Es war ja absehbar, dass es in der ersten Augustwoche kein anderes Thema geben würde als die diesjährige Religiöse Kinderfreizeit (RKF) der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst unter dem Motto "Mensch, Mose – beweg dich!", bei der ich im Leitungsteam und mein Tochterkind als Teilnehmerin mit von der Partie war. Nicht unbedingt absehbar war es für mich hingegen gewesen, dass ich die RKF so klasse finden würde. Ihr dürft euch also auf eine ausführliche Schilderung derjenigen Aspekte der Fahrt freuen, die ich im Kontext der – sagen wir mal – "Leitthemen" meiner Wochenbriefing-Reihe Utopie und Alltag besonders relevant finde. Also hinein ins Vergnügen!
Fast wie bei Rat Schinke hier
Am Samstagvormittag brachte ich mein Tochterkind zum Bahnhof Spandau, von wo aus die Teilnehmer der RKF mit dem Zug zur Mecklenburgischen Seenplatte aufbrechen sollten. Ich selbst kam zwar auf die Fahrt mit, fuhr aber nicht mit der Gruppe im Zug, da ich sozusagen "beim Tross" war: Ich sollte zusammen mit dem Gemeindekirchenmusiker, der bei der RKF als Küchenchef agierte, und der Frau des Gemeindereferenten im Kleinbus vorfahren, in dem auch das Gepäck, die Lebensmittel, Bastelmaterialien usw. transportiert wurden. Die Idee war, dass der Kleinbus rechtzeitig bei der Unterkunft ankommen sollte, dass wir schon die Küche einrichten und nach Möglichkeit einen kleinen Snack vorbereiten konnten, bevor die ganze Gruppe ankam. Das scheiterte allerdings bereits im Ansatz – einerseits, weil wir infolge einer Reihe von sich aufsummierenden Kleinigkeiten erst eine Stunde später losfuhren als ursprünglich geplant, und andererseits, weil wir infolge diverser Verkehrsbehinderungen auf der Autobahn (plus zweimal verfahren) mit dem Auto auch nicht so viel schneller waren als die anderen mit der Bahn. So richtig schlimm war das aber nicht, und es blieb auch nicht der einzige Fall, in dem wir den Zeitplan nicht einhalten konnten. Damit muss man (oder sollte man zumindest) wohl immer rechnen, besonders wenn man es mit Kindern und Teenagern zu tun hat.
Die Location gefiel mir jedenfalls auf den ersten Blick. Wir waren in einem Selbstversorger-Gruppenhaus innerhalb des Ferienparks Plauer See untergebracht, das auf der Website des Ferienparks als "historisches Gästehaus" tituliert wird; über die Historie des Hauses, das an der Giebelseite die Jahreszahl 1898 trägt, war allerdings wenig herauszufinden. Der Gemeindereferent vermutete, dass es ein ehemaliges Forsthaus war, und als wir – da greife ich jetzt mal der chronologischen Reihenfolge ein wenig vor – am Sonntag auf einer Wiese hinter bzw. neben dem Haus die Messe feierten, merkte er an, dies sei wahrscheinlich die allererste Heilige Messe, die jemals an diesem Ort gefeiert worden sei. – Ich hatte zunächst die Vermutung, der Ferienpark Plauer See sei zu DDR-Zeiten das Zentrale Pionierlager Fritz Heckert gewesen, aber laut Google Maps befand sich dieses am anderen Ufer des Plauer Sees. Wundern würde es mich indes trotzdem nicht, wenn das "historische Gästehaus" irgendwie mit dem Pionierlager in Verbindung gestanden hätte.
