Salvete, liebwerte Freunde und andere Leser! Ihr werdet's sicher auch schon bemerkt haben: Die Nächte werden länger und die Tage kühler, das Kirchenjahr neigt sich allmählich dem Ende zu und damit auch die Reihe "Utopie und Alltag". Aber gleichzeitig gibt es eben auch viel Neues, das, wie schon ein paarmal angedacht und angedeutet, nach einer neuen Form der Gestaltung strebt; wie das konkret aussehen wird, weiß ich im Moment selber noch nicht, aber wir werden es zu gegebener Zeit schon gemeinsam herausfinden! – Kommen wir erst mal zum Bericht über die zurückliegende Woche...
Bei den Wichteln ist der Wurm drin
Ich hatte es schon im vorigen Wochenbriefing protokolliert: Bei den KPE-Pfadfindern in Berlin-Schöneberg haben am vergangenen Samstag nicht nur die Wölflingsmädchen ihr Meutentreffen gehabt, sondern parallel dazu traf sich auch die Wichtelgruppe (für Kinder unter 7 Jahren). Diese Gruppe trifft sich ja insgesamt eher selten: regulär einmal im Monat, in den Schulferien jedoch nicht – da bleiben dann vielleicht noch acht oder neun Termine im Jahr, und wenn man da dann ein paarmal nicht kann, ist das Potential dafür, ein Gefühl der Zugehörigkeit zur Gruppe zu entwickeln, doch sehr begrenzt. Wenn ich richtig sehe, war unser Jüngster insgesamt erst viermal bei den Schöneberger KPE-Wichteln, und ich sag mal: Das jüngste Wichtelgruppentreffen hat die Chancen, dass unser Jüngster da zukünftig öfter hingeht, nicht gerade erhöht.
Aber mal der Reihe nach: Wir fuhren erst einmal alle zusammen nach Schöneberg, und während ich unsere Große bei den Wölflingen "abgab", um sie später wieder abzuholen, und in der Zwischenzeit meiner eigenen Wege ging, begleitete die Liebste unseren Jüngsten zur Wichtelgruppe. Deren Gruppentreffen war um eine volle Stunde kürzer als das der Wölflingsmeute, weshalb Frau und Sohn sich schon wieder auf den Heimweg machten, bevor ich die Große abholte. Als ich meine Liebste per elektronischer Textnachricht fragte, wie's denn bei den Wichteln gewesen sei, erhielt ich zur Antwort ein Foto einer Bastelarbeit, die unser Sohn angefertigt hatte.
Als ich wieder am Ort des Meutentreffens ankam, waren die Wölflingsmädchen gerade noch dabei, aus Holzstämmen und Seilen sogenannte "Dreiböcke" zu bauen. Ich setzte mich auf eine Bank und wartete das Ende des Meutentreffens ab, und als meine Tochter nach der Abschlussrunde fröhlich auf mich zugelaufen kam und ich sie fragte "War's gut heute?", erwiderte sie nachdrücklich: "Sehr gut." Sie berichtete, außer dem Dreibock-Bauen hätten sie auch wieder das Winkeralphabet geübt, einige neue Gebete gelernt und ein Quizspiel über das Leben des Hl. Franz von Assisi gespielt. (In diesem Zusammenhang möchte ich erwähnen, dass ein geschätzter Bloggerkollege, mit dem ich mich neulich in Paderborn zum Abendessen getroffen habe und dem ich bei dieser Gelegenheit von der Wölflingsmeute meiner Tochter erzählte, darauf mit den Worten reagierte: "Bei euch gibt's KPE-Pfadfinder? Das erwirbt dir die höchste Form meiner Anerkennung: meinen Neid!".)
