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Samstag, 18. Juli 2026

Utopie und Alltag 34: Freu dich, du bist in Butjadingen

Moin, Leser! Erinnerst du dich, dass es vor Jahren mal eine Tourismus-Werbekampagne mit dem Slogan "Freu dich, du bist in Spanien" gab? So ähnlich geht's mir derzeit jeden Morgen beim Aufwachen, nur dass ich eben nicht in Spanien bin, sondern in Butjadingen. Hier ist es nicht nur schön, sondern es gibt auch jede Menge Stoff zum Bloggen – sogar so viel, dass es schon wieder eine problematische Seite hat: Würde ich aus allen Themen, die sich an und für sich dafür anbieten, je einen eigenständigen Artikel machen, bliebe für das Wochenbriefing nicht viel übrig. Das Publikum erwartet aber nun mal mit Recht am Samstag um 18 Uhr sein Wochenbriefing, und ich möchte diesen Rhythmus auch im Urlaub nicht unterbrechen. So waren die letzten Tage geprägt von einem ständigen Tauziehen hinsichtlich der Frage "Was kommt ins Wochenbriefing, was in einen Extra-Artikel?"; aber ich glaube, ich habe da eine ganz gute Balance gefunden. Urteile selbst, o Leser! 


Wattwanderer über dem Nebelmeer 

Die Kinder hatten am letzten Samstag "Hummeln im Mors", wie der Norddeutsche sagt, und deshalb verließen wir unsere Ferienwohnung schon bald nach dem Frühstück und verbrachten so ziemlich den ganzen Tag draußen – und zwar hauptsächlich am Burhaver Strand. Am frühen Nachmittag wurden wir dort Zeuge eines eigentümlichen Naturschauspiels: Über dem Wattenmeer zog Nebel auf. Das hielt eine ganze Reihe von Leuten nicht davon ab, im Watt herumzuspazieren; man konnte sogar den Eindruck haben, sie fänden es besonders toll, durch den Nebel zu wandern – was von der ästhetischen Erlebnisqualität her verständlich sein mag, aber etwas leichtsinnig war es wohl doch, auch wenn gerade Ebbe war. 


Wie Sie sehen, sehen Sie nichts. 

Als der Nebel immer dichter wurde, hatten nach und nach die meisten Wattwanderer ein Einsehen und kehrten an Land zurück, aber mindestens zwei Personengruppen, eine mit Hunden und eine mit einem vielleicht elf- oder zwölfjährigen Kind, spazierten weiter seelenruhig am Priel entlang und machten keine Anstalten, umzukehren. Meine Kinder regte das sehr auf, und sie meinten, man müsse doch irgend etwas tun können, um die Leute zur Vernunft zu bringen. Eine Badeaufsicht gibt es an diesem Küstenabschnitt allerdings nicht (mehr), da er offiziell nicht (mehr) als Badestrand gilt; folglich wandten wir uns – auf das beharrliche Drängen der Kinder hin, nichts unversucht zu lassen, an die Tourist Info jenseits des Deiches, wo man uns beschied, da könne man jetzt nicht viel machen: In einem akuten Notfall sei die Feuerwehr zu benachrichtigen, aber noch sei das ja wohl kein solcher. Ansonsten sei der nächste DLRG-Stützpunkt bei der Nordseelagune; alternativ könnten wir auch mal beim Café Rondell auf dem Deich fragen, ob man von dort aus eine Lautsprecherdurchsage machen könne, um die leichtsinnigen Wanderer zu warnen. – Wir wandten uns also zunächst dem Rondell zu, dessen Wirt – den ich noch "von früher her" kannte – mir zwar in der Einschätzung zustimmte, dass die Leute da draußen sich offenbar nicht der Gefahr bewusst seien, in die sie sich begeben, zugleich aber meinte, da könne man jetzt nicht viel machen, außer zu hoffen, dass die Leute schlau genug sein würden, ihre eigenen Fußspuren zurückzuverfolgen. Im Übrigen habe er keine Lautsprecheranlage für Durchsagen. Ich wäre daraufhin bereit gewesen, aufzugeben, aber die Kinder bestanden darauf, noch zur DLRG zu gehen.

