Weißt du, o Leser, was heute für ein Tag ist? Genau, es ist der Gedenktag des Hl. Willibrord von Utrecht, Glaubensbote bei den Friesen (nicht zu verwechseln mit Willehad); aber das meine ich eigentlich nicht. Außerdem ist heute, wie mir beim Beten der Laudes aufgefallen ist, der erste Samstag im Monat und somit Herz-Marien-Samstag; aber eigentlich meine ich noch etwas anderes, nämlich, dass heute theoretisch die konstituierende Sitzung der Synodalkonferenz hätte zu Ende gehen sollen – die jedoch tatsächlich nicht stattgefunden hat. Genauer gesagt: nicht stattfinden konnte, weil der Vatikan die Satzung (noch) nicht genehmigt hat. Das eingeklammerte "noch" bezieht sich darauf, dass aus interessierten Kreisen immer mal wieder zweckoptimistische Beteuerungen hört, die Genehmigung werde schon noch kommen irgendwann; und vielleicht stimmt das auch, die Frage ist nur, ob das dann noch irgendwen interessiert. Im Augenblick sieht es jedenfalls danach aus, dass der Synodale Weg final gescheitert ist, und so schade es um den Aufwand ist, mit dem dieser Prozess betrieben wurde, so froh kann man letzten Endes doch sein, dass der Spuk vorbei ist.
Und damit erst einmal wieder genug von der "großen Kirchenpolitik"! Im weiteren Verlauf dieses Wochenbriefings möchte ich mich lieber auf Themen konzentrieren, die meinem persönlichen Erfahrungsbereich näher liegen...
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| Dieses Vorschaubild habe ich schon vor gut drei Wochen aufgenommen – beim JAM –, aber ich finde, es passt zur Jahreszeit. |
Vom Schwarzwald in den Harz
Als ich am vergangenen Samstag mein Zimmer in einem etwas hochtrabend "Kreativ Hotel" genannten Gästehaus in Hohegeiß, einem Ortsteil von Braunlage unmittelbar an der ehemaligen innerdeutschen Grenze (zwischen Niedersachsen und Sachsen-Anhalt), bezog, wurde mir bewusst, dass ich innerhalb einer Woche an fünf verschiedenen Orten übernachtete: erst in Nürnberg, dann in Schwabach, im Kloster Heiligenbronn, eine Nacht zu Hause in Berlin und schließlich eben in Hohegeiß. Wenn man die Schiffsreise in den Herbstferien des Vorjahres nicht gelten lässt (wo das Schiff zwar jede Nacht woanders war, ich aber trotzdem jede Nacht im selben Bett schlief), dann, so glaube ich, war ich schon seit dem Jakobsweg, also seit gut zehn Jahren, nicht mehr in so kurzer Zeit so viel unterwegs gewesen.
Anstrengend war das natürlich schon. Am Freitag nach dem Mittagessen wurden diejenigen Exerzitien-Teilnehmer, die ab Oberndorf am Neckar mit dem Zug fahren mussten – das waren die meisten – von zwei Franziskaner-Schwestern in zwei Neunsitzer-Vans zum Bahnhof gebracht; drei Mütter und ihre vier Kinder reisten noch bis Stuttgart mit uns zusammen, darunter war erfreulicherweise auch der neue Freund unseres Jüngsten. – In Stuttgart fuhr unser Zug mit Verspätung ab und sammelte auf der Schwäbischen Alb noch einige weitere Minuten Verspätung an; dadurch wurde die Umsteigezeit in Nürnberg etwas knapp, aber wir schafften es – und ich kann mich ehrlich gesagt an keine Rückreise aus einem Urlaub erinnern, die reibungsloser gelaufen wäre als diese. Dennoch war es schon ungefähr 22 Uhr, als wir am Bahnhof Gesundbrunnen ankamen, und von dort nach Hause brauchten wir nochmals rund eine halbe Stunde. Glücklicherweise brauchten wir zu Hause nicht mehr viel anderes zu tun, als ins Bett zu gehen.
