Salvete, hochgeschätzte Leser! Während der Frühling Einzug hält und das höchste Fest der Christenheit näher rückt, gibt es im Wochenbriefing mal wieder allerlei Neues aus Nah und Fern zu berichten. Thematisch geht es, so möchte ich behaupten, wieder etwas bunter zu als vorige Woche, was aber wiederum auch nicht bedeutet, dass es gar keinen Roten Faden gäbe. Aber ich will eurem eigenen Urteil nicht vorgreifen, Leser...!
Endlich mal wieder bei den Wölflingen
Wer meine Wochenbriefings
regelmäßig verfolgt, wird in den vergangenen Wochen schon den einen oder
anderen Stoßseufzer von mir angesichts der Tatsache mitbekommen haben,
dass wir (bzw. vor allem natürlich meine Tochter) so lange nicht bei
den KPE-Wölflingen in Schöneberg gewesen sind; aber auch die
Ankündigung, dass sich das im Monat März möglichst ändern sollte. Daher
machte ich mich am ersten Samstag im März gleich nach dem Frühstück mit
dem Tochterkind auf den Weg nach Schöneberg, während meine Liebste mit
dem Jüngsten zu Hause blieb (und später auf den Spielplatz ging).
Wie vorab per Mail mitgeteilt worden war, war die Leiterin des
Mädchenstammes mit der "Gilde Koala" – d.h. mit den Pfadfinderinnen der
Altersstufe 12-16 Jahre – zum KPE-Bundesfest nach Neu-Ulm gefahren,
weshalb die Leitung dieses Treffen von einem Assistenten (der auch mit
beim Herbstlager gewesen war und den ich schon "von früher" von den
Haselhorster Pfadfindern kannte) übernommen wurde, unterstützt von einer
Mutter von – wenn ich es richtig mitbekommen habe – ganzen drei
Wölflingsmädchen. Weiterhin hatte es in der Ankündigung geheißen, am Tag
vor dem "staatlichen Frauentag" hätten "zwei große Frauen aus der
Christenverfolgung" ihren Gedenktag, nämlich die Hll. Perpetua und Felizitas; und diese sollten im Rahmen des Meutentreffens gewürdigt
werden. Da war ich ja mal gespannt. – Jedenfalls war es für mein
Tochterkind das erste Meutentreffen bei sonnigem und warmem Wetter; so
ist das wohl, wenn man im Herbst anfängt... Und ausgesprochen gut
besucht war das Treffen auch: Einschließlich einiger Mitglieder der
Pfadfinderinnengilde, die nicht nach Neu-Ulm mitgefahren waren und
stattdessen bei den Wölflingen mitmachten, erschienen 23 Mädchen zum
Meutentreffen – davon neun in vollständiger Kluft, drei (die offenbar
neu dabei waren) komplett in Zivilkleidung; dazwischen gab es diverse
Abstufungen: Bei manchen fehlte zur kompletten Kluft nur das Barrett,
bei manchen war das einzige "kluftmäßige" Kleidungsstück ein blauer Rock
oder Hosenrock. Ein Halstuch trugen indes nur sieben oder acht der
Mädchen, was wohl darauf schließen lässt, dass die meisten noch
verhältnismäßig neu dabei sind; denjenigen Lesern, die sich mit
pfadfinderischen Gepflogenheiten nicht auskennen, sei gesagt: So ein
Halstuch kriegt man nicht einfach so, das wird einem feierlich
verliehen, wenn man sein Wölflingsversprechen ablegt, und wenn ich die
Regeln der KPE-Wölflinge richtig verstanden habe, muss man davor erst
mal die "Leise Pfoten"-Prüfung ablegen. Das ist für meine Tochter also
im Moment noch nicht aktuell, aber davon abgesehen denke ich schon, wir
sollten uns bemühen, dass sie spätestens bis zum Frühlingslager (mehr
dazu unten) ihre Kluft und Ausrüstung komplett hat.