Wir wanderten also einen knappen Kilometer an der Uferpromenade entlang Richtung Nordseelagune, wo wir feststellten, dass es nicht möglich war, bis in Rufweite an den Rettungsschwimmerturm heranzukommen, ohne das Gelände der Nordseelagune zu betreten. Eintritt bezahlen wollten wir dafür nun natürlich nicht, gingen aber zum Haupteingang und fragten am Kassentresen, ob wir mit jemandem von der DLRG sprechen könnten. Die Dame an der Kasse wirkte mit dieser Frage etwas überfordert, aber ein Security-Mitarbeiter nahm sich unseres Anliegens an. Er erklärte uns, die hier stationierten DLRG-Mitarbeiter seien für die Überwachung des Badebetriebs in der Lagune zuständig und stünden daher für andere Aufgaben nicht zur Verfügung; im Übrigen wiederholte auch er, solange kein akuter Notfall vorliege, könne man nicht viel machen, und wenn ein akuter Notfall eintrete, müsse man die Feuerwehr rufen. Wir könnten aber einigermaßen beruhigt sein, denn der Nebel fange schon wieder an sich aufzulösen und bis zum Hochwasser seien noch ein paar Stunden Zeit. – Man könnte nun meinen, unsere Bemühungen seien somit letztlich umsonst gewesen, aber immerhin konnten wir uns sagen, dass wir nichts in unserer Macht Stehendes unversucht gelassen hatten, und soweit ich es mitbekommen habe, gab es an diesem Tag tatsächlich keinen Notfall im Watt vor Burhave. Alles in allem war ich ziemlich stolz auf meine Kinder, dass sie sich so ins Zeug gelegt hatten; und ich sag mal: Wenn das Ganze tatsächlich dazu geführt hätte, dass Leute vor dem Ertrinken gerettet worden wären, wäre für meine Große wohl ein Pfadfinderabzeichen fällig gewesen... 


Camino de Willehado '26 – Teil 1: Vorabendmesse und Grillwurst 

Wir verließen das Strandgelände rechtzeitig, um in Herz Mariä zur Vorabendmesse zu gehen – oder genauer gesagt eigentlich nicht in der Kirche, sondern in ihrem Garten, aber das kennen wir ja nun schon aus früheren Jahren. Schon beim Betreten des Kirchengrundstücks fiel uns auf, dass in einigem Abstand von den für die Gottesdienstbesucher aufgestellten Bänke ein Grill stand, und so spekulierten wir darauf, dass wir es uns an diesem Abend würden sparen können, in der Ferienwohnung noch Abendessen zu machen. – Pastor Kenkel begrüßte uns freundlich, ebenso der Küster ("Schön, dass ihr mal wieder da seid"); die allermeisten Geneindemitglieder, die sich zur Vorabendmesse versammelten, waren über 80, weit überwiegend waren es Frauen. Freudig überrascht war ich, als auch ein paar Kinder (zusätzlich zu unseren eigenen) auf der Bildfläche erschienen; auf den zweiten Blick zeigte sich, dass es die Töchter des neuapostolischen Gemeindevorstehers aus Nordenham waren, die mit ihren Eltern an der Messe teilnahmen, offenbar aus Anlass der Tatsache, dass diese Familie ab dem Folgetag das Urlauberkirchen-Programm auf dem Burhaver Campingplatz bestritt (s.u.). Das Team des Tossenser Kirchenzelts, bestehend aus einer jungen und einer nicht mehr ganz so jungen Frau, war ebenfalls zugegen und bediente nach dem Gottesdienst den Grill. 

Zum Einzug wurde "Herr, gib uns Mut zum Hören" von Kurt Rommel gesungen, begleitet von einem vage psychedelisch scheppernden Keyboard; auch im weiteren Verlauf war die musikalische Gestaltung der Messe sehr NGL-lastig, aber irgendwie fand ich, dass das ein auf fast rührende Weise stimmiges Gesamtbild ergab: Gartengottesdienst für Senioren, mit Musik, die frisch und modern war, als sie jung waren. Die Predigt war jedenfalls gut – darauf bin ich ja schon an anderer Stelle eingegangen –, und auch liturgisch gab es nichts zu meckern, wenn man davon absieht, dass der Antwortpsalm durch ein Lied ersetzt wurde (und zwar ausgerechnet durch "Gott gab uns Atem" von Eckart Bücken und Fritz Baltruweit, zwei Vertretern des NGL-Genres, die ich besonders wenig schätze). Im Anschluss an das Credo erklärte der Zelebrant, er habe zwar Fürbitten vorbereitet, diese aber auf dem Schreibtisch liegengelassen. Stattdessen schlug er vor – "wir haben das auch sonst schon so gemacht" –, die Anwesenden könnten einfach die Namen von Personen nennen, in deren Anliegen die Gemeinde beten solle. Das fand ich gut und beteiligte mich auch daran. 