Am nächsten Morgen zeigte sich, dass mein innerer Wecker, ebenso wie unsere Küchenuhr, noch auf Sommerzeit eingestellt war: Ich wachte auf, weil ich aufs Klo musste, und als ich in die Küche kam (die in unserer Wohnung ein Durchgangszimmer ist), zeigte die Uhr an, dass ich in fünf Minuten sowieso hätte aufstehen müssen, um rechtzeitig zu meinem Zug zu kommen; in Wirklichkeit war es aber noch eine Stunde früher. So oder so war es eine kurze Nacht, schon gegen fünf Uhr früh verließ ich das Haus, um über Berlin-Gesundbrunnen, Berlin-Hauptbahnhof, Braunschweig und Bad Harzburg nach Braunlage zu fahren. Vom Busbahnhof in Braunlage wurde ich mit dem Auto abgeholt.
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| Das Wappentier von Hohegeiß – auch wenn der Ortsname etymologisch wahrscheinlich gar nichts mit Geißen zu tun hat. |
Alles in allem muss ich sagen, dieses Gefühl, "im Auftrag des Herrn unterwegs" zu sein und dabei an Orte zu gelangen, die man sonst im Leben nicht zu Gesicht bekommen würde, ist schon sehr aufregend und macht Spaß; aber ich bin schon auch ganz froh, demnächst mal wieder längere Zeit an einem Ort zu bleiben und im eigenen Bett zu schlafen... (Man ist halt keine 20 mehr.)
Erstkontakt zur neuen Wohnortgemeinde
An Allerheiligen, während ich noch in Hohegeiß war, teilte meine Liebste mir per Textnachricht mit, unser Jüngster sei am Morgen nicht wach zu kriegen gewesen, deshalb hätten sie es nicht zur gewohnten Zeit am gewohnten Ort in die Messe geschafft und wollten nun in St. Nikolaus – unserer neuen Wohnortgemeinde, zu Fuß wenig mehr als einen Kilometer von unserem Zuhause entfernt – in die Abendmesse gehen. Ich hoffte noch dazustoßen zu können, wenn ich aus dem Harz zurück nach Berlin kam, aber der Weg vom Hauptbahnhof nach Wittenau nahm dann doch so viel Zeit in Anspruch, dass die Messe schon vorbei war, ehe ich die Kirche erreichte. Immerhin war die Kirche aber noch geöffnet, und Frau und Kinder waren noch dort. Direkt beim Reinkommen begegnete mir eine Frau, die sich daran erinnerte, dass ich mal als Gast bei einer Gemeinderatssitzung in St. Nikolaus gewesen war und darüber gebloggt hatte, und als wir ihr erzählten, dass wir neuerdings im Gemeindegebiet wohnen, nannte sie das eine "Bereicherung". Nett! Als ich Frau und Kinder fragte, wie die Messe gewesen sei, antworteten alle drei übereinstimmend "gut"; der Jüngste meine sogar, sie sei "zu kurz" gewesen, und die Große hatte einen schönen Stempel für ihr Erstkommunion-Stempelheft bekommen. Als wir uns auf den Heimweg machten, kam der Priester, der die Messe zelebriert hatte, an uns vorbei und rief uns einen freundlichen Abschiedsgruß zu. Alles in allem daran man das wohl als einen erfreulich gelungenen Erstkontakt bezeichnen; und auch wenn es gute Gründe gibt, dass wir uns bis auf Weiteres vorrangig nach St. Joseph Siemensstadt hin orientieren, würde ich sagen, man könnte und sollte hier durchaus öfter mal hingehen. Solange es diesen Kirchenstandort noch gibt, wie gesagt...
Reformationstag in der KiTa
Ich weiß nicht genau, ob ich es schon mal erwähnt habe, aber von der 1. bis zur 6. Klasse hatte ich evangelischen Religionsunterricht, da es an den beiden Schulen, die ich in diesem Zeitraum besucht habe, keinen katholischen Religionsunterricht gab. Wenn ich an den Religionsunterricht in den ersten vier Schuljahren zurückdenke, erinnere ich mich an Bibelgeschichten mit Illustrationen von Kees de Kort und an moralisierende Alltagsgeschichten und glaube eigentlich nicht, dass katholischer Religionsunterricht für diese Altersgruppe signifikant anders ausgesehen hätte. In der 5. oder 6. Klasse kamen im Religionsunterricht dann aber Martin Luther und die Reformation dran, und da war's dann schon ziemlich unangenehm, der einzige Katholik in der Klasse zu sein (oder waren wir zwei? Mehr als zwei jedenfalls nicht).
