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Samstag, 31. Januar 2026

Utopie und Alltag 10: Guten Rutsch!

Gott zum Gruße, Leser! Ist es bei euch auch so kalt – und vor allem: so glatt? In Berlin-Reinickendorf ist derzeit jeder Schritt vor die Haustür ein Abenteuer; wenn auch nicht unbedingt "Das Abenteuer, nach dem du dich sehnst" – um mal den Titel eines Buches zu zitieren, das ich im Zuge der Arbeit am Büchereiprojekt an Land gezogen, aber immer noch nicht gelesen habe. Gleichwohl haben die Straßenverhältnisse meine Familie und mich nicht davon abhalten können, in der zurückliegenden Woche wieder ziemlich viel unterwegs zu sein, und so gibt es wieder allerlei zu berichten; schwerpunktmäßig wieder einmal aus dem Bereich Kinderkatechese. Also, auf geht's! 


Neues von den Pfadfindern 

Eins vorweg: Kürzlich regte sich bei mir die Befürchtung, meine achtjährige Tochter habe eine vorzeitige "Null-Bock-Phase". Das ging damit los, dass meine Schwiegermütter sie von der Schule abholen wollten, um mit ihr ins Labyrinth Kindermuseum zu gehen, und sie erklärte, darauf habe sie keine Lust. Sie blieb so standhaft bei ihrer Weigerung, dass die Omas sie schließlich stattdessen zu Hause ablieferten. Am selben Tag machte ich Lasagne zum Abendessen – eigentlich ihr erklärtes Lieblingsessen, aber just als das Abendessen fertig war, teilte sie mir mit, sie habe "auf Lasagne irgendwie keinen Bock". Sorge bereitete mir dieses sich abzeichnende Muster nicht zuletzt, weil ich mich fragte: Was, wenn sie plötzlich auch auf die Pfadfinder "keinen Bock" mehr hat? Ich habe gerade das Antragsformular für die Aufnahme in den Stamm ausgefüllt! – Einigermaßen beruhigt war ich, als meine Große ihre Portion Lasagne dann doch mit gutem Appetit aufaß und dabei (!) unaufgefordert erklärte, sie freue sich schon auf das nächste Wölflingslager – "aber nur, wenn du wieder mitkommst". Worauf ich erklärte, ich würde mit Vergnügen wieder z.B. im Küchenteam mithelfen. (Die nächste Gelegenheit dazu dürfte es nach meinem aktuellen Kenntnisstand am langen Wochenende ab Christi Himmelfahrt geben, also Mitte Mai – zeitgleich mit dem Katholikentag. Schauen wir mal.) 

Derweil war der Jüngste ein paar Tage lang so erkältet gewesen, dass er am Donnerstag nicht zum Kampfsporttraining und am Freitag nicht zur KiTa gehen konnte, aber pünktlich zum Wochenende war er wieder fit und fest entschlossen, zum Treffen der Schöneberger KPE-Pfadfinder mitzukommen, wo sich diesmal auch wieder die Wichtelgruppe (für Kinder im Alter von 4-7 Jahren) traf. (Wie schon mal erwähnt, gibt es Wichtelgruppentreffen an diesem Standort nämlich nur einmal im Monat, wohingegen die Wölflingsmädchen sich wöchentlich treffen.) 

Wir fuhren also am Samstag nach dem Frühstück alle vier nach Schöneberg; meine Liebste ging mit dem Jüngsten zur Wichtelgruppe, die sich im Gemeindehaus der Kirche St. Norbert versammelte, während die erste Hälfte des Meutentreffens der Wölflingsmädchen trotz frostiger Temperaturen draußen stattfand. Immerhin war unser Tochterkind diesmal warm genug angezogen. 15 Mädchen erschienen zu dem Treffen; es gab einige bewegungsintensive Spiele, ein Quiz zu den Charakteren des "Dschungelbuchs", und gebetet wurde auch wieder viel. Dann ging es nach drinnen, wo es eine kleine Stärkung gab (jedes Mädchen erhielt ein Stück Fladenbrot und zwei Stückchen Schokolade), ein paar Lieder gesungen wurden und in der letzten Dreiviertelstunde gebastelt wurde. 

Dieses Modell eines Wölflingsmädchens, das man mittels eines Magneten am Kühlschrank befestigen kann, soll die Mädchen an ihre korrekte Kluft erinnern.

In der Wichtelgruppe hörten die Kinder, wie mir später erzählt wurde, Geschichten über den Hl. Franziskus und bekamen ein Ausmalbild dazu; gebetet wurde auch da, und zum Abschluss wurde draußen gespielt. Da das Programm für die Wichtel aber insgesamt rund eine Stunde kürzer war als das für die Wölflinge, kamen meine Liebste und unser Jüngster schließlich noch mit in den Gemeindesaal, und einige andere Mütter, die Kinder in beiden Altersstufen haben, handhabten es genauso. 

