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Samstag, 21. September 2024

Creative Minority Report Nr. 43

Okay, Freunde: Ich habe mich redlich bemüht, nach einigen Wochen Unterbrechung wieder zum gewohnten Termin ein Wochenbriefing an den Start zu bringen, ungefähr im gewohnten Umfang, wenn auch thematisch nicht so breit gefächert, wie es normalerweise kennzeichnend für dieses Artikelformat ist. Wie gut es mir gelungen ist, überlasse ich eurem Urteil. In Zukunft erscheint das Wochenbriefing dann hoffentlich wieder regelmäßig... 

Symbolbild: Wo Kinder sind, ist immer was los.

Was bisher geschah 

Tja, wo fange ich da an? Dazu, was in den Wochen, in denen ich nicht zum Bloggen gekommen bin, so alles los war, habe ich mich ja schon vor ein paar Tagen geäußert (wenn auch nicht vollständig; auf ein paar Dinge, die ich da vergessen oder weggelassen habe, komme ich weiter unten noch zurück); also mache ich's einfach so "wie immer" und fange mit dem vorigen Wochenende an. Sowohl am Samstag als auch am Sonntag unternahmen Frau und Kinder etwas ohne mich – am Samstag trafen sie sich mit einem gemeinsamen Freund unserer Kinder und mit seiner Mutter, am Sonntag gingen sie mit den Omas ins "Museum für Kommunikation", wo es einen Bastel-Workshop gab –, aber für mich war das trotzdem nicht so erholsam, wie man hätte denken können. Erst hatte ich allerlei im Haushalt zu tun, und dann vergaß oder verlor unsere Große ihr unersetzliches Lieblingskuscheltier auf einem Spielplatz in Charlottenburg, und ich musste mich in Kooperation mit der Mutter des besagten Freundes darum kümmern, dass sie es zurückbekam, und zwar rechtzeitig, um es am Montag mit auf ihre Schulfahrt zu nehmen. Das wäre alles gar nicht so schlimm gewesen, wenn im öffentlichen Nahverkehr nicht das absolute Chaos geherrscht hätte: Sämtliche Busse und zahlreiche U-Bahnen waren verspätet, überfüllt und vollgestunken. Und das an einem Sonntag! Irgend etwas verheimlicht uns die BVG. 

Zur Messe gingen wir am Sonntag "ganz normal" in St. Joseph Siemensstadt; der, wie ich immer gern sage, "örtlich zuständige" Pfarrvikar predigte – ausgehend von der 1. Lesung, (Jesaja 50,4-9, das dritte Lied vom Leidenden Gottesknecht), und vom Evangelium (Markus 8,27-35, das Christusbekenntnis des Petrus und die erste Ankündigung von Leiden und Auferstehung Jesu) – über "die Tiefe und die Schönheit des Kreuzes", wie er sagte. 

Am Montag ging das Tochterkind dann, wie bereits angedeutet, auf Schulfahrt. Ziel der Reise war ein Jugendfreizeitheim im Umland von Berlin, mitten im Wald, an einem See – davon gibt's hier ja einige. Statt zur Schule brachte ich das Tochterkind also zum Bahnhof, und danach hatte ich gerade noch Zeit, mit dem Jüngsten, den ich natürlich mitgenommen hatte, eine "Snackpause" in einem Einkaufszentrum zu machen, ehe wir zum "Omatag" aufbrachen, der trotz der Abwesenheit des ältesten Enkelkindes stattfand wie gewöhnlich. Am Dienstag ging ich mit dem Jüngsten endlich mal wieder "Beten mit Musik" in St. Joseph Tegel; dort trafen wir die Blumenfrau, die die Kirche für den Besuch des Erzbischofs am Donnerstag (s.u.) herrichten wollte und uns sagte, wir sollten uns dadurch nicht stören lassen – anstatt dass sie sich etwa durch uns gestört gefühlt hätte... Am Mittwoch gingen wir vormittags in Heiligensee in die Messe und nachmittags zum JAM; darüber, wo mein Jüngster und ich am Donnerstagmorgen waren, folgt weiter unten ein eigenständiger Abschnitt, und am Nachmittag hätte ich eigentlich zum Vorbereitungstreffen für den anstehenden Kinderwortgottesdienst gemusst und auch gewollt. Aber gerade als ich dorthin aufbrechen wollte, ereilte mich ein Anruf von einem Betreuer der Schulfahrt: Meine Große wolle abgeholt werden. Zunächst hatte ich Sorge, es wäre womöglich irgend etwas "vorgefallen", wie man so sagt; aber anscheinend hatte das Tochterkind einfach über Nacht Heimweh bekommen und wollte nach Hause. Ist bei einem noch nicht ganz sieben Jahre alten Kind wohl auch nicht allzu verwunderlich. Dass ich dadurch das KiWoGo-Vorbereitungstreffen verpasste, war natürlich ärgerlich, aber manchmal muss man eben Prioritäten setzen. Am Freitag – gestern – ließ ich die Kinder erst mal ausschlafen und ging dann mit ihnen auf den Spielplatz. Auch mal wieder schön. 


Was ansteht 

Der heutige Samstag steht ganz im Zeichen des Marschs für das Leben; zu der Zeit, wenn dieses Wochenbriefing online geht, ist er zwar schon vorbei, aber auf meinen Bericht darüber wirst du wohl noch ein paar Tage warten müssen, Leser. Morgen findet in St. Joseph Siemensstadt, wie gesagt, der erste (und spektakulär unvorbereitete) KiWoGo der neuen Saison statt, und außerdem ist Landtagswahl in Brandenburg. Auch wenn ich da gar nicht wahlberechtigt bin, wäre das möglicherweise ein Anlass, nochmals auf das Thema "Endlich Nichtwähler!" zurückzukommen, nachdem ich für meine Nichtteilnahme an der jüngsten Europawahl so scharfe Kritik geerntet habe wie zu kaum einem anderen Thema. 

Für die anstehende Schul- und Arbeitswoche steht bis jetzt noch nichts Besonderes in meinem Kalender, aber das muss ja nicht viel heißen. Ich gehe davon aus, dass am Montag Omatag ist und am Mittwoch JAM. Und am nächsten Samstag könnt' man theoretisch mal wieder zur Community Networking Night im Baumhaus gehen... Mal sehen. 


Visitationsnotizen aus Tegel 

Ich erwähnte es bereits: Derzeit findet die Visitation der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd durch Erzbischof Koch statt, und den Auftakt dazu bildete eine Messe in der Kirche St. Joseph Tegel am Donnerstagmorgen. Es schien mir eine bemerkenswerte Fügung, dass meine Große just in dieser Woche auf Schulfahrt war, denn hätte ich sie erst zur Schule bringen müssen, hätte ich es nicht zu dieser Messe geschafft. So aber sagte ich mir: Nichts wie hin da! Eine durchaus nicht unerwartete Ironie des Schicksals war es in diesem Zusammenhang, dass unser Jüngster, nachdem er von Montag bis Mittwoch immer schon früher wach gewesen war, als mir lieb war, ausgerechnet am Donnerstag nur mit Mühe wach zu kriegen war. Wir schafften es dennoch früh genug zur Kirche, dass wir noch weitgehend freie Platzwahl hatten. Direkt beim Betreten der Kirche trafen wir Pater Mephisto (in Ordenstracht) und Pater Brody (in Zivil), die uns – insbesondere den Knaben – sehr aufgeräumt begrüßten. 

Ich hatte im Vorfeld schon darüber spekuliert, ob die Kirche wohl voll werden würde; einerseits: hey, der Erzbischof kommt – aber andererseits: werktags um 9 Uhr, wer hat denn da Zeit? Das Ergebnis lag ungefähr in der Mitte zwischen den Erwartungen, die Messe war recht gut besucht, aber aus allen Nähten platzte die Kirche nicht gerade. Selbst von den Leuten, die ich in meiner aktiven Zeit in der Tegeler Pfarrei als den harten Kern der engagierten Gemeindemitglieder kannte, waren nur zwei Piepel da. Nun gut, an den folgenden Tagen der Visitation hielt bzw. hält Erzbischof Koch drei weitere Messen an anderen Kirchenstandorten der Pfarrei, den Abschluss bildet die morgige Sonntagsmesse in der Pfarrkirche Herz Jesu mit anschließendem Empfang, da werden die üblichen Verdächtigen dann wohl alle am Start sein. 


In einem Punkt hatte ich mich jedenfalls offenkundig getäuscht: Nachdem ich mich zunächst gewundert hatte, wieso die Visitation ausgerechnet mit einer Werktagsmesse in einer der kleinsten Kirchen der Pfarrei begann, war mir der Gedanke gekommen, womöglich wolle der Erzbischof im Anschluss an die Messe die zu diesem Kirchenstandort gehörende KiTa besuchen; und mein nächster Gedanke war, dass die KiTa dann vielleicht auch den Gottesdienst mitgestalten würde. Letzteres war nicht der Fall – und obwohl ich nun wirklich nicht der allergrößte Fan von der gängigen Gestaltungselemente von Kindergottesdiensten bin, würde ich das doch als eine verpasste Chance betrachten. Tatsächlich war die KiTa in dieser Messe überhaupt nicht präsent; die einzigen anwesenden Kinder waren mein Sohn und ein wenige Monate altes Baby, das auf dem Arm seiner Mutter döste. 

Natürlich ist es nicht auszuschließen, dass der Erzbischof trotzdem im Anschluss an die Messe die KiTa besuchte. Mir drängte sich allerdings der Eindruck auf, dass die Messe zur Eröffnung der Visitation hauptsächlich deshalb gerade in St. Joseph gefeiert wurde, weil die reguläre Gottesdienstordnung der Pfarrei nun mal zu dieser Zeit an diesem Ort eine Messe vorsieht. In diesem Zusammenhang sei daran erinnert, dass die allwöchentliche Donnerstags-Messe erst vor gefühlt relativ kurzer Zeit von der Pfarrkirche Herz Jesu nach St. Joseph verlegt worden ist. Die Predigt des Erzbischofs – mit dem Leitgedanken "Gott hat ein Herz für uns" – klang auch ein bisschen so, als sei sie eigentlich dafür geschrieben worden, in Herz Jesu gehalten zu werden. 

