Herzlich willkommen bei der neuen Wochenbriefing-Reihe, Leser! Wenn man eine neue Reihe eröffnet, möchte man das ja gerne so richtig "mit Karacho" tun, und an Stoff dafür mangelte es mir eigentlich auch nicht; allerdings ergab sich dabei das Problem, dass praktisch alle Themen, die ich für eine Behandlung innerhalb des Wochenbriefings ins Auge fasste, alsbald einen Umfang erreichten, der den Gedanken nahelegte, vielleicht lieber einen eigenständigen Artikel daraus zu machen. So erging es mir wie dem Titelhelden von Laurence Sternes Roman "Leben und Ansichten von Tristram Shandy, Gentleman" , der beim Versuch, seine Autobiographie zu schreiben, frustriert feststellt "The more I write, the more I shall have to write!"; und gleichzeitig befürchtete ich, vor lauter separaten Artikeln würde am Ende fürs Wochenbriefing (fast) nichts übrig bleiben.
Nach einigem Abwägen habe ich mich schließlich für eine Zwischenlösung entschieden: Beim Bericht über das Basic Stupidity Reunion Weekend habe ich mich möglichst kurz gefasst, behalte mir aber vor, die gekürzten bzw. weggelassenen Teile in einem eigenständigen Artikel nachzuliefern; im Übrigen habe ich mich dafür entschieden, das "Selbsterlebte" drinzulassen und die "sonstigen" Themen auszulagern. Ob das nun schon eine programmatische Weichenstellung für die Ausrichtung der neuen Wochenbriefing-Reihe ist, sei mal dahingestellt; aber jedenfalls habe ich einen Artikel zur Änderung der Wahlordnung für Pfarrei- und Gemeinderäte im Erzbistum Berlin schon vor diesem Wochenbriefing fertiggestellt und veröffentlicht, und ein Artikel zu einer neuen Regenbogenflaggen-Affäre in Butjadingen ist in Arbeit. Nun aber genug der Vorrede und Vorhang auf für die erste Folge von Utopie und Alltag...!
Wir bringen die Band wieder zusammen!
Okay, ganz so wie in diesem Filmausschnitt sah mein Christkönig-Wochenende nicht aus, aber... sagen wir, es gab gewisse Parallelen. – Im Ernst: Wie einige Leser sich erinnern werden, hatte ich im Mai 30-jähriges Abi-Jahrgangstreffen gehabt, und dabei hatte es auch ein fröhliches Wiedersehen mit einigen früheren Mitschülern gegeben, mit denen ich seinerzeit in einer Band gespielt hatte. Nur und ausgerechnet unser damaliger Leadgitarrist war nicht zum Jubiläumstreffen gekommen, und ich glaube tatsächlich, dass gerade seine Abwesenheit entscheidend dazu beitrug, in uns den Wunsch zu wecken, mal ein Band-Reunion-Treffen zu veranstalten – das dann aber natürlich mit unserem Gitarristen. Uns auf einen Termin zu einigen, nahm einige Verhandlungen in Anspruch; was hingegen den Ort anging, bot unsere frühere Sängerin und Saxophonistin an, das Ganze könne bei ihr stattfinden, denn ihr Zuhause biete sowohl genug Platz, um uns alle einzuquartieren, als auch eine recht stattliche Auswahl an Instrumenten zum gemeinsamen Musizieren. Und so verschlug es uns alle an diesem Wochenende nach Neufahrn bei Freising.
Was die im Haushalt vorhandenen Musikinstrumente anging, hatte unsere Gastgeberin uns übrigens nicht zuviel versprochen: Auf uns warteten ein akustisches Klavier, ein elektronisches Schlagzeug, eine Cajón (oder "Krachón", wie meine Kinder gern sagen), ein Altsaxophon, eine Trompete (zu der "unser" Trompeter sein eigenes Mundstück mitbrachte) und eine akustische Gitarre; von den Teilnehmern des Bandwochenendes mitgebracht wurden zwei E-Gitarren, ein E-Bass, ein Gesangsmikrofon und die dazugehörigen Verstärker.
