Grüße aus dem tief verschneiten Berlin, Freunde! Ich glaube, meine Kinder haben in ihrem bisherigen Leben noch keinen so schneereichen Winter erlebt wie diesen, und anders als aus der Sicht vieler Erwachsener ist es für sie in erster Linie ein großer Spaß und ein Abenteuer. Von Donnerstag auf Freitag hatten wir Unwetterwarnung, aber die Katastrophe ist dann doch, wie zumeist, ausgeblieben. Andernorts war es dem Vernehmen nach dramatischer: In der Pfarrei St. Willehad in meinem Heimatstädtchen Nordenham wurden sowohl der Neujahrsempfang als auch die Sternsingeraktion wegen der Wetterlage abgesagt. Ich hatte schon die Befürchtung, in Spandau würde dasselbe passieren; das war nicht der Fall, aber darum geht's im aktuellen Wochenbriefing noch nicht – da sind erst mal andere Themen dran...
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| Am Donnerstag auf dem Weg zur Schule... |
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| ...und zum Kampfsporttraining |
Die MEHR 2026, aus der Ferne betrachtet
Mindestens zwischen den Zeilen dürfte wohl schon in meinem vorigen Wochenbriefing deutlich geworden sein, dass ich es dieses Jahr besonders schade gefunden habe, nicht bei der MEHR in Augsburg sein zu können; und ich schätze, daran hatte nicht zuletzt die ARD-Reportage "Die hippen Missionare" einen gewissen Anteil. Isn't it ironic. Jedenfalls habe ich das zum Anlass genommen, mal nachzurechnen, wie lange es jetzt eigentlich her ist, dass ich zuletzt live bei der MEHR war, und siehe da, das war 2020, "vor Corona". Da war unser Jüngster noch nicht auf der Welt, unsere Große war gerade mal zwei Jahre alt, wir waren noch in der Tegeler Pfarrei aktiv – kurz, es war ein anderes Zeitalter. Dann kam, wie gesagt, Corona; wie ich seither vergessen hatte, aber aus aktuellem Anlass wieder nachgelesen habe, hatte ich für die WENIGER-Konferenz, die Anfang 2022 anstelle der MEHR stattfand, sogar schon ein Ticket, konnte dann aber "aus pandemischen Gründen", wie ich es seinerzeit formulierte, doch nicht teilnehmen. Und was hatte ich 2024 für eine Ausrede? Im Wochenbriefing vom 30.12.2023 ("Creative Minority Report" Nr. 10) ist lediglich von "verschiedenen Gründen" die Rede.
Jedenfalls: Als am vorigen Samstagabend mein Wochenbriefing ("Utopie und Alltag 6") online ging, war bei der MEHR gerade Einlass, eineinhalb Stunden später war der offizielle Programmbeginn, nochmals eine Dreiviertelstunde später schaltete sich Bibel TV live zu, da schaute ich rein. Auf der Hauptbühne lief Lobpreis mit Michael Beering & Band; fand ich ehrlich gesagt gar nicht mal so gut, aber eventuell hätte ich das anders empfunden, wenn ich live vor Ort gewesen wäre. Insbesondere von einem Sänger, möglicherweise Michael Beering selbst, fand ich, er habe keine gute Gesangsstimme und insbesondere im Englischen eine schauderhafte Aussprache; aber irgendwie fand ich es auch gut, dass solche Mängel einen nicht unbedingt davon ausschließen, vor 11.000 Leuten Lobpreis zu leiten. Besonders nachdem ich gerade erst eine Fernsehreportage gesehen hatte, in der dem Gebetshaus Augsburg und der MEHR-Konferenz geradezu ein Vorwurf daraus gemacht wurde, dass da immer alles so professionell und so perfekt inszeniert sei.
