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Samstag, 14. Februar 2026

Utopie und Alltag 12: Brot und Salz

Die erste von sieben Schul- und Arbeitswochen zwischen Winter- und Osterferien ist schon wieder rum, Leser; und das war eine recht ereignisreiche Woche – so sehr, dass ich nicht dazu gekommen bin, mich mehr als nur oberflächlich mit dem Thema "Missbrauch bei den Pfadfindern" zu befassen (kommt aber noch!), und auch wenn nicht alles, was in der zurückliegenden Woche so los war, blogrelevant war, haben mir einige der Themen der Woche so viel zu reflektieren gegeben, dass ich ein paar andere Themen aus Zeit- und Platzgründen weglassen bzw. verschieben musste. Herausgekommen ist dabei ein Wochenbriefing, dessen Themenschwerpunkte den Anschein erwecken könnten, ich wäre schon mittendrin in der Ausbildung zum Gemeindereferenten --- aber seht selbst! 

Kalt erwischt 

Nachdem ich vorige Woche zu Protokoll gegeben hatte, bei unserer Abreise in den Urlaub habe Berlin sich uns von seiner schlechtesten Seite gezeigt, war auch der Empfang, der uns bei unserer Rückkehr zuteil wurde, etwas unterkühlt. Das lag nicht an den Außentemperaturen, die am Freitag deutlich milder waren als in der gesamten vorangegangenen Woche und der Woche davor; aber als wir buchstäblich mitten in der Nacht in unserem Zuhause ankamen (wir hatten sowieso schon eine ziemlich späte Zugverbindung gebucht, und dann hatte der Zug, in den wir in Hannover umsteigen wollten und mussten, auch noch fast eine Stunde Verspätung), stellten wir fest: Ganz schön kalt hier. 12 Grad, um genau zu sein. Was war passiert? – Keine Bange, das Gas war uns nicht abgestellt worden, aber die Flamme der Gastherme war ausgegangen. Das kann schon mal vorkommen, und wenn es passiert, während man zu Hause ist, und man es schnell bemerkt, ist das nicht so wild: Man drückt auf einen Knopf, dann geht's wieder. Passiert es aber, während man fünf Tage weg ist, und das in der kältesten Zeit des Jahres, dann... nun ja. Nachdem die Heizung wieder lief, dauerte es die ganze restliche Nacht, bis es wieder einigermaßen warm in der Wohnung war, und den Großteil des nächsten Tages, bis wieder eine normale Raumtemperatur herrschte. 

Durch solche Misshelligkeiten ließen wir uns indes nicht davon abhalten, am Samstag wie geplant die Kinderzimmer-Neugestaltung in Angriff zu nehmen. Und gemessen daran, wie uns vor dieser Arbeit gegraut hatte, kamen wir ziemlich gut voran damit. 

Hier entstehen Platz und Sauberkeit für eine Neuanordnung der Kinderzimmermöbel. Die Kisten und Kartons in der Bildmitte dienen der thematischen Vorsortierung des im Zimmer verstreuten Spielzeugs.

Einen Tag später sah es dann schon so aus.

Die gegenüberliegende Ecke des Zimmers machte erheblich mehr Arbeit: Die hier zu sehenden Möbel sollten ausrangiert und durch neue ersetzt werden.

Fertig geworden sind wir mit der Kinderzimmer-Neugestaltung noch nicht, aber der erreichte Zwischenstand hat schon erfreuliche Auswirkungen gezeitigt, zum Beispiel, dass die Kinder sich fröhlich mit Spielsachen beschäftigen, von denen sie vermutlich schon gar nicht mehr wussten, dass sie sie haben, und sie abends auch selbständig wieder aufräumen. Nächste Woche geht's weiter... 


Salz der Erde und Blasiussegen 

Am Sonntagmorgen fühlte meine Liebste sich erkältet, erschöpft vom Räumen im Kinderzimmer und hatte Kopfschmerzen, daher beschloss sie, lieber zu Hause zu bleiben und sich auszuruhen; unser Jüngster wollte daraufhin partout bei ihr bleiben, aber wenigstens das Tochterkind konnte ich überzeugen, mit mir in die Kirche zu gehen. Ich schätze, ein bisschen exklusive Vater-Tochter-Zeit tat uns beiden gut, jedenfalls unterhielten wir uns auf dem Weg nach Siemensstadt und zurück gut, und in der Messe – die vom Spandauer Krankenhausseelsorger zelebriert wurde – war sie aufmerksamer, fokussierter als sonst oft, was sicherlich zu einem gewissen Anteil daran lag, dass sie und ihr kleiner Bruder sich nicht gegenseitig ablenken konnten. 