Als wir wieder zu Hause waren und ich meinen Jüngsten fragte, wie es denn bei den Wichteln gewesen sei, erntete ich hingegen ein grimmiges Gesicht und einen Daumen nach unten; erläutern musste mir meine Liebste diese Reaktion. Dass der Knabe mit der Bastelaufgabe unzufrieden war, weil er lieber etwas anderes gebastelt hätte, kann man wohl noch darauf schieben, dass er in letzter Zeit insgesamt oft zu Eigensinn und niedriger Frustrationstoleranz neigt (sollte das etwa die gefürchtete "Wackelzahnpubertät" sein? Seine Zähne wackeln aber noch gar nicht!); das war aber noch nicht alles: Für weiteren Verdruss sorgte es, dass das beliebte Spiel "Feuer-Wasser-Sturm" bei der Wichtelgruppe mit anderen Regeln gespielt wurde, als unser Jüngster es aus der KiTa und vom Kampfsporttraining kennt, und auch bei einem weiteren Spiel war er der Meinung, die Regeln seien nicht eindeutig genug erklärt worden. Und wenn der Knabe etwas so macht, wie es seiner Erfahrung nach richtig ist, und man sagt ihm, das sei falsch, das kann er nun wirklich gar nicht ab. Verständlich, finde ich.
Es bleibt also dabei, dass unser Jüngster mit den Schöneberger KPE-Wichteln nicht so recht warm wird; etwas schade finde ich das schon, zumal ich denken würde, positive Erfahrungen bei den Wichteln könnten die Chancen erhöhen, dass er dann auch zu den Wölflingen geht, wenn er in das richtige Alter dafür kommt. Man könnt's natürlich nochmal bei der Wichtelgruppe in St. Afra versuchen, aber auf der Basis unserer bisherigen Erfahrungen bin ich nicht gerade überzeugt, dass es da besser liefe. Na, schauen wir mal – irgendwann werden wir bestimmt mal wieder nach St. Afra gehen...
Ja is' denn heut' scho' wieder Marathon?
Am 28. Sonntag im Jahreskreis gingen wir wie gewohnt in St. Joseph Siemensstadt in die Messe; unsere Große nahm wieder neben ihrer Freundin aus dem Erstkommunionkurs Platz, außer diesen beiden Mädchen nahmen noch sieben oder acht weitere Erstkommunionkinder an der Messe teil. Sie begann allerdings mit Verspätung: Einige Minuten nach der regulären Anfangszeit trat eine ehrenamtliche Mitarbeiterin der Gemeinde ans Ambo und erklärte, der Zelebrant – der Spandauer Krankenhausseelsorger – stecke "im Stau, weil ja heute Marathon ist". Schon wieder?, dachte ich. Der Berlin-Marathon war gerade zwei Wochen zuvor gewesen, in einen Halbmarathon war ich, wie sich Mancher erinnern wird, Anfang September auf dem Weg zum Gemeindefest in St. Stephanus geraten. Nun, da haben wir mal wieder was gelernt, nämlich dass Berlin zu dieser Jahreszeit ausgesprochen reich an Laufsportveranstaltungen ist: Im vorliegenden Fall handelte es sich offenbar um den Berliner Morgenpost Great 10K, der am Schloss Charlottenburg startete. "Die Berliner sind eben manchmal zu sportlich", merkte der Priester an (und das, wo er doch auch Sportpfarrer ist!). "Ich erkundige mich ja immer schon nach Marathon und allem möglichen, aber die sind so viel im Laufen unterwegs, und dann fahre ich da lang und dann kommt man nicht raus." – Jedenfalls kündigte er an, angesichts der Verspätung "auf die Predigt zu verzichten" – eine überraschende Entscheidung, die ich aber allemal besser fand, als die Liturgie an anderer Stelle zu kürzen.
Gleichwohl war es wohl nicht verwunderlich, dass er das Evangelium vom Tag – Matthäus 22,1-10, das Gleichnis vom Hochzeitsmahl des Königs – doch nicht ganz unkommentiert im Raum stehen mochte; allerdings beschränkte er sich auf einen nur rund drei Minuten langen Predigt-Impuls, in dem er sich auf einen Einzelaspekt der Perikope konzentrierte: nämlich darauf, dass die zur Hochzeit geladenen Gäste meinen, keine Zeit zu haben. Er verwies in diesem Zusammenhang auf die verschiedenen Begriffe für "Zeit", die es im Altgriechischen gebe – chronos und kairos: "Chronos, das ist die bemessene Zeit, die ablaufende Zeit. Kairos, das ist der Moment. Die erfüllte Zeit, die Gott schenkt." Und er mahnte: "Es gibt den Moment, den man nicht verpassen darf, und die Einladung, die man nicht ausschlagen sollte. [...] Gott schenkt dir Zeit. Nimm dir Zeit für das, was wichtig ist, und für das, was zum Heile dient. Und schlage niemals die Einladung Gottes aus. Sie ist unwiderruflich sie geht an alle, aber es kann sein, dass der Moment verpasst wird." – Ich muss sagen, ich fand diesen kurzen Impuls deutlich gelungener, überzeugender und anregender als die meisten längeren Predigten, die ich von diesem Priester bisher gehört habe; man könnte den Eindruck haben, die "kleine Form" liege ihm mehr, weil die Notwendigkeit, sich aus Zeitgründen inhaltlich auf einen einzelnen Aspekt zu konzentrieren, ihn davor bewahrt, sich zu verzetteln. Womit ich nun nicht unbedingt sagen möchte, ich würde ihm wünschen, öfter im Stau zu stehen...