Natürlich blieben wir auch noch zum "geselligen Teil" – mit Grillen, wie gesagt –; während wir unsere Wurst verzehrten und ich auch ein Bierchen dazu trank, hörte ich mit halbem Ohr mit, wie der Pastor die neuapostolische Familie zu ihren Eindrücken von der Messe befragte, woraus sich ein Gespräch über signifikante Unterschiede zwischen katholischen und neuapostolischen Gottesdiensten entwickelte. Der Gemeindevorsteher äußerte dazu, in der Neuapostolischen Kirche seien zwar die Predigten viel länger, dafür aber die biblischen Lesungen deutlich kürzer – ersteres überraschte mich nicht unbedingt, letzteres schon eher. – Mit uns sprach der Pastor nicht mehr als ein bisschen (allerdings freundlichen) Smalltalk; ziemlich gut kam ich hingegen – kurz bevor wir eigentlich den Heimweg hätten antreten wollen – mit dem Küster ins Gespräch, den ich schon bei früheren Gelegenheiten als einen sehr jovialen und zugänglichen Menschen, als einen ausgesprochen fähigen Gitarristen, aber auch als einen sehr liberalen Katholiken kennengelernt hatte. Der interessante Teil unseres Gesprächs an diesem Abend begann damit, dass ich mich bei ihm vergewisserte, ob an diesem Donnerstag in Burhave Messe sei – die Gottesdienstordnung der Pfarrei sieht nämlich vor, dass es hier donnerstags entweder eine Wort-Gottes-Feier oder eine Heilige Messe oder einen "besonders gestaltete[n] Gottesdienst" gibt, und der Wochenplan kündigte für diesen Donnerstag eine Messe an. Im Prinzip sei das korrekt, meinte der Küster, gab jedoch zu bedenken: "Das letzte Mal, als es laut Plan donnerstags eine Messe geben sollte, kam der Pastor nicht, und ich durfte ganz spontan meine erste Wort-Gottes-Feier leiten." Ich erzählte daraufhin von ähnlichen Erlebnissen in St. Marien Maternitas Berlin-Heiligensee und erwähnte in diesem Zusammenhang, ich hätte es da auch schon erlebt, dass, wenn der für die Zelebration vorgesehene Priester unerwartet nicht auftaucht, die Gemeinde stattdessen Rosenkranz betet. An dieser Stelle ließ der Küster durchblicken, das Rosenkranzgebet sei so gar nicht sein Ding – wofür ich erst einmal Verständnis signalisierte: "Ich bin ja sozusagen 'dritte Generation' in der Gemeinde hier, und ich bin mit dem Eindruck aufgewachsen, Rosenkranzbeten ist etwas, was die vorletzte Generation macht – die dazwischen hat das nicht weitertradiert, also bin ich da, wie man im Pastoralsprech so sagt, nicht herangeführt worden. Du wahrscheinlich auch nicht." – Das räumte der Küster zwar ein, fügte aber hinzu: "Vor allem verstehe ich nicht, was mir das bringen soll. Ich rede doch direkt mit Gott." (Man beachte übrigens: Wenn ein liberaler Christ sagt, er "rede direkt mit Gott", klingt das modern, aufgeklärt und undogmatisch; aber wenn ein Charismatiker das sagen würde, auweia.) Im weiteren Verlauf erzählte mir der Küster, er sei als Jugendlicher aus der Kirche ausgetreten und habe damals gemeint, mit dem Glauben an Gott nichts anfangen zu können, später aber festgestellt, dass er nicht mit dem Glauben an Gott Probleme gehabt habe, sondern mit der Institution Kirche. Auch seine Einstellung zu dieser habe sich aber über die Jahre gewandelt, und so sei er nach drei Jahrzehnten wieder in die Kirche zurückgekehrt. Und nun arbeitet er in einer katholischen Kirchengemeinde als Küster und in einer evangelischen als Friedhofsgärtner (die katholische Kirche unterhält in dieser Gegend keine eigenen Friedhöfe). Ein bemerkenswerter Glaubensweg, den man als solchen durchaus respektieren sollte – gleichzeitig aber nur hoffen kann, dass er noch nicht abgeschlossen ist. Was das Thema "Einstellung zur Kirche" angeht, äußerte er mir gegenüber die Überzeugung, man müsse ja nicht alles akzeptieren, was "die in Rom" sagen: Die "Kirche vor Ort" sei schließlich in vielerlei Hinsicht "schon viel weiter", gerade in Deutschland, auch wenn es selbst hierzulande noch einige konservative Bremser gebe; aber speziell in dieser Gemeinde hier gehe es "sehr frei" zu.– Was mich ja immer wundert, ist, dass Leute, die einem so etwas erzählen, nie auf die Idee zu kommen scheinen, dass ihr Gegenüber eine andere Einstellung zu diesen Fragen haben könnte als sie selber. Immerhin glaube ich aus diesem Gespräch aber etwas über einen in durchschnittlichen post-volkskirchlichen Gemeinden (noch) recht verbreiteten Typus liberaler Christen gelernt zu haben, der sich vom "aktivistisch-progressiven" PUU-Flügel deutlich unterscheidet und sozusagen nur zufällig mit diesem im selben kirchenpolitischen Lager steht: Während der letztere konsequent das Ziel verfolgt, die Kirche zu einem Instrument "woker" Ideologie umzugestalten, ist der post-volkskirchliche Liberale jemand, der halt irgendwie an Gott glaubt und von der Kirche lediglich erwartet, dass sie einen institutionellen Rahmen dafür bereitstellt, individuelle spirituelle Bedürfnisse in Gemeinschaft auszuleben – wozu sie sich natürlich nicht allzu dogmatisch gebärden darf. Em tasol, wie man in Papua-Neuguinea sagt. Theoretisch müsste man davon ausgehen, dass diese Klientel im aktuellen Transformationsprozess der Kirche am stärksten vom Aussterben bedroht ist, aber die Erfahrung zeigt, dass derartige Prognosen sich nicht selten als irrig erweisen. – Jedenfalls sagte ich dem Küster, ich würde dieses Thema mit ihm "gern noch weiter vertiefen, aber nicht mehr heute Abend".


