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Samstag, 11. April 2026

Utopie und Alltag 20: Christus ist auferstanden!

Frohes und gesegnetes Osterfest, o Leser! Zwar hat die Social-Media-Abteilung des Bistums Mainz schon am Dienstag die Fake News verbreitet, Ostern sei vorbei, aber wir wissen es besser und feiern durch bis Ende Mai – denn wie sagte doch der Hl. Johannes Paul II.: "Wir sind ein österliches Volk und Halleluja ist unser Lied"! Das schlägt sich natürlich auch in diesem Wochenbriefing deutlich nieder; ein paar Themen, die nicht unbedingt Anlass zum Jubeln geben, gibt es aber auch. Seht selbst! 

Das Grab ist leer, Halleluja!

Triduum 3: Ein Licht in der Nacht 

Am Karsamstag ging meine Liebste mit den Kindern zu einem "Ritterfest" auf dem Gelände der Zitadelle Spandau; da ich ja bekanntlich kein großer Fan von Mittelaltermärkten bin, verzichtete ich darauf, mitzukommen, und kümmerte mich lieber um den Einkauf für die Ostertage, um meinen Blog sowie darum, weitere 50 Flyer für den Alpha-Kurs der EFG The Rock Christuskirche unter die Leute zu bringen. Als wir uns am Abend, rechtzeitig vor der Entzündung des Osterfeuers, vor der Kirche St. Joseph in Siemensstadt trafen, sprudelten die Kinder geradezu über vor Begeisterung über das Ritterfest: Sie hatten Greifvögel – eine Schleiereule und einen Falken – auf die Hand nehmen dürfen (mit Falknerhandschuh, versteht sich), hatten sich schminken lassen und last not least hatte ihre Mami ihnen Trinkhörner gekauft. – Ich schätze, man kann von Glück sagen, dass die Lichtfeier, die den Auftakt der Osternachtliturgie bildete, die Kinder ausreichend in ihren Bann zog, um an Faszination mit den vorangegangenen Eindrücken mithalten zu können. – Unsere Freundin vom JAM ministrierte wieder, und ihr Vater und ihre kleine Schwester setzten sich nach dem Einzug in die Kirche mit uns zusammen in eine Bank. – Im Übrigen kann ich nur wiederholen, was ich schon vor zwei Jahren geschrieben habe, nämlich, "dass ich ein absoluter Fan der Osternacht-Liturgie bin":

"Das Entzünden der Osterkerze und des Weihrauchs am Osterfeuer, den Einzug in die dunkle Kirche, das Exsultet, die vielen Lesungen (wir hatten, wie schon letztes Jahr, fünf Lesungen aus dem Alten Testament; wer bietet mehr?), das pompöse Gloria, die Weihe des Taufwassers... Diese Feier ist wirklich in mehr als einer Hinsicht der Höhepunkt des Kirchenjahres." 

Die Taufwasserweihe nahm ich zum Anlass, mich mit meiner Großen einige Reihen weiter nach vorn zu setzen, wo, worauf der Pfarrvikar hingewiesen hatte, zahlreiche Plätze frei waren; bezogen auf meine Hoffnung, das Tochterkind werde das liturgische Geschehen aus größerer Nähe aufmerksamer und konzentrierter verfolgen, war das Ergebnis dieses Platzwechsels indes eher tragikomisch, da die kleine Schwester der Ministrantin uns nach vorn folgte und unaufhörlich plapperte, aber irgendwie war das ja auch ganz süß. Unser Jüngster schlief derweil mit dem Kopf auf der Kirchenbank ein.

Taufen gab es im Rahmen des Osternachtgottesdienstes in St. Joseph Siemensstadt übrigens keine – dafür aber, wie der Pfarrvikar erwähnte, drei in der Osternachtfeier in St. Marien am Behnitz und zwei weitere am Ostersonntag in St. Joseph –, wohl aber eine Konversion einschließlich Firmung. Wie ich auf dem Heimweg via Instagram erfuhr, war auch in St. Willehad Nordenham in der von Pastor Kenkel zelebrierten Osternacht eine Frau konvertiert und gefirmt worden. Willkommen zu Hause!

Über die Predigt wäre natürlich auch noch etwas zu sagen, auch wenn ich gleich vorweg feststellen muss, dass ich von diesem Priester schon bessere gehört habe; aber das ist ja auch eine ziemlich hohe Messlatte, jedenfalls im Vergleich zu vielen anderen Predigern, die ich in meinem Leben schon gehört habe. – Wie dem auch sei: Ein zentraler Satz, der in der Predigt mehrmals fiel, lautete "Glaube ist kein Gefühl, sondern Beziehung mit Jesus Christus." In diesem Zusammenhang wies der Pfarrvikar auch darauf hin, dass im Ritus der Erwachsenentaufe die Taufbewerber gefragt werden "Was erbittest du von der Kirche?", und die Antwort darauf lautet "Den Glauben". Das heißt, im Unterschied etwa zum Verständnis evangelikaler Freikirchen ist der Glaube nicht etwas, das der Einzelne sozusagen selbst mitbringen muss, um die Taufe empfangen zu können, sondern vielmehr etwas, das er in der Taufe von der Kirche empfängt. Der Glaube der Kirche geht dem des Einzelnen voraus, und dieser ist dazu aufgerufen, ihn anzunehmen (vgl. den Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1124). "Gerade an den Taufbewerbern sieht man, dass Christus lebendig ist und die Menschen sucht und zum Leben führt", fügte der Pfarrvikar hinzu. "Das hat Er auch mit jedem von uns gemacht, nur haben wir das oft vergessen."

Sehr eindrucksvoll war auch die musikalische Gestaltung der Feier durch Pfarreikirchenmusiker Toralf Hildebrandt, der zunächst das Exsultet und die Zwischengesänge nach den Lesungen intonierte und dann, ab dem Gloria, an der Orgel saß und ordentlich in die Tasten haute. Sogar der Pfarrvikar merkte zu Beginn der Predigt an, nach dem vorangegangenen "musikalischen Erdbeben" – nämlich dem Orgelnachspiel zum feuerlichen Halleluja –traue er sich fast gar nicht mehr, noch etwas zu sagen. 


Kein Ostern ohne Eier

Nachdem wir erst nach Mitternacht nach Hause und ins Bett gekommen waren, mussten insbesondere die Kinder am Sonntag erst einmal gründlich ausschlafen; aber danach stand das an, was ich gern die "säkulare Observanz des Osterfests" nenne – derjenige Teil von Ostern, der mehr mit Schokoladenhasen und bunten Eiern zu tun hat als mit der Auferstehung Christi. Ab dem frühen Nachmittag waren wir zu diesem Zweck bei meinen Schwiegermüttern eingeladen, zusammen mit der Cousine meiner Liebsten und ihrem Sohn, der am selben Tag geboren ist wie unser Jüngster. Es gab eine Ostereiersuche im Garten, ein paar kleine Geschenke und ein sehr leckeres Abendessen. 

Die Ohren des Osterhasen bilden ein "Victory"-Zeichen, anlässlich des Sieges über den Tod. Okay, ehrlich gesagt ist dies nur ein Gartenhandschuh.

Am Ostermontag gingen wir dann ins Labyrinth Kindermuseum in der Osloer Straße, wo wir uns mit der Mutter einer Schulfreundin unserer Großen verabredet hatten; diese Schulfreundin hat auch einen kleinen Bruder, der ungefähr im Alter unseres Jüngsten ist, das passte also gut. Ich selbst hatte zunächst den Eindruck, für mich sei das Kindermuseum eher ein Kopfschmerzmuseum, aber nach einer Weile hatte ich mich einigermaßen akklimatisiert und konnte durchaus würdigen, was den Kindern da so alles geboten wird. 

Hier eine thematische Übersicht.

Als besondere Attraktion kam an diesem Ostermontag übrigens der Osterhase ins Kindermuseum, und ich muss sagen, ich fand es in gewissem Sinne unfreiwillig komisch, dass eine Einrichtung, die sich offensichtlich ein an modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen über Gehirnentwicklung orientiertes Konzept frühkindlicher Bildung auf die Fahnen geschrieben hat, gleichzeitig einem solchen Aberglauben huldigt. Na ja, Dialektik der Aufklärung, sach ich ma'. 

