Moin und Ahoi, hochgeschätzter Leser: Einen Großteil des Berichtszeitraums dieses Wochenbriefings habe ich mit meiner Familie im Urlaub in Butjadingen verbracht – eine wohltuende und wohlverdiente Auszeit, aber was es darüber zu berichten gibt, hält sich doch einigermaßen in Grenzen. So war mehr Raum für andere Themen, und ich möchte mal behaupten, es ist mal wieder ein thematisch recht buntes Wochenbriefing dabei herausgekommen. In diesem Sinne: Vorhang auf!
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| Konzertmuschel in Tossens. So winterlich haben wir unseren regelmäßigen Urlaubsort noch nie erlebt. |
Alles Theater
Zu den lebhaftesten Erinnerungen, die ich an mein Studium habe, zählt diejenige an das Proseminar Dramaturgie in meinem ersten Semester. In einer der ersten Sitzungen, wenn nicht in der allerersten, ging es um die Frage "Was ist eigentlich Theater?", und die Dozentin, Dr. Christa Hasche, war bestrebt, uns klar zu machen, dass unser Theaterbegriff – geprägt von dem, was wir auf dem Gymnasium über Dramentheorie gelernt hatten – viel zu bildungsbürgerlich-eng sei: Sie plädierte für eine Definition von Theater, die z.B. auch "Revuen im Friedrichstadtpalast" einschließt. "Aber sowas schauen Sie sich ja nicht an."
Was mich betrifft, hat sie damit bis letzte Woche Recht behalten. Am vergangenen Samstag, dem 31. Januar, war ich tatsächlich zum ersten Mal in meinem Leben im Friedrichstadtpalast. Das kam so: Meine Liebste hatte die Idee gehabt, ihrer Mutter (die letztes Jahr einen runden Geburtstag hatte) und deren Partnerin Karten für die Revue "Frida & Frida" zu schenken, aber meine Schwiegermütter meinten, wir sollten dorthin mitkommen. Ich war darauf zunächst nicht besonders scharf, ließ mich aber überzeugen. Und ich kann schon mal sagen, ich habe es nicht bereut.
"Frida & Frida" war eine Show des "Jungen Ensembles" des Friedrichstadtpalasts, wozu es passte, dass die gespielte Handlung in Inhalt und Stil eher Schultheater-Niveau hatte – was aber gar nicht so abwertend gemeint ist, wie es vielleicht klingt; man wird indes behaupten dürfen, dass diese szenischen Elemente vorrangig dazu dienten, einen erzählerischen Zusammenhang zwischen den Shownummern herzustellen. Und was da in Sachen Tanz und Akrobatik sowie an opulenten Kostümen und bühnentechnischen Effekten geboten wurde, war schon sehr sehenswert. (Übrigens hieß es in einer Ansage in der Einlassphase, der Friedrichstadtpalast habe "die größte Theaterbühne der Welt". So riesig kam sie mir eigentlich gar nicht vor, aber da mag der Eindruck täuschen.)
Zu der Frage, warum die Show "Frida & Frida" heißt und was genau das mit Frida Kahlo zu tun hat, muss man indes sagen: Es ist kompliziert. Die Protagonistin der gespielten Handlung heißt Frida, träumt davon, Malerin zu werden, und erkrankt plötzlich an Polio (Kinderlähmung), woraufhin sie längere Zeit in einer Klinik verbringen muss; insoweit ist diese Figur also lose an die reale Frida Kahlo angelehnt, und dann begegnet sie in mehreren Traumsequenzen einer anderen Frida, gewissermaßen einer Phantasieversion ihrer selbst, und die trägt so einen Kopfputz aus Blumen, wie man ihn aus mehreren ikonischen Selbstporträts von Frida Kahlo kennt. Darüber hinaus waren besonders in den Traumsequenzen, die mit der sterilen Klinik-Atmosphäre kontrastierten, die Bühnenbilder und Kostüme von der Bildsprache der Gemälde Frida Kahlos inspiriert. – Was ich an dieser Stelle aber auch noch anmerken möchte, ist, dass die Show so viele Klischees über Mexiko bediente – angefangen davon, dass die Conférence von einer Mariachi-Band übernommen wurde, bis hin dazu, dass im Finale eine riesige Piñata aus dem Schnürboden herabgelassen wurde –, dass ich mich fast schon wunderte, dass es von "woker" Seite keine Proteste gegen diese Show gegeben hat. Zukünftig wird es jedenfalls wohl keine mehr geben, da die Vorstellung, die wir gesehen haben, die letzte war.
