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Sonntag, 13. September 2020

Auf dem Suppenspreader-Event

Es ist wahr, liebe Leser, ich bin immer noch nicht so ganz zurück aus der Blogpause und schulde Euch immer noch eine bereits mehrfach angekündigte Erklärung für mein langes Schweigen; aber an diesem Wochenende war Suppe & Mucke, und wie schon 2016, 2018 und 2019 möchte ich es auch in diesem krisengeschüttelten Jahr nicht versäumen, dieses Event mit einem Blogartikel zu würdigen, auch wenn dieser Artikel sich weitgehend in einer Bildergalerie erschöpfen wird.  

Das Festival "Suppe & Mucke" gibt es in Berlin seit 2009, und wie ich kürzlich erst nachrecherchiert habe, war ich nicht nur bereits bei der ersten Ausgabe dieses Events dabei, sondern bin seinerzeit sogar dort aufgetreten (auf der Kleinkunstbühne). Seither hat das Veranstaltungsformat mancherlei Veränderungen durchgemacht, aber die wesentlichen Bestandteile sind nach wie vor dieselben, nämlich zum Einen SUPPE und zum Anderen MUCKE. Heuer fand das Festival auf dem Gelände des ehemaligen Reichsbahnausbesserungswerks Berlin (kurz RAW-Gelände) unweit des S-Bahnhofs Warschauer Straße statt - laut Tante Wiki "das größte zusammenhängende, permanent kulturell bespielte Gelände Deutschlands und die letzte noch nicht modernisierte Industriebrache innerhalb des S-Bahn-Rings in Berlin".






Unsere Anfahrt gestaltete sich indes nicht ganz unkompliziert. Da der S-Bahnhof Warschauer Straße nicht barrierefrei ist, wollten wir mit der Tram dorthin fahren, aber die Tramlinie war wegen Bauarbeiten unterbrochen; so gingen wir ein Stück zu Fuß, und das erwies sich insofern als Glücksfall, als wir dadurch an einer Baum-Demo vorbeikamen. 

Tatsächlich: Wenn man genau hinschaute, konnte man feststellen, dass die Bäume allesamt Namen hatten und persönlich gegen ihre drohende Abholzung protestierten. 




Schließlich kamen wir aber doch wohlbehalten am RAW-Gelände an; das Wetter war herrlich, die Stimmung gut, und: Es war noch Suppe da! 



Unsere Tochter war übrigens auch schon das dritte Mal dabei, allerdings zum ersten Mal fast die ganze Zeit auf ihren eigenen Beinen unterwegs. 


Was den Mucke-Aspekt des Festivals angeht, fand Suppe & Mucke bereits zum zweiten Mal in Folge in Kooperation mit dem Festival für selbstgebaute Musik statt. 




Und meine Liebste, die auf dem Gymnasium ungefähr ein halbes Jahr lang in einer Trommelgruppe mitgespielt hatte, bekam Gelegenheit, zu zeigen, was sie (noch) kann. 


Davon abgesehen habe ich an den diversen Infoständen allerlei interessante Flyer abgegriffen -- wobei es, nebenbei bemerkt, einen lustigen "Did you just assume my gender"-Moment gab, als ich nach einem Flyer griff, der für Tischlerei-Workshops für Frauen warb. "Das ist wohl eher nichts für dich", meinte die Frau am Infostand -- fügte aber sogleich (etwas kleinlaut, wie mir schien) hinzu: "Es sei denn natürlich, du definierst dich als Frau." (Ich erklärte daraufhin, ich wolle den Flyer nicht für mich mitnehmen, "aber vielleicht zum Weitergeben", und damit war dann alles gut.) 

Und sonst so? 


Heaven 17? Die gibt's noch? (Oder wieder?) 

Ähm -- DA wollten wir eigentlich NICHT hin. Aber vielleicht dieser Herr hier? 


Wie jetzt, kein Bier? Dann aber ohne mich! 

Zurück fuhren wir übrigens vom Ostkreuz aus; hier noch einige Impressionen vom Fußweg dorthin: 





Im Hintergrund übrigens die Zwinglikirche. Wenn ich mich nicht irre. 

Nach der ganzen Suppe machte sich übrigens durchaus ein gewisser Appetit auf feste Nahrung bemerkbar, aber es war vielleicht doch ganz gut, dass die Ketwurst-Bude schon zu hatte. Zu Hause gab's im Ofen überbackene Käsesandwiches. 


So, und nun signalisieren die drei mäßig freundlichen Herren links im Bild: Schluss mit lustig! 

Aber schön war's. Wieder mal. Bleibt zu hoffen, dass der Corona-Ausnahmezustand bald vorbei ist und dass es dann wieder mehr von solchen schönen Events geben wird; mehr noch: dass man dann auch mal wieder selbst etwas Schönes veranstalten kann. Und nicht zuletzt: dass es in Berlin auch in Zukunft noch solche (sub-)kulturellen Freiräume wie das RAW-Gelände geben wird...! 



Samstag, 5. September 2020

Das böse H-Wort

Freunde und aufmerksame Beobachter der im weitesten Sinne kirchlichen Medienlandschaft haben mich darauf hingewiesen, dass ich namentlich in einem aktuellen Beitrag der Eule, des Fachmagazins für postchristliche Zivilreligion, erwähnt werde; und zwar in der ersten Folge einer Reihe mit dem Titel "Die rechte Ecke", verfasst von Philipp Greifenstein. -- "Die rechte Ecke"? Nanu, wie komme ich denn da rein? Die Frage stellt sich umso mehr, als es in dem Beitrag primär um die von Klaus Kelle initiierte "5. Vollversammlung der wahren Schwarmintelligenz" geht; und wer mich ein bisschen kennt, wird wissen, dass mich von der nationalkonservativ-wirtschaftsliberalen Agenda des Kelle-Kreises Welten trennen (Näheres dazu z.B. hier und hier). Wie also kommt die Verbindung zustande? Schlichtweg dadurch, dass ich gelegentlich in der Tagespost publiziere und die Tagespost als einer von mehreren "Medienpartnern" der Schwarmintelligenz-Vollversammlung auftritt. Das ist auch schon alles. Dass der Greifenstein eine derart wacklige assoziative Brücke baut, nur um meinen Namen ins Spiel bringen zu können, kann man als Indiz dafür werten, dass ich - wie die Angloamerikaner sagen - mietfrei in seinem Kopf wohne, aber das passt insgesamt ganz gut zum verschwörungstheoretisierenden Duktus des Texts. Framing ist, wenn man aus den Brettern, die man vorm Kopf hat, einen Bilderrahmen baut; das ist ein Satz, der mir beim Lesen des Eule-Artikels in den Sinn kam, den man aber auch bei anderen Anlässen sicherlich noch wird gebrauchen können, und dafür sollte ich dem Greifenstein wahrscheinlich dankbar sein. 

Jetzt aber mal zur Sache: Was schreibt er denn nun über mich? Dies:
"Da passt es, dass Tagespost-Autor Tobias Klein das Internet-Magazin der Bischofskonferenz auf seinem Blog durchgängig als 'häretisch.de' diffamiert." 
Nun gut, dagegen ist nicht viel zu sagen, außer dass das Online-Portal, das hier gemeint ist, nicht "das Internet-Magazin der Bischofskonferenz" ist, auch wenn es gern so tut; zudem finde ich den Begriff diffamieren an dieser Stelle ein bisschen hart, aber jemandem, der selbst so gerne diffamiert, muss man es wohl durchgehen lassen, wenn er freigebig mit diesem Begriff umgeht. -- Übrigens ist es ein bemerkenswertes Phänomen des Internetzeitalters, dass man eine Formulierung nur oft und konsequent genug verwenden muss, um früher oder später als ihr Urheber zu gelten. So war es mit der Aussage "Jedesmal, wenn beim Vaterunser in der Messe der Embolismus weggelassen wird, stirbt irgendwo ein knopfäugiges Robbenbaby", und so ist es auch bei der Bezeichnung häretisch.de. In beiden Fällen glaube ich eigentlich nicht, dass ich das erfunden habe, aber alle Welt behauptet es; daher: Who am I to disagree. Wer mit "häretisch.de" gemeint ist, weiß inzwischen übrigens sogar schon Google

(Screenshot.) 

So. Jetzt haben wir alle mal kurz geschmunzelt, jetzt werden wir bitte wieder ernst. Ich weigere mich, "das umstrittene Portal der Firma APG" (P. Winnemöller) bei dem Namen zu nennen, den es sich anmaßt. Weil ich es empörend und in sträflichem Maße irreführend finde, dass eine Internetpräsenz, deren redaktionelle Linie darauf ausgerichtet ist, die Glaubens- und Sittenlehre der katholischen Kirche aktiv zu bekämpfen, sich "katholisch" nennt, ja sich sogar als das Sprachrohr der katholischen Kirche in Deutschland ausgibt.  