Den daran anschließenden Vortrag von Johannes Hartl – zum Thema "Selbstannahme" – konnte ich nicht zur Gänze und unterbrechungsfrei verfolgen, aber mit dem, was ich davon mitbekam, konnte ich doch eine ganze Menge anfangen. Vorrangig ging es da um den Apostel Petrus, der, wie sich an vielen Stellen der Evangelien zeigt, immer wieder Probleme mit seinem Selbstbild hatte. Man könnte sogar sagen, in seiner großen Krise nach der Gefangennahme Jesu, in der er entgegen seinen vorherigen Beteuerungen Jesus verleugnet und im Stich lässt, nicht so sehr sein Glaube an Jesus zusammengebrochen, sondern vielmehr sein Glaube an sein eigenes überhöhtes Selbstbild. Tatsächlich hatte ich Vieles davon so ähnlich vor gar nicht allzu langer Zeit schon mal woanders gehört, nämlich interessanterweise beim Eltern-Glaubenskurs in der Gemeinde auf dem Weg; aber dass mich dieses Thema erneut so stark ansprach, zeigt wohl, dass es mir nicht schaden kann, mehrmals etwas dazu zu hören – zumal Johannes Hartl dem, was ich dazu bereits gehört hatte, durchaus noch einige weitere Nuancen und neue Gesichtspunkte hinzufügte.
Am Sonntag beim Frühstück hörte ich mir dann ein Interview mit Johannes Hartl auf Radio Horeb an, und einige Sätze daraus fand ich so gut und vor allem auch so relevant für das Anliegen meines Blogs, dass ich sie hier gern zitieren möchte. Anknüpfend an eine frühere Aussage Hartls, es sei für viele Menschen leichter, auf die MEHR zu gehen als in die Kirche, stellt die Interviewerin gleich eingangs die Frage, wie die MEHR denn dazu beitragen könne, dass diese Menschen dann zukünftig eben doch auch in die Kirche gingen; darauf antwortet der Gebetshaus-Gründer:
"Sie erleben zum Beispiel einen Gottesdienst bei uns – wir haben jeden Tag eine Heilige Messe. [...] Nicht wenige erleben zum ersten Mal eine katholische Messe hier, sind vielleicht angerührt von der Schönheit und denken sich: Sowas könnte ich ja vielleicht jeden Sonntag erleben. Solche Biographien erleben wir."
Angesprochen auf die Beobachtung, dass gerade junge Erwachsene sich tendenziell wieder stärker für Religion zu interessieren scheinen als die Generation ihrer Eltern, meinte Hartl, in Deutschland sei dieser Trend "noch gar nicht so stark" wie etwa in Frankreich oder Großbritannien, "aber er fängt an" – und darauf müsse die Kirche vorbereitet sein, zuallererst dadurch, dass sie "überhaupt von der Möglichkeit ausgehen" müsse, "dass jemand kommt, der von Tuten und Blasen keine Ahnung hat":
"Allein schon wie unsere Pfarrbriefe, wie unsere Homepages, wie unsere Kirchen entworfen sind, rein schon visuell, zeigt mir, dass man gar nicht damit rechnet, dass jemand kommt, der noch nicht Insider ist. Hier müssen wir umdenken."
Das spricht mir absolut aus der Seele; ich würde sogar noch weiter gehen und behaupten, vielfach besteht das Problem nicht nur darin, dass nicht daran gedacht wird, wie man Außenstehende für die Angebote der Pfarrei interessieren könnte, sondern dass das gar nicht gewollt wird. – Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass Johannes Hartl im Interview mit Radio Horeb einen Kongress mit dem Titel "Mission is Possible" ankündigte, der im Juni in Augsburg stattfinden soll und bei dem es darum gehen soll, "Kirchen aus[zu]rüsten" und zu zeigen: "Es gibt wachsende Gemeinden auch heute, von denen kann man was lernen. Man muss nur sich aufmachen und schauen, was machen die richtig." Das gilt es im Auge zu behalten, würde ich mal sagen.
