Ich habe eine intensive Woche hinter mir, Freunde: Praktisch jeden Tag stand etwas an, was mir das Gefühl vermittelte, "im Auftrag des Herrn unterwegs" zu sein, und ich fühlte mich unglaublich motiviert. In den letzten Wochen war in meinen Wochenbriefings, wie aufmerksamen Lesern aufgefallen sein dürfte, immer wieder von Anzeichen dafür die Rede, dass eine in anderen Teilen der westlichen Welt, etwa in Frankreich und Großbritannien, schon etwas länger zu beobachtende religiöse Erweckungsbewegung, oder sagen wir "Aufbruchstimmung", allmählich auch in Deutschland und auch ganz konkret in Berlin ankommt. Möglicherweise könnte man sogar behaupten, dieses Thema sei das wesentlich Neue, das die Reihe Utopie und Alltag von meinen früheren Wochenbriefing-Reihen abhebt. Aber wie dem auch sei: Im Berichtszeitraum der vorliegenden Utopie und Alltag-Folge hatte ich ganz entschieden den Eindruck, dass sich in meiner unmittelbaren Umgebung die besagten Anzeichen für einen geistlichen Aufbruch verdichten. In einer spirituell derart aufgeladenen Atmosphäre entdeckt man plötzlich überall Zeichen – zum Beispiel darin, dass der Baum vor unserem Küchenfenster blüht. Ich nehme mal an, das tut er jedes Jahr um diese Zeit; es ist mir nur noch nie aufgefallen.
Damit aber jetzt auch genug der Vorrede – zu berichten gibt's mehr als genug!
Weißer Sonntag: Ein prophetisches Wort
Die Messe am 2. Sonntag der Osterzeit feierten wir, wie schon angekündigt bzw. vorhergesehen, in St. Joseph Siemensstadt mit; der örtliche Pfarrvikar zelebrierte, und in seinen Begrüßungsworten hob er hervor, die Bezeichnung "Weißer Sonntag" für dieses Datum im Kirchenjahr rühre daher, dass in der frühen Kirche die Neugetauften bis zu diesem Tag ihr weißes Taufgewand getragen hätten. "Es wäre schön, wenn wir das im nächsten Jahr machen", regte er an – und fügte hinzu, in dieser Messe seien "so viele Neugetaufte da", dass man fast schon meinen könnte, es wären mehr "als der Rest der Versammlung. Fast, nicht so ganz. Das ist ein prophetisches Wort." Als er später die Neugetauften der Pfarrei in den Interzessionen des Hochgebets namentlich nannte, schien die Aufzählung schier kein Ende zu nehmen, ihm fielen immer noch ein paar Namen ein, die er vergessen hatte – am Ende waren es neun. – Ich weiß, ich habe es in den vergangenen Wochen schon mehrmals angemerkt, muss es aber noch einmal betonen: Die Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland gehört ganz entschieden zu jenen Orten, an denen man einen kleinen Teil jenes "Quiet Revival", von dem die medialen Sprachrohre des amtskirchlichen Establishments – allen voran häretisch.de – beharrlich in Zweifel zu ziehen versuchen, dass es das tatsächlich gibt, live miterleben kann, und ich finde das ausgesprochen spannend.