Zu Gast in Deinem Zelt – Teil 1: Zeitreise durchs Kirchenjahr 

Am Sonntag standen wir pünktlich um halb elf beim Kirchenzelt auf dem Burhaver Campingplatz auf der Matte, um den Auftakt des Urlauberkirchen-Kinderprogramms mitzuerleben. Der Standort des Kirchenzelts war mit Flaggen gekennzeichnet, die noch das alte "Willi's"-Urlauberkirchen-Logo zeigten, hingegen war, anders als noch letztes Jahr, weit und breit keine Gay Pride-Flagge zu sehen. 

Außer der "Teamer"-Familie, zu der zwei Kinder gehörten, hatten sich vor uns bereits fünf andere Kinder eingefunden, mit unseren waren das also neun; innerhalb der ersten halben Stunde des Programms kamen noch vier weitere hinzu und einige noch später, sodass insgesamt, wenn man auch die mitzählt, die nur mal kurz reinschauten und dann wieder gingen, wohl an die zwanzig Kinder bei diesem ersten Programmtag der Urlauberkirche in Burhave auftauchten. Das Wochenprogramm, dessen Ankündigung ich schon vorab auf Instagram gesehen hatte, stand unter dem Motto "Gott feiert mit uns" und sollte sich um Feste im Kirchenjahr drehen; da war am ersten Termin folgerichtig Weihnachten dran, auch wenn das mitten im Sommer ein bisschen kontraintuitiv wirkte. Zur Begrüßung wurde erst einmal ein Spiel gespielt, bei dem es um Geburtstage ging; von da aus wurde dazu übergeleitet, dass (und warum) wir auch den Geburtstag Jesu feiern, und dies wurde visualisiert mit den aus der Herz-Mariä-Kirche ausgeliehenen Krippenfiguren

Am Rande wurde auch das Wissen der teilnehmenden Kinder darüber aktiviert, was für "Jesusfeste" es denn noch so im Kirchenjahr gibt (die dann an den folgenden Tagen im Kirchenzelt-Programm "drankommen" sollten); das Wissen, das die Kinder dabei an den Tag legten, war durchaus beachtlich, was wohl den von vornherein erwartbaren Umstand unterstreicht, dass das Urlauberkirchen-Programm vorrangig ein vergleichsweise "kirchennahes" Publikum erreicht. Gleichzeitig fiel es auf, dass eins der später hinzugekommenen Mädchen sich nicht scheute, den katechetischen Teil des Programms mit der Frage zu unterbrechen, wann denn nun endlich gebastelt werden würde. Da sieht man mal, wie die Erwartungshaltung der Kinder dazu, was sie bei der Urlauberkirche erwartet, vorkonditioniert ist. Als am nächsten Tag ein paar Minuten nach 10:30 Uhr außer uns und dem Team noch niemand da war, meinte due Frau des Gemeindevorstehers halb scherzhaft: "Die kommen alle extra später, damit sie gleich mit dem Basteln anfangen können." Tatsächlich erschienen am Montag insgesamt deutlich weniger Kinder zum Urlauberkirchen-Programm als am Sonntag, wobei man allerdings in Betracht ziehen muss, dass die fünf Kinder, die am Sonntag schon vor uns da waren, alle gesagt hatten, dass sie am Montag schon wieder abreisen würden. – Aber zunächst noch einmal zurück zum Programm am Sonntag: Gebastelt wurde da nämlich sehr wohl noch, genauer gesagt wurden, passend zum Thema Weihnachten, Adventskalender und Kerzen gestaltet. 