Einem Artikel der Augsburger Allgemeinen konnte ich entnehmen, dass der Hardcore-Evangelikale mit dem Megafon, der am Zugang zum Messegelände steht und MEHR-Besucher vor den gefährlichen Irrlehren warnt, die dort verbreitet werden, auch dieses Jahr wieder am Start war. Der Rest des Artikels verbarg sich leider hinter einer Bezahlschranke; ich hätte ihn eigentlich gern gelesen, speziell nachdem die Augsburger Allgemeine das Glaubensfestival im Vorfeld als "seit Jahren umstritten, nicht zuletzt innerhalb der katholischen Kirche", angekündigt hatte – und sich dabei, man ahnt es schon, auf die ARD-Sendung "Die hippen Missionare" berief. Über das ZIMZUM-Festival im Vorjahr hatte das Lokalblatt noch neutral bis wohlwollend berichtet. – Auf häretisch.de erschien am Montag eine recht ausgewogene, sogar tendenziell positive Meldung der Katholischen Nachrichtenagentur KNA über das Festival; ein vom Tonfall her wie auch in der inhaltlichen Schwerpunktsetzung deutlich kritischerer Beitrag folgte am Dienstag. – Anders als ich war übrigens Bloggerkollegin Claudia persönlich vor Ort und berichtet auf Katholisch? Logisch! über ihre Eindrücke; eine eindrucksvolle Bildergalerie zur MEHR bietet Peter Winnemöller auf katholon.
Übrigens muss ich auf der Basis meiner Erfahrungen bei meinen bisherigen drei MEHR-Teilnahmen (2017, 2018, 2020) sagen, der Teil des Events, bei dem es mir am meisten leid tut, dieses Jahr und auch schon 2024 nicht dort gewesen zu sein, ist das MEHRforum – oder, wie ich gern sage, "das rechtgläubige Pendant zur Kirchentagsmeile". Weil die Begegnungen, die sich da ergeben, oft noch spannender sind als die Vorträge und Workshops. Oder jedenfalls auf eine andere Art spannend. Und um das zu erleben, reicht leider auch kein Streaming-Ticket. Na, vielleicht klappt's ja in zwei Jahren mal wieder. Da dürften dann auch die Kinder alt genug sein, dass es auch für sie interessante Angebote gibt.
Der Segen der Heiligen Drei Könige
Am 2. Sonntag der Weihnachtszeit gingen wir wieder in St. Joseph Siemensstadt in die Messe, wo diesmal die vordersten Bankreihen als "Reserviert für Kinder" gekennzeichnet waren. Der zelebrierende Pfarrvikar erklärte dazu: "Die Weihnachtszeit ist eine Zeit, um auch den Glauben an die Kinder weiterzugeben. Deswegen sind in dieser Liturgie die Kinder die Protagonisten." Konkret hieß das vor allem, dass fünf Mädchen in weißen Gewändern und mit Sternenkränzen auf den Köpfen die Lesungen und die Fürbitten vortrugen.
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| In Siemensstadt kommen nicht nur Ochs, Esel und Schafe zur Krippe, sondern auch der Berliner Bär und ein Eisbär (Knut?). |
Über das Dreikönigsspiel, das im Anschluss an die Messe dargeboten wurde, muss ich wohl nicht viele Worte machen, denn es war im Wesentlichen dasselbe wie im vorigen Jahr, dargeboten von denselben Darstellern in denselben Kostümen. Neu war es hingegen für meine Liebste, die letztes Jahr um diese Zeit krank gewesen war, und sie fand es toll.
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| Kann es sein, dass Weibsvolk anwesend ist? |
Für die Kinder gab's zudem Geschenke: Das Tochterkind erhielt ein Mineralien-Ausgrabungs-Set, der Jüngste ein Naturforscher-Kartenspiel. Ebenfalls wie im vorigen Jahr gab es danach noch die Gelegenheit zu einem Einzelsegen mit einer Reliquie der Heiligen Drei Könige. "Die Könige haben auf sehr verschlungenem Wege Christus gefunden", erläuterte der Pfarrvikar dazu. "Manchmal ist unsere Lebensgeschichte auch ein bisschen so, aber sie führt zu Christus." – Übrigens habe ich mir bei dieser Gelegenheit gedacht: Das nächste Mal, wenn irgendjemand behauptet, die Heiligen Drei Könige hätte es in Wirklichkeit nie gegeben, sage ich "Natürlich gab's die, wir haben doch Reliquien von ihnen." Möchte ja mal erleben, wie ich auf so eine Aussage hin angeguckt werde...