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| St. Joseph Siemensstadt in österlichem Schmuck. |
Aber noch einmal zurück zur Messe: Auch die Predigt hatte es wieder einmal in sich. Im Evangelium vom 2. Sonntag der Osterzeit hat der ungläubige Thomas seinen großen Auftritt, und wenn man sich so umschaut und umhört, kann man den Eindruck haben, dass viele Prediger sich darauf eingeschossen haben, an diesem Sonntag eine Art Lob des Zweifels zu verkünden, oder zumindest so etwas wie eine Rechtfertigung des Zweifels. Ich möchte mal unterstellen, sehr viel seltener wird an diesem Datum im Kirchenjahr über die biblische Grundlegung des Beichtsakraments gepredigt, obwohl die Perikope das auch hergibt ("Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert"). In der rund zwölf Minuten langen Predigt "unseres" Pfarrvikars klangen tatsächlich beide Aspekte an, aber der eigentliche Schwerpunkt dieser Predigt lag dann doch noch woanders. Was man leicht übersehen kann, wenn man sich allzu sehr auf die Gestalt des ungläubigen Thomas konzentriert, ist nämlich die Signifikanz des Umstands, dass Jesus eben gerade nicht diesem allein erscheint, sondern den versammelten Jüngern. Es handle sich, so betonte der Pfarrvikar, um "eine Erfahrung der gesamten Kirche, nicht nur eine Erfahrung von Einzelnen". Von dieser Feststellung ausgehend stellte er einen Bezug zwischen der im Evangelium geschilderten Erscheinung des Auferstandenen und der Liturgie der Heiligen Messe her:
"Der normale Ort, wo Christus erscheint, ist die Gemeinschaft der Glaubenden. Wie macht Er das? Erstens durch das Wort. Im Wort Christi, das heißt im Wort der Lesungen, hörst du die Stimme Gottes. [...] Und das zweite ist, Seine Wunden zu berühren. Das ist das Sakrament. Dieses Brot wird gebrochen. Das zeigt uns, dass Christus Sein Leben hingegeben hat für uns, sich verwunden ließ, dass Er gestorben ist für uns. Warum hat Er das getan? Nicht um uns anzuklagen, sondern um uns zu sagen: Du bist mir so wichtig, dass ich dir mein Leben schenke."
Auf der anderen Straßenseite
Am vergangenen Montag gingen nicht nur nach zwei Wochen Osterferien Arbeit, Schule und KiTa wieder los, sondern am Abend fand außerdem das erste Treffen des Alpha-Kurses in der EFG The Rock Christuskirche in Haselhorst statt. Gleichzeitig fiel bei uns familienintern der reguläre "Omatag" aus, weil es am vorangegangenen Freitag einen "außerplanmäßigen Omatag" gegeben hatte. Mein indirekter Beitrag zum Alpha-Kurs bestand demnach darin, die Betreuung der Kinder – abzüglich der Zeit, die sie in der Schule resp. in der KiTa verbrachten – allein zu stemmen; dafür erwies es sich als hilfreich, dass das Tochterkind sich entschloss, außer der Reihe zum Kampfsporttraining zu gehen, und der Jüngste, in dessen Altersstufe montags kein Training stattfindet, einverstanden war, zum Zugucken mitzukommen. Insgesamt kriegten wir den Tag ganz gut rum.
Der Alpha-Kurs-Abend sollte laut Ankündigung ungefähr bis 21 Uhr dauern; zu Hause war meine Liebste gegen dreiviertel Zehn. Wie sie verriet, war die erste Alpha-Kurs-Veranstaltung ausgesprochen gut besucht gewesen: Es waren rund doppelt so viele Leute gekommen, wie die Veranstalter erwartet hatten. Weiterhin merkte sie an, sie sei überrascht gewesen, wie sehr es schon gleich beim ersten Abend des Alpha-Kurses "ans Eingemachte" gegangen sei: Thema dieses Abends sei die Frage gewesen, ob es grundsätzlich sinnvoll sei, an einen Gott zu glauben, und meine Liebste meinte, die Art und Weise, wie dieses Thema angegangen worden sei, sei für Leute, die sich möglicherweise zum ersten Mal in ihrem Leben ernsthaft mit dieser Frage auseinandersetzten, doch recht herausfordernd gewesen. Das überraschte mich eher, denn ich hatte bisher immer gedacht, der Alpha-Kurs sei als niederschwelliges Angebot (aber im guten Sinne) angelegt. Da mag man sich jetzt fragen, ob es an den Leuten von der The Rock-Gemeinde liegt, dass sie "niederschwellig nicht können", oder ob das Konzept tatsächlich anspruchsvoller ist als ich es mir vorgestellt habe. Na, ich würde mal schätzen, dass die kommenden Wochen diesbezüglich noch weitere Erkenntnisse bringen werden.
