Schon ein paarmal, o Leser, habe ich in der Geschichte meines Blogs ein Zitat aus dem Roman "Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman" von Lawrence Sterne gebracht, wo der Titelheld und Ich-Erzähler versucht, seine Autobiographie zu schreiben, und dabei klagt: "The more I write, the more I shall have to write!". Und im Moment geht's mir mal wieder so. Die Liste der Themen, über die ich schreiben will – sei es im Rahmen der Reihe Utopie und Alltag oder außerhalb davon – wird immer länger, immer wieder sage ich mir "Nächste Woche komme ich aber bestimmt dazu!", und dann ist plötzlich schon wieder eine Woche rum. Auch in der zurückliegenden Woche bin ich, wie ich gestehen muss, wieder nicht annähernd so produktiv gewesen, wie ich mir das vorgestellt oder gewünscht hätte – und das liegt nicht nur daran, dass meine Liebste, während dieses Wochenbriefing online geht, als Helferin beim Alpha-Kurs-Wochenende in Falkensee eingespannt ist und darum nicht der Familie zur Verfügung steht; auch das lange Pfingstwochenende hatte seinen Anteil daran, dazu kamen die Vorbereitungen für die KiTa-Reise des Jüngsten und gesundheitliche Unpässlichkeiten bei mehreren Familienmitgliedern. Meine Ankündigung von vor einer Woche, ich wolle mich mal wieder "um Themen wie meine Ausbildung zum Gemeindereferenten, die Religiöse Kinderfreizeit und die 'Guerilla-Urlauberseelsorge' in Butjadingen" kümmern, habe ich bei alledem nur in sehr eingeschränktem Maße verwirklichen können. Zur RKF kann ich immerhin ein paar Überlegungen vorstellen, die ich im Wesentlichen bereits erarbeitet habe, als ich am Himmelfahrtswochende "sturmfrei" hatte; Updates zu den beiden anderen genannten Themen werden hingegen mindestens noch eine weitere Woche warten müssen. Zu berichten gibt's aus der vergangenen Woche aber auch so einiges... Sieh selbst, o Leser!
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| Gute Message, gesehen nahe der Frankfurter Allee in Berlin-Lichtenberg. |
Auf dem christlichen Hüpfburgenfest
Am vergangenen Samstag machten wir uns nach dem Frühstück auf den Weg zum Stadtpark Lichtenberg, wo das Kinderprogramm eines freikirchlichen Evangelisierungs-Events namens "City of Light" stattfand. Vor gut eineinhalb Jahren, im September 2024, waren wir da auch schon mal gewesen, allerdings hatte ich das auf meinem Blog nur beiläufig (und obendrein mit Verspätung) erwähnt und die Ankündigung, darauf noch ausführlicher zurückzukommen, uneingelöst gelassen. Dass wir diesmal erneut mit von der Partie waren, war hauptsächlich dadurch veranlasst, dass – man höre und staune – eine Mitarbeiterin der Schule unseres Tochterkindes uns die Veranstaltung empfohlen hatte. Das ist eigentlich eine Geschichte für sich, da komme ich vielleicht an anderer Stelle noch drauf zurück.
Meine Erinnerungen an das City of Light-Kinderprogramm von 2024 war in Ermangelung schriftlicher Aufzeichnungen eher lückenhaft, aber hängen geblieben war bei mir der Eindruck, dass die Veranstalter nicht mit so viel Publikum gerechnet hatten, wie dann tatsächlich kam, und das Team infolgedessen etwas überfordert mit dem Andrang war. Daraus hatte man nun offenbar gelernt, denn schon auf den ersten Blick sah die Veranstaltung ein paar Nummern größer aus, als ich sie in Erinnerung hatte. Das schlug sich schon allein darin nieder, dass es auf dem Festgelände nicht eine oder zwei, sondern fünf Hüpfburgen gab. Darüber hinaus gab's Kinderschminken, Geschicklichkeitsspiele wie "Luftballon-Dart", einen Stand, an dem man sich Luftballontiere basteln lassen konnte, und eine "Snackstation" mit Zuckerwatte, Popcorn und Getränken – alles gratis. (Ab Mittag kam auch noch ein Würstchengrill dazu.) Ein wesentlicher Bestandteil des Events war ein Van mit der Aufschrift "Kidsfest Kinderkirche", an dessen offene Seitentür eine Bühne angebaut war.
