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Freitag, 31. Juli 2026

Gast in Deinem Zelt 2026 – Fazit und Ausblick

Es hatte sich ja schon im Vorfeld abgezeichnet, dass die Urlauberkirche in Butjadingen ein prägendes Thema des diesjährigen Sommerurlaubs werden würde; nun ist der Urlaub vorbei, und es gilt Bilanz zu ziehen. Im vorigen Jahr habe ich dies im Rahmen meines Wochenbriefings getan, aber diesmal möchte ich diesem Thema etwas breiteren Raum geben – und zwar schon bevor das nächste Wochenbriefing fällig wird, das die letzten Tage unseres Aufenthalts in Butjadingen abdeckt. 

Meine Liebste hat mich darauf aufmerksam gemacht, wie bezeichnend es ist, dass selbst die KI sich das Kirchenzelt sakraler vorstellt, als es in Wirklichkeit aussah.

Setzen wir mal an der Stelle wieder ein, an der wir im jüngsten Wochenbriefing chronologisch stehengeblieben waren: Dass wir am ersten Kinoabend der Urlauberkirche in Burhave teilnahmen, war eher zufällig: Am selben Tag waren nämlich eine Schulfreundin unseres Tochterkindes und deren Mutter – mit denen wir, wie an dieser Stelle schon mal verraten sei, ab demnächst zusammen in einem Haus wohnen werden – ebenfalls in Burhave angekommen und hatten am Strand ein Zelt aufgeschlagen, da keine andere Übernachtungsmöglichkeit mehr zu haben war. Hinsichtlich der Frage gemeinsamer Unternehmungen am Nachmittag und/oder Abend war zunächst eine Fahrt mit dem Ausflugsschiff Wega II angedacht gewesen, aber das verschoben wir dann auf Sonntag; die nächste Idee war, nach Tossens zu fahren, wo in der Konzertmuschel ein "Bibi Blocksberg"-Film gezeigt wurde, aber dann fanden wir, den Weg könnten wir und eigentlich sparen, wenn auf dem Burhaver Campingplatz ebenfalls ein Film gezeigt wurde – auch wenn wir nicht wussten, welcher Film das war: Öffentlich angekündigt wurde das nicht, und als wir die Frauen vom Kirchenzelt-Team trafen, erklärten sie, sie hätten sich den Filmtitel nicht gemerkt, aber es sei jedenfalls ein Animationsfilm. 

Da die Filmvorführung im Kirchenzelt erst um 19 Uhr begann, gingen wir vorher noch Pizza essen im Beachclub (den ich im vorigen Jahr als einen "neue[n] Lieblingsort für mich" erwähnt habe, wohingegen es in Butjadingen durchaus auch Leute gibt, die diese Lokalität für einen Schandfleck halten). Als wir dann beim Kirchenzelt ankamen, war es ziemlich gut besucht, wenn auch nicht unbedingt sensationell gut – ich zählte 22 Kinder, dazu einige Erwachsene. Der Diakon moderierte die Veranstaltung an und verriet nun auch, welcher Film gezeigt werden sollte – nämlich der Pixar-Film "Coco", der in Mexiko am "Dia de los Muertos" spielt. Der Diakon gab einleitend ein paar Erläuterungen zum Brauchtum dieses Fests und zu dessen Zusammenhang mit Allerheiligen bzw. Allerseelen ab und erklärte, man habe diesen Film ausgewählt, um zu zeigen, wie Allerheiligen und Allerseelen anderswo auf der Welt gefeiert werden. Diese Begründung für die Filmauswahl fand meine Liebste, wie sie mir zuraunte, "gar nicht so blöd"; und als ich mit einem gedehnten "Na jaaa" zu einem Einwand ansetzte, fügte sie hinzu: "Man müsste dazu natürlich sinnvolle Arbeitsmaterialien bereitstellen. Das wäre dann eher meine Aufgabe." 