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| Was man so braucht für ein Bandwochenende: Socken zum Wechseln, ein Handtuch, ein Glas Honig, einen Verstärker. |
Dieses Instrumentarium bespielten wir am Samstag so lange, wie die gebotene Rücksichtnahme auf die Nachbarn es erlaubte: von morgens (nach dem Frühstück) bis zur gesetzlich vorgeschriebenen Mittagsruhe und danach dann wieder bis zum frühen Abend. Während kam es auch immer mal wieder vor, dass einer sich die Akustikgitarre griff und ein bisschen vor sich hin klampfte; und auch wenn ich günstigstenfalls der viertbeste Gitarrist unter den Anwesenden war, konnte es mir dabei nicht versagen, den Anderen den "Kaugummi"-Song von Daniel Kallauch sowie ein Medley aus "Lady in Black" und "Die Sache Jesu braucht Begeisterte" vorzuspielen.
Am späten Nachmittag bzw. frühen Abend hatte der mittlere Sohn der Gastgeberfamilie ein Handballspiel im Nachbarort; wir holten ihn dort ab und fuhren dann zusammen auf den Weihenstephaner Berg – laut biergartenguide.com das "Epizentrum des Bieres". Wir besuchten das dortige "Braustüberl" jedoch nicht nur zum Trinken, sondern auch zum Essen:
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| So sieht dort der Schweinsbraten aus. Mit ordentlich Kruste. |
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| Dieser Bär war mir ebenfalls sehr sympathisch. |
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| Und die Tatsache, dass wir uns auf dem Areal einer ehemaligen Benediktinerabtei befanden, nicht minder. |
Im Anschluss an das Abendessen entschieden wir uns noch zu einem Abstecher nach Freising, um uns auf dem Domberg umzuschauen.
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| Hier die Freisinger Mariensäule vor dem Nachthimmel. |
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| Gedenktafel für Papst Benedikt XVI., 1977-82 Erzbischof von München und Freising. |
Zu erzählen hatten wir uns natürlich auch eine ganze Menge nach so langer Zeit. Aber das Faszinierendste war, dass es sich anfühlte, als hätte sich in unserem Verhältnis zueinander eigentlich gar nichts verändert. Das äußerte sich auch gerade darin, dass wir uns am Samstag ohne große Präliminarien einfach an die Instrumente setzen und losjammen konnten, als wäre die letzte Bandprobe gerade mal eine Woche her. Nicht umsonst habe ich schon in meiner jüngsten Tagespost-Kolumne den Heavy-Metal-Musiker Dave Mustaine (Megadeth) mit der Aussage zitiert, in einer Band zu sein sei das größte Maß an Nähe, das zwischen Menschen möglich ist, ohne Sex miteinander zu haben. Kurz gesagt, es war ein tolles Wochenende, und ich hoffe, wir machen sowas bald mal wieder. Nicht erst in dreißig Jahren...
Christkönig in Neufahrn
Am Sonntag stand ich etwas früher auf als der Rest der Truppe, um erst einmal in Ruhe bei einer Tasse Kaffee Invitatorium und Laudes zu beten und dann – effektiv in der Zeit, in der die Anderen frühstückten – in der Neufahrner Pfarrkirche St. Franziskus in die Messe zu gehen. Dazu sei angemerkt: Ähnlich wie in Runding, wo wir letztes Jahr in den Herbstferien waren, gibt es in Neufahrn eine schöne alte Barockkirche, die aber nicht mehr für die normalen Gemeindegottesdienste genutzt wird, und einen Neubau aus der Nachkonzilszeit, der schon durch seine Ausmaße dokumentiert, wie optimistisch man damals bezüglich der Entwicklung der Gottesdienstbesuchszahlen war. In die besagte Barockkirche, St. Wilgefortis, hatten wir am Samstag bei einrm Spaziergang während der Mittagsruhe einen Blick geworfen:
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| Fast wie in Spanien, bis auf die weißen Wände. Die wären dort wohl entweder komplett mit Figuren bedeckt oder mindestens vergoldet. |
Zu dieser Kirche und ihrem etwas ungewöhnlichen Patrozinium seien übrigens noch ein paar Worte mehr gesagt, ehe ich auf St. Franziskus und die dortige Christkönigs-Messe zu sprechen komme. Die Hl. Wilgefortis, auch Hl. Kümmernis genannt, ist nämlich eine Heilige aus dem Volksglauben, für deren Authentizität es keine seriösen Belege gibt und die auch nie offiziell heiliggesprochen wurde, die sich aber im Spätmittelalter und in der frühen Neuzeit einer breiten Verehrung erfreute und daher 1583/86 ins Martyrologium Romanum aufgenommen, später aber wieder daraus gestrichen wurde. Ihre Verehrung in Neufahrn hat einen konkreten lokalgeschichtlichen Anlass, nämlich die ins 14. Jh. datierte wundersame Auffindung eines Kruzifix, das fortan als Gnadenbild verehrt wurde. Spätestens ab dem 17. Jh. ist nachweisbar, dass dieses stilistisch am Volto Santo von Lucca orientierte Kruzifix, das Christus mit langem Gewand und Krone darstellte, volkstümlich als Darstellung der bärtigen Jungfrau Wilgefortis angesehen wurde. In der Folge erhielt auch die ursprünglich dem Hl. Bartholomäus, später dem Heiligen Geist geweihte Kirche das Patrozinium St. Wilgefortis. Das in den Hochaltar der Kirche eingearbeitete Gnadenbild war bis ins 19. Jh. Ziel von Wallfahrten.
