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Samstag, 10. Januar 2026

Utopie und Alltag 7: Im Epizentrum des Winters

Grüße aus dem tief verschneiten Berlin, Freunde! Ich glaube, meine Kinder haben in ihrem bisherigen Leben noch keinen so schneereichen Winter erlebt wie diesen, und anders als aus der Sicht vieler Erwachsener ist es für sie in erster Linie ein großer Spaß und ein Abenteuer. Von Donnerstag auf Freitag hatten wir Unwetterwarnung, aber die Katastrophe ist dann doch, wie zumeist, ausgeblieben. Andernorts war es dem Vernehmen nach dramatischer: In der Pfarrei St. Willehad in meinem Heimatstädtchen Nordenham wurden sowohl der Neujahrsempfang als auch die Sternsingeraktion wegen der Wetterlage abgesagtIch hatte schon die Befürchtung, in Spandau würde dasselbe passieren; das war nicht der Fall, aber darum geht's im aktuellen Wochenbriefing noch nicht – da sind erst mal andere Themen dran...

Am Donnerstag auf dem Weg zur Schule...

...und zum Kampfsporttraining 

Die MEHR 2026, aus der Ferne betrachtet 

Mindestens zwischen den Zeilen dürfte wohl schon in meinem vorigen Wochenbriefing deutlich geworden sein, dass ich es dieses Jahr besonders schade gefunden habe, nicht bei der MEHR in Augsburg sein zu können; und ich schätze, daran hatte nicht zuletzt die ARD-Reportage "Die hippen Missionare" einen gewissen Anteil. Isn't it ironic. Jedenfalls habe ich das zum Anlass genommen, mal nachzurechnen, wie lange es jetzt eigentlich her ist, dass ich zuletzt live bei der MEHR war, und siehe da, das war 2020, "vor Corona". Da war unser Jüngster noch nicht auf der Welt, unsere Große war gerade mal zwei Jahre alt, wir waren noch in der Tegeler Pfarrei aktiv – kurz, es war ein anderes Zeitalter. Dann kam, wie gesagt, Corona; wie ich seither vergessen hatte, aber aus aktuellem Anlass wieder nachgelesen habe, hatte ich für die WENIGER-Konferenz, die Anfang 2022 anstelle der MEHR stattfand, sogar schon ein Ticket, konnte dann aber "aus pandemischen Gründen", wie ich es seinerzeit formulierte, doch nicht teilnehmen. Und was hatte ich 2024 für eine Ausrede? Im Wochenbriefing vom 30.12.2023 ("Creative Minority Report" Nr. 10) ist lediglich von "verschiedenen Gründen" die Rede. 

Jedenfalls: Als am vorigen Samstagabend mein Wochenbriefing ("Utopie und Alltag 6") online ging, war bei der MEHR gerade Einlass, eineinhalb Stunden später war der offizielle Programmbeginn, nochmals eine Dreiviertelstunde später schaltete sich Bibel TV live zu, da schaute ich rein. Auf der Hauptbühne lief Lobpreis mit Michael Beering & Band; fand ich ehrlich gesagt gar nicht mal so gut, aber eventuell hätte ich das anders empfunden, wenn ich live vor Ort gewesen wäre. Insbesondere von einem Sänger, möglicherweise Michael Beering selbst, fand ich, er habe keine gute Gesangsstimme und insbesondere im Englischen eine schauderhafte Aussprache; aber irgendwie fand ich es auch gut, dass solche Mängel einen nicht unbedingt davon ausschließen, vor 11.000 Leuten Lobpreis zu leiten. Besonders nachdem ich gerade erst eine Fernsehreportage gesehen hatte, in der dem Gebetshaus Augsburg und der MEHR-Konferenz geradezu ein Vorwurf daraus gemacht wurde, dass da immer alles so professionell und so perfekt inszeniert sei. 

Den daran anschließenden Vortrag von Johannes Hartl – zum Thema "Selbstannahme" – konnte ich nicht zur Gänze und unterbrechungsfrei verfolgen, aber mit dem, was ich davon mitbekam, konnte ich doch eine ganze Menge anfangen. Vorrangig ging es da um den Apostel Petrus, der, wie sich an vielen Stellen der Evangelien zeigt, immer wieder Probleme mit seinem Selbstbild hatte. Man könnte sogar sagen, in seiner großen Krise nach der Gefangennahme Jesu, in der er entgegen seinen vorherigen Beteuerungen Jesus verleugnet und im Stich lässt, nicht so sehr sein Glaube an Jesus zusammengebrochen, sondern vielmehr sein Glaube an sein eigenes überhöhtes Selbstbild. Tatsächlich hatte ich Vieles davon so ähnlich vor gar nicht allzu langer Zeit schon mal woanders gehört, nämlich interessanterweise beim Eltern-Glaubenskurs in der Gemeinde auf dem Weg; aber dass mich dieses Thema erneut so stark ansprach, zeigt wohl, dass es mir nicht schaden kann, mehrmals etwas dazu zu hören – zumal Johannes Hartl dem, was ich dazu bereits gehört hatte, durchaus noch einige weitere Nuancen und neue Gesichtspunkte hinzufügte. 

Am Sonntag beim Frühstück hörte ich mir dann ein Interview mit Johannes Hartl auf Radio Horeb an, und einige Sätze daraus fand ich so gut und vor allem auch so relevant für das Anliegen meines Blogs, dass ich sie hier gern zitieren möchte. Anknüpfend an eine frühere Aussage Hartls, es sei für viele Menschen leichter, auf die MEHR zu gehen als in die Kirche, stellt die Interviewerin gleich eingangs die Frage, wie die MEHR denn dazu beitragen könne, dass diese Menschen dann zukünftig eben doch auch in die Kirche gingen; darauf antwortet der Gebetshaus-Gründer: 

"Sie erleben zum Beispiel einen Gottesdienst bei uns – wir haben jeden Tag eine Heilige Messe. [...] Nicht wenige erleben zum ersten Mal eine katholische Messe hier, sind vielleicht angerührt von der Schönheit und denken sich: Sowas könnte ich ja vielleicht jeden Sonntag erleben. Solche Biographien erleben wir." 

Angesprochen auf die Beobachtung, dass gerade junge Erwachsene sich tendenziell wieder stärker für Religion zu interessieren scheinen als die Generation ihrer Eltern, meinte Hartl, in Deutschland sei dieser Trend "noch gar nicht so stark" wie etwa in Frankreich oder Großbritannien, "aber er fängt an" – und darauf müsse die Kirche vorbereitet sein, zuallererst dadurch, dass sie "überhaupt von der Möglichkeit ausgehen" müsse, "dass jemand kommt, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat": 

"Allein schon wie unsere Pfarrbriefe, wie unsere Homepages, wie unsere Kirchen entworfen sind, rein schon visuell, zeigt mir, dass man gar nicht damit rechnet, dass jemand kommt, der noch nicht Insider ist. Hier müssen wir umdenken." 

Das spricht mir absolut aus der Seele; ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, vielfach besteht das Problem nicht nur darin, dass nicht daran gedacht wird, wie man Außenstehende für die Angebote der Pfarrei interessieren könnte, sondern dass das gar nicht gewollt wird. – Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Johannes Hartl im Interview mit Radio Horeb einen Kongress mit dem Titel "Mission is Possible" ankündigte, der im Juni in Augsburg stattfinden soll und bei dem es darum gehen soll, "Kirchen aus[zu]rüsten" und zu zeigen: "Es gibt wachsende Gemeinden auch heute, von denen kann man was lernen. Man muss nur sich aufmachen und schauen, was machen die richtig." Das gilt es im Auge zu behalten, würde ich mal sagen. 

Einem Artikel der Augsburger Allgemeinen konnte ich entnehmen, dass der Hardcore-Evangelikale mit dem Megafon, der am Zugang zum Messegelände steht und MEHR-Besucher vor den gefährlichen Irrlehren warnt, die dort verbreitet werden, auch dieses Jahr wieder am Start war. Der Rest des Artikels verbarg sich leider hinter einer Bezahlschranke; ich hätte ihn eigentlich gern gelesen, speziell nachdem die Augsburger Allgemeine das Glaubensfestival im Vorfeld als "seit Jahren umstritten, nicht zuletzt innerhalb der katholischen Kirche", angekündigt hatte – und sich dabei, man ahnt es schon, auf die ARD-Sendung "Die hippen Missionare" berief. Über das ZIMZUM-Festival im Vorjahr hatte das Lokalblatt noch neutral bis wohlwollend berichtet. – Auf häretisch.de erschien am Montag eine recht ausgewogene, sogar tendenziell positive Meldung der Katholischen Nachrichtenagentur KNA über das Festival; ein vom Tonfall her wie auch in der inhaltlichen Schwerpunktsetzung deutlich kritischerer Beitrag folgte am Dienstag. – Anders als ich war übrigens Bloggerkollegin Claudia persönlich vor Ort und berichtet auf Katholisch? Logisch! über ihre Eindrücke; eine eindrucksvolle Bildergalerie zur MEHR bietet Peter Winnemöller auf katholon

Übrigens muss ich auf der Basis meiner Erfahrungen bei meinen bisherigen drei MEHR-Teilnahmen (2017, 2018, 2020) sagen, der Teil des Events, bei dem es mir am meisten leid tut, dieses Jahr und auch schon 2024 nicht dort gewesen zu sein, ist das MEHRforum – oder, wie ich gern sage, "das rechtgläubige Pendant zur Kirchentagsmeile". Weil die Begegnungen, die sich da ergeben, oft noch spannender sind als die Vorträge und Workshops. Oder jedenfalls auf eine andere Art spannend. Und um das zu erleben, reicht leider auch kein Streaming-Ticket. Na, vielleicht klappt's ja in zwei Jahren mal wieder. Da dürften dann auch die Kinder alt genug sein, dass es auch für sie interessante Angebote gibt. 


Der Segen der Heiligen Drei Könige 

Am 2. Sonntag der Weihnachtszeit gingen wir wieder in St. Joseph Siemensstadt in die Messe, wo diesmal die vordersten Bankreihen als "Reserviert für Kinder" gekennzeichnet waren. Der zelebrierende Pfarrvikar erklärte dazu: "Die Weihnachtszeit ist eine Zeit, um auch den Glauben an die Kinder weiterzugeben. Deswegen sind in dieser Liturgie die Kinder die Protagonisten." Konkret hieß das vor allem, dass fünf Mädchen in weißen Gewändern und mit Sternenkränzen auf den Köpfen die Lesungen und die Fürbitten vortrugen. 

In Siemensstadt kommen nicht nur Ochs, Esel und Schafe zur Krippe, sondern auch der Berliner Bär und ein Eisbär (Knut?).

Über das Dreikönigsspiel, das im Anschluss an die Messe dargeboten wurde, muss ich wohl nicht viele Worte machen, denn es war im Wesentlichen dasselbe wie im vorigen Jahr, dargeboten von denselben Darstellern in denselben Kostümen. Neu war es hingegen für meine Liebste, die letztes Jahr um diese Zeit krank gewesen war, und sie fand es toll. 

Kann es sein, dass Weibsvolk anwesend ist? 

Für die Kinder gab's zudem Geschenke: Das Tochterkind erhielt ein Mineralien-Ausgrabungs-Set, der Jüngste ein Naturforscher-Kartenspiel. Ebenfalls wie im vorigen Jahr gab es danach noch die Gelegenheit zu einem Einzelsegen mit einer Reliquie der Heiligen Drei Könige. "Die Könige haben auf sehr verschlungenem Wege Christus gefunden", erläuterte der Pfarrvikar dazu. "Manchmal ist unsere Lebensgeschichte auch ein bisschen so, aber sie führt zu Christus." – Übrigens habe ich mir bei dieser Gelegenheit gedacht: Das nächste Mal, wenn irgendjemand behauptet, die Heiligen Drei Könige hätte es in Wirklichkeit nie gegeben, sage ich "Natürlich gab's die, wir haben doch Reliquien von ihnen." Möchte ja mal erleben, wie ich auf so eine Aussage hin angeguckt werde... 


