Samstag, 28. März 2026

Utopie und Alltag 18: Kirche auf dem Weg

Hand aufs Herz, Leser: Wenn ich auf die 5. Woche der Fastenzeit – zugleich die letzte Schul- und Arbeitswoche vor den Osterferien – zurückblicke, drängt sich mir der Eindruck auf, sie sei in hohem Maße davon geprägt, was ich alles nicht geschafft habe – am Kinderkreuzweg in St. Joseph Siemensstadt mitzuwirken zum Beispiel, oder am Hochfest Erscheinung des Herrn eine Messe zu besuchen; auch bei der Gartenaktion in der KiTa des Jüngsten waren wir nicht dabei. Das alles könnte ich ausführlich begründen, aber ich schätze mal, so genau wollen es meine Leser gar nicht wissen. – Was ich in diesem Wochenende an Selbsterlebtem zu berichten habe, bezieht sich daher überwiegend auf den vorigen Samstag und Sonntag; die weiteren Themen sind eher "von weiter weg". Den inneren Zusammenhang zwischen den verschiedenen thematischen Abschnitten zu erkennen, überlasse ich euch selbst, Leser...! 

Ostern ist nahe, Freunde.

Abenteuer mit Abraham 

Zum Religiösen Kindertag zum Thema Abraham, der am vergangenen Samstag in St. Stephanus Haselhorst stattfand, musste ich untypischerweise ohne meine Familie gehen, denn wie schon erwähnt war das Tochterkind zum Geburtstag einer Schulfreundin eingeladen, meine Liebste musste sie hinbringen und der Jüngste hatte erklärt, lieber "mit Mami rumgurken" als ohne die Mami zum RKT gehen zu wollen. Aber auch sonst fiel die Teilnehmerzahl diesmal deutlich niedriger aus als bei den beiden vorherigen Veranstaltungen des Formats "Religiöse Kindertage": Nur sechs Kinder fanden sich ein, darunter vier aus dem aktuellen Erstkommunionkurs. Über Ursachen für diesen Teilnehmerrückgang zu spekulieren ist vermutlich müßig, es kann auch einfach Pech gewesen sein; ich bin jedenfalls optimistisch, dass es in Zukunft auch wieder mehr werden können. – Vom Leitungsteam waren vier Personen dabei, nämlich der Gemeindereferent, zwei der jungen Erwachsenen, die schon an der ersten Veranstaltung mitgewirkt hatten, und ich. Ein bisschen ungünstig war es , dass der Termin mit der vorösterlichen Kirchenputzaktion zusammenfiel, sodass wir die Kirche und zunächst auch den Saal im Gemeindehaus (wo die liturgischen Geräte blankpoliert wurden) nicht nutzen konnten. Zudem war ironischerweise kühleres und allgemein ungemütlicheres Wetter als Ende Februar; trotzdem gingen wir erst einmal in den Garten und später in einen Gruppenraum im Keller, bis und mitgeteilt wurde, der Saal sei jetzt frei, woraufhin wir dorthin umzogen. 

Reden wir aber erst mal über den Programmablauf: Auf die Begrüßung durch den Gemeindereferenten und eine kurze Vorstellungsrunde (die meisten Anwesenden kannten sich ohnehin schon) folgte erst einmal ein Gebet vor der Marienskulptur im Garten, und dann wurde rund eine Dreiviertelstunde gespielt – wobei das letzte Spiel bereits zur "thematischen Einheit" des Tages überleitete: Die Kinder sollten im Garten versteckte Gegenstände suchen, und bei diesen Gegenständen handelte es sich z.B. um einen Rucksack, eine Zeltplane, Campinggeschirr, einen Klappspaten und einen Kompass; damit war sozusagen das Motiv "Leben auf Wanderschaft" assoziativ vorbereitet. 

Dann ging es nach drinnen in den Gruppenraum, und mir fiel die schöne Aufgabe zu, die Geschichte Abrahams von seinem Aufbruch aus Haran bis zur Geburt Isaaks aus meiner erprobten Kinderbibel vorzulesen – allerdings mit einigen Kürzungen, die ich größtenteils spontan während des Vorlesens vornahm, da der Text eine gewisse Neigung zu übermäßig gefühligen Ausschmückungen aufwies. Zur "Vertiefung" der biblischen Erzählung wurde anschließend gebastelt; und zu meiner eigenen Überraschung – da ich schon als Kind nicht gern gebastelt habe und gegen "katechetisches Basteln" noch einmal spezielle Vorbehalte habe – fand ich's gut. Konkret bestand die Aufgabe darin, unter Verwendung von aus einem "Bibelbilderbuch" herauskopierten Illustrationen von Kees de Kort Collagen anzufertigen, und ich finde, die Ergebnisse können sich sehen lassen. 



