...mit gelegentlichen Abstechern nach Nordenham bzw. Butjadingen! Brainstorming für eine christliche Graswurzelrevolution - von Kneipenapostolat bis Punkpastoral, von "Benedict Option" bis Dorothy Day (und zurück). Nicht Sandsäcke auftürmen, sondern eine Arche bauen. Politik wird uns nicht retten.
Zeit für ein Update in Sachen "Guerilla-Urlauberseelsorge in Butjadingen"! Eine sehr schöne Reaktion auf den ersten Teil dieses Berichts habe ich auf Facebook geerntet, von einem Pastoralreferenten aus dem Bistum Münster, der auch Mitautor des Buches "Urworte des Evangeliums" ist; der schrieb nämlich schlicht: "Weitermachen. Einfach weitermachen. Danke." Wenn das nicht motivierend ist!
Ähnlich motivierend war ein Erlebnis beim Gemeindekaffee im Anschluss an die Werktagsmesse am Gedenktag Unserer Lieben Frau auf dem Berge Karmel: Da fand sich nämlich die Frau ein, die zwei Tage zuvor spontan zu unserer ersten Lobpreisandacht dazugestoßen war, und unterhielt sich mit dem Küster – mit dem Ergebnis, dass dieser mir quer über die Kaffeetafel zurief "Du bringst uns ganz schön auf Ideen!" Da war ich ja nun neugierig und setzte mich zu den beiden. Wie sich zeigte, war der Küster ausgesprochen angetan von der Idee öffentlicher Andachten im Bürgerobstgarten – er meinte sogar, "sowas" könne man doch auch mal im Rahmen der Urlauberkirche machen (wozu mir im Stillen nur ein loriot'sches "Ach" einfiel). Damit nicht genug, fügte er hinzu, am derzeitigen Konzept der Urlauberkirche störe ihn, dass da "im Wesentlichen nur Kinderaufbewahrung" betrieben werde – woraufhin ich mich unversehens in der Position wiederfand, das Kirchenzelt-Programm verteidigen zu müssen, indem ich darauf hinwies, gerade das (zum Zeitpunkt dieses Gesprächs gerade noch) aktuelle Team, bestehend aus dem neuapostolischen Gemeindevorsteher und seiner Familie, biete durchaus mehr als nur "betreutes Basteln" und mache das sehr gut. – Unabhängig davon betonte der Küster, ihm sei daran gelegen, dass die Kirche in der Öffentlichkeit sichtbar werde; das mag ein etwas institutions- und "relevanzorientierterer" Ansatz sein als der meine, aber daran kann man ja immerhin sehen, dass man sich auch von unterschiedlichen Ausgangspunkten kommend am selben Punkt treffen kann – eine womöglich richtungsweisende pastorale Erkenntnis. Der Küster meinte noch, auch den Gemeindetreff könnte man mal in den Bürgerobstgarten verlegen und öffentlich, also außerhalb der üblichen kircheninternen Informationskanäle, dafür werben. Ich muss sagen, ich bin ziemlich erfreut darüber, solche Überlegungen angestoßen zu haben.
Im Laufe dieses Gesprächs fiel mir zudem ein, die Frage aufzuwerfen, ob eigentlich irgendjemand im Blick habe, dass die Gemeinde Herz Mariä Burhave (wenn auch nicht das Kirchengebäude als solches) an Mariä Himmelfahrt dieses Jahres 80 Jahre alt wird. Der Küster verneinte dies, meinte aber, das sei ein guter Hinweis, und wir sprachen gemeinsam den Pfarrer darauf an, der sich gerade anschickte, sich von der Kaffeetafel zu verabschieden. Er notierte es sich in seinem Kalender. Seien wir mal gespannt, ob sich daraus irgend etwas ergibt.
Im Anschluss an die Gemeinde-Kaffeetafel ging ich einkaufen (wobei ich zwei Mädchen traf, die ich aus dem Kirchenzelt kannte) und sammelte auf dem Weg zurück zur Ferienwohnung meine Familie wieder ein, und gerade als ich Frau und Kindern von den erfreulichen Erlebnissen beim Gemeindekaffee berichten wollte, kachelte der Diakon – mit auftoupierten Haaren, Tanktop und Goldkettchen – auf einem E-Scooter an uns vorbei. Ich schätze, da erübrigt sich jeder Kommentar.
Zur Tragikomik und Absurdität des Umstands, dass das Pastoralteam von St. Willehad (oder zumindest eben der Diakon) uns partout von jeder Mitwirkung an der Urlauberpastoral auszuschließen bestrebt ist, gehört es natürlich auch und nicht zuletzt, dass wir während der ersten Woche des Kirchenzelt-Programms auf dem Burhaver Campingplatz nicht nur permanent dabei waren, sondern dank unseres guten Drahts zum Team eine Art inoffiziellen Mitarbeiterstatus hatten (und von den anderen Kindern, die am Programm teilnahmen, wohl auch so wahrgenommen wurden). Den letzten Programmtag vor dem Teamwechsel – Freitag – gestalteten unsere Freunde, ganz ähnlich wie schon im Vorjahr, als eine Art Abschiedsfest mit Waffeln, Obst, Käsehäppchen und Knabbergebäck; für die Kinder, die im Laufe der Woche regelmäßig dabei gewesen waren, gab es mit Namen beschriftete Einladungskarten, und ebenso wie im Vorjahr wurden die Kinder losgeschickt, auf dem Campingplatz weitere Kinder zu suchen und einzuladen. Trotz dieser Bemühungen war der Freitag der bis dahin am schwächsten besuchte Kirchenzelt-Tag, wohl weil es für viele Familien auf dem Campingplatz der Abreisetag war und der erwartete Ansturm von Butjadingen-Urlaubern aus Nordrhein-Westfalen noch nicht eingetroffen war. Jedenfalls nahmen insgesamt nur acht Kinder daran teil.
Indes hatten sich unsere Kinder im Laufe der Woche so innig mit den ungefähr gleichaltrigen Töchtern der "Teamer" angefreundet, dass sie kaum von ihnen zu trennen waren; daher suchten wir die Familie am späteren Nachmittag nochmals bei ihrem Wohnwagen auf, die Kinder gingen auf den Spielplatz, und meine Liebste machte den Vorschlag, wir könnten am nächsten Vormittag, während die Eltern den Wohnwagen für die Übergabe ans nächste Urlauberkirchen-Team herrichten mussten, etwas mit den Kindern unternehmen. So machten wir es dann auch; angesichts des nicht so schönen Wetters am Samstag gingen wir in die Spielscheune. Freunde im Urlaub zu haben ist eine feine Sache, und wenn es christliche Freunde sind, dann erst recht; gegen Mittag hieß es dann aber doch Abschied nehmen.
Insgesamt darf man dem ersten Kirchenzelt-Team ein sehr gutes Zeugnis ausstellen; das Programm war sogar so gut, dass eine "gefühlte Notwendigkeit", wenigstens für die eigenen Kinder noch zusätzliche katechetische Angebote zu schaffen, kaum aufkommen konnte. Es war aber nicht unbedingt davon auszugehen, dass das für den Rest des Urlaubs so bleiben würde. Ziemlich gespannt waren wir daher darauf, das zweite Kirchenzelt-Team kennenzulernen. – Eine ausführliche Kritik des Programms der zweiten Woche im Kirchenzelt hebe ich mir fürs nächste Wochenbriefing auf, zumal die Woche ja noch nicht rum ist; was ich jedoch schon vorab erwähnen muss, weil es im Kontext dieses Artikels relevant ist, ist, dass da, jedenfalls an den ersten Tagen, tatsächlich ausschließlich "betreutes Basteln" angeboten wurde, ohne jeglichen katechetischen Anspruch. Das war natürlich unbefriedigend – offenbar nicht nur für uns: Dass am Sonntag insgesamt nur sieben Kinder auftauchten (nachdem unsere Freunde vom ersten Team uns gesagt hatten, in der Hauptsaison, also wenn in Nordrhein-Westfalen Schulferien sind, sei im Kirchenzelt mit 30 Kindern pro Tag zu rechnen), kann man zur Not noch auf das unfreundliche Wetter schieben, aber nach ungefähr der Hälfte der Zeit waren davon nur noch drei übrig, nämlich unsere Kinder und dann noch ein Mädchen, das schon in der vorigen Woche regelmäßig dabei gewesen war. Nun, wie gesagt, eine ausführliche Kritik folgt an anderer Stelle.