Übrigens
erfuhren wir bei unserer Ankunft, dass die Rudel-Zugehörigkeit innerhalb
der Wölflingsmeute umstrukturiert worden war und mein Tochterkind nun
im Grauen Rudel ist; ich glaube nicht, dass das irgendwelche besonderen
Auswirkungen hat, außer dass der Rudelschrei der Grauen für mein
Empfinden ein bisschen weniger cool ist ("Das Graue Rudel ist bekannt /
durch Höflichkeit im ganzen Land" im Vergleich zu "Das Braune Rudel ist
bedacht / und hat sein Bestes stets gemacht"). – Das Programm dieses
Meutentreffens war recht abwechslungsreich: Wie angekündigt, wurde den
Mädchen die Geschichte des Martyriums der Hll. Perpetua und Felizitas
erzählt, woran sich ein an den Klassiker "Feuer – Wasser – Sturm"
angelehntes Spiel (mit den Signalwörtern "Gefängnis", "Kuh", "Löwe" und
"Engel") anschloss; daneben gab es u.a. Theaterspiel (zwei Gruppen
sollten jeweils einen Begriff aus der Pfadfinderpädagogik szenisch
darstellen), "Kim-Spiele" und eine Erste-Hilfe-Übung. Allerdings muss
ich zu Protokoll geben, dass mir die ganze Truppe diesmal etwas
undiszipliniert vorkam. Vielleicht lag das zum Teil daran, dass ich den
direkten Vergleich mit dem Kampfsporttraining meiner Kinder vor Augen
hatte; jedenfalls kam mir dieser Gedanke, als die Wölflingsmädchen sich
in einer Reihe nebeneinander aufstellen sollten und diese Reihe krumm
und schief wurde. Das wäre beim Kampfsporttrainer des Tochterkindes
sicher nicht passiert, und bei der Trainerin des Jüngsten wohl auch
nicht. Die unordentliche Aufstellung war aber nicht das einzige und auch
nicht das auffälligste Anzeichen dafür, dass die Mädchen es an diesem
Samstag mit der Disziplin nicht so genau nahmen: Es wurde gequatscht,
herumgealbert, einzelne Mädchen erklärten unverhohlen, sie hätten zu
diesem oder jenem Spiel keine Lust oder sie wollten eine Übung nicht
machen, wenn sie sie nicht für eine Abzeichenprüfung brauchten. Ich habe
den starken Verdacht, dass sie sich so etwas bei ihrer eigentlichen
"Akela" nicht erlaubt hätten; aber man kennt das ja auch aus der Schule,
dass manche Schüler glauben, einem Vertretungslehrer könne man
ungestraft auf der Nase herumtanzen. Na, schauen wir mal, wie's wird,
wenn Akela aus Neu-Ulm zurück ist.
Um nun aber noch einmal aufs
Frühlingslager zurückzukommen: Dieses soll am langen Wochenende ab
Christi Himmelfahrt stattfinden (weshalb ich es insgeheim und mit
Augenzwinkern "Himmelfahrtskommando" getauft habe); allemal eine gute
Alternative zum zeitgleich in Würzburg stattfindenden Katholikentag.
Einladung und Anmeldeformular wurden in der ersten Märzwoche verschickt,
der Ort steht indes noch nicht fest, aber irgendwo "in Brandenburg"
soll es sein. Anmelden soll man sich gleichwohl möglichst bis zu den
Osterferien, und ich denke, das werden wir auch tun; und dann sollte ich
demnächst mal mit der Leiterin darüber reden, ob ich wieder als
Küchenhelfer mitkommen kann. Ich wüsste allerdings eigentlich nicht, was
dagegen sprechen sollte, und freue mich schon darauf.
