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Donnerstag, 23. März 2017

Liturgiefreier Montag verdrängt Hochfest. Finde den Fehler.

Mein Artikel über schwach oder gar nicht besuchte Werktagsmessen, der inzwischen auch von kath.net übernommen wurde, hat ein breites und vielschichtiges Echo gefunden. U.a. wurde ich von mehreren Lesern darauf hingewiesen, dass die Aussage "Ohne mich hätte die Messe nicht stattfinden können" so nicht stimmt. Den von mir zitierten Canon 906 des CIC - "Ohne gerechten und vernünftigen Grund darf der Priester das eucharistische Opfer nicht ohne die Teilnahme wenigstens irgendeines Gläubigen feiern" - müsse man im Zusammenhang mit Canon 904 lesen, wo es heißt: 
"Immer dessen eingedenk, dass sich im Geheimnis des eucharistischen Opfers das Werk der Erlösung fortwährend vollzieht, haben die Priester häufig zu zelebrieren; ja die tägliche Zelebration wird eindringlich empfohlen, die, auch wenn eine Teilnahme von Gläubigen nicht möglich ist eine Handlung Christi und der Kirche ist, durch deren Vollzug die Priester ihre vornehmste Aufgabe erfüllen."
Obendrein heißt es im maßgeblichen lateinische Wortlaut von Canon 906 "ne celebret" - das ist Konjunktiv und wäre richtiger mit "möge nicht / soll nicht feiern" als mit "darf nicht feiern" zu übersetzen. Eine öffentlich angekündigte Messe muss also nicht ausfallen, wenn außer dem Zelebranten niemand erscheint. 

Nun ging es mir in meinem Artikel natürlich hauptsächlich darum, eine Lanze für den häufigen Messbesuch zu brechen. Dennoch sind diese Hinweise wichtig und bedenkenswert. Zumal mir andere Pfarreien bekannt sind, in denen regelmäßige Termine für Werktagsmessen aus dem Wochenplan gestrichen werden, wenn sie wenig besucht werden. -- Speziell meine Leser in Nordenham, Butjadingen und Stadland mögen es mir verzeihen, wenn ich wieder einmal St. Willehad als Beispiel heranziehe. Es gäbe auf dem platten Lande sicher mehr als genug andere Beispiele, wenn ich sie denn kennte. Aber zu St. Willehad später; bleiben wir zunächst mal bei allgemeinen Beobachtungen. 

Wenn, wie es wohl häufig der Fall ist, eine Großpfarrei oder ein Pastoraler Raum mehr Gottesdienststandorte als Priester hat, dann leuchtet es ein, wenn nicht an jedem Standort täglich eine Messe gefeiert wird. Wenn aber nicht einmal in der gesamten Pfarrei (bzw. dem gesamten Pastoralen Raum) an jedem Tag der Woche eine Messe gefeiert wird, dann gibt das schon zu denken. Kommen die betreffenden Priester der eindringlichen Empfehlung des CIC zur täglichen Zelebration dann an den anderen Tagen durch nichtöffentliche Messfeiern nach? Und wenn ja: Wieso können sie dann nicht ebensogut öffentlich zelebrieren? Wenn das "ne celebret" aus Canon 906, im Zusammenhang mit Canon 904 gelesen, überhaupt eine praktische Bedeutung haben soll, dann doch wohl die, dass die Zelebration mit "Volk" nach Möglichkeit der Zelebration ohne "Volk" vorzuziehen ist. 

Nach Möglichkeit, wie gesagt. Im Einzelfall kann es durchaus "gerechte und vernünftige Gründe" für die nichtöffentliche Zelebration geben. In Diskussionen auf Facebook haben sich zu dieser Frage auch Priester zu Wort gemeldet. Es ist unschwer einzusehen, dass ein Gemeindepriester Tag für Tag sehr viel mehr zu tun hat, als es nach außen hin wahrnehmbar ist. Besonders beim leitenden Pfarrer einer Großpfarrei kann man sich leicht vorstellen, dass er in Ausübung seines Dienstes auch sehr viel unterwegs ist. Nun sollte man annehmen oder zumindest hoffen, dass sich auch bei einem sehr vollen Terminkalender noch 20-30 Minuten am Tag für die Zelebration der Eucharistie locker machen lassen; wenn diese Zelebration aber öffentlich stattfinden soll, dann sollte es eine verlässliche Anfangszeit geben, und möglichst jede Woche dieselbe. Dass das nicht für jeden Priester immer zu gewährleisten ist, kann ich mir durchaus vorstellen. 

Andererseits heißt es schon in der Benediktsregel: "Dem Gottesdienst ist nichts vorzuziehen." Der Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1324, nennt die Eucharistie unter Verweis auf die Dogmatische Konstitution Lumen Gentium des II. Vatikanischen Konzils "Quelle und Höhepunkt des ganzen christlichen Lebens"; vgl. dazu auch Canon 897 des CIC. -- So ziemlich Jeder kennt wohl, in unterschiedlichen Varianten, die tatsächlich sehr weise Lebensregel "Lege die größten Steine zuerst in den Topf". Sie besagt, dass die Dinge, die im Leben am wichtigsten sind, auch die Fixpunkte des Terminkalenders sein sollten - weil sonst die eigentlich unwichtigen Kleinigkeiten überhand nehmen und die wichtigen Dinge verdrängen. So gesehen wäre zu fragen, ob es für einen Priester, gerade wenn er viel zu tun hat, nicht ratsam wäre, der täglichen Messfeier einen festen Platz in seinem Tagesablauf zu geben. Und wenn es um 6 Uhr morgens ist. Nun höre ich schon den Einwand: "Zu einer öffentlichen Messfeier um 6 Uhr morgens kommt doch sowieso niemand." Mal abgesehen davon, dass ich das nicht glaube - vielleicht kämen um 6 Uhr sogar mehr Gläubige als um 9 Uhr, zum Beispiel Berufstätige, die an einem normalen Werktag um 9 Uhr beim besten Willen nicht in die Kirche kommen können - : Selbst wenn's so wäre, was wäre damit verloren, im Vergleich zu einer nichtöffentlichen Zelebration, zu der schließlich auch und erst recht niemand kommen kann? 