Die Unterbringung in einem Selbstversorger-Gruppenhaus erinnerte mich natürlich an das gute alte Rat-Schinke-Haus in meinem Heimatdorf Burhave, das allerdings den nicht unwesentlichen Vorteil hat, dass sich dort die örtliche katholische Kirche buchstäblich unter demselben Dach befindet. Andererseits wäre das Rat-Schinke-Haus für die Zwecke dieser RKF nicht nur zu weit weg, sondern vor allem auch zu klein gewesen, denn da ist nur für Gruppen von bis zu zwanzig Personen Platz, wir waren jedoch ganze dreißig Personen: das siebenköpfige Leitungsteam, dazu sechs Jungen und 17 Mädchen im Alter zwischen sieben und 14 Jahren (eigentlich war das Mindestalter acht Jahre, aber ein siebenjähriger Junge durfte mit, weil seine große Schwester auch dabei war; die zweitjüngste Teilnehmerin war meine Tochter, die im Herbst neun wird). Beim Elternabend vor knapp zwei Monaten war noch von 18 Anmeldungen die Rede gewesen, da waren also einige noch recht kurzfristig dazugekommen; es waren auch deutlich mehr Teilnehmer als im Vorjahr, und rund die Hälfte der Teilnehmer war zum ersten Mal bei einer RKF (während die andere Hälfte zum Teil schon zum dritten oder vierten Mal mitfuhr). Gehört auch das zum stillen religiösen Aufbruch ("Quiet Revival")? – Ein gutes Drittel der Kinder war polnischer Herkunft, was bei der Mitgliederstruktur der Siemensstädter Gemeinde nicht sonderlich überraschen kann; in früheren Jahren soll dieser Anteil sogar noch größer gewesen sein. Daneben waren auch Kinder italienischer, ägyptischer, syrischer oder irakischer Herkunft mit dabei. Man hört immer wieder, im gesamten Erzbistum Berlin sei ungefähr jeder vierte Katholik nichtdeutscher Herkunft; es würde mich nicht wundern, wenn unter den praktizierenden Katholiken dieser Anteil noch deutlich größer wäre, und in Siemensstadt vielleicht sogar noch einmal besonders groß. – Während es sich bei den zehn- bis elfjährigen Teilnehmern im Großen und Ganzen um Erstkommunionkinder aus diesem oder dem vorigen Jahr handelte, die ich daher schon vom KiWoGo und/oder RKT her kannte (und nach gängigen post-volkskirchlichen Maßstäben darf man es ja schon als Erfolg verbuchen, wenn man die Kinder nach ihrer Erstkommunion überhaupt nochmal wiedersieht), waren unter den größeren Mädchen einige, die zur Gemeinde von St. Joseph/St. Stephanus eigentlich überhaupt keinen Bezug haben, aber eine katholische Schule besuchen und von Freundinnen, die schon öfter mit dabei gewesen waren, zum Mitkommen überredet worden waren. Unter diesem Aspekt ist das evangelistische Potential von Schulen in kirchlicher Trägerschaft womöglich doch größer, als ich bisher gedacht hätte; aber es kommt halt wie stets und überall darauf an, was man aus diesem Potential macht.
Der Kirchenmusiker, der wie gesagt als Küchenchef mitgekommen war, äußerte sich übrigens schon in der Leiterrunde am ersten Abend – und in der Folgezeit noch öfter – lobend über die "sensationell netten Kinder", und ich kann ihm da nur zustimmen. Sogar die Teenie-Mädchen waren erfreulich unzickig. Schwierigkeiten gab es, wenn überhaupt, eher mit den "Tweens" – also den 11- bis 12-Jährigen, die sich nicht mehr so ganz als Kinder sehen, aber auch noch nicht richtig jugendlich sind. Jedenfalls kann man konstatieren, dass es auf dieser Fahrt auch in pädagogischer Hinsicht einiges zu lernen gab. –
Auch noch erwähnt sei – auch wenn ich im weiteren Verlauf nur am Rande darauf eingehen werde –, dass die Veranstaltung, die ja normalerweise Religiöse Kinderwoche heißt, in der Gemeinde St. Joseph/St. Stephanus nicht von ungefähr explizit "Religiöse Kinderfreizeit" heißt; und zwar deshalb, weil neben dem "inhaltlichen Programm" auch auf ein attraktives Freizeitprogramm Wert gelegt wird, das in diesem Fall u.a. Baden im See (wobei an einem Tag auch ein Floß gebaut wurde), eine Kanutour, Fußball- und Volleyballspielen, Bogenschießen und einen Ausflug in das nahegelegene, recht malerische Städtchen Malchow umfasste. Oft waren es diese Erlebnisse, über die die Kinder bei der Abendrunde am meisten redeten und die demnach offenbar den lebhaftesten Eindruck bei ihnen hinterließen, und das ist ja auch nicht sonderlich überraschend; aber man kann trotzdem nicht behaupten, dass das "inhaltliche Programm" – wie ich im Vorfeld so ein bisschen befürchtet hatte – als nebensächlich oder gar als notwendiges Übel betrachtet worden wäre. Dazu gleich mehr.