Vermischtes aus der religiösen Frühförderung 

Wie ich schon ein paarmal erwähnt habe, besucht unser Jüngster eine evangelische KiTa; was ich, wie ich glaube, noch nicht erwähnt habe, ist, dass dieser Umstand sich nicht unwesentlich der Tatsache verdankt, dass wir zuvor dreimal persönlich bei einer katholischen KiTa in Tegel vorgesprochen hatten, und das einzige, was dabei herauskam, war eine Infektion mit der Hand-Mund-Fuß-Krankheit. Aber das mal nur nebenbei. Jedenfalls gibt es in der KiTa unseres Jüngsten regelmäßige "religionspädagogische Angebote", die zum Teil auch in der in unmittelbarer Nähe der KiTa gelegenen Kirche stattfinden; in der zurückliegenden Woche kam nun über die KiTa-App die Nachricht, am Dreikönigstag solle es einen Ausflug zu einem regionalen Kindergartengottesdienst an einem anderen Kirchenstandort des Kirchenkreises geben. Mein Sohn erklärte mir unaufgefordert, er wolle diesen Ausflug mitmachen – und außerdem wolle er auch mal wieder mit mir zur Werktagsmesse in St. Marien Maternitas Heiligensee (mit anschließendem Frühstück). Das eine war am Dienstag, das andere am Mittwoch, da dachte ich mir: passt

Als ich den Knaben dann am Dienstagnachmittag fragte, wie denn der KiTa-Gottesdienst gewesen sei, schien es zunächst, dass er den Weg dorthin am spannendsten gefunden; da musste die KiTa-Gruppe nämlich mit dem Bus fahren, sogar mit Umsteigen. Zum Inhalt des Kindergottesdienstes berichtete er auf Nachfrage, sie hätten "sechs Lieder gesungen" und "Bilder von den Heiligen Drei Königen angeguckt". Obwohl es rin evangelischer Gottesdienst war, spielte darin offenbar auch die Arbeit des Kindermissionswerks Die Sternsinger eine Rolle; jedenfalls erhielten die teilnehmenden Kinder ein Armband mit dem Logo der Sternsinger und dem Slogan "Segen bringen – Segen sein", und für die Eltern gab's (als Datei in die App) einen Flyer mit Spendenaufruf fürs Kindermissionswerk. 

Am Mittwoch ließ ich die Kinder extra eine halbe Stunde länger schlafen, weil wir zur Messe in Heiligensee nicht so früh los mussten wie zur KiTa; die Große hat in ihrer Schule ja ohnehin eine gleitende Ankunftszeit. Die Messe wurde von Pater Mephisto zelebriert, was ich mit Blick auf die Tageslesung aus dem 1. Johannesbrief ("Geliebte, traut nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgezogen") etwas ironisch fand. An der Zelebration des ehrwürdigen Paters war diesmal allerdings wenig auszusetzen, wenn man vom kaltblütig gemeuchelten Robbenbaby absieht – ich bemerkte es schon mal: Ganz ohne liturgische Regelverstöße können manche Priester offenbar abends nicht ruhig schlafen gehen, und Pater Mephisto gehört definitiv zu dieser Sorte von Priestern. 

Beim anschließenden Gemeindefrühstück gab es anlässlich des Neuen Jahres Kuchen und Sekt; am frühen Nachmittag hielt ich dann zusammen mit dem Knaben die erste "Beten mit Musik"-Andacht des neuen Jahres ab, und zwar wie gewohnt in St. Joseph Tegel. Die Andacht umfasste vier Lieder, von denen der Sohnemann zwei aussuchte und ich die anderen beiden, und dazu die Psalmen und die Lesung aus der Sext und die Fürbitten aus der Vesper (plus ein paar freie Fürbitten in persönlichen Anliegen). Als wir mit der Andacht begannen, bemerkte ich, dass in der Sakristei Licht war, und rechnete so halb damit, dass da jemand rauskommen und uns fragen würde, was wir hier bitteschön machen, aber das passierte nicht – stattdessen ging das Licht bald darauf aus. Als wir die Kirche wieder verließen, begegnete uns draußen ein junger Mann, in dem wir beide einen Trainer aus der Kampfsportschule zu erkennen glaubten, die der Jüngste neuerdings besucht. Interessant – vielleicht hat er ein Kind in der St.-Josephs-KiTa... 


Nächste Ausfahrt Religionspädagogik? 

Bereits zwischen Weihnachten und Neujahr hatte ich in den Vermeldungen der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd etwas Interessantes entdeckt: Da wurde nämlich für einen neuen, speziell auf Quereinsteiger zugeschnittenen Bachelor-Studiengang Religionspädagogik geworben, den die Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) in Zusammenarbeit mit dem Erzbistum Berlin anbietet. Den Angaben in den Vermeldungen zufolge soll man da mit nur einem Studientag pro Woche in sieben Semestern einen Abschluss erwerben können, der zu einer Beschäftigung als Religionslehrer oder Gemeindereferent befähigt, und damit nicht genug, soll schon studienbegleitend eine Anstellung beim Erzbistum möglich sein. Als ich mit dieser Nachricht nach Hause kam und meine Liebste fragte "Findest du, ich sollte das machen?", erwiderte sie ohne mit der Wimper zu zucken: "Ja." 

Über den Jahreswechsel ließ ich das Thema erst mal sacken, aber dann schaute ich mich mal auf der Website der KHSB um – und gewann dort einerseits den Eindruck, zu dem bei den für eine Studienplatzbewerbung relevanten "beruflichen und sozialen Vorerfahrungen" wohl ein ganz beachtliches Punktekonto mitzubringen, andererseits stellte ich aber fest, dass ich wohl kaum in der Lage sein werde, die reguläre Bewerbungsfrist fürs Sommersemester einzuhalten – die endet nämlich schon am kommenden Donnerstag. Entmutigen ließ ich mich davon jedoch nicht, sondern rief stattdessen mal bei der zuständigen Dienststelle des Erzbistums Berlin an. Die Mitarbeiterin, die ich dort erreichte, war ausgesprochen freundlich und schien erfreut über mein Interesse. Sie riet mir, erst mal einen Kontakt via eMail herzustellen; das habe ich gestern gegen Mittag einfach mal gemacht und bin jetzt gespannt, wie's weitergeht. Natürlich werde ich euch darüber auf dem Laufenden halten, Leser. – 

Zu erwartende Zweifel kritischer Leser, ob das Erzbistum Berlin einen wie mich als Gemeindereferenten nehmen würde oder ob es gut beraten wäre, dies zu tun, bin ich gesonnen sportlich zu nehmen. Andere Leser wird vielleicht eher die Frage umtreiben, ob ich gut beraten bin, eine solche Stellung anzustreben – also reden wir lieber vielleicht lieber erst mal darüber. Die Antwort auf die Frage, warum ich das überhaupt wollen sollte, fällt nicht schwer: Ich mache ja jetzt schon so einiges von dem, was ein Gemeindereferent macht, und würde, wenn man mich ließe, durchaus auch noch mehr in dieser Art machen; und wenn ein Studienabschluss in Religionspädagogik die Voraussetzung dafür ist, für diese Art von Arbeit bezahlt zu werden, dann könnte so ein Studium sich durchaus lohnen. Indes geht es mir dabei durchaus nicht nur ums Geld: Hinzu kommt etwas mindestens ebenso Wichtiges, was ich oben in den Worten "wenn man mich ließe" angedeutet habe. Theoretisch würde ich zwar annehmen, als unbezahlter Freiwilliger im pastoralen Dienst müsste man, da man ja niemandem gegenüber weisungsgebunden ist, eigentlich mehr Freiraum für Eigenitiative und eigenständige konzeptionelle Schwerpunktsetzung haben als die hauptamtlichen Mitarbeiter, aber ich gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass tatsächlich das Gegenteil der Fall ist. Das finde ich zwar nicht unbedingt gut, aber was man nicht ändern kann, das kann man ja wenigstens versuchen sich zunutze zu machen


Kindermund der Woche 

"Hot Wheels City ist eigentlich so ähnlich wie Pokémon, nur nicht mit Tieren, sondern mit Autos." 

(Der Jüngste wird bald Fünf, da muss man sowas wohl wissen.) 


Hashtag #Kannstedirnichtausdenken: Eine Blütenlese aus der kirchlichen Medienarbeit

Die Jahreslosung für 2026 heißt "Siehe, ich mache alles neu" (Offenbarung 21,5). Das klingt fast zu schön und zu passend, um Zufall zu sein – und ist es auch nicht: Die Jahreslosungen, die seit 1970 von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen herausgegeben werden, stehen zwar sozusagen "ideell" in der Tradition der Herrnhuter Losungen, werden anders als diese aber nicht wirklich gelost, sondern in einem aufwändigen Auswahl- und Beratungsverfahren jeweils drei Jahre im Voraus festgelegt. Diese Information, die ich Tante Wikipedia verdanke, fand ich erst einmal reichlich ernüchternd; aber ein gutes Jahresmotto ist der Vers natürlich trotzdem. – In der Social-Media-Redaktion des Erzbistums Hamburg hingegen dachte man sich wohl "Jahreslosung kann ja jeder" und präsentierte auf Facebook daher eine andere Form spiritueller Wegweisung für das Neue Jahr: ein Buchstabengitter. Ja, echt. "Die ersten drei Wörter, die du siehst, bestimmen dein 2026" – nähme man das ernst, wär's Aberglaube. Aber was nehmen die Social-Media-Redaktionen deutscher Bistümer schon ernst? Natürlich, es soll nur eine harmlose Spielerei sein. Aber ebenso wie man wohl auch bei den Herrnhuter Losungen Verse wie 1. Könige 14,11 ("Wer vom Haus Jerobeam in der Stadt stirbt, den werden die Hunde fressen; und wer auf dem freien Feld stirbt, den werden die Vögel des Himmels fressen") oder Psalm 3,8 ("All meinen Feinden hast du den Kiefer zerschmettert, hast den Frevlern die Zähne zerbrochen") von vornherein eher nicht in den Lostopf tun würde, sind im Buchstabengitter des Erzbistums Hamburg vorsichtshalber nur so Wohlfühlwörter wie "Hoffnung", "Halt", "Geduld", "Mut" und "Ruhe" versteckt. Dass so ein Buchstabengitter in letzter Konsequenz aber unberechenbar bleibt, zeigt sich darin, dass einige mir bekannte Facebook-Nutzer darin auch Wörter wie "Beil" und "Lost" entdeckten. Ich selbst las da erst mal nur "Glegfrhh, wadte, boflb" und dachte mir: Okay, klingt hamburgisch. Auf den zweiten Blick entdeckte ich dann noch die Wörter "Clreic" (könnte ein Buchstabendreher sein und "Cleric" heißen sollen) und "Dieu". Immerhin. 

Nebenan beim Bistum Münster erfährt man derweil, die Lamberti-Gemeinde habe aus einer Fahne mit dem Logo der Demokratiekampagne "Mensch Münster! Lebe Freiheit!", die "Anfang 2025 leider nur kurz am Turm von St. Lamberti hing (der Wind hatte ihr schnell massiv zugesetzt)", "Gewänder für die Sternsingerinnen und Sternsinger" geschneidert. Im Kommentarfeld gab ein Theologiestudent dazu folgendes schon in der Wortwahl ausgesprochen funkelnden Statement ab: 

"Ein super Gedanke, Upcycling vom Feinsten und gleichzeitig ein Zeichen für Nächstenliebe und Toleranz setzen, das ist Christianity in Action!" 

Noch Fragen? – Der Kommentar geht noch einige Zeilen lang weiter und wird im weiteren Verlauf noch verschrobener, aber immerhin hat er vier Likes erhalten, von denen eines vom Account des Bistums Münster selbst stammt und eines vom Bistums-Pressesprecher Stephan Kronenburg. 

Währenddessen scheint das neue Team von Horse & Hound noch so mehr oder weniger im Weihnachtsurlaub zu sein, oder vielleicht sind die neuen Teammitglieder wirklich so langweilig, wie sie auf den ersten Blick aussehen, oder "noch vielleichter" gehört es zum neuen Konzept der Plattform, dass man sich als Sammelbecken und Multiplikator für den konfessionsübergreifenden gemäßigt-liberalen Mainstream der kirchlichen Social-Media-Arbeit betrachtet und verhält. Jedenfalls wird in der Instagram-"Story" von Horse & Hound in letzter Zeit so allerlei Content von anderen kirchlichen Accounts geteilt, von gemütvoll-gefühligen Neujahrs-Impulsen bis hin zu albern-überkandidelten Ministranten- und Sternsingervideos, aber Original-Content findet man da kaum, und Aufregerthemen fehlen auch und erst recht so gut wie völlig. Da wäre allenfalls ein Beitrag aus der NDR-Satireshow "Extra 3" zum Thema "Wie würde man einem Alien Weihnachten erklären?" zu nennen; der ist eher plump als witzig, richtig unerträglich wird er aber erst durch das bierenste "Framing" von Horse & Hound ("Was feiern wir an Weihnachten eigentlich genau? Wie würdest du es jemandem erklären, der von dem allen noch nichts weiß? @extra3 hat hier einen Versuch unternommen. Was denkst du dazu?"). Und im Kommentarbereich des Instagram-Posts werden kritische Stimmen zu diesem Video von Chef-Wadenbeißer Halagan gnadenlos abgebügelt. Also, die Arbeitsteilung im Team funktioniert offenbar. 