Übrigens, da wir gerade über die säkulare Observanz des Osterfests sprechen, möchte ich es nicht versäumen, auf zwei Artikel des Satiremagazins Der Postillon einzugehen, die zwar schon älter sind, aber aus jahreszeitlichem Anlass wiederveröffentlicht bzw. erneut in den Sozialen Medien verbreitet wurden. "Woke-Wahnsinn: Millionen Deutsche verehren anstelle des Osterhasen einen langhaarigen Hippie aus Nahost" hieß der Postillon-Oster-Artikel von 2025; darin wird beklagt, dass "ein Wanderprediger und antikapitalistischer Aktivist unseren geliebten Osterhasen ersetzen" solle: 

"Dabei handelt es sich bei 'Jesus Christus', wie der woke Osterhasen-Ersatz genannt wird, um einen rechtmäßig verurteilten Straftäter, der angeblich einst als Langzeitarbeitsloser vagabundierend durch die Gegend zog" – 

und dies als "ewige[r] Junggeselle [...] in inniger Gemeinschaft mit 12 Männern". Weiter heißt es "Aufsehen erregte er durch seine Freundschaften mit Prostituierten sowie wilde Randale im Stadtzentrum von Jerusalem", und schließlich: "Zur Krönung des Irrsinns soll 'Jesus' laut seinen Fans typische Gutmenschenwerte wie Toleranz, Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe vertreten". Fazit: "Dieser Jesus ist durch und durch woke. Der passt [...] zum linksgrünen Establishment!" – Lustig? Nun ja: Auf 'ne Art. Während die offenkundige Intention des Artikels darin besteht, die rechtspopulistische Empörungskultur auf die Schippe zu nehmen, kann man ihn durchaus auch als treffende Karikatur des einseitig verzerrten Jesusbildes der PUU-Fraktion lesen. – Härteren Tobak hat der Postillon-Karfreitags-Artikel von 2013 zu bieten: "Folter, Kreuzigung, Kannibalismus: Gaga-Sekte feiert bizarres Splatter-Ritual". Da liest man dann beispielsweise, "eine obskure Kultvereinigung" feiere am Karfreitag "den blutigen Foltertod eines unschuldigen Menschen" – und das "[m]itten in Deutschland". Und "[d]amit nicht genug: Während der Splatter-Messe der Gruftie-Kirche behaupten die Gläubigen, das Blut des Opfers zu trinken, ja sogar, seinen Körper zu essen." – Was ich an diesem Artikel tendenziell interessanter finde als an dem anderen, ist der Umstand, dass das Christentum hier als zutiefst Fremdes und Befremdliches dargestellt wird – wobei man natürlich bedenken muss, dass der Witz als Witz nur funktioniert, weil und insofern der Leser einordnen kann, wovon da die Rede ist; der Witz setzt bei seinem Publikum eine zumindest oberflächliche und konventionelle Kenntnis christlicher Rituale voraus. Gleichzeitig präsentiert er aber das vermeintlich Bekannte in einem zutiefst fremden Licht – und das halte ich zumindest potentiell für etwas Gutes: Dem Leser wird bewusst gemacht, dass es da etwas gibt, was er nicht versteht, und das ist allemal besser, als wenn das Christentum lediglich unter dem Blickwinkel "Kenn ich schon, ist langweilig, brauch ich nicht" betrachtet würde. Zugespitzt gesagt, ein Christentum, das dem Mainstream der säkularen Gesellschaft als "Gaga-Sekte" und "obskure Kultvereinigung" erscheint, hat im Zweifel mehr missionarisches Potential als die undogmatisch-niederschwellige "seid nett zueinander"- Variante, die den Menschen ja letztlich nichts zu bieten hat, was sie nicht auch ohne den Glauben an Gott und an Jesus Christus haben könnten. – Letzten Endes laufen meine Gedanken hierzu natürlich wieder auf die schon öfter geäußerte Überzeugung hinaus, gerade die katholische Kirche sollte das, was an ihren Traditionen sperrig, schwer verständlich, "unzeitgemäß" oder schlichtweg weird erscheint, nicht als Ballast betrachten, den sie loszuwerden bestrebt sein müsste, sondern vielmehr als einen großen Schatz. Ich denke da zum Beispiel an so ein Meme, wo ein evangelikaler Megachurch-Anhänger sagt "Du musst mal in unsere Kirche kommen, wir haben echt motivierende und aufbauende Predigten, eine tolle Lobpreisband und eine Espressobar im Foyer", und ein Katholik erwidert ungerührt "Wir haben den Schädel von Maria Magdalena". 


Aus dem Reich der (geistlich) Toten 

Was war jetzt eigentlich mit dem "Pfarramtlichen Zeugnis", das ich noch für meine Bewerbungsunterlagen brauchte? Nun, das ist endlich doch bei mir eingetroffen, am Dienstag der Osteroktav und mithin eine Woche nach Ablauf der Bewerbungsfrist, in einem gebrauchten Briefumschlag. Bei unserer persönlichen Begegnung in der Woche vor Palmsonntag hatte der Pfarrer von St. Klara Reinickendorf-Süd ja bereits angemerkt, dass er mir kein durchweg positives Zeugnis ausstellen könne, könne ich mir ja wohl denken, und das stimmte auch; von der Mühe, die er sich beim Verfassen dieses Zeugnisses mit den Formulierungen gegeben haben will, merkt man hingegen nicht viel – aber ich will dem Urteil meiner Leser nicht vorgreifen. 

Symbolbild, aufgenommen während einer Predigt im Oktober 2018.

"Herr Tobias Klein [...] ist mir seit etwa 2017 bekannt, als er nach Tegel zog. [...] Er ist ein überzeugter Katholik, der seinen Glauben bewusst leben möchte." 

Geht ja erst mal ganz gut los, könnte man meinen; aber tatsächlich verweist der zuletzt zitierte Satz bereits auf den Kern des Problems, den er mit mir hatte (und ich mit ihm). 

"Er brachte sich mit Ideen in die Pastoral ein und gründete ein Treffen für Junge Erwachsene ('Mittwochsclub') und dann für junge Familien ('Krabbel-Brunch')." 

Dass der Pfarrer von all dem, was meine Liebste und ich in Herz Jesu Tegel so veranstaltet haben, an dieser Stelle nur die – oberflächlich betrachtet – eher "geselligkeitsorientierten" Veranstaltungsformate erwähnt, ist vermutlich nicht ganz zufällig; nebenbei bemerkt war das "Dinner mit Gott", das der Pfarrer hier unter der Bezeichnung "Mittwochsclub" meint, durchaus nicht als "Treffen für Junge Erwachsene" konzipiert, sondern als zielgruppenübergreifendes Begegnungsangebot, aber so etwas ist im post-volkskirchlichen Normalbetrieb wohl schlichtweg nicht vorgesehen. Egal, auf den unvoreingenommenen Betrachter dürfte dieser Satz des Zeugnisses wohl eher positiv wirken, also will ich mich mal nicht beklagen. 

"Dabei bringt er seine eigenen Frömmigkeitsvorstellungen deutlich ein." 

Merken wir uns diesen Satz. Darauf, inwieweit er aus Sicht des Pfarrers als Vorwurf gemeint ist, komme ich noch zurück, aber sich im Detail damit auseinanderzusetzen, wäre vielleicht eher Stoff für einen eigenständigen Artikel. 

"Er kandidierte 2019 für den damaligen Pfarrgemeinderat Herz Jesu/Tegel. Wir hatten nur so viele Kandidaten, wie zu wählen waren, und er wurde mit der mit Abstand geringsten Stimmenzahl gewählt." 

Sagen wir, das deckt sich nicht ganz mit meinen Erinnerungen. Zunächst mal gab es nicht "so viele Kandidaten, wie zu wählen waren", sondern zwei weniger; was das "mit Abstand" schlechteste Wahlergebnis angeht, würde ich sagen, das relativiert sich angesichts der notorisch niedrigen Wahlbeteiligung: Meiner Erinnerung zufolge hat von den Gemeindemitgliedern, die an der Wahl teilgenommen haben, rund ein Drittel für mich gestimmt, das finde ich jetzt nicht sooo schlecht. Die grundsätzlichere Frage lautet indes: Was spielt das überhaupt für eine Rolle? Warum ist es im Kontext dieses Zeugnisses erwähnenswert? Der nächste Satz gibt diesbezüglich einen Fingerzeig: 

"Ich weiß von einigen Gemeindemitgliedern, die ihn kannten, dass sie ihn bewusst nicht gewählt haben." 

Das würde ich ja nun für einen völlig normalen und im Grunde selbstverständlichen Vorgang halten. Oder sollte man es etwa als normal und erwartungsgemäß betrachten, dass die Wähler bei Pfarrgemeinderatswahlen für alle zur Wahl stehenden Kandidaten stimmen? Klingt für mich ein bisschen DDR-mäßig, dabei lag Tegel doch in Westberlin

"Nach der konstituierenden Sitzung tat er in seinem Internet-Blog seine Unzufriedenheit mit dieser Sitzung sehr deutlich kund." 

Link gefällig? Bittesehr! Im Übrigen finde ich ja, dass die Bezeichnung "Internet-Blog" einen ähnlichen Charme hat wie "Haarfrisur" oder "Jeanshose". Aber mal weiter: 

"Weil ihm unser Pfarrbrief nicht gefiel, veröffentlichte er einige Monate lang einen eigenen Pfarrbrief, um ihn bei uns auszulegen, was Pastoralteam und Pfarrgemeinderat allerdings ablehnten." 

Ich würde ja sagen, dass der Kausalsatz "Weil ihm unser [!] Pfarrbrief nicht gefiel" den tatsächlichen Sachverhalt arg übersimplifiziert; davon abgesehen habe ich sowohl aus dem Pastoralteam als auch aus dem Pfarrgemeinderat durchaus auch positives Feedback zu den "Lebendigen Steinen" bekommen. Aber lassen wir das alles mal beiseite und fragen uns: Wie wird dieser Absatz wohl auf einen unvoreingenommenen Betrachter wirken? "Da hat also jemand in eigener Regie einen alternativen Pfarrbrief herausgegeben, über mehrere Monate und auf eigene Kosten? Der muss ja ganz schön was drauf haben! Was mag da wohl schief gelaufen sein, dass die Pfarrei es nicht geschafft hat, einen so kompetenten und engagierten Mitarbeiter sinnvoll einzubinden?" 