Rettet das Baumhaus!
Dazu, am Samstagabend noch zur Community Networking Night ins Baumhaus zu gehen, waren die Kinder nicht zu motivieren, also blieb meine Liebste mit ihnen zu Hause und ich fuhr alleine hin. Dies war nicht nur meine erste Teilnahme an der Community Networking Night seit Juni letzten Jahres, sondern es gab auch einen konkreten Anlass für diesen Besuch: Das Baumhaus, ein Ort, den ich hier schon des öfteren als vorbildlich und inspirierend in Sachen "community building" gewürdigt habe, befindet sich finanziell in einer schwierigen Lage und hat daher gerade eine Crowdfunding-Kampagne gestartet, um die laufenden Kosten für die nächsten drei Monate zu decken – insgesamt 12.000 Euro. Eigentlich sollte die erste Community Networking Night des Neuen Jahres unter anderem dazu dienen, diese Spendenaktion anzuschieben; Baumhaus-Initiator Scott Bolden wollte dazu, der Programmankündigung zufolge, eine Ansprache halten. Tatsächlich war der Abend aber so schwach besucht, dass er sich das sparte und stattdessen lieber Einzelgespräche führte. Mit mir redete er u.a. auch über meinen Blog – ja, genau diesen hier – und regte an, ich solle einen Podcast machen: Damit erreiche man ein breiteres Publikum, zum Beispiel auch Leute, die wenig bzw. ungern lesen. Wenn ich die schriftliche Form nicht aufgeben möge, solle ich erwägen, zusätzlich einen Podcast zu starten; das mache nicht viel Arbeit, man könne da ganz frei von der Leber weg über alles reden, was einem so in den Sinn kommt, könne sich Gäste einladen und mit denen "einfach quatschen"... Also, ich kann nicht behaupten, dass ich darauf keine Lust hätte. Und die technische Seite würde man wohl auch noch irgendwie in den Griff kriegen.
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| Erst nachdem ich dieses Foto gemacht hatte, fiel mir auf, dass unter den um den Baum herum gruppierten Stichworten "Inspiration" noch nicht vertreten war, also fügte ich es oben links hinzu. |
Auch mit einigen der wenigen anderen Gäste führte ich interessante Gespräche; so z.B. auch mit dem HipHop-Reporter und Moderator Motasch, der erst unlängst im Baumhaus und im angrenzenden Panke-Club die erste Runde der German Beatmaking Championship moderiert hat und der nun mit seinem Handy ein paar Leute, darunter auch mich, interviewte – dazu, was uns mit dem Baumhaus verbindet und warum wir das Baumhaus als erhaltenswert ansehen. Wo man diese Interviews sehen kann, habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können, aber vielleicht finde ich da noch was raus. – Auch das Essen war mal wieder hervorragend – und, in Anbetracht des eher überschaubaren Publikums, sehr reichlich.
Zu Scotts Plänen fürs die Zukunft des Baumhauses zählt es übrigens auch und nicht zuletzt, die Räumlichkeiten mehr als bisher für unterschiedliche Veranstaltungskonzepte von verschiedenen Leuten zu öffnen; da lag für mich natürlich der Gedanke nicht fern, ob wir nicht auch mal was im Baumhaus machen könnten. Als ich diesen Gedanken am nächsten Morgen beim Frühstück meiner Familie unterbreitete, hatte das Tochterkind die Idee, wir könnten ein Kinderprogramm im Baumhaus anbieten. Einen anderen Vorschlag hatte meine Liebste: nämlich, das Baumhaus zu mieten, um meinen Geburtstag dort zu feiern. Wäre mir natürlich – buchstäblich – ein Fest. Aber dafür muss das Baumhaus natürlich erst mal seine finanzielle Durststrecke überstehen. Als ich das letzte Mal nachgeguckt habe, hatte die Crowdfunding-Kampagne 2.152 € eingebracht, also gut ein Sechstel der angestrebten Gesamtsumme. Da geht noch mehr, würde ich mal sagen!
