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Donnerstag, 26. Februar 2026

Neues vom Schulkind: Der Weg der Kriegerin

Ein Thema, zu dem ich in den Wochenbriefings der vergangenen Wochen aus Platzgründen nicht gekommen bin, über das es aber Gleichwohl allerlei zu sagen gibt, betrifft das Kampfsporttraining meiner Kinder; ja, Kinder im Plural, denn an derselben Schule, in der der Jüngste schon seit Dezember trainiert, hat nun auch unser Tochterkind mit Kampfsport angefangen – und bringt nun nach und nach auch ihre Schulfreundinnen auf den Geschmack. 

Aber mal von vorne: Vor den Winterferien hatten wir unsere Große auf ihren eigenen Wunsch hin zum Probetraining angemeldet, das am Dienstag vor zwei Wochen stattfand – wobei es sich gut traf, dass das Training für ihre Altersstufe (6-8 Jahre) dienstags zur selben Zeit stattfindet wie das Training für die ganz Kleinen, sodass ich beide Kinder in einem Rutsch von der KiTa und der Schule abholen und mit ihnen zur Kampfsportschule fahren konnte. In der Schule zeigte es sich, dass gleich zwei Freundinnen meiner Tochter mitkommen und beim Probetraining zuschauen wollten: Eins der Mädchen zählt schon zu ihren besten Freundinnen, seit sie vor gut drei Jahren eine Probewoche an dieser Schule gemacht hat, und sie unternehmen auch sonst oft noch nach der Schule etwas gemeinsam, von JAM oder Fußballtraining bis hin zu gegenseitigen Übernachtungsbesuchen; bei dem anderen Mädchen handelt es sich, wie mir scheint, eher um eine "On-Off-Freundschaft". Wie dem auch sei, ich erklärte mich bereit, die beiden mitzunehmen, sofern ihre Eltern damit einverstanden wären; dies wurde rasch telefonisch geklärt, und auf ging's in großer Besetzung zur Kampfsportschule. 

Das Training für die 6-8-Jährigen fand im offenen Bereich der Kampfsportschule statt, sodass man dabei erheblich besser zuschauen konnte als bei den Kleineren; und geleitet wurde es von dem Trainer, den ich hier neulich schon mal gewürdigt habe. Er begrüßte meine Tochter freundlich, fragte sie nach ihrem Namen und ihrem Alter und versprach ihr: "Du wirst schnell merken, das macht ganz viel Spaß." In der Gruppe waren noch zwei weitere "Neue" und dazu fünf Kinder, die schon länger dabei sind. Den "Neuen" gab der Trainer einen Überblick darüber, was sie in diesem Kurs alles lernen können, und als er an einem siebenjährigen Jungen, der ziemlich klein und zart aussah, aber bereits den gelb-orangen Gürtel hatte und demnach wohl schon eine Weile dabei war, ein paar Wurfübungen vorführte, merkte er an: "Ihr denkt jetzt vielleicht, was ist denn das für'n Typ, der schmeißt hier Kinder durch die Gegend...!" Als ein Kind bei einer Übung sagte "Das kann ich nicht", erwiderte der Trainer ungerührt "Genau deswegen trainieren wir es" – das muss ich mir merken. Zwischendurch fragte er mich mit Blick auf meine Tochter: "Ist das deine?", und als ich bejahte, sagte er: "Die ist top, für acht Jahre macht sie das super." Gleichwohl war ich mir, als ich sie hinterher fragte, ob sie Lust habe, hier regelmäßig – einmal in der Woche oder öfter – mitzumachen, einer positiven Antwort nicht sicher. Nicht etwa weil sie ein Mädchen ist – tatsächlich trainieren in dieser Kampfsportschule ziemlich viele Mädchen –, aber sagen wir's mal so, ich hätte mir vorstellen können, dass ihr das Kämpferische einfach weniger liegt als ihrem kleinen Bruder, und eventuell auch, dass sie mit der vom Trainer geforderten Disziplin Schwierigkeiten haben würde. Letzteres war aber ersichtlich nicht der Fall, und kurz und gut, die Frage, ob sie Lust hätte, hier regelmäßig mitzumachen, bejahte sie ohne Zögern. Den Vertrag für sie machten wir noch nicht gleich, holten das aber bei der nächsten Gelegenheit nach; und den Eltern der beiden Mädchen, die zum Zugucken mitgekommen waren, schickte meine Liebste den Link zur Website der Kampfsportschule – für den Fall, dass sie auch mal ein Probetraining vereinbaren wollten. Und siehe da, schon am nächsten Dienstag war eins der beiden Mädchen mit von der Partie – und zwar nicht die supergute Freundin unseres Tochterkindes, sondern die mit der "On-Off-Freundschaft". Wie's aussieht, ist sie auch in Zukunft fest dabei, nachdem der Trainer zu ihrem Vater gesagt hat "Die will ich behalten, die ist Hammer!" Man darf gespannt sein, wie sich das gemeinsame Training auf das Verhältnis der beiden Mädchen zueinander auswirkt; bis jetzt läuft's jedenfalls ganz gut, würde ich sagen. 