"Auch andere Schriften legte er ungefragt aus." 

Potzblitz und dreimal sapperlot! 

"Als er merkte, dass sein Engagement und seine Spiritualität nicht mehrheitsfähig waren, zog er sich aus unserer Gemeinde zurück und ist nun in einer Nachbargemeinde aktiv."  einer Nachbargemeinde aktiv." 

Und da wird sein Engagement offenbar mehr geschätzt. Komisch, nicht? – Vielsagend ist auch die Formulierung "nicht mehrheitsfähig"; darauf komme ich gleich noch zurück, ebenso wie auf das Stichwort "Spiritualität", in dem erneut die weiter oben angesprochenen "eigenen Frömmigkeitsvorstellungen" anklingen. Erst mal weiter: 

"Er wird sicherlich Menschen finden, die seine Art anspricht." 

Ja, das glaube ich auch. 

"Ich habe aktuell allerdings Zweifel, ob er das vielfältige Miteinander in einer Pfarrei gut begleiten kann." 

Vielfältiges Miteinander, aha, so so. Hier sind wir zu guter Letzt an dem Punkt angekommen, der eigentlich einen eigenen Artikel verdient: Es war schon immer ein bevorzugtes Narrativ des Pfarrers, dass er als Pfarrer die "Vielfalt der Gemeinde" im Blick habe, während ich nur meine eigenen Vorstellungen durchsetzen wolle. Ich habe mich da immer gefragt, was das denn bitte für eine Vielfalt sein soll, wenn das Klima in der Gemeinde geprägt ist vom fragilen Waffenstillstand zwischen einer "volkskirchlich konservativen" Basis und einem eher liberalen Team von Haupt- und Ehrenamtlichen und alles, was in dieser Gemengelage "nicht mehrheitsfähig" ist, in die Ecke gedrängt wird, bis es quietscht. Was demgegenüber meine eigenen Vorstellungen angeht, hatte ich immer das Gefühl, der Pfarrer verüble es mir in erster Linie, dass ich überhaupt welche habe – während seine eigene Position eher von Mangel an Überzeugung geprägt ist. Mein Standpunkt in dieser Sache war übrigens stets, so "eigen" seien meine Vorstellungen gar nicht, sondern einfach nur katholisch. Besonders deutlich wurde dies im Konflikt um die "Lebendigen Steine", die mir der Pfarrer, wie man gesehen hat, ja immer noch schwer verübelt. Auf seinen Vorwurf, "die Zeitschrift 'Lebendige Steine' sei Ausdruck einer spezifischen Spiritualität (nämlich meiner)", antwortete ich seinerzeit – im Juli 2021 – in einer Mail, die ich glücklicherweise aufgehoben habe, wie folgt: 

"Jede Ausgabe der "Lebendigen Steine" enthält in nicht geringem Umfang Auszüge aus dem Katechismus bzw. YOUCAT, aus Dokumenten des kirchlichen Lehramts oder aus den Werken von Heiligen; mein wichtigstes (meistgenutztes) Hilfsmittel für die redaktionelle Arbeit ist das Lektionar zum Stundenbuch. Sicher ist es nicht ganz auszuschließen, dass bei der redaktionellen Auswahl dieser Texte eine gewisse Tendenz sichtbar wird, aber ich würde doch behaupten, dass diese Inhalte "katholisch" im besten Sinne des Wortes sind. Demgegenüber sind die von meiner Frau und mir selbst verfassten Beiträge sicherlich subjektiver gefärbt, aber auch da sehe ich eigentlich nicht, wieso das problematisch sein sollte [...]. Wenn Sie gegen konkrete Inhalte der bisher erschienenen Ausgaben der 'Lebendigen Steine' konkrete theologisch oder pastoral begründete Einwände haben, dann wäre ich sehr interessiert, diese zu erfahren." 

Darauf erfolgte charakteristischerweise keine Antwort. Hingegen hat der Pfarrer mir gegenüber wiederholt – zuletzt noch bei unserer Begegnung in der Woche vor Palmsonntag – betont, dass er grundsätzlich für Vieles offen sei, erkenne man ja auch daran, dass er meine Liebste und mich unsere Angebote in der Gemeinde habe machen lassen. Ich glaube, er meint das ernst: Er denkt wirklich, als Pfarrer verdiene er Anerkennung und Lob dafür, dass er ehrenamtliches Engagement zulässt und nicht aktiv unterbindet

Unterm Strich bleibt, wenn man alle unwahren Behauptungen, alle in erkennbar boshafter Absicht verzerrt dargestellten Sachverhalte und alles schlichtweg Irrelevante abzieht, von diesem "Zeugnis" nicht allzu viel übrig; aber zwischen den Zeilen ergibt sich doch deutlich genug das Bild einer Gemeinde, in der jemand, der neue Impulse zu setzen versucht, als Störenfried wahrgenommen wird, und eines Pfarrers, der sich in diesem Konflikt teils aus Opportunismus – einfach um seine Ruhe zu haben – und teils aus eigener Abneigung gegen neue Impulse auf die Seite der Alteingesessenen in der Gemeinde schlägt. Dabei erscheint es mir ausgesprochen bezeichnend für diesen Geistlichen, dass er offenbar nicht auf die Idee kommt, dieses Schreiben könnte ein erheblich schlechteres Licht auf ihn selbst werfen als auf mich. Nun, wie neulich schon mal angemerkt, im Erzbischöflichen Ordinariat kennen sie ihn ja auch und werden seine Äußerungen einzuordnen wissen. Ein bisschen erinnert mich das Ganze übrigens an eine Anekdote über den 99. Erzbischof von Canterbury, Geoffrey Fisher: Als dieser 1961 in den Ruhestand trat, oblag es dem Premierminister – damals Harold Macmillan –, seinen Nachfolger zu bestimmen, aber es war üblich, dass der scheidende Erzbischof den Premierminister bei der Auswahl seines Nachfolgers beriet. Fisher riet Macmillan nun entschieden davon ab, den damaligen Erzbischof von York, Michael Ramsey, auf den ranghöchsten Bischofssitz der Anglikanischen Kirche zu berufen, und versuchte seinem Urteil mit dem Hinweis Nachdruck zu verleihen, er kenne Ramsey, da er dessen Schulleiter an der renommierten Privatschule Repton gewesen sei. Premierminister Macmillan erwiderte darauf "Sie waren vielleicht Ramseys Schulleiter, aber nicht meiner" – und berief Ramsey. 


Leafletting-Fazit

Die 300 Flyer für den Alpha-Kurs in Haselhorst, die ich mir zu verteilen vorgenommen hatte, bin ich bis zum Redaktionsschluss fast vollständig losgeworden; die letzten sechs wollte ich heute eigentlich bei der Gemeinde auf dem Weg (auf dem "Rumpelberg") auslegen, habe dort aber erfahren, dass diese Gemeinde selbst einen Alpha-Kurs veranstaltet, im selben Zeitraum, lediglich donnerstags, während der in Haselhorst montags stattfindet. – Insgesamt würde ich meine Flyerverteilaktion jedenfalls als Erfolg betrachten; daher hier einige Erfahrungswerte zu Nutz und Frommen derjenigen Leser, die vielleicht auch mal solche Werbeaktionen unternehmen möchten: 

  • Die besten Chancen hat man meiner Erfahrung nach bei kleinen, selbständigen Geschäften bzw. Lokalen, in denen der Inhaber selbst am Tresen steht. ("Klein" bezieht sich hier eher auf die Unternehmensgröße als auf die Ladenfläche, denn Platz brauchen die Läden natürlich schon, um Flyer auslegen zu können.) Schlecht sind die Aussichten hingegen bei Filialen größerer Ketten, denn da haben die Mitarbeiter oft Anweisung "von oben", keinerlei Werbematerial zu akzeptieren. Allerdings gibt es bei Supermärkten wie Edeka und REWE häufig "Schwarze Bretter", an denen Kunden private Kleinanzeigen o.ä. hinterlassen können, und diese kann man i.d.R. auch für Flyer nutzen. 
  • Den meisten Ladenbetreibern bzw. –mitarbeitern ist es egal, wofür man wirbt: Entweder akzeptieren sie die Flyer unbesehen oder sie lehnen sie genauso unbesehen ab. Kommen doch Nachfragen, habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, zu betonen, es handle sich um eine nichtkommerzielle, will sagen: kostenlose Veranstaltung. Ein einziges Mal, nämlich bei einem Kindercafé unweit des U-Bahnhofs Alt-Tegel, habe ich es erlebt, dass die Alpha-Kurs-Flyer explizit deshalb zurückgewiesen wurden, weil es sich um "etwas Christliches" handelte. Ich nehme mal an, dass das auch in mehreren anderen Fällen der Grund dafür war, dass mir nach einem prüfenden Blick auf den Flyer beschieden wurde "Nee, das wollen wir hier nicht"; aber ausdrücklich gesagt wurde es mir nur in diesem einen Fall. 