Auf jeden Fall bot die Gesamtsituation im Kirchenzelt keine besonders günstigen Voraussetzungen, um für unsere nächste Lobpreisandacht im Bürgerobstgarten zu werben, was umso "schader" war, als sich im Anschluss an die Vorabendmesse ebenfalls keine Gelegenheit dazu ergeben hatte. Dass am Sonntagnachmittag ein ökumenischer Familiengottesdienst in der Konzertmuschel in Tossens stattfand, fiel mir erst ein, als es schon zu spät war, die Frage zur Diskussion zu stellen, ob wir da hinwollen; aber ehrlich gesagt glaube ich, es war besser so. Blieb also noch das ökumenische Friedensgebet in Herz Mariä am Montagmorgen. Das – oder jedenfalls der anschließende Klönschnack, um den es mir ja hauptsächlich ging – überschnitt sich zwar ein wenig mit dem Kirchenzelt-Programm, aber nachdem das am Sonntag ja nicht so der Hit gewesen war, dachte ich, das wäre vielleicht nicht so schlimm, und wenn die Kinder unbedingt wollten, könnten sie ja mit einem Elternteil früher vom Kirchenkaffee aufbrechen und das andere Elternteil könnte dann zum Zelt nachkommen. – Leider herrschte aber am Montagmorgen wieder ein Wetter, das nicht gerade dazu einlud, die Ferienwohnung zu verlassen, geschweige denn erst einen knappen Kilometer zur Kirche und dann von dort aus knapp zwei Kilometer zum Campingplatz zu latschen, statt noch eine Stunde länger in der Bude zu bleiben und dann direkt zum Campingplatz zu gehen. Ich machte das letzten Endes trotzdem, aber eben allein. –
Die Andacht zu schildern, ist ebenfalls etwas, das ich mir lieber für das nächste Wochenbriefing aufheben möchte, aber hier und jetzt erwähnen muss ich, dass das vom Küster als Schlusslied vorgesehene Lied (tatsächlich "musste" er dann auf Wunsch der Gemeinde noch ein weiteres spielen, aber dazu wie gesagt ein andermal) mich auf eine Idee brachte, die man vielleicht für den nächsten Sommer ins Auge fassen könnte. Dieses Lied – "Ein Licht in dir geborgen"von Gregor Linßen – kannte ich nämlich ursprünglich vom Nightfever; und plötzlich hatte ich eine Vision. Könnte man nicht mal – im Sommer, in der Tourismus-Hauptsaison – in dieser Kirche Nightfever feiern? Könnte ich mir atmosphärisch sehr gut vorstellen, gerade weil die Kirche so klein ist; und das Geniale am Konzept Nightfever ist ja gerade, dass es nicht das alleinige "Eigentum" einer bestimmten Gemeinschaft oder Organisation ist, sondern dass das im Prinzip jeder machen kann. Man müsste da eigentlich nur jemanden mit ins Boot holen, der zur Aussetzung des Allerheiligsten befugt ist, und dem gitarrespielenden Küster könnte man vorab ein paar Lieder schicken, damit er sein Repertoire erweitert. Um Widerstände aus dem Pastoralteam und/oder den Gremien der Pfarrei zu umgehen, wär's allerdings vielleicht hilfreich, wenn dieser Vorschlag nicht gerade von mir käme...
Bei der Kaffeetafel nach der Andacht gab es "Beerdigungskuchen", der von einer Trauerfeier am Freitag übrig geblieben war, und ich nutzte die Gelegenheit, auf unsere Lobpreisandacht im Bürgerobstgarten am folgenden Tag hinzuweisen. Und siehe da, sämtliche Anwesenden – so um die zehn Leute, würde ich mal schätzen – zeigten sich wohlwollend interessiert und stellten in Aussicht, zu kommen. Damit nicht genug, erklärte der Küster, falls es regnen sollte könnten wir die Andacht ruhig in die Kirche verlegen. Heißa! – Man muss halt nur mit den richtigen Leuten reden, scheint mir...
Was die Ankündigung unserer zweiten Lobpreisandacht auf Facebook angeht, fand ich es derweil recht auffällig, dass diese deutlich mehr positive Reaktionen sammelte als die erste; wozu ich mir sagte: Selbst wenn von den Leuten, die das auf Facebook "liken", am Ende niemand zu der Andacht kommt, ist allein die Tatsache, dass die Leute mitkriegen, dass es diese Veranstaltung gibt, ja auch schon eine Form von Zeugnis. Warnungen oder Distanzierungen von unseren nicht institutionell eingebundenen Umtrieben blieben diesmal aus; lediglich "Arwen Abendstern" ließ es sich erneut nicht nehmen, ein Kotz-Emoji unter der Veranstaltungsankündigung zu hinterlassen.
Das Wetter meinte es übrigens gut mit uns: Nachdem es von Samstag bis Montag – und am Mittwoch dann auch wieder – bewölkt und kühl gewesen war und häufig Regenschauer gegeben hatte, schien am Dienstag den ganzen Tag die Sonne. Vom "harten Kern" der katholischen Gemeinde erschienen immerhin drei Personen zu unserer Lobpreisandacht: ein Mann, den ich noch "von früher her" kenne (auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob er sich an mich erinnert bzw. mich wiedererkennt) und der in der Gemeinde als ehrenamtlicher Gehilfe des Küsters tätig ist; die Frau, die tags zuvor das Friedensgebet geleitet hatte; und noch eine weitere Frau, die mit polnischem Akzent sprach und zum Entzücken unserer Kinder ihren kleinen Hund mitbrachte. Wir verwendeten wieder die Psalmen und die Lesung aus der Vesper vom Tag, dazu die Lieder "Herr der ganzen Schöpfung", "Ich will dir danken, Herr" (eine freie Nachdichtung von Psalm 23), "Ich lege meine Krone" von Johannes Hartl & Friends sowie Joe Falks"Magnificat"-Version. Unsere Gäste fanden es zwar schade, dass sie die Lieder nicht kannten und nicht mitsingen konnten, beteten aber die Antwortverse der Psalmen mit und ließen sich auch insgesamt sehr gut auf das für sie ungewohnte Format ein. Hinterher bedankten sie sich für die "ganz neue Erfahrung", und wir unterhielten uns noch nett, während die Kinder mit dem Hund spielten.
Für mich unterstrich dieses Erlebnis erwas, was ich mir schon nach dem Friedensgebet am Tag zuvor gedacht hatte: nämlich dass innerkirchliche Flügelkämpfe und Lagerdenken in so einer kleinen, ländlichen Diaspora-Gemeinde – so sehr sie oberflächlich betrachtet vom linksliberalen Boomer Catholicism geprägt sein mag – längst nicht so eine Rolle spielen, wie "extremely online people" es womöglich annehmen würden. Ein ausgrenzendes Lagerdenken könnten sich die Mitglieder einer solchen Gemeinde auch gar nicht leisten, denn dafür gibt es zu wenige von ihnen: Es ist wohl kaum übertrieben zu sagen, dass die Gemeinde für ihr Überleben darauf angewiesen ist, unterschiedlichen Frömmigkeitsformen Platz zu bieten. Was Fragen der Liturgie bzw. des liturgischen "Stils" angeht, halten die Leut' sich verständlicherweise an das, was sie kennen und gewohnt sind, aber das heißt nicht notwendigerweise, dass sie in ihren Anschauungen festgefahren und nicht offen für Neues wären. Eigentlich, so scheint mir, wären die Voraussetzungen, hier Aufbauarbeit in Sachen Gemeindeerneuerung und Neuevangelisierung zu betreiben, gar nicht so schlecht; das Pastoralteam müsste es halt nur wollen. – Also, ich lerne hier so richtig was für die pastorale Praxis. Ich sollte mir diesen Urlaub als Praktikum anerkennen lassen.
Ob wir in unserer dritten und letzten Urlaubswoche noch eine weitere Lobpreisandacht im Obstgarten veranstalten, steht derzeit noch nicht fest; falls am Samstag das Wetter wieder gut genug für einen Gartengottesdienst mit anschließendem Grillen ist, könnte man das da zur Diskussion stellen. Lust hätte ich jedenfalls...
Moin, Leser! Erinnerst du dich, dass es vor Jahren mal eine Tourismus-Werbekampagne mit dem Slogan "Freu dich, du bist in Spanien" gab? So ähnlich geht's mir derzeit jeden Morgen beim Aufwachen, nur dass ich eben nicht in Spanien bin, sondern in Butjadingen. Hier ist es nicht nur schön, sondern es gibt auch jede Menge Stoff zum Bloggen – sogar so viel, dass es schon wieder eine problematische Seite hat: Würde ich aus allen Themen, die sich an und für sich dafür anbieten, je einen eigenständigenArtikel machen, bliebe für das Wochenbriefing nicht viel übrig. Das Publikum erwartet aber nun mal mit Recht am Samstag um 18 Uhr sein Wochenbriefing, und ich möchte diesen Rhythmus auch im Urlaub nicht unterbrechen. So waren die letzten Tage geprägt von einem ständigen Tauziehen hinsichtlich der Frage "Was kommt ins Wochenbriefing, was in einen Extra-Artikel?"; aber ich glaube, ich habe da eine ganz gute Balance gefunden. Urteile selbst, o Leser!
Wattwanderer über dem Nebelmeer
Die Kinder hatten am letzten Samstag "Hummeln im Mors", wie der Norddeutsche sagt, und deshalb verließen wir unsere Ferienwohnung schon bald nach dem Frühstück und verbrachten so ziemlich den ganzen Tag draußen – und zwar hauptsächlich am Burhaver Strand. Am frühen Nachmittag wurden wir dort Zeuge eines eigentümlichen Naturschauspiels: Über dem Wattenmeer zog Nebel auf. Das hielt eine ganze Reihe von Leuten nicht davon ab, im Watt herumzuspazieren; man konnte sogar den Eindruck haben, sie fänden es besonders toll, durch den Nebel zu wandern – was von der ästhetischen Erlebnisqualität her verständlich sein mag, aber etwas leichtsinnig war es wohl doch, auch wenn gerade Ebbe war.
Wie Sie sehen, sehen Sie nichts.
