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Freitag, 14. Juni 2024

Keine wundersame Würstchenvermehrung

...oder Warum die Volkskirche nicht zu feiern versteht 

Aufmerksamen Lesern meines Blogs wird es vielleicht aufgefallen sein, dass ich mich im Vorfeld der diesjährigen Spandauer Fronleichnamsfeier recht skeptisch über den geselligen Teil der Veranstaltung geäußert hatte – ein kleines Pfarrfest im Garten der Pfarrkirche Maria, Hilfe der Christen im Anschluss an die Prozession. Nun will ich gleich vorausschicken, dass das Fest, gemessen an meinen Erwartungen, gar nicht so schlecht war. Ironischerweise war das bei jenem Pfarrfest in Herz Jesu Tegel vor knapp fünf Jahren, das mich erstmals dazu veranlasst hat, darüber zu reflektieren, warum die Volkskirche nicht zu feiern versteht, schon genauso. Wer also möchte, kann das ganze Thema unter "Der Klein hat halt immer was zu quaken" abhaken und braucht dann an dieser Stelle eigentlich nicht mehr weiterzulesen.

Herzlich zum Weiterlesen eingeladen sind hingegen diejenigen Leser, die verstehen, dass es mir hier gar nicht so sehr darum geht, Kritik an diesem konkreten Pfarrfest zu üben; vielmehr bietet dies nur den Anlass, grundsätzliche Erwägungen dazu anzustellen, wie Pfarrfeste sein sollten oder sein könnten und warum sie oftmals eben nicht so sind. Fangen wir trotzdem mal damit an, was an diesem konkreten Pfarrfest gut war: Das war zum einen das Wetter – aber das kann man ja schlecht planen; noch ein paar Tage zuvor hatten die Wetteraussichten erheblich schlechter ausgesehen – und zum anderen die Tatsache, dass der Spielplatz der an das Kirchengrundstück angrenzenden KiTa während des Fests frei zugänglich war. Auch den Programmbeitrag des Kinderwortgottesdienst-Arbeitskreises würde ich gern zu den Dingen zählen, die an diesem Pfarrfest gut waren; aber da bin ich voreingenommen, das mögen Andere beurteilen.

Was mir nicht gefiel, war, dass das Fest um Punkt 14 Uhr praktisch vorbei war. Da ich bei einem Vorbereitungstreffen für die Fronleichnamsfeier war, kann ich bezeugen, dass das seitens der Veranstalter ausdrücklich gewollt war: eine bis eineinhalb Stunden für die Messe, eine bis eineinhalb Stunden für die Prozession, eine bis eineinhalb Stunden für den geselligen Teil, und dann sollten die Leute gefälligst nach Hause gehen. Ich denke, es liegt auf der Hand, dass die kurze Dauer nur ein Aspekt eines Gesamtphänomens ist, das ich in meinem Artikel über das Pfarrfest in Herz Jesu Tegel im Sommer 2019 als "minimalistische Grundhaltung" charakterisiert habe: Man will das Ding einfach mit möglichst wenig Aufwand über die Bühne bringen, wozu auch gehört, dass das Pfarrfest die Pfarrei möglichst nichts kosten soll. (Auf den Kostenaspekt wird noch ausführlich zurückzukommen sein.) Einen bedeutenden Unterschied zwischen Tegel 2019 und Spandau 2024 habe ich dabei allerdings festgestellt: In Tegel hatte ich den Eindruck, dieser Minimalismus rühre aus einer Art "vorauseilender Frustration"; genauer gesagt, aus der im Zuge der Vorbereitungen wiederholt mal mehr, mal weniger explizit geäußerten Haltung "Wir sollten nicht so viel Aufwand betreiben, nachher kommt sowieso nur eine Handvoll Leute". In Spandau dagegen wurde die Veranstaltung von vornherein nur für maximal 200 Leute geplant, damit man nicht so viel Aufwand hat; um's noch deutlicher zu sagen, es war gar nicht gewollt, dass mehr als 200 Leute kommen. Bei dem Vorbereitungstreffen, an dem ich teilnahm, fiel explizit der Satz "Wir bestellen 200 Würstchen und 200 Brötchen, und wenn die alle sind, dann gehen die Leute auch nach Hause." Hashtag #kannstedirnichtausdenken.

Man bedenke: Die Fronleichnamsfeier ist einer der wenigen Anlässe im Kirchenjahr, bei denen die ganze Großpfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland gemeinsam feiert, anstatt dass jeder in seiner angestammten Teilgemeinde bleibt. Mit anderen Worten, eine der wenigen Gelegenheiten, etwas dafür zu tun, dass die 2023 gegründete Großpfarrei zusammenwächst, ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt. Dem Pastoralplan zufolge, den man von der Website der Pfarrei als pdf-Datei downloaden kann, leben auf dem Gebiet der Pfarrei rund 16.000 Katholiken (Stand: 2021); selbst wenn man von einer bescheidenen Gottesdienstbesuchsquote von 6-7% ausgeht, kommt man auf rund 1000 regelmäßige Kirchgänger. In einer Pfarrei dieser Größe ein Pfarrfest für 200 Leute zu planen, sendet ein verhängnisvolles Signal: Man geht offenbar davon aus, selbst bei der Stammklientel nur auf mäßiges Interesse zu stoßen, und dass man mit einem solchen Fest auch Leute ansprechen könnte, die (noch) nicht zur Kerngemeinde gehören, wird erst recht nicht in Betracht gezogen.

Nun argumentiere ich ja schon seit Jahren, sich bei der Vorbereitung eines Events permanent zu sagen "Da kommt ja sowieso keiner" sei eine self-fulfilling prophecy: Wenn man die Planung eines Events Leuten überlässt, die davon überzeugt sind, dass dieses Event nur eine Handvoll Leute interessiert, kommt dabei nahezu zwangsläufig etwas heraus, wofür sich tatsächlich nur eine Handvoll Leute interessiert, wenn überhaupt. Wenn man eine Veranstaltung plant, die nach Möglichkeit um 14 Uhr zu Ende sein soll, weil man davon ausgeht, dass die Leute dann nach Hause wollen, kommt dabei etwas heraus, wo tatsächlich niemand Lust hat, länger als bis 14 Uhr zu bleiben. Die oben angesprochene Begründung dafür, nur 200 Würstchen und 200 Brötchen zu bestellen – "Wenn die alle sind, dann gehen die Leute auch nach Hause" –, illustriert diesen Sachverhalt im Grunde perfekt. Dennoch glaube ich inzwischen, der Kausalzusammenhang zwischen Erwartung und Ergebnis ist doch etwas komplexer, als die Bezeichnung "self-fulfilling prophecy" es nahelegt. Ich glaube, dieser Kausalzusammenhang ähnelt eher einer Schlange, die sich in den eigenen Schwanz beißt. Zum Teil, denke ich, sind Pfarrfeste deshalb so, wie sie sind, weil die Leute, die da hingehen, sie tatsächlich so haben wollen. Na klar, könnte man sagen, deshalb gehen sie ja hin, und die, deren Vorstellungen von einem gelungenen Fest das eher nicht entspricht, gehen eben nicht hin. So entsteht eine Art Echokammer des "Das haben wir schon immer so gemacht", aus der gemeinsam mit dem Wunsch, etwas zu verändern, auch das kreative Potential, Veränderungen überhaupt denkbar zu machen, mehr oder weniger konsequent verbannt wird. Das betrifft wohlgemerkt nicht nur die Organisation von Pfarrfesten, sondern nahezu alle Aspekte des Gemeindelebens in der sterbenden Volkskirche, und daher müsste man es wohl mal an anderer Stelle vertiefen. Indes liegt es wohl auf der Hand, dass es schwierig und riskant ist, den Kreislauf des "Das haben wir schon immer so gemacht" zu durchbrechen: Veränderungen bergen die Gefahr, die Stammklientel zu irritieren, schlimmstenfalls zu vergraulen, während es durchaus nicht ausgemacht ist, dass es gelingt, durch diese Veränderungen neue Zielgruppen zu erschließen (zumal wenn diese ihrerseits aus Erfahrung und Gewohnheit davon ausgehen, dass das betreffende Angebot "nichts für sie ist"). Dass es dennoch möglich ist, mit diesem Wagnis Erfolg zu haben, zeigt beispielsweise das "Patronats- und Siedlungsfest" in St. Joseph Tegel, das in diesem und letztem Jahr jeweils am 1. Mai stattfand; es dürfte sich daher lohnen, darüber nachzudenken, warum es da funktioniert.

Sagen wir es geradeheraus: Ein grundlegendes Problem bei Pfarrfesten in durchschnittlichen volkskirchlichen Gemeinden ist, dass Menschen schlichtweg keinen besonderen Grund haben, zusammen zu feiern, wenn sie außer der Tatsache, dass sie für eine Stunde am Sonntag zusammen die Kirchenbank drücken, nichts miteinander verbindet. Wie das Beispiel St. Joseph Tegel demonstriert, besteht sogar unter Eltern, deren Kinder zusammen in die KiTa gehen, ein intensiveres Gemeinschaftsgefühl als unter den Mitgliedern einer Kirchengemeinde. Und das ist ein womöglich recht bezeichnendes Beispiel: Kleine Kinder zu haben – ob die nun in die KiTa gehen oder nicht –, schafft einen Fundus gemeinsamer Erfahrungen, gemeinsamer Freuden und Sorgen, Herausforderungen und Frustrationen, der eine gute Basis dafür bildet, auf einen Nenner zu kommen. Wenn ich mit meinem Jüngsten (oder mit beiden Kindern, wenn die Große gerade nicht in der Schule ist) in der Stadt unterwegs bin und anderen Eltern mit Kindern in einem ähnlichen Alter begegne, dann grüße ich die, ganz automatisch, egal ob ich sie vorher schon mal gesehen und mit ihnen gesprochen habe oder nicht. Einfach aus dem Gefühl heraus, wir gehören zum selben Club. So ähnlich wie es in der Frühzeit des Automobils, als noch nicht jeder eins hatte, üblich gewesen sein soll, dass Autofahrer einander grüßten, wenn sie sich auf der Straße begegneten. Dass die Kirche es nicht schafft, dieses Maß an Gemeinschaftsgefühl unter ihren Mitgliedern zu erzeugen, ist eigentlich bedenklich.

Man könnte an dieser Stelle die Frage aufwerfen, ob es nicht etwas unfair sei, diese Beobachtung mit dem Begriff "Volkskirche" in Verbindung zu bringen; ob es sich nicht vielmehr gerade um ein post-volkskirchliches Problem handle – also eines, das gerade durch das Absterben der alten Volkskirche bedingt sei und das es zu Zeiten, als die Volkskirche noch gesund und intakt gewesen sei, gerade nicht gegeben habe. Dieser Einwand wirft allerdings die Gegenfrage auf, wann genau das eigentlich gewesen sein soll. Lothar Zenetti, seinerzeit Stadtjugendpfarrer in Frankfurt am Main, beschrieb jedenfalls schon 1966 den auffälligen Kontrast zwischen der "Familiarität und Herzlichkeit", die er in einer freikirchlichen Gemeinde erlebte ("Ich sehe, dass die meisten Leute sich begrüßen und leise ein paar Worte wechseln, wenn sie sich zueinander setzen"), und der "eigenartige[n] Distanz und Kühle" unter den Teilnehmern einer katholischen Messe: "Keiner nahm Notiz vom anderen. Jeder suchte sich einen Platz in der Bank, betete kurz und setzte sich nieder".