Tatsächlich gefiel mir der Film, den ich bisher nur vom Hörensagen gekannt hatte, ausgesprochen gut; ich will hier nicht ausführlich die Handlung nacherzählen, aber man kann jedenfalls sagen, dass "Coco" in schönen Bildern und einer dramaturgisch gekonnt aufgebauten Handlung durchaus tiefgründig und anrührend über die Frage "Was bleibt vom Menschen nach dem Tod?", über Familienzusammenhalt und die Verwirklichung von Lebensträumen reflektiert. Nicht umsonst enpfiehlt Vision Kino, eine Initiative zur Film- und Medienbildung in der Schule, "Coco" unter anderem für die Verwendung im Religionsunterricht. – Ich ahne hier Einwände, etwa der Art, dass man Brauchtum des Dia de los Muertos Überreste heidnischen Ahnenkults erkennen könne, und das stimmt natürlich; allerdings sind diese – auch wenn das im Film nur in Ansätzen deutlich wird – durchaus in einen christlichen Kontext eingeordnet und "inkulturiert". Übrigens gab es prinzipiell ähnliche Bräuche rund um Allerheiligen und Allerseelen bis in die Neuzeit hinein durchaus auch in Europa, und auch die Ursprünge von Halloween – einem Fest, mit dem die Kinder heutzutage ja nahezu unvermeidlicherweise konfrontiert werden – gehören in diesen Zusammenhang. Solche Bräuche und die darin zum Ausdruck kommenden Jenseitsvorstellungen zum christlichen Verständnis des Lebens nach dem Tod bzw. der Auferstehung der Toten in Beziehung zu setzen und, wo nötig, zu problematisieren, könnte und sollte durchaus ein Bestandteil der "Nachbereitung" sein, wenn man diesen Film mit Kindern anschaut. – 

Kurz und gut, ich könnte mir durchaus vorstellen, den Film "Coco" etwa im Rahmen eines Religiösen Kindertags (RKT) zu Allerseelen zu zeigen und katechetisch aufzuarbeiten, und für diese Anregung bin ich dankbar (es ist, wohlgemerkt, schon die zweite dieser Art, die mir das diesjährige Kirchenzelt-Programm beschert hat; die erste bezog sich auf einen RKT zum Thema Himmelfahrt). Den Film aber ohne eine solche katechetische Aufarbeitung, nur mit ein paar einführenden Worten, "einfach so" zu zeigen, finde ich für eine kirchliche Veranstaltung dann doch etwas schwach, ja fast schon fahrlässig. Aber es passt natürlich zu dem Eindruck von Lustlosigkeit und Halbherzigkeit, den das Urlauberkirchen-Programm – mit Ausnahme der von unseren Freunden aus der neuapostolischen Gemeinde gestalteten Woche – insgesamt macht. 

In diesem Zusammenhang scheint mir erwähnenswert, dass wir am nächsten Tag am Friesenstrand in Tossens waren und dort, als wir gerade an der Imbissbude ein paar Teller Fritten verputzten, eine Frau an uns vorbeikam, die einen Sweater mit dem Logo der Urlauberkirche trug und demnach offenbar zum Tossenser Kirchenzelt-Team gehörte. Wir sprachen sie darauf an, aber von ihrer Seite kam nicht mehr dabei rüber als ein bisschen freundlich desinteressierter Smalltalk, dann ging sie weiter. Okay, sie hatte um diese Uhrzeit offenkundig "frei", war nicht "im Dienst"; aber ich würde schon sagen, an dieser Begegnung wird exemplarisch deutlich, dass die Urlauberkirche keinen missionarischen Ansatz hat – denn andernfalls hätte die Mitarbeiterin sich eine solche Gelegenheit, mit Leuten ins Gespräch zu kommen, die von sich aus Interesse zeigen, sicherlich nicht entgehen lassen. Man könnte noch weiter gehen und sagen, auch unabhängig von der Frage nach missionarischer Gesinnung sei diese freundlich-desinteressierte Haltung, die ja genauso auch beim Burhaver Kirchenzelt-Team der zweiten Ferienwoche zu beobachten war, ein Indiz dafür, dass die Tätigkeit für die Urlauberkirche den Mitarbeitern kein Herzensanliegen ist, aber wenn ich das sage, ist bestimmt wieder jemand beleidigt. 