Nicht unerwähnt lassen möchte ich übrigens – da es doch in gewissem Sinne recht lehrreich war –, dass am Rande der Bastelaktion eins der teilnehmenden Mädchen heftig mit einer der jungen erwachsenen Mitarbeiterinnen aneinandergeriet. Wegen eines Klebestifts oder sowas Banalem, glaube ich, aber die Chemie zwischen diesen beiden war schon vorher spürbar nicht die beste gewesen. Jedenfalls meckerte das Kind die Mitarbeiterin an, weil diese ihm (oder einem anderen Mädchen?) den Kleber weggenommen habe; die Mitarbeiterin fühlte sich daraufhin respektlos behandelt und schien drauf und dran, empört abzurauschen und ihre zukünftige Mitarbeit aufzukündigen. – Mein spontaner Eindruck war, wer in der Kinder- und Jugendarbeit Leitungsverantwortung übernehmen wolle, dürfe sich von einem halb so alten Kind nicht derart auf die Palme bringen lassen; aber aus der Distanz sagt sich das natürlich leicht, und ich weiß ehrlich gesagt nicht, wie souverän ich mit 20 Jahren mit so einer Situation umgegangen wäre. 

Nach dem Basteln wurde jedenfalls das Kochen in Angriff genommen. Beim Vorbereitungstreffen hatte ich ein One-Pot-Rezept für ein Gericht namens "Burrito Bowl" in die Diskussion geworfen, aber die jungen Damen hatten sich mit einem Gegenvorschlag durchgesetzt: Nudeln mit Hähnchen und Brokkoli in Sahnesauce. Grundsätzlich keine schlechte Idee, aber der Versuch, dieses Essen als One-Pot-Gericht zuzubereiten, erwies sich als eher wenig praktikabel. Ich wage zu behaupten, hätte man die Nudeln separat gekocht und die Zeit, bis das Wasser kochte, für die ganze Schnippelarbeit genutzt, wäre der ganze Kochvorgang schneller und weniger chaotisch über die Bühne gegangen und leckerer geworden wär's wahrscheinlich obendrein. Wobei, schlecht schmeckte es auch so nicht. 

– Und wie lautet nun das Gesamturteil über diese dritte RKT-Veranstaltung? Ich würde sagen, die Tendenz der ersten beiden Male setzt sich fort: Es läuft alles etwas chaotisch und improvisiert, aber unter dem Strich dann doch besser, als es angesichts der knappen Vorbereitungszeit und unvorhergesehener Komplikationen eigentlich zu erwarten gewesen wäre. Kurz und gut, ich mag dieses Format, auch und gerade mit seinen Schwächen; was indes nicht heißt, dass ich nicht gern Manches daran verbessern würde. Was ich in dieser Hinsicht beim letzten Mal angemerkt habe, gilt nach wie vor und muss ich daher hier wohl nicht wiederholen; zu fragen wäre nun also, inwieweit die dritte Veranstaltung dieses Formats neue Erkenntnisse gebracht hat. – Zunächst einmal würde ich festhalten wollen, dass die überschaubarere Teilnehmerzahl offenbar einem geordneteren Ablauf förderlich war; gleichwohl würde man sich ja eigentlich mehr Teilnehmer wünschen, und daraus folgt meiner Auffassung nach mindestens zweierlei: Auf der einen Seite wäre es erstrebenswert, die Zielgruppe zu verbreitern – wofür es erforderlich wäre, mehr, besser und anders für die Veranstaltung zu werben. Auf der anderen Seite würden eine größere Teilnehmerzahl und eine heterogenere Zielgruppe auch höhere Anforderungen an die Leitung stellen, d.h. man bräuchte einen klarer strukturierten Ablauf und eine klarere Aufgabenverteilung innerhalb des Leitungsteams. – Zur Verdeutlichung sei gesagt: Unter einer "heterogeneren Zielgruppe" stelle ich mir eine Gruppe von Kindern vor, in der nicht der weit überwiegende Teil zum aktuellen Erstkommunionkurs gehört, dadurch sozusagen bereits "prästabilisiert" ist und an dem Format RKT gerade den Umstand schätzt, dass es da lockerer und spielerischer zugeht als im eigentlichen Erstkommunionunterricht. Und da – das habe ich beim letzten Mal schon angedeutet – muss man sich dann halt fragen, ob man aus dem RKT wirklich etwas grundsätzlich anderes machen will als ein freiwilliges und eher "spaßorientiertes" Zusatzangebot zum Erstkommunionunterricht, und ob man auch bereit ist, sich den Herausforderungen zu stellen, die das mit sich bringen würde. Ich persönlich würde das natürlich bejahen, ja ich würde sogar sagen, es nicht wenigstens zu versuchen, würde eine Vergeudung des Potentials bedeuten, das in diesem Format steckt. Allerdings bin ich keineswegs sicher, ob diese Auffassung innerhalb des Teams mehrheitsfähig ist. 