Derselbe Kontrast ist mir auch aus eigener Anschauung geläufig, und mein Paradebeispiel dafür ist bekanntlich die EFG The Rock Christuskirche in Haselhorst, wo, wie ich schon mehrfach in meinen Wochenbriefings notiert habe, "jeden Sonntag Gemeindefest" ist. Natürlich kommen da nicht jede Woche 200 Leute, und es gibt auch nicht jede Woche Würstchen vom Grill; aber hin und wieder eben doch. Das Entscheidende ist indes, dass die dortigen Gemeindemitglieder gern nach dem Gottesdienst noch Zeit miteinander verbringen, statt dass jeder schnell nach Hause will, um sein jeweils eigenes Mittagessen auf den Tisch zu bringen. Das Gemeindeleben steht da einfach auf einer höheren Prioritätsstufe als beim durchschnittlichen volkskirchlichen Gottesdienstbesucher. Die Leute kennen sich, mögen sich (vielleicht nicht jeder jeden und sicherlich nicht jeder jeden gleichermaßen, aber grundsätzlich eben doch) und nehmen Anteil am Wohl und Wehe der jeweils anderen. Hat ein Gemeindemitglied ein besonders wichtiges oder dringliches Anliegen, wird im Gottesdienst dafür gebetet. So etwas gibt es durchaus nicht nur in Freikirchen – ich habe es z.B. auch schon in der (ziemlich charismatisch ausgerichteten) katholischen Kirche St. Clemens am Anhalter Bahnhof erlebt –, aber im volkskirchlichen Normalbetrieb wird für Gemeindemitglieder meist erst dann gebetet, wenn sie tot sind.

Nun hat mir mal ein Leser meines Blogs gesagt, ich könne doch das Gemeinschaftsgefühl, das in freikirchlichen Gemeinden herrsche, nicht zum Maßstab für volkskirchliche Gemeinden machen, und ich verstehe diesen Einwand durchaus; schließlich ist es kennzeichnend für das Modell Volkskirche, dass die Kirchenzugehörigkeit nicht vom Maß des persönlichen Engagements und der Identifikation mit der Gemeinde abhängt. Verteidiger dieses Kirchenmodells betrachten gerade dies als eine Stärke und einen Vorzug, weil dadurch auch die nicht so Engagierten "mitgenommen" werden; und ich will auch nicht unbedingt bestreiten, dass da was dran ist. Problematisch wird's aber, wenn diese "nicht so Engagierten" innerhalb der Gemeinde tonangebend und maßstabsetzend werden. – Der besagte Leser meinte weiterhin, eine so intensive Gemeinschaft wie in freikirchlichen Gemeinden gebe es innerhalb der katholischen Kirche wohl in Geistlichen Gemeinschaften wie dem Neokatechumenalen Weg oder der Charismatischen Erneuerung. Da finde ich es nun wiederum bezeichnend, dass diese und ähnliche Gruppierungen nicht wenigen "Normalkatholiken" ausgesprochen suspekt sind, und zwar gerade wegen des Maßes an Gemeinschaft, das in ihnen praktiziert wird und das vielfach als extrem und potentiell schädlich angesehen wird; nicht selten ist von der Gefahr der Sektenbildung die Rede. Warum? Offenbar scheint die Vorstellung recht verbreitet zu sein, intensive Gemeinschaft "nach innen" bedinge umso stärkere Abschottung "nach außen". Mit meinen Erfahrungen deckt sich diese Annahme ganz und gar nicht: Ich möchte vielmehr behaupten, eine intensive Gemeinschaft wirkt nicht nur anziehend auf Außenstehende, sondern ist auch erheblich besser geeignet, Außenstehende zu integrieren, als eine nur lose vernetzte Gruppe von Leuten, die im Wesentlichen alle ihr eigenes Ding machen. Warum das so ist, ist eigentlich unschwer einzusehen: In einer Gemeinde, in der sich mehr oder weniger alle kennen und ein freundschaftliches Verhältnis zueinander pflegen, fällt es einfach eher auf, wenn "jemand Neues" zum Gottesdienst (oder auch zu einer anderen Veranstaltung) erscheint, und da findet sich dann auch leicht jemand, der auf die "Neuen" zugeht. Hallo, schön dass ihr da seid, was führt euch hierher, wie gefällt's euch bei uns, wir haben übrigens dann und dann noch diese und jene Veranstaltung, vielleicht wär das auch was für euch. In einer durchschnittlichen volkskirchlichen Gemeinde kann man dagegen wochen- und monatelang zum Sonntagsgottesdienst gehen, ohne dass jemand Notiz von einem nimmt – oder man wird als störend wahrgenommen, weil man sich nichtsahnend auf den Stammplatz der Kolping-Ortsvorsitzenden gesetzt hat oder die Kinder zu laut sind.

An dieser Stelle ein Gedanke, den meine Liebste eingebracht hat: Wenn davon die Rede ist, dass die Kirche sich bemühen müsse, "gesellschaftlich relevant" zu bleiben, dann wird darunter in der Regel verstanden, dass Kommunalpolitiker, Vertreter zivilgesellschaftlicher Institutionen und sonstige Personen des öffentlichen Lebens zum Neujahrsempfang der Pfarrei kommen und umgekehrt auch Kirchenvertreter zu ihren Empfängen einladen. Wäre es nicht ein viel erstrebenswerteres Ziel, die Relevanz der Kirchengemeinde für das persönliche Leben ihrer Mitglieder zu stärken?

Lassen wir diesen Gedanken mal ein bisschen sacken; weiter oben hatte ich in Aussicht gestellt, dass ich noch ausführlich auf Fragen der Finanzierung von Pfarrfesten eingehen wolle, und zu Überleitungszwecken möchte ich erst einmal auf einen Aspekt eingehen, der nur indirekt bzw. nur nebenbei mit Geld zu tun hat: Es gehört zum typischen Erscheinungsbild von Pfarrfesten, dass Gemeindemitglieder selbstgebackenen Kuchen und selbstgemachte Salate mitbringen, und das betrachte ich grundsätzlich auch als eine sehr gute Sache. Bei dem Vorbereitungstreffen für die Fronleichnamsfeier, an dem ich teilnahm, war nun die Rede davon, in den Kirchen Listen auszulegen, in die sich diejenigen Gemeindemitglieder, die etwas zum Büffet beitragen wollten, eintragen sollten. Ich wandte an dieser Stelle ein, es könne zwar sein, dass meine Erinnerung mich trügt, aber ich meinte mich zu erinnern, dass im letzten Jahr, als die Fronleichnamsfeier von beiden Spandauer Großpfarreien gemeinsam ausgerichtet wurde, explizit beschlossen worden sei, keine solchen Listen auszulegen, da das im Zweifel eher abschreckend wirke; außerdem zeige die Erfahrung, dass es so ziemlich das geringste Problem bei der Organisation eines Pfarrfests sei, genügend Leute zu finden, die bereit seien, etwas zum Büffet beizutragen. Auf diese Wortmeldung hin wurde ich angestarrt, als käme ich von einem anderen Stern. Keine Listen auslegen, das gehe doch nicht, man brauche doch Planungssicherheit.

Nun gut: Voriges Jahr hatte ich, zusammen mit den Kindern, einen Kuchen gebacken und einen Salat gemacht und beides fürs Büffet gespendet; dieses Jahr nicht. Das lag aber zugegebenermaßen nicht nur daran, dass ich keine Lust hatte, mich in eine Liste einzutragen. Der eigentliche Hauptgrund war, dass wir am Tag vor der Fronleichnamsfeier auf einem Straßenfest-Crawl waren und daher schlicht keine Zeit und Muße zum Kuchenbacken hatten. Nicht so richtig Lust darauf hatte ich aber auch noch aus einem anderen Grund, und der hatte nun doch etwas mit Geld zu tun: Ich meine die bei Pfarrfesten verbreitete Praxis, für Speisen, die die Gäste selbst mitgebracht haben, Geld zu verlangen. Machen wir uns mal klar, was das heißt: Ich kaufe die Zutaten für einen Kuchen, rühre ihn selbst an, backe ihn in meinem eigenen Ofen, verziere ihn, und dann gebe ich ihn beim Büffet ab und muss daraufhin einen Euro bezahlen, wenn ich selbst ein Stück davon essen möchte. Bizarr, oder? 

Seit es sich herumgesprochen hat, dass der Verkauf von Speisen und Getränken auf Pfarrfesten umsatzsteuerpflichtig wäre, sind die angegebenen Preise offiziell nur noch Spendenvorschläge. Was indes nichts daran ändert, dass von den Gästen erwartet wird, mindestens so viel zu zahlen. Bei der Spandauer Fronleichnamsfeier lautete der pauschale Spendenvorschlag für alles "1 Euro": Ein Euro für jede Tasse Kaffee, jedes Stück Kuchen, jeden Teller Salat und auch jedes der streng limitierten Würstchen im Brötchen. Eine Mischkalkulation, wie beim Vorbereitungstreffen erläutert wurde: Würstchen und Brötchen sowie Erfrischungsgetränke in Flaschen kosteten die Veranstalter schon im Einkauf mehr als einen Euro pro Stück; das sollte dadurch ausgeglichen werden, dass derselbe Preis (pardon: Spendenvorschlag) auch für Dinge berechnet wird, die die Veranstalter erheblich weniger (wie Kaffee) oder gar nichts (wie die gespendeten Kuchen und Salate) kosten. Klingt erst mal clever, aber ich habe dazu eine grundsätzliche Anfrage: Woher kommt eigentlich die Idee, dass Pfarrfeste möglichst ihre Kosten decken, wenn nicht sogar Gewinn abwerfen sollten? Wieso lässt eine Pfarrei sich ein Pfarrfest nicht etwas kosten und betrachtet das als eine Investition in ihre Zukunft? Zumal, wie ich weiter oben schon schrieb, die Fronleichnamsfeier der Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland eine der wenigen Gelegenheiten im Kirchenjahr ist, "etwas dafür zu tun, dass die 2023 gegründete Großpfarrei zusammenwächst, ein Gemeinschaftsgefühl entwickelt". Sollte man sich diese Gelegenheit nicht etwas kosten lassen? 

Auch wenn man es grundsätzlich legitim finden mag, wenn die Verantwortlichen Wert darauf legen, dass ein Pfarrfest wenigstens einen Teil seiner Kosten direkt wieder "einspielt", muss ich doch sagen, dass ich es ziemlich abtörnend finde, wenn man für jeden Schluck und jeden Bissen einzeln zur Kasse gebeten wird und einem, wie meine Liebste es mal (leicht polemisch zugespitzt) formuliert hat, "jede Nudel einzeln auf den Teller gezählt wird". Da kommt einfach kein Gemeinschaftsgefühl auf, da fühlt man sich nicht eingeladen zu einem Fest, sondern bestenfalls wie zahlende Kundschaft; und, um mal einen ehemaligen Arbeitskollegen zu zitieren: Es hat schon seinen Grund, dass "Kunde im Osten ein Schimpfwort war".

Fragen wir uns auch hier wieder: Wie handhaben Andere das? Hier braucht man gar nicht auf das Beispiel freikirchlicher Gemeinden zu verweisen (wenngleich auch das sicherlich illustrativ wäre): Etwas, was ich bei der "Community Networking Night" im Baumhaus gelernt habe, ist das Prinzip "pay for the experience". Die genannte Veranstaltungsreihe zielt – unter anderem – durchaus auch darauf ab, Spendeneinnahmen zu generieren, die einen nicht unwesentlichen Baustein für die Finanzierung des Projektraums Baumhaus darstellen. Dabei wird aber Wert darauf gelegt, dass die Teilnehmer sich als Gäste fühlen, und dazu gehört, dass ihnen nicht das Gefühl vermittelt wird, sie müssten für das Essen bezahlen, das bei der Veranstaltung aufgetischt wird. Das Büffet sowie Kaffee, Tee und Wasser sind explizit gratis, andere Getränke können selbst mitgebracht werden. – Und wo kommen nun die Einnahmen her? Daher, dass am Ausgang ein Spendenglas steht, in dem die Besucher am Ende des Abends einen Betrag in selbstgewählter Höhe hinterlassen sollen. Für das Gesamtpaket. Sie sollen selbst entscheiden, was der Abend ihnen wert war bzw. wie wichtig es ihnen ist, die Veranstalter zu unterstützen. So funktioniert "pay for the experience" – aber das funktioniert natürlich nur, wenn man den Besuchern auch eine "experience" bietet, die ihnen etwas wert ist. Womit wir wieder am Anfang unserer Erwägungen wären. 