Am Adventskalender-Gestalten beteiligte sich auch meine Liebste.

Und so nehmen sich die Kerzen in unserer Ferienwohnung aus.

Als einen Bestandteil des Projekts "Guerilla-Urlauberseelsorge" könnte man es vielleicht betrachten, dass ich unseren guten Draht zum Urlauberkirchen-Team nutzte, um vorzuschlagen, mich am Montag um die Musikauswahl im Kirchenzelt zu kümmern – nachdem diese am Sonntag wieder im Wesentlichen aus den größten Kindergottesdienst-Hits der letzten 60 Jahre, interpretiert von Simone Sommerland und den Kita-Fröschen, bestanden hatte. Mein Angebot wurde angenommen, und so ließ ich eine Playlist laufen, die aus drei Kinder-Lobpreis-CDs zusammengestellt war, die ich vor gut eineinhalb Jahren beim Advents-Flohmarkt in der "Gemeinde auf dem Weg" gekauft hatte: "Bibellesen ist der Hit" von den "Feiert Jesus! Kids", "Ich bin ein Königskind" von Peter Menger & Königskinder Hüttenberg sowie eine Compilation mit dem Titel "Es geht um Jesus". Der Erfolg war, dass der Teamleiter mich am Dienstag bereits nach rund einem Drittel der Programmzeit bat, erneut die Musikauswahl zu übernehmen: "Meine Playlist ist schon wieder bei Weihnachtsliedern angekommen." 

Sprechen wir aber noch über das Programm am Montag, das im Zeichen der Karwoche stand. Hier wurde erst einmal das Wissen der Kinder darüber aktiviert, was für Feste es in der Karwoche gibt und welche Bedeutung sie jeweils haben; und da kam so einiges zusammen. 

Nicht verkneifen kann ich mir dabei die Anmerkung, dass es sich gerade beim Stichwort Gründonnerstag doch auswirkte, dass das Team nicht katholisch war; denn aus katholischer Sicht hätte man zur Bedeutung des Letzten Abendmahls und dazu, wie wir das Gebot Jesu "Tut dies zu meinem Gedächtnis" bis heute etfüllen, eigentlich noch mehr und Anderes sagen müssen. Womit ich aber nicht zwingend behaupten will, dass ein katholisches Team das unbedingt besser gemacht hätte. – Gebastelt wurde am Montag natürlich auch wieder, man konnte Nagelbilder in Kreuzform knüpfen und Steine mit Acrylstiften bemalen. 

Ein Highlight der ersten Kirchenzelt-Woche war indes das Programm am Dienstag, bei dem es um Christi Himmelfahrt ging; die Spiel- und Bastelideen, die da zum Einsatz kamen, kann und sollte man sich mal merken für einen Religiösen Kindertag (RKT) zum Thema Himmelfahrt, nächstes Jahr vielleicht. Da wäre zunächst ein an den Klassiker "Ich packe meinen Koffer" angelehntes Spiel zum Thema "Ich stelle mir vor, im Himmel gibt es..." zu erwähnen, und dann ein Spiel, das ich so ähnlich vom "Bewerbendentag" des Erzbistums Berlin für Auszubildende in pastoralen Berufen kannte: Da ging es darum dass die ganze Gruppe auf einem Teppich steht und die Aufgabe bekommt, den Teppich zu wenden – mit der unten liegenden Seite nach oben –, ohne dass jemand den Teppich verlässt. In der Kirchenzelt-Variante war der Teppich eine Picknickdecke mit einer dunklen und einer blau-weiß gemusterten Seite, wobei die letztere den Himmel symbolisieren sollte; dadurch bekam das Spiel eine metaphorische Ebene: Wir müssen uns alle gegenseitig dabei helfen, in den Himmel zu kommen. Gebastelt wurden Drachen sowie Raketen, die man mittels eines Schlauchs und einer Plastikflasche fliegen lassen konnte. Ich hatte den Eindruck, so viel Spaß hatten die Kinder im Kirchenzelt – oder überhaupt bei irgendeinem kirchlichen Kinderprogramm – noch nie, und meine Tochter bestätigte das auch explizit. 