Eigentlich bin ich ja nur im Küchenteam, aber...
Ich hatte es bereits erwähnt: Offiziell war meine Position im Leitungsteam dieser RKF die des Küchenhelfers, ich durfte also nach dem Wölflingslager auf dem Achorhof im letzten Herbst erneut für um die 30 Personen kochen – diesmal zwar nicht in der Gulaschkanone, allerdings in einer Küche, die – was etwa die Leistungsfähigkeit der Herdplatten und der Spülmaschine oder auch die Ausstattung mit Toastern und Wasserkochern anging – eher auf die Bedürfnisse eines größeren Privathaushalts ausgerichtet zu sein schien. Bei drei Mahlzeiten am Tag und zwischendurch Tee war das eine Menge Arbeit, machte aber Spaß – und nicht zuletzt vermittelte es einen recht intensiven Eindruck von der ganzen Logistik hinter einer solchen Ferienfreizeit. Mit Blick auf meine angestrebte berufliche Zukunft muss ich da feststellen: Ehe ich mir zutraue, selbst eine Religiöse Kinderwoche zu organisieren, werde ich wohl noch einige Jahre lang Erfahrungen in helfender Position sammeln müssen.
Bei allem Interesse an der organisatorischen Seite der Fahrt ist es wohl nicht sonderlich überraschend, dass ich dennoch darauf hoffte und spekulierte, auch in die "inhaltliche Arbeit" einbezogen zu werden. Dass diese Hoffnung nicht ganz unerfüllt bleiben würde, war im Grunde absehbar, schließlich hatte ich im Vorfeld eine Reihe von Anregungen und Vorschlägen erarbeitet, wie man die doch sehr moralistisch-therapeutisch geprägten konzeptionellen Vorgaben des Materialienbuches in spiritueller und katechetischer Hinsicht etwas "aufmotzen" könnte, und da lag es wohl nahe, dass mir auch die Aufgabe zufallen würde, wenigstens einen Teil dieser Vorschläge selbst umzusetzen. Hinzu kam, dass eine der jungen Erwachsenen, die in den internen Ablaufplänen als "Junge Leiter" betitelt wurden (das gefiel mir; ich fand, "Die jungen Leiter" könnte der Name einer Fernsehserie sein), sich krank gemeldet hatte und das Leitungsteam somit Verstärkung gebrauchen konnte.
Zu meinem ersten Einsatz in der "inhaltlichen Arbeit" kam ich dann auch schon unverhofft früh, nämlich beim Abendprogramm am Ankunftstag – die zur Sonnenuntergangszeit am See stattfand, atmosphärisch definitiv das Highlight des Tages.