Insgesamt würde ich diesen Besuch bei den Schöneberger KPE-Pfadfindern als einen vollen Erfolg bezeichnen, die Kinder hatten viel Spaß in ihren jeweiligen Gruppen und ihre Motivation für zukünftige Pfadfinderaktivitäten ist ohne Zweifel gestärkt worden. Erst mal ist damit jetzt aber Pause, wegen der Winterferien. Dass es heute vormittag kein Wölflingstreffen gab, traf sich insofern ganz gut, als meine Schwiegermütter heute mit uns in den Friedrichstadtpalast wollten, zu einer Frida-Kahlo-Revue; nächstes Wochenende wird ebenfalls keins sein, danach ist dann erst mal Fasching und danach der "BiPi-Tag" – der Geburtstag von Lord Baden-Powell und seiner Frau Olave, ein großer Feiertag in der weltweiten Pfadfinderbewegung. – Okay, bis dahin sind es noch ein paar Wochen; aber eine kleine Anekdote zum Thema Pfadfinder habe ich noch auf Lager: Am vorletzten Sonntag, auf der Rückfahrt vom Pfadfindertreffen in St. Afra, stellte ich fest, dass ich einen hartnäckigen Ohrwurm hatte, nämlich die Fußball-WM-Hymne "'54, '74, '90, 2006" der Sportfreunde Stiller. Dabei bin ich gar kein Fußballfan, und ein Fan der deutschen Nationalmannschaft schon gar nicht. Wo kam das also her? Schlagartig wurde mir klar: Das Lied, das bei den St.-Afra-Pfadfindern zum Abschluss gesungen war, war schuld. "Frei wie ein Albatros", zuweilen auch, nach den Anfangsworten, "Wir sind Kameraden" genannt. Gerade die letzten Verse im Refrain – "Heute hier, morgen dort, g'rade wie es uns gefällt / Ja, so frei ist die Pfadfinderei" – haben für mein Ohr erhebliche Ähnlichkeit mit den Sportfreunde-Stiller-Versen "Mit dem Herz in der Hand und der Leidenschaft im Bein / werden wir Weltmeister sein". Ich fand die Ähnlichkeit so ausgeprägt, dass ich mich fragte, ob sie wirklich zufällig sein kann. Zumal ich mir, wenn ich mir die Sportfreunde Stiller so ansehe, gut vorstellen kann, dass die auch mal bei den Pfadfindern waren. 

Auf der Rückfahrt aus Schöneberg am vergangenen Samstag ging mir das Lied erneut im Kopf herum, und mein dadurch veranlasster Versuch, der Frage auf den Grund zu gehen, ob die Sportfreunde Stiller womöglich bewusst und absichtlich ein traditionelles Pfadfinderlied gecovert haben, führte zu einer bemerkenswerten Entdeckung (die allerdings mit dieser Frage so direkt gar nichts zu tun hat): Als ich bei YouTube nach einer Aufnahme von "Frei wie ein Albatros" suchte, um sie mir zum Vergleich mit "'54, '74, '90, 2006" anzuhören, stieß ich auf ein Video der Pfadfinder im Mühlenbecker Land e.V. – und dachte: Wat? Im Mühlenbecker Land gibt's Pfadfinder? Zu welchem Verband gehören die denn wohl? Die Antwort auf diese Frage ist so interessant wie tendenziell widersprüchlich, sie lautet: zu gar keinem, bzw. doch, nämlich zur World Federation of Independent Scouts (WFIS) – und das ist ein Dachverband für Pfadfindergruppen, die keinem Verband angehören. Erinnert ein bisschen an das Russellsche Mengenparadox, oder? Jedenfalls finde ich es interessant, dass es so etwas gibt, und dann auch noch im Mühlenbecker Land. Als jemand, der grundsätzlich immer an Möglichkeiten der Vernetzung über institutionelle und sonstige Grenzen hinaus interessiert ist, denke ich mir nun, vielleicht könnte und sollte man da mal einen Kontakt herstellen, mit der Perspektive, gelegentlich mal gemeinsame Aktivitäten der verschiedenen hier in der Gegend vertretenen Pfadfindergruppen ins Auge zu fassen – z.B. mal ein gemeinsames Lager, mit Wettkämpfen und so. Ist natürlich erst mal nur so eine Idee; es kann natürlich auch sein, dass die verschiedenen Gruppen daran überhaupt kein Interesse haben und dass es gerade deshalb so viele verschiedene Pfadfinderorganisationen gibt, weil die alle nichts miteinander zu tun haben wollen. Aber das muss ja nicht unbedingt so sein. Behalten wir den Gedanken mal im Hinterkopf... 