Lichtmess in Siemensstadt
Am Sonntag fuhren wir – obwohl es der erste Sonntag im Monat war und somit theoretisch ein "Gottesdienst-Double-Feature in Haselhorst" möglich gewesen wäre – zur Messe in St. Joseph Siemensstadt, wo das Fest Darstellung des Herrn bzw. Mariä Lichtmess "vorgefeiert" wurde – "damit es nicht am Montag untergeht", wie der örtliche Pfarrvikar in seinen Begrüßungsworten erläuterte. Ziemlich zu Beginn der Messe, vor dem Kyrie, gab es eine Kerzenweihe; dazu hatten wir extra eigene Kerzen von zu Hause mitgebracht, aber wie es schien, war das wohl eigentlich gar nicht vorgesehen: Stattdessen wurde ein Korb voller schmaler gelber Wachskerzen auf den Altar gestellt, mit Weihwasser besprengt, dann wurden die gesegneten Kerzen angezündet und an die Gemeinde verteilt. Ich denke aber mal, wir können unsere selbst mitgebrachten Kerzen getrost als "mitgesegnet" betrachten, auch wenn sie kein Weihwasser abbekommen haben. – Auch im weiteren Verlauf der Messe kamen die Texte vom Montag und nicht die vom Sonntag zum Einsatz, wodurch es keine Predigt zu den Seligpreisungen gab – worüber ich, nachdem ich zu diesem Evangelium einen Impuls aus der Reihe "Langweilig predigen für Anfänger" auf dem Instagram-Kanal der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd gesehen und gehört habe, gar nicht so unglücklich bin. Erst recht nicht angesichts der Predigt, die der Pfarrvikar stattdessen zum Evangelium von der Darstellung Jesu im Tempel (Lukas 2,22-40) hielt. Aus dieser im Verhältnis zu ihrer Länge (knapp zehn Minuten) wieder einmal bemerkenswert inhaltsreichen Predigt möchte ich hier nur ein paar Aspekte herausgreifen – wer die ganze Predigt im Zusammenhang hören möchte, kann das gern auf YouTube tun. Interessant fand ich, was der Pfarrvikar dazu ausführte, wie die Figuren des greisen Simeon und der greisen Hanna, denen der Säugling Jesus bei der Darstellung im Tempel begegnet, im Alten Testament verankert sind: Hannah verweist schon durch ihren Namen auf die Mutter des Propheten Samuel – "das heißt, sie war eine unfruchtbare Frau, sie ging in den Tempel und bat den Herrn um ein Kind. Und Gott erhörte sie." Zudem wird sie als "eine Tochter Penuëls" bezeichnet; Penuël ("Angesicht Gottes") erscheint im Alten Testament nicht als Personen-, sondern als Ortsname, der Erzvater Jakob nennt so den Ort, an dem er mit dem Engel gerungen hat (Genesis 32,31). "Und die Hanna, Tochter Penuëls, ist eine, die wartet, das Angesicht Gottes zu sehen. Und das sieht sie in diesem Kind."
Ein weiterer Aspekt der Predigt, der mich persönlich sehr ansprach, betraf die persönliche Begegnung mit Christus – und was es bedeutet, Christus anzunehmen wie ein Kind, das "in unsere Arme gelegt wird":
"Ein Kind revolutioniert das Leben. Wenn ein Säugling geboren wird, nix is mehr so wie's war. Man braucht ein Kinderzimmer, auf einmal die ganze Babyausrüstung und so weiter. Das heißt, das Leben steht Kopf. Die Zeiten sind anders, das Leben ist anders, alles ist anders. Das macht Christus in unserem Leben."
Das kann ich aus eigener Erfahrung nur bestätigen... Schließlich merkte der Pfarrvikar noch an, bei der Vorbereitung dieser Predigt habe ihn "die Hanna beeindruckt", weil es im Evangelium von ihr heißt "Sie diente Gott mit Fasten und Beten". – Das habe er, so führte er aus, als Mahnung verstanden, in seinem Berufsalltag als Pfarrvikar ("weil ich gesehen habe in der letzten Zeit, bei diesen ganzen acht Kirchen, da rotiert man wie der Doofe... In der Kirche werden wir immer technischer, weil wir uns der Welt angliedern. So viel wie ich hinterm Computer sitze, ist absurd") "das Stundengebet nicht zu vernachlässigen und die Beziehung mit Gott. Gott sucht nicht, was ich tue in der Pfarrei oder was ich leiste, sondern Gott will mich. Er sucht mein Herz."