Auch unabhängig von solchen Grundsatzfragen bin ich jedenfalls der Meinung, dass der katechetische Teil des Programms höhere Priorität und mehr Sorgfalt verdient. Gerade wenn man der Meinung ist, im Unterschied zum Erstkommunionunterricht und auch zum KiWoGo solle beim RKT der Spaß im Vordergrund stehen, wäre es doch misslich, wenn der katechetische Teil von den Kindern als der einzige Teil des Programms wahrgenommen würde, der keinen Spaß macht. Dass es beim Abraham-RKT, wie geschildert, ein zum Thema der Katechese hinführendes Spiel gab und auch das Basteln der Vertiefung des Themas diente, würde ich schon mal als Schritte in die richtige Richtung ansehen, dennoch denke ich, da ist noch Luft nach oben. Der nächste RKT steht laut meinem Terminkalender am 30. Mai an, das Thema steht meines Wissens noch nicht fest. Schauen wir mal... 


Schwarzer Gürtel in KiWoGo 

Wie schon Ende Februar folgte direkt auf den RKT in St. Stephanus der KiWoGo in St. Joseph, und diesmal kam erschwerend dazu, dass ich es vergessen hatte und somit völlig unvorbereitet war. Glücklicherweise hatte der Gemeindereferent sich jedoch einige Gedanken gemacht, unter anderem auch dazu, wie man einen thematischen Bogen von unserem vorherigen KiWoGo (zum Thema Verklärung) zu diesem schlagen könnte, bei dem es um die Auferweckung des Lazarus gehen sollte. Ich war also verhalten optimistisch, dass wir diesem KiWoGo einigermaßen hinkriegen würden; was an gründlicher und detaillierter Vorbrreitung fehlte, würde uns eben der Geist zur rechten Zeit eingeben müssen. Wie sich zeigte, erwarteten uns allerdings noch einige Unwägbarkeiten. 

Da ich, wenn ein Kinderwortgottesdienst ansteht, vor der Messe immer gern noch etwas Zeit zur Besinnung und zum Gitarre-Üben haben möchte, fand ich mich deutlich früher als nötig in der Kirche ein und stellte fest, dass wieder eine Bank für "Taufbewerber und Konvertiten" reserviert war; dann schnappte ich ein paar Fetzen eines Gesprächs zwischen einem Jugendlichen oder "knapp Erwachsenen", der in dieser Reihe Platz nahm, und dem Pfarrvikar auf und schloss daraus, dass es wieder, wie schon vor zwei Wochen, einen Effata-Ritus für Taufbewerber und ein Glaubenszeugnis ("Redditio Symboli") geben sollte. Diese Beobachtung teilte ich dem Gemeindereferenten mit, als er kurz danach eintraf; gemeinsam vergewisserten wir uns beim Pfarrvikar über den Ablauf und erhielten zur Auskunft, ja, der Wortgottesdienst werde länger dauern als gewöhnlich, wir könnten uns mit unserem KiWoGo also Zeit lassen. Nun gut: Wir begannen also ganz entspannt mit einer Begrüßungsrunde und unserem üblichen Begrüßungslied "Alles was ich hab", und dann gingen wir dazu über, das recht umfangreiche Tagesevangelium, nur leicht gekürzt, mit verteilten Rollen vorzutragen (wobei ich den Part von Jesus und meine Liebste den von Marta sprechen durfte); gelegentlich unterbrach der Gemeindereferent den Vortrag für Erläuterungen oder andere Randbemerkungen. Wir waren jedoch noch nicht mit der Perikope zu Ende, da erschien schon die Küsterin im zwischen Sakristei und Pfarrsaal gelegenen Innenhof und signalisierte uns, dass wir in die Kirche zurückkehren sollten. Nanu? – Wir beeilten uns also, mit dem Evangelium fertig zu werden und noch einige knappe Anmerkungen dazu zu machen; aber diese Eile erwies sich als völlig unnötig, denn als wir wieder in die Kirche kamen, hatte das Glaubenszeugnis einer Frau aus der Neokatechumenalen Gemeinschaft gerade erst angefangen. Offenbar war die Küsterin selbst nicht so ganz über den Ablauf im Bilde gewesen. Jedenfalls war ich jetzt fast froh, dass ich nicht mehr Mühe auf die Vorbereitung dieses KiWoGo verwendet hatte. 