Anekdotisch möchte ich hier noch erwähnen, dass ich auf einer meiner Leafletting-Touren ein kroatisches Restaurant betrat und dort die Chefin mit ihrem Laptop an einem Tisch sitzend antraf – wahrscheinlich machte sie gerade Buchhaltung oder sowas –, und das Laptop-Gehäuse war über und über mit Marienbildern bepflastert. Leider gehörte diese Wirtin zu denen, die das Auslegen von Flyern in ihrem Lokal pauschal ablehnte, ohne auch nur einen Blick darauf zu werfen; denn es hätte mich doch sehr interessiert, ob sie es gut gefunden hätte, dass es sich um "etwas Christliches" handelte, oder gerade nicht, weil es um eine Veranstaltung in einer freikirchlichen Gemeinde ging. Was mich nun wiederum darauf bringt, dass ich mich nach meinem vorigen Wochenbriefing durchaus darauf gefasst gemacht hatte, aus den Reihen meiner Blogleser Kritik daran zu ernten, dass ich auch in mehreren katholischen Kirchen Flyer für diese Veranstaltung einer freikirchlichen Gemeinde ausgelegt habe. Kommentare dieses Inhalts sind bei mir zwar (bisher) nicht bei mir eingegangen, aber ich schätze, das schließt nicht aus, dass der eine oder andere Leser im Stillen etwas derartiges denkt. Wozu ich darauf verweisen möchte, dass der Alpha-Kurs überkonfessionell angelegt ist. Entwickelt wurde das Konzept in einer anglikanischen Gemeinde; in meiner alten Heimat Butjadingen veranstaltet der katholische Pastor (so die ortsübliche Amtsbezeichnung; anderswo würde man "Pfarrvikar" sagen) Alphakurse und stößt damit offenbar auf große Nachfrage. Sicherlich liegt die Annahme nicht fern, dass die jeweiligen Veranstalter den Alphakurs auch zur Mitgliederwerbung für ihre eigene Gemeinde nutzen wollen, aber vorrangig geht es in diesem Kurs darum, die Teilnehmer überhaupt mit Grundfragen des christlichen Glaubens in Kontakt zu bringen; und unter diesem Aspekt denke ich mir: Wer selbst keinen Alpha-Kurs anbietet, sollte sich nicht beschweren, wenn jemand anderes es tut. Wobei: Selber nichts machen wollen, es aber zugleich (und in gewissem Sinne gerade deswegen) anderen zu verübeln, wenn sie etwas machen, ist ja beispielsweise – siehe oben – für den Pfarrer von St. Klara Reinickendorf-Süd ausgesprochen typisch, und man muss wohl davon ausgehen, dass er mit dieser Einstellung nicht ganz allein dasteht. Na, ich will nicht wieder davon anfangen. 


Kurz notiert 

  • Nach dem altersbedingten Rücktritt von Erzbischof Nikola Eterović hat Papst Leo einen neuen Nuntius für Deutschland ernannt: Erzbischof Hubertus van Megen, 64, hat bereits eine längere Karriere im Diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls hinter sich; unter anderem war er schon Nuntius im Sudan, im Südsudan und in Eritrea. Mit Krisengebieten hat er also Erfahrung. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Der christliche Glaube steht und fällt mit der Wahrheit des Zeugnisses, dass Christus von den Toten auferstanden ist. Wenn man dies wegnimmt, dann kann man aus der christlichen Überlieferung zwar immer noch eine Reihe bedenkenswerter Vorstellungen über Gott und den Menschen, über dessen Sein und Sollen zusammenfügen – eine Art von religiöser Weltanschauung –, aber der christliche Glaube ist tot. Dann war Jesus eine religiöse Persönlichkeit, die gescheitert ist; die auch in ihrem Scheitern groß bleibt, uns zum Nachdenken zwingen kann. Aber er bleibt dann im rein Menschlichen, und seine Autorität reicht so weit, wie uns seine Botschaft einsichtig ist. Er ist kein Maßstab mehr; der Maßstab ist dann nur noch unser eigenes Urteil, das von seinem Erbe auswählt, was uns hilfreich erscheint. Und das bedeutet: Dann sind wir alleingelassen. Unser eigenes Urteil ist die letzte Instanz. Nur wenn Jesus auferstanden ist, ist wirklich Neues geschehen, das die Welt und die Situation des Menschen verändert. Dann wird er der Maßstab, auf den wir uns verlassen können. Denn dann hat Gott sich wirklich gezeigt. 

(Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Bd. II) 


Ohrwurm der Woche 

The Zombies: Time of the Season 

Vor einiger Zeit entdeckte ich auf YouTube ein Video, das sich als eine Hitliste "in Vergessenheit geratener" 60er-Jahre-Bands präsentierte – was man indes nicht so wörtlich nehmen sollte, denn da waren auch so bedeutende Gruppen wie die Yardbirds, die Animals und die Hollies dabei; "Bands aus den 60ern, die heute nicht mehr ganz so bekannt sind wie die Beatles, die Rolling Stones oder die Beach Boys" wäre eine zutreffendere Bezeichnung gewesen. Jedenfalls landeten auf Platz 1 dieser Hitliste die Zombies – vorrangig dank ihres Psychedelic-Pop-Juwels "Time of the Season", das betrüblicherweise erst veröffentlicht wurde, als die Band sich bereits aufgelöst hatte (1968). Als ich die besagte YouTube-Doku sah, war allerdings noch tiefster Winter, sonst hätte ich diesen Song eventuell schon früher zum Ohrwurm der Woche erkoren. Aber so allmählich passt er zum Wetter...


Vorschau/Ausblick 

Heute haben Frau und Kinder einen Ausflug in den Zoo unternommen und ich hatte sozusagen "frei", abgesehen von häuslichen Verpflichtungen wie Wochenendeinkauf und Kaffeemaschine entkalken. Morgen ist Weißer Sonntag bzw. Barmherzigkeitssonntag, da werden wir wohl wieder "ganz normal" in St. Joseph Siemensstadt in die Messe gehen; und dann gehen Schule, Arbeit und KiTa wieder los (wenn ich richtig gezählt habe, sind es 58 Arbeitstage bis zu den Sommerferien). Am Montag beginnt in der EFG The Rock Christuskirche der Alpha-Kurs, für den ich so kräftig die Werbetrommel gerührt habe. Dabei sein werde ich zwar nicht, sondern unterstütze die Veranstaltung lediglich indirekt, indem ich meine Kinder allein ins Bett bringe; aber umso gespannter bin ich, was meine Liebste hinterher zu berichten haben wird. Am Dienstag findet in der Gemeinde auf dem Weg – auf dem "Rumpelberg", wie wir immer gern sagen – eine Veranstaltung unter dem Motto "Unmöglich ist keine Option" statt, mit Ben Fitzgerald von "Awakening Europe" als einem der Hauptredner. An Ben Fitzgerald habe ich sehr positive Erinnerungen von meiner ersten MEHR-Konferenz im Januar 2017; nebenbei bemerkt wird er zehnmal in Maria Hinsenkamps Dissertation "Visionen eines neuen Christentums" erwähnt und kann somit wohl als namhafter Vertreter der "KiNC"-Bewegung gelten. Am Mittwoch ist wohl wieder JAM; am Donnerstag hat meine Tochter Namenstag, in welcher Form wir diesen begehen werden, ist aber noch nicht ganz klar. Irgendwann in der kommenden Woche müsste man außerdem wohl eine Vorbesprechung für den nächsten KiWoGo (am Dreifaltigkeitssonntag!) einplanen, aber vielleicht kann man das auch per Mail oder Zoom erledigen. – Und am nächsten Samstag findet mal wieder ziemlich viel auf einmal statt: Die KPE-Wölflinge in Schöneberg haben ihr erstes Meutentreffen nach den Ferien, und da es insgesamt nur noch vier Treffen vor dem Frühlingslager sind, möchte ich gern, dass meine Tochter da hingeht; allerdings kann ich sie nicht hinbringen, da ich zu einem Männereinkehrtag im Kloster Neuzelle gehen will (das habe ich zuletzt vor sechs Jahren gemacht, unmittelbar vor dem ersten Corona-Lockdown). Gleichzeitig ist der Jüngste zum Geburtstag eines Freundes eingeladen (den er letztes Jahr beim Kinderfasching kennengelernt hat). Da müssen wir mal schauen, wie wir das alles unter einen Hut kriegen... 


Samstag, 4. April 2026

Utopie und Alltag 19: Im Epizentrum der Passion

Gesegneten Karsamstag, Freunde! Wie schon im den vergangenen Jahren ist das Wochenbriefing aus der Karwoche wieder recht umfangreich und, wie ich hoffe, gehaltvoll geworden; daher spare ich mir eine längere Vorrede und beginne lieber mit einem schönen Bild: 

Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß Seiner Mutter gelegt – Kreuzwegstation aus St. Matthias am Winterfeldtplatz.