Am Ende der Messe stellten sich dann noch die Kandidaten für die Wahlen zum Gemeinderat, Pfarreirat und Kirchenvorstand vor, worauf ich gern verzichtet hätte. Zu den einzelnen Kandidaten will ich mich gar nicht näher äußern – es waren durchaus ein paar dabei, von denen ich mir hätte vorstellen können, ihnen meine Stimme zu geben, wenn ich in dieser Gemeinde bzw. Pfarrei wahlberechtigt wäre –, aber insgesamt geht das Thema der kirchlichen Gremienwahlen mir mehr und mehr auf den Keks. Nicht nur deshalb, weil das ganze Bohei, das um diese Wahlen gemacht wird, in einem so tragikomischen Missverhältnis zum tatsächlichen Gestaltungsspielraum dieser Gremien stehen; eher würde ich sagen, hätten die Gremien tatsächlich mehr mitzubestimmen, fände ich das noch schlimmer. – So oder so erscheint mir der ganze Gremienapparat als charakteristisch für ein Modell "von Kirche", dessen Zeit – Gott sei Dank! – im Wesentlichen vorbei ist; zukünftige Generationen werden, so hoffe ich, mit ungläubigem Kopfschütteln auf eine Zeit zurückblicken, in der die Kirche derart über-institutionalisiert und in Bürokratie erstarrt war, dass partout auch das ehrenamtliche Engagement von Laien in entsprechende Formen gezwängt werden musste. Schagwortartig zugespitzt würde ich sagen, die Kirche braucht weniger Gremienarbeit und mehr Gebetskreise. Das ist ein Gedanke, den ich schon seit einiger Zeit mit mir herumschleppe und über den ich schon längst mal außerhalb der Wochenbriefing-Reihe etwas schreiben wollte; ich schätze, ich sollte versuchen, den betreffenden Artikel bis zum Wahltermin in vier Wochen fertig zu bekommen.
Seltsame Leiden eines Theologiestudenten
In meinem vorigen Wochenbriefing nicht erwähnt habe ich den Umstand, dass am Freitag der dort besprochenen Woche, dem 9. Oktober, der Gedenktag des Hl. Dionysius war. Worin aber besteht die besondere Signifikanz dieses Umstands? – Diese Frage müsste man E.T.A. Hoffmann stellen, aber der ist ja längst tot. Irgend etwas wird er sich aber ja dabei gedacht haben, dass er seinen Dialog "Seltsame Leiden eines Theaterdirektors", an den ich meinen Rubrikentitel angelehnt habe, just "[a]m Tage des heiligen Dionysius, das heißt, am neunten Oktober" spielen lässt. Mit ein paar Tagen Verspätung gegenüber diesem historischen Datum habe ich jedenfalls den entsprechenden Band der antiquarischen Hoffmann-Werkausgabe herausgesucht, die in unserem heimischen Bücherregal steht, um gelegentlich darin zu lesen – zur Entspannung und als Gegengewicht dazu, was ich für mein Studium so alles lesen muss.