Übrigens habe ich die Kinder, die diesmal am KiWoGo teilnahmen, nicht genau gezählt, würde aber schätzen, dass es so zwölf bis fünfzehn waren. Es hätten aber locker doppelt so viele werden können, wenn ein paar kinderreiche Familien aus der Neokatechumenalen Gemeinschaft, die in der Messe waren, ihre Sprösslinge ebenfalls hätten teilnehmen lassen. Nun wäre ich sicherlich der letzte, der kein Verständnis oder keine Sympathie für Eltern hätte, die es vorziehen, dass ihre Kinder mit ihnen zusammen im "normalen" Gottesdienst bleiben, statt zum Kinderprogramm zu gehen, und es wäre wohl arg eingebildet, wenn ich sagen wollte "Ja, aber wenn ich den Kinderwortgottesdienst mache, ist das was anderes!" Gleichwohl – und das meine ich ausdrücklich ohne einseitige Schuldzuweisungen – hatte ich schon öfter den Eindruck, die Interaktion zwischen den Neokatechumenalen Gemeinschaften und den "normalen" Gemeindemitgliedern könnte besser sein. Zu diesem Thema wäre vielleicht mal Grundsätzlicheres zu sagen – wobei indes nachdrücklich zu würdigen wäre, was der Neokatechumenale Weg in Berlin so alles bewegt; angefangen damit, dass der weit überwiegende Teil des Priesternachwuchses im Erzbistum vom neokatechumenalen Priesterseminar Redemptoris Mater in Berlin-Biesdorf kommt. 

Auffällig war jedenfalls, dass die Kirche dank der zahlreichen Anwesenheit der "Neos" nicht nur gut besucht war – das ist sie auch sonst oft –, sondern rappelvoll: Schon vor Beginn der Messe bekamen wir als Familie nicht mehr vier Sitzplätze in einer Reihe, also teilten wir uns auf – je ein Kind blieb bei einem Elternteil –, aber als wir vom KiWoGo zurückkamen, waren auch diese Plätze belegt. Wir fanden aber andere. 


Kirchensteuer-Dämmerung in Magdeburg? 

Ich muss sagen, für den Blick über den Tellerrand des Selbsterlebten hinaus erweist sich Peter Winnemöllers "Montagskick"-Kolumne auf kath.net in letzter Zeit als ausgezeichnete Quelle: Für mein voriges Wochenbriefing habe ich dort den Hinweis auf die Jugendpastoral-Fachtagung über "Christfluencer" im Bistum Münster gefunden, und diesmal hat mich der "Montagskick" auf den Umstand aufmerksam gemacht, dass im Bistum Magdeburg – dessen Territorium weitgehend deckungsgleich mit dem Bundesland Sachsen-Anhalt ist – die Angst vor einem Wahlsieg der AfD bei der Landtagswahl im September umgeht. Eine nicht sehr rühmliche Figur gibt die Kirche dabei insofern ab, als diese Befürchtungen sich in erster Linie um Kohle drehen: Aus dem im Internet kursierenden Entwurf eines "Regierungsprogramms" der sachsen-anhaltinischen AfD geht hervor, dass die Partei im Fall einer Regierungsübernahme beabsichtigt, den Großkirchen schlicht den Geldhahn zuzudrehen – das heißt, sie wollen die Staatsleistungen an die Kirchen (das wären im Fall der katholischen Kirche, laut dem Stand des Landeshaushalts von 2022, gut 6,7 Millionen Euro jährlich) "sofort einstellen" und zudem den Kirchensteuereinzug stoppen. Es liegt auf der Hand, dass damit "die Arbeit von Pfarreien, Schulen und sozialen Einrichtungen ernsthaft in Gefahr wäre". 