Nichts ist unmöglich – mit KiNC
Aus der Predigt vom Sonntag möchte ich übrigens noch ein paar Sätze nachtragen, die mich aus einem besonderen Grund stark angesprochen haben: "Gott ist da und mit Ihm ist das Unmögliche möglich. Gruß des Engels an die Jungfrau Maria: Für Gott ist nichts unmöglich, und mit Gott zusammen ist nichts unmöglich." Ich empfand diese Sätze als eine sehr gute Einstimmung darauf, dass ich am Dienstagabend mit meiner Familie zu einer Veranstaltung in der Gemeinde auf dem Weg wollte, die unter dem Motto "Unmöglich ist keine Option" stand. Dabei muss ich allerdings gestehen, dass ich mir im Vorfeld gar keine großen Gedanken darüber gemacht hatte, was für eine Art von Veranstaltung das überhaupt sein sollte. Da angekündigt worden war, dass Ben Fitzgerald dabei wäre, den ich von der MEHR 2017 kannte, hatte ich mir im Wesentlichen einen Vortrag darunter vorgestellt und fand, auch der Titel lege das nahe. Dann hörte ich aber von meiner Liebsten, im Team-Chat des Alphakurses habe jemand angeboten, zwei "Konzertkarten" zu verschenken, und zwar just für dieses Event in der Gemeinde auf dem Weg am Dienstagabend. Das warf bei mir natürlich erst mal Fragen auf: Wieso Konzert, und wieso Karten verschenken? Kostet das etwa Eintritt? – Also zunächst einmal: Nein, Eintritt kostete die Veranstaltung nicht; man konnte (und sollte) zwar bei einem handelsüblichen Online-Ticketservice Eintrittskarten buchen, aber diese waren kostenlos. Was derweil den Charakter der Veranstaltung betraf, wurde diese auf der Veranstalter-Website als "Worshipnight" bezeichnet; dennoch spekulierte ich weiterhin darauf, dass Ben Fitzgerald oder sonst jemand mir im Rahmen dieses Events meine Rückenschmerzen wegbeten würde – aber dazu später. Für den musikalischen Teil des Programms sollte jedenfalls Timo Langner zuständig sein – ein Name, der mir zunächst gar nichts sagte, aber im Laufe des Dienstags machte ich mich kundig. Dabei stieß ich u.a. auf einen erst neulich, nämlich am 8. April, veröffentlichten Blogartikel über "Christliche Bands" – erschienen auf einem Blog namens "Dokumentieren gegen Rechts", der sich laut Selbstbeschreibung das Aufzeigen von "Strukturen und Vernetzungen von Abtreibungsgegner*innen, antifeministischen Gruppierungen, christlichen Fundis, Evangelikalen" usw. auf die Fahnen geschrieben hat. Meiner Wahrnehmung zufolge gehört "Dokumentieren gegen Rechts" zusammen mit "Fundi-Watch" zu denjenigen Ressourcen im Netz, die ein verschwörungstheoretisch verflachtes Verständnis des von Maria Hinsenkamp beschriebenen und benannten Phänomens KiNC ("Kingdom-minded Networking Christianity") vertreten, und davon ist auch der Artikel über "Christliche Bands" geprägt. Im Mittelpunkt des Interesses steht nicht die Musik als solche, sondern ihre Funktion im Rahmen der religiösen und evangelistischen Praxis charismatischer Gruppierungen: "[D]iese Bands/Künstler*innen haben einen großen Einfluss auf ein Festival/einen Gottesdienst als Event. Erweckung, die zelebriert wird, die emotionale Ergriffenheitszustände erzeugt, die eine gewöhnliche Predigt nicht erreichen kann." Als Beispiele erwähnt werden etwa die Gruppen O'Bros, Outbreakband und Koenige & Priester – und schließlich eben auch
"Timo Langner, der seit 2008 die Lobpreisbewegung DMMK leitet und als Musiklehrer in seiner Gemeinde G5 arbeitet. G5 ist mittlerweile mit dem Verein 'Awakening Europe' verschmolzen. [...] In diesem Jahr wird der Künstler bei folgenden Gemeinden auftreten: LIGHTHOUSE Essen, Christengemeinde Freiburg, Forum Hoffnung EFG Dresden, Gemeinde auf dem Weg Berlin, Neues Leben Augsburg, Awakening Church Nürnberg".