Aus analogen Gründen war ich heuer ganz froh darüber, dass wir in der Woche vor dem Reformationstag in Urlaub waren und unser Jüngster daher nicht in seine (evangelische) KiTa gehen konnte. Bisher hatte ich nie etwas dagegen, wenn er dort auch an religionspädagogischen Angeboten teilnahm, denn ich konnte mir – auch aus eigener Erfahrung, wie gesagt – eigentlich nicht vorstellen, dass Kindern im Vorschulalter dabei etwas beigebracht würde, was man aus katholischer Sicht problematisch finden müsste. Bis ich in der KiTa-App Fotos davon sah, wie im religionspädagogischen Programm der KiTa der Reformationstag thematisiert wurde.
Zunächst war da ein im Kinderbuchstil gezeichneter, pausbäckig lächelnder Martin Luther zu sehen, dazu der Text: "Martin wollte, dass alle Menschen selbst in der Bibel lesen können. Deshalb übersetzte er sie in eine Sprache, die alle verstehen" – klar, weil ja alle Menschen Deutsch verstehen. Merkste selber, ne? – Aber wenn man mal gnädig darüber hinwegsieht, dass hier einmal mehr der Mythos kolportiert wird, vor Luther habe es keine volkssprschlichen Bibelausgaben gegeben, ist das ja noch relativ harmlos. Auf dem nächsten Foto liest man dann: "Gott hat dich lieb! Du bist wertvoll! Und du musst dir Liebe nicht verdienen!" An und für sich natürlich richtige Aussagen, aber das als Quintessenz der reformatorischen Theologie zu verkaufen (und damit implizit als Antithese zur katholischen!), ist dann wohl doch ein ziemlich dicker Hund. Wie die weiteren Fotos in der KiTa-App dokumentieren, durften oder sollten die Kinder sodann zu Ehren von Luthers Thesenanschlag eigene "Thesen" mit Spielzeughämmern an Korktafeln annageln. Kein Witz. Soweit man es auf den Bildern erkennen kann, ist den Kindern dazu allerdings nicht viel anderes eingefallen als "Ich mag dich" oder "Du hast ein schönes Kleid heute". Diese Ergebnisse mögen Zweifel daran aufkommen lassen, ob es überhaupt irgendetwas "bringt", Kindern im Vorschulalter etwas über die Reformation beibringen zu wollen, aber ich schätze mal, wenn überhaupt etwas davon bei den Kindern hängen bleibt, dann, dass das Christentum erst durch Martin Luther nett und menschenfreundlich geworden sei.
Natürlich unterstelle ich bei dieser ganzen Aktion keine böse Absicht. Das ist einfach der ganz normale Antikatholizismus, der in der evangelischen Kirche sozusagen "systemimmanent" ist, weil sie ihn für ihr Selbstverständnis braucht. Und ich habe es schon mehr als einmal erlebt, dass brave Protestanten ehrlich überrascht reagieren, wenn man als Katholik Kritik an derartigen Narrativen äußert – weil sie wie selbstverständlich davon ausgehen, es sei doch heute allgemein anerkannt, dass Luther Recht gehabt habe, und das müssten doch auch Katholiken einsehen. Aus dieser Erfahrung heraus glaube ich auch nicht, dass es etwas bringen würde, das Thema gegenüber der KiTa-Leitung anzusprechen. Wenn überhaupt, wäre es wohl aussichtsreicher, sich direkt an die verantwortliche Religionspädagogin zu wenden, gegebenenfalls mit dem Hinweis, ich sei gewissermaßen "angehender Kollege". Aber ich schätze, ich warte erst mal die St.-Martins-Feier ab...
Dürfen, sollen oder müssen Christen Halloween feiern?
Elf Jahre ist es schon her, dass ich auf meinem Blog einen langen Artikel veröffentlicht habe, mit dem ich seinerzeit alles gesagt zu haben glaubte, was es aus meiner Sicht zum Thema Halloween zu sagen gibt. Der Artikel mag etwas ausufernd geraten sein, aber ich finde – so viel Eigenlob muss sein –, dass er mit seinem Materialreichtum und den vielen weiterführenden Links nach wie vor einen validen Debattenbeitrag darstellt. Indes drängt sich mir der Eindruck auf, die Debatte darüber, ob man als Christ nicht grundsätzlich und ohne Wenn und Aber gegen Halloween sein müsste, nimmt nicht nur kein Ende, sondern nimmt von Jahr zu Jahr an Schärfe zu. Tut das Not? Brauchen wir das?