Ein spirituelles Angebot zum Jahreswechsel, das ich uneingeschränkt und unironisch empfehlen kann, ist derweil das "Jahresheiligenziehen" auf der Website des Hilfswerks Kirche in Not. Dabei geht es darum, "zum Jahreswechsel einen Heiligen oder Seligen zu ziehen" – als Vorbild und als Fürbitter

"Wir laden Sie ein, zusammen mit Ihrer oder Ihrem gezogenen Heiligen die eigene Gottesbeziehung zu reflektieren und vielleicht zu verbessern. Lassen Sie sich von der Biografie des Heiligen sowie von ausgewählten Zitaten und Bibelstellen inspirieren." 

Ich könnte nicht sagen, was mich konkret dazu veranlasst hat, dieses Jahr von diesem Angebot Gebrauch zu machen, aber jedenfalls bin ich ausgesprochen erfreut über das Ergebnis: Mir ist auf diesem Wege ein persönlicher Jahresheiliger zuteil geworden, von dem ich bisher noch nie etwas gehört hatte, den ich aber nach dem, was ich im Ökumenischen Heiligenlexikon über ihn gelesen habe, ausgesprochen faszinierend finde – der Hl. Gerardo Maiella (1726-1755). Ich schätze, es kann nicht schaden, ihm einen eigenen Blogartikel zu widmen; vielleicht zu seinem Gedenktag? Der ist allerdings erst am 16. Oktober... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Die Weisen aus dem Osten sind ein Anfang. Sie stehen für den Aufbruch der Menschheit auf Christus hin. Sie eröffnen eine Prozession, die durch die ganze Geschichte hindurchzieht. Sie stehen nicht nur für die Menschen, die zu Christus gefunden haben. Sie stehen für die innere Erwartung des menschlichen Geistes, für die Bewegung der Religionen und der menschlichen Vernunft auf Christus zu. 

Wenn die Weisen, die, vom Stern geführt, nach dem König der Juden suchen, die Bewegung der Völker zu Christus darstellen, ist darin impliziert, dass der Kosmos von Christus spricht; und dass freilich seine Sprache für den Menschen in seiner tatsächlichen Verfasstheit nicht voll zu enträtseln ist. Die Sprache der Schöpfung gibt vielerlei Hinweise. Sie erweckt im Menschen die Ahnung des Schöpfers. Sie erweckt darüber hinaus die Erwartung, ja, die Hoffnung, dass dieser Gott sich einmal zeigen werde. Und sie erweckt zugleich das Bewusstsein, dass der Mensch ihm entgegengehen kann und soll. Aber die Erkenntnis, die aus der Schöpfung hervorgeht und sich in den Religionen konkretisiert, kann auch abdriften, sodass sie den Menschen nicht mehr in Bewegung bringt über sich hinaus, sondern ihn verleitet, sich zu fixieren in Systemen, mit denen er glaubt, den verborgenen Mächten der Welt etwas entgegensetzen zu können. 

(Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Prolog) 


Ohrwurm der Woche 

Johannes Hartl & Friends: Fürst des Friedens

Zum Abschluss der Weihnachtszeit und anlässlich der in der zurückliegenden Woche zu Ende gegangenen MEHR-Konferenz gibt's in dieser Rubrik nochmals etwas Lobpreis aus dem Gebetshaus Augsburg – mit einem an Jesaja 9,5-6 angelehnten Text. Bei der "Beten mit Musik"-Andacht am Mittwoch war dies eins der beiden Stücke, die ich mir aussuchen durfte, und für mein Empfinden war es ein echtes Highlight. Ich glaube, meinem Sohn hat es auch gefallen. 


Vorschau/Ausblick 

Im nächsten Wochenbriefing dürft ihr euch auf einem Abschnitt zum Thema "Innenansichten aus der Sternsingerei" (o.s.ä.) freuen, denn ich war heute von morgens bis in den Nachmittag hinein damit beschäftigt, eine Sternsingergruppe durch Siemensstadt und Haselhorst zu begleiten – so beschäftigt, dass ich bisher keine Zeit hatte, auch noch darüber zu schreiben.. Aber das kommt noch! Der Neujahrsempfang der Großpfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland, von dem ich irrtümlich angenommen (und so auch in der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings angegeben) hatte, er wäre erst morgen, ist tatsächlich heute Abend, und da es bei Redaktionsschluss noch nicht absehbar war, ob sich das zeitlich mit der Sternsingeraktion unter einen Hut bringen lassen würde, wirst du, o Leser, dich überraschen lassen müssen, ob ich im nächsten Wochenbriefing etwas darüber zu berichten haben werde. Aber ich möchte eigentlich schon hin, zumal ich als engagierter Laie eine persönliche Einladung erhalten habe. – Am morgigen Sonntag ist jedenfalls Taufe des Herrn und damit liturgisch der Abschluss der Weihnachtszeit; die Gelegenheit, uns am Ökumenischen Krippenpilgern in Spandau zu beteiligen, haben wir damit wohl verpasst, aber hey, es gibt Schlimmeres. Am Montag hoffe ich den als Pfarrvikar von St. Klara Reinickendorf-Süd offiziell bereits verabschiedeten Priester aus Nigeria noch einmal zu sehen, um über die Möglichkeit eines Besuchs in seiner Heimatdiözese im nächsten Herbst zu sprechen; am Mittwoch feiert ein gemeinsamer Freund unserer Kinder seinen 6. Geburtstag, da trifft es sich gut, dass diese Woche noch kein JAM ist – das geht nämlich erst am 21. wieder los. Neues von den Pfadfindern dürfte es in absehbarer Zeit auch mal wieder geben; und darüber, wie es unserem Jüngsten beim Kampfsport so ergeht, will ich auch mal was schreiben, wenn neben den ganzen anderen Themen Platz dafür bleibt... 


Donnerstag, 8. Januar 2026

Horrendum est 2: Die hippen Missionare und der lebendige Gott

Ich deutete es unlängst schon an: Am interessantesten an der Darstellung charismatischer oder in anderer Weise, sagen wir mal, "intensivreligiöser" Christen als gefährliche Fanatiker, wie sie zuletzt in der ARD-Reportage "Die hippen Missionare – Mit Jesus gegen die Freiheit?" zu bewundern war, finde ich eigentlich die daraus sozusagen ex negativo ableitbaren Vorstellungen darüber, wie ein "normales", nicht-radikales, sozialverträgliches, in einer pluralistischen Gesellschaft tolerierbares Christsein auszusehen hätte. 

Explizit wird diese Frage im Film kaum diskutiert, weder von den Journalisten des Bayerischen Rundfunks noch von den Leuten, die zu ihrer Kritik am Gebetshaus Augsburg, an der Loretto-Gemeinschaft oder den FOCUS-Hochschulmissionaren interviewt werden; aber natürlich haben sie gewisse Vorstellungen darüber, die, so wenig reflektiert sie auch sein mögen, ihre Wahrnehmung der genannten Gruppen und ihr Urteil über sie prägen – man könnte vielleicht sogar sagen, sie prägen sie desto mehr, je weniger reflektiert sie sind.

Dass die Macher der Sendung sich ihrem Thema mit einer von eher wenig Sachkenntnis und umso mehr Vorurteilen geprägten Haltung genähert haben, verrät vielfach schon die Wortwahl – etwa, wenn es vom Gebetshaus Augsburg heißt, es stehe "allen christlichen Religionen" offen – und noch mehr im Tonfall des Voice-Over-Kommentars, etwa wenn Begriffe wie "Jüngerschaftsschule" nur mit ironisch geschürzten Lippen ausgesprochen werden oder wenn Bernadette Lang, die Leiterin der HOME Akademie in Salzburg, als "das Postergirl der Loretto-Gemeinschaft" vorgestellt wird. 

Dass man mit einer solchen Haltung keine brauchbare Dokumentation, sondern allenfalls Propaganda fabrizieren kann, sollte eigentlich auf der Hand liegen: Für eine Dokumentation, die diese Bezeichnung wirklich verdiente, wäre es erforderlich, die Perspektive derer, über die man berichten will, wenigstens so weit gedanklich nachzuvollziehen, dass man sie korrekt darstellen kann. Daran haben die Macher der Sendung "Die hippen Missionare" ersichtlich kein Interesse, und dazu ist wohl auch das Brett vor ihrem Kopf zu dick. 

Schon wie der erste Auftritt des Gebetshaus-Gründers Johannes Hartl in den ersten Minuten des Films in Szene gesetzt wird, ist in mehrfacher Hinsicht aufschlussreich: Vorgestellt wird er als "ein katholischer Theologe" – und gleichzeitig dabei gezeigt, wie er auf der Bühne der MEHR-Konferenz betet, wodurch subtil angedeutet wird, dies zu tun sei für einen katholischen Theologen irgendwie ungehörig, zumindest aber ungewöhnlich. Während die Kamera Hartls bunte Turnschuhe ins Visier nimmt, wird präzisiert, Hartl sei "kein Priester – aber er predigt"; die auffallend strukturkonservative, amtskirchenfixierte Sicht auf christliche Glaubenskommunikation, die in dieser Bemerkung zum Ausdruck kommt, ist für die Sendung insgesamt kennzeichnend: Mehrfach wird betont, dass die im Mittelpunkt der Darstellung stehenden Initiativen – das Gebetshaus Augsburg, Loretto, FOCUS – "private Vereine" seien, so als sei das etwas Unanständiges. Darauf wird noch zurückzukommen sein. Erst einmal erscheint an der in vorwurfsvollem Ton vorgebrachten Feststellung, Hartl predige, etwas anderes entscheidend; denn was predigt er? "Seine Weltsicht"

Einmal abgesehen davon, dass man meiner Erfahrung nach recht gut unterscheiden kann, wo Johannes Hartl in seinen Vorträgen lediglich seine persönliche Sichtweise zum Ausdruck bringt und wo er sich auf die Bibel, die kirchliche Lehre oder die Werke zeitgenössischer oder früherer Theologen und Philosophen beruft, stellt sich hier die Frage: Was ist so schlimm daran, wenn er "seine Weltsicht" kommuniziert? Warum sollte er das nicht dürfen? Die Antwort ist bestechend: Hartl vertrete die Auffassung, dass "sich nicht jeder selbst seine Wahrheit zurechtlegen könne". In der Tat, das tut er, und das tue ich auch; deutlich schwingt hier allerdings der Vorwurf mit, dadurch, dass Hartl seine eigene Weltsicht verabsolutiere, spreche er anderen das Recht ab, dasselbe zu tun. Dieser Vorwurf ergibt freilich nur dann Sinn, wenn man den Umstand ausklammert, dass das, was Johannes Hartl in seinen im weitesten Sinne "predigtartigen" Vorträgen darlegt, eben gerade nicht "just, like, his opinion" ist, wie der Dude sagen würde; aber jetzt fangen wir an, uns im Kreis zu drehen. Halten wir lieber mal fest: Wenn schon die Aussage, dass "sich nicht jeder selbst seine Wahrheit zurechtlegen könne", als problematisch empfunden wird, dann erklärt das eine ganze Menge über diesen Film – und über den weltanschaulichen Standpunkt seiner Macher. 

Schon im Titel des TV-Beitrags wird ja, wenn auch schamhaft mit einem Fragezeichen versehen, ein Gegensatz zwischen den Begriffen "Jesus" und "Freiheit" aufgemacht; wie der Passauer Bischof Stefan Oster in seiner Stellungnahme zur Sendung angemerkt hat, setzt das freilich "die gängige Freiheitsauffassung einer liberalen, digital abgelenkten und weitgehend materialistischen Gesellschaft" voraus, die sich fundamental davon unterscheidet, was der Apostel Paulus meint, wenn er schreibt "Zur Freiheit hat uns Christus befreit" (Gal 5,1). Nun kann man der Meinung sein, ein "tieferes Eingehen auf solche Grundfragen", dessen Ausbleiben Bischof Oster in seiner Stellungnahme bemängelt, sei von einer Fernsehreportage schlechterdings nicht zu erwarten; gleichwohl müsste es ohne diesen Hintergrund unverständlich bleiben, wie die Filmemacher darauf kommen, "Beten [und] Lobpreisen" als Negation von "Freiheit und Selbstentfaltung" anzusehen. Überhaupt wird dem Thema Gebet mit einer ausgeprägten Skepsis begegnet. Wann immer in dieser Sendung die Rede davon ist, dass junge Leute zum Beten angehalten werden, schwingt darin deutlich hörbar die Verdächtigung mit, dass da Manipulation, ja Gehirnwäsche im Spiel sein müsse. Und wozu sollen die jungen Leute manipuliert werden? Dazu, "das ganze Leben auf Gott aus[zu]richten". Was aus der Perspektive des, wie wir gesehen haben, stillschweigend vorausgesetzten individualistischen Freiheitsbegriffes natürlich problematisch ist. 