Schauen wir nun, wie schon angekündigt, einmal exemplarisch auf die Pfarrei St. Willehad Nordenham/Butjadingen/Stadland. Eine Pfarrei mit einem Einzugsbereich von knapp 330 km² und drei regelmäßigen Gottesdienststandorten. (Bis 2014 waren es sogar sechs, aber damals hatte die Pfarrei auch noch zwei Priester; jetzt ist es nur noch einer.) Ein Blick in den Wochenplan verrät: Neben einer Sonntagsmesse in der Pfarrkirche und einer Vorabendmesse in einer der Filialkirchen gibt es dort in der Regel an zwei der drei Standorte je eine Werktagsmesse pro Woche - am Dienstag und Mittwoch; zuweilen fällt aber auch eine dieser Messen aus, zum Beispiel, wenn auf denselben Tag eine Beerdigung fällt. Am dritten Standort findet donnerstags ein Wortgottesdienst statt, manchmal (einmal im Monat?) aber stattdessen auch eine "richtige" Messfeier. Hinzu kommt ungefähr jeden zweiten Freitag im Monat eine Messe in einem Seniorenheim. Wenn man bedenkt, dass alle diese Termine von einem einzigen Priester wahrgenommen werden, kann man feststellen, dass dieser der "eindringlich empfohlenen" täglichen Zelebration schon relativ nahe kommt. Zum Vergleich: Der Pastorale Raum, in dem ich für gewöhnlich zur Kirche gehe, ist flächenmäßig erheblich kleiner als die Pfarrei St. Willehad, umfasst allerdings ganze sieben Kirchen - dafür gibt es hier aber zwei in Vollzeit tätige Priester und zwei weitere, die in Teilzeit in diesem Pastoralen Raum tätig sind; und mindestens einen emeritierten Priester gibt es wohl auch noch. Zusammen bringen sie es auf 23 öffentliche Messfeiern in der Woche - andere Formen gottesdienstlicher Feiern, die es auch noch gibt, nicht mitgerechnet. Das muss man erst mal hinkriegen. 

Nicht eingezeichnet: der liturgiefreie Montag (farblos).
(Grafik erstellt von Samuel-Kim Nguyen, Quelle hier.) 

Was mir an den Gottesdienstzeiten in St. Willehad allerdings besonders ins Auge sticht, ist der liturgiefreie Montag, der, wie es scheint, geradezu dogmatischen Rang hat. (Wie ich hörte, gibt es den auch in nicht wenigen anderen Pfarreien; meine alte Heimatgemeinde dient hier also wieder einmal lediglich als Beispiel.) -- Kürzlich feierten wir ja das Hochfest des Hl. Josef. In seiner Eigenschaft als Bräutigam der Allerseligsten Jungfrau und Gottesmutter Maria und Pflegevater Jesu wird der Hl. Josef als Schutzpatron der ganzen Kirche verehrt; deshalb ist sein Gedenktag am 19. März so wichtig, dass er sogar die Fastenzeit unterbricht. Dieses Jahr allerdings fiel der 19. März auf einen Sonntag, und da gilt im liturgischen Kalender die Regel: Fastensonntag verdrängt Hochfest. Darum wurde das Hochfest des Hl. Josef in diesem Jahr am Montag, dem 20. März, gefeiert - weltweit, außer in St. Willehad. Dort verdrängte der liturgiefreie Montag das Hochfest auf den Dienstag. 

Damit nicht genug: Am kommenden Sonntag, dem 26. März, ist der Gedenktag des Hl. Liudger, der zur Zeit Karls des Großen als Missionar bei den Sachsen und Friesen tätig war, das Kloster Werden gründete und erster Bischof von Münster wurde. Aus letzterem Grund wird sein Gedenktag in "seinem" Bistum als Hochfest begangen - dieses Jahr allerdings, aufgrund der oben genannten Regel "Fastensonntag verdrängt Hochfest", erst einen Tag später. Also wiederum am Montag. Den Nordenhamern jedoch ist das Hochfest ihres Bistumsgründers keine Messe wert. Es gibt lediglich, wie jeden Montag, in der Filialkirche Herz Mariä in Burhave ein "Friedensgebet" und "anschließend Klönschnack". 

Irgendjemand sollte da vielleicht mal seine Prioritäten überdenken. 



Samstag, 18. März 2017

Mittwochsklub im Café J... an einem Freitag

In der Torstraße 168 in Berlin-Mitte, ungefähr auf halbem Wege zwischen dem U-Bahnhof Rosenthaler Platz und dem S-Bahnhof Oranienburger Straße, liegt das Café  J - eine Location, die, wie jedenfalls meine Liebste und ich finden, geradezu danach schreit, als Operationsbasis für ein Graswurzel-Laienapostolat (um nicht immer "Punk-Pastoral" zu sagen) genutzt zu werden. Die Räumlichkeiten gehören zur Kirche St. Adalbert, Träger des Cafés ist das Erzbischöfliche Amt für Jugendseelsorge, und betrieben wird es ehrenamtlich von Freiwilligen. Eröffnet wurde das Café J bereits am 09.09.2000 und beschreibt sich selbst als "Ort der Begegnung und des Austauschs, zum Feiern und gemütlichen Beisammensein". Das J im Namen steht übrigens nicht, wie man denken könnte, für Jesus, sondern - berlinerisch - für "Jott". Wat hebbt wi lacht. 

Im Ernst: Das Café J ist schön, gemütlich und außerordentlich gut gelegen - aber es hat leider nur allzu selten geöffnet. Daraus kann man dem Team schwerlich einen Vorwurf machen, schließlich arbeiten wie gesagt alle Teammitglieder ehrenamtlich dort und haben auch noch was Anderes zu tun. Fänden sich mehr Ehrenamtliche, die mitziehen, ließen sich die Öffnungszeiten sicherlich ausweiten. 

