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Montag, 20. Januar 2020

Kaffee & Laudes - Das Wochen-Briefing (2. Woche im Jahreskreis)

Was bisher geschah: Im Laufe der zurückliegenden Woche habe ich - in Gestalt mehrerer Telefonate und eines Arbeitsessens - recht vielversprechende Gespräche über eine Ausweitung meiner Präsenz im katholischen Online-Journalismus sowie über die Teilnahme  an einer Literaturtagung geführt; darauf wird zu gegebener Zeit noch zurückzukommen sein. Die Dienstplanbesprechung des Lektorenkreises am Montagabend verlief unspektakulär; am Dienstag hatte meine Liebste nach unserer Lobpreis-Andacht einen Foodsaving-Einsatz im Biomarkt, der uns u.a. Süßkartoffeln, Pilze, Knoblauch, Salat und Kuchen bescherte. Der Besuch beim Kinderarzt am Mittwoch ergab, dass meine Tochter quietschgesund und gut entwickelt ist, ich hatte aber auch nicht ernsthaft mit einem anderen Ergebnis gerechnet. Das Firmkurs-Modul meiner Liebsten, das eigentlich am Mittwochabend hätte stattfinden sollen, fiel - worüber uns der Diakon ein paar Tage zuvor per Mail mitgeteilt hatte - mangels Anmeldungen aus, folglich hatte ich keine Ausrede mehr, mich um den gleichzeitig stattfindenden Weihnachtsbaum-Abbau in der Kirche herumzudrücken. Nein, Spaß beiseite: An der Weihnachtsbaum-Abbau-Aktion gibt es diesmal wirklich nichts zu meckern, es gab eine ausreichende Zahl helfender Hände und vernünftiges Werkzeug, und somit ging die Arbeit zügig und ordentlich über die Bühne. Unmittelbar vorher hatte ich noch zusammen mit unserem nigerianischen Pfarrvikar die Vesper gebetet. -- Zum Thema Firmkurs hat der Diakon übrigens gleichzeitig mitgeteilt, die beiden von mir angebotenen Module stießen auf größeres Interesse und würden somit stattfinden. Das erste ist am 13. Februar; da werde ich noch einiges vorbereiten müssen, aber dazu zu gegebener Zeit mehr... Der Krabbelbrunch am Samstag war schön, es waren überwiegend dieselben Leute da wie letzten Monat, und einige Eltern hatten Salat und Kuchen mitgebracht; und dann kam noch eine Mutter mit einem 14 Monate alten Knaben spontan vorbei, nachdem sie den mit Straßenmalkreide aufs Pflaster gemalten Veranstaltungshinweis gesehen hatte. Kurz und gut, nach einigen Anlaufschwierigkeiten scheint sich das Projekt jetzt recht gut zu entwickeln. -- Am Sonntag gingen wir in Heiligensee zur Messe, da dort anschließend der Neujahrsempfang für die Ehrenamtlichen stattfand. Eine besonders förmliche Veranstaltung war das nicht, aber das wäre ja ohnehin nicht so mein Ding gewesen; dafür gab es reichlich zu essen, und meine Liebste und ich führten einige recht erfreuliche Gespräche.


Was ansteht: Heute steht außer der Krabbelgruppe im evangelischen Gemeindehaus erst mal nichts besonderes auf dem Programm; für morgen, Dienstag, ist eine große Haus- bzw. Wohnungsputz-Aktion geplant, eventuell täte ich also gut daran, solange ins Exil zu gehen. Meine Tochter müsste ich allerdings wohl mitnehmen. Am Mittwochabend hat meine Liebste abermals einen Foodsaving-Einsatz in einem Biomarkt und am Samstag  in einer Bäckerei; am Freitag nach der Abendmesse tagt der Lokalausschuss, und ich habe die Absicht, dort vorrangig das Interesse des Büchereiprojekts zu vertreten. Wir haben mittlerweile so einen eindrucksvollen Bücherbestand beisammen, dass ich denke, es wird höchste Zeit, die Bücherei in einen für die Allgemeinheit benutzbaren Zustand zu versetzen. Aber dafür ist noch einiges an Arbeit vonnöten. -- Am Samstag ist das Fest der Bekehrung des Apostels Paulus, aber soweit ich sehe, gibt es in unserem Pastoralen Raum keine besonderen Messen zu diesem Anlass, sondern nur die Vorabendmessen zum Sonntag. Am Sonntag ist dann wieder Büchertreff; bei dieser Veranstaltung wollen meine Liebste und ich über unseren Besuch der diesjährigen MEHR-Konferenz berichten, also wenn Du, Leser, zufällig in der Gegend bist: Komm vorbei! 


aktuelle Lektüre: Welche Bücher bei mir gerade auf der Leseliste stehen, habe ich ja unlängst erst zu Protokoll gegeben; als Zwischenbericht kann ich vermelden, dass ich von Chestertons Biographie über Thomas von Aquin schwerstens begeistert bin - was eigentlich zu erwarten gewesen wäre, aber tatsächlich ist das Buch noch besser, als ich dachte - und dass mir auch Maxim Gorkis "Wanderungen durch Russland" sehr gut gefallen; bei den anderen drei Büchern der aktuellen Leseetappe ist mein Eindruck zwiespältiger.  Alexander Oetkers "Winteraustern" - wie schon erwähnt, ein Weihnachtsgeschenk von meiner Mutter - ist ein gekonnt erzählter Regionalkrimi, vom Stil her etwas zu glatt und routiniert für meinen Geschmack, wartet dafür aber auf der inhaltlichen Seite mit einigen potentiell #BenOp-relevanten Details auf. Es bleibt noch abzuwarten, wie viel der Autor daraus zu machen weiß. -- Andreas Schlüters "Level 4 - Die Stadt der Kinder" könnte - um es mal paradox auszudrücken - ein richtig gutes Buch sein, wenn es nicht so schlecht wäre. Die Ausgangsidee der Handlung - 12jähriger Computerspiel-Freak bekommt ein brandneues Adventure-Game in die Hände, dessen Handlung auf beunruhigende Weise auf die Realität überzugreifen beginnt - hat enormes Potential, aber der Autor ist diesem schlichtweg nicht gewachsen. So wirkt die Handlungsführung unbeholfen und schlampig, zuweilen hat man den Eindruck, der Autor habe selbst keinen Plan, wo er mit der Geschichte hinwill, sondern hangele sich nur notdürftig von einer spannenden oder actiongeladenen Situation zur nächsten. Besonders peinlich und unangemessen wirkt es, wenn er zwischendurch Zuflucht zu Slapstick-Komik nimmt. Und ich habe ehrlich gesagt wenig Hoffnung, dass das Buch im weiteren Verlauf besser wird. -- Matt Ruffs Debütroman "Fool on the Hill" schließlich - übrigens zugleich seine Magisterarbeit, was zwar nicht unbedingt eine Empfehlung für das Buch, aber doch irgendwie hübsch skurril ist - macht den Eindruck einer gutgelaunten, flott lesbaren und ziemlich überkandidelten Phantasiegeschichte, die mich vielleicht mehr begeistert hätte, wenn ich sie mit 18 (plus/minus ein paar Jahre) gelesen hätte. Spaß macht die Lektüre durchaus, aber die aufreizende Oberflächlichkeit der Story hat zugleich auch etwas Ärgerliches. Na, mehr dazu im Gesamtfazit.


Linktipps: Für die Linktipps dieser Woche kann es nur ein Thema geben -- das Thema, das did katholische Medienlandschaft so ziemlich die gesamte zurückliegende Woche hindurch in Atem gehalten hat, nämlich das Buch "Aus der Tiefe des Herzens" von Robert Kardinal Sarah und Papst em. Benedikt XVI. (oder von Kardinal Sarah mit einem Beitrag von Benedikt XVI., oder wie auch immer). Wie viel Heulen und Zähneklappern, ungebremsten Hass, Geifer und Verschwörungstheorien ein Buch, das erklärtermaßen ein Plädoyer für die Beibehaltung der geltenden Zölibatspflicht für katholische Priester sein will, im sogenannten "liberalen" kirchenpolitischen Lager auslöst, könnte man als erschütternd bezeichnen, wenn man dergleichen aus dieser Richtung nicht schon halbwegs gewohnt wäre. Wobei man beim Stichwort "Verschwörungstheorien" wohl einräumen muss, dass die widersprüchlichen Angaben zu Art und Umfang der Beteiligung Benedikts XVI. an diesem Buchprojekt, die aus dem Umfeld des Papa emeritus zu hören gewesen sind, in der Tat Fragen aufwerfen. Dem Versuch einer Klärung dieser Fragen ist der erste Linktipp gewidmet:

Der bekannte Vatikan-Journalist Pentin trägt hier alle bekannten Fakten und offiziellen Aussagen von Beteiligten zusammen, ohne Gerüchten und Spekulationen Raum zu geben. Natürlich bleiben Fragen offen, aber man sieht doch schon erheblich klarer, als wenn man sich von den deutschen Leitmedien informieren ließe. -- Was bei der ganzen Aufregung ein bisschen untergegangen ist, ist die Frage, was nun eigentlich drinsteht in dem Buch -- und insbesondere in dem von Benedikt XVI. verfassten Abschnitt. Man muss wohl kein Verschwörungstheoretiker sein, um zu argwöhnen, dass die ganze Aufregung nicht zuletzt auch in der Absicht geschürt wurde, von genau dieser Frage abzulenken. Antwort kann man trotzdem finden, auch ohne gleich das ganze Buch kaufen zu müssen (das auf Deutsch wohl erst Mitte bis Ende Februar erscheinen wird): Einen Vorabdruck des betreffenden Kapitels hat die Tagespost veröffentlicht. Sollte der Text dort früher oder später hinter der Bezahlschranke verschwinden, kann man den Text auch auf CNA Deutsch oder kath.net finden, aber aus Loyalitätsgründen verweise ich hier vorrangig auf die Tagespost-Veröffentlichung:


So, da kann sich ja nun jeder selbst ein Bild machen. Eine Anmerkung sei mir aber noch gestattet: Gegenüber Leuten, die in diesen Ausführungen des emeritierten Papstes nichts anderes sehen können oder wollen als einen Beitrag zu kirchenpolitischen Ränken und Machtspielchen, empfinde ich, wie Mr. Krabs es formulieren würde, "eine ganz sonderbare Mischung aus Mitleid und Verachtung"...


Heilige der Woche: 

Heute, Montag, 20. Januar: Hl. Fabian, Papst von 236-250, Märtyrer. Laut der Kirchengeschichte des Eusebius von Caesarea wurde er zum Papst gewählt, weil sich während der Wahlversammlung eine weiße Taube auf seinem Haupt niederließ (vgl. dazu das Märchen "Die drei Sprachen", KHM 33). Teilte der Überlieferung zufolge Rom in sieben Diakonatsbezirke ein. Starb als Märtyrer im Zuge der Christenverfolgungen unter Kaiser Decius im Jahr 250. -- Hl. Sebastian, Märtyrer der Christenverfolgung unter Kaiser Diokletian (304). Der Überlieferung zufolge war er Hauptmann der Prätorianergarde; in der bildenden Kunst wird er häufig als schöner, schlanker Jüngling mit Pfeilen in der Brust dargestellt, da die Legende berichtet, der Kaiser habe ihn durch Bogenschützen hinrichten lassen wollen, er habe die Pfeilschüsse jedoch überlebt und dem Kaiser eine Predigt gehalten, woraufhin er dann erschlagen wurde.  

Dienstag, 21. Januar: Hl. Meinrad (ca. 797-861), Mönch, Einsiedler, Märtyrer. Aus alemannischem Adel, wurde in der Benediktinerabtei Reichenau erzogen und trat als Erwachsener in den Benediktinerorden ein; ab 828 lebte er als Einsiedler in strenger Askese, wurde 861 von zwei Landstreichern erschlagen. An der Stelle seiner Klause wurde 934 das Kloster Einsiedeln gegründet.  -- Hl. Agnes, Jungfrau und Märtyrerin. Erlitt der Überlieferung zufolge im Alter von 12 Jahren das Martyrium im Zuge einer der großen Christenverfolgungs-Wellen in Rom, entweder um 250 unter Decius, 258/59 unter Valerian oder 304 unter Diokletian. Ihre Verehrung ist schon früh bezeugt, sie gehört auch zu den Heiligen, deren Name im Römischen Messkanon genannt wird. Aus "lokaler" Sicht sei hinzugefügt, dass es auf dem Territorium "meiner" Pfarrei, im Ortsteil Konradshöhe, ab 1929 eine St.-Agnes-Kapelle gab, die 2017 profaniert wurde. Eine aus dieser Kapelle stammende Holzskulptur der Hl. Agnes steht jetzt in Herz Jesu Tegel. 

Mittwoch, 22. Januar: Hl. Vinzenz, Diakon und Märtyrer. Lebte um die Wende vom 3. zum 4. Jahrhundert im heutigen Spanien, war Diakon unter Bischof Valerius von Saragossa und wurde im Zuge der Christenverfolgungen unter Kaiser Diokletian im Jahr 304 zu Tode gefoltert. Seine Verehrung ist schon früh belegt; wird als Nationalheiliger Portugals verehrt, außerdem ist die Antillen-Insel St. Vincent nach ihm benannt, da Kolumbus sie an seinem Gedenktag entdeckte. -- Die Pallottiner indes feiern an diesem Datum ihren Ordensgründer, der ebenfalls Vinzenz hieß und bemerkenswerterweise an seinem Namenstag starb. Vincenzo Pallotti lebte von 1795-1850, wurde 1818 zum Priester geweiht und widmete sich besonders der Armen- und Jugendseelsorge. 1835 rief er die Vereinigung des katholischen Apostolats ins Leben; 1837, mitten in einer Cholera-Epidemie, gründete er in Rom ein Heim für verwaiste und obdachlose Mädchen. An seinem 100. Todestag wurde er von Papst Pius XII. selig-, 1963, während des II. Vatikanischen Konzils, von Johannes XXIII. heiliggesprochen. 