Erwähnenswert finde ich auch die Begrüßungsworte des Pfarrers an die Adresse des Erzbischofs: 

"Sie werden feststellen, dass [bei uns] manches sehr gut läuft und manches weniger gut; so wie es auch im Ordinariat ist, da gibt es ganz tolle Leute, und dann gibt's auch Leute, wo man denkt, wieso machen die ihre Arbeit nicht."

Das mag, wenn man's geschrieben sieht, ein bisschen passiv-aggressiv 'rüberkommen, aber so, wie er es sagte, klang es ist durchaus souverän, charmant und sogar humorvoll – jedenfalls gemessen daran, was ich sonst so von diesem Pfarrer gewohnt bin. Er kann sich also durchaus gewinnend in Szene setzen – manchmal. Im Übrigen frage ich mich, ob eine bischöfliche Visitation ein geeignetes Instrument ist, um dahinterzukommen, was in dieser Pfarrei wirklich im Argen liegt. Andererseits, wozu wäre sie sonst da? 


Kinderfeindlich? Wir doch nicht! 

Ende August erschien in der Tagespost unter der Überschrift "Sonntagsmesse contra Spielplatz" ein Artikel, in dem eine Mutter von vier Kindern erläutert, warum sie ihre Kinder schon von früher Kindheit an regelmäßig in die Sonntagsmesse mitgenommen hat – und durchaus nicht nur in "Familiengottesdienste". Ich kann diesen Artikel nur empfehlen, er spricht mir in vielen Punkten aus der Seele. Dass Eltern, die so verfahren, auch mal mit feindseligen Reaktionen anderer Gottesdienstbesucher konfrontiert werden, wird gleich zu Beginn angesprochen, ist aber eigentlich nicht das Hauptthema des Beitrags. Gleichwohl wurde der Link zum Artikel auf der Facebook-Seite der Tagespost mit dem "Teaser"-Satz "Von kinderfeindlichen Menschen sollte man sich nicht abhalten lassen, seine Kinder regelmäßig in die Messe mitzunehmen" versehen; und die Kommentare zu diesem Facebook-Post erwecken den Eindruck, überwiegend von Leuten zu stammen, die nur diesen Satz, nicht aber den verlinkten Artikel gelesen zu haben. Na, sowas soll ja öfter vorkommen. 

So schrieb Elfriede Z. aus L.: "Es sind doch so gut wie keine Kinder oder Jugendliche mehr in der Kirche. Dies bestimmt nicht wegen Kinderfeindlichkeit." 

Bestimmt nicht? – Natürlich bin ich durch eigene Erfahrungen sensibilisiert für dieses Thema und insofern nicht "neutral". Aber es triggert mich einfach ohne Ende, wenn Eltern ihre persönlichen und zum Teil durchaus schmerzhaften Erfahrungen mit Kinderfeindlichkeit in der Kirche teilen, und dann kommt da so eine Elfriede und erklärt, es gebe kein Problem mit Kinderfeindlichkeit in der Kirche – weil ja sowieso kaum Kinder in die Kirche kämen. Und in was für einem Ton! Auf meine Nachfrage, woher sie denn diese Gewissheit nehme, pampte die Dame: "[W]eil ich seit 33 Jahren aktiv in der Kirche bin und hiervon bereits 24 Jahre Küsterin. Zu uns gehören 4 Pfarreien und auch rundherum in den Nachbargemeinden sieht es nirgends anders aus. Ich weiß, wovon ich rede." 

Ich deutete daraufhin an, möglicherweise sei sie ja "Teil des Problems". Was ich damit meinte, war: In 33 Jahren ehrenamtlicher Tätigkeit, davon 24 als Küsterin, dürfte sie ja reichlich Gelegenheit gehabt haben, mehr als eine Generation junger Familien aus der Kirche zu vergraulen. Sie verstand die Andeutung. "[I]ch bin für eine Gemeinde zuständig und nicht für ganz Deutschland oder die halbe Welt. Aber mit dieser recht aggressiven Rückantwort wundert mich gar nichts mehr." 

Aha. Meine Einlassung war also aggressiv. Interessant. 

Was übrigens Elfriedes Aussage angeht, es sehe "nirgends anders aus" – was sich dem Wortlaut nach zwar nur auf die Nachbargemeinden bezog, aber doch einen gewissen Anspruch auf Verallgemeinerbarkeit zu implizieren scheint –, würde ich sagen, sie ist empirisch leicht zu widerlegen: In meinem persönlichen Erfahrungsbereich sehe ich da zum Beispiel erhebliche Unterschiede zwischen den Gemeinden in Tegel – wo, meiner Erinnerung zufolge, selbst zu den monatlichen Familiengottesdiensten oft nicht mehr als eine Handvoll Kinder erschien, und das waren dann größtenteils die Kinder der Teammitglieder – und in Siemensstadt, wo man so gut wie jeden Sonntag einige Fanilien mit jeweils zwei bis fünf Kindern antrifft. Eine soziologische Untersuchung würde vermutlich ein ganzes Bündel von Ursachen für die Unterschiede in der Alters- und sonstigen Sozialstruktur dieser Gemeinden aufzeigen, aber mir kann keiner erzählen, dass das sehr unterschiedliche Niveau der "Willkommenskultur" gegenüber Familien mit kleinen Kindern, die in diesen Gemeinden herrscht, nicht auch eine gewichtige Rolle dabei spielt. 

Aber lassen wir die anekdotische Evidenz mal beiseite und sagen: Sicherlich ist gerade der junge Mensch heute einer Vielzahl von Einflüssen ausgesetzt, die ihn vom Glauben und der Kirche entfremden können, ohne dass irgendwelche haupt- oder ehrenamtliche Kirchenmitarbeiter oder alteingesessene Gemeindemitglieder dafür verantwortlich zu machen wären – weder in dem Sinne, dass sie aktiv zu dieser Entfremdung beigetragen hätten, noch in dem, dass sie die Möglichkeit gehabt hätten, ihr entgegenzuwirken, und dies schuldhaft versäumt hätten. Gleichwohl bin ich entschieden der Ansicht, dass die Auffassung "Wir können doch nichts dafür, wenn die Leut' nicht zur Kirche kommen" ausgesprochen streng hinterfragt werden muss. Wo sie allzu sehr zur Gewissheit wird, da breitet sich ein Klima der Bequemlichkeit und Selbstgerechtigkeit aus, das äußerst effizient dazu beiträgt, jeden, der nicht den Aussehens- und Verhaltenserwartungen der Alteingesessenen entspricht, aus der Gemeinde fernzuhalten. 

Viele Kirchengemeinden bieten exzellentes Anschauungsmaterial dafür, dass Milieuverengung ein sich selbst erhaltendes, ja sich selbst verschärfendes Problem ist: Je mehr das Erscheinungsbild einer Gemeinde von einem bestimmten Schlag von Leuten dominiert wird, desto unwahrscheinlicher ist es, dass Leute, die in irgendwie anders sind, sich in dieser Gemeinde willkommen geheißen oder angenommen fühlen; und desto mehr verfestigt sich bei denen, die das Kernmilieu der Gemeinde verkörpern, die Auffassung, die Kirche gehöre ihnen bzw. sei nur für sie und ihresgleichen da. Leute, die nicht in dieses Selbstbild der Kerngemeinde hineinpassen, werden bestenfalls geduldet, schlimmstenfalls nicht einmal dass. 

Um eine solche Verengung und Verhärtung zu verhindern, ist es notwendig, Gemeindeerneuerung als einen permanenten Prozess zu betrachten und zu betreiben – wie Chesterton schrieb: Wenn man einen weißen Pfosten sich selbst überlässt, wird er bald schwarz sein. Will man, dass er weiß bleibt, muss man ihn immer neu anstreichen. Was mich an der Haltung der Elfriedes dieser Welt so ärgert, ist, dass sie den geringen Anteil von Kindern und Jugendlichen an den Gottesdienstbesuchern als etwas betrachten, das "nun mal so ist", und nicht als etwas, was man ändern könnte und müsste. – An dem Diskussionsbeitrag einer weiteren Dame aus der "Generation Elfriede" (einer, mit der ich immerhin sechs gemeinsame Freunde bei Facebook habe), die meinte, der eigentliche Grund dafür, dass so wenige Kinder in die Kirche kämen, liege darin, "dass die Messe für die Eltern keine Rolle mehr spielt!", ist immerhin richtig, dass man von Kindern bis zu einem bestimmten Alter kaum erwarten kann, ohne ihre Eltern in die Messe zu gehen, und schon gar nicht ohne die Einwilligung und nach Möglichkeit aktive Unterstützung der Eltern. Aber was folgt denn daraus? Dass die Kirche, wenn sie zukünftig noch Kinder in ihren Bänken sehen will, sich um die Eltern bemühen muss – bzw., wenn man ein bisschen längerfristig denkt, auch und gerade um die zukünftigen Eltern, also junge Erwachsene und ältere Jugendliche. Mit anderen Worten also um genau die Altersgruppe, die im volkskirchlichen Normalbetrieb nach der Firmung irgendwie verlorenzugehen pflegt wie Socken in der Waschmaschine. Bei denen müsste man ansetzen, müsste ihnen ermöglichen, die Zugehörigkeit zur Kirche als etwas so Wertvolles zu erleben, dass dieses Wertvolle auch an ihre Kinder weitergeben wollen, wenn sie welche haben. – Dass es dabei nicht allein und nicht vorrangig darum gehen kann und darf, der Institution Kirche ihren Nachwuchs zu sichern, sollte sich eigentlich von selbst verstehen, aber um mögliche Missverständnisse auszuschließen, möchte ich auf etwas verweisen, was schon 1950 [!] der damalige Landesjugendpfarrer der Evangelischen Landeskirche in Württemberg, Helmut Claß (der später württembergischer Landesbischof und EKD-Ratsvorsitzender) in einem Artikel mit der vielsagenden Überschrift "Gemeinde, wo ist deine Jugend?" schrieb: Wenn die Kirche sich, wie Claß schon damals anmahnte, mehr um die "junge[n] Mensch[en] um 18" bemühen solle, dann "zunächst einmal gar nicht" aus Sorge "um die leer bleibenden Kirchenbänke", sondern vielmehr aus Sorge "um den jungen Menschen, der ohne Jesus in dieser aus den Fugen gehenden Zeit nicht mehr durchkommt". Es gehe darum, "dass der junge Mensch zwischen 18 und 25 das 'Haus' seines Lebens aufbaut", "die entscheidenden Schritte ins Leben hinein tut und wir alles tun müssen, um ihm zu sagen, dass er dazu Jesus sehr nötig hat". – "Gerade wenn man den jungen Menschen, der doch einmal getauft worden ist und als Getaufter dem Herrn Christus gehört, lieb hat, wird man ihm sagen müssen, dass dieser Bau immer dort auf einem sehr unsicheren Fundament steht, wo man auf einen anderen Grund baut außer 'dem, der gelegt ist, welcher ist Jesus Christus'." 


