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Samstag, 11. Mai 2024

Creative Minority Report Nr. 29

Schon wieder eine Woche rum? Auweia, das ging schnell. Okay, zum Teil kommt mir das wohl deshalb so vor, weil ich erst am Mittwoch einen sozusagen aus dem vorigen Wochenbriefing ausgelagerten Artikel 'rausgehauen habe. Wie dem auch sei, es gibt mal wieder eine Menge zu berichten, und deshalb fange ich auch gleich damit an: 

Pietro Perugini, Himmelfahrt Christi, ca. 1495/98 (gemeinfrei

Was bisher geschah 

Am frühen Sonntagabend kamen das Tochterkind und ich vom "Väterwochenende" in Zinnowitz zurück nach Berlin; die Kurzantwort auf die Frage "Wie war's?" lautet: super, ich kann's nur empfehlen, gerne mal wieder. Ein bisschen genauer gehe ich darauf weiter unten unter der Überschrift "Wenn der Vater mit der Tochter" ein. Danach ging erst mal der Alltag wieder los, oder jedenfalls so einigermaßen; am Montag nach der Schule hatte das Tochterkind sozusagen einen Solo-Omatag, nachdem der Jüngste seinen Omatag bereits am Sonntag gehabt hatte; am Dienstag hielten der Jüngste und ich in St. Joseph Tegel eine Lobpreisandacht ab; am Mittwoch war "wie üblich" vormittags Messe in Heiligensee und nachmittags JAM, was allemal genug Stoff für die Weiterführung der Rubrik "Immer wieder mittwochs" bietet. Und dann war der Alltag auch schon wieder vorbei, denn am Donnerstag war Himmelfahrt, am Freitag Brückentag mit Kindergeburtstag. Zur Messe gingen wir an Christi Himmelfahrt in St. Joseph Siemensstadt, sie wurde zelebriert vom Spandauer Krankenhausseelsorger und war schön und feierlich – mit gesungenem Evangelium, gesungenem Credo, gesungener Präfation und sogar einem gesungenen Antwortvers bei den Fürbitten –, und am Ende erhielten die Haselhorster Pfadfinder, die an diesem Tag zu ihrer Frühlingsfahrt aufbrachen, einen Reisesegen. An der Predigt fand ich bemerkenswert, dass der Priester die Anwesenden – als "Hausaufgabe für die Tage bis Pfingsten", wie er sagte; "ich halt' mich auch dran" – dazu anregte, gewissermaßen eine Minimalversion der Pfingstnovene zu beten: "Beten Sie am Morgen 'Komm, Heiliger Geist', und wenn Sie ein bisschen mehr Zeit haben: 'Erfülle die Herzen deiner Gläubigen und entzünde in ihnen das Feuer deiner Liebe'." Denn: "Ohne Gottes Geist geht alles flöten – die Liebe, der Glaube, die Hoffnung." 

Nach der Messe gingen wir erst mal Eis essen, danach gönnte ich mir mal etwas "Zeit für mich", während Frau und Kinder zum Hüpfburgen-Familien-Park am Kurt-Schumacher-Platz gingen. Noch mehr Zeit für mich hatte ich am gestrigen Freitag, denn da feierte eine der liebsten Schulfreundinnen unseres Tochterkindes – die auch schon ein paarmal bei uns zu Besuch gewesen ist – ihren Geburtstag und hatte dazu freundlicherweise unsere beiden Kinder eingeladen. Ich nutzte die freie Zeit unter anderem dazu, in Herz Jesu Tegel zur Anbetung zu gehen und dort still den ersten Tag meiner selbstgebastelten Pfingstnovene zu beten. Heute vormittag war dann wieder Wichtelgruppe – in kleiner Besetzung, aber trotzdem ganz schön; darüber berichte ich, wie gewohnt, im nächsten Wochenbriefing. 


Was ansteht 

Morgen ist nicht nur der 7. Sonntag der Osterzeit, sondern auch Muttertag; also ruft eure Mütter an und seid mir dankbar, dass ich euch dran erinnert habe! Es folgt, was in diesem Monat eher eine Seltenheit ist, eine volle fünftägige Schul- und Arbeitswoche. Am Dienstag trifft sich der KiWoGo-Arbeitskreis, um den Kinderwortgottesdienst am Dreifaltigkeitssonntag und unseren Beitrag zur Spandauer Fronleichnamsfeier zu planen; zu beiden Themen habe ich mir schon ein bisschen was überlegt, aber das verrate ich erst zu gegebener Zeit. – Am Mittwoch dürfte aller Voraussicht nach wieder das übliche Mittwochsprogramm anstehen, darüber hinaus gibt's aber in meiner linken Ex-Stammkneipe in Prenzlauer Berg erneut, wie schon vor vier Wochen, einen Vortrag der Letzten Generation, und ich denke darüber nach, diesmal tatsächlich hinzugehen. – Was der Rest der Woche noch so bringen wird, ist derzeit noch nicht absehbar. 


Wenn der Vater mit der Tochter 

Es ist ja so: Seit meine Große ein Schulkind ist, verbringe ich mit ihr naturgemäß erheblich weniger Zeit als früher (und auch erheblich weniger als mit ihrem kleinen Bruder), und in letzter Zeit hatte ich immer mal wieder das Gefühl, dass diese gemeinsame Zeit uns beiden fehlt – und zwar insbesondere die exklusive Vater-Tochter-Zeit. Da war es schon eine bemerkenswerte Fügung, dass mir vor ein paar Wochen ausgerechnet in der Schriftenauslage von Herz Jesu Tegel ein Flyer für die Väterwochenenden im "Haus St. Otto" in Zinnowitz ins Auge fiel. Als ich den Text auf dem Flyer überflog, hatte ich gleich das Gefühl, das könnte genau das Richtige für mein Tochterkind und mich sein; und dann sah ich, dass die Anmeldefrist für den Mai-Termin just einen Tag zuvor abgelaufen war. Es gab noch einen weiteren Termin im September, aber der passte mir nicht so richtig; also dachte ich mir, was soll's, ich probier's einfach. Ich füllte folglich gleich an Ort und Stelle per Handy ein Online-Anmeldeformular aus und erhielt eine automatische Anmeldebestätigung, in der nicht stand, dass meine Anmeldung wegen Fristablaufs nicht berücksichtigt werden könne. Ein paar Tage später schickte der Kursleiter persönlich eine Rundmail an die Teilnehmer, und damit war klar: Wir sind dabei! 

Dass die Nichteinhaltung der Anmeldefrist kein Problem darstellte, lag, wie sich zeigte, daran, dass dieses Väterwochenende nicht annähernd ausgebucht war: Theoretisch hätten bis zu 35 Personen daran teilnehmen können, tatsächlich waren es, wenn man den Kursleiter nicht mitzählt, nur 14 – fünf Väter und neun Kinder, wobei eins der "Kinder" schon annähernd erwachsen war. Die meisten teilnehmenden Kinder waren zwischen 8 und 12 Jahre alt, meine Tochter war die jüngste Teilnehmerin, allerdings knapp (ein Junge war wie sie sechs Jahre alt, nur ein paar Monate älter als sie). Mit Ausnahme eines Vaters und seines Sohnes, die aus Stralsund kamen, kamen alle Teilnehmer aus Berlin oder dem unmittelbaren Umland. Die überschaubare Gruppengröße gefiel mir persönlich sehr gut; ich bezweifle ehrlich gesagt, ob das Veranstaltungsformat mir mit doppelt so vielen oder noch mehr Teilnehmern genauso gut gefallen hätte. 

Am Ankunftsabend wurden allerlei gruppendynamische Kennenlernspiele veranstaltet, und ich fand es recht charakteristisch, dass mein Tochterkind nach einer Weile keine Lust mehr darauf hatte und sich ausklinkte. Sie machte auch keine große Szene daraus, sondern verzog sich stillschweigend in den Garten, um Schnecken zu beobachten, und als der Kursleiter sie fragte, ob sie nicht mehr mitmachen wolle, sagte sie in aller Seelenruhe "Nein." Das ist mein Mädchen, dachte ich schmunzelnd, nahm mir ein Beispiel an ihr und machte an den folgenden Tagen bei der Morgengymnastik "von meinem Recht auf Nichtteilnahme Gebrauch", wie es im Club der Toten Dichter heißt. 

Eine Lourdes-Grotte gab es auf dem Gelände auch, da durften wir uns also gut behütet fühlen. 

Insgesamt kam es mir am ersten Abend ein bisschen so vor, als verstünde ich mich mit den Kindern besser als mit ihren Vätern – was nicht etwa heißen soll, dass mir diese unsympathisch gewesen wären, aber gerade in Hinblick auf meine Tätigkeit als Wichtelgruppenleiter und Katechet empfand ich es doch als recht ermutigend, dass die Kinder mich durchweg spontan zu mögen schienen. Am Samstag gab es im Zeitraum zwischen Frühstück und Mittagessen getrenntes Programm für Kinder und Erwachsene: für die Kinder ein Rollenspiel zur Christianisierung Pommerns vor 900 Jahren, für die Väter eine Gesprächsrunde mit einem vorbereiteten Gesprächsleitfaden. Diesen Leitfaden fand ich wirklich gut, denn er lenkte – was ich, so komisch es klingen mag, in einer kirchlichen Einrichtung eher nicht erwartet hätte – den Gesprächsschwerpunkt auf Fragen der Glaubensweitergabe und den Stellenwert des Glaubens im Familienalltag. Auf diese Weise eröffnete das Gespräch interessante Einblicke in den (auch biographisch bedingt) unterschiedlichen "Glaubenshintergrund" der Teilnehmer. Eine bemerkenswerte Fügung war es auch, dass ich am Nachmittag bei einem Geländespiel im Wald ausgerechnet mit denjenigen Männern in ein Team geriet, von denen ich bei dieser Gesprächsrunde den Eindruck gehabt hatte, ich könnte mit ihnen am wenigsten "warm werden". 

Überhaupt: Geländespiele im Wald! Ich hätte nie gedacht, dass mir so etwas Spaß machen könnte, aber tatsächlich hatte ich enorm viel Spaß, verausgabte mich ziemlich und hatte noch Tage danach Muskelkater in den Oberschenkeln. 