Gewiss: Religion bindet den Menschen, das steckt schon im Wort selbst. Und damit haben die Macher dieser Reportage ganz grundsätzlich ein Problem. So gesehen überrascht es auch kaum, dass die in der Sendung porträtierten geistlichen Bewegungen durchweg für Positionen kritisiert werden, die keineswegs spezifisch für sie sind und die im kirchlichen Kontext auch durchaus nicht besonders "radikal" oder "extrem" sind. Bestes Beispiel: Der einzige wirklich konkret fassbare Vorwurf, der gegen die Loretto-Gemeinschaft erhoben wird – abgesehen von vagem Geraune darüber, dass diese Gruppierung halt irgendwie sektenmäßig rüberkomme –, ist, dass sie gegen Abtreibung ist. Eine in der Sendung als Loretto-"Aussteigerin" präsentierte junge Frau, Sarah Schlegel, erinnert sich an eine Gebetswache auf dem Salzburger Festungsberg, an der sie als Jugendliche teilgenommen habe: 

"Da vorne ist das Landeskrankenhaus, da sind die Lorettos gestanden, um gemeinsam dafür zu beten, dass die Abtreibungsklinik zumachen muss. Die Dämonen aus der Abtreibungsklinik austreiben." 

Zu den Dämonen vielleicht später oder ein andermal; entscheidend ist hier erst einmal, dass diese Positionierung gegen die Abtreibungsklinik der Punkt war, an dem Sarah Schlegels Einstellung zur Loretto-Gemeinschaft, in der sie sich bis dahin ausgesprochen wohl gefühlt hatte, zu kippen begann. 

"Es kann net im Interesse von einer jungen Frau sein, dass die Abtreibungsklinik, die einzige in der Stadt, zusperrt." 

So, kann es das nicht. Völlig unhinterfragt wird hier die Auffassung vertreten, wohnortnah die Möglichkeit zur Abtreibung zu haben sei ein notwendiger und selbstverständlicher Bestandteil weiblicher Selbstbestimmung. Dass das nicht nur die Loretto-Gemeinschaft anders sieht, sondern die katholische Kirche als ganze und mit ihr die meisten anderen christlichen Konfessionen, ja dass es geradezu eine christliche Kernüberzeugung ist, dass schon dem ungeborenen Kind die Würde zukommt, geliebtes und gewolltes Kind Gottes zu sein, kommt dabei überhaupt nicht in den Blick. 

Die Loretto-"Aussteigerin" ist in Salzburg inzwischen als "Pro Choice"-Aktivistin unterwegs: Die Doku zeigt sie bei einer Protestkundgebung gegen den "1000-Kreuze-Marsch". – "Plötzlich tauchen diese jungen Frauen auf", heißt es sodann mit bedrohlichem Unterton: Diese jungen Frauen kommen von der HOME Base der Loretto-Gemeinschaft, haben dort die Jüngerschaftsschule absolviert. Nach dem Gespräch mit ihnen ist Sarah Schlegel sichtlich aufgewühlt, findet es aber "traurig zu sehen, dass sie sich kein Stück verändert haben in acht Jahren." Andere würden es vielleicht traurig finden, wie sehr Sarah Schlegel sich in diesen acht Jahren verändert hat. 

Eng mit der Frage der Haltung zum Thema Abtreibung verknüpft sind natürlich weitere fundamentale Auffassungsunterschiede zu Fragen von Geschlechterrollen und Sexualität. In diesem Sinne meint die in der Sendung als Kronzeugin gegen Loretto vorgeführte Sarah Schlegel, Loretto wolle grundsätzlich "kein Selbstbestimmungsrecht für Frauen", vielmehr sollten diese "am besten für die Kindererziehung sich widmen, am besten eigentlich – ja, eben so das traditionelle Familienbild aufrecht erhalten". Was natürlich die Frage aufwirft, was an diesem traditionellen Familienbild eigentlich so furchtbar ist – oder anders gesagt, was das Problem daran ist, wenn es Frauen gibt, die gerade darin ihre Freiheit und Selbstentfaltung finden. Maria Hinsenkamp, die in ihrer Studie "Visionen eines neuen Christentums" erstmals das Phänomen "Kingdom-minded Network Christianity" (kurz "KiNC") beschrieben und benannt hat, erklärt im Interview, die "Rolle der Mutter" werde in diesen Kreisen "natürlich ganz stark gewertschätzt"; und als Beleg dafür wird sogleich gezeigt, dass im Gebetshaus Augsburg "viele Mütter mit Kindern" anzutreffen sind: "Drei, vier, fünf Kinder pro Familie. Für Johannes Hartl eine Idealvorstellung." Ja, und was ist daran jetzt bitte verkehrt oder schlimm? Diese Frage muss der Zuschauer sich offenbar selbst beantworten. Ein mal spöttischer, mal skeptischer, mal entrüsteter Tonfall im Voice-Over-Kommentar suggeriert dem Betrachter, wie er das Dargestellte finden soll, Begründungen werden offenbar nicht als notwendig erachtet. 

Auch bei der Kritik am Wirken der Initiative FOCUS (Fellowship of Catholic University Students) an der Uni Passau ist "der Umgang mit Sexualität" ein Thema, das "betroffene Studierende immer wieder" erwähnen. Hier kippt der unbedingte Wille der Filmemacher zur Skandalisierung schon ins unfreiwillig komische, wenn es heißt: "Die FOCUS-Missionare gingen angeblich so weit, Programme anzubieten." Was bitte soll denn so schlimm daran sein, Programme anzubieten? – Nun, natürlich das Ziel dieser Programme, auch wenn das erst im nächsten Satz verraten wird; nämlich "die Befreiung von sexuellen Sünden". Diese Bemühungen lösten offenbar Proteste aus, die die Leitung der Katholischen Studentengemeinde veranlasste, "das Wirken der FOCUS-Missionare untersuchen" zu lassen – und zwar "vom damaligen bischöflichen Ansprechpartner für geistlichen Missbrauch". Dessen Bericht zufolge ging es bei den inkriminierten "Programmen" wohl "vor allem um Pornosucht – oder was die Missionare darunter verstehen." Aus dem Untersuchungsbericht wird zitiert: 

"Pessimistisch bis katastrophierend wird behauptet, als seien der Konsum von Pornofilmen und die Ausübung der Selbstbefriedigung per se unfrei machende Verhaltensweisen. Das ist wissenschaftlich keinesfalls haltbar." 

Mal abgesehen von dem auffälligen Bruch im Satzbau würde ich persönlich ja sagen, der eigentliche Skandal sei hier, dass eine offizielle Dienststelle eines katholischen Bistums – unter vager Berufung auf angebliche oder sogenannte "Wissenschaftlichkeit" – Pornokonsum und Selbstbefriedigung zu "entproblematisieren" versucht; aber an so etwas ist man heutzutage wohl schon einigermaßen gewöhnt – wenn auch nicht unbedingt im Bistum Passau

Und wie steht es mit der Kritik am Gebetshaus Augsburg, die in Gestalt von Simone Coring personifiziert wird, einer studierten Theologin, die vor Jahren selbst mal ein Volontariat im Gebetshaus abgeleistet hat? Zwei Punkte stehen da im Mittelpunkt, die im Laufe der Sendung mehrfach angesprochen werden. Der erste ist die "kriegerische Metaphorik", die sie da im Gebetsraum erlebt haben will. "Ich glaube, es war dann wirklich das erste Mal, als ich dann in den Gebetsraum gegangen bin, eine junge Frau betete: Lasst uns hier die Mauern besetzen und gegen die Dämonen kämpfen." Darauf angesprochen, erklärt Johannes Hartl, das sei ein "wording", das im Gebetshaus "gar nicht erlaubt" sei: "Eine unserer Grundaussagen ist, dass wir nie gegen etwas beten, sondern für etwas." Ich muss sagen, mir persönlich ist diese Reaktion ein bisschen zu defensiv. Als ich zum ersten Mal bei der MEHR-Konferenz war – im Januar 2017 –, hielt Johannes Hartl zum Abschluss des Programms einen Vortrag mit dem Titel "Erwecke die Helden", zu dem ich seinerzeit notierte, es gehe darin u.a. um die Beobachtung, 

"dass die Bibel stellenweise in sehr kriegerischen Metaphern vom Auftrag der Christen in der Welt spricht; das gelte heutzutage vielfach als anrüchig und stehe in einem Spannungsverhältnis dazu, dass die christliche Botschaft heute allzu oft einseitig zu Friede, Freude und Eierkuchen verflacht werde". 

Und ja, ich habe es mehrfach erlebt, dass Leute, denen ich Auszüge aus dem besagten Vortrag auf YouTube gezeigt habe, mit Unbehagen auf diese "kriegerische Metaphorik" reagiert haben. Ich hätte aber gedacht, dieses Reaktionsschema wäre allmählich mal passé – wo Wehrbereitschaft und Kriegstüchtigkeit doch wieder "in" sind und sogar Robert Habeck und Campino sagen, heutzutage würden sie nicht mehr den Wehrdienst verweigern. Was gegen Russland recht ist, sollte das nicht auch "gegen Mächte und Gewalten, gegen die Weltherrscher dieser Finsternis, gegen die bösen Geister in den himmlischen Bereichen" (Eph 6,12) billig sein? 

Der zweite Punkt betrifft den Vortrag einer nicht namentlich genannten Person, die damals im Vorstand des Gebetshauses war, heute jedoch nicht mehr dort tätig ist: Aus diesem Vortrag ist Simone Coring die Aussage im Gedächtnis geblieben, "wenn du, oder in deiner Familie, wenn's dort Krebs gibt, dann wär's wichtig, dass du auch mal schaust, ob's in deiner Familie, oder auch in den Generationen vorher, 'sündhafte Verstrickungen' gibt". Eine Aussage, die sie, sie sie betont, "wirklich als extrem gefährlich auch empfunden" habe – warum? Weil sie meint, "der Umkehrschluss wäre ja, Menschen die krebskrank sind, entweder sind sie selber schuld oder ihre Eltern oder Großeltern, weil da offensichtlich Sünde in der Familie ist". Ich würde meinen, hier gilt es deutlich zu sagen, dass dieser vermeintliche "Umkehrschluss" ihre eigene Assoziation ist und sich aus dem von ihr aus der Erinnerung wiedergebenen Wortlaut keineswegs zwingend ergibt; ehrlich gesagt finde ich es eher erschreckend, dass eine Frau, die Theologie studiert hat, so wenig mit dem Begriff "Sünde" anfangen kann, dass sie die zitierte Aussage nur als Schuldzuweisung verstehen kann. Wäre sie tatsächlich als solche gemeint, dann ließe sich dagegen natürlich – z.B. unter Verweis auf Ezechiel 18,2-3, Lukas 13,1-5 oder Johannes 9,1-3 – allerlei einwenden, aber so weit wird hier ja gar nicht reflektiert. Als Simone Coring ihre Kritik im persönlichen Gespräch mit Johannes Hartl vorbringt, beurteilt dieser die von ihr referierte Aussage aus dem Vortrag zwar als "strange" und betont, er würde sie "so natürlich überhaupt nicht unterschreiben", aber mit der Einschätzung Simone Corings, eine solche Aussage sei "tatsächlich auch sehr gefährlich", will er dann doch nicht mitgehen: 

"Wo sehen Sie da jetzt die Gefahr? Zum Beispiel, wenn man sagen würde – Keine Ahnung – es gibt da Verstrickungen, die vielleicht auch krank machen? [...] Wenn man jetzt eher sagen würde, es ist vielleicht eine größere problematische Familienkonstellation, die sich auch körperlich manifestiert oder so?" 