(Ich ahne übrigens den Einwand, man könne doch nicht einfach ein Spendenglas offen und unbeaufsichtigt irgendwo 'rumstehen lassen – da würden doch Leute das Geld klauen. Zugegeben: Das kann passieren. Aber sollte man nicht gerade "als Kirche" das Gottvertrauen haben, dass einen so etwas letztlich nicht ruinieren wird?)

Abschließend sei noch darauf hingewiesen, dass man gar nicht unbedingt "in die Ferne schweifen" muss, um Beispiele dafür zu finden, dass es auch anders geht: Man kann diese Erfahrung sehr wohl auch innerhalb der katholischen Kirche machen, ja, was das Beispiel Spandau angeht, bemerkenswerterweise sogar innerhalb derselben Pfarrei. Ich denke da konkret daran, wie in St. Joseph Siemensstadt der Geburtstag des Pfarrvikars nachgefeiert wurde: an die Stimmung, die da herrschte, aber nicht zuletzt auch an das Essen, das da aufgetafelt wurde. Und da fragte niemand danach, wer das eigentlich bezahlt hatte; da hieß es einfach: Der Herr war großzügig. Vielleicht sollte man sich mal Gedanken darüber machen, bei was für Gelegenheiten und unter was für Voraussetzungen der Herr sich als großzügig erweist und wann nicht; und was für Konsequenzen daraus zu ziehen wären. 


Hinweis in eigener Sache: Dieser Artikel erschien zuerst am 07.06. auf der Patreon-Seite "Mittwochsklub". Gegen einen bescheidenen Beitrag von 5-15 € im Monat gibt es dort für Abonnenten neben der Möglichkeit, Blogartikel rund eine Woche früher zu lesen, auch allerlei exklusiven Content, und wenn das als Anreiz nicht ausreicht, dann seht es als solidarischen Akt: Jeder, der für die Patreon-Seite zahlt, leistet einen Beitrag dazu, dass dieser Blog für den Rest der Welt kostenlos bleibt! 


Samstag, 8. Juni 2024

Creative Minority Report Nr. 33

Gott zum Gruße, Leser! Dass es allmählich Sommer wird in Berlin, merkt man nicht zuletzt daran, dass an den Wochenenden mehr und mehr "los ist"; das hat sich schon in der vorigen Ausgabe des "Creative Minority Report" abgezeichnet, aber diesmal ist es noch ausgeprägter – nämlich so sehr, dass die Rubriken "Straßenfest-Crawl, mal wieder" und "Fronleichnam in Spandau", die der Schilderung des vergangenen Samstags bzw. Sonntags gewidmet sind, zusammen den Löwenanteil des gesamten Wochenbriefings ausmachen. Die Schul- und Arbeitswoche war naturgemäß wieder stark von Unternehmungen mit dem Jüngsten geprägt und wird darum – einschließlich des Mittwochs, der somit erneut keine eigene Rubrik erhält – unter der Rubrik "Wenn der Vater mit dem Sohne" geschildert. Da die genannten drei Rubriken mithin in chronologischer Reihenfolge praktisch alles abdecken, was in der zurückliegenden Woche so los war, kann ich mir eine eigene Rubrik "Was bisher geschah" diesmal wohl sparen; und für "Neues aus Synodalien", Linktipps oder andere jenseits des Selbsterlebten liegende Themen bleibt schon wieder gar kein Platz, ebensowenig für eine Kritik des aktuellen Pfarrbriefs von St. Klara Reinickendorf-Süd. Na, mal sehen – vielleicht ja nächste Woche... 

Zum Herz-Jesu-Monat: Ehemaliges Seitenaltarbild in St. Joseph Tegel, Hans Uhl, 1933

Was ansteht 

Theoretisch hätte heute Vormittag Wichtelgruppentreffen sein sollen, aber im Laufe der Woche sagten meine beiden Teamkolleginnen ab, und als dann auch noch unsere Große eingeladen wurde, von Freitag auf Samstag bei einer Schulfreundin zu übernachten, sagte ich mir, es sei wohl eher unwahrscheinlich, dass eventuelle neue Interessenten ausgerechnet an diesem Termin unangemeldet auftauchen würden, und ließ das Treffen ausfallen. Stattdessen hätte man eigentlich direkt zum nächsten "Straßenfest-Crawl" (s.u.) aufbrechen können, denn an diesem Wochenende ist sowohl "Langer Tag der Stadtnatur" – was u.a. unter dem Aspekt, Impulse für das Gartenprojekt in St. Stephanus "mitzunehmen", interessant sein könnte –, als auch "Italian Street Food Festival". Während ich diese Zeilen schreibe, ist allerdings erst mal meine Liebste mit den Kindern (einschließlich der Freundin, bei der das Tochterkind übernachtet hat) unterwegs, und was wir heute Abend machen, steht noch nicht gest. Am morgigen Sonntag ist dann, wie schon mal erwähnt, nicht nur Europawahl, sondern auch mein Geburtstag, weshalb ich hier noch einmal den Hinweis wiederholen möchte: Wer mir etwas schenken mag, dem sei ans Herz gelegt, ein Abonnement der Patreon-Seite "Mittwochsklub" zu erwägen – schon ab 5 € im Monat! Denkt daran: Ihr leistet damit einen solidarischen Beitrag dazu, dass dieser Blog für den Rest der Welt kostenlos bleiben kann...! 

Ansonsten sieht es danach aus, dass eine "ganz normale" Schul- und Arbeitswoche bevorsteht, ohne irgendwelche besonderen Termine; Spannung verspricht hingegen abermals das Wochenende, denn am nächsten Samstag ist "Suppe & Mucke". Und das ist ja eigentlich ein Muss. Na, schauen wir mal. 


Straßenfest-Crawl, mal wieder 

Altbewährten Stammlesern dieses Blogs wird die Bezeichnung "Straßenfest-Crawl" (Kurzerläuterung: wie ein Pubcrawl, aber mit Straßenfesten statt mit Kneipen) vielleicht schon mal begegnet sein, aber nur die Wenigsten dürften sich erinnern, dass ich diese Form der Freizeitgestaltung zusammen mit meiner Liebsten "erfunden" habe, als wir seit gerade mal vier Wochen ein Paar waren – also vor knapp neun Jahren. Damals besuchten wir an einem und demselben Tag einen Jahrmarkt und zwei links-alternative Straßenfeste, und hinterher waren wir übereinstimmend der Meinung, das Konzept sei noch ausbaufähig: "Beim nächsten Mal wird das generalstabsmäßig geplant. Fünf Straßenfeste an einem Tag müssen doch drin sein!", meinte meine Liebste. Dazu kam es dann allerdings erst mal nicht, da sie sich bei einem Fahrradunfall eine Sprunggelenksverletzung zuzog und für Abenteuer außerhalb der eigenen vier Wände vorerst ausfiel. 

Richtungsweisend an jenem allerersten Straßenfest-Crawl war jedenfalls, dass er uns u.a. aufs Kreutzigerstraßenfest alias Fiesta Kreutziga führte; als wir im Frühsommer des darauffolgenden Jahres endlich erneut zu einem Straßenfest-Crawl aufbrachen, gingen wir da auch wieder hin – und hatten dort die zündende Idee für das Projekt "Punkpastoral". (Was mich übrigens daran erinnert, dass ich schon längst mal einen "Dossier"-Artikel "Warum eigentlich Punkpastoral?" zusammenstellen wollte; ein Vorhaben, das ich definitiv wieder aufgreifen sollte.) 

Man kann also sagen, dass das Format "Straßenfest-Crawl" insgesamt, und die Fiesta Kreutziga noch mal extra, für meine Liebste und mich durchaus richtungsweisende Erfahrungen gewesen sind; und am vorigen Wochenende war es mal wieder an der Zeit, daran anzuknüpfen. Dass am Samstag Fiesta Kreutziga war, hatte ich schon seit einiger Zeit im Terminkalender stehen gehabt; und dann entdeckte meine Liebste auf Facebook einen Veranstaltungshinweis zum Internationalen Kindertag. "Spiel, Spaß & kostenlose Getränke & Snacks" wurden dort in Aussicht gestellt, Ort des Geschehens sollte ein Restaurantschiff in Köpenick sein. Beim zweiten Hinsehen entpuppte sich das Ganze als Wahlwerbeveranstaltung der Familien-Partei Deutschlands zur Europawahl, aber das schadete ja nichts – zumal wenn's was umsonst gab. Was die Vereinbarkeit mit der Fiesta Kreutziga betraf, zeigte sich, dass die Veranstaltung der Familienpartei um 10 Uhr, das Kreutzigerstraßenfest hingegen erst um 15 Uhr begann, und als ich dann noch herausfand, dass es zwischen beiden Locations, so weit sie auch voneinander entfernt waren, eine direkte Tram-Verbindung gab, war ich endgültig überzeugt. 

Wir machten uns am Samstag also direkt nach dem Frühstück auf den Weg nach Köpenick. Die Veranstaltungs-Location war wirklich schön, auch wenn ich nicht so ganz nachvollziehen kann, worin der Reiz besteht, auf einem Segelschiff zu essen, das an der Mole vertäut ist. Das kommt mir ein bisschen so vor wie im eigenen Garten zu campen: Kann man machen, aber wäre es dann nicht bequemer, im Bett zu schlafen? Die "Spiel und Spaß"-Angebote waren recht überschaubare (Dosenwerfen, Glücksrad), aber das Essen war gut – auf dem Schiff gab's Cheeseburger, Hähnchennuggets und Fritten, an Land Softeis und Zuckerwatte, Bratwurst wäre auch noch zu haben gewesen. Die veranstaltende "Familien-Partei Deutschlands" ist, wie sich zeigte, übrigens die deutsche Sektion der "Europäischen Christlichen Politischen Bewegung" ("European Christian Political Movement", ECPM) und hat demnach ein christliches, mindestens "kulturchristliches" Selbstverständnis. Letzteres kann zwar im Guten wie im Bösen alles Mögliche bedeuten, aber immerhin setzt sich die Partei für die europaweite Einführung eines "Erziehungsgehalts" ein, und das finde ich schon mal ziemlich prima. Wie Tucholskys "älterer, aber leicht besoffener Herr" sagen würde: Ick werde wahrscheinlich diese Pachtei wähln. Oder vielleicht auch nicht


Auf einer von den Veranstaltern auf Facebook geposteten Fotostrecke kann man übrigens auch mich und meine Familie bewundern, wenn auch aus Datenschutzgründen überwiegend von hinten oder schräg hinten. Ehrlich gesagt finde ich, der Umstand, dass wir auf diesen Fotos mehrfach zu sehen sind, spricht dafür, dass nicht so besonders viele andere Leute da waren; was ja irgendwie auch schade ist. 

Auf dem Weg zur Tramhaltestelle kamen wir an der katholischen Pfarrkirche St. Josef vorbei, und auf besonderen Wunsch unseres Jüngsten, der explizit "ein bisschen beten" wollte, gingen wir kurz hinein. 

Neugotische Architektur trifft auf moderne Innenraumgestaltung. Das Ergebnis ist, wie ich finde, gar nicht mal so hässlich.

Die Pfarrei St. Josef Treptow-Köpenick, zu der auch die Gemeinden St. Antonius in Oberschöneweide und Christus König in Adlershof gehören, leistet sich übrigens ein Pfarrblatt im Magazinformat und unter dem Titel Pastoral³, was ja schon mal Übles befürchten lässt; ein Blick in die aktuelle Ausgabe (Mai/Juni 2024) bestätigt diesen Eindruck. Da gibt es viel Politik, darunter ein Interview mit Volker Beck und zwei Artikel, die zur Teilnahme an der Europawahl aufrufen; es gibt einen Beitrag zum 300. Geburtstag Immanuel Kants und einen zum Thema "Public Viewing zur Fußball-EM", aber Inhalte, die dem auf der Website formulierten Anspruch gerecht würden, "Zeugnis für Jesus Christus abzulegen", muss man mit der Lupe suchen. Andererseits hing im Vorraum der Kirche immerhin ein Plakat vom GiG-Festival. Alles in allem also ein recht gemischter Gesamteindruck. 

Bei der Fiesta Kreutziga kamen wir gut eine halbe Stunde nach ihrer Eröffnung an, also gegen halb Vier am Nachmittag. Das war gut so, denn dass uns das Kreutzigerstraßenfest im vorigen Jahr, als wir erstmals nach längerer Pause mal wieder dort gewesen waren, nicht so gut gefallen hatte, hatte wesentlich damit zu tun gehabt, dass wir ein ganzes Stück später angekommen waren und das Kinderprogramm schon vorbei gewesen war. Diesmal war das Kinderprogramm, wie dieser Laufzettel belegt, recht reichhaltig: 

Im "Kinderkino" lief übrigens "Zoomania"; den hatten unsere Kinder schon gesehen, aber ich fand es doch einigermaßen witzig, dass auf einem in der Hausbesetzerbewegung verwurzelten Straßenfest ein Kinderfilm gezeigt wird, der ein positives Bild von Polizeiarbeit zeichnet. 

Wenn ich übrigens sage, dass meine sechsjährige Tochter auf der Fiesta Kreutziga mehr Bekannte traf als ich, ist das vielleicht etwas übertrieben formuliert, aber nicht grundsätzlich unwahr: Sie traf eine etwas ältere Mitschülerin, wohingegen ich lediglich eine Handvoll Gesichter sah, die mir "von früher her" bekannt vorkamen, aber ohne dass mir Namen dazu eingefallen wären, und sie machten ihrerseits auch nicht den Eindruck, sich an mich zu erinnern. Nun ja, wie ich schon voriges Jahr schrieb: Einige meiner Bekannten aus der Zeit, als ich mich noch recht regelmäßig im Milieu der Kreutzigerstraße bewegte, sind tot, andere vielleicht weggezogen. 

Man kann es somit wohl als einigermaßen folgerichtig betrachten, dass wir, als die Stände des Kinderprogramms gegen 18 Uhr abgebaut wurden, so langsam den Rückzug antraten. Aber man muss sagen, die Spiele, die beim Kinderprogramm angeboten wurden, waren ziemlich cool; einige davon könnte man sich mal zur Nachahmung merken, für zukünftige Pfarrfeste, Kindergeburtstage oder dergleichen. 

Übrigens muss die schon anlässlich unseres allerersten "Straßenfest-Crawls" aufgeworfene Frage, ob es den "Stressfaktor", den Veranstaltungskalender der links-alternativen Szene Berlins, eigentlich auch als App gibt, auch nach fast neun Jahren immer noch verneint werden. Gleichwohl hat die Fiesta Kreutziga mir Lust darauf gemacht, mal wieder öfter zu Veranstaltungen zu gehen, die im Stressfaktor beworben werden. Na, schauen wir mal – der Sommer fängt ja gerade erst an. 

Auf dem Weg von der Kreutzigerstraße zur S-Bahn kamen wir übrigens an einer Reihe von Wahlplakaten mit dem Konterfei Sahra Wagenknechts vorbei, was mich darauf brachte, mich zu fragen, ob das Bündnis Sahra Wagenknecht zum Wahlkampfabschluss womöglich auch ein schönes, familientaugliches Sommerfest veranstalten würde. Ich meine, Vernunft und Gerechtigkeit sind ja gut und schön, aber was sind Vernunft und Gerechtigkeit ohne Bratwurst und Hüpfburg? – Die Ergebnisse, die ich erhielt, als ich "Bündnis Sahra Wagenknecht Bratwurst Hüpfburg" in die Suchleiste bei Google eingab, sahen indes durchweg ungefähr so aus: 

See, that's the problem.

Fronleichnam in Spandau 

Am Sonntag stand ich einigermaßen zeitig auf und machte mich auf den Weg nach Spandau, um zusammen mit meinen Kollegen vom KiWoGo-Arbeitskreis die Kinder-Bibel-Rallye vorzubereiten, die im Rahmen des "geselligen Teils" der Spandauer Fronleichnamsfeier stattfinden sollte. Währenddessen hatte meine Liebste zu Hause Mühe, die Kinder wach zu kriegen – eine Nachwirkung des ereignisreichen Samstags. Zur Messe ging ich also erst mal ohne meine Familie. Die ausgesprochen geräumig angelegte Pfarrkirche war gut gefüllt, die Messe wurde – erwartungsgemäß – vom leitenden Pfarrer zelebriert. Kurz vor Ende der Messe fanden sich dann auch Frau und Kinder auf dem Kirchengelände ein, sodass wir gemeinsam an der Prozession teilnehmen konnten – die erheblich kürzer war als im vorigen Jahr, aber auch so kam sie mir noch mindestens so lang vor wie die der zentralen Fronleichnamsfeier des Erzbistums am Donnerstagabend (nachgemessen habe ich die Strecke nicht). 



Schon im vorigen Jahr hatte es – als bemerkenswertes Signal in Sachen Ökumene – mit Erlaubnis der evangelisch-landeskirchlichen Gemeinde einen Stationsaltar auf dem Grundstück der Nikolaikirche, der "Wiege der Reformation in der Mark Brandenburg", gegeben; den gab es auch diesmal wieder, aber diesmal war der evangelische Pfarrer noch einen Schritt weiter gegangen und hatte angeregt, der Prozessionszug könne auch durch die Nikolaikirche hindurchziehen. Und so wurde es auch gemacht. 

Hochaltar der Spandauer Nikolaikirche 

Nicht so schön war, dass ich am Rande der Station an der Nikolaikirche mit einer boshaften alten Frau aneinandergeriet, die Anstoß daran nahm, dass unser Jüngster etwas unruhig war. Ironischerweise entstand der Konflikt gerade dadurch, dass wir uns, um die Andacht möglichst wenig zu stören, mit dem quengelnden Knaben in die hinteren Reihen der Umstehenden zurückzogen – aber genau da trafen wir die stereotype "böse Alte". Anfangs versuchten wir ihre halblaut gemurmelten feindseligen Kommentare zu ignorieren; als sie uns böse anstarrte, starrte ich böse zurück, was sie für einen kurzen Moment tatsächlich etwas einzuschüchtern schien. Als sie dann aber doch erneut anfing, über das "Gequake" meines Sohnes zu meckern, reichte es mir, und ich fragte sie – wohl etwas lauter und erregter, als nötig gewesen wäre –, was sie mit ihrem Herzen voll Bosheit eigentlich bei einer eucharistischen Prozession zu suchen habe. 

Um uns von diesem unschönen Zwischenfall zu erholen, gingen wir nach dem Durchzug durch die Nikolaikirche erst mal Eis essen und verpassten dadurch den Rest der Prozession, und es kann gut sein, dass wir gar nicht mehr zum "geselligen Teil" im Garten von Maria, Hilfe der Christen gegangen wären, wenn ich da nicht eine Aufgabe gehabt hätte – nämlich eben die Mitwirkung bei der Kinderbibelrallye. 

Diese begann gegen 13:15 Uhr, und es fanden sich ungefähr zehn Kinder dazu ein – gar nicht mal so schlecht, würde ich sagen. Als Auftakt gab's, wie beim Vorbereitungstreffen Mitte Mai besprochen, erst mal ein Bewegungslied, nämlich "Ich mach mich locker" von Mike Müllerbauer; ich führte dazu die Bewegungen vor, was den nicht unwesentlichen Vorteil hatte, dass ich erst mal selber locker wurde. Als Probelauf für das Projekt "Kinder-Lobpreis-Disco" war diese Darbietung allerdings nur mäßig erfolgreich: Ich hätte gern noch ein, zwei weitere Lieder gespielt, aber die Kinder hatten es eilig, mit der eigentlichen Rallye anzufangen. – Für diese hatten wir im Garten dreizehn kleine Schraubgläser versteckt, die – abgesehen von blauen Krepppapier-Streifen, die Wasser darstellen sollten – zwölf Playmobil-Fische und ein aus einem Stück Fliegengitter angefertigtes Fischernetz enthielten. Diese Gläser durften die Kinder erst einmal suchen – was schneller ging, als wir vermutet hätten –, dann versammelten wir sie im Gartenpavillon, und ich trug aus einer Kinderbibel eine Nacherzählung des "Wunderbaren Fischzugs" nach Johannes 21,1-14 vor. Es gibt ja auch in den synoptischen Evangelien – in Matthäus 4,18-22, Markus 1,16-20 und am ausführlichsten Lukas 5,1-11 – eine Version des Wunderbaren Fischzugs, die sich nicht nach der Auferstehung, sondern im Kontext der Berufung der Jünger ereignet, und ursprünglich hatte ich gedacht, wir nehmen die; aber dann hatten wir uns teamintern doch auf die Johannes-Version geeinigt. 

Dieses Visualisierungs-Element musste daher leider wieder umgebaut werden, denn in der Johannes-Version war Jesus ja nicht im Boot, sondern am Ufer.

Der Gemeindereferent steuerte eine kleine Auslegung zu dieser Perikope bei, und zum Abschluss gab es noch ein kleines Gebet (das Vorbeten delegierte ich mal wieder an meine Liebste). Unter den teilnehmenden Kinder waren übrigens durchaus ein paar, die sich am religiösen Inhalt des Kinderprogramms demonstrativ desinteressiert zeigen, aber so etwas lässt sich verschmerzen – beim JAM gibt es auch immer ein paar Kinder, die recht deutlich zu erkennen geben, dass sie auf den katechetischen Teil keinen Bock haben, und die kommen trotzdem jede Woche wieder. 

Was es sonst noch über den "geselligen Teil" der Fronleichnamsfeier zu sagen gibt, habe ich in einem separaten Artikel mit dem Titel "Keine wundersame Würstchenvermehrung" dargelegt, den ich bereits gestern auf Patreon veröffentlicht habe, der aber mit der üblichen Verzögerung auch noch hier auf "Huhn meets Ei" erscheinen wird. Ein anekdotisches Detail möchte ich aber doch noch festhalten: Als das Fest sich bereits dem Ende zuneigte, kam ich auf der Suche nach Kaffee am Organisten und der ehrenamtlichen Pfarrsekretärin von St. Joseph Siemensstadt vorbei, die sich gerade miteinander unterhielten; und als der Organist mich sah, sagte er: "Der Tobias ist ja der treueste Kirchgänger überhaupt. Und dann ist er noch so mutig und setzt sich immer ganz nach vorn. Immer, wenn ich den Tobias sehe, dann weiß ich: Jetzt kann ich anfangen." Nett...! 


Wenn der Vater mit dem Sohne 

Die erste Woche des Herz-Jesu-Monats Juni war gespickt mit interessanten Heiligengedenktagen; das begann am Montag mit dem Gedenktag des Hl. Karl Lwanga und Gefährten. Eigentlich wollte ich zu diesem Anlass zusammen mit meinem Jüngsten eine Lobpreisandacht in St. Joseph Tegel abhalten, und der Knabe war auch durchaus dazu aufgelegt, aber dann kam uns ein Windelunfall dazwischen, der uns veranlasste, schnell nach Hause zu fahren und den Junior umzuziehen. Es blieb nicht das einzige, was an diesem Tag nicht nach Plan lief: Am Nachmittag hätte eigentlich mal wieder ein "ganz normaler" Omatag sein sollen, den ich aber kurzfristig absagen musste, um die Kinder stattdessen ins Bett zu stecken – die Große wegen Erkältung und den Kleinen einfach deshalb, weil man ihm allzu deutlich anmerkte, dass sein Mittagsschlaf überfällig war. Am Dienstag blieben wir daraufhin kurzerhand alle zu Hause (meine Liebste hatte unterrichtsfrei). 

Am Mittwoch, dem Fest des Hl. Bonifatius, waren die Kinder dafür umso früher wach – so früh, dass mir nicht mal Zeit zum Duschen blieb. Ich beschloss das Beste aus der Situation zu machen und brachte die Große einfach mal früher zur Schule als sonst (gleitende Ankunftszeit, ich erwähnte es schon mal), danach machte ich mit dem Jüngsten auf dem Weg zur Kirche in Heiligensee einige Umwege und fragte ihn schließlich: "Sollen wir noch eine Viertelstunde spazieren gehen oder willst du zum Rosenkranz?" – "Rosenkranz", entschied der Knabe, und zwar nachdem ich ein paar Sätze dazu gesagt hatte, was ihn da erwartete und dass er sich da dann aber gut benehmen müsse. Wir kamen etwa gleichzeitig mit einigen zur "Kerngemeinde" gehörenden Senioren auf dem Kirchenvorplatz an, und denen musste ich natürlich gleich auf die Nase binden, dass es die Entscheidung des Knaben gewesen war, zum Rosenkranz zu gehen. "Der wird mal Pfarrer", bemerkte eine alte Frau (die übrigens selbst einen Sohn hat, der Pfarrer ist). 

Die Messe zelebrierte wieder einmal "Pater Brody"; in seiner Predigt, die hauptsächlich auf die 1. Lesung (Apostelgeschichte 26,19-23, das Zeugnis des Paulus vor König Agrippa) Bezug nahm, betonte er die Bedeutung des persönlichen Zeugnisses für die Glaubensweitergabe, was ich durchaus gut fand. Dagegen schien er mit dem Tagesheiligen, ähnlich wie vor zwei Wochen mit der Hl. Rita, eher seine Schwierigkeiten zu haben: In seinen Begrüßungsworten schilderte er die Verdienste des Hl. Bonifatius in auffallend schnoddrigem Tonfall ("Was der alles geleistet hat, Chapeau, muss man sagen, nicht schlecht") und warf die Frage auf, ob er das Martyrium nicht allzu sehr gesucht habe, "damit er heiliger Fürsprecher werden kann"; am Ende seiner Predigt fügte er noch hinzu, als Vorbild für einfache Gläubige von heute sei Bonifatius wohl "eine Nummer zu groß". Ich frage mich wirklich, warum er sich solche Bemerkungen nicht verkneifen kann – ob das sein rheinisches Naturell ist oder ob er partout vermeiden will, für allzu fromm gehalten zu werden; jedenfalls nervt mich das, und zwar umso mehr, als er mir ansonsten durchaus sympathisch ist. Beim Gemeindefrühstück nach der Messe setzte er sich wieder neben meinen Sohn und plauderte munter mit ihm. 

Zurück in Tegel, wollte der Jüngste eigentlich noch "Beten mit Musik", schlief aber auf dem Weg dorthin ein – was mich, nachdem er morgens schon so früh wach gewesen war, nicht gerade überraschte –, und als er wieder aufwachte, war es schon an der Zeit, dir Große von der Schule abzuholen und zusammen zum JAM zu fahren, wo wenig später auch meine Liebste zu uns stieß. Diesmal verdonnerte unser Jüngster sie dazu, mit ihm zum Programm für die "Kleinen" zu gehen statt zum Elterncafé, sodass ich mit dem Tochterkind beim Programm für die größeren Kinder bleiben konnte. Inhaltlich ging's weiterhin um die Missionsreisen des Paulus, diesmal wurden dabei so ungefähr die Kapitel 21-23 der Apostelgeschichte abgedeckt – in Form einer lebhaften und fesselnden Nacherzählung, aber wesentlich mehr als eine Nacherzählung war es eben doch nicht. Wieder einmal ein Fallbeispiel dafür, dass in evangelikalen Kreisen die Vermittlung von Kenntnissen in biblischer Geschichte als Wert an sich gilt und die Frage "Was sagt uns das heute?" nicht so im Vordergrund steht. 

Am Donnerstag, dem Gedenktag des Hl. Norbert von Xanten, des Gründers des Bistums Magdeburg, schafften der Jüngste und ich es endlich, in St. Joseph Tegel eine Lobpreisandacht abzuhalten; zwar schlief der Knabe erneut auf dem Weg zur Kirche ein, aber diesmal hatten wir genug Zeit, dass ich ihn erst mal schlafen lassen konnte und wir mit der Andacht beginnen konnten, als er wieder wach war. 

Mit dabei: Die aktuellen Lieblingskuscheltiere des Jüngsten.

Am Freitag, also gestern, war dann das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, und da ging ich mit dem Jüngsten zuerst zur Eltern-Kind-Gruppe in der Gemeinde auf dem Weg und anschließend zu einem Requiem in der Kapelle des St.-Sebastian-Friedhofs. Wieso und warum, was ich mit der Verstorbenen zu tun hatte, was ich bei dieser Gelegenheit Interessantes über sie erfuhr und was es über dieses Requiem sonst noch zu sagen gibt, ist ein Thema, das hier wohl den Rahmen sprengen würde; ich erwäge daher, es in einem eigenständigen Artikel zu behandeln. 


Geistlicher Impuls der Woche 
Aus der Seite des am Kreuz entschlafenen Christus sollte die Kirche gebildet werden, und es sollte sich die Schrift erfüllen: "Sie werden auf den blicken, den sie durchbohrt haben" (Sach 12,10, vgl. Joh 19,37). Darum verfügte Gott, dass einer der Soldaten diese Seite durchbohrte und öffnete. Blut und Wasser flossen heraus, der Lösepreis unseres Heils. Ausgegossen aus dem Quell, dem Allerheiligsten des Herzens, sollte dieser Preis den Sakramenten der Kirche die Kraft geben, das Leben der Gnade zu gewähren. Den bereits in Christus Lebenden sollte er der Becher lebendigen Wassers für das ewige Leben sein (vgl. Joh 4,14). 
(Bonaventura, Das Holz des Lebens) 

Ohrwurm der Woche 

Wheatus: Teenage Dirtbag 

Okay, Leser: Kennste den? Was ist der Unterschied zwischen einem Comedian und einem Kabarettisten? – Comedians machen das nur wegen dem Geld. (Kunstpause) Kabarettisten wegen des Geldes

Im Sinne dieser Unterscheidung ist Lennart Schilgen definitiv ein Kabarettist und kein Comedian. Der junge Mann ist derart intellektuell, dass es ein zentrales Element seiner Bühnenshows darstellt, sich selbst dafür auf die Schippe zu nehmen, wie intellektuell er ist. So jedenfalls mein Eindruck auf der Basis dessen, was ich bisher von ihm gesehen habe; überwiegend handelt es sich dabei um Kurzvideos auf Facebook oder Instagram. Erstmals aufgefallen ist er mir mit einer Nummer mit dem schönen Titel "Am Tag, an dem ich Post von Reinhard Meys Anwalt bekam", und seitdem hat er bei mir einen Stein im Brett. Hörenswert ist auch seine Parodie von Peter Fox' "Schwarz zu Blau", in der das lyrische Ich nicht wie im Original "aus'm Club" kommt, sondern "aus der Bib" ("war schön gewesen, bisschen YouTube, bisschen pennen,  bisschen Goethe lesen"); und dann eben die von "Teenage Dirtbag". Darin geht es um Michelle aus dem Deutsch-LK, die "nicht grade hell" ist und des Öfteren "kein' Bock" hat – und sich "so ad hoc" nicht mal den Titel des Buches merken kann, um das es im Unterricht gerade geht, nämlich "Die Verwirrung'n des Zöglings Törleß, Baby". Kurz, die Nummer macht Laune – und mir hat sie Lust gemacht, mal wieder das Original von anno 2000 anzuhören. 

Meiner Wahrnehmung zufolge bestand das Alleinstellungsmerkmal und Erfolgsgeheimnis von "Teenage Dirtbag" darin, dass es sozusagen die Fun-Variante des damals virulenten Alternative Rock bzw. Post-Grunge verkörperte: Während Bands wie Matchbox 20 oder die Goo Goo Dolls Songs fabrizierten, die nach Herzblut und noch ein paar anderen Körperflüssigkeiten schmeckten, behandelten Wheatus die Nöte des Teenagerseins mit Augenzwinkern und Selbstironie; und so etwas muss es eben auch geben, das kann man ruhig auch dann anerkennen, wenn man, wie ich, die ernsthafte Spielart des Alternative Rock eigentlich lieber mochte. – Sehr große Ähnlichkeit hat "Teenage Dirtbag" übrigens mit dem zwei Jahre älteren "Lullaby" von Shawn Mullins; das macht es umso verblüffender, dass das eine Lied melancholisch und tiefsinnig wirkt und das andere lustig. – Abschließend möchte ich noch auf den Satz "Her boyfriend's a dick, he brings a gun to school" aufmerksam machen – und insbesondere darauf, welches Wort aus diesem Satz zensiert wurde. Ein interessantes zeitgeschichtliches Dokument, möchte ich meinen. 


Samstag, 1. Juni 2024

Creative Minority Report Nr. 32

Herzlich willkommen zum neuen Wochenbriefing, Freunde! Mit Wichtelgruppe, KiWoGo, zwei Lobpreisandachten, einer Werktags-Wortgottesfeier und last not least Fronleichnam war die zurückliegende Woche nun wirklich sehr vollgepackt mit blogrelevanten Ereignissen; so sehr, dass ich zwischendurch erwogen habe, das eine oder andere Thema in einen eigenständigen Artikel auszulagern. Nur: Wann hätte ich den schreiben sollen? Ich habe mich also bemüht, alles hier unterzubringen, auch wenn der Artikel dadurch ein bisschen Überlänge bekommt; den einen oder anderen Inhaltlichen Aspekt wird man aber wohl mal an anderer Stelle, unabhängig vom situativen Anlass, vertiefen müssen. 


Was bisher geschah 

Der Berichtszeitraum dieses Wochenbriefings begann mit einem ereignisreichen Wochenende; besonders viel los war am Samstag, der darum eine eigene Rubrik bekommt – mit der vielsagenden Überschrift "Ein Samstag zwischen Wichtelgruppe, S-Bahn-Geburtstag und Baumhaus". Am Sonntag fand der mit Spannung erwartete Kinderwortgottesdienst zum Thema "Gehet hin in alle Welt" statt (siehe unter "Schwarzer Gürtel in KiWoGo"), den Rest des Tages ließ ich es eher ruhig angehen, während Frau und Kinder zum Feenfest im Britzer Garten fuhren.

Am Montag war sozusagen ein "Omatag-Special", denn eine der Omas feierte in Form eines Essens in einem indischen Restaurant in Bernau ihren Geburtstag nach. Bevor wir da hinfuhren, hielt ich aber mit dem Jüngsten eine Lobpreisandacht in St. Joseph Tegel ab. Als wie dort ankamen, waren Bauarbeiter offenbar gerade dabei, das Gerüst an der Fassade zurück- oder umzubauen, und die Tür der Kirche stand offen – vermutlich weil die Bauarbeiter drinnen ein Stromkabel angeschlossen hatten; ich sah von meiner Seite aus keinen Grund, daran etwas zu ändern, aber schon relativ bald nach dem Beginn unserer Andacht schlossen die Bauarbeiter dann doch ihrerseits die Tür. 

Am Dienstag hatte meine Liebste keinen Unterricht und verbrachte den Tag größtenteils zu Hause; dafür hatte sie aber am Mittwoch nach Schulschluss noch ein Elterngespräch, weshalb ich allein mit den Kindern zum JAM gehen musste. Wie ich das bewältigt habe und was am Mittwoch sonst noch so alles los war, schildere ich in der Rubrik "Immer wieder mittwochs", die, nachdem sie vorige Woche ausgefallen ist, diesmal ein Comeback feiert. Am Donnerstag war das Hochfest des Leibes und Blutes Christi, kurz Fronleichnam; zum ersten Mal seit sechs Jahren nahm ich mit meiner Familie wieder an der zentralen Fronleichnamsfeier des Erzbistums Berlin teil, und im Ganzen kann ich auch nicht sagen, dass ich das bereue – Näheres hierzu unter "Deinem Heiland, deinem Lehrer". Am Freitag, also gestern, war ausnahmsweise mal nichts besonderes los, und was wir heute so gemacht haben und noch machen, gehört schon eher in die folgende Rubrik... 


Was ansteht 

Heute ist Fiesta Kreutziga, und bei Redaktionsschluss konnte es als einigermaßen wahrscheinlich gelten, dass wir dort sein werden, wenn dieser Artikel online geht. Am morgigen Sonntag wird dann Fronleichnam auf Pfarreiebene "nachgefeiert", was für unsere Wahlpfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland bedeutet: Messe in der Pfarrkirche Maria, Hilfe der Christen; Prozession durch die Spandauer Altstadt; und anschließend ein Pfarrfest, zu dem der KiWoGo-Arbeitskreis von St. Joseph ein Kinderprogramm beisteuert, dessen Kernstück eine "Bibelrallye" im Pfarrgarten bilden soll. Damit die Kinder nach der Messe und der Prozession aber erst mal ein bisschen locker werden, habe ich vor, zum Auftakt des Kinderprogramms ein paar Bewegungslieder mit ihnen einzuüben, gewissermaßen als Probelauf für das Projekt "Kinder-Lobpreis-Disco". Für den Rest der Woche steht erst mal nicht viel Besonderes auf dem Programm; kommenden Samstag ist das nächste Wichtelgruppentreffen, diesmal wieder in St. Stephanus. Im Übrigen möchte ich schon mal vorausschicken, dass am Sonntag, dem 9. Juni, nicht nur Europawahl ist, sondern auch mein Geburtstag; wer mir gern etwas schenken möchte, dem möchte ich ans Herz legen, ein Abonnement der Patreon-Seite "Mittwochsklub" zu erwägen – schon ab 5 € im Monat! Denkt daran: Ihr leistet damit einen solidarischen Beitrag dazu, dass dieser Blog für den Rest der Welt kostenlos bleiben kann...! 


Ein Samstag zwischen Wichtelgruppe, S-Bahn-Geburtstag und Baumhaus 

Wie schon erwähnt, hatten wir am vergangenen Samstag von morgens bis Abends volles Programm. Was das Wichtelgruppentreffen angeht, muss ich allerdings sagen, dass ich diesmal wirklich unzufrieden war. Das lag nicht daran, dass wieder nur drei Kinder da waren, von denen zwei meine eigenen waren; darauf war ich schon eingestellt gewesen. Dass meine Co-Gruppenleiterin nicht dabei war, weil sie mit ihrer Familie übers Wochenende weggefahren war, ließ sich auch noch verschmerzen, auch wenn ich – beispielsweise – längst nicht so gut Gitarre spielen kann wie sie; "Einfach spitze!" als Lied zur Begrüßung kriegte ich allemal hin. Die Probleme begannen danach, nämlich damit, dass die Kinder – und zwar vorrangig meine eigenen – schlichtweg in keiner "gruppentauglichen" Verfassung waren. Zunächst war es vor allem mein Jüngster, der für Unruhe sorgte, indem er partout Fußball spielen wollte und keinen Gegenvorschlag akzeptierte. Als ich etwas später eine Geschichte vorlesen wollte, quatschte zuerst das Tochterkind dazwischen, beim zweiten Anlauf der Jüngste, und danach hatte das dritte Kind im Bunde auch keine Geduld mehr. Geschichte Vorlesen fiel diesmal also aus; schließlich konnte die Mutter des dritten Kindes (die Teamkollegin, die auch beim KiWoGo mitmacht) die Situation retten, indem sie ein Bewegungsspiel vorschlug, bei dem alle Kinder fröhlich mitmachten. Der Abschluss der Gruppenstunde verlief dann wieder geordnet und friedlich, aber ein Gefühl der Frustration blieb. 

Zeitgleich hatten übrigens die Haselhorster Pfadfinder ihr Stammestreffen in St. Stephanus; so gesehen hätte sich dieser Termin womöglich dafür angeboten, mal wieder etwas mit den Pfadfindern zusammen zu machen, aber wir hatten uns nun einmal darauf festgelegt, die regelmäßigen Termine der Wichtelgruppe abwechselnd in St. Stephanus und St. Joseph abzuhalten, und nach diesem Turnus waren wir diesmal eben in St. Joseph. Ob's anders besser gewesen wäre, kann man letztlich nicht wissen. 

Direkt vom Wichtelgruppentreffen aus fuhr meine Liebste mit den Kindern nach Erkner zum Fest "100 Jahre Berliner S-Bahn"; ich kam dahin nicht mit, sondern nutzte die Zeit für andere Dinge. Wie ich schon in meinem vorigen Wochenbriefing angemerkt hatte, wollte ich eigentlich gern zur Community Networking Night im Baumhaus, und zwar nach Möglichkeit mit der ganzen Familie; ich war allerdings durchaus nicht sicher, ob das klappen würde. – Gegen Abend schrieb mir meine Liebste dann, die Kinder seien zwar ziemlich überdreht, aber sie wolle eigentlich trotzdem gern ins Baumhaus und dort zu Abend essen; also trafen wir uns dort – und das lohnte sich, denn neben Suppe und Salat gab es diesmal auch Pizza

Im Hintergrund ein Mitbringsel vom S-Bahn-Geburtstag

Zum Nachtisch gab's Brotpudding. Auch sehr lecker.

Auch schön war, dass bei diesem Community Dinner mal ein weiteres Kind unter den Gästen war, ein Junge, der vielleicht zwei bis drei Jahre älter war als unser Tochterkind. – Nach dem Essen stellten wir allerdings fest, dass unsere Kinder nun wirklich dringend ins Bett mussten, außerdem kündigte sich ein Gewitter an; wir blieben also nicht zur "News You Can Use"-Runde, was ein bisschen schade war, aber man kann halt nicht immer alles haben. 

Aber man muss sagen, die Kombination "Sonnenuntergang plus Gewitterluft" war schon ziemlich spektakulär.


Schwarzer Gürtel in KiWoGo 

Der Kinderwortgottesdienst zum Dreifaltigkeitssonntag war in St. Joseph Siemensstadt der erste seit der Erstkommunion, weshalb die Frage, wie viele Kinder da wohl überhaupt kommen würden, recht drängend im Raum stand. Bisher hatten sich Kinder aus dem Erstkommunionkurs und jüngere Kinder zahlenmäßig meist ungefähr die Waage gehalten, aber zu einem nicht unwesentlichen Teil waren diese jüngeren Kinder wohl Geschwister der Erstkommunionkinder gewesen, und wenn deren Eltern nun der Meinung waren, nach der Erstkommunion "müssten" sie nicht mehr mit ihren Kindern in die Kirche kommen, dann... na ja. Als ich im Pfarrsaal einen Sitzkreis aus 14 Stühlen aufbaute – so viele ließen sich locker um den Teppich gruppieren, der als Spielfläche dienen sollte –, fand der Gemeindereferent das schon optimistisch, aber tatsächlich wurden dann alle Plätze besetzt und ich musste für mich selbst noch einen weiteren darzustellen. Demnach waren neben vier Erwachsenen (nämlich dem dreiköpfigen Katechetenteam und meiner Liebsten) also elf Kinder mit von der Partie; gar nicht so schlecht, würde ich mal sagen. 

Die Aufgaben für die Gestaltung dieses Kinderwortgottesdienstes hatten wir teamintern gut unter uns aufgeteilt: Der Gemeindereferent sollte ein paar einführende Worte sagen, das Evangelium vom Tag (Mt 28,16-20) vortragen und von dieser Perikope zu einer Beispielgeschichte zum Thema "Mission" überleiten, die zu erzählen meine Aufgabe sein sollte – mit einem Spielzeugauto, einem Spielzeugelefanten, Playmobilfiguren und bunten Tüchern als Visualisierungselementen. Die Moderation des "Ergebnissicherungs"-Gesprächs sollte die Teamkollegin übernehmen, die schon tags zuvor das Wichtelgruppentreffen vor dem Abdriften ins Chaos bewahrt hatte. Für alle Fälle hatte ich auch meine Gitarre mitgebracht, um bei Bedarf zum Abschluss noch ein Lied zu spielen (nämlich "Alles was ich hab"); wie schon mal erwähnt: Da man beim KiWoGo nie so genau weiß, wie viel Zeit man zur Verfügung hat, tut man gut daran, "weglassbare Elemente" einzuplanen. Tatsächlich hatten wir für das Lied keine Zeit mehr, aber das fand ich nicht schlimm; erst recht nicht schlimm fand ich, dass, als wir in die Kirche zurückkamen, die Kollekte schon vorbei war, sodass wir gar nicht erst in Versuchung gerieten, etwas für den Katholikentag zu spenden. Erst im Nachhinein fiel mir auf, dass wir wieder nicht daran gedacht hatten, die Katechese mit einem Gebet abzuschließen; das will ich nächstes Mal definitiv besser machen. 

Hier nur ein Symbolbild; "in echt" kam ein größerer Elefant zum Einsatz. 

Kommen wir aber mal zum Inhaltlichen: Wie ich unlängst schon erwähnt hatte, handelte es sich bei der Beispielgeschichte, die im Mittelpunkt dieses KiWoGo stand, um eine Erzählung aus dem thailändischen Dschungel, die ich ursprünglich in Form eines Films kennengelernt hatte, der mal bei der "Kinderkirche" in der EFG The Rock Christuskirche in Haselhorst gezeigt worden war. Darin geht es um einen Missionar, der mit Pick-up-Truck und Diaprojektor abgelegene Dörfer im Regenwald abklappert, um den Menschen dort die Frohe Botschaft von Jesus Christus zu bringen. Eines Tages versperrt ein umgestürzter Baum die Straße, und einer der Dorfbewohner meint daraufhin, der der Missionar solle einfach seinen Gott bitten, den Baum aus dem Weg zu räumen – damit könne er den Leuten gleich mal zeigen, was dieser Gott so drauf hat. – Für diejenigen Leser, die sich nicht erst den Film ansehen wollen, um zu erfahren, wie die Geschichte weitergeht, sei das Geschehen hier kurz zusammengefasst: 

Der Missionar betet, Gott möge ihm den Weg frei machen; da taucht ein Mann aus einem anderen Dorf auf und bittet ihn, auch dieses zu besuchen und dort von Jesus zu erzählen; dieses Dorf, von dessen Existenz der Missionar zuvor nichts gewusst hat, liegt noch weiter oben am Berg, dorthin führt keine richtige Straße, sondern nur ein trockenes Flussbett. Der Missionar verbringt zwei Tage in diesem Dorf; als er von dort zurückkehrt, liegt der Baum immer noch auf der Straße, also betet er erneut, Gott möge ein Wunder wirken und den Baum aus dem Weg schaffen. Da kommt ein kleiner alter Mann aus dem Dschungel, erkundigt sich, was hier los sei, besieht sich den Baum von allen Seiten und verspricht, ihn wegzuräumen. Dann verschwindet er wieder im Gebüsch – und kehrt kurz darauf mit einem Elefanten zurück. Er erklärt, er lebe auf der anderen Seite des Berges, sein Elefant sei ihm vor zwei Tagen davongelaufen und er habe ihn erst jetzt wieder eingeholt. Der Elefant räumt den Baum aus dem Weg, und der Missionar erkennt, dass Gott sein Gebet erhört hat, indem Er ihm den Elefanten geschickt hat, gleichzeitig aber auch dafür gesorgt hat, dass er in der Zwischenzeit noch in einem anderen Dorf das Evangelium verkünden konnte. 

Ich glaube sagen zu dürfen, dass die Geschichte bei den Kindern gut ankam; die anschließende Diskussion drehte sich schwerpunktmäßig darum, dass das Verkünden der Frohen Botschaft Jesu sich nicht unbedingt nur in entlegenen Winkeln der Welt abspielen muss, sondern schon vor der eigenen Haustür beginnen kann, und enthielt auch Anregungen, wie sogar schon Kinder im Alltag ein Zeugnis für den Glauben ablegen können. – Am Ende lief uns, wie schon erwähnt, ein bisschen die Zeit davon; vielleicht hätte man den Einleitungsteil ein bisschen knapper gestalten können. 

Ein anderes Problem war, dass ausgerechnet meine Kinder und die der Teamkollegin nach diesem KiWoGo einigermaßen unwillig waren, wieder in die Kirche zurückzukehren. Das schöne Wetter mag einen gewissen Anteil daran gehabt haben; allerdings habe ich auch früher schon mal die Beobachtung festgehalten, dass es den Kindern nach dem Kinderwortgottesdienst eher schwerer fällt, während des eucharistischen Teils der Messe ruhig und aufmerksam zu sein, als wenn sie die ganze Zeit in der Kirchenbank gesessen hätten. Ich halte das nach wie vor für ein grundsätzliches strukturelles Problem des Formats "Kinderwortgottesdienst während der Messe"

Es ist wohl einigermaßen offensichtlich, dass hier ein Zwiespalt vorliegt: Ich habe an mittlerweile sechs Kinderwortgottesdiensten mitgewirkt und glaube behaupten zu dürfen, dass ich es dabei an Engagement, Motivation und Kreativität nicht habe fehlen lassen; und das gedenke ich auch in Zukunft so zu halten. Und trotzdem bin ich nach wie vor nicht davon überzeugt, dass es grundsätzlich gut und sinnvoll ist, einen Kinderwortgottesdienst parallel zur Sonntagsmesse zu veranstalten. Nun gut, letztlich ist es ein Fall von pragmatischer Inkonsequenz: Der Kinderwortgottesdienst während der Messe ist ein niederschwelliges Angebot, insofern, als man damit eine Zielgruppe erreicht, für die die Hürde, zu einem vergleichbaren Angebot außerhalb der Sonntagsmesse zu kommen, unverhältnismäßig viel höher wäre. Man kann sich wünschen, dass es anders wäre, man kann versuchen, dazu beizutragen, dass sich das ändert – aber erst mal muss man eben mit den Voraussetzungen arbeiten, die man vorfindet. Belassen wir's für diesmal dabei; es kommt noch der Beitrag des KiWoGo-Teams zur Fronleichnamsfeier und dann noch ein KiWoGo Ende Juni, dann habe ich meine erste Saison als Kinderkatechet vollendet. Das dürfte dann der geeignete Zeitpunkt für eine Bilanz und einen Ausblick sein. 


Immer wieder mittwochs 

Am Mittwoch der zurückliegenden Woche wurde nicht nur der in Erfurt stattfindende 103. Deutsche Katholikentag eröffnet, sondern es war auch der Gedenktag des Hl. Papstes Paul VI. – eine Koinzidenz, der ich, wenn auch mit ein paar Tagen Verspätung, einen Beitrag auf der Patreon-Seite des Mittwochsklubs widmete. Und in St. Marien Maternitas in Berlin-Heiligensee war, wie ich diesmal schon im Vorfeld dem Wochenplan der Pfarrei entnommen hatte, mal wieder Wortgottesfeier statt Werktagsmesse. Die Lesungstexte des Tages hatte ich mir daraufhin ebenfalls schon mal angesehen und hatte daher ziemlich klare Erwartungen in Hinblick darauf, um welche Sätze es wohl in der Predigt gehen würde und um welche nicht. Tatsächlich würde ich zur 1. Lesung dieses Tages – 1. Petrus 1,18-25 – ja nur zu gern mal eine Predigt hören; angefangen damit, wie der Apostelfürst seine Adressaten an ihre frühere "nichtige Lebensweise" erinnert, die sie "von den Vätern ererbt" hätten und von der sie nun "losgekauft" worden seien, und zwar "nicht um einen vergänglichen Preis, nicht um Silber oder Gold, sondern mit dem kostbaren Blut Christi"; bis hin zu der Mahnung, "alles Sterbliche" sei "wie Gras", das "verwelkt" – und abschließend betont er dann auch noch, das sei eine "frohe Botschaft". Hand aufs Herz: Macht die institutionelle Kirche hier und heute – gerade auch die deutsche Funktionärskirche, wie sie sich aktuell auf del Katholikentag präsentiert – den Eindruck, sie traue sich (zu), irgendwem einen "nichtigen Lebenswandel" zu attestieren, geschweige denn zu versichern, sie, die Kirche, verfüge über die spirituellen Mittel, Menschen aus diesem "nichtigen Lebenswandel" zu befreien? Wäre es, konkret gefragt, diesem Diakon, der ja zusammen mit "Pater Mephisto" auch Queer-Beauftragter der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd ist, zuzutrauen, so etwas zu sagen und zu meinen? Nun gut, vielleicht wäre er der Meinung, einen nichtigen Lebenswandel führe jemand, der seinen Müll nicht trennt, nicht gegen Corona geimpft ist, einen SUV fährt oder am Ende gar AfD wählt. Wie auch immer, jedenfalls war es keine Überraschung, dass der Diakon in seiner Predigt den Text der 1. Lesung nicht mal mit der Grillzange anfasste. 

Damit nicht genug, war auch in der Auslegung des Evangeliums – Mk 10,32-45keine Rede von der Ankündigung Jesu, man werde ihn "verspotten, anspucken, geißeln und töten", verbunden mit der herausfordernden Frage an Seine Jünger: "Könnt ihr den Kelch trinken, den ich trinke, oder die Taufe auf euch nehmen, mit der ich getauft werde?". Stattdessen konzentrierte der Diakon sich ganz auf den Satz "Bei euch aber soll es nicht so sein". Auch das entsprach durchaus meinen Erwartungen; an diesen Satz und seinen Kontext lassen sich schließlich allerlei Überlegungen zu einem genuin christlichen Verständnis von Amt und Leitung anknüpfen, einem Amtsverständnis, bei dem es nicht ums Herrschen, sondern ums Dienen geht; und das ist ja, gerade mit Blick auf all die Debatten, die es beim Schismatischen Weg zum Schlagwort "Macht und Gewaltenteilung in der Kirche" gegeben hat, ein durchaus brisantes Thema. Tatsächlich ging der Diakon aber noch nicht einmal darauf ein, sondern reduzierte die Aussage des "Bei euch aber soll es nicht so sein" letztlich auf ein bloßes "Seid nett zueinander" – natürlich, wie sollte es anders sein, eingebettet in all die handelsüblichen Klagen über die zunehmende Polarisierung in der Gesellschaft, über "die innerkirchlichen Diskussionen, bei denen der Ton immer rauer wird", und so weiter. Also, das fand ich dann doch etwas schwach. 

Auch außerhalb der Predigt mangelte es dem Diakon nicht an Gelegenheiten, zu erkennen zu geben, dass der Glaube, den er verkündet, erheblich mehr mit Moralistisch-Therapeutischem Deismus und ins Klo gefallenen Rasierpinseln zu tun hat als mit dem Christentum. Zum Teil waren seine Aussagen schon rein sprachlich so unangenehm klebrig, dass ich sie hier nicht wiedergeben mag; nicht vorenthalten möchte ich meinen Lesern hingegen ein Gebet, in dem es hieß: "Du schenkst uns den Raum und gibst uns Orientierung, eine für alle lebenswerte Welt zu gestalten." Merke: Unsere Aufgabe ist es, "eine für alle lebenswerte Welt zu gestalten", und Jesu Aufgabe ist es, uns dazu Raum und Orientierung zu geben. Man muss wohl davon ausgehen, dass es innerhalb der Kirche, und zwar gerade auch in den Gremien und Verbänden, so einige Leute gibt, die ehrlich überzeugt sind, das sei die Essenz des christlichen Glaubens. Und die halten dann das, was die Kirche tatsächlich lehrt, in vielen Punkten für "unchristlich". Irgendwie logisch, oder? 

Ungefähr an der Stelle, an der in einer Messe das Eucharistische Hochgebet an der Reihe gewesen wäre, folgte eine in sehr "liturgischem Tonfall" gehaltene und somit ziemlich sicher nicht auf des Diakons eigenem Mist gewachsene Rede, die im Kern auf eine sakramententheologische Rechtfertigung der Praxis hinauslief, in einer Wortgottesfeier die Kommunion zu spenden. Darin hieß es u.a.: "Mit Liebe bewahrt die Kirche das eucharistische Brot für die Kranken und Sterbenden auf" – eine bezeichnende Analogie, wie ich fand; denn im Grunde heißt das ja, dass die Kommunionspendung in der Wortgottesfeier eine Art Gnadenbrot für eine kranke und sterbende Kirche ist. Damit meine ich wohlgemerkt nicht das Alter und die Gebrechlichkeit der Gemeindemitglieder, sondern viel allgemeiner den Stand der post-volkskirchlichen Verhältnisse in Deutschland und weiten Teilen der westlichen Welt: Wenn die Heilige Messe durch Wortgottesfeiern mit Kommunionspendung ersetzt wird, ist das ein Krankheitssymptom, ein Zeichen dafür, dass etwas abstirbt

Auch diesmal gab es wieder Frühstück im Gemeindesaal, und als der Diakon dort erschien, regte sich bei mir durchaus die Lust, ihn auf seine Predigt anzusprechen; er setzte sich allerdings, als hätte er schon was geahnt, ganz ans andere Ende des Raumes. An meinem Ende der Tafel unterhielten sich einige der zur Stammbesetzung dieser Veranstaltung gehörende Senioren – aus Anlass der jüngsten Kommunalwahlen in Thüringen – über politische und gesellschaftliche Themen, und das war ganz interessant mitanzuhören. So beklagten sich die Senioren einhellig, es gebe immer mehr "Hass in der Gesellschaft" – meinten damit aber nicht etwa, wie man es bei diesem Schlagwort eigentlich gewohnt ist, rechtsextreme Tendenzen, sondern im Gegenteil die allgegenwärtigen Stellungnahmen "gegen Rechts"; als Beispiel wurde genannt, wie in TV-Diskussionsrunden mit Vertretern der AfD umgesprungen werde. Insgesamt drängte sich mir der Eindruck auf, dass die Leute, mit denen ich da am Tisch saß, die AfD zwar vielleicht nicht wählen – ich würde sie eher als lebenslange gewohnheitsmäßige CDU-Wähler einschätzen –, im Zweifel aber eher mit ihr sympathisieren als mit der Ampel-Regierung. Irgendwie trug das dazu bei, dass ich mir sagte: Lass den Diakon mal in Ruhe – der hat's mit dieser Gemeinde schon schwer genug

Schon auf dem Weg zurück nach Tegel schlief mir der Kleene im Kinderwagen ein, obwohl es noch nicht seine übliche Mittagsschlafzeit war. Zuvor hatte er noch den Wunsch nach "Beten mit Musik" geäußert, also steuerte ich direkt die Kirche St. Joseph an, in der Hoffnung, dort vielleicht noch ein wenig Ruhe und Besinnung finden zu können, ehe der Knabe aufwachte. Als wir dort ankamen, war er aber schon wieder wach; also fackelten wir nicht lange, sondern begannen mit unserem bewährten Andachtsformat: Psalmen und Lesung aus der Sext, Bitten aus den Laudes, Vaterunser und Tagesgebet, dazu am Anfang, am Ende und mittendrin ein paar Lobpreislieder. Noch ehe das erste Lied ("Komm, Herr, komm") zu Ende war, öffnete sich die Sakristeitür, und herein kam – die Blumenfrau, die wir an selber Stelle vor ein paar Wochen schon einmal getroffen hatten. Falls sie sich wunderte, was wir hier machten, ließ sie sich jedenfalls nichts anmerken, also ließen auch wir uns unsererseits nicht weiter stören. Ich sagte mir: Wenn der Pfarrer, der hier ja schließlich das Hausrecht hat, unsere Andachten toleriert, wer soll dann etwas dagegen haben? Zum Ende der Andacht hin setzte die Blumenfrau sich sogar in eine Bank und hörte eine Weile zu, ehe sie mit ihrer Arbeit weitermachte. 