Vor über zehn Jahren war ich ein paarmal im Café J gewesen und dann ewig lange nicht mehr; aber da meine Liebste und ich von Herbst 2015 bis Frühjahr 2016 einigermaßen regelmäßig in St. Adalbert zur Sonntagsmesse zu gehen pflegten, wussten wir immerhin vom Sehen, dass es das Café immer noch gibt. Anfang Dezember waren wir dann erstmals gemeinsam dort - bereits mit dem Hintergedanken, mal zu sondieren, ob man da mal eigene Veranstaltungen anbieten könnte, also zum Beispiel Lesungen, Vorträge, eventuell auch Filmabende oder was sich sonst noch so entwickelt. Der erste Eindruck war recht ermutigend: Das Team ist grundsätzlich ziemlich aufgeschlossen für solche Anregungen bzw. Initiativen, nicht zuletzt auch, da es im Café J in jüngerer Zeit insgesamt nicht mehr so viele Veranstaltungen gibt wie "früher mal". Zu den regelmäßigen Veranstaltungen zählen Kneipenquiz- und Cocktailabende, Kartenspielturniere und Fußballübertragungen. Alles nett und fein, aber ein paar Veranstaltungen mit explizit christlichem Content wären in einem Lokal in kirchlicher Trägerschaft sicherlich auch nicht direkt fehl am Platz. Sieht das Team grundsätzlich genauso. Man muss halt nur Ideen haben. Und die haben meine Liebste und ich reichlich. 

Folglich haben wir uns mit dem Café-Team auf einen ersten Termin für eine von uns gestaltete Abendveranstaltung geeinigt - und dieser ist am kommenden Freitag, dem 24. März, ab 19 Uhr: 


Das Programm für den Abend ist bereits erprobt: Am 9. Februar habe ich im Kreis junger Erwachsener der Pfarrei St. Antonius in Berlin-Friedrichshain über die diesjährige MEHR-Konferenz berichtet, und nun werde ich mein damaliges Vortragsmanuskript also in teilweise überarbeiteter Form erneut zum Einsatz bringen. Außer um persönliche Eindrücke von der MEHR 2017 wird es auch allgemein um Hintergründe zur Charismatischen Erneuerungsbewegung, zur Gebetshausbewegung etc. gehen, sowie nicht zuletzt darum, was für Impulse man daraus für das eigene Glaubensleben im Alltag und ggf. auch für die Mitarbeit in der eigenen Kirchengemeinde beziehen kann. Bei der Gelegenheit wird es sich anbieten, auch mal ganz allgemein die Initiative "Der Mittwochsklub" vorzustellen und ein paar Erläuterungen dazu loszuwerden, was der Mittwochsklub eigentlich will, plant und beabsichtigt. 

Wenn die Technik uns nicht im Stich lässt, wird's auch einige Video-Schnipsel von der MEHR geben. Und natürlich Lobpreismucke! 

Wir hoffen also auf rege Beteiligung -- und wenn der Abend gut läuft, sind wir optimistisch, mit dem Café-Team noch weitere Termine für zukünftige Veranstaltungen an diesem schönen Ort aushandeln zu können. Mindestens ein weiteres Programm ist bereits so gut wie fertig vorbereitet (und wird demnächst im Kreis junger Erwachsener "uraufgeführt"), ungefähr drei weitere befinden sich in Planung. Und bis wir damit durch sind, ist uns bestimmt noch viel mehr eingefallen...! 



Donnerstag, 16. März 2017

Bioethik in Tegel

Am kommenden Dienstag, dem 21. März, um 19 Uhr findet im Pfarrsaal der Gemeinde Herz Jesu in Berlin-Tegel (Brunowstraße 37) ein Informationsabend zum Thema 

"Betreffen bioethische Fragen auch mich?" 

statt. Als Referent wurde Dr. Walter Ramm, der Vorsitzende der "Aktion Leben e.V.", eingeladen. 

Dr. Ramm zählt mit der von ihm begründeten Aktion Leben zu den Pionieren der Lebensschutzbewegung im deutschsprachigen Raum; bereits seit den 1970er Jahren ist er für den Lebensschutz aktiv. Informiert man sich in der - sagen wir mal vorsichtig - "lebensschutz-kritischen" Medienlandschaft über die Aktion Leben, kann man feststellen, dass die Akteure dieses Vereins vielfach als ausgesprochene Hardliner dargestellt werden - u.a. deshalb, weil sie so genannte "Gehsteigberatungen" vor Abtreibungskliniken durchführen. Okay, da kann man nun natürlich sagen: Was soll man auch von Leuten erwarten, die den Versuch, abtreibungswillige Schwangere noch im letzten Moment umzustimmen, als "Gewaltakt" bewerten, das Vergiften, Ausschaben, Absaugen oder Zerstückeln eines ungeborenen Menschenkindes hingegen nicht? -- Gleichwohl ist mir durchaus bewusst, dass im Lebensschutzbereich auch Leute unterwegs sind, die mit ihrem allzu forschen und aggressiven Auftreten ihrem Anliegen letztlich mehr schaden als nützen. Man darf sich also fragen: Gilt das auch für die Aktion Leben

Nun, in der Tegeler Herz-Jesu-Kirche liegen regelmäßig Flyer der Aktion Leben aus, und die machen ganz dezidiert nicht diesen Eindruck. Im Gegenteil: Einer dieser Flyer stellt explizit die Sorge um und für Frauen, die abgetrieben haben, in den Mittelpunkt. Davon, dass - wie es insbesondere christlichen Lebensschützern nicht selten vorgeworfen bzw. unterstellt wird - Frauen, die abgetrieben haben, "verdammt" würden, kann da keine Rede sein; stattdessen liest man auf dem Flyer u.a.: 
  • Kein Mensch hat das Recht, Sie zu verurteilen. 
  • Wenn Ihr Gewissen Sie verurteilt: Gott kann Sie freisprechen! 
  • Es gibt einen Ausweg aus der Schuld und Heilung für Ihre Seele. 