Erwähnen möchte ich noch, dass, als wir in der Kirche ankamen, der Gemeindereferent gerade dabei war, auf den Stufen vor dem Kirchenportal Streusand zu verteilen. "Gut zu wissen, dass das auch zum Berufsbild gehört", merkte ich augenzwinkernd an. – Im Anschluss an die Messe bot der Sozialdienst Katholischer Männer auf dem Kirchenvorplatz Schnittchen, Kaffee und Kinderpunsch an, letzteres auf Wunsch auch mit einem Schuss Amaretto; das war durchaus lecker, aber gleichzeitig dachte ich mir, "Kinderpunsch mit Amaretto" wäre ein lustiger Titel für irgendwas, zum Beispiel für einen Roman im Stil von Eva Völlers "Ich bin alt und brauche das Geld" (den ich im Zuge meiner unvollendeten "100-Bücher-Challenge" gelesen und dabei festgestellt habe, dass er besser ist, als man denken könnte). Obendrein war auf dem Kirchenvorplatz ein Infostand mit Flyern zu diversen Angeboten der Gemeinde und Möglichkeiten zum ehrenamtlichen Engagement aufgebaut. Wie ich gehört habe, soll dieser Infostand zukünftig regelmäßig oder jedenfalls "öfter mal" da stehen. Scheint mir unter dem Aspekt der neulich erst angesprochenen Frage "Was tut die Kirche eigentlich dafür, dass Leute, die sich irgendwie für den Glauben interessieren, aber (noch) nicht kirchlich (ein-)gebunden sind, Anschluss an die Ortsgemeinden finden?" ein ganz guter Ansatz zu sein.
Camino de Willehado, Winter-Edition
Am Montag in aller Früh' ging es los in dem Urlaub, und zum Abschied zeigte Berlin sich von seiner schlechtesten Seite: BVG-Streik, verspätete S-Bahnen, defekte Rolltreppen, und dann gab's beim Backwerk nicht mal das klassische "Huhn meets Ei"-Sandwich, das ich normalerweise immer zum Reiseantritt verputze.
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| Ein Bild aus besseren Tagen. |
All diese Misshelligkeiten hinderten uns jedoch nicht daran, schon bei Sonnenaufgang in Hannover zu sein; am späten Vormittag waren wir dann zum Kaffee bei meiner Mutter, bei der wir auch Mittagessen bekamen. Unser eigentliches Reiseziel erreichten wir dann am frühen Nachmittag. Wie ich inzwischen nachgezählt habe, war dies nach 2020 (unser letzter Urlaub "vor Corona"), '23, '24 und '25 bereits das fünfte Mal, dass wir die Winterferien im CenterParc Nordseeküste verbrachten; ebenso wie vor zwei Jahren hatten wir auch diesmal wieder statt eines Ferienhauses ein Hotelzimmer gebucht, was, wie ich schon seinerzeit schrieb, "im Wesentlichen zwei Vorteile hatte: Zum einen war das Frühstücksbüffet inklusive, zum anderen konnte man vom Hotelzimmer aus trockenen Fußes zum Schwimmbad und zum Market Dome gelangen". Letzteres führte dazu, dass wir – angesichts der strengen Temperaturen und der Tatsache, dass es im Winter in Butjadingen ohnehin nicht viel zu unternehmen gibt – nach dem Einchecken erst mal rund 42 Stunden lang nicht nach draußen gingen. Im Grunde hätten wir das ruhig noch länger durchziehen können, aber für Mittwochvormittag hatten wir – nach dem bewährten Motto "Wenn die Kinder nicht wenigstens einmal reiten gehen, ist es dann überhaupt Urlaub?" – für die Kinder Reitstunden auf Hof Seeverns gebucht, die wir dann aber doch wieder absagen mussten, da der Bürgerbus am Mittwoch wegen Glatteis seinen Betrieb einstellte. Das erfuhren wir allerdings erst, nachdem wir bereits mit dem regulären Linienbus nach Niens gefahren waren und dort vergeblich darauf warteten, in den Bürgerbus umsteigen zu können. Also kein Reiten diesmal, schade! – Aber im Sommer kommen wir wieder...