Wie sich zeigte, waren die beiden Väter, mit denen (und deren Kindern) ich mich am besten verstand, auch diejenigen, deren Zuhause am nächsten an unserem liegt; am Abreisetag tauschte ich mit ihnen Telefonnummern aus, um den Kontakt halten zu können. Einer von ihnen war mit vier Kindern angereist, erwähnte aber schon am ersten Abend, das seien nur seine "mittleren" Kinder – er habe noch zwei ältere und zwei jüngere. Bei der Väter-Gesprächsrunde am Samstagvormittag verriet er dann, dass er dem Neokatechumenalen Weg angehört; das hatte ich mir angesichts der Zahl seiner Kinder schon gedacht, aber gleichzeitig gab diese Assoziation mir zu denken. Es hat schließlich Zeiten gegeben, da galt Kinderreichtum als typisch für katholische Familien insgesamt; wenn man hingegen heutzutage – jedenfalls in unseren Breiten – eine katholische Familie mit, sagen wir mal, mehr als vier Kindern sieht, denkt man automatisch "Die sind bestimmt bei den Neos." Was will uns dieses Phänomen sagen? – Zugegeben: In welchem Maße die Lehre von Humanae vitae im Kirchenvolk – gerade hierzulande – nicht angenommen wurde, ist nun nicht gerade ein Geheimnis. Aber das erklärt noch nicht, dass unter allen geistlichen Gemeinschaften, Bewegungen und Strömungen innerhalb der Kirche nur eine einzige für ihren Kinderreichtum bekannt ist. (Disclaimer: Ich kann nicht ausschließen, dass mir das nur so vorkommt, weil der Neokatechumenale Weg im Erzbistum Berlin einfach besonders stark vertreten und sichtbar ist.) 

Aber lassen wir das mal so stehen und wenden uns lieber der viel wichtigeren Frage zu: Wie war das Wochenende denn so fürs Tochterkind? – Ich zitiere wörtlich: "Wunnnderbar!" Sie hat viel Spaß gehabt, neue Spiele ausprobiert, mit den Füßen in der Ostsee geplantscht, sich mit einem achtjährigen Mädchen angefreundet, sich aber auch mit den anderen Kindern überwiegend gut vertragen und wirkte während der gesamten Zeit viel ausgeglichener und zufriedener, als es im normalen Alltag oft der Fall ist – die Anzeichen der gefürchteten "Wackelzahnpubertät" waren wie weggeblasen. Und wie ich gehofft habe, hat sie es offenkundig genossen, ihren Papa mal für sich allein zu haben. Schon ein paar Tage nach unserer Rückkehr hat sie mich gefragt, wann wir denn mal wieder so ein tolles Wochenende machen könnten. 

Werfen wir abschließend noch einen Blick auf die Hauskapelle des Freizeitheims, in der wir am Sonntag zur Messe gingen; sie ist zugleich die reguläre Kirche für die katholischen Einwohner von Zinnowitz und gehört zur Pfarrei St. Otto Usedom-Anklam-Greifswald. Ja, Vorpommern ist wirklich tiefste Diaspora. Meine Tochter findet die Kirche übrigens, so wörtlich, "originell gebaut".  



Übrigens erwäge ich derzeit, noch mehr über das Haus St. Otto in Zinnowitz und das Veranstaltungsformat "Väterwochenende" zu schreiben und das dann an anderer Stelle zu veröffentlichen, aber das ist noch nicht ganz spruchreif. Wenn was draus wird, erfährst du es hier zuerst, Leser! 


Immer wieder mittwochs 

Nachdem am vorigen Mittwoch ja Feiertag gewesen war, ging ich am Mittwoch der zurückliegenden Woche erstmals in diesem Wonne- und Marienmonat mit dem Jüngsten in St. Marien Maternitas in die Messe. Dem Wochenplan der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd zufolge werden derzeit an den meisten Standorten der Pfarrei (nicht jedoch in St. Joseph und St. Bernhard) wöchentlich Maiandachten gefeiert, und in St. Marien Maternitas sollte dies mittwochs vor der Messe der Fall sein, also genau dann, wenn sonst Rosenkranz gebetet wird (wir kennen das schon von den Kreuzwegandachten in der Fastenzeit). So eine Maiandacht mitzufeiern, hätte mich durchaus interessiert, aber das hätte erfordert, die Große früher zur Schule zu bringen, und zudem wollte ich vermeiden, dass dem Jüngsten die Geduld ausging, ehe die Messe auch nur begonnen hätte. So kamen wir also ungefähr zur selben Zeit wie sonst in der Kirche an – etwa zehn Minuten vor der regulären Anfangszeit der Messe –, und da war die Gemeinde gerade dabei, "ganz normal" den Rosenkranz zu beten. Sie war allerdings erst beim dritten Gesätz, und in der Folge begann die Messe mit einigen Minuten Verspätung; es erscheint somit denkbar, dass das Rosenkranzgebet nicht die ganze Maiandacht war, sondern "nur" ihr Abschluss. Ich werde es wohl nie erfahren. Was ich hingegen erfuhr, und zwar weil es sowohl im Rosenkranzgebet als auch in der Messe (die der Pfarrvikar aus Nigeria zelebrierte) angesprochen wurde, ist, dass ein Mitglied der Gemeinde kürzlich verstorben ist; jemand, der über lange Zeit zum festen Stamm der Werktagsmessbesucher in dieser Kirche gehört hatte. Ich kenne die Gemeindemitglieder natürlich nicht alle namentlich, glaube aber trotzdem zu wissen, um wen es sich handelt; ich hatte ihn schon seit ein paar Monaten nicht mehr in der Kirche gesehen, vermutlich war er schon zu schwer krank gewesen. – In diesem Sinne: 

Der Herr schenke ihm die ewige Ruhe 
Und das ewige Licht leuchte ihm. 

Am Nachmittag ging's zum JAM, wo – wie bei dem schönen Wetter kaum anders zu erwarten – zunächst Spielen im Garten angesagt war; dann folgte eine Runde Lobpreis (drei oder vier Lieder) im Gottesdienstraum, und danach wurde die Gruppe, wie üblich, in zwei Altersklassen getrennt. Als die kleineren Kinder nach oben in den Eltern-Kind-Raum geführt wurden, wies ich meine Tochter dezent darauf hin, dass sie ja eigentlich schon zu den größeren Kindern gehöre; daraufhin blieb sie im Gottesdienstraum und ich mit ihr. Die nun folgende Katechese setzte dort an, wo sie vor zwei Wochen geendet hatte: bei der ersten Missionsreise des Paulus (Apostelgeschichte 13-14). Zunächst war's wieder nur eine Nacherzählung des biblischen Texts, wenn auch eine sehr lebhaft und unterhaltsam gestaltete; richtig interessant wurde es aber, als – anknüpfend an die Blendung des Zauberers Elymas (Apg 13,11) und die Heilung eines Gelähmten in Lystra (Apg 14,8ff.) – ein längerer Exkurs zum Thema "Wunder" in die Erzählung eingeschoben wurde. Die beiden Kernaussagen dieses Exkurses – Gott vollbringt wirklich Wunder, auch heute noch; man muss aber auch mit der Möglichkeit rechnen, dass Wunder ausbleiben, auch wenn man noch so sehr um sie betet – untermauerte die JAM-Mitarbeiterin mit dem Hinweis auf eigene Erfahrungen. Ich war recht beeindruckt und fragte mich, wie ein derartiges Glaubenszeugnis wohl in der volkskirchlichen Kinderkatechese aufgenommen werden würde, geschweige denn im schulischen Religionsunterricht (zu letzterem Stichwort folgt weiter unten noch ein eigener Abschnitt). Damit meine ich gar nicht so sehr die Reaktionen der Kinder als vielmehr die der Eltern – oder der Vorgesetzten der Lehrer bzw. Katecheten. Am Ende schriebe da wohl noch jemand einen "Standpunkt"-Artikel bei häretisch.de, darüber, dass man Kinder vor solcher fundamentalistischer Indoktrinierung schützen müsse. –

Nachdem die Erzählung am Ende der ersten Missionsreise des Paulus angelangt war, durften die Kinder wieder im Garten spielen; kurz darauf kamen auch die kleineren Kinder von oben zurück – darunter mein Jüngster, der allerdings nicht in dem Garten wollte, sondern zu seiner Mami. Die war wie üblich zum Elterncafé gegangen, also nahm ich den Knaben an der Hand und führte ihn zu ihr – und nutzte die Gelegenheit, mir im Elterncafé auch einen Kaffee einzuschenken und ein bisschen zuzuhören. Ergebnis: Es hat schon seine Gründe, dass ich da normalerweise nicht mit hingehe. Dieses Veranstaltungsformat ist auf eine Art "nicht mein Ding", die gar nicht so leicht zu beschreiben bzw. zu erklären ist; vielleicht versuche ich es bei Gelegenheit mal, aber nicht jetzt. Ein interessantes Detail gab's allerdings in Hinblick auf die schon vor zwei Wochen festgestellte Parallelität zur Leseordnung des katholischen Kirchenjahres. Das Thema beim Elterncafé lautete in dieser Woche "Wer bin ich?", und wie man sich unschwer denken kann, war die Kernaussage, auf die das Ganze hinauslaufen sollte: "Gott als unser Schöpfer kennt uns am besten, darum ist es der beste Weg zur Selbsterkenntnis, Gott kennenzulernen". Dies untermauerte die Frau, die das Elterncafé diesmal leitete, mit ein paar Bibelstellen, die sie vorlas, und eine davon war die Rede des Paulus auf dem Areopag (Apg 17,22-31) – die ich bereits am Morgen in der Messe gehört hatte. 


Update Religionsunterricht in Berlin 

Vor einigen Wochen – im "Creative Minority Report" Nr. 24 – hatte ich hier das Thema "Religionsunterricht in Berlin" am Wickel, daher fühle ich mich nun meinen Lesern gegenüber in gewissem Maße verpflichtet, darauf hinzuweisen, dass es in dieser Sache Neues gibt. "Kai Wegner: Verpflichtender Religionsunterricht in Berlin kommt 2026", berichtet die Berliner Zeitung mit Datum vom 7. Mai. Wer sich nun fragt "Wer ist denn dieser Kai Wegner?", dem sei gesagt: Das ist der Regierende Bürgermeister von Berlin, und mach dir nichts draus, ich weiß auch nicht, wie der Regierungschef deines Bundeslandes heißt. Nun aber zur Sache: "[N]ach einer gemeinsamen Sitzung des Senats mit der Kirchenleitung der Evangelischen Kirche Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO)", so liest man in der Berliner Zeitung, habe der Regierende Bürgermeister das "gemeinsame Ziel" bekräftigt, "den Religionsunterricht noch in dieser Legislaturperiode als Wahlpflichtfach einzuführen".  "Das wollen wir bis 2026 hinbekommen", wird Wegner wörtlich zitiert. Weiter heißt es: "Schon jetzt werde dazu mit dem neuen Schulgesetz Rechtssicherheit geschaffen und Lehrpläne würden erarbeitet." 

Der Artikel weist indes auch darauf hin, dass Bildungssenatorin Katharina Günther-Wünsch (CDU) erst kürzlich erklärt habe, "aus ihrer Sicht" sei "das Ziel 2026 nicht zu schaffen": "Die Zeit reiche nicht aus, um ein Wahlpflichtfach Weltanschauungen/Religionen zu entwickeln und einzuführen. So müssten etwa ein Rahmenlehrplan erarbeitet, rechtliche Fragen geklärt und Personal ausgebildet werden." Ich schätze, was die gute Frau uns sagen möchte, ist, dass es ein bisschen schwierig ist, ein Schulfach aus dem Boden zu stampfen, von dem in der gesamten Berliner Bildungsverwaltung niemand etwas versteht. Genau deswegen strebt der Regierende in dieser Angelegenheit einen "enge[n] Austausch mit den Kirchen" an; aber ob's davon besser wird? 