Da wir am Sonntag nach Fedderwardersiel fuhren, um, wie weiter oben schon erwähnt, mit dem Ausflugsschiff Wega II eine "Wattenmeerfahrt mit Netzfang" zu machen, hatten wir erst am Montag Gelegenheit, uns einen Eindruck davon zu verschaffen, wie das dritte Team das Vormittagsprogramm im Kirchenzelt gestaltete. Der erste Eindruck lautete: Das neue Team – das wiederum aus einer jungen und einer nicht mehr ganz so jungen Frau bestand – wirkte netter und den Kindern zugewandter als das der Vorwoche, dafür war aber das Bastelangebot noch simpler und einfallsloser, und außer Basteln wurde weiterhin überhaupt nichts geboten – keine Begrüßungsrunde, keine Spiele, keine Geschichte, keine Musik. Dazu wird weiter unten – im Gesamtfazit – noch mehr zu sagen sein, aber sprechen wir erst mal über das Bastelangebot am Montag: In der Programmankündigung hatte es geheißen, es sollten "Papierboote und Segelschiffe" gebastelt werden; das "und" in dieser Formulierung ließ, ebenso wie die (vermutlich KI-generierte) Illustration dazu, die Hoffnung aufkommen, man könnte dort womöglich schwimmfähige Holzboote bauen, aber tatsächlich wurden nur Papierboote gefaltet – die man auf Wunsch mit einem Eisstiel als Mast und einem Segel aus Moosgummi ausstatten und ansonsten nach Herzenslust dekorieren konnte. Das war alles. 

Die Folge war, dass unser Jüngster schon nach der Hälfte der Zeit keine Lust mehr hatte und mich überredete, lieber mit ihm auf den Spielplatz zu gehen. Meine Liebste und das Tochterkind hielten etwa zwanzig Minuten länger durch. Insgesamt ließen sich in der Zeit, die wir an diesem Vormittag im Kirchenzelt verbrachten, vielleicht zwölf bis 15 Kinder dort blicken, von denen allerdings einige noch deutlich kürzer blieben als wir. 

Unsere Motivation, am selben Tag auch noch zum Nachmittagsprogramm zu gehen – das am Montag unter dem Motto "Ankommen. Durchatmen. Urlaub genießen" stand ("Den Alltag loslassen, zur Ruhe kommen, den Urlaub bewusst erleben") –, hielt sich daraufhin ziemlich in Grenzen, zumal wir ja wussten, dass dieses Nachmittagsprogramm von dem unsympathischsten Urlauberkirchen-Team gestaltet wurde, das wir bisher (letztes und dieses Jahr) erlebt hatten; dafür zeigte unser Tochterkind plötzlich Interesse, am Abend zum Bingo zu gehen, aber es gelang uns, das Thema auszusitzen. – Am Dienstagvormittag sollten laut Programmankündigung Windlichter mit Sand und Muscheln gestaltet werden; das Tochterkind hatte Lust darauf, der Jüngste nicht. Also teilten wir uns auf: Meine Liebste ging mit dem Jüngsten auf den Spielplatz am Strand und ich mit der Großen zum Kirchenzelt. Wir kamen etwas zu früh dort an, das Zelt war noch zu; trotzdem waren wir nicht die ersten, die sich dort einfanden. Während wir auf das Team warteten, hatte ich den Gedanken, es sei schade, dass ich unsere mobile Lautsprecherbox nicht dabei hatte, denn sonst hätte ich für uns und die anderen Wartenden schon mal Musik anmachen können. Tatsächlich brachten die Teamerinnen, als sie dann kamen, die zur Urlauberkirchen-Ausstattung gehörende Box mit und machten Musik an. Was für Musik? Nun, es ging los mit dem beliebten Kindergottesdienst-Lied "Wir feiern heut ein Fest", das auch während der ersten Kirchenzelt-Woche regelmäßig zu hören gewesen war, aber danach kamen erst mal nur noch KiTa-Klassiker wie "Aramsamsam", "Händewaschen, Händewaschen muss ein jedes Kind", "Die Tante aus Marokko" oder "Die Maus auf Weltraumreise", dazu ein paar "Greatest Hits" von Volker Rosin, dem König der Kinderdisco ("Fliegerlied", "Das Lied über mich" u.a.). Ich komme noch darauf zurück, aber erst mal war das besser als gar keine Musik – es sorgte unmittelbar für bessere Stimmung. Den sechs Kindern, die schon zu Beginn der Veranstaltung da waren, wurde eine Begrüßungsmoderation zuteil, in der auch (kurz und eher oberflächlich, aber immerhin) auf das Tagesmotto "Gott schenkt Licht im Sturm" eingegangen wurde; auch die später dazukommenden Kinder (es waren insgesamt wohl wieder zwölf bis fünfzehn) wurden freundlich und, soweit die Teamerinnen sie schon kannten, namentlich begrüßt; die Teamerinnen unterhielten sich auch einzeln mit den Kindern, ermunterten sie, etwas über sich zu erzählen, und das Windlichter-Gestalten machte offenkundig Spaß und erzielte sehenswerte Ergebnisse. 