Die Kirche lebt: Redditio Symboli in St. Joseph Siemensstadt
Am
3. Fastensonntag fuhren wir wieder einmal nach Siemensstadt zur Messe,
in der Erwartung, dass da mal nichts Besonderes anstehen würde (nachdem
vorigen Sonntag KiWoGo und davor Erneuerung des Taufversprechens der
Erstkommunionkinder gewesen war) – aber schon beim Betreten der Kirche
stellten wir fest, dass wir uns da wohl geirrt hatten, denn auf der
Seite, auf der wir normalerweise sitzen, waren die ersten Bankreihen für
"Taufbewerber und Konvertiten" (und deren Angehörige, darf man
annehmen) reserviert, und auch sonst war die Kirche voller als
gewöhnlich. – Neben dem, wie ich immer gern sage, "örtlich zuständigen"
Pfarrvikar war als Konzelebrant ein Pfarrvikar der Pfarrei St. Maria
Berliner Süden mit von der Partie, dazu ein Diakon, der kurz vor der
Priesterweihe steht. Bei der Begrüßung erklärte der Hauptzelebrant, in
dieser Messe werde es "ein paar Riten der Übergabe" für die anwesenden
Tauf- und Konversionsbewerber geben: "Wir als Gemeinde, als Kirche
werden ihnen das Glaubensbekenntnis übergeben, diesen Schatz der Liebe,
den Gott vorbereitet hat." Zugunsten dieser "Riten der Übergabe" fiel
die Predigt recht kurz aus (ca. fünf Minuten), und inhaltlich kam mir
das meiste aus früheren Predigten desselben Priesters zu diesem
Evangelium (Johannes 4,5-29.39, die Begegnung Jesu mit der
Samariterin am Jakobsbrunnen) recht bekannt vor, aber es schadet sicher
nicht, das mehrmals zu hören. Ein paar Sätze, die bei mir besonders
hängen blieben, lauteten:
"Gott wartet auf jeden von uns da, wo er scheinbar am weitesten entfernt ist – wo wir müde sind, wo wir unsere Lasten tragen. Dort ist Gott und dort wartet Er auf uns."
Und:
"Taufen ist nicht ein bisschen reinwaschen. Taufen ist eine Quelle der Liebe in uns, die sich Heiliger Geist nennt und uns ein neues Leben schenkt."
Im
Anschluss an diese Kurzpredigt erteilte der Pfarrvikar einem Mitglied
einer der Neokatechumenalen Gemeinschaften innerhalb der Gemeinde, einem
Mann ungefähr in meinem Alter (bzw. ein paar Jahre älter), das Wort:
Dieser werde, so erklärte der Priester einleitend, "heute seine Redditio
machen: Er wird das Glaubensbekenntnis anhand seiner Lebensgeschichte
zurückgeben." Wie ich glaube verstanden zu haben, handelt es sich bei
dieser Redditio Symboli um eine liturgische Besonderheit des
Neokatechumenalen Weges, die aber auf Vorbilder aus der frühen Kirche
zurückgehen soll. Man könnte es beschreiben als eine Form des
Glaubenszeugnisses, bei der die einzelnen Sätze des Apostolischen
Glaubensbekenntnisses zur persönlichen Lebens- und Glaubenserfahrung in
Beziehung gesetzt werden. Wie dem auch sei, ich fand das, was der Mann
aus seinem Leben erzählte, ausgesprochen faszinierend, und auch meine
Tochter wirkte sehr interessiert. – Auch daraus möchte ich ein kleines
Zitat bringen, nämlich zum Thema Beichte: Der Sprecher verglichen die
Wirkung des Empfangs des Sakraments der Versöhnung damit, bei einem
Fahrrad "Luft aufzupumpen und die Kette zu schmieren" und daraufhin
festzustellen: "Es geht zwar bergauf, aber es geht viel leichter."