Das Evangelium vom Tag war Matthäus 5,13-16 – das Doppelbildwort vom Salz und vom Licht –, und auch wenn es sich bei dem Zelebranten bekanntermaßen nicht um meinen Lieblingsprediger handelte, war ich doch gespannt, was er dazu zu sagen haben würde. Die erste Hälfte seiner Predigt, oder etwas mehr als die Hälfte, bezog sich allerdings auf die 1. Lesung, Jesaja 58,7-10: "Brich dem Hungrigen dein Brot, nimm obdachlose Arme ins Haus auf; wenn du einen Nackten siehst, bekleide ihn, und entziehe dich nicht deiner Verwandtschaft." Der herrschenden Meinung der historisch-kritischen Exegese folgend, ordnete der Geistliche diesen Teil des Jesajabuches in die nachexilische Zeit ein: Der Prophet spreche hier in eine Situation hinein, in der "die mühsame Realität des Alltags" das aus Babylon zurückgekehrte Volk Israel "im Gelobten Land eingeholt" habe. Auf unsere Gegenwart bezogen, stellte die Predigt besonders die gesellschaftspolitische Relevanz dieser prophetischen Mahnung heraus: 

"Wir können darauf nicht verzichten, auch nicht im Deutschland unserer Tage – auch wenn wir sicherlich in vernünftiger Weise die Leistung eines jeden Menschen fördern dürfen und müssen und auch Leistung einfordern dürfen, darf dies nicht ausgespielt werden gegen die bleibende empathische Gesellschaft, solidarische Gesellschaft. Es muss immer die Bereitschaft bleiben, mit dem Hungrigen das Brot zu teilen, Obdachlosen ein Dach über dem Kopf zu geben, Nackte zu bekleiden und sich seiner Verwandtschaft und seinen Freunden nicht zu entziehen. Und es war schon immer Mode der Menschen, wenn sie in die Bedrängnis kommen, wenn es schwerer wird, zu sagen: Na, ich muss erst mal an mich selber denken, muss erst mal schauen, wie ich irgendwie durchkomme, und dann kommt erst mal eine Weile nüscht. – Aber dann wird die Gesellschaft immer ärmer und immer schwieriger, und auch der Einzelne, dem geht's dadurch nicht besser. Denn wir alle sind immer auf die Hilfe und Solidarität anderer angewiesen. Und so dürfen wir auch in schwierigeren Zeiten diese Solidarität nicht schleifen lassen." 

Politischer, oder sagen wir: offensichtlicher politisch wird's in den Predigten in dieser Gemeinde eigentlich nie, und das finde ich auch ganz gut so. Richtig spannend wurde es dann aber, als der Priester "eine letzte Bemerkung zum Evangelium" ankündigte. Hier hob er hervor, wenn Jesus sage "Ihr seid das Licht der Welt", sei das eine notwendige Ergänzung dazu, dass Er an anderer Stelle über sich selbst sage "Ich bin das Licht der Welt": Wir dürfen nicht alles nur von Jesus erwarten, sondern müssen uns bewusst sein, dass wir als getaufte und gefirmte Christen einen Auftrag haben, selbst daran mitzuwirken, das Licht Christi in die Welt zu tragen: "Wir alle sind gefordert und wir sind begabt durch Gottes Gnade und Fähigkeiten." – Normalerweise bin ich ja geneigt, die Botschaften, die der Spandauer Krankenhausseelsorger den Hörern seiner Predigten mitgibt, als "volkskirchlich konservativ unter leicht liberalem Anstrich" einzuordnen, aber in dieser Predigt zeigte er überraschend #benOppige Tendenzen – so etwa, indem er betonte, es könne nicht die Aufgabe der institutionellen Kirche sein, ihren Mitgliedern ständig hinterherzulaufen und alles Mögliche anzustellen, um sie irgendwie bei der Stange zu halten; stattdessen sei jeder einzelne Gläubige gefordert, mit seinem persönlichen Leben "Salz in der Suppe" zu sein, und das heiße, 

"dass wir den Geschmack nicht verlieren und dass andere durch unser Engagement und unser Leben auf den Geschmack kommen, auf den Geschmack Gottes und den Geschmack des Himmels. Und dann ist Kirche lebendig und dann läuft vielleicht auch manches anders." 