Wenn ich sage, insgesamt erreichte dieser Kirchenzelt-Vormittag in etwa das Niveau der zweiten und dritten Ferienwoche des Vorjahres, ist das wohl kein besonders großes Lob, aber immerhin eine deutliche Verbesserung gegenüber dem Vortag und erst recht gegenüber der Vorwoche, und man soll ja auch für kleine Dinge dankbar sein. Das Tochterkind sagte sogar ungerührt zu der jüngeren der beiden Teamerinnen, es sei "doch kein Fehler" gewesen, hier herzukommen. 

Aber noch einmal zurück zur Musikauswahl: Schon letztes Jahr im Kirchenzelt, und dann z.B. auch beim Kinderfasching in St. Bernhard Tegel-Süd, ist mir eine irritierende Nähe bzw. unscharfe Abgrenzung zwischen kommerziellen Kinderliedern und Sauf-und-Bums-Schlagern à la Ballermann aufgefallen. In diesem Zusammenhang habe ich bereits zu Protokoll gegeben, dass Helene Fischers "Atemlos" auch in einer Coverversion von Simone Sommerland und den Kita-Fröschen auf dem Markt ist; was ich nunmehr um die Information ergänzen darf, dass Simone Sommerland und die Kita-Frösche auch "Cowboy und Indianer" von Olaf Henning gecovert haben. Du musst jetzt ganz tapfer sein, Leser: Im diesem Lied geht es um Rollenspiele beim Sex. Aber klar, wenn man keine Anspielungen versteht, kann man auch denken, der Text eigne sich für ein Kinderlied. Duh

Abgesehen von diesem Ausrutscher war die Playlist im Kirchenzelt aber harmlos – zu harmlos, könnte man geneigt sein zu sagen. Als ich mich mit meinem Tochterkind über die Musikauswahl unterhielt und dabei anmerkte, das sei halt "einfach eine Playlist mit KiTa-Liedern", bekam die ältere Teamerin das offenbar mit und verstand es wohl so, dass meiner Großen die Musik zu langweilig sei, jedenfalls wechselte sie kurz darauf zu einer Playlist mit eher HipHop-orientierten Liedern der Gruppe Giraffenaffen. Wir gingen trotzdem ziemlich bald, nachdem das Windlicht fertig war. 

Am Nachmittag hätte es im Kirchenzelt allen Ernstes einen "maritime[n] Beauty-Workshop" gegeben, bei dem man "Peeling, Fußbad und Gesichtspulver" selbst herstellen können sollte; das fand ich so bizarr, dass ich fast Lust gehabt hätte, da mal hinzugehen, aber wir fuhren dann doch lieber nach Tossens an den Strand. – Am Mittwoch war im Kirchenzelt zwar Pausentag, aber dafür sollte am Nachmittag vor oder hinter dem Atrium eine Geschichte vorgelesen werden – womit offenbar die Gutenachtgeschichte, die von den Anfängen der Strandkorbkirche (damals unter dem Namen "Sandmännchen") bis vor wenigen Jahren fester Bestandteil der kirchlichen Urlauberbetreuung in Butjadingen gewesen war, in veränderter Form wieder aufgegriffen werden sollte. Es hätte mich ja schon interessiert, was für eine Geschichte da wohl vorgelesen wurde, aber angesichts des hochsommerlichen Wetters gaben wir dann doch einem weiteren Strandtag in Tossens den Vorzug. 