Der Gemeindereferent hatte die Idee gehabt, zum Einstieg – um die Mose-Geschichte in einen größeren Kontext einzuordnen – noch einmal die Geschichte von Abraham zu rekapitulieren, der wir im März bereits einen Religiösen Kindertag gewidmet hatten, und dabei die bei diesem RKT gebastelten Collagen zur Visualisierung zu verwenden. Auf dem Weg zum See fragte der Gemeindereferent mich spontan, ob ich das Nacherzählen der Abrahamsgeschichte übernehmen möge, und ebenso spontan willigte ich ein. Das Erzählen machte Spaß und ich erntete auch positives Feedback sowohl von Kindern als auch aus dem Leitungsteam. – Der Tagesabschluss mit Reflexion und Ausblick sollte, wie ich entweder erst jetzt erfuhr oder mir zuvor einfach nicht gemerkt hatte, in Kleingruppen erfolgen, und zwar zimmerweise; dabei sollte auch ich eine Kleingruppe übernehmen, und zwar nicht etwa die aus dem Zimmer, in den meine Tochter schlief, und auch keine aus einem der beiden Jungszimmer – das wäre wohl zu einfach gewesen. Stattdessen wurden mir die lauten, chaotischen und nicht gerade zu übermäßigem Respekt vor Autoritätspersonen neigenden "Tween"-Mädchen aus Zimmer 5 zugeteilt, die mich direkt unverhohlen wissen ließen, dass sie nicht die Absicht hatten, mir meine so unverhofft und unvorbereitet übernommene Aufgabe leicht zu machen. Es erwies sich somit als ziemlich herausfordernd, mit dieser Mädchengruppe einen einigermaßen sinnvollen Tagesrückblick einschließlich Nachtgebet hinzukriegen, aber ich sagte mir, auch das sei eine wertvolle Erfahrung und ich müsse halt zusehen, wie ich das Beste daraus mache.
Bei der Leiterrunde am ersten Abend konnte ich mir für den nächsten Tag die Aufgabe sichern, die Morgenandacht zu leiten, und zwar mit Hilfe des YouCat-Jugendgebetbuchs, das ich einer spontanen Eingebung folgend in mein Handgepäck gesteckt hatte. Obendrein sollte am Sonntag natürlich die Heilige Messe gefeiert werden, zu welchem Zweck ein Geistlicher der Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland – nämlich Padre Ricardo – zu Besuch kommen sollte, allerdings erst am Nachmittag. Jedenfalls sah die Tagesplanung für den Sonntag vor, dass die Kinder am Vormittag in Kleingruppen in die Vorbereitung des Gottesdienstes einbezogen werden sollten, und ich meldete mich freiwillig für die Gruppe, die Kyrie-Rufe und Fürbitten erarbeiten sollte. Es kam dann aber doch anders: Die Kreativarbeit zum Thema dieses ersten vollen Programmtages – Moses Geburt, seine Aussetzung und Rettung – nahm so viel Zeit in Anspruch, dass die Gottesdienstvorbereitung auf das Einüben der Lieder beschränkt wurde. So gab es in der Messe ein gesungenes Kyrie, und die Fürbitten wurden frei und spontan formuliert – und ich war recht angetan von der Beteiligung der Kinder daran. Auch sonst fand ich die Messe, die wie erwähnt auf einer Wiese neben dem Haus gefeiert wurde, sehr schön.
Ein Highlight des Sonntags war für mich aber doch die Morgenandacht, die ich leiten durfte. Nach der chaotischen Abendrunde mit den Tweens aus Zimmer 5 war ich überrascht, wie gut diese Andacht lief: Besonders dass das YouCat-Jugendgebetbuch an einem Punkt der Andacht Stille verlangte, hatte ich mir schwierig vorgestellt, aber ich hatte mir dafür ein paar Tricks vom Kampfsporttrainer meiner Kinder abgeguckt, und es klappte ausgezeichnet. Dieser Erfolg führte nicht nur dazu, dass ich auch an den folgenden Tagen die Morgenandacht leiten durfte, sondern regte mich zudem dazu an, auch die Abendrunden mit den Mädels aus Zimmer 5 künftig mit Hilfe des YouCat-Jugendgebetbuchs zu gestalten. Tatsächlich verlief die Abendrunde am Sonntag immer noch ziemlich chaotisch, aber ich hatte doch das Gefühl, es laufe tendenziell schon etwas besser.
