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Samstag, 3. Januar 2026

Utopie und Alltag 6: Zwischen den Jahren ist auch eine Art Epizentrum

Herzlich willkommen zum ersten Wochenbriefing des Kalenderjahres 2026, o Leser! Seid ihr alle gut reingekommen? Bei uns verlief der Silvesterabend tendenziell ruhiger als vor einem Jahr, als er von Kugelbomben-Explosionen und Wasserrohrbrüchen geprägt war. Auch über die Neujahrsnacht hinaus liegt eine größtenteils eher ruhige Woche hinter uns, aber an Themen für das Wochenbriefing mangelt es trotzdem nicht; es gibt sogar genug zu berichten, dass ich es mir leisten kann, weiterhin nichts zu der in der ARD übertragene Christmette in der Stuttgarter Kirche St. Maria zu sagen, in der, wie es auf Not the Bee hieß, "die Geburt von Lurtz, dem Uruk-Hai", gefeiert wurde. Na ja, fast nichts. Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass mindestens ein Teil meiner Leserschaft eine Stellungnahme von mir dazu erwartet, denn irgendwie gehört es ja schon in das Themenspektrum meines Blogs hinein, aber es gibt so Themen, da sage ich mir, da haben schon genug andere Leute was dazu gesagt, da muss ich das nicht auch noch, und wenn ich könnte, würde ich die Gesamtmenge der dazu kursierenden Meinungsäußerungen lieber verringern, als noch eine weitere hinzuzufügen. Besonnen, klar und vernünftig finde ich allerdings die Stellungnahme des kroatischen Priesters Zvonko Tolić, die mir auf Facebook begegnet ist. Und nun können wir hoffentlich über was anderes reden! 


Die Reste vom Feste 

Nachdem wir am Weihnachtstag, wie berichtet, in der EFG The Rock Christuskirche zum Raclette-Essen waren, stand tags darauf, am Stephanustag, "Oma-Weihnachten" bei meinen Schwiegermüttern auf dem Programm, und da gab's Wildschweinbraten. Alles in allem hatten wir einen schönen und entspannten Nachmittag und Abend, auch wenn die typische saisonale Erkältung, die am Heiligabend unseren Jüngsten zeitweilig auf die Matte geschickt hatte, nun offenbar bei mir angekommen war; auch das Tochterkind wirkte gesundheitlich ein bisschen angeschlagen. Das setzte sich am nächsten Tag fort, was vor allem deshalb ungünstig war, weil wir da Besuch bekamen – von einem gemeinsamen Freund unserer Kinder und seiner alleinerziehenden Mutter. Nun, immerhin spielten die Jungs schön mit den neuen Playmobil-Figuren unseres Jüngsten, und die Erwachsenen tranken Glühwein – für mich war das der erste in diesem Winter. Dazu gab's Spaghetti und Chicken Wings. Ein typischer "Gammel"-Tag nach dem Feiertagstrubel, könnte man sagen. Ach ja, und preisreduzierte Lebkuchen kauften wir auch. 

Auch "zwischen den Jahren" herrschten bei uns zu Hause, was Aufstehen, Anziehen, Essen und allgemein "Dinge tun" angeht, eher lockere Sitten, allerdings bemühte zumindest ich mich, ab Montag wieder einigermaßen zeitig (d.h. "nur" eine Stunde später als an Schultagen) aufzustehen und in einen produktiven Tagesrhythmus zurückzufinden, ohne dadurch die anderen Familienmitglieder daran zu hindern, ihre Ferien zu genießen. So ist es mir immerhin gelungen, neben diesem Wochenbriefing auch meinen Jahresrückblog, äh, -blick termingerecht fertig zu kriegen, aber darüber hinaus habe ich noch so allerlei in der Pipeline, was noch nicht fertig geworden ist. Na, ab kommendem Montag werden wieder andere Saiten aufgezogen... 


Ein Abschied und eine Einladung 

Am Sonntag in der Weihnachtsoktav war erstens das Fest der Heiligen Familie (und somit das Patronatsfest der Spandau-Havelländer Großpfarrei), zweitens feierte Erzbischof Heiner Koch in der St.-Hedwigs-Kathedrale ein Pontifikalamt zum offiziellen Abschluss des Heiligen Jahres, musikalisch mitgestaltet von der Blaskapelle St. Hubertus Petershagen; und drittens stand, vor unserer Haustür in Herz Jesu Tegel, die Verabschiedung des aus Nigeria stammenden Pfarrvikars der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd an. Solange meine Liebste und ich unsere Vision von Laienapostolat in der Tegeler Gemeinde zu verwirklichen versuchten, hatte dieser Geistliche stets zu den wenigen Leuten in der Pfarrei gezählt, auf deren Unterstützung und Wohlwollen wir zählen durften; er hatte uns die Hauskommunion gebracht, als meine Liebste während ihrer Schwangerschaft mit unserem Jüngsten Bettruhe verordnet bekommen hatte, und unseren Jüngsten getauft hat er auch. Nach alledem war es wohl Ehrensache, dass wir uns bei seiner Verabschiedung sehen ließen, auch wenn wir da Gefahr liefen, Leuten zu begegnen, denen wir normalerweise lieber aus dem Weg gehen. Beim Empfang zum 40-jährigen Priesterjubiläum dieses Geistlichen waren wir ja auch gewesen. 

Wie ich erfuhr, war es eigentlich nicht der Wunsch des scheidenden Pfarrvikars gewesen, dass seine Verabschiedung ausgerechnet im Rahmen einer Abendmesse stattfinden sollte, aber der Pfarrer hatte es so entschieden, mit dem Argument, dass auf diese Weise alle Geistlichen der Pfarrei daran teilnehmen könnten. Daraufhin hatte der "zu Verabschiedende" sich gewünscht, dass es am Nachmittag eine Kaffeetafel im Pfarrsaal geben sollte, und einige Frauen aus der Gemeinde hatten sich darum gekümmert, Kaffee und Kuchen aufzutischen. Da konnte man mal einen Eindruck davon bekommen, wie Gemeindeleben in der Volkskirche aussehen könnte oder sollte, und das meine ich ausgesprochen wertschätzend. 

Kaffeetafel mit Papst Leo. (Nicht im Bild: die Torten!) 

Zu dieser Kaffeetafel ging ich allerdings erst mal allein – unter anderem, weil das Tochterkind sich noch etwas kränklich fühlte, aber wohl auch, weil meine Liebste nicht so richtig Lust auf geselliges Beisammensein mit den üblichen Verdächtigen der Tegeler Gemeinde hatte. Ich jedenfalls kam ziemlich pünktlich im Pfarrsaal an und war somit einer der ersten Gäste – und das war gut so, denn so konnte ich in Ruhe einige Sätze mit dem scheidenden Pfarrvikar wechseln, ehe er seine Aufmerksamkeit unter allzu vielen Gästen aufteilen zu müssen. "Acht Jahre waren das jetzt?", fragte ich ihn und dachte dabei, diese Zeit sei recht schnell vergangen. "Acht Jahre und drei Monate", präzisierte er, "und das war keine leichte Zeit. – Na, du weißt ja", fügte er mit einem bezeichneten Lächeln hinzu, ehe er mit einem Blick zum Himmel (oder eigentlich zur Zimmerdecke) fortfuhr: "Aber ich habe es für Ihn gemacht, weil Er mich hier haben wollte. Daran muss man immer denken: Dass man es im Letzten nicht für irgendwelche Leute tut, sondern für den Herrn. Das gibt Kraft, das gibt Durchhaltevermögen, das gibt Orientierung." 

Nachdem es anfangs so aussah, als würde die Kaffeetafel eher mäßigen Zuspruch erfahren, begann sich der für gut 50 Personen bestuhlte Pfarrsaal nach rund einer Stunde doch sehr gut zu füllen; und es war ein ausgesprochen gemischtes Publikum, das da zusammenkam, von Senioren bis hin zu Familien mit kleinen Kindern und jungen Erwachsenen ohne Kinder. Mit mehreren Gemeindemitgliedern führte ich interessante Gespräche, wobei ich Wert darauf legte, mehr zuzuhören als selbst zu reden; auf diese Weise erfuhr ich so allerlei, wovon ich es zum Teil schade finde, es hier aus Gründen der Diskretion nicht wiedergeben zu können bzw. zu dürfen. – Wenn jetzt jemand meint, aus dieser Andeutung spreche der persönliche Groll, den ich gegen diese spezielle Gemeinde und Pfarrei nach Jahren immer noch hege, dann möchte ich erwidern: An der Sache mit dem Groll mag schon was dran sein – dazu in Kürze noch ein paar Worte mehr –, aber das, was ich von verschiedenen Gemeindemitgliedern über, sagen wir mal, problematische Entwicklungen in der Pfarrei gehört habe, betrachte ich im Wesentlichen gerade nicht als spezifisch für genau diese eine Pfarrei, sondern eher als symptomatisch für den sogenannten "Pastoralen Prozess 'Wo Glauben Raum gewinnt'" insgesamt und gehe davon aus, dass es in anderen Ecken Berlins prinzipiell dieselben oder jedenfalls ähnliche Probleme geben dürfte. Vielleicht finde ich mal einen Dreh, auf das Thema einzugehen, ohne dabei konkrete Interna aus St. Klara Reinickendorf-Süd preisgeben zu müssen. 

Was nun den besagten Groll angeht, möchte ich betonen, dass ich bei dieser Kaffeetafel (erwartungsgemäß) so einigen "üblichen Verdächtigen" aus dem früheren Pfarrgemeinderat, dem Lokalausschuss und dem Förderverein über den Weg lief und von fast allen ausgesprochen freundlich begrüßt wurde; die Bekundung, man freue sich, mich mal wieder zu sehen, schien mir hier und da zwar einen leicht vorwurfsvollen Unterton zu haben (im Sinne von "Na, lässt du dich hier auch mal wieder blicken"), aber im Großen und Ganzen hatte ich den Eindruck, einer wirklich authentischen Freundlichkeit zu begegnen, und bemühte mich, diese im gleichen Geiste zu erwidern. – Sehr nett fand ich es, dass ein alter Herr, der zum harten Kern der Werktagsmessen-Gemeinde in Heiligensee gehört, mir mitteilte, mein Sohn und ich würden dort "vermisst"; ich versprach ihm, wir würden bei Gelegenheit mal wieder kommen. Am schönsten war aber, dass der scheidende Pfarrvikar mich aufforderte, ihn – zusammen mit meiner Familie natürlich – mal in Nigeria zu besuchen. Um unsere Unterbringung würde er sich kümmern. Als ich Frau und Kindern davon erzählte, waren sie Feuer und Flamme, besonders die Kinder. Müssen wir wohl mal gucken, was der Flug kosten würde – zum Beispiel in den nächsten Herbstferien... 

In der Messe, zu der Frau und Kinder dann auch erschienen, wurden in Sachen Pomp so einige Register gezogen: Es gab sechs Messdiener, Weihrauch, zum Einzug spielte zusammen mit der Orgel eine Trompete, Antwortpsalm und Halleluja-Ruf wurden von einem Gesangssolisten vorgetragen, alle drei Pfarrvikare der Pfarrei konzelebrierten, auch der Diakon wirkte mit. Hauptzelebrant war der leitende Pfarrer von St. Klara, das gehört sich bei solchen Anlässen wohl so; trotzdem hätte es mir irgendwie besser gefallen, wenn der scheidende Pfarrvikar selbst den Vorsitz bei seiner Anschiedsmesse gehabt hätte. Nun, ich schätze, man kann wohl ganz zufrieden sein, dass der Pfarrer zwar eine Begrüßungsansprache hielt, nicht aber die Predigt; die überließ er --- Pater Mephisto. Und der machte seinem Spitznamen mal wieder alle Ehre. Seine Ansprache war teils Predigt zum Fest der Heiligen Familie, teils Laudatio auf seinen zu verabschiedenden Amtsbruder, und das thematische Bindeglied zwischen diesen beiden Redeanlässen bildete das Stichwort "Vielfalt" – in den Familienmodellen, in den Kirchenbildern. Die Art und Weise, wie er die afrikanische Herkunft des scheidenden Pfarrvikars als Aufhänger für den zweiten Aspekt benutzte, schien mir irgendwie latent rassistisch, oder sagen wir: stereotypisierend; davon abgesehen hatte die Predigt die für Pater Mephisto charakteristische Eigenschaft, dass darin einiges "an sich Richtige" gesagt wurde, das aber im Kontext eine bedenkliche ideologische Schlagseite bekam; Manches war aber auch einfach falsch. Dazu würde ich etwa die Behauptung zählen, ebenso wie die Gesellschaft als ganze seien auch die Pfarrgemeinden in den letzten Jahrzehnten diverser geworden. Da ist ja nun wohl mit ziemlicher Sicherheit das Gegenteil wahr. Hat der Mann mal was von Milieuverengung gehört? Sicherlich war die Gesellschaft in (West-)Deutschland vor 60 Jahren in vielfacher Hinsicht homogener als heute, aber wenn damals noch fast die Hälfte der Bevölkerung der katholischen Kirche angehörte und davon, nur mal grob geschätzt, 40-60% am Sonntag in die Messe gingen, dann würde ich mal davon ausgehen, dass da eine nach fast allen soziologischen Kategorien "diversere" Gottesdienstgemeinde zusammenkam als heutzutage. Aber natürlich kommt es darauf an, was man sich unter "Diversity" vorstellt. Pater Mephisto brachte hierzu die Stichworte "multikulturell" und auch "multireligiös" ins Spiel – was natürlich Fragen aufwirft: Wie könnte eine christliche Gemeinde "multireligiös" sein? 