Am Donnerstag war dann schon unser Rückreisetag, aber da wir zwischen dem Räumen der Ferienwohnung und dem Mittagessen bei meiner Mutter noch etwas Zeit zu überbrücken hatten, schickten wir dir Kinder erst mal allein ins Kirchenzelt, wo laut Programmankündigung "Anker-Schlüsselanhänger und Ankerbilder" gebastelt werden sollten, und setzten uns mit unserem schweren Gepäck in die Tourist-Info. Als ich nach rund einer halben Stunde mal beim Kirchenzelt nach dem rechten schaute, fand ich es so gut besucht, wie ich es diesen Sommer – außer beim Filmabend – noch nicht erlebt hatte: Ungefähr 20 Kinder waren da, dazu einige Erwachsene; es wurde eifrig gebastelt, und im Hintergrund liefen die Giraffenaffen. Als ich nach einer weiteren Stunde wiederkam, um zu schauen, ob den Kindern noch nicht langweilig ist, waren allerdings nur noch acht Kinder übrig, und nachdem die Giraffenaffen-Playlist zu Ende war, wurde wieder dieselbe KiTa-Lieder-Playlist abgespielt wie am Dienstag. Insgesamt also keine bahnbrechenden neuen Eindrücke. 

Insgesamt waren wir in diesen Sommerferien somit zehnmal zum Vormittagsprogramm im Kirchenzelt – fünfmal beim ersten Team, beim zweiten nur zweimal, beim dritten dreimal – und damit im Ganzen zweimal öfter als im vorigen Jahr; dagegen waren wir beim neu eingeführten Abendprogramm nur einmal und beim ebenfalls neuen Nachmittagsprogramm überhaupt nicht. Fragen wir uns auf dieser zugegebenermaßen lückenhaften empirischen Basis trotzdem: Was, abgesehen vom neuen Logo (meine Kinder fanden das alte übrigens "irgendwie netter"), hat sich bei der Urlauberkirche in Butjadingen denn nun seit letztem Jahr verändert? Wenn man mich fragt, ob das Angebot der Urlauberkirche heuer insgesamt besser oder schlechter fand als letztes Jahr, dann muss ich ehrlicherweise sagen: teils-teils. Das, was ich letztes Jahr schon gut fand, ist tendenziell noch besser geworden, manches Schlechte noch deutlich schlechter, auch wenn ich das vor einem Jahr kaum für möglich gehalten hätte. Und was an neuen Angeboten hinzugekommen ist, die es im vorigen Jahr noch nicht gab, war zum größten Teil verzichtbar bis ärgerlich. Dieses Urteil gilt es natürlich noch genauer auszudifferenzieren, aber erst einmal ist festzuhalten: Das Gefälle zwischen dem Guten und dem Schlechten ist größer geworden. 