Als der Nebel immer dichter wurde, hatten nach und nach die meisten Wattwanderer ein Einsehen und kehrten an Land zurück, aber mindestens zwei Personengruppen, eine mit Hunden und eine mit einem vielleicht elf- oder zwölfjährigen Kind, spazierten weiter seelenruhig am Priel entlang und machten keine Anstalten, umzukehren. Meine Kinder regte das sehr auf, und sie meinten, man müsse doch irgend etwas tun können, um die Leute zur Vernunft zu bringen. Eine Badeaufsicht gibt es an diesem Küstenabschnitt allerdings nicht (mehr), da er offiziell nicht (mehr) als Badestrand gilt; folglich wandten wir uns – auf das beharrliche Drängen der Kinder hin, nichts unversucht zu lassen, an die Tourist Info jenseits des Deiches, wo man uns beschied, da könne man jetzt nicht viel machen: In einem akuten Notfall sei die Feuerwehr zu benachrichtigen, aber noch sei das ja wohl kein solcher. Ansonsten sei der nächste DLRG-Stützpunkt bei der Nordseelagune; alternativ könnten wir auch mal beim Café Rondell auf dem Deich fragen, ob man von dort aus eine Lautsprecherdurchsage machen könne, um die leichtsinnigen Wanderer zu warnen. – Wir wandten uns also zunächst dem Rondell zu, dessen Wirt – den ich noch "von früher her" kannte – mir zwar in der Einschätzung zustimmte, dass die Leute da draußen sich offenbar nicht der Gefahr bewusst seien, in die sie sich begeben, zugleich aber meinte, da könne man jetzt nicht viel machen, außer zu hoffen, dass die Leute schlau genug sein würden, ihre eigenen Fußspuren zurückzuverfolgen. Im Übrigen habe er keine Lautsprecheranlage für Durchsagen. Ich wäre daraufhin bereit gewesen, aufzugeben, aber die Kinder bestanden darauf, noch zur DLRG zu gehen.
Wir wanderten also einen knappen Kilometer an der Uferpromenade entlang Richtung Nordseelagune, wo wir feststellten, dass es nicht möglich war, bis in Rufweite an den Rettungsschwimmerturm heranzukommen, ohne das Gelände der Nordseelagune zu betreten. Eintritt bezahlen wollten wir dafür nun natürlich nicht, gingen aber zum Haupteingang und fragten am Kassentresen, ob wir mit jemandem von der DLRG sprechen könnten. Die Dame an der Kasse wirkte mit dieser Frage etwas überfordert, aber ein Security-Mitarbeiter nahm sich unseres Anliegens an. Er erklärte uns, die hier stationierten DLRG-Mitarbeiter seien für die Überwachung des Badebetriebs in der Lagune zuständig und stünden daher für andere Aufgaben nicht zur Verfügung; im Übrigen wiederholte auch er, solange kein akuter Notfall vorliege, könne man nicht viel machen, und wenn ein akuter Notfall eintrete, müsse man die Feuerwehr rufen. Wir könnten aber einigermaßen beruhigt sein, denn der Nebel fange schon wieder an sich aufzulösen und bis zum Hochwasser seien noch ein paar Stunden Zeit. – Man könnte nun meinen, unsere Bemühungen seien somit letztlich umsonst gewesen, aber immerhin konnten wir uns sagen, dass wir nichts in unserer Macht Stehendes unversucht gelassen hatten, und soweit ich es mitbekommen habe, gab es an diesem Tag tatsächlich keinen Notfall im Watt vor Burhave. Alles in allem war ich ziemlich stolz auf meine Kinder, dass sie sich so ins Zeug gelegt hatten; und ich sag mal: Wenn das Ganze tatsächlich dazu geführt hätte, dass Leute vor dem Ertrinken gerettet worden wären, wäre für meine Große wohl ein Pfadfinderabzeichen fällig gewesen...
Camino de Willehado '26 – Teil 1: Vorabendmesse und Grillwurst
Wir verließen das Strandgelände rechtzeitig, um in Herz Mariä zur Vorabendmesse zu gehen – oder genauer gesagt eigentlich nicht in der Kirche, sondern in ihrem Garten, aber das kennen wir ja nun schon aus früheren Jahren. Schon beim Betreten des Kirchengrundstücks fiel uns auf, dass in einigem Abstand von den für die Gottesdienstbesucher aufgestellten Bänke ein Grill stand, und so spekulierten wir darauf, dass wir es uns an diesem Abend würden sparen können, in der Ferienwohnung noch Abendessen zu machen. – Pastor Kenkel begrüßte uns freundlich, ebenso der Küster ("Schön, dass ihr mal wieder da seid"); die allermeisten Geneindemitglieder, die sich zur Vorabendmesse versammelten, waren über 80, weit überwiegend waren es Frauen. Freudig überrascht war ich, als auch ein paar Kinder (zusätzlich zu unseren eigenen) auf der Bildfläche erschienen; auf den zweiten Blick zeigte sich, dass es die Töchter des neuapostolischen Gemeindevorstehers aus Nordenham waren, die mit ihren Eltern an der Messe teilnahmen, offenbar aus Anlass der Tatsache, dass diese Familie ab dem Folgetag das Urlauberkirchen-Programm auf dem Burhaver Campingplatz bestritt (s.u.). Das Team des Tossenser Kirchenzelts, bestehend aus einer jungen und einer nicht mehr ganz so jungen Frau, war ebenfalls zugegen und bediente nach dem Gottesdienst den Grill.
Zum Einzug wurde "Herr, gib uns Mut zum Hören" von Kurt Rommel gesungen, begleitet von einem vage psychedelisch scheppernden Keyboard; auch im weiteren Verlauf war die musikalische Gestaltung der Messe sehr NGL-lastig, aber irgendwie fand ich, dass das ein auf fast rührende Weise stimmiges Gesamtbild ergab: Gartengottesdienst für Senioren, mit Musik, die frisch und modern war, als sie jung waren. Die Predigt war jedenfalls gut – darauf bin ich ja schon an anderer Stelle eingegangen –, und auch liturgisch gab es nichts zu meckern, wenn man davon absieht, dass der Antwortpsalm durch ein Lied ersetzt wurde (und zwar ausgerechnet durch "Gott gab uns Atem"von Eckart Bücken und Fritz Baltruweit, zwei Vertretern des NGL-Genres, die ich besonders wenig schätze). Im Anschluss an das Credo erklärte der Zelebrant, er habe zwar Fürbitten vorbereitet, diese aber auf dem Schreibtisch liegengelassen. Stattdessen schlug er vor – "wir haben das auch sonst schon so gemacht" –, die Anwesenden könnten einfach die Namen von Personen nennen, in deren Anliegen die Gemeinde beten solle. Das fand ich gut und beteiligte mich auch daran.
Natürlich blieben wir auch noch zum "geselligen Teil" – mit Grillen, wie gesagt –; während wir unsere Wurst verzehrten und ich auch ein Bierchen dazu trank, hörte ich mit halbem Ohr mit, wie der Pastor die neuapostolische Familie zu ihren Eindrücken von der Messe befragte, woraus sich ein Gespräch über signifikante Unterschiede zwischen katholischen und neuapostolischen Gottesdiensten entwickelte. Der Gemeindevorsteher äußerte dazu, in der Neuapostolischen Kirche seien zwar die Predigten viel länger, dafür aber die biblischen Lesungen deutlich kürzer – ersteres überraschte mich nicht unbedingt, letzteres schon eher. – Mit uns sprach der Pastor nicht mehr als ein bisschen (allerdings freundlichen) Smalltalk; ziemlich gut kam ich hingegen – kurz bevor wir eigentlich den Heimweg hätten antreten wollen – mit dem Küster ins Gespräch, den ich schon bei früheren Gelegenheiten als einen sehr jovialen und zugänglichen Menschen, als einen ausgesprochen fähigen Gitarristen, aber auch als einen sehr liberalen Katholiken kennengelernt hatte. Der interessante Teil unseres Gesprächs an diesem Abend begann damit, dass ich mich bei ihm vergewisserte, ob an diesem Donnerstag in Burhave Messe sei – die Gottesdienstordnung der Pfarrei sieht nämlich vor, dass es hier donnerstags entweder eine Wort-Gottes-Feier oder eine Heilige Messe oder einen "besonders gestaltete[n] Gottesdienst" gibt, und der Wochenplan kündigte für diesen Donnerstag eine Messe an. Im Prinzip sei das korrekt, meinte der Küster, gab jedoch zu bedenken: "Das letzte Mal, als es laut Plan donnerstags eine Messe geben sollte, kam der Pastor nicht, und ich durfte ganz spontan meine erste Wort-Gottes-Feier leiten." Ich erzählte daraufhin von ähnlichen Erlebnissen in St. Marien Maternitas Berlin-Heiligensee und erwähnte in diesem Zusammenhang, ich hätte es da auch schon erlebt, dass, wenn der für die Zelebration vorgesehene Priester unerwartet nicht auftaucht, die Gemeinde stattdessen Rosenkranz betet. An dieser Stelle ließ der Küster durchblicken, das Rosenkranzgebet sei so gar nicht sein Ding – wofür ich erst einmal Verständnis signalisierte: "Ich bin ja sozusagen 'dritte Generation' in der Gemeinde hier, und ich bin mit dem Eindruck aufgewachsen, Rosenkranzbeten ist etwas, was die vorletzte Generation macht – die dazwischen hat das nicht weitertradiert, also bin ich da, wie man im Pastoralsprech so sagt, nicht herangeführt worden. Du wahrscheinlich auch nicht." – Das räumte der Küster zwar ein, fügte aber hinzu: "Vor allem verstehe ich nicht, was mir das bringen soll. Ich rede doch direkt mit Gott." (Man beachte übrigens: Wenn ein liberaler Christ sagt, er "rede direkt mit Gott", klingt das modern, aufgeklärt und undogmatisch; aber wenn ein Charismatiker das sagen würde, auweia.) Im weiteren Verlauf erzählte mir der Küster, er sei als Jugendlicher aus der Kirche ausgetreten und habe damals gemeint, mit dem Glauben an Gott nichts anfangen zu können, später aber festgestellt, dass er nicht mit dem Glauben an Gott Probleme gehabt habe, sondern mit der Institution Kirche. Auch seine Einstellung zu dieser habe sich aber über die Jahre gewandelt, und so sei er nach drei Jahrzehnten wieder in die Kirche zurückgekehrt. Und nun arbeitet er in einer katholischen Kirchengemeinde als Küster und in einer evangelischen als Friedhofsgärtner (die katholische Kirche unterhält in dieser Gegend keine eigenen Friedhöfe). Ein bemerkenswerter Glaubensweg, den man als solchen durchaus respektieren sollte – gleichzeitig aber nur hoffen kann, dass er noch nicht abgeschlossen ist. Was das Thema "Einstellung zur Kirche" angeht, äußerte er mir gegenüber die Überzeugung, man müsse ja nicht alles akzeptieren, was "die in Rom" sagen: Die "Kirche vor Ort" sei schließlich in vielerlei Hinsicht "schon viel weiter", gerade in Deutschland, auch wenn es selbst hierzulande noch einige konservative Bremser gebe; aber speziell in dieser Gemeinde hier gehe es "sehr frei" zu.– Was mich ja immer wundert, ist, dass Leute, die einem so etwas erzählen, nie auf die Idee zu kommen scheinen, dass ihr Gegenüber eine andere Einstellung zu diesen Fragen haben könnte als sie selber. Immerhin glaube ich aus diesem Gespräch aber etwas über einen in durchschnittlichen post-volkskirchlichen Gemeinden (noch) recht verbreiteten Typus liberaler Christen gelernt zu haben, der sich vom "aktivistisch-progressiven" PUU-Flügel deutlich unterscheidet und sozusagen nur zufällig mit diesem im selben kirchenpolitischen Lager steht: Während der letztere konsequent das Ziel verfolgt, die Kirche zu einem Instrument "woker" Ideologie umzugestalten, ist der post-volkskirchliche Liberale jemand, der halt irgendwie an Gott glaubt und von der Kirche lediglich erwartet, dass sie einen institutionellen Rahmen dafür bereitstellt, individuelle spirituelle Bedürfnisse in Gemeinschaft auszuleben – wozu sie sich natürlich nicht allzu dogmatisch gebärden darf. Em tasol, wie man in Papua-Neuguinea sagt. Theoretisch müsste man davon ausgehen, dass diese Klientel im aktuellen Transformationsprozess der Kirche am stärksten vom Aussterben bedroht ist, aber die Erfahrung zeigt, dass derartige Prognosen sich nicht selten als irrig erweisen. – Jedenfalls sagte ich dem Küster, ich würde dieses Thema mit ihm "gern noch weiter vertiefen, aber nicht mehr heute Abend".