Was noch aussteht 

Wenn ich mal überschlage, was ich in meiner "Verspätungsnotiz" vom vergangenen Mittwoch so an Themen zusammengetragen habe, die aus den zurückliegenden Wochen noch "übrig" sind, komme ich locker auf mindestens fünf Artikel, die ich in nächster Zeit ohne Rücksicht auf die chronologische Reihenfolge zwischen die Wochenbriefings einzustreuen gedenke; aber das ist noch nicht alles. Ganz vergessen hatte ich beispielsweise, dass ich vorletzten Donnerstag – also am 12. September – mit der ganzen Familie beim Kinderprogramm eines freikirchlichen Evangelisierungs-Events namens "City of Light" war; meine Eindrücke von dort ließen sich möglicherweise mit einigen Schlaglichtern vom JAM und vielleicht auch mit dem vor ein paar Tagen eher beiläufig angesprochenen Thema "Religiöse Kinderwoche" (RKW) mit einem Special zur Rubrik "Schwarzer Gürtel in KiWoGo" zusammenfassen. Was auch noch dorthin gehört, ist die Tatsache, dass ich am vorigen Samstag, dem 14., eigentlich zu einem "Inspirationstag Kirche kunterbunt" in der evangelischen Friedensgemeinde Charlottenburg hatte gehen wollen; ein paar Tage vorher fiel mir ein, mich zu fragen, ob man sich da hätte anmelden müssen und falls ja, ob ich das womöglich schon getan hatte. Die Website half mir bei diesen Fragen nicht besonders viel weiter, und letzten Endes beschloss ich, ich hätte auch so schon genug um die Ohren, und blieb zu Hause. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Zum Marsch für das Leben 

Der größte Zerstörer des Friedens ist heute der Schrei des unschuldigen, ungeborenen Kindes. Wenn eine Mutter ihr eigenes Kind in ihrem eigenen Schoß ermorden kann, was für ein schlimmeres Verbrechen gibt es dann noch, als wenn wir uns gegenseitig umbringen? Sogar in der Heiligen Schrift steht: "Selbst wenn die Mutter ihr Kind vergessen könnte, ich vergesse dich nicht." Aber heute werden Millionen ungeborener Kinder getötet, und wir sagen nichts. In den Zeitungen lesen wir dieses und jenes, aber niemand spricht von den Millionen von Kleinen, die empfangen wurden mit der gleichen Liebe wie Sie und ich, mit dem Leben Gottes. Und wir sagen nichts, wir sind stumm. Für mich sind die Nationen, die Abtreibung legalisiert haben, die ärmsten Länder. Sie fürchten die Kleinen, sie fürchten das ungeborene Kind. Und das Kind muss sterben, weil sie dies eine Kind nicht mehr haben wollen – nicht ein Kind mehr – und das Kind muss sterben. Und ich bitte Sie hier im Namen der Kleinen: Rettet das ungeborene Kind, erkennt die Gegenwart Jesu in ihm! Als Maria Elisabeth besuchte, hüpfte das Kind vor Freude im Schoß der Mutter in dem Augenblick, als Maria ins Haus kam. Das Ungeborene brachte Freude. 

(Hl. Mutter Teresa, Rede zur Verleihung des Friedensnobelpreises) 


Ohrwurm der Woche 

Katie Melua: Wonderful Life 

Dieses Lied lief bei der Einschulungsfeier an der Schule des Tochterkindes – und blieb bei mir umso mehr "hängen", als es stilistisch doch ziemlich aus dem Rahmen dessen fiel, was da ansonsten an Musik gespielt wurde (Kinderlieder, HipHop, Partyschlager). Im Original stammt der Song von dem britischen Post-Punk-Singer-Songwriter Black und kam raus, als ich zehn Jahre alt war; ich habe das Musikvideo noch vor Augen, es ist in meiner Erinnerung fest damit verknüpft, wie ich als Kind sonntags nach der Kirche zusammen mit meinem Bruder die Wiederholung der ARD-Musiksendung "Formel Eins" anschaute. Die Coverversion, die ich auf der Schulfeier gehört habe, stammt aus dem Jahr 2014; ich finde sie sehr gelungen, und Katie Melua mag ich sowieso. 


Mittwoch, 18. September 2024

Verspätungsnotiz: Die Ferien sind vorbei...

...aber die Rückkehr in den Alltag war nicht so einfach 

Hast du, wohllöblicher Leser, dir schon Sorgen um mich und die Meinen gemacht? – Keine Sorge, wir sind, abgesehen von den üblichen saisonalen Erkältungskrankheiten, alle wohlauf. Aber ich bin in den letzten Wochen schlichtweg nicht zum Bloggen gekommen und muss nun erst mal meinen Rhthmus wiederfinden. Am Dienstag der letzten Augustwoche, vor gut drei Wochen also, kamen wir abends aus dem Urlaub zurück, und am nächsten Morgen musste meine Liebste schon wieder zur Arbeit: Vorbereitungswoche. Währenddessen war ich erst mal für die Betreuung beider Kinder zuständig, da das neue Schuljahr erst am darauffolgenden Montag losging. Auch in den ersten beiden Schulwochen gab es praktisch ununterbrochen viel zu tun und wenig Zeit um auszuruh'n, und wenn ich doch mal etwas Zeit und Muße hatte, investierte ich diese vorrangig in eins meiner unlängst nach längerer Unterbrechung wieder aufgenommenen Buchprojekte. Ist zwar eher ein Langzeitprojekt, aber gerade deswegen, so sagte ich mir, muss man das Eisen schmieden, wenn es gerade mal heiß ist; will sagen: Wenn man einen spontanen Motivationsschub hat, muss man den ausnutzen, da müssen andere Projekte dann eben mal zurückstehen. 

Kleine Urlaubs-Reminiszenz: In Aurich nehmen sie es sehr ernst mit der  Pflege der plattdeutschen Sprache. 

Das heißt indes natürlich nicht, dass es in den zurückliegenden drei Wochen nichts zu bloggen gegeben hätte; ich bin geneigt zu sagen: im Gegenteil. Was natürlich heißt, dass sich da so allerlei angestaut hat, was darauf wartet, abgearbeitet zu werden. Ich werde wohl versuchen müssen, das außerhalb des gewohnten Wochenbriefing-Rhythmus nachzuliefern, und vielleicht auch nicht zwingend in chronologischer Reihenfolge. 

So steht zum Beispiel immer noch der Bericht über die eher "touristischen" Aspekte unseres diesjährigen Sommerurlaubs aus – wozu neben einer "Piratenfahrt" mit dem Ausflugsschiffs Wega II ab Fedderwardersiel, dem Besuch der "Nordseelagune" in Burhave, einer kunsthistorischen Führung durch die Kirche St. Bartholomäus in Tossens und einem Grillabend auf Hof Iggewarden auch gehört, dass wir zusammen mit meiner Schwester und meinem Schwager einen Ausflug zur Klosteranlage Ihlow unternommen haben; diese Location ist so interessant, dass sie vielleicht sogar einen eigenen Artikel verdienen würde (ja ja, wenn ich mal dazu käme). 

Am Freitag nach unserer Rückkehr aus dem Urlaub unternahm ich – während meine Liebste, wie erwähnt, schon wieder arbeiten musste – einen erneuten Ausflug zum Achorhof in Märkisch Wilmersdorf, diesmal mit beiden Kindern. Wir wurden freundlich empfangen, mit selbstgemachtem Apfelsaft und Knabbergebäck bewirtet, und ich sondierte bei der Gelegenheit gleich mal die Möglichkeit, auf diesem Hof ein Einkehrwochenende für das KiWoGo-Team und ggf. noch weitere ehrenamtliche Mitarbeiter der Gemeinde St. Joseph Siemensstadt abzuhalten. Als ich meine Tochter fragte, ob es ihr auf dem Achorhof genauso gut gefalle wie mir, antwortete sie: "Wenn du am liebsten hier einziehen würdest, dann ja!" 

Tags darauf wurde das Schollenfest eröffnet, aber darüber gibt es wohl nicht so viel zu berichten – auch wenn ich das Marschkapellen-Konzert in der Fußgängerzone von Alt-Tegel durchaus eindrucksvoll fand. Am Sonntag – dem 22. Sonntag im Jahreskreis – gingen wir in St. Joseph Siemensstadt in die Messe; statt einer Predigt wurde dort über die diesjährige "Religiöse Kinderwoche" (RKW) berichtet, bei der es inhaltlich um das Leben und Wirken der Hll. Franz und Clara von Assisi ging. Ich stehe dem Veranstaltungsformat RKW ja nach wie vor skeptisch gegenüber, aber dennoch – oder gerade deswegen; aufgrund ähnlicher Erwägungen bin ich schließlich auch im KiWoGo-Team gelandet – spiele ich mit dem Gedanken, nächstes Jahr zusammen mit meinem Tochterkind an der RKW teilzunehmen (und sie nach Möglichkeit auch mitzugestalten). 

In der ersten Septemberwoche war mein Freund Rod (ja, ich meine den umstrittenen Publizisten und Buchautoren Rod Dreher) für ein paar Tage in Berlin, also verabredeten wir uns spontan für den Dienstagabend, und natürlich gingen wir wieder mal in einen Biergarten. Das, denke ich, wäre auf jeden Fall einen Extra-Artikel wert. 