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| Ein Blick in die Landschaft – aufgenommen an der Bushaltestelle, an der wir vergeblich auf Anschluss warteten. |
Übrigens hatte ich ja vorige Woche die Absicht festgehalten, in diesem Wochenbriefing nicht "in epischer Breite über Frühstücksbüffet und Schwimmbadbesuche" zu schreiben, aber erwähnen muss ich beide Themen wohl doch. Zum Frühstücksbüffet stellte ich am ersten Morgen nach unserer Ankunft fest, es sei "fast wie auf der AIDA – außer dass es weniger schwankt. Das fehlt mir ein wenig." – "Mir nicht", warf meine Liebste ein. Den Impuls, mich auf dem Weg vom Büffet zurück zum Tisch mit dem vollen Teller gegen den imaginären Wellengang zu lehnen, verspürte ich trotzdem. – Im Schwimmbad waren Frau und Kinder während unseres Aufenthaltes viermal, ich selbst kam jedoch nur sozusagen zweieinhalbmal mit – wobei ich betonen möchte, dass das für mich schon eine ganz schöne Leistung war, denn wie ich vor Jahren schon mal erläutert habe, ist für mein persönliches Empfinden die Vokabel "Spaßbad" ein Widerspruch in sich. – Kinderdisco gab es während unseres Aufenthaltes nur einmal, und just da hatten unsere Kinder keine Lust; sie waren wohl enttäuscht, dass diese Kinderdisco nicht von einem der CenterParcs-Maskottchen Orry, Woops, Rep und Bing moderiert wurde, sondern von einer "ganz normalen", nicht kostümierten Mitarbeiterin. Zum "Kreativ-Workshop" gingen sie dreimal, und an unserem letzten Abend nahmen wir spontan an einer Quizshow teil, belegten unter 25 Teams den 2. Platz und gewannen einen Bowling-Gutschein. Den werden wir dann wohl beim nächsten Mal einlösen müssen.
Nach draußen gingen wir nach dem missglückten Seeverns-Trip kaum noch; ein bisschen aber doch, z.B. zum Friesenstrand...
...und zur OASE, die im Winter allerdings völlig verwaist ist.
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| Wie's aussieht, war da schon seit Wochen niemand mehr. Dafür sprachen auch die im Schaukasten ausgehängten Pfarrnachrichten aus dem Januar. |
Mit "kirchenbezogenen Aktivitäten" war es während dieses Butjadingen-Aufenthaltes also nichts; theoretisch hätten wir am Donnerstagnachmittag in Burhave in die Messe gehen können, da traf sich anschließend die Gruppe "60+" zu einem Vortrag über "Die Arbeiten eines Küsters", aber nach Lage der Dinge verzichteten wir doch lieber auf diesen Trip. Eine bemerkenswerte Fügung war es derweil, dass der erste Tag unserer Reise zugleich der erste Tag der Novene zu Unserer Lieben Frau von Lourdes war; ich regte daher an, die Novene in unser allabendliches Zubettgeh-Ritual einzubauen, und das machten wir dann auch. Unsere Große freute sich, dass im Novene-Gebet ihre Namenspatronin erwähnt wird, und sprach das Vaterunser und das Ave Maria eifrig mit (letzteres hat sie bei den Pfadfindern gelernt!). – Im Übrigen informierte mich meine Stundenbuch-App, dass der 3. Februar nicht nur der Gedenktag des Hl. Blasius ist, sondern zugleich auch der des Hl. Ansgar, des "Apostels des Nordens" und Gründers des Erzbistums Hamburg. Was mich daran erinnert, dass ich meinen ersten "Camino de Willehado" betitelten Blogartikel – im Juni 2021 – mit der Ankündigung eröffnete: "Wenn ich einmal ganz, ganz viel Zeit habe, schreibe ich einen wilden Mystery-Thriller über die Suche nach den in der Reformationszeit verloren gegangenen Reliquien des Hl. Willehad." Sollte ich tatsächlich mal dazu kommen, dann wird der Hl. Ansgar darin sicherlich eine Rolle zu spielen haben, schließlich war er es, der die Gebeine des Hl. Willehad im Jahr 860 in den Bremer Dom umbetten ließ. Aber das ist vielleicht eher mal ein Thema für eine Podcast-Folge.
Davon abgesehen hat mich der Aufenthalt in Butjadingen dazu motiviert, mich mit der konkreten Ausgestaltung der bisher noch sehr vagen Idee zu befassen, in den kommenden Sommerferien in Butjadingen "Guerilla-Urlauberseelsorge" zu machen. Fertig geworden bin ich damit noch nicht, aber ich würde sagen, es entwickelt sich. Bei Gelegenheit mehr dazu...!
