – "Danksagung" – erhalten hat, bringt genau dies zum Ausdruck: Die Verwandlung der Substanz von Brot und Wein in den Leib und das Blut Christi ist Frucht der Selbsthingabe Christi, Geschenk einer Liebe, die stärker ist als der Tod, der göttlichen Liebe, die Ihn von den Toten auferstehen ließ. Und deshalb ist die Eucharistie Speise des ewigen Lebens, Brot des Lebens. Aus dem Herzen Christi, aus Seinem "eucharistischen Gebet" am Abend vor Seinem Leiden und Sterben, entspringt jene dynamische Kraft, die die Wirklichkeit in allen ihren Dimensionen – kosmisch, menschlich und geschichtlich – verwandelt. 

(Benedikt XVI., Predigt zum Hochfest des Leibes und Blutes Christi am 23.06.2011 in der Lateranbasilika) 


Ohrwurm der Woche 

Liane Rudolph: Glühwürmchen-Idyll (aus der Operette "Lysistrata" von Paul Lincke) 

Vom Musikstil her zweifellos ziemlich untypisch für diese Rubrik, aber noch skurriler ist die Geschichte, wie und warum dieses Musikstück zum Ohrwurm der Woche geworden ist. Dafür ist nämlich allen Ernstes die in anderem Zusammenhang schon ein paarmal erwähnte Serie "Ninjago" verantwortlich: In der Folge "Die Oni und die Drachen" tritt Erdninja Cole undercover in einer Karaoke-Bar auf, wählt versehentlich das falsche Playback und muss daraufhin dieses Lied singen. In einigen weiteren Folgen taucht es als Running Gag auf; so singt es der von den Bösewichten gefangen genommene Cole, um seinen Bewacher zu nerven, und ein andermal singt er es, um ein schreiendes Baby zu beruhigen, das in Wirklichkeit der durch die Berührung mit einer Zeit-Klinge schlagartig verjüngte Sensei Wu ist. – Im Ninjago-Fandom-Wiki gibt es einen Artikel zu diesem Lied, der an und für sich wenig informativ ist, immerhin aber einen Link zu einem englischsprachigen Wikipedia-Artikel enthält, der mit allerlei Hintergründen zur Geschichte des Liedes und seiner Verwendung in verschiedenen Medien aufwartet. Hier sehen und hören wir es aber mal in seinem Originalkontext. 


Vorschau / Ausblick 

Heute Vormittag habe ich erneut mein Tochterkind zu den Wölflingen begleitet, worüber nächste Woche zweifellos ein paar Worte zu verlieren sein werden; außerdem ist heute auch noch Fiesta Kreutziga, und wenn man bedenkt, was für eine bedeutende Rolle dieses punkige Straßenfest für die erst unlängst gewürdigte Berufungsgeschichte (wenn man sie denn so nennen möchte) meiner reizenden kleinen Familie gespielt hat, war es ja eigentlich Ehrensache, dass wir da hingehen – auch dazu also im nächsten Wochenbriefing mehr. Was die morgige Fronleichnams-Nachfeier angeht, bin ich zwar von einem Leser meines Blogs nach St. Afra eingeladen worden, denke aber, dass wir im Interesse der Vernetzung in der Gemeindearbeit wohl doch unserer Spandauer Wahlpfarrei den Vorzug geben werden, die in Maria, Hilfe der Christen feiert. Den geselligen Teil nach der Prozession werde ich allerdings wohl ohne meine Familie bestreiten, da an diesem Tag auch eine der liebsten Schulfreundinnen unseres Tochterkindes ihren Geburtstag nachfeiert. Auch noch am selben Tag feiert die KiTa unseres Jüngsten ihr 20jähriges Bestehen, aber diese Feier wird dann wohl ohne uns stattfinden müssen. – Und sonst so? Am Dienstag habe ich Geburtstag – einen runden, ich werde allen Ernstes 50 Jahre alt, das hätte ich mir in meinen Teenagerjahren nicht träumen lassen, dass ich da mal hinkomme. Allerdings habe ich erst kürzlich gelesen, wie der nordrhein-westfälische Ministerpräsident Hendrik Wüst – im Zusammenhang mit den ihm nachgesagten Ambitionen aufs Kanzleramt – als "noch jung" bezeichnet wurde, und das fand ich dann doch recht ermutigend, denn Wüst ist ein knappes Jahr älter als ich. – Am Mittwoch nach dem JAM ist der Elternabend zur Religiösen Kinderfreizeit, da müssen wir wohl hin, oder zumindest ich. Was die Woche sonst noch so bringen wird, bleibt abzuwarten, aber vormerken will ich schon mal, dass am kommenden Samstag bei uns um die Ecke eine temporäre Spielstraße eingerichtet werden soll... Ich bin gespannt! 


Donnerstag, 4. Juni 2026

Zehn Jahre Punkpastoral!