Nach der Predigt begann der Organist direkt mit dem Credo, sodass der leitende Pfarrer erst danach dazu kam, eine Anmerkung loszuwerden, die eigentlich als Überleitung von Pater Mephistos Predigt zum Credo gedacht gewesen wäre: Gerade der gemeinsame Glaube sei es schließlich, der, bei aller vom Prediger hervorgehobenen Diversität, die Gemeinde konstituiere. Und da muss ich dann ja doch mal sagen: Respekt. Der Pfarrer kann Pater Mephisto zwar intellektuell und rhetorisch nicht das Wasser reichen, und ich denke, das weiß er; aber trotzdem scheut er sich nicht, ihn vor versammelter Gemeinde zur Ordnung zu rufen, wenn er der Heterodoxie allzu sehr die Zügel schleifen lässt. Und auch wenn man sich zuweilen fragen mag, wie weit es bei ihm persönlich mit dem im Credo bekannten Glauben wohl tatsächlich her ist, ist es doch anzuerkennen, dass er zumindest im Prinzip für diesen Glauben eintritt. Kurz gesagt, so Vieles ich auch oft an ihm zu kritisieren finde, er hat seine Momente. ("Aber das ist eben auch gerade das Gefährliche an ihm", gab meine Liebste zu bedenken: "Dass er weder gut noch böse ist.") 

Der verabschiedete Pfarrvikar ist übrigens im Januar noch in der Pfarrei und wird auch noch ein paar Messen zelebrieren. Da wird es dann also vielleicht noch Gelegenheit geben, genauere Pläne für einen Besuch in Nigeria zu machen. 


Jahresschluss in Haselhorst 

Am Silvesterabend fuhren wir, wie schon in den letzten Jahren, nach St. Stephanus Haselhorst, wo die Vorabendmesse zum Hochfest der Gottesmutter Maria als Jahresschlussmesse gefeiert wurde. In den beiden Vorjahren hatte der – wie ich immer gern sage – "örtlich zuständige" Pfarrvikar zu diesem Anlass besonders anregende Predigten gehalten, in denen er eine auf die Entwicklungen in der Pfarrei und insbesondere in "seiner" Teilgemeinde bezogene Jahresbilanz mit einer Auslegung des Evangeliums vom Tag zu verbinden wusste; und was das anging, wurde ich auch diesmal wieder nicht enttäuscht. Ein roter Faden aller Jahresschlusspredigten, die ich bisher von diesem Priester gehört habe, besteht in der Betrachtung des Stalls von Betlehem als Bild für die Pfarrei, und daran knüpfte er auch diesmal wieder an: Das Evangelium vom Tag – Lukas 2,16-21, die Anbetung der Hirten – mahne uns, dass unser persönliches Leben, aber auch das Leben der Pfarrgemeinde die Heilige Familie widerspiegeln solle. (Da passt es natürlich gut, dass die 2023 gegründete, von Siemensstadt bis Falkensee reichende Großpfarrei gerade das Patrozinium Heilige Familie trägt.) Zur "Situation, in der derzeit die Pfarrei ist", merkte der Pfarrvikar an: "Der liebe Gott war in diesem Jahr sehr großzügig mit unserer Pfarrei." Diese Feststellung untermauerte er mit einigen Zahlen zur Gemeindeentwicklung: So sind im Jahr 2025 in der gesamten Pfarrei 84 Kinder zur Erstkommunion gegangen – davon 28 in St. Joseph Siemensstadt, 24 in Maria, Hilfe der Christen und 32 in St. Konrad Falkensee –, 91 Jugendliche und zehn Erwachsene wurden gefirmt; Eheschließungen gab es elf – "Da sind wir noch schwach". Besonders bemerkenswert erscheint es mir indes, dass die Zahl der Neuzugänge in der Pfarrei – 54 Taufen einschließlich Erwachsenentaufen, sechs Konversionen, fünf Wiederaufnahmen – im Jahr 2025 größer war als die der verstorbenen Gemeindemitglieder (49). Eine Zahl, die in dieser Bilanz auffallend fehlt, ist die der Kirchenaustritte; ohne diesen Posten sieht es jedoch so aus, als sei die Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland im Jahr 2025 gewachsen und gleichzeitig jünger geworden. Wenn das tatsächlich so ist, wieso steht das dann eigentlich nicht in allen (Kirchen-)Zeitungen? Wieso stehen nicht die Pastoraltheologen und Religionssoziologen Schlange, um die Ursachen oder Rahmenbedingungen dieses "Wachsens gegen den Trend" zu untersuchen und Lehren daraus zu ziehen? – 

Noch interessanter als diese Zahlen fand ich indes etwas anderes, was der Pfarrvikar in seiner Jahresbilanz hervorhob – etwas, worauf er "im Gespräch mit den Taufbewerbern" aufmerksam geworden sei: nämlich, "dass die meisten schon die Bibel gelesen haben, dass sie sich über YouTube (!) gebildet haben über den katholischen Glauben, den Katechismus besser kennen als ich" – aber was sie suchen, was ihnen noch fehlt, ist "eine Gemeinde: konkrete Personen, an denen sie anschließen können". Das wirft ein bemerkenswertes Licht darauf, welche Aufgabe eigentlich der Pfarrei für die Neuevangelisierung zukommt. Dafür, Menschen zu evangelisieren, die nicht sowieso schon kirchlich (ein-)gebunden sind, bringt die Pfarrei wohl schlichtweg keine besonders guten Voraussetzungen mit, und katechetische Angebote können "Menschen, die auf der Suche sind", offenbar auch woanders finden – zum Beispiel, offenbar zunehmend, im Internet. Aber um das Christentum von einem theoretischen, angelesenen Wissen in eine gelebte Praxis zu "übersetzen", braucht es dann eben doch die Einbindung in eine Gemeinde. Damit kommt der Gemeinde natürlich eine große Verantwortung zu – denn wenn es nicht gelingt, die Neuzugänge zu integrieren, zum Beispiel deshalb, weil die Realität in der Gemeinde allzu weit entfernt ist von dem Bild christlicher Gemeinschaft, das ihnen vorschwebt, dann kann man sie auch wieder verlieren. Und das passiert nicht selten. 

Geschieht dies jedoch nicht, dann wird es natürlich interessant sein zu beobachten, was für eine Dynamik es in einer Gemeinde auslöst, wenn da eine signifikante Anzahl von Erwachsenentäuflinge, Re- und Konvertiten reinkommt, die den Glauben der katholischen Kirche zumindest teilweise durch evangelisierende und katechetischen Angebote im Internet kennengelernt haben und daraufhin beschlossen haben "Das wollen wir". Wenn das schon in einer oberflächlich betrachtet eher nach nichts Besonderem aussehenden Pfarrei am Rande Berlins ungefähr 20 Leute in einem Jahr sind, dann bekommt man eine Ahnung, wie sich die Kirche in unserem Land, vorerst noch unmerklich, von der Basis her verändert. Da steht nun freilich der Verdacht im Raum, dass dies eine Veränderung ist, die die institutionalisierte Pastoraltheologenzunft gar nicht will, die sie eher irritierend oder gar "gefährlich" findet, und möglicherweise kommt deshalb niemand nach Spandau, um dieses Phänomen zu studieren: Es könnte sich ja herausstellen, dass man mit Vielen von dem, was man der Kirche seit Jahrzehnten als unerlässlich für den Erhalt ihrer "Zukunftsfähigkeit" gepredigt hat, komplett auf dem falschen Dampfer war. 

Übrigens nutzte der Pfarrvikar seine Jahresschlusspredigt auch dazu, zum wiederholten Male darauf hinzuweisen, dass das ehrenamtliche Küsterteam Verstärkung gebrauchen könnte: "Falls es heute jemanden gibt, der spontan sagt, ich möchte Küster machen... Das ist der letzte Versuch in diesem Jahr. Im nächsten Jahr geht's weiter." Aber auch darüber hinaus ermutigte er seine Zuhörer zur Übernahme von Diensten in der Pfarrei: "Es ist eine Freude, dem Volk Gottes zu dienen, weil man hundertfach zurückbekommt. Für jeden, der einen Dienst tut, gilt: Gott schenkt hundertfach zurück. Sagt der Herr im Evangelium." 


Wildgänse und Butjenter Friesen: Pfadfinder in der Wesermarsch 

"Zwischen den Jahren" überraschte mich die gute alte Kreiszeitung Wesermarsch mit einem Artikel zu einem Thema, das mich besonders in jüngster Zeit verstärkt interessiert: "Pfadfinder in Butjadingen – Warum junge Menschen Pfadfinder werden" war der Artikel überschrieben. Zwar verbarg sich die Online-Version des Artikels hinter einer Paywall, aber ich habe ja zum Glück so meine Kontaktpersonen in der Region – und konnte mich so davon überzeugen, dass der Artikel insgesamt besser und interessanter ist, als der Teaser-Absatz es vermuten ließ. Dieser lautete nämlich: 

"Sippe, Meute, Wölflinge - ein wenig gewöhnungsbedürftig sind die Begriffe der Pfadfinder auf den ersten Blick. Aber dann öffnet sich eine Welt voller Abenteuer. Und es schadet sicher nicht, zu wissen, wie man ein ordentliches Feuer entfacht." 

Beim Stichwort "gewöhnungsbedürftig" fällt mir ja immer Max Goldt ein, der meinte, dieses Wort gebe "beredt Auskunft über den engen kulturellen Horizont" derer, die es verwenden. Aber natürlich stimmt es irgendwie, dass das pfadfinderische Vokabular auf Außenstehende erst mal fremd wirken kann. Und dass es eine nützliche Fertigkeit ist, Feuer zu machen, stimmt ebenfalls. Und was gibt der Artikel darüber hinaus so her? – Nun, zunächst erfährt man da einiges über die Entstehungsgeschichte der internationalen Pfadfinderbewegung, dann konzentriert sich der Bericht hauptsächlich auf den seit 2013 bestehenden Stamm der "Butjenter Friesen", erwähnt allerdings auch noch weitere Pfadfinderstämme in der Wesermarsch, so die "Wildgänse" in Nordenham, die "Jader Bürger" in Jaderberg und den Stamm Moorriem in, nun ja, in Moorriem eben. Darauf, dass es – vielleicht nicht in der Wesermarsch, aber generell – mehrere verschiedene Pfadfinderverbände gibt, geht der Artikel nicht ein, vielleicht war es der Verfasserin nicht recht bewusst; ich wiederum kenne mich (noch) nicht gut genug aus, um allein anhand von Klufthemd und Halstüchern auf dem Artikelfoto erkennen zu können, zu welchem Verband der Stamm der Butjenter Friesen gehört, aber dann verrät der Artikel beiläufig doch noch, dass es sich um den VCP handelt. Eigentlich nicht überraschend in einer traditionell so stark evangelisch geprägten Gegend, auch wenn der Einfluss der evangelischen Kirche dort seit einiger Zeit stark im Schwinden ist. – Zuweilen befleißigt sich die Verfasserin einer Ausdrucksweise, die wohl jung und hip wirken soll, obwohl die Dame älter ist als ich; wenn sie etwa über Baden Powells Standardwerk "Scouting for Boys" schreibt "Das ging weltweit viral", wirkt das einfach plump und albern. Aber im Ganzen ist der Artikel durchaus geeignet, Werbung für die Pfadfinder zu machen, und ist wohl auch in dieser Absicht geschrieben. "[B]ei den Pfadfindern geht es um Werte, die viele Menschen vermissen", liest man da etwa: "Gemeinschaft und sich gegenseitig zu helfen." Und: "Die Älteren übernehmen Verantwortung für die Jüngeren." Weiterhin erfährt der geneigte Leser: "Der Stamm trifft sich wöchentlich für etwa anderthalb Stunden [...]. Das Programm besteht aus Spielen, Basteln, Naturkunde und dem Erlernen praktischer Fähigkeiten." Besonders gut gefällt mir, was der bei den Pfadfindern aktive Kreisjugenddiakon Hauke Bruns über das Halstuch der Pfadfinder erzählt: "So ein Tuch muss man sich erarbeiten. Die Übergabe ist ein Ritual. Es bedeutet: Wir halten Dich für fähig, die Werte unserer Gemeinschaft zu vertreten". Wie gut es mir gefällt, dass Bruns auf dem Artikelfoto aussieht wie der Anführer einer Motorradgang, mag der Leser meines Blogs sich selbst ausmalen, Zwinkersmiley. – Am Schluss des Artikels erfährt man, dass die Butjenter Friesen am 31. Januar und 1. Februar im Gemeindehaus Eckwarden ein Schnupperwochende für Wölflinge veranstalten; das ist just das Wochenende vor unserem nächsten geplanten Butjadingen-Urlaub, schade eigentlich. Mit Blick auf zukünftige Butjadingen-Aufenthalte frage ich mich allerdings, ob es nicht trotzdem ratsam sein könnte, da mal einen Kontakt herzustellen. Na, mal sehen... 