Dieses Thema griff er im weiteren Verlauf der Messe, von der Einleitung zum Friedensgruß bis hin zu seinen Schlussworten, noch mehrfach auf, und auch wenn ich bekanntlich kein Fan davon bin, wenn die Predigt in andere Teile der Liturgie hinein wuchert, schließt das ja nicht aus, dass dabei Richtiges und Bedeutendes gesagt werden kann. So zitierte er Karl Rahner mit dem Satz "Der Christ der Zukunft wird ein Mystiker sein, oder er wird nicht mehr sein" und den unlängst zum Kirchenlehrer John Henry Newman mit der Aussage "Ich sehe eine Zeit weit verbreiteten Unglaubens kommen" – und führte dazu aus:

"Und man begegnet diesem Unglauben, dem Fernbleiben nicht dadurch, dass man manchmal krampfhaft alles Mögliche anstellt, wie das Vereine machen, sondern man wird nicht anders können, als die mystische, die eigentliche Seele der Kirche zum Leuchten zu bringen. Das ist der Glaube, die Feier der Sakramente, die Verkündigung des Evangeliums, die Bereitschaft zur Diakonie, Trost und Hilfe zu spenden – und dass wir alle teilnehmen an dieser Sendung." 

Dass die Kirche kleiner werde, weil sie ihre weniger überzeugten, weniger engagierten Mitglieder nicht mehr halten könne, sei, so fügte er hinzu, etwas, worauf man sich einstellen müsse. – Bezeichnend fand ich es, dass dem Priester kurz vor Schluss plötzlich einfiel, dass die Messe ja auf YouTube gestreamt wird, und er daraufhin prompt etwas Angst vor der eigenen Courage bekam: Es wäre womöglich problematisch, meinte er, wenn das, was er da gerade ausgeführt habe, "woanders noch gehört wird". 

Zum Abschluss der Messe gab es den Blasiussegen, was angesichts der grassierenden Erkältungswelle natürlich sehr gelegen kam, und ich nahm mit Freude wahr, wie gespannt und fasziniert meine achtjährige Tochter das Zeremoniell der Segensspendung beobachtete. Ich habe es bei anderer Gelegenheit schon mal angesprochen, aber ich glaube wirklich, vielen Leuten ist überhaupt nicht klar, was für einen Schatz die Kirche in ihren Ritualen und Zeremonien besitzt. 


"Warum machst du nicht mal 'nen Podcast, Tobi?" 

Ich erwähnte es vorige Woche schon: Am Rande der jüngsten Community Networking Night im Baumhaus hat mir der Betreiber desselben eifrig zugeredet, ich solle doch mal einen Podcast machen, wenn nicht anstelle meines Blogs, dann eben zusätzlich. Der Gedanke hat mich seither nicht so ganz losgelassen, und da ich mich daran erinnerte, dass ich schon vor Jahren gelegentlich mal Beiträge für Radio Horeb ohne weitere technische Hilfsmittel auf meinem Handy eingesprochen hatte, dachte ich mir: Was soll's, probieren wir's einfach mal. Ein Thema für die "Nullnummer" stellte sich ebenfalls wie von selbst ein, in Gestalt des Buches "Die Wesermarsch während der Dänenzeit" von Jens Schmeyers, das bei meiner Mutter auf mich wartete, als wir diese in den Winterferien besuchten. Wie und warum dieses Buch in meinen Besitz gelangt ist, was die "Dänenzeit" ist bzw. war und so weiter, erkläre ich im Podcast und möchte es daher hier nicht lang und breit wiederholen, aber jedenfalls kann ich sagen, dass mir zu diesem Buch eine ganze Menge eingefallen ist – so viel, dass die am vergangenen Mittwoch erschienene "Nullnummer" meines Podcasts (mit dem Titel "It's Dänenzeit and the Feeling's Right") unversehens über zwei Stunden lang geworden ist. In Zukunft sollte ich mir wohl überschaubarere Themen vornehmen, damit die einzelnen Folgen nicht so lang werden. 

