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Dienstag, 22. Oktober 2019

Suchen & Fragen Vol. IV (Gedanken beim Aufwachen)

Idee für einen Kurs für "kreatives Schreiben"

Die Kursteilnehmer bekommen den Auftrag, auf der Website von Amazon einen beliebigen Haushalts-, Hygiene- oder Freizeitartikel (kein Buch, kein Film, kein Tonträger) aufzurufen. Und dann müssen sie eine Kurzgeschichte schreiben, in der die ersten vier Gegenstände aus der Rubrik "Kunden, die diesen Artikel angesehen haben, haben auch angesehen" vorkommen müssen. 

Hier ein Beispiel: 


Wer es mal ausprobieren möchte, darf mir sein Ergebnis gern zusenden... 

***

Übrigens muss ich zu meinem Beitrag über die brutopische Gewürzgurkenbrause dringend ein Update loswerden; nämlich dies hier: 




Irgendwie wundert es mich überhaupt nicht, dass die sowas mag. Eine gewisse Gurken-Affinität war ihr ja auch schon früher anzumerken...



Mittwoch, 9. Oktober 2019

Suchen & Fragen Vol. III (Gedanken beim Aufwachen)

Was sind das eigentlich für Leute, die auf die Idee kommen, Saure-Gurken-Limonade auf den Markt zu bringen? Und wer kauft sowas? Okay, die zweite Frage ist relativ leicht zu beantworten: Ich. Als ich im Supermarktregal die Geschmacksrichtung "Limette-Gurke" der Bio-Marke eines bekannten internationalen Limonadekonzerns entdeckte, konnte ich nicht daran vorbeigehen. Das ist so eine Macke von mir. Wenn ich ein Produkt sehe, von dem ich auf den ersten Blick denke "Uääh, wie abwegig, wer macht denn sowas?", ist mein unmittelbar darauf folgender Impuls: "Muss ich mal probieren". Ich erinnere mich noch gut an "Glibber, den Wackel-Drink": Wackelpudding mit Brausepulver drin. War kein großer Erfolg. Gelatine und Brausepulver funktionieren nicht zusammen. Hätte man eigentlich vorher wissen können.

Im Fall der Gurkenlimo kann ich allerdings zu meiner Verteidigung vorbringen, dass ich sie mir erheblich anders vorgestellt hatte. Ich hätte gedacht, die würde wie eine halbwegs normale Limo schmecken, nur halt mit einer wellnessmäßigen leicht-erfrischenden Gurkennote. Gibt ja auch Leute, die trinken ihren Gin Tonic mit Gurke statt Zitrone. Wohlgemerkt: Salatgurke, nicht Gewürzgurke. Aber die besagte Brause schmeckt allen Ernstes so, als hätte jemand die Lake aus einem Glas Spreewaldgurken genommen und daraus eine Schorle gemacht.

Symbolbild, Quelle: Pexels 
Irgendwie fühlte ich mich an eine Geschichte aus einem alten Lustigen Taschenbuch erinnert, das theoretisch noch irgendwo in der Wohnung sein müsste. Darin geht es um ein diktatorisch regiertes, an Carl Barks' Brutopia erinnerndes Land, dessen einziger nennenswerter Exportartikel Pfeffergurkenmarmelade ist. Man könnte sich eine Fortsetzung vorstellen, in der der bekannte internationale Brausekonzern einen Putsch in Brutopia finanziert und anschließend den Weltmarkt mit Pfeffergurkenlimo überschwemmt. Wie ich neulich schon mal feststellte: Der Kapitalismus ist besser dazu in der Lage, die Visionen des Sozialismus zu verwirklichen, als dieser selbst.


Freitag, 20. September 2019

Suchen & Fragen Vol. II (Gedanken beim Aufwachen)

Bei der Lektüre von Manhattan Transfer hat mich - Achtung Spoiler! - Bud Korpennings plötzlicher Tod (nach nicht einmal einem Drittel der Roman-Gesamtlänge) auf sonderbare Weise erschreckt; so sehr, dass ich die Passage dreimal lesen und dann noch Sekundärliteratur aus dem Internet zu Rate ziehen musste, um sicher zu sein, dass er wirklich tot ist. Ich hatte gedacht, seine Geschichte hätte noch gar nicht richtig angefangen, und nun ist sie plötzlich vorbei. Frage mich nun, ob sein gescheiterter Versuch, in New York Fuß zu fassen, gewissermaßen eine Metapher für die ebenfalls zum Scheitern verurteilten Bemühungen des Lesers ist, sich in diesem Roman zurechtzufinden. Man denkt, man hat die Brücke gefunden, die ins Zentrum des Romans führt, und dann kippt man übers Geländer und zerschellt im Gewirr aus Wörtern, Buchstaben und Satzzeichen. 