Was ich in diesem Zusammenhang auch noch interessant finde: Als ich am Rande des Bandwochenendes meinen alten Freunden von den noch frischen Erlebnissen beim Herbstlager der KPE-Wölflinge erzählte, kam die Frage auf, ob es in unserer gemeinsamen alten Heimat eigentlich auch Pfadfinder gebe. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich darauf nur antworten, zumindest früher mal müsse es welche gegeben haben – darüber hätte ich mal etwas in einem Buch über die Wesermarsch in den 60er Jahren gelesen. Das besagte Buch – das schlicht "Die 60er Jahre" betitelt ist – habe ich aus diesem Anlass nun wieder hervorgekramt: Es basiert auf einer Artikelserie – genau – der Kreiszeitung Wesermarsch aus dem Jahr 2015, und einer der 31 darin versammelten Artikel trägt die Überschrift "Wölflingen viel beigebracht". Es handelt sich um ein Porträt einer Frau aus Nordenham, die im Alter von 18 Jahren "im christlichen Mädchenkreis gefragt wurde, ob sie die Leitung einer Gruppe übernehmen wolle", und daraufhin von 1959 bis 1965 die "Akela" für eine Wölflingsmeute der Christlichen Pfadfinderschaft (CPD – einer der Vorläuferverbände des 1973 gegründeten VCP) war. Im CPD waren damals nur Jungen, und wie die damalige "Akela" verrät, durften due Wölflinge seinerzeit noch "nicht zelten und kein Lagerfeuer machen. Das war erst ab zwölf Jahren erlaubt". Bevorzugtes Ziel für Fahrten war daher die "Christopherushütte bei Wulsbüttel in der Nähe von Hagen": "Sie lag mitten im Wald, ohne Licht, ohne Strom und ohne fließend Wasser" – und ohne Betten: "Geschlafen wurde in einem großen Raum. Natürlich musste auch jemand Nachtwache halten". – Großen Wert legt die Verfasserin (Ellen Reim, die kenne ich noch aus meiner aktiven Nordenhamer Zeit) auf die Feststellung, dass die Wölflinge "sich nicht nur dem Vergnügen" widmeten: Dass die Jungs z.B. auch lernten, Knöpfe anzunähen und Kartoffeln zu schälen, steht sogar zweimal im Artikel. – Ich schätze, ich kann von Glück sagen, dass ich das Kartoffelschälen erlernt habe, ohne bei den Pfadfindern gewesen zu sein; das Knöpfeannähen hingegen zugegebenermaßen nicht. Na, umso besser, wenn das dann zukünftig meine Kinder lernen... 


Neues aus Synodalien: Eine Jahresvorschau 

Unlängst war Google News so freundlich, mir einen Artikel mit der vielversprechenden Überschrift "So wird 2026 für die katholische Kirche" zu empfehlen. Leider handelte es sich um einen Artikel von häretisch.de, und was dieses Portal sich unter "der katholischen Kirche" vorstellt, kann man sich ja denken. Gleichwohl war ich gelinde amüsiert, in dem Artikel den Satz zu lesen "Bald nach dem Ende des Jubiläumsjahres geht es – zumindest aus deutscher Sicht – zurück in die Niederungen kirchlicher Reformbemühungen" : Guck an, sie geben also zu, dass es Niederungen sind! Und was steht nun so alles auf dem deutschsynodalen Terminkalender? Als erstes, vom 29. bis 31. Januar, die abschließende Synodalversammlung des Synodalen Wegs; u.a. sollen dabei Mitglieder für die Synodalkonferenz gewählt werden, über deren Satzung die Deutsche Bischofskonferenz bei ihrer Frühjahrsvollversammlung abstimmen soll; diese findet vom 23. bis 26. Februar in Würzburg statt. "Danach steht dann die Begutachtung und Genehmigung der Satzung durch den Vatikan an" – ich schätze, das kann spannend werden. "Sollte der Vatikan aber [!] seine Zustimmung zur Satzung geben" – so zurückhaltend formuliert häretisch.de es tatsächlich! –, "soll die Synodalkonferenz am 6. und 7. November in Stuttgart zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammenkommen". Und dann ist das Jahr ja auch schon fast wieder rum. 

– Und sonst so? Wir haben eine gerade Jahreszahl, das heißt, es ist mal wieder Katholikentag. Diesmal in Würzburg, vom 13.-17. Mai, also über Christi Himmelfahrt. Und "[w]ährend die Katholikinnen und Katholiken in Eichstätt und Münster auf einen neuen Bischof hoffen dürfen", zeichnet sich schon die nächste Vakanz eines deutschen Bischofsstuhls ab: Am 19. November wird der Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, 75 Jahre alt "und erreicht damit die vom Kirchenrecht vorgesehene Altersgrenze für Bischöfe". Zwar orakelt häretisch.de, "möglicherweise" werde der Papst den Magdeburger Oberhirten "noch einige Zeit im Amt" belassen, nennt jedoch keine Gründe für diese Spekulation. Schließlich wäre noch die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz zu erwähnen: Diese findet vom  28. September bis 1. Oktober in Fulda statt. – Alles in allem bin ich geneigt zu sagen, es verrät eine in bedenklichem Maße institutionsfixierte Sicht auf die Kirche, anzunehmen, dies (und dazu die beiden Vollversammlungen des "ZdK", deren Daten hier jedoch ungenannt bleiben mögen) seien die wichtigsten Daten des Jahres 2026. Ich persönlich bin ja überzeugt, dass die wirklich bedeutenden und für die Zukunft der Kirche in unserem Land richtungsweisenden Momente sich ganz woanders ereignen – und damit meine ich nicht nur und nicht mal in erster Linie Events wie die MEHR und die Adoratio, wenngleich auch da sicherlich mehr Bedeutsames passiert als bei irgendwelchen Synodalkonferenzen oder beim Katholikentag. Kurz und gut, ich werde mich zwar bemühen, die bei häretisch.de aufgeführten Daten im Auge zu behalten, aber das Hauptaugenmerk meines Blogs soll weiterhin der alltäglichen Graswurzelarbeit an der Basis gelten, die man in Bonner (oder auch Münsteraner) Redaktionsstuben überhaupt nicht auf dem Radar hat, die aber das Angesicht der Kirche in unserem Land, wie ich hoffe, nachhaltiger prägen wird, als Leute, die ihr Bild "von Kirche" aus der Berichterstattung von häretisch.de oder Kirche + Leben beziehen, es sich träumen lassen ... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Wir alle wissen, wie sehr heute Christus Zeichen eines Widerspruchs ist, der im Letzten Gott selbst gilt. Gott selbst wird immer wieder als die Grenze unserer Freiheit gesehen, die beseitigt werden müsse, damit der Mensch ganz er selber sein könne. Gott steht mit seiner Wahrheit der vielfältigen Lüge des Menschen, seiner Eigensucht und seinem Hochmut entgegen. 

Gott ist Liebe. Aber die Liebe kann auch gehasst werden, wo sie das Heraustreten über sich selbst hinaus fordert. Sie ist nicht romantisches Wohlgefühl. Erlösung ist nicht Wellness, ein Baden im Selbstgenuss, sondern gerade Befreiung von der Verzwängung ins Ich hinein. Diese Befreiung kostet den Schmerz des Kreuzes. 

(Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Prolog) 


Ohrwurm der Woche 

Sebastian & Veronika Lohmer: Wir lieben deinen Namen (Akustikversion) 

Heute ist das Fest des Heiligsten Namen Jesu, und heute Abend beginnt in Augsburg die MEHR-Konferenz; zwei gute Gründe, an dieser Stelle diesen Lobpreis-Klassiker zu bringen. Diesen Song, von einer kompletten Band intoniert, zusammen mit einigen tausend Menschen in einer Messehalle zu hören und mitzusingen, besonders den Vers "Wir hör'n nicht auf zu singen" im Refrain, ist schon ein starkes Erlebnis, aber die Initmität dieser auf'm Sofa mit keiner anderen Begleitung als einer akustischen Gitarre aufgenommenen Version finde ich sogar noch berührender. 


Vorschau/Ausblick 

Bei der MEHR-Konferenz, die bis Dienstag gegen Mittag geht, bin ich leider nicht und habe auch kein Streaming-Ticket gekauft, aber ich denke mal, ein bisschen wird man ja doch davon mitbekommen, was da so los ist; jedenfalls grüße ich herzlich alle Freunde und anderen Leser, die gerade dort sind, und wünsche ihnen "Viel Spaß und viel Segen"! Irgendwann muss ich da auch mal wieder hin. – Am morgigen Sonntag soll es in St. Joseph Siemensstadt im Anschluss an die Messe wie im vorigen Jahr wieder ein Dreikönigsspiel geben – der eigentliche Dreikönigstag fällt ja dieses Jahr auf einen Dienstag. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, dass ich, als wir am vergangenen Sonntag in Herz Jesu Tegel waren, erwogen habe, uns auf die Hausbesuchsliste der Tegeler Sternsinger einzutragen; dieser Besuch wäre ebenfalls morgen dran gewesen, aber wir haben uns dann doch dagegen entschieden, zumal morgen die Omas – sprich: meine Schwiegermütter – etwas mit den Kindern unternehmen möchten. Dafür hat das Tochterkind spontan zugesagt, dieses Jahr bei der Sternsingeraktion in Siemensstadt mitzumachen – die ist aber erst am nächsten Samstag, und zu uns nach Hause kommen die Siemensstädter Sternsinger natürlich auch nicht, also werden wir wohl wie in den letzten beiden Jahren wieder selbst eine Wohnungssegnung veranstalten. – Am Montag gehen Schule, KiTa und Arbeit wieder los, aber liturgisch ist immer noch Weihnachtszeit, es stünde also durchaus noch die Möglichkeit im Raum, beim – diesmal ökumenischen – Spandauer Krippenpilgern mitzumachen. Mal sehen. JAM ist diese Woche noch nicht wieder, was man eventuell dazu nutzen könnte, in dieser Woche einmal öfter mit dem Jüngsten zum Kampfsporttraining zu gehen. Am nächsten Wochenende steht dann, wie gesagt, am Samstag die Sternsingeraktion in Siemensstadt an und, was ich noch nicht erwähnt habe, am Sonntag der Neujahrsempfang der Großpfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland. Aber das ist dann schon Stoff fürs übernächste Wochenbriefing! 


Donnerstag, 1. Januar 2026

Pilger der Hoffnung: Ein spektakuläres (und) Heiliges Jahr

Frohes Neues Jahr, liebe Leser! Nachdem ich Anfang 2025 erstmals in der Geschichte dieses Blogs einen persönlichen Jahresrückblick veröffentlicht habe – mit einem Schwerpunkt darauf, was das Jahr "mir und meiner Familie so gebracht hat – besonders (aber nicht nur) in Hinblick auf das Thema christliche Graswurzelarbeit" –, möchte ich das auch jetzt wieder tun; zumal ich den Eindruck habe, das Heilige Jahr 2025 war, in vielfacher Hinsicht, wirklich ein ganz besonderes Jahr für uns, und wohl nicht nur für uns. – Beginnen möchte ich mit einer Erinnerung an die Silvesterpredigt, die der für die Gemeinde St. Joseph Siemensstadt/St. Stephanus Haselhorst innerhalb der Großpfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland zuständige Pfarrvikar am letzten Tag des Jahres 2024 hielt. Diese Predigt ging von der Feststellung, aus, grundsätzlich gebe es zwei Möglichkeiten, wie man auf das zu Ende gehende Jahr zurückblicken könne: entweder "mit Dankbarkeit und mit Hoffnung auf 2025", oder mit "Murren". Und weiter hieß es da: "Es gibt eine Hoffnung, die uns bewegt und die uns verwandelt. Was ist diese Hoffnung? Die Hoffnung ist die lebendige und persönliche Begegnung mit Christus." Ein gutes Leitwort für das nun zu Ende gegangene Jahr 2025 und sicher auch für das kommende. Schauen wir uns unter diesem Blickwinkel mal Monat für Monat an, was das zurückliegende Jahr uns gebracht hat...! 

Meine Wochenbriefings bilden ja auch so eine Art "christliches Hausbuch". Jedenfalls versuchen sie es. 

Januar 

Das Jahr begann mit "Sternsingerproblemen" unterschiedlicher Art: Einerseits haben wir ja, seit wir in Siemensstadt u./o. Haselhorst zur Kirche gehen, aber trotzdem weiterhin in Tegel wohnen, das Problem, dass die Sternsinger nicht zu uns kommen; dieses Problem lösten wir allerdings schon zum zweiten Mal in Folge mit einer selbstgemachten Wohnungssegnung und werden das voraussichtlich auch dieses Jahr wieder so halten. Andererseits gaben mehrere Presseberichte über "Betrug" durch "falsche Sternsinger" meinem alten Ärger über die Monopolisierung des Dreikönigssingens durch das Kindermissionswerk neuen Auftrieb, was sich in einer Glosse für die Online-Ausgabe der Tagespost ("Wem gehört das Dreikönigssingen?") niederschlug. Ich war einigermaßen amüsiert, wenn auch nicht unbedingt überrascht, dass meine Wortmeldung zu diesem Thema kontroversere Reaktionen erntete als so ziemlich alles andere, was ich so schreibe. – In Augsburg fand währenddessen das ZIMZUM-Festival statt, kritisch beäugt von der PUU-Fraktion (postchristlich, undogmatisch, universalistisch), die da natürlich "Fundamentalismus" und "geistlichen Missbrauch" witterte und sich außerdem über in ihren Augen rechtsextrem anmutende Typographie ereiferte. 