Wer sich auf Diskussionen über Glaubensfragen einlässt, sei es in den Sozialen Medien, bei Veranstaltungen kirchlicher Bildungsträger oder kirchennaher Verbände oder auch bei der von der Kolpingsfamilie ausgerichteten Kaffeetafel nach der Sonntagsmesse, der wird feststellen, dass es innerhalb der Kirche eine nicht geringe Zahl von Leuten gibt, die keinen Widerspruch darin sehen, sich selbst als gute Katholiken zu betrachten und gleichzeitig Ansichten über Gott, Jesus Christus, die Sakramente und allgemein über Gut und Böse zu vertreten, die der Lehre der Kirche dezidiert widersprechen. Im Allgemeinen wird man gut daran tun, diesen Leuten keine bösen Absichten zu unterstellen: Sie halten sich einfach nur an das, was sie in vermeintlich vertrauenswürdigen, weil amtskirchlich anerkannten Quellen lesen oder was sie in Veranstaltungen von Vereinen und Verbänden hören, die sich katholisch nennen; ja womöglich sogar an das, woran sie sich vom schulischen Religionsunterricht her erinnern; und es sagt ihnen schlichtweg keiner, was daran falsch ist. Wenn das doch mal einer wagt, werden seine Einwände mit Verweis auf das kleine Einmaleins des Relativismus abgeschmettert, demzufolge "wahr" und "falsch" subjektiv seien und jeder das Recht auf seine eigene Wahrheit habe; und wer dann immer noch darauf beharrt, das kirchliche Lehramt lege verbindlich fest, was Katholiken zu glauben haben, der wird ganz schnell als "ewiggestrig", als "vorkonziliar" oder "fundamentalistisch" abgestempelt, und in neuerer Zeit besonders gern als irgendwie "rechts". Kurz, im Kirchenvolk herrscht eine heillose Verwirrung darüber, was katholischer Glaube sei und was nicht; und häretisch.de ist ganz vorne mit dabei, diese Verwirrung zu fördern. Und dies dann eben doch mit voller Absicht, denn ohne diese Verwirrung wären solche fluchwürdigen Veranstaltungen wie der "Schismatische Weg", mit dem der aufgeblähte institutionelle Apparat der Kirche seine "gesellschaftliche Relevanz" zu retten versucht, gar nicht durchführbar. 

In diesem Sinne lässt sich auf häretisch.de das anwenden, was Max Goldt vor 20 Jahren über die BILD schrieb -- mit der Einschränkung, dass es sich bei diesem Online-Portal eben nicht um eine Zeitung handelt: 
"Diese Zeitung ist ein Organ der Niedertracht. Es ist falsch, sie zu lesen. Jemand, der zu dieser Zeitung beiträgt, ist gesellschaftlich absolut inakzeptabel. Es wäre verfehlt, zu einem ihrer Redakteure freundlich oder auch nur höflich zu sein. Man muß so unfreundlich zu ihnen sein, wie es das Gesetz gerade noch zuläßt. Es sind schlechte Menschen, die Falsches tun."
Übrigens kann ich wirklich nicht verstehen, warum die Bezeichnung "häretisch.de" solche Empörung auslöst. Tatsächlich habe ich mich schon manches Mal gefragt, ob dieser Spitzname nicht eigentlich viel zu schmeichelhaft für diese Internetpräsenz ist. Richtige Häretiker glauben zwar an etwas Falsches, aber daran glauben sie immerhin wirklich, und das verdient einen gewissen Respekt. Dagegen ist häretisch.de ein Organ des Relativismus, und der ist kein Irrglaube, sondern die Negation von Glauben schlechthin

Nebenbei bemerkt hat sich irgendwer, ich weiß nicht wer, tatsächlich den Domainnamen häretisch.de gesichert, trotz des für den internationalen Gebrauch eher unpraktischen Umlauts. Es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn sich herausstellte, dass das die Betreiber eben jenes Portals waren, das sich offiziell nicht so nennt -- um zu verhindern, dass jemand anders mit der Domain Schabernack treibt... 

Freitag, 4. September 2020

Der zivilreligiöse Optimismus des Herrn P. (Gastbeitrag)

Gestern früh sah ich auf Twitter, dass ein ungenannter deutscher Erzbischof einen Beitrag aus der berüchtigten Standpunkt-Rubrik von häretisch.de geteilt und zustimmend kommentiert hatte; das ist ja an sich schon beklagenswert genug, aber der betreffende Beitrag trug die Überschrift "Wir können optimistisch auf den Glauben in Deutschland blicken". Nanu, dachte ich, wer stellt denn derart bizarre Behauptungen auf? Dann öffnete ich den Link und stellte fest: Ach so. Andreas Püttmann. Na dann. Dessen Buch "Gesellschaft ohne Gott" steht bei mir im Regal, aber da meine "100-Bücher-Challenge" aus Gründen, auf die ich an anderer Stelle noch eingehen werde, derzeit ruht, wird dieses Buch wohl noch eine Weile darauf warten müssen, von mir gelesen zu werden. Ich hoffe nur, die hier angesprochene "Standpunkt"-Kolumne ist kein Indikator für die Qualität des Buches. Damit meine ich wohlgemerkt nicht nur, dass ich inhaltlich nicht mit Püttmanns Aussagen einverstanden bin - das trifft zwar zu, aber das allein wäre wohl kaum der Rede wert -, sondern vielmehr, dass ich beim Lesen dieses Beitrags den Eindruck hatte, es handle sich um völlig inkohärentes Gebrabbel, das zu veröffentlichen eigentlich einer Bloßstellung des Autors gleichkomme. 

Nun hat sich allerdings mein treuer Leser Imrahil die Mühe gemacht, Püttmanns Text einer gründlichen Analyse und Kritik zu unterziehen, und ich bin der Meinung, diese Replik verdient Aufmerksamkeit. Andere regelmäßige Leser dieses Blogs werden Imrahil als unermüdlichen, durchaus nicht immer mit mir einverstandenen Kommentarverfasser kennen, außerdem hat er hier schon einmal einen Gastbeitrag beigesteuert, was allerdings schon ein paar Jahre her ist. Also dann: Erteilen wir Imrahil das Wort! (Ach nein, eins noch: Die Überschrift stammt von mir -- falls sich jemand darüber beschweren möchte. Ebenso auch der folgende Bildtext:) 

Wer von diesen beiden hat wohl die besseren moralischen Werte?
Wer von diesen beiden hat wohl die besseren moralischen Werte? 
(Julius Schnorr von Carolsfeld, "Pharisäer und Zöllner", 1860; gemeinfrei

Und sodann noch der Hinweis, dass häretisch.de den Titel des Püttmann-Beitrags inzwischen zu "Warum man noch selbstbewusst Christ in Deutschland sein kann" geändert hat. Nicht dass das einen entscheidenden Unterschied macht, aber bezeichnend ist die Änderung irgendwie schon. -- So, nun aber genug der Vorrede; hier nun Imrahils Replik!


* * *


"Wir können optimistisch auf den Glauben in Deutschland blicken", lautet die Überschrift bei einem katholisch.de-Standpunkt von Andreas Püttmann. Wenn man sie so liest, langt man sich ja sicher ans Hirn, aber ist es mehr so die Art: "Was raucht der? Ich will das auch haben."

Tatsächlich bleibt aber von einem derartig erfreulichen Wahnsinn nichts übrig, wenn man ihn nur einmal durchgelesen hat. Warum also können wir optimistisch auf den Glauben in Deutschland blicken? Handelt es sich um die Zuversicht, daß Gott schon alles gut hinausführen wird? Handelt es sich um den geradezu tollkühnen Glaubensmut, mit dem etwa ein Kardinal Lustiger (von Kardinal Marx häufig zitiert) sagt, die Zukunft des Christentums in Europa stecke noch in den Kinderschuhen? Oder ist Püttmann nochmal wieder einer von denen, der zum hundertfünfundfünfzigstenmal prophezeit, es werde jetzt endlich ein Revival kommen und die Menschen werden wieder das Glauben und das religiöse Praktizieren lernen?

Nichts dergleichen. Der Grund für seine derart hoffnungsfrohe Überschrift ist der folgende: "In keinem anderen der acht beteiligten westeuropäischen Länder waren so viele Menschen überzeugt vom Zusammenhang zwischen religiösem Glauben und moralischen Werten wie in Deutschland: 37 Prozent, [...] sogar knapp vor Polen (36%)".