Zu Gast in Deinem Zelt – Teil 1: Zeitreise durchs Kirchenjahr
Am Sonntag standen wir pünktlich um halb elf beim Kirchenzelt auf dem Burhaver Campingplatz auf der Matte, um den Auftakt des Urlauberkirchen-Kinderprogramms mitzuerleben. Der Standort des Kirchenzelts war mit Flaggen gekennzeichnet, die noch das alte "Willi's"-Urlauberkirchen-Logo zeigten, hingegen war, anders als noch letztes Jahr, weit und breit keine Gay Pride-Flagge zu sehen.
Außer der "Teamer"-Familie, zu der zwei Kinder gehörten, hatten sich vor uns bereits fünf andere Kinder eingefunden, mit unseren waren das also neun; innerhalb der ersten halben Stunde des Programms kamen noch vier weitere hinzu und einige noch später, sodass insgesamt, wenn man auch die mitzählt, die nur mal kurz reinschauten und dann wieder gingen, wohl an die zwanzig Kinder bei diesem ersten Programmtag der Urlauberkirche in Burhave auftauchten. Das Wochenprogramm, dessen Ankündigung ich schon vorab auf Instagram gesehen hatte, stand unter dem Motto "Gott feiert mit uns" und sollte sich um Feste im Kirchenjahr drehen; da war am ersten Termin folgerichtig Weihnachten dran, auch wenn das mitten im Sommer ein bisschen kontraintuitiv wirkte. Zur Begrüßung wurde erst einmal ein Spiel gespielt, bei dem es um Geburtstage ging; von da aus wurde dazu übergeleitet, dass (und warum) wir auch den Geburtstag Jesu feiern, und dies wurde visualisiert mit den aus der Herz-Mariä-Kirche ausgeliehenen Krippenfiguren.
Am Rande wurde auch das Wissen der teilnehmenden Kinder darüber aktiviert, was für "Jesusfeste" es denn nochso im Kirchenjahr gibt (die dann an den folgenden Tagen im Kirchenzelt-Programm "drankommen" sollten); das Wissen, das die Kinder dabei an den Tag legten, war durchaus beachtlich, was wohl den von vornherein erwartbaren Umstand unterstreicht, dass das Urlauberkirchen-Programm vorrangig ein vergleichsweise "kirchennahes" Publikum erreicht. Gleichzeitig fiel es auf, dass eins der später hinzugekommenen Mädchen sich nicht scheute, den katechetischen Teil des Programms mit der Frage zu unterbrechen, wann denn nun endlich gebastelt werden würde. Da sieht man mal, wie die Erwartungshaltung der Kinder dazu, was sie bei der Urlauberkirche erwartet, vorkonditioniert ist. Als am nächsten Tag ein paar Minuten nach 10:30 Uhr außer uns und dem Team noch niemand da war, meinte due Frau des Gemeindevorstehers halb scherzhaft: "Die kommen alle extra später, damit sie gleich mit dem Basteln anfangen können." Tatsächlich erschienen am Montag insgesamt deutlich weniger Kinder zum Urlauberkirchen-Programm als am Sonntag, wobei man allerdings in Betracht ziehen muss, dass die fünf Kinder, die am Sonntag schon vor uns da waren, alle gesagt hatten, dass sie am Montag schon wieder abreisen würden. – Aber zunächst noch einmal zurück zum Programm am Sonntag: Gebastelt wurde da nämlich sehr wohl noch, genauer gesagt wurden, passend zum Thema Weihnachten, Adventskalender und Kerzen gestaltet.
Am Adventskalender-Gestalten beteiligte sich auch meine Liebste.
Und so nehmen sich die Kerzen in unserer Ferienwohnung aus.
Als einen Bestandteil des Projekts "Guerilla-Urlauberseelsorge" könnte man es vielleicht betrachten, dass ich unseren guten Draht zum Urlauberkirchen-Team nutzte, um vorzuschlagen, mich am Montag um die Musikauswahl im Kirchenzelt zu kümmern – nachdem diese am Sonntag wieder im Wesentlichen aus den größten Kindergottesdienst-Hits der letzten 60 Jahre, interpretiert von Simone Sommerland und den Kita-Fröschen, bestanden hatte. Mein Angebot wurde angenommen, und so ließ ich eine Playlist laufen, die aus drei Kinder-Lobpreis-CDs zusammengestellt war, die ich vor gut eineinhalb Jahren beim Advents-Flohmarkt in der "Gemeinde auf dem Weg" gekauft hatte: "Bibellesen ist der Hit" von den "Feiert Jesus! Kids", "Ich bin ein Königskind" von Peter Menger & Königskinder Hüttenberg sowie eine Compilation mit dem Titel "Es geht um Jesus". Der Erfolg war, dass der Teamleiter mich am Dienstag bereits nach rund einem Drittel der Programmzeit bat, erneut die Musikauswahl zu übernehmen: "Meine Playlist ist schon wieder bei Weihnachtsliedern angekommen."
Sprechen wir aber noch über das Programm am Montag, das im Zeichen der Karwoche stand. Hier wurde erst einmal das Wissen der Kinder darüber aktiviert, was für Feste es in der Karwoche gibt und welche Bedeutung sie jeweils haben; und da kam so einiges zusammen.
Nicht verkneifen kann ich mir dabei die Anmerkung, dass es sich gerade beim Stichwort Gründonnerstag doch auswirkte, dass das Team nicht katholisch war; denn aus katholischer Sicht hätte man zur Bedeutung des Letzten Abendmahls und dazu, wie wir das Gebot Jesu "Tut dies zu meinem Gedächtnis" bis heute etfüllen, eigentlich noch mehr und Anderes sagen müssen. Womit ich aber nicht zwingend behaupten will, dass ein katholisches Team das unbedingt besser gemacht hätte. – Gebastelt wurde am Montag natürlich auch wieder, man konnte Nagelbilder in Kreuzform knüpfen und Steine mit Acrylstiften bemalen.
Ein Highlight der ersten Kirchenzelt-Woche war indes das Programm am Dienstag, bei dem es um Christi Himmelfahrt ging; die Spiel- und Bastelideen, die da zum Einsatz kamen, kann und sollte man sich mal merken für einen Religiösen Kindertag (RKT) zum Thema Himmelfahrt, nächstes Jahr vielleicht. Da wäre zunächst ein an den Klassiker "Ich packe meinen Koffer" angelehntes Spiel zum Thema "Ich stelle mir vor, im Himmel gibt es..." zu erwähnen, und dann ein Spiel, das ich so ähnlich vom "Bewerbendentag" des Erzbistums Berlin für Auszubildende in pastoralen Berufen kannte: Da ging es darum dass die ganze Gruppe auf einem Teppich steht und die Aufgabe bekommt, den Teppich zu wenden – mit der unten liegenden Seite nach oben –, ohne dass jemand den Teppich verlässt. In der Kirchenzelt-Variante war der Teppich eine Picknickdecke mit einer dunklen und einer blau-weiß gemusterten Seite, wobei die letztere den Himmel symbolisieren sollte; dadurch bekam das Spiel eine metaphorische Ebene: Wir müssen uns alle gegenseitig dabei helfen, in den Himmel zu kommen. Gebastelt wurden Drachen sowie Raketen, die man mittels eines Schlauchs und einer Plastikflasche fliegen lassen konnte. Ich hatte den Eindruck, so viel Spaß hatten die Kinder im Kirchenzelt – oder überhaupt bei irgendeinem kirchlichen Kinderprogramm – noch nie, und meine Tochter bestätigte das auch explizit.
Sollte man gar nicht denken, wie gut diese Dinger fliegen.