Bei den anwesenden Taufbewerbern handelte es sich übrigens um sieben junge Erwachsene und einen älteren Mann, und als sie zum Effata-Ritus in den Altarraum traten, überkam mich das ausgesprochen bewegende Gefühl, live die Erneuerung der Kirche mitzuerleben. Einen kleinen Ausschnitt davon jedenfalls, aber gerade das macht es ja so bewegend. Währenddessen erscheinen bei häretisch.de Artikel mit Überschriften wie "Studie: Bedeutung von Religion nimmt weltweit ab" oder "Forscherin: Sehe keine breite Rückkehr zur klassischen Kirchenreligion", und man wird den Eindruck nicht los, dass sich darin ein verqueres Wunschdenken offenbart. – Natürlich, wenn man vorrangig auf die Kirche als Institution oder, noch schärfer gesagt, als Unternehmen blickt und das Thema Kirchenentwicklung unter quasi-betriebswirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet, dann kann man sicherlich mit einigem Recht argumentieren, der angebliche religiöse Boom in der Generation Z sei ein überschätztes bzw. von interessierten Kreisen übertrieben dargestelltes Phänomen; denn sicherlich ist die Zahl der Erwachsenentaufen und Konversionen weit davon entfernt, die Zahl der Austritte auszugleichen. Es ist also auf absehbare Zeit nicht damit zu rechnen, dass die Neubekehrten aus der Generation Z den Trend, dass die Kirche hierzulande – wie auch sonst in der "westlichen Welt", aber im Gegensatz zur übrigen Welt – zahlenmäßig kleiner und gesellschaftlich marginalisierter wird, aufhalten oder gar umkehren könnten; aber sie verändern die Kirche auf andere Weise, und ich glaube, dass das der wesentliche Grund dafür ist, dass häretisch.de und Co. diese Entwicklung partout klein- und/oder schlechtreden wollen: Aus der Sicht derer, die die Zukunftsfähigkeit der Institution Kirche darin sehen, dass sie anschlussfähig an die säkulare Gesellschaft bleiben müsse, dampft der Zug entschieden in die falsche Richtung, und deshalb wird neuerdings wieder einmal verstärkt vor der Vision einer "kleinen, sektenähnlichen Kirche" gewarnt, in der "nur Konservative bis Fundamentalisten übrig bleiben". Mehr noch: Wenn man die Auffassung vertritt, im Interesse der besagten Anschlussfähigkeit an die Gesellschaft müsse die Kirche ihre Glaubenslehre gründlich umkrempeln oder lieber gleich ganz auf eine verbindliche, definierte Glaubenslehre verzichten – eine Forderung, mit der Mancher im Grunde vielleicht nur seinen eigenen Glaubensverlust bemänteln will –, dann ist es sicherlich irritierend und sogar schmerzhaft zu sehen, dass es gerade die vielgeschmähte Glaubenslehre ist, die junge Menschen zur Kirche hinzieht, und dass die vermeintlichen "Reformer" diejenigen sind, die für ein dem Untergang geweihtes Bild "von Kirche" stehen. Um's mal etwas polemisch auf den Punkt zu bringen: Wer im (jungen) Erwachsenenalter zum Glauben an Jesus Christus findet und dann ausgerechnet in die katholische Kirche eintritt, hat mit hoher Wahrscheinlichkeit andere Prioritäten, als an der Seite altgedienter kfd-Funktionärinnen gegen das Patriarchat zu kämpfen.
Update Religionspädagogik
Dass
ich mich seit Anfang des Jahres, oder eigentlich schon seit der Woche
"zwischen den Jahren", mit dem Gedanken trage, ein Studium der
Religionspädagogik aufzunehmen, mit dem Ziel, im Erzbistum Berlin
Gemeindereferent zu werden, mag manchen Lesern Anlass zur Hoffnung,
anderen eher zu Befürchtungen gegeben haben und vielleicht die meisten
einfach nur zu ungläubigem Kopfschütteln veranlasst haben. Indes
verdichten sich die Anzeichen, dass daraus tatsächlich etwas werden
könnte. Nach meiner Teilnahme am "Bewerbendentag" vor mittlerweile drei
Wochen war ich noch einmal zu einem Gespräch mit zwei Mitarbeiterinnen
des Erzbischöflichen Ordinariats eingeladen worden; dieses Gespräch war
am Montag, und ich habe es als ausgesprochen positiv empfunden. Mir
wurde sogar geraten, ich solle mich mal bei der Katholischen Hochschule für Sozialwesen erkundigen, ob ich trotz bereits abgelaufener
Bewerbungsfrist eventuell noch ins demnächst beginnende
Frühjahrssemester 'reinrutschen könnte; das habe ich getan, was zunächst
in einem ausgesprochen netten Gespräch mit einem Professor resultierte,
aber laut Auskunft der Abteilung Studierendenservice ist der
Studiengang für das kommende Semester bereits überbelegt und es ist wohl
eher unwahrscheinlich, dass ich da noch irgendwie "reinrutsche". Ein
Studienbeginn zum Herbstsemester ist an dieser Hochschule nicht möglich,
wohl aber in Paderborn oder Frankfurt (als Fernstudium); eine weitere
Alternative wäre der Fernkurs Theologie, der in Würzburg angeboten wird.