Okay, gut zu wissen, dass die Veranstaltung, zu der ich mit meiner Familie zu gehen beabsichtigte, quasi unter Feindbeobachtung stand. – Aber mal im Ernst: Der zitierte Blogartikel ist in gewisser Hinsicht durchaus informativ, wenn man sich mal das unfreiwillig komisch anmutende Geraune darüber wegdenkt, wie schlimm und gefährlich das alles sei. Auf Bluesky, dem offiziellen Sozialen Netzwerk einer vermeintlich besseren Welt, wurde der Artikel bereits am 6. April häppchenweise vorveröffentlicht und erntete dort betroffene bis entsetzte Reaktionen, die sich mir absolut nicht erschließen. In meinen Augen hat die Art und Weise, wie das (zu Recht oder zu Unrecht so bezeichnete) "fundamentalistische" Christentum zum Feindbild im Kontext der allgemeinen "Gegen Rechts"-Hysterie gestempelt wird, etwas ausgesprochen Zirkelschlüssiges an sich: Findet man die Leute schlimm, weil sie schlimme Positionen vertreten, oder findet man die Positionen schlimm, weil sie von schlimmen Leuten vertreten werden? Ein echtes Chicken-Egg-Dilemma.
Nun aber mal konkret zum Dienstagabend: Direkt nach dem Kampfsporttraining der Kinder machten wir uns auf den Weg zum "Rumpelberg" und ließen uns auch davon nicht verunsichern, dass die Kinder zunächst nicht sonderlich begeistert von unserem Plan für den Abend waren: Genauer gesagt erklärte der Jüngste geradeheraus, er wolle "da nicht hin", und die Große fügte etwas kleinlauter hinzu, sie habe "auch nicht so richtig Lust darauf". Ich darf aber schon mal verraten, dass am Ende doch beide Kinder ausgesprochen begeistert waren. Auf dem Weg zum Ort des Geschehens machten wir einen Zwischenstopp in der REWE-Snack-Ecke, da wir andernfalls kein Abendessen bekommen hätten.
Man muss übrigens einräumen, dass schon die Anmoderationen – von einer Pastorin der Gemeinde auf dem Weg, einer Frau, die irgendwie zum Veranstalter-Team zu gehören schien, und schließlich von Timo Langner selbst – ganz guten Stoff für eine neue Enthüllungsreportage im Stil der "Hippen Missionare" geboten hätten; da war viel von geistigem Kampf die Rede, von der Waffenrüstung Gottes und davon, dass Berlin für den Aufbau des Reiches Gottes eine strategische Bedeutung habe. Teile des Publikums reagierten auf diese Ansprachen, dann aber auch und erst recht auf die Musik derart ekstatisch, dass ich es sicher befremflich gefunden hätte, wenn ich in den letzten Jahren nicht schon bei einigen charismatisch geprägten Events gewesen wäre; dazu gehörte etwa, dass einige Leute um mich herum in Zungen redeten, während andere in Tränen oder wahlweise in hysterisches Gelächter ausbrachen.
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| Ein Blick ins Publikum: Von der Größenordnung her nicht mit der MEHR zu vergleichen, aber für Berlin-Tegel doch ganz beachtlich. |
"Wenn ihr die Bundeslade des HERRN, eures Gottes, seht und die levitischen Priester, die sie tragen, dann sollt auch ihr von der Stelle, wo ihr seid, aufbrechen und ihr folgen [...]. So werdet ihr wissen, welchen Weg ihr gehen sollt; denn ihr seid den Weg ja früher noch nie gegangen."