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| Bible-Män hat einen Bibelvers mitgebracht. |
Der Programmablauf sah vor, dass es immer abwechselnd eine Stunde freie Spielzeit und eine halbe Stunde Bühnenprogramm geben sollte; während des Bühnenprogramms, das seinerseits aus Spielen, Musik und einer katechetischen Darbietung bestand, hatten die Hüpfburgen und sonstigen Stände, einschließlich der "Snackstation", Pause. Zur ersten Runde des Bühnenprogramms versammelten sich schätzungsweise 70 Kinder im Vor- und Grundschulalter vor der Bühne, bei der zweiten waren es schon um die 90. Einige der Spiele, die im Rahmen des Bühnenprogramms vorgeführt bzw. zusammen mit dem Publikum gespielt wurden, gefielen mir recht gut, und ich überlegte, ob man sie beispielsweise für die RKF verwenden könnte; was die katechetischen Elemente anging, stand im Mittelpunkt des ersten Programmblocks eine Geschichte aus Max Lucados Buch "Du bist einmalig", die ich schon vom JAM her kannte, und im zweiten Block gab es eine Pantomime zum Thema Sünde und Vergebung.
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| Jesus schenkt Friede, Freude und Liebe, nicht jedoch Eierkuchen. |
Es hätte noch zwei weitere Programmblöcke gegeben, aber so lange blieben wir nicht, da die Kinder am Nachmittag noch eine Spielverabredung hatten. – Bekannte trafen wir übrigens nicht, was vielleicht gar nicht so überraschend ist, wenn man bedenkt, dass das Event in einer ganz anderen Ecke Berlins stattfand als der, in der wir uns sonst überwiegend bewegen. Aber irgendwie hatte ich doch damit gerechnet, beispielsweise jemanden von der EFG The Rock Christuskirche oder der Gemeinde auf dem Weg zu treffen. Da kann man jetzt natürlich sagen, das Ausbleiben solcher Begegnungen zeigt, dass – anders als man manchmal denken könnte – die christliche Szene in Berlin doch nicht so überschaubar ist, dass da jeder jeden kennt und man überall dieselben Leute trifft.
Nebenbei sei erwähnt, dass der Schauplatz dieses Fests weniger als einen Kilometer von der katholischen Kirche St. Mauritius entfernt lag. Ich sag mal: Wenn ich da Gemeindereferent wäre, würde ich gerne mal mit den Veranstaltern Möglichkeiten einer Kooperation sondieren, mindestens aber in "meiner" Gemeinde für das Event werben und mit dem Erstkommunionkurs dort hingehen. ("Und wenn, wie in diesem Jahr, die Erstkommunion dann schon vorbei ist?" – "Dann erst recht!") Na, kann ja noch kommen, wer weiß...
Ein besonderes Pfingsten
Am Pfingstsonntag gingen wir in St. Joseph Siemensstadt in die Messe, wo – wie am Sonntag zuvor bereits angekündigt worden war – eine Jugendliche und vier junge Erwachsene getauft wurden und eine weitere junge Erwachsene konvertierte. "Wenn ihr heute hier seid, dann, weil der Heilige Geist existiert", begrüßte der Pfarrvikar diese jungen Leute zu Beginn der Messe. "Dies ist ein besonderes Pfingsten: Es ist ein Moment, wo der Heilige Geist die Herzen der Menschen berührt, euch berührt hat, und ihr habt eine Antwort der Liebe gegeben."
Da es sich in jüngster Zeit als vorteilhaft erwiesen hatte, dass unsere Kinder in der Kirche etwas Abstand voneinander haben, setzte sich meine Liebste mit unserem Jüngsten in eine Bank und ich mich mit dem Tochterkind in eine andere; da unsere Große gern möglichst weit nach vorne wollte und ich das auch guthieß, nahmen wir unmittelbar hinter der letzten der für Familien und Freunde der Täuflinge reservierten Bankreihen Platz – und bekamen dadurch mit, wie eine junge Frau, die in dieser Messe getauft und gefirmt wurde, ihren Angehörigen freudestrahlend mitteilte, eine Bekannte – Arbeitskollegin oder so –, die sie zwar eingeladen, aber eigentlich nicht erwartet hatte, dass sie kommen würde, sei nun doch da. Auch ohne irgend etwas über die Hintergründe zu wissen, fand ich diese Freude ausgesprochen anrührend; ebenso auch, dass dieselbe junge Frau im nächsten Moment jemanden, der noch eine Reihe weiter vorn saß, daran erinnerte, ihrer Oma den Link zum Livestream zu schicken.