Hier steht also ganz klar die Überzeugung im Fokus, dass bei einer Abtreibung nicht nur das Kind ein Opfer ist, sondern auch die Mutter. - Bei der Informationsveranstaltung am kommenden Dienstag geht es allerdings nicht allein um das Thema Abtreibung, sondern um bioethische Fragestellung in einem breiteren Sinne - und, wie es in der Veranstaltungsankündigung heißt, um "die modernen Herausforderungen der genetischen Forschung und deren Auswirkungen auf die gesamte Schöpfung". An den Vortrag von Dr. Walter Ramm wird sich ein offenes Gespräch anschließen: "Von A wie Abtreibung über Organspende, Patientenverfügung und Sterbehilfe bis Z wie Zeitgeist wird die Themenvielfalt reichen." 


Didacus Valades: Die große Kette des Seins. In: Rhetorica Christiana (1579). 

Ich selbst werde wegen anderweitiger Termine wohl nicht an der Veranstaltung teilnehmen können (oder allenfalls verspätet dazustoßen). Umso mehr möchte ich diejenigen meiner Leser, die die Möglichkeit dazu haben, einladen, hinzugehen -- und gegebenenfalls unten in den Kommentaren ihre Eindrücke zu schildern! 


Dienstag, 14. März 2017

Wie ich einmal eine Messe rettete

Für die diesjährige Fastenzeit habe ich mir vorgenommen, möglichst oft auch werktags zur Messe zu gehen. Wobei ich gleich einräumen muss, dass dieser Vorsatz nicht ganz wörtlich zu verstehen ist: "Möglich" wäre schließlich Vieles. Präziser müsste es heißen: "An jedem Tag zur Messe gehen, an dem ich das terminlich ohne größere Schwierigkeiten einrichten kann, außer samstags, denn am Samstag haben meine Liebste und ich unseren gemeinsamen Ausschlaf- und Rumgammeltag". Aber mit dieser pragmatischen Einschränkung läuft mein selbst auferlegtes Programm bislang recht gut: Seit dem Aschermittwoch war ich bisher nur an drei Tagen nicht in der Messe. 

Meiner bisherigen Erfahrung zufolge - und damit meine ich nicht nur die Erfahrungen der letzten zwei Wochen - werden Frühmessen an "normalen" Werktagen hauptsächlich von alten Damen besucht; gelegentlich sind auch, in signifikant geringerer Zahl, alte Männer dabei, und manchmal auch noch nicht so alte Frauen, die - so jedenfalls mein Eindruck - zumeist aus Polen, Kroatien oder von den Philippinen stammen. Natürlich variiert die Zusammensetzung des Werktagsmessen-Publikums von Pfarrei zu Pfarrei, aber mit so 5-10 Seniorinnen kann man eigentlich immer rechnen. 

Dachte ich. 

Einen Vorgeschmack darauf, was es für die Messbesuchszahlen bedeuten wird, wenn die treuen und unermüdlichen Kirchgängerinnen sterben, ins Pflegeheim kommen oder so gebrechlich werden, dass sie es nicht mehr zur Kirche schaffen, bekam ich erstmals am letzten Dienstag. Da war ich nämlich zum, soweit ich mich erinnern kann, ersten Mal in einer Werktags-Frühmesse ohne Seniorinnen. 

Wenn keiner kommt, bleib der Altar leer. 

In der Kirche, die ich regelmäßig besuche, gibt es dienstags keine Messe, und so war ich aufs Geratewohl zu einer Kirche gefahren, die ich bislang nur von außen kannte und die zwar nicht in unmittelbarer Nähe meiner Wohnung liegt, aber mit der S-Bahn schnell und leicht zu erreichen ist. Es ist eine sehr große Kirche mit weithin sichtbarem Turm, und als ich sie gut fünf Minuten vor dem angekündigten Beginn der Messe betrat, war sie leer. Aber es war Licht an. Angesichts der Größe der Kirche konnte ich mir schon denken, dass die Werktagsmessen in einer Seitenkapelle stattfinden würden, aber ich konnte zunächst keine solche entdecken. Also dachte ich mir, vielleicht gibt es einen separaten Eingang, und ging einmal außen um das Gebäude herum, aber bis auf das Hauptportal waren alle Türen verschlossen und sogar vergittert. Also versuchte ich es noch einmal von innen und entdeckte tatsächlich eine Seitentür, die offen war und aus der Lichtschein drang. Ich trat näher und hörte eine Stimme, und dann sah ich auch den Eingang zur Werktagskapelle - und den Pfarrer, der mir freundlich winkte, einzutreten. Ein jüngerer Priester, vermutlich der Kaplan der Gemeinde, trug gerade die Lesung vor. Die Bänke für die Gemeinde waren leer. 

In Canon 906 des Codex Iuris Canonici (CIC) heißt es, "[o]hne gerechten und vernünftigen Grund" dürfe ein Priester "das eucharistische Opfer nicht ohne die Teilnahme wenigstens irgendeines Gläubigen feiern"; aber die Priester waren ja zu zweit und hatten die Messe daher pünktlich begonnen, auch ohne Gemeinde. (Merke: Es heißt "Wo zwei oder drei in meinem Namen versammelt sind, da bin ich mitten unter ihnen" - zwei sind also das Minimum.) Ich setzte mich in die Bank, und die Messe nahm ihren Lauf. Pünktlich zur Gabenbereitung kam noch eine junge (!) Frau herein. Die Messe war schön und feierlich und liturgisch tadellos, und nach dem Entlassungssegen richtete der Pfarrer noch ein paar Worte an die kleine Gemeinde. Es sei schön, dass wir gekommen seien, sagte er, und: "Gott war auch dabei, und Er ist in der Dreieinigkeit, also waren wir insgesamt zu siebt." 

