Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Samstag, 24. Januar 2026

Utopie und Alltag 9: Wölflinge, Wichtel und Wikipedia

Servus, Leser! Es ist wieder Wochenbriefing-Zeit – und nachdem vorige Woche die Sternsingeraktion einen klaren thematischen Schwerpunkt gebildet hat, gibt es diesmal einen anderen, der allerdings ebenfalls mit organisierten Aktivitäten von Kindern an der frischen Luft zu tun hat. Aber in der zweiten Hälfte dieses Blogartikels kommen dann schon auch noch verschiedene andere Themen dran... 


Neues von den Pfadfindern 

Dass das zurückliegende Wochenende in Hinblick auf das Thema Pfadfinder recht intensiv werden würde, hatte sich bereits abgezeichnet: Nachdem die KPE-Wölflinge in Schöneberg schon eine Woche zuvor ihr erstes Meutentreffen des Neuen Jahres gehabt hatten, bei dem wir jedoch nicht waren, weil wir in Haselhorst Sternsingen waren, wollte ich mit meiner Großen auf jeden Fall zum zweiten, und am Sonntag stand das schon seit einiger Zeit mit Spannung erwartete allererste Stammestreffen des in Gründung befindlichen neuen KPE-Stammes im Stadtteil Gesundbrunnen statt. Aber erst mal der Reihe nach. 

Am Freitagnachmittag sah erst einmal alles nach einem vergleichsweise entspannten Einstieg ins Wochenende aus: Der Jüngste war nach der KiTa bei einem Freund eingeladen, meine Liebste brachte ihn hin – und ließ mich wissen, die gastgebenden Eltern hätten vorgeschlagen, ich könne nach dem Schulschluss der Großen mit ihr zusammen nachkommen. Komplikationen zeichneten sich ab, als das Tochterkind aus der Schule anrief, um zu fragen, ob eine Schulfreundin bei uns übernachten dürfe. Es handelte sich um dieselbe Schulfreundin, die schon in der Nacht vor der Sternsingeraktion bei uns geschlafen hatte, und nun argumentierten die Mädchen, da habe doch alles gut geklappt und das könne man doch nochmal so machen. Ganz wohl war mir dabei nicht, und ich verwies erst einmal auf die Einladung der Eltern des Freundes des kleinen Bruders – woraufhin die Mädchen fragten, ob die Schulfreundin des Tochterkindes denn dahin mitkommen dürfe. Ich erwiderte, da müsse ich erst mal fragen; tatsächlich hatten die gastgebenden Eltern dann nichts dagegen, also holte ich beide Mädchen von der Schule ab und ging mit ihnen da hin. Es wurde ein schöner Nachmittag und Abend für alle Beteiligten, also auch die Erwachsenen; wir einigten uns dann auch darauf, dass die Schulfreundin des Tochterkindes zum Übernachten mit zu uns kam. Als problematisch erwies es sich indes, dass wir infolge des gemeinsamen Abendessens mit unseren Gastgebern erst zu einer Zeit nach Hause kamen, zu der die Kinder "normalerweise" schon im Bett hätten sein sollen; und, sagen wir's kurz und ohne ins Detail zu gehen, mit der Kinderzimmer-Übernachtungsparty klappte es diesmal nicht so gut wie am Wochenende zuvor. Daher war ich zunächst auch nicht sonderlich erbaut davon, dass die Schulfreundin des Tochterkindes am nächsten Morgen auch zu den Wölflingen mitkommen wollte. Ich erklärte den Mädchen eindringlich und mehrfach, ich würde nur dann mit beiden zum Meutentreffen fahren, wenn ich mich darauf verlassen könne, dass sie sich nicht gegenseitig zu Quatsch anstiften und auch nicht zu zweit ihr eigenes Ding machen, sondern sich in die Gruppe einfügen und auf die Leiterinnen hören. (Meine diesbezügliche Befürchtung war durchaus nicht einfach aus der Luft gegriffen; ich hatte da durchaus meine Erfahrungswerte, nachdem ich dieselbe Freundin z.B. mal zu einem Fußballtraining mitgenommen habe.) – Da sie mir dies hoch und heilig versprachen, gab ich schließlich nach. 

Und wie gut hielten sich die Mädchen an dieses hochheilige Versprechen? Ich würd mal sagen: ziemlich gut. Zu 70%, oder vielleicht sogar 80. Dass es zwischenzeitlich ein paar Durchhänger gab, hatte unter anderem wohl auch mit der Kälte zu tun: Nachdem es ein paar Tage lang recht mild gewesen war, war buchstäblich über Nacht der Winter zurückgekehrt, und der chaotische Ablauf am Morgen (wie gesagt: Keine Details!) hatte ein Übriges dazu beigetragen, dass unsere Tochter und ihre Freundin nicht ideal dafür angezogen waren, das gesamte Meutentreffen (rund zweieinhalb Stunden) draußen zu verbringen. Und dass es der Konzentration auf zum Teil trotz spielerischer Gestaltung recht komplexe und anspruchsvolle Aufgaben nicht gerade förderlich ist, wenn man dabei friert, ist wohl einigermaßen verständlich. Ein grundsätzlicheres Problem ist natürlich, dass die Fähigkeit, eine Sache zu tun, während man eigentlich gerade mehr Lust auf eine andere hat, an der freien Schule, die die Mädchen besuchen, signifikant weniger trainiert wird als im Regelschulsystem; da ist es dann kein Wunder, dass das Tochterkind, wenn es mit einer Schulfreundin (oder mehreren) zusammen ist, mehr als sonst dazu neigt, in Verhaltensmuster aus dem Schulalltag zu verfallen. Ich meine das gar nicht böse, es ist einfach nur eine Beobachtung. Und wie schon gesagt, gemessen an diesem Erwartungshorizont lief's bei den Wölflingen eigentlich recht gut. 

Davon abgesehen war ich – nicht zum ersten Mal – recht beeindruckt davon, was für Kenntnisse und Fertigkeiten den Wölflingen innerhalb eines wie gesagt rund zweieinhalb Stunden dauernden Meutentreffens vermittelt bzw. mit ihnen geübt werden. So gab es diesmal u.a. ein Spiel, innerhalb dessen das Winkeralphabet (Semafor) zum Einsatz kam, zudem lernten die Mädchen, einen Verband anzulegen und ein Dreieckstuch zu binden. Außerdem hielt die Wölflingsleiterin eine Art Impulsvortrag zum ersten Wölflings-Leitsatz "Der Wölfling denkt zuerst an andere", in dem sie ausführte, dieser Satz schließe nicht aus, sondern setze vielmehr geradezu voraus, auch an sich selbst zu denken – denn wer nicht auf sich selbst, sprich: auf seine eigenen Bedürfnisse und Grenzen acht gebe, könne auf Dauer auch nichts Gutes für andere tun. – Was ich auch noch erwähnen möchte: In letzter Zeit war mir am Rande der Sonntagsmesse in Siemensstadt wiederholt ein Mädchen aufgefallen, bei dessen Anblick ich dachte "Die kenne ich doch von den Pfadfindern!" – war mir aber nie ganz sicher gewesen, ob es sich wirklich um dasselbe Mädchen handelte oder lediglich um zwei Mädchen, die sich ähnlich sehen. Das klärte sich dadurch, dass dieses Mädchen – das offenbar gerade von den Wölflingen zu den eigentlichen Pfadfinderinnen übergewechselt ist – vom Vater zu diesem Gruppentreffen begleitet wurde, und den erkannte ich zweifelsfrei. Er mich übrigens auch. "Ich glaube, wir haben uns noch gar nicht richtig vorgestellt", sagte er zu mir, woraufhin wir uns die Hände schüttelten und recht gut miteinander ins Gespräch kamen. Andere Eltern kennenzulernen, ist ja ein nicht zu unterschätzender "Kollateralnutzen" von Gruppen- oder Vereinsaktivitäten der Kinder. 

Am Sonntag gingen wir dann also in St. Afra im Stadtteil Gesundbrunnen in die Messe, um anschließend am ersten Treffen des dortigen in Gründung befindlichen Pfadfinderstammes teilzunehmen. Dazu übrigens eine Anmerkung, die vielleicht nicht ganz zum Thema gehört, aber irgendwie halt doch relevant ist: Soweit ich mich erinnere, habe ich seit April 2013 grob überschlagen vielleicht zehnmal in dieser Kirche die Heilige Messe in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus besucht, und davon lagen die letzten zwei Male ziemlich genau drei Monate auseinander. Nicht dass das nun gerade eine kurze Zeitspanne wäre, aber gegenüber einem Durchschnitt von weniger als einmal pro Jahr doch eine signifikante Steigerung. Möglicherweise trug das dazu bei, dass diese Form der Liturgie mir diesmal deutlich weniger fremd vorkam als bei früheren Gelegenheiten. Wohlgemerkt, die Schönheit und Würde dieser Liturgie hatte ich auch früher schon empfunden, aber ich sag mal so: In die Oper zu gehen kann auch ein anrührendes und erhebendes Erlebnis sein, trotzdem könnte ich mir nicht vorstellen, das jede Woche zu tun. – Falls nun der eine oder andere Leser diesen Vergleich als ungehörig empfindet, möchte ich unterstreichen, dass es mir eigentlich gerade darum ging, meine durch den häufigeren Besuch der Heiligen Messe in St. Afra gewachsene Wertschätzung für die außerordentliche Form des Römischen Ritus auszudrücken. Auch wenn ich es nach wie vor nicht kommen sehe, dass ich die Sonntagsmesse überwiegend oder bevorzugt in dieser Form mitfeiere. Was übrigens durchaus relevant für die Frage ist, ob wir uns längerfristig dem an diesem Standort entstehenden Pfadfinderstamm zuordnen wollen, aber dazu später. 

Übrigens zeigte sich, dass neben der Tochter meines Herbstlager-Küchenteam-Kollegen, mit der meine Tochter sich so spontan und innig angefreundet hatte, noch zwei weitere Mädchen zu diesem Treffen erschienen, die wir bereits vom Herbstlager kannten; eins davon in kompletter Wölflingskluft, was zu folgendem lustigen Dialog zwischen diesen beiden Mädchen Anlass gab: 

"Wieso hast du deine Kluft an?" – 
"Wieso hast du deine Kluft nicht an?" 

Insgesamt kamen etwas über zwanzig Kinder zu diesem Treffen, die sich ziemlich gleichmäßig auf drei Gruppen verteilten: Wölflings-Jungen, Wölflings-Mädchen und eine gemischte Wichtelgruppe. Schon mal nicht schlecht für den Anfang, würde ich sagen. Übrigens bietet der Umstand, dass diese Pfadfindergruppe am Standort des traditionalistischen Instituts St. Philipp Neri ins Leben gerufen wurde, einmal mehr Gelegenheit, festzustellen, dass nicht immer alles so ist, wie klischeebehaftetes Lagerdenken es anzunehmen geneigt wäre: Man könnte ja vermuten, bei einer solcherart im "Tradi"-Milieu verwurzelten Gruppe ginge es tendenziell strenger zu als woanders, sowohl was die Disziplin, als auch was das Zeremoniell betrifft. Meinem zugegebenermaßen sehr vorläufigen ersten Eindruck nach ist das aber durchaus nicht der Fall. Klar, diese Gruppengründung fängt praktisch bei Null an, und Aufbauarbeit ist immer "messy". Hinzu kommt, dass auch die Leiter zum Teil keinen KPE-Hintergrund und zum Teil auch überhaupt keine Pfadfinder-Erfahrung haben. Da muss sich Vieles erst finden und entwickeln, aber ich würde sagen, die Voraussetzungen dafür, dass es sich gut entwickelt, sind allemal gegeben. Beachtlich fand ich, dass den Wölflings-Jungen schon beim ersten Treffen gezeigt wurde, wie man Feuer macht, und zum Abschluss wurde auf diesem Feuer für alle teilnehmenden Kinder Suppe zubereitet. Ich vermute, damit wurde auch dem Umstand Rechnung getragen, dass einige der teilnehmenden Familien einen recht weiten Anfahrtsweg hatten und bei ihnen wegen des Pfadfindertreffens das Mittagessen ausfiel. – Und meine beiden Kinder hatten in ihren jeweiligen Gruppen jedenfalls viel Spaß. Als ich anmerkte, ich müsse mich noch erkundigen, wie oft diese Stammestreffen in Zukunft denn wohl stattfinden würden, warf mein Jüngster fröhlich ein: "Ich hoffe, jeden Tag!" – Ich würd' mal sagen, das ist ein Feedback aus der Zielgruppe, das im Zweifel aussagekräftiger ist als meine Beobachtungen vom Spielfeldrand. 