Die neue Pfarrkirche St. Franziskus wurde 1963 geweiht, vor dem Portal steht eine wohl auch aus dieser Zeit stammende Statue des Kirchenpatrons, die ich persönlich durchaus ansprechend finde:
Die Innenraumgestaltung hat indes eher den Charme einer Reithalle.
Gut gefiel mir hingegen der Kreuzweg – der allerdings teilweise von einer Girlande aus bunten Stoffwimpeln verdeckt wurde, aber darauf komme ich etwas weiter unten noch zurück.
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| Hier exemplarisch ein paar nicht verdeckte Kreuzwegstationen. |
Was den weiter oben angesprochenen Optimismus hinsichtlich der Entwicklung der Gottesdienstbesuchszahlen angeht, der bei der Planung dieser Kirche waltete, ist festzuhalten, dass die Sitzbänke Platz für über 300 Personen bieten würden; zu der Messe am Christkönigssonntag kamen vielleicht hundert, was ich nun nicht unbedingt als "wenig" bezeichnen würde, allerdings auch nur, weil man es heutzutage gewohnt ist, dass Kirchen nicht voll sind. Gleichwohl merkte man recht deutlich, dass man es im Großraum München, was die personelle Basis der katholischen Volkskirche angeht, mit ganz anderen Dimensionen zu tun hat als in der Berliner Diaspora. So kamen in dieser Messe sechs Messdiener zum Einsatz – wobei "zum Einsatz kommen" vielleicht nicht ganz der richtige Ausdruck ist; viel zu tun hatten sie eigentlich nicht, jedenfalls nichts, wofür nicht auch zwei genügt hätten. "Bei uns zu Hause" würde "sechs Messdiener" bedeuten "Festhochamt mit Weihrauch und allen Schikanen", und tatsächlich wäre das für den Christkönigssonntag ja nicht unangemessen gewesen – hätte aber wohl insgesamt nicht so recht zum Charakter dieser Kirche und/oder der Gemeinde gepasst, aber dazu gleich noch mehr. Musikalisch wurde die Messe von einem kleinen Gospelchor (mit-)gestaltet, und auf die bunten Stoffwimpel, die rundherum die Wände der Kirche schmückten, wollte ich auch noch zu sprechen kommen. Diese waren offensichtlich von Kindern gestaltet worden: Auf jeden der Wimpel hatte ein Kind seinen Namen geschrieben und etwas gemalt, einen Regenbogen etwa, eine Sonne, ein Kreuz oder eine Kirche. Ähnliches sieht man auch in anderen Kirchen zuweilen, da handelt es sich dann in der Regel um Erzeugnisse des jeweils aktuellen Erstkommunionkurses. Aber hier hingen, grob überschlagen, rund 200 solcher Wimpel! Können die ernsthaft alle von einem Erstkommunionjahrgang sein? Das wären acht komplette Schulklassen! – Als ich meiner Gastgeberin (die selbst nicht katholisch ist) davon erzählte, meinte sie, ihrer Einschätzung zufolge gingen in Neufahrn jährlich eher so zwischen 60 und 70 Kinder zur Erstkommunion. Was ja für einen Ort dieser Größe (ca. 21.000 Einwohner) auch schon nicht gerade wenig ist. Sie fügte hinzu, es sei aber erst kürzlich Religiöse Kinderwoche (oder etwas in der Art) gewesen, möglicherweise kämen die Wimpel daher. (Das würde, nebenbei bemerkt, auch die Hoffnung nähren, dass sie nicht dauerhaft da hängen und die Sicht auf den Kreuzweg behindern.)