Vermischtes aus der religiösen Frühförderung
Wie ich schon ein paarmal erwähnt habe, besucht unser Jüngster eine evangelische KiTa; was ich, wie ich glaube, noch nicht erwähnt habe, ist, dass dieser Umstand sich nicht unwesentlich der Tatsache verdankt, dass wir zuvor dreimal persönlich bei einer katholischen KiTa in Tegel vorgesprochen hatten, und das einzige, was dabei herauskam, war eine Infektion mit der Hand-Mund-Fuß-Krankheit. Aber das mal nur nebenbei. Jedenfalls gibt es in der KiTa unseres Jüngsten regelmäßige "religionspädagogische Angebote", die zum Teil auch in der in unmittelbarer Nähe der KiTa gelegenen Kirche stattfinden; in der zurückliegenden Woche kam nun über die KiTa-App die Nachricht, am Dreikönigstag solle es einen Ausflug zu einem regionalen Kindergartengottesdienst an einem anderen Kirchenstandort des Kirchenkreises geben. Mein Sohn erklärte mir unaufgefordert, er wolle diesen Ausflug mitmachen – und außerdem wolle er auch mal wieder mit mir zur Werktagsmesse in St. Marien Maternitas Heiligensee (mit anschließendem Frühstück). Das eine war am Dienstag, das andere am Mittwoch, da dachte ich mir: passt.
Als ich den Knaben dann am Dienstagnachmittag fragte, wie denn der KiTa-Gottesdienst gewesen sei, schien es zunächst, dass er den Weg dorthin am spannendsten gefunden; da musste die KiTa-Gruppe nämlich mit dem Bus fahren, sogar mit Umsteigen. Zum Inhalt des Kindergottesdienstes berichtete er auf Nachfrage, sie hätten "sechs Lieder gesungen" und "Bilder von den Heiligen Drei Königen angeguckt". Obwohl es rin evangelischer Gottesdienst war, spielte darin offenbar auch die Arbeit des Kindermissionswerks Die Sternsinger eine Rolle; jedenfalls erhielten die teilnehmenden Kinder ein Armband mit dem Logo der Sternsinger und dem Slogan "Segen bringen – Segen sein", und für die Eltern gab's (als Datei in die App) einen Flyer mit Spendenaufruf fürs Kindermissionswerk.
Am Mittwoch ließ ich die Kinder extra eine halbe Stunde länger schlafen, weil wir zur Messe in Heiligensee nicht so früh los mussten wie zur KiTa; die Große hat in ihrer Schule ja ohnehin eine gleitende Ankunftszeit. Die Messe wurde von Pater Mephisto zelebriert, was ich mit Blick auf die Tageslesung aus dem 1. Johannesbrief ("Geliebte, traut nicht jedem Geist, sondern prüft die Geister, ob sie aus Gott sind; denn viele falsche Propheten sind in die Welt hinausgezogen") etwas ironisch fand. An der Zelebration des ehrwürdigen Paters war diesmal allerdings wenig auszusetzen, wenn man vom kaltblütig gemeuchelten Robbenbaby absieht – ich bemerkte es schon mal: Ganz ohne liturgische Regelverstöße können manche Priester offenbar abends nicht ruhig schlafen gehen, und Pater Mephisto gehört definitiv zu dieser Sorte von Priestern.