Ein weiteres Thema in den ersten Tagen des Jahres 2025 waren meine schließlich erfolgreichen Bemühungen, beim "Krippenpilgern" der Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland alle Stempel zusammenzubekommen. Die Frage, ob wir in der diesjährigen Weihnachtszeit einen Versuch starten sollten, diesen Erfolg zu wiederholen, beantworteten die Kinder mit einem entschiedenen Ja; schauen wir mal, was draus wird. 

Beim Neujahrsempfang der Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland war ich 2025 auch wieder, und erneut hatte ich ein paar kritische Anmerkungen dazu, die allerdings deutlich weniger polemisch ausfielen als 2024. 

Nebenbei bemerkt ist "Huhn meets Ei" seit Januar 2025 auch auf Bluesky aktiv – vorrangig aus dem Interesse heraus, mit Leuten "im Gespräch zu bleiben", die der App Formerly Known As Twitter aus ideologischen Gründen den Rücken gekehrt haben. Auch noch zu den wichtigen Ereignissen im Januar gehörte es, dass Donald Trump zum zweiten Mal als US-Präsident vereidigt wurde (am 20.); ein paar Tage zuvor, am 17., war ich mit der ganzen Familie beim Jubiläumskonzert der Trommelgruppe FriedDrums zu ihrem 25-jährigen Bestehen – in der Anfangszeit der Gruppe hat meine Liebste da mal mitgespielt, ungefähr ein halbes Jahr lang. Am letzten Sonntag im Januar unternahm ich dann den gewagten Versuch, Bewegungsspiele in den Kinderwortgottesdienst einzubauen. Die Kinder nahmen das eher zurückhaltend auf, aber ich finde es dennoch gut , das mal ausprobiert zu haben. – Am 27. Januar erschien im Herder-Verlag das Buch "Urworte des Evangeliums", herausgegeben von Martin Brüske, Bernhard Meuser und Sr. Christiana Reemts OSB; ich kam allerdings erst im März dazu, es zu lesen und zu rezensieren


Februar 

In den Winterferien machten wir eine Woche Urlaub in Butjadingen; zurück in Berlin, nahm ich an einer Informations- und Vernetzungsveranstaltung des neuen Jugendpastoral-Teams des Erzbistums Berlin teil, die zwar durchaus aufschlussreich war, aber nicht unbedingt in einem positiven Sinne. – Ein dominierendes Thema des Monats Februar war derweil die vorgezogene Bundestagswahl am 23.; ein Thema, dem ich mich trotz meines vielbeschworenen Desinteresses am sogenannten Politikbetrieb nicht so ganz entziehen konnte. Kurz vor der Wahl, nämlich am 14. Februar, hatte eine Rede des US-Vizepräsidenten J.D. Vance auf der 61. Münchner Sicherheitskonferenz erhebliches Aufsehen erregt, was mich nicht nur deshalb interessierte, weil Vance der "friend of a friend" ist; ein altlinker Kneipenkumpel von mir verglich diese Rede hinsichtlich ihrer historischen Signifikanz sogar mit Gorbatschows Perestroika-Rede vor dem ZK der KPdSU im Januar 1987 – was ich prompt als Aufhänger für meine Kolumne in der Tagespost nutzte. 


März 

Der Monat März stand für meine Familie und mich sehr wesentlich im Zeichen des Projekts "Pfarrhausfamilie": Nachdem ich Ende Februar einen "Dossier"-Artikel veröffentlicht hatte, der meine früheren Überlegungen zu diesem Thema (und natürlich auch die bedeutenden Beiträge meiner Liebsten zu dieser Projektidee) zusammenfasste, meldeten sich Mitarbeiter zweier verschiedener Pfarreien – eine in Brandenburg, eine in Schleswig-Holstein – bei mir, die Interesse daran zeigten, dass wir unser Konzept bei ihnen realisierten. Während ein Umzug nach Schleswig-Holstein für uns zumindest auf kurze Sicht nicht in Frage kam, sah das andere Angebot recht vielversprechend aus: Anfang März unternahm ich einen ersten Ausflug in die betreffende brandenburgische Kleinstadt, sah mir das Pfarrhaus und die Kirche an und führte Gespräche mit Mitarbeitern der Gemeinde; schon eine Woche später fuhr ich dann zusammen mit der ganzen Familie erneut hin, und die Kinder hätten am liebsten gleich festgelegt, wer welches Zimmer bekommt. Insgesamt sah es zu diesem Zeitpunkt, auch wenn im Detail natürlich noch allerlei Fragen offen waren, so aus, als spräche mehr dafür als dagegen, dass wir ca. ab September als Pfarrhausfamilie in der brandenburgischen Provinz leben würden. Dass wir zur Stunde immer noch und wohl auch noch für die absehbare Zukunft in Berlin-Tegel wohnen, beweist indes, dass daraus ganz so schnell doch nichts geworden ist; definitiv vom Tisch ist das Thema damit noch nicht unbedingt, aber dazu später. – Übrigens fasste ich in der Fastenzeit den Vorsatz, nach Möglichkeit "jeden Werktag mit 'Kaffee & Laudes' zu beginnen, solange die Kinder noch schlafen", und habe dies auch über die Fastenzeit hinaus beibehalten; auch wenn ich es nicht immer schaffe, kann ich doch sagen, dass dieses regelmäßige Morgengebet meinen Alltag enorm bereichert hat. Erwähnt sei auch noch, dass seit Anfang März der Bischofssitz in meinem allerzweitliebsten Bistum, nämlich Münster, infolge des altersbedingten Rücktritts von Bischof Felix Genn vakant ist; sowie auch, dass es seit dem 19. März – dem Hochfest des Hl. Josef – in einem speziellen, Oratorium genannten Raum des Gebetshauses Augsburg die Möglichkeit zur Eucharistischen Anbetung gibt – was zu teilweise durchaus kontroversen Reaktionen geführt hat. 


April 

Kurz vor Ostern gab es erste Anzeichen dafür, dass es mit dem Projekt "Pfarrhausfamilie" an dem dafür ins Auge gefassten Ort eventuell doch nicht klappen würde, zumindest nicht so kurzfristig; vorerst blieb aber noch alles in der Schwebe. Am Samstag vor Palmsonntag wirkte ich an einem Einkehrtag für Jugendliche im Gemeindehaus der Spandauer Pfarrkirche Maria, Hilfe der Christen mit, an dem allerdings nur wenige Jugendliche teilnahmen – was den Gemeindereferenten zu der Bemerkung veranlasste, man solle die Veranstaltung vielleicht lieber als "interne Mitarbeiterfortbildung" betrachten, aber als solche fand ich sie gut. Den Palmsonntag selbst feierten wir auf dem Achor-Hof, den Gründonnerstag in Maria, Hilfe der Christen, Karfreitag und die Osternacht in St. Joseph Siemensstadt. Am Ostermontag starb dann Papst Franziskus, und nur zwei Tage später veröffentlichte die Gemeinsame Konferenz von DBK und "ZdK" eine "Handreichung für Seelsorger*innen" zum Thema "Segnungen für Paare, die sich lieben" – auf die die Initiative Neuer Anfang prompt mit einer Protestnote reagierte, die die Handreichung als "unanständig" und als ein "Dokument des Ungehorsams" tadelte. Im Übrigen wurde am selben Tag, an dem in Rom der Papst beerdigt wurde, in Herz Mariä Burhave eine langjährige – sehr, sehr langjährige – ehrenamtliche Mitarbeiterin feierlich verabschiedet, die ich buchstäblich kenne, seit ich denken kann, und die ich auch auf meinem Blog im Laufe der Jahre des öfteren erwähnt habe. Erwähnt sei außerdem auch noch, dass am Ostersonntag in der Bild am Sonntag ein Interview mit der neuen Bundestsgspräsidentin Julia Klöckner (CDU) erschien, in dem diese die Großkirchen dafür kritisierte, dass sie in tagespolitischen Fragen vielfach "wie eine NGO" aufträten, statt "die grundsätzlichen Fragen von Leben und Tod im Blick" zu haben – womit sie eine recht engagierte Debatte über den politischen Auftrag der Kirchen anstieß


Mai 

Die Idee, am 1. Mai zum Patronatsfest in St. Joseph Tegel zu gehen, erwies sich – anders als in den vorherigen Jahren – als ein totaler Reinfall. Ansonsten stand der Anfang des Monats Mai im Zeichen der Sedisvakanz, die dann aber recht schnell ein Ende nahm: Bereits am Abend des 8. Mai, gerade als ich mit meinen Kindern von einem Tagesausflug zum Achorhof zurückgekehrt war (wohin ich übrigens aufgrund der offenbar fehlerhaften Information gefahren war, dort finde ein Wölflingslager statt – ein Thema, auf das noch zurückzukommen sein wird!), einigte sich das Konklave auf Kardinal Robert Francis Prevost als neuen Papst, der sich daraufhin den Namen Leo XIV. gab. Gaudium Magnum! Zwei Tage zuvor wäre das "Merz-Konklave", die Wahl des Friedrich Merz zum deutschen Bundeskanzler, fast gescheitert: Erstmals in der Geschichte der Bundesrepublik gab es im ersten Wahlgang der Kanzlerwahl im Bundestag keine Mehrheit, im zweiten dann aber doch. – Am 10. Mai feierte mein Abiturjahrgang am Gymnasium Nordenham 30-jähriges Jubiläum, da fuhr ich hin und hatte einen außerordentlich schönen und bewegenden Abend im Kreise ehemaliger Mitschüler, die ich zum Teil wirklich seit Jahrzehnten nicht gesehen hatte. – Was derweil das Pfarrhausfamilien-Projekt angeht, zeichnete sich im Laufe des Monats Mai immer deutlicher ab, dass daraus zumindest auf kurze Sicht doch nichts werden würde, und so fassten wir, wenn auch mit Bedauern, den Entschluss, unsere diesbezüglichen Pläne zumindest für die Dauer des Schuljahres 2025/26 auf Eis zu legen und erst mal an unserem derzeitigen Wirkungsort zu bleiben. (Ich kann gleich hinzufügen, dass es zum gegebenen Zeitpunkt so aussieht, als würden wir wohl auch im Schuljahr 2026/27 nicht hier wegziehen.) Am 17. Mai veranstalteten wir bei uns zu Hause eine Kinderparty, ohne besonderen Anlass, einfach aus Lust an der Freude; am 24. Mai war in Berlin DFB-Pokalfinale, und aus diesem Anlass war der Passauer Bischof Stefan Oster in der Stadt, um in seiner Eigenschaft als Sportbeauftragter der Deutschen Bischofskonferenz an einem gewissermaßen zum Rahmenprogramm dieses Sportereignisses gehörenden ökumenischen Gottesdienst in der Kaiser-Wilhelm-Gedächtniskirche mitzuwirken; am Abend zuvor hielt er jedoch im zur Kirche St. Elisabeth in Tempelhof gehörenden Kardinal-Bengsch-Saal einen Vortrag über Neuevangelisierung, da ging ich hin, fand den Vortrag sehr anregend und sprach anschließend auch noch persönlich ein paar Sätze mit Bischof Oster. Am darauffolgenden Sonntag wurde in der Reinickendorfer Kirche St. Rita Patronatsfest gefeiert, und da hatte ich Gelegenheit, mir einen ersten Eindruck von dem (was ich zu diesem Zeitpunkt freilich noch nicht ahnte) jetzigen Prior des mit dieser Kirche verbundenen Augustinerklosters und Berliner Studentenseelsorgers zu verschaffen. – Christi Himmelfahrt feierten wir in der Herz-Jesu-Kirche in Bernau, was sich, gelinde gesagt, als nicht sehr glückliche Entscheidung herausstellte. Und dann erwischte mich die Männergrippe und setzte mich für vier Tage außer Gefecht. 