Übrigens hatte ich mir, auch wenn das womöglich ein bisschen albern ist, vor meinem Reiseantritt die Google-Bewertungen der Kirche St. Franziskus in Neufahrn angesehen, und da war mir die folgende Rezension besonders ins Auge gefallen:
"Die Kirche ist modern und sehr schlicht, ihre Stärke ist jedoch der Pfarrer: modern, freundlich und unkompliziert."
Was ich hieran so faszinierend finde, ist die zweimalige Verwendung der Vokabel "modern", und vor allem das "jedoch" dazwischen. Ich verstehe das so: Wenn ein Kirchengebäude modern ist, ist das nicht so schön, denn ältere Kirchen haben einfach mehr Atmosphäre (diese Meinung wird auch in einer anderen Google-Bewertung explizit vertreten), aber wenn ein Pfarrer modern ist, ist das gut, denn wenn er das nicht ist, erzählt er einem womöglich etwas über Sünde oder so. – Die Messe am Christkönigssonntag hielt indes nicht der Pfarrer (genauer: Pfarradministrator), sondern ein aus Indien stammender Kaplan vom Institut der Schönstatt-Patres. Meine Hoffnung, von diesem Priester eine irgendwie inspirierende Predigt zum Christkönigsfest zu hören zu bekommen, wurde in gewisser Weise durch die Wandmalerei an der Altarwand genährt, die sich dafür angeboten hätte, auf sie Bezug zu nehmen:
Aber ach: Die Predigt begann mit einer gemütvoll rührseligen Geschichte über eine Frau, die ihre demenzkranke Tante besucht und dabei eine auffällige Halskette trägt – die Tante erkennt sie nicht, meint aber hinterher (wegen der Kette), sie habe Besuch von einer Königin bekommen; am Ende der Predigt erzählte der Kaplan einen Witz, und dazwischen zitierte er Heinz Erhardt. Eine derart banal-harmlose, substanzarme Predigt habe ich wirklich lange nicht gehört, nicht einmal in St. Klara Reinickendorf-Süd, nicht einmal im Urlaub in Burhave. Man muss aber sagen, dass die Predigt sich gerade dadurch gut in das Gesamtbild dieser Messe einfügte. Auch Chorgesang und Orgelspiel wirkten recht seicht und gefällig, und die bunten Stoffwimpel, die teilweise den Kreuzweg verdeckten, hatte so gesehen schon fast etwas Symbolträchtiges.
Bestimmt gibt es Leute, die sagen würden, gerade das Seichte und Gefällige sei das Erfolgsrezept dieser Gemeinde, aber ich glaube, das ist zu kurz gedacht. Es kann gut sein, dass die Gemeindemitglieder, wenn man sie danach befragte, sagen würden, dass die Predigten, die Musik und die allgemeine Atmosphäre der Gottesdienste ihnen gut gefallen; trotzdem kommen sie nicht deswegen. Kein Mensch geht sonntags morgens in die Kirche, um eine seichte Predigt und seichte Musik zu hören, sondern sie sind da, weil es für sie (noch) zur Normalität gehört, sonntags in die Kirche zu gehen. Und wo sie schon mal da sind, will man ihnen auch ein angenehmes Erlebnis bereiten; das ist alles. Mit einem solchen "Wohlfühlkatholizismus" kann man aber nicht verhindern, dass die Zahl derer, für die der sonntägliche Gottesdienstbesuch schlicht zur Normalität gehört, von Generation zu Generation abnimmt. Schon jetzt ist der Großteil der Messebesucher in St. Franziskus Neufahrn schätzungsweise um die Siebzig; man könnte sagen "Das geht ja noch" – es gibt durchaus Gemeinden, in denen das Durchschnittsalter der Gottesdienstbesucher noch erheblich höher liegt –, aber gerade diese "Das geht ja noch"-Haltung ist eben auch Teil des Problems, denn sie be- oder verhindert die Einsicht, dass das Modell von Katholizismus, das hier praktiziert wird, nicht zukunftsfähig ist. Was das angeht, fühle ich mich in der Diaspora ehrlich gesagt besser aufgehoben.