Beim anschließenden Gemeindefrühstück gab es anlässlich des Neuen Jahres Kuchen und Sekt; am frühen Nachmittag hielt ich dann zusammen mit dem Knaben die erste "Beten mit Musik"-Andacht des neuen Jahres ab, und zwar wie gewohnt in St. Joseph Tegel. Die Andacht umfasste vier Lieder, von denen der Sohnemann zwei aussuchte und ich die anderen beiden, und dazu die Psalmen und die Lesung aus der Sext und die Fürbitten aus der Vesper (plus ein paar freie Fürbitten in persönlichen Anliegen). Als wir mit der Andacht begannen, bemerkte ich, dass in der Sakristei Licht war, und rechnete so halb damit, dass da jemand rauskommen und uns fragen würde, was wir hier bitteschön machen, aber das passierte nicht – stattdessen ging das Licht bald darauf aus. Als wir die Kirche wieder verließen, begegnete uns draußen ein junger Mann, in dem wir beide einen Trainer aus der Kampfsportschule zu erkennen glaubten, die der Jüngste neuerdings besucht. Interessant – vielleicht hat er ein Kind in der St.-Josephs-KiTa...
Nächste Ausfahrt Religionspädagogik?
Bereits zwischen Weihnachten und Neujahr hatte ich in den Vermeldungen der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd etwas Interessantes entdeckt: Da wurde nämlich für einen neuen, speziell auf Quereinsteiger zugeschnittenen Bachelor-Studiengang Religionspädagogik geworben, den die Katholische Hochschule für Sozialwesen Berlin (KHSB) in Zusammenarbeit mit dem Erzbistum Berlin anbietet. Den Angaben in den Vermeldungen zufolge soll man da mit nur einem Studientag pro Woche in sieben Semestern einen Abschluss erwerben können, der zu einer Beschäftigung als Religionslehrer oder Gemeindereferent befähigt, und damit nicht genug, soll schon studienbegleitend eine Anstellung beim Erzbistum möglich sein. Als ich mit dieser Nachricht nach Hause kam und meine Liebste fragte "Findest du, ich sollte das machen?", erwiderte sie ohne mit der Wimper zu zucken: "Ja."
Über den Jahreswechsel ließ ich das Thema erst mal sacken, aber dann schaute ich mich mal auf der Website der KHSB um – und gewann dort einerseits den Eindruck, zu dem bei den für eine Studienplatzbewerbung relevanten "beruflichen und sozialen Vorerfahrungen" wohl ein ganz beachtliches Punktekonto mitzubringen, andererseits stellte ich aber fest, dass ich wohl kaum in der Lage sein werde, die reguläre Bewerbungsfrist fürs Sommersemester einzuhalten – die endet nämlich schon am kommenden Donnerstag. Entmutigen ließ ich mich davon jedoch nicht, sondern rief stattdessen mal bei der zuständigen Dienststelle des Erzbistums Berlin an. Die Mitarbeiterin, die ich dort erreichte, war ausgesprochen freundlich und schien erfreut über mein Interesse. Sie riet mir, erst mal einen Kontakt via eMail herzustellen; das habe ich gestern gegen Mittag einfach mal gemacht und bin jetzt gespannt, wie's weitergeht. Natürlich werde ich euch darüber auf dem Laufenden halten, Leser. –
Zu erwartende Zweifel kritischer Leser, ob das Erzbistum Berlin einen wie mich als Gemeindereferenten nehmen würde oder ob es gut beraten wäre, dies zu tun, bin ich gesonnen sportlich zu nehmen. Andere Leser wird vielleicht eher die Frage umtreiben, ob ich gut beraten bin, eine solche Stellung anzustreben – also reden wir lieber vielleicht lieber erst mal darüber. Die Antwort auf die Frage, warum ich das überhaupt wollen sollte, fällt nicht schwer: Ich mache ja jetzt schon so einiges von dem, was ein Gemeindereferent macht, und würde, wenn man mich ließe, durchaus auch noch mehr in dieser Art machen; und wenn ein Studienabschluss in Religionspädagogik die Voraussetzung dafür ist, für diese Art von Arbeit bezahlt zu werden, dann könnte so ein Studium sich durchaus lohnen. Indes geht es mir dabei durchaus nicht nur ums Geld: Hinzu kommt etwas mindestens ebenso Wichtiges, was ich oben in den Worten "wenn man mich ließe" angedeutet habe. Theoretisch würde ich zwar annehmen, als unbezahlter Freiwilliger im pastoralen Dienst müsste man, da man ja niemandem gegenüber weisungsgebunden ist, eigentlich mehr Freiraum für Eigenitiative und eigenständige konzeptionelle Schwerpunktsetzung haben als die hauptamtlichen Mitarbeiter, aber ich gewinne mehr und mehr den Eindruck, dass tatsächlich das Gegenteil der Fall ist. Das finde ich zwar nicht unbedingt gut, aber was man nicht ändern kann, das kann man ja wenigstens versuchen sich zunutze zu machen.