Es fällt jedenfalls auf, dass an dem Gespräch, auf das der Presseartikel sich bezieht, das Erzbistum Berlin nicht beteiligt war; ich gehe aber davon aus, dass es mit Vertretern der katholischen Kirche dann wohl ein separates Treffen gibt oder auch schon gegeben hat. Einstweilen beansprucht EKBO-Landesbischof Christian Stäblein (übrigens ein Stiefsohn der legendären "Wort zum Sonntag"-Wuchtbrumme Oda-Gebbine Holze-Stäblein) für beide Großkirchen zu sprechen, wenn er erklärt: "Wir sind als Kirchen [...] sehr, sehr froh und dankbar" über die Zusage, Religionsunterricht als ordentliches Lehrfach einzuführen. Gleichzeitig betont er den Wert des Religionsunterrichts für die Gesellschaft, der darin liege, dass er "zur Aufklärung von Menschen über sich selbst, über andere, über andere Religionen und damit immer wieder zum Friedensunterricht im Miteinander dieser Stadt wird": "Religionsunterricht ist Friedensunterricht" – und nicht zuletzt "auch ein wichtiger Baustein im Kampf gegen Antisemitismus". Bürgermeister Wegner fügt hinzu: "Religion sollte etwas sein, was verbindet. Was unsere Gesellschaft verbindet."

Was soll man dazu sagen? – Ich bin mir sicher, es schon öfter gesagt zu haben, aber ich kann mir kaum etwas Erbärmlicheres vorstellen, als wenn die Großkirchen die Existenzberechtigung ihrer Institutionen verteidigen, indem sie deren Gebrauchswert für die säkulare Gesellschaft betonen. Das ist ein bisschen so wie wenn die Maus zum Löwen sagt "Friss mich nicht, vielleicht brauchst du mich eines Tages noch." 

Nun wissen wir – wenn wir die Fabel kennen – allerdings, dass die Maus damit am Ende Recht behält; und ich muss einräumen, dass die Frage, inwieweit die kirchlichen Institutionen tatsächlich nützlich für die säkulare Gesellschaft sind, allzu facettenreich ist, um hier so nebenbei abgehandelt zu werden. Versuchen wir's trotzdem mal ganz simpel zu sagen: Ich bin sehr wohl der Überzeugung, dass es einer Gesellschaft nützt, wenn es in ihr Christen gibt – auch dann, wenn es sich nur um eine Minderheit handelt –, und zwar einfach deshalb, weil es zum Weltauftrag der Christen gehört, "der Stadt Bestes" zu suchen (vgl. Jeremia 29,7). Je weniger christlich eine Gesellschaft als ganze ist, desto mehr wird sich allerdings die Vorstellung der Christen davon, was denn konkret "der Stadt Bestes" sei, von der der Mehrheitsgesellschaft unterscheiden. Daraus folgt, dass die kirchlichen Institutionen der säkularen Gesellschaft gerade dann am wenigsten nützen, wenn sie sich deren Vorstellungen darüber anbequemen, was ihr angeblich nütze. Und das ist für mich ein wesentlicher Grund, einem Religionsunterricht zu misstrauen, den sich die staatlichen Behörden nach ihren Bedürfnissen zurechtkonstruieren. 


Geistlicher Impuls der Woche

Wie schwach und wankelmütig Petrus, der Fels, auf den Christus Seine Kirche erbaute, zuweilen sein konnte! Tatsächlich gilt daa für alle Seine Apostel, selbst nachdem sie das irdische Leben Jesu in den drei Jahren Seines öffentlichen Wirkens geteilt hatten. Immerhin kannten sie Ihn ja "nur" drei Jahre lang – damit mochten sie sich rechtfertigen. Selbst nach Seiner Auferstehung, als Er ihnen erschien und mit ihnen aß, fragten sie Ihn noch nach dem irdischen Königreich. Gleichwohl hielten sie fest an Ihm, hörten auf Ihn, und nach Seiner Himmelfahrt – nachdem Er sie endgültig verlassen hatte, soweit es Seine körperliche Anwesenheit betraf – folgten sie Seiner Weisung, indem sie neun Tage lang im Gebet beisammen blieben. Die Kirche nennt dies die erste Novene. Neun Tage lang beteten sie gemeinsam, in Erwartung der Verheißung, die Er ihnen gegeben hatte – und an Pfingsten, was für eine Flutwelle des Heiligen Geistes ergoss sich da über sie! Sie waren wie neue Menschen, neu geboren, "wiedergeborene Christen"; sie streckten sich aus nach dem neuen Leben, dem Leben der Gnade. 

(Dorothy Day, Tagebücher, 22.2.1966; eigene Übersetzung) 


Ohrwurm der Woche: Double-Feature 

Avril Lavigne: My Happy Ending 

vs. 

Ashlee Simpson: Pieces of Me 

Anfang der Woche war ich mit meinem Jüngsten auf dem Spielplatz, und während ich ihm aus einiger Entfernung beim Klettern und Buddeln zusah, hatte ich Kopfhörer in den Ohren und zappte mich aufs Geratewohl durch YouTube-Empfehlungen; und dabei blieb ich schließlich bei meinem alten Faible für Girlie-Punk hängen. – Nun mag der eine oder andere Leser mit Blick auf die von mir hier verlinkten Songs mehr oder weniger empört einwerfen wollen "Also hömma, das ist doch kein Punk!"; worauf ich erwidern möchte: Ja ja, Raider heißt jetzt Twix; als die beiden Lieder rauskamen, nannte man diese Musikrichtung Alternative Rock oder zuweilen auch Post-Grunge; geschenkt. Und wenn dann noch jemand sagt "Das ist auch kein Alternative Rock, das ist einfach Mainstream-Pop der Nuller Jahre, der Stilelemente des Alternative Rock aufgreift", dann sage ich: Ach komm. Ist aber ja letztlich auch egal, wie man das nennt. Faszinierend an diesen beiden Songs, die im Jahre 2004 im Abstand von gerade mal vier Wochen als Singles veröffentlicht wurden, finde ich es, wie ähnlich sie sich sind. Man könnte von dem einen Stück ins andere überblenden, und viele Hörer würden nicht bemerken, wo der eine aufhört und der andere anfängt. Fast wäre ich versucht zu sagen, es ist im Prinzip derselbe Song. Was nicht zuletzt deshalb bemerkenswert ist, weil "My Happy Ending" ein bitterer Break-Up-Song ist und "Pieces of Me" ein glückstriefendes Liebeslied. Den Unterschied hört man irgendwie nicht so raus, wenn man nicht genau auf den Text achtet. – Tatsächlich bin ich der Meinung, dass "My Happy Ending" der bessere der beiden Songs ist, aber auch das ist natürlich wieder eine Einschätzung, die Fragen aufwirft: Wenn zwei Songs sich so ähnlich sind, wir kommt es dann, dass trotzdem der eine besser ist als der andere? Nun, ein wesentlicher Grund dürfte sein, dass Avril Lavigne einfach mehr Charisma hat. Nichtsdestotrotz mochte ich Ashlee Simpson, seit ich sie in der Fernsehserie "Eine himmlische Familie" (für die ich seinerzeit eine innige Hassliebe empfand) in der Rolle der flippig-rebellischen Freundin des jüngsten Sohnes der kreuzbrav-biederen Protagonistenfamilie gesehen hatte. Ihr Debütalbum "Autobiography" habe ich mir seinerzeit zwar nicht gekauft, immerhin aber aus der Bücherei ausgeliehen und durchaus gern angehört. Bald danach verlor sich mein Interesse an Ashlee Simpson aber wieder. Ich bekam gerade noch mit, dass sie sich 2006 die Nase operieren ließ – was natürlich, wie man von Jennifer Grey aus Ferris macht blau Dirty Dancing hätte lernen können, ein schwerer Fehler war: Never change the nose that made you famous. – Wenn ich's recht bedenke, fällt mir allerdings auf, dass ich auch Avril Lavignes Neuerscheinungen ab 2007 keine große Aufmerksamkeit mehr geschenkt habe, aber das hatte wohl eher biographische Gründe – in meiner Biographie, meine ich, nicht etwa in ihrer. Mal sehen, vielleicht bringe ich nächste Woche noch ein Lied, dass ich mit dieser Lebensphase assoziiere. Vielleicht gehe ich aber auch mal wieder in Richtung Proto-Punk/Psychedelic-Garage-Rock. Lass dich überraschen, Leser... 


Freitag, 10. Mai 2024

Pfingstnovene 2024: Wer betet mit?

Grüß Gott, Leser! Heute, am Gedenktag des Hl. Johannes von Ávila, beginnt die diesjährige Pfingstnovene, und nachdem ich im vorigen Wochenbriefing erwogen habe, nach 2019 und 2021 erneut einen Zyklus aus Gebeten und Liedern für die Novene zusammenzustellen, habe ich heute – etwas kurzfristig – Zeit gefunden, das tatsächlich in Angriff zu nehmen. Okay, im Grunde handelt es sich lediglich um eine leicht überarbeitete, v.a. an die alljährliche Verschiebung des Oster- und damit auch des Pfingstdatums angepasste Fassung meiner Novene von 2021, die ihrerseits auf der von 2019 basierte, und auch für diese kann ich keine besondere kreative Eigenleistung in Anspruch nehmen, denn sie ist im wesentlichen zusammengestellt aus Texten aus dem Stundenbuch und dem Gotteslob, kombiniert mit Lobpreisliedern und (vom 2. bis zum 8. Tag) mit der "Heilig-Geist-Krone" der Sel. Helena Guerra. Aber wie ich immer gern sage: Originalität wird überschätzt. Deshalb fand ich's auch so tragikomisch, als mir in der Tegeler Pfarrei seinerzeit vorgeworfen wurde, ich würde mit den "Lebendigen Steinen" anderen Gemeindemitgliedern meine eigene Spiritualität aufdrängen. So etwas wie eine "eigene Spiritualität" habe ich überhaupt nicht, ich schöpfe lediglich "Altes und Neues" (vgl. Mt 13,52) aus den reich gefüllten Schatzkammern der kirchlichen Tradition (wobei ich den Begriff "Tradition" wohl etwas anders verstehe als eingefleischte "Tradis"). 

Anno 2019 habe ich diese selbstgebastelte Novene noch täglich zu einer festen Uhrzeit zusammen mit meiner Liebsten in der Pfarrkirche Herz Jesu Tegel vorgebetet, die von 2021 – die in die Corona-Zeit fiel und passenderweise (#kannstedirnichtausdenken) am Gedenktag der Hl. Corona begann – lediglich zum privaten Gebrauch meiner Leser ins Netz gestellt, und so will ich das auch dieses Jahr wieder machen. Hier der Link zum dafür angelegten Google-Docs-Ordner; die Texte und Lieder für die ersten drei Tage (also bis einschließlich Sonntag) sind schon drin, die weiteren folgen hoffentlich bald. 