Erwähnen will ich indes noch, dass ich mit dem Gedanken gespielt habe, meinen Podcast "Just Talk Shit" zu nennen – nach dem Rat, den Scott aus dem Baumhaus mir gegeben hat. Aber da hätte sich bestimmt wieder jemand beschwert. Also heißt er jetzt vorerst einfach "Der Mittwochsklub-Podcast" und wird in Zukunft, je nachdem wie die Dinge sich entwickeln, vielleicht mal "Der Huhn meets Ei-Podcast" heißen. Zu finden ist der Podcast auf der Mittwochsklub-Patreon-Seite, der Zugang ist bis auf Weiteres kostenlos, aber ich möchte dennoch nicht die Gelegenheit versäumen, darauf hinzuweisen, dass die Plattform Patreon eigentlich dafür konzipiert ist, die jeweiligen Content Creators finanziell zu unterstützen – mit einem Beitrag ab 5 € im Monat. Dafür gibt's auch allerlei Premium-Content, aber wie ich immer gern sage, wenn das als Anreiz nicht ausreicht, dann kann man es auch als solidarischen Akt betrachten: Jeder, der für die Patreon-Seite zahlt, leistet einen Beitrag dazu, dass dieser Blog für den Rest der Welt kostenlos bleibt! 

Das Thema für die nächste Podcastfolge – die eigentliche Nr. 1 also, die, wenn's gut läuft, am kommenden Mittwoch erscheinen soll – steht auch schon fest, nämlich "100 Jahre offene Kirche Herz Jesu Tegel"; in Wirklichkeit sind es erst 25 oder jetzt wohl bald 26 Jahre, aber "100 Jahre" klingt einfach besser, und wir wollen mal hoffen, dass es noch 100 Jahre werden


Kleine Brötchen: JAM vs. Erstkommunionkatechese

Am Mittwoch war wieder JAM, und da gingen wir natürlich hin; erstmals in diesem Jahr gab es in der "gleitenden Ankunftsphase" mal wieder ein Bastelangebot, und danach erklärte unser Jüngster, er wolle, dass ich mit ihm nach oben zum Programm für die "Minis" (also für die Vorschulkinder) gehe. Na gut, dachte ich mir, da habe ich immer noch mehr Lust drauf als aufs Elterncafé. Am liebsten wäre ich aber natürlich zum Programm für die größeren Kinder gegangen – umso mehr, als es in der Katechese diesmal um die Wundersame Brotvermehrung ging, und zwar in der Version des Johannesevangeliums. Bei den "Minis" wurde diese Perikope im Wesentlichen nur nacherzählt, und zur Veranschaulichung erhielt jedes Kind ein kleines Stück Milchbrötchen. Dass Jesus im Zusammenhang mit der Brotvermehrung sagt "Ich bin das Brot des Lebens" (Joh 6,35), wurde durchaus erwähnt, aber lediglich metaphorisch gedeutet, also in etwa: "Genauso wie man Brot für das tägliche Leben braucht, braucht man Jesus für das ewige Leben, d.h. um in den Himmel zu kommen". Man mag sagen, das sei in einer evangelischen Freikirche kaum anders zu erwarten gewesen, aber im Nachhinein dachte ich mir doch: Abendmahl feiern die doch auch in ihrem Gottesdienst, wenn auch vielleicht nur einmal im Monat; und auch wenn das ihrem Verständnis nach bloß eine symbolische Handlung ist, könnte man es vielleicht doch verwunderlich finden, dass in einer Katechese zu Johannes 6 überhaupt kein Bezug zum Abendmahl hergestellt wird. Nochmals darüber nachgedacht, ist es aber vielleicht weniger verwunderlich als bezeichnend: Stellt man nämlich einen Zusammenhang zwischen der "Brotrede" in Joh 6,22-59 und den Einsetzungsworten beim Letzten Abendmahl her, dann deutet dieser Zusammenhang doch recht stark in Richtung Realpräsenz, und das ist für Konfessionen, die nicht an die Realpräsenz glauben, wohl ein plausibler Grund, diesen Zusammenhang nicht herzustellen. – Jedenfalls war ich nun natürlich neugierig, wie das Thema wohl bei den größeren Kindern gestaltet worden war, sonderlich viel wusste mein Tochterkind mir zunächst allerdings nicht darüber zu berichten, außer dass es auch da Milchbrötchen zu essen gab – zusätzlich aber auch Brötchen gebacken wurden, was ja, wie man so hört, auch in der Erstkommunionkatechese eine beliebte Aktivität ist. Ich hatte zu diesem Thema schon vor Jahren mal einen Absatz aus dem Buch "Nightfever. Theologische Grundlegungen" zitiert, der mit der Feststellung begann "Es wird immer noch ganz viel Brot gebacken in der Eucharistiekatechese und immer noch zu wenig von der realen und substantialen Gegenwart des Herrn gesprochen, der unter den eucharistischen Gestalten die Gemeinschaft seiner Kirche aufbaut". Erneut daran erinnert wurde ich im letzten Sommer durch eine Instagram-Story von Horse & Hound, von der ich zur späteren Verwendung einen Screenshot angelegt habe: Da berichtete der damals noch alleinige Seitenbetreiber Thomas H. aus G., er habe neulich "eine Kollegin getroffen", die "beklagt, dass sich die Seelsorgenden [sic] in der Erstkommunion-Vorbereitung vor allem um die Vermittlung von 'Glaubenswissen' kümmern würden". Meine spontane Reaktion darauf war, das sei ja mal wieder typisch PUU, und nach allem, was ich so über die landläufige Praxis der Erstkommunionvorbereitung wisse, werde da ja wohl eher zu wenig Glaubenswissen vermittelt. Aber dann sagte ich mir, ich sollte besser mal keine voreiligen Schlüsse darüber ziehen, worauf die besagte Kollegin mit ihrem Stoßseufzer hinaus wolle, und lieber erst mal weiterlesen. Und so las ich: 