Juni 

Immerhin war ich rechtzeitig wieder gesund, um unseren Jüngsten in der ersten Juniwoche zu seiner KiTa-Eingewöhnung begleiten zu können. Jawohl, der Knabe geht jetzt in die KiTaauf eigenen Wunsch. Das war familienintern die größte Neuerung im Monat Juni. Ein halbes Jahr später kann man diesbezüglich eine positive Bilanz ziehen: Der Knabe geht gern in die KiTa, hat dort Freunde gefunden, die Erzieher äußern sich positiv über ihn. Und wenn er ab und zu mal keine Lust hat, in die KiTa zu gehen, und stattdessen lieber so wie "früher" etwas mit seinem Herrn Papa unternehmen möchte, dann darf er das auch. So. – Pfingsten feierten wir in St. Joseph Siemensstadt; am Pfingstmontag hatte ich Geburtstag, ein paar Tage später musste ich mich einer Hernien-OP unterziehen, was mich im Vorfeld mit einiger Besorgnis erfüllt hatte – wobei ich weniger wegen der OP als solcher beunruhigt war als wegen der Vollnarkose. Die OP verlief jedoch gut, allerdings verpasste ich, da ich in den Tagen danach körperlich doch ziemlich eingeschränkt war, das Emergent Berlin Festival, das am Wochenende nach Pfingsten im Baumhaus, im Panke-Club und einigen anderen Locations in dieser Gegend stattfand. Am selben Wochenende waren außerdem auch noch Fiesta Kreutziga, Langer Tag der Stadtnatur und das Festival Allee der Klänge im Auguste-Viktoria-Kiez. – Dieselben körperlichen Einschränkungen, die mich daran hinderten, auch nur ein einziges dieser Festivals zu besuchen, waren auch dafür verantwortlich, dass ich am Dreifaltigkeitssonntag und an Fronleichnam lediglich via Internet-Livestream an Messfeiern teilnahm. Derweil fand in Köln von Fronleichnam bis zum darauffolgenden Sonntag ein Eucharistischer Kongress unter dem Motto kommt & seht statt, von dem man vielleicht sagen kann, dass er vom Style her irgendwo zwischen MEHR-Konferenz und Adoratio Altötting lag. Am Sonntag war ich übrigens schon wieder fit genug, um an der Spandauer Fronleichnamsfeier teilzunehmen; in der Nacht zum Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu gab es im Nordwesten Berlins einen heftigen Sturm, der insbesondere im Tegeler Forst umfangreiche Baumschäden verursachte, was u.a. dazu führte, dass meine Tochter nicht zur Schule konnte und dass die Spielplätze und sonstigen öffentlichen Grünanlagen im Bezirk zum Teil monatelang gesperrt wurden. Am Hochfest Peter und Paul wurde in der Pfarrkirche meiner Heimatstadt Nordenham, St. Willehad, Pfarrer Karl Jasbinschek nach etwas über neun Jahren Amtszeit in den Ruhestand verabschiedet


Juli 

Am 6. Juli wurde im Garten von St. Stephanus Haselhorst das Pfarrfest der Großpfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland gefeiert; zum Programm des Fests steuerte ich eine "Bibelrallye" bei. Am 11. Juli sollten im Deutschen Bundestag drei neue Richter für das Bundesverfassungsgericht gewählt werden, darunter die von der SPD vorgeschlagene Frauke Brosius-Gersdorf, die jedoch v.a. wegen ihrer Positionen zum Thema Abtreibung im Vorfeld der Wahl scharfe Kritik auf sich gezogen hatte, auch von einigen Bischöfen. Am Tag der Wahl veranstaltete der Bundesverband Lebensrecht eine Demo in unmittelbarer Nähe des Reichstagsgebäudes; da ging ich hin und erlebte sozusagen live mit, wie die Verfassungsrichterwahl von der Tagesordnung der Bundestagssitzung genommen wurde. In der Folge verzichtete Frau Brosius-Gersdorf auf die Kandidatur. – Am 12. Juli ging ich mit meiner Familie zu einem Gebetsabend der Geistlichen Gemeinschaften in der St.-Hedwigs-Kathedrale, am 13. Juli zum Sommerfest der charismatisch angehauchten Gemeinde auf dem Weg auf dem "Rumpelberg" (wie mein Jüngster gerne sagt) am Waidmannsluster Damm; interessant war da vor allem, dass der örtliche Stamm des freikirchlichen Pfadfinderverbands Royal Rangers einen Infostand (in Form einer Jurte) vor dem Gemeindezentrum aufgebaut hatten, von dem meine Kinder sich recht angetan zeigten. Am 20. Juli besuchten wir einen Taufgottesdienst der EFG The Rock Christuskirche, der in einem privaten Garten in Falkensee stattfand (mit Taufe im Swimmingpool); am 24. Juli fuhren wir dann in die Sommerferien nach Butjadingen. Am letzten Juliwochenende war nicht nur Krabbenkutterregatta in Fedderwardersiel und Libori in Paderborn, sondern zugleich wurde in Münster der Josef-Pieper-Preis an den US-amerikanischen Bischof Robert Barron verliehen, "trotz Protesten", wie es in der Bistumszeitung Kirche + Leben hieß – so als hätten diese Proteste die Preisverleihung eigentlich verhindern sollen


August 

Die erste Augusthälfte stand weiterhin im Zeichen unseres Sommerurlaubs in Butjadingen; am 3. August war großes Familientreffen, d.h. meine Mutter versammelte alle ihre Kinder, Schwiegerkinder und Enkel um sich, was gerade auch für meine Kinder (die auf der "anderen Seite" der Familie nicht so viel Verwandschaft haben) ein tolles Erlebnis war, davon abgesehen nutzten wir ausgiebig die Angebote der ökumenischen Urlauberkirche auf dem Campingplatz in Burhave, gingen baden in der Nordseelagune, aßen Fischbrötchen in Fedderwardersiel und ließen es uns insgesamt gut gehen. Zurück in Berlin, besuchte ich am 16. August zusammen mit den Kindern das offene Samstagsfrühstück in der interreligiösen Kommunität in der Naunynstraße; war schön da, könnte man eigentlich mal wieder hingehen. Tags darauf wurde in St. Joseph Siemensstadt Mariä Himmelfahrt nachgefeiert. Am 19. August nahm ich mit meiner Familie in der Malzfabrik in Berlin-Schöneberg an einem Weltrekordversuch in Sachen Lebensmittelrettung teil, was im Kommentarbereich meines Blogs zu unerwartet kontroversen Debatten Anlass gab. Ein Highlight im August war außerdem die Kinderbibelwoche der EFG The Rock Christuskirche in Haselhorst (vom 26.-29.08.); eher kein Highlight war hingegen das Festival Fête du Seeee#3 am Strandbad Tegel am letzten Wochenende des Monats. 


September 

Mit Beginn des Monats trat Christian Fechtenkötter, ein ehemaliger Benediktinermönch, sein Amt als neuer Pfarrer von St. Marien Brake/Unterweser und St. Willehad Nordenham an; die feierliche Amtseinführung in Nordenham fand am 7. September statt. Am selben Tag wurden die Seligen Pier Giorgio Frassati und Carlo Acutis heiliggesprochen; zu Ehren des Letzteren fand in der Kirche St. Clemens am Anhalter Bahnhof ein "Carlo-Acutis-Tag" statt, an dessen Programm wir teilweise teilnahmen. In der Woche darauf ging ich mit meiner Großen und einer Schulfreundin zu einer von der Gemeinde auf dem Weg organisierten Fußballgruppe, und ebenfalls in der Gemeinde auf dem Weg ging ich zu einem Glaubenskurs für Eltern, der bis zum 8. Oktober vier Termine umfasste. Am 10. September wurde der christlich-konservative Aktivist Charlie Kirk während eines Auftritts an einer Universität ermordet – ein Ereignis, das mich tief erschütterte und das eine Menge kontroverser Reaktionen hervorrief. Das wichtigste Ereignis des Monats September war für meine Familie und mich jedoch die Teilnahme an der Gemeindefreizeit der EFG The Rock Christuskirche am Wochenende vom 19.-21. September; ein bisschen schade war lediglich, dass ich dadurch nicht zum Marsch für das Leben gehen konnte. Vom 25.–28. September fand in Altötting zum sechsten Mal der Adoratio-Kongress statt, kritisch beäugt von Fundi-Watch und liberalen Bedenkenträgern aus dem post-volkskirchlichen Establishment. Ich selbst war schon zum sechsten Mal nicht dabei; stattdessen ging ich an diesem Wochenende mit den Kindern (und wiederum einer Schulfreundin der Großen) erstmals zu einem Stammestreffen der Tegeler Royal Rangers. Dort ergab sich das Problem, dass der Stamm aktuell gar keine Gruppe für die Altersklasse der 6- bis 8-jährigen hatte (und für Kinder unter 6 Jahren erst recht nicht); ausnahmsweise durften meine Kinder bei einer Gruppe von 9- bis 11-jährigen Mädchen mitmachen, da gefiel es ihnen offenkundig gut und auch mein Eindruck war ausgesprochen positiv, aber damit war das Altersgruppenproblem eben grundsätzlich noch nicht aus der Welt. Schon am nächsten Tag ergab sich zum Thema "Pfadfinder" aber eine ganz andere Option: Im Anschluss an die Messe in Siemensstadt wurde ich vor dem Kirchenportal angesprochen, ob ich Lust hätte, am langen Wochenende ab dem 3. Oktober beim Herbstlager einer Meute von Wölflingsmädchen der Katholischen Pfadfinderschaft Europas (KPE) im Küchenteam mitzuhelfen und meine Tochter, die ja im besten Wölflings-Einstiegsalter sei, dahin mitzunehmen. Ich fragte erst mal meine Tochter, ob sie Lust darauf habe, und sie bejahte energisch – nicht zuletzt, weil dieses Lager auf dem Gelände des Achorhofs stattfinden sollte... 


Oktober 

Wie man wohl schon daran sehen kann, wie ausführlich ich die Vorgeschichte geschildert habe, war das Herbstlager der KPE-Wölflingsmädchen auf dem Achorhof für mich – und, wie ich glaube behaupten zu dürfen, auch für meine Tochter – ein Highlight nicht nur des Monats Oktober, sondern des ganzen Jahres. Zum nächsten "normalen" Gruppentreffen dieser Wölflingsmeute am darauffolgenden Samstag fuhren wir daher auch, und erneut war das Tochterkind mit Begeisterung bei der Sache – womit sich so allmählich die Frage aufdrängte, ob wir sie vielleicht fest und "offiziell" bei den KPE-Pfadfindern anmelden sollten, aber mit der Entscheidung darüber ließen wir uns noch ein bisschen Zeit. Am 18. Oktober veranstaltete die Gemeinde auf dem Weg einen Infotag zur Vorstellung ihrer Angebote für Kinder und Familien, und zwar nicht in den eigenen Gemeinderäumen, sondern bei Galeria in der Tegeler Fußgängerzone; das mussten wir uns natürlich mal ansehen. Und in den Herbstferien erfüllten wir uns einen Traum, den zumindest meine Liebste schon seit ungefähr acht Jahren gehegt hatte: Wir machten eine Kreuzfahrt, in neun Tagen von Hamburg nach Gran Canaria. Ohne Frage ein eindrucksvolles Erlebnis; und insbesondere die Landgänge in La Coruña und Matosinhos (einem Hafen-Vorort von Porto) gaben der Überlegung, auf längere Sicht vielleicht doch mal eine Pilgerherberge am Jakobsweg zu eröffnen, neue Nahrung. 


November 

Im Monat November war ich mit dem Tochterkind zweimal bei den KPE-Wölflingen, einmal fand gleichzeitig auch die Wichtelgruppe für Kinder von 4 bis 7 Jahren statt, sodass unser Jüngster auch mitmachen konnte. Unter den zahlreichen St.-Martins-Umzügen, die in Berlin veranstaltet wurden, entschieden wir uns für die ökumenische St.-Martins-Feier in Borsigwalde, die allerdings im Guten wie im Bösen nicht besonders spektakulär war. Am 15. November fand in St. Stephanus erstmals ein sogenannter "Religiöser Kindertag" statt, der ausgesprochen gut besucht war und trotz einiger Unregelmäßigkeiten im Ablauf insgesamt wohl als Erfolg gewertet werden darf; meine Liebste und ich waren zwar nicht beim Vorbereitungstreffen gewesen (weil wir da noch im Urlaub waren), beteiligten uns aber trotzdem an der Leitung und Gestaltung des Tagesprogramms und ich bin schon ziemlich gespannt auf zukünftige weitere Veranstaltungen dieses Formats. Die KPE-Pfadfinder veranstalteten am selben Tag eine Grabpflege-Aktion auf dem Zehlendorfer Waldfriedhof; da wäre ich durchaus auch gern mit dabei gewesen, aber man kann sich nun mal nicht zweiteilen. Am 16. November feierte die Kirche St. Joseph Siemensstadt ihr 90-jähriges Weihejubiläum. Ein besonderes Highlight nicht nur des Monats November, sondern des ganzen Jahres war für mich indes das Basic Stupidity Reunion Weekend in Neufahrn bei Freising vom 21.-23. November: Angeregt durch das Abi-Jahrgangstreffen im Mai hatte die Sängerin und Saxophonistin der Band, in der ich von der 11. Klasse bis in meine Zivildienstzeit Schlagzeug gespielt habe, die damaligen Bandkollegen zu sich eingeladen – um uns darüber auszutauschen, wie es uns in den letzten knapp 30 Jahren so ergangen ist, aber nicht zuletzt auch, um mal wieder wie in alten Zeiten zusammen "Mucke zu machen". Und ich kann nur sagen, es wurde legendär. – Am 27. November ging ich mit dem Jüngsten zu einem vorweihnachtlichen Konzert des christlichen Kinderliedermachers Mike Müllerbauer in der Gemeinde auf dem Weg; die andere Hälfte der Familie konnte leider nicht mit. 