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| Halloween-Deko in Hohegeiß. |
Dass einem in den Sozialen Netzwerken alle Jahre wieder Leute begegnen, die einem Sätze auftischen wie "Als Christen bzw. weil wir Christen sind, feiern wir nicht Halloween", ist im Grunde nicht wert, dass man sich darüber aufregt, denn in der Regel sind das Leute, in deren Sprachgebrauch die Bezeichnung "Christ" sich lediglich auf Angehörige ihrer jeweiligen evangelikalen Splittergruppe erstreckt. Wenn man derweil bei idea liest, wie die evangelische Ex-Landesbischöfin Margot Käßmann Halloween und den Reformationstag zueinander ins Verhältnis zu setzen versucht – nämlich mit der Behauptung, dass "Luther die Menschen von der Angst vor Geistern, dem Teufel und Hexen befreien" wollte –, weiß man schon nicht mehr, ob man angesichts dieses Blödsinns lachen oder weinen soll.
Um eine einigermaßen differenzierte Position bemühen sich beispielsweise Pater Karl Wallner OCist von der Hochschule Heiligenkreuz und sein Neuzeller Ordensbruder Pater Wilhelm Mauser OCist auf ihren jeweiligen Instagram-Auftritten: In einem offenbar schon älteren aber aus kalendarischem Anlass wiederveröffentlichten Video erklärt Pater Karl zunächst, er persönlich finde Halloween "ganz schrecklich" und "furchtbar", räumt aber ein, wenn "Kinder da jetzt herumlaufen, um Süßigkeiten zu hausieren, weil ihre Freunde das auch machen und so, also da würd' ich auch nicht gleich den Teufel dahinter sehen". Dabei hätte man es belassen können, aber das Video geht noch weiter und der Tonfall wird alarmistischer. "Wir haben ja statistische Umfragen gehabt vor einigen Jahren, wo eben [...] mehr Jugendliche an den Satan glauben als an Gott glauben. Und das ist einfach eine Realität, die sich auch durch Halloween manifestiert." Ist das so? Ich habe mit Hilfe von Google versucht, die Umfrageergebnisse ausfindig zu machen, auf die Pater Karl sich hier bezieht, aber anscheinend gibt es sie nicht bzw. der gute Pater hat da etwas missverstanden oder durcheinandergebracht. Weiter meint er, das moderne Halloween-Brauchtum sei "eigentlich ein Missbrauch eines christlichen Festes"; klar, das kann man so sehen, aber dasselbe könnte man beispielsweise über die Kommerzialisierung des Weihnachtsfests sagen.
Pater Wilhelm aus Neuzelle macht sich derweil unter der Überschrift "Muss man heute vor jedem Kürbis Angst haben?" eher ein bisschen über die Verteufelung von Halloween lustig und meint, "der liebe Gott kennt schon den Unterschied zwischen einem kleinen Kinderkostüm und irgendwie Satanismus oder so", gibt allerdings auch zu bedenken: "Ich als Christ, ich liebe Gott, ich liebe das Gute, ich versuche gut zu leben, ich möchte letztlich ein Heiliger werden. Und es steht doch in krassem Widerspruch dazu, sich irgendwie als Teufel zu verkleiden." Tja – aber wer sagt denn, dass man das muss? Insgesamt, so scheint mir, wird in dieser ganzen Debatte viel zu wenig differenziert zwischen der Frage, ob man Halloween feiern soll, und der Frage, wie man es tun soll.