Sollte man gar nicht denken, wie gut diese Dinger fliegen. 

Am Mittwoch war Pausentag im Kirchenzelt (was das Tochterkind ausdrücklich schade fand), und am Donnerstag stand folgerichtig das Thema Pfingsten auf dem Programm. Hier ging es unter anderem um die Früchte des Heiligen Geistes nach Galater 5,22f.: Anhand von Beispielen sollten die Kinder selbst einschätzen, welche dieser Früchte in ihrem eigenen Leben schon sichtbar sind und welche Früchte in ihnen "noch wachsen dürfen". Auch dies eine Übung, die ich mir mal zur Nachahmung vormerken möchte, vielleicht sogar für die Erstkommunionvorbereitung. 

Das Tochterkind betrieb die Selbsteinschätzung ausgesprochen gewissenhaft.

Die Schilderung des Abschlusses der ersten Urlauberkirchen-Woche verschiebe ich – teils aus Platzgründen, teils aus kompositorischen Erwägungen – auf den fälligen zweiten Teil von "Der Prophet im eigenen Land"; aber ich denke, festhalten kann man schon mal, dass das neuapostolische Kirchenzelt-Team die Messlatte für die noch kommenden Teams ziemlich hoch gelegt hat... 


Heiliger Heinrich und Heilige Kunigunde, bittet für uns! 

Hat sich eigentlich irgendjemand gefragt, warum ich es in der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings als besonders signifikant hervorgehoben habe, dass mein Online-Vorstellungsgespräch mit einer Professorin der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen am Gedenktag des Kaisers Heinrich II. (973-1024) und seiner Frau Kunigunde stattfand? Na, wenn nicht, verrate ich es trotzdem: An dem Ort, den wir letztes Jahr für das Projekt Pfarrhausfamilie im Auge hatten, trägt die Kirche das Patrozinium St. Heinrich und besitzt Reliquien des heiligen Kaisers und seiner Frau. Ich empfand das als ein gutes Zeichen, da es in der Kirche meiner Kindheit, Herz Mariä Burhave, ein Buntglasfenster gibt, das den letzten Ottonen darstellt, und ich fand, mit ein bisschen Abstraktion könnte aus dieser Darstellung ein gutes Logo für das Pfarrhausfamilienprojekt werden: 

Kürzlich gab es übrigens Anzeichen dafür, dass es mit dem Projekt "Haus St. Heinrich", wie ich es hätte nennen wollen, doch noch etwas werden könnte, aber vorerst haben sich diese nicht verdichtet und folglich gehen unsere Pläne erst einmal in eine andere Richtung. Auf jeden Fall haben der Hl. Heinrich und die Hl. Kunigunde seit dem Frühjahr letzten Jahres einen festen Platz in meiner persönlichen Litanei von Schutzheiligen, und deshalb fand ich es ermutigend, dass das Vorstellungsgespräch an diesem Termin stattfand. 

Und was ist bei dem Gespräch nun herausgekommen? – Inhaltlich eigentlich nichts, was man nicht auch mit einer eMail hätte klären können, aber ich schätze, solche Gespräche sind vor allem dazu da, einen persönlichen Eindruck vom Bewerber zu bekommen, und ich glaube, in dieser Hinsicht habe ich mich nicht schlecht geschlagen. Ich muss nun bis Ende des Monats noch ein paar Unterlagen nachreichen, und das aus dem Urlaub heraus zu organisieren, ist durchaus eine Herausforderung, aber ich bin grundsätzlich weiterhin optimistisch. Gebetsunterstützung ist derweil selbstverständlich willkommen! 