Am Montag erreichte meine Einbindung in die "inhaltliche Arbeit" einen ersten Höhepunkt: Erst leitete ich wieder die Morgenandacht, dann durfte ich der ganzen Gruppe eine freie Nacherzählung der Geschichte von Mose und dem Brennenden Dornbusch präsentieren und dann auch noch eine Kleingruppenkatechese für die Teenie-Mädchen leiten. Dazwischen hatte ich noch die Aufgabe, vier der kleineren Kinder – darunter meine Tochter – zu beaufsichtigen, während sie Ausmalbilder zur Dornbuschgreschichte bearbeiteten. Wir saßen auf der Terrasse, und ich dachte, es wäre eine gute Idee, den Kindern, während sie malten, thematisch passend das Lied "Mr. Pharao" von NimmZwei vorzuspielen. Danach wollten sie, wie man hätte voraussehen können, mehr Musik hören, also machte ich das offizielle Titellied der diesjährigen RKW, "Mensch Mose – beweg dich" an – das, während die meisten anderen in den offiziellen RKW-Materialien enthaltenen Lieder eher nach eingeschlafenen Füßen klingen, stilistisch durchaus Ähnlichkeit z.B. mit Liedern von Peter Menger & Königskinder Hüttenberg hat, wenn es auch nicht ganz so gut ist. Und danach ließ ich einfach meine Kinder-Lobpreis-Playlist weiter laufen, sehr zur Freude der Kinder, die dazu ordentlich abgingen. Ein besonderes Highlight war das Lied "Jesus hier bei uns" von Daniel Kallauch, in dessen Refrain auf den Namen Jesus stets der Einwurf "Hey!" folgt; da machten die Kinder mit Begeisterung mit, und das war ein ausgesprochen reizender Anblick. Als ich gegen Abend dieselben Kinder (und noch ein paar mehr) bei einer weiteren Kreativaufgabe, nämlich der Gestaltung eines Windlichts zum Thema "Brennender Dornbusch", betreuen sollte, fragte mich eins der Mädchen prompt "Dürfen wir dabei wieder Rockmusik hören?" Ich hätte diesem Wunsch eigentlich gern entsprochen, unterließ es aber, u.a. aus Rücksicht darauf, dass der Gemeindereferent, der die ganze Freiheit leitete, in puncto Medieneinsatz grundsätzlich eher konservativ eingestellt ist.
Die Kleingruppenkatechese für die Teenie-Mädchen war für mich ein besonderes Highlight: Mein Ansatz dabei war, die Geschichte von Mose und dem Brennenden Dornbusch unter dem Aspekt "Berufung" zu betrachten, und als Beispiel dafür, dass es auch heute noch spektakuläre Berufungserlebnisse gibt, in denen Menschen schlagartig erkennen, dass Gott einen ganz anderen Plan für ihr Leben hat als sie selber, durfte ich noch einmal die Lebensgeschichte der Clare Crockett erzählen, die ich vor gut einem halben Jahr im Kinderwortgottesdienst thematisiert hatte. Ich hatte den Eindruck, auf die Mädchen, die zum Teil nur ein paar Jahre jünger waren als Clare Crockett zum Zeitpunkt ihrer Bekehrung, machte meine Erzählung einen noch deutlich intensiveren Eindruck als auf die Kinder beim KiWoGo. Der Gemeindereferent hatte mir einen Stapel Fotos von Clare Crockett in Ordenstracht ausgedruckt, und am Ende meines Vortrags gab ich diesen Stapel herum und sagte, wer ein Foto haben wolle, dürfe sich eins nehmen. Sie nahmen sich fast alle eins, und ich sah darin ein gutes Zeichen.