Er habe, so führte der Schlagzeuger aus, in diesem Vers die Verheißung erkannt, dass Gott die Kirche von Berlin auf Wege führen wolle, die sie bisher noch nicht gegangen sei. Dies untermauerte er mit Querverweisen auf verschiedene andere Bibelstellen, die ich mir auf die Schnelle nicht alle merken konnte, und richtete dann an das Publikum den Aufruf, wer sich berufen fühle, an diesem Aufbruch zu neuen Ufern mitzuwirken, der solle nach vorn kommen und für sich beten lassen, um für diese Aufgabe mit Heiligem Geist erfüllt zu werden. Auf diese Aufforderung hin bewegte ich mich wie an unsichtbaren Fäden gezogen in Richtung Bühnenrand und ging dort auf die Knie. – Ich will nun nicht unbedingt behaupten, dass ich mich während des nun folgenden Gebetes auf besonders spektakuläre Weise vom Heiligen Geist erfüllt gefühlt hätte; aber Gefühl ist nun mal (Fausts Antwort auf die Gretchenfrage zum Trotz) nicht alles, und andere für sich beten zu lassen kann auf keinen Fall schaden.
Auf dem Heimweg teilte meine achtjährige Tochter mir mit, sie habe im Laufe der Veranstaltung "dreimal still das Vaterunser gebetet, und danach jeweils ein Gegrüßet seist du, Maria". Fand ich sehr beachtlich, wenngleich ich den Gedanken nicht ganz unterdrücken konnte, dass es im Publikum bestimmt auch Leute gab, die auf das letztere Gebet nicht so positiv reagiert hätten. Ich selbst trug – nicht ganz zufällig und nicht ganz absichtlich – mein "Catholic Church"-T-Shirt und hatte ein paarmal das Gefühl, deswegen komisch angeguckt zu werden.
Am vergangenen Samstag, kurz vor der Fertigstellung von Utopie und Alltag Nr. 20, erhielt ich eine unerwartete eMail von einer alten Bekannten aus der Gemeinde von Herz Jesu Tegel – einer Frau, mit der meine Liebste und ich in unserer aktiven Zeit in dieser Gemeinde relativ viel Kontakt hatten und die in der Gemeinde einerseits recht aktiv ist, andererseits einen gewissen Außenseiterstatus hat, nicht zuletzt dank einer etwas charismatischer ausgerichteten Frömmigkeit, als sie in dieser Gemeinde sonst üblich ist. (Kaum habe ich dies geschrieben, fällt mir auf, dass diese Beschreibung auf mindestens drei ansonsten sehr verschiedene Frauen aus dieser Gemeinde zutrifft; daher verzichte ich mal auf eine genauere Beschreibung, um offen zu lassen, um welche von diesen es sich handelt.) Nun, jedenfalls teilte sie mir mit, sie denke darüber nach, bei den in diesem Jahr anstehenden Gremienwahlen für den Gemeinderat von Herz Jesu und/oder den Pfarreirat von St. Klara zu kandidieren – und fragte im selben Atemzug an, ob ich mir vorstellen könne, dasselbe zu tun. Im ersten Moment musste ich mir das Lachen verkneifen bei der Vorstellung, was der Pfarrer wohl für ein Gesicht machen würde, wenn ich meine Kandidatur anmeldete. Aber allein dafür ist es mir die Sache dann ehrlich gesagt doch nicht wert. Obwohl, auch das soll nicht unerwähnt bleiben, meine Liebste und ich erst vor einigen Wochen einen Brief vom Erzbischof erhalten haben, in dem er uns nahelegte, eine Kandidatur für die anstehenden Gremienwahlen in Erwägung zu ziehen.
Die Mail unserer Bekannten aus der Gemeinde Herz Jesu enthielt aber noch weitere interessante Punkte, darunter Neuigkeiten aus der zur benachbarten Großpfarrei St. Franziskus Reinickendorf-Nord gehörenden Gemeinde St. Martin im Märkischen Viertel – dazu vielleicht ein andermal mehr –, vor allem aber den Vorschlag bzw. die Idee, in Herz Jesu Tegel einen Alpha-Kurs zu veranstalten. Da wurde ich natürlich hellhörig; dass sie anregte, für dieses Vorhaben Pater Brody mit ins Boot zu holen, schien mir erst mal nicht so naheliegend, aber andererseits: Wenn man einen der Geistlichen dieser Pfarrei in das Projekt einbeziehen möchte, wer käme denn wohl sonst in Frage? (Theoretisch wäre in der Pfarrei St. Klara ja seit ca. Anfang des Jahres eine Stelle für einen Kaplan oder Pfarrvikar frei; bin ja mal gespannt, wann die besetzt wird und mit wem, aber das ist eigentlich ein Thema für sich.)