Manasse und die Konsequenzen der Abgötterei
In der zurückliegenden Schul- und Arbeitswoche lief Manches anders als sonst; zum Teil, weil meine Liebste krankgeschrieben war und nicht zur Arbeit, dafür aber zu einigen Arztterminen gehen musste, zum Teil aber auch aus anderen Gründen. So entschied unser Jüngster am Dienstag beim Frühstück, er wolle nicht in die KiTa, sondern lieber zur "Rumpelberggruppe" (d.h. zu der offenen Eltern-Kind-Gruppe in der Gemeinde auf dem Weg, zu der ich mit ihm ein- bis zweimal pro Woche gegangen war, bevor er in die KiTa kam). Am Mittwoch ging er wieder zur KiTa; erst als ich ihn dort abgeliefert hatte und zurück zur S-Bahn ging, fiel mir ein, dass eigentlich dieser Mittwoch, mehr als der vorige, sich dafür angeboten hätte, mit dem Knaben in St. Marien Maternitas zur Messe und zum anschließenden Frühstück zu gehen – denn da feierte eine alte Dame aus der Gemeinde ihren Geburtstag, dieselbe alte Dame, die schon ihren Geburtstag im vorigen Jahr mit der Bemerkung angekündigt hatte, es könnte ihr letzter sein. Ehrlich gesagt war ich überrascht, dass seitdem schon wieder ein ganzes Jahr vergangen war. –
Aus der KiTa abgeholt wurde der Knabe indes nicht von mir, sondern von der Oma, sprich: meiner Schwiegermutter. Die hatte nämlich am Montag der vorigen Woche das Tochterkind zu einer Shoppingtour (nachträglich zum Geburtstag) abgeholt und fand nun, zum Ausgleich sollte sie in dieser Woche etwas mit dem Jüngsten unternehmen. Dadurch konnte er natürlich nicht zum JAM mitkommen – und meine Liebste auch nicht, da ja jemand zu Hause sein musste, wenn die Oma den Knaben zurückbrachte. Ehrlich gesagt fand ich's "für mal" aber auch ganz gut, allein mit dem Tochterkind zum JAM zu gehen.
In der Spiel- und Bastelzeit wurden diesmal Bienenwachskerzen gerollt; unsere Tochter war dabei sehr produktiv und brachte am Ende fünf Kerzen mit nach Hause.
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| Im Bild nur drei; keine Ahnung, wo die anderen sind. |
Im Elterncafé wurde ebenfalls gebastelt; ein Grund mehr für mich, da nicht hinzugehen. – Im katechetischen Teil ging es weiter um die Könige von Juda, und so skeptisch ich gegenüber der Brauchbarkeit dieses Oberthemas für die Kinderkatechese ursprünglich gewesen war, fand ich es diesmal ausgesprochen interessant und anregend. Es ging nämlich um den König Manasse (ca. 696-642 v. Chr.), und der sagte mir zunächst gar nicht viel; ich hatte bloß die vage Erinnerung, dass das einer der schlechten Könige war, die den Götzendienst tolerierten oder sogar förderten und dafür von Gott gestraft wurden. Das stimmte soweit auch, aber das Interessante war, dass Manasse der Sohn des guten Königs Hiskija war, von dem in der vorigen Woche die Rede gewesen war. Die erste Erkenntnis des Tages lautete also: Wenn jemand gute und fromme Eltern hat, heißt das nicht automatisch, dass derjenige selbst auch gut und fromm wird; es nützt nichts, das, was die Eltern einem vorleben, äußerlich mitzumachen, wenn man nicht mit dem Herzen dabei ist. Der nächste interessante Punkt war dann, dass König Manasse bei Wahrsagern und Geisterbeschwörern Rat suchte. In diesem Zusammenhang stellte die JAM-Leiterin die Frage in den Raum: Was hat Gott eigentlich gegen Hellseherei, warum will Er nicht, dass wir uns mit Horoskopen, Tarotkarten usw. befassen? – Antwort: Weil Gott will, dass wir Ihm vertrauen. Und wenn wir Gott nicht genügend vertrauen und darum mit Angst in die Zukunft schauen, können böse Mächte unsere Angst benutzen, um uns von Gott abzubringen – "unsere Beziehung zu Gott kaputtzumachen", wie die JAM-Leiterin wörtlich sagte.