Donnerstag, 23. Januar: Sel. Heinrich Seuse (1295/97-1366), Ordenspriester und Mystiker. Trat im Alter von 13 Jahren dem Dominikanerorden bei; Schüler der umstrittenen Mystikers Meister Eckhard, wurde wie dieser zeitweilig der Ketzerei verdächtigt, stand aber andererseits schon zu Lebzeiten im Ruf der Heiligkeit und wurde 1831 durch Papst Gregor XVI. per viam cultus, d.h. in Anerkennung der ihm zuteil werdenden Verehrung, ohne formellen Prozess seliggesprochen. Produktiver und origineller geistlicher Schriftsteller. 

Freitag, 24. Januar: Hl. Franz von Sales (1567-1622), Bischof, Ordensgründer, Kirchenlehrer. Aus savoyischem Adel, studierte in Paris und Padua zunächst, dem Wunsch des Vaters entsprechend, Jura, dann aber zusätzlich auch Theologie und wurde 1593 zum Priester geweiht. Im Auftrag Papst Clemens' VIII. ging er in den calvinistisch gewordenen Teil der Diözese Genf, um die dortige Bevölkerung wieder zum Katholizismus zu bekehren -- ein Ziel, das er u.a. mit Hilfe von Flugschriften verfolgte, weshalb er als Schutzpatron der Journalisten verehrt wird. 1599 wurde er zum Koadjutor des Bischofs von Genf-Annecy mit Recht auf Nachfolge ernannt und 1602 zum Bischof ernannt. Er besuchte alle 311 Pfarreien seines Bistums, hielt über 3.000 Predigten und verfasste bedeutende theologische Werke, darunter eine "Anleitung zum frommen Leben", auch bekannt unter dem Titel "Philothea". 1877 ernannte ihn Papst Pius IX. zum Kirchenlehrer.


Aus dem Stundenbuch: 


Bei Tag schenke der Herr seine Huld; *
ich singe ihm nachts und flehe zum Gott meines Lebens. (Psalm 42,9)

Samstag, 18. Januar 2020

Die 100-Bücher-Challenge: Etappe 2

Holdrio, Leser: Das Update zu meinem umfangreichen Lektüreprogramm für das laufende Kirchenjahr ist schon wieder überfällig! Hundert Bücher in einem Jahr zu lesen ist ja an sich schon eine Herausforderung ("Challenge"), aber dann auch noch darüber zu schreiben...! Na, ich will mein Bestes tun. Die folgenden Bücher habe ich jedenfalls unlängst ausgelesen:



  • Martin Klein: Lene und die Pappelplatztiger 
In erster Linie ein flott geschriebenes  und sympathisches Jugendbuch über ein Mädchen, das leidenschaftlich Fußball spielt, in eine ansonsten nur aus Jungs bestehende Bolzplatz-Mannschaft aufgenommen wird und nicht nur auf dem Platz zur Führungsspielerin avanciert. Das allein würde schon genügen, um dem Buch einen Platz im Regal der Pfarrbücherei einzuräumen; auf den zweiten Blick steckt aber noch mehr drin in diesem Buch.

Das beginnt schon damit, dass Titelheldin Lene zu Beginn der Handlungszeit gerade mit ihrer Familie aus einer ländlichen Kleinstadt in eine großstädtische Neubausiedlung umgezogen ist, wo die Häuser "wie große Schuhkartons mit rechteckigen Luftlöchern aussahen" (S. 15): 
"Lene hätte [...] gern einige Verbesserungsvorschläge gemacht. Zunächst den Vorschlag, kleinere Häuser zu bauen, mit schrägen Dächern, wie es sich für Häuser gehört. Wie in Kirchhofen.  
Sie hätte vorgeschlagen, die Häuser so zu bauen, daß gleich hinter ihnen ein Wald anfängt. Denn dann kann man, wenn man abends aus dem Wohnzimmerfenster guckt, manchmal Rehe sehen.  
Außerdem hätte sie vorgeschlagen, so kleine Städte zu bauen, daß die Schule, egal, wo in der Stadt man wohnt, immer in der Nähe ist. Denn dann hätten die Jungen aus ihrer Klasse automatisch alle in der Nähe gewohnt, und Lene hätte mit ihnen nachmittags Fußball spielen können. Wie in Kirchhofen.  
'Wäre die Neustadtsiedlung wie Kirchhofen'. dachte Lene, 'hätte ich sogar wieder eine Freundin.' Denn überall, wo gleich hinter den Häusern Wald und Felder anfangen, dort gibt es Mädchen, die Pferde mögen und reiten. Die sind als Freundin geeignet." (S. 17)
Hier werden also Überlegungen dazu, wie unterschiedliche Siedlungsformen sich auf das Sozialverhalten ihrer Bewohner auswirken - Überlegungen, wie sie sich etwa auch in Rod Drehers "Crunchy Cons" oder in Haley Stewarts "The Grace of Enough" finden -, auf einem dem Stil des Buches und dem Altersspektrum der Zielgruppe angemessenen Niveau verhandelt, und das scheint mir doch sehr beachtlich. Dass übrigens das im Rückblick als recht idyllisch dargestellte Kleinstädtchen, aus dem Lene kommt, ausgerechnet "Kirch[!]hofen" heißt, möchte man ja fast subversiv finden; ebenso auch die Tatsache, dass die Schule, die Lenes Mutter für sie ausgesucht hat, an der sie aber nicht recht glücklich ist, den Namen "Kant-Gymnasium" trägt. Überhaupt ist es ein durchaus #BenOp-relevantes Thema, dass Lenes (zunächst als recht unsympathisch dargestellte) Mutter meint, "[e]ine gute Schulbildung" sei "das Allerwichtigste", und damit ein offenkundig an gesellschaftlichen Konformitäts- und Nützlichkeitskriterien orientiertes Bildungskonzept vertritt ("Später wirst du's mir noch mal danken", ebd.) -- was der Roman implizit kritisiert.

Was mir - als "Islamversteher", der ich zum Ärger und Unverständnis eines Teils meiner Zielgruppe nun mal bin - ebenfalls gut gefällt, ist, dass über die zur Bolzplatz-Mannschaft der Pappelplatztiger gehörenden türkischstämmigen Brüder Achmed und Erdal gesagt wird, dass sie "einmal in der Woche zur Koranschule" müssen und "zwei ältere Schwestern" haben, "die immer Röcke und Kopftücher trugen" (S. 39) -- und dass das zwar erwähnt, aber nicht weiter kommentiert oder gar problematisiert wird.  Soviel also zum Islam; und wie sieht es demgegenüber mit dem Christentum aus? Lenes Vater, der "gern von den guten, alten Fußballzeiten" (S. 29) erzählt, erwähnt einmal die Redensart "An Jesus kommt keiner vorbei. Außer Libuda!" (ebd.). Die Hintergrundgeschichte zu diesem tatsächlich legendären Spruch ist übrigens ganz interessant, denn "An Jesus kommt keiner vorbei" war in den 60ern das Motto einer Tournee des bekannten Evangelisten Werner Heukelbach, und irgendwann versah dann ein Fußballfan ein Plakat für diese Evangelisationsveranstaltung mit dem besagten handschriftlichen Zusatz. -- Als Lene einmal ihrer Mutter gegenüber zu einer Notlüge Zuflucht nimmt, rechtfertigt sie das in Gedanken mit dem Satz "Kleine Lügen verzeiht der liebe Gott sofort" (S. 113). Man könnte jetzt natürlich lang und breit darüber debattieren, ob in dieser Aussage ein mehr oder weniger fragwürdiges Gottesbild zum Ausdruck kommt als in der sprichwörtlichen Redensart, die damit verballhornt wird, nämlich "kleine Sünden bestraft der liebe Gott sofort"; man kann es aber auch schlicht bemerkenswert finden, dass Romanheldin Lene (oder ihr Autor, for that matter) in diesem Zusammenhang überhaupt an den "lieben Gott" denkt.

Kritisch muss man anmerken, dass solche interessanten Details sich schwerpunktmäßig im ersten Drittel des Bandes finden und danach deutlich nachlassen. Schon um die Mitte des Buches herum hatte ich den Eindruck, in den ersten Kapiteln hätten - um eine bildhafte Formulierung von Tschechow aufzugreifen - allzu viele Gewehre über dem Kamin gehangen, die dann nicht losgehen. Zum Ende hin verstärkt sich dieser Eindruck; und dann endet das Buch sehr abrupt und unbefriedigend. Zieht man in Betracht, dass es eine Fortsetzung mit dem Titel "Lene gegen die Kornfeldkobras" gibt, in der die Handlung, soweit man es aus online auffindbaren Inhaltsangaben schließen kann, praktisch nahtlos weitergeht, dann liegt die Vermutung nahe, dass der Autor beide Teile ursprünglich als ein Buch konzipiert hat und der Verlag lediglich aus geschäftlichem Interesse zwei daraus gemacht hat. Trotzdem würde ich es jetzt nicht direkt als ein Muss betrachten, auch den zweiten Teil irgendwie in die Finger zu kriegen. Wie dem auch sei: Der Gesamteindruck bleibt positiv, und das Buch schafft (was durchaus nicht vo vornherein zu erwarten war) die Qualifikation für die Rangliste der #BenOp-relevanten Lesefrüchte, auch wenn es dort den vorerst letzten Rang einnimmt. Am Ende wird es wahrscheinlich auf eine "lobende Erwähnung" hinauslaufen. 

  • Mikkjel Fønhus: Wölfe 
Wie in "Die Wölfe kommen" von Heinz Kloss, das ich vor mehreren Monaten gelesen habe, geht es hier nicht um metaphorische, sondern um ganz buchstäbliche Wölfe; im direkten Vergleich wirkt das Buch von Fønhus allerdings erheblich härter und grausamer, was wohl nicht zuletzt dadurch bedingt ist, dass "Die Wölfe kommen" von Kloss ein Jugendbuch ist. Dass die Wölfe bei Fønhus als erheblich bösartiger dargestellt werden als bei Kloss, hat wohl auch damit zu tun, dass der sein Buch weitgehend aus der Perspektive der Wölfe selbst erzählt, während Fønhus der Perspektive der Ansiedler und Rentierhirten in Lappland breiteren Raum gibt, deren Existenz durch die Überfälle der Wölfe auf ihr Vieh bedroht wird.

Ein gewisses Maß an #BenOp-Relevanz hatte ich mir von der Schilderung des Lebens und Arbeitens in abgeschiedenen Siedlungen inmitten der Wildnis Lapplands erhofft, aber der Ertrag in dieser Hinsicht ist über weite Strecken eher schmal. -- Der Roman beginnt mit einer Szene auf einem großstädtischen Bahnhof, ein Bahnreisender liest in der Zeitung vom grassierenden Wolfsproblem im hohen Norden des Landes; irgendwie hatte ich daraufhin die Erwartung, der auf diese Weise in Szene gesetzte Kontrast zwischen Zivilisation und Wildnis würde im weiteren Verlauf noch eine größere Rolle spielen, aber das erwies sich als Irrtum. Erst nach 80 Seiten nahm mein Interesse an der Handlung des Buches wieder zu, nämlich mit dem Auftritt der Ansiedlerfamilie Udden. Geschildert wird nämlich, wie Albert Udden und seine Frau Gertrud ihr erst eineinhalb Jahre altes Töchterchen mehrere Stunden lang allein zu Hause lassen müssen, um - im tiefsten Winter - ihre Kuh zum Decken zu bringen, weil sie nämlich die Milch brauchen. Gerade für das Kind. Dieses Dilemma wird - vor allem aus Sicht der Mutter - eindringlich geschildert: 
"O ja, es ging wohl, weil es gehen mußte. So verhielt es sich mit vielen Dingen hier." (S. 84)  
"[E]ine Neusiedlersfrau in den Lapplandwäldern muß sich sich manchmal hart machen können [...]. Man konnte es sich hier nicht leisten, ein allzu weiches und leicht gerührtes Herz zu haben. Allzu zarte Gefühle kamen einen hier teuer zu stehen, waren eine Art Zierblumen, die man hier nicht pflegen konnte." (S. 86)  
"Willst du mir bis in die wilden Wolfsgegenden folgen? hatte Albert gefragt. Und sie hatte die Arme um seinen Hals gelegt. [...] Aber vielleicht war die Ehe etwas, das den Mut in einem auf die Probe stellte..." (S. 88)
Dem letzten Satz würde ein Carlo Carretto wohl zugestimmt haben. Allerdings bleibt dieser Handlungsstrang episodisch, ebenso wie, wenn man es recht bedenkt, alle anderen Handlungsstränge des Buches, soweit sie Menschen und nicht Wölfe betreffen. Eine Reihe unterschiedlicher Charaktere und ihre jeweiligen Geschichten tauchen in der Handlung des Buches mehr oder weniger kurz auf und verschwinden dann wieder daraus, verbunden werden diese episodischen Stränge allein durch die herumstreifende Wolfssippe, die nach und nach dezimiert wird. Genau wie bei Kloss (der sich womöglich nicht nur dies bei Fønhus abgeschaut hat) bleibt die Leitwölfin als letzte übrig, und ihr Tod markiert den Schlusspunkt der Handlung.