"Sie meinte: 'Hier in der Stadt werden 90% aller Ehen geschieden. Die Welten unserer Kinder zerbrechen und wir reden mit den Kindern übers Brotbacken?'" 

Was sollen wir nun hierzu sagen (Röm 6,1)? Versuchen wir das mal zu "entpacken": Wenn die Dame damit sagen will, dass es ein wichtiger Aspekt von Kinderkatechese sein könnte und sollte, die Kinder in ihrer Lebensrealität, auch in ihrer konkreten individuellen Lebenssituation wahrzunehmen und auf sie einzugehen, und dass dieser Aspekt vielfach vernachlässigt wird, weil Kinderkatechese nach Schema F gemacht wird, dann mag sie wohl Recht haben. Aber dass sie "übers Brotbacken reden" kurzerhand mit "Vermittlung von Glaubenswissen" gleichsetzt, hat dann doch etwas Tragikomisches. Ich möchte da nochmals auf den weiter oben schon zitierten Absatz aus dem Nightfever-Buch zurückverweisen: Das Problematische an der Brotbackerei im Erstkommunionunterricht ist, dass da zunächst einmal nur "das Symbol in seinem menschlichen Gehalt erschlossen" wird und die Gefahr besteht, dass dies als "ein rein horizontaler Vorgang" wahrgenommen wird: 

"Brot ist zum Essen da, und beim Herstellungsvorgang sowie beim Verzehr entsteht, wenn es gut geht, Gemeinschaft. [...] Was wirklich deutlich werden muss, ist, dass die Gabe des Brotes nicht nur dem irdischen Leben dient, sondern Symbol für die Hingabe Jesu Christi an uns als Speise zum ewigen Leben. Das ist nicht unmöglich. Es müsste nur gemacht werden." 