Eine ernsthafte Antwort auf die Frage, in welchem zeitlichen Abstand die Wölflings- und Wichteltreffen in St. Afra zukünftig stattfinden sollen, will ich meinen Lesern jedoch nicht vorenthalten: Laut dem Plakat, das ich im Flur des St.-Afra-Stifts habe hängen sehen, sollen sich die drei Gruppen grundsätzlich alle 14 Tage treffen, und zwar jeweils sonntags; einer der Leiter signalisierte mir indes, das nächste Treffen werde erst nach den Winterferien stattfinden. – Wie geht's also weiter mit uns und den Pfadfindern in St. Afra? Was unseren Jüngsten angeht, glaube ich, dass es für ihn durchaus Vorteile hätte, hier zur Wichtelgruppe zu gehen, insbesondere wenn diese sich zukünftig zweimal im Monat trifft und die Wichtelgruppe des Schöneberger Stammes nur einmal im Monat; außerdem gibt es in St. Afra mehr Jungen. Dass die Gruppe erst im Aufbau ist und es daher vorerst noch an etablierten Strukturen fehlt, ist für die Wichtelstufe wohl am wenigsten problematisch, und bis ein Eintritt bei den Wölflingen in Frage käme, hat der Knabe so oder so noch drei Jahre Zeit. Hingegen glaube ich, dass unsere Große mehr davon profitieren kann, in eine Wölflingsmeute einzutreten, die bereits etablierte Strukturen hat, und deshalb habe ich für sie jetzt das Anmeldeformular für den Schöneberger Stamm ausgefüllt. 

Übrigens wurde bei dem Meutentreffen am Samstag auch die aktuelle Ausgabe der KPE-Zeitschrift "Spur" an die Wölflinge verteilt, und dieser kann man entnehmen, dass 2026 ein besonderes Jahr für diesen Pfadfinderverband wird: Die KPE feiert ihr 50jähriges Bestehen, der europäische Dachverband UIGSE-FSE sein 70jähriges. Gefeiert wird dies u.a. mit einer Bundeswallfahrt zum Kloster Schöntal in Schwaben Ende Juni; da umfasst das Programm für die Wölflinge ein großes Geländespiel, das so ziemlich einen ganzen Tag dauert, während es im Erwachsenenprogramm (für "Eltern & Freunde") u.a. einen Vortrag über das richtige Verhältnis zwischen Führen und Loslassen in der Kindererziehung gibt. – Nicht ganz klar ist mir indes, wie man es eigentlich schaffen soll, rechtzeitig zu Beginn des Programms vor Ort zu sein, es sei denn, man reist schon einen Tag früher an und organisiert die Übernachtung von Freitag auf Samstag individuell. Aber auch so wäre es noch ein herausfordernder Trip. Na gut, es ist eine Bundeswallfahrt; die meisten Stämme hat die KPE, wie man hört, in Baden-Württemberg und Bayern, weitere regionale Schwerpunkte gibt es in Hessen und Nordrhein-Westfalen. Unter diesem Aspekt kann man Kloster Schöntal wohl als halbwegs zentral gelegen bezeichnen, und dass eventuell auch Leute aus Berlin anreisen möchten, hat bei der Planung wohl verständlicherweise keine so große Rolle gespielt. Na, wir werden mal sehen. – Heute war schon wieder Meutentreffen in Schöneberg, und diesmal gab es auch dort zeitgleich ein Wichtelgruppentreffen; aber davon berichte ich beim nächsten Mal. 

Da, wo das Kirchenschiff von St. Afra keine Außenwand hat, sind die Buntglasfenster aufgemalt. Hier sogar mit einem idealisierten Blick nach draußen. 


Wohnungssegnung – besser spät als nie

Von der Sternsingeraktion am vorletzten Wochenende hatten wir uns einen geweihten Türaufkleber für unsere eigene Wohnung mitgenommen, hatten jedoch nicht die Absicht, diesen "einfach so" an die Tür zu pappen, sondern wollten dies, wie in den beiden vorigen Jahren, im Rahmen einer schönen, feierlichen Wohnungssegnungs-Andacht tun. Für eine solche Andacht fanden wir dann jedoch während der ganzen Woche nicht so recht Zeit. Am Samstag fiel dann unserem Jüngsten auf, dass der Aufkleber immer noch unbenutzt bei uns herumlag, und drängte darauf, ihn endlich mal anzukleben. Zu diesem Zeitpunkt war ich gerade dabei, Gemüse fürs Abendessen zu putzen, und erklärte daher, wir könnten die Andacht abhalten, wenn die Suppe auf dem Herd stünde, oder gegebenenfalls nach dem Abendessen. Ehe es soweit war, war der Knabe jedoch eingeschlafen – vermutlich als Nachwirkung der vorangegangenen Kinderzimmer-Übernachtungsparty –, und wir hielten es für besser, ihn nicht noch einmal zu wecken. So verschob sich die Wohnungssegnung um noch einen Tag.

Am Sonntag vor dem Abendessen war es dann aber soweit; wir benutzten für die Andacht wieder dieselbe Vorlage aus dem Internet wie in den letzten zwei Jahren, und die Kinder waren sehr engagiert dabei: Der Jüngste hatte schon im Vorfeld darauf gepocht, dass er den Türaufkleber anbringen wolle, und übernahm im weiteren Verlauf der Andacht auch das Aussprengen des Weihwassers, während die Große eine Kerze anzündete und mit feierlichem Ernst von Raum zu Raum trug. Nachdem wir, der Vorlage folgend, erst die Wohnungstür und dann das Wohnzimmer, die Küche, das Schlafzimmer und das Kinderzimmer und schließlich die Vorratskammer gesegnet hatten, bestand unser Jüngster darauf, dass die Abstellkammer (das "Harry-Potter-Zimmer", wie wir es familienintern gern nennen, weil es ein fensterloser Raum unter der Treppe ist) und das Badezimmer auch noch gesegnet werden müssten. Das war in der Vorlage zwar nicht vorgesehen, aber meiner Liebsten fielen spontan ein paar frei formulierte, zur Bestimmung dieser Räume passende Segensbitten ein. Zum Schluss sangen wir noch "Stern über Betlehem", weil wir das, nachdem wir es bei der Sternsingeraktion so oft gesungen hatten, praktisch auswendig konnten. Insgesamt war es eine sehr schöne Segensfeier, und ich kann es wirklich nur empfehlen, so etwas einmal im Jahr zu machen. 


Schwarzer Gürtel in KiWoGo – und darüber hinaus

Am vergangenen Dienstag traf sich der Arbeitskreis Kinderwortgottesdienst der Gemeinde St. Joseph/St. Stephanus – wieder einmal in kleiner Besetzung – zu seinem ersten Arbeitstreffen in diesem Kalenderjahr; denn kaum sind Krippenspiel und Sternsingeraktion geschafft, stehen schon wieder KiWoGo-Termine vor der Tür, der erste sogar schon morgen. Dazu muss man sagen: Die Termine für die Kinderwortgottesdienste in dieser Gemeinde sind zwar fast immer irgendwie aus der Not geboren – theoretisch oder idealerweise sollte es ein regelmäßiger Turnus sein, also etwa: immer am vierten Sonntag im Monat; aber more often than not, wie der Angloamerikaner sagt, ist da irgendwas, weshalb man um eine Woche nach vorn oder nach hinten ausweichen muss –, aber unbeschadet solcher Unwägbarkeiten bekommen wir es dann doch meist mit sehr spannenden und ergiebigen Evangelienstellen zu tun. Der morgige 3. Sonntag im Jahreskreis ist ein illustratives Beispiel. Hatte ich nicht im Zusammenhang mit dem "Beruferaten" beim letzten KiWoGo des Vorjahres – am 4. Adventssonntag – angemerkt, den Aspekt, dass Gott Menschen in Seinen Dienst beruft, die eigentlich ganz andere Pläne für ihre berufliche Zukunft hatten, sollte man nochmals aufgreifen und vertiefen, wenn mal ein Evangelium mit einer Berufungsgeschichte drankommt? Tja, manche Wünsche erfüllt der liebe Gott schneller, als man denkt, denn am morgigen 3. Sonntag im Jahreskreis geht's im Evangelium um die Berufung der ersten Jünger Jesu (Matthäus 4,12-23). Da fand ich nun, es biete sich an, die Radikalität der Nachfolge zu betonen, die darin liegt, dass die Fischer von jetzt auf gleich ihre Netze liegenlassen – also ihre ganze berufliche Existenz an den Nagel hängen –, um Jünger Jesu zu werden. Und um zu verdeutlichen, dass sich so etwas nicht nur in biblischer Zeit gab, sondern auch heute noch gibt, fand ich, man sollte im KiWoGo eine knallige Berufungsgeschichte aus neuerer Zeit präsentieren. Nachdem ich eine Weile nach einer geeigneten Heiligenbiographie gesucht hatte, stieß ich schließlich auf Clare Crockett, eine Ordensschwester aus Nordirland, deren Seligsprechungsprozess vor einem Jahr eröffnet wurde. Als ich beim Arbeitskreistreffen von dieser Idee erzählte, meinte der Gemeindereferent, vielleicht könnte man ja – z.B. mit Hilfe der in der Gemeinde angesiedelten Neokatechumenalen Gemeinschaften – jemanden finden, der im KiWoGo ein persönliches Zeugnis gibt, und ich stimmte zu, dass das sogar noch besser wäre. "Und wenn wir so kurzfristig niemanden finden, dann mach' ich Clare Crockett."

Vielversprechend sehen auch die Evangelien für die weiteren in den nächsten Monaten anstehenden KiWoGo-Termine aus: Am 2. Fastensonntag haben wir die Verklärung Jesu (Matthäus 17,1-9), am 3. Sonntag der Osterzeit die Begegnung der Jünger mit dem auferstandenen Jesus am See von Tiberias (Johannes 21,1-14) und am Dreifaltigkeitssonntag das Kernstück aus dem Gespräch Jesu mit Nikodemus: Johannes 3,16-18. Erinnert sich noch jemand an den Typen, der früher immer bei weltweit im Fernsehen übertragenen Sportereignissen im Publikum saß und ein Schild mit der Aufschrift "John 3:16" hochhielt? Eine gut gewählte Bibelstelle, denn wenn es einen Vers gibt, den man als "Das Evangelium in einem Satz" bezeichnen könnte, dann ist das Jahr wohl dieser. Zur Gestaltung dieser Passage im Rahmen des Kinderwortgottesdienstes ist uns bisher noch nicht viel eingefallen, aber bis dahin ist ja noch ein bisschen Zeit.

Nicht mehr so viel Zeit ist bis zum nächsten "Religiösen Kindertag" (RKT) in St. Stephanus, und wie es aussieht, werde ich es wieder nicht zum Vorbereitungstreffen schaffen: Das soll nämlich am kommenden Donnerstag sein, und da zeichnet sich ein Kinderbetreuungs-Problem ab, da die Liebste infolge einer außerunterrichtlichen Veranstaltung erst spät von der Arbeit nach Hause kommt. Gleichwohl hoffe ich, mich in irgendeiner Form beim RKT "einbringen" zu können, wie man so sagt; als Thema ist "Raus dem Alltag, rein ins Abenteuer – mit Abraham ins Heilige Land" angedacht, das finde ich schon mal prima. Ebenfalls schon zu bedenken ist die Religiöse Kinderwoche in den Sommerferien; terminlich liegt die so, dass wir da gerade aus dem Urlaub in Butjadingen zurück sind, somit bestünde durchaus die Möglichkeit, dass unser Tochterkind da teilnimmt und ich als Betreuer mitkomme. Hundertprozentig spruchreif ist das aber derzeit noch nicht.


Hashtag #Kannstedirnichtausdenken: Neues von ehemaligen und zukünftig ehemaligen DBK-Vorsitzenden

Tante Wikipedia ist offiziell eine "alte Schachtel", jedenfalls nach den Maßstäben, die unter der Landbevölkerung meiner Heimatregion traditionell für unverheiratete Frauen gelten; das heißt, sie ist 25 Jahre alt geworden. Das weiß ich deshalb, weil der Erzbischof von München und Freising, Kardinal Marx, der Online-Enzyklopädie zu diesem Jubiläum gratuliert hat:
"In Zeiten rasanter technologischer Entwicklungen und künstlicher Intelligenz wird deutlich: Wissen bleibt ohne den Menschen unvollständig und verletzlich. Wikipedia erinnert daran, dass verlässliche Information aus gemeinsamer Verantwortung, aus Dialog und aus dem beständigen Ringen um Wahrheit entsteht."

Bla, bla, bla. Warum hat der bekanntermaßen nicht sonderlich Web 2.0-affine Kirchenmann sich überhaupt bemüßigt gefühlt, sich zu diesem Anlass zu äußern? Offenbar, weil er Vorsitzender der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz ist. Gibt es eigentlich auch einen DBK-Beauftragten für "einfach mal die Klappe halten"? Das wäre doch mal eine spannende neue Herausforderung für den Münchner Oberhirten!