Kindermund der Woche
"Hot Wheels City ist eigentlich so ähnlich wie Pokémon, nur nicht mit Tieren, sondern mit Autos."
(Der Jüngste wird bald Fünf, da muss man sowas wohl wissen.)
Hashtag #Kannstedirnichtausdenken: Eine Blütenlese aus der kirchlichen Medienarbeit
Die Jahreslosung für 2026 heißt "Siehe, ich mache alles neu" (Offenbarung 21,5). Das klingt fast zu schön und zu passend, um Zufall zu sein – und ist es auch nicht: Die Jahreslosungen, die seit 1970 von der Ökumenischen Arbeitsgemeinschaft für Bibellesen herausgegeben werden, stehen zwar sozusagen "ideell" in der Tradition der Herrnhuter Losungen, werden anders als diese aber nicht wirklich gelost, sondern in einem aufwändigen Auswahl- und Beratungsverfahren jeweils drei Jahre im Voraus festgelegt. Diese Information, die ich Tante Wikipedia verdanke, fand ich erst einmal reichlich ernüchternd; aber ein gutes Jahresmotto ist der Vers natürlich trotzdem. – In der Social-Media-Redaktion des Erzbistums Hamburg hingegen dachte man sich wohl "Jahreslosung kann ja jeder" und präsentierte auf Facebook daher eine andere Form spiritueller Wegweisung für das Neue Jahr: ein Buchstabengitter. Ja, echt. "Die ersten drei Wörter, die du siehst, bestimmen dein 2026" – nähme man das ernst, wär's Aberglaube. Aber was nehmen die Social-Media-Redaktionen deutscher Bistümer schon ernst? Natürlich, es soll nur eine harmlose Spielerei sein. Aber ebenso wie man wohl auch bei den Herrnhuter Losungen Verse wie 1. Könige 14,11 ("Wer vom Haus Jerobeam in der Stadt stirbt, den werden die Hunde fressen; und wer auf dem freien Feld stirbt, den werden die Vögel des Himmels fressen") oder Psalm 3,8 ("All meinen Feinden hast du den Kiefer zerschmettert, hast den Frevlern die Zähne zerbrochen") von vornherein eher nicht in den Lostopf tun würde, sind im Buchstabengitter des Erzbistums Hamburg vorsichtshalber nur so Wohlfühlwörter wie "Hoffnung", "Halt", "Geduld", "Mut" und "Ruhe" versteckt. Dass so ein Buchstabengitter in letzter Konsequenz aber unberechenbar bleibt, zeigt sich darin, dass einige mir bekannte Facebook-Nutzer darin auch Wörter wie "Beil" und "Lost" entdeckten. Ich selbst las da erst mal nur "Glegfrhh, wadte, boflb" und dachte mir: Okay, klingt hamburgisch. Auf den zweiten Blick entdeckte ich dann noch die Wörter "Clreic" (könnte ein Buchstabendreher sein und "Cleric" heißen sollen) und "Dieu". Immerhin.
Nebenan beim Bistum Münster erfährt man derweil, die Lamberti-Gemeinde habe aus einer Fahne mit dem Logo der Demokratiekampagne "Mensch Münster! Lebe Freiheit!", die "Anfang 2025 leider nur kurz am Turm von St. Lamberti hing (der Wind hatte ihr schnell massiv zugesetzt)", "Gewänder für die Sternsingerinnen und Sternsinger" geschneidert. Im Kommentarfeld gab ein Theologiestudent dazu folgendes schon in der Wortwahl ausgesprochen funkelnden Statement ab:
"Ein super Gedanke, Upcycling vom Feinsten und gleichzeitig ein Zeichen für Nächstenliebe und Toleranz setzen, das ist Christianity in Action!"