Der Grund, weshalb mich dieser Teil der Katechese besonders ansprach, hing zusammen mit dem Buch, das bei uns gerade als Gutenachtlektüre dran ist, nämlich "Die Rückkehr der Kurzhosengang" von Zoran Drvenkar. An die "Kurzhosengang"-Reihe sind wir geraten, weil ich mal wieder eine Gutenachtlektüre wollte, die nicht dem Fantasy-Genre angehört. Unter diesem Aspekt muss man die Buchauswahl wohl als mittel-erfolgreich bezeichnen: Mit Fantasy im eigentlichen Sinne hat die Kurzhosengang tatsächlich nicht viel zu tun, aber gewisse, sagen wir mal, Mystery-Elemente zeigen sich doch schon recht früh in der Handlung, und im letzten Viertel des ersten Bandes stellt sich dann heraus, dass einer der vier Protagonisten – der auf den Spitznamen Zement hört – Geister sehen und mit ihnen sprechen und zudem voraussehen kann, ob jemand in naher Zukunft sterben wird. – Es ist kaum zu leugnen, dass "Die Kurzhosengang" unterhaltsame Lektüre bietet, witzig, originell und voll von überbordender Fabulierlust; die Fortsetzung ist noch spannender und dichter konstruiert, aber zugleich spielen die angesprochenen Mystery-Elemente hier eine noch deutlich prominentere Rolle als im ersten Teil, und da wird mir beim Vorlesen schon zuweilen etwas unbehaglich – etwa wenn drei der vier Jungs von der Kurzhosengang ein Ouija-Brett befragen, um in Erfahrung zu bringen, wohin ihr Kumpel Zement verschwunden ist. Nun jedenfalls nutzte ich die Gelegenheit, auf dem Heimweg vom JAM an das, was in der Katechese zum Thema Wahrsagerei und Geisterbeschwörung gesagt worden war, anzuknüpfen und zu betonen, in einer ausgedachte Geschichte wie "Die Rückkehr der Kurzhosengang" seien solche Sachen ja vielleicht ganz cool und spannend, aber im wirklichen Leben sei damit nicht zu spaßen. Die Aussage, dass Angst vor der Zukunft, die aus fehlendem Gottvertrauen resultiert, eine Pforte zur Dunklen Seite (sozusagen) ist, konnte ich sogar anhand eines Fallbeispiels aus dem Kurzhosengang-Buch selbst illustrieren (Vorsicht, Spoiler!): Da lebt nämlich der Eisdielenbesitzer – eigentlich ein netter Kerl – so sehr in Sorge, dass ihm oder seinen Bambini etwas zustoßen könnte, dass er auf die Idee verfällt, Zement zu entführen, damit dieser ihn mit seinen paranormalen Fähigkeiten vor allen eventuellen Gefahren warnen kann.
Eine weitere Lehre aus der Geschichte von König Manasse, die ich ebenfalls nicht unwichtig fand, betraf den Umstand, dass er in assyrischer Gefangenschaft zwar seine Fehler und Missetaten bereute und sich nach seiner Freilassung bemühte, fortan gerecht und gottesfürchtig zu handeln, die Folgen seiner früheren Verfehlungen damit aber nicht einfach aus der Welt schaffen konnte. Dazu erläuterte die JAM-Leiterin: Wenn man etwas Schlechtes und Falsches getan und eingesehen hat, dass es schlecht und falsch war, kann und soll man dafür zwar um Verzeihung bitten, aber die Verzeihung hebt nicht unbedingt den Schaden auf, der angerichtet wurde. So wird zum Beispiel jemand, den man angelogen hat, einem fortan weniger vertrauen, und es wird einen Prozess der Wiedergutmachung bzw. Bewährung erfordern, um das verlorene Vertrauen wiederherzustellen. Mir scheint, das ist ein Gedanke, den man sich mal für die Beichtkatechese merken sollte.
Winter-Wunder-Weihnachtszeit mit Mike Müllerbauer in der Gemeinde auf dem Weg
Schon seit Wochen gefreut hatte ich mich auf das Konzert des christlichen Kinderliedermachers Mike Müllerbauer in der Gemeinde auf dem Weg am Donnerstag; als ich indes am Dienstag auf dem Weg zur "Rumpelberggruppe" an einem Plakat für dieses Konzert vorbeikam, stellte ich mit Schrecken fest, dass es schon um 16 Uhr beginnen sollte – und das passte uns eigentlich gar nicht: Meine Liebste hatte einen Arzttermin und unsere Tochter einen Schulausflug, von dem sie voraussichtlich erst um 17 Uhr zurück sein würde. Nun konnte ich zwar den Jüngsten von der KiTa abholen und mit ihm allein zu dem Konzert gehen, aber wer holte dann das Tochterkind vom Schulausflug ab? Nun, wir lösten das Problem schließlich so, dass unsere Große am Nachmittag erst einmal mit zu einer Freundin nach Hause ging und später von dort aus abgeholt wurde. Dass sie das Konzert verpasste, war zwar schade, aber wenigstens konnten der Jüngste und ich hingehen. Wir trafen dort nicht nur allerlei Kinder und Eltern, die wir von der "Rumpelberggruppe" her kannten, sondern auch ein paar Kinder aus der KiTa des Knaben.