I Read the NiUS Today, oh Boy
Was ist derweil eigentlich bei Horse & Hound so los? Nun, im Großen und Ganzen nicht viel; meine Einschätzung, dass der stolz angepriesene "Relaunch" des Projekts in der Praxis eher auf eine Verlangweiligung hinausläuft, hat sich bisher jedenfalls bestätigt. Neu ist gegenüber der Zeit, in der der streitlustige Thomas Halagan die Plattform allein betrieben hat, zum Beispiel, dass dort nun gelegentlich "Spirituelle Impulse" erscheinen, die sich vom Niveau her ganz gut auf Teebeutelanhängern für Wellness-Tee machen würden. Derweil wird in den täglichen Instagram-Storys hauptsächlich Content anderer Akteure aus der liberalen Kirchen- und Theologenbubble geteilt; und da gab's neulich immerhin mal etwas, worüber es sich lohnt ein paar Worte zu verlieren: Geteilt wurde ein Beitrag von Birgit Mattausch alias Frau Auge, die ihrerseits einen Beitrag von Carsten Leinhäuser alias Vaticarsten teilte. Was für ein ikonisches Crossover: Vaticarsten, Frau Auge UND Horse & Hound! Da ist die PUU-Bubble (postchristlich, undogmatisch, universalistisch) ja mal so richtig bei sich selbst. Und was ist in diesem speziellen Fall ihr gemeinsames Anliegen? Mal wieder gegen Johannes Hartl stänkern, den Frau Auge sarkastisch als "unser aller Starphilosoph" tituliert. Was hat er diesmal gemacht? Der Online-Nachrichtenplattform NiUS ein Interview gegeben. NiUS, das ist doch diese rechte Abspaltung von der Bild; und somit gilt alles, was die bundesdeutsche Linke seit '68 (bzw. eigentlich schon länger: Hans Magnus Enzensbergers Gedicht "Bildzeitung" ist von 1957) über die "Springerpresse" gesagt hat, für die NiUS in verschärftem Maße. Dass der Gebetshaus-Gründer Johannes Hartl unlängst beim NiUS-Talkformat "Schuler! Fragen, was ist" zu Gast war, woraus ein 37 Minuten langer Beitrag auf YouTube entstanden ist, hat Hochwürden Leinhäuser – den ich hier zuletzt im Zusammenhang mit dem Mord an Charlie Kirk am Wickel hatte – zu einem Blogartikel mit der Überschrift "Fragwürdige Allianzen" veranlasst. Darin argumentiert er, es sei "kein Zufall", dass Hartl "dem rechtspopulistischen Medienportal NIUS ein Interview" gebe, sondern vielmehr "Ausdruck einer systematischen Anbiederung an rechte Netzwerke": "Hartl legitimiert durch seine Teilnahme eine rechtspopulistische Plattform und verleiht ihr durch seine theologische Autorität Seriosität." Letztlich laufe dies auf eine "bewusste politische Positionierung im rechtspopulistischen Spektrum, eine strategische Allianz zur Verbreitung seiner Botschaft" hinaus – ja, auf eine "Verbindung von konservativ-charismatischer Theologie und rechtspopulistischer Politik", die "kein deutsches Unikum, sondern ein internationales Phänomen" sei: "von evangelikalen Trump-Unterstützern in den USA über Bolsonaro-nahe Pfingstkirchen in Brasilien bis zu katholischen Traditionalisten in europäischen Rechtsbewegungen". Mehr braucht man von diesem Vaticarsten-Artikel eigentlich nicht zu lesen. Wie ich immer wieder gern sage: Es ist keine Verschwörungstheorie, wenn die Guten es sagen. Oder, wie ich ebenfalls im zeitlichen und sachlichen Zusammenhang mit den öffentlichen Reaktionen auf die Kirk-Ermordung schrieb: Die gute alte Redensart "Wenn zwei das gleiche tun, ist es noch lange nicht dasselbe" ist, but unironically, geradezu ein zentrales Credo der intersektionslistischen Linken. Wäre dem nicht so, wäre es ein Leichtes, ein Gegennarrativ zu dem, was Hochwürden Leinhäuser im zitierten Artikel behauptet, zusammenzuschustern: Kann es wirklich Zufall sein, dass Vaticarsten das Hartl-Interview zum Anlass nimmt, NiUS zu attackieren, wo doch gerade der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Daniel Günther hat durchblicken lassen, eigentlich sollte man dieses Portal verbieten? Bahnt sich da etwa eine strategische Allianz zwischen liberaler Theologie und der um ihren Machterhalt fürchtenden posmerkelianischen Polit-Oligarchie an? Aber nee, das ist ein alter Hut, und im Übrigen habe ich auch einfach keine Lust mehr, Carsten Leinhäuser ernst zu nehmen – das tut er selbst schließlich schon mehr als genug. Die zur Schau gestellte Empörung darüber, dass Hartl mit Schuler getalkt hat, scheint mir