Simone Coring bleibt jedoch bei ihrer Lesart: 

"Aber letztendlich wird damit doch die Schuld – in Anführungsstrichen –, die es ja für solche Erkrankungen definitiv nicht gibt, da sind wir uns ja glaub ich einig, wird ja auf die Person im Zweifel gewälzt, die krank ist." 

Mir stellen sich da ein paar Fragen: Wenn man beispielsweise sagt, das Rauchen sei der größte bekannte Risikofaktor für Lungenkrebs, stellt das dann auch eine unzulässige Schuldzuweisung an Krebskranke dar, die vielleicht jahrzehntelang starke Raucher waren? Oder wenn man von gesunder Ernährung spricht, impliziert das nicht, dass schlechte Ernährungsgewohnheiten eine Vernachlässigung der Verantwortung für die eigene Gesundheit bedeuten? Und ist es nicht allgemein anerkannt, dass Risikofaktoren für eine Vielzahl von Krankheiten, darunter auch Krebs, innerhalb der Familie weitergegeben werden können? Wenn man dies alles berücksichtigt, was ist dann eigentlich so furchtbar an der These, dass "sündhafte Verstrickungen" in der familiären Vorgeschichte dazu beitragen können, jemanden krank zu machen? 

Letztendlich, so scheint mir, haben wir es hier – ebenso übrigens wie bei dem greifbaren Unbehagen angesichts des Themas "Kampf gegen Dämonen" – mit der Leugnung einer spirituellen Realität zu tun. Präziser gesagt, man kann oder will sich nicht recht vorstellen, dass es eine geistliche Welt gibt, die (mindestens) genauso real ist wie die materielle, und deshalb erscheint die Idee, Sachverhalte aus der spirituellen Welt, wie z.B. eben Sünde, könnten sich in die materielle Welt hinein auswirken, schlichtweg gruselig. Wie ich schon während der Corona-Krise einmal versucht habe darzulegen, bin ich tatsächlich überzeugt, dass genau hier eine Wasserscheide innerhalb der Kirche verläuft: Wir haben in der akademischen Theologie, im institutionellen Apparat der Kirche, aber auch unter einfachen Gemeindemitgliedern einen liberalen Mainstream, in dem das Christentum als Weltanschauung, als ethisches Fundament, als Wertesystem geschätzt und hochgehalten wird (auch wenn daran hier und da Anpassungen vorgenommen werden müssen, um nicht mit säkularen Konzepten von Toleranz und individueller Selbstentfaltung in Konflikt zu geraten); aber von Gott nicht nur – hier zitiere ich mich mal selbst – "als gedankliches Konstrukt [...], als Metapher, als Personifikation irgendwelcher 'Werte' oder 'Haltungen'" zu sprechen, "für die die Institution Kirche steht oder stehen sollte", sondern an einen Gott zu glauben, der wirklich ist, in dem Sinne, dass Er tatsächlich in der Welt und im Leben der Gläubigen wirkt, das ist diesem liberalen (Post-)Christentum zutiefst fremd, und wer das tut, der erscheint aus dieser Sicht als "Fundamentalist", als Fanatiker, als gefährlich

Ganz am Ende der Sendung wird Simone Coring dabei gezeigt, wie sie bei einem Vortrag von Johannes Hartl im Publikum sitzt und sich darüber wundert, wie fremd ihr das alles geworden ist: "Theoretisch verbindet mich mit den Leuten viel, ich bin ja gläubig." Der Voice-Over-Kommentar ergänzt: "Aber ihr Glauben hat nicht mehr viel gemein mit dem, was Bewegungen wie das Gebetshaus, FOCUS oder Loretto vertreten." – Ist das so? Woran glaubt sie dann? Was genau meint sie, wenn sie sich als gläubig bezeichnet? Diese Frage drängt sich auf, da die Sendung für mein Empfinden überzeugende Belege dafür schuldig bleibt, dass die genannten Initiativen oder Bewegungen etwas lehren und/oder praktizieren, das nicht auf dem Boden der katholischen Glaubenslehre stünde. Eben darum wirkt der Versuch, die Unterstützung der "Amtskirche" für diese Initiativen zu skandalisieren, so tragikomisch: So heißt es über die Loretto-Gemeinschaft, sie werde "finanziell großzügig unterstützt von niemand geringerem als dem Passauer Bischof Stefan Oster", und ihre Niederlassung in der Dreiflüssestadt liege "mitten auf dem Domplatz, zwischen Bischofssitz und Dom. Jüngerschaftsschule inklusive" – wozu mir nur einfällt: Ja, warum denn auch nicht? Die Antwort auf diese Frage hängt natürlich, wie ich schon in der Einleitung zu diesem Artikel angedeutet habe, damit zusammen, was für ein Bild "von Kirche" die Macher der Sendung ihren Zuschauern suggerieren wollen: wie eine Kirche sein müsste, an der es nichts zu kritisieren oder zu skandalisieren gäbe. Am deutlichsten greifbar wird dieses Kirchen-Wunschbild in den Äußerungen von Anna Katharina Brose, die in der Sendung als Kronzeugin gegen FOCUS in Szene gesetzt wird: Sie war in der Passauer Studentengemeinde aktiv, bis dort die FOCUS-Missionare an Einfluss gewannen, was dazu führte, dass sie sich dort nicht mehr wohl fühlte. In der Sendung heißt es sogar, die "FOCUS-Aktivitäten" hätten die Studentin "in eine wahre Glaubenskrise geführt": "Selbst einen Kirchenaustritt hat sie erwogen. Erst der Umzug weg von Passau hat ihr geholfen." Sie selbst erzählt: 

"Ich geh' in den allerersten Gottesdienst im Bistum Limburg, und es war Frauenpredigttag, ich wurde dann später eingeladen zu Ausstellungen zum Thema 'Queer und katholisch'." 

Im ersten Moment dachte ich, das sei ja fast schon zu klischeehaft, um wahr zu sein. Bistum Limburg, na klar. Wenn Anna Katharina Brose allerdings fortfährt "Ich saß einfach da und hatte Tränen in den Augen – weil ich in dem Moment wirklich gemerkt hab: Nein, ich bin nicht alleine!" und, während sie dies erzählt, erneut Tränen in den Augen hat, wirkt sie durchaus sehr authentisch und fast schon sympathisch – aber gleich darauf verfällt sie in jenen trotzig-belehrenden Tonfall, den man aus dem postchristlich-progressiven Milieu so gut kennt

"Weil 'katholisch' nämlich nicht heißt: eine kleine Elitegemeinde der besonders Frommen, die unter sich sind, die keine anderen Meinungen zulassen; sondern 'katholisch' heißt 'allumfassend'." 

Einige Minuten zuvor hat der geneigte Fernsehzuschauer sie darüber sprechen hören, wie eine frühere Freundin von ihr unter den Einfluss der FOCUS-Missionare geraten sei; wenn sie versucht habe, mit ihr darüber zu sprechen, habe sie festgestellt, dass "die Worte, die sie gesagt hat, einfach eins zu eins Sprache der Missionare waren". Man fragt sich unwillkürlich, ob diese Freundin Ähnliches auch über sie sagen würde, wenn sie sie hier im Brustton der Überzeugung ausgelutschte liberalkatholische Plattitüden nachbeten hörte. Nebenbei bemerkt klingt das, was hier den FOCUS-Missionaren vorgeworfen wird, doch ziemlich stark nach Projektion: Wären sie tatsächlich so elitär und darauf bedacht, "unter sich" zu bleiben, hätte der Rest der (kirchlichen und erst recht nicht-kirchlichen) Welt wohl kein Problem mit ihnen; was an ihnen als problematisch wahrgenommen wird, ist doch gerade, dass sie nicht "unter sich" bleiben, sondern offensichtlich Zulauf haben. Und könnte es nicht vielleicht sein, dass gerade die "progressiven" (Post-)Christen sich als eine Elite, nun vielleicht nicht gerade der besonders Frommen (da "fromm" in diesen Kreisen ein eher negativ besetzter Begriff ist), aber der besonders Moralischen (nach ihren eigenen moralischen Mäßstäben) sehen und verhalten? – Wenn Anna Katharina Brose abschließend erklärt "Und jetzt, ja, nach den zwei Jahren, wo ich jetzt in 'nem anderen Bistum bin, kann ich wieder sagen: Ja, ich bin katholisch, und das gerne, und ich bin da stolz drauf", dann erinnert mich das an nichts so sehr wie an einen Dialog, den ich in den späten 90ern mal mit angehört habe, zwischen zwei Leuten (m/w), mit denen ich damals in einer Theatergruppe war: 

Er: "Im Prinzip bin ich eigentlich Vegetarier, ich würde mich bloß nie so nennen." 

Sie: "Ich nenne mich schon so, es stimmt bloß nicht." 

True Story. Und jetzt stelle ich mir vor, wie diese ehemalige Passauer Studentin genüsslich ein saftiges Steak verdrückt und dabei erklärt: "Ja, ich bin Vegetarierin, und das gerne, und ich bin da stolz drauf."

Zu denken geben könnte es auch, dass das erwünschte, als "progressiv" verkaufte Kirchenbild in dieser Sendung außer von Anna Katharina Brose und einem "junge[n] Firmbegleiter", der ungenannt bleiben möchte, weil er fürchtet, sonst womöglich Probleme zu bekommen ("Ich engagiere mich für Jugendarbeit in der Kirche. Was dann vielleicht nicht mehr möglich ist. Ich weiß ja nicht, was da so im Hintergrund abläuft" – merke: Es ist keine Verschwörungstheorie, wenn die Guten es sagen!), eher von Angehörigen der Boomer-Generation verkörpert wird: von einer früher in der Passauer Studentengemeinde tätigen Pastoralreferentin (kurze graue Haare, Brille, Strickjacke) und der KDFB-Funktionärin Adelinde Grad (kurze graue Haare, Brille, rosa Blazer). Letztere wird als ein Beispiel dafür vorgeführt, dass "reformorientierte Kirchenmitglieder" die Ansiedlung der Loretto-Gemeinschaft im Bistum Passau zunächst durchaus hoffnungsvoll betrachtet hätten – und zwar aufgrund der Wahrnehmung, das Auftreten und die Methoden dieser Gruppierung hätten Ähnlichkeit mit evangelischen Freikirchen: "Insgeheim hab i mer gedacht: Mensch, das wäre eine Chance für uns Frauen", erklärt Adelinde Grad. "Denn in Freikirchen gibt's Pastorinnen, in Freikirchen dürfen Frauen predigen – in der katholischen Kirche ist das schwierig." Die Hoffnung, Loretto würde in dieser Hinsicht frischen Wind bringen, habe sich jedoch nicht erfüllt – und zwar, so Adelinde Grad, weil da in ein grundsätzlich aus dem freikirchlichen Bereich übernommenes Modell speziell katholische Elemente "mit 'reingepflanzt" worden seien, wozu sie neben dem Rosenkranzgebet auch eine "strenge Sexualmoral" und eben den Grundsatz "Frauen haben nicht zu predigen" zählt. Ich würde sagen, diese Einschätzung verrät eine eher oberflächliche Kenntnis der Lehre und Praxis von Freikirchen, aber im Rahmen der Sendung wird sie nicht hinterfragt. 

Kommen wir abschließend noch einmal auf die "KiNC"-Expertin Maria Hinsenkamp zurück, die im Interview erklärt: 

"Da, wo eine bestimmte Ausdrucksform des Christentums absolut gesetzt wird, und wo ein Exklusivitätsanspruch besteht, dass nur die eine Form, diese eine Ausdrucksform die wirklich richtige ist, da ist es immer schon gefährlich." 

Da möchte ich nicht unbedingt widersprechen; ich frage mich allerdings, inwieweit sich diese Aussage auf Bewegungen oder Strömungen innerhalb der Kirche anwenden lässt, die sich – meiner Wahrnehmung und Erfahrung zufolge – gerade durch eine große Vielfalt an Ausdrucksformen auszeichnen, von Rosenkranz und Stundengebet über Eucharistische Anbetung bis hin zu Lobpreis-Pop und freien Fürbitten. Wie ich schon öfter angemerkt habe, erscheint mir die Vielfalt an Ausdrucksformen in der religiösen Praxis von als "fundamentalistisch" oder erz-ultra-irgendwas denunzierten Gemeinschaften erheblich größer und "bunter" als bei den postchristlichen Liberalen. Es steht daher zu vermuten, dass Frau Hinsenkamp mit der Bezeichnung "Ausdrucksformen" etwas anderes meint – oder vielleicht, dass sie tatsächlich nicht versteht, dass unterschiedliche Ausdrucksformen des einen Glaubens nicht mit fundamental unterschiedlichen Auffassungen über Glaubensinhalte auf eine Stufe gestellt werden können; geschweige denn, dass das Ausmaß unterschiedlicher Auffassungen zu Glaubensfragen, das innerhalb einer Religionsgemeinschaft toleriert werden kann, naturgemäß und zwangsläufig begrenzt ist. 