Derweil hat Kardinal Marx' Nachfolger im Amt des DBK-Vorsitzenden, der Limburger Bischof Georg Bätzing, angekündigt, sich bei der kommenden Frühjahrsvollversammlung der deutschen Bischöfe nicht erneut zur Wahl zu stellen, und hat diese Ankündigung zum Anlass genommen, sich für die Früchte seiner sechsjährigen Amtszeit kräftig selbst zu beweihräuchern – vielleicht in der nicht unrealistischen Annahme, es werde sonst keiner tun:
"Es waren sechs intensive Jahre, in denen wir Bischöfe gemeinsam mit vielen anderen aus dem Volk Gottes einiges bewegen und für eine tragfähige Zukunftsgestalt von Kirche in unserem Land realisieren konnten. Jetzt ist es Zeit, diese für die Arbeit der Bischofskonferenz wichtige Aufgabe in andere Hände zu legen. Und ich bin mir sicher, es wird gut weitergehen."
Treffend kommentiert Peter Winnemöller: "Wer bei dieser Behauptung nicht mindestens in leichtes Kichern ausbricht, hat vom realen Zustand der Kirche in unserem Land gar keine Ahnung." Was Peter Winnemöller dem scheidenden DBK-Vorsitzenden sonst noch nachruft und was er den Mitgliedern der Bischofskonferenz für die Zukunft empfiehlt – zum Beispiel eine entschiedene Entpolitisierung des Gremiums –, kann ich nur wärmstens zur Lektüre empfehlen. Höflicher im Tonfall, aber inhaltlich im Grunde nicht weniger vernichtend fällt die Bilanz der Ära Bätzing in der DBK aus, die Dorothea Schmidt in der Tagespost zieht. – Als aussichtsreichster Kandidat für die Übernahme des DBK-Vorsitzes wird, wie mir scheint, derzeit der Paderbörner Erzbischof Bentz gehandelt; aber bis zur Frühjahrsvollversammlung sind ja noch gut vier Wochen Zeit, da werden wir also wohl noch Gelegenheit finden, auf dieses Thema zurückzukommen. 



Ein neues Jahr, ein (nicht ganz so) neuer Bibelleseplan

Ich gestehe: Eigentlich hatte ich ja schon letztes Jahr, 2025, gute Vorsätze für ein festes tägliches Bibellesepensum. Damit lief es allerdings nicht so richtig gut, obwohl man kaum behaupten kann, ich hätte mir zu viel vorgenommen: Bei einem Lesepensum von einem Kapitel pro Tag würde man, grob geschätzt (genau ausgerechnet habe ich es nicht), wohl drei bis vier Jahre brauchen, um die ganze Bibel einmal komplett durchzulesen. Dieses eher gemächliche Lesetempo bewahrte mich indes nicht davor, dass ich – wie ich in meinem Oster-Wochenbriefing eingestand – "schon Anfang April irgendwo im Buch Leviticus" stecken blieb. Was mich natürlich ärgerte, zumal es so ein Klischee ist, dass einem ausgerechnet im Buch Leviticus die Luft ausgeht. Also bemühte ich mich nach Ostern redlich darum,  meinen Rückstand aufzuholen, kam jedoch auch im zweiten Anlauf nur bis zum 1. Buch Samuel, irgendwo zwischen dem Raub der Bundeslade und Sauls Salbung zum König. Komisch, könnte man sagen, da wird's doch eigentlich gerade spannend. Wie dem auch sei: Wenn ich aus dieser Erfahrung eines gelernt habe, dann, dass ein Bibelleseplan, der diese Bezeichnung wirklich verdient, eine etwas durchdachtere Struktur erfordert als "Ich fange bei Genesis 1 an und lese jeden Tag ein Kapitel".

Somit traf es sich gut, dass ich kurz vor Jahresende – ich weiß nicht einmal mehr, ob es beim JAM war oder am Rande des Raclette-Essens zu Weihnachten – im Foyer der EFG The Rock Christuskirche in Haselhorst einen Bibelleseplan im Postkartenformat entdeckte, der darauf ausgelegt ist, das ganze Alte Testament in einem Jahr durchzulesen (das ganze Alte Testament? Nein! – aber dazu später...). Eigentlich handelt es sich – laut Überschrift – um einen Bibelleseplan für das Jahr 2025, aber ich habe mir gedacht, schad't ja nix, das Jahr 2026 hat schließlich genauso viele Tage, wieso sollte man den Plan also nicht auch für dieses Jahr verwenden können. Nett fand ich auch, dass die Etappeneinteilung dem geneigten Nutzer am Anfang des Jahres eine gewisse Gnadenfrist gewährte, um erst mal 'reinzukommen: Für die erste Leseetappe wurde einem bis zum 19. Januar Zeit gegeben, für alle weiteren dann jeweils eine Woche. 

Was die Praktikabilität dieses Bibelleseplans "aus katholischer Sicht" indes etwas einschränkt, ist – wie ich weiter oben bereits in Form einer kleinen Asterix-Referenz angedeutet habe – der Umstand, dass da sieben Bücher des Alten Testaments fehlen. Natürlich könnte man die einfach hinten dranhängen, aber dann würde man ja doch wieder nicht innerhalb eines Jahres fertig. Daher habe ich am vorletzten Tag der ersten Leseetappe damit begonnen, den Bibelleseplan so zu überarbeiten, dass die Bücher Judit, Tobit, Jesus Sirach, Weisheit, 1. und 2. Makkabäer auch noch hineinpassen. Allerdings stellte ich dabei einigermaßen irritiert fest, dass in diesem Bibelleseplan noch weitere Bücher fehlen, nämlich das Buch Kohelet und die "großen Propheten" Jesaja, Jeremia und Ezechiel. Dafür wird man ja wohl keine konfessionellen Gründe geltend machen können; wurden diese Bücher einfach vergessen? – Kurz und gut, den Plan so umzuarbeiten, dass er wirklich das ganze Alte Testament innerhalb eines Jahres abdeckt, wird noch ein ganz schönes Stück Arbeit werden, aber ein Anfang ist schon mal gemacht: Kurz vor Ende der zweiten Etappe habe ich bei den Geschichtsbüchern einen Vorsprung von immerhin schon mal zwei Kapiteln und bei den Weisheitsbüchern – von denen ja, wenn man das Buch Hiob nicht dazu rechnet, im Bibelleseplan der The Rock-Gemeinde lediglich das Buch der Sprichwörter übriggeblieben ist – sogar schon einen Vorsprung von fünf Kapiteln herausgeholt. Wir werden sehen, wie sich das weiter entwickelt – ich halte euch auf dem Laufenden, Leser... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Mehr als alles hüte dein Herz; denn von ihm geht das Leben aus. Vermeide alle Falschheit des Mundes und Verkehrtheit der Lippen halt von dir fern! Deine Augen sollen geradeaus schauen und deine Blicke richte nach vorn! Ebne die Straße für deinen Fuß und alle deine Wege seien geordnet. Bieg nicht ab, weder rechts noch links, halt deinen Fuß vom Bösen zurück! 

(Sprichwörter 4,23-27. Eine Lesefrucht des oben angesprochenen Bibelleseplans.) 


Ohrwurm der Woche 

Steppenwolf: Magic Carpet Ride 


Als ich noch als DJ tätig war, kam es immer mal wieder vor, dass ich von Gästen gefragt wurde, was für Musik ich eigentlich "privat" am liebsten höre. Ich fand das gar nicht so leicht zu beantworten, aber schließlich legte ich mich auf die Antwort "Vietnamkriegs-Filmmusik" fest. Ich finde, man kann durchaus mit einigem Recht behaupten, das sei ein eigenes Genre, auch wenn es eine ganz beachtliche stilistische Bandbreite abdeckt, von Creedence Clearwater Revival über die Doors bis hin zu Motown-Soul. Umso auffälliger erscheint es mir, dass schon so lange kein Vertreter dieser Musikkategorie mehr in der Rubrik "Ohrwurm der Woche" vertreten war: Letztmals war das vor 11 Wochen der Fall, mit "Why Can't We Live Together" von Timmy Thomas. Noch sehr viel länger ist es her, dass an dieser Stelle mal ein richtiger Psychedelic-Rock-Kracher zu hören war: Jesus nachdem, wie eng oder weit man die Grenzen des Genres Psychedelic Rock definieren möchte, war das zuletzt im Creative Minority Report Nr. 46 (mit "Aire of Good Feeling" von The Quincy Conserve) oder gar Nr. 31 (mit Norman Greenbaums "Spirit in the Sky") der Fall. Viel zu lange her jedenfalls. Daher: Nehmt dies! – Übrigens hat die Gruppe Steppenwolf sich tatsächlich nach dem Kultbuch von Hermann Hesse benannt, und Sänger John Kay hieß gebürtig Joachim Krauledat und kam aus Tilsit in Ostpreußen, aber als er 14 war, emigrierte seine Mutter mit ihm nach Kanada. Bekannt ist die Gruppe wohl vor allem für die Biker-Hymne "Born to be Wild", aber ich war schon als DJ bekannt dafür, ein besonderes Faible für die zweitgrößten Hits der jeweiligen Interpreten zu haben. 


Vorschau/Ausblick 

Nachdem wir, wie schon erwähnt, heute wieder bei den KPE-Wölflingen und -Wichteln in Schöneberg waren, wird es auch im nächsten Wochenbriefing wieder "Neues von den Pfadfindern" geben, wenn auch vielleicht nicht im selben Umfang wie diesmal. Am morgigen 3. Sonntag im Jahreskreis steht dann, wie schon angekündigt, in St. Joseph Siemensstadt der erste Kinderwortgottesdienst des Jahres 2026 an. Wie gut fühle ich mich darauf vorbereitet? Ich bin geneigt zu sagen: eigentlich ganz gut. Besser als "sonst schon mal". Schau'n wir mal, wie's läuft. Und dann beginnt schon die letzte Schul- und Arbeitswoche vor den Winterferien. Diejenigen Leser, die seit zwei Wochen die Frage umtreibt "Will der Klein jetzt ernsthaft Religionspädagogik studieren und Gemeindereferent werden?", dürfen sich auf ein Update freuen, denn am Dienstag habe ich einen Termin für ein Infogespräch. Am Mittwoch ist wieder JAM, worüber ich diesmal aus Platzgründen gar nichts berichtet habe – das könnte man gegebenenfalls beim nächsten Mal nachtragen. Am Donnerstag beginnt in Stuttgart die abschließende Synodalversammlung des Synodalen Wegs – was zwar nicht bedeutet, dass wir das leidige Thema danach hinter uns haben, schließlich soll im weiteren Verlauf des Jahres eine Synodalkonferenz installiert werden, sofern der Papst es nicht verhindert; aber eine Zäsur ist es doch, und deshalb wird, auch schon im Vorfeld, allüberall fleißig Bilanz gezogen. Das könnte also durchaus auch ein Thema für das nächste Wochenbriefing werden. Und ansonsten lassen wir uns mal überraschen! 


Samstag, 17. Januar 2026

Utopie und Alltag 8: Wir sehen Sterne

Willkommen in der Zeit im Jahreskreis, Leser! In dieses Wochenbriefing ragt die letzte Phase der liturgischen Weihnachtszeit noch ein wenig hinein, vor allem in Gestalt der Sternsingeraktion, aber auch in Form des Neujahrsempfangs der Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland. Aber auch sonst gibt's allerlei Neues aus der Nähe und aus der Ferne – überzeugt euch selbst! 

Bei der Auswahl des Vorschaubildes habe ich mich diesmal von meiner Tochter beraten lassen. 

Komm, wir singen Sternsinger-Songs 

Wer meinen Blog schon länger verfolgt, wird vielleicht wissen, dass die Frage, ob meine Kinder – oder zumindest die Große – mal bei der Sternsinger-Aktion mitmachen, schon seit ein paar Jahren in der Diskussion gewesen ist, und das unabhängig von meinen wohl sattsam bekannten grundsätzlichen Vorbehalten gegen die ungeistliche, NGO-mäßige Ausrichtung des Kindermissionswerks Die Sternsinger und gegen die Bestrebungen dieses Hilfswerks, den alten Brauch des Dreikönigssingens zu monopolisieren. Okay, sagen wir: weitgehend unabhängig davon. So meinungsstark ich gern auftrete, bin ich in der Praxis doch zu einem erheblichen Maß an pragmatischer Inkonsequenz fähig – und finde das auch gut so: Ohne diese Fähigkeit würde ich z.B. auch keine Kinderwortgottesdienste machen, und das wäre doch schade drum. Und dasselbe gilt, wie ich heuer habe feststellen dürfen, für die Sternsingerei auch

Zunächst aber mal ein Rückblick: Nachdem ich selbst Mitte der 80er Jahre einmalig als Sternsinger unterwegs war – in full blackface übrigens; wenn also jemand Interesse daran hat, kompromittierende Fotos von mir auszugraben: viel Glück, irgendwo könnte es noch welche geben, allerdings nur analog –, wurde erstmals wieder im Dezember 2023 die Idee an mich herangetragen, an einer Sternsingeraktion mitzuwirken. Nun natürlich als erwachsene Begleitperson, und ich wäre dem auch nicht unbedingt abgeneigt gewesen, wenn meine damals sechsjährige Tochter Lust gehabt hätte, mitzumachen. Ich war auch mit ihr beim Vorbereitungstreffen, aber nachdem sie schon vorher eine eher zurückhaltende bis skeptische Haltung zu diesem Thema an den Tag gelegt hatte, hatte sie nach diesem Treffen erst recht keine Lust mehr. Zum Teil lag es vielleicht daran, dass sie an dem Tag einfach müde und schlecht drauf war, aber ich glaube, sie fühlte sich auch überfordert und überrumpelt davon, dass bei dem Treffen mehr oder weniger stillschweigend vorausgesetzt wurde, dass sie sich bereits zum Mitmachen entschieden hätte. Ein Jahr später wäre ich im Prinzip bereit gewesen, einen erneuten Anlauf zu wagen, aber da verpeilten wir schlichtweg den Termin fürs Vorbereitungstreffen. Dafür teilte mir meine Tochter aber, als sie in der Messe zum Dreikönigstag die Sternsingerkinder in ihren Kostümen in die Kirche einziehen sah, unaufgefordert mit, beim nächsten Mal wolle sie da aber mitmachen. 