Im Gebet verbunden! Komm, Heiliger Geist! 


Mittwoch, 8. Mai 2024

Immer wieder mittwochs – spezial: Hl. Josef der Arbeiter

So kann's kommen, Leser: Kaum habe ich – im Creative Minority Report Nr. 26 – "versuchsweise" die Wochenbriefing-Rubrik "Immer wieder mittwochs" eingeführt, da wächst diese Rubrik auch schon über den Rahmen des Wochenbriefings hinaus und beansprucht einen eigenständigen Artikel. Was zugegebenermaßen wesentlich daran liegt, dass der vergangene Mittwoch kein "ganz normaler" Mittwoch war, sondern der 1. Maiweltlich ein in der Tradition der Arbeiterbewegung verwurzelter Feiertag, kirchlich seit 1955 ein dem Hl. Josef gewidmeter Festtag. Zum Hl. Josef, dem Beschützer und Ernährer der Heiligen Familie, habe ich ja eine besondere Affinität, seit ich selbst Familienvater bin, und zudem ist er der Patron unserer "Wahlgemeinde" in Siemensstadt. Dort gingen wir folgerichtig an diesem Mittwoch zur Messe – wobei ich mich ein wenig fragte, ob die Senioren in St. Marien Maternitas in Heiligensee, wo ich sonst gern mittwochs mit meinem Jüngsten zur Messe und zum anschließenden Frühstück gehe, uns wohl vermissten. Dafür, dass uns das Gemeindefrühstück in Heiligensee entging, wurden wir allerdings mehr als vollwertig entschädigt, denn im Anschluss an die Messe in St. Joseph Siemensstadt feierte der örtliche Pfarrvikar im Pfarrsaal seinen 60. Geburtstag nach, der in die Karwoche gefallen war. Aber mal der Reihe nach: 

In seinen Begrüßungsworten zur Messe führte der Pfarrvikar aus, der offizielle Patroziniumstag der Kirche St. Joseph Siemensstadt sei zwar der 19. März, das Hochfest des Hl. Josef; angesichts der Geschichte dieses Gotteshauses könne man aber durchaus meinen, das Fest Hl. Josef der Arbeiter wäre eigentlich das passendere Patrozinium. Warum? Weil es eine Arbeiterkirche ist, die von Siemens für die aus dem Rheinland und Süddeutschland angeworbenen katholischen Arbeiter seiner Firma gestiftet wurde. 

Altarbild des ehemaligen Hochaltars von St. Joseph Siemensstadt, jetzt an einer Seitenwand des Kirchenschiffs angebracht. 

Nach der Verlesung des Evangeliums kündigte der Pfarrvikar an, "nur ein paar Worte" über den Tagesheiligen und die Bedeutung seines Fests sagen zu wollen, aber tatsächlich wurde dann eine Predigt von fast einer Viertelstunde Länge daraus. Worüber ich mich jedoch keineswegs beklagen möchte, denn die Predigt war nicht nur lang, sondern auch sehr gehaltvoll – weshalb hier nun die Zwischenüberschrift 


Predigtnotizen 

folgen möge. – Die Gestalt des heiligen Josef zu betrachten, lade dazu ein, über Vaterschaft nachzudenken, betonte der Pfarrvikar einleitend; das schließe auch verschiedene Formen geistlicher Vaterschaft ein: "Wir alle haben sozusagen eine geistliche Elternschaft für die Menschen, die Gott uns anvertraut hat." Wie man es von seinen Predigten kaum anders gewohnt ist, gewann er diesem Ausgangsgedanken eine ganze Reihe bemerkenswerter Aspekte ab, von denen ich hier nur eine Auswahl ansprechen kann und will. 

So hob er mit Blick auf die 1. Lesung – aus dem "Priesterlichen Schöpfungsbericht" des Buches Genesis – hervor, die Signifikanz der Aussage, Gott habe den Menschen "männlich und weiblich" erschaffen (Gen 1,27b), liege darin, dass Gott Seine Liebe "in unsere Körper eingeschrieben" hat: eine "schöpferische Liebe", eine "Liebe, die fruchtbar wird". – Eine weitere Passage der Predigt, die mich aufhorchen ließ, lautete: 

"Josef fragt nach dem Willen Gottes. Das ist der Christ jeden Tag in der Früh, wenn er aufsteht. Er fragt sich: Lieber Gott, was möchtest du heute von mir, was ist heute dran, was hast du heute vorbereitet für mich?" 

Dass ich mich davon so angesprochen – und durchaus auch irgendwie "erwischt" – fühlte, hat mit der Erkenntnis zu tun, wie leicht man im Alltag der Versuchung erliegt, diese Frage gerade nicht zu stellen: Weil ja vermeintlich sowieso schon klar ist, was man zu tun hat (in meinem Fall: aufstehen, duschen, anziehen, die Kaffeemaschine anstellen, Frühstück für die Kinder vorbereiten, die Kinder wecken und so weiter, bis man die Große in der Schule abgeliefert hat; und dann hat man vielleicht mal Zeit, innezuhalten und sich selbst und das kleinere Kind zu fragen "Was machen wir heute?"). Also, ich nehme mir das mal als Hausaufgabe mit. 

Ein großer Teil der Predigt drehte sich darum, die Seligpreisungen der Bergpredigt als "Schlüssel für Elternschaft" zu betrachten, und zwar vorrangig die erste: "Selig, die arm sind vor Gott" (Mt 5,3). Auch das erwies sich als ausgesprochen relevant für mein tägliches Leben. "Um Eltern zu sein, muss man die eigene Armut annehmen", stellte der Pfarrvikar fest und fügte hinzu: "Das gilt nicht nur für Eltern, das gilt auch für mich als Priester." Diese Armut äußere sich etwa darin, dass man seine "Zeit, die Kräfte, die Energie" nicht mehr für sich selbst habe: Elternschaft erfordere, 

"sich loszulösen von den eigenen Plänen, von den eigenen Vorstellungen. Wenn Sie Kinder haben, dann wissen Sie: Man kann nichts mehr planen. Zumindest wenn sie klein sind. Das heißt: Ein anderer wird unser Meister, und das sind die Kinder. Das erfordert eine große Armut. Wenn wir nur unsere Pläne, unsere Vorstellungen sehen, werden wir den Kindern nicht gerecht. Dasselbe gilt auch für uns Priester." 

"Die eigene Armut anzunehmen" und "sich loszulösen von sich selbst" bedeute unter anderem, "die eigenen Interessen nicht an die erste Stelle zu setzen", sondern sie denen des Ehepartners und der Kinder unterzuordnen. "Vater sein ist kein Besitz; Priester sein ist auch kein Besitz. Sondern es ist ein Widerspiegeln der Elternschaft Gottes, die großzügig ist." Daneben und darüber hinaus gebe es aber auch 

"noch eine zweite Armut: Nicht nur, dass die Kinder unsere Pläne, unsere Zeit, unser Geld und so weiter in ihren Dienst nehmen, sondern sie führen uns auch an unsere Grenzen. Und das ist sehr schwierig anzunehmen, wenn Kinder uns an unsere Grenzen führen." 

Die eigenen Grenzen zu sehen, bedeute etwa, "den Mangel an Sanftmut zu sehen, den Mangel an Barmherzigkeit zu sehen; dass man sieht, dass man manchmal zornig wird und dass man nervös wird. [...] Man sieht, man müsste dieses und jenes tun, und man sieht die Unmöglichkeit." – Und wie kann es gelingen, diese eigenen Unzulänglichkeiten anzunehmen? Mit Demut

"Demut sagt uns, dass Gott auch noch existiert. Dass wir nicht die Erlöser von allem sind – das gilt auch für uns Priester –, sondern dass Gott existiert und dass Er mit den Kindern das tun wird, den Weg führen wird, den Er möchte. Und Demut zieht Gnade an. Eine Familie, die aus der Gnade lebt – das heißt, mit Freude, mit einem Klima der Dankbarkeit und der Großzügigkeit –, das spricht von Gott. Wenn alles perfekt sein muss, dann wird es eng, dann wird es hart. Deswegen: Die eigene Armut anzunehmen, die eigene Unzulänglichkeit anzunehmen, ist Demut, aber auch Gnade – denn es öffnet die Tür für den Herrn." 

Abschließend betonte der Prediger mit Blick auf das Patrozinium der Siemensstädter Kirche die "große Gnade, dass der heilige Josef unser Patron ist": "Der heilige Josef ist ein guter Nährvater. Er wird auch in der Zukunft für uns sorgen." Und schließlich: "Die Fürsprache des heiligen Josef für uns, für unsere Familien ist immer eine Gnade, eine Stärkung und ein Geschenk." 


Schwein gehabt 

Am Ende der Messe wurden dem Pfarrvikar Geburtstagsgeschenke überreicht, der Pfarrer, der zuvor noch eine Messe im Seniorenheim St. Elisabeth gehalten hatte, aber noch rechtzeitig in St. Joseph eingetroffen war, um bei der Eucharistiefeier zu konzelebrieren, hielt eine kleine, herzliche Ansprache, und aus der Gemeinde heraus wurden zwei Geburtstagsständchen angestimmt, eins davon auf Polnisch. Insgesamt war es schön zu sehen, wie beliebt der Pfarrvikar in der Gemeinde ist, in der er bis zur Pfarreifusion Anfang 2023 Pfarrer war. In seinen Dankesworten lud er die anwesende Gemeinde zu einem Geburtstagsschmaus im Pfarrsaal ein und betonte, zu essen gebe es genug: "Gott ist wieder einmal großzügig gewesen, nehme ich an." 

Das erwies sich als richtig.  

Die Kinder ließen sich die Überzeugung nicht ausreden, bei dem Spanferkel handle es sich um ein "Wildschwein".

Wir hatten auch etwas zum Büffet beigesteuert, nämlich einen mediterranen Pastasalat – von dem wir aber leider einen großen Teil wieder mitnehmen mussten, da die Gesamtmenge des aufgetischten Essens einfach zu groß war

Da es im Pfarrsaal ziemlich voll und draußen schönes Wetter war, sicherten wir uns einen Tisch auf der Terrasse, die Kinder spielten zeitweilig im Garten mit den Töchtern einer KiWoGo- und Wichtelgruppen-Teamkollegin. Am Tisch bekamen wir Gesellschaft von einer Frau, die in der Messe Geige gespielt hatte, und ihrer Tochter, die am darauffolgenden Sonntag Erstkommunion hatte. Wir unterhielten uns ausgesprochen gut, unter anderem über das Thema Schule (wie sich zeigte, war die Frau mit der Geige Lehrerin), und dem Mädchen legte ich augenzwinkernd nahe, es dürfe gern auch nach der Erstkommunion weiter zum Kinderwortgottesdienst kommen. 