Nicht lange darauf blühte mir dann die Aufgabe, zusammen mit dem Jüngsten das Tochterkind von der Schule abzuholen und mit beiden Kindern zum JAM zu fahren. Als ich in der Schule ankam, war das Tochterkind gerade mit einer Bastelarbeit beschäftigt und wollte diese erst noch fertigstellen; hinzu kam eine Betriebsstörung bei der S-Bahn, und dass der Jüngste auf das Wiedersehen mit seiner geliebten großen Schwester nach einem langen Schultag ziemlich aufgekratzt zu reagieren pflegt, machte die Gesamtsituation auch nicht einfacher. Alles in allem kamen wir etwa eine halbe Stunde später beim JAM an als sonst, und kurz vor unserer Ankunft schlief die Große allen Ernstes im Bus ein. Zum Aussteigen musste ich sie natürlich wieder wecken. – Inhaltlich ging's beim JAM diesmal um das Wirken des Paulus in Ephesus (Apg 19,8-20,1); wie schon vorige Woche ging ich mit meinem Jüngsten zu der Version für die kleineren Kinder (bis 5 Jahre), während das Tochterkind bei den Größeren blieb. Zum Abendessen gab's Nudeln mit Tomatensoße und Würstchen, dann ging's nach Hause; und ich muss ehrlich sagen, am Ende dieses Tages war ich ganz schön geschafft... 


Deinem Heiland, deinem Lehrer: Fronleichnam auf dem Bebelplatz 


Am Donnerstag holte ich zusammen mit dem Jüngsten das Tochterkind von der Schule ab, während meine Liebste einen Termin beim Bürgeramt hatte; dann trafen wir uns alle am Bahnhof Friedrichstraße, um gemeinsam zur zentralen Fronleichnamsfeier des Erzbistums Berlin zu gehen, die auf dem Bebelplatz stattfand. Noch eine knappe Stunde vor Beginn der Open-Air-Messe hatte es heftig gewittert, aber als wir ankamen, hatte es aufgehört zu regnen; das Wetter meinte es also gut mit Berlins Katholiken. Problematischer war, dass die Kinder – insbesondere der Jüngste – ziemlich zappelig und krawallig drauf waren, was zugegebenermaßen zu dieser Zeit des Tages nicht ganz selten ist. 

Das größte Ärgernis dieses Fronleichnamsgottesdienstes war dann aber doch ein anderes: nämlich der Umstand, dass aus mir völlig unbegreiflichen Gründen der Generalinspekteur der Bundeswehr, General Carsten Breuer, vor dem Kyrie ein sogenanntes "Geistliches Wort" sprechen durfte – in dem er Sätze sagte wie: "Das Prinzip der Abschreckung ist zurückgekehrt. Wenn wir Frieden wollen, müssen wir für Krieg gerüstet sein. [...] Wir in den Streitkräften, in der Bundeswehr müssen, auch wenn dieses Wort uns schwer über die Lippen kommt, kriegstüchtig sein." Und dann noch: "Wir müssen unsere Art zu leben verteidigen" – diese Rhetorik habe ich, wenn ich mich richtig erinnere, erstmals nach dem 11. September 2001 gehört, und schon damals fand ich sie abstoßend. Was genau soll das denn für eine "Art zu leben" sein, die es notfalls mit Waffengewalt zu verteidigen gälte? Ich habe noch die Antwort im Ohr, die George W. Bush und der damalige New Yorker Bürgermeister Rudy Giuliani darauf nach 9/11 gaben: "Go shopping". Na herzlichen Dank. 

Ich muss offen sagen, derart unverhohlene Propaganda für die Kriegspolitik der Regierung nicht bloß im Rahmen einer irgendwie unter der Schirmherrschaft der Kirche stattfindenden Veranstaltung, sondern als Bestandteil eines Gottesdienstes zu hören, machte mich ziemlich fassungslos. Die Predigt von Abt Nikodemus Schnabel OSB von der Dormitio-Abtei in Jerusalem versöhnte mich indes wieder so einigermaßen. Bevor er mit dem eigentlichen Thema seiner Predigt begann, erklärte der aus dem Heiligen Land angereiste Benediktinerabt, es wäre wohl "irgendwie komisch", wenn er "direkt aus Jerusalem komme" und dann nicht "den Elefanten im Raum" anspreche, nämlich die Tatsache, dass er "aus einem Kriegsgebiet" komme. In diesem Zusammenhang sagte er unter anderem: "Alle Flaggen, alle Hymnen, alle Landesgrenzen, das ist alles Menschenwerk, das kann man alles ändern. [...] Dafür müssen wir nicht Gott bemühen und Ihn vorschieben. Ich glaube nicht an einen Gott, der mit einem Atlas oder Globus im Himmel sitzt und genau sagt: Ich möchte diese Landesgrenze hier oder so und diese Flagge hier oder so." 

Im Hauptteil seiner Predigt sprach Abt Nikodemus über die Bedeutung des gemeinsamen Essens in der benediktinischen Spiritualität und setzte diese in Beziehung zum Sakrament der Eucharistie; damit konnte ich aus #benOppiger Sicht ebenfalls einiges anfangen. "Wir Mönche sind eigentlich essende Wesen", erklärte er: "Wir essen vom Tisch des Altares die Heilige Eucharistie, und wir essen im Refektorium. [...] Wir sind eine Gemeinschaft, die über Jahre, Jahrzehnte essend sich vorbereitet auf das Himmlische Jerusalem. [...] Wenn wir als Mönche gemeinsam essen, dann glauben wir, dass dieses Essen Vorgeschmack vom Paradies ist." – Vom Teilen des Essens kam der Prediger recht ungezwungen auf das Teilen des Glaubens: "Wenn Sie mal überlegen hier, was es bedeuten würde, wenn jeder von Ihnen nur einen einzigen Menschen faszinieren würde von dem, was die Mitte Ihres Glaubens ist: von Jesus Christus", rief er die Zuhörer auf: "Wenn durch Sie nur ein einziger Mensch sich auf den Weg der Gottsuche machen würde – was das für einen enormen Effekt hätte! Deswegen feiern wir heute eigentlich auch ein Fest der Ermutigung." 

Gegen Ende der Messe äußerte meine Liebste ernste Bedenken, ob die Kinder in der Verfassung seien, noch an der Prozession teilzunehmen; aber kaum hatte die Prozession tatsächlich begonnen, waren die Kinder wie verwandelt. Als meine Liebste nach rund zwei Dritteln der Prozessionsstrecke den Vorschlag machte, eine Abkürzung zu nehmen, entschied unsere Große sich dagegen: Sie wollte weiter dem Zug folgen. Es war auch eine durchaus stimmungsvolle Prozession (wenngleich ich zeitweilig froh war, von den über Lautsprecher eingespielten Andachtstexten nur Bruchstücke zu verstehen), und einige Bekannte trafen wir auch. Besonders nett war die Begegnung mit einem Mann, der als Reinigungskraft bei der S-Bahn arbeitet und den ich häufig sehe, wenn ich mit den Kindern unterwegs bin. Hatte gar nicht gewusst, dass der katholisch ist, aber okay, woher hätte ich das auch wissen sollen. – 





Zurück auf dem Platz, wurden an zahlreichen kleinen Buden "internationale Speisen" angeboten, wie es in der Veranstaltungsankündigung des Erzbistums geheißen hatte; da wir inzwischen ganz schön hungrig waren, schlugen wir da ordentlich zu. Besonders lecker fand ich es am Stand der portugiesischen Mission, wo es Coxinhas de Frango (würzige Teigtaschen mit Hähnchenfleischfüllung) und Nata-Törtchen gab. Außerdem trafen wir weitere Bekannte, wenn auch nicht so viele, wie man vielleicht hätte erwarten können. Nach Hause und ins Bett kamen wir an diesem Abend so spät, dass ich die Kinder am nächsten Tag bis neun Uhr schlafen ließ. 


Geistlicher Impuls der Woche 

O Mensch, ahme die Erde nach! Bringe Frucht wie sie! Sonst bist du weniger gut als das unbelebte Geschöpf. Die Erde bringt die Frucht hervor, genießt sie aber nicht selbst, sondern sie will dir damit dienen. Welche Frucht des Wohltuns du auch immer vorzuweisen hast, du sammelst für dich selbst, weil der Gnadenlohn der guten Taten auf den Spender zurückkommt. Was du gegeben hast, wird dein Eigentum und kehrt mit Gewinn zurück. Das Geld wirst du hier zurücklassen müssen, ob du willst oder nicht. Die Ehre der guten Taten dagegen bringst du mit zum Herrn.

(Basilius d. Gr., Über die Liebe) 


Ohrwurm der Woche 

The Muppet Show feat. British Chap: The Gnu Song 


Zu den alltäglichen Ärgernissen des Großstadtlebens gehört es für ein eigenbrötlerisches Dorfkind wie mich, wenn eine Woge von Menschen der S-Bahn entsteigt und sich in breitem, vollem Schwalle die Treppe hinabwälzt, dabei natürlich deren ganze Breite ausnutzt und es dadurch effektiv verhindert, dass jemand anderes, also zum Beispiel ich, gleichzeitig die Treppe hinaufgeht. Vor einiger Zeit ist mir nun aufgefallen, dass ich mich erheblich weniger darüber ärgere, wenn ich mir vorstelle, es handle sich bei diesem Vorgang um ein imposantes Naturspektakel, also etwa wie den Anblick einer Gnu-Herde, die sich über die Steppen des südlichen Afrika ergießt. Ähnlich verhält es sich beispielsweise mit Schülern des Humboldt-Gymnasiums, die in ihrer Mittagspause den Rewe-Supermarkt im Tegel-Quartier überschwemmen. Meine Tochter hat die Bezeichnung "Gnu-Herde" für solche gewaltig dahinströmenden Menschenmengen prompt von mir übernommen; aber neulich fragte sie mich plötzlich, was genau eigentlich ein Gnu sei bzw. wie es aussehe. Ich zeigte den Kindern also auf meinem Handy ein paar Gnu-Fotos sowie ein kurzes Video, das eine Gnu-Herde beim Überqueren eines Flusses zeigt und, wie ich finde, sehr schön illustriert, wie ich auf diesen Vergleich gekommen bin. Und dann erinnerte ich mich vage an ein Lied aus der Muppet Show, in dem ein sehr kultiviert wirkender älterer Herr sich den Namen eines bestimmten Tieres partout nicht merken kann und dieses sich ihm daraufhin mit den Worten "Ich bin ein Gnu, how do you do?" vorstellt; und ich dachte mir: Mal gucken, ob's das auf YouTube gibt. Und siehe da, das war tatsächlich der Fall. Wie ich bei dieser Gelegenheit herausfand, stammt der Gnu Song ursprünglich von dem in den 1950er und '60er Jahren aktiven Comedy-Duo Flanders & Swann, und der Witz des Liedtexts – der in der deutschen Fassung naturgemäß nicht so ganz 'rüberkommt – beruht darauf, dass darin allerlei Buchstaben mitgesprochen werden, die im Englischen eigentlich stumm sind: so das K in "know", das W in "who" und eben auch das G in "gnu". Wie dem auch sei, die Kinder waren begeistert von dem Lied und wollten es in den folgenden Tagen immer wieder hören; und fertig war der Ohrwurm der Woche!