Dass ich ein solches Gegengewicht gut würde brauchen können, zeigte sich schnell. Zu den ersten Büchern von der Lektüreliste für mein Studium, die ich mir am vorigen Wochenende aus der Bibliothek besorgt habe, gehört ein utb-Taschenbuch mit dem Titel "Basiswissen Bibel: Lesen und Verstehen", und schon im Vorwort lässt der Autor, Klaus Dorn, sehr deutlich die böswillige Absicht durchblicken, aus der er das Buch verfasst hat. "Dieses Buch will dazu ermutigen, als Nichttheologe die Bibel einmal in die Hand zu nehmen" – so beginnt der erste Satz, und das klingt ja erst mal ganz gut, aber dann geht es so weiter: "und selbst zu versuchen, eine eher wissenschaftliche Betrachtung der Heiligen Schrift zu wagen" – und da denke ich mir: Um Himmels Willen, wieso das denn? Die Antwort lautet: Weil er den einfachen Gläubigen ihren nicht-wissenschaftlichen Zugang zur Bibel, den er denn auch prompt als "(Kinder-)Glauben" abqualifiziert, schlichtweg nicht gönnt. Ihm selbst hat das Studium diesen Zugang verbaut, und jetzt sieht er es als seine Aufgabe, ihn auch allen anderen zu verbauen. Wenn er sich in diesem Zusammenhang beschwert, die wissenschaftliche Exegese gerate zuweilen "fast schon in den Ruch der Ketzerei", ist das ein nur allzu durchsichtiger Fall von Schuldumkehr: Wenn Exegeten nicht der Ketzerei geziehen werden wollten, dann sollten sie halt keine Ketzerei betreiben, so einfach ist das. – Als ein Beispiel dafür, wie die Erkenntnisse der wissenschaftlichen Exegese mit den naiven Vorstellungen des Pöbels in Konflikt geraten können, führt der Verfasser an: "Wie kann da jemand behaupten, es seien keine drei Könige gewesen, die da zum Kind gekommen sind, wo sie doch in Köln begraben liegen?" – was ja gar keine so dumme oder lächerliche Frage ist, wie Dorn es seinem Leser offenbar suggerieren will; und sein zweites Beispiel – "Wie kann jemand behaupten, das jüdische Volk sei gar nicht schuld am Tode Jesu? Das kennt man doch von früher ganz anders" – ist im Grunde eine noch größere Unverschämtheit, weil er damit insinuiert, wer nichts von wissenschaftlicher Exegese verstehe, sei quasi automatisch Antisemit, in letzter Konsequenz also Nazi.
Dabei ist Dorns Vorwort nur ein besonders krasses Beispiel für Tendenzen, die man in der akademischen Theologie auch sonst beobachten kann und die mir auch in der Einführungswoche in Paderborn gelegentlich aufgefallen sind: Den Studienanfängern wird zwar permanent gepredigt, wissenschaftlich zu arbeiten bedeute alles zu hinterfragen, aber gleichzeitig werden sie darauf trainiert, gerade das nicht in Frage zu stellen, was sie am gründlichsten hinterfragen sollten, nämlich das, was ihnen im Studium beigebracht wird. Da ist es wohl kein Wunder, dass so viele Leute so verkorkst aus dem Studium herauskommen.
– Ich hoffe, das klingt jetzt alles nicht zu negativ; im Großen und Ganzen habe ich nach zwei Wochen Fernstudium nämlich durchaus den Eindruck, dass ich mit den Anforderungen des Studiums einigermaßen zurechtkomme, und tatsächlich auch, dass ich – über den rein formalen Aspekt hinaus, dass ich den Abschluss als Qualifikation für eine Tätigkeit in der Pastoral benötige – von diesem Studium profitieren kann. Aber gerade dafür betrachte ich eine kritische Distanz nicht nur gegenüber einzelnen Inhalten des Studiums, sondern gegenüber der grundsätzlichen Ausrichtung der Ausbildung des pastoralen Personals als absolut notwendig. Das ist zweifellos ein Thema, über das es in Zukunft noch sehr viel mehr zu sagen geben wird, daher mache ich für diesmal erst einmal einen Punkt.