Nach dieser Erfahrung ging ich heute wieder in dieselbe Kirche, und da ich den Weg zur Werktagskapelle ja nun schon kannte, war ich pünktlich. Diesmal zelebrierte der Pfarrer allein - und ich repräsentierte allein das "Volk". Dafür durfte ich dann auch die Lesung und den Antwortpsalm vortragen. Insgesamt war es eine bemerkenswert intensive Erfahrung, die Messe allein mit dem Priester (und mit Gott) zu feiern - nicht zuletzt auch, weil das bedeutete, dass ich in den liturgischen Texten allein die Antworten geben musste. Am Ende bedankte sich der Pfarrer bei mir, dass ich gekommen war - denn ohne mich hätte, siehe oben, die Messe nicht stattfinden können. Mit anderen Worten: Wäre ich heute nicht zur Messe gegangen, und zwar genau dort, dann hätte es ein heiliges Messopfer weniger auf der Welt gegeben. 

Die Lehre, die daraus zu ziehen ist, scheint mir deutlich: Es ist nicht egal, ob du zur Messe gehst. Wenn du es nicht tust, tut es vielleicht niemand. Die Kirche braucht dich. Sie braucht jeden von uns



Montag, 13. März 2017

Der Anfang ist gemacht!

Tja, liebe Leser: Basisarbeit macht Arbeit! In letzter Zeit war ich - neben anderen alltäglichen Verpflichtungen, die natürlich auch nicht einfach aufhören - so damit beschäftigt, das Projekt "Mittwochsklub" anzuschieben, dass ich seit geschlagenen zwei Wochen nicht zum Bloggen gekommen bin. Dabei bin ich Euch doch noch den Bericht über die erste Veranstaltung dieser neuen - oder sagen wir: in Gründung befindlichen - Laieninitiative schuldig. Zwar hat Kollegin Claudia schon sehr zeitnah über unser erstes "Dinner mit Gott" berichtet, aber das enthebt mich ja nicht der Verpflichtung, auch selbst noch etwas darüber zu schreiben. 

Also, wie war es denn nun, das erste "Dinner mit Gott"? -- Schön war's! Das fanden, soweit ich es mitbekommen habe, alle Teilnehmer, und dieser Umstand, zusammen mit der Tatsache, dass die reine Zahl an Teilnehmern durchaus erfreulich war, ist allemal Grund genug, dieses Veranstaltungsformat fortzuführen - bis auf Weiteres einmal monatlich, jeweils am ersten Mittwoch des Monats. Der nächste Termin ist somit auf den 5. April angesetzt. 

Das erste "Dinner mit Gott" fand ja, wie schon berichtet, am Aschermittwoch statt, und unmittelbar vor der Veranstaltung war in der Tegeler Herz-Jesu-Kirche Heilige Messe mit Spendung des Aschenkreuzes. Nahezu alle Gäste des "Dinners" nahmen an dieser Messe teil. Ungefähr ein Drittel derer, die dann auch zum Essen blieben, gehörte der örtlichen Pfarrgemeinde an, etwa ein weiteres Drittel kam aus der Pfarrei St. Antonius in Friedrichshain, wo meine Liebste und ich ja seit September im "Kreis junger Erwachsener" aktiv sind. Die übrigen Besucher waren aus ganz verschiedenen Gegenden Berlins angereist. Nichtkatholiken oder überhaupt Nichtchristen waren diesmal noch nicht dabei; das wird sich, mit Blick auf den Anspruch des Projekts, gerade auch die Begegnung von Katholiken und Nichtkatholiken fördern zu wollen, in Zukunft hoffentlich ändern. Immerhin haben einige meiner religiös ungebundenen oder andersgläubigen Freunde und Bekannten bereits Interesse signalisiert, beim nächsten Ma(h)l dabeizusein. 






Das Konzept, nicht nur gemeinsam zu essen, sondern das Essen auch gemeinsam vor- und zuzubereiten, ging übrigens glänzend auf. Die Aufgabenverteilung - Gemüse schnippeln, kochen, Tisch decken - ergab sich nahezu von allein, und alle hatten ihren Spaß dabei. Zubereitet wurde Pasta mit pikanter Gemüsesauce - vegan, wegen des Aschermittwochs. Für Nicht-Veganer gab es allerdings geriebenen Käse zum Drüberstreuen. Etwas zu wenig, wie man gestehen muss: Meine Liebste und ich hatten die Hälfte der vorgesehenen Menge Käse zu Hause vergessen. Insgesamt reichte das Essen aber für alle und schmeckte auch allen, und durch die anschließende Spendensammlung wurden die Kosten ziemlich genau gedeckt. 




Ich gebe zu, ich war im Vorfeld der Veranstaltung ziemlich angespannt. Was natürlich darauf verweist, wie viel ich mir von ihr versprochen habe. Denn, mal realistisch gefragt: Was hätte denn schlimmstenfalls passieren können? Dass keiner kommt, dass das Essen verbrennt oder versalzen wird, dass die Gäste sich entweder streiten oder langweilen? Selbst in einem dieser Fälle hätte man sagen können: Okay, das war doof, nächstes Mal machen wir's besser. Dass vom Gelingen dieser ersten Veranstaltung nicht die gesamte Zukunft des "Mittwochsklubs" abhängen würde, war ja eigentlich schon im Vorhinein klar gewesen - nicht zuletzt auch dank der vorbehaltlosen Unterstützung des Kaplans der Tegeler Pfarrei für unser Projekt. Aber, wie gesagt, meine Erwartungen waren hoch gesteckt und sind es nach der erfolgreichen ersten Veranstaltung nun erst recht. Laienapostolat heißt das große Losungswort, und da gibt es viel zu tun. In Hinblick darauf, was mir diesbezüglich so alles vorschwebt, war das erste "Dinner" zweifellos nur ein Anfang - aber ein guter Anfang. Als ein zukunftsweisendes Instrument in diesem Zusammenhang hat sich die "Gäste- und Mitmachliste" erwiesen, die ich im Anschluss an das Essen herumgegeben habe. Ein zentrales Anliegen des konzeptionellen Ansatzes "Laienapostolat als Graswurzelinitiative" ist es schließlich, die Leute, die zu unseren Veranstaltungen kommen, zu aktivieren - sprich: sie zu motivieren, zukünftige Veranstaltungen mitzugestalten oder auch ganz eigene Veranstaltungen auf die Beine zu stellen. Deshalb umfasst die "Gäste- und Mitmachliste" neben Spalten für die Kontaktdaten auch eine Spalte, in die man eintragen kann, was für Fähigkeiten und Fertigkeiten jeder Einzelne so hat. Und siehe da, schon am ersten Abend kamen so allerlei Kompetenzen zusammen - vom Musizieren und Verfassen von Texten bis hin zum Gestalten und Programmieren von Websites. Da geht Einiges! 