Zum Vorbereitungstreffen schafften wir es allerdings wieder nicht, diesmal nicht aus Schussligkeit, sondern infolge einer echten Terminkollision. Allzu sehr forcieren wollte ich das Thema auch nicht, zumal ja erst mal noch das Krippenspiel auf dem Programm stand; zwischen Weihnachten und Neujahr bekräftigte unsere Große aber, sie wolle beim Sternsingen mitmachen, also fragte ich den Gemeindereferenten, ob wir denn noch einsteigen könnten. Er erklärte dataufhin, das sei kein Problem, beim Vorbereitungstreffen seien ohnehin nur zwei Kinder gewesen, alle übrigen müssten ihre Sprechtexte dann eben auf dem Weg lernen und die Lieder seien sowieso bekannt. Er regte außerdem an, unser Jüngster könne auch mitmachen, gegebenenfalls in einer stummen Rolle; darauf angesprochen, hatte der Knabe allerdings erst mal keine Lust. Dann erfuhr ich jedoch, dass zwei Mädchen, die wir vom JAM kennen – das schon mehrfach erwähnte Mädchen, das im aktuellen Erstkommunionkurs ist, und dessen kleine Schwester, die ungefähr im Alter unseres Jüngsten ist – auch beim Sternsingen mitmachten, und als ich diese Information mal beiläufig im Beisein unserer Kinder fallen ließ, verkündete der Kleene: "Ich will auch!" Damit war das also geklärt. 

Indes verlangte unsere Teilnahme uns ab, am vergangenen Samstag die Kinder genauso früh zu wecken wie an einem normalen Schul- und KiTa-Tag; besondere Komplikationen ahnte ich voraus, weil ausgerechnet an diesem Wochenende eine Schulfreundin unserer Tochter bei uns übernachten wollte, aber Nein sagen mochte ich zu diesem Ansinnen auch nicht, und tatsächlich klappte alles besser, als ich erwartet hätte. Im Bus trafen wir übrigens den Pfarrer von St. Klara Reinickendorf-Süd, der offenbar gerade auf dem Weg nach St. Bernhard war; und da ich während der Fahrt mit meiner Tochter das Lied "Stern über Betlehem" übte, bekam er mit, dass wir zum Sternsingen unterwegs waren, und wünschte uns "viel Freude". 


Im Pfarrsaal von St. Joseph Siemensstadt, wo die Kostüme verteilt und die Gruppen eingeteilt werden sollten, wurden wir mit der Mitteilung empfangen, dass zwei Familien, deren Kinder eigentlich fest eingeplant gewesen waren, kurzfristig abgesagt hatten; die Folge war, dass nicht wie geplant drei, sondern nur zwei Gruppen gebildet werden konnten. Nun, jedenfalls bildeten wir eine Gruppe mit den beiden Mädchen, die wir vom JAM kennen, und bekamen die Tour durch Haselhorst zugeteilt – zuzüglich dreier Adressen in Siemensstadt, die eigentlich die nicht zustande gekommene dritte Gruppe hätte übernehmen sollen. Kurz bevor es losgehen sollte, stieß noch ein weiteres Mädchen aus dem Erstkommunionkurs zu uns, sodass wir zusätzlich zu den Heiligen Drei Königen zwei Sternträgerinnen hatten. Begleitet wurde unsere Gruppe vom Gemeindereferenten und von Padre Ricardo aus Mexiko, und ein Weihrauchfass hatten wir auch dabei – kompetent gehandhabt von meiner Liebsten, einer ehemaligen Domministrantin. Zu den Adressen in Haselhorst, die wir ansteuerten, gehörte das Seniorenheim direkt neben der St.-Stephanus-Kirche, und auch sonst waren es überwiegend Senioren, die einen Besuch der Sternsinger bestellt hatten. Eine Dame, die in einem zwölfstöckigen Wohnblock wohnte, meinte, ihre Nachbarin, die bettlägerig sei, würde sich sicherlich auch über den Besuch der Sternsinger freuen, und rief kurzerhand in der Nachbarwohnung an, um das abzuklären; so kamen wir zu einem außerplanmäßigen Auftritt. Überall wurden wir herzlich empfangen, die Kinder erhielten viel Lob für ihre Darbietung – und bergeweise Süßigkeiten. Spenden für das Kindermissionswerk kamen ebenfalls in beachtlichem Umfang zusammen; wozu ich anmerken möchte, dass der Spendenzweck gar nicht groß thematisiert wurde: Auf der Basis dessen, was ich vom letztmaligen Besuch der Tegeler Sternsinger bei uns zu Hause  – vor Corona – in Erinnerung behalten habe, gibt es durchaus Sternsingergruppen, die es als wesentlichen Bestandteil ihrer Auftritte betrachten, über das jeweilige Jahresmotto und die vom Kindermissionswerk geförderten Hilfsprojekte zu informieren; dagegen stand "bei uns" die Haus- bzw. Wohnungssegnung eindeutig im Vordergrund, und der Umstand, dass dabei zugleich Spenden für einen nicht näher benannten "guten Zweck" gesammelt wurden, war lediglich in Gestalt des Verspaars

"Wir danken euch für eure Gaben, / Für die bestimmt, die wenig haben"

präsent. Ich fand das gut, und dem Kindermissionswerk hat's offenbar nicht geschadet. – Insgesamt waren wir rund fünf Stunden unterwegs, unser Jüngster schlief auf dem Weg zu den letzten beiden Stationen im Auto ein; da traf es sich günstig, dass wir eine zweite Sternträgerin im Team hatten, die in seiner Rolle als Kaspar einspringen konnte. Nachdem wir die Adressenliste abgearbeitet hatten, ging's zurück nach St. Joseph, wo es zur Belohnung Pizza auf Kosten des Kirchensteuerzahlers gab. – 

Das war aber noch nicht alles, denn auch die Messe am folgenden Tag – dem Fest Taufe des Herrn – stand deutlich im Zeichen der Sternsingeraktion: Die Sternsingerkinder zogen in ihren Kostümen in die Kirche ein, trugen Kyrie-Rufe und Fürbitten vor und wurden zu ihren Erlebnissen und Eindrücken vom Vortag "interviewt". Das alles kann man auch bei YouTube bewundern. Hervorheben möchte ich nicht zuletzt, dass die ältere der beiden Schwestern, die wir vom JAM kennen, in der Messe spontan für den Ministrantendienst "angelernt" wurde, nachdem sie am Samstag Interesse daran bekundet hatte. 

Insgesamt darf man wohl sagen, dass die diesjährige Sternsingeraktion eine durchweg positive Erfahrung war, und daher gehe ich mal davon aus, dass wir auch nächstes Jahr wieder dabei sein werden. Dann aber vielleicht bei den Pfadfindern – denn wie ich gehört habe, veranstaltet der Berliner KPE-Stamm auch eine Art Dreikönigssingen, bei dem es allerdings eher darum geht, "als Straßensänger die Botschaft Jesu" in die Öffentlichkeit zu tragen. Es bleibt spannend! 


Ansichten eines Neujahrsempfangs 

Nachdem wir von der Sternsingeraktion am Samstag erst gegen 17 Uhr nach Hause gekommen waren, konnte ich es Frau und Kindern nicht gerade verübeln, dass sie nicht sonderlich motiviert waren, am Abend noch zum Neujahrsempfang der Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland mitzukommen. Ich selbst war eigentlich auch ziemlich geschafft, wollte mir diese Veranstaltung aber dennoch nicht entgehen lassen, und meine Große zeigte zunächst durchaus Interesse, mitzukommen – aber als wir dann erst mal zu Hause waren, hatte sie doch nicht recht Lust, nochmal loszugehen. Also fuhr ich allein hin. Und zwar direkt zum Empfang im Gemeindesaal von Maria, Hilfe der Christen; zur Messe, die in diesem Jahr in St. Marien am Behnitz stattfand, da die Pfarrkirche nach dem Schwelbrand im August noch immer nicht wieder geöffnet ist, hätte ich es nicht rechtzeitig geschafft. 

Wer meine Berichte über die Neujahrsempfänge der Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland in den beiden Vorjahren gelesen hat, wird sich darüber im Klaren sein, dass meine Erwartungen in Hinblick auf diese Veranstaltung nicht durchweg positiv waren; und tatsächlich könnte ich vieles von dem, was ich zu den letzten beiden Neujahrsempfängen geschrieben habe, hier und jetzt sinngemäß wiederholen. Das fing an mit der Ansprache des Pfarreiratsvorsitzenden. Dass er kein guter Redner ist, ja dass es ihm sichtlich Unbehagen bereitet, vor Publikum zu sprechen  sollte man ihm tunlichst nicht zum Vorwurf machen; zugute halten muss man es ihm indes auch nicht unbedingt: Tatsächlich bin ich mir gar nicht so sicher, ob seine Ansprachen, wenn er das, was er sagen will, besser ausdrücken könnte, dadurch besser oder eher schlimmer werden würden. Im direkten Vergleich zu den Vorjahren schien mir zwar, dass er diesmal tendenziell häufiger von "Jesus und Seiner Botschaft" sprach, die in die Öffentlichkeit zu tragen Aufgabe der Pfarrei sei; aber worin diese Botschaft konkret bestehen sollte, blieb unscharf; deutlich vorherrschend war jedenfalls auch diesmal wieder ein stark "institutionsfixierter" Blick "auf Kirche", was indes zu einem gewissen Grad wohl in der Natur der Veranstaltung lag. – Im Vergleich zur weitschweifigen Ansprache des Pfarreiratsvorsitzenden (die zudem immer wieder von Musiknummern unterbrochen wurde, sodass man dachte, er wäre fertig, aber dann redete er doch weiter) fasste der leitende Pfarrer sich in seinem Grußwort eher kurz, setzte aber dennoch einige bemerkenswerte Akzente, indem er den Jahresrückblick der Pfarrei in den großen weltkirchlichen Kontext einordnete – das Heilige Jahr unter dem Leitwort "Pilger der Hoffnung", das 1.700-jährige Jubiläum des 1. Konzils von Nizäa, den Tod von Papst Franziskus, den Beginn des Pontifikats Leos XIV. –, aber auch, indem er betonte: "Das Eigentliche, was hier geschieht, ist Seelsorge – in den Gruppen, in den Gemeinschaften, aber auch in persönlicher Begegnung." 

Gleichwohl gilt es zu unterstreichen, was ich weiter oben bereits angedeutet habe: Was ich anlässlich der Neujahrsempfänge der beiden Vorjahre zum in meinen Augen fehlgeleiteten Buhlen der institutionellen Kirche um gesellschaftliche Anerkennung und zum mindestens ebenso problematischen "quasi-betriebswirtschaftlichen Effizienz- und Funktionalitätsdenken" geschrieben habe, das sich in der fortschreitenden Verwaltungszentralisation in der Kirche ausdrückt, könnte ich hier im Wesentlichen wiederholen, aber muss ja nicht sein, der geneigte Leser kann es ja auch an Ort und Stelle nachlesen. Zum letztgenannten Punkt habe ich mich zudem auch in meiner aktuellen "Klein.Kram"-Kolumne geäußert. 

Gelohnt hat sich der Besuch beim Neujahrsempfang indes schon allein deshalb, weil ich dort mit einigen Leuten aus der Gemeinde ins Gespräch kam, und nicht nur mit solchen, mit denen ich sowieso regelmäßig in Kontakt stehe. Ich wurde sogar von Personen angesprochen, die ich bisher nicht persönlich kannte, die mich aber als den Autor der Tagespost-Kolumne "Klein.Kram" erkannten. Und das Büffet war auch lecker. 