Die Abendrunde mit den Chaos-Tweens aus Zimmer 5 lief am Montag, auch wenn sie erneut nicht ganz ohne Durcheinandergequatsche und Albernheiten abging, erstmals richtig gut, oder anders ausgedrückt, ich fühlte mich erstmals von den Mädchen wirklich akzeptiert als Kleingruppenleiter. – Am Dienstag gab es morgens Gewitter, die Morgenrunde wurde daher nach drinnen, in den Flur im Obergeschoss, verlegt; dort war es ein bisschen beengt, aber irgendwie gefiel mir die Atmosphäre. Im weiteren Verlauf des Tages hatte ich hauptsächlich in der Küche zu tun, und wenn nicht, versuchte ich mich einigermaßen auszuruhen. Dadurch bekam ich vom "inhaltlichen Programm" nicht sonderlich viel mit und fand das einigermaßen unbefriedigend; wirklich gut und aufbauend war hingegen wieder die Abendrunde mit den Mädchen aus Zimmer 5: Ich war richtig gerührt, als sie mich am Ende ihrer Tagesreflexion fragten, wie der Tag denn für mich gewesen sei.
Am Mittwoch war das Thema des Tages der Durchzug durchs Rote Meer, und bei der Planung der Kleingruppen-Vertiefungsangebote konnte ich eine weitere Idee, die ich im Vorfeld entwickelt hatte, zur Geltung bringen: Eine Gruppe sollte den Auftrag bekommen, das Loblied des Mose nach dem Durchzug durchs Rote Meer (Exodus 15,1-19) in Form eines Raps zu adaptieren. Eine Gruppe von sechs Kindern, darunter drei der vier Mädchen aus "meinem" Zimmer 5, meldete sich dazu freiwillig, aber zunächst wussten sie trotzdem nicht so richtig, wie sie an die Aufgabe herangehen sollten. Zu Inspirationszwecken zeigte ich ihnen ein Bild von Sieger Köder, das die tanzende Mirjam darstellt, und trug ihnen ein paar Verse aus der "Volxbibel"-Version dieses Lobliedes vor, die ebenfalls in Form eines Raps daherkommt. Durchaus erwartungsgemäß fanden die Kinder diese Version eher cringe: "Das klingt so, als hätten das alte Leute geschrieben, die versuchen, zu klingen wie Jugendliche", meinten sie. Kurz darauf hatte aber ein Junge aus der Gruppe eine gute Idee für ein erstes Verspaar, und ab da lief's eigentlich wie am Schnürchen: Alle hatten Spaß, und den Text, der innerhalb einer halben Stunde entstand, fand ich ziemlich witzig. In der Leiterrunde am Abend berichtete derjenige der Jungen Leiter, der die Abendrunde in den Jungszimmern gemacht hatte, die Jungs aus der Rap-Kleingruppe hätten dieses Projekt in ihrem Tagesrückblick sehr gelobt. Das freut einen natürlich!
Am Donnerstag ging es um das Murren des Volkes in der Wüste, das Manna vom Himmel und das Wasser aus dem Felsen, und ich durfte erneut eine Kleingruppenkatechese für die Teenie-Mädchen halten. Mein Ansatz war, den Gegensatz zwischen den Fleischtöpfen Ägyptens, die zwar materielle Sicherheit bedeuten, aber auch mit Unfreiheit verbunden sind, und dem Manna herauszustellen, von dem man keinen Vorrat anlegen kann, weil es so schnell verdirbt – weshalb die Israeliten von Tag zu Tag darauf hoffen und vertrauen müssen, dass Gott ihnen morgen wieder welches schenkt; diesen Gedanken setzte ich zur Vaterunser-Bitte "Unser tägliches Brot gib uns heute" in Beziehung, und zur Veranschaulichung erzählte ich von meiner gut zehn Jahre zurückliegenden Entscheidung, meinen Job zu kündigen, um mit meiner Liebsten auf den Jakobsweg zu gehen. Am Gespräch darüber, was es im eigenen Leben bedeuten kann, sich der Führung und Fürsorge Gottes anzuvertrauen, beteiligte sich zwar nur eins der Mädchen in nennenswertem Maße aktiv, aber sie wirkten aufmerksam und nachdenklich, und das ist, gerade bei Teenagern, ja schon viel wert.