– Übrigens teilte unser Tochterkind uns schließlich noch mit, in der Katechese für die größeren Kinder habe die JAM-Leiterin gesagt, wenn Jesus von sich selbst als dem "Brot des Lebens" spreche, sei das "natürlich" nicht so zu verstehen, dass man "Butter auf Ihn draufschmieren und Ihn aufessen" könne. Daraufhin fanden meine Liebste und ich es dann doch ratsam, vor dem Schlafengehen noch eine kleine Nachbesprechung zum JAM abzuhalten und darauf hinzuweisen, dass wir glauben, Jesus habe tatsächlich gemeint, dass wir Seinen Leib (in Gestalt von Brot) essen sollen, und dass wir das in der Kommunion tun. Zu unserer Großen sagte ich in diesem Zusammenhang auch, dass sie ja nach den Sommerferien mit dem Erstkommunion-Unterricht anfangen und dann noch mehr und Genaueres zu diesem Thema lernen werde. (Wozu übrigens anzumerken ist, dass ich entschieden die Absicht habe, in der Erstkommunionkatechese meiner Kinder – also erst einmal eines Kindes, das andere hat ja noch ein paar Jahre Zeit – auch persönlich "mitzumischen". In welcher Form und welchem Umfang genau, muss sich noch zeigen.) Bemerkenswert fand ich, dass das Tochterkind im Zuge dieses Gesprächs von sich aus anmerkte, man brauche Jesus ja nicht nur für das ewige Leben, sondern Er mache auch jetzt schon das Leben besser. – Im Übrigen war am Abend zuvor die Lourdes-Novene zu Ende gegangen, und nun überraschten mich meine Kinder mit dem Wunsch, eine neue Novene anzufangen. Daraufhin musste ich erst mal schauen, was für eine Novene denn jetzt "dran" wäre; und siehe da, am 20. Februar ist der Gedenktag der Seherkinder von Fátima, Jacinta und Francisco Marto, und natürlich findet man Novenen zu diesem Anlass im Netz. Also ist jetzt nach der Lourdes- eine Fátima-Novene dran. Mal sehen, was danach kommt... 


Aufbrechen wie Abraham: Neues vom Projekt "Religiöse Kindertage"

Am Donnerstagabend fand im Gemeindehaus von St. Stephanus in Haselhorst das Vorbereitungstreffen für den nächsten "Religiösen Kindertag" statt, das ursprünglich schon für zwei Wochen vorher anberaumt worden war, aber wegen krankheitsbedingter Absagen hatte verschoben werden müssen. Gut für mich, denn am ursprünglichen Termin hätte ich nicht teilnehmen können. – Schon das Vorbereitungstreffen zur ersten Veranstaltung des Formats "Religiöse Kindertage" in St. Stephanus – an dem ich nicht hatte teilnehmen können, weil ich da im Urlaub war – hätte, wie ich seinerzeit notierte, eigentlich unter dem Motto "Beten – Planen – Essen" stehen sollen, aber wie der Gemeindereferent mir hinterher berichtete, hatte sich gezeigt, dass den anderen Teilnehmern der Leitgedanke, die Planungsarbeit für das neue Projekt im Gebet zu verankern, eher fremd war, und so war das Beten ein bisschen kurz gekommen. Nun sollte es in dieser Hinsicht einen neuen Anlauf geben. 

An dem Treffen an diesem Donnerstag nahmen insgesamt sieben Personen teil – vier junge Erwachsene, von denen drei schon beim ersten RKT im November mitgewirkt hatten (den vierten kannte ich vom Jugendeinkehrtag letztes Jahr vor Ostern) und drei nicht mehr so junge Erwachsene, darunter der Gemeindereferent und ich. Die jungen Leute kamen allerdings sämtlich etwas zu spät, weshalb wir mit der "geistlichen Einstimmung" schon mal ohne sie anfingen: Wir sangen ein paar Lieder, wozu ich ein bisschen auf der alten Gitarre spielte, die im Gemeindesaal von St. Stephanus zum Inventar gehört, und als dann alle eingetrudelt waren, begannen wir eine (vom Gemeindereferenten "anmoderierte") Gebetsrunde. Es war deutlich zu bemerken, dass freies Beten allen Beteiligten, besonders aber den Jüngeren, eher ungewohnt war; aber es war ein Anfang. Zum Abschluss der Gebetsrunde wurde ein Gebet aus dem Gotteslob (Nr. 7,7, "Du bist heilig, Herr, unser Gott" vom Hl. Franz von Assisi) gemeinsam gesprochen, da fühlten sich alle wieder in sicheren Gewässern. 