Einmal abgesehen von der Frage, wie realistisch die Perspektive ist, dass Sachsen-Anhalt ab dem kommenden Herbst von der AfD reagiert werden könnte – Umfragen sehen sie bei etwa 40%, das ist zwar viel, aber von einer absoluten Mehrheit doch noch ein gutes Stück entfernt –, stellt sich angesichts dieser Drohungen natürlich die Frage: Können die das einfach so machen? Peter Winnemöllers Einschätzung hierzu lautet: theoretisch eigentlich nicht, aber praktisch vielleicht doch. Einerseits gilt: "Die katholischen Bistümer in Deutschland haben, ebenso wie die evangelischen Landeskirchen, gesetzlich verbriefte Rechte, die teilweise sogar Verfassungsrang haben." Die Staatsleistungen an die Kirchen sind auf der Grundlage völkerrechtlicher Verträge geregelt und das Land Sachsen-Anhalt ist, ebenso wie die anderen Bundesländer, zur Zahlung dieser Leistungen "rechtlich klar verpflichtet". Dennoch, so gibt Peter Winnemöller zu bedenken, ist es prinzipiell möglich, "eine exekutive oder legislative Entscheidung zu fällen, diese Zahlungen einfach nicht zu leisten". Das wäre zwar rechtswidrig und man könnte dagegen klagen, aber erst einmal hieße das für die Kirche trotzdem, dass sie ohne Geld dastünde. 

Angesichts dieses Bedrohungsszenarios mahnt Peter Winnemöller, das Bistum Magdeburg solle sich darauf besinnen, dass "die Kirche [...] am Glauben, nicht am Geld" hängt bzw. hängen sollte – und dies gelte es umso mehr zu beherzigen, als man "in einem kirchenfeindlichen Staat, der Sachsen-Anhalt im Fall der Fälle wäre, wenn eine Regierung so handelte, wie es die AfD dort angekündigt hat", nicht davon ausgehen könne, "dass es beim Entzug von Geldmitteln bleibt": 

"Ein Staat, wie ihn die AfD errichten will, kommt [...] durchaus auf die Idee, auch einen Bischof zu verhaften. Wir brauchen für so einen Staat einen Bekennerbischof in Magdeburg [...], der nicht einknickt und auch im Kerker standhaft bleibt. Zaudern und Jammern müssen ein Ende haben. Das mutige Bekenntnis muss her." 

In diesem Zusammenhang sei darauf hingewiesen, dass der derzeitige Magdeburger Oberhirte Gerhard Feige Mitte November, etwa 10½ Wochen nach dem Wahltermin, 75 Jahre alt wird und somit beim Papst seinen Rücktritt einreichen muss. Käme es schon vor diesem Termin zu einer dramatischen Konfrontation zwischen Bistum und Landesregierung, könnte das ein Grund sein, Feige länger im Amt zu belassen, aber ebenso erscheint es denkbar, dass die Regierung erst das Eintreten der Sedisvakanz abwartet und dann zuschlägt. 

Noch einmal fürs Protokoll: Ich glaube eigentlich nicht, dass es dazu kommt. Schon allein, weil ich eine absolute Mehrheit für die AfD im Magdeburger Landtag nicht für sehr wahrscheinlich halte. Liest man allerdings in Peter Winnemöllers "Montagskick"-Kolumne Sätze wie 

"In der Verfolgung, denn nichts anderes droht in Sachsen-Anhalt, [...] geht es darum, die Reihen zu schließen und sich gegenseitig im Glauben und im Alltag zu stärken. Es kann sogar darum gehen, die Arbeit der Kirche in den Untergrund zu verlegen" 

und schließlich 

"Eine von einer AfD arm gemachte Kirche in Magdeburg könnte trotz Diaspora, trotz kleiner Zahlen, trotz wenig Personal und trotz Verfolgung zu einer der stärksten Kirchen in Deutschland werden. [...] Denn auch das ist eine Wahrheit: Jede Kirche in der Verfolgung wächst", 