Zum Teil mag dieser Eindruck natürlich auf Zufall beruhen, schließlich geht das Vormittagsprogramm im Kirchenzelt nach unserer Abreise noch vier Wochen weiter (das Nachmittags- und Abendprogramm indes nur noch eine Woche), und da wohl im Wesentlichen jedes Jahr dieselben Teams an der Programmgestaltung beteiligt sind, nur nicht unbedingt in derselben Reihenfolge, ist es durchaus wahrscheinlich, dass die Teams, die wir voriges Jahr in unserer zweiten und dritten Urlaubswoche erlebt haben, dieses Jahr auch noch kommen – umgekehrt jedenfalls waren das zweite und das dritte Team der diesjährigen Saison letztes Jahr auch schon da, nur eben außerhalb unserer Urlaubszeit. Indes wirft gerade der Umstand, dass jedes Jahr im Wesentlichen dieselben Teams bei der Urlauberkirche mitmischen – und dabei insbesondere der Umstand, dass gerade das Team, dessen Angebot eindeutig das schlechteste war, schon zum achten Mal in Folge dabei war – die Frage auf, ob es eigentlich gar keine interne Qualitätskontrolle gibt. – Es geht hier wohlgemerkt nicht nur darum, dass ich grundsätzlich einen anderen Anspruch an Urlauberseelsorge habe – dazu habe ich ja schon allerlei gesagt und werde auch nochmals darauf zurückkommen –; vielmehr war das, was insbesondere das zweite Kirchenzelt-Team im Vormittagsprogramm ablieferte, auch nach den Maßstäben der Veranstalter einfach schlecht. Wenn man sich anzuschaut, wie das Kirchenzelt-Programm im Leuchtturm-Magazin angekündigt wurde, und das mit der Realität der zweiten Ferienwoche abgleicht, ergibt sich folgendes Bild: 

"Im Kirchenzelt wird gesungen, gebastelt, Geschichten gehört, gespielt, geklönt, sich getroffen, neue Menschen kennen gelernt etc., eben alles, was den Urlaub bereichert."

Und in der dritten Woche war das auch nur graduell anders. – Sagen wir's zur Sicherheit noch einmal ganz deutlich: Dagegen, dass im Kirchenzelt gebastelt wird, ist – auch wenn ich persönlich schon als Kind nie besonders viel Lust zum Basteln hatte – grundsätzlich überhaupt nichts einzuwenden, die Kinder (also sowohl meine als auch die anderen, die ins Kirchenzelt kommen) finden das meistens durchaus gut. Die Probleme fangen aber schon damit an, dass das Bastelprogramm in der Regel nicht ausreicht, um die Dauer der Veranstaltung (zwei Stunden!) sinnvoll auszufüllen; in Verbindung damit, dass es oft keine förmliche Eröffnung und keinen förmlichen Abschluss des Programms gibt, führt das dazu, dass es keine Motivation gibt, die ganze Zeit dazubleiben; wenn die Kinder aber einfach irgendwann kommen, so lange bleiben, bis sie mit ihrer Bastelarbeit fertig sind, und dann wieder gehen, entsteht kein Gemeinschaftserlebnis. Damit ist der Großteil dessen, was das Kirchenzelt-Programm der oben zitierten Passage aus dem Leuchtturm-Magazin zufolge angeblich leisten soll, schon mal so ziemlich zum Scheitern verurteilt. Was natürlich umso mehr gilt, wenn das Team ersichtlich gar kein Interesse daran hat, mehr oder Anderes als "betreutes Basteln" anzubieten. 

Übrigens fällt es auf, dass außerhalb des Campingplatzes und seiner unmittelbaren Umgebung kaum für das Urlauberkirchen-Programm geworben wird – nicht einmal in der Kirche, etwa durch ein Plakat im Schaukasten oder Flyer im Eingangsbereich; könnte das vielleicht darauf schließen lassen, dass ohnehin nicht damit gerechnet wird, dass die Zielgruppe der Urlauberkirche in den Gottesdienst kommt? Das zieht natürlich die Frage nach sich, was für eine Zielgruppe das Angebot überhaupt hat. Diesbezüglich ist mir aufgefallen, dass verhältnismäßig viele Kinder, die wir schon im vorigen Jahr im Kirchenzelt getroffen hatten, wieder dabei waren und/oder dass die Teamer sie schon aus früheren Jahren kannten. Ein bisschen drängt sich da der Eindruck auf, die Teilnehmer rekrutierten sich ebenso wie die Teams aus einem recht überschaubaren "Pool" von Familien mit ähnlichen Vorstellungen und Interessen. Und dafür wird der ganze Aufwand betrieben? – Ein bisschen sarkastisch-polemisch zugespitzt könnte man sagen, gerade so sei die Urlauberkirche repräsentativ für den post-volkskirchlichen Normalbetrieb, für den es insgesamt alles andere als untypisch sei, dass der Löwenanteil der Ressourcen für die Interessen einer sehr eng eingegrenzten Zielgruppe aufgewendet wird – man frage nur mal Erik Flügge. Aber ein bisschen weh tut es schon, wenn extra ein neues Logo designt wird (woraufhin natürlich sämtliche Fahnen, Beachflags, Aufsteller, Autoaufkleber usw. ausgetauscht werden müssen), T-Shirts und Kapuzenpullis für die Teamer angefertigt werden und so viele Bastelmaterialien angeschafft werden, dass neben dem Veranstaltungszelt ein gleich großes Materiallager-Zelt aufgebaut werden muss, und am Ende bastelt man doch nur mit denselben Kindern wie im letzten Jahr denselben Tinnef wie im letzten Jahr. 