Währenddessen in Tegel 

Wir verließen die Feier gegen 13:30 Uhr, da wir noch zum "Patronats- und Siedlungsfest" von St. Joseph Tegel wollten – wo, wie schon im vorigen Jahr, eine ganze Menge geboten wurde: 


Meine Liebste, deren Widerwille gegen die Aussicht auf ein Wiedersehen mit Leuten, die uns seinerzeit die aktive Mitarbeit in der Tegeler Pfarrei verleidet haben, noch deutlich ausgeprägter ist als mein eigener, war zunächst sehr skeptisch gewesen, ob sie zu diesem Fest mitkommen wollte, aber Coffee-Bike und Crêpe-Stand waren schon starke Argumente – während für die Kinder schon die Hüpfburg als Anreiz völlig ausreichend war. Zumindest theoretisch. Als wir in Siemensstadt aufbrachen, erwiesen sich die Kinder als aufgekratzt, launisch und müde zugleich – eine explosive Mischung. Für den Jüngsten war ohnehin eigentlich Mittagsschlafzeit, und meine Liebste stellte fest, dass sie sich am liebsten ebenfalls für ein paar Stunden zu Hause aufs Ohr legen würde. Dass der Rückweg von Siemensstadt nach Tegel wiederum von verpassten Bussen geprägt war und sich folglich ziemlich (oder eher unziemlich) in die Länge zog, machte die Gesamtsituation nicht gerade besser, und so stand es zwischenzeitlich ziemlich auf der Kippe, ob wir es überhaupt noch nach St. Joseph Tegel schaffen würden. Nach einigem Hin und Her entschieden sich aber doch beide Kinder dafür, mit mir zu dem Fest zu gehen, und meine Liebste durfte sich zu Hause ausruhen. 

Als wir ankamen, war es schon fast halb Vier; kurz vorher war der Kleene im Wagen eingeschlafen, die Große stürzte sich direkt auf die Hüpfburg, und ich hatte Zeit, mich umzusehen. 

Auf den ersten Blick drängte sich mir noch stärker als im vorigen Jahr den Eindruck auf, dieses Fest habe mit der örtlichen Kirchengemeinde überhaupt nichts zu tun. Okay, natürlich kann es sein, dass sich die Zusammensetzung dieser Gemeinde in den letzten Jahren – also seit meine Liebste und ich nicht mehr in der Tegeler Pfarrei aktiv sind – erheblich verändert hat; aber so sehr dann wohl doch nicht, dass das Erscheinungsbild dieser vor wenigen Jahren noch überalterten und akut vom Aussterben bedrohten Gemeinde plötzlich von jungen Familien dominiert würde. Wie ich schon im vorigen Jahr notiert habe, ist es wohl eher so, dass der Aufschwung geselliger Aktivitäten in der Gemeinde St.Joseph Tegel wesentlich auf das Engagement einer kleinen Gruppe von KiTa-Eltern zurückzuführen ist – und nach dem Prinzip "Gleich und gleich gesellt sich gern" eben auch ein entsprechendes Publikum anzieht. Davon abgesehen heißt das Dingens ja nicht von ungefähr seit letztem Jahr "Patronats- und Siedlungsfest", richtet sich also ausdrücklich auch an die Nachbarn, und es könnte durchaus sein, dass einige der Häuser in der St.-Josephs-Siedlung in dem letzten Jahren an jüngere Leute vererbt oder verkauft wurden. – Nun kann man natürlich sagen: Ist doch gut, wenn auf diese Weise mal wieder "Leben in die Bude kommt"; zumal das womöglich die Chancen erhöht, diesen Kirchenstandort zu erhalten, dem Schrumpfungskurs des Erzbistums zum Trotz. So gesehen würde ich diese Entwicklung gern begrüßen – wenn, ja wenn sie einherginge mit Bemühungen um eine geistliche Erneuerung der Gemeinde, um so etwas wie Neuevangelisierung. Davon ist aber nicht viel zu bemerken. Okay, neben der regelmäßigen Vorabendmesse und einer wöchentlichen Werktagsmesse (die, wie berichtet, erst kürzlich von der Pfarrkirche Herz Jesu hierher verlegt worden ist) gibt es in St. Joseph Tegel ungefähr einmal im Monat eine Familienandacht; da sollte man vielleicht mal hingehen, wenn sie nicht gerade mit dem Kinderwortgottesdienst in St. Joseph Siemensstadt kollidiert. Im Ganzen habe ich aber eher den Eindruck, dass die Kirchengemeinde sich zu einem bloßen Anhängsel der KiTa entwickelt – ein Phänomen, das wohl auch andernorts nicht ganz selten ist

Diese aus einem alten Baumstumpf geschnitzte, mit einem Kreuz in der Rückenlehne verzierte Sitzgelegenheit wird allmählich von Ameisen zersetzt. Ist das symbolisch für irgendwas? Und wenn ja, wofür?

Wie dem auch sei: Bei meinem ersten Rundgang über das Festgelände sah ich nur eine einzige Person, die ich "von früher" kannte, und das war eine alte Frau, die schon "damals" bei so gut wie keiner Veranstaltung der Pfarrei gefehlt hatte – was auch beinhaltete, dass sie regelmäßig an unserem "Dinner mit Gott" und sogar an unseren Lobpreisandachten teilnahm. Von den Hauptamtlichen der Pfarrei, und ebenso den ehrenamtlichen "Erzlaien", war derweil keine Spur zu entdecken. Zunächst dachte ich, es gäbe vielleicht irgendwo etwas abseits vom gemeinen Pöbel einen "Honoratiorentisch", aber das war nicht der Fall; wahrscheinlich waren die Honoratioren der Gemeinde schon wieder gegangen. (Der Pfarrer tauchte später kurzzeitig noch einmal an der Bierbude auf, aber wir hatten keinen direkten Kontakt zueinander. War vielleicht auch besser so.) 

Ein heikles Thema bei Pfarrfesten ist ja immer die Frage der Bezahlung für Speis und Trank, besonders wenn man es vermeiden will, dass die ganze Veranstaltung umsatzsteuerpflichtig wird. Beim "Patronats- und Siedlungsfest St. Joseph" war das schon im vorigen Jahr so gelöst worden, dass alle Speisen und Getränke nicht gegen Geld, sondern ausschließlich gegen Wertmarken ausgegeben wurden, die man an einem separaten Stand kaufen musste. Das war auch diesmal wieder so, und zu meiner Überraschung erstreckte sich das sogar auf das Coffee-Bike

Noch schlechter als letztes Jahr war die Musik. Statt eines graubärtigen DJs mit Bierbauch und Sonnenbrille gab es diesmal einen Jugendlichen mit Laptop, und ich kann ernsthaft nur hoffen, dass er die Playlist, die er abspielte, nicht selbst zusammengestellt hatte, denn sie umfasste fast ausschließlich Stücke aus dem Grenzbereich zwischen Deutschpop und Deutschem Schlager. Ein bisschen aus dem Rahmen fiel "Ein Kompliment" von Sportfreunde Stiller, davon abgesehen musste man Grönemeyer, Nena und Klaus Lage schon als die Highlights des Programms bezeichnen. Als ich zwischendurch mal ins Gemeindehaus ging, um meinem inzwischen wach gewordenen Jüngsten die Windel zu wechseln, drang durchs offene Fenster "Musik nur, wenn sie laut ist" herein, und ohne dass es mir bewusst gewesen wäre, muss ich wohl laut mitgesungen haben, denn auf dem Weg zurück nach draußen kam mir eine junge Frau entgegen, die sehr freundlich lächelnd zu mir sagte: "Grönemeyer singen und dabei das Kind wickeln, das war schön."

Zu diesem Detail meines Berichts möchte ich anmerken, dass ich schon öfter die bemerkenswerte Erfahrung gemacht habe, wie sehr eine einzige nette Begegnung, eine einzige freundliche Anrede die Stimmung komplett drehen kann. So ist der Mensch offenbar gestrickt. (Es funktioniert leider auch in umgekehrter Richtung, und das ist gerade im kirchlichen Kontext häufig ein Problem, z.B. beim Messbesuch mit Kindern; aber das mal nur am Rande.) Bis zu dem hier geschilderten Moment hatte ich mich gelangweilt, mich fehl am Platze gefühlt und gehofft, nicht allzu lange bleiben zu müssen; aber jetzt gefiel es mir plötzlich recht gut auf diesem Fest, und ich überwand mich sogar, ein paar Wertmarken zu kaufen, um für mich und die Kinder etwas zu trinken zu besorgen. Auch der Eindruck, die alteingesessene örtliche Kirchengemeinde sei auf diesem Fest praktisch nicht vertreten, relativierte sich ein wenig: Außer dem Pfarrer sah ich auch die bei früherer Gelegenheit schon gewürdigte pensionierte Gemeindereferentin (an einem Stand, an dem der Förderverein Spenden für die offenbar gerade in Arbeit befindliche Erneuerung des Kirchendaches sammelte), und dann hatte ich sogar ein ausgesprochen nettes Gespräch mit einer Frau, die ich aus meiner Zeit im Pfarrgemeinderat kannte.

Die Kinder hatten derweil sowieso Spaß; dafür sorgte nicht allein die Hüpfburg, sondern auch der Umstand, dass zur Feier des Tages der Spielplatz der Kita frei zugänglich war. Das Tochterkind freundete sich bei dieser Gelegenheit übrigens mit einem vielleicht zwei bis drei Jahre älteren Mädchen an, das, wie sich herausstellte, die Tochter eines der Organisatoren des Fests war. Vielleicht sollte man mal versuchen, den Kontakt zu halten bzw. auszubauen – könnte spannend werden...

Als ich die Kinder zwischendurch fragte, ob wir mal in die Kirche reinschauen wollten, bejahten sie fröhlich. Wir zündeten Opferkerzen an, und ich war nicht gerade überrascht, dass der Jüngste – wohl schon aus Gewohnheit – fragte, ob wir Musik anmachen könnten. Ich sagte jedoch, daß würde wohl nicht gehen, zumal draußen ja andere Musik gespielt würde. Wobei ich ehrlich sagen muss, Lust gehabt hätte ich eigentlich schon, der penetranten Schlagermucke etwas Lobpreis entgegenzusetzen. 

Diese Madonnenfigur entdeckten meine Kinder im Gebüsch am Rande des Kirchengrundstücks. Ich war verblüfft.