Leicht vorstellen kann man sich, dass die Betonung der Notwendigkeit, hart zu sein, dazu beigetragen hat, dass Fønhus bei den Nazis so beliebt war. Ebenso mögen auch die diversen Erwähnungem von Relikten des Heidentums dafür eine Rolle gespielt haben. Umgekehrt ausgedrückt, wirkt die lappländische Halbwildnis nahezu unbeleckt vom Christentum: Zwar ist an einer Stelle von "den Zeiten" die Rede, "da die Pilgerzüge auf dem Weg nach Nidaros hier über das Gebirge kamen" (S. 210) - der Pilgerweg zum Nidarosdom war in vorreformatorischer Zeit gewissermaßen das nordische Pendant zum Jakobsweg -, aber diese Zeiten sind lange vorbei, sehr viel länger offenbar als die Zeiten, "als der Lappe noch mächtigen Wesen aus Stein seine Opfer brachte" (S. 68). Von einrm solchen steinernen Götzen wird berichtet:
"Noch zu Lebzeiten des Großvaters stand das Götzenbild aufrecht. Wenn die Jäger vorbeikamen, pflegten sie ihm irgendetwas hinzulegen - und wenn's nichts anderes war als ein Stück Kautabak -, um Glück auf der Jagd zu haben.  
Aber dann kam ein verrückter Mann von Savona, er hatte sich an der Bibel um dem Verstand gelesen, sagten die Leute, und der stürzte den Steingötzen in den Fluß." (S. 137) 
An anderen Stellen deutet sich eine gewisse volkstümliche Vermengung von Christentumund Heidentum an; dass etwa zwischen Gebeten und Zaubersprüchen nicht klar unterschieden wird, zeigt etwa die Erzählung vom "Klomsegebet", mit dem das Vieh davor geschützt werden soll, von Wölfen gerissen zu werden: Einer alten Frau wird nachgesagt, "daß sie 'klomse'könne, das heißt den Raubtieren das Maul durch Zaubersprüche binden, daß sie nicht reißen können" (S. 206), und sie vollzieht ein Ritual, das wie folgt beschrieben wird: 
"Sie nahm eine Tüte mit Salz und ging damit für eine Weile in ihre Kammer; dort drinnen sprach sie wahrscheinlich das Klomsegebet über der Tüte. Dann gab sie mit bebender Hand jeder der Ziegen etwas von dem Salz und sagte, jetzt könnten sie die Tiere ohne Hüterjungen in den Wald hinaus lassen [...]. Kein Raubtier dürfe jetzt ihr Blut verspritzen." (S. 206f.) 
Der Zauber wirkt allerdings nicht: "Sieben Ziegen waren es, die auszogen, und zwei, die wiederkamen." (S. 207)

Interessant ist unter dem Religonsaspekt auch eine Passage, in der ein alternder Landstreicher infolge einer Knieverletzung hilflos in einer Schutzhütte liegt -- und währenddessen reflektiert:
“Eigentlich mußte Gerrat dem Herrgott wohl dankbar [...] sein [...]; der Herrgott war ihm kaum irgendwelche besondere Aufmerksamkeit schuldig, so schauderhaft wie Gerrat oft zu fluchen pflegte. Aber gerade jetzt konnte er sich nicht zu einer Bußstunde aufraffen; er wollte erst einmal abwarten, wie das weiterging, bevor er sich ernstlich mit religiösen Dingen abgab.” (S. 212f.) 
Etwas später denkt er:
"Es war vielleicht nicht so ganz verkehrt, wenn er allmählich anfing, sich doch mit dem Herrgott ein klein wenig anzufreunden. Er hatte in dieser Beziehung noch manches auszugleichen." (S. 215) 
Solche Überlegungen halten ihn indes nicht davon ab, den draußen tobenden Sturm einem "Wettergott" zuzuschreiben,  der "in Zorn geraten war und über das Land hinfuhr, um alles hinwegzufegen" (S. 219). Man mag hier den Eindruck haben, der christliche "Herrgott" sei im Volksglauben einem weiterhin bestehenden heidnischen Pantheon lediglich hinzugefügt worden -- wie es bei nur oberflächlich christianisierten Völkern in "wilden" Regionen der Erde wohl tatsächlich gelegentlich der Fall war oder ist. Pachamama lässt von ferne grüßen. -- Kurz und gut, das Buch ist interessant, lesenswert, gut geschrieben; ins Büchereiregal kann man es bis auf Weiteres wohl ruhig aufnehmen; für die #BenOp-relevante Lektüre-Rangliste qualifiziert es sich hingegen nicht

  • Georg Friedrich Rebmann: Ideen über Revolutionen in Deutschland
Kann man die neunzehn in diesem Band versammelten, in den Jahren 1795-98 in verschiedenen meist kurzlebigen Journalen veröffentlichten Essays des späteren Richters Georg Friedrich Rebmann zusammenfassend als Revolutionspropaganda bezeichnen? Ich denke, man kann -- auch wenn Rebmann sich, wie der Herausgeber und Vorwort-Autor Werner Greiling betont, lange Zeit sehr zurückhielt, eine bewaffnete Revolution in Deutschland zu fordern oder zu befürworten, nur um dann 1797 festzustellen: "Zu einer förmlichen Revolution ist es jetzt zu spät" (S. 170). Nachdem er jahrelang darauf gesetzt hat, den Fürsten insbesondere der kleineren süd- und westdeutschen Staaten zuzureden, es liege angesichts der in der Luft liegenden Revolutionsgefahr in ihrem eigenen Interesse, "gut" (d.h. "aufgeklärt" und "vernünftig") zu regieren, bekennt er sich 1798 doch zum "schöne[n] Traum, Deutschland zu einer Republik und die Deutschen zu einer Nation werden zu sehen", meint aber zugleich, dieser müsse - zumindest bis auf Weiteres - "aufgegeben werden" (S. 200). 

Ich würde es dennoch für einen Irrtum halten, Rebmann aufgrund dieser Haltung als "gemäßigt" einzuschätzen. In gewissem Sinne, möchte ich behaupten, ist das Gegenteil der Fall: Rebmann ist derart überzeugt von der Ideologie der Aufklärung, dass er lange Zeit darauf baut, diese müsse sich zwangsläufig früher oder später durchsetzen, auch ohne Revolution und Krieg. Das bedeutet aber zugleich auch, dass er aufklärerische Gesinnung für schlechthin identisch mit dem Guten und Wahren hält und somit jedem, der seine Anschauungen nicht teilt, bösen Willen unterstellt. Das macht ihn zu einem frühen Vorläufer von Leuten wie, sagen wir mal beispielsweise, Mario Sixtus, und genau das macht seine Texte so lehrreich: Man kann an ihnen exemplarisch studieren, wie ein gläubiger Anhänger einer totalitären Ideologie "tickt".

Dazu gehört natürlich, damals wie heute, eine kompromisslose Feindschaft gegen den christlichen Glauben, insbesondere gegen die katholische Kirche. "Überhaupt muß die Herrschaft der katholischen Religion gänzlich untergraben werden, wenn die Ruhe wieder hergestellt werden soll", fordert er 1796  in der ersten Nummer der "Schildwache". Warum? In einem ebenfalls 1796 (in Heft 5 der Zeitschrift "Das neue graue Ungeheuer") erschienenen Artikel über aus dem revolutionären Frankreich vertriebene Priester in Deutschland erklärt er es: 
"Der Ordensgeist erstickt jeden Funken des Gemeingeistes. Das Zölibat trennt sie von dem süßesten vertraulichen Familienverein. Das Vaterland wird ihnen fremder, je wichtiger und größer der Einfluß der Kirche wird. Sie betrachten sich als Glieder einer geistlichen, allherrschenden Monarchie, deren Erhaltung durch jede Maßregel gesucht werden muß, weil der Zweck die Mittel heiligt, und in Wahrheit sind sie auch alle Teilnehmer und Mitglieder einer großen Verschwörung gegen die Herrschaft der Vernunft." (S. 70f.) 
Im selben Beitrag macht Rebmann den Priestern ausdrücklich ihren "festen Glauben an die abgeschmacktesten Dogmen ihrer Kirche" (S. 66) zum Vorwurf; allein über die Verwendung des Ausdrucks "abgeschmackt" in diesem Zusammenhang könnte ich aus dem Stand eine längere Abhandlung schreiben, aber lassen wir das hier und jetzt mal bleiben, ich will schließlich von der Stelle kommen. -- In einem früheren Artikel (von 1795) beteuert Rebmann zwar en passant, nichts gegen "Religion" an sich zu haben, sondern lediglich gegen "Inquisitionen und Pfaffenregiment" (S. 42); aber man kennt solche rhetorischen Tricks. Was der Verfasser sich im positiven Sinne unter Religion an sich vorstellt, wird an anderer Stelle - nämlich im schon zitierten Beitrag in der ersten Nummer der "Schildwache" - unmissverständlich deutlich: "Das Volk fand allmählich Geschmack an dem reinen, deistischen Gottesdienst und würde in der Folge noch mehr daran gefunden haben", schreibt er mit Blick auf die Situation in Frankreich; das heißt, als "reine" Religion betrachtet er den aufklärerischen Deismus, wohingegen das, was die Kirche lehrt, Aberglaube, Obskurantismus und, wir hörten es schon, "abgeschmackt" ist. In einer Randbemerkung in einem offenen Brief an den vergleichsweise aufklärerisch gesonnenen Koadjutor des Erzbistums Mainz, Karl Theodor von Dalberg, aus dem Jahr 1796 bezeichnet Rebmann die Jesuiten als "eine Gesellschaft [...], die, sonderbar genug, sich nach dem aufgeklärtesten und duldendsten Menschen seines Jahrhunderts benennt" (S. 182); mit diesem  Menschen meint er demnach Jesus. Kommt uns derlei irgendwie bekannt vor? In der 1797 verfassten, aber erst ein Jahr später erschienenen "Fortsetzung der Ideen über Revolutionen in Deutschland" legt Rebmann recht ausführlich dar, wie er sich die Zukunft der christlichen Konfessionen in einem nach aufklärerischen Idealen eingerichteten Staatswesen vorstellt: 
"Der protestantische Klerus hat der Natur der Sache nach wenig bei unsrer Revolution zu verlieren. Lehrer des Volkes brauchen wir unter der neuen Regierungsform so gut als unter der alten. Unsre im letzten Jahrzehnt gebildeten Theologen (meist sogenannte Neologen und Aufklärer) werden sicher nicht nur keinen Widerstand leisten, sondern sogar die tätigsten Stützen der neuen, bessern Ordnung der Dinge sein, und sicherlich wird mancher dieser aufgeklärten Volksfreunde durch das Zutrauen des Volks für seine lobenswürdigen Bemühungen belohnt und zum Stellvertreter der Nation berufen werden. [...]  
Der katholische Klerus muß natürlicherweise seiner Natur nach mehrere Veränderungen erleiden. Allein auch hier hat uns der Geist der Zeit vorgearbeitet, und die in den letzten Jahren gebildete katholische Geistlichkeit möchte ebenfalls eine Veränderung ihrer und unsrer Lage eher wünschen als fürchten. Wir werden freilich unsre Stifter, unsre Klöster etc. nicht auf dem jetzigen Fuß bestehen lassen, aber wir werden die Individuen weder töten noch verringern, sondern [...] die Alten zu Tode füttern und von den Jungen verlangen, daß sie Volkslehrer werden. Ob sie übrigens Lust haben, ihre Messe ferner zu lesen oder nicht, ob sie zur Bestätigung der Moral anführen, daß Propheten und Apostel sie auch schon vorgetragen hätten, oder nicht, das kann uns gleich gelten.” (S. 151f.) 
Das kommentiere ich jetzt mal nicht, sondern lasse diese Ausführungen einfach für sich selbst sprechen. Übrigens beteuerte Rebmann bereits 1797 in seiner "Laterne für die mittlere Klasse des deutschen Volks": "Ihr könnt Messen hören, wenn ihr Lust habt, wie bisher" (S. 140). Wie tolerant! Ein Jahr zuvor meinte er mit Blick auf die Situation in Frankreich: "Einigen alten Betschwestern konnte man immer erlauben, noch zuweilen Messe zu hören, solange keine öffentlichen Unruhen daraus erfolgten" (S. 86). Ein bisschen wehmütig wird mir ja schon bei dem Gedanken, dass man damals offenbar befürchten konnte, die Zelebration einer katholischen Messe werde öffentliche Unruhen auslösen... 