Tags darauf war der Gedenktag Maria, Mutter vom Trost – ein Eigenfest des Augustinerordens. Das weiß ich deshalb, weil an diesem Tag Pater Mephisto, der diesem Orden angehört, in St. Marien Maternitas in Heiligensee die Messe hielt. Wie es sich fügte, fand just in dieser Woche die Visitation des Augustinerkonvents St. Rita in Reinickendorf statt, und so nahmen mehrere Mitglieder der Ordensleitung, darunter der Generalprior, an der Messe in der kleinen, unscheinbaren Heiligenseer Kirche teil. Zum anschließenden Gemeindefrühstück kamen sie aber nicht; schade eigentlich. 

Am darauffolgenden Wochenende war zuerst – am Samstag – Einschulungsfeier an der Schule, die unser Tochterkind besucht (und das ein Fest für die ganze Schulgemeinschaft sein sollte, weshalb wir daran teilnahmen, obwohl unser Tochterkind ja schon ins zweite Schuljahr kam) und dann – am Sonntag – Kirchweihfest in St. Stephanus; das lädt natürlich zu vergleichender Betrachtung ein, wobei ich gleich vorausschicken möchte, dass mich das Kirchweihfest in St. Stephanus – gemessen an der schon öfter zum Ausdruck gebrachten Erfahrung, dass die Volkskirche nicht zu feiern versteht – wirklich positiv überrascht hat. 

Im Übrigen habe ich natürlich auch noch Themen in der Pipeline, die nicht so unmittelbar an konkrete Erlebnisse aus dem persönlichen Alltag geknüpft sind. Bei solchen stellt sich natürlich immer die Frage, ob ich sie nicht woanders veröffentlichen könnte als auf meinem Blog – z.B. in der Tagespost. So habe ich es unlängst z.B. mit meinen Beobachtungen und Reflexionen bezüglich einer Klimaschutz-Initiative des evangelisch-lutherischen Kirchenkreises Wesermarsch gehandhabt. Nicht so verfahren möchte ich hingegen mit dem bereits angekündigten Thema "Die Großkirchen in der Wesermarsch und die LGBTQ-Bewegung"; ich möchte nämlich vermeiden, dass meine Tagespost-Kolumne "Klein.Kram" in den Ruf gerät, eine Homophobie-Kolumne zu sein. Aus dem Thema wird also wohl doch ein Blogartikel werden müssen, wenn auch wahrscheinlich ein eher kurzer. 

Auch die Vorgänge in der Großpfarrei St. Franziskus Reinickendorf-Nord sind ein Thema, an dem es dranzubleiben gilt. Unlängst bin ich – ohne gezielt danach gesucht zu haben, d.h. im Zuge von Recherchen zu einem ganz anderen Thema – auf ein Faktum gestoßen, das man wohl in die Vorgeschichte der Probleme dieser Pfarrei (die ja, wie man allenthalben hört, keineswegs erst mit dem unlängst zurückgetretenen Pfarrer begonnen haben) einordnen kann oder muss: Ein früherer Pfarrer von St. Hildegard in Frohnau, einer der in der Großpfarrei St. Franziskus aufgegangenen Gemeinden, war nach zwanzigjähriger Amtszeit plötzlich zurückgetreten, ohne dass die Gemeinde (oder auch nur die Gremien, also z.B. der Pfarrgemeinderat) über die Gründe informiert wurden. Was dahintersteckte, war, dass gegen diesen Geistlichen ein Strafverfahren wegen Besitzes von Kinderporno-Videos lief, in dem er schließlich auch rechtskräftig verurteilt wurde. Das ist nun zwar schon fast 30 Jahre her, aber ich bin überzeugt, dass so etwas Spuren in einer Gemeinde hinterlässt. 

Derweil haben sich immerhin ein paar Themen mehr oder weniger von allein erledigt. Zum Beispiel der "Lektorinnen-Streik", zu dem die Aachener Pastoralreferentin und "Frauenseelsorgerin" Annette Jantzen via häretisch.de zum 21. Sonntag im Jahreskreis aufgerufen hat. Weil an diesem Sonntag als 2. Lesung die Schriftstelle Epheser 5, 21–32 drankam. Diese Worte des Apostels Paulus – "geschrieben zu einer Zeit, in der die patriarchale Gesellschaftsordnung schon tief in die Gemeinden eingedrungen war" – betrachtet Frau Jantzen "aus der Perspektive der Geschlechtergerechtigkeit" als einen "Terror-Text, weil er bei aller Beschwörung der Liebe, Unterdrückung und Zweitrangigkeit ungebrochen sakralisiert und somit nahelegt, diese zu verinnerlichen". "Der angemessene Umgang mit diesem Text wäre, ihn nicht mehr vorzutragen", meint sie daher – und fordert daher von den Lektorinnen in den Gemeinden: Lest was anderes, Schwestern." – Darüber ließe sich zwar eine ganze Menge sagen, aber nachdem der Sonntag mit der inkriminierten Lesung ja nun schon ein paar Wochen her ist, denke ich mir, das Thema kann warten, bis diese Schriftstelle das nächste Mal in der Leseordnung auftaucht. Denn zweifellos wird es dann von Seiten feministischer und sonstiger progressiver Theolog*innen eine frische Welle des Protests geben, und häretisch.de wird es sich erneut nicht nehmen lassen, diesen Leuten eine Plattform zu bieten (vorausgesetzt, die Website existiert dann noch). 

Andererseits stehen die nächsten vielversprechenden Themen auch schon wieder in den Startlöchern, und das ist auch ein wesentlicher Grund, warum ich diesen Vorschauartikel spätestens heute 'raushauen wollte. Morgen beginnt die viertägige Visitation der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd – die ja immer noch meine Wohnortpfarrei ist, auch wenn ich inzwischen in einer anderen Pfarrei aktiv bin – durch Erzbischof Koch; den Auftakt zu dieser Visitation bildet eine Messe in der Kirche St. Joseph Tegel, die mir ja bekanntlich besonders am Herzen liegt, daher habe ich vor, mit meinem Jüngsten da hinzugehen. (Ich nehme übrigens an, wenn der Erzbischof seine Visitation ausgerechnet an diesem Standort beginnt, wird er bei der Gelegenheit wohl auch gleich die dortige KiTa besuchen, und da halte ich es für nicht unwahrscheinlich, dass die KiTa auch den Gottesdienst mitgestaltet. Schauen wir mal.) – Über den aktuellen Pfarrbrief von St. Klara Reinickendorf-Süd wären bei dieser Gelegenheit vielleicht auch ein paar Worte zu verlieren. – Am Samstag ist Marsch für das Leben, und am Sonntag steht in St. Joseph Siemensstadt der erste KiWoGo der neuen Saison an, der angesichts der knappen Vorbereitungszeit einigermaßen improvisiert zu werden verspricht. Immerhin hat meine Liebste einen sehr guten Denkanstoß für eine kindgerechte Auslegung des Evangeliums, das am kommenden Sonntag "dran" ist (Mk 9,30-37), beigesteuert; jetzt müssen wir nur noch schauen, wie wir das umsetzen... 


Statt eines geistlichen Impulses: Heiliger des Tages

Heute ist der (nicht-gebotene) Gedenktag des Hl. Lambert von Maastricht, was mir möglicherweise entgangen wäre, wenn ich nicht heute Vormittag wieder mit meinem Jüngsten – auf seinen ausdrücklichen Wunsch hin, übrigens – in St. Marien Maternitas in Heiligensee in die Messe gegangen wäre. Die Messe hielt der Pfarrer von St. Klara Reinickendorf-Süd, und da dieser ja ein ausgeprägtes Faible für Kirchengeschichte (wenn auch in einem eher anekdotischen als systematischen Sinn) hat, nutzte er seinen üblichen Begrüßungsimpuls diesmal dazu, darüber zu sprechen, dass und warum der Tagesheilige der Patron einer der benachbarten Kirchen, nämlich St. Lambertus im Spandauer Ortsteil Hakenfelde, ist. Die Geschichte hinter diesem Patrozinium ist, dem Pfarrer von St. Klara zufolge, diese: Die erste katholische Kirchengemeinde, die seit der Reformation in Spandau gegründet wurde, diente vorrangig der seelsorgerischen Betreuung der flämischen Büchsenmacher, die der "Soldatenkönig" Friedrich Wilhelm I. für seine Spandauer Gewehrmanufaktur angeworben hatte. Die signifikante Rolle, die diese flämischen Büchsenmacher somit in der Geschichte des nachreformatorischen Katholizismus im Raum Berlin gespielt haben, sollte durch die Benennung einer Kirche (bzw. eines Gemeindezentrums mit Sakralraum) im Bezirk Spandau nach dem großen flämischen Heiligen gewürdigt werden. 

(Als der Pfarrer die Anwesenden fragte, ob von den Anwesenden schon mal jemand in St. Lambertus Hakenfelde gewesen sei, war ich übrigens der einzige, der sich meldete. Von der Heiligenseer Kirche sind es nur rund acht Kilometer dorthin, aber es liegt halt die Havel dazwischen...) 

Lambert von Maastricht (oder von Lüttich) wurde um 635 geboren und war ab 670 Bischof von Maastricht, das damals zum Merowingerreich gehörte; 675 wurde er vom Hausmeier Ebroin abgesetzt und verbannt, nach Ebroins Tod aber von dessen Nachfolger Pippin dem Mittleren wieder eingesetzt. Er bemühte sich um die Ausbreitung des Christentums unter der noch weitgehend heidnischen Bevölkerung Brabants und Tongerns. Am 17. September 705 wurde er – angeblich von einem Gefolgsmann Pippins oder in dessen Auftrag – ermordet. Das Ökumenische Heiligenlexikon erwähnt eine Überlieferung, derzufolge Lambert zuvor Pippin wegen des Ehebruchs mit dessen Schwägerin getadelt habe (was ihn in eine Parallele zu Johannes dem Täufer setzen würde); dagegen gibt Tante Wikipedia als Mordmotiv an, Lambert habe "die Immunitätsrechte der Kirche gegenüber der Staatsgewalt" allzu konsequent verfochten. – Heiliger Lambert, bitte für uns! 