Das werde ich mir alles noch genauer ansehen müssen; parallel zur
Bemühung um einen Studienplatz läuft derweil das Bewerbungsverfahren
beim Erzbistum selbst, und nachdem mir per Mail mitgeteilt worden,
welche Bewerbungsunterlagen ich vorlegen soll und bis wann, hatte ich in
der zurückliegenden Woche schon einiges zu tun, die betreffenden
Dokumente zusammenzutragen. Es wird also ernst, Freunde...!
Das Letzte Abendmahl als Krimi-Dinner
An
den Nachmittagen der zurückliegenden Woche hatten wir ziemlich volles
Programm: Am Montag war Omatag, am Dienstag hatten beide Kinder
Kampfsporttraining, der Jüngste zusätzlich noch am Donnerstag und das
Tochterkind am Freitag; und am Mittwoch war natürlich JAM. Schon als wir
dort ankamen, hörten wir, dass die Mitarbeiterinnen diesmal etwas
Besonderes vorbereitet hätten, und offenkundig bereitete es ihnen Sorge,
dass sich bis etwa eine halbe Stunde nach Beginn der "gleitenden
Ankunftszeit" erst sieben oder acht Kinder eingefunden hatten. Dann
kamen aber doch noch einige mehr; am Ende waren es, wenn ich richtig
gezählt habe, in den Altersgruppen der "Kids" und der "Minis" jeweils
neun.
Die besondere Attraktion bei diesem JAM war ein
Krimi-Spiel im Stil eines Escape Rooms, das in zwei Varianten – eine
einfachere für die Kleinen, eine anspruchsvollere für die Schulkinder –
in verschiedenen Räumen des Gemeindezentrums stattfand; und dabei ging
es, mit Blick auf das nahende Osterfest, um das Letzte Abendmahl und die
Frage "Wer hat Jesus verraten?". – Da natürlich damit zu rechnen war,
dass die Kinder (oder jedenfalls einige von ihnen) bereits wussten, wie
der Verräter hieß, ging es allerdings nicht nur darum, den Namen des
Täters zu ermitteln; vielmehr galt es mit Hilfe einer Reihe von
Hinweisen herauszufinden, welches der im Raum verteilten Kuscheltiere
welchen Jünger darstellte, wie die Sitzordnung am Abendmahlstisch war
und dergleichen mehr, und wie es sich für einen Escape Room gehört,
mussten auch Schlüssel gesucht werden. Für das Ganze hatten die Kinder
30 Minuten Zeit und mussten dazu als Team zusammenarbeiten.
Wie ich im Nachhinein in Erfahrung gebracht habe, ist dieses Spiel
offenbar einem Buch mit dem Titel "Der geheimnisvolle Raum – Sieben Live
Escape Games zur Bibel" entnommen; wobei "zur Bibel" offenbar relativ
ist: Eins der anderen "Escape Games" in diesem Buch heißt "Luthers
Entführung", und die Kurzbeschreibung des Spielinhalts lautet "Entführt
Martin Luther, um sein Leben zu schützen!". Ich muss gestehen, "Entführt
Martin Luther, um die Einheit der Kirche zu bewahren" würde mir besser
gefallen, aber okay, lassen wir das. Auf der anderen Seite gibt's in
diesem Buch auch ein Escape Game zu den Ägyptischen Plagen, und das
könnte man eventuell für die anstehende Religiöse Kinderwoche
gebrauchen, die unter dem Motto "Mensch, Mose" stehen soll. Behalten wir
das mal im Auge...
Was ist denn bloß bei der KLJB los?
Diese
Zwischenüberschrift ist nicht von ungefähr als Frage formuliert: Ich
weiß tatsächlich nicht, was da los ist, jedenfalls nicht so genau.
Erstmals auf einen angeblichen Nazi-Eklat bei einer Veranstaltung des
Oldenburgischen Landesverbands der Katholischen Landjugendbewegung
(KLJB) aufmerksam gemacht wurde ich durch einen auf Facebook geteilten
Artikel der Nordwest-Zeitung, von dem ich jedoch zunächst nur Überschrift und
Teaser-Absatz lesen konnte, da der Rest hinter der Paywall verschwand.
