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Donnerstag, 4. Juni 2026

Zehn Jahre Punkpastoral!

Wie die Zeit vergeht, Leser: Es ist tatsächlich schon zehn Jahre her, dass meine Liebste und ich, kurz nachdem wir gemeinsam einen Tagesausflug nach Leipzig zum 100. Deutschen Katholikentag unternommen hatten, im Zuge eines "Straßenfest-Crawls" bei der in der Punk- und Hausbesetzer-Szene verwurzelten "Fiesta Kreutziga" landeten und dort nach dem Motto "Wer, wenn nicht wir?" die Idee zu einer eigenen Laienapostolats-Initiative entwickelten, die darauf ausgerichtet sein sollte, die dahinsiechenden post-volkskirchlichen Strukturen, wie es in einem populären Kirchenlied heißt, "aus dem Schlaf der Sicherheit" aufzurütteln. Die Idee, für ein solches Ansinnen könne man Manches von der Punk-Bewegung lernen, hat zwar von Anfang an immer wieder zu Missverständnissen und Abwehrreaktionen geführt, die ich wohl auch mittels meines zweiteiligen Dossiers "Warum eigentlich 'Punkpastoral'?" (das ich Gleichwohl allen interessierten Lesern sehr ans Herz legen möchte) nicht endgültig habe besiegen können; umso mehr hat es mich aber gefreut, unlängst feststellen zu dürfen, dass es in anderen Winkeln der katholischen Welt durchaus ähnliche Denkansätze gibt. Man stelle sich mal vor, wie mir zumute war, als ich dieses Visual auf Instagram sah: 

Quelle hier

Was ich da sah, entpuppte sich als erster Teil einer Artikelserie, die die Punk-Bewegung der 70er Jahre als ein Aufbegehren gegen die Dominanz einer auf Hochglanz polierten Harmlosigkeit in der Popkultur betrachtet und argumentiert, eine solche auf Hochglanz polierte Harmlosigkeit präge heute auch das Erscheibungsbild der Kirche in der Öffentlichkeit – weshalb auch die Kirche einen Aufbruch hin zu mehr Authentizität, Leidenschaft, Nonkonformismus und Mut zum Risiko nötig habe. Entzückt war ich, festzustellen, dass der zweite Teil der Artikelserie auf Instagram mit einem Foto von Dorothy Day geschmückt ist: 

Quelle hier

Den kompletten Inhalt der Artikelserie gibt's auch als 30minütigen mündlichen Vortrag auf YouTube, und auch da steht das Foto von Dorothy Day auf dem Schreibtisch. 

Wollte ich nun dem jungen Mann gegenüber, der sich da auf Instagram und YouTube über Punk Catholicism verbreitet, Priorität beanspruchen, indem ich sage "Na hör mal, ich mach' schon seit zehn Jahren Punkpastoral", müsste ich mich wohl auf die Frage gefasst machen "Und was hat's gebracht?". Man könnte natürlich von vornherein bestreiten, dass das eine sinnvolle Frage ist. Die Hl. Mutter Teresa von Kalkutta sagte bekanntlich einmal: "Gott hat uns nicht dazu berufen, erfolgreich zu sein, sondern treu." Der Hl. Charles de Foucauld versuchte in der Sahara eine Ordensgemeinschaft zu gründen, fand aber niemanden, der sich ihm hätte anschließen wollen, und konnte auch als Missionar keine zählbaren Bekehrungserfolge vorweisen, aber über 100 Jahre nach seinem Tod existieren zahlreiche geistliche Gemeinschaften, die sich auf ihn als ihre spirituelle Leitfigur berufen. Nicht dass ich mich mit solchen Vorbildern messen wollte, aber es liegt schließlich in der Natur von Graswurzelarbeit, dass ihre Ergebnisse, aus der Distanz betrachtet, in der Regel eher klein und unauffällig sind. Ich verweise ja immer wieder gern auf den Babywickeltisch in der Besuchertoilette von Herz Jesu Tegel und das Büchertauschregal im Vorraum dieser Toilette: bleibende Zeugnisse unseres Engagements in der dortigen Gemeinde, und ich sage in vollem Ernst, wer weiß, wie vielen Menschen diese Einrichtungen im Laufe der Jahre gute und wichtige Dienste geleistet haben. Drei Jahre lang, von Frühjahr 2017 bis kurz vor dem ersten Corona-Lockdown, haben wir fast jeden Monat im Gemeindehaus von Herz Jesu Tegel ein "Dinner mit Gott" veranstaltet. Ein häufiger Teilnehmer dieser Veranstaltungsreihe wird nächste Woche zum Diakon geweiht. Ob unser "Dinner" irgendeinen Einfluss auf seinen Berufungsweg gehabt hat – wer weiß? Bei unseren wöchentlichen Lobpreisandachten in Herz Jesu Tegel kam es immer wieder vor, dass Leute, die nichtsahnend hereingeschneit waren, tief bewegt wurden. Und wenn ich mir meine Tätigkeit im Bereich Kinderkatechese in St. Joseph Siemensstadt ansehe, dann würde ich schätzen, die Zahl der Kinder, an deren religiöser Bildung ich mitwirken durfte, nähert sich nach knapp drei Jahren so allmählich dem dreistelligen Bereich. – Noch sehr viel mehr Menschen erreiche ich natürlich mit meinem Blog; wozu mir immer wieder die Begegnung mit einem Pastoralreferenten aus dem Bistum Münster beim Forum Altötting einfällt, der zu mir sagte "Sie werden mehr gelesen, als Sie denken." Und da kommt nun derjenige Aspekt ins Spiel, dem ich unter der Rubrik "Prinzipien der Punkpastoral oder Was würde ein Punk tun?" im zweiten Teil meines Punkpastoral-Dossiers das Motto "Wachstum durch Anregung oder Vom Apfel zum Baum" gegeben habe: Wie ich dort betonte, geht es mir, wenn ich "in meinen Wochenbriefings meine alltäglichen Bemühungen dokumentiere, in der Pfarrei, der Familie und anderswo eine christliche Graswurzelrevolution voranzutreiben",  