Alsdann: Das nächste "Dinner mit Gott" - das wiederhole ich gern nochmal - steht am 5. April an. Als Hauptgericht plant meine Liebste eine Pilzpfanne mit Spätzle bzw. Knöpfle; Bloggerkollegin Claudia will als Nachtisch einen Obstsalat beisteuern. Nach dem Essen soll es irgendeine Art von geistlichem Impuls geben - wie genau der aussehen wird, darüber verständigen wir uns noch mit dem Kaplan. 

Und parallel dazu bemühen wir uns darum, dem "Mittwochsklub" ein zweites Standbein im "Café J" in der Torstraße 168 in Berlin-Mitte zu sichern - für Veranstaltungen ohne Essen, dafür aber mit umso mehr geistlichem Content. Auch da gibt es schon einen ersten Termin, am 24. März (kein Mittwoch, sondern ein Freitag) - aber dazu folgt in Kürze noch ein eigener Vorbericht... 



Montag, 27. Februar 2017

Gebt ihr ihnen zu essen!

Seit Monaten geistert nun schon die Idee durch diesen Blog, "man müsste" - und das heißt konkret natürlich: wir, nämlich meine Liebste und ich, wollen - mal was in Richtung eines "subversiven Pastoralprojekts" unternehmen: Neuevangelisation als Graswurzelinitiative, zwar verwurzelt im Glauben und den Sakramenten der Katholischen Kirche, aber ohne allzu feste Einbindung in institutionalisierte Strukturen. Also im Sinne von Can. 215 f. des Codex Iuris Canonici (CIC)
215. Den Gläubigen ist es unbenommen, Vereinigungen für Zwecke der Caritas oder der Frömmigkeit oder zur Förderung der christlichen Berufung in der Welt frei zu gründen und zu leiten und Versammlungen abzuhalten, um diese Zwecke gemeinsam zu verfolgen.  
216. Da alle Gläubigen an der Sendung der Kirche teilhaben, haben sie das Recht, auch durch eigene Unternehmungen je nach ihrem Stand und ihrer Stellung eine apostolische Tätigkeit in Gang zu setzen oder zu unterhalten; keine Unternehmung darf sich jedoch ohne Zustimmung der zuständigen kirchlichen Autorität katholisch nennen. 
Erste Ideen dazu, wie so etwas aussehen könnte - unter dem Leitgedanken, in Sachen Selbstorganisation und Vernetzung könne man eine Menge von der in Berlin ausgesprochen gut aufgestellten linken Szene lernen, und folglich sollte man "irgendwas mit Suppe, Punkrock und Fahrradreparatur" (oder so) machen - hatte ich schon vor Jahren mal gehabt, und, wie sich zeigte, meine Liebste ebenfalls. Einen ersten deutlichen Impuls, gemeinsam konkret etwas in diese Richtung zu unternehmen, verspürten wir am Wochenende nach dem letzten Katholikentag beim Besuch der Fiesta Kreutziga. Auf unserem gemeinsamen Jakobsweg verfestigte sich dieses Vorhaben, und dann trug die MEHR-Konferenz das Ihre zu dem Entschluss bei, jetzt aber endlich mal loszulegen. 

Und jetzt legen wir los. 

In den letzten Wochen haben wir an Veranstaltungskonzepten gebastelt, Kontakte geknüpft und potentielle Locations in Augenschein genommen, und nun steht unsere erste Veranstaltung unmittelbar bevor: 

"Dinner mit Gott"! 


Die Grundidee dieses Veranstaltungsformats lautet schlicht und ergreifend: gemeinsam kochen und essen wie auf dem Jakobsweg. Meine Liebste hat den rd. 780 km langen Camino Francés von St. Jean Pied-de-Port nach Santiago de Compostela ja insgesamt schon dreimal zurückgelegt und dabei schon oft in Pilgerherbergen gekocht - zum Teil für rund 30 Personen aus über 20 verschiedenen Nationen. Bei unserem gemeinsamen Jakobsweg im Sommer 2016 war ich bei einigen solchen Kochaktionen dabei und kann sagen: Das Essen war immer hervorragend und die Tischgemeinschaft mit den anderen Pilgern stets ein eindrucksvolles Erlebnis. Besonders, wenn auch die Zubereitung des Essens gemeinsam in Angriff genommen wurde.