Dass sich in einer Rundmail der Wölflingsleiterin zu den Herbstferien die Ermahnung fand, "dass Halloween kein christliches Fest ist und wir mit angstmachenden Gruselmonstern, ausgehöhlten Kürbissen und Skeletten auch aus Spaß nicht wirklich Freude bereiten", nahm ich eher mit Achselzucken zur Kenntnis; ärgerlicher fand ich ein YouTube-Video von Margarete Strauss mit dem Titel "Ist Halloween katholisch? Die Wahrheit über das Fest", in dessen Beschreibung es heißt: "Ist Halloween in Wahrheit ein zutiefst katholisches Fest, wie viele christliche Influencer und Blogger heute behaupten?" Woraufhin sich bei mir natürlich erst mal die Gegenfrage regt: Behaupten das viele? Ich würde ja eher sagen, es sind immer noch zu wenige, aber Margarete Strauss hat, wie es scheint, einen Trend festgestellt und hält es für geboten, sich diesem gegenüber antizyklisch zu verhalten. Ihr YouTube-Video zu diesem Thema ist über 20 Minuten lang, hat aber glücklicherweise eine Kapiteleinteilung, sodass ich mich auf zwei jeweils rund eine Minute lange Abschnitte beschränken konnte: "Der Denkfehler moderner Verteidiger von Halloween" und "Warum Halloween nicht mit Ostern vergleichbar ist". Ich kann nur sagen, gelohnt hat es sich nicht. Das argumentative Niveau ist sehr dürftig, der Beitrag weist eine Tendenz zu Fehl- und Zirkelschlüssen auf, die man nicht mal einem Zehntklässler in einer Erörterung durchgehen lassen würde. Ich schätze, es ist ein Gebot der Fairness, dass ich mir bei Gelegenheit auch mal Videos von Margarete Strauss zu anderen Themen ansehe, aber wenn sie Leuten "Denkfehler" vorwirft, deren Standpunkt sie offenbar noch nicht einmal verstanden hat, macht das erst mal keinen so guten Eindruck. – Daher nochmals in aller Kürze meine Thesen zum Thema "Halloween aus katholischer Sicht":
- Halloween ist seinem Ursprung nach ein Phänomen der katholischen Volksfrömmigkeit im Kontext von Allerheiligen und Allerseelen. Die Behauptung eines heidnischen Ursprungs steht auf ähnlich wackeligen Füßen, wie es auch bei Weihnachten und Ostern der Fall ist.
- Dass Neuheiden, Okkultisten und Satanisten Halloween für sich vereinnahmen und in ihrem Sinne instrumentalisieren, ist ein ernst zu nehmendes Problem; umso mehr sollte man sich dem Anspruch dieser Kreise widersetzten, Halloween gehöre sozusagen rechtmäßig ihnen. Sonst nehmen sie uns als nächstes Ostern weg.
- Wenn, wie besonders die evangelischen Landeskirchen nicht müde werden zu beklagen, Halloween in der öffentlichen Wahrnehmung mehr und mehr den Reformationstag in den Hintergrund drängt, ist das aus katholischer Sicht nur zu begrüßen.
Okay, der letztgenannte Punkt ist außerhalb Deutschlands – oder genauer: der evangelisch-lutherisch geprägten Teile Deutschlands, in denen der Reformationstag bis heute gesetzlicher Feiertag ist – wohl kein so großes Thema; zu den anderen Aspekten der Debatte möchte ich aber schnell noch ein 2-Minuten-Video empfehlen:
Ein ganz eigenes Thema sind derweil natürlich die, wie es scheint, ebenfalls von Jahr zu Jahr zunehmenden Berichte über in Halloween-Süßigkeiten versteckte Nadeln, Glasscherben oder scharfkantige Metallteile; auch von mit Drogen versetzten Halloween-Leckereien hört man zuweilen. Dass in dieser Hinsicht "die Einschläge näher kommen", wurde mir schlagend deutlich, als in der KiTa-Eltern-WhatsApp-Gruppe ein Foto von einem in einem Kinderriegel versteckten Nagel gepostet wurde: Diesen hätten befreundete Eltern aus Falkensee in der Halloween-Beute ihrer Kinder entdeckt. Auch die Märkische Allgemeine berichtete über den Fall. Natürlich kann man da jetzt sagen, da sieht man doch, dass Halloween eine Falle ist, die gutgläubige Kinder ins Verderben lockt; andererseits könnte man bei derartigen Machenschaften auch fanatische Halloween-Hasser am Werk wähnen. Oder sich bewusst machen, dass der weit überwiegende Teil derer, die an Halloween Süßigkeiten an Kinder verteilen, damit keine bösen Absichten verbindet.
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| Halloween-Deko in unserem Garten |
Unsere Kinder haben in dieser Hinsicht jedenfalls, wie es scheint, Glück gehabt. Wie schon erwähnt, fand bei uns zu Hause am Halloween-Abend eine Gartenparty statt – das war nicht unsere Idee gewesen, sondern die unserer Hausgenossin, deren jüngere Tochter bei dieser Gelegenheit auch ihren Geburtstag nachfeierte –; und am Donnerstag folgte dann die Schul-Halloween-Feier. Unser Tochterkind verkleidete sich zu beiden Anlässen als Wolf. Nicht als Werwolf, sondern einfach als Wolf. Dagegen dürfte eigentlich auch ihre Wölflings(!)leiterin wenig einzuwenden haben.