Das also ist es, was zu derart hoffnungsfrohem Optimismus Anlaß gibt: Bei der Frage – bitte genau lesen! - ob zwischen dem religiösen Glauben und moralischen Werten ein Zusammenhang bestehe (!), bei der ziehen wir an den Polen noch um einen Prozentpunkt vorbei. Wow.

Das impliziert zweierlei. Erstens, daß diese Frage nun die ultimativ wichtige wäre, an der sich die Geister schieden. Damit impliziert es aber auch zweitens einen gepflegten Selbstwiderspruch, denn wenn sie so wichtig wäre, dann wurden doch zunächst die 63 % (Polen 64 %) ins Auge fallen, die das nicht so sehen.

Vor allem aber: Es ist schon sehr bezeichnend. Was also ist laut Püttmann die alles entscheidende Frage? Ob der Antwortende der Meinung ist, insgesamt bestehe zwischen dem, daß einer glaubt, und dem, welche "moralische Werte" (entschuldigt den Ausdruck, aber er steht so da – ich hätte fast "wie einer handelt" verbessert) einer hat, ein Zusammenhang. (Ich wiederhole mich, aber ich kann es einfach nicht fassen.) Es geht also nicht darum, ob einer selber glaubt oder ob er findet, die anderen sollten es auch tun (wobei für mich ja das letztere aus dem ersteren folgt, aber das sind wohl die unhinterfragten Vorurteile des Logikers und/oder Fundamentalisten). Es geht nicht einmal darum, ob einer selber gut handeln will. Es geht darum, ob einer meint, daß Leute, wenn sie glauben, eher gut handeln wollen. (Formell steht nicht einmal das da, denn auch wenn die Gläubigen signifikant weniger moralische Werte hätten, wäre das technisch ein "Zusammenhang", aber das lasse sogar ich ihm durchgehen.) Es ist damit nicht einmal gesagt, ob er überhaupt das moralische Wertehaben so toll findet. (Bei Licht betrachtet könnte er ja auch von einer nietzscheanischen "Moral ist was für die vom Gamma-plus abwärts, ich stelle mich der Welt, wie sie, grausam und groß, wirklich ist"-Haltung sein.) Selbst wenn wir das annähmen, sagt er nicht, daß er selber auch nur irgendwie glaubt (er könnte ja auch von einer - Camus'schen? - Haltung à la "ja, ich sehe, daß die dumpfe Masse ihr Gutsein, soweit vorhanden, hauptsächlich aus dem Glauben zieht, soweit vorhanden, ich selber als aufgeklärter Atheist habe diesen Trost leider nicht, sondern muß mich moralisch ohne das durchschlagen und muß trotzdem gut sein" sein). Nö, nichts dergleichen.

Und weil die Minderheit in dieser Frage bei uns etwas größer ist als die Minderheit in anderen Ländern, sogar Polen, deshalb ist also alles super.

Schon sehr bezeichnend das alles, und so deutsch. "Die Reformation kam, weil die Deutschen nicht anders können als fromm sein", soll der hl. Klemens Maria Hofbauer gesagt haben. Die Moral ist den Deutschen eben ziemlich wichtig; nur so kann ich es mir jedenfalls erklären, daß Püttmann meint, wenn nur alle meinen wollten, zum "Werte haben" brauche man Religion, dann würden sie schon auch religiös werden. Wobei: es meinen ja gar nicht alle. 

Zumal er ja selber sagt – wobei: haken wir erstmal das ab:

Die Werte könnten höher sein, wäre die Frage vorsichtiger formuliert.

Wenn er mir jetzt noch verraten könnte, wie man bitte um alles in der Welt noch vorsichtiger als "besteht ein [der kundige Leser ergänzt: irgendwie gearteter] Zusammenhang?" formulieren kann, bekäme er einen Keks. Das ist technisch nicht möglich. Aber dann sagt er (Ende des Einschubs):

Dass Glaube an Gott "notwendig" für Moralität und "gute Werte" ist, kann man auch als Skeptiker gegenüber einer "Gesellschaft ohne Gott" bestreiten. Denn es gibt offenkundig moralisch hoch sensible Nichtgläubige und – Gott sei's geklagt – Fromme mit schlechtem Charakter oder menschenfeindlichen Ideen.

Völlig richtig, auch wenn auch schon wieder bezeichnend ist, erstens, daß er besonders gegen die Letzteren etwas hat und (das soll wohl besonders perfide sein) übrigens nur in diesem Zusammenhang auch das Wort "Fromme" gebraucht. Und obwohl schon sehr aufstößt, daß er unter den bösen Frommen offenkundig die dem anderen politischen Lager Angehörenden versteht, auch dann, wenn die sich z. B. den Kulturkampf, in dem sie sich befinden oder guten Gewissens zu befinden meinen und in dem man halt den Kandidaten des eigenen Lagers wählt und nicht den des gegnerischen, durchaus nicht unbedingt gewünscht haben. Aber ordnen wir diese Püttmannsche Themenabweichung mal richtig ein, d. h. übergehen wir sie bzw. gehen wir auch nur im Rahmen einer Themenabweichung auf sie ein. – Also: ja. Es gibt moralische Ungläubige (gerade dann übrigens, wenn wir nach dem Inhalt der Moral, den konkret zu haltenden Geboten, noch nicht gefragt haben), und zwar übrigens nicht nur "hoch sensible" (die mir zunächst einmal leid tun, vor allem wenn dann genau die ohne Beichte auskommen müssen), sondern auch ganz normale (die wohl die große Masse der Leute ausmachen, denen wir auf der Straße begegnen). Und auch wenn es nicht unbedingt zweckmäßig und ermunternd ist, die Gläubigen immerzu vor dem bösen Gläubigen zu warnen, der bisweilen sogar praktiziereifrig sein kann: geben kann es das und tut es das wohl auch.

Also: eben. Um moralisch zu sein, braucht es den Glauben nicht – das zumindest wäre die Schlußfolgerung des gerne simplifizierenden Lesers. Wenn er übrigens mal einen Gläubigen gefragt hätte, dann hätte der ihm auch gesagt, daß wir die Religion zunächst brauchen, um unsere Sünden loszuwerden, nicht um sie nicht zu begehen. Gerade ein Protestant übrigens, d. h. einer, der noch weiß, was sein Protestantismus heißt, hätte das gesagt. Und erst dann hätte der Katholik (wenn er korrekt und vollständig sein will nicht allzu genervt von seiner eigenen moralischen Aufgabe ist, deswegen nicht an sie erinnert werden will und deshalb hier ungenau ist) angefügt, daß, naja, der Glaube, die Hoffnung aufs Jenseits, die Angst vor Hölle und Fegefeuer, die dankbare Liebe zu Gott dem Vater und Jesus Christus und vor allem die helfende Gnade schon dabei behilflich sind, auch gut zu handeln. D. h. ihm geht es ja ums "Werte haben", d. h. die richtige moralische Einstellung haben, und die, wenn auch noch nicht das Handeln danach, bringt das katholische Dogma ja tatsächlich mehr oder weniger frei Haus mit. Ob Püttmann diese Werte dann für Werte oder nicht doch vielmehr in politisch umstrittenen Einzelfällen für Un-Werte hält, sei einmal dahingestellt.

Aber jedenfalls ist das sekundär: und ich könnte mir vorstellen, daß der Unterschied hier ebenso wie die, denke ich, statistische Erkenntnis, daß im großen und ganzen die Gläubigen tatsächlich in Summe besser auch handeln, im Eifer des Gefechts auch vom Interview-Antwortgeber unterschlagen werden könnte. Daß also ein Pole sagt: "Natürlich kann man auch als Ungläubiger moralisch sein" (was stimmt – daß es keinen Zusammenhang gäbe, stimmt nicht, aber wie genau beantworten Leute ihre Interviews?), "aber ich glaube trotzdem, weil es halt wahr ist". Der fiele dann in das Nein hinein.

Und deswegen, weil das Ja bei uns deutschen Moralisierern größer ist als bei anderen, sogar einen Prozentpunkt mehr als bei Polen – daß eine sekundäre Aussage des katholischen Glaubens, der auch ein Ungläubiger aus allerlei Gründen beistimmen kann, ein Protestant aber nicht und die ein Katholik gerne auch einmal vergißt, bei uns etwas mehr Zustimmung hat als anderswo, aber immer noch nicht die Mehrheit hat – deswegen steht bei uns alles zum besten? Wow.,

– Haken wir der Vollständigkeit halber noch kurz den Rest des Artikels ab.

Korrekter hätte man gefragt: "Unterstützt Glaube an Gott moralisches Denken und Handeln?"

Korrekter, ja, das stimmt sogar. Aber die Frage wäre nicht vorsichtiger, sondern noch einschränkender als die, die tatsächlich gestellt wurde.