So gesehen ist es dann auch nicht verwunderlich, dass das Programm nicht besser ist, als es nun mal ist: Um den Zweck zu erfüllen, auf den es offenbar ausgerichtet ist, braucht es nicht besser sein. Oder andersherum ausgedrückt, wenn es bei unveränderter konzeptioneller Ausrichtung qualitativ besser wäre, wäre es trotzdem zu nichts anderem gut als dazu, den Kindern von Leuten, die sich der Institution Kirche noch irgendwie verbunden fühlen, an religiösen Inhalten aber eher mäßig interessiert sind, "positive Erlebnisse im Zusammenhang mit Kirche" zu ermöglichen. Im Idealfall trägt das dazu bei, dass diese Kinder, wenn sie groß sind, nicht aus der Kirche austreten und ihre eigenen Kinder auch wieder taufen und zur Erstkommunion gehen lassen. Das ist Bestandskundenpflege auf niedrigstem Niveau. 

Es ist wohl recht vielsagend, dass von den insgesamt fünf Urlauberkirchen-Teams, die wir in diesem und im vorigen Sommer erlebt haben, nur eins diesen konzeptionellen Rahmen überschritten und signifikant mehr als "betreutes Basteln" angeboten hat. Das betrifft einerseits die Überzeugung, dass ein Kinderprogramm, das sich explizit als kirchlich zu erkennen gibt, seinen Teilnehmern getrost katechetische Inhalte (in altersgerechter Darbietung natürlich) zumuten darf; es betrifft aber auch und nicht zuletzt die Struktur des Programms: Die Kinder bekommen Namensschilder, damit man sie namentlich ansprechen kann; es gibt eine allgemeine Begrüßung, Spiele, bei denen die Kinder miteinander interagieren "müssen", einen katechetischen "Erzählteil", in den die Kinder mit ihrem Wissen aktiv einbezogen werden, und dann wird gebastelt – wobei die jeweilige Bastelarbeit einen nachvollziehbaren Bezug zum Thema der Katechese hat und somit zu deren Vertiefung dienen kann. – Es war ein Glücksfall, dass gerade dieses Team sowohl letztes als auch dieses Jahr innerhalb unserer Urlaubszeit "im Dienst" war; und ich hatte den Eindruck, dass ihr Programm in diesem Jahr noch besser durchdacht und strukturiert war als im Vorjahr, obwohl es mir auch da schon gut gefallen hatte. Das war es hauptsächlich, was ich weiter oben mit der Einschätzung meinte, das Gute am Urlauberkirchen-Programm sei tendenziell noch besser geworden. – Jedenfalls sieht man hier, wie man den von den Veranstaltern vorgegebenen Rahmen inhaltlich füllen und ausgestalten kann, ohne ihn komplett zu sprengen; das ändert jedoch nichts an dem Gesamteindruck, dass eine katechetische und/oder spirituelle Ausrichtung der Urlauberkirchen-Angebote von Veranstalterseite gar nicht gewollt ist. Oder anders ausgedrückt – wie besonders das Nachmittagsprogramm zeigt, das ja vorrangig geeignet wäre, auch Jugendliche, junge Erwachsene und Familien anzusprechen –, wir haben es da mit Leuten zu tun, deren Vorstellung von "Spiritualität" nicht über Wellness-, Beauty- und Kreativangebote hinausgeht.  (Ich hatte diesen Artikel schon so gut wie fertig, da erreichte mich die Information, dass in der kommenden Woche im Nachmittagsprogramm in Burhave u.a. Qi Gong angeboten wird. Noch Fragen?)