Schwarzer Gürtel in KiWoGo 

Nachdem wir vom Pfadfindertreffen wieder zu Hause waren, hatte ich für den Rest des Samstags vorrangig zwei Dinge zu tun: mein Wochenbriefing fertigstellen und den Kinderwortgottesdienst für den nächsten Tag vorbereiten. Jedenfalls theoretisch; praktisch war daneben doch noch allerlei anderes zu tun, sodass ich für die KiWoGo-Vorbereitung am Ende weniger Zeit hatte, als mir lieb gewesen wäre, aber ich sagte mir, ein bisschen Raum für Improvisation zu lassen sei sicher nicht verkehrt. Mich noch gründlicher vorzubereiten, hätte mir auch wohl kaum etwas genützt, denn früh am Sonntagmorgen erreichte mich noch ein Last-Minute-Änderungsvorschlag zum Ablauf des Kinderwortgottesdienstes: Am Tag zuvor hatten die Erstkommunionkinder der Gemeinde ihre Erstbeichte gehabt, und da erfahrungsgemäß ein großer Teil der Kinder, die zu unseren Kinderwortgottesdienst kommen, zum jeweils aktuellen Erstkommunionkurs gehören, fand der Gemeindereferent, angesichts der Worte "Kehrt um! Denn das Himmelreich ist nahe" aus dem Evangelium vom Tag biete es sich an, einen Bezug zur Beichte herzustellen. Ich war damit durchaus einverstanden, zumal ich fand, das Stichwort Umkehr passe auch gut zu der von mir vorbereiteten Bekehrungs– und Berufungsgeschichte der Clare Crockett. Wir einigten uns also auf folgenden Ablauf: 

  • Beginn mit dem üblichen Lied, "Alles was ich hab" (das ich thematisch diesmal sehr passend fand, aber das denke ich fast jedesmal) 
  • Das Evangelium vom Tag wird vorgetragen (mit leichten Kürzungen in der ersten Hälfte) 
  • Der Gemeindereferent greift das Stichwort "Umkehr" auf, verweist darauf, was im Erstkommunionkurs zu diesem Thema besprochen wurde, und stellt den Zusammenhang zum Beichtsakrament her 
  • Ich erinnere an das "Beruferaten" vom KiWoGo am 4. Adventssonntag, spreche darüber, dass die Jünger im Evangelium ihre berufliche Existenz, ja ihr ganzes bisheriges Leben hinter sich lassen, um Jesus nachzufolgen, und betone, dass es solche radikalen Berufungserlebnisse auch heute noch gibt; das leitet über zum Hauptteil, nämlich einer Nacherzählung der Lebensgeschichte von Clare Crockett. 
Gute Faustregel: Je mehr man erzählt, desto mehr muss man auch visualisieren, um die Aufmerksamkeit der Kinder zu behalten. Diese "gestaltete Mitte" entstand nach und nach im Zuge der Erzählung.

Im Vergleich zu den letzten Malen war dieser KiWoGo leider ein bisschen schwach besucht – vier Jungs aus dem Erstkommunionkurs waren dabei, dazu meine beiden Kinder sowie ein Mädchen, das schon letztes Jahr zur Erstkommunion gegangen ist –, aber die teilnehmenden Kinder waren aufmerksam bei der Sache und zeigten gute Beteiligung, wenn ich in meine Erzählung Fragen einstreute: etwa, was eine Nonne bzw. Ordensschwester eigentlich den ganzen Tag macht, oder was ein Rosenkranz ist und wie man ihn benutzt. – Insgesamt bin ich geneigt zu sagen, unter all den Kinderwortgottesdiensten seit Oktober 2023, an deren Gestaltung ich wesentlich beteiligt gewesen bin, zählt dieser zu meinen Favoriten, zusammen mit dem KiWoGo zum Thema "Gehet hin in alle Welt" (Mai '24) und dem zum Propheten Jeremia (Dezember '24) – und ehrlich gesagt auch meinem allerersten eigenständig konzipierten KiWoGo zum Thema "Wo wohnst du?" im Januar '24, obwohl da so viel schiefgelaufen ist. Was die Nacherzählung des Lebens von Clare Crockett angeht, könnte ich mir vorstellen, sie mal in einem anderen Format erneut zu verwenden: Wenn man mehr Zeit und eine etwas ältere Zielgruppe hätte – beispielsweise bei einem Einkehrwochenende für Firmlinge oder so –, könnte man sicherlich auf einige Aspekte noch ausführlicher und vertiefend eingehen. 