Indes verschweigt Rebmann auch nicht, dass die katholische Kirche letztlich gestärkt aus der Französischen Revolution hervorging: 
"'Seit den Zeiten der Reformation', schreibt ein in Frankreich reisender Deutscher, 'waren die Diener der katholischen Kirche nie geschäftiger, die Ausbreitung des Reichs Christi zu befördern, als in den letzten fünf Jahren. Denn ihre zeitliche Glückseligkeit war mit dem Seelenheil ihrer Beichtkinder unzertrennlich verbunden. Sie arbeiteten aber in keiner Epoche der Revolution mit solchem Eifer und - in der Sprache der Kirche zu reden - niemals mit so vielem Segen wie in dem gegenwärtigen Zeitpunkte. Seit der Herrschaft der gemäßigten Partei sind sie in ganzen Zügen wieder nach Frankreich gegangen und haben das Land allenthalben wie Heuschrecken überströmt. Sie verdunkeln, wie diese, durch ihre Streifereien das Licht der Sonne und zerstören alles Gute, was die Philosophie in Frankreich seit 1789 aussäete und das allenthalben so glücklich aufzukeimen begann.'" (S. 70) 
Doch auch jenseits von Rebmanns rasendem Antiklerikalismus findet sich in seinen Schriften noch manches Bemerkenswerte. So eröffnet er die Erstausgabe der von ihm herausgegebenen Zeitschrift "Das neue graue Ungeheuer" (1795) mit einem Nachruf auf den 1792 verstorbenen aufklärerischen Publizisten Wilhelm Ludwig Wekhrlin (zu dessen Leistungen übrigens die kritische Berichterstattung über den letzten Hexenprozess Mitteleuropas, 1782 im schweizerischen Glarus gegen Anna Göldi, gehörte); und dieser Nachruf beginnt mit den Worten:
"Die Schwärmer aller Religionssekten feiern Feste zu Ehren der Märtyrer, die für ihren Glauben bluteten. Sollte nicht die Menschheit auch zuweilen sich an diejenigen ihrer Brüder erinnern, welche Opfer der laut gepredigten Wahrheit wurden?" (S. 33) 
Man beachte, wie hier das weltanschauliche Programm der Aufklärung kurzerhand mit der "Wahrheit" identifiziert und gegen die "Religion" abgegrenzt wird; aber so richtig überraschend ist das natürlich nicht. Indes musste ich bei Rebmanns Forderung, der christlichen Heiligenverehrung eine eigene Gedenkkultur entgegenzusetzen, spontan an den links-alternativen Berliner Terminkalender "Stressfaktor" denken; dessen Printausgabe enthält neben aktuellen Veranstaltungen nämlich auch "Gedenktage", wobei nicht nur an "Märtyrer der Bewegung" - von Sacco und Vanzetti über diverse gefallene Helden des Spanischen Bürgerkriegs bis hin zu Baader, Ensslin und Raspe in Stammheim - erinnert wird, sondern auch an allerlei große und kleine "revolutionäre" Ereignisse aus aller Welt. Aber zurück zu Rebmann: Was er am Beispiel Wekhrlins über das Schicksal derer sagt, die ihrer Zeit voraus sind, ist bei allem Pathos durchaus bemerkenswert -- und in Teilen durchaus dazu angetan, dass auch der geneigte BenOpper sie sich ins Poesiealbum schreibt. Nicht nur wegen der biblischen Sprachbilder, deren der Verfasser sich hier und da bedient und damit seine Absicht unterstreicht, das christliche Märtyriums-Konzept für die von ihm vertretene ideologische Agenda zu okkupieren. Anders gesagt: Der "Berufsrevolutionär" ist eine säkularisierte Version des christlichen Heiligen, und es gilt, dieses Konzept für das Projekt einer christlichen Graswurzelrevolution "zurückzuklauen"! -- Hier einige schöne Zitate aus Rebmanns Nachruf auf Wekhrlin: 
"Oh, das Los des Mannes, der für die Menschheit zu kämpfen, gegen ihre Unterdrücker aufzutreten wagt, ist wahrlich nicht so lockend! Er steht da wie eine einzelne Eiche, an der jeder Sturmwind seine Kräfte versucht! Jede seiner Schwächen wird ausgespäht, jeder menschliche Fehler ist an ihm ein Verbrechen [...]. Ruht er, so nennt man ihn träge, arbeitet er, so schimpft man über seine Tollkühnheit, winzige Geisterchen witzeln über das Werk seiner schlaflosen Nächte [...], und endlich  wenn ein Stärkerer auftritt oder irgendein anderer sich auf seine Schultern stützt und nun freilich höher steht als der erste, dann -- vergißt man ihn." (S. 33)  
"Es ist noch ein Glück für ihn, wenn er endlich soviel wirkt, um zertreten zu werden, sonst wird ihm nicht einmal das traurige Schicksal, als Märtyrer, sondern das, als verlachter Narr zu sterben". (S. 34)  
"Der Kämpfer für die Menschheit ist längst vermodert, wenn der Baum gedeiht, den er gepflanzt hat, und dann sitzen die Enkel unter dem Schatten, ohne zu wissen, ob die Natur oder eine freundliche Hand des Baums gewartet habe." (ebd.)  
"Aber der Gärtner streuet den Samen aus, ohne zu fragen, ob ein Sturmwind die zarte Pflanze entblättern oder ob sie im Strahl der milden Sonne reifen werde." (S. 35) 
Ausgesprochen interessant ist auch Rebmanns polemischer Artikel “Über den deutschen Clootismus”, ebenfalls erschienen in der ersten Nummer des "Neuen grauen Ungeheuers". Darin zieht der Verfasser Parallelen zwischen Vertretern der extremen Linken der Französischen Revolution wie Anacharsis Cloots und Jacques-René Hébert einerseits und zeitgenössischen reaktionären Publizisten in Deutschland andererseits, indem er argumentiert, beide würden mit ihren überzogenen Positionen tatsächlich nur der jeweiligen Gegenseite in die Hände zu spielen. Der Herausgeber des 1988 in der DDR erschienenen Auswahlbandes, Werner Greiling, ist not amused darüber, dass Rebmann so ungeniert "Progressive" und "Reaktionäre" über einen Kamm schert, und wird daher nicht müde, Rebmann völlige Verkennung oder aber Verzerrung der “historischen Tatsachen" vorzuwerfen (so im Vorwort, S. 13, und erneut in den Anmerkungen, S. 209f.). Mit anderen Worten, Greiling hat schlichtweg die Intention hinter Rebmanns Argumentation nicht verstanden: Es geht ihm vor allem darum,  gemäßigte Konservative davon zu überzeugen, dass die Vertreter der extremen Rechten nicht, wie diese vorgeben, ihre Verbündeten, sondern vielmehr ihre gefährlichsten Gegner seien. Diese Argumentation ist in Teilen durchaus bestechend und mutatis mutandis auch auf heutige politische Konstellationen anwendbar; allerdings überreizt Rebmann sein Blatt, indem er sowohl den französischen Linken als auch den deutschen Reaktionären unterstellt, agents provocateurs im Sold der Gegenseite zu sein und die Sache, die sie jeweils zu verfechten vorgeben, bewusst und absichtlich zu sabotieren. Das erinnert dann schon ein wenig an die von Orwell (siehe unten) ausführlich geschilderte Strategie der Stalinisten, Abweichler von der Parteilinie, Trotzkisten, Anarchisten etc. als Fünfte Kolonne des Faschismus zu diffamieren. 

Kurz und gut, dieser Rebmann ist zwar eine ziemlich üble Type, aber eingedenk des Mottos "Know Your Enemy" ist diese 1988 bei Reclam Leipzig erschienene Auswahl aus seinem publizistischen Schaffen schlechthin unbezahlbar! Ich bin daher sehr froh, dieses Büchlein entdeckt zu haben, und zögere nicht, ihm eine hohe Platzierung auf der Rangliste der #BenOp-relevanten Literatur einzuräumen. 

  • Reinhold Schneider: Las Casas vor Karl V. 
Ich gebe es zu: Anfangs war meine Lektüre dieses Buches etwas überschattet von meinem Unmut gegen den Autor, oder genauer gesagt: meinem Unmut über sein allzu hymnisch geratenes Vorwort zu den Tagebüchern seines Freundes Jochen Klepper sowie insbesondere darüber, wie er darin Kleppers Selbstmord glorifiziert. Aber okay, den "Las Casas" hatte Schneider schließlich fast zwei Jahrzehnte vor dem Erscheinen von Kleppers Tagebüchern (und mehrere Jahre vor Kleppers Tod) geschrieben, und tatsächlich gelang es mir von der ersten Seite an nicht, das Buch wirklich schlecht zu finden -- auch wenn ich mir sagte, Alfred Döblins thematisch verwandte und annähernd gleichzeitig entstandene Amazonas-Romantrilogie (die ich im Zuge meines Studiums gelesen habe, ehrlich gesagt allerdings nur die ersten zwei der drei Bände) sei besser.

Mit Blick auf den Buchtitel und so ziemlich alles, was ich im Vorfeld über den Inhalt des Buches zu wissen glaubte, war ich überrascht, festzustellen, dass die historische Disputation von Vallodolid zwischen Bartolomé de Las Casas und Ginés de Sepúlveda über den rechten Umgang mit der amerikanischen Urbevölkerung rein quantitativ gar nicht so großen Raum in Schneiders Erzählung einnimmt. Voel präsenter ist, vor allem in der ersten Hälfte, die Lebensgeschichte des (wohl fiktiven) Conquistadors Bernardino de Lares, der zusammen mit Las Casas aus der Neuen Welt nach Spanien reist, an den Spätfolgen einer alten Giftpfeilverletzung dahinsiecht, von Reue über seine zahlreichen Sünden gepeinigt wird und mit Las Casas' Hilfe einen Weg zur Buße sucht. Das ist sehr eindringlich geschildert und auch theologisch gehaltvoll; dennoch war ich zunächst nicht restlos überzeugt, dass das für eine Platzierung in der Rangliste der #BenOp-relevanten Lesefrüchte reichen würde. Der Teil des Buches, der sich dann tatsächlich um die Disputation von Valladolid dreht, interessierte mich auf den ersten Blick noch weniger; aber dann eröffnete mir der Kommentar einer Leserin eine neue Perspektive. Die Kommentatorin verglich Schneiders Darstellung der Disputation von Valladolid mit --- nun, sagen wir mal ganz allgemein: damit, wie es gläubigen Katholiken heutzutage und hierzulande in der Auseinandersetzung mit den institutionellen Strukturen der Kirche ergehen kann: "Die historischen Gegebenheiten haben sich doch sehr geändert, aber die Grundkonstruktion hat sich nicht geändert, gerade in der Kirche. Man verwechselt Materielles mit Spirituellem". Insbesondere weist sie darauf hin, 
"wie sich die Gegner des Las Casas alle eigentlich als gläubig, nett und ganz besonders menschenfreundlich vorkommen, auch in Bezug auf die Ureinwohner Südamerikas, aber dennoch sind sie massive Gegner des Las Casas, hintertreiben all seine Aktionen mit den irrsten Verrenkungen, bis dahin, dass sie plötzlich dem Las Casa vorwerfen, auch mal einer der ihren (der üblen Conquistadores) gewesen zu sein." 
Eine bemerkenswerte und ausgesprochen #BenOp-relevante Lesart! Ganz nebenbei zeigt das übrigens auch, wie unterschiedlich dasselbe Buch von verschiedenen Lesern wahrgenommen werden kann und dass womöglich jeder Leser eines Buches etwas darin entdeckt, was anderen schlichtweg entgeht. Was man natürlich als Ermutigung verstehen kann, auch denjenigen Büchern eine Chance zu geben, die von mir eine eher schlechte Bewertung erfahren.

Davon abgesehen habe ich mir ein paar Zitate herausgeschrieben, die mir auch unabhängig vom konkreten Kontext bemerkenswert, inspirierend und potentiell #BenOp-relevant erscheinen:
"Denn die größte aller Veränderungen bringe der Wandel des Geistes hervor; und auf den Eingang einer neuen Idee in die geschichtliche Wirklichkeit ziele die Forderung des Las Casas." (S. 137)  
"Aber wir sind da, um uns über das Einfachste zu verständigen: darüber wie das Gebot unseres Herrn und Heilands, der für alle Menschen gestorben ist, befolgt werden soll und auf welche Weise wir alle, ohne die Folgen unseres Tuns für zu groß und Gottes Wirkung für zu gering anzusehen, arbeiten sollen an der Verbreitung seines Reiches.
Der Herr hat seine Apostel ausgesandt, die Völker zu taufen; und die Apostel gehen noch über die Erde und werden Arbeit haben, bis er sie abruft." (S. 139)  
"daß ich täglich fühle, wie Gottes Welt verdorben wird, weil falsche Gedanken in den Menschen wohnen und sie zu unfrommen Taten zwingen." (S. 185)  
"Im Gebet erkennen wir den gottesfürchtigen Mann, und dem sollen wir folgen."  (S. 188) 
  • George Orwell: Mein Katalonien 
Ungefähr ein halbes Jahr, von Dezember 1936 bis Juni 1937, dauerte Orwells Teilnahme am Spanischen Bürgerkrieg, und innerhalb eines weiteren halben Jahres danach schrieb er dieses Buch, das somit bei seinem Erscheinen noch hochaktuell war. Ich zögere nicht zu sagen: ein sehr lesenswertes, historisch-politisch hochinteressantes und davon abgesehen einfach gut geschriebenes Buch; von der "allgemeinen Qualität" her (falls es so etwas gibt) sicherlich das beste, das ich in dieser Etappe gelesen habe, aber es geht bei dieser 100-Bücher-Challenge nun mal nicht um die "allgemeine Qualität". Wie sieht es also mit der spezifischen #BenOp-Relevanz aus? 

Zunächst einmal habe ich ja neulich schon einmal angemerkt, dass ich den Spanischen Bürgerkrieg für ein in ideologiegeschichtlicher Hinsicht äußerst bedeutsames Kapitel der Historie halte, über das ich bislang viel zu wenig wusste; und tatsächlich hat mir die Orwell-Lektüre  die Augen darüber geöffnet, wie wenig ich bislang darüber wusste bzw. wie viel von dem Wenigen, was ich zu wissen meinte, ungenau oder falsch war. Zum Beispiel wäre ich im Leben nicht darauf gekommen, dass die Sowjetunion und die von ihr unterstützten bzw. kontrollierten Kräfte innerhalb Spaniens die Strategie verfolgten, eine linksgerichtete Revolution in Spanien zu verhindern. Aber vielleicht muss ich erst mal einen Schritt zurückgehen und erklären, warum ich den Spanischen Bürgerkrieg als ein #BenOp-relevantes Thema ansehe. Ein Verweis darauf, was Rod Dreher auf seinem Blog über den Spanischen Bürgerkrieg geschrieben hat, mag hier hilfreich sein, allerdings ist die Benedikt-Option ja, auch wenn Freund Rod diese Bezeichnung geprägt und das gleichnamige Buch geschrieben hat, nicht schlichtweg gleichbedeutend ist mit "allem, was Rod Dreher sagt oder meint" (und umgekehrt); ich zweifle nicht, dass er selbst das auch so sieht. Mein persönlicher Zugang zum Thema hat zu tun mit einer Gedenktafel, die ich an der Außenwand der Kirche des 200-Seelen-Dorfes Azofra in der Region La Rioja sah, als ich im Sommer 2016 mit meiner Liebsten auf dem Jakobsweg pilgerte: eine Gedenktafel für die Gefallenen "im Heiligen Krieg gegen den Kommunismus". Ich war verblüfft, denn nach den Maßstäben des deutschen Konzepts von "Vergangenheitsbewältigung" hätte ich erwartet, dass derartige Inschriften nach dem Ende der Franco-Diktatur getilgt worden wären. -- Die  spiegelbildliche Kehrseite einer solchen Lesart des Spanischen Bürgerkriegs ist natürlich der Vorwurf, die katholische Kirche habe in diesem Konflikt (und nicht nur da) auf der Seite der Faschisten gestanden; so wird z.B. das Opus Dei zuweilen schon allein deshalb als faschistoide Organisation verdächtigt, weil sein Gründer, der Hl. Josefmaria Escrivá, Ende 1937 aus dem republikanischen Madrid flüchtete und sich in Francos temporärer Hauptstadt Burgos niederließ.  Insgesamt scheint es mir, dass die Rolle der katholischen Kirche im Spanischen Bürgerkrieg bzw. die verbreitete historische Wahrnehmung dieser Rolle bis heute erhebliche Auswirkungen in Bezug darauf hat, dass die katholische Kirche als Ganze, zumindest aber theologisch und liturgisch "konservative" Strömungen innerhalb der Kirche als politisch "rechts" eingeordnet werden. Das ist natürlich ein vielschichtiges Thema. Was habe ich nun bei Orwell darüber gelernt?