Kindermund der Woche und Neues vom Schulkind

"Auch aus einem Katastrophentag kann noch ein guter Tag werden."

Das sagte mein noch nicht fünfjähriger Sohn am Montag mehrmals zu mir, als Ermutigung, und wie sich zeigte, hatte er damit recht. Aber um das zu erklären, muss ich ein bisschen weiter ausholen.

Also: Nachdem die Sternsingeraktion am Samstag zwar ausgesprochen beglückend, aber doch auch anstrengend gewesen war und ich auch am Sonntag nicht so recht Gelegenheit gehabt hatte, mich zu erholen – zum einen, weil die Kinder recht aufgekratzt und laut waren, zum anderen aber auch, weil mir die Deadline für meine "Klein.Kram"-Kolumne im Nacken saß –, sah ich einem recht holprigen Start in die neue Schul- und Arbeitswoche entgegen. Ich sah auf mich zukommen, dass ich am Montagvormittag drei verschiedene Dinge innerhalb eines Zeitfensters würde erledigen müssen, das eigentlich nur für eins davon ausreichte: Ich musste die besagte Kolumne fertig schreiben; ich wollte mit dem Priester aus Nigeria, der in dieser Woche trotz bereits erfolgter Verabschiedung noch in der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd "im Dienst" war, darauf ansprechen, wie ich ihn erreichen könnte, wenn er wieder in Nigeria wäre; und außerdem hatte ich lose mit einer Foodsaverin aus Haselhorst vereinbart, eine Tüte voll Brot und Kuchen bei ihr abzuholen. Erschwerend kam hinzu, dass es noch unklar war, ob wir am Nachmittag zum "Omatag" bei meinen Schwiegermüttern fahren würden – zumal eine Warnung vor extremem Glatteis in der Luft lag.

Was den mittleren der drei Punkte meiner To-Do-Liste anging, hatte der besagte Priester am Montag um 9 Uhr die Messe in Herz Jesu Tegel, und danach, so war angekündigt, wollte er mit einem "kleinen Frühstück" im Pfarrsaal seinen 70. Geburtstag nachfeiern und dabei Fotos von den Bauarbeiten an einer Schule in seiner Heimatdiözese zeigen, für die er während seiner Tätigkeit in Deutschland Spenden gesammelt hatte. Ich sagte mir, wenn ich zur Messe ginge, hätte ich vielleicht eine Chance, ihn zwischen dieser und dem Geburtstagsfrühstück abzupassen und ein paar Sätze mit ihm reden; dann könnte ich nach Hause gehen, die Kolumne fertig schreiben und mich danach um die Essensabholung kümmern – und dann tatsächlich pünktlich mit allem fertig sein, um den Jüngsten von der KiTa abzuholen, unabhängig davon, ob "Omatag" war oder nicht. Als ich am Montag dann rund eine Dreiviertelstunde früher aufwachte, als ich mir den Wecker gestellt hatte, und mich überraschend gut ausgeruht fühlte, setzte ich mich direkt an meine Kolumne und bekam sie schon größtenteils fertig, bevor ich die Kinder wecken musste. Daraufhin war ich optimistisch, alles Weitere auch noch gut hinzukriegen. Aber dann ging erst mal alles schief.

Es begann damit, dass das Tochterkind einen "bad hair day" hatte und sehr ausgiebig gekämmt werden musste – wodurch wir die S-Bahn verpassten, die wir hätten kriegen müssen, um pünktlich zum Morgenkreis in der KiTa zu sein. Damit nicht genug, hatte die nächste S-Bahn rund eine Viertelstunde Verspätung und musste dann nochmals rund fünf Minuten auf dem Bahnsteig warten, um den Gegenzug vorbeizulassen. Im Ergebnis waren wir also extrem zu spät, womit schon mal klar war, dass ich mir die 9-Uhr-Messe in Herz Jesu Tegel abschminken konnte. Und als wir dann endlich – gerade noch rechtzeitig zum Frühstück – in der KiTa ankamen, wollte der Jüngste sich plötzlich nicht von mir trennen. Auch die Erzieherinnen vermochten da nichts auszurichten. Ausgerechnet an diesem Tag passte mir das ja nun gar nicht, aber ich ergab mich in mein Schicksal – und erstaunlicherweise wurde daraufhin tatsächlich alles gut. Wir gingen in den Pfarrsaal zum Geburtstagsfrühstück mit Dia-Show, und der Priester war ausgesprochen erfreut, sein Taufkind wiederzusehen; dann gingen wir nach Hause, wo der Kleene friedlich im Kinderzimmer spielte, während ich meine Kolumne fertig schrieb; die Essensabholung sagte ich ab, und den Omatag sagten wir wegen der Glatteiswarnung ebenfalls ab. Am frühen Nachmittag kam meine Liebste von der Arbeit, etwas später holte ich die Große von der Schule ab, und wir machten uns einen gemütlichen Abend zu Hause. Unterm Strich war ich somit eigentlich doch ganz zufrieden damit, dass mein lieber Sohn sich mit seinem Wunsch durchgesetzt hatte, den Tag mit mir zu verbringen statt in der KiTa.

Am Dienstag dann war an der Schule des Tochterkindes eine Art Projekttag. Das gibt es an dieser Schule öfter: Da fallen die "normalen" Lernangebote aus, stattdessen können die Schüler eigene Veranstaltungsangebote machen, es gibt Diskussionen zu schulrelevanten Themen und auch Mitarbeiter bieten Veranstaltungen zu Themen an, die ihnen persönlich am Herzen liegen. Als ich meine Tochter am Nachmittag von der Schule abholte, erzählte sie mir – ganz nebenbei, als sei das gar nichts Besonderes –, sie sei enttäuscht gewesen, dass wegen des Projekttags auch die Toberaum-Disco ausfiel, und deshalb habe sie spontan (und mit ein bisschen technischem Support von ein paar älteren Mitschülerinnen) selbst eine Disco im Toberaum veranstaltet. Ich muss sagen, als jemand, der ungefähr fünf Jahre lang in mehreren Berliner Bars als DJ gearbeitet hat, bin ich ganz schön stolz auf meine Tochter...


Ohne Krawatte beim Papst – oder: Warum ich mich nicht gern "konservativ" nenne, Folge 903

Tagespost-Chefredakteurin Franziska Harter, der u.a. als YouCat-Initiator sowie als Mitherausgeber sowohl des "Mission Manifest" als auch der "Urworte des Evangeliums" bekannte Publizist Bernhard Meuser sowie der Theologe Martin Brüske, ebenfalls Mitherausgeber der "Urworte des Evangeliums", waren unlängst in Rom und wurden überraschend zu einer Privataudienz bei Papst Leo XIV. geladen. "Überraschend" nicht zuletzt für sie selbst: Sie waren mit einer Pilgergruppe von 100 Personen in der Ewigen Stadt, u.a. mit der Absicht, dem Papst ein aus Briefen deutscher Katholiken zusammengestelltes 20seitiges Dokument zu übergeben, das die Besorgnis vieler Gläubiger über den Kurs der Kirche in Deutschland unter den Vorzeichen des Synodalen Weges ausdrücken sollte. Zu diesem Zweck hatten sich Mitglieder dieser Pilgergruppe um Plätze in der "prima fila" – der ersten Reihe der Audienzhalle – bei der Generalaudienz beworben und diese auch erhalten, aber zusätzlich und unerwartet wurden die drei genannten Personen eben auch noch für etwa 20 Minuten privat vom Heiligen Vater empfangen, den sie als freundlich, offen, aufmerksam und interessiert erlebten. Ein paar Fotos von der Audienz wurden auf der Facebook-Seite der Tagespost veröffentlicht – und lösten eine Fülle von Kommentaren mit einer, sagen wir mal, eigentümlichen Schwerpunktsetzung aus: Die Herren Meuser und Brüske seien für eine Papstaudienz ungehörig gekleidet. "[S]chauen Sie sich doch diese Menschen mal an, wie sie sich dem Papst vorstellen!", konnte man da lesen. – "Geht zum Heiligen Vater und hat keine Krawatte an? Sind die Photos KI, Satire oder schlechtes Benehmen? Hätte ich bei diesem Medium nicht erwartet. Bin geschockt und peinlich berührt. Zum [F]remdschämen!" – "Hierzulande weiß man nicht mehr, was stilvolles Auftreten ist. Auch das Äußere gehört dazu! [...] Hocken vor dem Papst als wären sie beim Stammtisch. Dadurch entwertet man sich und sein gerechtfertigtes Anliegen selbst." – Was ist mit diesen Leuten los? Vielleicht haben wir es hier nur mit einem etwas allzu wörtlichen Verständnis von Matthäus 22,12 ("Freund, wie bist du hier ohne Hochzeitsgewand hereingekommen?") zu tun, aber ich muss sagen, mir erscheint die Vorstellung, ohne Schlips sei ein Mann bestenfalls halb angezogen, auf tragikomische Weise antiquiert. Ich kann mir auch beim schlimmsten Willen nicht vorstellen, dass der Heilige Vater an der Kleidung seiner Audienzgäste Anstoß genommen hätte. – 

Dass es den Urhebern der zitierten Wortmeldungen indes nicht nur um Stilkritik in Sachen Herrenkonfektion ging, gab ein Kommentar zu erkennen, in dem es hieß "Die Tagespost und der Neue Anfang scheinen nicht nur inhaltlich sondern auch optisch falsch abgebogen zu sein." Worin dieses inhaltliche falsche Abbiegen bestehen könnte, wird anhand eines anderen Kommentars deutlicher: "Die Tagespost geht eher Richtung charismatisch, evangelikal, nicht (mehr) Richtung Tradition. Der Dame fehlt die Mantilla nicht ohne Grund." – Ich sag mal: Das sind vielleicht nicht ganz dieselben Leute, die es ungehörig finden wenn Frauen Hosen tragen, aber ich spüre da prinzipiell ähnliche Vibes. Davon abgesehen muss ich sagen, mich amüsiert der Gedanke, ob die Leute, die die Tagespost als "rechtskatholisch" einordnen, wohl ahnen, dass es auch Leute gibt, denen diese Zeitung nicht konservativ genug ist. 

Nicht verschweigen möchte ich eine Assoziation , die mir unvermittelt durch den Kopf schoss, während ich schon an diesem Abschnitt arbeitete: Wolodymyr Selenskyj im Oval Office. Da wurde ja, wie ich mich zu erinnern glaube, spekuliert, sein informelles Outfit sei als Statement gemeint gewesen – es habe signalisieren sollen, er komme quasi direkt von der Front und die Lage sei zu ernst, um in Gala-Garderobe zu schlüpfen. In diesem Sinne könnte man vielleicht sagen, auch die Delegation der Tagespost und der Initiative Neuer Anfang sei "direkt von der Front" zur Papstaudienz gekommen – nämlich von der Front des Schmutzigen Schismas... 


Der Weg des Kriegers 

Während der Weihnachtsferien habe ich den Entschluss gefasst, ich müsse mal wieder mehr Bücher lesen, also so richtig auf Papier; und nachdem ich den Anfang mit dem schmalen Prolog-Band der "Jesus von Nazareth"-Trilogie von Papst Benedikt XVI. gemacht habe, habe ich mir als nächstes das Buch vorgeknöpft, das ich im letzten Herbst zum Abschluss des Eltern-Glaubenskurses in der Gemeinde auf dem Weg geschenkt bekommen habe: "Empower – Mit Glaube und Leichtigkeit durch das Abenteuer Erziehung" von Tobias Teichen, Pastor der ICF München. Ein interessantes Buch, von dem ich mir gut vorstellen kann, hier noch öfter darauf zu sprechen zu kommen; vorerst möchte ich hier aber nur eine Passage wiedergeben, an der ich hängen geblieben bin, weil sie so perfekt auf die Situation meiner Familie passt. Da geht es um den Rat, Geschwister "nicht aneinander [zu] messen und bemüht 'gleich' [zu] erziehen, sondern genau hin[zu]schauen, was jedes einzelne für die Entwicklung seiner Talente und Vorlieben braucht" – "[a]uch wenn das manchmal unbequem ist": 

"[E]s erfordert halt mehr Aufwand, ein Kind zum Judo und eins zu den Pfadfindern, statt beide zum gleichen Ziel zu kutschieren." 

Wozu allerdings gesagt werden muss, dass unser Jüngster nicht zum Judo geht, sondern zu einer speziell auf Kinder unter 6 Jahren zugeschnittenen Vorstufe von Jiu-Jitsu. Seit seinem ersten Probetraining Anfang Dezember hat er dort bislang zehn Trainingseinheiten absolviert und ist mit wachsender Begeisterung dabei. Soweit ich es bisher beobachtet habe, besteht das Training zu einem nicht ganz geringen Teil aus einfachen Lauf- und Fang-Spielen, wie es sie so ähnlich auch beim KiTa-Sport gibt; es werden aber durchaus auch schon Schläge und Tritte trainiert, und was ich besonders interessant finde: Auch an die rituellen Elemente der fernöstlichen Kampfkunst werden schon die Kleinsten von Anfang an herangeführt, angefangen davon, dass Ihnen beigebracht wird, sich vor dem Betreten des Dōjō zu verneigen, bis hin zu der Sitzhaltung, die sie einnehmen, wenn sie dem Trainer zuhören. 