Auch zu diesem Thema möchte ich übrigens noch eine Anekdote loswerden: Wer das Foto von der "gestalteten Mitte" aufmerksam betrachtet, wird darauf eine Zigarettenschachtel entdecken. Die war leer, aber noch am Samstagnachmittag trieb mich die Frage um, wo ich eigentlich so auf die Schnelle eine leere Zigarettenschachtel herbekommen sollte, ohne zu diesem Zweck öffentliche Papierkörbe durchwühlen oder, was ja wohl noch absurder wäre, eine Schachtel Zigaretten kaufen zu müssen. Noch während ich darüber nachdachte, kam ich an einem (geschlossenen) Backshop/Kiosk vorbei, in dessen Außenbereich ein Tisch und ein paar Stühle standen, und auf dem Tisch lag eine leere, ansonsten aber wie neu aussehende Zigarettenschachtel. Ein Geschenk des Himmels, könnte man sagen...! 

Da in einem weiteren Sinne ja auch das Projekt "Religiöse Kindertage" (RKT) zum Thema "Schwarzer Gürtel in KiWoGo" gehört, sei an dieser Stelle übrigens noch darauf eingegangen, dass am vergangenen Donnerstag eigentlich ein Vorbereitungstreffen zum Februar-RKT hätte stattfinden sollen; da konnte ich leider nicht, aber wie sich zeigte, war ich da nicht der einzige: Infolge einiger krankheitsbedingter Absagen wurde das Treffen verschoben. Jetzt gilt es abzuwarten, wann der Ersatztermin ist und ob ich da dann dabei sein kann... 


Auf der anderen Straßenseite 

Das Kinderprogramm der EFG The Rock Christuskirche in Haselhorst, genannt JAM ("Jungschar am Mittwoch"), fand im Zeitraum zwischen Weihnachts- und Winterferien genau zweimal statt, und beide Male waren wir dabei. Beim ersten Mal, also vorletzten Mittwoch, herrschte akuter Mitarbeitermangel, was besonders deshalb ungünstig war, weil die Veranstaltung ausgesprochen gut besucht war: Es waren sowohl "neue" Familien da als auch solche, die früher öfter dabei gewesen waren, aber schon seit längerer Zeit nicht mehr. Eine Auswirkung des Mitarbeitermangels war, dass die Kinder für den katechetischen Teil nicht in zwei Altersgruppen (Vorschul- und Schulkinder) geteilt wurden, sondern zusammen blieben. Ich bekam jedoch leider nichts von der Kinderkatechese mit, da ich zum Elterncafé "musste". Das kam so: Zu Beginn des Programms sagte eine der Mitarbeiterinnen zu meiner Liebsten und mir, es wäre ihr wichtig, dass mindestens einer von uns zum Elterncafé ginge; ich vermutete, dass das mit dem Zusammentreffen von Mitarbeitermangel und verhältnismäßig vielen neuen oder "seltenen" Teilnehmern zu tun hatte: Sie wollte wohl sicherstellen, dass beim Elterncafé, wo es weiterhin um das Markusevangelium gehen sollte, der Anteil derer, die etwas Sinnvolles zum Bibeltext sagen konnten und wollten, nicht zu klein wäre. Unser Jüngster war aber gerade wieder einmal in ziemlich bockiger Stimmung und wollte seine Mami nicht zum Elterncafé gehen lassen, daher sagte ich mir: Dann muss ich wohl. Nach einiger Zeit kam meine Liebste dann zwar doch nach, aber daraufhin wieder 'rauszugehen und zum Kinderprogramm zurückzukehren, war wohl keine Option. Und tatsächlich gefiel es mir beim Elterncafé besser als sonst meist. Ein entscheidender Grund war, dass die Mitarbeiterin, die diesmal das Elterncafé leitete – eine Mutter von drei Söhnen, von denen zwei allerdings schon aus dem JAM-Alter raus sind – schon ungewöhnlich früh aus dem möchtegern-exegetischen Herumstochern im Bibeltext ausstieg und das Gespräch auf eine persönlichere Ebene lenkte. "Dran" war an sich Markus 6,45-52 – Jesus wandelt über den See –, und die Leiterin knüpfte daran die Frage: "Wo gibt es in unserem Leben Stürme, in denen wir den Beistand Jesu benötigen?" Sie ging auch gleich mit gutem Beispiel voran und erzählte von herausfordernden Situationen in ihrem Privatleben, besonders in ihrem Verhältnis zu ihrem ältesten Sohn. Auf diese Weise wurde Themen, die sonst bestenfalls in der letzten Viertelstunde des Elterncafés, beim Sammeln von Gebetsanliegen, zur Sprache kommen, von vornherein größerer Raum gegeben, und das fand ich gut. Gleichwohl bemerkte ich Anzeichen dafür, dass mindestens eine der "neuen" Teilnehmerinnen etwas befremdet darüber war, nichtsahnend in einen Bibelkreis geraten zu sein; unter der Bezeichnung "Elterncafé" hatte sie sich offenbar etwas anderes vorgestellt, und zumindest ich kann ihr das nicht verübeln. Na, zu dem Thema wollte ich ja eigentlich schon längst mal etwas Grundsätzliches schreiben; vielleicht komme ich über die Ferien dazu. 