Am Ende war es so, dass die Kinder – nachdem ich sie zunächst überhaupt nur mit Mühe hierher gekriegt hatte – von diesem Fest gar nicht mehr weg wollten. Auch nicht, nachdem aus der Hüpfburg die Luft rausgelassen worden war. Um nochmals auf die Musik zurückzukommen: Als das Festgelände sich allmählich leerte, ging der jugendliche DJ dazu über, quasi als "Rausschmeißer" die Art von Musik zu spielen, die er vermutlich privat hört; das war dann eben auf andere Art Scheiße. Der Song "Wildberry Lillet" von Nina Chuba lief sogar zweimal; den kannte ich bisher gar nicht, aber meine Tochter meinte, sie kennt das Lied aus der Schule. Na, was soll man sagen. Sympathiepunkte gibt's übrigens dafür, dass, als der Grillstand abgebaut wurde, die fertigen, aber nicht verkauften Würste gratis ausgegeben wurden. Insgesamt war es ein wirklich gelungenes Fest, und ich muss gestehen, ich habe erhebliche Zweifel, ob das Pfarrfest in Maria, Hilfe der Christen im Anschluss an die Spandauer Fronleichnamsprozession auch nur halb so gut wird. Okay, vielleicht erlebe ich diesbezüglich eine Überraschung; aber mich beunruhigt ein wenig die Vorstellung, es gebe womöglich einen tieferen Zusammenhang zwischen der Qualität des Tegeler St.-Josephs-Fests und der Tatsache, dass es nicht in erster Linie von und für "church people" organisiert wurde. Diesen Gedanken gilt es sicherlich noch zu vertiefen – und zu überprüfen. Ich komme darauf zurück, wenn die Spandauer Fronleichnamsfeier über die Bühne gegangen ist... 


Samstag, 4. Mai 2024

Creative Minority Report Nr. 28

Grüße aus Zinnowitz auf der Insel Usedom – wo ich gerade mit meinem Tochterkind an einem "Väterwochenende" in einer Begegnungsstätte des Erzbistums Berlin teilnehme. Näher werde ich darauf allerdings erst in der nächsten Ausgabe des Creative Minority Report eingehen können, denn über die zurückliegende Woche gibt es auch ohnedies mehr als genug zu berichten. 

Es steht übrigens zu befürchten, dass die vorliegende Creative Minority Report-Folge wieder einmal eine wird, mit der ich mir – besonders "im eigenen Lande", d.h. in der Pfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland – nicht besonders viele Freunde mache, aber es ist durchaus nicht so, dass ich es darauf angelegt hätte; die "problematischen" Themen (Jugendgottesdienst, Erstkommunion) haben sich vielmehr förmlich aufgedrängt. Etwas Positives gibt es aber auch zu berichten, nämlich über die Wichtelgruppe. Aber mal der Reihe nach! 

Symbolbild: In der Erstkommunion ist der Wurm drin. 

Was bisher geschah 

Am vergangenen Samstag stand eine ganze Menge auf dem Programm: Vormittags war Wichtelgruppentreffen (der Bericht darüber folgt unter "Aus meinem Wichtelbuch"); am frühen Nachmittag gingen wir dann in Tegel ins Kino, zu einer Veranstaltung der Reihe "Mein erster Kinobesuch". Dieses Veranstaltungsformat zeichnet sich dadurch aus, dass der Saal nicht komplett verdunkelt wird, die Tonspur nicht so laut ist und ein Film gezeigt wird, der besonders für kleine Kinder geeignet ist und nur eine knappe Stunde dauert. Der Plan für den Rest des Samstags sah vor, dass ich in der Pfarrkirche Maria, Hilfe der Christen zum Jugendgottesdienst ging – hauptsächlich um mir die Band anzuhören, die da spielte – und wir uns danach alle bei der Community Networking Night im Baumhaus wiedertreffen und dort auch zu Abend essen wollten. Aber dann kam alles etwas anders: Etwa zwanzig Minuten nach Beginn des Gottesdienstes ereilte mich eine Nachricht meiner Liebsten, die Kinder seien total außer Rand und Band und mit ihnen könne man an diesem Abend wohl nirgends mehr hingehen; da fuhr ich dann doch lieber heim und besorgte fürs Abendessen Tiefkühlpizza. Ein paar Eindrücke aus dem Jugendgottesdienst werde ich (unter der Überschrift "Ich bin nur wegen der Band hier") trotzdem schildern müssen; um die nur einmal im Monat stattfindende Community Networking Night im Baumhaus ist es ein bisschen schade, aber direkt schlimm ist es wohl nicht, wenn wir da erst im nächsten Monat wieder teilnehmen – zumal ich zum Gartenprojekt in Haselhorst derzeit ohnehin nicht viel Neues zu berichten gehabt hätte, was nächsten Monat schon anders aussehen könnte. 

Am Sonntag wurde, wie bereits angekündigt, in St. Joseph Siemensstadt Erstkommunion gefeiert; was es darüber zu berichten gibt, könnte man in dem Satz "Hätte schlimmer sein können" zusammenfassen; man könnte auch Vieles von dem wiederholen, was ich schon früher dazu geschrieben habe, dass und warum die landläufige Erstkommunion-Praxis im Grunde eine Zumutung für alle Beteiligten und Nichtbeteiligten ist; aber ich werde unter der Überschrift "Glanz und Elend der Erstkommunion" mal einen Mittelweg versuchen. 

Am Montag fiel der sonst übliche "Omatag" aus, da meine Schwiegermütter verreist waren; also blieb unsere Große länger in der Schule, und mit dem Jüngsten ging ich zuerst zur #kindergartenfrei-Spielgruppe und dann, auf seinen ausdrücklichen Wunsch, nach St. Joseph Tegel, wo wir eine Lobpreisandacht zum Tag der Diakonin Fest der Hl. Katharina von Siena abhielten. Ich war gerade bei den Fürbitten, als sich das Kirchenportal öffnete – und prompt fühlte ich mich ertappt. Ein Reflex, den ich mir eigentlich schon längst mal abtrainieren wollte: So weit sind wir ja wohl doch noch nicht, dass man das Gefühl haben müsste, etwas Verbotenes oder Unangemessenes zu tun, wenn man in einer offenen Kirche betet. Es war auch keine ehrenamtliche Küsterin oder pensionierte Gemeindereferentin, die die Kirche betrat, sondern ein schätzungsweise zehn- bis zwölfjähriger Junge, der kaum Notiz von uns nahm, sondern zielstrebig die Orgelempore erklomm. Aha, dachte ich, der will hier wohl Orgel üben. Ich beendete also unsere Andacht mit Vaterunser, Tagesgebet und Segensbitte, aber, um Interessenkonflikte zu vermeiden, ohne nochmals Musik anzumachen. Stattdessen spielte der Orgelschüler auf der Empore zuerst die markanten Anfangstakte von Bachs "Toccata und Fuge in D-Moll" (BWV 565) – wie man das halt so macht, wenn man eine Kirchenorgel zu seiner freien Verfügung hat – und dann "Freude, schöner Götterfunken" , woraufhin ich unwillkürlich dachte: Na toll, da kürzt man eine Lobpreisandacht ab, damit hier in der Kirche Freimaurerlieder ertönen. Bloß gut, dass ich kein Verschwörungstheoretiker bin. – Aber als Argument für den Fall, dass sich doch mal jemand über unsere "Beten mit Musik"-Andachten beschwert, werde ich mir den Hinweis dann doch mal merken, dass eine Gebetsform, die vielleicht nicht jedem zugänglich bzw. nicht jedermanns Sache ist, dem Anliegen der offenen Kirche doch wohl mindestens ebenso sehr gerecht wird wie die Übungen eines Orgelschülers. Und wenn dann jemand erwidert, der Orgelschüler habe aber die Erlaubnis, in der Kirche zu üben, sage ich: "Wir haben die Erlaubnis vom heiligen Josef persönlich." Allein schon, um zu sehen, was mein Gegenüber daraufhin für ein Gesicht macht. 

Am Montagabend bereitete ich zusammen mit den Kindern eine Lasagne nach einem Rezept aus dem Buch "Kinderleicht kochen nach Bildern" zu, das das Tochterkind mal geschenkt bekommen hat, und sie wurde sehr lecker. Am Dienstag hatte meine Liebste erneut keinen Unterricht und nutzte dies, um mit den Kindern einen Ausflug in einen Freizeitpark im Umland von Berlin zu machen. Unsere Große nahm sich dafür spontan einen Tag schulfrei, ja, das darf sie, die Anwesenheits-Regeln ihrer Schule lassen das zu, innerhalb gewisser Grenzen natürlich. 

Am Mittwoch war das Fest Hl. Josef der Arbeiter, und was da so alles los war, bietet Stoff für einen eigenständigen Artikel – der auch schon in Arbeit ist, aber bis zur Fertigstellung noch ein paar Tage brauchen dürfte, da ich während des Väterwochenendes so wenig Zeit zum Schreiben habe. – Zum Ausgleich war am Donnerstag nichts besonders Berichtenswertes los. Am gestrigen Freitag ging ich vormittags wieder mit dem Jüngsten zur Eltern-Kind-Gruppe in der Gemeinde auf dem Weg und anschließend nach St. Joseph Tegel, um zur Feier des Herz-Jesu-Freitags (und des Fests der Apostel Philippus und Jakobus) eine kleine "Beten mit Musik"-Andacht abzuhalten. Unterwegs sahen wir auf dem Waidmannsluster Damm Pantomimen, Einradfahrer und Jongleure, die den an den roten Ampeln wartenden Autofahrern ihre Künste vorführten. Der Sommer kommt! – Als ich um die Mittagszeit die Große von der Schule abholen wollte, erhielt ich eine Katastrophenwarnung aufs Handy: In Lichterfelde brannte eine metallverarbeitende Fabrik, es wurde befürchtet, dass sich giftige Dämpfe bilden könnten. Zunächst beachtete ich das kaum, Lichterfelde war schließlich weit weg. Wie sich jedoch zeigte, galten unter Berücksichtigung von Wetterdaten weite Teile des Berliner Westens als "betroffenes Gebiet", an der Schule des Tochterkindes herrschte Ausnahmezustand, die Schüler sollten das Gebäude nicht verlassen, einige Schüler trugen von Corona übriggebliebene Atemschutzmasken. Eine Lehrerin teilte mir achselzuckend mit, "vor allem einige der älteren Jungen" hätten "wohl etwas übertriebene Panik verbreitet". Mitnehmen durfte ich meine Tochter jedenfalls, und so kamen wir ohne weitere Komplikationen rechtzeitig zum Abendessen (und bevor ein Gewitter ausbrach) im Haus St. Otto am Rand von Zinnowitz an. Mehr dazu, wie gesagt, im nächsten Wochenbriefing! 