Camino de Willehado '26 – Teil 2: Der Berg Karmel liegt nicht in Butjadingen 

Am Donnerstag, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau auf dem Berge Karmel, wollte ich gern in Herz Mariä zur Messe gehen, aber die Kinder wollten lieber baden gehen, zumal genau zur Zeit der Messe Hochwasser war und man daher am Burhaver Strand ins Wasser gehen konnte, ohne den Eintritt für die Nordseelagune zu berappen. Also teilten wir uns auf, meine Liebste ging mit den Kindern an den Strand und ich allein zur Kirche. Der Küster begrüßte mich wieder sehr jovial, ich fragte kurz entschlossen: "Braucht ihr einen Lektor?" und kam zur Belohnung für diese Forschheit in den Genuss, eine knallige Passage aus dem Buch Jesaja (26,7-9.12.16-19) vortragen zu dürfen. Zelebriert wurde die Messe von Pfarrer Fechtenkötter, den ich somit erstmals persönlich zu Gesicht bekam; "live" machte er noch mehr als auf Fotos den Eindruck eines Mannes, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann, was in einer Position wie der seinen wohl ebenso gute wie potentiell problematische Seiten haben kann. Er zelebrierte in Mantelalbe mit Stola drüber, ansonsten aber korrekt; er wies auch auf den (nicht gebotenen) Gedenktag hin, verwendete auch das entsprechende Tagesgebet (Lesung und Evangelium hingegen vom Donnerstag der 15. Woche im Jahreskreis) und fand in seiner Begrüßungsansprache einige schöne Worte über die Gottesmutter als Vorbild im Glauben. Weniger überzeugend fand ich seinen knapp vier Minuten langen Predigtimpuls zum Jesuswort "Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken" (Mt 11,28): Insbesondere angesichts der Aussage, dass die Last des Alltags "mit dem Glauben ein bisschen [!] er-träg-licher" werde, drängte sich mir der Gedanke auf: Das ist ein Christentum, wie die marxistische Religionskritik es sich vorstellt. Oder in den Worten Wilhelm Willms': "Wenn der Stacheldraht rote Rosen trägt, dann bleiben wir hier". Danke, aber nein danke. 

Das Lied vom Roten Meer und der Grünen Welle wurde übrigens nicht gesungen, dennoch stand die Liedauswahl in dieser Messe – mit Ausnahme eines im Gotteslob-Regionalteil für das Bistum Münster enthaltenen Sanctus auf die Melodie von "Alles meinem Gott zu Ehren" – vollends unter dem Motto "Schlimmst of NGL", von "Kommt herbei, singt dem Herrn" über "Lied, das die Welt umkreist" und "Wenn das Brot, das wir teilen" bis hin zu "Suchen und fragen". Anerkennen muss man, dass der Küster diese Lieder sehr schön auf der Gitarre begleitete, wodurch sie rein von der musikalischen Seite her ganz anders 'rüberkamen als mit schleppender Orgelbegleitung; aber was es mit der "sozialen Vorstellungswelt" von Katholiken macht, wenn sie im Gottesdienst immer wieder und immer nur solches Liedgut hören, dürfte wohl einigermaßen auf der Hand liegen. 

Nach der Messe luden mich zwei Damen aus der Gemeinde sehr herzlich ein, zur Kaffeetafel mitzukommen, der Küster hatte dies schon zuvor getan, und ich folgte dieser Einladung gern. Am Rande bekam ich mit, dass der Pfarrer prompt auf seine Rolle als Stiftungsratsvorsitzender des St.-Bernhard-Hospitals in Brake angesprochen wurde; er reagierte ausgesprochen souverän auf diese Anfragen und setzte auseinander, warum die Vorstellung, "die Kirche", die ja angeblich "genug Geld" habe, hätte die Pleite des Krankenhauses aus eigenen Mitteln abwenden können und auch sollen, von falschen Voraussetzungen ausgehe. – Es gibt über die Gespräche an der Kaffeetafel noch mehr Interessantes zu berichten, aber das verschiebe ich "aus Gründen" auf den fälligen zweiten Teil von "Der Prophet im eigenen Land"... 


Geistlicher Impuls der Woche 

An allen Orten steht dein Thron, du Wahrheit, für alle, die Rat bei dir suchen, und du antwortest ihnen allen zugleich, so verschieden auch der Rat sein mag, den sie bei dir suchen. Du antwortest klar, doch nicht alle hören dich klar. Alle befragen dich über das, was sie wollen, aber nicht immer hören sie, was sie wollen. Dein bester Diener ist, der nicht so sehr darauf aus ist, von dir zu hören, was er selbst zu hören wünscht, als vielmehr das zu wollen, was er von dir hört. 

(Augustinus, Bekenntnisse) 


Ohrwurm der Woche 

Relax: Radio hör'n 

Unsere Ferienwohnung in Burhave hat keine Geschirrspülmaschine, dafür aber ein wohl knapp 50 Jahre altes Grundig-Radio. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Merke auf und lausche, o Leser. Am Morgen nach unserer Ankunft meldete ich mich freiwillig, das Geschirr vom Frühstück und vom vorangegangenen Abendessen zu spülen, fand aber, für diese Arbeit benötige ich Musik. Daher probierte ich mal aus, ob das alte Radio in der Küche noch funktionierte. 