Dezember 

Die Adventszeit war geprägt von Kinderwortgottesdiensten, Bastelarbeiten und Krippenspielproben; wie zumeist in den letzten Jahren gingen wir zur Nikolausandacht in St. Joseph Siemensstadt, und am 3. Adventssonntag nahmen wir am "Waldadvent" der KPE-Pfadfinder im Düppeler Forst teil – ein besonderes Highlight der diesjährigen Vorweihnachtszeit. Ebenfalls im Dezember ging ich mit dem Jüngsten – auf Anregung meiner Schwiegermutter, also seiner Oma – zum Probetraining in einer Kampfsportschule, und das lief so gut, dass wir ihn direkt im Verein anmeldeten; seither war er viermal beim Training und ist hellauf begeistert vom Kampfsport. Dann kam Weihnachten, dann kam Silvester. Darüber könnte man sicherlich noch mehr sagen, aber das war ja gerade eben erst, und ich sehe nicht so richtig ein, warum ich hier wiederholen sollte, was ich im vorigen Wochenbriefing geschrieben habe – oder vorwegnehmen, was im nächsten stehen wird... 


Daher zum Abschluss lieber noch ein bisschen Statistik: 

Die Blog-Bilanz: Auf "Huhn meets Ei" sind im Kalenderjahr 2025 ganze 108 neue Artikel erschienen; das sind nicht nur deutlich mehr als 2024 (da waren es nämlich nur 81), sondern es ist die dritthöchste Zahl seit Bestehen meines Blogs, nach 2019 (mit 127 Artikeln) und 2016 (mit 115). 

Die Tagespost-Bilanz: Im gesamten Kalenderjahr 2025 erschienen in der Tagespost zehn Ausgaben meiner Kolumne Klein.Kram – so viele waren es auch 2024 gewesen –, dazu aber noch sieben andere Beiträge von mir (einer davon "nur" online), was gegenüber dem Vorjahr eine ganz ordentliche Steigerung bedeutet, denn da waren es nur zwei (davon ebenfalls einer "nur" online). 

Die KiWoGo-Bilanz: Nachdem ich im Kalenderjahr 2024 an zehn Kinderwortgottesdiensten in St. Joseph Siemensstadt mitgewirkt hatte, waren es 2025 "nur" neun, da ein KiWoGo, der für den 20. Juli geplant gewesen war, mangels Beteiligung ausfiel. Hinzu kam ebenso wie im Vorjahr ein Kinderkreuzweg; eine Bibelrallye, die es 2024 im Rahmen der Spandauer Fronleichnamsfeier gegeben hatte, veranstaltete ich 2025 beim Pfarrfest in St. Stephanus. Und während ich 2024 beim Kinderprogramm eines Familientages in St. Stephanus an Christkönig mitgearbeitet hatte, beteiligte ich mich 2025 an der Gestaltung eines Jugendeinkehrtages in Maria, Hilfe der Christen und eines Religiösen Kindertages (RKT), wiederum in St. Stephanus. Gerade von dem letztgenannten Veranstaltungsformat wird 2026 wohl noch mehr zu erwarten sein. 

Die "Beten mit Musik"-Bilanz: Schon im Jahresrückblick für 2024 schrieb ich, ich hätte nicht so genau mitgezählt, "wie viele Lobpreisandachten ("Beten mit Musik") ich zusammen mit meinem Jüngsten in der Kirche St. Joseph Tegel veranstaltet habe, aber wenn ich es mal grob überschlage, würde ich sagen, 30 waren es mindestens, vielleicht auch noch ein paar mehr". Als Konsequenz daraus zählte ich in der ersten Jahreshälfte 2025 sehr genau mit und kam von Januar bis Juni auf 33 solcher Andachten. Ab dem Zeitpunkt, als der Jüngste anfing in die KiTa zu gehen, wurde es allerdings deutlich weniger, aber in den Sommerferien hielten wir (mit der ganzen Familie) zwei solche Andachten in der Herz-Mariä-Kirche in Burhave ab, im November ist noch eine solche Andacht in St. Joseph Tegel dokumentiert, aber aus dem Gedächtnis bin ich mir ziemlich sicher, dass es in der zweiten Jahreshälfte noch so zwei bis drei weitere gab; damit kämen wir also insgesamt auf ungefähr vierzig. Die mehrfach geäußerte Absicht, fürs "Beten mit Musik" einen festen Termin in der Woche einzuführen, habe ich bislang indes nicht umgesetzt, und ob das im Neuen Jahr klappt, ist umso zweifelhafter, als die Anzahl fester Termine in der Woche, gerade für die Kinder, schon ohnedies im Zunehmen begriffen ist. Trotzdem wäre das vielleicht ein guter Neujahrsvorsatz. 

Die Baumhaus-Bilanz: Dies ist tatsächlich der einzige Bereich, in dem die Jahresbilanz 2025 im Vergleich zum Vorjahr enttäuschend ausfällt. 2024 waren wir viermal bei der Community Networking Night im Baumhaus gewesen, und da hatte ich im Jahresrückblick angemerkt, das dürfe "im Neuen Jahr gern mehr werden, wenn es irgend machbar ist". Stattdessen wurde es weniger: Mit der ganzen Familie waren wir 2025 nur einmal da, nämlich im Januar; im April ging ich dann alleine hin und im Juni zusammen mit dem Jüngsten – das war's. Zu wünschen wär's ja, dass das 2026 wieder mehr wird, und die Chancen dafür stehen vielleicht gar nicht so schlecht, nachdem Ende November angekündigt wurde, im Neuen Jahr solle die Community Networking Night zweimal im Monat stattfinden. Da werden ja wehmütige Erinnerungen wach an die Zeit, als sie jede Woche stattfand... 


-- Und was wird das Neue Jahr so bringen? Das steht natürlich, wie stets, unter dem Jakobäischen Vorbehalt: "Wenn der Herr will, werden wir noch leben und dies oder jenes tun" (Jakobus 4,15). In dem Bewusstsein, dass man sich ja letztlich doch nie sicher sein kann, ob nicht alles ganz anders kommt, mache ich im allgemeinen ungern Pläne oder gar Prognosen für die Zukunft; aber wenn wir mal voraussetzen, dass ganz große, das Leben total auf den Kopf stellende Umbrüche auch 2026 wieder ausbleiben, kann man mit aller Vorsicht wohl doch ein paar Voraussagen wagen. Zum Beispiel, dass das Thema Pfadfinder künftig eine zunehmend wichtige Rolle in unserem Alltag und somit auch auf diesem Blog spielen wird. Daneben beabsichtige ich sowohl meine journalistische Tätigkeit als auch mein Engagement in der kirchlichen Kinder- und Jugendarbeit weiter auszubauen. Im Zusammenhang mit dem letzteren Pubkt sei daran erinnert, dass unsere Große im Sommer schon ins vierte Schuljahr kommt und somit regulär mit der Erstkommunionvorbereitung "dran" ist – was für mich ein Signal ist, die Erstkommunionkatechese in unserer Wahlpfarrei nicht nur kritisch zu begleiten, sondern nach Möglichkeit auch aktiv mitzugestalten. Und dann gibt es ja noch das unlängst gestartete Projekt "Religiöse Kindertage" in St. Stephanus Haselhorst – da hoffe ich ebenfalls, dass sich das gut entwickelt und meine Familie da ordentlich mitmischen kann. Bereits gebucht ist der Sommerurlaub in Butjadingen, was mich wieder daran erinnert, dass ich meine bisher nur sehr skizzenhaften Ideen zum Thema "Guerilla-Urlauberseelsorge" mal genauer ausfeilen sollte. Auch noch ein Thema, von dem im Neuen Jahr wahrscheinlich häufiger die Rede sein wird, dürfte – aus Gründen, die ich unlängst dargelegt habe und die an Dringlichkeit sicherlich eher zu- als abnehmen werden – das Thema "Sexualerziehung als Erziehung zur Keuschheit" sein. 

Aber was das Neue Jahr auch immer bringen wird: Ich hoffe, ihr, o Leser, bleibt mir und meiner kleinen Familie weiterhin gewogen! Gebete für unser Familienapostolat (wenn mir diese etwas hochtrabende Bezeichnung gestattet sein mag) sind jederzeit gern willkommen, und wer sich darüber hinaus vorstellen könnte, uns auch finanziell zu unterstützen, dem sei ein Abonnement unserer Patreon-Seite (ab 5€ im Monat) ans Herz gelegt. Ansonsten bleibt mir nur noch, euch und uns ein glückliches und gesegnetes Jahr 2026 zu wünschen...! 


Samstag, 27. Dezember 2025

Utopie und Alltag 5: Im Epizentrum der Heilsgeschichte

Frohe Weihnachten, Leser – Ehre sei Gott in der Höhe und Friede den Menschen Seiner Gnade! Ich hoffe, ihr hattet soweit alle ein schönes und segensreiches Fest; wie's bei uns war, erfahrt ihr im Folgenden, aber natürlich geht es auch in diesem Wochenbriefing, wie immer, auch noch um andere Themen als darum, was die Familie so erlebt hat. Also freuet euch und fürchtet euch nicht! 

In reinlichen Windeln das himmlische Kind / viel schöner und holder als Engelein sind.

Wir warten aufs Christkind 

Der Samstag vor dem vierten Advent begann dramatisch – nämlich damit, dass unser Jüngster am Frühstückstisch eine Tasse frisch aufgebrühten Tee umstieß und sich Verbrühungen an der Hüfte und am Oberschenkel zuzog. Nach einer Sofortbehandlung mit kaltem Wasser sah es immer noch schlimm genug aus, dass wir es für ratsam hielten, einen Arzt aufzusuchen; was am Wochenende natürlich hieß: Notfallambulanz. Damit unsere Große dorthin nicht mitkommen musste, organisierten wir für sie spontan einen Besuch bei einer Schulfreundin. Bei der Kinder-Notfallambulanz wurden wir freundlich und kompetent behandelt, auch die Wartezeit war einigermaßen überschaubar, und der Knabe war schon bald wieder munter und fröhlich. 

Als ich am Nachmittag die Große bei ihrer Schulfreundin abholte, um mit ihr zur Krippenspielprobe zu fahren, kam die besagte Freundin kurzerhand dorthin mit – eigentlich nur zum Zuschauen, aber dann sprang sie spontan in der Rolle von "Engel 1" ein, da die eigentliche Darstellerin abwesend war. Es fehlten auch noch zwei weitere Darsteller, und der Musiker, der die Lieder zum Krippenspiel auf der Gitarre hätte begleiten sollen, fiel aus gesundheitlichen Gründen aus – und ich sah mich, auch wenn ich seit dem legendären Bandwochenende häufiger und regelmäßiger Gitarre übe und glaube, mich dadurch schon einigermaßen verbessert zu haben, nun auch nicht in der Lage, mal eben schnell die Gitarrenbegleitung für acht Lieder draufzukriegen. Nicht dass das jemand von mir verlangt hätte. Aber immerhin beim Gesang konnte ich helfen. – Trotz der genannten Ausfälle und einiger ungeklärter Technikfragen lief die Probe insgesamt so, dass ich hinsichtlich der Aufführung schon optimistischer war als vorher; aber ehe ich über die Aufführung berichte, sind noch ein paar andere Ereignisse zu würdigen. 

Dazu gehört erst einmal der dritte und letzte Kinderwortgottesdienst der diesjährigen Adventszeit in St. Joseph Siemensstadt. Wir hatten eigentlich damit gerechnet, dass dieser KiWoGo eher schwach besucht sein würde, aber das erwies sich als Irrtum: 21 Kinder nahmen teil, mehr als an jedem anderen Kinderwortgottesdienst dieser Saison bisher, und dazu einige Eltern. Bis kurz bevor es losging, hatte ich zwar das Gefühl, unzureichend vorbereitet und insgesamt nicht gut in Form zu sein; aber dann klappte doch alles recht gut. Nach dem üblichen Lied zur Eröffnung ging's sowieso erst mal um das Friedenslicht aus Betlehem, das der Gemeindereferent mitgebracht hatte und über das er recht ausführlich sprach. Um das Evangelium vom Tag – Matthäus 1,18-24, die Botschaft des Engels an Josef – sollte es aber auch noch gehen; und um die Kinder an die Gestalt des Zimmermanns Josef näher zu bringen, hatte der Gemeindereferent ein kleines "Beruferaten" ausgeheckt, das ich "moderieren" durfte; das Spontane und Interaktive liegt mir einfach mehr. Der Hintergrund dieser Idee war, dass sowohl der Gemeindereferent selbst als auch mehrere Priester der Pfarrei ursprünglich mal einen ganz anderen Beruf erlernt haben. Daraus konnten die Kinder zunächst einmal die Lehre ziehen, dass es, wenn man einen Beruf erlernt, durchaus nicht gesagt ist, dass man dann tatsächlich bis zur Rente in diesem Beruf arbeitet; darüber hinaus wies ich sie aber auch darauf hin, dass es in den genannten Fällen eben auch damit zu tun hat, dass Gott Menschen in Seinen Dienst beruft, die eigentlich ganz andere Pläne für ihr Leben hatten – und dass das in der Geschichte des Christentums "schon immer" so war, angefangen bei den ersten Jüngern Jesu, die Fischer waren, bevor Jesus sie von ihren Netzen wegholte. – Machen wir uns mal die mentale Notiz, darauf vertiefend zurückzukommen, wenn beim KiWoGo mal ein Evangelium mit einer Berufungsgeschichte drankommt. 