Hierfür gibt es empirische Anhaltspunkte aus Umfragen zu Rechtsbewusstsein, Lebensschutz, Leistungs- und Hilfsbereitschaft, politischer Mäßigung und anderen sozialen Tugenden.

Lebensschutz und politische Mäßigung in einem Satz. Wow. Wobei ich mich ja frage, was er denn nun genau mit Lebensschutz meint und wie das mit seiner Kritik an den Hetzern in Washington und Warschau zusammenpaßt.

Die Aussage, dass Gott wichtig im eigenen Leben sei, bejaht in Deutschland gegenüber 1991 stabil (+3%) etwa die Hälfte der Bevölkerung – gegen den Trend (Spanien: -26%, Italien -21%, Polen -14%, Frankreich -12%).

Und hier kommt nun das, was, wenn überhaupt, tatsächlich zu einem sehr gemäßigten Optimismus Anlaß gäbe – aber das ist ihm nur einen Satz wert, den Artikel hingegen baut er auf der (übrigens noch geringeren) Zustimmung zu der Aussage auf, daß es zwischen Glauben und moralischen Werten einen Zusammenhang gebe. Ich wiederhole mich. Ich kann es immer noch nicht fassen.

Es kann also nicht alles an unseren Kirchen und am deutschen Religionsverfassungsrecht so verkehrt sein, wie es von interessierter Seite gern gezeichnet wird. Unter ähnlichen kulturellen Bedingungen sieht es woanders teils erheblich düsterer aus. Die in konservativen Kirchenkreisen lange als vorbildlich gepriesene stärkere Religiosität manch anderen Landes zeigt sich angesichts des Säkularisierungsdrucks und der Anbrandung von Ideologien und Idiotien weniger fundiert und orientierungsstark als gedacht. 

Es erscheint zunächst recht unvermittelt, wie er hier ganz ohne Anlaß auf das Religionsverfassungsrecht zu sprechen kommt. Aber es gibt dafür wohl einen ganz bestimmten, bezeichnenden Grund; die Erwähnung der "Ideologien" zwei Sätze weiter läßt darauf schließen (unter "Ideologie" verstehen manche nämlich einfach, daß Leute von ihrer Meinung tatsächlich auch überzeugt sind; und tatsächlich würde ich, aber das würde zu weit führen, sagen, daß man den Begriff "Ideologie" auch tatsächlich nicht nur im despektierlich-amerikanischen Sinne gebrauchen sollte). Da ergibt sich dann nämlich auf einmal ein Sinn; auch wenn er mir nicht gefällt. "Die deutschen Kirchen und ihr System haben sich doch besser als erwartet darin bewährt, das radioaktive Gefahrengut Religiosität einzudämmen, aber ein bißchen moralische Energie daraus zu gewinnen für das, worum es uns eigentlich geht: das Funktionieren von Staat und Gesellschaft." 

Wow.

Es ist schon sehr bezeichnend. 



Mittwoch, 19. August 2020

Horrendum est -- oder: Wer hat Angst vorm Retrokatholizismus?

Am vergangenen Freitag, am Vorabend des Hochfest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel (kurz "Mariä Himmelfahrt"), wurde in der Pfarrkirche Herz Jesu Berlin-Tegel eine Vigil anlässlich der Weihe des Erzbistums Berlin an das Heiligste Herz Jesu und das Unbefleckte Herz Mariens gefeiert -- mit Eucharistischer Anbetung, Lobpreis, Meditation und Fürbittgebet. Gemeinsam mit unserer Pastoralreferentin war ich wesentlich an der Planung dieser Vigil beteiligt; einzelne Andachtsabschnitte wurden von fünf verschiedenen Kreisen und Gruppen der Gemeinde sowie vom Pfarrer beigesteuert. Ich muss gestehen, dass ich im Vorfeld durchaus Bedenken wegen der (urlaubszeitbedingt) etwas knappen Vorbereitungszeit hatte und mir gewünscht hätte, es hätte genauere Absprachen zwischen den verschiedenen Mitwirkenden gegeben; aber im Nachhinein kann ich sagen, dass alles wunderbar geklappt hat und dass mir das eine Lehre sein sollte. Die unterschiedlichen Stile und inhaltlichen Schwerpunktsetzungen der einzelnen Beiträge haben sich zu einem durchaus stimmigen Gesamtbild ergänzt, und ich möchte sagen, die Veranstaltung hat gezeigt, was für ein Potential in dieser Gemeinde steckt. 

Herz-Jesu-Figur in der gleichnamigen Pfarrkirche in Berlin-Tegel (eigene Aufnahme) 

Aber spulen wir mal ein paar Wochen zurück: Die Ankündigung, dass Erzbischof Heiner Koch das Erzbistum Berlin dem Heiligsten Herzen Jesu und dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen wolle, hatte ich als durchaus überraschend empfunden, und da war ich zweifellos nicht der Einzige. Schließlich befanden wir uns (und befinden wir uns weiterhin) mitten in einer schwelenden Debatte darüber, ob (und wenn ja, wie) die Kirche eine geistliche Antwort auf die Coronakrise geben könne und solle, anstatt lediglich administrativ darauf zu reagieren. Ende März, auf dem Weg zum (ersten?) Höhepunkt der Corona-Infektionen in Deutschland, erregte etwa die Erfurter Dogmatikerin Julia Knop Aufsehen mit ihrer Warnung vor einem "Retrokatholizismus", der, wie sie meinte, "fröhliche Urständ feiert", und äußerte in diesem Zusammenhang Zweifel, ob "ein täglicher Blasiussegen, Einzelkommunionen außerhalb der privatim zelebrierten Messe, priesterliche Sakramentsprozessionen durch leere Straßen, die Weihe ganzer Bistümer an das Herz der Gottesmutter, Generalabsolutionen und Ablässe im Jahr 2020 angemessene und tragfähige kirchliche Reaktionen auf die Corona-Krise" seien. Wenn einige Wochen nach einer solchen Wortmeldung bekannt wird, dass das Hauptstadtbistum den Herzen Jesu und Mariens geweiht werden soll, dann sieht das nach einer deutlichen Positionierung aus -- die umso unerwarteter daherkam, als man den Berliner Erzbischof wohl kaum dem konservativen Flügel der deutschen Bischöfe zurechnen kann. Andererseits aber eben auch nicht der radikalen Abrissbirnen-Fraktion im Episkopat. Wie man hört, wurde Erzbischof Koch schon mehrfach zwar nicht direkt inkognito, aber doch in ausgesprochen unauffälliger Gewandung bei der Ewigen Anbetung im "Exerzitienzentrum der göttlichen Barmherzigkeit" in der Kreuzberger Hinterhofkirche St. Clemens gesehen, und in der Ankündigung des Weiheakts hieß es ausdrücklich, es habe "mehrfache Anregung aus den Reihen der Gläubigen" gegeben, das Erzbistum angesichts der Corona-Krise den Herzen Jesu und Mariens zu weihen. Mir scheint, mit einem Bischof, der betet und zuweilen auf einfache Gläubige hört, haben es die Katholiken Berlins, Brandenburgs und Vorpommerns nicht ganz schlecht getroffen. Dass ein solcher Hirte sich im "institutionellen Apparat" seiner Diözese nicht nur Freunde macht, ist allerdings auch kein Wunder. So bedarf es keiner großen Kaffeesatzleserei, um zu konstatieren, dass die Idee, das Erzbistum Berlin dem Heiligsten Herzen Jesu und dem Unbefleckten Herzen Mariens zu weihen, im amtskirchlichen Establishment nicht unbedingt auf ungeteilte Begeisterung stieß. Schon zum Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu am 19. Juni, an dem das Weihe-Vorhaben des Erzbischofs öffentlich bekannt gegeben wurde (intern war es schon etwas länger bekannt, ich zum Beispiel habe am 17. Juni davon erfahren), gab es einige Wortmeldungen, die man durchaus als schlecht verhohlene Stänkerei auffassen konnte; exemplarisch sei hier auf einen Podcast des aus Funk und Fernsehen bekannten Dominikanerpaters Max Cappabianca mit der vielsagenden Überschrift „Ist das Herz-Jesu-Fest peinlich?“ verwiesenWie man sich vorstellen kann, kriegt der medienaffine Pater gegen Ende dieses Beitrags noch die Kurve, um die in der Überschrift gestellte Frage sinngemäß mit "nicht unbedingt" zu beantworten, aber bis dahin feuert er erst einmal allerlei negative "Buzzwords" ab, die sich dem Hörer besser einprägen (und wohl auch sollen) als die nachfolgenden Relativierungen: Von "toxischen Formen des Katholizismus" ist da die Rede, die "mit dem Zweiten Vatikanischen Konzil überwunden" worden seien: "Kitschig, süßlich und von einem zweifelhaften Gottesbild geprägt". Irgendwie lustig finde ich ja das Eingeständnis, es seien "gerade ältere Katholiken", die mit der Herz-Jesu-Verehrung "nichts anfangen" können. Merken wir uns das mal für später. -- 