Insgesamt hatte es den Anschein, dass in den reservierten Bänken überwiegend ein eher kirchenfernes, mit dem Ablauf der Messe wenig vertrautes Publikum Platz nahm; so ähnlich wie bei der Erstkommunion, könnte man sagen, aber so ganz dasselbe war das eben doch nicht. Es erscheint fast zu offensichtlich, um es auszusprechen, aber der entscheidende Punkt ist hier natürlich, dass Erwachsenentaufen in einer Konfession, in der die Kindertaufe als normativ gelehrt und praktiziert wird, immer etwas Außergewöhnliches sind, egal wie sehr ihre Zahl in den letzten Jahren zugenommen hat. Anders ausgedrückt: Taufen im Säuglings-oder Kleinkindalter, gefolgt von Erstkommunion im Grundschul- und Firmung im Teenageralter, sind systemimmanent; die Erwachsenentaufe ist es nicht. Wer sich als Erwachsener oder älterer Jugendlicher in der katholischen Kirche taufen lässt, der kommt von außerhalb der etablierten Strukturen, und schon allein dieser Umstand verleiht der Erwachsenentaufe einen offensichtlicheren Zeugnischarakter. Die Leute, die in den für Familie und Freunde reservierten Bänken Platz nehmen, sind bei der einen Veranstaltung nicht zwangsläufig mehr oder weniger kirchenfern als bei der anderen, aber es steht dennoch zu vermuten, dass das Geschehen, dessen sie Zeugen werden, anders auf sie wirkt: Eine Erstkommunion, und ebenso eine Kindstaufe, mag jemand, der mit dem Glauben nichts am Hut hat, als eher brauchtümlich-konventionellen Rahmen und Anlass für eine Familienfeier wahrnehmen, an der er teilnehmen kann, ohne dass dies seinen eigenen Glauben oder Nichtglauben irgendwie tangierte; das ist bei einer Erwachsenentaufe nicht so einfach. Eine Erwachsenentaufe ist, auch wenn gewisse Religionssoziologen diesen Umstand gern wegdiskutieren möchten, prinzipiell Frucht und Ausweis einer Bekehrung, und eine solche lässt auch das Umfeld des Bekehrten nicht unberührt. Das heißt nicht zwangsläufig, dass sie in diesem Umfeld nach Art eines Domino-Effekts weitere Bekehrungen auslöst; aber gar so unwahrscheinlich ist es wohl nicht, dass jemand, der sich im Erwachsenenalter dem christlichen Glauben und dann auch noch ausgerechnet der so viel gescholtenen katholischen Kirche zuwendet, auch den Menschen in seinem Umfeld, die dies miterleben, eine Tür oder zumindest ein Fenster öffnet. Nicht umsonst erwähnte der Pfarrvikar in einer Predigt im vergangenen Advent, von den Leuten in seinem Taufkurs sei die Hälfte einfach deshalb da, "weil sie einen Christen gesehen haben – weil sie einen Christen kennen, der sie zu Gott geführt hat; wo sie etwas gesehen haben, wovon sie sagen: Das möchte ich auch haben." – Ich denke nun natürlich darüber nach, ob nicht auch die Erstkommunion einen solchen Zeugnischarakter gegenüber den Leuten in den reservierten Bänken haben könnte und sollte, die sich zu diesem Anlass ausnahmsweise mal in die Kirche verirren; inwieweit dabei der Umstand in Rechnung zu stellen wäre, dass der post-volkskirchliche Kulturkatholizismus, der dazu führt, dass ansonsten kirchenferne Familien ihre Kinder trotzdem zur Erstkommunion gehen lassen möchten, weil es für sie immer noch irgendwie "dazugehört", ohnehin im Schwinden begriffen ist; und ob es einem solchen Zeugnischarakter nicht zuträglich sein könnte, Erstkommuniongottesdienste ernster und feierlicher und mit weniger Firlefanz und Pipifax zu gestalten. Das ist wohl ein Thema, mit dem ich nicht so bald fertig werde.