Als ich meine Große später nach dem Inhalt der Kinderkatechese fragte, die ich verpasst hatte, sagte sie, es sei um "Zeit und Ewigkeit" gegangen, sah sich jedoch nicht imstande, das näher zu erläutern. Umso mehr war ich erpicht darauf, beim nächsten JAM – am vergangenen Mittwoch – wieder beim Programm für die 6-12jährigen Kinder zuzuschauen und zu -hören, und diesmal gelang mir das auch. Einleitend erklärte die JAM-Leiterin, es werde wie beim vorigen Mal eine "Gegenstands-Andacht" geben; darüber, dass Katechesen in dieser Gemeinde (und wohl auch darüber hinaus im evangelikalen Sprachgebrauch) als "Andachten" bezeichnet werden, habe ich mich schon bei früherer Gelegenheit gewundert, und so richtig gewöhnen kann ich mich da immer noch nicht dran; gleichwohl war ich – unter dem Aspekt der Methodenvielfalt – gespannt, wie das Format "Gegenstands-Andacht" konkret aussehen mochte und wie es sich von den beim JAM sonst meist üblichen interaktiv gestalteten Nacherzählungen biblischer Geschichten unterschied, die in der Regel deutlich mehr als zwei "Sitzungen" in Anspruch nehmen. 

Bereits auf den ersten Blick fiel es auf, dass die Leiterin auf der Bühne eine Vielzahl unterschiedlicher Lichtquellen – Kerzen, Glühbirnen, Taschenlampen, Scheinwerfer – aufgebaut hatte; da lag die Vermutung nahe, dass es, nachdem das Thema in der vorigen Woche "Zeit" gelautet hatte, diesmal um dss Thema "Licht" gehen sollte. Die Kinder hatten allerdings, als die Leiterin erklärte, es solle diesmal um etwas gehen, "was wir alle jeden Tag machen", zunächst andere Ideen: "Atmen", schlug ein Junge vor. "Beten", warf mein Tochterkind ein, worauf die Leiterin überrascht und erfreut reagierte, dann jedoch erklärte, was sie meine, sei: Licht anmachen. Es folgte ein kleiner Vortrag darüber, welche unterschiedlichen Methoden, Licht zu machen, die Menschen im Laufe der Jahrtausende erfunden haben; dann wurde im Saal das Licht ausgemacht, und die Kinder sollten mit Hilfe einer Schwarzlicht-Taschenlampe kleine Zettel suchen, die im Raum versteckt waren und auf denen jeweils ein Wort stand. Der nächste Schritt bestand dann darin, diese Wörter zu einem Satz zusammenzusetzen, und dieser Satz lautete: 

"Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt." 

Daran schloss sich natürlich eine Auslegung dieses Satzes an – in der Form, dass die Leiterin im Gespräch mit den Kindern erörterte, was Jesus denn wohl mit dieser Aussage über sich selbst gemeint haben könnte. Dazu gehörte auch die Frage: Wenn Jesus das Licht ist, was ist dann die Dunkelheit, in die Er hinein leuchten will? Eine besonders schöne Antwort darauf hatte mein Tochterkind: "Der Abgrund in unseren Herzen." Ich war beeindruckt, und die JAM-Leiterin offenbar auch. 

Nicht unerwähnt lassen möchte ich übrigens auch, dass mein Tochterkind in letzter Zeit schon mehrmals im Lobpreis-Teil des JAM zusammen mit einer oder mehreren Mitarbeiterinnen die Choreographien verschiedener "Adonia-Bibelvers-Songs" vortanzen durfte. Sie ist da mit großem Engagement bei der Sache, und ich finde das prima. 