Übrigens hatte ich ja neulich schon mal angedeutet, dass man in der Kampfsportschule zuweilen Eltern begegnet, die offensichtlich ein erheblich anderes Erziehungskonzept haben als wir. Dazu könnte in Zukunft durchaus noch öfter etwas zu sagen sein, aber eine Beobachtung möchte ich doch gleich hier und jetzt festhalten. Während des Probetrainings meiner Tochter wurde ein Mädchen, das in derselben Gruppe trainierte, allerdings offenbar schon etwas länger dabei war, mehrfach von einem Zuschauer – wollen wir mal annehmen, dass es ihr Vater war – angeschnauzt, weil dieser offenbar der Meinung war, sie strenge sich nicht genug an oder sei nicht konzentriert genug bei der Sache. Mir drängte sich da die Frage auf: Wäre das nicht eigentlich Aufgabe des Trainers? Ehrlich gesagt wunderte es mich sogar, dass der sich diese Einmischung gefallen ließ. Dann wieder dachte ich mir: Wenn ich meiner Tochter von der Seitenlinie Lob oder Ermutigung zurufe, gilt dafür nicht in gewissem Sinne dasselbe? Na, lassen wir das vorläufig mal so im Raum stehen. 

Der Kurs für die Altersstufe unseres Jüngsten findet dreimal in der Woche statt und der für die Altersstufe unserer Großen sogar fünfmal in der Woche, aber wir haben uns vorläufig darauf eingestellt, dass beide Kinder "nur" zweimal in der Woche hingehen, der Kleene dienstags und donnerstags, das Tochterkind dienstags und freitags; denn am Montag haben wir normalerweise "Omatag", am Mittwoch ist JAM und am Donnerstag hat die Große länger Schule. Nicht schlecht gestaunt habe ich, als meine Tochter zum ersten Mal an einem Freitag zum Training ging – es war ihr drittes Training überhaupt, das zweite, wenn man das Probetraining nicht mitrechnet, und es stand sehr wesentlich im Zeichen der Vorbereitung auf ein anstehendes Turnier (an dem sie allerdings, wie man sich wohl denken kann, noch nicht teilnimmt). Das heißt, es wurde viel gekämpft; 13 Kinder waren zum Training erschienen, und nach Möglichkeit sollte jeder einmal gegen jeden kämpfen. Ganz reichte dafür die Zeit nicht, aber immerhin kämpfte jedes Kind gegen vier oder fünf Gegner; und gleich zu Beginn beeindruckte meine Tochter mich dadurch, dass sie sich von ihrer ersten Gegnerin (die zugegebenermaßen einen Kopf kleiner als sie, dafür aber sichtlich Kampfsport-erfahrener war) einfach nicht umwerfen ließ. Im weiteren Verlauf hielt sie auch gegen zwei Kinder, die schon den gelben Gürtel haben, sehr gut mit, und als sie an einen Gegner geriet, der wohl ähnlich "neu dabei" ist wie sie (wie man angesichts der Tatsache vermuten konnte, dass er noch keinen Anzug hatte), schickte sie ihn gnadenlos auf die Matte und setzte sich auf ihn drauf. Naturtalent. Hätt ich nicht gedacht. Klar besiegt wurde sie nur von einem Jungen, der nicht nur einen gelben Gürtel, sondern auch den ganzen Ärmel voll mit Turnier-Abzeichen hatte. 

In der nächsten Trainingsstunde der Großen – zu der wieder eine andere Schulfreundin zum Zuschauen mitkam – wurde die Turniervorbereitung fortgesetzt; der Trainer ging mit den Kindern verschiedene Tipps und Tricks für den Kampf durch (wie man den Gegner am besten umwirft, was man tun kann, um selbst nicht umgeworfen zu werden, wie man schnell wieder aufsteht, wenn man zu Boden gegangen ist...) und fragte dann plötzlich: "Und was ist am schwierigsten? Gürtel binden, oder?" – Das war kein Witz; die Eltern der neuen Schüler erhielten in dieser Trainingsstunde ein Infoblatt mit den Anforderungen für die erste Gürtelprüfung, und nicht nur gehört es zu diesen Anforderungen, den Gürtel selbst binden zu können, sondern es steht ausdrücklich auf dem Infoblatt, dass dies für die meisten Kinder die schwierigste Prüfungsaufgabe sei und man es daher möglichst auch zu Hause üben solle. 

Derweil war unser Jüngster Anfang der Woche zwei Tage krank zu Hause (nix Dramatisches, die typische saisonale Erkältung) und durfte in dieser Zeit etwas mehr fernsehen als gewöhnlich; zusammen schauten wir uns einige Folgen der Serie Ninjago – Aufstieg der Drachen an, und während der Folge "Die innere Ruhe" kam mir plötzlich der Gedanke, ob meine Kinder möglicherweise deshalb mit den rituellen und meditativen Elementen des Budō intuitiv etwas anfangen können (mehr als andere gleichaltrige Kinder, scheint mir jedenfalls), weil sie so fleißig Ninjago gucken. Könnte ja sein. 

Nicht in meinem Interesse wäre es indes natürlich, wenn die Begeisterung für den Kampfsport diejenige für die Pfadfinderei in den Hintergrund drängte; aber obwohl in den letzten Wochen einige Wölflingstreffen ausgefallen sind oder wir nicht daran teilnehmen konnten, bin ich einigermaßen optimistisch, dass das nicht der Fall sein wird. Tatsächlich glaube ich sogar, dass sich beides ganz gut ergänzen könnte. Dazu, wie es bei den Wölflingen läuft, wird wohl in absehbarer Zeit auch mal ein eigener Artikel fällig... 


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