Samstag, 3. Januar 2026

Utopie und Alltag 6: Zwischen den Jahren ist auch eine Art Epizentrum

Herzlich willkommen zum ersten Wochenbriefing des Kalenderjahres 2026, o Leser! Seid ihr alle gut reingekommen? Bei uns verlief der Silvesterabend tendenziell ruhiger als vor einem Jahr, als er von Kugelbomben-Explosionen und Wasserrohrbrüchen geprägt war. Auch über die Neujahrsnacht hinaus liegt eine größtenteils eher ruhige Woche hinter uns, aber an Themen für das Wochenbriefing mangelt es trotzdem nicht; es gibt sogar genug zu berichten, dass ich es mir leisten kann, weiterhin nichts zu der in der ARD übertragene Christmette in der Stuttgarter Kirche St. Maria zu sagen, in der, wie es auf Not the Bee hieß, "die Geburt von Lurtz, dem Uruk-Hai", gefeiert wurde. Na ja, fast nichts. Ich habe durchaus Verständnis dafür, dass mindestens ein Teil meiner Leserschaft eine Stellungnahme von mir dazu erwartet, denn irgendwie gehört es ja schon in das Themenspektrum meines Blogs hinein, aber es gibt so Themen, da sage ich mir, da haben schon genug andere Leute was dazu gesagt, da muss ich das nicht auch noch, und wenn ich könnte, würde ich die Gesamtmenge der dazu kursierenden Meinungsäußerungen lieber verringern, als noch eine weitere hinzuzufügen. Besonnen, klar und vernünftig finde ich allerdings die Stellungnahme des kroatischen Priesters Zvonko Tolić, die mir auf Facebook begegnet ist. Und nun können wir hoffentlich über was anderes reden! 


Die Reste vom Feste 

Nachdem wir am Weihnachtstag, wie berichtet, in der EFG The Rock Christuskirche zum Raclette-Essen waren, stand tags darauf, am Stephanustag, "Oma-Weihnachten" bei meinen Schwiegermüttern auf dem Programm, und da gab's Wildschweinbraten. Alles in allem hatten wir einen schönen und entspannten Nachmittag und Abend, auch wenn die typische saisonale Erkältung, die am Heiligabend unseren Jüngsten zeitweilig auf die Matte geschickt hatte, nun offenbar bei mir angekommen war; auch das Tochterkind wirkte gesundheitlich ein bisschen angeschlagen. Das setzte sich am nächsten Tag fort, was vor allem deshalb ungünstig war, weil wir da Besuch bekamen – von einem gemeinsamen Freund unserer Kinder und seiner alleinerziehenden Mutter. Nun, immerhin spielten die Jungs schön mit den neuen Playmobil-Figuren unseres Jüngsten, und die Erwachsenen tranken Glühwein – für mich war das der erste in diesem Winter. Dazu gab's Spaghetti und Chicken Wings. Ein typischer "Gammel"-Tag nach dem Feiertagstrubel, könnte man sagen. Ach ja, und preisreduzierte Lebkuchen kauften wir auch. 

Auch "zwischen den Jahren" herrschten bei uns zu Hause, was Aufstehen, Anziehen, Essen und allgemein "Dinge tun" angeht, eher lockere Sitten, allerdings bemühte zumindest ich mich, ab Montag wieder einigermaßen zeitig (d.h. "nur" eine Stunde später als an Schultagen) aufzustehen und in einen produktiven Tagesrhythmus zurückzufinden, ohne dadurch die anderen Familienmitglieder daran zu hindern, ihre Ferien zu genießen. So ist es mir immerhin gelungen, neben diesem Wochenbriefing auch meinen Jahresrückblog, äh, -blick termingerecht fertig zu kriegen, aber darüber hinaus habe ich noch so allerlei in der Pipeline, was noch nicht fertig geworden ist. Na, ab kommendem Montag werden wieder andere Saiten aufgezogen... 


Ein Abschied und eine Einladung 

Am Sonntag in der Weihnachtsoktav war erstens das Fest der Heiligen Familie (und somit das Patronatsfest der Spandau-Havelländer Großpfarrei), zweitens feierte Erzbischof Heiner Koch in der St.-Hedwigs-Kathedrale ein Pontifikalamt zum offiziellen Abschluss des Heiligen Jahres, musikalisch mitgestaltet von der Blaskapelle St. Hubertus Petershagen; und drittens stand, vor unserer Haustür in Herz Jesu Tegel, die Verabschiedung des aus Nigeria stammenden Pfarrvikars der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd an. Solange meine Liebste und ich unsere Vision von Laienapostolat in der Tegeler Gemeinde zu verwirklichen versuchten, hatte dieser Geistliche stets zu den wenigen Leuten in der Pfarrei gezählt, auf deren Unterstützung und Wohlwollen wir zählen durften; er hatte uns die Hauskommunion gebracht, als meine Liebste während ihrer Schwangerschaft mit unserem Jüngsten Bettruhe verordnet bekommen hatte, und unseren Jüngsten getauft hat er auch. Nach alledem war es wohl Ehrensache, dass wir uns bei seiner Verabschiedung sehen ließen, auch wenn wir da Gefahr liefen, Leuten zu begegnen, denen wir normalerweise lieber aus dem Weg gehen. Beim Empfang zum 40-jährigen Priesterjubiläum dieses Geistlichen waren wir ja auch gewesen. 

Wie ich erfuhr, war es eigentlich nicht der Wunsch des scheidenden Pfarrvikars gewesen, dass seine Verabschiedung ausgerechnet im Rahmen einer Abendmesse stattfinden sollte, aber der Pfarrer hatte es so entschieden, mit dem Argument, dass auf diese Weise alle Geistlichen der Pfarrei daran teilnehmen könnten. Daraufhin hatte der "zu Verabschiedende" sich gewünscht, dass es am Nachmittag eine Kaffeetafel im Pfarrsaal geben sollte, und einige Frauen aus der Gemeinde hatten sich darum gekümmert, Kaffee und Kuchen aufzutischen. Da konnte man mal einen Eindruck davon bekommen, wie Gemeindeleben in der Volkskirche aussehen könnte oder sollte, und das meine ich ausgesprochen wertschätzend. 

Kaffeetafel mit Papst Leo. (Nicht im Bild: die Torten!) 

Zu dieser Kaffeetafel ging ich allerdings erst mal allein – unter anderem, weil das Tochterkind sich noch etwas kränklich fühlte, aber wohl auch, weil meine Liebste nicht so richtig Lust auf geselliges Beisammensein mit den üblichen Verdächtigen der Tegeler Gemeinde hatte. Ich jedenfalls kam ziemlich pünktlich im Pfarrsaal an und war somit einer der ersten Gäste – und das war gut so, denn so konnte ich in Ruhe einige Sätze mit dem scheidenden Pfarrvikar wechseln, ehe er seine Aufmerksamkeit unter allzu vielen Gästen aufteilen zu müssen. "Acht Jahre waren das jetzt?", fragte ich ihn und dachte dabei, diese Zeit sei recht schnell vergangen. "Acht Jahre und drei Monate", präzisierte er, "und das war keine leichte Zeit. – Na, du weißt ja", fügte er mit einem bezeichneten Lächeln hinzu, ehe er mit einem Blick zum Himmel (oder eigentlich zur Zimmerdecke) fortfuhr: "Aber ich habe es für Ihn gemacht, weil Er mich hier haben wollte. Daran muss man immer denken: Dass man es im Letzten nicht für irgendwelche Leute tut, sondern für den Herrn. Das gibt Kraft, das gibt Durchhaltevermögen, das gibt Orientierung." 

Nachdem es anfangs so aussah, als würde die Kaffeetafel eher mäßigen Zuspruch erfahren, begann sich der für gut 50 Personen bestuhlte Pfarrsaal nach rund einer Stunde doch sehr gut zu füllen; und es war ein ausgesprochen gemischtes Publikum, das da zusammenkam, von Senioren bis hin zu Familien mit kleinen Kindern und jungen Erwachsenen ohne Kinder. Mit mehreren Gemeindemitgliedern führte ich interessante Gespräche, wobei ich Wert darauf legte, mehr zuzuhören als selbst zu reden; auf diese Weise erfuhr ich so allerlei, wovon ich es zum Teil schade finde, es hier aus Gründen der Diskretion nicht wiedergeben zu können bzw. zu dürfen. – Wenn jetzt jemand meint, aus dieser Andeutung spreche der persönliche Groll, den ich gegen diese spezielle Gemeinde und Pfarrei nach Jahren immer noch hege, dann möchte ich erwidern: An der Sache mit dem Groll mag schon was dran sein – dazu in Kürze noch ein paar Worte mehr –, aber das, was ich von verschiedenen Gemeindemitgliedern über, sagen wir mal, problematische Entwicklungen in der Pfarrei gehört habe, betrachte ich im Wesentlichen gerade nicht als spezifisch für genau diese eine Pfarrei, sondern eher als symptomatisch für den sogenannten "Pastoralen Prozess 'Wo Glauben Raum gewinnt'" insgesamt und gehe davon aus, dass es in anderen Ecken Berlins prinzipiell dieselben oder jedenfalls ähnliche Probleme geben dürfte. Vielleicht finde ich mal einen Dreh, auf das Thema einzugehen, ohne dabei konkrete Interna aus St. Klara Reinickendorf-Süd preisgeben zu müssen. 

Was nun den besagten Groll angeht, möchte ich betonen, dass ich bei dieser Kaffeetafel (erwartungsgemäß) so einigen "üblichen Verdächtigen" aus dem früheren Pfarrgemeinderat, dem Lokalausschuss und dem Förderverein über den Weg lief und von fast allen ausgesprochen freundlich begrüßt wurde; die Bekundung, man freue sich, mich mal wieder zu sehen, schien mir hier und da zwar einen leicht vorwurfsvollen Unterton zu haben (im Sinne von "Na, lässt du dich hier auch mal wieder blicken"), aber im Großen und Ganzen hatte ich den Eindruck, einer wirklich authentischen Freundlichkeit zu begegnen, und bemühte mich, diese im gleichen Geiste zu erwidern. – Sehr nett fand ich es, dass ein alter Herr, der zum harten Kern der Werktagsmessen-Gemeinde in Heiligensee gehört, mir mitteilte, mein Sohn und ich würden dort "vermisst"; ich versprach ihm, wir würden bei Gelegenheit mal wieder kommen. Am schönsten war aber, dass der scheidende Pfarrvikar mich aufforderte, ihn – zusammen mit meiner Familie natürlich – mal in Nigeria zu besuchen. Um unsere Unterbringung würde er sich kümmern. Als ich Frau und Kindern davon erzählte, waren sie Feuer und Flamme, besonders die Kinder. Müssen wir wohl mal gucken, was der Flug kosten würde – zum Beispiel in den nächsten Herbstferien... 