Und dass gemeinsames Essen ein hervorragendes Mittel zur Evangelisierung sein kann, lehren ja schon die Evangelien selbst. So heißt es im Bericht über die Berufung des Matthäus: "Und als Jesus in seinem [=Matthäus'] Haus beim Essen war, kamen viele Zöllner und Sünder und aßen mit Ihm und Seinen Jüngern" (Mt 9,10; vgl. Mk 2,15 u. Lk 5,29). Als in Jericho der recht kleingewachsene Zöllner Zachäus auf einen Baum klettert, um Jesus sehen zu können, ruft dieser ihm zu: "Zachäus, komm schnell herunter! Denn ich muss heute in deinen Haus zu Gast sein" - und das heißt offenbar: mit dir essen (Lk 19,5). Auch die Salbung in Betanien, die im Matthäus-, Markus- und Johannesevangelium eine Art Auftakt zur Passion Christi bildet, ereignet sich, als "Jesus in Betanien im Haus Simons des Aussätzigen bei Tisch war" (Mt 26,6f.; Mk 14,3; ähnlich Joh 12,2). Das gemeinsame Essen spielte in der Verkündigung Jesu offenbar eine so große Rolle, dass Er und Seine Jünger bei ihren Gegnern geradezu als "Fresser und Säufer" verschrieen waren (Mt 11,19; Lk 7,34). Die Wundersame "Speisung der 5000" wurde dadurch veranlasst, dass Jesus die Menschen, die Ihm folgten, nicht fortschicken wollte, damit sie sich woanders etwas zu essen besorgen:
"Als es Abend wurde, kamen die Jünger zu Ihm und sagten: Der Ort ist abgelegen und es ist schon spät geworden. Schick doch die Menschen weg, damit sie in die Dörfer gehen und sich etwas zu essen kaufen können. Jesus antwortete: Sie brauchen nicht wegzugehen. Gebt ihr ihnen zu essen!" (Mt 14,15f.; vgl. Mk 6,35ff., Lk 9,12f.
Und als der auferstandene Christus Seinen Jüngern am Ufer des Sees von Tiberias erscheint, lautet Seine erste Frage an sie: "Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen?". Als sie verneinen, bereitet Er ihnen etwas zu essen zu: "Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot." (Joh 21,5 u. 9). 

Unser "Dinner mit Gott" soll künftig an jedem ersten Mittwoch im Monat stattfinden, und zwar im Pfarrhaus der Gemeinde Herz Jesu in Berlin-Tegel (Brunowstr. 37); eingeladen sind alle Interessierten, unabhängig von Konfession, Glauben oder Nichtglauben. Für die Zukunft kann man sich sicherlich überlegen, das gemeinsame Kochen und Essen mit "thematischen Beiträgen" (Vorträge, Lesungen, Filme, Livemusik... whatever) zu verbinden, aber zumindest die erste Veranstaltung soll in dieser Hinsicht ganz offen gestaltet sein - um erst mal miteinander ins Gespräch zu kommen und nach Möglichkeit gemeinsam Ideen zu entwickeln, was man zukünftig noch so alles veranstalten könnte. Community-based heißt das große Zauberwort. 

Im März fällt der erste Mittwoch des Monats nun ausgerechnet auf den Aschermittwoch, und es mag dem Einen oder Anderen ein bisschen sonderbar vorkommen, ausgerechnet an diesem Tag eine Veranstaltung mit Essen anzubieten. Aber schließlich heißt "Fasten- und Abstinenztag" auf Katholisch nicht zwingend "überhaupt nichts essen". Um dem besonderen Charakter dieses Tages gerecht zu werden, wird das Essen vegan sein. Und außerdem bietet sich so die Gelegenheit, unmittelbar vor der Veranstaltung in der Herz-Jesu-Kirche zur Messe zu gehen und sich das Aschenkreuz zu holen. Meine Liebste und ich werden das auf jeden Fall so machen. 

Wir haben fleißig Flyer verteilt - größtenteils in der Nähe des Veranstaltungsortes -, haben die Veranstaltung auf Facebook angekündigt und eine beträchtliche Zahl an Leuten persönlich eingeladen. Und nun sind wir gespannt, wie das erste "Dinner mit Gott" so laufen wird. Ich werde berichten! 


Freitag, 24. Februar 2017

Ein ungenannter Pfarrer reist nach Indien

Die Pfarrei St. Willehad in meinem Heimatstädtchen Nordenham veröffentlicht seit einiger Zeit ihren jeweils aktuellen Pfarrbrief auf ihrer Facebook-Seite. Das macht es auch mir leichter, auf dem laufenden zu bleiben, was an der Heimatfront so los ist. In den Pfarrnachrichten für den Zeitraum vom 18. Februar bis zum 5. März wurde nun eine "Studien- und Begegnungsreise nach Indien" angekündigt: 
"Vom 18. Januar bis zum 02. Februar 2018 wird Pfr. ... (Lindern, früher Pfarrer in Nordenham) mit Interessierten eine Reise nach Indien durchführen." 
Die drei Pünktchen anstelle des Namens habe übrigens nicht ich eingefügt - die stehen so im Pfarrbrief. Jedenfalls in der Online-Version. Das mag sonderbar wirken, aber in einem früheren Pfarrbrief wurden auch schon mal "Frau x, Frau x und Frau x" als Katechetinnen der Gemeinde genannt. Möglicherweise soll das Datenschutz sein. Schließlich, wenn man etwas öffentlich ins Internet stellt, noch dazu bei der Datenkrake Facebook, dann kriegt man das ja nie wieder eingefangen. Zwar könnte auch die gedruckte Version von irgendwelchen Finsterlingen eingescannt oder abfotografiert und ins Netz gestellt werden, und somit wäre es vielleicht sicherer, überhaupt nur noch per "Stille Post" zu kommunizieren, aber hey - wer wäre ich, über die Datenschutz-Gepflogenheiten Anderer zu urteilen. 

Allerdings muss ich gestehen, auf den ersten Blick habe ich "Pfr. ..." eher im Sinne von "Pfarrer He-Who-Must-Not-Be-Named" interpretiert. Gerade in Verbindung mit dem Hinweis "früher Pfarrer in Nordenham". Denn wer sollte das wohl sein? Als erstes fällt einem da wohl der weggemobbte Torsten Jortzick ein, dessen Namen man in Teilen der Gemeinde vielleicht wirklich nicht mehr nennen darf. Aber dass der neuerdings Pfarrer in Lindern ist, wäre mir neu - nach meinem letzten Kenntnisstand ist er Pastor (also so etwas wie Subsidiar oder "mitarbeitender Priester") in der Pfarrei St. Mauritz in Münster. Und irgendwie kann ich mir auch nicht vorstellen, dass er eine Indienreise organisieren würde, bei der den Teilnehmern u.a. eine "Ayurveda Massage" sowie die "Gelegenheit [...], Hindu-Tempel, Moscheen und Gotteshäuser der Sikhs zu besichtigen", geboten wird. Das würde, wie mir scheint, eher zu seinem Vorgänger Bögershausen passen - aber der ist ja im Ruhestand und arbeitet wohl noch gelegentlich in der Pfarrei seines Wohnortes mit, aber auch das ist nicht in Lindern, sondern in Wildeshausen