Wie die Zeit vergeht, Leser: Es ist tatsächlich schon zehn Jahre her, dass meine Liebste und ich, kurz nachdem wir gemeinsam einen Tagesausflug nach Leipzig zum 100. Deutschen Katholikentag unternommen hatten, im Zuge eines "Straßenfest-Crawls" bei der in der Punk- und Hausbesetzer-Szene verwurzelten "Fiesta Kreutziga" landeten und dort nach dem Motto "Wer, wenn nicht wir?" die Idee zu einer eigenen Laienapostolats-Initiative entwickelten, die darauf ausgerichtet sein sollte, die dahinsiechenden post-volkskirchlichen Strukturen, wie es in einem populären Kirchenlied heißt, "aus dem Schlaf der Sicherheit" aufzurütteln. Die Idee, für ein solches Ansinnen könne man Manches von der Punk-Bewegung lernen, hat zwar von Anfang an immer wieder zu Missverständnissen und Abwehrreaktionen geführt, die ich wohl auch mittels meines zweiteiligen Dossiers "Warum eigentlich 'Punkpastoral'?" (das ich Gleichwohl allen interessierten Lesern sehr ans Herz legen möchte) nicht endgültig habe besiegen können; umso mehr hat es mich aber gefreut, unlängst feststellen zu dürfen, dass es in anderen Winkeln der katholischen Welt durchaus ähnliche Denkansätze gibt. Man stelle sich mal vor, wie mir zumute war, als ich dieses Visual auf Instagram sah: 

Quelle hier

Was ich da sah, entpuppte sich als erster Teil einer Artikelserie, die die Punk-Bewegung der 70er Jahre als ein Aufbegehren gegen die Dominanz einer auf Hochglanz polierten Harmlosigkeit in der Popkultur betrachtet und argumentiert, eine solche auf Hochglanz polierte Harmlosigkeit präge heute auch das Erscheibungsbild der Kirche in der Öffentlichkeit – weshalb auch die Kirche einen Aufbruch hin zu mehr Authentizität, Leidenschaft, Nonkonformismus und Mut zum Risiko nötig habe. Entzückt war ich, festzustellen, dass der zweite Teil der Artikelserie auf Instagram mit einem Foto von Dorothy Day geschmückt ist: 

Quelle hier

Den kompletten Inhalt der Artikelserie gibt's auch als 30minütigen mündlichen Vortrag auf YouTube, und auch da steht das Foto von Dorothy Day auf dem Schreibtisch. 

Wollte ich nun dem jungen Mann gegenüber, der sich da auf Instagram und YouTube über Punk Catholicism verbreitet, Priorität beanspruchen, indem ich sage "Na hör mal, ich mach' schon seit zehn Jahren Punkpastoral", müsste ich mich wohl auf die Frage gefasst machen "Und was hat's gebracht?". Man könnte natürlich von vornherein bestreiten, dass das eine sinnvolle Frage ist. Die Hl. Mutter Teresa von Kalkutta sagte bekanntlich einmal: "Gott hat uns nicht dazu berufen, erfolgreich zu sein, sondern treu." Der Hl. Charles de Foucauld versuchte in der Sahara eine Ordensgemeinschaft zu gründen, fand aber niemanden, der sich ihm hätte anschließen wollen, und konnte auch als Missionar keine zählbaren Bekehrungserfolge vorweisen, aber über 100 Jahre nach seinem Tod existieren zahlreiche geistliche Gemeinschaften, die sich auf ihn als ihre spirituelle Leitfigur berufen. Nicht dass ich mich mit solchen Vorbildern messen wollte, aber es liegt schließlich in der Natur von Graswurzelarbeit, dass ihre Ergebnisse, aus der Distanz betrachtet, in der Regel eher klein und unauffällig sind. Ich verweise ja immer wieder gern auf den Babywickeltisch in der Besuchertoilette von Herz Jesu Tegel und das Büchertauschregal im Vorraum dieser Toilette: bleibende Zeugnisse unseres Engagements in der dortigen Gemeinde, und ich sage in vollem Ernst, wer weiß, wie vielen Menschen diese Einrichtungen im Laufe der Jahre gute und wichtige Dienste geleistet haben. Drei Jahre lang, von Frühjahr 2017 bis kurz vor dem ersten Corona-Lockdown, haben wir fast jeden Monat im Gemeindehaus von Herz Jesu Tegel ein "Dinner mit Gott" veranstaltet. Ein häufiger Teilnehmer dieser Veranstaltungsreihe wird nächste Woche zum Diakon geweiht. Ob unser "Dinner" irgendeinen Einfluss auf seinen Berufungsweg gehabt hat – wer weiß? Bei unseren wöchentlichen Lobpreisandachten in Herz Jesu Tegel kam es immer wieder vor, dass Leute, die nichtsahnend hereingeschneit waren, tief bewegt wurden. Und wenn ich mir meine Tätigkeit im Bereich Kinderkatechese in St. Joseph Siemensstadt ansehe, dann würde ich schätzen, die Zahl der Kinder, an deren religiöser Bildung ich mitwirken durfte, nähert sich nach knapp drei Jahren so allmählich dem dreistelligen Bereich. – Noch sehr viel mehr Menschen erreiche ich natürlich mit meinem Blog; wozu mir immer wieder die Begegnung mit einem Pastoralreferenten aus dem Bistum Münster beim Forum Altötting einfällt, der zu mir sagte "Sie werden mehr gelesen, als Sie denken." Und da kommt nun derjenige Aspekt ins Spiel, dem ich unter der Rubrik "Prinzipien der Punkpastoral oder Was würde ein Punk tun?" im zweiten Teil meines Punkpastoral-Dossiers das Motto "Wachstum durch Anregung oder Vom Apfel zum Baum" gegeben habe: Wie ich dort betonte, geht es mir, wenn ich "in meinen Wochenbriefings meine alltäglichen Bemühungen dokumentiere, in der Pfarrei, der Familie und anderswo eine christliche Graswurzelrevolution voranzutreiben",  