Für den anstehenden Religiösen Kindertag – in zwei Wochen, am 28. Februar – war ja das Thema "Raus dem Alltag, rein ins Abenteuer – mit Abraham ins Heilige Land" geplant, und dazu gab es erst einmal eine "Bibelarbeit": Der Gemeindereferent hatte für jeden Teilnehmer auf einer DIN-A-4-Seite die Verse Genesis 12,1-9 ausgedruckt und stellte nun verschiedene Methoden vor, an diesem Text zu arbeiten: Die eine Option war, einen "Sehtext" zu gestalten (diese Methode kannte ich schon vom Jugendeinkehrtag her, sie wurde aber nur von einem Teilnehmer gewählt), die andere, miteinander ein "Schriftgespräch" zu führen, indem jeder auf seinen Blatt Anmerkungen, Fragen oder Assoziationen zum Text an den Rand schreibt und das Blatt dann an den Sitznachbarn weitergibt, der auf diese Randnotizen "antworten" oder eigene hinzufügen kann. Als angehender Religionspädagoge (hihi) fand ich diese Methode sehr interessant, und sie erbrachte auch durchaus bemerkenswerte Ergebnisse; nicht unerwähnt lassen möchte ich indes, dass am Beginn dieser "Bibelarbeit" der Wunsch an den Gemeindereferenten herangetragen wurde, ein bisschen Kontext zu dieser Bibelstelle zu referieren, "weil wir alle nicht so bibelfest sind, außer vielleicht Tobias". Lassen wir das mal so stehen... 

Nach der "Bibelarbeit" wurde erst mal gemeinsam gekochtOne-Pot-Hähnchencurry mit Reis – und dann gemeinsam gegessen, und während des Essens wurde Organisatorisches besprochen, zum anstehenden RKT wie auch zur diesjährigen Religiösen Kinderwoche in den Sommerferien – ein Thema, auf das zu gegebener Zeit noch zurückzukommen sein wird. Was den RKT-Termin in zwei Wochen angeht, stellte sich indes heraus, dass beinahe das gesamte Team – bis auf den Gemeindereferenten und mich – da gar nicht da ist, weshalb der Beschluss gefasst wurde, das Abraham-Thema lieber auf Ende März zu verschieben. Der Termin am 28. Februar soll aber trotzdem nicht einfach ausfallen, also werden wir da wohl in reduzierter Besetzung etwas improvisieren müssen. Wahrscheinlich zum Thema Schöpfung bzw. Adam und Eva. Ich werde berichten... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Der Verlust der Hoffnung hat seinen Grund in dem Versuch, eine Anthropologie ohne Gott und ohne Christus durchzusetzen. Diese Denkart hat dazu geführt, den Menschen "als absoluten Mittelpunkt allen Seins zu betrachten, indem man ihn fälschlicherweise den Platz Gottes einnehmen ließ und dabei vergaß, dass nicht der Mensch Gott erschafft, sondern Gott den Menschen erschafft. 

Das Vergessen Gottes hat zum Niedergang des Menschen geführt. Es wundert daher nicht, dass in diesem Kontext ein großer Freiraum für die Entwicklung des Nihilismus im philosophischen Bereich, des Relativismus im erkenntnistheoretischen und moralischen Bereich, des Pragmatismus und sogar des zynischen Hedonismus in der Gestaltung des Alltagslebens entstanden ist. Die europäische Kultur erweckt den Eindruck einer "schweigenden Apostasie" seitens des satten Menschen, der lebt, als ob es Gott nicht gäbe.

(Johannes Paul II., Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 9


Ohrwurm der Woche 

Screaming Trees: Nearly Lost You 

Diesen Song kenne ich ursprünglich vom Soundtrack-Album zu Cameron Crowes Spielfilm "Singles" aus dem Jahr 1992, womit dies nach "State of Love and Trust" von Pearl Jam (in "Grüße aus dem Corona-Park #3", April 2020) und "Waiting for Somebody" von Paul Westerberg (im "Creative Minority Report" Nr. 6, Dezember 2023) schon mein dritter "Ohrwurm der Woche" ist, der auf dieser Platte bzw. in diesem Film vertreten ist. In Erinnerung gerufen hat mir den Song indes ein YouTube-Video über "Bands aus den 90ern, die 'das nächste große Ding' hätten werden können, es dann aber doch nicht wurden"; ein Video übrigens, aus dem durchaus noch der eine oder andere weitere "Ohrwurm der Woche" hervorgehen könnte. Tatsächlich wird die Gruppe Screaming Trees zwar zu den Pionieren des Grunge-Genres gezählt, aber nach ihrem Durchbruch mit dem Album "Sweet Oblivion" (1992), auf dem der Song "Nearly Lost You" enthalten war, brauchte die Band vier Jahre, um ein weiteres Album herauszubringen, und inzwischen war der Grunge-Boom vorbei. Tja, schade. 