Ohrwurm der Woche 

Kajak: Landluft 

Ein Ohrwurm, den ich aus dem Urlaub mitgebracht habe: Ungeachtet des sarkastischen Texts passt die Stimmung, die der Song evoziert, einfach gut nach Ostfriesland, und erst recht (und auch inklusive des sarkastischen Texts) passt der Song gut zu dem Buch, das ich als Urlaubs-Bettlektüre mitgenommen hatte: "Mein Pampaleben – Ohne dich ist alles Dorf" von Silke Antelmann. Das Buch hat der ganzen Familie so gut gefallen, dass wir, als wir damit durch waren, gleich noch mal von vorne damit anfingen. Ich schätze also, eine Buchrezension werde ich auch noch bloggen müssen... (Inzwischen habe ich mir auch die Fortsetzung aus der Bücherei besorgt, aber noch nicht gelesen.) 


Samstag, 24. August 2024

Das Wochenbriefing ist im Ferienmodus (Teil 2)

Unser Leben ist gerade mal wieder ein Ponyhof, Leser – wenn auch nicht ganz im selben Ausmaß wie letzten Sommer, als wir direkt auf dem Reiterhof "Kleine Mücke" untergebracht waren, Tür an Tür mit den Ferienmädchen. Diesmal sind wir zum selben Preis in einem kleinen Häuschen einquartiert worden, das dem Hof direkt gegenüber liegt und das unser Tochterkind unironisch als "Villa" bezeichnet. Ferienmädchen sind zur Zeit auch keine da, aber dazu später. Jedenfalls möchte ich das Ponyhof-Idyll um mich herum zum Anlass nehmen, mit dem Creative Minority Report erneut eine Woche zu pausieren und mich auf ein paar eher anekdotische Updates (plus Fotos!) zu beschränken. 

Zum Beispiel: Kochen in einer Ferienwohnung ist ja immer ein bisschen wie Resteverwertung, selbst wenn man gerade erst einkaufen war. Vielleicht ist das anders, wenn man mit dem Auto in Urlaub fährt. Vielleicht nimmt man dann eine Auswahl an Kochzutaten, die nicht gekühlt werden müssen – einschließlich des halben Gewürzregals – einfach von zu Hause mit. Zugleich muss man natürlich, wenn man mit dem Auto in Urlaub fährt, zum Einkaufen nicht jedesmal vier Stationen mit dem Bus fahren – mit einem Bus, der einmal in der Stunde fährt. Wie dem auch sei, ich habe hier, sofern wir nicht einfach Tiefkühlpizza oder Fertiglasagne in den Ofen geschoben haben, stets sehr einfach gekocht, mit wenigen und billigen Zutaten, aber es ist bisher immer etwas dabei herausgekommen, was allen geschmeckt hat (was bei einem sechs- und einem dreijährigen Kind in der Familie schon eine Herausforderung sein kann). Vorgestern zum Beispiel gab's Lauch-Fleischwurst-Pfanne mit Reis, und als unsere Große ihren Teller fast leergegessen hatte, fragte sie mich, ob ich ihr noch ein paar Wurststückchen abgeben könne. "Es sind auch noch welche in der Pfanne", erwiderte ich, "aber klar, du kannst auch welche von meinem Teller haben, wenn du das willst." 

"Dann kriegst du auch ein paar Minus-Würstchen", merkte das Tochterkind an. 

Tja, was soll man sagen: Unser Schulkind lernt Mathe. 

Und reiten natürlich. Ganz so wie letztes Jahr ist es wie gesagt nicht: Da lebten so 20-30 Ferienmädchen mit uns unter einem Dach, und die hatten ein straffes Programm. Acht Uhr wecken, nach dem Frühstück Pferde von der Koppel holen, putzen, satteln, trensen und los, und nach dem Mittagessen das Ganze nochmal von vorne. Da konnten unsere Kinder nach Absprache und für verhältnismäßig schmales Geld mal vormittags, mal nachmittags mitreiten, im Rahmen ihrer Möglichkeiten natürlich – die speziell bei unserem Jüngsten, der damals ja erst zwei Jahre alt war, nicht wesentlich darüber hinausgingen, sich auf ein Pony setzen und im Schritttempo im Kreis herumführen zu lassen. 



Dieses Jahr waren, als wir hier ankamen, die niedersächsischen Sommerferien schon vorbei und damit auch das Ferienreitprogramm. Reitstunden gibt's aber trotzdem – in Kleingruppen, die zum Teil aus Mädchen aus dem Ort oder der näheren Umgebung bestehen, die hier regelmäßig einmal pro Woche Reitunterricht nehmen, und teilweise aus Mädchen, die hier Urlaub machen, aber eben individuell mit ihren Familien, so wie unsere Kinder ja ooch. – Dass ich so beharrlich ausschließlich von Mädchen rede, hat den Grund, dass mit Ausnahme unseres Jüngsten tatsächlich keine Jungen dabei sind. Wobei ich sagen muss, dass ich mir gestern nicht ganz sicher war, ob es sich bei einem der Teenies, die zur Reitstunde antraten, nicht doch um ein "Transmädchen" handelte. Es kann natürlich auch sein, dass es einfach ein Mädchen war, das seine eher maskulin wirkende Gesichtzüge und Körperformen dadurch zu kompensieren sucht, dass es besonders viel Sorgfalt auf Haarpflege, Make-up und Schmuck verwendet. Noch vor wenigen Jahren wäre man wohl ohne Weiteres von letzterem ausgegangen; so ändern sich die Zeiten. 

Wie dem auch sei: Von Montag bis Freitag waren unsere Kinder jeden Tag reiten, und es hat nicht den Anschein, dass es ihnen langweilig wird. Da ist der nächste Reiterhof-Urlaub wohl schon vorprogrammiert. 


Auch schön ist der nahegelegene Badesee; aber da waren wir nur zweimal, u.a. bedingt durch das durchwachsene Wetter.

Was noch ansteht 

Heute treffen wir uns mit meiner Schwester und meinem Schwager, die nicht weit von hier wohnen, und machen einen Ausflug zur Klosterstätte Ihlow; darüber wird es sicherlich noch etwas zu berichten geben, sei es im nächsten Wochenbriefing oder in der "Tourist Edition". Bis einschließlich Montag sind wir noch hier, am Dienstag geht's zurück nach Berlin – und da geht dann schon recht bald der Alltag wieder los: Meine Liebste muss wieder zur Arbeit (Vorbereitungswoche fürs neue Schuljahr), es gilt Pläne zu machen für den Neustart der Wichtelgruppe zu machen, das Gemeindefest in St. Stephanus rückt näher, und bis zum ersten Kinderwortgottesdienst der neuen Saison ist es auch nicht mehr lange hin. Langweilig wird's also nicht so bald werden; und dann habe ich ja auch noch "aus dem Urlaub mitgebrachte" Themen auf dem Zettel, etwa den Pastorenmangel in der evangelischen Kirche in Butjadingen und das Verhältnis der beiden Großkirchen in der Wesermarsch zur LGBT-Bewegung. Und zum Thema "Was ist denn bloß in St. Franziskus los?" könnte auch schon bald wieder ein Update fällig werden... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Wahrhaftig, das Kreuz überzeugte durch ungelehrte Menschen den ganzen Erdkreis. Dabei redete es nicht über nebensächliche Dinge, sondern über Gott und die wahre Religion, über das Leben nach dem Evangelium und das kommende Gericht. Es machte Bauern und ungelehrte Männer zu Philosophen. Sieh: 'Das törichte an Gott ist weiser als die Menschen, und das Schwache an Gott ist stärker als die Menschen' (1 Kor 1,25). Wieso stärker? Weil es über die ganze Welt dahinschritt und alle mit seiner Kraft gefangen nahm. Viele versuchten, den Namen des Gekreuzigten auszulöschen. Doch dieser blühte auf und wuchs, sie aber verdarben und gingen unter. Die Lebenden, die gegen den Toten kämpften, konnten nichts ausrichten. Wenn mich daher ein Grieche einen Toren nennt, dann erweist er sich selber als Tor. Wenn ich von ihm für töricht gehalten werde, dann zeigt sich, dass ich weiser bin als er, der Weise. Wenn er mich schwach nennt, dann beweist er, dass er der Schwächere ist. Denn was Zöllner und Fischer durch die Gnade Gottes ausrichten konnten, das vermochten Philosophen, Redner und Herrscher, ja die Weisen der ganzen Welt mit ihren tausend Listen und Künsten sich nicht einmal vorzustellen. 

(Johannes Chrysostomus, Auslegung zum 1. Brief an die Korinther) 


Ohrwurm der Woche 

Buffalo Springfield: Carefree Country Day 

Selbsterklärend, oder? – Dabei ist das noch lange nicht der beste Song von dieser Platte (aber eben der augenblicklich am besten zur Stimmung passende). Das Album "Last Time Around" von Buffalo Springfield – leider, wie der Titel schon zu erkennen gibt, ihr letztes – zählt zu meinen All-Time-Favourites. Wer sich mit Flower-Power-Folkrock nicht so auskennt, dem sei gesagt, dass Buffalo Springfield gewissermaßen eine Vorgängerband von Crosby, Stills, Nash & Young war – ohne Crosby und Nash. (Damit will ich aber den Beitrag der im Vergleich zu Stephen Stills und Neil Young weniger berühmten Bandmitglieder von Buffalo Springfield – Richie Furay, Gesang und Gitarre; Dewey Martin, Schlagzeug; Jim Messina, Bass – durchaus nicht kleinreden.) 


Samstag, 17. August 2024

Creative Minority Report Nr. 42

Wir sind weiterhin im Urlaub, Leser; und es ist – oder war jedenfalls bisher – ein ausgesprochen erlebnisreicher Urlaub. Es gibt also allerlei zu berichten, daher will ich mich gar nicht lange mit der Vorrede aufhalten... 

Das Buch im Vordergrund hat meine Liebste im Eingangsbereich von St. Willehad in einem Karton mit der Aufschrift "zum Mitnehmen" gefunden. Scheint mir ein ganz guter Fang zu sein.