Die Strategie, sich zunächst einmal nach Kräften von der traditionellen Herz-Jesu-Frömmigkeit zu distanzieren, um dann mit einer auf erstaunliche Weise zugleich verkopft und banal wirkenden Neuinterpretation um die Ecke zu kommen, die die Herz-Jesu-Verehrung für den modernen, aufgeklärten Katholiken von heute wieder akzeptabel machen soll, zeichnete jedenfalls nicht allein Pater Cappabiancas Beitrag aus. Sogar die offiziellen Verlautbarungen des Erzbistums, einschließlich einer im RBB ausgestrahlten Radioansprache von Erzbischof Koch selbst, wirkten defensiv, ja vorauseilend entschuldigend: "Es geht nicht um das Heraufbeschwören einer magischen Weltsicht. Schon gar nicht darum, das Virus mit Gebet anstelle von Hygienemaßnahmen zu bekämpfen." #Sorrynotsorry, aber das ist ganz schlechte Pressearbeit. Wenn ich in meiner Zeit als Kundenberater bei einem Teleshopping-Kanal eines gelernt habe, dann, dass man Vorwürfe oder Verdächtigungen, die man unausgesprochen in der Luft liegend wähnt, keinesfalls selbst anspricht, auch nicht verneinend. Denn ähnlich wie im oben angesprochenen Podcast gilt auch hier: Die Verneinung bleibt im Bewusstsein des Adressaten nicht hängen, der ausgesprochene Vorwurf bzw. Verdacht aber sehr wohl. -- Auch sonst machte die Öffentlichkeitsarbeit des Erzbistums über Wochen hinweg eher den Eindruck, das Thema Herz-Jesu-Weihe nach Möglichkeit lieber totschweigen zu wollen. Es wurde zwar angeregt, die Weihe auf Pfarreiebene durch eigene Veranstaltungen "mitzufeiern", aber die versprochenen Materialien hierfür wurden erst ziemlich auf den letzten Drücker bereitgestellt und können beim besten Willen nicht gerade als großer Wurf bezeichnet werden. 

Nachdem die Weihe des Erzbistums Berlin an das Heiligste Herz Jesu und das Unbefleckte Herz Mariens nun aber trotz allem stattgefunden hat, legt häretisch.de, die hoch subventionierte Schismatikerpostille, noch einmal nach und veröffentlicht in der Rubrik "Standpunkt" einen Beitrag von Birgit Aschmann - ihres Zeichens Geschichtsprofessorin an der Humboldt-Uni und Mitglied im "ZdK" -, die sich bereits in der Überschrift "irritiert" über den Weiheakt zeigt. Frau Prof. Aschmann verweist auf die Geschichte des Herzens Jesu als "Kampfsymbol" der "Ultras unter den Royalisten und Katholiken", mit dem die "katholische Aufklärung [...] nichts anfangen konnte", das jedoch "auch im Ersten Weltkrieg" noch "eine wichtige Rolle" spielte: "versprach dessen Verehrung doch Sieg, Unversehrtheit oder zumindest einen würdigen Tod" -- Versprechen, von denen die Verfasserin meint, dass sie "unerfüllt blieben". 

Man kann häretisch.de für die Veröffentlichung dieses dümmlichen Elaborats im Grunde nur dankbar sein; besonders den letzten Satz - "Wenn wir aber nur die Kultformen einer fremd gewordenen Vergangenheit reaktivieren, steht es nicht gut um die Zukunftsfähigkeit der Kirche" - feiere ich ohne Ende ab, denn der erscheint mir geradezu als eine Art rückwirkende Steilvorlage für meinen unlängst in der Tagespost erschienenen Essay "Futur 2 - Die Zukunft ist schon vorbei", in dem ich mich mit den tieferen Beweggründen der "Retrokatholizismus"-Debatte befasst habe. Darin argumentiere ich, dass den (ihrem Selbstverständnis nach) "progressiven" Kreisen innerhalb der Kirche im Zuge der Corona-Krise der Glaube an die "Zukunftsfähigkeit" ihres eigenen Kirchenbildes - der Vision einer Kirche "als Anbieterin individuell bedarfsgerechter spiritueller Dienstleistungen", einer "moralistisch-therapeutische[n] Wellness-Spiritualität für Besserverdienende, eine[r] Kirche für die Soja-Latte-Bourgeoisie" - abhanden gekommen ist, und zwar zu Recht, weil sich immer deutlicher zeigt, dass die angepeilte Zielgruppe solcher Visionen "für ihre spirituellen Bedürfnisse, sofern sie überhaupt welche hat, schlichtweg keine institutionelle Kirche braucht". Und vor diesem Hintergrund des eigenen "Relevanzverlusts" reagieren die vermeintlich "zukunftsorientierten" Vertreter des Funktionärs- und Gremienkatholizismus so irritiert und aggressiv auf die unerwartete Vitalität einer längst totgesagten traditionellen Frömmigkeit. 

Wie ich in meinem Tagespost-Essay ebenfalls betont habe, wäre die Kritik am sogenannten "Retrokatholizismus" durchaus ernst zu nehmen, wenn und sofern sie als Warnung vor einem musealen Ästhetizismus, einem in Nostalgie erstarrten frommen Formalismus zu verstehen wäre. Im größeren Kontext aktueller "Reform"-Debatten in der Kirche ist aber recht unschwer zu erkennen, dass es darum letztlich nicht (oder höchstens nebenbei) geht. Schließlich wird aus derselben Richtung beispielsweise gegen die Praxis der Eucharistischen Anbetung auch und gerade dann polemisiert, wenn diese, wie etwa beim Nightfever, in einer Ästhetik daherkommt, die besonders Jugendliche und junge Erwachsene anspricht; und auch an der von großer stilistischer und konfessioneller Vielfalt geprägten Initiative "Deutschland betet gemeinsam" ließen einschlägig interessierte Kreise kein gutes Haar. Im Fokus der Kritik stehen nicht traditionelle und als "unzeitgemäß" empfundene Frömmigkeitsformen, sondern vielmehr das Gottesbild, das aus ihnen spricht. Wenn etwa Julia Knop im Zuge ihrer "Retrokatholizismus"-Polemik erklärt, "die Frage, ob Gott auf den krummen Zeilen dieser Monate am Ende wirklich gerade schreiben wird", ob also die Ereignisse im Zusammenhang mit der Corona-Krise "irgendeinen höheren Sinn hatten", müsse "offen bleiben", dann erscheint es durchaus folgerichtig, dass sie uneindeutige und zudem "deinstitutionalisierte und überkonfessionelle" Zeichen wie eine "Kerze im Fenster" bevorzugt. Ähnlich verhält es sich, wenn Frau Prof. Aschmann die "Bemühungen von Maria 2.0 um ein neues Marien- und Frauenbild" würdigt und folgerichtig an "Gebete[n] zum 'unbefleckten Herzen Mariens'" - man beachte die distanzierenden Gänsefüßchen! - Anstoß nimmt. 

Zugespitzt ausgedrückt verrät die Polemik gegen den "Retrokatholizismus" also letztlich nur das tiefe Unbehagen jener kirchlichen Apparatschiks, in deren Denken Gott bestenfalls als gedankliches Konstrukt vorkommt - als Metapher, als Personifikation irgendwelcher "Werte" oder "Haltungen", für die die Institution Kirche steht oder stehen sollte - gegenüber Gläubigen, die von oder womöglich sogar mit Gott sprechen, als gäbe es Ihn wirklich. Zum Teil mag dieses Unbehagen daher rühren, dass diese Leute den Gläubigen ihren Glauben, der ihnen selbst so zutiefst fremd ist, schlichtweg nicht abkaufen und daher argwöhnen, es müssten sich irgendwelche finsteren Absichten dahinter verbergen. Zum Teil mag es sich um die ehrliche Überzeugung handeln, ein solcher "unaufgeklärter", "fundamentalistischer" Glaube schade der Kirche und stehe ihrer eigentlichen Aufgabe im Wege (welche das auch immer sein mag; Immobilien verwalten vielleicht?). Aber meine persönliche Einschätzung ist, dass sich zuunterst, mehr oder weniger schlecht verborgen unter rational und intellektuell klingen sollenden Positionierungen, die nackte Angst regt, dass die geschmähten "Fundis" und "Retrokatholiken" Recht haben könnten. Dass es diesen Gott, den sich die liberale Theologie glücklich vom Hals geschafft zu haben wähnte, am Ende doch gibt. Häme ist hier wohlgemerkt unangebracht: Diese Angst ist nur allzu berechtigt. Horrendum est incidere in manus Dei viventis, heißt es in Hebräer 10,31: Furchtbar ist es, in die Hände des lebendigen Gottes zu fallen. 



Freitag, 14. August 2020

Abschluss der Novene zur Weihe des Erzbistums Berlin an das Heiligste Herz Jesu und das Unbefleckte Herz Mariens

Seid gegrüßt, wackere Mitbeter! Es ist soweit: Am morgigen Samstag, dem Hochfest der leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel, wird Erzbischof Heiner Koch im Rahmen eines Pontifikalamts in der temporär als Kathedrale fungierenden Kirche St. Joseph in Berlin-Wedding das Erzbistum Berlin dem Heiligsten Herzen Jesu und dem Unbefleckten Herzen Mariens weihen. In Herz Jesu Tegel feiern wir schon heute Abend "rein", nämlich mit einer Vigil, an deren Gestaltung sich fünf verschiedene Kreise und Gruppen der Gemeinde beteiligen. Vorher wollen wir aber noch unsere Novene zu Ende bringen, an deren letztem Tag wir auch des Tagesheiligen, des in Auschwitz ermordeten Maximilian Kolbe, gebührend gedenken wollen. 


9. Tag: Freitag, 14. August 2020 (Hl. Maximilian Maria Kolbe) 

  • Eröffnung:
Marienlob (Stefan Klöckner/Paul Ringeisen, vgl. GL 567) 

1. Sei gegrüßt, Maria, du lichter Morgenstern, 
sei gegrüßt, du Jungfrau, die sich der Höchste erwählt. 
Sei gegrüßt, der Botschaft des Engels glaubtest du. 
Sei gegrüßt, dein Vertrauen hat das Los der Menschheit gewendet. 

2. Sei gegrüßt, Maria, vor aller Schuld hat Gott dich bewahrt, 
sei gegrüßt, vom Hauch seiner Gnade durchströmt. 
Sei gegrüßt, der Erlöser nahm Wohnung in dir. 
Sei gegrüßt, du hast geboren den Ersehnten der Völker. 

3. Sei gegrüßt, Maria, unsere Schwester im Glauben bist du. 
Sei gegrüßt, in deinem Herzen hast du alles bewahrt. 
Sei gegrüßt, die dem Sohn Gefährtin war. 
Sei gegrüßt, du vertrautest ihm in all deinen Schmerzen. 

4. Sei gegrüßt, Maria, unter deines Sohnes Kreuz standest du. 
Sei gegrüßt, die du seiner Auferstehung Zeugin warst. 
Sei gegrüßt, du hast des Geistes Kommen erfleht. 
Sei gegrüßt, so wurdest du Mutter der Kirche. 

5. Sei gegrüßt, Maria, in Gottes Liebe vollendet bist du. 
Sei gegrüßt, gekrönt mit himmlischer Herrlichkeit. 
Sei gegrüßt, für immer vereint deinem göttlichen Sohn. 
Sei gegrüßt, du zeigst uns das Ziel unserer Hoffnung. 

Halleluja, Halleluja. 


Gebet der Hl. Gertrud zum Heiligsten Herzen Jesu 

Ich grüße Dich, heiligstes Herz Jesu, Du lebendige und lebendig machende Quelle des ewigen Lebens, Du unendlicher Schatz der Gottheit und flammender Glutofen der göttlichen Liebe! 

Du bist mein Ruheplatz und mein Zufluchtsort. O mein göttlicher Erlöser, entflamme mein Herz mit der heißen Liebe, von der Dein Herz ganz verzehrt wird! Gieße aus in mein Herz die großen Gnaden, deren Quelle Du bist, und mache, dass mein Herz sich so mit dem Deinen vereine, dass Dein Wille der meinige, und dass mein Wille auf ewig dem Deinen gleich sei; denn ich wünsche Deinen heiligen Willen zur Richtschnur all meiner Handlungen zu nehmen. Amen. 




  • Lesung: Röm 8,35.37-39
Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert? All das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch  Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn. 

  • Responsorium: 
V: Wie Gold im Ofen hat der Herr sie erprobt. 

A: Als Opfer nahm er die Erwählten an in Ewigkeit. 

  • Betrachtung: 
Es gibt keinen Menschen unter der Sonne, der nicht das Glück suchte. Bei allem, was wir tun, haben wir das Glück als Ziel vor Augen und streben ihm von Natur aus zu. Das Glück aber, das nicht auf der Wahrheit gegründet ist, kann ebenso wenig von Dauer sein, wie die Unwahrheit von Dauer ist. Allein die Wahrheit ist das zuverlässige Fundament des Glücks, für den einzelnen Menschen wie für die gesamte Menschheit. 

Der Blick des Ungläubigen reicht nicht weiter als bis zum Sarge. Er kann der rein stofflichen Welt nicht entrinnen. Schaut euch diese Menschen an, die im tiefsten Materialismus befangen sind: Sie wagten es, der Menschheit das Glück zu verheißen. Alles, was die Welt geben kann, reicht doch für den Menschen nicht aus. Alle diese Güter enttäuschen und wecken das Verlangen nach einem größeren, dauerhaften Glück. 

Die Immaculata sagte in der Stunde der Verkündigung: „Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast.“ Wie Gott es will, so soll es geschehen. In diesen Worten ist die ganze Glückseligkeit, aber auch unsere Aufgabe hier auf Erden eingeschlossen. Gott hat uns erschaffen, dass wir seine Werkzeuge seien. Bitten wir die heilige Mutter, dass sie uns lehrt, wie die Seele einer Magd des Herrn beschaffen sein soll. 

Das muss unser ganzes Bestreben sein, Gott dem Herrn die höchste Ehre zu erweisen. Wir müssen darum bemüht sein, Jesus so zu lieben, wie ihn seine heilige Mutter geliebt hat. Sie steht Gott am nächsten. Wenn wir uns ihr nähern, nähern wir uns damit Gott selbst. 

(Hl. Maximilian Kolbe, „Jedem ist der Weg gewiesen“) 

  • Herz-Jesu-Litanei (GL 564) 
Herr, erbarme dich unser.
Christus, erbarme dich unser.
Herr erbarme dich unser.
Christus, höre uns - Christus erhöre uns.

Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser.
Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser.
Gott Heiliger Geist, erbarme dich unser.
Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser.

V: Herz Jesu, des Sohnes Gottes A: erbarme Dich unser.
Herz Jesu, im Schoße der Jungfrau Maria vom Heiligen Geiste gebildet
Herz Jesu, mit dem Worte Gottes wesenhaft vereinigt
Herz Jesu, unendlich erhaben
Herz Jesu, Du heiliger Tempel Gottes
Herz Jesu, Du Zelt des Allerhöchsten
Herz Jesu, Du Haus Gottes und Pforte des Himmels
Herz Jesu, Du Feuerherd der Liebe
Herz Jesu, Du Wohnstatt der Gerechtigkeit und Liebe
Herz Jesu, voll Güte und Liebe
Herz Jesu, Du Abgrund aller Tugenden
Herz Jesu, würdig allen Lobes
Herz Jesu, Du König und Mitte aller Herzen
Herz Jesu, in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis sind
Herz Jesu, in dem die ganze Fülle der Gottheit wohnt 

V: Herz Jesu, das dem Vater wohlgefällt A: erbarme Dich unser. 
Herz Jesu, aus dessen Gnade wir alle empfangen
Herz Jesu, Du Sehnsucht der Schöpfung von Anbeginn
Herz Jesu, geduldig und voll von Erbarmen
Herz Jesu, reich für alle, die dich anrufen
Herz Jesu, Du Quell des Lebens und der Heiligkeit
Herz Jesu, Du Sühne für unsere Sünden
Herz Jesu, mit Schmach gesättigt
Herz Jesu, wegen unserer Missetaten zerschlagen
Herz Jesu, bis zum Tode gehorsam
Herz Jesu, durchbohrt von der Lanze
Herz Jesu, Du Quell allen Trostes
Herz Jesu, unsere Auferstehung und unser Leben
Herz Jesu, unser Friede und unsere Versöhnung
Herz Jesu, Du Opferlamm für die Sünder
Herz Jesu, Du Rettung aller, die auf dich hoffen
Herz Jesu, Du Hoffnung aller, die in dir sterben
Herz Jesu, Du Freude aller Heiligen

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt - verschone uns, o Herr
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt - erhöre uns, o Herr
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt - erbarme dich unser
Jesus, gütig und selbstlos von Herzen - bilde unser Herz nach deinem Herzen


Lasset uns beten: 

Allmächtiger, ewiger Gott, schau hin auf das Herz deines geliebten Sohnes und auf das Lob und die Sühne, die es dir für die Sünder darbringt. Verzeihe allen, die deine Barmherzigkeit anflehen, im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen. 



  • Oration: 
Gott, in deiner Kraft hat der heilige Maximilian Maria Kolbe die Qualen des Martyriums ausgehalten und sein Leben für den Bruder in Christus hingegeben. Sieh auf unsere Schwachheit und gib uns die Kraft, deine Wahrheit und deine Liebe in unserem Leben und Sterben zu bezeugen. Darum bitten wir durch Jesus Christus. 

  • Abschluss: 
Ältestes Mariengebet (vgl. GL 5,7) 

Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin. 
Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten, 
sondern erlöse uns jederzeit aus allen Gefahren. 
O du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, 
unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin, 
versöhne uns mit deinem Sohne, 
empfiehl uns deinem Sohne, 
stelle uns vor deinem Sohne. 


Fatima-Gebet 

O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, 
bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, 
führe alle Seelen in den Himmel, 
besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen. 

Amen. 



Donnerstag, 13. August 2020

Novene: 8. Tag

Nur noch zwei Tage bis zur Weihe des Erzbistums Berlin an das Heiligste Herz Jesu und das Unbefleckte Herz Mariens! 


8. Tag: Donnerstag, 13. August 2020 

  • Eröffnung:
Marienlob (Stefan Klöckner/Paul Ringeisen, vgl. GL 567) 

1. Sei gegrüßt, Maria, du lichter Morgenstern, 
sei gegrüßt, du Jungfrau, die sich der Höchste erwählt. 
Sei gegrüßt, der Botschaft des Engels glaubtest du. 
Sei gegrüßt, dein Vertrauen hat das Los der Menschheit gewendet. 

2. Sei gegrüßt, Maria, vor aller Schuld hat Gott dich bewahrt, 
sei gegrüßt, vom Hauch seiner Gnade durchströmt. 
Sei gegrüßt, der Erlöser nahm Wohnung in dir. 
Sei gegrüßt, du hast geboren den Ersehnten der Völker. 

3. Sei gegrüßt, Maria, unsere Schwester im Glauben bist du. 
Sei gegrüßt, in deinem Herzen hast du alles bewahrt. 
Sei gegrüßt, die dem Sohn Gefährtin war. 
Sei gegrüßt, du vertrautest ihm in all deinen Schmerzen. 

4. Sei gegrüßt, Maria, unter deines Sohnes Kreuz standest du. 
Sei gegrüßt, die du seiner Auferstehung Zeugin warst. 
Sei gegrüßt, du hast des Geistes Kommen erfleht. 
Sei gegrüßt, so wurdest du Mutter der Kirche. 

5. Sei gegrüßt, Maria, in Gottes Liebe vollendet bist du. 
Sei gegrüßt, gekrönt mit himmlischer Herrlichkeit. 
Sei gegrüßt, für immer vereint deinem göttlichen Sohn. 
Sei gegrüßt, du zeigst uns das Ziel unserer Hoffnung. 

Halleluja, Halleluja. 


Gebet der Hl. Gertrud zum Heiligsten Herzen Jesu 

Ich grüße Dich, heiligstes Herz Jesu, Du lebendige und lebendig machende Quelle des ewigen Lebens, Du unendlicher Schatz der Gottheit und flammender Glutofen der göttlichen Liebe! 

Du bist mein Ruheplatz und mein Zufluchtsort. O mein göttlicher Erlöser, entflamme mein Herz mit der heißen Liebe, von der Dein Herz ganz verzehrt wird! Gieße aus in mein Herz die großen Gnaden, deren Quelle Du bist, und mache, dass mein Herz sich so mit dem Deinen vereine, dass Dein Wille der meinige, und dass mein Wille auf ewig dem Deinen gleich sei; denn ich wünsche Deinen heiligen Willen zur Richtschnur all meiner Handlungen zu nehmen. Amen. 




  • Lesung: 2 Kor 12,9b-10 
Ich will mich meiner Schwachheit rühmen, damit die Kraft Christi auf mich herabkommt. Deswegen bejahe ich meine Ohnmacht, alle Misshandlungen und Nöte, Verfolgungen und Ängste, die ich für Christus ertrage; denn wenn ich schwach bin, dann bin ich stark. 

  • Responsorium: 
V: Ich kämpfe unter vielen Mühen, denn die Kraft Christi wirkt in mir mit großer Macht. 

A: Ich freue mich in den Leiden. Für den Leib Christi erfülle ich in meinem irdischen Leben das Maß seiner Leiden. 

  • Betrachtung: 
Wir sollen das Leben Christi und sein Mysterium nachahmen und nachvollziehen. Wir müssen ihn oft darum bitten, dass er es in uns und seiner gesamten Kirche voll verwirklicht und zur Vollendung bringt.  Denn das Mysterium Christi ist noch nicht ganz vollendet und erfüllt. Es ist vollendet in der Person Jesu, aber noch nicht in uns, die wir seine Glieder sind, und nicht in der Kirche, die sein mystischer Leib ist. Der Sohn Gottes hat im Sinn, uns und seiner ganzen Kirche sein Mysterium mitzuteilen und es gewissermaßen zu entfalten und fortzusetzen durch die Gnaden, die er uns zu spenden beschloss, und durch die Wirkungen, die dieses Mysterium in uns hervorrufen soll. 

(Hl. Johannes Eudes, „Über das Reich Jesu") 


  • Herz-Jesu-Litanei (GL 564) 
Herr, erbarme dich unser.
Christus, erbarme dich unser.
Herr erbarme dich unser.
Christus, höre uns - Christus erhöre uns.

Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser.
Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser.
Gott Heiliger Geist, erbarme dich unser.
Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser.

V: Herz Jesu, des Sohnes Gottes A: erbarme Dich unser.
Herz Jesu, im Schoße der Jungfrau Maria vom Heiligen Geiste gebildet
Herz Jesu, mit dem Worte Gottes wesenhaft vereinigt
Herz Jesu, unendlich erhaben
Herz Jesu, Du heiliger Tempel Gottes
Herz Jesu, Du Zelt des Allerhöchsten
Herz Jesu, Du Haus Gottes und Pforte des Himmels
Herz Jesu, Du Feuerherd der Liebe
Herz Jesu, Du Wohnstatt der Gerechtigkeit und Liebe
Herz Jesu, voll Güte und Liebe
Herz Jesu, Du Abgrund aller Tugenden
Herz Jesu, würdig allen Lobes
Herz Jesu, Du König und Mitte aller Herzen
Herz Jesu, in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis sind
Herz Jesu, in dem die ganze Fülle der Gottheit wohnt 

V: Herz Jesu, das dem Vater wohlgefällt A: erbarme Dich unser. 
Herz Jesu, aus dessen Gnade wir alle empfangen
Herz Jesu, Du Sehnsucht der Schöpfung von Anbeginn
Herz Jesu, geduldig und voll von Erbarmen
Herz Jesu, reich für alle, die dich anrufen
Herz Jesu, Du Quell des Lebens und der Heiligkeit
Herz Jesu, Du Sühne für unsere Sünden
Herz Jesu, mit Schmach gesättigt
Herz Jesu, wegen unserer Missetaten zerschlagen
Herz Jesu, bis zum Tode gehorsam
Herz Jesu, durchbohrt von der Lanze
Herz Jesu, Du Quell allen Trostes
Herz Jesu, unsere Auferstehung und unser Leben
Herz Jesu, unser Friede und unsere Versöhnung
Herz Jesu, Du Opferlamm für die Sünder
Herz Jesu, Du Rettung aller, die auf dich hoffen
Herz Jesu, Du Hoffnung aller, die in dir sterben
Herz Jesu, Du Freude aller Heiligen

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt - verschone uns, o Herr
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt - erhöre uns, o Herr
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt - erbarme dich unser
Jesus, gütig und selbstlos von Herzen - bilde unser Herz nach deinem Herzen


Lasset uns beten: 

Allmächtiger, ewiger Gott, schau hin auf das Herz deines geliebten Sohnes und auf das Lob und die Sühne, die es dir für die Sünder darbringt. Verzeihe allen, die deine Barmherzigkeit anflehen, im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen. 



  • Oration: 
Allmächtiger, ewiger Gott, bei dir gibt es keine Finsternis, denn du wohnst im Licht. Sende einen Strahl deines Lichtes in unser Herz, damit wir den Sinn deiner Gebote erkennen und bereitwillig deine Wege gehen. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. 

  • Abschluss: 
Ältestes Mariengebet (vgl. GL 5,7) 

Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin. 
Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten, 
sondern erlöse uns jederzeit aus allen Gefahren. 
O du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, 
unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin, 
versöhne uns mit deinem Sohne, 
empfiehl uns deinem Sohne, 
stelle uns vor deinem Sohne. 