Dass unser Jüngster bei diesem Trainingsprogramm, dem bisherigen Anschein nach, offenbar genau richtig aufgehoben ist, wird noch stärker akzentuiert dadurch, dass dies offenkundig nicht für alle Kinder gilt. Ich habe es bis jetzt fast jede Woche erlebt, dass ein paar Kinder im Alter meines Sohnes (oder etwas jünger) zum Probetraining antreten, und da kommt es immer wieder vor, dass Kinder von vornherein nicht mitmachen wollen, weinen, weil sie sich nicht die Socken ausziehen wollen, oder mittendrin rausrennen. Okay, wie man so hört, geht es so ähnlich oft auch bei KiTa-Eingewöhnungen zu. Auch bei Kindern, die nicht zum ersten Mal dabei sind, kommt es gelegentlich vor, dass sie maulig oder bockig sind oder sich nicht von ihren Eltern lösen mögen. Dass demgegenüber unser Jüngster schon nach dem Probetraining vom Trainer ausdrücklich dafür gelobt wurde, wie diszipliniert und konzentriert er bei der Sache gewesen sei, hätte ich im Vorfeld nicht unbedingt erwartet – ich sag mal: Ich kenn' den Knaben auch anders

Einen neuen Freund – oder jedenfalls einen bevorzugten Trainingspartner – hat er in seiner Gruppe auch schon gefunden, und ich denke mir, über kurz oder lang ergeben sich da vielleicht auch mal Kontakte zu den Eltern. Was ich nicht zuletzt deshalb interessant fände, weil ich schätze, das würde der Eltern-"Bubble", in der wir uns bewegen, eine ganz neue Facette jenseits von #kindergartenfrei- und Freilerner-Szene, freier Alternativschule und evangelischer KiTa hinzufügen. Schon jetzt haben manche Beobachtungen aus dem Foyer der Kampfsportschule mir den Eindruck vermittelt, dass einige Eltern, die da mit ihren Kindern hingehen, einen erheblich anderen Erziehungsstil haben als wir – aber dazu vielleicht ein andermal mehr. 

Während übrigens die Kleinsten in einem abgetrennten Raum trainieren – allerdings mit einer Glastür, sodass Eltern oder sonstige Begleitpersonen von außen zuschauen können –, findet gleichzeitig in einem offenen Bereich der Kampfsportschule das Jiu-Jitsu-Training für die nächsthöheren Altersstufen (6-8 Jahre oder 9-11 Jahre, je nach Wochentag) statt, und was ich davon bisher so mitbekommen habe, finde ich ausgesprochen faszinierend. Der Trainer – ein noch ziemlich junger Mann, wahrscheinlich nicht viel älter als 30 – kommt zwar locker rüber und macht gern Späße, strahlt aber zugleich eine enorme Autorität aus; und im Rahmen des Trainings hält er den Kindern durchaus auch mal philosophische Impulsvorträge über den Wert von Selbstdisziplin, Fokus und innerer Ruhe. Neulich erzählte er seinen Schülern mal, es gebe Studien, denen zufolge Mönche die glücklichsten Menschen seien. Kurz und gut, mich amüsiert die Vorstellung, diesen Kampfsporttrainer mal auf der Bühne der MEHR oder in einer Podiumsdiskussion mit Johannes Hartl zu sehen. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Das eigentlich Neue ist, dass er – Jesus – sich taufen lassen will, dass er in die graue Menge der Sünder eintritt, die da an den Ufern des Jordan warten. Zur Taufe gehörte ein Sündenbekenntnis. Sie war selbst ein Sündenbekenntnis und der Versuch, ein altes, missratenes Leben abzulegen und ein neues zu empfangen. Konnte Jesus das? Wie konnte er Sünden bekennen? Wie sich vom bisherigen Leben trennen auf ein neues hin? Diese Frage mussten sich die Christen stellen. Erst von Kreuz und Auferstehung her ist die ganze Bedeutung dieses Vorgangs erkennbar geworden: Jesus hatte die Last der Schuld der ganzen Menschheit auf seine Schultern geladen; er trug sie den Jordan hinunter. Er eröffnet sein Wirken damit, dass er an den Platz des Sünders tritt. Er eröffnet es mit der Antizipation des Kreuzes.

(Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Bd. I) 


Ohrwurm der Woche 

Eighth Wonder: I'm Not Scared 

Keine Ahnung, warum ich gestern mit diesem Ohrwurm aufgewacht bin. Ich muss den Song wohl kürzlich irgendwo gehört haben, im Einkaufsradio vielleicht oder in der Kampfsportschule. Immerhin, popmusikhistorisch ist das Stück interessant, als ein geradezu idealtypisches Beispiel für 80er-Jahre-Synthi-Pop; was übrigens Anlass zu Reflexionen darüber geben mag, wie es eigentlich kommt, dass gerade die idealtypischen Vertreter eines Genres so häufig "One-Hit-Wonders" sind. Wer sich beim Anhören von "I'm Not Scared" fragt, woher ihm diese Beats und Sounds eigentlich so bekannt vorkommen, der wird sich wahrscheinlich mit der flachen Hand vor die Stirn schlagen, wenn er erfährt, dass der Song von den Pet Shop Boys geschrieben und produziert wurde. Sängerin Patsy Kensit, die im Video das Schönheitsideal der 80er-Jahre-Popwelt in einer solchen Perfektion verkörpert, dass es fast schon langweilig wirkt, war auch als Schauspielerin und Model erfolgreich und viermal verheiratet, u.a. mit Jim Kerr von den Simple Minds und Liam Gallagher von Oasis


Vorschau/Ausblick 

Heute Vormittag war ich mit dem Tochterkind zum ersten Mal in diesem Jahr beim Meutentreffen der KPE-Wölflinge in Schöneberg, und eine Schulfreundin kam dorthin mit. Am morgigen Sonntag haben wir vor, mal wieder in St. Afra im Stadtteil Gesundbrunnen in die Messe in der außerordentlichen Form des Römischen Ritus zu gehen – und anschließend zum ersten Stammestreffen eines in Gründung befindlichen neuen KPE-Stammes. Es steht also zu erwarten, dass das Thema Pfadfinder im nächsten Wochenbriefing wieder prominent vertreten sein wird. 

Dann steht eine aller Voraussicht nach verhältnismäßig "normale" Schul- und Arbeitswoche an, wenn auch nicht ganz ohne besondere Vorkommnisse: Am Dienstagabend steht ein Treffen des KiWoGo-Arbeitskreises an, da der erste Kinderwortgottesdienst des neuen Kalenderjahres schon wieder recht nahe gerückt ist; am Mittwoch ist zum ersten Mal in diesem Jahr JAM; und am Freitag werde ich mir etwas einfallen lassen müssen, um die Kinder im Zeitraum zwischen KiTa- bzw. Schulschluss und Schlafengehen bei Laune zu halten, denn meine Liebste muss da zu einer Art Teambuilding-Maßnahme mit ihrem Kollegium. Bowling oder sowas in der Art, glaube ich. Und dann ist die Woche auch schon wieder rum... 


Samstag, 10. Januar 2026

Utopie und Alltag 7: Im Epizentrum des Winters

Grüße aus dem tief verschneiten Berlin, Freunde! Ich glaube, meine Kinder haben in ihrem bisherigen Leben noch keinen so schneereichen Winter erlebt wie diesen, und anders als aus der Sicht vieler Erwachsener ist es für sie in erster Linie ein großer Spaß und ein Abenteuer. Von Donnerstag auf Freitag hatten wir Unwetterwarnung, aber die Katastrophe ist dann doch, wie zumeist, ausgeblieben. Andernorts war es dem Vernehmen nach dramatischer: In der Pfarrei St. Willehad in meinem Heimatstädtchen Nordenham wurden sowohl der Neujahrsempfang als auch die Sternsingeraktion wegen der Wetterlage abgesagtIch hatte schon die Befürchtung, in Spandau würde dasselbe passieren; das war nicht der Fall, aber darum geht's im aktuellen Wochenbriefing noch nicht – da sind erst mal andere Themen dran...

Am Donnerstag auf dem Weg zur Schule...

...und zum Kampfsporttraining 

Die MEHR 2026, aus der Ferne betrachtet 

Mindestens zwischen den Zeilen dürfte wohl schon in meinem vorigen Wochenbriefing deutlich geworden sein, dass ich es dieses Jahr besonders schade gefunden habe, nicht bei der MEHR in Augsburg sein zu können; und ich schätze, daran hatte nicht zuletzt die ARD-Reportage "Die hippen Missionare" einen gewissen Anteil. Isn't it ironic. Jedenfalls habe ich das zum Anlass genommen, mal nachzurechnen, wie lange es jetzt eigentlich her ist, dass ich zuletzt live bei der MEHR war, und siehe da, das war 2020, "vor Corona". Da war unser Jüngster noch nicht auf der Welt, unsere Große war gerade mal zwei Jahre alt, wir waren noch in der Tegeler Pfarrei aktiv – kurz, es war ein anderes Zeitalter. Dann kam, wie gesagt, Corona; wie ich seither vergessen hatte, aber aus aktuellem Anlass wieder nachgelesen habe, hatte ich für die WENIGER-Konferenz, die Anfang 2022 anstelle der MEHR stattfand, sogar schon ein Ticket, konnte dann aber "aus pandemischen Gründen", wie ich es seinerzeit formulierte, doch nicht teilnehmen. Und was hatte ich 2024 für eine Ausrede? Im Wochenbriefing vom 30.12.2023 ("Creative Minority Report" Nr. 10) ist lediglich von "verschiedenen Gründen" die Rede. 

Jedenfalls: Als am vorigen Samstagabend mein Wochenbriefing ("Utopie und Alltag 6") online ging, war bei der MEHR gerade Einlass, eineinhalb Stunden später war der offizielle Programmbeginn, nochmals eine Dreiviertelstunde später schaltete sich Bibel TV live zu, da schaute ich rein. Auf der Hauptbühne lief Lobpreis mit Michael Beering & Band; fand ich ehrlich gesagt gar nicht mal so gut, aber eventuell hätte ich das anders empfunden, wenn ich live vor Ort gewesen wäre. Insbesondere von einem Sänger, möglicherweise Michael Beering selbst, fand ich, er habe keine gute Gesangsstimme und insbesondere im Englischen eine schauderhafte Aussprache; aber irgendwie fand ich es auch gut, dass solche Mängel einen nicht unbedingt davon ausschließen, vor 11.000 Leuten Lobpreis zu leiten. Besonders nachdem ich gerade erst eine Fernsehreportage gesehen hatte, in der dem Gebetshaus Augsburg und der MEHR-Konferenz geradezu ein Vorwurf daraus gemacht wurde, dass da immer alles so professionell und so perfekt inszeniert sei. 

Den daran anschließenden Vortrag von Johannes Hartl – zum Thema "Selbstannahme" – konnte ich nicht zur Gänze und unterbrechungsfrei verfolgen, aber mit dem, was ich davon mitbekam, konnte ich doch eine ganze Menge anfangen. Vorrangig ging es da um den Apostel Petrus, der, wie sich an vielen Stellen der Evangelien zeigt, immer wieder Probleme mit seinem Selbstbild hatte. Man könnte sogar sagen, in seiner großen Krise nach der Gefangennahme Jesu, in der er entgegen seinen vorherigen Beteuerungen Jesus verleugnet und im Stich lässt, nicht so sehr sein Glaube an Jesus zusammengebrochen, sondern vielmehr sein Glaube an sein eigenes überhöhtes Selbstbild. Tatsächlich hatte ich Vieles davon so ähnlich vor gar nicht allzu langer Zeit schon mal woanders gehört, nämlich interessanterweise beim Eltern-Glaubenskurs in der Gemeinde auf dem Weg; aber dass mich dieses Thema erneut so stark ansprach, zeigt wohl, dass es mir nicht schaden kann, mehrmals etwas dazu zu hören – zumal Johannes Hartl dem, was ich dazu bereits gehört hatte, durchaus noch einige weitere Nuancen und neue Gesichtspunkte hinzufügte. 