allerdings greifbar unehrlich und aufgesetzt: Genuine Empörung setzt eigentlich immer ein Element von Überraschung, im Sinne von "Das hätte ich nicht von dem gedacht!", voraus, und das ist hier wohl kaum gegeben. Auch die Art und Weise, wie Frau Auge und Horse & Hound den Artikel von Hochwürden Leinhäuser aufgreifen, erweckt den Eindruck, dass sie sich im dem bestätigt fühlen, was sie sowieso schon über Johannes Hartl gedacht haben. – Natürlich könnte man sagen, gerade weil es an Versuchen, Hartl in die rechte Ecke zu stellen, schon in der Vergangenheit nicht gefehlt hat, täte er, der Logik von Kontaktschuld und Cancel Culture zufolge, gut daran, alles zu vermeiden, was geeignet ist, dieses Bild von ihm zu bestärken; aber ich finde es durchaus respektabel, dass er dieser Logik eben gerade nicht folgt. Zu bedenken ist auch, dass dieses NiUS-Interview unschwer als Reaktion auf die ARD-Reportage "Die hippen Missionare" zu erkennen ist; und nachdem der dem Anspruch nach so seriöse Bayerische Rundfunk für diese Sendung vier ausführliche Interviews mit Johannes Hartl geführt, davon aber nur Schnipsel in einem Gesamtumfang von 45 Sekunden gesendet hat, wer möchte es ihm da verdenken, dass er die Gelegenheit ergreift, seine Position zu den in der ARD-Reportage aufgeworfenen Fragen ausführlich zu erläutern, und dies gegenüber einem Gesprächspartner, der ihm wohlwollendes Interesse und Aufgeschlossenheit signslisiert? Natürlich wird dem Portal NiUS damit einmal mehr die Gelegenheit geboten, sich als alternatives Medium zu profilieren, in dem die Stimmen zu Wort kommen, die von den "Mainstream-Medien" marginalisiert und in ein schiefes Licht gerückt werden; aber sind daran nicht, hier wie auch in manchen anderen Fällen, die etablierten Medien irgendwo selbst schuld?
Davon abgesehen bekenne ich mich zu der wohl etwas altmodischen und im Sinne der oben angesprochenen Logik von Kontaktschuld und Cancel Culture zweifellos problematischen Auffassung, wichtiger als die Entscheidung, wem man ein Interview gibt, sei es allemal, was man in diesem Interview sagt. Also habe ich mir Johannes Hartls Auftritt bei "Schuler! Fragen, was ist" angesehen – was ich wohl nicht getan hätte, wenn der Blogartikel von Vaticarsten mich nicht darauf aufmerksam gemacht hätte. Isn't it ironic. Und ich muss sagen, ich fand das Interview alles in allem ziemlich gut. Wer Johannes Hartl schon öfter hat reden hören, wird darin vielleicht nicht besonders viel Neues oder Überraschendes zu hören bekommen, aber das heißt zugleich eben auch, dass jemand, der ihn bisher nicht kannte – und das wird sicherlich auf einen signifikanten Teil des NiUS-Publikums zutreffen –, aus diesem Interview einen ganz guten Eindruck davon gewinnen kann, was der Hartl für einer ist, wie er denkt und was seine vorrangigen Themen und Anliegen sind. Auf den einen oder anderen Punkt wird zukünftig vielleicht noch zurückzukommen sein. Im Ganzen hat dieses Interview bei mir jedenfalls den Eindruck verfestigt, dass das, worüber Hartls Gegner sich ereifern, weniger bei dem ansetzt, was er sagt, als vielmehr bei der Unterstellung, er meine damit in Wirklichkeit etwas ganz anderes. Das scheint mir auch über die Person Johannes Hartls hinaus ein grundsätzliches Problem der heutigen Debattenkultur zu sein.
Geistlicher Impuls der Woche
Wir erleben eine verbreitete Zersplitterung des Daseins; es überwiegt ein Gefühl der Vereinsamung; Spaltungen und Gegensätze nehmen zu. Unter anderem Symptomen dieses Zustandes erfährt das heutige Europs das ernste Phänomen einer Krise der Familie und des Schwindens einer Konzeption von Familie überhaupt, die Fortdauer oder das Wiederaufflammen ethnischer Konflikte, das Wiederaufleben gewisser rassistischer Verhaltensweisen, die interreligiösen Spannungen, die Egozentrik, die Einzelne und Gruppen in sich verschließt, die Zunahme einer allgemeinen sittlichen Gleichgültigkeit und einer krampfhaften Sorge um die eigenen Interessen und Privilegien. In den Augen vieler läuft die zunehmende Globalisierung Gefahr, statt zu ei er größeren Eingeit der Menschheit zu führen, einer Logik zu folgen, die die Schwächsten Ausgrenzung und die Zahl der Armen auf der Erde vermehrt.