Wie stellte man nun aber die Verbindung zum Evangelium von Josef und dem Engel her? Erst einmal mit der Frage an die Kinder, ob Jesus selbst wohl auch einen ganz normalen Beruf gelernt hat. Die Mehrheit tendierte zu "Nein". Aber doch, erklärte ich den Kindern: Jesus war gelernter Zimmermann, und das, womit Er berühmt geworden ist – durchs Land ziehen, vom Reich Gottes erzählen, Kranke heilen und so weiter – hat Er nur so ungefähr drei Jahre lang gemacht, davor hat Er ein ziemlich unauffälliges Leben geführt und als Zimmermann gearbeitet. Und wo hatte Er diesen Beruf gelernt? Das wussten die Kinder dann doch: bei seinem Vater, oder genauer gesagt: Ziehvater. Dem Josef. "Und von dem hören wir jetzt im Evangelium." Daraufhin wurde das Evangelium vorgetragen, und der Gemeindereferent schloss daran eine kurze Auslegung an, die sich vorrangig darum drehte, was für eine wichtige Rolle einem solchen "ganz einfachen Mann" in der Heilsgeschichte zukam. Und dann war die Zeit im Wesentlichen auch schon rum. 

Nach der Messe gingen wir essen bei Smash City (ehemals "Hühnerwald") und machten uns danach auf den Weg zum (evangelischen) Berliner Dom, wo wir mit meinen Schwiegermüttern zu einem Familienkonzert verabredet waren: Bachs Weihnachtsoratorium für Kinder. Ich war zwar ziemlich geschlaucht vom Trubel der vorangegangenen Tage, fand die Kinder anstrengend und hätte durchaus nichts dagegen gehabt, den Nachmittag allein zu Hause zu verbringen, aber auf das Konzert freute ich mich doch irgendwie – und zu Recht, wie sich zeigte. Die "Moderation", wenn man das denn so nennen kann und möchte, war zwar für meinen Geschmack ein wenig allzu "niederschwellig" – mir schien, der christliche Gehalt des Weihnachtsoratoriums werde dabei tendenziell eher heruntergespielt, verniedlicht und/oder belächelt, und ich fragte mich wirklich, ob so etwas bei einem Konzert in einem Gotteshaus, wenn's auch "nur" ein evangelisches ist, wirklich sein muss –, aber Bachs Komposition ist nun mal unverwüstlich, Orchester, Chor und Solisten lieferten eine sehr ordentliche Darbietung ab, und die Auswahl und Zusammenstellung der Passagen für diese auf etwa 45 Minuten gekürzte Fassung fand ich ebenfalls durchaus überzeugend. Vor allem aber stellte ich fest, dass die Musik meine Stimmung ganz beträchtlich hob. Unterm Strich also ein ausgesprochen erfreulicher Konzertbesuch; und wenn ich demnächst mal wieder schlechte Laune bekomme – oder jemand anderes in der Familie –, dann sing' und sage ich einfach "Lasset das Zagen, verbannet die Klage" – das wird dann ja wohl hoffentlich helfen. 

An dieser Leuchtreklame kam ich auf dem Weg vom Dom zur S-Bahn vorbei. 

Am Montag und Dienstag hatte ich im Interesse der Festvorbereitungen allerlei im Haushalt zu tun und verließ daher kaum die Wohnung – eher ungewöhnlich für mich, wenn ich nicht gerade krank bin. Übrigens erreichten uns dieses Jahr zahlreiche Weihnachtsgrüße mit der guten alten Briefpost: von meiner Mutter, von meinem Bruder und meiner Schwägerin, von einer langjährigen Künstlerfreundin und von Bloggerkollegin Claudia (die sich bemerkenswerterweise beide für das gleiche Bildpostkarten-Motiv entschieden hatten), aber auch vom Redaktionsteam der Tagespost, der Micha-Initiative, der "Rejoice"-Jüngerschaftsschule der Gemeinschaft Emmanuel und der Ostwind-Initiative von Pater Paulus Maria Tautz CFR. Was das über unsere Position innerhalb des KiNC-Netzwerks (siehe weiter unten) aussagt, sei indes mal dahingestellt. 

Nun freut euch, ihr Christen

Am Heiligabend stand ich um 8 Uhr auf, in der Hoffnung, noch ein bisschen Zeit für mich allein zu haben, ehe der Feiertagstrubel losging; aber ich war kaum mit Duschen fertig, da wurden auch die Kinder munter – und waren vor lauter Weihnachts-Vorfreude völlig außer Rand und Band. Im Laufe des Vormittags fing allerdings der Jüngste, der schon seit ein paar Tagen Anzeichen einer Erkältung gezeigt hatte, deutlich an zu schwächeln und zog sich schließlich ins Bett zurück; als dann der Zeitpunkt näher rückte, an dem wir uns auf den Weg zum Krippenspiel hätten machen sollen (Mitwirkende sollten eine Stunde vor Beginn der Aufführung vor Ort sein), entschied meine Liebste daher, es wäre wohl besser, sie bliebe mit ihm zu Hause. Also fuhren die Große und ich allein nach St. Stephanus. – Dass die Hirten durch den krankheitsbedingten Ausfall unseres Knaben statt zweier Schafe nur eines hatten (den kleinen Bruder der Maria-Darstellerin), ließ sich relativ leicht verschmerzen; die Rolle der "Frau von Herbergswirt 3", die meine Liebste hätte spielen sollen, übernahm spontan die Mutter der "Engel 2"-Darstellerin (einer Schulfreundin unseres Tochterkindes). Das klappte auch gut – wobei ich fand, dass sie der Rolle, obwohl sie nur ein paar kurze Sätze zu sagen hatte, einen deutlich anderen Charakter gab, als es bei meiner Liebsten der Fall gewesen wäre.

Noch zehn Minuten vor Beginn der Aufführung dachte ich, das diesjährige Krippenspiel würde ziemlich schwach besucht sein; dabei müsste ich als alter Theaterhase eigentlich daran gewöhnt sein, dass ein beträchtlicher Teil des Publikums immer erst auf den letzten Drücker kommt: Als es dann losging, war die Kirche doch ziemlich gut gefüllt. Was allerdings auffiel: In den letzten Jahren hatte ich den Eindruck gewonnen, bei der Planung für das alljährliche Krippenspiel in St. Stephanus Haselhorst werde davon ausgegangen, dass einerseits die benachbarte KiTa und andererseits das ebenfalls benachbarte Seniorenheim einen Großteil des Publikums stellen werde. Diesmal schien es mir jedoch, dass gar nicht besonders viele Senioren im Publikum waren, abgesehen von den Großeltern einiger Mitwirkender; stattdessen waren viele Familien mit Kindern im Vor- und Grundschulalter da, vereinzelt auch junge Erwachsene ohne Kinder. (Übrigens erzählte mir der Gemeindereferent am Rande der letzten Probe, er habe ein Plakat für das Krippenspiel im Edeka-Markt aufgehängt.) Jedenfalls sagte ich mir, angesichts des unerwartet jungen Publikums könnte man im nächsten Jahr vielleicht mal drüber nachdenken, das Krippenspiel ein bisschen moderner zu gestalten – gar nicht unbedingt vom Sprechtext her, der kann von mir aus ruhig so bleiben, aber vielleicht könnte man die eine oder andere Musiknummer z.B. aus dem Musical, das letztes Jahr in der Gemeinde auf dem Weg aufgeführt wurde, oder von Mike Müllerbauers Weihnachtsalbum einbauen. Was solchen Überlegungen allerdings entgegen stehen könnte, ist der Umstand, dass der Organist der Pfarrei für nächstes Jahr seine Mitwirkung am Krippenspiel in Aussicht gestellt hat... (Andererseits: Vielleicht spricht das auch gerade nicht dagegen, sondern eher dafür. Man müsste sich einfach mal rechtzeitig konspirativ mit dem guten Mann zusammensetzen.)

Aber bleiben wir erst mal beim diesjährigen Krippenspiel: Das lief über alle Erwartungen gut. Wie letztes Jahr, könnte man sagen. Meine Tochter bewältigte ihre Doppelrolle als kaiserlicher Bote und "Engel 4" tadellos, und auch die anderen Kinder legten gegenüber dem, was sie bei den Proben gezeigt hatten, noch mal eine ordentliche Schippe zu. An einigen Stellen der Aufführung hatte ich sogar Tränchen in den Augen. – Und damit hatte Weihnachten für mich richtig begonnen! 


Wieder zu Hause, gab es erst einmal Bescherung – was natürlich vor allem für die Kinder ein Highlight des Weihnachtsfests war; ich war schon froh, dass die Bescherung friedlicher und unaufgeregter ablief als in den letzten Jahren, und half geduldig beim Zusammenbauen eines Playmobil-Reiterhofes mit, bis es Zeit wurde, das Essen auf den Tisch zu bringen. Beim Abendessen erlebte ich eine erfreuliche Überraschung: Ich hatte schon befürchtet, wenn der Jüngste erkältungsbedingt zu Hause bleiben müsste und meine Liebste dann natürlich bei ihm bliebe, würde ich Schwierigkeiten haben, das Tochterkind zu überreden, allein mit mir in die Christmette zu gehen. Tatsächlich war es nun aber der Knabe, der darauf bestand, dass wir alle zusammen zur Kirche gingen, und die Frage, ob er sich denn fit genug dafür fühle, bejahte er entschieden. Also machten wir uns auf den Weg nach St. Joseph Siemensstadt, und da war's sehr schön: 


Der Organist sang das Martyrologium der Heiligen Nacht, der Pfarrvikar trug das Jesuskind für die Krippe herein, es gab vier Messdiener und Weihrauch, die ganze Atmosphäre war sehr feierlich. In der Predigt betonte der Pfarrvikar: 

"Wir feiern heute Geburtstag – nicht nur den Geburtstag Jesu, sondern vor allem den Geburtstag des göttlichen Lebens in uns. Das Christentum ist keine Idee, auch keine Leistung, keine Moral, kein Anspruch, kein Auftrag, kein Engagement sondern das Christentum ist Christus in uns. Gott wird in unseren Herzen geboren." 

Nach dem Schlusssegen versammelte sich die Gemeinde noch, wie schon in den letzten Jahren, vor dem Kirchenportal, um zwei Lieder zu singen ("O du fröhliche" und "Nun freut euch, ihr Christen") – damit die Nachbarn auch etwas von unserer Weihnachtsfreude haben. 


Freikirchliches Raclette statt kommunistischer Weihnachtsgans 

Einige Leser werden sich vielleicht noch erinnern, dass ich letztes Jahr am Weihnachtstag mit Frau und Kindern bei einem alten Freund zum Gänseessen eingeladen gewesen, den ich in den Nuller Jahren in einer linken Kneipe beim Dominospielen kennengelernt habe, und dass mich der Verlauf jenes Abends veranlasste, die Frage "Wie feiern Marxisten Weihnachten?" mit "Gar nicht so viel anders als andere Leute"  zu beantworten. Im Prinzip wäre ich da dieses Jahr durchaus gern wieder hingegangen, aber unser Festprogramm war sozusagen "schon voll", als uns die Einladung erreichte. Dafür gab es heuer eine andere Attraktion, nämlich die Weihnachtsfeier der EFG The Rock Christuskirche – mit Raclette-Essen. Hatte ich seit bestimmt über 20 Jahren nicht gemacht und bin eigentlich auch kein so großer Fan von Party-Formaten, bei denen der Zubereitungsprozess des Essens der Haupt-Programmpunkt ist, aber mit den Leuten aus dieser Gemeinde Weihnachten zu feiern, hatte ich trotzdem Lust. Zu diesem Weihnachtsessen kamen um die 40 Leute, darunter ziemlich viele, die wir vom JAM kannten – als Mitarbeiter oder vom Elterncafé –; einige Kinder, die ungefähr im Alter unserer Kinder waren (und die wir logischerweise ebenfalls und erst recht vom JAM kannten), waren auch dabei. Erst einmal gab es Kaffee und Lebkuchen,  eine kurze, nette Begrüßungsansprache und ein Dankgebet für das Essen und die Tischgemeinschaft, dann wurden zu Gitarrenbegleitung ein paar Lobpreislieder gesungen. 

Das Herz-Jesu-Symbol mag stutzig machen, aber bei dem zum Einsatz kommenden Liederbuch – "Wiedenester Jugendlieder 17" – handelte es sich um eine freikirchliche Publikation. Ein paar Lieder von Albert Frey habe ich darin entdeckt, aber z.B. keine von Johannes Hartl.

Während dieses "Lobpreis-Blocks" (wie so etwas in einschlägigen Kreisen genannt wird) ging mir übrigens der Gedanke durch den Kopf, was wohl (beispielsweise) ein Reporter des Bayerischen Rundfunks denken würde, wenn er in er in eine kirchliche Weihnachtsfeier geriete, in der die Leute nicht "O du fröhliche" oder "Ihr Kinderlein kommet" singen, sondern "Unser Gott ist ein mächtiger Gott". Aber das mal (vorerst) nur am Rande Nach dem Singen wurden jedenfalls die Raclettegeräte angeheizt, wir unterhielten uns gut mit verschiedenen Gemeindemitgliedern, und das Essen war auch lecker und reichlich. Insgesamt kann ich nur sagen, es war eine wirklich schöne Art, den Nachmittag und frühen Abend des Weihnachtstages zu verbringen, und es berührt mich immer wieder, wie willkommen wir in dieser Gemeinde sind. 