Update Religionspädagogik 

In der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings hatte ich Neuigkeiten hinsichtlich der Frage "Will der Klein jetzt ernsthaft Religionspädagogik studieren und Gemeindereferent werden?" in Aussicht gestellt, also will ich mich diesbezüglich nun auch nicht lumpen lassen. Wie angekündigt, hatte ich nämlich am Dienstag ein Infogespräch in dieser Angelegenheit, und ohne darüber allzu viel verraten zu wollen, kann ich doch immerhin sagen, dass das Gespräch in sehr netter und lockerer Atmosphäre ablief und dass ich nun schon viel klarer darüber sehe, wie der Weg zu einer Anstellung als Gemeindereferent beim Erzbistum Berlin konkret ablaufen würde. Das vielleicht wichtigste Ergebnis dieses Gesprächs ist, dass es mir bestätigt hat: Ich hab da Bock drauf. Was natürlich noch lange nicht heißt, dass es auch tatsächlich was wird. Das ist von einer Vielzahl von Faktoren abhängig, oder anders ausgedrückt: Es gibt zahlreiche denkbare Gründe dafür, dass entweder das Erzbistum oder ich selber (oder vielleicht beide) an irgendeinem Punkt des Prozesses sagen könnten: Das wird doch nichts mit uns. Aber erst einmal bin ich durchaus bereit, es darauf ankommen zu lassen. – Um schon im kommenden Frühjahrssemester mit dem Studium zu beginnen, ist die Bewerbungsfrist an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen indes schon abgelaufen; alternativ könnte man zum Herbstsemester ein Fernstudium in Paderborn beginnen oder aber bis nächstes Jahr warten – das will noch gut überlegt sein. Was mich an der Quereinsteiger-Offensive des Erzbistums Berlin allerdings am meisten interessiert – noch mehr als das Studium selbst –, ist die studienbegleitende berufspraktische Ausbildung; denn ich muss ehrlich gestehen, wenn man zuerst das auf sieben Semester angelegte Bachelorstudium abschließen müsste, bevor man mal damit anfangen könnte, tatsächlich in der Pastoral zu arbeiten, dann würde ich sagen, das dauert mir zu lange. Schließlich bin ich nicht mehr der Jüngste (auch wenn die freundliche Dame vom Erzbischöflichen Ordinariat, mit der ich sprach, meinte, ich passe genau ins typische Bewerberprofil, auch vom Alter her). Tatsächlich sieht der Ausbildungsplan des Erzbistums bereits ab dem dritten Semester eine studienbegleitende Anstellung im Umfang einer 50%-Stelle vor, bei der es zunächst vor allem darum geht, verschiedene Tätigkeitsfelder kennenzulernen (Religionsunterricht, Arbeit in der Pfarrei, Krankenhausseelsorge und schließlich einen selbst gewählten weiteren Schwerpunkt, z.B. "Citypastoral", Jugendpastoral, muttersprachliche Gemeinden) und die ab dem 5. Semester zu einer 100%-Stelle aufgestockt wird (wobei die fürs Studium aufgewendete Zeit auf die Arbeitszeit angerechnet wird). Das klingt für mich durchaus attraktiv. – Und wie geht's jetzt wohl weiter? Als nächster Schritt steht in drei Wochen ein "Bewerber:innen-Tag" des Erzbistums an, zu dem alle Interessenten für eine Ausbildung im Pastoralen Dienst, und somit auch ich, eingeladen wurden. Wie mir gesagt wurde, soll sich dieser "Bewerber:innen-Tag" von einem "assessment center" in der freien Wirtschaft hauptsächlich dadurch unterscheiden, dass er nicht darauf ausgelegt ist, dass die Bewerber sich gegenseitig ausstechen. Na, ich bin gespannt. Aber bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit... 


Neues aus Synodalien: Das unwillkommene Antanzen von Moni Toring und Eva Luation  

Eigentlich war ich ja der Auffassung, es lohne sich kaum, der heute Mittag mit einer Eucharistiefeier in der Stuttgarter Kirche St. Fidelis und der Ausgabe von Lunchpaketen zu Ende gegangenen 6. Synodalversammlung des Synodalen Weges größere Aufmerksamkeit zu widmen. Aber was ich dann doch von dieser Veranstaltung mitbekommen habe, hat mir den Eindruck vermittelt, dass die "Evaluation des Prozessgeschehens des Synodalen Weges" und das "Monitoring der Umsetzung der Beschlüsse des Synodalen Weges" Ergebnisse erbracht haben, die gerade diejenigen, die dem Anliegen des Synodalen Weges mit Sympathie gegenübergestanden haben und Hoffnungen auf den Erfolg dieses Prozesses gesetzt haben, als ausgesprochen peinlich empfinden müssten. Zum Zwecke der Evaluation des Prozessgeschehens hatte der Synodale Weg eine Studie bei der Katholischen Universität Eichstätt in Auftrag gegeben, deren empirische Grundlage eine Umfrage ist, die an alle Teilnehmer des Synodalen Weges versandt wurde. Beantwortet hat die Evaluationsfragen von vornherein nur rund die Hälfte der Synodalen, von den Bischöfen sogar nur ein Drittel; aber auch diejenigen, die sich die Mühe gemacht haben, glauben, wie es in der Studie heißt, "tendenziell nicht, dass der Synodale Weg erreicht hat, wozu er ursprünglich angetreten war". (Von den 130 Teilnehmern der Befragung rechnet die Studie übrigens nur elf zum Lager der "kritischen Bewahrer", denen die Beschlüsse der Synodalversammlungen "zu weit gingen"; diese dürften das Ergebnis also kaum wesentlich beeinflusst haben.) 