In der Messe, zu der Frau und Kinder dann auch erschienen, wurden in Sachen Pomp so einige Register gezogen: Es gab sechs Messdiener, Weihrauch, zum Einzug spielte zusammen mit der Orgel eine Trompete, Antwortpsalm und Halleluja-Ruf wurden von einem Gesangssolisten vorgetragen, alle drei Pfarrvikare der Pfarrei konzelebrierten, auch der Diakon wirkte mit. Hauptzelebrant war der leitende Pfarrer von St. Klara, das gehört sich bei solchen Anlässen wohl so; trotzdem hätte es mir irgendwie besser gefallen, wenn der scheidende Pfarrvikar selbst den Vorsitz bei seiner Anschiedsmesse gehabt hätte. Nun, ich schätze, man kann wohl ganz zufrieden sein, dass der Pfarrer zwar eine Begrüßungsansprache hielt, nicht aber die Predigt; die überließ er --- Pater Mephisto. Und der machte seinem Spitznamen mal wieder alle Ehre. Seine Ansprache war teils Predigt zum Fest der Heiligen Familie, teils Laudatio auf seinen zu verabschiedenden Amtsbruder, und das thematische Bindeglied zwischen diesen beiden Redeanlässen bildete das Stichwort "Vielfalt" – in den Familienmodellen, in den Kirchenbildern. Die Art und Weise, wie er die afrikanische Herkunft des scheidenden Pfarrvikars als Aufhänger für den zweiten Aspekt benutzte, schien mir irgendwie latent rassistisch, oder sagen wir: stereotypisierend; davon abgesehen hatte die Predigt die für Pater Mephisto charakteristische Eigenschaft, dass darin einiges "an sich Richtige" gesagt wurde, das aber im Kontext eine bedenkliche ideologische Schlagseite bekam; Manches war aber auch einfach falsch. Dazu würde ich etwa die Behauptung zählen, ebenso wie die Gesellschaft als ganze seien auch die Pfarrgemeinden in den letzten Jahrzehnten diverser geworden. Da ist ja nun wohl mit ziemlicher Sicherheit das Gegenteil wahr. Hat der Mann mal was von Milieuverengung gehört? Sicherlich war die Gesellschaft in (West-)Deutschland vor 60 Jahren in vielfacher Hinsicht homogener als heute, aber wenn damals noch fast die Hälfte der Bevölkerung der katholischen Kirche angehörte und davon, nur mal grob geschätzt, 40-60% am Sonntag in die Messe gingen, dann würde ich mal davon ausgehen, dass da eine nach fast allen soziologischen Kategorien "diversere" Gottesdienstgemeinde zusammenkam als heutzutage. Aber natürlich kommt es darauf an, was man sich unter "Diversity" vorstellt. Pater Mephisto brachte hierzu die Stichworte "multikulturell" und auch "multireligiös" ins Spiel – was natürlich Fragen aufwirft: Wie könnte eine christliche Gemeinde "multireligiös" sein? 

Nach der Predigt begann der Organist direkt mit dem Credo, sodass der leitende Pfarrer erst danach dazu kam, eine Anmerkung loszuwerden, die eigentlich als Überleitung von Pater Mephistos Predigt zum Credo gedacht gewesen wäre: Gerade der gemeinsame Glaube sei es schließlich, der, bei aller vom Prediger hervorgehobenen Diversität, die Gemeinde konstituiere. Und da muss ich dann ja doch mal sagen: Respekt. Der Pfarrer kann Pater Mephisto zwar intellektuell und rhetorisch nicht das Wasser reichen, und ich denke, das weiß er; aber trotzdem scheut er sich nicht, ihn vor versammelter Gemeinde zur Ordnung zu rufen, wenn er der Heterodoxie allzu sehr die Zügel schleifen lässt. Und auch wenn man sich zuweilen fragen mag, wie weit es bei ihm persönlich mit dem im Credo bekannten Glauben wohl tatsächlich her ist, ist es doch anzuerkennen, dass er zumindest im Prinzip für diesen Glauben eintritt. Kurz gesagt, so Vieles ich auch oft an ihm zu kritisieren finde, er hat seine Momente. ("Aber das ist eben auch gerade das Gefährliche an ihm", gab meine Liebste zu bedenken: "Dass er weder gut noch böse ist.") 

Der verabschiedete Pfarrvikar ist übrigens im Januar noch in der Pfarrei und wird auch noch ein paar Messen zelebrieren. Da wird es dann also vielleicht noch Gelegenheit geben, genauere Pläne für einen Besuch in Nigeria zu machen. 


Jahresschluss in Haselhorst 

Am Silvesterabend fuhren wir, wie schon in den letzten Jahren, nach St. Stephanus Haselhorst, wo die Vorabendmesse zum Hochfest der Gottesmutter Maria als Jahresschlussmesse gefeiert wurde. In den beiden Vorjahren hatte der – wie ich immer gern sage – "örtlich zuständige" Pfarrvikar zu diesem Anlass besonders anregende Predigten gehalten, in denen er eine auf die Entwicklungen in der Pfarrei und insbesondere in "seiner" Teilgemeinde bezogene Jahresbilanz mit einer Auslegung des Evangeliums vom Tag zu verbinden wusste; und was das anging, wurde ich auch diesmal wieder nicht enttäuscht. Ein roter Faden aller Jahresschlusspredigten, die ich bisher von diesem Priester gehört habe, besteht in der Betrachtung des Stalls von Betlehem als Bild für die Pfarrei, und daran knüpfte er auch diesmal wieder an: Das Evangelium vom Tag – Lukas 2,16-21, die Anbetung der Hirten – mahne uns, dass unser persönliches Leben, aber auch das Leben der Pfarrgemeinde die Heilige Familie widerspiegeln solle. (Da passt es natürlich gut, dass die 2023 gegründete, von Siemensstadt bis Falkensee reichende Großpfarrei gerade das Patrozinium Heilige Familie trägt.) Zur "Situation, in der derzeit die Pfarrei ist", merkte der Pfarrvikar an: "Der liebe Gott war in diesem Jahr sehr großzügig mit unserer Pfarrei." Diese Feststellung untermauerte er mit einigen Zahlen zur Gemeindeentwicklung: So sind im Jahr 2025 in der gesamten Pfarrei 84 Kinder zur Erstkommunion gegangen – davon 28 in St. Joseph Siemensstadt, 24 in Maria, Hilfe der Christen und 32 in St. Konrad Falkensee –, 91 Jugendliche und zehn Erwachsene wurden gefirmt; Eheschließungen gab es elf – "Da sind wir noch schwach". Besonders bemerkenswert erscheint es mir indes, dass die Zahl der Neuzugänge in der Pfarrei – 54 Taufen einschließlich Erwachsenentaufen, sechs Konversionen, fünf Wiederaufnahmen – im Jahr 2025 größer war als die der verstorbenen Gemeindemitglieder (49). Eine Zahl, die in dieser Bilanz auffallend fehlt, ist die der Kirchenaustritte; ohne diesen Posten sieht es jedoch so aus, als sei die Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland im Jahr 2025 gewachsen und gleichzeitig jünger geworden. Wenn das tatsächlich so ist, wieso steht das dann eigentlich nicht in allen (Kirchen-)Zeitungen? Wieso stehen nicht die Pastoraltheologen und Religionssoziologen Schlange, um die Ursachen oder Rahmenbedingungen dieses "Wachsens gegen den Trend" zu untersuchen und Lehren daraus zu ziehen? – 

Noch interessanter als diese Zahlen fand ich indes etwas anderes, was der Pfarrvikar in seiner Jahresbilanz hervorhob – etwas, worauf er "im Gespräch mit den Taufbewerbern" aufmerksam geworden sei: nämlich, "dass die meisten schon die Bibel gelesen haben, dass sie sich über YouTube (!) gebildet haben über den katholischen Glauben, den Katechismus besser kennen als ich" – aber was sie suchen, was ihnen noch fehlt, ist "eine Gemeinde: konkrete Personen, an denen sie anschließen können". Das wirft ein bemerkenswertes Licht darauf, welche Aufgabe eigentlich der Pfarrei für die Neuevangelisierung zukommt. Dafür, Menschen zu evangelisieren, die nicht sowieso schon kirchlich (ein-)gebunden sind, bringt die Pfarrei wohl schlichtweg keine besonders guten Voraussetzungen mit, und katechetische Angebote können "Menschen, die auf der Suche sind", offenbar auch woanders finden – zum Beispiel, offenbar zunehmend, im Internet. Aber um das Christentum von einem theoretischen, angelesenen Wissen in eine gelebte Praxis zu "übersetzen", braucht es dann eben doch die Einbindung in eine Gemeinde. Damit kommt der Gemeinde natürlich eine große Verantwortung zu – denn wenn es nicht gelingt, die Neuzugänge zu integrieren, zum Beispiel deshalb, weil die Realität in der Gemeinde allzu weit entfernt ist von dem Bild christlicher Gemeinschaft, das ihnen vorschwebt, dann kann man sie auch wieder verlieren. Und das passiert nicht selten. 

Geschieht dies jedoch nicht, dann wird es natürlich interessant sein zu beobachten, was für eine Dynamik es in einer Gemeinde auslöst, wenn da eine signifikante Anzahl von Erwachsenentäuflinge, Re- und Konvertiten reinkommt, die den Glauben der katholischen Kirche zumindest teilweise durch evangelisierende und katechetischen Angebote im Internet kennengelernt haben und daraufhin beschlossen haben "Das wollen wir". Wenn das schon in einer oberflächlich betrachtet eher nach nichts Besonderem aussehenden Pfarrei am Rande Berlins ungefähr 20 Leute in einem Jahr sind, dann bekommt man eine Ahnung, wie sich die Kirche in unserem Land, vorerst noch unmerklich, von der Basis her verändert. Da steht nun freilich der Verdacht im Raum, dass dies eine Veränderung ist, die die institutionalisierte Pastoraltheologenzunft gar nicht will, die sie eher irritierend oder gar "gefährlich" findet, und möglicherweise kommt deshalb niemand nach Spandau, um dieses Phänomen zu studieren: Es könnte sich ja herausstellen, dass man mit Vielen von dem, was man der Kirche seit Jahrzehnten als unerlässlich für den Erhalt ihrer "Zukunftsfähigkeit" gepredigt hat, komplett auf dem falschen Dampfer war. 

Übrigens nutzte der Pfarrvikar seine Jahresschlusspredigt auch dazu, zum wiederholten Male darauf hinzuweisen, dass das ehrenamtliche Küsterteam Verstärkung gebrauchen könnte: "Falls es heute jemanden gibt, der spontan sagt, ich möchte Küster machen... Das ist der letzte Versuch in diesem Jahr. Im nächsten Jahr geht's weiter." Aber auch darüber hinaus ermutigte er seine Zuhörer zur Übernahme von Diensten in der Pfarrei: "Es ist eine Freude, dem Volk Gottes zu dienen, weil man hundertfach zurückbekommt. Für jeden, der einen Dienst tut, gilt: Gott schenkt hundertfach zurück. Sagt der Herr im Evangelium." 


Wildgänse und Butjenter Friesen: Pfadfinder in der Wesermarsch 

"Zwischen den Jahren" überraschte mich die gute alte Kreiszeitung Wesermarsch mit einem Artikel zu einem Thema, das mich besonders in jüngster Zeit verstärkt interessiert: "Pfadfinder in Butjadingen – Warum junge Menschen Pfadfinder werden" war der Artikel überschrieben. Zwar verbarg sich die Online-Version des Artikels hinter einer Paywall, aber ich habe ja zum Glück so meine Kontaktpersonen in der Region – und konnte mich so davon überzeugen, dass der Artikel insgesamt besser und interessanter ist, als der Teaser-Absatz es vermuten ließ. Dieser lautete nämlich: 

"Sippe, Meute, Wölflinge - ein wenig gewöhnungsbedürftig sind die Begriffe der Pfadfinder auf den ersten Blick. Aber dann öffnet sich eine Welt voller Abenteuer. Und es schadet sicher nicht, zu wissen, wie man ein ordentliches Feuer entfacht." 