Symbolbild, Quelle: Pexels 
Im Übrigen habe ich den Verdacht, dass in diesem Roman das Wort "Brunch" erfunden wurde oder zumindest durch diesen Roman allgemeine Verbreitung gefunden hat. In der etwas angestaubten deutschen Übersetzung von Paul Baudisch wird es mit "Frittag" wiedergegeben: "Was ist denn Frittag?", fragt Ruth Prynne, und Jimmy Herf antwortet: "Du ißt Frühstück und ich esse Mittag" (S. 113). 

Erheblich später unterhält sich Jimmy Herf mit einem Journalistenkollegen, der über einen mutmaßlichen Doppelmord an einem stadtbekannten langbärtigen Sonderling und dessen Tochter berichten will, aber fürchtet, dass der Krieg in Europa (=der I. Weltkrieg) das Interesse von diesem Fall ablenken wird. Daraufhin schlägt Jimmy vor:
"Du könntest dir was zusammenschwindeln, zum Beispiel, daß er ein verlorengegangener österreichischer Thronerbe war und aus politischen Gründen ermordet worden ist." (S. 185) 
Woran erinnert uns das? Also, mich jedenfalls an die "backstory" der "Drei ???"-Episode "Die flammende Spur" von M.V. Carey. Der Originalfassung wohlgemerkt, denn in der deutschen Fassung wurde die Hintergrundgeschichte dieses Falles nahezu zur Unkenntlichkeit umgemodelt. Überhaupt waren die Verantwortlichen für die deutsche "Drei ???"-Reihe auffallend überempfindlich gegenüber politischen Stoffen. Das wäre eigentlich mal eine eingehendere Analyse wert. 


Dienstag, 17. September 2019

Suchen & Fragen Vol. I (Gedanken beim Aufwachen)

Wie kommt es eigentlich, dass Angelika Express nie so groß geworden ist wie Kraftklub? Waren sie einfach zu früh? Oder liegt es daran, dass Kraftklub um das entscheidende Quentchen weniger sophisticated ist und darum auch beim Pöbel ankommt? 


(Überhaupt sollte man vielleicht erwägen, statt "breite Öffentlichkeit", "Mitte der Gesellschaft" oder dergleichen lieber wieder öfter "Pöbel" zu sagen. Wenn sich jemand darüber beschwert, kann man darauf hinweisen, dass das vom lateinischen "populus" kommt und daher nicht beleidigend sei.) 

Und was hat es eigentlich mit dem Text von "Teenage Fanclub Girl" auf sich? Ich meine, okay: Dass die in dem Song beschriebene Frau auf die Frage "nach der besten Gruppe aller Zeiten auf der ganzen Welt" die lahme Antwort gibt, "dass ihr Teenage Fanclub gut gefällt", soll zweifellos ihren trantütigen Charakter auf den Punkt bringen, aber ist das der Gruppe Teenage Fanclub gegenüber als "Diss" gemeint oder vielleicht eher als anerkennender bzw. respektvoller "Hat Tip" wie in "Let's Dance to Joy Division" von den Wombats oder "Sumisu" von Farin Urlaub? -- Nachdem ich auf YouTube mal kurz in ein paar Songs von Teenage Fanclub reingehört habe, glaube ich, es ist wohl doch eher als Diss gemeint. 

Übrigens habe ich geträumt, die SPD hätte die Wahl gewonnen - irgendeine Wahl, keine Ahnung welche, vielleicht die Urwahl um ihren eigenen Vorsitz[*] - und wollte jetzt Krebs verbieten; und ich saß mit drei Schweizer Pastoren in einer Hotellobby (war Rod Dreher auch dabei? Ich bin nicht sicher) und diskutierte darüber, was man davon nun halten solle und was für Konsequenzen das haben werde. 


[* Wär ja auch komisch, wenn die CDU die Urwahl um den SPD-Vorsitz gewinnen würde. Wobei, zuzutrauen wär's ihr...]