Was bisher geschah 

Während der zurückliegenden Woche waren wir in einer recht geräumigen Ferienwohnung in Burhave, direkt am Strand, untergebracht. Der Umzug dorthin verlief reibungsloser als erwartet: Da wir von vornherein nur so viel aus unseren Wanderrucksäcken ausgepackt hatten wie wir während unseres dreitägigen Aufenthalts im "Riverhouse" zu brauchen erwarteten, ging das Einpacken recht flott, sodass wir danach erst mal in aller Ruhe frühstücken konnten, ehe wir im "Riverhouse" auscheckten und den Bus nach Burhave nahmen. Was wir seither so erlebt haben, habe ich nach Möglichkeit thematisch sortiert in touristischen Content und Kirchencontent – und dabei festgestellt, dass beides zusammen eigentlich zu viel Stoff für ein Wochenbriefing ergibt. Was also tun? – Nun, für welchen dieser Themenbereiche sich der harte Kern meiner Leserschaft im Zweifel mehr interessiert, dürfte ja auf der Hand liegen; und außerdem habe ich ja schon einmal – 2021 – meinem Bericht über einen Familienurlaub in Butjadingen eine separate "Tourist Edition" folgen lassen. Das könnte ich diesmal also auch wieder tun; einen Sonderfall stellt dabei die Tatsache dar, dass wir am Dienstag bei einer Kirchenführung in Tossens waren, denn das ist ja gewissermaßen touristischer Content und Kirchencontent zugleich. Aber ich denke, die verschiebe ich trotzdem in die Tourist Edition – das hat dann den Vorteil, dass die Leser auch da nicht ganz auf Kirchencontent verzichten müssen. Umgekehrt kommt, im Interesse der Themenvielfalt, der Gesamtrückblick auf das diesjährige Nordenhamer Stadtfest schon in dieser Creative Minority Report-Ausgabe dran (unter der Zwischenüberschrift "Arrgh Nordenham, Tschüss Stadtfest"). 


Was ansteht 

Genau wie vorigen Samstag haben wir auch heute wieder einen Ortswechsel zu bewältigen, der diesmal allerdings etwas aufwändiger zu werden verspricht: Unser neues Ziel ist der Reiterhof "Kleine Mücke" in Tannenhausen bei Aurich, und der ist knapp 100 Kilometer von unserer bisherigen Unterkunft entfernt. (Luftlinie nur 60, aber es liegt der Jadebusen dazwischen.) Es steht zu vermuten, dass der Tagesablauf in den kommenden Tagen dann erst mal stark vom Reiten geprägt sein wird; das eröffnet für das nächste Wochenbriefing voraussichtlich Freiräume für Themen jenseits des persönlichen Erlebnisbereichs. Lassen wir uns mal überraschen... (Tägliche Updates gibt's weiterhin auf der Patreon-Seite des Mittwochsklubs. Schon ab 5 € im Monat kannst du dabei sein, Leser!) 


Pastor Kenkel gegen den Nordenhamer Ritus 

Anlässlich des Stadtfests fand am vergangenen Sonntag um 10 Uhr auf dem Marktplatz ein ökumenischer Gottesdienst statt, geleitet von Diakon Richter und der evangelischen Pastorin Wittrock; etwas zeitversetzt, um 10:30 Uhr, feierte in der Kirche St. Willehad der Subsidiar Michael Kenkel die Heilige Messe. Diese Konstellation ließ eigentlich erwarten, dass nur die Hardcore-Katholen in der Kirche sein würden, weil alle anderen auf dem Marktplatz waren; und dazu passte es ja auch, dass Pastor Kenkel im Ruf steht, theologisch "konservativ" (sprich: rechtgläubig) zu sein. Gegen diese Theorie sprach allerdings, dass die Kirche leidlich gut besucht war, und mindestens die Lektorin und die Kommunionhelferin gehörten zu der Riege der Erzlaiinnen, die noch aus der Ära Bögershausen übrig geblieben sind. Was dann aber doch wieder für diese Theorie sprach, war der Umstand, dass diese Messe in liturgischer Hinsicht erheblich ordentlicher war, als ich es aus dieser Pfarrei eigentlich gewohnt bin. Ganz ohne Zugeständnisse an den berüchtigten Nordenhamer Ritus ging es zwar nicht ab, aber ich hatte doch den Eindruck, dass der Zelebrant sich recht wacker schlug. 

Aber fangen wir mal vorne an – nämlich damit, dass wir, bedingt durch die Busfahrzeiten, ein bisschen zu spät zur Messe kamen: Wir hörten gerade noch die letzten Takte des Gloria, als wir die Kirche betraten, und ich kann mich nicht mehr mit absoluter Sicherheit erinnern, ob als Gloria-Lied "Ich lobe meinen Gott, der aus der Tiefe mich holt" von Hans-Jürgen Netz und Christoph Lehmann (GL 383) oder "Ich lobe meinen Gott von ganzem Herzen" von Claude Fraysse (GL 400) gesungen wurde. Negativ fiel das Fehlen eines Altarkreuzes ins Auge; andererseits wurden, anders als ich es aus dieser Pfarrei gewohnt bin, beide Lesungen vorgetragen, nicht jedoch der Antwortpsalm, der durch einen Zwischengesang ersetzt wurde, nämlich "Selig seid ihr" von Peter Janssens. Dies allerdings in der Textfassung von Raymund Weber, die ich, ohne es anhand einzelner Formulierungen präzise begründen zu können, um Nuancen weniger NGL-typisch "linkspelagianisch" finde als den Originaltext von Friedrich Karl Barth und Peter Horst. Insgesamt also recht gemischte Eindrücke bis hierher, und zu einem gewissen Grad setzte sich das auch noch in der Predigt fort. 

Diese Predigt begann nämlich mit der rhetorischen Frage an die anwesenden Gottesdienstbesucher, ob etwa sogenannte "Swifties" unter ihnen seien. Anlass für diese Frage waren natürlich die wegen einer Terrorwarnung abgesagten Taylor-Swift-Konzerte in Wien; als weitere beunruhigende Nachrichten aus aller Welt erwähnte Pastor Kenkel die Präsidentschaftswahl in Venezuela, die kriegerischen Auseinandersetzungen in der Ukraine und im Heiligen Land. Aufhorchen ließ es, dass der Priester hinzufügte: "Außerhalb der Presse sind auch in der letzten Woche wieder bei uns in Deutschland 7.000 Kinder durch Abtreibung getötet worden. – Vor manchem Unrecht haben wir resigniert, nehmen es in der Öffentlichkeit gar nicht mehr wahr." – Warum aber überhaupt dieser "politische" Einstieg? Der weitere Verlauf der Predigt ließ darauf schließen, dass diese Beispiele für den "unheilen" Zustand der Welt den Kontrast zu der Verheißung jenes Heils unterstreichen sollten, das die Welt nicht geben kann, sondern allein Jesus Christus. Nun gut. Dass er in dieser Predigt auf alle drei Lesungstexte (1. Lesung: 1. Könige 19,4-8; 2. Lesung: Epheser 4,30-5,2; Evangelium: Johannes 6,41-51) Bezug nahm, Zusammenhänge zwischen ihnen aufzeigte und die Bedeutung des Sakraments der Eucharistie als Kraftquelle des christlichen Lebens herausarbeitete, ist jedenfalls im Verhältnis dazu, was ich in dieser Kirche sonst schon so an Predigten gehört habe, schon sehr beachtlich. 

Gesonderte Erwähnung verdient auch das Credo – nicht zuletzt, weil es unter Pfarrer Bögershausen nicht selten einfach weggelassen wurde (was man nach Lage der Dinge natürlich irgendwie ehrlich und konsequent finden konnte). Als nun nach der Predigt eine Liednummer angezeigt wurde, rechnete ich schon so mehr oder weniger mit so einem Wischi-Waschi-Credolied wie "Ich glaube an den Vater" von Markus Pytlik, aber tatsächlich handelte es sich um GL Nr. 177, einen Gesang, das den gesamten, ungekürzten und unverfälschten Text des Apostolischen Glaubensbekenntnisses enthält; dieser wird zwar "nur" von einem Vorsänger bzw. in diesem konkreten Fall von einer Vorsängerin gesungen, aber von der Gemeinde abschnittsweise mit dem lateinischen Kehrvers "Credo in unum Deum" bekräftigt. Sehr beachtlich! – Dass die in den Fürbitten zur Sprache gebrachten Anliegen praktisch zur Gänze der Tagesschau entnommen schienen – Ukraine, Naher Osten, Hoteleinsturz in Kröv an der Mosel –, ist sicherlich nicht nur für diese Gemeinde charakteristisch, aber als dabei auch für "die vielen enttäuschten Swifties und Musikfans in Wien" gebetet wurde, schwankte ich – auch wenn das Thema, wie erwähnt, bereits in der Predigt angeklungen war – doch stark zwischen Kichern und Augenrollen. 

Gab der Wortgottesdienst-Teil der Messe somit ein sehr durchwachsenes Gesamtbild ab, so ließ der eucharistische Teil kaum Wünsche offen: Es gab eine gesungene Präfation, keinerlei "kreative" oder "pädagogische" Umformulierungen des Hochgebets, und sogar den "Rettet das Robbenbaby"-Härtetest bestand Pastor Kenkel; will sagen, er betete das Vaterunser mit Embolismus, ohne sich dabei von der Gemeinde "überfahren" zu lassen. Noch wichtiger war es aber wohl, dass er mit der im "Nordenhamer Ritus" tief verwurzelten Unsitte aufräumte, dass der Zelebrant und die liturgischen Dienste erst nach der Gemeinde kommunizieren. An der Liedauswahl hätte ich durchaus noch etwas zu mäkeln, aber so sehr ins Detail gehen will ich hier dann doch nicht – zumal etwas Anderes viel wichtiger ist: nämlich die Frage, ob es Pastor Kenkel auf längere Sicht tatsächlich gelingen könnte, der Gemeinde von St. Willehad beizubringen, "wie katholisch geht". Das ist nicht zuletzt deshalb eine interessante Frage, weil Pfarrer Jasbinschek angekündigt hat, zu Pfingsten nächsten Jahres in den Ruhestand gehen zu wollen, und bereits Spekulationen zu vernehmen waren, Michael Kenkel könnte womöglich sein Nachfolger werden. Man mag es natürlich fraglich finden, ob ein möglicher zukünftiger Pfarrer Kenkel in dem Bestreben, St. Willehad zu "rekatholisieren", mehr Erfolg beschieden sein würde als seinem Vor-Vorgänger Torsten Jortzick, aber einen denkbaren Grund dafür, dass dies der Fall sein könnte, wüsste ich schon mal: Kenkel kommt einfach sympathisch 'rüber, er wirkt offen und zugänglich, was bei dem introvertierten Jortzick deutlich weniger der Fall war. Im Übrigen hat sich die Zusammensetzung der Gemeinde in den letzten Jahren auch offenkundig gewandelt – was besonders durch einen recht hohen Migrantenanteil unter den jüngeren Gemeindemitgliedern augenfällig wurde. 