Am Mittwoch war Pausentag im Kirchenzelt (was das Tochterkind ausdrücklich schade fand), und am Donnerstag stand folgerichtig das Thema Pfingsten auf dem Programm. Hier ging es unter anderem um die Früchte des Heiligen Geistes nach Galater 5,22f.: Anhand von Beispielen sollten die Kinder selbst einschätzen, welche dieser Früchte in ihrem eigenen Leben schon sichtbar sind und welche Früchte in ihnen "noch wachsen dürfen". Auch dies eine Übung, die ich mir mal zur Nachahmung vormerken möchte, vielleicht sogar für die Erstkommunionvorbereitung.
Das Tochterkind betrieb die Selbsteinschätzung ausgesprochen gewissenhaft.
Die Schilderung des Abschlusses der ersten Urlauberkirchen-Woche verschiebe ich – teils aus Platzgründen, teils aus kompositorischen Erwägungen – auf den fälligen zweiten Teil von "Der Prophet im eigenen Land"; aber ich denke, festhalten kann man schon mal, dass das neuapostolische Kirchenzelt-Team die Messlatte für die noch kommenden Teams ziemlich hoch gelegt hat...
Heiliger Heinrich und Heilige Kunigunde, bittet für uns!
Hat sich eigentlich irgendjemand gefragt, warum ich es in der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings als besonders signifikant hervorgehoben habe, dass mein Online-Vorstellungsgespräch mit einer Professorin der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen am Gedenktag des Kaisers Heinrich II. (973-1024) und seiner Frau Kunigunde stattfand? Na, wenn nicht, verrate ich es trotzdem: An dem Ort, den wir letztes Jahr für das Projekt Pfarrhausfamilie im Auge hatten, trägt die Kirche das Patrozinium St. Heinrich und besitzt Reliquien des heiligen Kaisers und seiner Frau. Ich empfand das als ein gutes Zeichen, da es in der Kirche meiner Kindheit, Herz Mariä Burhave, ein Buntglasfenster gibt, das den letzten Ottonen darstellt, und ich fand, mit ein bisschen Abstraktion könnte aus dieser Darstellung ein gutes Logo für das Pfarrhausfamilienprojekt werden:
Kürzlich gab es übrigens Anzeichen dafür, dass es mit dem Projekt "Haus St. Heinrich", wie ich es hätte nennen wollen, doch noch etwas werden könnte, aber vorerst haben sich diese nicht verdichtet und folglich gehen unsere Pläne erst einmal in eine andere Richtung. Auf jeden Fall haben der Hl. Heinrich und die Hl. Kunigunde seit dem Frühjahr letzten Jahres einen festen Platz in meiner persönlichen Litanei von Schutzheiligen, und deshalb fand ich es ermutigend, dass das Vorstellungsgespräch an diesem Termin stattfand.
Und was ist bei dem Gespräch nun herausgekommen? – Inhaltlich eigentlich nichts, was man nicht auch mit einer eMail hätte klären können, aber ich schätze, solche Gespräche sind vor allem dazu da, einen persönlichen Eindruck vom Bewerber zu bekommen, und ich glaube, in dieser Hinsicht habe ich mich nicht schlecht geschlagen. Ich muss nun bis Ende des Monats noch ein paar Unterlagen nachreichen, und das aus dem Urlaub heraus zu organisieren, ist durchaus eine Herausforderung, aber ich bin grundsätzlich weiterhin optimistisch. Gebetsunterstützung ist derweil selbstverständlich willkommen!
Camino de Willehado '26 – Teil 2: Der Berg Karmel liegt nicht in Butjadingen
Am Donnerstag, dem Gedenktag Unserer Lieben Frau auf dem Berge Karmel, wollte ich gern in Herz Mariä zur Messe gehen, aber die Kinder wollten lieber baden gehen, zumal genau zur Zeit der Messe Hochwasser war und man daher am Burhaver Strand ins Wasser gehen konnte, ohne den Eintritt für die Nordseelagune zu berappen. Also teilten wir uns auf, meine Liebste ging mit den Kindern an den Strand und ich allein zur Kirche. Der Küster begrüßte mich wieder sehr jovial, ich fragte kurz entschlossen: "Braucht ihr einen Lektor?" und kam zur Belohnung für diese Forschheit in den Genuss, eine knallige Passage aus dem Buch Jesaja (26,7-9.12.16-19) vortragen zu dürfen. Zelebriert wurde die Messe von Pfarrer Fechtenkötter, den ich somit erstmals persönlich zu Gesicht bekam; "live" machte er noch mehr als auf Fotos den Eindruck eines Mannes, der keiner Fliege etwas zuleide tun kann, was in einer Position wie der seinen wohl ebenso gute wie potentiell problematische Seiten haben kann. Er zelebrierte in Mantelalbe mit Stola drüber, ansonsten aber korrekt; er wies auch auf den (nicht gebotenen) Gedenktag hin, verwendete auch das entsprechende Tagesgebet (Lesung und Evangelium hingegen vom Donnerstag der 15. Woche im Jahreskreis) und fand in seiner Begrüßungsansprache einige schöne Worte über die Gottesmutter als Vorbild im Glauben. Weniger überzeugend fand ich seinen knapp vier Minuten langen Predigtimpuls zum Jesuswort "Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich will euch erquicken" (Mt 11,28): Insbesondere angesichts der Aussage, dass die Last des Alltags "mit dem Glauben ein bisschen [!] er-träg-licher" werde, drängte sich mir der Gedanke auf: Das ist ein Christentum, wie die marxistische Religionskritik es sich vorstellt. Oder in den Worten Wilhelm Willms': "Wenn der Stacheldraht rote Rosen trägt, dann bleiben wir hier". Danke, aber nein danke.
Das Lied vom Roten Meer und der Grünen Welle wurde übrigens nicht gesungen, dennoch stand die Liedauswahl in dieser Messe – mit Ausnahme eines im Gotteslob-Regionalteil für das Bistum Münster enthaltenen Sanctus auf die Melodie von "Alles meinem Gott zu Ehren" – vollends unter dem Motto "Schlimmst of NGL", von "Kommt herbei, singt dem Herrn" über "Lied, das die Welt umkreist" und "Wenn das Brot, das wir teilen" bis hin zu "Suchen und fragen". Anerkennen muss man, dass der Küster diese Lieder sehr schön auf der Gitarre begleitete, wodurch sie rein von der musikalischen Seite her ganz anders 'rüberkamen als mit schleppender Orgelbegleitung; aber was es mit der"sozialen Vorstellungswelt" von Katholiken macht, wenn sie im Gottesdienst immer wieder und immer nur solches Liedgut hören, dürfte wohl einigermaßen auf der Hand liegen.
Nach der Messe luden mich zwei Damen aus der Gemeinde sehr herzlich ein, zur Kaffeetafel mitzukommen, der Küster hatte dies schon zuvor getan, und ich folgte dieser Einladung gern. Am Rande bekam ich mit, dass der Pfarrer prompt auf seine Rolle als Stiftungsratsvorsitzender des St.-Bernhard-Hospitals in Brake angesprochen wurde; er reagierte ausgesprochen souverän auf diese Anfragen und setzte auseinander, warum die Vorstellung, "die Kirche", die ja angeblich "genug Geld" habe, hätte die Pleite des Krankenhauses aus eigenen Mitteln abwenden können und auch sollen, von falschen Voraussetzungen ausgehe. – Es gibt über die Gespräche an der Kaffeetafel noch mehr Interessantes zu berichten, aber das verschiebe ich "aus Gründen" auf den fälligen zweiten Teil von "Der Prophet im eigenen Land"...
Geistlicher Impuls der Woche
An allen Orten steht dein Thron, du Wahrheit, für alle, die Rat bei dir suchen, und du antwortest ihnen allen zugleich, so verschieden auch der Rat sein mag, den sie bei dir suchen. Du antwortest klar, doch nicht alle hören dich klar. Alle befragen dich über das, was sie wollen, aber nicht immer hören sie, was sie wollen. Dein bester Diener ist, der nicht so sehr darauf aus ist, von dir zu hören, was er selbst zu hören wünscht, als vielmehr das zu wollen, was er von dir hört.
(Augustinus, Bekenntnisse)
Ohrwurm der Woche
Relax: Radio hör'n
Unsere Ferienwohnung in Burhave hat keine Geschirrspülmaschine, dafür aber ein wohl knapp 50 Jahre altes Grundig-Radio. Was hat das eine mit dem anderen zu tun? Merke auf und lausche, o Leser. Am Morgen nach unserer Ankunft meldete ich mich freiwillig, das Geschirr vom Frühstück und vom vorangegangenen Abendessen zu spülen, fand aber, für diese Arbeit benötige ich Musik. Daher probierte ich mal aus, ob das alte Radio in der Küche noch funktionierte.
Das Ergebnis lautete: und ob! Und die Musik, die mir da entgegentönte, gefiel mir sogar unironisch ausgesprochen gut. Nun war ich natürlich gespannt, was das wohl für ein Sender war, der auf dem Radio eingestellt war; und wie sich zeigte, war ich beim "meisten Mix" (oder heißt es "Meistermix"?) von RadioWeserTV, dem Bürgerrundfunk aus Bremerhaven, gelandet. Unter anderem lief da "Wie der Wind so frei" von Wolfsmond (kannte ich noch gar nicht, gefällt mir aber),, "Sacrifice" von The Weeknd, "We Belong" von Pat Benatar und "Beautiful Madness" von Michael Patrick ("Paddy") Kelly; daneben durchaus auch mal Lieder, die ich persönlich zwar nicht so gut finde, immerhin aber tolerieren kann, wenn jemand anderes sie gut findet. – Insgesamt freute ich mich jedenfalls, dass der Bürgerrundfunk so ein gutes Programm hatte, und schwelgte in wehmütigen Erinnerungen daran, wie ich vor über zwanzig Jahren ein paarmal als Talkgast im Studio Nordenham von RadioWeserTV war, das im Rathausturm untergebracht war. Bei einem dieser Interviews hatte der Moderator – dessen Namen des Sängers Höflichkeit verschweigen möge; er ist inzwischen verstorben – überhaupt keine Ahnung, worüber er mit mir reden sollte, und nutzte die Musiknummern dazu, sich mit mir darüber zu verständigen, womit wir jeweils dir nächsten soundsoviel Minuten füllen sollten. Hach ja, good times.