Am Sonntag beim Frühstück hörte ich mir dann ein Interview mit Johannes Hartl auf Radio Horeb an, und einige Sätze daraus fand ich so gut und vor allem auch so relevant für das Anliegen meines Blogs, dass ich sie hier gern zitieren möchte. Anknüpfend an eine frühere Aussage Hartls, es sei für viele Menschen leichter, auf die MEHR zu gehen als in die Kirche, stellt die Interviewerin gleich eingangs die Frage, wie die MEHR denn dazu beitragen könne, dass diese Menschen dann zukünftig eben doch auch in die Kirche gingen; darauf antwortet der Gebetshaus-Gründer: 

"Sie erleben zum Beispiel einen Gottesdienst bei uns – wir haben jeden Tag eine Heilige Messe. [...] Nicht wenige erleben zum ersten Mal eine katholische Messe hier, sind vielleicht angerührt von der Schönheit und denken sich: Sowas könnte ich ja vielleicht jeden Sonntag erleben. Solche Biographien erleben wir." 

Angesprochen auf die Beobachtung, dass gerade junge Erwachsene sich tendenziell wieder stärker für Religion zu interessieren scheinen als die Generation ihrer Eltern, meinte Hartl, in Deutschland sei dieser Trend "noch gar nicht so stark" wie etwa in Frankreich oder Großbritannien, "aber er fängt an" – und darauf müsse die Kirche vorbereitet sein, zuallererst dadurch, dass sie "überhaupt von der Möglichkeit ausgehen" müsse, "dass jemand kommt, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat": 

"Allein schon wie unsere Pfarrbriefe, wie unsere Homepages, wie unsere Kirchen entworfen sind, rein schon visuell, zeigt mir, dass man gar nicht damit rechnet, dass jemand kommt, der noch nicht Insider ist. Hier müssen wir umdenken." 

Das spricht mir absolut aus der Seele; ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, vielfach besteht das Problem nicht nur darin, dass nicht daran gedacht wird, wie man Außenstehende für die Angebote der Pfarrei interessieren könnte, sondern dass das gar nicht gewollt wird. – Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Johannes Hartl im Interview mit Radio Horeb einen Kongress mit dem Titel "Mission is Possible" ankündigte, der im Juni in Augsburg stattfinden soll und bei dem es darum gehen soll, "Kirchen aus[zu]rüsten" und zu zeigen: "Es gibt wachsende Gemeinden auch heute, von denen kann man was lernen. Man muss nur sich aufmachen und schauen, was machen die richtig." Das gilt es im Auge zu behalten, würde ich mal sagen. 

Einem Artikel der Augsburger Allgemeinen konnte ich entnehmen, dass der Hardcore-Evangelikale mit dem Megafon, der am Zugang zum Messegelände steht und MEHR-Besucher vor den gefährlichen Irrlehren warnt, die dort verbreitet werden, auch dieses Jahr wieder am Start war. Der Rest des Artikels verbarg sich leider hinter einer Bezahlschranke; ich hätte ihn eigentlich gern gelesen, speziell nachdem die Augsburger Allgemeine das Glaubensfestival im Vorfeld als "seit Jahren umstritten, nicht zuletzt innerhalb der katholischen Kirche", angekündigt hatte – und sich dabei, man ahnt es schon, auf die ARD-Sendung "Die hippen Missionare" berief. Über das ZIMZUM-Festival im Vorjahr hatte das Lokalblatt noch neutral bis wohlwollend berichtet. – Auf häretisch.de erschien am Montag eine recht ausgewogene, sogar tendenziell positive Meldung der Katholischen Nachrichtenagentur KNA über das Festival; ein vom Tonfall her wie auch in der inhaltlichen Schwerpunktsetzung deutlich kritischerer Beitrag folgte am Dienstag. – Anders als ich war übrigens Bloggerkollegin Claudia persönlich vor Ort und berichtet auf Katholisch? Logisch! über ihre Eindrücke; eine eindrucksvolle Bildergalerie zur MEHR bietet Peter Winnemöller auf katholon

Übrigens muss ich auf der Basis meiner Erfahrungen bei meinen bisherigen drei MEHR-Teilnahmen (2017, 2018, 2020) sagen, der Teil des Events, bei dem es mir am meisten leid tut, dieses Jahr und auch schon 2024 nicht dort gewesen zu sein, ist das MEHRforum – oder, wie ich gern sage, "das rechtgläubige Pendant zur Kirchentagsmeile". Weil die Begegnungen, die sich da ergeben, oft noch spannender sind als die Vorträge und Workshops. Oder jedenfalls auf eine andere Art spannend. Und um das zu erleben, reicht leider auch kein Streaming-Ticket. Na, vielleicht klappt's ja in zwei Jahren mal wieder. Da dürften dann auch die Kinder alt genug sein, dass es auch für sie interessante Angebote gibt. 


Der Segen der Heiligen Drei Könige 

Am 2. Sonntag der Weihnachtszeit gingen wir wieder in St. Joseph Siemensstadt in die Messe, wo diesmal die vordersten Bankreihen als "Reserviert für Kinder" gekennzeichnet waren. Der zelebrierende Pfarrvikar erklärte dazu: "Die Weihnachtszeit ist eine Zeit, um auch den Glauben an die Kinder weiterzugeben. Deswegen sind in dieser Liturgie die Kinder die Protagonisten." Konkret hieß das vor allem, dass fünf Mädchen in weißen Gewändern und mit Sternenkränzen auf den Köpfen die Lesungen und die Fürbitten vortrugen. 

In Siemensstadt kommen nicht nur Ochs, Esel und Schafe zur Krippe, sondern auch der Berliner Bär und ein Eisbär (Knut?).

Über das Dreikönigsspiel, das im Anschluss an die Messe dargeboten wurde, muss ich wohl nicht viele Worte machen, denn es war im Wesentlichen dasselbe wie im vorigen Jahr, dargeboten von denselben Darstellern in denselben Kostümen. Neu war es hingegen für meine Liebste, die letztes Jahr um diese Zeit krank gewesen war, und sie fand es toll. 

Kann es sein, dass Weibsvolk anwesend ist? 

Für die Kinder gab's zudem Geschenke: Das Tochterkind erhielt ein Mineralien-Ausgrabungs-Set, der Jüngste ein Naturforscher-Kartenspiel. Ebenfalls wie im vorigen Jahr gab es danach noch die Gelegenheit zu einem Einzelsegen mit einer Reliquie der Heiligen Drei Könige. "Die Könige haben auf sehr verschlungenem Wege Christus gefunden", erläuterte der Pfarrvikar dazu. "Manchmal ist unsere Lebensgeschichte auch ein bisschen so, aber sie führt zu Christus." – Übrigens habe ich mir bei dieser Gelegenheit gedacht: Das nächste Mal, wenn irgendjemand behauptet, die Heiligen Drei Könige hätte es in Wirklichkeit nie gegeben, sage ich "Natürlich gab's die, wir haben doch Reliquien von ihnen." Möchte ja mal erleben, wie ich auf so eine Aussage hin angeguckt werde... 


Vermischtes aus der religiösen Frühförderung 

Wie ich schon ein paarmal erwähnt habe, besucht unser Jüngster eine evangelische KiTa; was ich, wie ich glaube, noch nicht erwähnt habe, ist, dass dieser Umstand sich nicht unwesentlich der Tatsache verdankt, dass wir zuvor dreimal persönlich bei einer katholischen KiTa in Tegel vorgesprochen hatten, und das einzige, was dabei herauskam, war eine Infektion mit der Hand-Mund-Fuß-Krankheit. Aber das mal nur nebenbei. Jedenfalls gibt es in der KiTa unseres Jüngsten regelmäßige "religionspädagogische Angebote", die zum Teil auch in der in unmittelbarer Nähe der KiTa gelegenen Kirche stattfinden; in der zurückliegenden Woche kam nun über die KiTa-App die Nachricht, am Dreikönigstag solle es einen Ausflug zu einem regionalen Kindergartengottesdienst an einem anderen Kirchenstandort des Kirchenkreises geben. Mein Sohn erklärte mir unaufgefordert, er wolle diesen Ausflug mitmachen – und außerdem wolle er auch mal wieder mit mir zur Werktagsmesse in St. Marien Maternitas Heiligensee (mit anschließendem Frühstück). Das eine war am Dienstag, das andere am Mittwoch, da dachte ich mir: passt

Als ich den Knaben dann am Dienstagnachmittag fragte, wie denn der KiTa-Gottesdienst gewesen sei, schien es zunächst, dass er den Weg dorthin am spannendsten gefunden; da musste die KiTa-Gruppe nämlich mit dem Bus fahren, sogar mit Umsteigen. Zum Inhalt des Kindergottesdienstes berichtete er auf Nachfrage, sie hätten "sechs Lieder gesungen" und "Bilder von den Heiligen Drei Königen angeguckt". Obwohl es rin evangelischer Gottesdienst war, spielte darin offenbar auch die Arbeit des Kindermissionswerks Die Sternsinger eine Rolle; jedenfalls erhielten die teilnehmenden Kinder ein Armband mit dem Logo der Sternsinger und dem Slogan "Segen bringen – Segen sein", und für die Eltern gab's (als Datei in die App) einen Flyer mit Spendenaufruf fürs Kindermissionswerk. 

Am Mittwoch ließ ich die Kinder extra eine halbe Stunde länger schlafen, weil wir zur Messe in Heiligensee nicht so früh los mussten wie zur KiTa; die Große hat in ihrer Schule ja ohnehin eine gleitende Ankunftszeit. Die Messe wurde von Pater Mephisto zelebriert, was ich mit Blick auf die Tageslesung aus dem 1. Johannesbrief ("Geliebte, traut nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgezogen") etwas ironisch fand. An der Zelebration des ehrwürdigen Paters war diesmal allerdings wenig auszusetzen, wenn man vom kaltblütig gemeuchelten Robbenbaby absieht – ich bemerkte es schon mal: Ganz ohne liturgische Regelverstöße können manche Priester offenbar abends nicht ruhig schlafen gehen, und Pater Mephisto gehört definitiv zu dieser Sorte von Priestern. 

Beim anschließenden Gemeindefrühstück gab es anlässlich des Neuen Jahres Kuchen und Sekt; am frühen Nachmittag hielt ich dann zusammen mit dem Knaben die erste "Beten mit Musik"-Andacht des neuen Jahres ab, und zwar wie gewohnt in St. Joseph Tegel. Die Andacht umfasste vier Lieder, von denen der Sohnemann zwei aussuchte und ich die anderen beiden, und dazu die Psalmen und die Lesung aus der Sext und die Fürbitten aus der Vesper (plus ein paar freie Fürbitten in persönlichen Anliegen). Als wir mit der Andacht begannen, bemerkte ich, dass in der Sakristei Licht war, und rechnete so halb damit, dass da jemand rauskommen und uns fragen würde, was wir hier bitteschön machen, aber das passierte nicht – stattdessen ging das Licht bald darauf aus. Als wir die Kirche wieder verließen, begegnete uns draußen ein junger Mann, in dem wir beide einen Trainer aus der Kampfsportschule zu erkennen glaubten, die der Jüngste neuerdings besucht. Interessant – vielleicht hat er ein Kind in der St.-Josephs-KiTa... 


Nächste Ausfahrt Religionspädagogik? 

Bereits zwischen Weihnachten und Neujahr hatte ich in den Vermeldungen der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd etwas Interessantes entdeckt: Da wurde nämlich für einen neuen, speziell auf Quereinsteiger zugeschnittenen Bachelor-Studiengang Religionspädagogik geworben, den die Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) in Zusammenarbeit mit dem Erzbistum Berlin anbietet. Den Angaben in den Vermeldungen zufolge soll man da mit nur einem Studientag pro Woche in sieben Semestern einen Abschluss erwerben können, der zu einer Beschäftigung als Religionslehrer oder Gemeindereferent befähigt, und damit nicht genug, soll schon studienbegleitend eine Anstellung beim Erzbistum möglich sein. Als ich mit dieser Nachricht nach Hause kam und meine Liebste fragte "Findest du, ich sollte das machen?", erwiderte sie ohne mit der Wimper zu zucken: "Ja." 