Jedenfalls fand ich diese Mail im Ganzen so spannend, dass ich der Verfasserin umgehend ein persönliches Treffen vorschlug. Wir verabredeten uns für Mittwoch vormittag, Treffpunkt: in der Herz-Jesu-Kirche. Kam mir herrlich konspirativ vor.
Wir eröffneten unsere Unterredung mit einem gemeinsamen Gebet vor der Herz-Jesu-Statue in der Kirche, dann setzten wir uns in den "Christophorus-Raum" im Gemeindehaus, für das meine Gesprächspartnerin nämlich einen Schlüssel hat (ich glaube, auch dieses Detail grenzt den Kreis der Verdächtigen nicht weiter ein). – Dem konspirativen Charakter des Gesprächs entsprechend, werde ich hier über den Inhalt keine Details verraten, immerhin aber ein paar Grundlinien skizzieren; ich gehe davon aus, dass die Themen dieses Gesprächs mich auch zukünftig noch beschäftigen werden, hier im Blog und auch darüber hinaus. – Der grundsätzliche Befund lautet, um uns herum mehren sich die Hoffnungszeichen für einen geistlichen Aufbruch, aber die Pfarrei St. Klara droht diese Bewegung komplett zu verpennen oder sogar Samenkörner plattzutreten, ehe sie aufgehen können. Dabei hat gerade der Standort Herz Jesu Tegel eigentlich großes Potential, schon allein dank der offenen Kirche, die meiner Beobachtung zufolge durchaus stark frequentiert wird (vgl. dazu meine Podcast-Folge vom 18. Februar). Aber darauf, die Leute, die da hinkommen – zum stillen Gebet, zur Besinnung oder wie immer sie ihre Motivation selbst beschreiben würden –, irgendwie "abzuholen", wie es im pastoraltheologischen Jargon doch so gern heißt, ist die Gemeinde überhaupt nicht eingestellt. Und selbst wenn Leute von sich aus auf die Idee kämen, mal zu gucken, was die Gemeinde über die offene Kirche hinaus so zu bieten hat, würden sie nicht viel finden, was man als gesunde geistliche Nahrung bezeichnen könnte; dafür aber umso mehr, was geeignet wäre, ein eben erst erwachtes Interesse am christlichen Glauben nachhaltig wieder einzuschläfern. Ich lege Wert auf die Feststellung, dass das nicht allein dem Pfarrer anzulasten ist, aber er hat natürlich seinen Anteil daran. Fest steht jedenfalls, dass sich in dieser Gemeinde eine Menge ändern müsste, wenn sie noch eine Zukunft haben soll; dieser Meinung war ich ja im Prinzip vor Jahren schon, aber in den letzten Jahren hat sich die Situation offenkundig nicht gerade verbessert.
Update Bibelleseplan
Ich freue mich, zu Protokoll geben zu können, dass ich mit der Mission "Altes Testament in einem Jahr" weiterhin auf Kurs bin – was übrigens beinhaltet, dass ich in der Abteilung "Geschichtsbücher" jetzt im gefürchteten Buch Leviticus angekommen bin. Die Psalmen habe ich fast zur Hälfte durch, und in der Abteilung "Weisheitsliteratur" habe ich bereits ganze drei Bücher geschafft, die im Bibelleseplan der EFG The Rock Christuskirche überhaupt nicht vorkommen – darunter zuletzt eines, das in vielen protestantischen Bibelausgaben gar nicht enthalten ist, nämlich das Buch der Weisheit. Soweit ich es dem ERF Bibleserver entnehmen konnte, gibt es dieses Buch außer in der katholischen Einheitsübersetzung auch in der Lutherbibel, der Menge-Bibel und, zu meiner Überraschung, auch in der Gute Nachricht Bibel; dasselbe gilt für das Buch Jesus Sirach, das ich als nächstes auf dem Zettel habe. Und dann bin ich mit der Weisheitsliteratur durch und kann mich den Großen Propheten widmen – die im The Rock-Bibelleseplan aus unerfindlichen Gründen ebenfalls nicht vorkommen...