Am Freitag ging es um die Zehn Gebote und das Goldene Kalb, allerdings hatte ich wieder hauptsächlich in der Küche zu tun, da der Küchenchef seinem Beruf als Kirchenmusiker nachgehen musste und daher den Großteil des Tages nicht da war. So kam ich mittags zu der Ehre, erstmals in meinem Leben allein (bzw. lediglich mit ein bisschen Hilfe beim Schnippeln und beim Abschmecken) ein Essen für 30 Personen zuzubereiten. So richtig bewusst wurde mir dieser Umstand allerdings erst, als der Gemeindereferent ihn in seinen Ansagen nach dem Essen erwähnte, und der Applaus, den ich daraufhin von den Kindern bekam, tat mir schon ausgesprochen gut. (Es gab übrigens One-Pot-Pasta mit Spinat und Pasta in einer Käse-Sahne-Sauce.)
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| Die Geschichte vom Goldenen Kalb regte, wie es scheint, die Kreativität der Kinder besonders an. |
So durfte ich im Laufe der Woche also in alle Arbeitsbereiche der RKF-Leitung mal hineinschnuppern und überall auch eigene Ideen einbringen, und dafür, diese Gelegenheit bekommen zu haben, bin ich ausgesprochen dankbar. Überhaupt habe ich es als sehr vorteilhaft empfunden, dass der eher freihändige Umgang mit den konzeptionellen Vorgaben des Materialienbuches Freiräume dafür geschaffen hat, dass alle Mitglieder des Leitungsteams eigene Akzente setzen und ihren eigenen Stil einbringen konnten; ich finde, das hat das Programm bereichert, und damit meine ich keineswegs nur meine eigenen Beiträge.
Dass sich mir, sobald ich mal etwas Zeit und Ruhe zur Reflexion hatte, ein Vergleich mit der Gemeindefreizeit der EFG The Rock Christuskirche aufdrängte, an der ich im letzten Herbst mit der ganzen Familie teilgenommen habe (dieses Jahr wollen wir übrigens auch wieder mit), war bei allen offenkundigen Unterschieden wohl doch nicht ganz abwegig. Ich glaube, was mich ursprünglich dazu veranlasste, diesen Vergleich zu ziehen, war die Erinnerung daran, wie ich bei der Gemeindefreizeit zu meiner Liebsten sagte, ich hätte nichts dagegen, wenn diese Freizeit eine ganze Woche ginge und nicht bloß ein Wochenende, und wie meine Liebste das überboten hatte, indem sie sagte, sie würde am liebsten immer so leben. Nun ging mir die Frage durch den Kopf, wie ich es finden würde, wenn mein Leben eine fortwährende Religiöse Kinder- und Jugendfreizeit wäre; und ich stellte fest, ich fand die Vorstellung gar nicht so schlecht. Also, ein bisschen Erholung und "Zeit für mich" bräuchte ich hin und wieder schon, und im Winterhalbjahr gibt es Fahrten wie diese sicherlich ohnehin nicht, oder kaum. (Und ob ich Lust hätte, als Betreuer auf eine Religiöse Ski- und Rodelfreizeit mitzufahren, wenn es so etwas denn gäbe, müsste ich mir dann doch noch gründlich überlegen.) Aber die Vorstellung, bis zur Rente jedes Jahr eine solche Fahrt (oder sagen wir: mindestens eine) mitzumachen – und dafür auf mittlere Sicht sogar bezahlt zu werden – gefällt mir durchaus gut.