Wieder Palmsonntag auf dem Achorhof 

Eins vorweg: Wer vielleicht darauf gehofft hat, der erste thematische Abschnitt dieses Wochenbriefings würde einem Besuch der Community Networking Night im Baumhaus gewidmet sein, den muss ich leider enttäuschen, denn ich war nicht da. Der Samstag vor Palmsonntag war in der Hauptsache davon geprägt, dass eine alte Freundin meiner Liebsten vorbeikam, um dabei zu helfen, in der Abstellkammer unter der Treppe (dem "Harry-Potter-Zimmer", wie wir es gern nennen) eine Kindergarderobe einzurichten, um im eigentlichen Kinderzimmer Platz für die angestrebte Umgestaltung zu schaffen. 

Hier ein partieller Eindruck vom Ergebnis.

Mein eigener Anteil an dieser Arbeit beschränkte sich zwar weitgehend darauf, Müll rauszutragen und aussortierte Kinderkleidung zum Altkleidercontainer des Kolpingwerks zu bringen, aber trotzdem war ich am Ende des Tages ziemlich geschafft – wozu es sicherlich auch beitrug, dass ich einen ziemlichen Schnupfen hatte. Das Wetter am Abend lud auch nicht gerade dazu ein, noch einmal rauszugehen, also blieben wir lieber alle zu Hause – zumal wir ja für den nächsten Tag einen größeren Ausflug geplant hatten, nämlich zum Achorhof, wo wir wie schon im Vorjahr den Palmsonntag feiern wollten. 

Erst einmal schliefen wir am Sonntag aber aus und frühstückten ausgiebig, ehe wir uns gegen Mittag mit S-Bahn und Regionalbahn auf den Weg nach Thyrow machten – von wo aus wir noch eine knapp drei Kilometer lange Fußwanderung zum Achorhof zurückzulegen hatten, größtenteils über Feldwege. Laut Google Maps gäbe es auch eine Busverbindung, aber ich finde, die Fußwanderung ist an sich schon ein unverzichtbarer Bestandteil des Erlebnisses. Übrigens kamen wir auf dem Weg, zum Entzücken der Kinder, an einer Weide mit Schottischen Hochlandrindern vorbei. 


Als wir auf dem Hof ankamen, saßen die bereits vor uns angekommenen Gäste gerade beim Mittagessen (Suppe und Brot), und für uns war auch noch etwas übrig. Der Generalvikar des Erzbistums Berlin, Pater Manfred Kollig SSCC, war auch bereits zugegen. Ich hatte ja bereits angedeutet, dass ich die Tatsache, dass er die Palmsonntags-Messe auf dem Achorhof zelebrierte, mit eher gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen hatte; und das hatte wesentlich mit seiner Haltung zum Synodalen Weg zu tun. Ich erinnere mich noch gut an einen Pressetermin anlässlich der Vorstellung der Ergebnisse der berüchtigten MHG-Studie, bei dem der Generalvikar mahnte, man dürfe das Thema Missbrauch nicht zum Vorwand nehmen, die Lehre der Kirche verändern zu wollen. Gar nicht mal so viel später stand sein Name dann zusammen mit denen von neun weiteren Generalvikaren unter einem Positionspapier, in dem gefordert wurde, der Synodale Weg solle eine "grundlegende Reform der Kirche" auf den Weg bringen. Diese Kehrtwende hat seinem Ansehen bei mir nachhaltig geschadet, so sehr er sich bei einer Diskussionsveranstaltung in Falkensee auch bemühen mochte, die Beschlüsse des Synodalen Weges als in Einklang mit der kirchlichen Lehre stehend zu interpretieren. Und dann war da noch ein Leitartikel in der vom Erzbistum Berlin herausgegebenen Broschüre "Auf dem Weg – Über den Kirchturm hinaus" , den ich auch eher ärgerlich fand – und dazu anmerkte: "Ich bin bereit zu glauben, dass Generalvikar Kollig selbst seine Absichten für gut hält, aber ich halte das für einen Irrtum." Das alles widerspricht übrigens durchaus nicht der Tatsache, dass Pater Kollig – der übrigens, wie ich der chronologischen Erzählreihenfolge vorgreifend erwähnen möchte, mit demselben Zug nach Berlin zurückfuhr wie wir, was uns Gelegenheit zu ein bisschen freundlichem Smalltalk bot – persönlich einen durchaus sympathischen Eindruck macht. (Mal nebenbei bemerkt scheint mir der Umstand, dass im vorigen Jahr Ordinariatsrat und Domkapitular Stefan Dybowski auf dem Achorhof die Messe zum Palmsonntag gehalten hat und dieses Jahr der Generalvikar, doch recht deutlich zu zeigen, wie gut dieses Hofprojekt beim Erzbischöflichen Ordinariat angesehen ist, und das finde ich natürlich erfreulich.) 

Aber kommen wir mal zur Messe, die wie im vorigen Jahr musikalisch von der St.-Annen-Schola aus Berlin-Lichterfelde gestaltet wurde und, ebenfalls wie im vorigen Jahr, im Garten mit Palmzweigsegnung und dem Evangelium vom Einzug in Jerusalem begann, woran sich eine kurze und eher symbolische Prozession vom Garten in die kleine Kapelle anschloss. 

Dass Pater Kollig es offenkundig nicht für nötig hielt, zur Zelebration einer Messe an diesem Ort eine Kasel anzulegen, erinnerte mich stark an eine meiner Lieblingsanekdoten über Dorothy Day: Irgendwann um 1970 herum zelebrierte der als Aktivist gegen den Vietnamkrieg und gegen Atomwaffen bekannte Jesuitenpater Daniel Berrigan eine Messe auf der Catholic Worker Farm und wollte dazu lediglich eine Stola anlegen, aber Dorothy bestand darauf, dass er vollständige Messgewänder trug. Auf seinen Einwand, die liturgischen Kleidungsvorschriften seien doch nur eine überholte Konvention, erwiderte Dorothy schlicht: "Auf dieser Farm gehorchen wir den Regeln der Kirche." 

Ich hätte mir gewünscht, auf dem Achorhof hätte das dem Generalvikar auch jemand gesagt, denn es gab durchaus noch ein paar weitere Indizien dafür, dass er zu glauben schien, an diesem Ort müsse er es mit der Liturgie nicht so genau nehmen. Der knapp acht Minuten langen Predigt würde ich eine relativ mittige Wertung auf der "Rasierpinsel-ins-Klo-gefallen"-Skala geben, sie war insgesamt nicht untypisch für einen Priester seiner Altersgruppe (Kollig ist Geburtsjahrgang 1956); aber ich frage mich wirklich, wie viele Palmsonntagspredigten ich in meinem Leben noch werde hören müssen, in denen jemand, der es eigentlich besser wissen müsste, behauptet, der Umstand, dass Jesus auf einem Esel nach Jerusalem einzieht, sei ein Zeichen von Bescheidenheit, ja geradezu von Understatement. Halten wir bitte mal ein für allemal fest: Schon in der Erzählung von Sauls Salbung zum König in 1. Samuel 9-10 erscheinen Esel als mit der Königswürde assoziierte Tiere, und selbst wenn man das außer Acht lassen möchte, geht aus dem Evangelium vom Palmsonntag explizit hervor, dass der Einzug Jesu nach Jerusalem gezielt als Erfüllung einer Prophezeiung aus Sacharja 9,9 in Szene gesetzt wird – das heißt: Indem Jesus auf einem Esel nach Jerusalem einzieht, erhebt Er demonstrativ den Anspruch, der verheißene Messias zu sein. Es ist mir wirklich ein Rätsel, wie man das so sehr verkennen kann. 

Ebenso wie wir es schon im vorigen Jahr am Palmsonntag erlebt hatten, gab es auch in dieser Messe wieder freie Fürbitten – zum Teil für allgemeine Anliegen, wie man sie regelmäßig in Fürbitten hört, besonders für den Frieden in der Welt, zum Teil aber auch für spezielle Anliegen namentlich genannter Personen aus dem Umfeld der Achor-Community. Und dann ergriff die verbittert wirkende Frau aus der Choralschola, die im vorigen Jahr "für eine menschliche Kirche" gebetet hatte, wieder das Wort und betete dafür, "dass alle Menschen, vor allem queere Menschen, die Anerkennung erhalten, die sie zu erwarten haben". Es war deutlich zu bemerken, dass zumindest ein Teil der Gemeinde sehr zögerte, darauf mit "Wir bitten dich, erhöre uns" zu antworten. Was soll das überhaupt heißen, "die Anerkennung, die sie zu erwarten haben"? Von wem haben sie wofür Anerkennung zu erwarten? Weiß die Frau selber, was sie meint, oder will sie nur provozieren? 

Nach der Messe gab es Kaffee und Kuchen, und wir Erwachsenen unterhielten uns gut mit einigen Mitgliedern des Achor-Vereins und Nachbarn des Hofes, während die Kinder im Garten herumtollten. Zu Hause waren wir erst relativ spät am Abend – erst nach der üblichen Schlafengehzeit der Kinder, die uns übrigens schon auf der Rückfahrt mit Fragen bestürmten, wann wir denn das nächste Mal zum Achorhof fahren könnten. Na, mal sehen – vielleicht am letzten Aprilwochenende; dann ist da nämlich "Französischer Tag", und das Programm sieht recht vielversprechend aus... 


Triduum Teil 1: Freiwillig bei der Fußwaschung 

Schon während der Palmsonntagsmesse auf dem Achorhof hatte ich – wohl veranlasst durch die eigentümliche Kombination "einerseits Choralschola, andererseits aber liturgische Schlampereien" (ist es eigentlich eine besondere Auszeichnung für ein Robbenbaby, vom Generalvikar persönlich gemeuchelt zu werden?) – den Gedanken, "zum Ausgleich" könnte es vielleicht ganz schön sein, am Gründonnerstag nach St. Afra zu gehen. Ganz überzeugt war ich aber dich nicht, ob das so eine gute Idee wäre – zumal die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt hat, dass die Messe vom Letzten Abendmahl, was die Fähigkeit und Bereitschaft der Kinder betrifft, sich ruhig und friedlich zu verhalten der kritischste Punkt des ganzen Ostertriduums zu sein pflegt. Aus demselben Grund war es für uns jedoch auch keine Option, am Gründonnerstag nach Spandau zu gurken, um die Messe vom Letzten Abendmahl in der voraussichtlich völlig überfüllten Behnitzkirche mitzufeiern. Wir sahen uns also nach Alternativen um und entschieden uns schließlich für die Messe in St. Bernhard Tegel-Süd, die von dem bekanntermaßen kinderfreundlichen Pater Brody zelebriert wurde. Tatsächlich begrüßte er uns sehr freundlich, als wir einige Zeit vor Beginn der Messe die Kirche betraten; es erwies sich aber auch noch aus mehreren anderen Gründen als die richtige Entscheidung, dass wir gerade hierher gekommen waren. – Als wir ankamen, musste unser Jüngster erst mal dringend aufs Klo, also ging meine Liebste mit ihm in die Sakristei, um nach einer Toilette zu fragen; währenddessen sagte ich zum Tochterkind, wir könnten uns ja schon mal einen Platz suchen, und dabei stellten wir fest, dass in jeder Bankreihe ein Platz, nämlich der am Mittelgang, reserviert war. "Ach so, das ist bestimmt wegen der Fußwaschung", fiel mir ein, und jemand aus der Gemeinde bestätigte das. Kurz darauf fragte mich das Tochterkind: "Kann bei der Fußwaschung eigentlich jeder mitmachen?" – "Im Prinzip ja", erwiderte ich. "Oft ist es sogar so, dass dringend Leute gesucht werden, die da mitmachen wollen, weil es oft nicht so viele gibt, die sich dafür freiwillig melden." Die Folge dieser Mitteilung war, dass meine Tochter laut darüber nachzudenken begann, dass sie es ja ganz spannend fände, da mitzumachen. Mein erster Impuls war, ihr erklären zu wollen, für dieses Jahr seien wahrscheinlich schon alle Plätze vergeben, aber wir könnten das ja mal für nächstes Jahr ins Auge fassen; aber als sie insistierte, wir könnten doch "mal fragen", dachte ich: Warum nicht. Wir wandten uns also an den Küster – ich nehme jedenfalls an, dass das seine Funktion war, zumindest war er gerade dabei, den Ministranten Anweisungen zu erteilen –, und dieser reagierte tatsächlich ausgesprochen erfreut und wies dem Tochterkind einen der reservierten Plätze zu. Ich setzte mich daneben, während die andere Hälfte der Familie etwas weiter entfernt Platz nahm und unser Jüngster vom Küster einen Malblock und Buntstifte erhielt. Alles in allem perfekte Voraussetzungen für den besten Gründonnerstag, den wir erlebt haben, seit wir eine vierköpfige Familie sind. Die Teilnahme an der Fußwaschung war für unsere Große ein spannendes Erlebnis und trug offenbar dazu bei, dass sie während der gesamten Messe so aufmerksam und konzentriert war wie sonst nicht unbedingt immer; der Kleene malte derweil friedlich, und dass sie nicht zusammen saßen und sich folglich nicht gegenseitig stören oder ablenken konnten, war offenkundig für beide gut. 

Die Kommunion wurde in beiderlei Gestalt gereicht, wozu Pater Brody ansagte, es sei "jeder eingeladen, aus dem Kelch zu trinken", aber wer das nicht wolle, der könne "die Hostie auch selbst eintauchen" – was ja, wie ich nicht müde werde zu betonen, eigentlich verboten ist, aber wenn man die landläufigen liturgischen Gepflogenheiten kennt, kann man wohl schon halbwegs froh sein, dass dies nicht als die sozusagen normative Form des Kommunionempfangs in beiderlei Gestalt dargestellt wurde. Ich selbst ließ mich auch von der in die Predigt eingestreute Bemerkung des Zelebranten, es mache aus seiner Sicht "nicht viel Sinn, die Kommunion auf den Knien zu empfangen" – denn schließlich sei Jesus es doch, der sich auf unsere Augenhöhe herablasse, und nicht umgekehrt –, nicht davon abhalten, die Kommunion kniend und auf die Zunge zu empfangen, und fand es recht ermutigend, zu sehen, dass ich da nicht der einzige war. 

Übrigens zeigte es sich, dass wir unerwartet viele Leute in der Kirche kannten – und zwar überwiegend vom Kinderfasching her: Dazu zählten zwei Messdienerinnen, eine Kommunionhelferin und auch der schon erwähnte Küster. Ein anderer Messbesucher gab sich mir beim Verlassen der Kirche als Tagespost-Leser zu erkennen und lobte meine Kolumne. – Insgesamt muss man diese Messe vom Letzten Abendmahl leider als schwach besucht bezeichnen: Nur um die 50, maximal 60 Personen fanden sich in den Kirchenbänken ein. Na ja, hätten wir eine volle Kirche gewollt, hätten wir ja nach St. Marien am Behnitz fahren können...! 


Triduum Teil 2: Seht das Holz des Kreuzes  

Zur Karfreitagsliturgie fuhren wir dann aber, wie in den letzten Jahren, nach St. Joseph Siemensstadt. Die Kirche war erheblich besser besucht, als es auf dem YouTube-Mitschnitt, auf dem nur die vorderen Bankreihen zu sehen ist, den Anschein hat; wer mir das nicht glaubt, kann gern bis zur Kreuzesverehrung vorspulen, die nicht ohne Grund fast eine halbe Stunde dauerte. Das Mädchen aus dem Erstkommunionkurs, das wir ursprünglich vom JAM kennen, ministrierte, die kleine Schwester war – zur Freude unseres Jüngsten – ebenfalls da, zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Oma. – Zelebriert wurde die Feier vom Leiden und Sterben Christi vom "örtlich zuständigen" Pfarrvikar; die Predigt war für seine Verhältnisse ungewöhnlich lang – rund zwölf Minuten –, aber ich will mich hier auf einige Schlaglichter beschränken, zumal man die Predigt ja in voller Länge auf YouTube nachhören kann. – Ein Kerngedanke der Ausführungen des Pfarrvikars zur Johannespassion lautete: "Der Evangelist Johannes versteht die Kreuzigung als eine Liturgie – das heißt: als den Ort, an dem man Gott begegnen kann." Zum Verhalten verschiedener Akteure der Passionserzählung merkte er an: 

"Die Wahrheit Gottes macht unsere Wahrheiten sichtbar: die Feigheit des Petrus, das Geld des Judas, die Machtinteressen des Hohenpriesters, die Weltlichkeit des Pilatus, der denkt, er kann sich irgendwie so durchschlängeln; aber auch die Wahrheit der Frauen, die unterm Kreuz stehen und mitleiden. Auch die Wahrheit des Josef von Arimatäa, der mutig wird – der vorher Jesus nur im Geheimen bekannt hat, aber jetzt um den Leichnam bittet. Und die Wahrheit des Nikodemus, der beginnt zu lieben, und er kauft diese Myrrhe. Am Anfang, als er das erste Mal Jesus begegnet ist, hat er irgendwelche komischen theoretischen Probleme gewälzt, aber nicht geliebt. Jetzt hat er gelernt zu lieben." 

Ich muss sagen, besonders dieser Blick auf das Religionsgespräch mit Nikodemus in Johannes 3 – dass Nikodemus dort theologische Fragen als rein theoretische, abstrakte Denkaufgaben zu betrachten versuche, ohne sich persönlich wirklich von diesen Fragen berühren zu lassen – sprach mich sehr an. Ein weiterer besonders interessanter Aspekt der Predigt drehte sich darum, die Signifikanz von Blut und Wasser, die aus der Seite Jesu strömen, zur Bedeutung von Blut und Wasser im Alten Bund in Beziehung zu setzen: 

"Das Blut heiligt, das ist mehr als reinigen. Es wurden die Altäre, die Priester mit Blut besprengt und das Volk, um es zu heiligen. Heiligen bedeutet nicht ein bisschen etwas zu verbessern, sondern Heiligen bedeutet eine neue Qualität Gottes in unserem Leben. Karfreitag ist nicht ein bisschen auf seine Sünden zu schauen, sondern geheiligt zu werden vom Blut Christi, eine neue Qualität der Liebe zu bekommen. Und: Blut weiht. Weihen bedeutet, es macht zu Gott gehörig. Der Tempel und das Bundeszelt wurden mit Blut besprengt, um zu sagen, es gehört zu Gott. Das Blut Christi verbindet uns mit Gott." 

Und zum Wasser aus der Seite Christi merkte der Prediger an, das griechische Wort pleura bezeichne einerseits das Rippenfell, andererseits aber auch die Seite des Tempels – so beim Propheten Ezechiel, der "aus der pleura des Tempels" eine "Quelle von lebendigem Wasser" fließen sieht – als ein "Bild des Heiligen Geistes". 

Übrigens muss ich einräumen, dass meiner Tochter, nachdem sie in der Gründonnerstagsmesse so vorbildlich bei der Sache gewesen war, in der Karfreitagsliturgie die Zeit doch ein wenig lang wurde – nicht zuletzt auch, weil sie Hunger hatte. Na, schauen wir mal, wie die Kinder sich in der Osternacht schlagen; es sollte mich nicht wundern, wenn sie einen Teil der Liturgie verschlafen. Ich denke, ich werde vorsorglich ihre Reisekopfkissen einpacken... 


Update Religionspädagogik 

Kein Aprilscherz ist, dass ich am letzten Tag im März meine offizielle Bewerbung für die Ausbildung zum Gemeindereferenten beim Erzbistum Berlin eingereicht habe. Die dafür notwendigen Unterlagen – also Zeugnisse und so weiter – hatte ich schon vor dem Palmsonntagswochenende fast komplett gehabt; was noch fehlte, war ein "Pfarramtliches Zeugnis". Um ehrlich zu sein, hatte ich, als ich dieses Stichwort auf der Liste der Bewerbungsunterlagen sah, die das Erzbistum von mir haben wollte, gleich gedacht, dass es damit Schwierigkeiten geben könnte – weil dafür eben meine Wohnsitzpfarrei zuständig ist, also St. Klara Reinickendorf-Süd, und mit dieser Pfarrei, und insbesondere mit ihrem Pfarrer, habe ich ja eine etwas schwierige Vorgeschichte. Indes hatte ich auch keine klare Vorstellung davon, was ein Pfarramtliches Zeugnis eigentlich genau ist bzw. was da drinstehen muss; meine vage Hoffnung, es handle sich um eine reine Formalität, die man unkompliziert im Pfarrbüro erledigen könne, zerschlug sich jedoch, als ich Mitte März dort vorsprach und die Sekretärin mir mitteilte, so ein Zeugnis müsse der Pfarrer persönlich ausstellen. Sie schrieb ihm aber eine Notiz, und ich wartete erst einmal ab; als ich die Sekretärin jedoch rund zwei Wochen später auf dem Kirchhof traf, riet sie mir, ich solle vielleicht doch lieber mal persönlich beim Pfarrer vorsprechen. Dem im Schaukasten ausgehängte Wochenplan der Pfarrei verriet mir, dass der Pfarrer gerade in St. Joseph Tegel die Messe hielt, also sagte ich mir: Wenn ich mich beeile, treffe ich ihn vielleicht noch dort an, oder er kommt mir unterwegs mit dem Fahrrad entgegen. 

Tatsächlich traf ich den Pfarrer, noch im Messgewand, vor dem Kirchenportal von St. Joseph an, wo er mit einem mir nicht näher bekannten älteren Ehepaar sprach, das wohl in der Messe gewesen war; ich hielt mich im Hintergrund, bis sie ihr Gespräch beendet hatten, trat dann einen Schritt auf den Pfarrer zu und erklärte, ich wolle mich "noch einmal in Erinnerung bringen". Der Pfarrer erwiderte darauf, er habe mein Zeugnis in Arbeit, sei aber noch nicht damit fertig – und zwar nicht, wie man wohlwollend hätte unterstellen können, weil es angesichts des nahenden Osterfests so viel anderes zu tun gibt, sondern weil er sagte, noch mit den Formulierungen ringe: Er wolle mir ja nun nicht direkt Steine in den Weg legen, aber dass er mir kein durchweg positives Zeugnis ausstellen könne, könne ich mir ja wohl denken. Ich verlegte mich in der Hauptsache auf Lächeln und Nicken und dachte mir: Soll er doch schreiben, was er will, beim Ordinariat kennen sie ihn ja auch und können selber einschätzen, was davon zu halten ist. 

Alles Nicken und Lächeln meinerseits konnte den Pfarrer indes nicht davon abhalten, noch einige Sätze darüber zu verlieren, was aus seiner Sicht so problematisch an mir sei. Vielleicht würde es sich lohnen, darauf bei Gelegenheit noch einmal zurückzukommen; nicht um aus persönlichem Groll "alte Geschichten" aufzuwärmen, sondern weil das Ganze (abzüglich der nicht zu leugnenden Tatsache, dass wir einfach charakterlich nicht miteinander harmonieren) so bezeichnend ist für Konflikte zwischen Pfarrpersonen, die eigentlich nichts anderes wollen als ruhig und geordnet das langsame Sterben der Volkskirche verwalten (Stichwort "palliative Pastoral"), und Leuten, die ihnen plötzlich und ungebeten mit Konzepten für Gemeindeerneuerung und Neuevangelisierung kommen. Nun, wie gesagt, vielleicht ein andermal mehr dazu. Das Zeugnis habe ich jedenfalls bis heute nicht erhalten, was insofern etwas schade ist, als ich hier gern das eine oder andere knallige Zitat daraus präsentiert hätte. Aber na ja, aufgeschoben ist nicht aufgehoben, denke ich mal... 


Das ZDF-Mittagsmagazin erklärt Ostern 

Derweil machte mich der Instagram-Account der Pfarrei St. Klara auf einen Beitrag des ZDF-Mittagsmagazins aufmerksam, in dem der besagte Pfarrer zu sehen ist und zu Wort kommt, und das machte mich ja nun doch neugierig. Also habe ich da mal reingeschaut, damit ihr es nicht müsst, Leser. Ziemlich gegen Ende der Sendung vom 26. März gibt es einen gut drei Minuten langen Beitrag zum Thema "Was feiern wir eigentlich an Ostern?"; in der Anmoderation heißt es: 

"Christlich gesehen geht es um die Auferstehung Christi, der am Karfreitag gekreuzigt wurde. Aber wieso suchen wir dann da Eier und was hat der Hase damit zu tun?" 

In dem Filmchen, das dieser Frage auf den Grund gehen soll, kommt neben dem Pfarrer von St. Klara auch ein (ebenfalls katholischer) Theologieprofessor von der FU Berlin, Rainer Kampling, zu Wort; im Vergleich mit so bizarren Elaboraten wie dem Artikel "So unterschiedlich feiern Heiden und Christen Ostern", den ich anno 2018 am Wickel hatte und in dem eine Volontärin der Nordwest-Zeitung einen evangelischen Pfarrer und eine "Naturschamanin" gleichberechtigt zu Wort kommen ließ, kann man diesem Fernseh-Magazinbeitrag somit immerhin attestieren, dass die christliche Sicht auf das Osterfest deutlich im Fokus steht; die angebliche – oder sagen wir: hypothetische germanische Fruchtbarkeitsgöttin Ostara wird nur einmal am Rande erwähnt. Ärgerlich finde ich es hingegen, dass die Verfasserin des Beitrags entweder nicht weiß, dass der Genitiv von Jesus Jesu lautet, oder aber dem Publikum keine korrekten Genitive zumuten wollte. – Was derweil die Mitwirkung des Pfarrers von St. Klara an der Sendung betrifft, so sagt er gerade mal drei Sätze, und an diesen ist inhaltlich nichts auszusetzen; aber ein bisschen frage ich mich doch, was für Umstände dazu geführt haben mögen, dass gerade er für diesen Fernsehauftritt ausgewählt wurde. 

Uneingeschränkt empfehlen möchte ich in diesem Zusammenhang jedoch ein Facebook-"Reel" von Elisabeth Wheatley zum Thema "NEIN, Ostern ist KEIN ursprünglich heidnisches Fest". Zur Einordnung sei gesagt, dass Elisabeth Wheatley eine Romanautorin ist, deren Werke sich genretechnisch im Bereich "Historie/Abenteuer/Romantasy" bewegen, sich aber von der breiten Masse derartiger Trivialliteratur dadurch abheben, dass die Autorin die historischen Hintergründe ihrer Geschichten wirklich sorgfältig recherchiert und sich auf diesem Wege ein nicht gerade alltägliches Wissen über mittelalterliche Geschichte angeeignet hat. Außerdem ist sie Christin. (Auch dazu gibt's ein lustiges Reel von ihr, in dem sie sinngemäß erklärt: "Mir ist zu Ohren gekommen, dass es Gerüchte über mich gibt, ich sei angeblich Christin – das hat mich ein bisschen überrascht, denn eigentlich hatte ich gedacht, ich hätte daraus nie ein Geheimnis gemacht." Im weiteren Verlauf empfiehlt sie ihren Fans dann fünf christliche "Non-Fiction"-Bücher, und gerade als man anfängt zu denken, die Auswahl dieser Bücher offenbare eine gewisse liberale Schlagseite, präsentiert sie als letzte Empfehlung den Katechismus der Katholischen Kirche und sagt dazu wörtlich: "I freaking love it.") Wie ich inzwischen festgestellt habe, gibt es ihr Oster-Reel auch bei YouTube, sodass ich es hier direkt einfügen kann: 

Ich empfehle jedoch dringend, nicht die Kommentare zu lesen. 


"Leafletting" für den Alpha-Kurs 

Währenddessen rückt der Alpha-Kurs der EFG The Rock Christuskirche, bei dem meine Liebste im Küchenteam mitarbeiten wird, mit großen Schritten näher: Übernächsten Montag soll es schon losgehen. Am Montag der Karwoche war meine Liebste bei einem Vorbereitungstreffen und brachte von dort ein Plakat mit, das sie in einem Geschäft in Tegel unterzubringen hoffte – aber dann hatte sie doch Hemmungen, dort zu fragen. "Jeder von uns hat offenbar seine eigenen social-awkwardness-Inseln", merkte ich dazu an und bot ihr an, ihr diese Aufgabe abzunehmen. Mein erster Versuch führte mich in einen Buchladen, wo mein Ansinnen freundlich abgelehnt wurde – ins Schaufenster hänge man nur eigene Werbung und innerhalb des Ladens gebe es keinen sinnvollen Platz dafür –, mir jedoch der Rat gegeben wurde, ich solle es doch mal ein paar Häuser weiter bei einem Büro für Ehrenamtskoordination versuchen. Die Leute dort wollten lediglich wissen, ob es sich um eine nichtkommerzielle Veranstaltung handle, und da auf dem Plakat gut sichtbar der Satz stand "Der Alphakurs ist kostenlos", nahmen sie es mir ohne Weiteres ab. 

Motiviert durch diesen Erfolg, fand ich, ich könne auch noch mehr Werbematerial für den Alpha-Kurs unter die Leute bringen, und traf mich daher am Mittwoch gegen Mittag mit einer Mitarbeiterin der EFG The Rock Christuskirche, die mir vier weitere Plakate und 300 Flyer im Postkartenformat aushändigte. Da Frau und Kinder am Nachmittag bei einer Spielverabredung waren, machte ich mich direkt ans Verteilen und wurde tatsächlich alle Plakate los – bei einem "Mini-Markt" in der Fußgängerzone von Alt-Tegel, einem kombinierten DHL-Paketshop und Lottoladen, einem Restaurant und einer Einrichtung für Familiencoaching. Von den 300 Flyern wurde ich im ersten Anlauf 85 los, hauptsächlich in Restaurants, aber auch in einer Weinhandlung, einem Getränkemarkt, einer Bäckerei, einem Späti und einer Kneipe. Auch in den Kirchen Herz Jesu und St. Joseph Tegel legte ich einige Flyer aus; in Herz Jesu traf ich ein paar Leute an, die dort Opferkerzen anzündeten, und drückte diesen direkt einen Flyer in die Hand. Man muss sagen, dass das noch einmal ein anderes Level an Überwindung kostet, als im einem Laden oder Lokal anzufragen, ob man da Flyer auslegen darf; aber ich habe festgestellt, es hilft, wenn man selbst davon überzeugt ist, der anderen Person damit etwas Gutes tun zu wollen. 

Am Gründonnerstag unternahm ich am frühen Nachmittag eine weitere "Leafletting"-Tour in der Nachbarschaft und wurde innerhalb einer Dreiviertelstunde noch einmal ca. 40 Flyer los (bei drei Restaurants, einer Kneipe, einem Feinkostladen, einem Buchladen, einer Bäckerei und einem Späti), und natürlich nahm ich auch einen Stoß Flyer mit zur Messe vom Letzten Abendmahl in St. Bernhard. Nach der Karfreitagsliturgie wurde ich in Siemensstadt noch einige Flyer in einem indischen Restaurant und im "City Pub" los, und damit war der Stapel schon mal ungefähr auf die Hälfte seiner ursprünglichen Größe zusammengeschrumpft. 

Was übrigens die Flyer selbst angeht, kreisten meine Gedanken während der Verteilaktion immer wieder um die Vorstellung, wie es wäre, wenn wir Flyer in vergleichbarer Qualität und ansprechender Optik beispielsweise für den Religiösen Kindertag in St. Stephanus hätten. Ich würde mir vorstellen, 1000 Stück davon auszudrucken und auf zehn Leute aus der Gemeinde zu verteilen, die sie in unterschiedlichen Ecken des Einzugsgebiets weiterverbreiten, mit dem Idealziel, dass in möglichst jedem Restaurant, jedem Späti, jedem Waschsalon in ganz Haselhorst und Siemensstadt welche ausliegen. Ist das eine realistische Perspektive? – Ein bisschen in die Zukunft schauend, kann ich jedenfalls sagen, als Gemeindereferent – oder erst mal als Gemeindeassistent – würde ich solche Werbeaktionen gern regelmäßig unternehmen. Ist man erst mal zwei-, dreimal durch den Kiez durch, kennen einen auch die ganzen Ladenbetreiber, und umgekehrt weiß man dann auch irgendwann, bei wem man es gar nicht erst versuchen muss. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Sie tauschen ihre verkehrten Gedanken aus und sagen: Lasst uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung. Er rühmt sich, die Erkenntnis Gottes zu besitzen, und nennt sich einen Knecht des Herrn. Er ist unserer Gesinnung ein Vorwurf, schon sein Anblick ist uns lästig; denn er führt ein Leben, das dem der andern nicht gleicht, und seine Wege sind grundverschieden. Als falsche Münze gelten wir ihm; von unseren Wegen hält er sich fern wie von Unrat. Das Ende der Gerechten preist er glücklich und prahlt, Gott sei sein Vater. Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, und prüfen, wie es mit ihm ausgeht. Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner. Durch Erniedrigung und Folter wollen wir ihn prüfen, um seinen Gleichmut kennenzulernen und seine Widerstandskraft auf die Probe zu stellen. Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt. So denken sie, aber sie irren sich; denn ihre Schlechtigkeit macht sie blind. 

(Weisheit 2,1a.12-21) 


Ohrwurm der Woche 

Peter Janssens Group: Jesus, der Menschensohn 

Beweisstück A für die These "Der klassische Sacropop à la Janssens, Edelkötter et al. war eigentlich ein Subgenre des Krautrock". Was wir hier hören, war das Schlusslied einer von Peter Janssens für das Bundestreffen der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) 1972 in Fulda komponierten Messe mit dem Titel "Wir haben einen Traum" – ein Meilenstein der NGL-Geschichte. Der Text, verfasst vom späteren Bamberger Generalvikar Alois Albrecht, der auch in bedeutendem Umfang an der Gotteslob-Neuausgabe von 2013 mitgearbeitet hat, ist so interessant, dass man darüber wahrscheinlich mindestens eine Bachelorarbeit schreiben könnte – das sollte ich mir vielleicht für mein angestrebtes Religionspädagogik-Studium vormerken! –, aber noch interessanter finde ich das Stück tatsächlich von der musikalischen Seite her, von Janssens' psychedelischem Orgelspiel bis hin zum Gitarrensolo von Gerd Geerken, der vor seiner NGL-Phase übrigens der Frontmann der im regionalen Maßstab recht erfolgreichen Beatband "Die Mustangs" war. Am Schlagzeug saß derweil Peter Backhausen, der wenig später zur Urbesetzung von Udo Lindenbergs Panik-Orchester gehörte. Das Album "Wir haben einen Traum/Unser Leben sei ein Fest", die dritte Veröffentlichung auf Peter Janssens' eigenem Plattenlabel "Pietbiet", wird man insgesamt wohl als einen Klassiker des Genres bezeichnen dürfen. Dass die Fotos der Bandmitglieder auf dem Plattencover mich irgendwie ominös an RAF-Fahndungsplakate erinnern, die in meiner Kindheit noch in jedem Postamt hingen, sei indes nur am Rande vermerkt. 


Vorschau/Ausblick 

Heute Abend um 21 Uhr beginnt in St. Joseph Siemensstadt die Feier der Osternacht, und da wollen wir wie in den vergangenen Jahren auch diesmal wieder dabei sein. Morgen, am Ostersonntag, ist dann die "säkulare Observanz" des Osterfests in Form eines Besuchs bei meinen Schwiegermüttern an der Reihe, am Ostermontag geht's voraussichtlich erneut in St. Joseph Siemensstadt in die Messe, und "für danach" ist ein Treffen mit der Familie einer Schulfreundin unserer Großen angedacht, aber hundertprozentig spruchreif war das bis zum Redaktionsschluss noch nicht. Und dann sind weiterhin Ferien! Große Pläne haben wir für diese Woche nicht; aber das ist vielleicht auch mal ganz gut, den im weiteren Verlauf des Monats April stehen uns noch genug spannende Ereignisse bevor. Aber was das für welche sind, verrate ich erst zu gegebener Zeit!