Vorschau/Ausblick 

Die Karnevalssaison geht ihrem Höhepunkt entgegen, und dieser Umstand hat uns am heutigen Samstag ein Termin-Dilemma beschert: Einerseits war Kinderfasching in St. Bernhard Tegel-Süd, da war meine Liebste voriges Jahr mit den Kindern, während ich in Sachen Pfarrhausfamilie unterwegs war, und unser Jüngster hat sich da mit einem etwa gleichaltrigen Jungen angefreundet; diese Freundschaft hat sich übers Jahr gut entwickelt, wir verstehen uns auch mit den Eltern sehr gut, und nun wollten die Jungs natürlich wieder zusammen Kinderfasching feiern. Gleichzeitig war aber auch Kinderfasching in der Gemeinde St. Norbert in Schöneberg, und dazu waren die KPE-Wölflinge sozusagen kollektiv eingeladen; oder anders ausgedrückt, zugunsten der gemeinsamen Teilnahme an der Faschingsfeier fiel das "normale" Meutentreffen aus. Theoretisch hätten wir uns nun aufteilen können, ein Elternteil geht mit dem Jüngsten nach St. Bernhard, das andere mit der Großen nach St. Norbert, aber so richtig ideal fanden wir das alle nicht, und hinzu kam, dass die Faschingsfeier in St. Norbert unter dem Motto "Arche Noah" stand und unser Tochterkind dafür kein geeignetes Kostüm hatte. Also entschieden wir uns doch lieber dazu, alle zusammen zum Kinderfasching in St. Bernhard zu gehen; darüber berichte ich dann beim nächsten Mal. – Zum Ausgleich für das ausgefallene Wölflingstreffen in Schöneberg wollen wir morgen wieder zu den KPE-Wölflingen und -Wichteln in Gesundbrunnen, und das heißt, dass wir planen, in St. Afra in die "Alte Messe" zu gehen; da haben wir wohl die größtmögliche Sicherheit, am letzten Sonntag vor Beginn der Fastenzeit von einer Karnevals-"Liturgie" mit Schunkelliedern und gereimter Predigt verschont zu bleiben. Ausgestanden ist das Thema Karneval damit aber noch nicht, denn am Rosenmontag ist ist antifaschistischer, kultursensibler Fasching in der Schule des Tochterkindes, am Dienstag feiert die KiTa des Jüngsten Fasching, dafür hat sie tags darauf geschlossen, aber nicht wegen Aschermittwoch, sondern wegen einer Mitarbeiterfortbildung. Ich schätze, das ist eine gute Gelegenheit, mal wieder mit dem Jüngsten in St. Marien Maternitas in die Messe zu gehen – die, dem Zelebrationsplan der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd zufolge, von Pater Mephisto zelebriert wird. 

– Und wie steht es mit guten Vorsätzen für die Fastenzeit? Sagen wir so: Im Vergleich zum Vorjahr wäre es schon ein Fortschritt, wenn ich an meinem Bibelleseplan dranbliebe (dazu, wie es damit läuft, gibt es folgerichtig nächste Woche ein Update); davon abgesehen hatte ich in der vorigen Fastenzeit damit begonnen, möglichst jeden Werktag mit Invitatorium und Laudes (plus Kaffee) zu beginnen, dies dann aber auch über die Fastenzeit hinaus beibehalten – und nun bin ich mir recht unsicher, ob es nun ein realistischer Vorsatz für die diesjährige Fastenzeit ist, darüber hinaus noch eine weitere Hore des Stundengebets in meinen Tagesablauf zu integrieren. Was ich hingegen sehr gern mal wieder machen würde, wäre "Beten mit Musik" – und zur Eucharistischen Anbetung gehen. Wir werden sehen, was daraus wird. 

Am kommenden Samstag ist dann volles Programm: Ich bin beim "Bewerber:innentag" des Erzbistums Berlin für pastorale Berufe, und gleichzeitig ist meine Liebste bei einem Einkehrtag für Frauen in der EFG Schöneberg, zu dem eine JAM-Mitarbeiterin sie eingeladen hat. – Und was machen die Kinder währenddessen? Die gehen mit den Omas zu den Pfadfindern. So jedenfalls der Plan. Das verspricht alles recht spannend zu werden, aber berichten werde ich darüber wohl erst im übernächsten Wochenbriefing können. 


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