Fatima-Gebet 

O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, 
bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, 
führe alle Seelen in den Himmel, 
besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen. 

Amen. 



Mittwoch, 12. August 2020

Novene: 7. Tag

Willkommen zum letzten Drittel der Novene zur Vorbereitung auf die Weihe des Erzbistums Berlin an das Heiligste Herz Jesu und das Unbefleckte Herz Mariens! 


7. Tag: Mittwoch, 12. August 2020 

  • Eröffnung:
Marienlob (Stefan Klöckner/Paul Ringeisen, vgl. GL 567) 

1. Sei gegrüßt, Maria, du lichter Morgenstern, 
sei gegrüßt, du Jungfrau, die sich der Höchste erwählt. 
Sei gegrüßt, der Botschaft des Engels glaubtest du. 
Sei gegrüßt, dein Vertrauen hat das Los der Menschheit gewendet. 

2. Sei gegrüßt, Maria, vor aller Schuld hat Gott dich bewahrt, 
sei gegrüßt, vom Hauch seiner Gnade durchströmt. 
Sei gegrüßt, der Erlöser nahm Wohnung in dir. 
Sei gegrüßt, du hast geboren den Ersehnten der Völker. 

3. Sei gegrüßt, Maria, unsere Schwester im Glauben bist du. 
Sei gegrüßt, in deinem Herzen hast du alles bewahrt. 
Sei gegrüßt, die dem Sohn Gefährtin war. 
Sei gegrüßt, du vertrautest ihm in all deinen Schmerzen. 

4. Sei gegrüßt, Maria, unter deines Sohnes Kreuz standest du. 
Sei gegrüßt, die du seiner Auferstehung Zeugin warst. 
Sei gegrüßt, du hast des Geistes Kommen erfleht. 
Sei gegrüßt, so wurdest du Mutter der Kirche. 

5. Sei gegrüßt, Maria, in Gottes Liebe vollendet bist du. 
Sei gegrüßt, gekrönt mit himmlischer Herrlichkeit. 
Sei gegrüßt, für immer vereint deinem göttlichen Sohn. 
Sei gegrüßt, du zeigst uns das Ziel unserer Hoffnung. 

Halleluja, Halleluja. 


Gebet der Hl. Gertrud zum Heiligsten Herzen Jesu 

Ich grüße Dich, heiligstes Herz Jesu, Du lebendige und lebendig machende Quelle des ewigen Lebens, Du unendlicher Schatz der Gottheit und flammender Glutofen der göttlichen Liebe! 

Du bist mein Ruheplatz und mein Zufluchtsort. O mein göttlicher Erlöser, entflamme mein Herz mit der heißen Liebe, von der Dein Herz ganz verzehrt wird! Gieße aus in mein Herz die großen Gnaden, deren Quelle Du bist, und mache, dass mein Herz sich so mit dem Deinen vereine, dass Dein Wille der meinige, und dass mein Wille auf ewig dem Deinen gleich sei; denn ich wünsche Deinen heiligen Willen zur Richtschnur all meiner Handlungen zu nehmen. Amen. 




  • Lesung: Eph 3,20-21 
Gott, der durch die Macht, die in uns wirkt, unendlich viel mehr tun kann, als wir erbitten oder uns ausdenken können, er werde verherrlicht durch die Kirche und durch Christus Jesus in allen Generationen, für ewige Zeiten. Amen.

  • Responsorium: 
V: Bevor du siehst, was du jetzt nicht sehen kannst, glaube, was du nicht siehst. 

A: Wen der Glaube auf dem Weg nicht tröstet, den wird die Schau im Vaterland nicht selig machen. 
  • Betrachtung: 
Dann also wird die Freude groß und vollkommen sein, das Glück vollendet, wenn uns nicht mehr die Hoffnung mit Milch nährt, sondern die Wirklichkeit mit fester Speise. Aber auch schon jetzt, ehe die Wirklichkeit selbst zu uns kommt, noch ehe wir zu der Wirklichkeit kommen, wollen wir uns am Herrn freuen. Nicht gering ist die Freude, die mit der Hoffnung verbunden ist, die später zur Wirklichkeit wird. Jetzt lieben wir in der Hoffnung.  

Wie können wir aber Freude am Herrn haben, wenn er fern von uns ist? Aber er soll nicht fern sein. Du machst, dass er fern ist. Liebe ihn, und er kommt dir nahe. Liebe, und er wohnt in dir. 

(Hl. Augustinus, aus einer Predigt über den Glauben an die Gegenwart Gottes) 

  • Herz-Jesu-Litanei (GL 564) 
Herr, erbarme dich unser.
Christus, erbarme dich unser.
Herr erbarme dich unser.
Christus, höre uns - Christus erhöre uns.

Gott Vater vom Himmel, erbarme dich unser.
Gott Sohn, Erlöser der Welt, erbarme dich unser.
Gott Heiliger Geist, erbarme dich unser.
Heilige Dreifaltigkeit, ein einiger Gott, erbarme dich unser.

V: Herz Jesu, des Sohnes Gottes A: erbarme Dich unser.
Herz Jesu, im Schoße der Jungfrau Maria vom Heiligen Geiste gebildet
Herz Jesu, mit dem Worte Gottes wesenhaft vereinigt
Herz Jesu, unendlich erhaben
Herz Jesu, Du heiliger Tempel Gottes
Herz Jesu, Du Zelt des Allerhöchsten
Herz Jesu, Du Haus Gottes und Pforte des Himmels
Herz Jesu, Du Feuerherd der Liebe
Herz Jesu, Du Wohnstatt der Gerechtigkeit und Liebe
Herz Jesu, voll Güte und Liebe
Herz Jesu, Du Abgrund aller Tugenden
Herz Jesu, würdig allen Lobes
Herz Jesu, Du König und Mitte aller Herzen
Herz Jesu, in dem alle Schätze der Weisheit und Erkenntnis sind
Herz Jesu, in dem die ganze Fülle der Gottheit wohnt 

V: Herz Jesu, das dem Vater wohlgefällt A: erbarme Dich unser. 
Herz Jesu, aus dessen Gnade wir alle empfangen
Herz Jesu, Du Sehnsucht der Schöpfung von Anbeginn
Herz Jesu, geduldig und voll von Erbarmen
Herz Jesu, reich für alle, die dich anrufen
Herz Jesu, Du Quell des Lebens und der Heiligkeit
Herz Jesu, Du Sühne für unsere Sünden
Herz Jesu, mit Schmach gesättigt
Herz Jesu, wegen unserer Missetaten zerschlagen
Herz Jesu, bis zum Tode gehorsam
Herz Jesu, durchbohrt von der Lanze
Herz Jesu, Du Quell allen Trostes
Herz Jesu, unsere Auferstehung und unser Leben
Herz Jesu, unser Friede und unsere Versöhnung
Herz Jesu, Du Opferlamm für die Sünder
Herz Jesu, Du Rettung aller, die auf dich hoffen
Herz Jesu, Du Hoffnung aller, die in dir sterben
Herz Jesu, Du Freude aller Heiligen

Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt - verschone uns, o Herr
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt - erhöre uns, o Herr
Lamm Gottes, du nimmst hinweg die Sünden der Welt - erbarme dich unser
Jesus, gütig und selbstlos von Herzen - bilde unser Herz nach deinem Herzen


Lasset uns beten: 

Allmächtiger, ewiger Gott, schau hin auf das Herz deines geliebten Sohnes und auf das Lob und die Sühne, die es dir für die Sünder darbringt. Verzeihe allen, die deine Barmherzigkeit anflehen, im Namen deines Sohnes Jesus Christus, der mit dir lebt und herrscht von Ewigkeit zu Ewigkeit.

Amen. 


Herr Jesus Christus, am Kreuz hast du die Arme ausgebreitet, um alle Menschen zu retten. Lass unsere Werke dir gefallen und sichtbar machen, dass du die Welt erlöst hast. Der du lebst und herrschst in alle Ewigkeit. 

  • Abschluss: 
Ältestes Mariengebet (vgl. GL 5,7) 

Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin. 
Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten, 
sondern erlöse uns jederzeit aus allen Gefahren. 
O du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau, 
unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin, 
versöhne uns mit deinem Sohne, 
empfiehl uns deinem Sohne, 
stelle uns vor deinem Sohne. 


Fatima-Gebet 

O mein Jesus, verzeih uns unsere Sünden, 
bewahre uns vor dem Feuer der Hölle, 
führe alle Seelen in den Himmel, 
besonders jene, die deiner Barmherzigkeit am meisten bedürfen. 

Amen.