Neues von der Erstkommunionvorbereitung
Die lange, allzu lange Zeit zwischen dem vorigen und dem nächsten Erstkommunion-Kurstreffen in St. Stephanus Haselhorst neigt sich dem Ende zu: Nächsten Samstag, also heute in einer Woche, steht ein "Gemeinschaftstag" mit dem Erstkommunionkurs an, einschließlich gemeinsamem Mittagessen. Inhaltlich soll es um biblische Grundlagen der Heiligen Messe gehen; und da das gegenüber dem in den letzten Jahren verwendeten Kursprogramm eine neue Idee ist, waren hinsichtlich der konkreten Gestaltung noch einige Fragen offen, die bei einem Katechetentreffen am Donnerstag (also vorgestern) geklärt werden sollten. Das Treffen war recht arbeitsintensiv und dauerte gut eine halbe Stunde länger als geplant; es sind halt lauter engagierte und meinungsstarke Leute im Team, da ist es nicht immer leicht, auf einen Nenner zu kommen – aber gerade das macht die Arbeit ja spannend, und ich bin durchaus der Meinung, dass wir zu guten Ergebnissen gekommen sind – wobei, wie gut die tatsächlich sind, wird sich natürlich erst noch in der Praxis erweisen müssen.
Mir war mit Blick auf das angepeilte Oberthema des kommenden Erstkommunion-Kurstreffens besonders wichtig, den Zusammenhang zwischen Pessach und Letztem Abendmahl in kindgerechter Form herauszustellen; in der Vorbereitung des Katechetentreffens habe ich allerdings festgestellt, dass es gar nicht so leicht ist, dafür Materialien zu finden – mal abgesehen von dem neulich schon mal erwähnten Buch von Cocagnac, das der Gemeindereferent auf meine Empfehlung hin direkt angeschafft hat. In der Erstkommunion-Mappe aus St. Gertrud Herzogenrath findet man zu diesem Thema überhaupt nichts, im "vorkonziliaren" Erstkommunionkurs von Heinrich Kautz ebenfalls nicht; und auch die diversen Kinderbibeln, die bei uns im Bücherregal stehen, haben sich in dieser Hinsicht als wenig ergiebig erwiesen. In einem Buch mit dem Titel "Kinderbibel: Bilder und Geschichten" wird bei der Schilderung des Auszugs aus Ägypten das Pessach nicht einmal erwähnt, und die Passion Jesu kommt in dem Buch sowieso nicht vor (das letzte Kapitel des Buches heißt "Die Geburt Jesu"). In einem "Die Ostergeschichte" betitelten Bilderbuch aus dem Loewe-Verlag trifft Jesus sich vor Seiner Verhaftung einfach "[e]in letztes Mal [...] mit seinen Freunden zum Abendessen". In Herders Kinderbibel wie auch in der "Großen Kinderbibel" aus dem Brunnen-Verlag ist zwar im Zusammenhang mit dem Auszug aus Ägypten die Rede davon, dass die Israeliten ungesäuerte Brote backen, Lämmer schlachten und das Blut an die Türpfosten streichen, damit der Todesengel ihre Häuser verschont, und im Zuge der Passionserzählung wird mehrfach erwähnt, dass Jesus zum "Paschafest" nach Jerusalem kommt und dass das Letzte Abendmahl ein "Paschamahl" ist, aber der Zusammenhang wird nicht explizit hergestellt – auch wenn die Brunnen-Kinderbibel anlässlich des Letzten Abendmahls immerhin erwähnt, dass das Paschamahl an den Auszug aus Ägypten erinnert. Günstiger fällt der Befund allein bei der Gott hat dich lieb Bibel von Sally Lloyd-Jones und Jago aus, die seinerzeit in dem Geschenkpaket enthalten war, das es zum Abschluss des Elternglaubenskurses in der Gemeinde auf dem Weg gab. Da heißt es schon beim Auszug aus Ägypten:
"Gottes auserwählte Leute würden diese wunderbare Rettung immer in Erinnerung behalten und jedes Jahr das 'Passafest' feiern. Und dabei wussten sie noch nicht, dass eine noch wunderbarere Rettung kommen würde! Viele Jahre später würde Gott noch einmal so etwas tun. Er würde noch einmal kommen, um sein Volk zu retten. Doch diesmal würde er ihnen für immer und ewig die Freiheit schenken."