(Symbolbild, Quelle: hier.) 
Wer also ist "Pfr. ..." nun wirklich? Die Website der Pfarrei St. Katharina von Siena in Lindern gibt Aufschluss: Es handelt sich um Pfarrer Thomas Mappilaparambil, und selbstkritisch muss ich anmerken, dass ich darauf schon früher hätte kommen können, wenn ich den Artikel über die geplante Indienreise genauer gelesen hätte; denn dort ist auch "das Kennenlernen der Heimat und Familie von Pfarrer ..." als Programmpunkt der Reise angegeben. Pfarrer Mappilaparambil stammt aus Kerala in Indien. Allerdings war er streng genommen nie "Pfarrer in Nordenham" - wohl aber von April bis Juli 2014, zwischen der Emeritierung der altgedienten Pfarrer Kordecki und Bögershausen und dem Amtsantritt von Torsten Jortzick, Pfarradministrator von St. Willehad. Geschenkt. Pfarrer Mappilaparambil macht also Heimaturlaub und verbindet das gleich mit einer Indien-Rundreise, auf die er interessierte Pfarrkinder mitnimmt. Das macht er anscheinend öfter: Eine Reise mit exakt identischem Programmangebot ist auf der Website der Pfarrei in Lindern für den 28.09.-13.10.2017 angekündigt. Soweit, so schön. Indien ist gewiss eine Reise wert. Und was weiter? 

Indien ist ein Land mit einer im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung sehr kleinen christlichen Minderheit (unter 3%); in absoluten Zahlen handelt es sich allerdings um immerhin rund 25 Millionen Christen, von denen rund 18 Millionen der Katholischen Kirche angehören - zum Vergleich: In Deutschland hat die Katholische Kirche rund 24 Millionen Mitglieder. Hervorzuheben ist auch, dass die Katholische Kirche Indiens sich durch eine hohe Zahl an Priesterberufungen auszeichnet: Im Jahr 2003 - neuere Zahlen liegen mir nicht vor - gab es in Indien rund 27.000 katholische Priester, mithin durchschnittlich einen Priester für 667 Katholiken. In Deutschland ist diese Quote erheblich schlechter: Hier kommen (laut Stand von 2015) 1.687 Kirchenmitglieder auf einen Priester. Rechnet man nur diejenigen Priester, die im pastoralen Dienst aktiv sind, verschlechtert sich die Quote sogar auf 1 : 2.667. Angesichts solcher Zahlenverhältnisse überrascht es nicht, dass die so reich mit Priestern gesegnete Katholische Kirche Indiens schon seit Jahrzehnten Priester an andere Länder, in denen Priestermangel herrscht, "abgibt" - so auch an Deutschland, wofür Pfarrer Mappilaparambil ja ein Beispiel ist. 

Eine Indienreise, die von einem katholischen Priester geleitet wird und deren Programm ausdrücklich "das Kennenlernen der Heimat und Familie" ebendieses Priesters beinhaltet, dürfte sicherlich geeignet sein, den Teilnehmern einen Eindruck von der kleinen, aber vitalen christlichen Minderheit Indiens zu vermitteln, und das ist ohne Zweifel zu begrüßen. Gleichwohl fällt es auf, dass die Programmbeschreibung der Reise als besondere "Attraktionen" gerade die Gelegenheiten zum Kennenlernen anderer Religionen hervorhebt - und somit wohl auch vor allem solche Gemeindemitglieder ansprechen dürfte, die sich mehr für fremde Religionen interessieren als für die eigene.

Keine Frage: Ein gewisses Maß an Kenntnissen über fremde Religionen, und auch ein gewisses Maß an Wertschätzung für diese, ist prinzipiell eine gute Sache und kann für ein friedliches Zusammenleben in unserer globalisierten und pluralistischen Welt von großem Wert sein. Das haben bereits die Väter des II. Vatikanischen Konzils so gesehen: In der Konzilserklärung Nostra Aetate (Über das Verhältnis der Kirche zu den nichtchristlichen Religionen) heißt es u.a.:
"Die Menschen erwarten von den verschiedenen Religionen Antwort auf die ungelösten Rätsel des menschlichen Daseins, die heute wie von je die Herzen der Menschen im tiefsten bewegen: Was ist der Mensch? Was ist Sinn und Ziel unseres Lebens? Was ist das Gute, was die Sünde? Woher kommt das Leid, und welchen Sinn hat es? Was ist der Weg zum wahren Glück? Was ist der Tod, das Gericht und die Vergeltung nach dem Tode? Und schließlich: Was ist jenes letzte und unsagbare Geheimnis unserer Existenz, aus dem wir kommen und wohin wir gehen? [...]
Die katholische Kirche lehnt nichts von alledem ab, was in diesen Religionen wahr und heilig ist. Mit aufrichtigem Ernst betrachtet sie jene Handlungs- und Lebensweisen, jene Vorschriften und Lehren, die zwar in manchem von dem abweichen, was sie selber für wahr hält und lehrt, doch nicht selten einen Strahl jener Wahrheit erkennen lassen, die alle Menschen erleuchtet."
Gleichzeitig betont Nostra Aetate jedoch auch:
"Unablässig aber verkündet [die Kirche] und muss sie verkündigen Christus, der ist 'der Weg, die Wahrheit und das Leben' (Joh 14,6), in dem die Menschen die Fülle des religiösen Lebens finden, in dem Gott alles mit sich versöhnt hat (4)."
Nun, seien wir mal optimistisch, dass Pfarrer Mappilaparambil die Leitung seiner Indienreise so gestalten wird, dass sie diesen Anforderungen gerecht wird. Am Freitag, dem 24. Februar - also heute - um 19 Uhr findet im Pfarrheim von St. Willehad ein Informationsabend zu der geplanten Reise statt. Man darf gespannt sein.