Gleichzeitig muss man einräumen, dass auch unser "Gegenprogramm" – das intentional ja eigentlich gar kein Gegenprogramm sein sollte, sondern eine Ergänzung, aber angesichts des angesprochenen fundamentalen Gegensatzes zwischen "Bestandskundenpflege" und "Neuevangelisierung" letztendlich wohl doch ein Gegenprogramm war – ein paar Nummern kleiner ausgefallen ist, als ich es mir vorgestellt oder gewünscht hätte: Unterm Strich blieben da nur zwei Lobpreisandachten im Bürgerobstgarten und die Mitgestaltung der Musikauswahl in der ersten Kirchenzelt-Woche. Während ich diese Aktionen als durchaus gelungen betrachte, denke ich mir doch, es wäre eigentlich noch mehr drin gewesen – angedacht war ja z.B. "Kinderwortgottesdienst auf dem Spielplatz am Strand, ggf. mit Kinderlobpreisdisco". Hätte man wahrscheinlich mit wenig Aufwand hinbekommen können; dafür, dass es dazu trotzdem nicht gekommen ist, könnte man eine Reihe von Gründen anführen (zu denen ehrlicherweise auch gehört, dass wir ja schließlich auch Urlaub machen wollten), aber die Ideen, die wir dazu hatten, sind ja "nicht weg" und können zu einem späteren Zeitpunkt, mit besserer Planung und gründlicherer Vorbereitung, wieder aufgegriffen werden. Dass wir kaum eine Möglichkeit hatten, effektiv für unsere Angebote zu werben – außer über Facebook was recht gemischte Ergebnisse brachte –, ist auch ein Erfahrungswert, aus dem man fürs nächste Mal lernen kann. Man könnt' zum Beispiel Flyer erstellen (und ggf. ein paar Plakate, bei denen man dann gucken müsste, wo wir die aufhängen dürfen); drucken könnte man die natürlich einfacher und auch billiger in Berlin als vor Ort, aber wenn man die Veranstaltungstermine nicht so lange im Vorfeld festlegen will oder kann, kann man im Flyerdesign ja ein Feld freilassen, in das man Datum und Uhrzeit handschriftlich eintragen kann. Ein besseres Flyerdesign als die von der Urlauberkirche dafür verwendete KI kriegen wir allemal hin. Eine weitere gute Werbemaßnahme wäre es, meine Gitarre in den Urlaub mitzunehmen, aber das ist natürlich eine Frage der Transportkapazität. Und schließlich und vor allem müsste insbesondere ich wohl einfach mutiger werden und gezielt Leute ansprechen, die ich nicht kenne oder gerade erst kennengelernt habe. Damit tue ich mich immer noch etwas schwer, aber ich arbeite dran. 

Wenn man in Betracht zieht, dass wir nicht nur ohne institutionelle Unterstützung, sondern geradezu gegen institutionelle Widerstände arbeiten mussten, würde ich sagen, unter dem Strich war das, was wir abgeliefert haben, für einen ersten Versuch ganz ordentlich. Es ist zwar nicht zu erwarten, dass wir es im nächsten Jahr weniger mit institutionellen Widerständen zu tun bekommen werden – vielleicht sogar eher im Gegenteil –, aber mit den Erfahrungswerten aus diesem Sommer im Rücken können wir die Aktion "Guerilla-Urlauberseelsorge" im nächsten Jahr besser planen und vorbereiten. Umso mehr, als ich bis dahin auch noch weitere Erfahrungen mit RKF, RKT usw. gesammelt und zwei Semester "Angewandte Theologie" im Fernstudium auf dem Buckel haben werde. Ich würd mal sagen: Es bleibt spannend! 


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