Noch blamabler steht es um das Monitoring der Umsetzung der Beschlüsse. Von "progressiven" Stimmen, die vom Synodalen Weg enttäuscht und frustriert sind, weil ihnen die Beschlüsse der vorangegangenen Synodalversammlungen nicht weit genug gingen, haben wir schon verschiedentlich gehört; nun zeigt aber das "Monitoring", dass selbst diese aus progressiver Sicht ungenügenden Beschlüsse nicht konsequent umgesetzt wurden und werden. Und daran sind nicht etwa, wie man ja geneigt sein könnte anzunehmen, nur die konservativen "Bremser" in der Bischofskonferenz, also Kardinal Woelki und die Bischöfe von Eichstätt, Regensburg und Passau, schuld: Von den 27 deutschen Diözesen haben 23 an der Befragung bezüglich des Standes der Umsetzung der synodalen Beschlüsse teilgenommen, und das Ergebnis zeigt, dass kein einziges Bistum "alle Beschlussergebnisse vollständig umgesetzt" hat. Und übrigens, was ich fast noch witziger finde, auch das "ZdK" nicht. – Sicherheitshalber möchte ich betonen, dass die Nicht-Umsetzung von Beschlüssen des Synodalen Weges an und für sich nichts ist, was ich kritisieren würde; eher im Gegenteil. Wenn ich mir die "Liste der weiterhin offenen Forderungen" so ansehe, auf der Dinge stehen wie "eine Musterordnung zur Beteiligung der Gläubigen bei Bischofsernennungen, eine Bitte an Rom um Aufhebung der verpflichtenden Ehelosigkeit für Priester", Änderungen am Katechismus in Hinblick auf die "Bewertung homosexueller Handlungen", "Zugang Homosexueller zum Weiheamt" sowie "eine Partikularnorm zur Laienpredigt", denke ich mir: Ja is' denn heut scho' Weihnachten?  Im Ernst: Wer Unmögliches fordert, darf sich über die ausbleibende Erfüllung seiner Wünsche nicht wundern oder gar beschweren. Aber bemerkenswert erscheint es doch, dass selbst die Leute, die nach außen hin als die entschiedensten Verfechter des Synodalen Weges auftreten, so wenig an dieses Projekt glauben und es so wenig ernst nehmen. Natürlich könnte man da nun sarkastisch einwerfen, dass Glauben nicht so die starke Seite dieser Leute ist, liege ja auf der Hand

Nicht von ungefähr fühlt sich mein Leser gerd, wie er in einem Kommentar zu meinem Artikel vom Donnerstag mitteilt, beim Synodalen Weg "an die berühmten Schildbürger-Geschichte" erinnert, in der "die Bürger beim Bau ihres neuen Rathauses die Fenster vergessen" und daraufhin versuchen, "mit Schaufeln, Gabeln und Säcken" das Sonnenlicht einzufangen, um damit ihr dunkles Rathaus zu erleuchten. Etwas geschafft hat die 6. Synodalversammlung aber immerhin doch, nämlich eine Wahlordnung für die künftige Synodalkonferenz zu verabschieden. Diese steht freilich unter dem Vorbehalt, dass der Vatikan der Errichtung dieser Synodalkonferenz erst einmal zustimmen müsste. Der Essener Bischof Overbeck äußert sich auf häretisch.de zwar "zuversichtlich, dass Rom die Satzung der künftigen Synodalkonferenz für die Kirche in Deutschland genehmigen wird", aber der Verdacht liegt nicht ganz fern, dass diese Äußerung eher als "Pfeifen im Walde" zu verstehen ist; oder anders gesagt: als das typische Verhalten eines notorischen Spielers, der bis zur letzten Sekunde blufft, obwohl er nichts auf der Hand hat. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Es scheint eine ganz sonderbare Unwissenheit über die Bedeutung des Wortes Entwicklung zu herrschen. Wenn wir von einem Kinde sagen, es sei gut entwickelt, dann meinen wir, dass es aus eigener Kraft größer und stärker geworden, nicht, dass es mit geborgten Kissen ausgepolstert ist und auf Stelzen geht, um größer auszusehen. Wenn wir sagen, ein Welpe entwickle sich zum ausgewachsenen Hund, dann meinen wir nicht, er entwickle sich allmählich zur Katze, sondern wir meinen, dass er mehr und nicht weniger Hund wird. Entwicklung ist die Entfaltung aller Möglichkeiten einer Lehre, all dessen, was sie in sich birgt, wenn es an der Zeit ist, diese Möglichkeiten zu unterscheiden und herauszustellen. 