dann drängen sich schon so allerlei "Was-wäre-wenn"-Gedanken auf. Darunter nicht zuletzt dieser: Man will und soll der Kirche zwar keine Verfolgung wünschen, aber unter dem Aspekt dessen, was Papst Benedikt XVI. im Jahr 2011 in Freiburg zum Stichwort "Entweltlichung" sagte, mag man sich doch fragen, ob ein gewisser Bruch im Verhältnis zwischen Staat und Kirche der letzteren nicht vielleicht ganz gut tun könnte. Was mir dazu auch noch einfällt, ist, dass Dorothy Day einmal in ihrem Tagebuch notierte, sie würde gern einmal Garibaldi auf einem Kirchenfenster dargestellt sehen, in Anerkennung der Tatsache, dass er das Papsttum von seiner weltlichen Macht befreit und damit einer geistlichen Erneuerung der Kirche den Weg gebahnt habe. – Übrigens denke ich, man sollte sich darauf einstellen, dass in dem Maße, wie die vielbeschworene "gesellschaftliche Relevanz" der Kirchen schwindet, das Klima zwischen Kirche und Staat ohnehin frostiger werden wird, unabhängig davon, ob sich politische Mehrheiten rechts oder links von der sich traditionell kirchennah gebenden Union bilden. Eine radikal und unverhohlen kirchenfeindliche Politik, wie die sachsen-anhaltinische AfD sie in Aussicht stellt, hätte da immerhin den Vorzug, dass sie den Bischöfen nicht die Option offen ließe, bis zur Selbstverleugnung Appeasement zu betreiben – und wäre somit möglicherweise ein klassischer Fall von "Lieber ein Ende mit Schrecken als ein Schrecken ohne Ende"


Kein neues Gesicht im deutschen Episkopat 

Dass die Sedisvakanz in meinem allerzweitliebsten Bistum (Münster) sich nach über einem Jahr dem Ende zuneigte, zeichnete sich recht deutlich ab, als die Pressestelle des Bistums für Donnerstag, 12 Uhr, die Bekanntgabe einer "wichtigen Personalentscheidung" ankündigte. Dass es da nicht um einen neuen Hausmeister ging, war wohl so annähernd jedem klar. Da musste ich mich natürlich erst mal in den Sozialen Medien umhorchen, was das Kirchenvolk denn so munkelt, wer der neue Bischof von Münster werden könnte oder werden sollte. Stellte dabei mit einem gewissen Unbehagen fest, dass ein offenbar recht hoch gehandelter Kandidat der derzeitige Bischof von Essen, Franz-Josef Overbeck, war. Nun gut, von der Papierform her hatte das eine gewisse Logik: Overbeck kommt gebürtig aus dem Bistum Münster, war seit seiner Priesterweihe dort inkardiniert und von 2007-2009 auch Weihbischof in Münster; und nachdem sein Vorgänger auf dem bischöflichen Stuhl von Essen, Felix Genn, im Anschluss an seine dortige Amtszeit Bischof von Münster geworden war, war die Vorstellung, Overbeck könne denselben Karriereweg einschlagen, wohl nicht ganz abwegig. Als ein weiterer Kandidat wurde der Diözesanadministrator Antonius Hamers genannt, offenbar aus der Erwägung heraus, man habe sich über das letzte Jahr halt daran gewöhnt, dass dieser die Diözese faktisch leitet, also könne er das ruhig auch weiterhin tun. Der Name desjenigen Geistlichen, der es dann tatsächlich wurde, tauchte in den Spekulationen durchaus auch auf, aber ich muss gestehen, den hielt ich eher nicht für einen realistischen Kandidaten. 