"nicht darum, zu sagen 'Schaut her, was ich alles mache', sondern zu sagen 'Du kannst das auch; oder wenn nicht genau das, dann etwas anderes'." 

Wenn indes die Arbeit, die ich in den letzten zehn Jahren im Sinne meines Konzepts von "Punkpastoral" betrieben habe, in Hinblick auf das Prinzip "Wachstum durch Anregung" ein Ergebnis gebracht hat, das man sozusagen vom Mond aus sehen kann, dann ist es die Tatsache, dass ich die "Benedikt-Option" nach Deutschland gebracht habe. Damit meine ich – das sei für die Nachwelt festgehalten –, dass ich nicht nur die offizielle deutsche Übersetzung von Rod Drehers so betiteltem Buch besorgt habe, sondern dass es sehr wesentlich auf meine Initiative zurückgeht, dass dieses Buch überhaupt auf Deutsch erschienen ist. Rod selbst würde das jederzeit bestätigen. Vom amtskirchlichen Establishment in Deutschland und der diesem verpflichteten Presse wurde das Buch zwar weitgehend ignoriert bzw. totgeschwiegen, hat sich aber trotzdem ziemlich gut verkauft – präzise Zahlen habe ich gerade nicht parat, aber über 5.000 Exemplare sind es inzwischen bestimmt, wozu zu sagen ist, dass der durchschnittliche Absatz auf dem deutschen Buchmarkt zwischen 2.000 und 3.000 Exemplaren pro Titel liegt. Und wie ein russisch-orthodoxer Priester aus Krefeld mal sehr treffend sagte: Jedes verkaufte Buch ist ein potentieller Kleingarten. In welchem Ausmaß und in welcher Form die #BenOp in den zurückliegenden Jahren ihre Leser dazu angeregt und motiviert haben mag, eigene Graswurzelinitiativen zu starten, werden wir vermutlich nie ganz genau erfahren, aber ich nenn' mal ein prominentes Beispiel: Maria 1.0. Ja, tatsächlich: Die ursprüngliche Initiatorin dieser Bewegung habe ich einmal bei der MEHR und einmal beim Forum Altötting getroffen, und bei einer dieser Begegnungen erzählte sie mir, ohne die #BenOp hätte sie sich nie (zu)getraut, eine solche Initiative ins Leben zu rufen, bzw. wäre gar nicht auf die Idee gekommen, dass sie das könnte

– Wenn nun jemand wissen möchte, was für mich persönlich die Highlights der zurückliegenden zehn Jahre waren, dann muss ich an erster Stelle natürlich die Heirat mit meiner Liebsten und die Geburt unserer beiden Kinder nennen, und auf die denkbare Nachfrage hin, wie es nun aber speziell mit spirituellen Highlights aussehe, möchte ich betonen, dass die genannten Ereignisse selbstverständlich auch und nicht zuletzt eine spirituelle Dimension hatten und weiterhin haben, letzteres insofern, als sie selbstverständlich bis heute und auch für die Zukunft sämtliche Aspekte meines Lebens, den spirituellen nicht zuletzt, entscheidend prägen. Sprechen wir aber trotzdem mal über diejenigen Ereignisse und Erlebnisse der letzten zehn Jahre, an die man beim Stichwort "spirituelle Highlights" wohl vorrangig denken würde. Da wären zu nennen: 

Die Liste erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit; aber wenn man sich hier mal die Jahreszahlen anschaut, dann ist es schon recht auffällig, was für eine Lücke die Corona-Zeit gerissen hat. Immerhin geht die Tendenz in jüngster Zeit wieder bergauf – und angesichts der allüberall zu beobachtenden "Quiet Revival"-Tendenzen ist mir diesbezüglich auch für die Zukunft nicht bange. Schon für diesen Sommer ist mit allerlei spannenden Entwicklungen zu rechnen, danach beginnt für meine Tochter die Erstkommunionvorbereitung und für mich aller Voraussicht nach die Ausbildung zum Gemeindereferenten – die ihrerseits wiederum allerlei neue Perspektiven eröffnen dürfte, auf mittlere Sicht womöglich sogar für das Projekt "Pfarrhausfamilie". Wie immer gilt, dass meine Familie und ich ausgesprochen dankbar für Unterstützung im Gebet sind; wer uns darüber hinaus auch materiell unterstützen möchte, dem sei ein Abonnement unserer Patreon-Seite "Mittwochsklub" empfohlen – ab 5 € im Monat! 

Hasta la victoria siempre!