(G.K. Chesterton, Thomas von Aquin) 


Ohrwurm der Woche 

Peter Cornelius: Reif für die Insel 

Am Montag geht's in den Urlaub: fünf Tage CenterParc Nordseeküste, wie schon seit Jahren eigentlich immer in den Winterferien. Auf einer Insel liegt dieses Urlaubsziel zwar nicht, aber ein bisschen Aussteiger-Feeling kommt da, von Berlin aus gesehen, trotzdem auf. Seinen Status als Ohrwurm der Woche verdankt der Song "Reif für die Insel" indes vorrangig der Tatsache, dass Google News mich unlängst mit einem Artikel über den Liedermacher Peter Cornelius überraschte, anlässlich seines 75. Geburtstags am 29. Jänner [sic]. Na dann herzlichen Glückwunsch! Das einzige andere Lied von Peter Cornelius, das ich kenne, ist "Du entschuldige, i kenn di", das man oberflächlich betrachtet für eine handelsübliche Schlager-Schnulze halten könnte, das aber zugleich eine bemerkenswerte Ähnlichkeit mit "My Sweet Lord" von Ex-Beatle George Harrison hat. – Im Unterschied zum gitarrenlastigen "Du entschuldige, i kenn di" ist das Arrangement von "Reif für die Insel" von unverwechselbaren 80er-Jahre-Synthi-Sounds geprägt. Hübsch und thematisch passend finde ich den behutsam angedeuteten Reggae-Rhythmus im Refrain. 


Vorschau/Ausblick 

Wie schon erwähnt, waren wir heute Vormittag mit meinen Schwiegermüttern im Friedrichstadtpalast, und ich schätze, ein paar Worte werde ich darüber beim nächsten Mal wohl verlieren müssen. Heute Abend, wenn dieses Wochenbriefing bereits online ist, ist Community Networking Night im Baumhaus, und ich hoffe sehr, dass ich es schaffe, da hinzugehen – am liebsten natürlich mit der ganzen Familie, aber zur Not auch allein. Nicht nur, weil es zu meinen Neujahrsvorsätzen gehört, da wieder öfter hinzugehen als zuletzt, sondern auch, weil das Baumhaus gerade eine Crowdfunding-Kampagne gestartet hat, um die laufenden Kosten für die nächsten drei Monate zu decken – Insgesamt 12.000 €, also 4.000 pro Monat. Aus dem Spendenaufruf ist mir nicht ganz klar geworden, ob dieser akute Geldbedarf damit zusammenhängt, dass dem Projekt Fördermittel gestrichen wurden oder ausgelaufen sind, aber irgendwas in der Richtung wird's wohl sein. – Am Montag ist das Fest Darstellung des Herrn – volkstümlich Mariä Lichtmess –, das in St. Joseph Siemensstadt allerdings schon in der morgigen Sonntagsmesse "vorgefeiert" wird. Dazu gehört traditionell eine Kerzenweihe, und da unser Tochterkind in der Adventszeit – im Rahmen des Bastelangebots beim JAM – fleißig Kerzen gezogen hat, haben wir uns gedacht, diejenigen selbstgezogenen Kerzen, die wir nicht inzwischen verschenkt haben, könnten wir bei dieser Gelegenheit mal segnen lassen. – Im Übrigen bleibt es abzuwarten, was die kommende Woche an blogrelevanten Themen bringen wird: Dass wir ab Montag fünf Tage in Urlaub sind, habe ich ja schon erwähnt; da sind wir zwar auf dem Territorium von St. Willehad, aber ich bin mir durchaus nicht sicher, ob und in welchem Ausmaß ich Zeit und Gelegenheit haben werde, mich an Ort und Stelle zu informieren, was da seit dem Amtsantritt des neuen Pfarrers so los ist. Für alle Fälle werde ich mir reichlich potentiell blogrelevante Lektüre einpacken, womit sichergestellt sein sollte, dass ich nicht in epischer Breite über Frühstücksbüffet und Schwimmbadbesuche werde schreiben müssen, um das nächste Wochenbriefing voll zu kriegen... 


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