Auf diese Ankündigung wird anlässlich des Letzten Abendmahls zurückgegriffen:
"Es war Passafest – das Fest, zu dem Gottes Volk sich daran erinnerte, wie Gott es aus der Sklaverei in Ägypten gerettet hatte. Jedes Jahr schlachteten sie ein Lamm. 'Das Lamm ist an unserer Stelle gestorben', sagten sie dann. Doch an diesem Passafest würde Gott ein noch viel größeres Opfer bringen."
Und kurz darauf heißt es dann:
"Dann nahm Jesus ein Brot und zerbrach es in kleine Stücke. Die gab er seinen Freunden. Er hob einen Kelch mit Wein hoch und dankte Gott dafür. Dann reichte er den Kelch herum, sodass alle davon trinken konnten. 'Mein Körper ist wie dieses Brot', sagte er. 'Er wird zerbrochen werden. Und das Glas Wein ist wie mein Blut, das vergossen werden wird. So wird Gott die Welt retten: Mein Leben wird zerbrechen – und Gottes zerbrochene Welt wird wieder ganz. Mein Herz wird zerreißen – und eure Herzen werden heilen. So wir das Passalamm starb, werde ich jetzt an eurer Stelle sterben. Mein Blut wird alle eure Sünden abwaschen und ihr werdet in euren Herzen ganz sauber sein.'"
Ganz schön intensiv für eine Kinderbibel, würde ich mal sagen; aber ich find's gut und denke, daran kann man sich orientieren – daher nahm ich diese Bibelausgabe zum Katechetentreffen mit und stellte sie dort vor.
Erwähnen möchte ich Zusammenhang mit dem Katechetentreffen übrigens noch, wie ich am letzten Tag unserer Familienexerzitien im Kloster Heiligenbronn eine Teilnehmerin, die Pastoralteferentin im Bistum Aachen (aber ansonsten durchaus sympathisch) ist, über ihre Arbeit sprechen hörte und dabei aufschnappte, was sie über die Schwierigkeiten bei der Zusammenarbeit mit einem "sehr konservativen" Priester ausführte; um zu unterstreichen, wie konservativ der sei, erwähnte sie, er mache "Erstkommunionvorbereitung mit dem Katechismus". Ich mochte mich nicht ungefragt in das Gespräch einmischen, fragte mich aber doch, was eigentlich verkehrt daran sein soll, Erstkommunionvorbereitung mit dem Katechismus zu machen – wobei ich zugegebenermaßen weniger an den "großen" Katechismus "für Erwachsene" denke als etwa an den YouCat for Kids. Jedenfalls möchte ich in diesem Zusammenhang daran erinnern, was ich neulich erst mit Blick auf Reinhold Boschkis "Einführung in die Religionspädagogik" angemerkt habe: Bei aller berechtigten Kritik an einer einseitig und ausschließlich instruktionstheoretisch orientierten Katechese darf man nicht ganz vergessen, dass es letztlich eben doch auch um die Vermittlung von Glaubensinhalten geht (oder gehen müsste). In dieser Hinsicht ist, so glaube ich, "unser" Katechetenteam unbeschadet aller Auffassungsunterschiede und unterschiedlicher Schwerpunktsetzungen grundsätzlich auf einem ganz guten Weg.