Was ansteht 

Bis etwa morgen Mittag bin ich noch mit meinem Tochterkind in Zinnowitz, dann geht's zurück nach Berlin; und ich gehe bis auf Weiteres davon aus, dass die nächsten Tage dann erst mal "ganz normal" sein werden, mit Schule und Arbeit, "Omatag" am Montag und JAM am Mittwoch. Am Donnerstag ist dann Christi Himmelfahrt; konkrete Pläne für diesen Tag haben wir noch nicht, aber um 11 Uhr ist Messe in St. Joseph Siemensstadt, und ich vermute mal, dass wir da hingehen werden. Am Freitag, dem "Brückentag" zwischen Feiertag und Wochenende, feiert eine der liebsten Schulfreundinnen unseres Tochterkindes Geburtstag; Außerdem beginnt am Freitag die Pfingstnovene, da wäre zu erwägen, meine erstmals 2019 aus verschiedenen Texten und Liedern zusammengestellte, zuletzt 2021 überarbeitete Pfingstnovene abermals zu aktualisieren, wenigstens für den "privaten Gebrauch" in der Familie. Und dann ist am Samstag schon wieder Wichtelgruppentreffen...! 


Aus meinem Wichtelbuch 

Nachdem ich während der ganzen Woche nicht dazu gekommen war, meine unlängst begonnene Werbeoffensive fortzusetzen, das Wichtelgruppentreffen abermals nicht in den Vermeldungen der Gemeinde erwähnt worden war und zudem turnusmäßig der für mein Empfinden weniger attraktive Standort St. Joseph Siemensstadt an der Reihe war (weniger attraktiv deshalb, weil es da nicht so einen schönen großen Garten gibt wie in St. Stephanus Haselhorst), hatte ich an das Wichtelgruppentreffen am vergangenen Samstag keine besonders hohen Erwartungen. Zudem waren wir im Vorfeld informiert worden, dass wir den Saal nicht nutzen konnten, da zeitgleich die Probe für die Erstkommunion stattfand. Immerhin war das Wetter schön, und auch wenn es immer noch keine Neuzugänge gab, erschien wenigstens die bisherige Kernbesetzung vollzählig. Es waren also vier Kinder da, was für den Anfang ja schon mal eine ganz ordentliche Gruppengröße ist. Zur Einstimmung spielte ich per Handy und Lautsprecherbox das Lied "Vor mir, hinter mir" von Mike Müllerbauer ein; das kam gut an, und anschließend wünschten sich meine Kinder ein weiteres Müllerbauer-Lied, nämlich "Ich mach mich locker". Danach wurde die Gruppenstunde mit einer kurzen Begrüßung eröffnet (eine Vorstellungsrunde erübrigte sich, weil sich ja alle schon kannten), meine Co-Gruppenleiterin spielte ein Lied auf der Gitarre; auf Vorschlag meiner Tochter wurden zwei Lauf- und Fangspiele gespielt, dazwischen gab's ein kleines Quiz über Pflanzen. Zum Abschluss erzählten meine Co-Gruppenleiterin und meine Liebste abwechselnd eine Geschichte, die sie sich spontan ausdachten (eins der Mädchen hatte sich eine Geschichte über "zwei Katzen, die Eis essen gehen" gewünscht), dann wurde noch ein weiteres Lied gesungen und die Gruppe endete mit einem Segenswunsch und einem vom JAM übernommenen "Abschlusskreis". Insgesamt war das, wider Erwarten, eine der gelungensten Gruppenstunden, die wir bisher hatten – vielleicht sogar die beste überhaupt. So kann's weitergehen – wenn auch gerne mit ein paar mehr Kindern... 


Ich bin nur wegen der Band hier 

Eins vorweg: Man sollte ja eigentlich denken, ich wäre der letzte, den man davon überzeugen müsste, dass das, was im volkskirchlichen Normalbetrieb unter der Bezeichnung "Jugendgottesdienst" läuft, in aller Regel den Charme eines Autounfalls hat. Aber ich kann und mag die Hoffnung nicht ganz aufgeben, man könnte mal ein gelungeneres Exemplar erwischen, eins, das einem eine Ahnung davon vermittelt, wie man's besser machen könnte. Etwas weniger optimistisch betrachtet birgt ein Jugendgottesdienst natürlich immer auch die Chance, dass er so bizarr sein könnte, dass es sich lohnt, über ihn zu bloggen. – Dass ich meist doch keine Lust habe, es darauf ankommen zu lassen, kann man u.a. daran ablesen, dass ich es bisher noch kein einziges Mal geschafft habe, zu den seit Dezember letzten Jahres im monatlichen Wechsel in St. Joseph Tegel und in St. Rita stattfindenden Jugendgottesdienst-Reihe unter dem Motto "Meet you at Church" zu gehen. 

Für die Jugendgottesdienst-Reihe in der Spandauer Pfarrkirche Maria, Hilfe der Christen interessierte ich mich indes aus einem anderen, spezifischeren Grund: Wie man dem (übrigens durchaus ansehnlich gestalteten) Flyer mit den Jugendgottesdienst-Terminen der ersten Jahreshälfte entnehmen konnte, kam bzw. kommt die musikalische Gestaltung jedes der drei in diesem Zeitraum stattfindenden Jugendgottesdienste von einer anderen Band, und das machte mich neugierig – nicht nur, weil ich es bemerkenswert finde, dass es in dieser Pfarrei überhaupt drei Bands gibt. Ich habe wohl schon ein paarmal zumindest andeutungsweise erwähnt, dass ich in Siemensstadt/Haselhorst auf mittlere Sicht gern eine Lobpreisband aufbauen würde, idealerweise mit Jugendlichen aus der Gemeinde; und da schien es mir sinnvoll bis notwendig, mir erst mal einen Eindruck davon zu verschaffen, was die innerhalb der Pfarrei bereits bestehenden Bands so spielen. Die "JoTa-Band", die im Februar dran war, hatte ich bereits verpasst; jetzt im April spielte die "Taufstein-Band". Ziemlich uncooler Name, wie ich fand, aber so etwas kann auch täuschen, und zudem hieß es in den Vermeldungen der Pfarrei, die Gruppe werde "zeitgenössischen Lobgesang" zu Gehör bringen. Da war ich ja mal gespannt – und machte mich daher am Samstagnachmittag auf den Weg nach Spandau. 

Zunächst mal ist festzuhalten, dass tatsächlich einige Jugendliche und junge Erwachsene da waren, was bei volkskirchlichen Jugendgottesdienst ja schon mal nicht selbstverständlich ist. Ein paar Familien mit Kindern saßen auch in den Kirchenbänken, gut die Hälfte der Anwesenden waren aber wohl doch Senioren. Ich weiß zwar nicht, wie die Altersstruktur der Messbesucher in dieser Gemeinde sonst so ist, aber ich würde schätzen, in St. Joseph Siemensstadt ist der Altersdurchschnitt in einer normalen Sonntagsmesse eher niedriger. Der zelebrierende Geistliche, Padre Ricardo aus Mexiko, machte in seinen Begrüßungsworten sogar einen gutmütigen Witz über die Altersstruktur der Anwesenden: Er meinte, in der Bibel kämen schließlich Personen vor, die 800 Jahre oder älter geworden seien, also könne man sich auch mit 600 noch jung fühlen. 

Von der Band sah ich auf den ersten Blick nur zwei graubärtige Herren mit akustischen Gitarren und hielt es einen Augenblick lang durchaus für denkbar, dass das tatsächlich schon die ganze Band war. War aber doch nicht der Fall: Es gab noch zwei weitere Bandmitglieder, von denen mindestens einer – ein weiterer Gitarrist – tatsächlich jugendlich war. Das vierte Bandmitglied war eine irgendwie alterslos wirkende, aber vermutlich doch eher junge Frau, die Querflöte spielte. 

Und wie spielte dieses Quartett nun? – Alles in allem: so, dass mir mein hartes Urteil über die Performance der Gruppe Exodus bei der Messe zum Fest Taufe des Herrn in St. Joseph Siemensstadt rückblickend leid tut. Wobei, das sollte ich etwas differenzieren. Der Auftritt der Taufstein-Band wirkte in einem Maße und auf eine Weise unprofessionell, die mir an und für sich durchaus sympathisch ist – im Sinne des berühmten Satzes von Chesterton "A thing worth doing is a thing worth doing badly". Der Sound, der aus den Boxen drang, war allerdings eine Katastrophe: zu laut, total übersteuert, ein unentwirrbares Geräuschknäuel, aus dem man oft nicht einmal eine Melodie hätte heraushören können, wenn man die Lieder nicht gekannt hätte. – Die Bekanntheit der Lieder verweist indes schon auf das nächste Problem: 

Also #sorrynotsorry, aber in welchem Universum ist das bitte "zeitgenössischer Lobgesang"? – Nicht dass ich ernsthaft erwartet hätte, dass es in dieser Pfarrei eine Band gäbe, die beispielsweise Lieder aus dem Gebetshaus Augsburg, von Albert Frey oder meinetwegen von Hillsong spielt; aber es ist ja nicht so, als gäbe es nicht auch noch was dazwischen. Mir fiel in diesem Zusammenhang ein, wie eine aus meinem Firmkurs hervorgegangene Jugendgruppe unter der Leitung meiner Schwester einmal am Gründonnerstag in der kleinen Herz-Mariä-Kirche in Burhave eine Anbetungsnacht gestaltete und dabei Lieder sang wie "Du bist mein Zufluchtsort", "Du bist der Höchste, o Herr", "All die Fülle ist in dir, o Herr" und "Nähme ich Flügel der Morgenrote". Das ist deutlich über 30 Jahre her, woraus man ersehen kann, dass diese Lieder nicht unbedingt viel "zeitgenössischer" sind als viele Dauerbrenner des NGL-Genres; trotzdem sind sie, zumindest für mein Empfinden, erheblich weniger "cringe" – und vor allem passt die Bezeichnung "Lobgesang" erheblich besser auf sie. Zu der Zeit, als meine Liebste und ich anfingen, uns in der Gemeinde St. Stephanus Haselhorst zu engagieren, gab es dort eine monatliche Zusammenkunft einer Gruppe, die ich augenzwinkernd (aber liebevoll gemeint) "Charismatischer Seniorenkreis" nannte, und als ich da einmal mit meiner Familie hinging, wurden dort einige der genannten Lieder (und weitere stilistisch ähnliche) gespielt. Kurz und gut, ungefähr so etwas hätte ich von der Taufstein-Band erwartet oder erhofft, aber nö, nicht mal das. – 

Um zu vermeiden, dass dieses Thema das gesamte Wochenbriefing überwuchert, möchte ich an dieser Stelle gleich darauf eingehen, dass auch die Liedauswahl für den Erstkommunion-Gottesdienst am folgenden Tag, von wenigen Ausnahmen abgesehen, ein "Schlimmst of NGL" war. Klar, die Leute, die meinen, das müsste so sein, sterben so schnell nicht aus; genau deswegen bin ich der Meinung, man sollte mal für fünf oder zehn Jahre ein NGL-Moratorium verhängen. Um die Infektionskette zu unterbrechen, sozusagen. Damit mal eine Generation in der Gemeinde heranwachsen kann, die nicht von klein auf dazu konditioniert wurde, kinder-, jugend- oder familienfreundliche Gottesdienstgestaltung automatisch mit NGL zu assoziieren. 