"nicht darum, zu sagen 'Schaut her, was ich alles mache', sondern zu sagen 'Du kannst das auch; oder wenn nicht genau das, dann etwas anderes'." 

Wenn indes die Arbeit, die ich in den letzten zehn Jahren im Sinne meines Konzepts von "Punkpastoral" betrieben habe, in Hinblick auf das Prinzip "Wachstum durch Anregung" ein Ergebnis gebracht hat, das man sozusagen vom Mond aus sehen kann, dann ist es die Tatsache, dass ich die "Benedikt-Option" nach Deutschland gebracht habe. Damit meine ich – das sei für die Nachwelt festgehalten –, dass ich nicht nur die offizielle deutsche Übersetzung von Rod Drehers so betiteltem Buch besorgt habe, sondern dass es sehr wesentlich auf meine Initiative zurückgeht, dass dieses Buch überhaupt auf Deutsch erschienen ist. Rod selbst würde das jederzeit bestätigen. Vom amtskirchlichen Establishment in Deutschland und der diesem verpflichteten Presse wurde das Buch zwar weitgehend ignoriert bzw. totgeschwiegen, hat sich aber trotzdem ziemlich gut verkauft – präzise Zahlen habe ich gerade nicht parat, aber über 5.000 Exemplare sind es inzwischen bestimmt, wozu zu sagen ist, dass der durchschnittliche Absatz auf dem deutschen Buchmarkt zwischen 2.000 und 3.000 Exemplaren pro Titel liegt. Und wie ein russisch-orthodoxer Priester aus Krefeld mal sehr treffend sagte: Jedes verkaufte Buch ist ein potentieller Kleingarten. In welchem Ausmaß und in welcher Form die #BenOp in den zurückliegenden Jahren ihre Leser dazu angeregt und motiviert haben mag, eigene Graswurzelinitiativen zu starten, werden wir vermutlich nie ganz genau erfahren, aber ich nenn' mal ein prominentes Beispiel: Maria 1.0. Ja, tatsächlich: Die ursprüngliche Initiatorin dieser Bewegung habe ich einmal bei der MEHR und einmal beim Forum Altötting getroffen, und bei einer dieser Begegnungen erzählte sie mir, ohne die #BenOp hätte sie sich nie (zu)getraut, eine solche Initiative ins Leben zu rufen, bzw. wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dass sie das könnte

– Wenn nun jemand wissen möchte, was für mich persönlich die Highlights der zurückliegenden zehn Jahre waren, dann muss ich an erster Stelle natürlich die Heirat mit meiner Liebsten und die Geburt unserer beiden Kinder nennen, und auf die denkbare Nachfrage hin, wie es nun aber speziell mit spirituellen Highlights aussehe, möchte ich betonen, dass die genannten Ereignisse selbstverständlich auch und nicht zuletzt eine spirituelle Dimension hatten und weiterhin haben, letzteres insofern, als sie selbstverständlich bis heute und auch für die Zukunft sämtliche Aspekte meines Lebens, den spirituellen nicht zuletzt, entscheidend prägen. Sprechen wir aber trotzdem mal über diejenigen Ereignisse und Erlebnisse der letzten zehn Jahre, an die man beim Stichwort "spirituelle Highlights" wohl vorrangig denken würde. Da wären zu nennen: 

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; aber wenn man sich hier mal die Jahreszahlen anschaut, dann ist es schon recht auffällig, was für eine Lücke die Corona-Zeit gerissen hat. Immerhin geht die Tendenz in jüngster Zeit wieder bergauf – und angesichts der allüberall zu beobachtenden "Quiet Revival"-Tendenzen ist mir diesbezüglich auch für die Zukunft nicht bange. Schon für diesen Sommer ist mit allerlei spannenden Entwicklungen zu rechnen, danach beginnt für meine Tochter die Erstkommunionvorbereitung und für mich aller Voraussicht nach die Ausbildung zum Gemeindereferenten – die ihrerseits wiederum allerlei neue Perspektiven eröffnen dürfte, auf mittlere Sicht womöglich sogar für das Projekt "Pfarrhausfamilie". Wie immer gilt, dass meine Familie und ich ausgesprochen dankbar für Unterstützung im Gebet sind; wer uns darüber hinaus auch materiell unterstützen möchte, dem sei ein Abonnement unserer Patreon-Seite "Mittwochsklub" empfohlen – ab 5 € im Monat! 

Hasta la victoria siempre!