Bei der Münsteraner Bistumszeitung Kirche + Leben erging's mir genauso,
und die offizielle Stellungnahme des KLJB-Landesvorstands scheint von
dem Bestreben geprägt, sich mit maximaler moralischer Entrüstung von dem
Vorfall zu distanzieren, dabei aber möglichst im Unklaren zu lassen,
was eigentlich vorgefallen ist. Man kommt sich vor wie in einem
viktorianischen Roman.
Irgendwie soll es jedenfalls bei von der
KLJB ausgerichteten Quizveranstaltungen in Altenoythe und Falkenberg
(beides im Landkreis Cloppenburg) "zu rechtsextremen Äußerungen bzw.
Gesten gekommen sein" – was ja heutzutage so ziemlich alles Mögliche
heißen kann, weshalb unter dem betreffenden Facebook-Beitrag von "NWZ
Der Münsterländer" prompt jemand scherzte, da habe womöglich jemand
"Zigeunerschnitzel" gesagt. Elf Facebook-Nutzer reagierten auf den
NWZ-Artikel mit einem Lach-Emoji (der vermutlich auch bald als rechtsextreme Äußerung verboten wird), andere empörten sich darüber.
Soweit also alles normal. Bei dem Versuch, Genaueres über den Fall
herauszufinden, bin ich allerdings über die Information gestolpert, dass
es einen ähnlichen Fall schon vor rund einem Jahr gegeben hat,
ebenfalls bei einer Quizveranstaltung der KLJB Oldenburg, damals in
Bühren (ebenfalls Landkreis Cloppenburg): Dabei "sollen zwei Gäste den
Hitlergruß gezeigt haben", wie der NDR berichtete. Ebenso wie damals
ermittelt die Polizei auch im aktuellen Fall wegen der Verwendung
verfassungsfeindlicher Symbole. Wer aber hat die Vorfälle überhaupt bei
der Polizei angezeigt? – Das war der KLJB-Landesvorstand selbst.
Die etwas weinerlich und passiv-aggrrssiv 'rüberkommende Stellungnahme des Landesvorstands ("Bereits auf der Landesversammlung 2024 haben wir mit dem einstimmig beschlossenen Positionspapier 'Klare Kante gegen Rechtsextremismus' deutlich gemacht, dass wir aktiv gegen rechtsextreme Tendenzen innerhalb unserer eigenen Strukturen vorgehen und für Demokratie und Menschenwürde einstehen.Diesem Anspruch werden wir auch in der aktuellen Situation gerecht") verweist jedenfalls auf ein Dilemma: Die KLJB ist ein Verband unter dem Dach des stramm linken und "woken" BDKJ, aber die Jugendlichen an der Basis sind zu einem signifikanten Teil ganz anders drauf. Und mit "anders drauf" meine ich nicht zwingend "rechts" oder gar "rechtsextrem", sondern vielleicht auch einfach nur "unpolitisch und vom Gemüt her eher konservativ". Gerade in Gegenden wie dem Oldenburger Münsterland, wo es – wie ich bei anderer Gelegenheit schon mal ausgeführt habe – nicht viele Angebote für Jugendliche gibt, die nicht entweder mit der katholischen Kirche oder mit der CDU (oft mit beiden) zu tun haben, muss man damit rechnen, dass nicht wenige einfach nur dabei sind, um Party zu machen. Nun kann man sicherlich mit einigem Recht sagen, von "einfach nur Party machen wollen" zu "Hitlergruß zeigen" sei es nicht gerade ein kurzer und gerader Weg; aber wer sich noch daran erinnert, selbst mal jugendlich gewesen zu sein, wird mir vielleicht in der Einschätzung zustimmen, dass die ohnehin alterstypische Lust an der Provokation und am Tabubruch durch kaum etwas so stark getriggert wird