Frucht der vom Evangelium bewirkten Umkehr ist die Heiligkeit vieler Männer und Frauen unserer Zeit. Das gilt nicht nur für diejenigen, die von der Kirche offiziell zu Heiligen erklärt worden sind, sondern auch für jene, die mit Bescheidenheit im Alltag ihres Daseins von ihrer Treue zu Christus Zeugnis gegeben haben. Wie sollte man nicht an die unzähligen Söhne und Töchter der Kirche denken, die im Laufe der Geschichte des europäischen Kontinentes in der Verborgenheit des Familien- und Berufslebens eine hochherzige und glaubwürdige Heiligkeit gelebt haben? Sie alle haben, als lebendige Steine mit Christus, dem Eckstein, verbunden, Europa als geistiges und moralisches Bauwerk errichtet und den Nachkommen das kostbare Erbe hinterlassen. Jesus, der Herr, hatte es versprochen: "Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater" (Joh 14,12). Die Heiligen sind der lebendige Beweis dafür, dass dieses Versprechen in Erfüllung geht, und sie machen Mut zu glauben, dass das auch in den schwierigsten Stunden der Geschichte möglich ist.
(Johannes Paul II., Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 14)
Ohrwurm der Woche
Timo Langner: Ein Gott. Der das Meer teilt
Vorschau/Ausblick
Dass ich in der zurückliegenden Woche praktisch ständig in action war, hat auch zur Folge, dass in diesem Wochenbriefing gar nicht genug Platz war, um über alles zu berichten, was ich so gemacht habe. Heute zum Beispiel habe ich den Großteil des Tages bei einem Männereinkehrtag im Kloster Neuzelle verbracht, und das ist auch der Grund, dass dieses Wochenbriefing mit etwas Verspätung online gegangen ist; inhaltlich werde ich im nächsten Wochenbriefing auf diesen Einkehrtag zurückkommen. Oben nicht erwähnt habe ich das JAM am Mittwoch – vielleicht wird es darüber nächste Woche wieder mehr zu berichten geben – sowie das Vorbereitungstreffen zum letzten Kinderwortgottesdienst vor der Erstkommunion in St. Joseph Siemensstadt, der am morgigen 3. Sonntag der Osterzeit ansteht. Darauf gedenke ich im nächsten Wochenbriefing zu sprechen zu kommen, wenn wir den KiWoGo hoffentlich gut über die Bühne gebracht haben werden. – Am Montag geht der Alpha-Kurs in Haselhorst in die zweite Runde, was für mich bedeutet, dass ich die Aufgabe, die Kinder ins Bett zu bringen, erneut allein werde bewältigen müssen. Unsere Große wird, sofern wir das zeitlich hinkriegen, in der kommenden Woche wohl ein paar zusätzliche Trainingsstunden beim Kampfsport einlegen, um, auf Wunsch ihres Trainers, schon möglichst bald zu ihrer ersten Gürtelprüfung antreten zu können; das könnte eventuell ein Anlass sein, mal den angedachten Artikel zum Thema "Was Kampfsport und Pfadfinderei uns für die Kinderkatechese lehren könnten" in Angriff zu nehmen. Neues von den Pfadfindern dürfte es demnächst auch mal wieder geben; im Übrigen hat mein Jüngster den Wunsch angemeldet, "mal wieder einen längeren Ausflug" mit mir zu unternehmen, aber an welchem Tag der Woche wir das machen werden, steht noch nicht fest. Es bleibt also spannend!







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