Das hier zum "Ohrwurm der Woche" erkorene Lied habe ich ironischerweise nicht auf RadioWeserTV gehört, obwohl es da durchaus gut in den Mix gepasst hätte; aber die Gesamtsituation mit dem alten Radio, das ich regelmäßig zur Küchenarbeit einschaltete, erinnerte mich einfach an dieses Lied, und als ich es mir dann auf YouTube anhörte, stellte ich fest, dass es geiler ist, als ich es in Erinnerung hatte. Ich hatte es mir irgendwie country-mäßiger vorgestellt, aber tatsächlich ist es brettharter 80s-Pop, durchaus vergleichbar mit dem Song "Das Blech" von Spliff, der allerdings erst ein Jahr später herauskam. Enjoy!
Vorschau/Ausblick
Gestern war in Nordrhein-Westfalen letzter Schultag, und da von dort für gewöhnlich der Großteil der Butjadingen-Touristen zu kommen pflegt, darf man davon ausgehen, dass mit diesem Wochenende hier die eigentliche Hauptsaison losgeht. Man wird sehen, wie sich das auswirkt; wir haben jedenfalls gehört, sämtliche Ferienwohnungen in Burhave seien ab der kommenden Woche ausgebucht. Heute ist wieder Vorabendmesse in Herz Mariä, und laut "Willehad aktuell" wird sie erneut von Pastor Kenkel zelebriert. Ab morgen geht das Urlauberkirchen-Kinderprogramm mit einem neuen Team weiter; auf Instagram habe ich eine Programmvorschau gesehen, in der die einzelnen Tage zwar unter Motti wie "Gott schuf Pflanzen und Tiere", "Gott sieht Dich, so wie Du bist" oder "Jesus lädt Dich an seinen Tisch ein" stehen, allerdings drängt sich mir dabei der Eindruck auf, damit solle lediglich notdürftig und pro forma eine "geistlich" anmutende Begründung für die jeweiligen Bastelideen geliefert werden. Aber wir wollen mal nicht von vornherein ausschließen, dass es doch besser wird als erwartet! – Außerdem gibt's morgen einen ökumenischen Gottesdienst in der Konzertmuschel in Tossens, aber ob wir da hinwollen, darf man eher als fraglich bezeichnen. Auch noch ungewiss ist, ob wir (oder wenigstens einer von uns, also ich) am Montag zum ökumenischen Friedensgebet gehen; am Dienstag wollen wir vormittags nach Fedderwardersiel und nachmittags wieder eine Lobpreisandacht im Bürgerobstgarten abhalten. Ab Mittwoch erwarten wir dann Besuch aus Berlin: Eine Schulfreundin unseres Tochterkindes und deren Mutter wollen für ein paar Tage nach Burhave kommen und am Strand zelten. Was wir den Rest d6er Woche noch so unternehmen, werden wir dann wohl gemeinsam mit diesen beiden entscheiden...
Gibt es eigentlich schon Neues vom Projekt "Guerilla-Urlauberseelsorge in Butjadingen"? – Und ob! Beginnen möchte ich meinen Bericht mit einem Blick auf die Predigt von Pastor Kenkel bei der Vorabendmesse zum 15. Sonntag im Jahreskreis; die fand ich nämlich nicht nur gut, sondern auch passend zu unserem Vorhaben. Das Tagesevangelium war Matthäus 13,1-23, das Gleichnis vom Sämann und dem vierfachen Acker, und einleitend erklärte der Pastor, er sei letzte Woche bei einem Bibelgespräch zu diesem Evangelium gewesen, und da hätten einige Teilnehmer den Text als "deprimierend" empfunden – weil darin 75% der eingesetzten Mittel, des kostbaren Saatguts, verloren gehe, ja vergeudet werde. Man könne ja sogar auf die Idee kommen, zu kritisieren, der Sämann im Gleichnis verhalte sich unwirtschaftlich und verschwenderisch, indem er sein Saatgut einfach überallhin verstreut, statt darauf zu achten, dass es auf fruchtbarem Boden landet. Indes, so meinte der Pastor, verkenne diese Sichtweise, dass derjenige Teil der Saat, die auf fruchtbaren Boden falle, nicht nur vierfach, sondern dreißig-, sechzig-, ja hundertfach Frucht bringe: "Also unterm Strich doch ein voller Erfolg!" In diesem Sinne, so meinte er, könne man dieses Evangelium als Ermutigung für all jene lesen, die sich bemühen, die Frohe Botschaft weiterzugeben, und dabei oft das Gefühl haben, dass diese Bemühungen "nichts fruchten": "Wir dürfen freudig das Wort Gottes großzügig austeilen. Bei dem einen oder anderen setzt es sich fest, und er wird mehr Frucht bringen als ich eingesetzt habe."
"Weißt du, woran ich bei der Predigt denken musste?", fragte ich das Tochterkind im Anschluss an die Messe. "An unsere Straßenevangelisation in Spandau. Da sind auch ganz viele Leute einfach vorbeigegangen und haben sich nicht dafür interessiert, was wir ihnen mitgeben wollten; und bei denen, die sich einen Flyer mitgenommen haben, kann man auch nicht wissen, ob die sich den wirklich durchgelesen haben, und wenn ja, ob das bei ihnen wirklich etwas bewirkt hat. Aber ein paar Leute waren vielleicht doch dabei, bei denen unsere Botschaft wirklich angekommen ist und etwas bewegt hat, und für die paar Leute hat sich der ganze Aufwand dann schon gelohnt." Meine Tochter bekräftigte daraufhin, sie hätte durchaus Lust, "sowas mal wieder zu machen". – "Ich auch", stimmte ich zu.
Dass das Tochterkind sich am Glitzertattoo-Stand dieses Motiv ausgesucht hat, ist ja auch schon ein Statement.
In gewissem Sinne war und ist das, was wir mit unseren "Spirituellen Angeboten für Familien im Urlaub" beabsichtig(t)en, ja auch "sowas", wenn auch mit anderen Mitteln. – Erst einmal gingen wir aber am Sonntag zur ersten Veranstaltung des Urlauberkirchen-Kinderprogramms im Kirchenzelt auf dem Burhaver Campingplatz, das, wie schon berichtet, in der ersten Woche vom neuapostolischen Gemeindevorsteher aus Nordenham und seiner Familie gestaltet wurde. Dieser Gemeindevorsteher ist schon seit Jahren ein recht regelmäßiger Leser meines Blogs, und am Rande unseres ersten Besuchs im Kirchenzelt sprach er uns auf unsere Ideen und Vorschläge zum Thema "Spirituelle Angebote für Familien im Urlaub" an, von denen hier vor einigen Wochen schon die Rede gewesen war. Dabei äußerte er Unverständnis über die ablehnende Haltung der Urlauberkirchen-Verantwortlichen: Er meinte, in der Woche, in der seine Familie für das Vormittagsprogramm zuständig sei, sei das Kirchenzelt ja nachmittags offensichtlich frei, man könne also wohl kaum behaupten, dass für zusätzliche Angebote kein Platz sei. (Ich erwähnte bei dieser Gelegenheit, ich hätte mir mal spaßeshalber das Urlauberseelsorge-Programm auf Wangerooge angesehen, wo die örtliche katholische Kirche ebenfalls St. Willehad heißt; okay, man muss wohl annehmen, dass auf Wangerooge touristisch insgesamt mehr los ist als in Butjadingen, aber den quantitativen Unterschied fand ich dann doch verblüffend: Auf Wangerooge bietet die Urlauberseelsorge so ungefähr sieben verschiedene Veranstaltungen pro Tag an.) Als ich erklärte, wir wollten zusehen, dass wir unsere Angebote dann eben ohne institutionelle Unterstützung seitens der Kirche realisiert bekommen, bezeichnete mein Gesprächspartner das augenzwinkernd als "wilden Katholizismus" – ich muss sagen, das gefiel mir.
Ein paar Steine, die ich im Rahmen des Kirchenzelt-Bastelprogramms gestaltet habe.