Noch Fragen? – Der Kommentar geht noch einige Zeilen lang weiter und wird im weiteren Verlauf noch verschrobener, aber immerhin hat er vier Likes erhalten, von denen eines vom Account des Bistums Münster selbst stammt und eines vom Bistums-Pressesprecher Stephan Kronenburg.
Währenddessen scheint das neue Team von Horse & Hound noch so mehr oder weniger im Weihnachtsurlaub zu sein, oder vielleicht sind die neuen Teammitglieder wirklich so langweilig, wie sie auf den ersten Blick aussehen, oder "noch vielleichter" gehört es zum neuen Konzept der Plattform, dass man sich als Sammelbecken und Multiplikator für den konfessionsübergreifenden gemäßigt-liberalen Mainstream der kirchlichen Social-Media-Arbeit betrachtet und verhält. Jedenfalls wird in der Instagram-"Story" von Horse & Hound in letzter Zeit so allerlei Content von anderen kirchlichen Accounts geteilt, von gemütvoll-gefühligen Neujahrs-Impulsen bis hin zu albern-überkandidelten Ministranten- und Sternsingervideos, aber Original-Content findet man da kaum, und Aufregerthemen fehlen auch und erst recht so gut wie völlig. Da wäre allenfalls ein Beitrag aus der NDR-Satireshow "Extra 3" zum Thema "Wie würde man einem Alien Weihnachten erklären?" zu nennen; der ist eher plump als witzig, richtig unerträglich wird er aber erst durch das bierenste "Framing" von Horse & Hound ("Was feiern wir an Weihnachten eigentlich genau? Wie würdest du es jemandem erklären, der von dem allen noch nichts weiß? @extra3 hat hier einen Versuch unternommen. Was denkst du dazu?"). Und im Kommentarbereich des Instagram-Posts werden kritische Stimmen zu diesem Video von Chef-Wadenbeißer Halagan gnadenlos abgebügelt. Also, die Arbeitsteilung im Team funktioniert offenbar.
Ein spirituelles Angebot zum Jahreswechsel, das ich uneingeschränkt und unironisch empfehlen kann, ist derweil das "Jahresheiligenziehen" auf der Website des Hilfswerks Kirche in Not. Dabei geht es darum, "zum Jahreswechsel einen Heiligen oder Seligen zu ziehen" – als Vorbild und als Fürbitter:
"Wir laden Sie ein, zusammen mit Ihrer oder Ihrem gezogenen Heiligen die eigene Gottesbeziehung zu reflektieren und vielleicht zu verbessern. Lassen Sie sich von der Biografie des Heiligen sowie von ausgewählten Zitaten und Bibelstellen inspirieren."
Ich könnte nicht sagen, was mich konkret dazu veranlasst hat, dieses Jahr von diesem Angebot Gebrauch zu machen, aber jedenfalls bin ich ausgesprochen erfreut über das Ergebnis: Mir ist auf diesem Wege ein persönlicher Jahresheiliger zuteil geworden, von dem ich bisher noch nie etwas gehört hatte, den ich aber nach dem, was ich im Ökumenischen Heiligenlexikon über ihn gelesen habe, ausgesprochen faszinierend finde – der Hl. Gerardo Maiella (1726-1755). Ich schätze, es kann nicht schaden, ihm einen eigenen Blogartikel zu widmen; vielleicht zu seinem Gedenktag? Der ist allerdings erst am 16. Oktober...
Geistlicher Impuls der Woche
Die Weisen aus dem Osten sind ein Anfang. Sie stehen für den Aufbruch der Menschheit auf Christus hin. Sie eröffnen eine Prozession, die durch die ganze Geschichte hindurchzieht. Sie stehen nicht nur für die Menschen, die zu Christus gefunden haben. Sie stehen für die innere Erwartung des menschlichen Geistes, für die Bewegung der Religionen und der menschlichen Vernunft auf Christus zu.