(Johannes Paul II., Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 8)
Ohrwurm der Woche
Led Zeppelin: Immigrant Song
In der letzten Januarwoche, der letzten Woche vor den Winterferien also, wurde an den Bahnsteigen der Berliner S-Bahn regelmäßig und zweisprachig, auf Deutsch und in bahntypisch schlechtem Englisch, vor Glatteis gewarnt, und praktisch jedesmal, wenn ich die Worte "ice and snow" hörte, begann der hier verlinkte Song in meinem Kopf zu spielen. Wozu ich anmerken möchte, dass ich diesen, ehe ich mir das Album "Led Zeppelin III" auf CD zulegte, zuerst aus dem "MTV unplugged"-Konzert des kanadischen Comedians Denis Leary kannte: Da gibt es einen Moment, wo Leary vorgibt, Liedwünsche aus dem Publikum entgegennehmen zu wollen; tatsächlich lehnt er aber alle geäußerten Wünsche ab und beschließt stattdessen "Immigrant Song" zu spielen, scheitert aber schon im Intro an der hohen Tonlage. – Man kann durchaus der Meinung sein, der Song sei ein gefundenes Fressen für einen Comedian, da ihm schon im Original eine gewisse unfreiwillige Komik anhaftet; man könnte sagen, Led Zeppelin schramme hier hart an der Grenze der Selbstparodie vorbei. Aber der Bass- und Schlagzeug-Part sind genial.
Vorschau/Ausblick
Kaum aus dem Urlaub zurück, haben wir die seltene Gelegenheit eines Wochenendes ohne Termine dazu genutzt, das lange aufgeschobene Projekt der Kinderzimmer-Neugestaltung in Angriff zu nehmen. So viel Arbeit das auch ist, wollen wir uns dennoch morgen die Zeit nehmen, zur üblichen Zeit in St. Joseph Siemensstadt zur Messe zu gehen, zumal da der Blasiussegen gespendet wird. – Sodann folgt die erste von sieben Schul- und Arbeitswochen zwischen Winter- und Osterferien. Am Dienstag hat das Tochterkind auf eigenen Wunsch ein Probetraining in derselben Kampfsportschule, in der der Jüngste schon seit Dezember trainiert; ich bin mal gespannt, wie ihr das gefallen wird. Und am Donnerstag hat sie einen Zahnarzttermin – dafür gilt in gewissem Sinne dasselbe. – Bei Redaktionsschluss noch nicht endgültig festgelegt war der Nachholtermin für das Vorbereitungstreffen zum nächsten Religiösen Kindertag (RKT) in St. Stephanus, aber irgendwann in der kommenden Woche, wahrscheinlich Dienstag oder Donnerstag, soll das wohl über die Bühne gehen. Und nachdem meine Teilnahme an diesem Treffen erst durch die Verschiebung des ursprünglich dafür geplanten Termins ermöglicht worden ist, bin ich ausgesprochen motiviert, mich da konzeptionell voll einzubringen, und habe daher die Absicht, dort gut vorbereitet aufzukreuzen. Nicht stattfinden wird hingegen die für Freitag, den 13. (!) anberaumte 99. Sitzung der Gemeinsamen Konferenz von DBK und "ZdK": Diese wurde seitens der Generalsekretärin der Deutschen Bischofskonferenz, Beate Gilles, abgesagt, nachdem sich abgezeichnet hatte, dass die Konferenz nicht beschlussfähig sein würde, weil zu wenige Bischöfe ihre Teilnahme zugesagt hatten. Hihi. – Im Übrigen hoffe ich in der kommenden Woche etwas Zeit zu finden, um mich mit dem Thema "Missbrauch bei den Pfadfindern" zu befassen – konkreter gesagt, mit den jüngst veröffentlichten Studien über sexualisierte Gewalt in den Pfadfinderverbänden VCP und DPSG und den Reaktionen darauf. Ob daraus ein Abschnitt in einem der nächsten Wochenbriefings wird, ein eigenständiger Blogartikel oder womöglich gar eine Podcast-Folge, wird sich zeigen...











Also bei „Frida“ in kulturellem Zusammenhang denke ich ja an…
AntwortenLöschendie - man entschuldige das hemmungslose Fanboytum - legitimen (allerdings nicht österreichischen, sondern bayrischen) Nachfolger von STS:
https://m.youtube.com/watch?v=HhUoQRrCBDo&list=RDHhUoQRrCBDo&start_radio=1&pp=ygUYRnJpZGEgYWxsZXMgbmV0IHZlcmxlcm50oAcB