wie durch den permanenten Erwartungsdruck, sich zu Auffassungen zu bekennen, hinter denen man in Wirklichkeit nicht mit ganzer Überzeugung steht. Das führt dann beispielsweise dazu, dass – wie in den 80er Jahren geschehen – die Katholische junge Gemeinde (KjG) antiklerikales und religionskritisches Liedgut in ihre Liederhefte aufnimmt oder dass – wie im Sommer 2017 auf Usedom – bei einem katholischen Bistumsjugendtag Kondome verteilt werden, deren Verpackungen mit "frechen" Slogans geschmückt sind. Auf einem vergleichbaren Level von Provokation und Tabubruch würde ich es ansiedeln, wenn bei einer Veranstaltung eines Verbands, der sich mit großem Pathos den Kampf gegen Rechts auf die Fahnen geschrieben hat, als rechtsextrem eingestufte Äußerungen laut werden; jedenfalls erscheint mir diese Erklärung weitaus plausibler als die Annahme, da hätten sich echte, überzeugte Neonazis zu erkennen gegeben. Und aus diesem Grund erscheinen mir die Maßnahmen, die der KLJB-Landesvorstand in dieser Situation ergriffen hat – zusätzlich zu der bereits angesprochenen Anzeige bei der Polizei werden "die beteiligten Ortsgruppen bis auf Weiteres von Veranstaltungen der Landesebene, wie KLJB Quiz oder KLJB Ball, ausgeschlossen" – nicht nur überzogen, sondern vor allem kontraproduktiv. Einerseits bezweifle ich, dass man von dieser Angelegenheit noch viel hören wird – es steht wohl zu vermuten, dass sie ähnlich im Sande verlaufen wird wie der Vorfall im vorigen Jahr –, aber gleichzeitig denke ich, dass der oben angesprochene Konflikt zwischen der politisch-ideologischen Ausrichtung der Verbandsführung und den ganz anders gelagerten Interessen der Basis den Verband noch weiter beschäftigen und belasten wird, auf vielen Ebenen, auch in nicht so nachrichtenwürdiger Form.
Update Bibelleseplan
Mit meiner täglichen Bibellektüre bin ich weiterhin auf einem guten Weg, mir gegenüber dem "Altes Testament in einem Jahr"-Leseplan der EFG The Rock Christuskirche einen ausreichenden Vorsprung zu erarbeiten, um auch die in diesem Plan nicht enthaltenen Bücher innerhalb des laufenden Jahres zu schaffen. Eins habe ich sogar schon geschafft, nämlich das Buch Kohelet (auch genannt "Prediger Salomo"); im Moment bin ich beim Hohenlied, das der mir vorliegende Leseplan ebenfalls nicht berücksichtigt – ob das etwas mit Prüderie zu tun hat, sei mal dahingestellt. Bei den Geschichtsbüchern habe ich das Buch Exodus ganze drei Wochen früher zu Ende gelesen als im Plan angegeben; und "für danach" sieht der The Rock-Bibelleseplan erst mal nicht das Buch Leviticus vor, sondern das Buch Hiob (Ijob). Ob das eine Maßnahme gegen die bekannte Gefahr darstellen soll, dass den Lesern im Buch Leviticus die Luft ausgeht, oder ob andere Erwägungen dahinterstecken, weiß ich nicht, aber ich denke mir, ich probier' das einfach mal. In vier Wochen sprechen wir uns wieder...
Geistlicher Impuls der Woche
Im Übrigen, mein Sohn, lass dich warnen! Es nimmt kein Ende mit dem vielen Bücherschreiben und viel Studieren ermüdet den Leib. Hast du alles gehört, so lautet der Schluss: Fürchte Gott und achte auf Seine Gebote! Das allein hat jeder Mensch nötig.