Geistlicher Impuls der Woche
Wir alle sind schwach, aber Gott, der Herr, hat uns Mittel gegeben, die uns leicht helfen können, wenn wir nur wollen. Ein Priester weiß, dass von ihm Unversehrtheit und Enthaltsamkeit verlangt wird und dass er, wie es sich gehört, das Leben eines Engels führen muss. Er wollte das alles vielleicht. Aber er denkt nicht daran die Mittel zu gebrauchen: zu fasten, zu beten sowie schlechte Unterhaltungen, schädliche und gefährliche Vertraulichkeiten zu meiden. Er beklagt sich: Wenn er zum Chorgebet schreitet, wenn er die Messe feiert, begegneten ihm tausend Dinge, die seine Gedanken von Gott ablenken. Aber was macht er vorher in der Sakristei, ehe er zum Chor oder zur Messe geht? Wie bereitet er sich vor, welche Mittel wählt und wendet er an, um seine Aufmerksamkeit zu wahren? – Fliehe, wenn du kannst, die Zerstreuungen; bleibe gesammelt bei Gott und meide unnütze Gespräche. Hast du die Aufgabe, zu predigen und zu lehren? Studiere und bemühe dich um all das, was zur rechten Amtsführung nötig ist; mach, dass du vor allem durch Leben und Tat predigst; man soll nicht sehen müssen, dass du anders sprichst als du tust, und darum über deine Worte spotten und den Kopf schütteln. Bist du Seelsorger? Vernachlässige darüber nicht die Sorge für dich selbst und sei andern gegenüber nicht so freigebig, dass für dich selbst nichts übrigbleibt. Du musst zwar an die Seelen denken, deren Vorsteher du bist, aber nicht so, dass du dich selbst vergisst. Erkennt, Brüder, dass nicht allen Männern der Kirche in gleicher Weise dasselbe notwendig ist. Spendest du die Sakramente, lieber Bruder, so bedenke, was du tust. Feierst du die Messe, so bedenke, was du darbringst. Singst du im Chor, bedenke, mit wem du sprichst und was du sagst. Leitest du Seelen, so bedenke, mit wessen Blut sie reingewaschen sind, und "alles was ihr tut, geschehe in Liebe" (1 Kor 16,14). Alle Schwierigkeiten, die wir notwendig Tag für Tag in großer Zahl erfahren – wir sind ja in sie hineingestellt – werden wir leicht überwinden können.
(Karl Borromäus, Predigt bei seiner letzten Synode)
Ohrwurm der Woche
Alison Moyet: Weak in the Presence of Beauty
Neulich war ich aus nicht weiter erwähnenswerten Gründen in einem Paketshop in Alt-Wittenau – einem dieser kleinen Läden, wie Horst Evers sie in "Wo war ich, als..." beschreibt, die im Laufe der Jahre mal Mitfahrzentrale, mal Parfümerie, mal Handy-Zubehör-Laden und mal eBay-Annahmestelle sind, aber erstaunlicherweise immer auch Zigaretten verkaufen –, und da lief, nein, nicht dieses Lied, sondern "A Good Heart" von Feargal Sharkey. Auch schön. Auf dem Heimweg hatte ich daraufhin erst mal das als Ohrwurm, aber noch ehe ich zu Hause angekommen war, hatte mein Gehirn zu dem stilistisch nicht ganz unähnlichen "Weak in the Presence of Beauty" weitergeschaltet. Ich mag das Lied. Alison Moyet ist sicherlich eine der besten Sängerinnen der New-Wave-Ära, der Liedtext spricht mich an und auch das Trompetensolo gefällt mir. Es ist übrigens ein echtes Trompetensolo, gespielt vom Latin-Jazz-Veteranen Herb Alpert, und nicht etwa nur ein Synthesizer, der Trompeten-Sound imitiert.
Vorschau/Ausblick
Heute Vormittag war wieder ein Meutentreffen der Schöneberger KPE-Wölflinge; wie üblich brachte ich mein Tochterkind hin und holte es auch wieder ab, und was es darüber zu berichten gibt, verrate ich im nächsten Wochenbriefing. Weiterhin stand bis zum Redaktionsschluss noch die Frage im Raum, ob wir zur St.-Martins-Feier in Borsigwalde gehen würden – auch wenn die letztes Jahr eher nicht so der Hit war. Am morgigen Sonntag steht im St. Joseph Siemensstadt der zweite KiWoGo der Saison an, zum Evangelium von den Klugen und Törichten Jungfrauen (Matthäus 25,1-23); ich bin mal gespannt, wie das wird, und nicht zuletzt auch, wie viele Kinder kommen werden. Am Dienstag ist die St.-Martins-Feier der KiTa unseres Jüngsten, der eigentliche Martinstag ist am Mittwoch, aber ich gehe mal davon aus, dass wir da zum JAM gehen wollen – und dass dort, da die Evangelikalen es ja nicht so mit Heiligenverehrung haben, St. Martin eher keine Rolle spielen wird, aber lassen wir uns mal überraschen. Für mein Studium werde ich in der kommenden Woche auch mal wieder mehr tun müssen als in letzter Zeit, und dann steht auch schon der "Gemeinschaftstag" im Rahmen des Erstkommunionkurses an... Es bleibt spannend!




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