Ein weiteres interessantes Erlebnis zum Thema "Gemeinsames Beten der Leiter" ergab sich am Mittwochnachmittag: Da sollte eine Paddeltour auf dem Plauer See unternommen werden, aber da nicht die ganze Gruppe auf einmal in den zur Verfügung stehenden Kanus Platz finden konnte, wurde vereinbart, dass die Hälfte der Gruppe zunächst durch den Wald wandern sollte, um dann an einer geeigneten Uferstelle mit der anderen Hälfte, die bis dorthin paddeln sollte, zusammenzutreffen und die Plätze zu tauschen, woraufhin dann diejenigen, die auf dem Hinweg gepaddelt hatten, den Rückweg zu Fuß zurücklegen. Da alle Leiter, die Erfahrung im Paddeln haben, in den Booten gebraucht wurden, ich jedoch nicht paddeln kann, erklärte ich mich bereit, zusammen mit einem der Jungen Leiter die "Wandergruppe" anzuführen, und überlegte mir für diese Waldwanderung ein "freiwilliges Zusatzangebot": Denjenigen, die Interesse daran hätten, würde ich beibringen, wie man Rosenkranz betet. Wer daran Interesse zeigte, war just der Junge Leiter; et verriet mir, er habe nach der jüngsten Erstkommunion in St. Joseph Siemensstadt, bei der er ministriert hatte, einen Rosenkranz geschenkt bekommen, wisse aber nicht, wie man damit betet. Also zeigte ich es ihm, und wir beteten beim Wandern gemeinsam ein Gesätz des Glorreichen Rosenkranzes. Der junge Mann fand das Gebet, wie er sagte, "sehr meditativ" und fügte hinzu, er denke darüber nach, es in seine Abendroutine einzubauen.
Zu guter Letzt möchte ich noch zwei Details vom Lagerfeuerabend erwähnen, der den Ausklang des RKF-Programms vor dem Abreisetag bildete. Nein, eigentlich drei Details, denn bei diesem Lagerfeuerabend wurde auch unser Rap frei nach Exodus 15,1-19 aufgeführt, nachdem die Gruppe nochmals eine halbe Stunde daran geprobt hatte. Was ich aber hauptsächlich erwähnen wollte: Beim Lagerfeuerabend wurde ein Spiel gespielt, bei dem ein Kind einen Zettel mit dem Namen eines der Leiter ziehen und dann diesen Leiter beschreiben musste, und die anderen Kinder mussten raten, wer gemeint ist. Über mich wurde in diesem Spiel gesagt "Er sagt viele Gebete" – eine Einordnung, die wohl hauptsächlich den von mir geleiteten Morgenandachten zu verdanken war. Und ganz am Schluss bat ein zehnjähriges, aus Polen stammendes Mädchen, mit dem meine Tochter sich im Laufe der Woche sehr gut angefreundet hatte, darum, ein Gebet auf Polnisch sprechen zu dürfen. Das fand ich ja schon bemerkenswert genug, aber die anderen polnischstämmigen Kinder kannten das Gebet alle und sprachen es mit – ein sehr anrührender Moment, wie ich fand.
Geistlicher Impuls der Woche
Gott, noch bevor wir Dich suchen, bist Du bei uns. Bevor wir Deinen Namen kennen, bist Du schon unser Gott. Öffne unser Herz für das Geheimnis, in das wir aufgenommen sind: dass Du uns zuerst geliebt hast, und dass wir glücklich sein dürfen mit Dir. Nicht weil wir gut sind, dürfen wir uns Dir nähern, sondern weil Du Gott bist.
(aus dem YouCat-Jugendgebetbuch)
Ohrwurm der Woche
Lionel Richie: Hello
Vorschau/Ausblick
Gerade von der RKF zurückgekehrt, hoffe ich, mich in den nächsten Tagen erst mal ein bisschen ausruhen zu können; allerdings muss ich mich um meine Immatrikulation kümmern, wir haben einen Umzug zu organisieren (dazu demnächst mehr) und am Dienstag geht die diesjährige Kinderbibelwoche der EFG The Rock Christuskirche los. Da dürfte es also auch wieder allerlei zu berichten geben, und möglicherweise bietet sich an der einen oder anderen Stelle ein Quervergleich zur RKF an. Es bleibt also spannend! Nächsten Samstag ist übrigens Mariä Himmelfahrt, und dieses Datum markiert das 80-jährige Bestehen der katholischen Gemeinde in meinem Heimatdorf Burhave. Aber dazu zu gegebener Zeit mehr!
[Hinweis: Aus Zeit- und Erschöpfungsgründen erscheint dieses Wochenbriefing vorerst ohne eingebettete Links. Diese werde ich schnellstmöglich nachtragen und diesen Hinweis dann entfernen.]












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