Es gibt also durchaus Hoffnung für die Zukunft des Katholizismus in Nordenham; ein besonders deutliches Indiz dafür nahm ich wahr, als ich am Ende der Messe mit meinem Tochterkind auf den Kirchenvorplatz trat (meine Liebste war mit dem Jüngsten schon etwas früher 'rausgegangen, nachdem er angefangen hatte, sich lautstark mit seiner Schwester um einen Buntstift zu streiten. Was man in seinem Alter halt so macht.) Pastor Kenkel stand draußen, schüttelte Hände und sprach mit Gemeindemitgliedern; und da meine Tochter während der Messe eine Verständnisfrage zum Evangelium gestellt hatte, die etwas zu anspruchsvoll war, um sie so nebenbei in einem Satz zu beantworten, dachte ich mir, man könnt' ja mal die Gelegenheit ergreifen und die Frage direkt an den Fachmann delegieren. Der Geistliche reagierte ausgesprochen freundlich auf dieses Ansinnen und gab sich Mühe, die Frage meiner Tochter altersgerecht verständlich zu beantworten; aber bevor er dazu kam, bekam ich noch mit, wie er mit einem etwas arabisch aussehenden Jugendlichen oder jungen Erwachsenen sprach, der in der Messe ministriert hatte und der nun wissen wollte, ob es empfehlenswert sei, die Kirchenväter zu lesen. Die Antwort des Geistlichen lautete "grundsätzlich ja"; allerdings gab er zu bedenken, die Schriften der Väter stellten einen gewaltigen Textkorpus dar, und wenn man da einfach aufs Geratewohl irgendwo zu lesen beginne, bestehe das Risiko, dass man überhaupt nichts versteht und nur verwirrt wird. Zudem müsse man die Texte ja auch in ihrem kirchengeschichtlichen Kontext betrachten. Um erst mal einen Einstieg in die Materie zu bekommen, empfahl er dem jungen Mann den Anmerkungsapparat der Jerusalemer Bibel – und die Lesehore aus der Stundenbuch-App. 

Kurz und gut, ich habe den Eindruck, in dieser Gemeinde passiert was, nicht zuletzt auch auf spiritueller Ebene. In diesem Sinne kann ich hier eigentlich nur wiederholen, was ich schon im Frühjahr im Zusammenhang mit dem von Pastor Kenkel initiierten Alpha-Kurs in St. Willehad geschrieben habe: 

Sollte es Michael Kenkel gelingen, eine geistliche Erweckung an einem Ort in Gang zu bringen, an den er zwar nicht unbedingt im strikten Wortsinne strafversetzt, aber doch so etwas Ähnliches wie strafversetzt wurde, nachdem er seine vorherige Pfarrstelle infolge von Vorwürfen grenzüberschreitenden Verhaltens verloren hatte, dann wäre das wohl mal wieder ein Fallbeispiel dafür, dass Gott auch auf krummen Zeilen gerade schreiben kann.

(Übrigens noch ein Hinweis für diejenigen Leser, die in Fragen der kirchlichen Nomenklatur Wert auf Präzision legen: Wenn ich Michael Kenkel als "Pastor" betitele, passe ich mich damit der ortsüblichen Benennung an. Im Bistum Münster, vielleicht auch noch in anderen Bistümern im Nordwesten, ist "Pastor" die Bezeichnung für einen in der Gemeindeseelsorge tätigen Priester, für den nach Alter und Berufserfahrung die Bezeichnung "Kaplan" nicht mehr angemessen wäre, der aber auch nicht das Amt eines Pfarrers innehat. Im Erzbistum Berlin lautet die Bezeichnung "Pfarrvikar".)


Arrgh Nordenham, Tschüss Stadtfest 

Im Anschluss an die Sonntagsmesse in St. Willehad statteten wir dem Nordenhamer Stadtfest einen letzten Besuch ab: Auf dem Marktplatz fand gerade das "Festival der Shanty-Chöre" statt, außerdem hatten wir uns dort mit meiner Mutter verabredet. – Von den auftretenden Chören zeichnete sich der erste, den wir hörten – nach Auskunft meiner Mutter war das der Shanty-Chor Nordenham e.V. –, sich dadurch aus, dass er traditionelle Seemannsgesänge mit großem Ernst interpretierte, während die Ensembles, die danach auf die Bühne kamen, ihre Aufgabe eher im Sinne von "Stimmungsmusik" auffassten. Herausragend war in dieser Hinsicht der Nordenhamer Frauenchor "Die Hafenperlen", und das sage ich nicht nur, weil da eine angeheiratete Cousine von mir mitsang. 



Um 13 Uhr begann auf dem an den Marktplatz angrenzenden Jahnplatz das "Kinder-Piratenfest", dessen zentrale Attraktion eine "Schatzsuche" war: In einem großen Sandkasten waren bunte Glassteine und Münzen vergraben, und wer mindestens drei solche "Schätze" ausgrub, durfte sie in einem Pavillonzelt gegen eine Geschenktüte eintauschen. Außerdem gab's eine Hüpfburg, eine Kletterwand (die aber wohl eher für größere Kinder gedacht war, unsere trauten sich da jedenfalls nicht ran), ein Glücksrad, Ausmalbilder und Kinderschminken. 




Nachdem wir uns dort ein paar Stunden aufgehalten hatten, wollten wir zurück nach Burhave und evtl. noch baden gehen, aber der nächste Bus, der in die gewünschte Richtung fuhr, war ein achtsitziger Kleinbus, und als wir zusteigen wollten, waren schon nicht mehr genug Plätze für uns frei. Also mussten wir noch eine Stunde in Nordenham bleiben, was gar nicht so unterhaltsam war, da das Stadtfest im Wesentlichen vorbei war. 

Das wahre Motto des Nordenhamer Stadtfests. 






Was sagen wir nun insgesamt zum diesjährigen Nordenhamer Stadtfest? Nun ja: Ausgerechnet am Samstag, an dem wohl am meisten "los" gewesen sein dürfte, war ich nicht da, und abgesehen von einem gepflegten Butjenter Zwickel am Eröffnungsabebd habe ich auf dem Stadtfest keinen Alkohol getrunken; somit habe ich von vornherein keinen repräsentativen Blickwinkel auf das Event. Das Treffen von Bekannten beschränkte sich auf genau einen ehemaligen Mitschüler und ein paar "frenemies" aus der Zeit, als ich Theaterwissenschaft studierte und meine Semesterferien dazu nutzte, die recht rege Nordenhamer Amateurtheater-Szene mit unkonventionellen Produktionen aufzumischen. Das ist auch schon über 20 Jahre her – man wird alt... Aber davon mal ab: Im Wesentlichen haben wir uns auf diejenigen Aspekte des Stadtfest-Programms konzentriert, die auch für die Kinder interessant waren, und da muss ich dann doch sagen: Es war gar nicht mal schlecht. Und das ist wohl das größte Lob, das man von mir jemals über das Nordenhamer Stadtfest gehört hat. – Auch die Lokalpresse zieht übrigens ein entschieden positives Fazit dieses Stadtfests, das übrigens erstmals nicht von lokalen Geschäftsleuten, sondern von der Stadt Nordenham und dem Nordenham Marketing & Touristik e.V. veranstaltet worden war. Trotz der üblichen "alkoholbedingten Streitigkeiten", so war zu lesen, sei das Fest überwiegend friedlich verlaufen; nur ein ernsthafter Fall von Körperverletzung wurde gemeldet, ein Stadtfest-Besucher hatte einen anderen gebissen, die Bisswunde musste ärztlich versorgt werden.


Unter deinen Schutz und Schirm: Mariä Himmelfahrt in Burhave

Über die Geschichte der Burhaver Kirche Herz Mariä (S. Cor Beatae Mariae Virginis), von der ich immer gern sage, sie sei mit den Spargroschen der schlesischen Heimatvertriebenen errichtet worden, habe ich mich vor Jahren schon mal ausführlicher geäußert; einen ersten Besuch im Rahmen dieses Sommerurlaubs statteten wir dieser hübschen kleinen Kirche schon am vorletzten Freitag ab, als wir auf dem Weg zum "Hafentag" in Fedderwardersiel einen kleinen Zwischenstopp einlegten. Wir beteten gemeinsam mit den Kindern ein Vaterunser und ein Ave Maria, dann fand meine Liebste beim Blättern im Gotteslob ein Gebet aus der Rubrik "Segen und Bitte der Eltern für ihre Kinder" (Nr. 14,8) und betete dieses vor. 


Direkt gegenüber der Kirche liegt übrigens einer großer Edeka-Supermarkt, und als ich dort am Dienstagmorgen schnell ein paar Lebensmittel für den Rest der Woche einkaufen wollte, ertönte von der Kirche her das Angelusläuten; es war gerade acht Uhr früh. Da ließ ich es mir nicht nehmen, mitten auf dem Edeka-Parkplatz den Angelus zu beten. Sowas sollte man eigentlich viel öfter machen, denke ich mir von Zeit zu Zeit. – Ein paar Stunden später, während Frau und Kinder ohne mich in der Nordseelagune waren, beschloss ich, zur Sext eine kleine Solo-Gebetszeit in der Kirche abzuhalten. Als ich gegen Viertel vor Zwölf dort ankam, stand ein E-Bike vor dem Portal, und als ich eintrat, saß da tatsächlich ein älterer Mann in einer der Bänke, augenscheinlich in stilles Gebet vertieft. Ich glaube, das ist das erste Mal seit Jahren, dass ich in dieser Kirche außerhalb der Gottesdienstzeiten jemanden beten sah, aber okay, ich bin ja auch nicht so oft hier, da ist das natürlich nur ein punktueller Eindruck. Jedenfalls verließ der Mann die Kirche schon vor dem Angelusläuten wieder, sodass ich guten Gewissens davon ausgehen konnte, niemanden damit zu stören, dass ich meinerseits erst den Angelus, dann die Sext und schließlich mein vor knapp eineinhalb Jahren formuliertes "Gebet für die Pfarrei St. Willehad" laut betete. Lobpreislieder zu spielen hatte ich eigentlich nicht vorgehabt und darum auch die Lautsprecherbox nicht mitgenommen, aber am Ende der Sext fühlte ich mich dann doch dazu inspiriert, ein Lied laufen zu lassen, wenn auch nur ein kurzes und vergleichsweise "liberales", nämlich "Es blühe dein Recht" von Mire Buthmann. Nebenbei bemerkt fand ich, dass die Abschnitte aus Psalm 74 ("Klage über den verwüsteten Tempel"), die in der Sext vorkamen, bemerkenswert gut zu meinem "Gebet für die Pfarrei St. Willehad" passten. 