Beim sonntäglichen Mittagessen besprach ich mit Frau und Kindern, wann wir denn mal einen ersten Anlauf in Sachen "Lobpreis im Bürgerobstgarten" unternehmen könnten, und wir einigten uns auf Dienstag um 17 Uhr. Ich erstellte eine Facebook-Veranstaltung und teilte diese – mit der Beschreibung "Ein spirituelles Angebot für Familien im Urlaub – aber auch Einheimische sind willkommen! Wir treffen uns auf der Streuobstwiese hinter der katholischen Kirche zu einer Andacht mit moderner Lobpreismusik, Psalmen, biblischer Lesung und freien Fürbitten" – in mehreren Butjadingen-Gruppen; und erste Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten: Eine mir ansonsten nicht bekannte Frau warnte (!), das solcherart beworbene Angebot stehe "nicht mit der katholischen oder evangelischen Kirche in Butjadingen" in Zusammenhang, "oder mit der ökumenischen Urlauberseelsorge!!!"; daher: "Bitte vorsichtig!" – Als ich daraufhin bestätigte, es handle sich tatsächlich nicht um ein Angebot der Kirchengemeinden in Butjadingen oder der ökumenischen Urlauberseelsorge, legte sie noch eine Schippe drauf: "Die Kirchengemeinden Butjadingens distanzieren sich von Ihnen", verkündete sie. Da wurde ich ja nun doch neugierig, mit wem ich es eigentlich zu tun hatte. Ihren Namen zu googeln, erbrachte keine brauchbaren Ergebnisse, also fragte ich sie kurzerhand, in welcher Funktion sie sich denn hier äußere bzw. inwiefern sie denn befugt sei, im Namen der "Kirchengemeinden Butjadingens" (im Plural) zu sprechen. Eine richtige Antwort bekam ich darauf nicht, lediglich die Versicherung "Seien Sie getrost, ich bin befugt!" – das kann nun freilich jede*r behaupten. Es kam aber noch dicker: Als ein anderer, mir ebenfalls persönlich nicht bekannter Facebook-Nutzer aus Butjadingen nachfragte, wieso sich die örtlichen Kirchengemeinden denn von mir "distanzierten", behauptete die Dame allen Ernstes, ich sei "von der katholischen Kirche exkommuniziert" (!), weil das, was ich vertrete, nicht auf dem "Bekenntnis unserer Kirchen" (Hervorhebung von mir) fuße. Ich vermute mal, die gute Frau guckt ein bisschen zu viel Fernsehen und hat ein paar Dinge durcheinandergekriegt ("Hippe Missionare", Piusbrüder usw.). Meine Liebste jedenfalls verstand da keinen Spaß und antwortete der Dame mit einem geharnischten Kommentar, in dem sie sie ermahnte, Lügen und Verleumdungen zu unterlassen, und darauf hinwies, dass ich im Erzbistum Berlin ein anerkannter und geschätzter ehrenamtlicher Mitarbeiter im Pastoralen Dienst sei. Kurz darauf war der ganze Kommentardialog bei Facebook nicht mehr aufrufbar – ob das an der Gruppenmoderation lag oder ob die Urheberin der Diskussion ihren ersten Kommentar zurückgezogen hatte, wodurch auch alle darauf bezogenen Antworten verschwunden sind, sei mal dahingestellt. Auf der anderen Seite sei erwähnt, dass die Veranstaltungsankündigung in einer anderen Facebook-Gruppe eine "Love"-Reaktion von einem Vertreter der örtlichen koptischen Gemeinde erntete. Von einer Person mit dem Nutzernamen "Arwen Abendstern" gab's hingegen ein Kotz-Emoji. Ich habe die unbestimmte Ahnung, dass sie aus der neuheidnischen Ecke kommt (habe ich schon mal erwähnt, dass das Neuheidentum in der Wesermarsch traditionell eine starke Anhängerschaft hat? – Ja, habe ich tatsächlich, ist aber seeehr lange her. Vielleicht sollte ich darauf mal ausführlicher zurückkommen, ist ein interessantes Thema), und frage mich, was sie sagen würde, wenn sie wüsste, dass Tolkien ein strenggläubiger Katholik war. – Pastor Kenkel luden wir per eMail zu unserer Andacht ein, er antwortete umgehend, er sei "terminlich gebunden".
Das alles hielt uns jedoch nicht im Mindesten davon ab, uns am Dienstagnachmittag, bewaffnet mit Stundenbuch-App und mobiler Lautsprecherbox, im Bürgerobstgarten zu versammeln – einem sehr "ökumenischen" Ort, nicht nur, weil er zwischen der evangelischen und der katholischen Kirche Burhaves liegt, sondern auch, weil das Grundstück früher mal der evangelischen Kirchengemeinde gehörte (oder immer noch gehört?) und zeitweilig an die katholische Kirchengemeinde verpachtet war, die es als Erweiterung ihres Pfarrgartens nutzte (u.a. als Grillplatz).
Im Übrigen war es dort so schön, dass ich fand, der Ort sei wie prädestiniert dazu, Gott für Seine Schöpfung zu preisen; daher wählte ich als Eröffnungslied für die Lobpreisandacht "Darum jubel ich dir zu" von der Sammlung "Feiert Jesus! 14". Ich fand obendrein, das Lied eigne sich gut dazu, den Platz des Vesper-Hymnus "Des Himmels Schöpfer, großer Gott" zu vertreten. (Man hätt' natürlich auch "Herr der ganzen Schöpfung" nehmen können, na, vielleicht beim nächsten Mal.) Psalmen und Lesung nahmen wir aus der Vesper vom Tag, und ich fand, da passte mal wieder alles perfekt zum Anlass, zur Stimmung und zum Rahmen der Veranstaltung. (Deshalb arbeite ich so gern mit dem Stundenbuch: Immer wieder macht man da die Erfahrung, du brauchst dir gar keine große Mühe zu geben, passende Texte rauszusuchen, die Liturgie hat dir diese Arbeit schon im Voraus abgenommen.) Als weitere Lieder kamen"So hoch der Himmel ist" von Johannes Hartl & Friends, "Du gibst dich mit uns ab" von Mire Buthmann und zum Schluss "Mit jedem Atemzug" von Albert Frey und Christoph Zehender zum Einsatz.
Wenn ich sage, dass an dieser ersten öffentlich angekündigten Lobpreisandacht im Burhaver Bürgerobstgarten der neuapostolische Gemeindevorsteher aus Nordenham mit seiner Familie UND das aktuelle Team der Urlauberkirche in Burhave teilgenommen haben, würde das vermutlich beeindruckender klingen, wenn ich nicht bereits verraten hätte, dass das dieselben Leute sind; aber ermutigend fand ich es doch. Davon abgesehen dürfte unser Tun einigen Leuten aufgefallen sein, die im Bürgerobstgarten mit ihren Hunden spazieren gingen; und gegen Ende der Andacht, als wir schon beim Vaterunser waren, gesellte sich eine alte Dame zu uns, mit der wir anschließend noch ins Gespräch kamen: Sie war zufällig vorbeigekommen und hatte mit wohlwollendem Interesse beobachtet, was wir da machten. Vom Aussehen her hätte ich die Frau auf Mitte bis Ende 70 geschätzt, aber sie erzählte uns, sie sei schon 90 – und "eigentlich evangelisch", aber die katholische Gemeinde in Burhave sei "sehr ökumenisch" ausgerichtet, daher gehe sie oft auch dort zum Gottesdienst. Im Übrigen empfahl sie uns das ökumenische Friedensgebet, das jeden Montagmorgen in der Herz-Mariä-Kirche stattfindet (mit anschließendem Kaffeetrinken und "Klönschnack"); könnte man durchaus mal hingehen, auch wenn es tendenziell mit dem Kinderprogramm im Kirchenzelt kollidiert. Insgesamt war es ein sehr nettes Gespräch – und nebenbei auch ein Indiz dafür, dass die "einfachen Gläubigen" erheblich weniger Berührungsängste gegenüber ungewohnten Ausdrucksformen von Spiritualität haben als die örtlichen Kirchenfunktionäre, geschweige denn Leute, die sich aus ungeklärten Gründen befugt fühlen, im Namen der Kirchengemeinden Butjadingens zu sprechen.
Ob wir nächste Woche zur selben Zeit am selben Ort wieder eine solche Andacht abhalten und/oder was für Aktionen uns sonst noch so einfallen, darüber müssen wir uns noch untereinander beraten; du wirst es auf jeden Fall erfahren, Leser, und ebenso, wie sich die Haltung der Kirchengemeinden Butjadingens zu uns weiter entwickelt. Bis jetzt bin ich jedenfalls rundum zufrieden!
Vor über einem Jahr war auf meinem Blog schon einmal vom St.-Bernhard-Hospital in Brake (Unterweser) die Rede, einem Krankenhaus, das von einer gleichnamigen, 1912 errichteten katholischen Stiftung betrieben wird. Anlass für die Erwähnung dieses Krankenhauses war seinerzeit der Umstand, dass die Krankenhausplanung des Landes Niedersachsen zu diesem Zeitpunkt vorsah, das St.-Bernhard-Hospital zu modernisieren und auszubauen und im Gegenzug die Helios-Klinik im Nordenhamer Ortsteil Esenshamm zu einer "Mini-Klinik" mit nur noch 20 Betten ohne Notfallversorgung herabzustufen – was gravierende Folgen für die medizinische Versorgung in der nördlichen Wesermarsch, gerade in Butjadingen, gehabt hätte, weshalb ein befreundeter Lokalblogger mich bat, meine Reichweite zu nutzen, um auf eine Online-Petition für den Erhalt der Nordenhamer Helios-Klinik hinzuweisen. Wie die Angelegenheit sich seither weiter entwickelt hat, hatte ich nicht verfolgt; umso überraschter war ich, als ich am letzten Donnerstag am Küchentisch meiner Mutter in Nordenham die Kreiszeitung Wesermarsch las und dieser entnahm, dass jetzt das St.-Bernhard-Hospital geschlossen werden soll. Und zwar nicht aufgrund irgendwelcher gesundheitspolitischer Strukturplanungen, sondern weil das Braker Krankenhaus schlichtweg pleite ist. Nun ist es also vorrangig nicht mehr die nördliche, sondern die mittlere Wesermarsch, die ein medizinisches Versorgungsproblem hat, und natürlich schlägt der Fall hohe Wellen. Auch an Schuldzuweisungen in verschiedene Richtungen mangelt es nicht: an Kanzler Merz, die SPD, den Landrat; ein von der SPD unterstützter Bürgermeisterkandidat erregte Aufsehen, indem er den Stadtrat beschuldigte, die Öffentlichkeit schon seit längerer Zeit über die Situation der Klinik belogen zu haben – das Ergebnis war, dass die SPD diesen Bürgermeisterkandidaten jetzt nicht mehr unterstützt. Angesichts des katholischen Hintergrunds der Klinik war es wohl nicht überraschend, dass hier und da auch etwas pauschale Kirchenkritik laut wurde, etwa in Form des folgenden Facebook-Kommentars:
"Ich verstehe nicht warum die katholische Kirche das Krankenhaus so im Stich lässt. Die katholische Kirche hat genug Geld. Für wen ist die Kirche eigentlich zuständig? Ich dachte immer die Kirche hilft den Armen und Kranken. Aber ich hab mich sicherlich getäuscht, die Kirche ist für die Vermehrung ihres Wohlstands zuständig".