Ohrwurm der Woche
Deine Freunde: Ordentlich durcheinander
Ja, ich gebe es zu: In letzter Zeit höre ich mir, wenn ich vormittags bis gegen Mittag allein zu Hause bin, gerne mal Musik (oder auch Hörbücher, z.B. "Wir Kinder aus Bullerbü") auf dem Galakto-Player der Kinder an, und dabei hat sich das Greatest Hits-Album der Hamburger Gruppe Deine Freunde zu einer schier unerschöpflichen Quelle von Ohrwürmern entwickelt. Folglich war es gar nicht so einfach, sich für einen Song zu entscheiden; aber "Ordentlich durcheinander" (der übrigens als einer von vier Bonus-Tracks exklusiv auf der Galakto-Edition des Albums vertreten ist) gehört auf jeden Fall zu meinen Favoriten, schon allein wegen des wirklich cleveren Texts. – Interessant finde ich auch die Entstehungsgeschichte der Gruppe Deine Freunde: Rapper Florian Sump war nämlich früher mal Schlagzeuger und Songschreiber der Gruppe Echt, arbeitete danach in verschiedenen Gelegenheitsjobs und wurde 2008 Erzieher an einer Hamburger KiTa. Angeregt durch dieseTätigkeit, kam er 2010 auf die Idee, ein Kinderlied mit dem Titel "Schokolade" zu schreiben und einzuspielen, und tat sich zu diesem Zweck mit dem DJ und Produzenten Markus Pauli zusammen, der zuvor u.a. für Fettes Brot gearbeitet hatte. Für Gesang und gutes Aussehen holten sie Lukas Nimscheck mit ins Boot, veröffentlichten 2012 ihr erstes Album "Aus'm Häuschen", und der Rest ist, wie man so sagt, Geschichte...
Vorschau/Ausblick
Auch heute war ich wieder mit dem Tochterkind beim Wölflingstreffen, und darüber wird es auch wieder einiges zu berichten geben, umso mehr, als da diesmal einiges anders war als in einer "normalen" Meutenstunde. Dass das aktuelle Wochenbriefing zu einer etwas ungewohnten Uhrzeit erscheint, ist derweil dadurch bedingt, dass wir nachher noch zu einer Vorabendmesse "müssen" – aus der Erwägung heraus, dass wir morgen wohl keine Zeit für den Kirchgang haben werden denn da ist, wie schon angekündigt, großer Kindergeburtstag, und nebenbei werde ich auch noch einen Kuchen backen müssen, um ihn dem Jüngsten am Montag in die KiTa mitzugeben. Die Nachfeier bei und mit den Omas, ebenfalls am Montag, werde ich hingegen vielleicht lieber schwänzen, um mich stattdessen um meine Bewerbungsunterlagen zu kümmern. Im Übrigen fallen zwei bemerkenswerte Festtage in die kommende Woche, nämlich am Dienstag der St. Patrick's Day und am Donnerstag das Hochfest des Hl. Josef. Während die Frage, ob im "City Pub" in Siemensstadt der St. Patrick's Day zünftig gefeiert wird, allem Anschein nach eher zu verneinen ist, gibt es in der nahegelegenen Kirche St. Joseph am Donnerstag immerhin eine Abendmesse zum Patronatsfest, und ich denke, dass ich da hingehen werde – wenn auch wahrscheinlich ohne die Familie; es ist angedacht, im Anschluss an die Messe ein kurzfristiges Teamtreffen für den Religiösen Kindertag zum Thema Abraham abzuhalten, der schon wieder bedenklich nahe gerückt ist. Wie viele Teammitglieder zu diesem Termin erscheinen werden, ist allerdings noch ungewiss.
Als ein weiteres Thema für das nächste Wochenbriefing, vielleicht aber auch für einen eigenständigen Artikel, könnte sich eine Folge des Eule-Podcasts erweisen, in der Philipp Greifenstein im Gespräch mit Annika Schmitz (ehemals y-nachten, jetzt Herder Korrespondenz) und Louis Berger (ehemals u.a. Publik Forum und taz, jetzt Kirche + Leben) eine Art Bilanz des Synodalen Weges zu ziehen versucht. Das ist natürlich eine Expertenrunde, bei der sich wieder einmal der neulich schon mal zitierte Kunstkritiker-Witz aufdrängt, aber gerade deshalb könnte es ja vielleicht ganz witzig sein. Bisher habe ich nur mal kurz 'reingehört und mich dabei hauptsächlich über Fipsi Greifensteins kieksige Stimme amüsiert. Na, das Gute daran ist, wenn man ihn hört und nicht nur liest, läuft man nicht so leicht Gefahr, ihn zu ernst zu nehmen...





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