Am Donnerstag war dann das Hochfest der Leiblichen Aufnahme Mariens in den Himmel, kurz Mariä Himmelfahrt; dass die Pfarrei St. Willehad dieses Hochfest in Burhave und nicht in der Pfarrkirche in Nordenham feierte, hatte einerseits sicher mit dem Patronat der Burhaver Kirche zu tun, andererseits aber wohl auch damit, dass es auf einen Donnerstag fiel und die Gottesdienstordnung der Pfarrei von jeher vorsieht, dass es donnerstags einen Gottesdienst in Burhave gibt (meist allerdings "nur" eine "Wort-Gottes-Feier"). Wie dem auch sei, für uns traf es sich natürlich gut. Die Messe sollte um 15 Uhr beginnen, und schon auf dem Weg zur Kirche kam Pastor Kenkel auf dem Fahrrad an uns vorbei – und grüßte fröhlich. 

Ich war entzückt, beim Betreten der Kirche festzustellen, dass die sonst sehr schlichte Marienfigur im Altarraum zur Feier des Tages mit Mantel, Schleier und Krone ausstaffiert worden war. 



Ein paar Minuten vor Beginn der Messe trat der Küster vor und verkündete: "Wir brauchen dringend einen Lektor." Da fackelte ich nicht lange und meldete mich. Ich hatte schließlich schon als Kind in dieser Kirche die Lesungen vorgetragen, als ich noch so klein war, dass ich mich am Ambo auf die Zehenspitzen stellen musste. Obendrein waren die Lesungen vom Tag sehr schön, besonders die erste (vgl. "Geistlicher Impuls der Woche").

Will man etwas zur zahlenmäßigen Größe und zur Altersstruktur der versammelten Gottesdienstgemeinde sagen, muss man wohl berücksichtigen, dass Mariä Himmelfahrt in Niedersachsen kein gesetzlicher Feiertag ist und dass die meisten berufstätigen Menschen wohl kaum die Möglichkeit haben, an einem Werktag um 15 Uhr in die Messe zu gehen; andererseits war schließlich Urlaubszeit, also hätte man an einem so touristisch geprägten Ort wie Burhave durchaus mit einigen katholischen Urlaubern rechnen dürfen. Wie dem auch sei, nicht nur waren unsere Kinder die einzigen Kinder in der Kirche, sondern ich hatte obendrein zunächst den Eindruck, auch unter den erwachsenen Gottesdienstbesuchern seien meine Liebste und ich mit Abstand die jüngsten. Quasi in letzter Minute huschten dann aber noch der junge Mann, der am Sonntag in Nordenham ministriert und nach der Messe die Frage nach den Kirchenvätern gestellt hatte, und ein weiterer Jugendlicher oder junger Erwachsener herein und setzten sich bescheiden und unauffällig in die letzte Bank. 

Zur Gestaltung der Messe nur so viel: Pastor Kenkel zelebrierte erneut schön und würdig, Kompromisse mit gewohnheitsmäßig in der Praxis der Gemeinde verwurzelten Unarten beschränkten sich praktisch ausschließlich auf die Liedauswahl. In Ermangelung eines hauptamtlichen Kirchenmusikers liegt die musikalische Gestaltung der Gottesdienste im Burhave in den Händen einer altgedienten Erzlaiin, die ich schon in meiner "ersten Fundi-Phase" (d.h. als ich so 14 bis 16 war) als Vorzeigebeispiel einer linksliberalen Kuschelkatholikin wahrgenommen habe – und die Akkordeon spielt. Das Liedprogramm zu Mariä Himmelfahrt bestand aus einer recht eigentümlichen Mischung aus traditionellen Marienliedern und abgeschmackten NGL-Evergreens, einschließlich meiner persönlichen Hass-Nummer "Da berühren sich Himmel und Erde" zum Agnus Dei. 

Ein paar Worte zur Predigt: Einleitend wies Pastor Kenkel darauf hin, dass die Gestaltung der Flagge der Europäischen Union – ein Kranz aus zwölf Sternen auf blauem Grund – auf die Erscheinung der apokalyptischen Frau in der Offenbarung des Johannes verweise: Die ursprüngliche Idee hinter dieser Flaggengestaltung sei es gewesen, Europa unter den Schutz Mariens zu stellen. Davon abgesehen sprach er in seiner nicht einmal fünf Minuten langen Predigt hauptsächlich über das Magnificat (das im Evangelium vom Tag vorkam) und darüber, wie Maria sich darin als Vorbild im Glauben erweist. – Gut gefiel es mir, dass Pastor Kenkel frei formulierte Fürbitten vortrug, auch wenn sie sich inhaltlich kaum von solchen unterschieden, die man in einschlägigen Fürbittbüchern finden kann. 

Im Anschluss an die Messe gab's noch Kaffee, Kuchen und Klönschnack im Gemeindesaal des "Rat-Schinke-Hauses"; das war sehr nett, einige der älteren Gemeindemitglieder kannten mich noch von früher und reagierten sehr herzlich auf das Wiedersehen (ich muss fairerweise erwähnen, dass das auch und besonders für die oben erwähnte Erzlaiin mit dem Akkordeon galt), und die Kinder freuten sich besonders, dass sie je einen in der Messe gesegneten, duftenden Kräuerstrauß (u.a. mit Kamille, Minze, Myrrhe und Salbei Rosmarin und einer Kornähre) mitnehmen durften. Eine Gelegenheit, mit Pastor Kenkel zu sprechen, ergab sich leider nicht, zumal er ganz am anderen Ende der langen Tafel saß und sich als erster wieder verabschiedete. Die beiden jungen Männer aus der letzten Bank waren leider gar nicht bei der Kaffeetafel. 



Kleiner Nachtrag bzw. Update zu "Was ist denn bloß in St. Franziskus los?" 

Es ist, jedenfalls meiner Auffassung nach, eine Grundregel des Bloggens, dass man sich, wenn man seine Leser ausdrücklich zum Schreiben von Kommentaren auffordert bzw. ermuntert, nicht über die Kommentare beschweren darf, die man dann tatsächlich kriegt. In meinem vorigen Wochenbriefing hatte ich die Hoffnung geäußert, der eine oder andere meiner Leser könnte vielleicht etwas zur Beurteilung der Situation in der Pfarrei St. Franziskus Reinickendorf-Nord beitragen; die erste Reaktion darauf kam von meinem kritischen Stammleser Egidius, der mit dem zurückgetretenen Pfarrer von St. Franziskus vor Jahren mal eine unerfreuliche Begegnung hatte. Da ging es um einen Parkplatz, und man könnte das Ganze vielleicht als ein unglückliches Aufeinanderprallen von Befindlichkeiten abhaken und es etwas "over the top" finden, dass Egidius das partout zu einer kirchenpolitischen Affäre stilisieren und Betrachtungen über das rechte Amtsverständnis von Priestern nach dem II. Vatikanischen Konzil daran knüpfen muss, die in der Aussage gipfeln "Solche Priester brauchen wir in der Tat nicht". Aber "over the top" oder nicht, der Fall ist durchaus bezeichnend dafür, wie die innerkirchlichen Konfliktlinien auf Gemeindeebene verlaufen und woran sie sich entzünden. Dennoch bin ich nicht ganz glücklich damit, dass auch alle Folgekommentare, die seither bei mir eingegangenen sind, sich um diese Parkplatzaffäre drehen. Ich würde eigentlich denken, über die Vorgänge in St. Franziskus müsste es noch mehr und anderes zu sagen geben... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Der Tempel Gottes im Himmel wurde geöffnet und in seinem Tempel wurde die Lade seines Bundes sichtbar. Dann erschien ein großes Zeichen am Himmel: eine Frau, mit der Sonne bekleidet; der Mond war unter ihren Füßen und ein Kranz von zwölf Sternen auf ihrem Haupt. Sie war schwanger und schrie vor Schmerz in ihren Geburtswehen.

Ein anderes Zeichen erschien am Himmel und siehe, ein Drache, groß und feuerrot, mit sieben Köpfen und zehn Hörnern und mit sieben Diademen auf seinen Köpfen. Sein Schwanz fegte ein Drittel der Sterne vom Himmel und warf sie auf die Erde herab. Der Drache stand vor der Frau, die gebären sollte; er wollte ihr Kind verschlingen, sobald es geboren war.

Und sie gebar ein Kind, einen Sohn, der alle Völker mit eisernem Zepter weiden wird. Und ihr Kind wurde zu Gott und zu seinem Thron entrückt. Die Frau aber floh in die Wüste, wo Gott ihr einen Zufluchtsort geschaffen hatte. Da hörte ich eine laute Stimme im Himmel rufen: Jetzt ist er da, der rettende Sieg, die Macht und die Königsherrschaft unseres Gottes und die Vollmacht seines Gesalbten.

(Offb 11,19a; 12,1-6a.10ab; 1. Lesung von Mariä Himmelfahrt)
 

Ohrwurm der Woche 

Isley Brothers: Summer Breeze 

Eine naheliehende Wahl für eine Urlaubswoche, die wärmer und sonniger war, als die Wettervorhersage es vor Urlaubsantritt in Aussicht gestellt hatte. Im Original stammt dieser Song von dem Folk-Rock-Duo Seals & Crofts und erreichte in seiner ursprünglichen Gestalt im Jahr 1972 Platz 6 der US-Single-Charts. Die zwei Jahre später entstandene Fassung der Isley Brothers ist aber nicht einfach nur eine Coverversion, sondern, so wage ich zu behaupten, eine Weiterentwicklung des Songs: In dieser Version entfaltet er erst sein wahres Potential. Genieß es mit mir, Leser.