Beim Stichwort "gewöhnungsbedürftig" fällt mir ja immer Max Goldt ein, der meinte, dieses Wort gebe "beredt Auskunft über den engen kulturellen Horizont" derer, die es verwenden. Aber natürlich stimmt es irgendwie, dass das pfadfinderische Vokabular auf Außenstehende erst mal fremd wirken kann. Und dass es eine nützliche Fertigkeit ist, Feuer zu machen, stimmt ebenfalls. Und was gibt der Artikel darüber hinaus so her? – Nun, zunächst erfährt man da einiges über die Entstehungsgeschichte der internationalen Pfadfinderbewegung, dann konzentriert sich der Bericht hauptsächlich auf den seit 2013 bestehenden Stamm der "Butjenter Friesen", erwähnt allerdings auch noch weitere Pfadfinderstämme in der Wesermarsch, so die "Wildgänse" in Nordenham, die "Jader Bürger" in Jaderberg und den Stamm Moorriem in, nun ja, in Moorriem eben. Darauf, dass es – vielleicht nicht in der Wesermarsch, aber generell – mehrere verschiedene Pfadfinderverbände gibt, geht der Artikel nicht ein, vielleicht war es der Verfasserin nicht recht bewusst; ich wiederum kenne mich (noch) nicht gut genug aus, um allein anhand von Klufthemd und Halstüchern auf dem Artikelfoto erkennen zu können, zu welchem Verband der Stamm der Butjenter Friesen gehört, aber dann verrät der Artikel beiläufig doch noch, dass es sich um den VCP handelt. Eigentlich nicht überraschend in einer traditionell so stark evangelisch geprägten Gegend, auch wenn der Einfluss der evangelischen Kirche dort seit einiger Zeit stark im Schwinden ist. – Zuweilen befleißigt sich die Verfasserin einer Ausdrucksweise, die wohl jung und hip wirken soll, obwohl die Dame älter ist als ich; wenn sie etwa über Baden Powells Standardwerk "Scouting for Boys" schreibt "Das ging weltweit viral", wirkt das einfach plump und albern. Aber im Ganzen ist der Artikel durchaus geeignet, Werbung für die Pfadfinder zu machen, und ist wohl auch in dieser Absicht geschrieben. "[B]ei den Pfadfindern geht es um Werte, die viele Menschen vermissen", liest man da etwa: "Gemeinschaft und sich gegenseitig zu helfen." Und: "Die Älteren übernehmen Verantwortung für die Jüngeren." Weiterhin erfährt der geneigte Leser: "Der Stamm trifft sich wöchentlich für etwa anderthalb Stunden [...]. Das Programm besteht aus Spielen, Basteln, Naturkunde und dem Erlernen praktischer Fähigkeiten." Besonders gut gefällt mir, was der bei den Pfadfindern aktive Kreisjugenddiakon Hauke Bruns über das Halstuch der Pfadfinder erzählt: "So ein Tuch muss man sich erarbeiten. Die Übergabe ist ein Ritual. Es bedeutet: Wir halten Dich für fähig, die Werte unserer Gemeinschaft zu vertreten". Wie gut es mir gefällt, dass Bruns auf dem Artikelfoto aussieht wie der Anführer einer Motorradgang, mag der Leser meines Blogs sich selbst ausmalen, Zwinkersmiley. – Am Schluss des Artikels erfährt man, dass die Butjenter Friesen am 31. Januar und 1. Februar im Gemeindehaus Eckwarden ein Schnupperwochende für Wölflinge veranstalten; das ist just das Wochenende vor unserem nächsten geplanten Butjadingen-Urlaub, schade eigentlich. Mit Blick auf zukünftige Butjadingen-Aufenthalte frage ich mich allerdings, ob es nicht trotzdem ratsam sein könnte, da mal einen Kontakt herzustellen. Na, mal sehen... 

Was ich in diesem Zusammenhang auch noch interessant finde: Als ich am Rande des Bandwochenendes meinen alten Freunden von den noch frischen Erlebnissen beim Herbstlager der KPE-Wölflinge erzählte, kam die Frage auf, ob es in unserer gemeinsamen alten Heimat eigentlich auch Pfadfinder gebe. Zu diesem Zeitpunkt konnte ich darauf nur antworten, zumindest früher mal müsse es welche gegeben haben – darüber hätte ich mal etwas in einem Buch über die Wesermarsch in den 60er Jahren gelesen. Das besagte Buch – das schlicht "Die 60er Jahre" betitelt ist – habe ich aus diesem Anlass nun wieder hervorgekramt: Es basiert auf einer Artikelserie – genau – der Kreiszeitung Wesermarsch aus dem Jahr 2015, und einer der 31 darin versammelten Artikel trägt die Überschrift "Wölflingen viel beigebracht". Es handelt sich um ein Porträt einer Frau aus Nordenham, die im Alter von 18 Jahren "im christlichen Mädchenkreis gefragt wurde, ob sie die Leitung einer Gruppe übernehmen wolle", und daraufhin von 1959 bis 1965 die "Akela" für eine Wölflingsmeute der Christlichen Pfadfinderschaft (CPD – einer der Vorläuferverbände des 1973 gegründeten VCP) war. Im CPD waren damals nur Jungen, und wie die damalige "Akela" verrät, durften due Wölflinge seinerzeit noch "nicht zelten und kein Lagerfeuer machen. Das war erst ab zwölf Jahren erlaubt". Bevorzugtes Ziel für Fahrten war daher die "Christopherushütte bei Wulsbüttel in der Nähe von Hagen": "Sie lag mitten im Wald, ohne Licht, ohne Strom und ohne fließend Wasser" – und ohne Betten: "Geschlafen wurde in einem großen Raum. Natürlich musste auch jemand Nachtwache halten". – Großen Wert legt die Verfasserin (Ellen Reim, die kenne ich noch aus meiner aktiven Nordenhamer Zeit) auf die Feststellung, dass die Wölflinge "sich nicht nur dem Vergnügen" widmeten: Dass die Jungs z.B. auch lernten, Knöpfe anzunähen und Kartoffeln zu schälen, steht sogar zweimal im Artikel. – Ich schätze, ich kann von Glück sagen, dass ich das Kartoffelschälen erlernt habe, ohne bei den Pfadfindern gewesen zu sein; das Knöpfeannähen hingegen zugegebenermaßen nicht. Na, umso besser, wenn das dann zukünftig meine Kinder lernen... 


Neues aus Synodalien: Eine Jahresvorschau 

Unlängst war Google News so freundlich, mir einen Artikel mit der vielversprechenden Überschrift "So wird 2026 für die katholische Kirche" zu empfehlen. Leider handelte es sich um einen Artikel von häretisch.de, und was dieses Portal sich unter "der katholischen Kirche" vorstellt, kann man sich ja denken. Gleichwohl war ich gelinde amüsiert, in dem Artikel den Satz zu lesen "Bald nach dem Ende des Jubiläumsjahres geht es – zumindest aus deutscher Sicht – zurück in die Niederungen kirchlicher Reformbemühungen" : Guck an, sie geben also zu, dass es Niederungen sind! Und was steht nun so alles auf dem deutschsynodalen Terminkalender? Als erstes, vom 29. bis 31. Januar, die abschließende Synodalversammlung des Synodalen Wegs; u.a. sollen dabei Mitglieder für die Synodalkonferenz gewählt werden, über deren Satzung die Deutsche Bischofskonferenz bei ihrer Frühjahrsvollversammlung abstimmen soll; diese findet vom 23. bis 26. Februar in Würzburg statt. "Danach steht dann die Begutachtung und Genehmigung der Satzung durch den Vatikan an" – ich schätze, das kann spannend werden. "Sollte der Vatikan aber [!] seine Zustimmung zur Satzung geben" – so zurückhaltend formuliert häretisch.de es tatsächlich! –, "soll die Synodalkonferenz am 6. und 7. November in Stuttgart zu ihrer konstituierenden Sitzung zusammenkommen". Und dann ist das Jahr ja auch schon fast wieder rum. 

– Und sonst so? Wir haben eine gerade Jahreszahl, das heißt, es ist mal wieder Katholikentag. Diesmal in Würzburg, vom 13.-17. Mai, also über Christi Himmelfahrt. Und "[w]ährend die Katholikinnen und Katholiken in Eichstätt und Münster auf einen neuen Bischof hoffen dürfen", zeichnet sich schon die nächste Vakanz eines deutschen Bischofsstuhls ab: Am 19. November wird der Bischof von Magdeburg, Gerhard Feige, 75 Jahre alt "und erreicht damit die vom Kirchenrecht vorgesehene Altersgrenze für Bischöfe". Zwar orakelt häretisch.de, "möglicherweise" werde der Papst den Magdeburger Oberhirten "noch einige Zeit im Amt" belassen, nennt jedoch keine Gründe für diese Spekulation. Schließlich wäre noch die Herbst-Vollversammlung der Deutschen Bischofskonferenz zu erwähnen: Diese findet vom  28. September bis 1. Oktober in Fulda statt. – Alles in allem bin ich geneigt zu sagen, es verrät eine in bedenklichem Maße institutionsfixierte Sicht auf die Kirche, anzunehmen, dies (und dazu die beiden Vollversammlungen des "ZdK", deren Daten hier jedoch ungenannt bleiben mögen) seien die wichtigsten Daten des Jahres 2026. Ich persönlich bin ja überzeugt, dass die wirklich bedeutenden und für die Zukunft der Kirche in unserem Land richtungsweisenden Momente sich ganz woanders ereignen – und damit meine ich nicht nur und nicht mal in erster Linie Events wie die MEHR und die Adoratio, wenngleich auch da sicherlich mehr Bedeutsames passiert als bei irgendwelchen Synodalkonferenzen oder beim Katholikentag. Kurz und gut, ich werde mich zwar bemühen, die bei häretisch.de aufgeführten Daten im Auge zu behalten, aber das Hauptaugenmerk meines Blogs soll weiterhin der alltäglichen Graswurzelarbeit an der Basis gelten, die man in Bonner (oder auch Münsteraner) Redaktionsstuben überhaupt nicht auf dem Radar hat, die aber das Angesicht der Kirche in unserem Land, wie ich hoffe, nachhaltiger prägen wird, als Leute, die ihr Bild "von Kirche" aus der Berichterstattung von häretisch.de oder Kirche + Leben beziehen, es sich träumen lassen ... 


Geistlicher Impuls der Woche 

Wir alle wissen, wie sehr heute Christus Zeichen eines Widerspruchs ist, der im Letzten Gott selbst gilt. Gott selbst wird immer wieder als die Grenze unserer Freiheit gesehen, die beseitigt werden müsse, damit der Mensch ganz er selber sein könne. Gott steht mit seiner Wahrheit der vielfältigen Lüge des Menschen, seiner Eigensucht und seinem Hochmut entgegen. 

Gott ist Liebe. Aber die Liebe kann auch gehasst werden, wo sie das Heraustreten über sich selbst hinaus fordert. Sie ist nicht romantisches Wohlgefühl. Erlösung ist nicht Wellness, ein Baden im Selbstgenuss, sondern gerade Befreiung von der Verzwängung ins Ich hinein. Diese Befreiung kostet den Schmerz des Kreuzes. 

(Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Prolog) 


Ohrwurm der Woche 

Sebastian & Veronika Lohmer: Wir lieben deinen Namen (Akustikversion) 

Heute ist das Fest des Heiligsten Namen Jesu, und heute Abend beginnt in Augsburg die MEHR-Konferenz; zwei gute Gründe, an dieser Stelle diesen Lobpreis-Klassiker zu bringen. Diesen Song, von einer kompletten Band intoniert, zusammen mit einigen tausend Menschen in einer Messehalle zu hören und mitzusingen, besonders den Vers "Wir hör'n nicht auf zu singen" im Refrain, ist schon ein starkes Erlebnis, aber die Initmität dieser auf'm Sofa mit keiner anderen Begleitung als einer akustischen Gitarre aufgenommenen Version finde ich sogar noch berührender. 


Vorschau/Ausblick 

Bei der MEHR-Konferenz, die bis Dienstag gegen Mittag geht, bin ich leider nicht und habe auch kein Streaming-Ticket gekauft, aber ich denke mal, ein bisschen wird man ja doch davon mitbekommen, was da so los ist; jedenfalls grüße ich herzlich alle Freunde und anderen Leser, die gerade dort sind, und wünsche ihnen "Viel Spaß und viel Segen"! Irgendwann muss ich da auch mal wieder hin. – Am morgigen Sonntag soll es in St. Joseph Siemensstadt im Anschluss an die Messe wie im vorigen Jahr wieder ein Dreikönigsspiel geben – der eigentliche Dreikönigstag fällt ja dieses Jahr auf einen Dienstag. Bei dieser Gelegenheit sei erwähnt, dass ich, als wir am vergangenen Sonntag in Herz Jesu Tegel waren, erwogen habe, uns auf die Hausbesuchsliste der Tegeler Sternsinger einzutragen; dieser Besuch wäre ebenfalls morgen dran gewesen, aber wir haben uns dann doch dagegen entschieden, zumal morgen die Omas – sprich: meine Schwiegermütter – etwas mit den Kindern unternehmen möchten. Dafür hat das Tochterkind spontan zugesagt, dieses Jahr bei der Sternsingeraktion in Siemensstadt mitzumachen – die ist aber erst am nächsten Samstag, und zu uns nach Hause kommen die Siemensstädter Sternsinger natürlich auch nicht, also werden wir wohl wie in den letzten beiden Jahren wieder selbst eine Wohnungssegnung veranstalten. – Am Montag gehen Schule, KiTa und Arbeit wieder los, aber liturgisch ist immer noch Weihnachtszeit, es stünde also durchaus noch die Möglichkeit im Raum, beim – diesmal ökumenischen – Spandauer Krippenpilgern mitzumachen. Mal sehen. JAM ist diese Woche noch nicht wieder, was man eventuell dazu nutzen könnte, in dieser Woche einmal öfter mit dem Jüngsten zum Kampfsporttraining zu gehen. Am nächsten Wochenende steht dann, wie gesagt, am Samstag die Sternsingeraktion in Siemensstadt an und, was ich noch nicht erwähnt habe, am Sonntag der Neujahrsempfang der Großpfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland. Aber das ist dann schon Stoff fürs übernächste Wochenbriefing!