Jedenfalls konsultierte ich daraufhin – hauptsächlich um die beunruhigende Vorstellung loszuwerden, ausgerechnet Overbeck könnte die mitgliederstärkste deutsche Diözese übernehmen – erst einmal die Facebook-Gruppe "Ein ungenanntes Bistum", wo ich zu der Frage, wer denn wohl der 76. Nachfolger des Hl. Liudger werden würde, einen bunten Strauß von Einschätzungen erhielt – von "Heidi Reichinnek" über "Kardinal Woelki, unter Dispens vom Verbot der Änterkumulation" ind "ein bayerischer Prinz" bis hin zu "einer der fünf Herren, die am 1.7. in Écône geweiht werden". Kurz vor der offiziellen Bekanntgabe lancierte dann die BILD, wer es tatsächlich wird: none other than Heiner Wilmer, derzeit noch Bischof von Hildesheim und seit Kurzem Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz. Eine etwas phantasielose Wahl, wie ich finde: Fast könnte man den Eindruck haben, es gäbe keine anderen geeigneten Kandidaten. – Sicher werden jetzt einige Beobachter sagen, der Umstand, dass Wilmer vom Bistum Hildesheim, wo er das Oberhaupt von rund einer halben Million Katholiken war, ins mehr als dreimal so viele Mitglieder zählende Bistum Münster wechselt, stärke seine Position an der Spitze der Deutschen Bischofskonferenz; aber sollte man auf der anderen Seite nicht auch in Betracht ziehen, dass ein größeres Bistum wohl auch mehr Arbeit macht und somit weniger Raum für repräsentative Aufgaben auf Bundesebene lässt? Bei Georg Bätzing konnte man ja zuweilen den Eindruck haben, er sei sozusagen hauptberuflich DBK-Vorsitzender und leite seine eigene kleine Diözese eher so nebenbei. – Die zahlreichen positiven Reaktionen, die die Wahl Wilmers zum DBK-Sprecher quer durch alle innerkirchlichen Lager hervorgerufen hat, lassen natürlich auch für seine Amtsführung als Bischof von Münster einiges hoffen; freilich können, wie mein Freund Rudolf Gehrig unlängst hervorgehoben hat, solche Hoffnungen auch trügen, aber erst einmal freue ich mich für mein allerzweitliebstes Bistum, dass Overbeck es nicht geworden ist. Auch damit, dass Antonius Hamers es nicht geworden ist, bin ich recht zufrieden, nachdem dieser sich erst kürzlich "für weniger Kirchen in seiner Diözese" ausgesprochen hat. Damit will ich nicht sagen, dass ich vom neuen Bischof erwarte, sämtliche Gotteshäuser im Bistum Münster zu erhalten – im Bistum Hildesheim wurden in Bischof Wilmers Amtszeit laut Tante Wikipedia 14 Kirchen profaniert –; aber wenn Hamers zu Protokoll gibt, er sei "erschrocken, welch großen Stellenwert materielle Strukturen mitunter haben - wenn mit großer Vehemenz an Kirchen und kirchlichen Gebäuden festgehalten wird, obwohl die Kirchen und Räume nur noch wenig genutzt werden und es nahe läge, kirchliches Leben zu konzentrieren", dann frage ich mich doch: Ist das nun raffiniertes "Framing", oder kapiert er tatsächlich nicht, dass es ganz andere Gründe gibt, die Präsenz der Kirche in der Fläche, auch und gerade in Gestalt geweihter Räume, erhalten zu wollen, als das Streben nach materieller Besitzstandswahrung? – Na, das ist wohl eher ein Thema für sich. 

Derweil bedeutet die Ernennung Wilmers zum Bischof von Münster natürlich auch, dass die Zahl der vakanten Bischofssitze in Deutschland unterm Strich gleich bleibt: Nun braucht also Hildesheim einen neuen Bischof, und das kann auch wieder dauern. Aber vielleicht gibt es da dann ja mal eine überraschende Ernennung. Hoffen wir mal das Beste. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Das erste Wort, das ich mit euch betrachten will, ist der Gruß des Engels an Maria. In der Übersetzung sagt der Engel "Ich grüße dich, Maria!" Aber das ursprüngliche griechische Wort, "chaire", bedeutet eigentlich "Freue dich", "Sei froh". Und das ist die erste Überraschung, denn der Gruß unter den Juden war "Shalom", "Frieden", während der Gruß in der griechischen Welt "chaire", "Freue dich", lautete. Es überrascht, dass der Engel, als er Mariens Haus betritt, mit dem Gruß der Griechen grüßt: "chaire", "Sei froh, freue dich". Es ist das erste Wort, das im Neuen Testament als solchem erklingt. Erst mit diesem Dialog, den der Engel Gabriel mit Maria führt, beginnt das Neue Testament wirklich. Wir können also sagen, dass das erste Wort des Neuen Testaments eine Einladung zur Freude ist: "Freue dich!" 