Über den Jahreswechsel ließ ich das Thema erst mal sacken, aber dann schaute ich mich mal auf der Website der KHSB um – und gewann dort einerseits den Eindruck, zu dem bei den für eine Studienplatzbewerbung relevanten "beruflichen und sozialen Vorerfahrungen" wohl ein ganz beachtliches Punktekonto mitzubringen, andererseits stellte ich aber fest, dass ich wohl kaum in der Lage sein werde, die reguläre Bewerbungsfrist fürs Sommersemester einzuhalten – die endet nämlich schon am kommenden Donnerstag. Entmutigen ließ ich mich davon jedoch nicht, sondern rief stattdessen mal bei der zuständigen Dienststelle des Erzbistums Berlin an. Die Mitarbeiterin, die ich dort erreichte, war ausgesprochen freundlich und schien erfreut über mein Interesse. Sie riet mir, erst mal einen Kontakt via eMail herzustellen; das habe ich gestern gegen Mittag einfach mal gemacht und bin jetzt gespannt, wie's weitergeht. Natürlich werde ich euch darüber auf dem Laufenden halten, Leser. – 

Zu erwartende Zweifel kritischer Leser, ob das Erzbistum Berlin einen wie mich als Gemeindereferenten nehmen würde oder ob es gut beraten wäre, dies zu tun, bin ich gesonnen sportlich zu nehmen. Andere Leser wird vielleicht eher die Frage umtreiben, ob ich gut beraten bin, eine solche Stellung anzustreben – also reden wir lieber vielleicht lieber erst mal darüber. Die Antwort auf die Frage, warum ich das überhaupt wollen sollte, fällt nicht schwer: Ich mache ja jetzt schon so einiges von dem, was ein Gemeindereferent macht, und würde, wenn man mich ließe, durchaus auch noch mehr in dieser Art machen; und wenn ein Studienabschluss in Religionspädagogik die Voraussetzung dafür ist, für diese Art von Arbeit bezahlt zu werden, dann könnte so ein Studium sich durchaus lohnen. Indes geht es mir dabei durchaus nicht nur ums Geld: Hinzu kommt etwas mindestens ebenso Wichtiges, was ich oben in den Worten "wenn man mich ließe" angedeutet habe. Theoretisch würde ich zwar annehmen, als unbezahlter Freiwilliger im pastoralen Dienst müsste man, da man ja niemandem gegenüber weisungsgebunden ist, eigentlich mehr Freiraum für Eigenitiative und eigenständige konzeptionelle Schwerpunktsetzung haben als die hauptamtlichen Mitarbeiter, aber ich gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass tatsächlich das Gegenteil der Fall ist. Das finde ich zwar nicht unbedingt gut, aber was man nicht ändern kann, das kann man ja wenigstens versuchen sich zunutze zu machen


Kindermund der Woche 

"Hot Wheels City ist eigentlich so ähnlich wie Pokémon, nur nicht mit Tieren, sondern mit Autos." 

(Der Jüngste wird bald Fünf, da muss man sowas wohl wissen.) 


Hashtag #Kannstedirnichtausdenken: Eine Blütenlese aus der kirchlichen Medienarbeit

Die Jahreslosung für 2026 heißt "Siehe, ich mache alles neu" (Offenbarung 21,5). Das klingt fast zu schön und zu passend, um Zufall zu sein – und ist es auch nicht: Die Jahreslosungen, die seit 1970 von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen herausgegeben werden, stehen zwar sozusagen "ideell" in der Tradition der Herrnhuter Losungen, werden anders als diese aber nicht wirklich gelost, sondern in einem aufwändigen Auswahl- und Beratungsverfahren jeweils drei Jahre im Voraus festgelegt. Diese Information, die ich Tante Wikipedia verdanke, fand ich erst einmal reichlich ernüchternd; aber ein gutes Jahresmotto ist der Vers natürlich trotzdem. – In der Social-Media-Redaktion des Erzbistums Hamburg hingegen dachte man sich wohl "Jahreslosung kann ja jeder" und präsentierte auf Facebook daher eine andere Form spiritueller Wegweisung für das Neue Jahr: ein Buchstabengitter. Ja, echt. "Die ersten drei Wörter, die du siehst, bestimmen dein 2026" – nähme man das ernst, wär's Aberglaube. Aber was nehmen die Social-Media-Redaktionen deutscher Bistümer schon ernst? Natürlich, es soll nur eine harmlose Spielerei sein. Aber ebenso wie man wohl auch bei den Herrnhuter Losungen Verse wie 1. Könige 14,11 ("Wer vom Haus Jerobeam in der Stadt stirbt, den werden die Hunde fressen; und wer auf dem freien Feld stirbt, den werden die Vögel des Himmels fressen") oder Psalm 3,8 ("All meinen Feinden hast du den Kiefer zerschmettert, hast den Frevlern die Zähne zerbrochen") von vornherein eher nicht in den Lostopf tun würde, sind im Buchstabengitter des Erzbistums Hamburg vorsichtshalber nur so Wohlfühlwörter wie "Hoffnung", "Halt", "Geduld", "Mut" und "Ruhe" versteckt. Dass so ein Buchstabengitter in letzter Konsequenz aber unberechenbar bleibt, zeigt sich darin, dass einige mir bekannte Facebook-Nutzer darin auch Wörter wie "Beil" und "Lost" entdeckten. Ich selbst las da erst mal nur "Glegfrhh, wadte, boflb" und dachte mir: Okay, klingt hamburgisch. Auf den zweiten Blick entdeckte ich dann noch die Wörter "Clreic" (könnte ein Buchstabendreher sein und "Cleric" heißen sollen) und "Dieu". Immerhin. 

Nebenan beim Bistum Münster erfährt man derweil, die Lamberti-Gemeinde habe aus einer Fahne mit dem Logo der Demokratiekampagne "Mensch Münster! Lebe Freiheit!", die "Anfang 2025 leider nur kurz am Turm von St. Lamberti hing (der Wind hatte ihr schnell massiv zugesetzt)", "Gewänder für die Sternsingerinnen und Sternsinger" geschneidert. Im Kommentarfeld gab ein Theologiestudent dazu folgendes schon in der Wortwahl ausgesprochen funkelnden Statement ab: 

"Ein super Gedanke, Upcycling vom Feinsten und gleichzeitig ein Zeichen für Nächstenliebe und Toleranz setzen, das ist Christianity in Action!" 

Noch Fragen? – Der Kommentar geht noch einige Zeilen lang weiter und wird im weiteren Verlauf noch verschrobener, aber immerhin hat er vier Likes erhalten, von denen eines vom Account des Bistums Münster selbst stammt und eines vom Bistums-Pressesprecher Stephan Kronenburg. 

Währenddessen scheint das neue Team von Horse & Hound noch so mehr oder weniger im Weihnachtsurlaub zu sein, oder vielleicht sind die neuen Teammitglieder wirklich so langweilig, wie sie auf den ersten Blick aussehen, oder "noch vielleichter" gehört es zum neuen Konzept der Plattform, dass man sich als Sammelbecken und Multiplikator für den konfessionsübergreifenden gemäßigt-liberalen Mainstream der kirchlichen Social-Media-Arbeit betrachtet und verhält. Jedenfalls wird in der Instagram-"Story" von Horse & Hound in letzter Zeit so allerlei Content von anderen kirchlichen Accounts geteilt, von gemütvoll-gefühligen Neujahrs-Impulsen bis hin zu albern-überkandidelten Ministranten- und Sternsingervideos, aber Original-Content findet man da kaum, und Aufregerthemen fehlen auch und erst recht so gut wie völlig. Da wäre allenfalls ein Beitrag aus der NDR-Satireshow "Extra 3" zum Thema "Wie würde man einem Alien Weihnachten erklären?" zu nennen; der ist eher plump als witzig, richtig unerträglich wird er aber erst durch das bierenste "Framing" von Horse & Hound ("Was feiern wir an Weihnachten eigentlich genau? Wie würdest du es jemandem erklären, der von dem allen noch nichts weiß? @extra3 hat hier einen Versuch unternommen. Was denkst du dazu?"). Und im Kommentarbereich des Instagram-Posts werden kritische Stimmen zu diesem Video von Chef-Wadenbeißer Halagan gnadenlos abgebügelt. Also, die Arbeitsteilung im Team funktioniert offenbar. 

Ein spirituelles Angebot zum Jahreswechsel, das ich uneingeschränkt und unironisch empfehlen kann, ist derweil das "Jahresheiligenziehen" auf der Website des Hilfswerks Kirche in Not. Dabei geht es darum, "zum Jahreswechsel einen Heiligen oder Seligen zu ziehen" – als Vorbild und als Fürbitter

"Wir laden Sie ein, zusammen mit Ihrer oder Ihrem gezogenen Heiligen die eigene Gottesbeziehung zu reflektieren und vielleicht zu verbessern. Lassen Sie sich von der Biografie des Heiligen sowie von ausgewählten Zitaten und Bibelstellen inspirieren." 

Ich könnte nicht sagen, was mich konkret dazu veranlasst hat, dieses Jahr von diesem Angebot Gebrauch zu machen, aber jedenfalls bin ich ausgesprochen erfreut über das Ergebnis: Mir ist auf diesem Wege ein persönlicher Jahresheiliger zuteil geworden, von dem ich bisher noch nie etwas gehört hatte, den ich aber nach dem, was ich im Ökumenischen Heiligenlexikon über ihn gelesen habe, ausgesprochen faszinierend finde – der Hl. Gerardo Maiella (1726-1755). Ich schätze, es kann nicht schaden, ihm einen eigenen Blogartikel zu widmen; vielleicht zu seinem Gedenktag? Der ist allerdings erst am 16. Oktober... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Die Weisen aus dem Osten sind ein Anfang. Sie stehen für den Aufbruch der Menschheit auf Christus hin. Sie eröffnen eine Prozession, die durch die ganze Geschichte hindurchzieht. Sie stehen nicht nur für die Menschen, die zu Christus gefunden haben. Sie stehen für die innere Erwartung des menschlichen Geistes, für die Bewegung der Religionen und der menschlichen Vernunft auf Christus zu. 

Wenn die Weisen, die, vom Stern geführt, nach dem König der Juden suchen, die Bewegung der Völker zu Christus darstellen, ist darin impliziert, dass der Kosmos von Christus spricht; und dass freilich seine Sprache für den Menschen in seiner tatsächlichen Verfasstheit nicht voll zu enträtseln ist. Die Sprache der Schöpfung gibt vielerlei Hinweise. Sie erweckt im Menschen die Ahnung des Schöpfers. Sie erweckt darüber hinaus die Erwartung, ja, die Hoffnung, dass dieser Gott sich einmal zeigen werde. Und sie erweckt zugleich das Bewusstsein, dass der Mensch ihm entgegengehen kann und soll. Aber die Erkenntnis, die aus der Schöpfung hervorgeht und sich in den Religionen konkretisiert, kann auch abdriften, sodass sie den Menschen nicht mehr in Bewegung bringt über sich hinaus, sondern ihn verleitet, sich zu fixieren in Systemen, mit denen er glaubt, den verborgenen Mächten der Welt etwas entgegensetzen zu können. 

(Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Prolog) 


Ohrwurm der Woche 

Johannes Hartl & Friends: Fürst des Friedens

Zum Abschluss der Weihnachtszeit und anlässlich der in der zurückliegenden Woche zu Ende gegangenen MEHR-Konferenz gibt's in dieser Rubrik nochmals etwas Lobpreis aus dem Gebetshaus Augsburg – mit einem an Jesaja 9,5-6 angelehnten Text. Bei der "Beten mit Musik"-Andacht am Mittwoch war dies eins der beiden Stücke, die ich mir aussuchen durfte, und für mein Empfinden war es ein echtes Highlight. Ich glaube, meinem Sohn hat es auch gefallen. 


Vorschau/Ausblick 

Im nächsten Wochenbriefing dürft ihr euch auf einem Abschnitt zum Thema "Innenansichten aus der Sternsingerei" (o.s.ä.) freuen, denn ich war heute von morgens bis in den Nachmittag hinein damit beschäftigt, eine Sternsingergruppe durch Siemensstadt und Haselhorst zu begleiten – so beschäftigt, dass ich bisher keine Zeit hatte, auch noch darüber zu schreiben.. Aber das kommt noch! Der Neujahrsempfang der Großpfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland, von dem ich irrtümlich angenommen (und so auch in der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings angegeben) hatte, er wäre erst morgen, ist tatsächlich heute Abend, und da es bei Redaktionsschluss noch nicht absehbar war, ob sich das zeitlich mit der Sternsingeraktion unter einen Hut bringen lassen würde, wirst du, o Leser, dich überraschen lassen müssen, ob ich im nächsten Wochenbriefing etwas darüber zu berichten haben werde. Aber ich möchte eigentlich schon hin, zumal ich als engagierter Laie eine persönliche Einladung erhalten habe. – Am morgigen Sonntag ist jedenfalls Taufe des Herrn und damit liturgisch der Abschluss der Weihnachtszeit; die Gelegenheit, uns am Ökumenischen Krippenpilgern in Spandau zu beteiligen, haben wir damit wohl verpasst, aber hey, es gibt Schlimmeres. Am Montag hoffe ich den als Pfarrvikar von St. Klara Reinickendorf-Süd offiziell bereits verabschiedeten Priester aus Nigeria noch einmal zu sehen, um über die Möglichkeit eines Besuchs in seiner Heimatdiözese im nächsten Herbst zu sprechen; am Mittwoch feiert ein gemeinsamer Freund unserer Kinder seinen 6. Geburtstag, da trifft es sich gut, dass diese Woche noch kein JAM ist – das geht nämlich erst am 21. wieder los. Neues von den Pfadfindern dürfte es in absehbarer Zeit auch mal wieder geben; und darüber, wie es unserem Jüngsten beim Kampfsport so ergeht, will ich auch mal was schreiben, wenn neben den ganzen anderen Themen Platz dafür bleibt...