Orwells Katalonien-Buch beginnt damit, dass der Autor im Dezember 1936 in Barcelona in die Miliz der linkssozialistischen POUM eintritt, um, wie er meint, den Faschismus zu bekämpfen, und endet damit, dass er ein halbes Jahr später vor den Säuberungen der Kommunisten aus Spanien flieht. Diese Erfahrung immunisiert ihn gründlich gegen ideologische Schwarzweißmalerei. Tatsächlich widerspricht er in seiner Darstellung des Spanischen Bürgerkriegs explizit sowohl der "Version der Rechtsgerichteten, wonach christliche Patrioten gegen bluttriefende Bolschewisten kämpften", als auch der "Version der Linksgerichteten, wonach republikanische Gentlemen eine militärische Revolte unterdrückten" (S. 65), und klagt: 
"Es ist einer der scheußlichsten Züge des Krieges, daß alle Kriegspropaganda, alles Geschrei, alle Lügen und aller Haß ständig von Leuten kommen, die nicht mitkämpfen. [...] Die Leute, die Broschüren gegen uns schrieben und uns in den Zeitungen beschimpften, blieben wohlbehütet zu Hause. [...]  
Kaum hatten die Kämpfe begonnen, tauchten die Zeitungen der Rechten und der Linken gleichzeitig in dieselbe Senkgrube von Beschimpfungen. [...] Leute, die solche Geschichten schreiben, beteiligen sich nie am Kampf. Vielleicht glauben sie, so zu schreiben sei ein Ersatz für das Kämpfen. Das ist in allen Kriegen immer das gleiche." (S. 82f.) 
Und ich lese das und denke: Rebmann! (siehe oben.)

Zur Einordnung Francos und seiner Anhänger als "Faschisten" merkt Orwell an, dass man "Franco strenggenommen nicht mit Hitler oder Mussolini vergleichen" könne:
"Sein Aufstieg war eine militärische Meuterei, die von der Aristokratie und der Kirche unterstützt wurde, und vor allem war es besonders am Anfang weniger ein Versuch, den Faschismus durchzusetzen, als den Feudalismus wiederherzustellen" (S. 62). 
Gleichwohl bezeichnet Orwell in seinen Frontberichten die Kämpfer der Gegenseite durchweg und gewohnheitsmäßig als "die Faschisten"; während der "Mai-Unruhen" 1937 in Barcelona, in denen sich verschiedene linksgerichtete Fraktionen gegenseitig bekämpften, stellt er sogar fest: "Manchmal erwischte ich mich dabei, wie ich aus Gewohnheit von den Zivilgardisten als 'den Faschisten' sprach" (S. 165).

Was nun die Rolle der Kirche betrifft, kritisiert Orwell es scharf, dass "[e]inige der ausländischen antifaschistischen Zeitungen [...] zu der erbarmungswürdigen Lüge" griffen, "daß Kirchen nur dann angegriffen wurden, wenn sie als faschistische Befestigungen dienten": "Tatsächlich wurden die Kirchen überall geplündert" (S. 66). Mit "überall" meint er natürlich: im von den Linken beherrschten Teil Spaniens.
"Im Verlauf von sechs Monaten sah ich in Spanien nur zwei unzerstörte Kirchen. Bis zum Juli 1937 erlaubte man nicht, daß eine Kirche geöffnet und Gottesdienste abgehalten wurden, außer ein oder zwei protestantischen Kirchen in Madrid" (S. 67). 
Schon bei seiner Ankunft in Barcelona Ende 1936 beobachtet er: "Fast jede Kirche hatte man ausgeräumt und ihre Bilder verbrannt. Hier und dort zerstörten Arbeitstrupps systematisch die Kirchen" (S. 9). An anderer Stelle merkt er an, das Ausmaß, in dem im republikanischen Spanien "Kirchen [...] zerstört und die Priester weggetrieben oder getötet" wurden, habe es der rechtsgerichteten Presse ermöglicht, "[u]nter dem Beifall des katholischen Klerus [...] Franco als einen Patrioten dar[zu]stellen, der sein Land von einer Horde teuflischer 'Roter' befreite" (S. 62). Ein interessantes Detail berichtet er von seinem Einsatz an der aragonesischen Front: "Wir waren vor allem angewiesen worden, über das Läuten der Kirchenglocken zu berichten. Es schien, daß die Faschisten jedesmal zur Messe gingen, ehe sie in die Schlacht zogen" (S. 93). Als Orwells Truppeneinheit auf einem "La Granja" genannten Landgut  einquartiert ist, von dem er meint, es sei "möglicherweise früher einmal ein Konvent gewesen", äußert er sogar "eine gewisse schleichende Sympathie für die ehemaligen faschistischen Besitzer, wenn ich sah, wie die Miliz die eroberten Gebäude behandelte": 
"In La Granja war jeder unbenutzte Raum in eine Latrine verwandelt worden - ein scheußliches Schlachtfeld zerschlagener Möbel und Exkremente. In der kleinen Kirche daneben waren die Wände von Granatlöchern durchbohrt und der Boden fußhoch unter Mist begraben." (S. 98f.) 
In der Nähe gibt es einen "kleinen, von Mauern eingefaßten Kirchhof", auf dem "die Toten des Dorfes" liegen (S. 101); ein Spaziergang auf diesem Friedhof veranlasst Orwell zu einer längeren Reflexion, die für mich zu den interessantesten Passagen des Buches zählt: 
"Das Überraschende [...] war, daß religiöse Inschriften auf den Grabsteinen fast vollständig fehlten, obwohl sie [102] alle aus der Zeit vor der Revolution stammten. Ich glaube, ich sah nur einmal ein 'Bete für die Seele des Soundso', wie es auf katholischen Gräbern üblich ist. Die meisten Inschriften waren recht weltlich mit komischen Gedichten auf die Tugenden der Verstorbenen. Auf vielleicht einem unter vier oder fünf Gräbern stand ein kleines Kreuz oder eine formhafte Ehrerbietung für den Himmel, die dann von einem fleißigen Atheisten mit einem Meißel weggeschlagen worden war.  
Es fiel mir auf, daß die Einwohner dieser Gegend Spaniens wirklich ohne religiöse Gefühle sein mußten - ich meine religiöses Gefühl im strenggläubigen Sinne. Es ist merkwürdig, daß ich während der ganzen Zeit meines Aufenthaltes in Spanien niemals einen Menschen sah, der sich bekreuzigte, obwohl man doch annehmen sollte, daß eine derartige Bewegung, ob mit oder ohne Revolution, zur Gewohnheit wird. Sicherlich wird die spanische Kirche zurückkommen - nach dem Sprichwort: die Nacht und die Jesuiten kommen immer wieder -, aber es besteht kein Zweifel daran, daß sie beim Ausbruch der Revolution zusammenbrach und in einem solchen Ausmaß zerschlagen wurde, wie es unter ähnlichen Umständen selbst für die todgeweihte Kirche von England undenkbar wäre. Für die spanischen Menschen, jedenfalls in Katalonien und Aragonien, war die Kirche schlicht und einfach Schwindel. Möglicherweise wurde der christliche Glaube in gewissem Umfange vom Anarchismus verdrängt, dessen Einfluß sehr weit reicht und der ohne Zweifel eine religiöse Färbung hat." (S. 101f.) 
Bleibt es hier in der Schwebe, was Orwell persönlich von diesem (Ver-)Schwinden des Christentums hält, macht er an anderer Stelle deutlich, dass er zumindest aus politischer Sicht den in der spanischen Republik grassierenden Antiklerikalismus gutheißt. So reflektiert er gegen Ende des Buches darüber, wie eine spanische Regierung nach einem Sieg über Franco (an den er zu diesem Zeitpunkt noch glaubt und den er erhofft: "Möglicherweise war die Volksfront ein Betrug, aber Franco war ein Anachronismus. Nur Millionäre oder Romantiker konnten sich seinen Sieg wünschen", S. 226) aussehen könnte und sollte, und meint, in jedem Fall müsse diese Regierung "antiklerikal und antifeudal sein" (S. 225); sie müsse,
"zumindest für eine gewisse Zeit, die Kirche unter Kontrolle halten und das Land modernisieren [...], zum Beispiel Straßen bauen, die Erziehung und die öffentliche Gesundheit fördern" (S. 225f.).
Wie eine ironische Fußnote zu der Einschätzung, für eine Verbesserung der sozialen Verhältnisse in Spanien sei es notwendig, den Einfluss der Kirche zurückzudrängen, mutet es an, dass Orwell, als er mit einer Schusswunde im Hals im Lazarett liegt, am eigenen Leibe den "Mangel an guten Krankenschwestern" erfährt:
"Anscheinend gab es nicht genug ausgebildete Schwestern in Spanien, vielleicht weil diese Arbeit vor dem Krieg hauptsächlich von Nonnen getan wurde" (S. 236). 
Ach. -- Kurz bevor er Barcelona verlässt, sieht Orwell sich erstmals "die Kathedrale" an, womit er aber tatsächlich nicht die gotische Bischofskirche Barcelonas meint, sondern Antoni Gaudís unvollendete Sagrada Familia. Er nennt sie "eines der häßlichsten Gebäude der Welt" und äußert die Ansicht, "daß die Anarchisten schlechten Geschmack bewiesen, als sie die Kirche nicht in die Luft sprengten, solange sie die Gelegenheit dazu hatten” (S. 278).

Man tut bei alledem gut daran, im Auge zu behalten, dass Orwell bei all seiner Opposition zum Stalinismus immer noch Sozialist ist; ja, zu einem gewissen Grad kritisiert er den Stalinismus gerade aus sozialistischer Sicht. Bezeichnend dafür ist die folgende Passage: 
"Ich weiß sehr genau, wie es heute zum guten Ton gehört zu verleugnen, daß der Sozialismus etwas mit Gleichheit zu tun hat. In jedem Land der Welt ist ein ungeheurer Schwarm Parteibonzen und schlauer, kleiner Professoren beschäftigt zu 'beweisen', daß Sozialismus nichts anderes bedeutet als planwirtschaftlichen Staatskapitalismus [...]. Aber zum Glück gibt es daneben auch eine Vision des Sozialismus, die sich hiervon gewaltig unterscheidet. Die Idee der Gleichheit zieht den normalen Menschen zum Sozialismus hin. Diese 'Mystik' des Sozialismus läßt ihn sogar seine Haut dafür riskieren. Für die große Mehrheit der Menschen bedeutet der Sozialismus die klassenlose Gesellschaft, oder er bedeutet ihnen überhaupt nichts. Unter diesem Gesichtspunkt aber waren die wenigen Monate in der Miliz wertvoll für mich. Denn solange die spanischen Milizen sich hielten, waren sie gewissermaßen der Mikrokosmos einer klassenlosen Gesellschaft." (S. 133) 
Verstehen wir uns nicht falsch: Auch an einem solchen eher "idealistischen" oder "utopischen" Sozialismus, wie Orwell ihn hier vertritt, kann man natürlich Kritik üben, muss es vielleicht auch, etwa aus der Perspektive der katholischen Soziallehre, wie sie Papst Leo XIII. in seiner bahnbrechenden Enzyklika Rerum Novarum (1891) vorgelegt hat. Aber ich erlebe es ein bisschen zu oft, dass Apologeten des Kapitalismus kurzerhand alles, was sich "Sozialismus" nennt, mit jenem System identifizieren, das Orwell als "planwirtschaftlichen Staatskapitalismus" bezeichnet, und ich denke, damit machen sie es sich zu einfach.

Interessant ist auch, was Orwell über "die demokratisch-'revolutionäre' Art der Disziplin" (S. 37) sagt, die in den linksgerichteten Milizen herrschte. Zusammenfassend und vereinfacht gesagt basierte diese Art von Disziplin nicht auf der Pflicht zum Gehorsam gegenüber Vorgesetzten (Offiziersränge gab es in den Milizen nicht), sondern auf der gemeinsamen Verantwortung für die Sache, für die man kämpfte:
"Zynische Menschen [...] werden sofort sagen, daß es so niemals 'geht', aber tatsächlich 'geht' es auf die Dauer. [...] 'Revolutionäre' Disziplin ist vom politischen Bewußtsein abhängig - von dem Verständnis dafür, warum Befehle befolgt werden müssen. Es dauert einige Zeit, bis sich diese Einsicht verbreitet, aber es dauert auch einige Zeit, einen Mann auf dem Kasernenhof zu einem Automaten zu drillen" (S. 37f.). 
Das könnte für die Organisation von Benedikt-Options-Initiativen ein durchaus richtungsweisender Gedanke sein. -- Und abschließend noch ein Zitat, das sich ganz unabhängig vom Kontext gut fürs Poesiealbum des ambitionierten BenOppers eignet:
"Es gibt Gelegenheiten, bei denen es sich besser bezahlt macht, zu kämpfen und geschlagen zu werden, als überhaupt nicht zu kämpfen." (S. 190)
So, jetzt habe ich mich sehr lange bei Orwells "Mein Katalonien" aufgehalten, muss aber letztendlich doch einräumen, dass die #BenOp-Relevanz dieses Buches mit seinen sonstigen Qualitäten nicht ganz mithalten kann. Aber solche Diskrepanzen gab es ja in der ersten Etappe auch schon und wird es zweifellos auch in Zukunft weiterhin geben. In Sachen #BenOp-Relevanz ergibt sich am Ende der zweiten Etappe jedenfalls folgender Zwischenstand: 
1. (1) Carlo Carretto: Wir sind Kirche  
2. (2) Norbert Baumert (Hg.): Jesus ist der Herr  
3. (NE) Georg Friedrich Rebmann: Ideen über Revolutionen in Deutschland  
4. (3) Sr. M. Lucia OCD: Umkehr - Heiligung - Freude in Gott  
5. (NE) Reinhold Schneider: Las Casas vor Karl V.  
6. (4) Karl May: "Weihnacht!"  
7. (NE) George Orwell: Mein Katalonien  
8. (NE) Martin Klein: Lene und die Pappelplatztiger 
Drei der elf bisher gelesenen Bücher haben sich nicht für die Rangliste qualifiziert. -- Da nun also Carlo Carrettos "Wir sind Kirche" weiterhin die Spitzenposition hält und dies aller Voraussicht nach auch noch eine Weile so bleiben wird, muss ich an dieser Stelle noch eine kleine Anekdote zu diesem Buchtitel loswerden: Neulich auf der MEHR traf ich einen Freund und Verbündeten, der mir verriet, er habe meinen Artikel über die erste Etappe meiner 100-Bücher-Challenge hauptsäch deshalb gelesen, weil er sich über den Buchtitel "Wir sind Kirche" auf dem Vorschaubild gewundert habe; denn natürlich habe er da sofort an die berüchtigte gleichnamige "Kirchenvolksbewegung" gedacht (die es allerdings noch gar nicht gab, als das Buch herauskam). Allerdings, so fügte er hinzu, habe er spontan ähnlich irritiert, als ihm kürzlich bei einer Essenseinladung Wirsing-Quiche aufgetischt worden sei...