Das Ergebnis lautete: und ob! Und die Musik, die mir da entgegentönte, gefiel mir sogar unironisch ausgesprochen gut. Nun war ich natürlich gespannt, was das wohl für ein Sender war, der auf dem Radio eingestellt war; und wie sich zeigte, war ich beim "meisten Mix" (oder heißt es "Meistermix"?) von RadioWeserTV, dem Bürgerrundfunk aus Bremerhaven, gelandet. Unter anderem lief da "Wie der Wind so frei" von Wolfsmond (kannte ich noch gar nicht, gefällt mir aber),, "Sacrifice" von The Weeknd, "We Belong" von Pat Benatar und "Beautiful Madness" von Michael Patrick ("Paddy") Kelly; daneben durchaus auch mal Lieder, die ich persönlich zwar nicht so gut finde, immerhin aber tolerieren kann, wenn jemand anderes sie gut findet. – Insgesamt freute ich mich jedenfalls, dass der Bürgerrundfunk so ein gutes Programm hatte, und schwelgte in wehmütigen Erinnerungen daran, wie ich vor über zwanzig Jahren ein paarmal als Talkgast im Studio Nordenham von RadioWeserTV war, das im Rathausturm untergebracht war. Bei einem dieser Interviews hatte der Moderator – dessen Namen des Sängers Höflichkeit verschweigen möge; er ist inzwischen verstorben – überhaupt keine Ahnung, worüber er mit mir reden sollte, und nutzte die Musiknummern dazu, sich mit mir darüber zu verständigen, womit wir jeweils dir nächsten soundsoviel Minuten füllen sollten. Hach ja, good times

Das hier zum "Ohrwurm der Woche" erkorene Lied habe ich ironischerweise nicht auf RadioWeserTV gehört, obwohl es da durchaus gut in den Mix gepasst hätte; aber die Gesamtsituation mit dem alten Radio, das ich regelmäßig zur Küchenarbeit einschaltete, erinnerte mich einfach an dieses Lied, und als ich es mir dann auf YouTube anhörte, stellte ich fest, dass es geiler ist, als ich es in Erinnerung hatte. Ich hatte es mir irgendwie country-mäßiger vorgestellt, aber tatsächlich ist es brettharter 80s-Pop, durchaus vergleichbar mit dem Song "Das Blech" von Spliff, der allerdings erst ein Jahr später herauskam. Enjoy! 


Vorschau/Ausblick 

Gestern war in Nordrhein-Westfalen letzter Schultag, und da von dort für gewöhnlich der Großteil der Butjadingen-Touristen zu kommen pflegt, darf man davon ausgehen, dass mit diesem Wochenende hier die eigentliche Hauptsaison losgeht. Man wird sehen, wie sich das auswirkt; wir haben jedenfalls gehört, sämtliche Ferienwohnungen in Burhave seien ab der kommenden Woche ausgebucht. Heute ist wieder Vorabendmesse in Herz Mariä, und laut "Willehad aktuell" wird sie erneut von Pastor Kenkel zelebriert. Ab morgen geht das Urlauberkirchen-Kinderprogramm mit einem neuen Team weiter; auf Instagram habe ich eine Programmvorschau gesehen, in der die einzelnen Tage zwar unter Motti wie "Gott schuf Pflanzen und Tiere", "Gott sieht Dich, so wie Du bist" oder "Jesus lädt Dich an seinen Tisch ein" stehen, allerdings drängt sich mir dabei der Eindruck auf, damit solle lediglich notdürftig und pro forma eine "geistlich" anmutende Begründung für die jeweiligen Bastelideen geliefert werden. Aber wir wollen mal nicht von vornherein ausschließen, dass es doch besser wird als erwartet! – Außerdem gibt's morgen einen ökumenischen Gottesdienst in der Konzertmuschel in Tossens, aber ob wir da hinwollen, darf man eher als fraglich bezeichnen. Auch noch ungewiss ist, ob wir (oder wenigstens einer von uns, also ich) am Montag zum ökumenischen Friedensgebet gehen; am Dienstag wollen wir vormittags nach Fedderwardersiel und nachmittags wieder eine Lobpreisandacht im Bürgerobstgarten abhalten. Ab Mittwoch erwarten wir dann Besuch aus Berlin: Eine Schulfreundin unseres Tochterkindes und deren Mutter wollen für ein paar Tage nach Burhave kommen und am Strand zelten. Was wir den Rest d6er Woche noch so unternehmen, werden wir dann wohl gemeinsam mit diesen beiden entscheiden...


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