Die diffuse Überzeugung, die Kirche habe "genug Geld", die sich hier artikuliert, verbunden mit dem tief sitzenden Vorurteil, sie sei in erster Linie an ihrer eigenen Bereicherung interessiert, ist erkennbar unbeleckt von jeglicher Sachkenntnis darüber oder auch nur Interesse daran, wie Kirchenfinanzen und/oder gar Krankenhausfinanzen organisiert sind. Auf etwas höherem sprachlichen und argumentativen Niveau wiederholt sich diese Kirchenkritik in einem als "Gastbeitrag" – was man wohl als die Luxusedition eines Leserbriefs bezeichnen darf – in der Nordwest-Zeitung veröffentlichten Kommentar mit der Überschrift "Die Kirche muss sich an ihren eigenen Maßstäben messen lassen", verfasst von einem aus Brake stammenden Hamburger Arzt, dessen Vater mal Chefarzt am St.-Bernhard-Hospital war. Das Krankenhaus zu schließen, weil "eine langfristige Fortführung [...] aufgrund der wirtschaftlichen Rahmenbedingungen nicht mehr möglich" sei, könne, so meint der Verfasser, "für einen privaten Krankenhauskonzern nachvollziehbar sein", wirke "jedoch befremdlich", wenn diese Argumentation "von einem katholischen Krankenhausträger vorgetragen wird":
"Die katholische Kirche ist keine gewöhnliche Unternehmensgruppe. Sie verfügt bundesweit und darüber hinaus über erhebliche Vermögenswerte, umfangreichen Grundbesitz und bedeutende finanzielle Ressourcen. Deutsche Bistümer sind wirtschaftlich eigenständig und können grundsätzlich selbst entscheiden, ob sie Einrichtungen unterstützen, die für das Gemeinwohl unverzichtbar sind."
Weiter argumentiert der Verfasser, es stelle sich "die Frage, welchen Zweck starke kirchliche Träger erfüllen, wenn nicht auch den, in außergewöhnlichen Situationen gesellschaftliche Verantwortung zu übernehmen und zeitweise Lasten zu tragen, die sich betriebswirtschaftlich nicht rechnen"; und weiter:
"Wer sich ausdrücklich auf christliche Werte, Nächstenliebe und den Dienst am Menschen beruft, muss sich daran messen lassen, wie diese Werte in schwierigen Zeiten gelebt werden. Wenn ausgerechnet ein kirchlicher Träger erklärt, ein Krankenhaus könne nur bestehen, solange es wirtschaftlich tragfähig ist, stellt sich zwangsläufig die Frage, worin sich sein Handeln noch von dem eines rein profitorientierten Unternehmens unterscheidet."
Ich muss sagen, ich bin ein wenig unschlüssig, was ich von dieser Argumentation halten soll. Grundsätzlich bin ich bei Kritik daran, dass die institutionelle Kirche in vielfacher Hinsicht allzu sehr nach weltlichen Maßstäben agiere, gerne mit im Boot, andererseits frage ich mich: Würde der hier formulierte Anspruch nicht in letzter Konsequenz darauf hinauslaufen, dass die Kirche unter den Bedingungen einer Gesundheitspolitik, die die Krankenhäuser dazu zwingt, wie gewinnorientierte Unternehmen zu agieren, überhaupt keine Krankenhäuser mehr betreiben kann? Das wäre ja nun sicher auch wieder einigen nicht recht.
Der Hl. Bernhard von Clairvaux, Patron zahlreicher Krankenhäuser. (Bildquelle hier.)
Übrigens gehört das St.-Bernhard-Hospital ja nicht schlichtweg "der Kirche", sondern, wie oben schon erwähnt, einer Stiftung. Welche Rolle die institutionelle Kirche bei der Verwaltung des Stiftungsvermögens spielt, und welche kirchliche Verwaltungsebene da konkret zuständig ist, ist mir nicht ganz klar, abgesehen davon, dass der jeweils amtierende Pfarrer von St. Marien Brake den Vorsitz im Stiftungsrat innehat – darauf komme ich gleich noch zurück. In einem Presseartikel der Kreiszeitung ist mir jedenfalls aufgefallen, dass der Landrat des Kreises Wesermarsch angekündigt hat, um "die medizinische Versorgung der Menschen in Brake und der gesamten Region sicherzustellen", wolle er "umgehend das Gespräch mit dem zuständigen Bischof, der Geschäftsführung des Hospitals sowie mit dem Niedersächsischen Ministerium für Soziales, Arbeit, Gesundheit und Gleichstellung" suchen. Also, auffällig daran fand ich, dass der Bischof hier an erster Stelle genannt wird. Und wer ist überhaupt der "zuständige Bischof"? Weiß der Landrat es selber? Ist es Weihbischof Theising in Vechta oder vielleicht doch der frischgebackene neue Bischof von Münster, Heiner Wilmer? Der wird sich bedanken!
In einem anderen Beitrag auf derselben Zeitungsseite erfährt man, dass das St.-Bernhard-Hospital im vorigen Jahr zwar für Ausbau und Erweiterung Fördermittel des Landes Niedersachsen in Höhe von 53 Millionen Euro bewilligt bekommen hatte, allerdings unter der Auflage, dass die Klinik aus eigenen Mitteln weitere 8 Millionen Euro beisteuerte. "Dieses Geld gibt es nicht und gab es auch nie", wird der Geschäftsführer der Klinik zitiert – und da fragt man sich dann doch: Wenn das von vornherein klar war, wieso wurden die Fördermittel dann überhaupt beantragt und bewilligt? Vielleicht verstehe ich da ja etwas falsch, aber für mein Empfinden riecht das ein bisschen nach Betrug. Vielleicht kann ja der eine oder andere Leser etwas zu einem besseren Verständnis dieser Vorgänge beitragen – ich wäre dafür jedenfalls dankbar.
Im Zusammenhang mit der oben schon angesprochenen Tatsache, dass der jeweilige Pfarrer von St. Marien Brake von Amts wegen den Vorsitz im Stiftungsrat der Klinik hat, ist übrigens daran zu erinnern, dass es um die Besetzung dieser Pfarrstelle in den letzten Jahren einige Irrungen ind Wirrungen gab: Wie seinerzeit berichtet, wurde im November 2023 der damalige Braker Pfarrer Wolfgang Schmitz wegen einer umstrittenen Erbschaft vom Bischöflich Münsterschen Offizialat in Vechta von seiner Stelle beurlaubt, die Verhandlungen über die Bedingungen seines Amtsverzichts zogen sich aber noch bis in den Juli 2024 hin. In dieser Zeit wurde die Braker Pfarrei vom damaligen Nordenhamer Pfarrer Karl Jasbinschek als Vicarius substitutus verwaltet; übernahm dieser damit auch den Vorsitz im Stiftungsrat? Ich nehme es an. Mit Wirkung zum 1. August 2024 war die Pfarrstelle in Brake durch Wolfgang Schmitz' Amtsverzicht jedenfalls offiziell vakant, und die Pfarrverwaltung übernahm Ludger Becker, Pfarrer von St. Bonifatius in Varel. Dieser wird in mehreren Presseberichten über das St.-Bernhard-Hospital aus den Jahren 2024/25 als "Kuratoriumsvorsitzender" genannt; er übte dieses Amt auch noch aus, als die Klinik die Fördermillionen vom Land Niedersachsen zugesprochen bekam. Im April 2025 wurde dann bekanntgegeben, dass mit Wirkung zum 1. September Christian Fechtenkötter Pfarrer von St. Marien Brake werden sollte; im August wurden die Arbeiten am Erweiterungsbau der Klinik eingestellt. – Christian Fechtenkötter, der zusammen mit der Pfarrei St. Marien in Brake auch die Pfarrei St. Willehad in Nordenham übernommen hat, ist gelernter Bürokaufmann und war 15 Jahre lang für die Buchhaltung des Benediktinerpriorats Damme zuständig; ich stelle mir gern vor, dass seine Kompetenz in Finanzfragen dazu beigetragen hat, dass das St.-Bernhard-Hospital seine schon seit längerer Zeit desolate Finanzsituation offengelegt hat, statt weiter zu versuchen, sich irgendwie durchzumogeln, aber das ist natürlich spekulativ.
Eine ganz andere Frage ist natürlich, wie die St.-Bernhard-Stiftung eigentlich zukünftig ihren Stiftungszweck – die "Förderung des öffentlichen Gesundheits- und Wohlfahrtswesens" – erfüllen will, wenn es das Krankenhaus nicht mehr gibt. Dazu wurde unlängst eine – von Pfarrer Fechtenkötter namentlich gezeichnete – Erklärung des Stiftungsrats veröffentlicht, in der es heißt, man bleibe "dem Stiftungszweck fest verpflichtet" und es zeichneten sich "bereits konkrete Perspektiven für alternative medizinische Angebote am Standort Brake ab". Was damit konkret gemeint sein könnte, bleibt indes vorläufig unklar. – Ich schätze, es dürfte sich lohnen, an diesem Thema "dranzubleiben"; in diesem Sinne möchte ich abermals an meine Leser appellieren: Wenn ihr irgendwelche Hintergrundinformationen in dieser Angelegenheit habt, schreibt mir gerne was ins Kommentarfeld!