Zu allem Überfluss war auch die Liedauswahl in der Messe zum Fest Hl. Josef der Arbeiter am Mittwoch zu einem nicht unwesentlichen Teil von mehr oder weniger NGL-affinen Kitschgranaten geprägt: Zum Einzug gab's allen Ernstes "Morning Has Broken" in einer sehr wortgetreuen deutschen Übersetzung von Jürgen Henkys (und ja, das steht tatsächlich im Gotteslob, jedenfalls im Regionalteil der ostdeutschen Bistümer), später folgten dann u.a. noch "Ins Wasser fällt ein Stein", "Meine Zeit steht in deinen Händen" und zum Schluss das unsägliche "Möge die Straße". Meine vage Ahnung, dass diese Liedauswahl eine Art Geburtstagsgeschenk für den Pfarrvikar sein sollte, bestätigte sich, als dieser sich am Ende der Messe beim Organisten für die "sehr schönen Lieder" bedankte. Okay, der Pfarrvikar feiert heuer seinen 60., da kann man davon ausgehen, dass er kirchlich mit solcher Musik aufgewachsen ist. Was aus meiner Sicht einmal mehr die Notwendigkeit unterstreicht, "die Infektionskette zu unterbrechen", wie ich es oben genannt habe. 

So, jetzt habe ich mir ziemlich weit vorgegriffen; kehren wir noch einmal zurück zum Jugendgottesdienst am Samstag, auch wenn es darüber gar nicht mehr viel zu sagen gibt (zumal ich nicht mehr lange dort blieb). Erste Lesung und Antwortpsalm wurden weggelassen; nach meiner Erfahrung ist das Weglassen von Lesungen ein geradezu klassisches Strukturelement jedweder irgendwie "besonders gestalteter" Gottesdienste, und ich könnte mich lang und breit darüber auslassen, wie absurd ich das finde angesichts der Tatsache, dass die nachkonziliare Liturgiereform den Stellenwert der Wortverkündigung in der Heiligen Messe gerade stärken wollte; aber lassen wir das hier mal. Als Padre Ricardo dann anstelle der Predigt begann, unter Zuhilfenahme eines Flipboards einen Vortrag über Resilienz zu halten, wurden meine Fluchtreflexe übermächtig. Nichts gegen Padre Ricardo, wirklich nicht, aber er ist nun mal kein Johannes Hartl – was man übrigens nicht zuletzt daran sehen kann, dass Hartl vermutlich der erste wäre, der einräumen würde, dass Form und Stil seiner Vorträge nicht für eine Homilie in einer Heiligen Messe geeignet sind. 

Insgesamt kann man als Lehre aus diesem Samstagabend wohl festhalten, dass es nicht die beste Idee ist, einen Gottesdienst nur zu dem Zweck zu besuchen, sich die Band anzuhören. Werde ich wohl nicht so bald wieder tun: Der nächste Jugendgottesdienst in Maria, Hilfe der Christen ist Anfang Juni, da spielt die Gruppe Exodus, und die kenne ich ja schon. 


Glanz und Elend der Erstkommunion 

Am Sonntagmorgen, als wir uns zum Losgehen bereit machten, fragte mich mein Tochterkind: "Was kommt eigentlich zuerst – ein Pfadfinderkind werden oder die Erstkommunion?" Ich erklärte ihr daraufhin, da das eine mit dem anderen nicht zwingend etwas zu tun habe, gebe es auf diese Frage keine eindeutige Antwort; aber bei den Haselhorster Pfadfindern könne man frühestens mit acht Jahren Wölfling werden. Und: 

"Zur Erstkommunion gehen hier bei uns die meisten Kinder so ungefähr im vierten Schuljahr. Das hat damit zu tun, dass sie vor der Erstkommunion erst mal einiges lernen sollen, über Gott, über Jesus und was im Gottesdienst passiert. Aber darüber weißt du ja schon ziemlich viel – mehr als viele andere Kinder, würde ich sagen –, also könnte es sein, dass du nicht bis zum vierten Schuljahr warten musst." 

Schon im vergangen Jahr hatte ich notiert, dass das Interesse unserer Tochter am Thema Erstkommunion für uns ein wesentlicher Grund war, anders als in manchen früheren Jahren gar nicht erst in Erwägung zu ziehen, woanders als in unserer Wahlgemeinde zur Sonntagsmesse zu gehen, um so der Erstkommunion aus dem Weg zu gehen, sondern im Gegenteil explizit zum Erstkommunion-Gottesdienst in St. Joseph Siemensstadt gehen zu wollen. Als ein weiterer Grund kam in diesem Jahr dazu, dass ich einige der Erstkommunionkinder aus dem Kinderwortgottesdienst kannte und daher fand, es sei ratsam, Präsenz zu zeigen und den Jungs und Mädels zu gratulieren. 

Wie regelmäßige Leser sich vielleicht erinnern werden – ich selbst hatte es allerdings inzwischen vergessen –, waren wir letztes Jahr infolge erheblicher Probleme mit der Busverbindung deutlich zu spät zum Erstkommunion-Gottesdienst gekommen; diesmal verpassten wir zwar auch wieder einen Anschlussbus, kamen aber noch knapp rechtzeitig und fanden Platz in der letzten Bankreihe. Was die Platzsituation angeht, hätte es allerdings wohl auch keinen Unterschied gemacht, wenn wir den früheren Bus gekriegt und somit zwanzig Minuten früher gekommen wären; denn wie sich zeigte, diente die Aufteilung der Erstkommunionfeier auf zwei Sonntage nicht in erster Linie dazu, Platz für die "normale" Gottesdienstgemeinde zu schaffen, sondern vielmehr dazu, dass für die Familien der Erstkommunionkinder jeweils zwei Bankreihen reserviert werden konnten. 

Der Umstand, dass wir ganz hinten saßen und die Kinder somit praktisch nur die Rücken und Hinterköpfe anderer Leute sehen konnten, trug sicherlich dazu bei, dass sie ziemlich unruhig und nicht recht bei der Sache waren; aber ich hatte den Eindruck, dass die "niederschwelligen" Gestaltungselemente ein Übriges taten: Sie ließen einfach keine feierliche und andächtige Stimmung aufkommen, und dadurch wirkte der Gottesdienst ironischerweise länger, als er tatsächlich war (nämlich unter eineinhalb Stunden). Gerade vor dem Hintergrund der Erfahrung, wie gefesselt und fasziniert unsere Große von der Karfreitagsliturgie und der Osternacht gewesen war (übrigens auch schon letztes Jahr, als sie erst fünf war), fand ich es umso auffälliger, dass sie in diesem Gottesdienst zweimal – das erste Mal schon nach dem Evangelium – fragte, wie lange es denn wohl noch dauern würde. 

Das Evangelium war übrigens nicht das vom Tag, sondern das vom Ostermontag – der Gang nach Emmaus. Man kann sich schon einigermaßen zusammenreimen, warum die Verantwortlichen meinten, dieses Evangelium eigne sich besonders gut für eine Erstkommunion: mit Christus auf dem Weg; sie erkannten Ihn am Brechen des Brotes; kann man so machen. Statt einer Predigt gab es ein heiteres Frage-und-Antwort-Spiel, bei dem jedoch nicht – wie man vielleicht hätte erwarten können – den Erstkommunionkindern "Prüfungsfragen" gestellt wurden; vielmehr stellten die Erstkommunionkinder ihrerseits den anwesenden Erwachsenen sieben Fragen zum Inhalt des zuvor gehörte Evangeliums. An und für sich nicht unwitzig, aber muss man das wirklich in der Messe machen? Wäre das nicht bei einer geselligen Veranstaltung im Pfarrsaal eher am Platz? –Ich will hier nicht schon wieder das Zitat von Lothar Zenetti zum Thema "Wenn man alles Mögliche in die Sonntagsmesse hineinquetscht, was da eigentlich nicht hingehört" bringen, aber es ist schon sehr auffällig, wie groß die Versuchung ist, den Erstkommunion-Gottesdienst dazu zu nutzen, Leuten, die sonst nie oder selten in die Kirche kommen, eine Minimalkatechese angedeihen zu lassen. Eine solche Zweckentfremdung des Anlasses empfinde ich als gerade auch den Erstkommunionkindern gegenüber unfair und respektlos; vom Respekt gegenüber dem Sakrament gar nicht erst zu reden. 

Kurz und gut, ich bin durchaus nicht unglücklich darüber, dass das Tochterkind und ich am morgigen Sonntag nicht in Berlin sind und folglich die zweite Runde der Erstkommunion in St. Joseph Siemensstadt "verpassen" werden. Zumal zu erwarten steht, dass da exakt dasselbe Programm noch einmal durchgezogen wird. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Das Wort erbarmte sich unseres Geschlechtes, hatte Mitleid mit unserer Schwäche, nahm Anteil an unserer Verderbnis. Es konnte nicht ertragen, dass der Tod über uns herrschte. Es wollte nicht, dass das Gewordene unterginge und das Werk seines Vaters, die Erschaffung des Menschen, zunichte würde. Darum nahm es einen Leib an, und zwar einen Leib, der sich von dem unsrigen nicht unterscheidet. Im Schoß der Jungfrau erbaute sich das Wort einen Tempel, nämlich den Leib, den es zu seinem Werkzeug machte. In diesem Leib wurde es sichtbar und nahm darin Wohnung. So nahm es einen Leib an von der gleichen Art wie unser Leib. Und weil alle der Verderbnis des Todes unterworfen waren, hat es diesen Leib für alle dem Tod ausgeliefert und ihn dem Vater aus Liebe zu den Menschen dargebracht. In ihm sollten alle sterben, und so sollte das Gesetz des Verderbens, dem alle Menschen verfallen waren, aufgehoben werden. Wenn der Tod am Leib des Herrn seine Macht erschöpft hätte, sollte er keine Macht mehr haben über die Menschen, die ja von gleicher Art sind wie der Herr. Die Menschen, die der Verderbnis verfallen waren, sollten wieder zur Unvergänglichkeit zurückgeholt und vom Tod zum Leben geführt werden. Nun hat die Verderbnis des Todes keine Macht mehr über die Menschen, dank dem Wort, das durch einen Menschenleib unter uns Wohnung genommen hat. 

(Athanasius d. Gr., Über die Menschwerdung des Wortes) 


Ohrwurm der Woche 

Mike Müllerbauer: Absoluto guto (Meinem Gott vertrau ich gern) 

Ein Frühwerk des Kinder-Lobpreis-Liedermachers Mike Müllerbauer, wie man daran erkennen kann, wie jung er auf dem Plattencover noch aussieht. Das Lied kannte ich ursprünglich vom JAM, aber so richtig guto finde ich es erst, seit ich es von Müllerbauer selbst (bei seinem Konzert in der Gemeinde auf dem Weg) gehört habe. Mein Jüngster steht total drauf – vor allem auf den "Volle Kanne, Badewanne"-Teil. Für das Projekt einer "Kinder-Lobpreis-Disco" ist diese Nummer jedenfalls ein Muss...