Sind wir nicht alle ein bisschen KiNC?: Hilfe, die hippen Missionare kommen 

Dass das liberale (Post-)Christentum dahinsiecht und im Grunde nur noch durch einen kirchensteuerfinanzierten Apparat am Leben gehalten wird – dessen Zukunftsaussichten angesichts des galoppierenden Mitgliederverlusts der Großkirchen indes mehr als fraglich sind –, während andererseits "radikalere" Ausprägungen des Christentums, etwa in Form charismatischer, aber auch traditionalistischer Gemeinschaften, offenkundig Zulauf gerade auch von Seiten junger Erwachsener erleben, ist ein Phänomen, dem neuerdings verstärkt Aufmerksamkeit zuteil wird, nicht zuletzt wohl auch, weil es gängige Säkularisierungshypothesen in Frage stellt. Dass dieses Thema gerade um Weihnachten herum die Gemüter erregt, ist vielleicht auch nicht allzu verwunderlich, da das nun mal eine Zeit ist, in der die Reste des Kulturchristentums in unserer Gesellschaft besonders präsent sind – und in gewisser Weise die Frage aufwerfen, was man nun mit diesen Resten machen soll: Sollte man sie aus sentimentalen Gründen bewahren, sie konsequent aus dem öffentlichen Raum verbannen, sie "zeitgemäß" uminterpretieren oder sich womöglich darum bemühen, wiederzuentdecken, was eigentlich dahintersteckt? Ich denke, in diesen Zusammenhang muss man die Tatsache einordnen, dass alle Jahre wieder zur Weihnachtszeit so allerlei christentumskritische bzw. –feindliche Wortmeldungen in den Medien kursieren, darunter immer wieder gern Artikel, die aus historisch-kritischer Perspektive darzulegen versuchen, was an den Weihnachtsevangelien so alles angeblich nicht stimmt. Und in denselben Zusammenhang gehört es meiner Einschätzung nach auch, dass die vom Bayerischen Rundfunk produzierte Dokumentation (wenn man sie denn so nennen kann) "Die hippen Missionare – Mit Jesus gegen die Freiheit?" gerade kurz vor Weihnachten in der Sendereihe "ARD Story" ausgestrahlt wurde. 

Okay: Dass es nicht mehr lange hin ist bis zur MEHR 2026, wird auch eine Rolle gespielt haben, denn das Gebetshaus Augsburg und die von ihm ausgerichtete MEHR-Konferenz spielen eine Hauptrolle in der Doku – eine Schurkenrolle, versteht sich. Daneben geht es um die Loretto-Gemeinschaft sowie, in vergleichsweise geringerem Umfang, u.a. um FOCUS, die Adoratio in Altötting und die Legionäre Christi; auch die Hallow-App wird erwähnt. Eine bunte Mischung also mal wieder. Mehrfach taucht auch der Passauer Bischof Stefan Oster in der Doku auf, nämlich als Paradebeispiel dafür, dass, wie es in der Sendungsbeschreibung in der Mediathek heißt, "diese neuen eher fundamentalistisch ausgerichteten christlichen Bewegungen [...] sogar von der Amtskirche unterstützt werden" – wozu ich sagen muss, dass ich über das Wörtchen "sogar" ein bisschen grinsen musste: Es sagt wohl viel über den Zustand der hiesigen Amtskirche aus, wenn hier die Auffassung anklingt, man würde es ihr eigentlich nicht zutrauen, dass sie Bewegungen unterstützt, denen es mit ihrem christlichen Glauben ernst ist

Nachdem ich mir die Sendung selbst angesehen habe – in der Mediathek –, finde ich, dass es dazu im Detail noch etwas mehr anzumerken gäbe, als in ein Wochenbriefing hineinpasst; da könnte also demnächst noch ein eigenständiger Blogartikel nachkommen. Als Gesamteindruck möchte ich jedoch festhalten: Sieht man von einigen tatsächlich gravierenden Vorwürfen ab, die gegen die in der Sendung porträtierten Gruppen erhoben werden, zu denen sowohl das Gebetshaus Augsburg als auch die Loretto-Gemeinschaft jedoch bereits Stellung genommen haben, wundert es mich im Großen und Ganzen überhaupt nicht, dass manch ein Zuschauer die Sendung eher als Werbung für eben jene Gruppen empfindet, vor denen sie eigentlich warnen will. Das sieht auch Bischof Oster so: "Womöglich suchen diese Menschen tatsächlich gegen das, was ihnen die Gesellschaft oder auch dieser Film als Freiheit verkaufen wollen, doch noch was Tieferes?", merkt er in seiner Stellungnahme zur Doku an. "Sie finden es auf der MEHR jedenfalls deutlich wahrscheinlicher, als wenn sie noch mehr Fernsehen dieser Art gucken würden." 

Zu den Auswirkungen der Doku, die ich persönlich besonders interessant finde, gehört es, dass das neue Team von Horse & Hound bei diesem Thema prompt seine harmonieselige Maske fallen lässt und ordentlich auf die Kacke haut. Netiquette am Arsch, wenn ich das mal so sagen darf! Das Gebetshaus Augsburg ist eben einfach der Feind, ohne dass das einer sachlichen Begründung bedürfte. Die wohl verständliche Freude der MEHR-Veranstalter darüber, dass die Tickets für die Konferenz nach der Ausstrahlung der ARD-Doku weggehen wie warme Semmeln, wird in einem Instagram-Beitrag von Horse & Hound zu Statements wie "Zusammenarbeit zwischen ARD und Gott* knüpft an die Erkenntnisse Calvins an: Segen ist dort, wo der Rubel rollt" oder "Gott* erhört Gebete der Gebetshausmissionare und lässt Ticketverkäufe in die Höhe schnellen" verzerrt, und es wird geblödelt, nun werde Johannes Hartl wohl die Hallow-App löschen müssen, "um Platz auf seinem schnieken Smartphone für die ARD-App zu schaffen". – Aber immerhin: So gequält unwitzig und obendrein KI-gestützt dieser Beitrag auch daherkommt, zeigt er doch, dass ich den bisherigen Oberhalunken Thomas Halagan doch nicht so sehr vermissen werde, wie ich zunächst dachte – vor allem deshalb, weil er entgegen der ursprünglichen Ankündigung doch immer noch im Team ist. Aber dazu vielleicht bei anderer Gelegenheit mehr. 

Während aber das Humorniveau der hier angesprochenen Instagram-Beiträge wohl einigermaßen deutlich macht, dass die Halunk*innen die Stilisierung Johannes Hartls und des Gebetshauses Augsburg zu gefährlichen fundamentalistischen Sektierern selbst nicht so ganz ernst nehmen, kann man z.B. auf Bluesky beobachten, was dieses Narrativ bei Leuten anrichtet, denen es schlichtweg an Bezugsgrößen mangelt, um die angesprochenen Phänomene einzuordnen. Das ist ein bisschen so wie mit dem Scheinriesen Tur Tur in Michael Endes "Jim Knopf": Die Dinge werden scheinbar größer und furchterregender, je weiter der Betrachter von ihnen entfernt ist. Exemplarisch wurde dies anhand eines Threads deutlich, den der Bluesky-Account von "Fundi-Watch" teilte, der ursprünglich aber von einem laut Eigenbeschreibung queerfeministischen Account verfasst worden war. Angekündigt werden da Informationen über "eine Reihe von christlichen/evangelikalen Veranstaltungen/Konferenzen/Konzerten", die für das Jahr 2026 geplant sind und "hinter denen zum großen Teil missionarische Absichten stehen"; in "Teil 1", der seinerseits bereits aus 35 Einzelpostings besteht, geht's aber erst mal nur um die MEHR-Konferenz, die vom 3.-6. Januar in Augsburg stattfinden soll. Die zitierte Einleitung lässt ja bereits erkennen, dass "missionarische Absichten" wohl etwas ganz arg Schlimmes sein müssen; im Weiteren Verlauf erweist sich der ganze Thread als ein Paradebeispiel dafür, wie Maria Hinsenkamps Forschungen zu dem von ihr so benannten Phänomen "KiNC" ("Kingdom-minded Network Christianity") von Leuten, um deren Fähigkeit zu sinnerfassendem Lesen es offenbar nicht zum Besten steht, zur Verschwörungstheorie verflacht werden. KiNC, so teilt die Thread-Erstellerin mit, sei ein Netzwerk, das das Ziel verfolge, "einen christlichen Gottesstaat zu errichten"; und da etwa ein Johannes Hartl "nachweislich zur KiNC-Landschaft gehört", kann man jedem, der mit ihm bzw. dem Gebetshaus Augsburg zusammenarbeitet, attestieren: "D.h. auch er möchte einen christlichen Gottesstaat errichten." Man könnte darüber lachen, wenn... ach was, lassen wir den Konjunktiv und lachen einfach drüber. "Fundi-Watch" indes dankt der Verfasserin für ihre "unermüdliche Arbeit"; nun ja, "unermüdlich" ist wohl eine zutreffende Bezeichnung. 

Wenn man es recht bedenkt, hat es durchaus eine gewisse Logik, dass gerade Leute, die die ganze "fromme Szene" nur von Weitem kennen, sich unter dem Phänomen "KiNC" etwas unheimlich Krasses und Gefährliches vorstellen; denn wenn man ihnen sagte, dass es sich im Grunde nur um Leute handelt, die die Lehren des Christentums etwas ernster nehmen als andere nominelle Christen oder die ihrem Glauben einen größeren Stellenwert in ihrem Alltagsleben, über den sonntäglichen Gottesdienstbesuch hinaus, einräumen, dann würden sie nicht verstehen, wieso das überhaupt der Rede wert sein sollte. Gleichzeitig stehen sie den Inhalten der christlichen Glaubens- und Sittenlehre so fern, dass ihnen schon moderat christliche Positionen als extrem erscheinen. Ich schätze, das wird man an anderer Stelle vertiefen müssen. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Karl Barth hat darauf aufmerksam gemacht, dass es in der Geschichte Jesu zwei Punkte gibt, an denen Gottes Wirken unmittelbar in die materielle Welt eingreift: die Geburt aus der Jungfrau und die Auferstehung aus dem Grab, in dem Jesus nicht geblieben und nicht verwest ist. Diese beiden Punkte sind ein Skandal für den modernen Geist. Gott darf in Ideen und Gedanken wirken, im Geistigen – aber nicht an der Materie. Das stört. Da gehört er nicht hin. Aber gerade darum geht es: dass Gott Gott ist und sich nicht nur in Ideen bewegt. Insofern geht es bei beiden Punkten um das Gottsein Gottes selbst. Es geht um die Frage: Gehört ihm auch die Materie? 

Insofern sind diese beiden Punkte – Jungfrauengeburt und wirkliche Auferstehung aus dem Grab – Prüfsteine des Glaubens. Wenn Gott nicht auch Macht über die Materie hat, dann ist er eben nicht Gott. Aber er hat diese Macht, und er hat mit Empfängnis und Auferstehung Jesu Christi eine neue Schöpfung eröffnet. So ist er als Schöpfer auch unser Erlöser. Deswegen ist die Empfängnis und Geburt Jesu aus der Jungfrau Maria ein grundlegendes Element unseres Glaubens und ein Leuchtzeichen der Hoffnung. 

(Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Prolog) 


Ohrwurm der Woche 

José Feliciano: Feliz Navidad 


Oft gehört auf Weihnachtsmärkten, allerdings nicht selten in Form von Coverversionen eher fragwürdiger Qualität; daher hier zum Genießen das Original von José Feliciano. Top-Kommentar auf YouTube (mit über 18.000 Likes): "Unlike most other modern Christmas songs, I have no doubt this man actually wants to wish me a merry Christmas." Schöner kann man's eigentlich kaum sagen. 


Vorschau/Ausblick 

Weihnachten ist noch nicht vorbei, Freunde – also auf in den Supermarkt, preisreduzierte Lebkuchen kaufen! – Am morgigen Sonntag ist das Fest der Heiligen Familie, außerdem wird in der Tegeler Pfarrkirche Herz Jesu der aus Nigeria stammende Pfarrvikar der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd in den Ruhestand verabschiedet, nachdem er acht Jahre lang hier tätig war. Damit verliert diese Pfarrei den einzigen ihrer Geistlichen, der mir nie Anlass gegeben hat, an seiner Rechtgläubigkeit zu zweifeln. Man darf gespannt sein, wann und durch wen die Stelle neu besetzt wird – vielleicht kommt ja mal ein junger Kaplan... Aber wie dem auch sei, zu der Abschiedsmesse möchte ich schon gern gehen. – Davon abgesehen sind in der gesamten kommenden Woche noch Ferien, besondere Pläne haben wir da aber noch nicht, auch nicht für den Silvesterabend. Ich bin aber dennoch optimistisch, dass es auch in "Utopie und Alltag" Nr. 6 wieder genug Interessantes zu berichten geben wird...