Übrigens verdichten sich die Anzeichen für einen Theologie-Boom in Deutschland. Okay, "Boom" ist vielleicht (noch) ein bisschen zuviel gesagt. Aber nachdem ich neulich schon die ungewöhnlich hohe Zahl von Studienanfängern im Bachelor-Studiengang Angewandte Theologie an der Katholischen Hochschule in Paderborn zu der Tatsache in Beziehung gesetzt habe, dass es auch für den Studiengang Religionspädagogik an der Katholischen Hochschule für Sozialwesen Berlin im vergangenen Frühjahrssemester mehr Bewerber als Studienplätze gegeben hat, habe ich auf häretisch.de einen Artikel gesehen, der einen "Rekord bei Neueinschreibungen" für den "digitalen Bachelorstudiengang Theologie der Universitäten Passau und Eichstätt-Ingolstadt" meldet: "Mit 160 Neueinschreibungen habe sich die Zahl im Vergleich zum Vorjahr fast verdoppelt", erfährt man da, und ein "Sprecher des Departments für Katholische Theologie der Universität Passau" wird mit der Einschätzung zitiert: "Soweit uns dazu Daten vorliegen, ist dies im gesamten deutschsprachigen Raum aktuell die höchste Zahl an Erstsemestern in einem theologischen Studiengang". – Auch interessant ist, dass häretisch.de an diesen Artikel einen Verweis auf einen Bericht von vor knapp einem Jahr anhängt, in dem ebenfalls schon von einem erstaunlichen Zuwachs an Theologie-Studienanfängern an der Universität Passau die Rede war: "Dort hat sich die Zahl der Studienanfänger in den vergangenen drei Jahren auf mehr als 140 versiebenfacht." Seinerzeit wurde das als ein Wachstum "gegen den Trend" beurteilt; jetzt ist es der Trend.
Derweil wird die Philosophisch-Theologische Hochschule St. Georgen in Frankfurt am Main – an der ich mich ebenfalls für ein Fernstudium hätte bewerben können, wenn ich nicht Paderborn den Vorzug gegeben hätte – 100 Jahre alt. Ein diesem Jubiläum gewidmeter Artikel der Frankfurter Rundschau, den mir Google News unlängst präsentierte, trägt die vielsagende Überschrift "Noch 6 Priesteramtskandidaten, aber 250 Studierende". Was aus dem Artikel nicht hervorgeht, ist, dass die Zahl von 250 "Studierenden" tatsächlich einen Tiefststand markiert: Vor 15 Jahren waren es noch rund 100 mehr. An diesem langsamen, aber stetigen Niedergang hat auch die Einführung des neuen Bachelor-Studiengangs "Kirchliche Praxis in säkularer Gesellschaft" im Wintersemester 2023/24 nichts ändern können. Alles in allem glaube ich, ich kann ganz froh sein, mich nicht in St. Georgen eingeschrieben zu haben. (Ursprünglich wollte ich an dieser Stelle schreiben "auch deshalb, weil dort der durch das Wort zum Sonntag bundesweit bekannte Pastoraltheologe Wolfgang Beck Rektor ist", aber wie ich gerade festgestellt habe, ist der seit diesem Semester in Erfurt.)
Fortschritte in Haus und Garten
Seit ich aus Paderborn zurück bin, habe ich angefangen, für diejenigen meiner Aufgaben, die nicht zum Studium und nicht zu meiner publizistischen Tätigkeit gehören und auch nicht in den Bereich der täglichen Routine (Frühstück vorbereiten, Kinder wecken und zu ihren jeweiligen Bildungseinrichtungen begleiten, Küche aufräumen...) fallen, wöchentliche To-Do-Listen zu erstellen; und ein Punkt auf meinen Listen für die zurückliegenden zwei Wochen war es, pro Woche mindestens fünf Umzugskisten auszupacken. Diese Vorgabe habe ich bislang übererfüllt, aber so langsam wird es schwierig zu entscheiden, wo ich die Dinge, die ich den Umzugskisten entnehme, eigentlich hinräumen soll. Und solange es in der Wohnung nicht für alles einen klar definierten Platz gibt, besteht halt die Gefahr, dass man alles immer nur von einer Ecke in die andere räumt. Trotzdem: Dass nicht mehr so viele Kisten unausgepackt herumstehen, ist allemal ein Fortschritt.
Derweil hat sich in unserem Garten in der letzten Woche mehr getan, als ich es in so kurzer Zeit für möglich gehalten hätte: Mit Hilfe eines Handwerkers aus dem Bekanntenkreis unserer Hausgenossin wurde innerhalb nur eines Nachmittags der Fußboden für den Kaninchenstall fertig verlegt, der Stall aufgebaut und obendrein auch noch das Trampolin zusammengebaut.