Wenn die Weisen, die, vom Stern geführt, nach dem König der Juden suchen, die Bewegung der Völker zu Christus darstellen, ist darin impliziert, dass der Kosmos von Christus spricht; und dass freilich seine Sprache für den Menschen in seiner tatsächlichen Verfasstheit nicht voll zu enträtseln ist. Die Sprache der Schöpfung gibt vielerlei Hinweise. Sie erweckt im Menschen die Ahnung des Schöpfers. Sie erweckt darüber hinaus die Erwartung, ja, die Hoffnung, dass dieser Gott sich einmal zeigen werde. Und sie erweckt zugleich das Bewusstsein, dass der Mensch ihm entgegengehen kann und soll. Aber die Erkenntnis, die aus der Schöpfung hervorgeht und sich in den Religionen konkretisiert, kann auch abdriften, sodass sie den Menschen nicht mehr in Bewegung bringt über sich hinaus, sondern ihn verleitet, sich zu fixieren in Systemen, mit denen er glaubt, den verborgenen Mächten der Welt etwas entgegensetzen zu können.
(Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Prolog)
Ohrwurm der Woche
Johannes Hartl & Friends: Fürst des Friedens
Zum Abschluss der Weihnachtszeit und anlässlich der in der zurückliegenden Woche zu Ende gegangenen MEHR-Konferenz gibt's in dieser Rubrik nochmals etwas Lobpreis aus dem Gebetshaus Augsburg – mit einem an Jesaja 9,5-6 angelehnten Text. Bei der "Beten mit Musik"-Andacht am Mittwoch war dies eins der beiden Stücke, die ich mir aussuchen durfte, und für mein Empfinden war es ein echtes Highlight. Ich glaube, meinem Sohn hat es auch gefallen.
Vorschau/Ausblick
Im nächsten Wochenbriefing dürft ihr euch auf einem Abschnitt zum Thema "Innenansichten aus der Sternsingerei" (o.s.ä.) freuen, denn ich war heute von morgens bis in den Nachmittag hinein damit beschäftigt, eine Sternsingergruppe durch Siemensstadt und Haselhorst zu begleiten – so beschäftigt, dass ich bisher keine Zeit hatte, auch noch darüber zu schreiben.. Aber das kommt noch! Der Neujahrsempfang der Großpfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland, von dem ich irrtümlich angenommen (und so auch in der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings angegeben) hatte, er wäre erst morgen, ist tatsächlich heute Abend, und da es bei Redaktionsschluss noch nicht absehbar war, ob sich das zeitlich mit der Sternsingeraktion unter einen Hut bringen lassen würde, wirst du, o Leser, dich überraschen lassen müssen, ob ich im nächsten Wochenbriefing etwas darüber zu berichten haben werde. Aber ich möchte eigentlich schon hin, zumal ich als engagierter Laie eine persönliche Einladung erhalten habe. – Am morgigen Sonntag ist jedenfalls Taufe des Herrn und damit liturgisch der Abschluss der Weihnachtszeit; die Gelegenheit, uns am Ökumenischen Krippenpilgern in Spandau zu beteiligen, haben wir damit wohl verpasst, aber hey, es gibt Schlimmeres. Am Montag hoffe ich den als Pfarrvikar von St. Klara Reinickendorf-Süd offiziell bereits verabschiedeten Priester aus Nigeria noch einmal zu sehen, um über die Möglichkeit eines Besuchs in seiner Heimatdiözese im nächsten Herbst zu sprechen; am Mittwoch feiert ein gemeinsamer Freund unserer Kinder seinen 6. Geburtstag, da trifft es sich gut, dass diese Woche noch kein JAM ist – das geht nämlich erst am 21. wieder los. Neues von den Pfadfindern dürfte es in absehbarer Zeit auch mal wieder geben; und darüber, wie es unserem Jüngsten beim Kampfsport so ergeht, will ich auch mal was schreiben, wenn neben den ganzen anderen Themen Platz dafür bleibt...