So, nun aber die Vorschau zur dritten Etappe: 

  • Alexander Oetker: Winteraustern 
Ein Weihnachtsgeschenk von meiner Mutter -- und allein dieser Umstand macht das Buch interessant, denn erfahrungsgemäß hat meine Mutter ein gutes Händchen beim Verschenken von Büchern. Von allein wäre ich sicherlich nicht auf die Idee gekommen, mich für dieses Buch zu interessieren. Der Buchtitel ist umrahmt von den ergänzenden Hinweisen "Luc Verlains dritter Fall" und "Ein Aquitaine-Krimi"; es handelt sich also um ein Serienprodukt aus dem modischen Genre der Regionalkrimis, und allem Anschein nach um eine besonders versnobte Variante davon. Aquitaine, wenn ich das schon höre. Normalerweise hätten diese Titel-Zusätze also schon genügt, um mich abzuschrecken, und der Umstand, dass der Autor seine Brötchen früher als Fernsehjournalist bei der RTL-Gruppe verdient hat, nicht minder. Aber nun bin ich doch gespannt auf den Roman; vielleicht offenbart er ja ungeahnte Qualitäten.

  • Andreas Schlüter: Level 4 - Die Stadt der Kinder 
Ein Fundstück aus einer Büchertelefonzelle -- ich glaube, aus derjenigen in der Osloer Straße, kann aber auch eine andere gewesen sein, kommt ja nicht so genau drauf an. Jedenfalls handelt es sich um ein Jugendbuch aus dem Jahr 1994, dessen Klappentext erwarten lässt, dass da Computerspiele und "virtual reality" zum Ausgangspunkt für eine dystopisch-phantastische Science-Fiction-Handlung genommen werden. Das könnte ziemlich interessant sein oder auch totaler Schrott, ja, womöglich sogar beides. Lassen wir uns mal überraschen. 

  • Maxim Gorki: Wanderungen durch Russland 
Entdeckt in der Büchertelefonzelle auf dem Edeka-Parkplatz am Eichborndamm; und ich fühlte mich spontan an Debogory-Mokriewitsch und seine "Erinnerungen eines Nihilisten" erinnert, die es in der vorigen Jahreswertung auf einen sehr beachtlichen 15. Platz geschafft haben. Bei Gorkis "Wanderungen" handelt es sich, wie man dem Klappentext und dem Anhang entnehmen kann, um eine Sammlung von Erzählungen mit teilweise autobiographischem Hintergrund, die zwischen 1912 und 1917 entstanden, inhaltlich aber in den 1880er- und 1890er-Jahren angesiedelt sind; da sind wir chronologisch also tatsächlich gar nicht so weit von Debogory-Mokriewitsch entfernt. --  Ich habe, soweit ich mich erinnere, bisher noch nie eine Zeile von Gorki gelesen und auch keins seiner Theaterstücke gesehen, aber er scheint mir eine interessante Figur zu sein, nicht zuletzt dank seiner (trotz persönlicher Freundschaft mit Lenin) zwiespältigen und nicht selten widersprüchlichen Haltung zum Kommunismus und zum Sowjetregime -- und erst recht dank seiner kaum weniger komplizierten Haltung zum Christentum und zur Religion allgemein. Inwieweit das als #BenOp-relevant zu bewerten sein wird, bleibt freilich abzuwarten, aber ich denke mal, eine interessante Lektüre wird es allemal sein. 

  • G. K. Chesterton: Thomas und Franz 
Ein Highlight aus einer umfangreicheren Bücherspende für das Pfarrbücherei-Projekt, wahrscheinlich aus dem Nachlass des im vergangenen Frühjahr verstorbenen Pfarrers Dimter. Dem Werbetext auf dem hinteren Buchdeckel zufolge handelt es sich um die "[e]rste vollständige deutsche Textfassung" von Chestertons biographischen Essays über Thomas von Aquin und Franz von Assisi. Von Chesterton habe ich, wie ich zu meiner Schande gestehen muss, abgesehen von einzelnen, im Internet kursierenden Zitaten bislang nur "Orthodoxie" gelesen, das dafür aber mehrmals und mit wachsender Begeisterung; ich bin also durchaus bereit, davon auszugehen, dass auch dieses Buch ausgesprochen großartig wird. Übrigens erwähnte ich ja neulich schon, dass ich in jeder Leseetappe einen "Slot" für ein "mutmaßlich rechtgläubiges" Buch vorgesehen habe, und es ist wohl keine große Überraschung, wenn ich sage, dass in der kommenden Etappe dieses Buch diese Position einnimmt. Allerdings ist weder die zu erwartende Rechtgläubigkeit noch die bekannte Brillanz des Autors ein unfehlbarer Garant für #BenOp-Relevanz; in dieser  Hinsicht wage ich vorläufig noch keine Prognose. 

  • Matt Ruff: Fool on the Hill 
Wie an anderer Stelle bereits erwähnt, handelt es sich hierbei um ein Beutestück einer besonders ergiebigen "Büchertour" im vergangenen Oktober -- ein Buch, dass ich eher aus einer Laune heraus mitnahm, weil ich die vage Ahnung hegte, es könne sich als unterhaltsam und originell erweisen, auch wenn ich keine klare Vorstellung hatte (und habe), was mich da nun im Einzelnen erwartet. Allem Anschein nach handelt es sich um eine Art College-Satire mit Phantastik-Elementen. Alles Weitere wird sich zeigen. 

Im Großen und Ganzen könnte man nun den Eindruck haben, dass dies in Hinblick auf die #BenOp-Relevanz die bislang schwächste Leseetappe des laufenden Kirchenjahres wird (was freilich, da es ja insgesamt erst die dritte ist, so viel nun auch nicht zu besagen hätte), aber andererseits traue ich es jedem einzelnen dieser fünf Bücher zu, mich positiv zu überraschen. Sei also gespannt, Leser -- ich bin es auch!


Montag, 13. Januar 2020

Kaffee & Laudes - Das Wochen-Briefing (1. Woche im Jahreskreis)

Was bisher geschah: Am Montag war nicht nur das Hochfest der Erscheinung des Herrn, sondern zugleich auch, wie schon erwähnt, der letzte (halbe) Tag der MEHR-Konferenz; und es war ein sehr würdiger und gelungener Abschluss: Kurienkardinal Kurt Koch zelebrierte ein Pontifikalamt; Johannes Hartl hielt einen Vortrag zum Thema "Heimkommen" (und nahm darin, sehr zu meiner Freude, mehrfach auf den Heiligen Benedikt Bezug); und als ich nach diesem Vortrag in den "Raum der Stille" ging, kam ich gerade rechtzeitig, um den Eucharistischen Segen gespendet zu bekommen, ehe die Aussetzung des Allerheiligsten beendet und der Tabernakel abgebaut wurde. Noch als ich eigentlich schon auf dem Weg war, daß Messegelände zu verlassen, hatte ich einige erfreuliche Begegnungen und führte einige anregende und motivierende Gespräche. Dann verbrachte ich noch ein paar Stunden im "Powwow Coffee", ehe ich mit dem Zug zurück nach Berlin fuhr. -- Auf der Rückfahrt hatte ich zwar das Gefühl, mir eine ziemlich rustikale Erkältung eingefangen zu haben, aber tags darauf ging es mir dann doch nicht so schlecht wie befürchtet. Unsere Lobpreisandacht am Dienstagnachmittag bestritt ich diesmal allein, da das Kind einen verspäteten Mittagsschlaf hielt und meine Liebste diesen Umstand nutzte, um sich ebenfalls ein bisschen hinzulegen; im Allgemeinen tue ich mich mit dem frei formulierten Beten eher schwer und überlasse das daher gern meiner Liebsten, aber diesmal ging es, wie ich fand, recht gut -- das müssen wohl die Nachwirkungen der MEHR gewesen sein... Am Abend folgte dann die kurzfristig anberaumte außerordentliche Sitzung des Pfarrgemeinderats, über die ich vorerst nur sagen will, dass sie zu einem - wie ich hoffe - für alle Seiten annehmbaren Ergebnis gekommen ist. Außerdem erfuhr ich, dass im Pfarrbüro eine Abholbenachrichtigung der DHL eingegangen war, über ein Paket, das an die Adresse der Pfarrei, aber auf meinen Namen adressiert war und das bei einer Nachbarin abgegeben worden sei. Am nächsten Tag (also Mittwoch) machte ich mich zusammen mit meiner Tochter auf, nach dem Verbleib des Pakets zu forschen, und wurde schließlich in der Caritas-Geschäftsstelle fündig. Tatsächlich war es aber nicht nur ein Paket, sondern sogar zwei; und wie ich schon vermutet hatte, handelte es sich wieder einmal um Spenden für das Büchereiprojekt. 86 Bücher, darunter einige sehr interessante -- zum Beispiel Thomas Mertons Autobiographie "Der Berg der sieben Stufen", die ich sowieso schon lange mal lesen wollte, oder Michael D. O'Briens "Father Elijah", ein Buch, über das ich ebenfalls schon allerlei Interessantes gehört habe. -- Der Rest der Woche verlief tendenziell weniger spektakulär und war eher von dem Bemühen geprägt, einen "normalen" Alltagsrhythmus wiederzufinden, gerade auch für das Kind. Am Sonntag (Taufe des Herrn) fand nach der Messe wieder einmal der monatliche "Sonntagstreff" statt, und eigentlich hatten wir da hingehen wollen, aber dann ärgerte meine Liebste sich (aus Gründen) so sehr über die bösen alten Leute in der Gemeinde[*], dass wir es lieber bleiben ließen. 

[* Damit soll explizit nicht gesagt sein, dass alle alten Leute in der Gemeinde böse wären; dem ist nicht so, und umgekehrt sind wahrscheinlich nicht alle bösen Leute in der Gemeinde alt. Aber es gibt da so eine Kategorie von Leuten, die auf das allgemeine Klima in der Gemeinde leider einen ziemlich prägenden Einfluss haben.] 


Was ansteht: Heute habe ich am frühen Nachmittag eine Verabredung zu einem Gespräch "beruflicher" Art, über das ich nicht zu viel verraten möchte, aber jedenfalls geht es um eine interessante Perspektive zur Ausweitung meiner publizistischen Tätigkeit. Am Abend ist dann Lektoren-Dienstplanbesprechung. Dienstag ist Lobpreis, danach hat die Liebste mal wieder einen Foodsaving-Einsatz. Am Mittwoch haben wir mittags einen Kinderarzt-Termin - nichts Dramatisches, nur eine Standard-Vorsorgeuntersuchung -, und abends soll in der Kirche der Weihnachtsbaum abgebaut werden. Ich schätze, da müsste ich eigentlich mithelfen, allerdings gibt meine Liebste gleichzeitig ein Firmkurs-Modul, womit sich die Frage stellt, wer von uns eher in der Lage sein wird, sich "nebenbei" um das Kind zu kümmern. Was Donnerstag und Freitag bringen werden, bleibt abzuwarten. Am Samstag steht wieder unser "Krabbelbrunch" auf dem Programm; und am Sonntag findet in Heiligensee der Neujahrsempfang für die Ehrenamtlichen unserer Pfarrei statt. Das kann ja spannend werden! 


aktuelle Lektüre: Gerade habe ich die zweite Etappe meiner "100-Bücher-Challenge" abgeschlossen und die dritte begonnen, ein separater Artikel dazu ist in Arbeit, braucht aber wohl noch ein paar Tage. Jedenfalls stehen auf meiner Leseliste für die kommende(n) Woche(n) ein im Austernzüchter-Milieu an der französischen Atlantikküste angesiedelter Regionalkrimi, ein für Kinder bzw. 'Tweens geschriebener "Computerkrimi" mit phantastisch-dystopischen Elementen, ein Band mit Erzählungen aus dem vorrevolutionären Russland, Heiligenbiographien aus der Feder des genialen G.K. Chesterton und ein satirischer Roman, von dem ich noch gar nicht abschätzen kann, was mich zwischen seinen Buchdeckeln erwartet. Mehr gibt es dazu augenblicklich noch nicht zu sagen. 


Linktipps
Inspiriert vom Besuch der MEHR (ich habe ihn gesehen!), nimmt mein Freund Rudolf die nicht selten tragikomischen Versuche des amts- und verbandskirchlichen Mainstreams aufs Korn, "die Jugend zu erreichen", und kommt zu dem Schluss: Leudde, ihr seid einfach zu harmlos, brav und bieder, kurzum, zu sehr "Mainstream". Versuche, es den Jugendlichen "so bequem wie möglich" zu machen, "indem man immer häufiger Dogmen zur Diskussion stellte, eigene 'Jugendgottesdienste" entwarf und auch die Sexualmoral der Kirche offen torpedierte", sind krachend gescheitert -- und warum? Weil man niemanden von etwas überzeugen kann, indem man den Eindruck erweckt, man sei selbst nucht so richtig überzeugt davon. Die MEHR ist ein Beispiel dafür, dass es anders geht: 
"Vielleicht ist keiner so empfänglich für radikale Ideen wie die Jugend. Aber es gibt nichts, das radikaler ist und einem mehr abverlangt, als ein Leben aus der Liebe Gottes. Gleichzeitig gibt es keinen Lebensstil, der so ungleich viel mehr zurückgibt als investiert wird, der das eigene Leben und vor allem das Leben nach dem Tod radikaler beeinflusst als eben jener Lebensstil, der sich durch die Liebe von und zu Gott definiert." 
Ich kann diesem Artikel gar nicht laut genug applaudieren. 

Die katholische Kirche St. Elisabeth ist in der Nacht vom 8. auf dem 9. Januar Ziel einer Vandalismus-Attacke mit Farbe und Klebstoff geworden, und tags darauf wurde auf der einschlägig bekannten Online-Plattform Indymedia ein anonymes Bekennerschreiben veröffentlicht. Ob es in dem Sinne "authentisch" ist, dass es tatsächlich von den Urhebern des Anschlags verfasst wurde, lässt sich kaum sagen, da das Schreiben kein eindeutiges Täterwissen enthält; aber darauf kommt es wohl nicht so sehr an: Als ideologischer "Kommentar" zur Tat ist das Schreiben so oder so aufschlussreich. Besonders, weil die Verfasser in ihrem Bestreben, die Legitimität eines Anschlags auf eine Kirche ideologisch zu begründen, so beflissen wirken wie Zehntklässlerinnen bei einem Erdkundereferat. Hier meine Lieblingspassage: 
"Menschen sollen glauben können, was sie für sich selber für richtig erachten, um sich in diesem System aufrecht halten zu können."
Das kennen wir: Opium des Volkes und so. Aber weiter:
"Das Problem mit Institutionen wie der katholischen Kirche ist nicht die Erzählung über jemanden, dessen Existenz weder bewiesen noch widerlegt werden kann. Vielmehr liegt das Problem [...] darin, dass je nach Ort, Zeit und Kontext ein entsprechender Wertekanon, Sitten, Traditionen, Regeln und Verbote der Glaubensgemeinschaft auferlegt werden" --
-- mit anderen Worten: Wir haben nichts gegen Religion, solange sie Privatsache jedes Einzelnen und schön unverbindlich bleibt. Das ist zwar Unsinn (es liegt, schon der Wortbedeutung nach, im Wesen von Religion, ihre Anhänger zu binden, also verbindlich zu sein), aber da ich gerade erst Georg Friedrich Rebmanns "Ideen über Revolutionen in Deutschland" ausgelesen habe, kann ich bezeugen, dass dieser Unsinn schon seit der Zeit der sogenannten Aufklärung im Schwange ist. Wesentlich ärgerlicher erscheint es mir, dass ein solches subjektivistisches Glaubensverständnis sich zunehmend auch innerhalb der Kirche(n) selbst breitmacht. Ohne den Vandalismus gegen Kirchen (oder Vandalismus überhaupt) verharmlosen zu wollen, muss ich sagen, verglichen mit dem "Schismatischen Weg" und den dahinter stehenden Interessengruppen erscheinen mir ein paar durch Propagandaparolen aufgehetzte Teeniemädchen mit Farbeimern als das geringere Problem...


Heilige der Woche: 

Heute, Montag, 13. Januar: Hl. Hilarius von Poitiers (ca. 315-367), Bischof und Kirchenlehrer. Erster namentlich bekannter Bischof von Poitiers, taufte 351 den Hl. Martin von Tours. Einer der bedeutendsten Bekämpfer des Arianismus in der Kirche des Westens, von Kaiser Constantius II. deshalb von 356-360 nach Phrygien (in der heutigen Türkei) verbannt. Verfasser bedeutender theologischer Werke und Dichter lateinischer Hymnen, 1851 von Papst Pius IX. zum Kirchenlehrer ernannt. 

Freitag, 17. Januar: Hl. Antonius d. Gr. (ca. 251-356), Einsiedler und Mönchsvater. Veräußerte nach dem Tod seiner Eltern seinen gesamten Besitz und lebte etwa ab dem Jahr 275 als Einsiedler, zunächst in der Nähe seines Heimatortes, später in der ägyptischen Wüste, wo er vom Teufel auf vielfältige Weise in Versuchung geführt wurde -- ein in der Kunstgeschichte häufig und eindringlich dargestelltes Motiv. Gilt als Begründer des christlichen Mönchtums. 


Aus dem Stundenbuch: 

Leite mich, Herr, in Deiner Gerechtigkeit, † meinen Feinden zum Trotz; * ebne Deinen Weg vor mir! (Psalm 5,9)


Sonntag, 12. Januar 2020

Wachsmalstifte und Gebet

Meine zweijährige Tochter hat schon sehr früh Begeisterung für Musik an den Tag gelegt, und als ausgeprägter Rock- und Popmusik-Nerd bin ich natürlich bestrebt, das zu fördern und ihren Musikgeschmack frühzeitig in wünschenswerte Bahnen zu lenken. Neben Lobpreis, Lobpreis, Lobpreis und zeitlosen Rockklassikern spiele ich ihr gern auch Musik aus meinen wilden Teenagerjahren, also in etwa aus der ersten Hälfte der 90er, vor; und im Zuge dessen habe ich kürzlich auf YouTube etwas wiederentdeckt, was seit längerer Zeit ziemlich in den Hintergrund meines Musikbewusstseins gerückt war, nämlich das MTV unplugged-Konzert der Gruppe Soul Asylum vom 21. April 1993

Soul Asylum war ja eigentlich eine Punkband (auch wenn man es damals, zumindest bis der Erfolg des dritten Green Day-Studioalbums Dookie anno 1994 ein quasi offizielles Punk-Revival einläutete, nicht "Punk" nannte, sondern "Alternative Rock"), aber ausgerechnet ihr größter Hit "Runaway Train" war eine Ballade, die so harmlos daherkam, dass sie auch von Bon Jovi hätte sein können; nein, ehrlich gesagt war das Stück sogar noch etwas schlechter als vergleichbare Stücke von Bon Jovi. Die andere Single vom 1992er Album Grave Dancers Union, "Somebody to Shove", mochte ich hingegen, und zwar in ausreichendem Maße, um die Band auch insgesamt zu mögen und mir folglich auch ihren Auftritt bei MTV unplugged anzusehen. Damals war es in dieser Konzertreihe üblich, mindestens einen Song zusammen mit einem Gaststar zu performen; und im Rückblick scheint mir, besonders die "Alternative Rock"-Bands, die der Ehre teilhaftig wurden, bei MTV unplugged spielen zu dürfen, legten Wert darauf, Gaststars einzuladen, mit denen niemand gerechnet hätte. Im Falle von Soul Asylum war es die schottische Sängerin Lulu, die in den 60ern ein Teenie-Idol  mit eigener Fernsehshow gewesen war, inzwischen aber 44 war und aussah wie die ein Jahr ältere Hillary Clinton mit rot getönten Haaren. Soul Asylum-Sänger Dave Pirner outete sich als ihr Fan, und gemeinsam brachten sie Lulus 1967er Hit "To Sir with Love" (aus dem gleichnamigen Film) zu Gehör. Und was soll ich sagen: War jut, ey. 


Okay. Warum erzähle ich das Ganze? Weil es in "To Sir with Love" eine Textstelle gibt, über die ich mich damals geärgert habe, und das fiel mir wieder ein, als ich den Song jetzt zusammen mit meiner Tochter anhörte. Die Textstelle lautet - oder jedenfalls dachte ich das damals -: 

"But how do you thank someone 
Who has taken you 
From prayers to perfumes?" 

Was soll das heißen?, grummelte ich seinerzeit. Da wird ja so getan, als wäre Beten nur etwas für kleine Kinder. Man kann sich das sehr schön bildlich vorstellen: Lütt' Lulu, sechs Jahre alt und mit Zöpfchen, kniet sich jeden Abend vor dem Zubettgehen auf den Bettvorleger und spricht ein Nachtgebet ("As I lay me down to sleep..."), aber dann kommt irgendwann die Pubertät und mit ihr die Angst vor Körpergeruch und der Wunsch, dem anderen Geschlecht zu gefallen, und für Gott hat man keine Zeit mehr. Na toll. 

Okay, zugegeben: Da könnte schon was dran sein. Bei vielen Teenagern zumindest. Die Frage ist, ob man demjenigen, der einen auf diesem Weg begleitet oder gar geführt hat, wirklich danken sollte. 

Na ja, vielleicht ist es ja ein Lied über Firmkatechese

Nee, Scherz beiseite, das ist es natürlich nicht. Wie ich jetzt festgestellt habe, heißt es auch gar nicht "from prayers to perfumes". Sondern "from crayons to perfumes", also "von Wachsmalstiften zu Parfüm". Das ist natürlich etwas ganz Anderes. Aber komisch ist es doch, dass sich mir auch da gleich wieder kirchliche Assoziationen aufdrängen. Schließlich geht es auch in der handelsüblichen Kinderkatechese, so wie ich sie in meinem bisherigen Leben kennengelernt habe, schwerpunktmäßig mehr um Wachsmalstifte als um Gebet...


Montag, 6. Januar 2020

Kaffee & Laudes - Das Wochen-Briefing (Letzte Woche der Weihnachtszeit)

Was bisher geschah: Eine ereignisreiche Woche liegt hinter mir, die jedoch am Montag recht unspektakulär begann. Jedenfalls habe ich keine sonderlich präzisen Erinnerungen an den Montag. Am Dienstag erledigten wir einige Einkäufe und machten dabei die anrührende Erfahrung, dass es auch heute noch Fleischereifachverkäuferinnen gibt, die einem Kind einfach mal spontan eine Wurst schenken. Am Abend hatten wir in der Kirche eine schöne Jahresschluss-Lobpreiszeit und gingen dann trotz Geuerwerk deutlich vor Mitternacht schlafen. Aber à propos Feuerwerk: Am Neujahrstag ereilte uns, nachdem wir erst mal gründlich ausgeschlafen hatten, die Nachricht, die Schule, in der meine Liebste arbeitet, sei in der Silvesternacht abgebrannt. Die ersten Berichte über den Brand erwiesen sich später als einigermaßen übertrieben: Ja, es hatte einen Brand gegeben, hinzu kamen weitere Schäden durch Löschwasser, aber letztendlich sind dadurch nur in einem von drei Gebäudetrakten einige Unterrichtsräume unbrauchbar geworden. Sicherlich wird das zu einigen Stundenplan-Einschränkungen führen, aber die Weihnachtsferien werden deshalb nicht verlängert. Schließlich steht das Abitur vor der Tür. 

Am Nachmittag des Neujahrstages traf ich mich zum Kaffee mit Bloggerkollegin Claudia, um sie für einen Artikel zu interviewen, der in der kommenden Ausgabe der Tagespost erscheinen soll. Am Abend war dann Messe zum Hochfest der Gottesmutter Maria, sehr schön zelebriert von unserem nigerianischen Pfarrvikar. Zu unserem anschließenden "Dinner mit Gott" konnte er leider nicht bleiben; dort waren wir, was an diesem Datum vielleicht nicht allzu überraschend ist, wieder einmal eine sehr kleine Runde. Tags darauf ging es dann in aller Früh nach Augsburg. Wie schon erwähnt, ging die MEHR 2020 zwar erst am Freitagabend los, aber im Interesse eines stressfreieren Gesamtablaufs hatten wir uns entschieden, schon einen Tag früher anzureisen. 

Da wir am Donnerstag praktisch mitten in der Nacht hatten aufstehen müssen, schliefen wir am Freitag erst einmal lange -- so lange, dass es im Hotel kein Frühstück mehr gab, als wir endlich aus den Startlöchern kamen. Damit nicht genug, hatten die ersten beiden Frühstückslokale in der Nähe, die Google Maps uns empfahl, wegen Weihnachtsferien geschlossen. Das erwies sich aber als Glück im Unglück, denn auf diese Weise gerieten wir ins "Powwow Coffee" am Stadtmarkt. Und da war nichr nur das Frühstück gut, sondern es war insgesamt ein sehr cooler Laden -- mit auffallend gemischtem Publikum: Es waren Studenten da, Familien mit kleinen Kindern, Punks, ältere Leute... Ich schätze, so eine Mischung kriegt man nur an Orten hin, wo es insgesamt nicht so viele coole Läden gibt.

Am späten Nachmittag machten wir uns auf den Weg zum Messezentrum. Bis das Hauptprogramm begann, schauten wir uns beim MEHRforum in Halle 3 und Halle 7 um, sammelten an den Ständen diverser Aussteller Infomaterial und "Giveaways" ein und liefen prompt einigen Bekannten über den Weg. Ab 19:30 Uhr folgte Lobpreis mit Veronika Lohmer & Band (Frau und Kind tanzten ordentlich ab) und danach ein Vortrag von Johannes Hartl; auf das Konzert von The Wilberforce, das den Abschluss des ersten FestivalKonferenztags bildete, verzichteten wir, in der (vergeblichen) Hoffnung, das Kind zu einer halbwegs vernünftigen Zeit ins Bett zu bekommen. Tatsächlich saßen wir dann noch ungefähr bis Mitternacht an der Hotelbar und unterhielten uns mit einem Ehepaar aus Hessen, das ebenfalls zur MEHR angereist war.

Trotz späten Zubettgehens mussten wir am Samstag früh raus, da wir uns vorgenommen hatten, um 8:30 Uhr zur Messe im "Raum der Stille" zu gehen; und wir schafften es tatsächlich pünktlich. Die Messe wurde zelebriert vom Augsburger Diözesanbeauftragten für die Charismatische Erneuerung, mit dem ich im Anschluss noch ein kurzes, aber interessantes persönliches Gespräch führte. Johannes Hartls Vortrag am Vormittag ("Ökologie des Herzens") konnte ich zwar nur per Kopfhörer vom Eltern-Kind-Bereich aus verfolgen, ich fand ihn aber exzellent und werde ihn mir definitiv noch einmal (oder noch mehrmals) als Aufzeichnung zu Gemüte führen müssen.

Am Nachmittag hatte ich einen mittelschweren Durchhänger: Auf einer Veranstaltung mit rund 12.000 Teilnehmern zu sein, ist für einen tendenziell eher introvertierten Charakter (das bin ich, auch wenn mir das viele Leute nicht glauben würden) schon eine Herausforderung, besonders wenn man wenig geschlafen hat und dann auch noch ein zweijähriges Kind im Schlepptau hat, das ebenfalls zu wenig geschlafen hat, es aber vor lauter Aufregung und Unruhe trotzdem nicht schafft, Mittagsschlaf zu halten. Gegen Abend wurde es aber wieder besser. Wir setzten uns ins Café im Eingangsbereich, kamen mit anderen jungen Familien ins Gespräch, unsere Tochter schlief auf dem Schoß meiner Liebsten ein, und dann machten wir ein Häkchen hinter diesen Tag, gingen in einem kleinen Lokal in der Nähe des Königsplatzes Pizza essen und dann früh ins Bett.

Die chronologische Reihenfolge meines Berichts mal kurz unterbrechend, muss ich übrigens anmerken, dass die MEHR natürlich nicht zuletzt auch deshalb immer so schön ist, weil es eine Art Familientreffen der Neuevangelisierungs-Szene im deutschsprachigen Raum ist; polemisch gesagt: das gläubige Gegenstück zu Katholikentag und Evangelischem Kirchentag. So traf ich an diesen zweieinhalb Tagen eine Reihe von Facebook- und Twitter-Bekannten, einige davon zum ersten Mal "live". Am Sonntagvormittag kaperten wir zusammen mit einer Familie aus dem Rheinland, zu der wir bisher nur per E-Mail Kontakt gehabt hatten, den Infostand der "Liebenzeller Mission Freizeiten & Reisen", der zu dieser Zeit gerade unbesetzt war, wo es aber Kaffee gratis gab, und aßen anschließend auch noch gemeinsam zu Mittag. An katholischen "Promis" im Publikum sah ich u.a.: Bei der Eucharistischen Anbetung im "Raum der Stille" Paddy Kelly (oder jemanden, der ihm erstaunlich ähnlich sah); mehrmals im Vorbeigehen "Elvis-Pfarrer" Norbert Fink (oder jemanden, der ihm erstaunlich ähnlich sah); am Stand von "Familie in Not" "Demo für Alle" den furchtlosen Pachamama-Versenker Alexander Tschugguel (Abb. ähnlich); und an einem Hot-Dog-Stand den längjährigen Vorsitzenden des "Bundesverbands Lebensrecht" und Talkshow-Schreck Martin Lohmann. Was ja schon mal ein ganz beachtliches Spektrum abdeckt, außer vielleicht aus der Sicht von Leuten, für die jeder, der nicht auf der Linie von "ZdK" und häretisch.de ist, gleich ein ultraböser Rechtskatholik ist.

(Auch wieder nicht fehlen durfte der schlecht gelaunte Hardcore-Evangelikale, der unweit des Messezentrums mit Mikrofon und Lautsprecherbox am Straßenrand stand und die zur MEHR strömenden Passanten in nicht nur metaphorischem Sinn zur Umkehr aufrief. Das Schöne ist, dass er jeden Tag ein anderes Thema breittritt, mit dem er beweisen will, dass die MEHR eine böse, schlimme Veranstaltung sei; am Samstagmorgen zum Beispiel ging es darum, dass auf der MEHR auch Frauen Vorträge halten dürfen -- ein eklatanter Verstoß gegen 1. Korinther 14,34!)

Frau und Kind fuhren am Sonntag Mittag wieder heim, da im Osten der Republik morgen ein stinknormaler Arbeitstag ist und auch die Ferien vorbei sind; ich dagegen darf noch bis zum Ende der MEHR hierbleiben. Bevor wir voneinander Abschied nahmen, gingen wir aber noch zusammen zu einem Segnungsteam. Davor gab es eine Warteschlange, wir kamen mit der Frau hinter uns ins Gespräch, irgendwie kam meine Liebste auf die Allerseligste Gottesmutter zu sprechen, und siehe da, unsere Gesprächspartnerin entpuppte sich als evangelikal. Huch. Meine Liebste ließ sich nicht verunsichern und lieferte aus dem Handgelenk einen Crashkurs in Sachen Marienverehrung, Sakramententheologie und #BenOp, und das auf eine so freundliche und gewinnende Art, dass die Frau sich am Ende geradezu dafür bedankte. Für mich ein Highlight dieser MEHR. Ein weiteres persönliches Highlight für mich - hier durchbreche ich erneut die chronologische Reihenfolge - war es, dass wir mehrmals, wenn auch jeweils nur kurz, mit unserer kleinen Tochter bei der Eucharistischen Anbetung im "Raum der Stille" waren, und jedesmal war das erste, was das Kind sagte, als wir den Raum betraten: "Da ist Jesus!"

Der Sonntag hatte aber noch weitere Highlights in petto. Dazu gehörte die Heilige Messe am Nachmittag, zelebriert von Weihbischof Florian Wörner (guter Mann!)  und musikalisch sehr schön  gestaltet von meinem Freund Raphael Schadt; eine weitere sehr intensive Lobpreiszeit mit Veronika Lohmer & Band; ein Poetry-Slam-Auftritt von Jana Highholder, "Gottes Influencerin"; und noch ein brillanter Vortrag von Johannes Hartl mit dem Titel "Folge der Wolke". Sprach so einige Themen an, die für meine Liebste und mich in unserem Apostolat (ich werfe gerade mal alle Scheu ab, dieses große Wort zu verwenden) gerade zum jetzigen Zeitpunkt sehr wichtig sind. Schade, dass meine Liebste nicht dabei war, aber dann werden wir uns den Vortrag wohl als Aufzeichnung noch einmal zusammen anhören müssen. 


Was ansteht: Heute ist der letzte (halbe) Tag der MEHR-Konferenz, mit einem von Kurienkardinal Kurt Koch zelebrierten Pontifikalamt und einem weiteren Vortrag von Johannes Hartl. Danach habe ich noch etwas Zeit in Augsburg zu überbrücken, ehe ich die Rückfahrt nach Berlin antrete. Morgen werden wir am frühen Abend eine sicherlich großartige, MEHR-inspirierte Lobpreiszeit in "unserer" Kirche haben, und danach - um 19:30 Uhr - dräut die eilig anberaumte Pfarrgemeinderats-Sondersitzung. Ich gehe da erneut mit dem Vorsatz rein, mich freundlich, besonnen und konstruktiv zu verhalten und keine Tische umzuschmeißen, aber leicht wird das nicht; habe mir deshalb schon gestern beim Segnungsteam auf der MEHR seelischen Beistand geholt und möchte auch hier und jetzt ganz im Ernst um Gebetsunterstützung für diese schwierige Sitzung bitten, Leser. -- Was die Woche sonst noch bringen wird, ist augenblicklich noch nicht abzusehen. Außer natürlich, dass am kommenden Sonntag Taufe des Herrn ist, womit liturgisch die Weihnachtszeit endet. Die Messe zelebriert bei uns, Gott sei es gedankt, wieder unser nigerianischer Pfarrvikar. Im Übrigen werde ich das Gefühl nicht los, ich hätte irgendwas vergessen, was diese Woche noch ansteht, aber das wird sich hoffentlich noch rechtzeitig herausstellen...


aktuelle Lektüre: So ereignisreich die Woche auch war, bin ich mit meinem Leseplan dennoch einigermaßen ordentlich vorangekommen. Eine detaillierte Auseinandersetzung mit den Büchern, die ich derzeit lese, hebe ich mir für das Gesamtfazit  dieser zweiten Etappe der "100-Bücher-Challenge" auf, aber hier ein paar Zwischenbemerkungen:

Georg Friedrich Rebmanns "Ideen über Revolutionen in Deutschland" und George Orwells "Mein Katalonien" parallel zu lesen, ist nicht zuletzt deshalb faszinierend, weil man dabei den Eindruck bekommen kann, in den rd. 140 Jahren, die zwischen den in diesen Büchern behandelten Ereignissen liegen, habe sich gar nicht so viel verändert -- zumindest nicht in Spanien, könnte man hinzufügen. Von den beiden Autoren ist Orwell mir übrigens erheblich sympathischer, nicht zuletzt deshalb, weil er tatsächlich selbst im Schützengraben im Dreck gesessen hat und schon aus diesem Grund, wie er sehr deutlich betont, keinerlei Lust hat, den Spanischen Bürgerkrieg irgendwie zu glorifizieren. Darauf, inwieweit ihn das von Rebmann unterscheidet, komme ich noch zurück. Auch in stilistischer und erzählerischer Hinsicht gefällt mir Orwells Buch wesentlich besser, aber unter dem Aspekt "Know Your Enemy" ist Rebmann ergiebiger. Bis jetzt jedenfalls.

"Lene und die Pappelplatztiger" von Martin Klein geht leider nicht ganz so interessant weiter, wie es angefangen hat, aber ich mag das Buch trotzdem immer noch. Reinhold Schneiders "Las Casas vor Karl V." hingegen gefällt mir inzwischen besser als am Anfang. Bleibt noch der Roman "Wölfe" von Mikkjel Fønhus; der ist durchaus fesselnd und beeindruckend geschrieben, besonders in den Naturschilderungen, aber in Sachen #BenOp-Relevanz unergiebig. Mal sehen, ob der Rest der Leseetappe an diesem Gesamteindruck noch etwas verändert...


Linktipps:

Letzte Woche habe ich noch behauptet, zwischen Weihnachten und Neujahr stehe nichts Interessantes im Internet, aber dieser Artikel beweist, dass ich mich geirrt habe. Nancy French erzählt hier eine faszinierende Geschichte darüber, wie sie im Alter von 20 Jahren trotz Warnungen und Bedenken von Freunden und Familienmitgliedern einen Mann heiratete, den sie zu diesem Zeitpunkt noch kaum kannte, und mit ihm aus dem ländlichen Tennessee nach Manhattan zog. Und dann riefen auf einmal ständig fremde Frauen an und wollten ihren Mann sprechen. Er behauptete zwar stets, die Frauen hätten sich verwählt, aber immerhin kannten sie seinen Vornamen. Was war da los? Hatten Nancys Freunde und Verwandte mit ihren Warnungen Recht gehabt? Führte ihr Mann ein Doppelleben? -- Nun, wenn man weiß, dass der Ehemann der Autorin der bekannte und allgemein respektierte Anwalt, Irak-Veteran, Journalist und profilierte konservative Trump-Kritiker David French ist (von dem ich in dieser Rubrik auch schon mal den einen oder anderen Artikel empfohlen habe), dann sind man, dass die Geschichte gut ausgehen wird, aber das macht sie nicht weniger lesenswert. Sie hat nicht nur eine wirklich witzige Pointe, sondern enthält auch eine anrührende Lektion über die Bedeutung von Vertrauen für eine glückliche Ehe. 

Abgesehen von einer kurzen redaktionellen Einleitung handelt es sich bei diesem Artikel um den Text einer Predigt, die der frühere Präfekt der Glaubenskongregation bei einer Messe zum Hochfest der Gottesmutter Maria im Rahmen einer Konferenz der Fellowship of Catholic University Students (FOCUS) gehalten hat; nur nebenbei möchte ich anmerken, dass dieser katholische Studentenverband im siebten Kapitel der "Benedikt-Option" lobend erwähnt wird (und ebenso, dass ich auf der MEHR eine junge Frau mit einem FOCUS-T-Shirt gesehen habe). -- Unbeschadet einiger polemischer Töne an die Adresse der kirchen-internen "Musterschüler der Aufklärung", die "die versäumten Lektionen der atheistischen Religionskritik schnell nachzuholen" bestrebt sind, zeichnet sich Kardinal Müllers Predigt insgesamt durch eine wohltuende gedankliche Klarheit und Schärfe aus, gerade im Kontrast zu manchen Äußerungen einiger deutscher Diözesanbischöfe, die in jüngster Zeit geradezu berauscht von dem Gefühl zu sein scheinen, sich angesichts des "Reform"-Drucks von Seiten der Verbandsfunktionäre "an die Spitze der Bewegung zu stellen" und in revolutionärem Überschwang das depositum fidei aus dem Fenster zu werfen. Dass Müller von seinen Gegnern so gern als verbohrter Ewiggestriger verschrien wird, ist insofern verständlich, als sie anders nicht gegen ihn ankommen; ich würde sagen, die Positionen, die er vertritt, sind ganz normal katholisch, und wer sie als extrem empfindet, zeigt damit im Grunde nur, wie weit er sich selbst vom überlieferten Glauben der Kirche entfernt hat. 


Heilige der Woche:

Dienstag, 7. Januar: Hl. Valentin von Raetien († ca. 475), Glaubensbote und Bischof. Wurde in der Völkerwanderungszeit von Papst Leo d. Gr. in die ungrfähr das Gebiet der heutigen Schweiz sowie Teile Baden-Württembergs und Bayerns umfassende Provinz Raetien gesandt, um einem Rückfall der dortigen bereits christianisierten Bevölkerung ins Heidentum oder dem Abfall zum Arianismus entgegenzuwirken. Der Überlieferung zufolge war er Bischof von Passau, wurde jedoch "wegen der Wildheit der Bewohner" von dort vertrieben und lebte und wirkte daraufhin als Wandermissionar und Einsiedler. -- Hl. Raimund von Peñafort (1178-1275), Ordensgeneral. Als einer der bedeutendsten Juristen seiner Zeit und Professor an der Universität von Bologna, wurde durch eine Volksmission der Dominikaner veranlasst, 1222 in diesen Orden einzutreten, und war von 1238-1240 Ordensgeneral der Dominikaner. Daneben war er Mitverfasser der Ordensregel der Mercedarier und Berater des Königs von Aragón. 


Mittwoch, 8. Januar: Hl. Severin von Noricum (ca. 410-485), Mönch, Glaubensbote und Klostergründer. Ging in den Wirren nach dem Tod des Hunnenkönigs Afrika und dem Zerfall des Hunnenreiches in die Region Noricum, die Teile Bayerns, Österreichs und Sloweniens umfasste, um der dortigen romanisierten Bevölkerung gegen die Bedrohung durch Barbarenvölker beizustehen. Seine auf das Jahr 511 datierte Vita ist eine bedeutende sozialgeschichtliche Quelle über die Völkerwanderungszeit, wenngleich ihre Glaubwürdigkeit unter Historikern als umstritten gilt. Laut dieser Lebensbeschreibung gründete Severin mehrere Klöster, hatte bedeutenden Einfluss auf die Verwaltung der von den Römern praktisch aufgegebenen Provinz und organisierte schließlich die Evakuierung der romanischen Bevölkerung aus den von einer Invasion der (arianischen) Rugier bedrohten Gegenden. 


Aus dem Stundenbuch: 

In festlichem Glanz sollen die Frommen frohlocken, * auf ihren Lagern jauchzen:
Loblieder auf Gott in ihrem Mund, * ein zweischneidiges Schwert in der Hand. (Psalm 149,5f.