Und da der Stall nun einmal steht, wurde er dann auch gleich am nächsten Tag mit Stroh, Heu und sonstigem Kaninchenbedarf ausgestattet, und noch einen Tag später zogen vier putzige Zwergkaninchen dort ein: Jedes der Kinder aus unserem "kuriosen Wohnprojekt" – also unsere beiden und die beiden Töchter unserer Hausgenossin – hatte sich bei der Züchterin ein persönliches Lieblingskaninchen ausgesucht. Ihre Namen: Mei, Schnüffel, Brownie und Olivia.
![]() |
| Dies ist Mei – benannt nach der Protagonistin des Films "Mein Nachbar Totoro". |
Für die Kinder sind die Kaninchen im Moment das Tollste auf der Welt, unsere Große hat in der Holzwerkstatt ihrer Schule – gemeinsam mit einem Mitarbeiter – sogar schon eine Kletterrampe für den Stall gebaut und plant als nächstes eine Hängematte. Auch sonst hat die Begeisterung der Kinder für die Kaninchen einige positive Nebeneffekte: Zum Beispiel beeilen sie sich neuerdings morgens beim Aufstehen und Anziehen mehr, damit sie noch Zeit haben, in den Stall zu gehen, bevor sie zur Schule bzw. zur KiTa müssen, und wir haben derzeit auch keinerlei Mühe damit, den Medienkonsum der Kinder regulieren zu müssen. – Ich fürchte nur, die Katzen fühlen sich ein bisschen vernachlässigt...
Bald haben wir zwei Schulkinder
Zu den Dingen, um die ich mich in der zurückliegenden Woche neben den fortlaufenden Anforderungen von Studium, Blog, Haushalt und Kinderbetreuung (und, wie schon angesprochen, dem Auspacken von Umzugskisten) noch kümmern musste, gehörte die Anmeldung unseres Jüngsten zur Einschulung. Es gehört zu den Mysterien des bürokratischen Staates, dass es in Deutschland zwar eine allgemeine Schulpflicht ab dem vollendeten 6. Lebensjahr gibt und für jede Meldeadresse eine zuständige Einzugsschule, die Kinder aber trotzdem nicht (sofern die Eltern sich nicht von sich aus um einen anderen Schulplatz, eine vorzeitige Einschulung oder Zurückstellung kümmern) "automatisch" für das nach ihrem 6. Geburtstag beginnende Schuljahr dort eingeschult werden und dies den Eltern lediglich mitgeteilt wird. Stattdessen müssen die Eltern es selbst beantragen – aber "müssen" eben auch in dem Sinne, dass sie Konsequenzen zu spüren bekommen, wenn sie es nicht innerhalb einer bestimmten Frist tun. Man wird mir wieder sagen, ich übertreibe, aber ich empfinde Zwang, der freiwillige Mitwirkung verlangt, als die entwürdigendste Form der Tyrannei.
Wie dem auch sei: Wir haben zwar die Absicht, unseren Sohn an derselben freien Alternativschule einzuschulen, auf die auch seine große Schwester geht – dazu weiter unten noch eine Anmerkung –, aber angemeldet werden muss die Einschulung trotzdem an der örtlich zuständigen Regelschule – und da sorgt nun unser Umzug für weitere Komplikationen, denn da der Termin, den wir beim Bürgeramt für dir zum Ummeldung unseres Wohnsitzes bekommen haben, noch in der Zukunft liegt, ist vorläufig noch die Einzugsschule unseres ehemaligen Wohnsitzes für uns zuständig. Man kann von Glück sagen, dass wir nur innerhalb desselben Stadtbezirks umgezogen sind, sonst wäre alles noch komplizierter. Na, jedenfalls habe ich es fristgerecht geschafft, die für die Anmeldung zur Einschulung erforderlichen Unterlagen im Sekterariat der formal dafür zuständigen Schule abzugeben; und jetzt schauen wir mal, wie's weitergeht.