Wie manche Leser sich erinnern werden, waren wir am selben Ort schon im Frühjahr 2024 bei einem Mike-Müllerbauer-Konzert gewesen; im direkten Vergleich dazu war dieses Konzert etwas weniger gut besucht, außerdem fand ich es recht auffällig, dass Müllerbauer und sein Bühnenpartner Andy Doncic in diesen eineinhalb Jahren deutlich älter geworden sind. Der hauptsächliche Unterschied zwischen den beiden Konzerten war jedoch ein anderer: Der Auftritt im März 2024 stand unter dem Motto "Best of Müllerpower" und bot folgerichtig einen Querschnitt durch rund 20 Jahre von Müllerbauers Schaffen als Kinder-Lobpreis-Liedermacher; dagegen hieß das aktuelle Programm "Winter-Wunder-Weihnachtszeit" und enthielt hauptsächlich Stücke aus seinem gleichnamigen Weihnachtsalbum von 2017, "Greatest Hits" wie "Komm, wir machen Gott jetzt eine Freude" oder "Vor mir, hinter mir" kamen lediglich als Zugabe zum Einsatz.
Derweil ist nicht zu leugnen, dass das Weihnachts-Konzertprogramm dramaturgisch gut durchstrukturiert war: Am Anfang standen Lieder, die einfach nur eine winterlich-vorweihnachtliche Stimmung evozieren ("O lieber Schnee", "Plätzchenbäcker sind wir"); dann folgte mit "Wir feiern Weihnachten" ein Lied, dessen Text sich zunächst darum dreht, worauf verschiedene Leute sich im Zusammenhang mit Weihnachten am meisten freuen ("Lukas freut sich auf viele Geschenke, Sonja liebt den Plätzchenduft"), dann aber mit der Frage "Aber warum feiern wir dieses Fest?" den Blick auf den religiösen Gehalt des Weihnachtsfests lenkt. Die weiteren Musikstücke des Konzerts fügten sich dann größtenteils in eine heiter-turbulente Nacherzählung des Weihnachtsevangeliums nach Lukas ein.
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| "Euch ist heut der Retter geborn" – rechts Mike Müllerbauer als Hirte, links Andy Doncic als Engel |
So gesehen forderte dieses Konzert durchaus auch Vergleiche mit dem Krippenspiel-Musical heraus, das wir am ersten Adventswochenende des Vorjahres am selben Ort gesehen und gehört hatten. Und im direkten Vergleich muss ich leider sagen, dass Mike Müllerbauers Krippenspiellieder für mein Empfinden nicht so ganz an die von Adonia heranreichten. Womit ich nicht sagen will, dass ich sie schlecht fand; nur eben nicht ganz so gut.
Das Konzert dauerte insgesamt knapp eineinhalb Stunden, und schon nach rund einer Stunde beschwerte sich mein Jüngster bei mir, es dauere ihm zu lange. Wahrscheinlich vermisste er seine Mami und war insgesamt einfach fertig vom Tag. Wir blieben trotzdem bis zum Schluss, aber nicht länger – obwohl man sich im Foyer, wo es u.a. eine Hüpfburg und einen Hot-Dog-Stand gab, durchaus noch eine Weile hätte aufhalten können. – Zu Hause hörten wir uns dann einige der Lieder, die beim Konzert gespielt worden waren, noch einmal bei YouTube an. Mir scheint, sie gewinnen bei mehrmaligem Hören. Vielleicht kann man ja das eine oder andere noch ins Krippenspiel in Haselhorst einbauen...
Geistlicher Impuls der Woche
Können wir um das Kommen Jesu beten? Ja, wir können es. Nicht nur das: Wir müssen es! Wir bitten um Antizipationen seiner welt-erneuernden Gegenwart. Wir bitten ihn in Augenblicken persönlicher Bedrängnis: Komm, Herr Jesus, und nimm mein Leben hinein in die Gegenwart deiner gütigen Macht. Wir bitten ihn, dass er Menschen, die wir lieben oder um die wir Sorge tragen, nahe werde. Wir bitten ihn, dass er in seiner Kirche wirksam gegenwärtig werde. Warum sollten wir ihn nicht bitten, dass er uns auch heute wieder neue Zeugen seiner Gegenwart schenke, in denen er selber kommt? Komm, Herr Jesus!