Währenddessen in Reinickendorf-Süd
Was ich im vorigen Wochenbriefing nicht erwähnt habe, ist, dass ich in der Woche, in der mein Jüngster wegen Erkältung nicht zur KiTa gehen konnte oder wollte, zweimal – am Dienstag und am Donnerstag – mit ihm "Beten mit Musik" in St. Joseph Tegel war. Bei einer dieser Gelegenheiten nahm ich mir den neuen Pfarrbrief mit – die "Sommerausgabe" quasi, die den Zeitraum von Juni bis August abdeckt. Ich bin zwar zunehmend überzeugt, dass das Medium "Pfarrbrief" in seiner gängigen Form eigentlich passé ist und im Grunde eine enorme Ressourcenverschwendung darstellt, und für den der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd gilt das dank der tragikomischen Inkompetenz der Redaktion (und wohl auch und nicht zuletzt dank der allgemeinen Richtungslosigkeit der ganzen Pfarrei, die aber wohl weniger ein Alleinstellungsmerkmal als vielmehr "typisch post-volkskirchlich" ist) in besonders augenfälligem Maße; aber ein paar interessante Dinge standen doch drin. Ein Beitrag – mit der Überschrift "Die Zukunft der Gottesdienstordnung" und namentlich gezeichnet vom Pfarrer – wäre, obwohl gerade mal eine Seite lang, möglicherweise sogar ergiebig genug für einen eigenständigen Blogartikel, also komme ich vielleicht noch einmal ausführlicher darauf zurück; halten wir jedenfalls erst einmal fest, dass dieser Text durch das Problem veranlasst ist, dass die Pfarrei in Hinblick auf ihr geistliches Personal unterbesetzt ist. Wie berichtet, ist um den Jahreswechsel herum ein von der Diözese Owerri in Nigeria ans Erzbistum Berlin "ausgeliehener" Priester, nachdem er hier gut acht Jahre lang als Pfarrvikar tätig gewesen war, in den Ruhestand getreten und in seine Heimat zurückgekehrt; da seine Stelle bisher noch nicht wieder neu besetzt werden konnte, sind die im Personalschlüssel eigentlich für diese Pfarrei vorgesehenen Priesterstellen seither zu einem Drittel unbesetzt. Zwar sind neben dem Pfarrer noch zwei Pfarrvikare, beides Ordenspriester, in St. Klara Reinickendorf-Süd tätig, beide jedoch nur mit einer 50%-Stelle. Dass das in einer Pfarrei mit sieben Kirchen Probleme verursacht, kann man sich leicht ausrechnen. Eine Vollzeitstelle hat im Pastoralteam von St. Klara neben dem Pfarrer derzeit nur der Diakon, dessen Stellung damit natürlich an Gewicht zunimmt; insbesondere schlägt sich dies in einer vom Liturgieausschuss der Pfarrei erarbeiteten und vom Pfarreirat beschlossenen "Rahmen-Gottesdienstordnung" nieder, die sicherstellen soll, dass auch zukünftig "in jeder unserer Kirchen zu regelmäßigen Zeiten ein Gottesdienst gewährleistet" werden kann. Diese Rahmen-Gottesdienstordnung sieht vor, dass die bisherigen "zehn Sonntagsgottesdienste" in der Pfarrei – drei am Vorabend, sechs am Sonntagvormittag und einer am Sonntagabend – "zunächst beibehalten werden, allerdings vermehrt als Wort-Gottes-Feiern". Der Diakon wird also zukünftig noch mehr predigen dürfen als bisher, und obendrein sollen auch "unsere (ehrenamtlichen) Gottesdienstbeauftragten" verstärkt zum Zuge kommen. – Man könnte natürlich auf die Idee kommen, gerade auch angesichts der räumlichen Nähe der Kirchenstandorte zueinander (vier der sieben Kirchen, nämlich Herz Jesu, St. Joseph, Allerheiligen und St. Bernhard, sind jeweils nur rund 2 km voneinander entfernt) wäre es den Gemeindemitgliedern durchaus zuzumuten, einen etwas weiteren Weg zur Sonntagsmesse zurückzulegen, und man könnte daher, bis die derzeit vakante Pfarrvikarsstelle wieder besetzt ist, ein paar Sonntagsgottesdienste einsparen; aber man scheut sich wohl, einzelne Kirchenstandorte zu benachteiligen, und das hat, wie der diesem Thema gewidmete Pfarrbriefartikel zwischen den Zeilen zu verstehen gibt, unter anderem mit dem Immobilienentwicklungsprozess des Erzbistums zu tun. Das wäre nun allerdings einer der Aspekte des Artikels, die man mal an anderer Stelle vertiefen müsste. – Und wenn man nun eine solche Standortbenachteiligung dadurch vermeiden würde, dass man beispielsweise im Zwei-Wochen-Rhythmus abwechselnd an einander benachbarten Standorten die Messe feiert? Da ahne ich den Einwand, insbesondere ältere Gemeindemitglieder würden das nicht auf die Reihe kriegen und sonntags vor der falschen Kirchentür stehen. Da nützt es wohl auch nichts, darauf hinzuweisen, dass ein solches System in anderen Pfarreien, in denen die Kirchorte erheblich weiter voneinander entfernt sind, sehr wohl funktioniert.
Zum Mangel an geistlichem Personal in der Pfarrei St. Klara sei übrigens noch angemerkt, dass es noch vor wenigen Jahren drei im Pfarreigebiet lebende Ruhestandsgeistliche gab, die bei Bedarf zur Zelebration herangezogen werden konnten, aber die sind inzwischen alle verstorben. Allerdings war ich am Mittwoch spontan in St. Marien Maternitas in Heiligensee in der Messe, nachdem ich im Zelebrationsplan einen mir nicht bekannten Namen gelesen hatte. Wie sich zeigte, handelte es sich um einen Ruhestandsgeistlichen aus Velten, der so etwa Mitte 80, aber noch gut beieinander war und erfreulich schnörkelllos und geradlinig zelebrierte. Vor der Messe gab es eine Maiandacht, die die ehrenamtliche Küsterin/Lektorin/Ministrantin aus Texten aus dem alten Gotteslob und einem noch aus ihrer Kindheit stammenden Buch zusammengestellt hatte, und auch die fand ich gut – was umso erfreulicher war, als es meine einzige Maiandacht in diesem Jahr war.
Aber mal zurück zum Pfarrbrief: Gerade mal zehn Zeilen lang ist ein Artikel unter der Überschrift "Neuer Akzent – Regenbogen-Gottesdienst" im Abschnitt über die Gemeinde St. Rita. Einleitend heißt es da:
"Das Erzbistum Berlin (EBO) engagiert sich zunehmend für queersensible Pastoral, um auch queeren Menschen Räume für Gemeinschaft und Seelsorge in den Gemeinden zu schaffen. Es werden unter anderem Gottesdienste angeboten und die Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist möglich."
Alles zu sagen, was mir zu diesen wenigen Zeilen einfiele, würde hier entschieden den Rahmen sprengen, daher beschränke ich mich hier mal darauf, den schon früher festgehaltenen Eindruck zu wiederholen, queersensible Pastoral in Reinickendorf-Süd sei ein bisschen wie "Gay Pride in Stars Hollow": Das liegt halt gerade im Trend, da muss man irgendwie mitmachen, auch wenn man sich dafür "queere Menschen" aus anderen Gemeinden ausleihen muss, weil man selbst zu wenige hat. Sogar die biedere Nordwest-Zeitung leistet sich seit einiger Zeit eine Queer-Kolumne. Das besonders Tragikomische an diesem Hinter-dem-Trend-Herhecheln ist nun allerdings, dass es in diesem Fall eindeutig zu spät kommt: Einem Satz wie "[D]ie Segnung gleichgeschlechtlicher Paare ist möglich" kann man nach jüngsten Klarstellungen von Papst und Glaubensdikasterium ja im Grunde nur ein simples "Eben nicht!" entgegenhalten.
Für den "Regenbogen-Gottesdienst" in St. Rita kamen diese Klarstellungen indes womöglich zu spät: "Erstmals fand im März ein Regenbogengottesdienst statt, den Pater Felix zelebrierte", erfährt man im Pfarrbrief. Pater Felix, das ist der neue Prior des Augustinerklosters St. Rita, der zugleich Hochschulseelsorger an der KSG Edith Stein ist. Dass der bei sowas mitmacht, enttäuscht mich irgendwie – obwohl ich andererseits nicht wüsste, wieso die eine von ihm zelebrierte Messe, die ich bisher miterlebt habe, mich hätte veranlassen sollen, Besseres von ihm zu erwarten.
Dass es über diesen Regenbogengottesdienst in St. Rita heißt, er habe "[e]rstmals [...] im März" stattgefunden, darf man wohl als Hinweis darauf verstehen, dass es zukünftig weitere Veranstaltungen dieser Art geben soll; unterstrichen wird dieser Eindruck durch den Schlusssatz des Artikels, welcher lautet: "Zu diesen Gottesdiensten sind alle Menschen herzlich eingeladen, denn der Regenbogen ist das Symbol für die Verbindung von Gott mit den Menschen". Inhaltlich ein klarer Fall von "Für dumm verkaufen kann ich mich alleine", zugleich aber auch bezeichnend für das stilistische und gedankliche Niveau dieser Publikation. Mehr will ich dazu mal lieber nicht sagen.
Eine wichtige Rolle spielen in diesem Pfarrbrief auch die anstehenden Gremienwahlen; die sind zwar erst im November, aber in Relation zu der Tatsache, dass der Pfarrbrief nur einmal in drei Monaten erscheint, ist das ja gar nicht mehr sooo lange hin. Jedenfalls scheint es, dass nicht nur in dieser Pfarrei händeringend nach Leuten gesucht wird, die sich zu einer Kandidatur bereit finden, sondern dass insgesamt seitens des Erzbistums ein beträchtlicher Aufwand betrieben wird, um die Kirchenmitglieder für die Wahlen zu interessieren. So hofft man offenbar der notorisch schwachen Wahlbeteiligung aufzuhelfen, indem erstmals die Möglichkeit zur digitalen Stimmabgabe geschaffen wird:
"Wahlberechtigte erhalten ab etwa Mitte Oktober ein individualisiertes Schreiben direkt nach Hause. Mit diesem erhalten Wählende Zugriff auf die elektronischen Wahlzettel und können diese direkt ausfüllen."
Na, wenn's schee macht! Gleichzeitig wird Pfarrbrieflesern, die womöglich "Bedenken bezüglich der digitalen Wahl haben", zugesichert, dass auch "Möglichkeiten vor Ort zur Verfügung stehen" werden, "damit auch Sie Ihre Stimme abgeben können".
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| Foto aus St. Joseph Siemensstadt. |
Übrigens habe ich, wenn ich über die Gremienwahlen schreibe und dies auch noch gezielt mit der Pfarrei St. Klara in Zusammenhang bringe, natürlich durchaus die Absicht, die Gerüchteküche hinsichtlich der Frage, ob ich etwa für den Gemeinderat von Herz Jesu Tegel kandidieren will, am Köcheln zu halten; zugleich möchte ich aber nicht verschweigen, dass inzwischen auch die Anregung bzw. der Wunsch an mich herangetragen worden ist, ich solle für den Gemeinderat von St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst und/oder für den Pfarreirat der Großpfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland kandidieren. Wozu ich sagen möchte: Natürlich ist es schmeichelhaft, so gefragt zu sein; und sicherlich hat es auch eine gewisse Stimmigkeit, zu argumentieren, wenn man sich schon dem Fegefeuer der Gremienarbeit aussetzen will, wäre es doch am sinnvollsten, das dort zu tun, wo man sowieso schon ehrenamtlich tätig ist. Aber ehrlich gesagt sehe ich das nicht ganz so. Einerseits hätte ich die Befürchtung, dass es zwischen Gremienarbeit, so wie ich sie bisher kennengelernt habe, und eigenem ehrenamtlichen Engagement eher Interessenkonflikte als positive Synergieeffekte geben könnte; und andererseits fühle ich mich, wie der "fromme Chaot" sagen würde, "innerlich geführt", dahin zu gehen, wo die Not am größten ist. Weniger pathetisch ausgedrückt: In Tegel sehe ich mehr Potential, etwas zu bewegen, gerade deshalb, weil da die Notwendigkeit, dass sich etwas bewegt, größer ist. Ich möchte derweil allerdings klarstellen, dass es noch keineswegs sicher ist, ob ich überhaupt zu den Gremienwahlen antrete. Ich fürchte, meine Liebste würde mir was husten...
Update RKF: Wenn der Küchenhelfer sein eigenes Süppchen kocht
Mit den von einem Team aus dem Bistum Dresden-Meißen erstellten Materialien für die diesjährige Religiöse Kinderwoche (RKW) – die in der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst seit ein paar Jahren Religiöse Kinderfreizeit (RKF) heißt – habe ich mich, nachdem ich vor zwei Wochen ein recht ungnädiges Gesamturteil darüber abgegeben habe, inzwischen etwas eingehender befasst; das Ergebnis könnte man als zwiespältig bezeichnen, aber so ganz die richtige Bezeichnung ist das wohl doch nicht. Auf der einen Seite hat das genauere Studium der Materialien nämlich zwar ergeben, dass es da im Detail – in den Spiel- und Bastelvorschlägen, aber zum Teil auch in den "Anspielen", in den Andachten zum Tagesabschluss und in den Entwürfen zu Kleingruppenkatechesen – durchaus mehr gibt, was ich als brauchbar einschätzen würde, als ich es auf den ersten Blick vermutet hätte; gleichzeitig und andererseits hat dies jedoch nicht dazu geführt, dass ich mein negatives Gesamturteil revidieren möchte – eher im Gegenteil. Wie bereits angedeutet, sehe ich das Kernproblem des vorgegebenen Gesamtkonzepts darin, dass es nicht im eigentlichen Sinne auf Katechese abzielt, sondern vielmehr durch und durch vom "Moralistisch-Therapeutischen Deismus" geprägt ist. Mose erscheint in den Materialien als "Archetyp für unsere gegenwärtigen Lebenserfahrungen", als welche etwa "innere Zerrissenheit", "die Vielschichtigkeit von Erlebnissen und der eigenen Identitäten" und die "Suche […] nach sich selbst" angesprochen werden; der moralistische Aspekt des MTD ist vorangig in Gestalt linksliberal ausgerichteter politischer Bildung präsent, wobei es fast schon eine Erleichterung darstellt, dass die Urheber dieses RKW-Konzepts nicht auf die Idee gekommen sind, die Ägyptischen Plagen unter Klimawandel-Gesichtspunkten zu betrachten.
Wenig ergiebig sind die RKW-Materialien hingegen in Hinblick darauf, die Geschichte des Mose als die Geschichte vom Bund Gottes mit Seinem Volk erfahrbar zu machen, was ich eigentlich als das Wesentliche an diesem biblischen Stoff betrachten würde. Davor, das Alte Testament im Licht des Neuen zu deuten – wie es schon die Kirchenväter, ja im Grunde sogar schon die Verfasser des Neuen Testaments selbst getan haben – wird in der "Theologischen Hinführung" des RKW-Materialienbuchs unter dem Stichwort "Stolperfallen" sogar ausdrücklich gewarnt: In den Katechesen müsse "jeder Gedanke einer Ersetzung des Alten Bundes (Judentum) durch eine vermeintlich bessere, neue Version des Bundes (Christentum)" vermieden werden, denn eine solche Sichtweise führe "direkt in den Antijudaismus und von da in den Antisemitismus". – Sagen wir mal so: Eine gewisse Sensibilität gegenüber der Gefahr, unterschwellig antisemitische Ressentiments zu füttern, ist sicherlich begrüßenswert und gerade im heutigen politischen Klima angebracht, aber das sollte nicht als Ausrede dafür dienen, einer spezifisch christlichen Perspektive auf das Alte Testament auszuweichen. Ich würde zum Beispiel nicht darauf verzichten wollen, den Durchzug durchs Rote Meer als Bild für die Taufe zu deuten und den Zusammenhang zwischen Pessach und Letztem Abendmahl aufzuzeigen.
Bedenken muss man bei alledem natürlich, dass die RKW gewissermaßen ein "Markenartikel" ist, der in den ostdeutschen Bistümern fest etabliert ist und einen guten Ruf genießt; und wenn eine Pfarrei oder Gemeinde dieses Format anbietet, ist es – auch wenn die Veranstaltung in Siemensstadt/Haselhorst geringfügig anders heißt – einigermaßen folgerichtig, dass die Erwartung im Raum steht, die Veranstaltung habe im Großen und Ganzen dem vorgegebenen Konzept zu folgen. Hinzu kommt, dass ich – wie ich neulich schon mal betont habe – offiziell nur als Küchenhelfer im Team bin. Auch so bin ich zwar grundsätzlich optimistisch, in Absprache mit den anderen Teammitgliedern einige Akzente zur Verbesserung des katechetischen Niveaus der RKF setzen zu können, aber mehr als ein paar Akzente werden es realistischerweise wohl nicht werden – jedenfalls diesmal noch nicht. Auf längere Sicht könnte ich mir sehr wohl vorstellen, auf der Basis dessen, was mir an den Materialien für die diesjährige RKW so alles nicht gefällt, ein Alternativkonzept für eine Kinderbibelwoche zum Thema Mose zu entwickeln und dieses dann auch in die Praxis umzusetzen. Ich komme bei Gelegenheit noch auf das Thema zurück...
Geistlicher Impuls der Woche
Brüder! Keiner kann sagen: Jesus ist der Herr!, wenn er nicht aus dem Heiligen Geist redet. Es gibt verschiedene Gnadengaben, aber nur den einen Geist. Es gibt verschiedene Dienste, aber nur den einen Herrn. Es gibt verschiedene Kräfte, die wirken, aber nur den einen Gott: Er bewirkt alles in allen. Jedem aber wird die Offenbarung des Geistes geschenkt, damit sie anderen nützt. Denn wie der Leib eine Einheit ist, doch viele Glieder hat, alle Glieder des Leibes aber, obgleich es viele sind, einen einzigen Leib bilden: So ist es auch mit Christus. Durch den einen Geist wurden wir in der Taufe alle in einen einzigen Leib aufgenommen, Juden und Griechen, Sklaven und Freie; und alle wurden wir mit dem einen Geist getränkt.
(1. Korinther 12,3b-7.12-13; 2. Lesung vom Pfingstsonntag)
Ohrwurm der Woche
The Doors: L.A. Woman
Ja, da ist natürlich das City of Light-Event dran schuld. Are you a lucky little lady in the city of light?, heißt es im Titelsong des letzten zu Lebzeiten von Frontmann Jim Morrison produzierten Albums der Doors. Ob man diese Platte als das Meisterwerk der Gruppe bezeichnen möchte, mag Geschmackssache sein, aber ich könnte mir vorstellen, dass Mancher, dem die frühen Doors zu psychedelisch sind, an dem geradlinigen und doch virtuosen Bluesrock von "L.A. Woman" umso mehr Freude haben dürfte. Zu dem von einem Fan erstellten Video sei noch angemerkt, dass es an die beliebte Verschwörungstheorie anknüpft, Jim Morrison alias "Mr. Mojo Risin'" habe seinen Tod nur vorgetäuscht: Am Anfang des Videos sieht man, wie der Sänger seine eigene Todesnachricht im Autoradio hört.
Vorschau/Ausblick
Wir sind noch mittendrin im Alpha-Kurs-Wochenende; genauer gesagt ist zu dem Zeitpunkt, da dieses Wochenbriefing online geht, schon etwas mehr als die Hälfte des Kursprogramms rum, und deutlich mehr als die Hälfte der Zeit, die die Kinder ihre Mutter nicht gesehen haben. So oder so wird es im nächsten Wochenbriefing allerlei darüber zu berichten geben, was ich an diesem Wochenende so alles mit den Kindern unternommen habe – an erster Stelle wäre hier sicher das heutige Wölflings- und Wichtelgruppentreffen zu nennen – oder noch unternehmen werde, wozu es u.a. gehört, dass am morgigen Dreifaltigkeitssonntag in St. Joseph Siemensstadt KiWoGo ist. Und um's mal ein bisschen spannend zu machen: Was heute in der Post war, dürfte ebenfalls mindestens einen thematischen Abschnitt im nächsten Wochenbriefing wert sein. Darüber, was meine Liebste an diesem Wochenende erlebt hat, dürfte es, so hoffe ich, ebenfalls einiges zu sagen geben; dann folgen ein paar voraussichtlich eher normale Schul- und Arbeitstage, aber am Donnerstag ist einerseits Fronleichnam, andererseits das Jubiläum "10 Jahre Punkpastoral", und natürlich gilt es beides gebührend zu feiern – letzteres mit einem separaten Jubiläumsartikel, der auch schon in Vorbereitung ist, wohingegen die Frage, wie genau wir in diesem Jahr Fronleichnam feiern wollen, tendenziell weniger leicht zu beantworten ist: Die Teilnahme an der zentralen Fronleichnamsfeier des Erzbistums Berlin war ja in der Vergangenheit meist eher nicht so erfreulich, aber andererseits nehmen die Schöneberger KPE-Pfadfinder mit Kluft und Banner an der Prozession teil, und da wäre es ja schon schön, wenn unser Wölflingsmädchen da mitliefe. Am Sonntag, wenn Fronleichnam auf Pfarreiebene "nachgefeiert" wird, stellt sich erneut die Frage, wo wir uns zuordnen wollen, aber das fällt ja bereits in den Berichtszeitraum des übernächsten Wochenbriefings.







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