Was ich übrigens noch zu dem Umstand anmerken wollte, dass wir die Absicht haben, unseren Jüngsten auf dieselbe Schule zu schicken wie das Tochterkind: Neulich auf dem Heimweg sinnierte unsere Große darüber, wie viele Geschwisterkinder es an ihrer Schule gibt. Gemeinsam zählten wir durch, wie viele Kinder uns einfielen, die Geschwister an derselben Schule haben, und das waren, gemessen an der sehr überschaubaren Gesamt-Schülerzahl, wirklich sehr viele. Natürlich tragen zu diesem Sachverhalt mehrere Aspekte bei. Einerseits gibt es bei der Vergabe der Schulplätze einen "Geschwisterbonus", das heißt, ein Kind hat schlichtweg bessere Chancen, an der Schule angenommen zu werden, wenn es bereits Geschwister an dieser Schule hat. Andererseits sagt es natürlich etwas über die Zufriedenheit der Eltern mit der Schule aus, wenn Eltern, die bereits ein Kind an dieser Schule haben, ihr nächstes Kind auch wieder dort anmelden. Hinzu kommt aber noch ein anderer Aspekt, nämlich der Anteil der Kinder an dieser Schule, die überhaupt Geschwister haben. Das ist ja heutzutage nicht gerade selbstverständlich. Ob die Elternschaft dieser Schule im Verhältnis zur Gesamtbevölkerung tatsächlich überdurchschnittlich viele Kinder hat, kann ich ehrlich gesagt nicht mit Bestimmtheit behaupten, es ist eher ein Fall von "gefühltem Wissen"; sollte es aber stimmen, dann gäbe es durchaus verschiedene mögliche Erklärungen dafür. Meine Liebste etwa meint, bei Familien mit einer ausgeprägt "naturnahen" Lebenseinstellung – für die diese Schule mit ihrem Garten, ihrer Nähe zum Wald, ihrer Holzwerkstatt usw. besonders attraktiv sei – sei eher mit einer kritischen Haltung gegenüber künstlicher Empfängnisverhütung zu rechnen als bei der Mehrheit der Bevölkerung, und das könne eben auch zu mehr Kindern in der Familie führen; ich selbst würde eher darauf tippen, dass Leute, die ihre Kinder auf Alternativschulen schicken, häufig Leute sind, in deren Lebensplanung der Punkt "Kinder haben" generell einen höheren Stellenwert hat als bei vielen anderen. Beides schließt sich aber wohl nicht aus, und es können sicherlich auch noch ganz andere Faktoren hinzukommen.
Hl. Gerardo Maiella, bitte für uns!
Am gestrigen Freitag war der Gedenktag eines Heiligen, der mir überhaupt kein Begriff gewesen war, ehe er mir beim "Jahresheiligenziehen" auf der Website von Kirche in Not als mein persönlicher Jahresheiliger für 2026 "zugelost" wurde. Gerardo Maiella hatte in diesem Jahr seinen 300. Geburtstag, sein Gedenktag ist jedoch, wie üblich, sein Todestag. Er stammte aus einem kleinen Ort in der süditalienischen Region Basilicata, war Sohn eines Schneiders und erlernte auch selbst dieses Handwerk; schon als Kind soll er den Spitznamen "der Heilige" gehabt haben. Sein Wunsch, in den Kapuzinerorden einzutreten, wurde ihm wegen seiner schwachen Gesundheit verwehrt; als junger Erwachsener erlebte er eine Volksmission der Redemptoristen in seinem Heimatort und verspürte die Berufung, sich dieser Gemeinschaft anzuschließen, wurde jedoch erneut zunächst abgewiesen. Daraufhin, so heißt es, habe er sich mittels zusammengeknoteter Bettlaken aus dem Fenster seines Zimmers abgeseilt, seiner Mutter die schriftliche Nachricht "Mama, vergib mir, ich werde ein Heiliger" hinterlassen und sei den Volksmissionaren 20 Kilometer weit nachgereist, um sie zu überreden, ihn als Laienbruder aufzunehmen. Fortan lebte und arbeitete er – bis zu seinem frühen Tod im Alter von 29 Jahren – als Gärtner, Schneider, Pförtner, Koch und Tischler im Redemptoristenkloster Materdomini bei Neapel und stand im Ruf, u.a. die Gaben der Levitation, der Bilokation und der Seelenschau zu besitzen. Als er beschuldigt wurde, Vater eines unehelichen Kindes zu sein, schwieg er zu den Vorwürfen und nahm eine strenge Buße auf sich, bis sich seine Unschuld herausstellte. Heute wird Gerardo Maiella als Patron der Mütter, der Schwangeren, der ungeborenen Kinder und als Fürsprecher bei Kinderwunsch verehrt; 1893 wurde er von Papst Leo XIII. selig- und 1904 von Papst Pius X. heiliggesprochen.