(Benedikt XVI., Predigt in einer römischen Pfarrei, 18.12.2005) 


Ohrwurm der Woche 

Letters to Cleo: Cruel to be Kind 

Ja, das ist eine Coverversion, und ja, sie stammt aus dem Film "Zehn Dinge, die ich an dir hasse". Im Original war der Song im Jahre 1979 ein Solo-Hit für den britischen Pub-Rocker Nick Lowe, und der Titel spielt allen Ernstes auf ein Zitat aus Hamlet an. – Verglichen mit anderen Exemplaren des Genres "Punk-Coverversionen von Popsongs", die ich bei früheren Gelegenheiten in der Rubrik "Ohrwurm der Woche" gewürdigt habe, unterscheidet sich die Version der Alternative-Rock-Band Letters to Cleo gar nicht mal so sehr vom Original – abgesehen von der weiblichen Gesangsstimme und ein bisschen mehr Wumms, aber gerade diese kleinen Abweichungen machen für mein Empfinden den entscheidenden Unterschied. Und davon abgesehen ist "Zehn Dinge, die ich an dir hasse" unironisch einer meiner Lieblingsfilme. Hashtag #isso


Vorschau/Ausblick 

Wir sind in den Ferien angekommen, aber das heißt nicht automatisch, dass wir deswegen weniger zu tun hätten. Heute zum Beispiel haben wir einige Energie auf die Wiederaufnahme des unterbrochenen Projekts "Kinderzimmer-Neugestaltung" verwendet und dafür die Gelegenheit sausen lassen, in dem einen oder anderen Pfarrsaal (es hätten mehrere Optionen zur Auswahl gestanden) Palmstöcke für den morgigen Palmsonntag zu basteln. Heute Abend ist mal wieder Community Networking Night im Baumhaus, aber wie so oft stand bei Redaktionsschluss noch nicht fest, ob wir da hingehen (oder wenigstens ich). Morgen ist wie gesagt Palmsonntag, da wollen wir, wie vorige Woche schon angedacht, zum Achorhof fahren, wo wir seit dem Wölflings-Herbstlager nicht mehr gewesen sind; just heute erreichte uns eine persönliche Einladung dorthin per WhatsApp. – Den "Omatag" am Montag erwäge ich erneut zu "schwänzen", um meine Bewerbung beim Erzbistum fertigzustellen, die ich am Dienstag abschicken will. Ebenfalls am Dienstag soll (endlich!) unser neuer Kühlschrank geliefert werden. Und dann steht schon fast das Ostertriduum vor der Tür! Am Gründonnerstag soll es wieder eine zentrale Messe vom Letzten Abendmahl für die gesamte Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland geben, aber da die Pfarrkirche Maria, Hilfe der Christen nach dem Schwelbrand im letzten Sommer immer noch wegen Rauchschäden geschlossen ist, soll diese Messe in St. Marien am Behnitz stattfinden. Was mir erst einmal ein Stirnrunzeln entlockt hat, denn diese Kirche ist zwar sehr schön (und liegt zudem recht zentral am Rande der Spandauer Altstadt), aber für diesen Zweck eigentlich zu klein. Ich bin geneigt, das als ein illustratives Beispiel dafür zu sehen, wie wenig Raum für Flexibilität und Pragmatismus die post-volkskirchlichen Strukturen und Gepflogenheiten in mancherlei Hinsicht lassen. Hätte man nicht sagen können "Okay, eigentlich wollten wir es als feststehenden Gebrauch etablieren, dass die ganze Pfarrei die Messe vom Letzten Abendmahl gemeinsam feiert, aber da die Pfarrkirche dafür nun mal nicht zur Verfügung steht, machen wir dieses Jahr eine Ausnahme und feiern wie früher™️ drei Messen, also in jeder Teilgemeinde der Pfarrei eine"? Wenn man das nun aber partout nicht wollte, hätte man dann nicht, wenn die größte Kirche der Pfarrei nicht zur Verfügung steht, die zweitgrößte nehmen sollen, also St. Joseph? Aber die liegt wohl zu sehr am Rand des Pfarreigebiets, da hätten sich diejenigen, die am entgegengesetzten Ende wohnen, benachteiligt gefühlt. – Die Karfreitagsliturgie und die Osternacht gedenken wir jedenfalls in St. Joseph Siemensstadt mitzufeiern, das hat sich in den letzten Jahren bewährt. Aber das ragt jetzt schon in den Berichtszeitraum des übernächsten Wochenbriefings hinein...  


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