(Joseph Ratzinger/Benedikt XVI., Jesus von Nazareth Bd. II)
Ohrwurm der Woche
Grace Jones: I've Seen That Face Before (Libertango)
Bekannt aus dem Film "Frantic", einem Thriller von Roman Polański mit Harrison Ford in der Hauptrolle. Die Kombination aus Astor Piazzollas "Libertango" und dem eindringlichen Gesang von Grace Jones finde ich ausgesprochen effektvoll, und übrigens gehörte "Libertango" auch zu den Stücken, die wir bei unserem Bandwochenende erstmals probierten – mit Klavier und Trompete als "Hauptstimmen", Bass und Gitarre schlichen sich nach und nach hinein, ich selbst spielte Krachón dazu. Mir gefiel unsere Version, aber sie war anders als diese hier. Ziemlich doll anders.
Vorschau/Ausblick
Für heute hatten wir uns mal wieder ganz schön viel Programm vorgenommen: vormittags zu den Schöneberger KPE-Pfadfindern, wo sowohl ein Meutentreffen der Wölflingsmädchen als auch ein Wichtelgruppentreffen stattfand, und am Nachmittag dann zur Krippenspielprobe in Haselhorst. Über beides wird es nächste Woche allerlei zu berichten geben. Heute Abend ist obendrein auch noch Community Networking Night im Baumhaus, aber ob wir das zusätzlich zu allem anderen auch noch schaffen (oder wenigstens ich), steht wohl eher zu bezweifeln. Dabei wäre das sicher interessant, zumal es aus dem bzw. über das Baumhaus einige bemerkenswerte Neuigkeiten gibt; es wäre durchaus zu erwägen, diese auch dann im nächsten Wochenbriefing zu thematisieren, wenn ich es nicht zur Community Networking Night schaffe. – Morgen ist 1. Advent, da steht in St. Joseph Siemensstadt der KiWoGo zum Thema "Was hat die Wiederkunft Christi mit der Sintflut zu tun?" an; erwähnt sei außerdem, dass an diesem Wochenende, heute und morgen, im Gemeindesaal von Maria, Hilfe der Christen in Spandau ein Theaterstück mit dem bezeichnenden Titel "Sancta (?) Helena – Ein Reich, ein Kaiser, eine starke Frau" gezeigt wird; als Veranstalter firmiert der Diözesanrat der Katholiken im Erzbistum Berlin. "Ein Theaterabend, den Sie verpassen sollten", wie es auf dem Flyer heißt; okay, zugegeben, da enthält der Satz noch ein "nicht", aber ich war mal so frei, das zu korrigieren. Wer anderer Meinung ist, hat von Dezember bis Februar noch weitere Gelegenheiten, das Stück in anderen Berliner Kirchengemeinden zu sehen, aber ich würde es mir höchstens dann ansehen, wenn ich eine Kiste leicht angegammelter Tomaten mit reinnehmen dürfte.
Am Dienstag haben meine Liebste und ich ein Elterngespräch mit der Vertrauenslehrkraft unseres Tochterkindes, ohne speziellen Anlass, einfach um sich mal zu orientieren, wie sich das Kind in der Schule so macht; da könnte es eventuell Stoff für eine neue Folge der Rubrik "Neues vom Schulkind" geben. Am Mittwoch werden wir wohl wieder zum JAM gehen, und am Donnerstag hat unser Jüngster ein Jiu-Jitsu-Probetraining an einer Kampfsportschule, die er sich letzten Mittwoch zusammen mit der Oma angesehen hat. Der Kursbeschreibung zufolge soll er da neben körperlicher Ertüchtigung auch ein "gesteigertes Selbstbewusstsein, -vertrauen und -verantwortung" sowie nicht zuletzt einen "moralischen Kompass" vermittelt bekommen; man darf gespannt sein. – Schon jetzt ist übrigens abzusehen, dass das zweite Adventswochenende derart vollgepackt mit "Programm" sein wird, dass wir es beim besten Willen nicht schaffen werden, alles mitzumachen, was theoretisch anstünde. Da gilt es also mit Bedacht auszuwählen... aber dazu nächste Woche mehr. Abschließend sei noch auf ein paar Themen hingewiesen, über die ich in der nächsten Woche etwas zu schreiben gedenke – ob innerhalb des Wochenbriefings oder in Form eigenständiger Artikel, muss sich noch zeigen:
Bis dahin: Bleibt mir gewogen, Leser!
















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