Geistlicher Impuls der Woche
Heilige dich: morgen stirbst du!
In unserem Herzen wäre mehr Himmel, wenn sich darin nicht so viel Erde befände.
Wohin unsere Werke nicht gelangen können, dahin sollen uns die Schwingen der Sehnsucht demütig und vertrauensvoll im Fluge tragen.
Nehmen wir uns der Sache Gottes an, dann wird auch Gott an uns denken.
Gott ist zufrieden, wenn du tust, was du kannst. Aber mit halben Maßnahmen machen wir die Sache schlechter.
Nicht nach der Menge der Erfolge, sondern nach der Größe der Opfer wird jedem der ewige Lohn zugemessen.
Wenn wir unsere Schwäche kennen, bauen wir unsere Hoffnung auf Gott.
Suche Gott, und du wirst ihn finden. Suche ihn in allen Dingen, und du wirst ihn überall finden. Suche ihn zu jeder Zeit, und du wirst ihn immer finden.
(Vincenz Pallotti, Aphorismen)
Ohrwurm der Woche
Simon & Garfunkel: Leaves That are Green
Es liegt wohl auf der Hand, dass dieses melancholische Lied gut zur Jahreszeit passt; aber der eigentliche Grund, weshalb es zu meinem Ohrwurm der Woche avanciert ist, ist dann doch ein anderer. Ich geriet nämlich unlängst auf Facebook in eine Diskussion über den Song "A New England" von Billy Bragg, den ich auch mal in der Rubrik Ohrwurm der Woche gewürdigt habe – als Paradebeispiel für den Sound meiner Abi-Partys vor gut 30 Jahren. Jedenfalls wurde in der besagten Facebook-Diskussion darauf hingewiesen, dass das faszinierend paradoxe Verspaar "I was 21 years when I wrote this song / I'm 22 now but I won't be for long", mit dem der Songtext beginnt, ein Zitat ist und eigentlich von Paul Simon stammt. Was mich an dieser Information so verblüffte, war, dass ich das eigentlich hätte wissen können oder müssen, aber mein Gehirn hatte bisher keine Verknüpfung zwischen diesen ansonsten so unterschiedlichen Songs hergestellt. Jedenfalls geht mir infolge dieser Erkenntnis der Song, aus dem diese Verse ursprünglich stammen, nicht mehr aus dem Kopf. – Nebenbei sei angemerkt, dass dies bereits mein fünfter Ohrwurm der Woche aus der Feder von Paul Simon ist; das ist einsamer Rekord, und ich würde mal sagen, das spricht für sich.
Vorschau/Ausblick
Heute hatten die Wölflinge kein Meutentreffen, da praktisch gesehen bereits Ferien sind; jawohl wir haben, Herbstferien bis einschließlich Allerheiligen. Bis einschließlich Montag sind wir aber noch zu Hause, sodass die Kinder sich weiter um ihre heißgeliebten Kaninchen kümmern können. Und morgen geht's natürlich wieder in die Messe, aller Voraussicht nach wieder in St. Joseph Siemensstadt. Am Dienstag fahren wir dann für fünf Tage nach Nürnberg. Warum Nürnberg? Nun ja, das hat sich halt so ergeben. Ist eine schöne, geschichtsträchtige Stadt, es gibt dort das Museum der Deutschen Bahn und, im Vorort Zirndorf, den Playmobil Fun Park; außerdem und nicht zuletzt ist es ein geeigneter Zwischenstopp auf dem Weg zum geplanten Schauplatz unserer zweiten Ferienhälfte, aber darüber verrate ich nächste Woche mehr. – Ganz in der Nähe unserer Unterkunft in Nürnberg liegt übrigens eins der ältesten erhaltenen Sakralgebäude der Stadt, die ehemalige Klosterkirche St. Klara aus dem 13. Jh.; die weniger gute Nachricht ist, dass diese Kirche seit 1996 von der bzw. für die Katholische City-Seelsorge Nürnberg genutzt wird, und beim Stichwort "Citypastoral" kriege ich ja bekanntlich die Motten. Aber gucken wir mal!






Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen