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Mittwoch, 16. Juni 2021

Camino de Willehado: Der Prophet im eigenen Land (Teil 1 von 3)

Wenn ich einmal ganz, ganz viel Zeit habe, schreibe ich einen wilden Mystery-Thriller über die Suche nach den in der Reformationszeit verloren gegangenen Reliquien des Hl. Willehad. Aber eigentlich ist das nicht das Thema dieses Artikels, und es ist auch nicht der Grund dafür, dass ich unseren spontanen frühsommerlichen Familienurlaub unter das Motto Camino de Willehado gestellt habe. Das hatte andere Gründe. 

Symbolbild: Backfisch in Jakobsmuschel-förmigem Brötchen (von "Micha's Räucherfisch", Fedderwardersiel) 

Es begann damit, dass meine Liebste sich im Vorfeld der Reise mit der nicht ganz undiffizilen Herausforderung befasste, wie wir unser für den Aufenthalt benötigtes Gepäck so organisieren konnten, dass wir mit zwei kleinen Kindern eine Bahnreise mit fünfmaligem Umsteigen (wenn man den Weg von unserer Wohnung zum Berliner Hauptbahnhof und den Bus vom letzten Bahnhof auf der Strecke bis zu unserer Unterkunft mitzählt) möglichst gut bewältigt bekommen, und dabei zu dem Schluss kam, am besten sollten wir alles in unsere Jakobsweg-Wanderrucksäcke packen, dann hätten wir die Hände frei für die Kinder. 

Unser gemeinsamer Jakobsweg ist bald fünf her, aber an meinem Wanderrucksack hängt immer noch eine Jakobsmuschel als Pilgerabzeichen. Als ich am Morgen des Reiseantritts aus der Dusche stieg, hing mein seinerzeit in einem kleinen Laden für Pilgerbedarf und Reiseandenken direkt neben der Kathedrale von Burgos gekauftes T-Shirt mit der Aufschrift "Camino de Santiago" sauber und trocken an der Wäscheleine, also zog ich es kurz entschlossen an. Meinen in Castrojeriz als Sonnenschutz gekauften Strohhut nahm ich nicht mit, da ich fürchtete, der kräftige Seewind würde mir ihn vom Kopf pusten; stattdessen nahm ich ein ebenfalls vom Jakobsweg mitgebrachtes und erst kürzlich beim Aufräumen wiedergefundenes Bandana mit, auf dem das Jakobsweg-Logo prangt: eine stilisierte Jakobsmuschel mit der Umschrift "Camino de Santiago". 


Schön war es auch, festzustellen, dass das Stundenbuch in der 2. Vesper vom 10. Sonntag im Jahreskreis - und somit am Vorabend unserer Abreise! - eine Fürbitte für Reisende "zu Wasser, zu Land und in der Luft" enthielt ("schenke ihnen eine glückliche Ankunft"); nicht ganz dasselbe wie ein persönlich erteilter Reise- oder Pilgersegen, aber immerhin. 

Für "Camino-Feeling" auf der Reise war also gesorgt; und der Namensbestandteil "Willehado" rührt natürlich daher, dass das Ziel unserer Reise die grüne Halbinsel Butjadingen war, wo der eingangs erwähnte Hl. Willehad wirkte und starb und wo die örtliche katholische Pfarrei seinen Namen trägt. -- Wer meinen Blog schon seit längerer Zeit verfolgt, dem wird bereits aufgefallen sein, dass die Pfarrei St. Willehad in Nordenham - deren Territorium sich auch über die ländlichen Gemeinden Butjadingen und Stadland erstreckt - hier immer wieder eine prominente Rolle spielt; und das aus mehreren Gründen. Zum einen bin ich in diesem Landstrich geboren und aufgewachsen und eben auch "kirchlich sozialisiert" worden und fühle mich der dortigen Kirche daher immer noch verbunden. Zum zweiten hatte ich schon oft den Eindruck, die dortige kirchliche Situation könne in vielfacher Hinsicht als Anschauungsbeispiel für die Malaise des "Systems Volkskirche" betrachtet werden. Und drittens schließlich - was in gewisser Weise eine Synthese aus den beiden vorgenannten Punkten darstellt - spiele ich immer mal wieder mit dem Gedanken, gerade dieser in religiöser Hinsicht weitgehend verödete Landstrich böte Potential für ein missionarisches Projekt im "Punkpastoral"-Stil - etwa in der Art, wie Katharina Fassler es im "Mission Manifest"-Unterkapitel "Der Traum vom lebendigen Pfarrhaus" beschreibt, aber zur Not könnte man statt eines ehemaligen Pfarrhauses auch einen Resthof, einen nicht mehr genutzten Wasserturm oder, noch radikaler, einen Bauwagen am Strand als Operationsbasis nutzen. In Anlehnung an die "Benedikt-Option" (kurz #BenOp) habe ich diesem Gedankenspiel den Namen "Willehad-Option" gegeben. 

All dies führt dazu, dass ich jedesmal, wenn ich in Nordenham und/oder Butjadingen bin, das Gefühl habe, nicht einfach in Urlaub zu sein, sondern auf einer Mission ("Sie können uns nicht aufhalten, wir sind im Auftrag des Herrn unterwegs!"). Gleichwohl ist es natürlich auch Urlaub, und ich denke mir, "Urlaub mit Kindern an der Nordsee unter zwar gelockerten, aber prinzipiell immer noch bestehenden Corona-Bedingungen" ist durchaus auch ein interessantes Thema, um drüber zu bloggen. Da aber die Schilderung unserer kirchenbezogenen Erlebnisse und Aktivitäten während dieses Urlaubs mitsamt den dadurch ausgelösten oder angeregten Reflexionen wohl schon allein ausreichend Stoff für eine dreiteilige Artikelserie bietet, denke ich mir, die touristischen Aspekte lagere ich lieber aus in einen separaten Artikel ("Camino de Willehado - Tourist Edition"). Punktuelle Überschneidungen werden sich allerdings wohl nicht ganz vermeiden lassen. 

*

Wenn ich über die "kirchliche Situation" im Gebiet der Pfarrei St. Willehad sprechen will, dann bietet sich vielleicht an, zunächst auf den lokalen Pastoralplan einzugehen, den die Gremien der Pfarrei in einem jahrelangen Prozess erarbeitet haben und der im vergangenen Jahr "am Fest des Pfarrpatrons St. Willehad", dem 8. November, veröffentlicht wurde. Diesen Pastoralplan gibt es auch online, es hat also jeder die Möglichkeit, persönlich zu überprüfen, ob er mit meiner Ansicht übereinstimmt, dass das Ergebnis in einem bizarren Missverhältnis zu dem Aufwand steht, der dafür betrieben wurde. 

Das ist indes - wieder einmal - nichts, was allein auf diese Pfarrei zuträfe. Über den ganz realen Irrsinn kirchlicher Organisationsentwicklungsprozesse im Allgemeinen und "lokaler Pastoralpläne" im Speziellen habe ich mich schon früher geäußert, daher hier nur soviel: Aus der Thermodynamik wissen wir, dass jede Form von Energie schließlich in nicht mehr nutzbare Wärmeenergie umgewandelt wird. Das ist ein natürlicher Prozess, den man eigentlich nicht noch künstlich forcieren müsste. Aber genau das passiert, wenn man Pfarreien dazu verpflichtet, einen lokalen Pastoralplan zu erarbeiten: Wertvolle und zumeist knappe Ressourcen an Arbeitszeit und -kraft, Kreativität und Motivation werden verheizt, um nichts anderes zu erzeugen als heiße Luft - oder oftmals wohl sogar nur lauwarme. 

Was nun konkret den Pastoralplan von St. Willehad angeht, kann man Manches daran auf den ersten Blick durchaus vielversprechend finden: Die Titelseite trägt als Motto das Jesuswort "Ihr seid das Salz der Erde" (Mt 5,13), den einzelnen thematischen Abschnitten ist jeweils ein biblisches Leitwort vorangestellt, und auf der rückwärtige Umschlagseite liest man ein Zitat von Antoine de Saint-Exupéry,  das ich sehr mag und das ich auch schon mal in einem Thesenpapier für den Lokalausschuss meiner Wohnortgemeinde verwendet habe: 

"Wenn du ein Schiff bauen willst, dann trommle nicht Menschen zusammen, um Holz zu beschaffen, Aufgaben zu vergeben und die Arbeit einzuteilen, sondern lehre die Menschen die Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer." 

-- Nur dass von dieser Sehnsucht nach dem weiten, endlosen Meer in diesem Pastoralplan nichts, aber auch gar nichts zu spüren ist. Stattdessen dominieren nichtssagende Worthülsen und ausgelutschte Gemeinplätze, und um die inhaltliche Dürftigkeit des Texts zu kaschieren, hat man ihn mit extra großem Zeilenabstand und einigen bunten Bildchen auf 20 Seiten gestreckt. Das Ganze kommt einem so vor, als hätte jemand einen Schulaufsatz zum Thema "Mein schönstes Ferienerlebnis" schreiben sollen, hätte aber in den Ferien leider nichts Schönes erlebt und darum notgedrungen bei seiner Banknachbarin abgeschrieben. Die Krönung ist dann der letzte Satz des Abschnitts "Epilog": "Durch diesen Pastoralplan konnten Sie sich einen Eindruck von unserer Pfarrei verschaffen, die wir Ihnen mit unseren Schwerpunkten vorgestellt haben." Nein, tut mir leid: Das konnte ich nicht. Nicht nur kann ich auf diesen Seiten nichts erkennen, was einer Vision für die zukünftige Entwicklung der Pfarrei ähnlich sähe; der Pastoralplan verrät mir auch nichts über die Motivation der Verantwortlichen, also darüber, was sie dazu bewegt, sich gerade in der Kirche zu engagieren und nicht im Bürgerverein oder bei den Kaninchenzüchtern. Zwar ist auf annähernd jeder Seite von der "Botschaft Jesu" und von "gelebtem Glauben" die Rede, aber das bleibt vage und formelhaft; man sollte denken, jemand, der wirklich von der Liebe Christi ergriffen und von dem Wunsch beseelt ist, andere für Christus und für die Mitarbeit am Aufbau des Reiches Gottes zu begeistern, der müsste anders darüber reden. Gerade in einem so programmatischen Text, an dem, wie gesagt, jahrelang gearbeitet wurde. 

Dieser Mangel an Sprach- und Auskunftsfähigkeit über den Glauben ist ein Problem, das die Pfarrei St. Willehad gewiss nicht mehr und nicht weniger betrifft als zahllose andere Pfarreien auch. "Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der von euch Rechenschaft fordert über die Hoffnung, die euch erfüllt", mahnte der Apostel Petrus (1 Petr 3,15); ich fürchte sehr, dass er mit dieser Aufforderung heutzutage und hierzulande bei vielen haupt- und ehrenamtlichen Kirchenfunktionären nur leere Blicke ernten würde. Wie ist es dazu gekommen? 

Recht aufschlussreich in Hinblick auf diese Frage finde ich ein Buch, das ich vor ungefähr 30 Jahren vom damaligen Pfarrer von Herz Jesu Einswarden und Herz Mariä Burhave zur Firmung geschenkt bekommen habe und das meine Mutter kürzlich wiedergefunden hat: 


Im Wesentlichen handelt es sich um einen Bildband, dessen Struktur sich am Apostolischen Glaubensbekenntnis orientiert: Zu jedem einzelnen Satz des Credo gibt es ein großformatiges Foto und einen "Impuls" von der Art, die durch den inflationären Einsatz von Zeilenumbrüchen irgendwie nach Lyrik aussehen sollen; zum Beispiel: "Gott / hat uns / die Erde gegeben / als Garten. // Seine Liebe / begegnet uns / in allen Geschöpfen. // Alle Geschöpfe / sind unsere / Geschwister". -- Mein Eindruck von diesem Buch war zwiespältig. Gemessen an den Ansprüchen, die Leute wie meine Liebste und ich an eine sinnvolle und nachhaltige Kinder- und Jugendkatechese stellen würden, sind die Texte entschieden zu schwammig, gefühlsduselig, vom Jargon der neuen Innerlichkeit angekränkelt und auf spirituelle Wellness ausgerichtet und bergen dadurch die Gefahr, die konkreten Glaubensaussagen des Credo eher zu vernebeln als zu verdeutlichen. Andererseits steht zu befürchten, dass das katechetische Niveau, das dieses erstmals 1986 erschienene Buch widerspiegelt, heutzutage in der landläufigen Erstkommunion- und Firmvorbereitung nicht einmal mehr annähernd erreicht wird. 

Ein Indiz hierfür mag man in einem Beitrag zum Thema Erstkommunion erkennen, den die Social-Media-Abteilung des Erzbistums Hamburg unlängst auf Instagram und Facebook veröffentlicht hat und der mir während des Urlaubs vor die Augen gekommen ist. Darin wird die Erstkommunion eines Mädchens aus Sicht ihrer Mutter kommentiert - "Dieses große Ritual in der Kirche. Einer Kirche, die uns manchmal ganz schön verzweifelt da stehen lässt. Wir machen es trotzdem. Geben das Kind zur Erstkommunion. Warum? Weil unsere Gemeinde klasse ist. Weil in unserer Kirche getanzt, gelacht und geklatscht wird." Ach so. Aha. Ist das alles? Nein, nicht ganz: 

"Aber auch, weil es ein Zeichen ist. All die religiösen Geschenke und der Blumenkranz im Haar sind eine Tür. Da gibt es noch was. Da ist diese Kraft. Diese Liebe. Das Göttliche. Ist da und liebt. Immer." 

Tanzen, lachen und klatschen, und irgendwie ist da dann noch eine Tür zu irgendwas Göttlichen -- darum geht's also bei der Erstkommunion? -- Gewiss: Wenn man davon ausgeht, dass dieser Text die authentischen Empfindungen und Wahrnehmungen einer Erstkommunion-Mutter widerspiegelt, dann ist er ein Dokument, das man zur Kenntnis nehmen sollte -- und das zu denken geben sollte. Wenn eine Bistumsredaktion diesen Text aber ohne jeden Kommentar, ohne jede Einordnung für ihre mediale Selbstdarstellung nutzt, ja geradezu zur Eigenwerbung einsetzt, muss man sich schon fragen, ob die eigentlich noch alle Latten am Zaun haben. 

Kritische Kommentare zu diesem Beitrag konnten daher nicht ausbleiben. "In Hinsicht auf die Erstkommunion Gott zu entpersonalisieren, in dem man von 'dem Göttlichen' spricht, das ist schon eine Schamlosigkeit, die alles toppt, was ich bisher an diözesanen Apostasien gelesen habe", merkte etwa ein befreundeter Netzkatholik an, und eine andere Freundin und Bloggerkollegin, die übrigens - was ich in diesem Zusammenhang durchaus irgendwie relevant finde - die Taufpatin meiner Tochter ist, warf die Frage auf, ob in der Erstkommunionvorbereitung "irgendwann, irgendwie nebenbei auch erwähnt" worden sei, "dass es sich bei der Eucharistie um den Herrn persönlich handelt und um die innigste Vereinigung mit Ihm". Die Redaktion reagierte, wie man es von Social-Media-Redaktionen deutscher Bistümer leider gewohnt ist, nämlich nassforsch und uneinsichtig. Die Kolumne, deren Abschluss der kritisierte Text darstelle, sei "bewusst 'etwas lockerer' geschrieben" und der "Anspruch dieses Formats" liege "nicht darin, theologische Abhandlungen zu verfassen". Es steht zu befürchten, dass die Verantwortlichen tatsächlich nicht kapiert haben, was die kritischen Kommentatoren an diesem Beitrag auszusetzen haben.

Es gab indes auch Kommentare, die den Beitrag verteidigten. "Kinder muss man genau da abholen", meinte beispielsweise eine mir nicht näher bekannte Facebook-Nutzerin: "sie begeistern, ihnen zeigen, dass sie ganz wichtig sind für Jesus" -- ja aber Moment mal, von Jesus war in dem Beitrag doch überhaupt keine Rede, und genau das war Gegenstand der Kritik! 

Offen gestanden kann ich mir kaum etwas Bizarreres vorstellen als die Auffassung, man könne oder müsse kirchenfern sozialisierte Menschen an den christlichen Glauben "heranführen", indem man alles explizit und spezifisch Christliche erst mal weglässt. Ein methodischer Griff ins Klo wie das berüchtigte "Schreiben nach Gehör", oder eigentlich noch schlimmer. Die in der pastoralen Praxis so allgegenwärtigen Metaphern vom "Abholen" und "Mitnehmen" ergeben nur dann einen Sinn, wenn derjenige, der die anderen abholen und mitnehmen will, selbst weiß, wo's langgeht. Heutzutage und hierzulande hat man aber immer öfter den Eindruck, der institutionelle Apparat der Kirche - auf allen ebenen, von den Ortspfarreien bis zu den Bistümern - sei voll mit Leuten, die das eben nicht wissen; und die womöglich gar meinen, es käme gar nicht so darauf an, wohin man "die Leute" mitnimmt, denn letztlich sei ja der Weg das Ziel. Anders ausgedrückt: Wenn man, offen oder insgeheim, der Auffassung ist, Gott sei bloß eine Metapher - ein Konzept, das den Menschen dabei helfen soll, ein Gefühl von Sinn (sense of purpose) in ihrem Dasein zu finden, nett zueinander zu sein und die Umwelt zu schonen, dann kommt es tatsächlich nicht so genau darauf an, in was für Begriffen oder Bildern wir von Gott sprechen, solange es den genannten Zwecken dient. Ganz anders verhält es sich natürlich, wenn man an einen persönlichen Gott glaubt, der wirklich in der Welt - und erst recht in der Kirche - lebt und herrscht. Deshalb werden Menschen, die in einer Weise von oder sogar mit Gott sprechen, als existierte Er tatsächlich, vom volkskirchlichen Mainstream oft als so lästig empfunden. 

-- So, lieber Leser. Du magst vielleicht denken, diese Exkurse über den Pastoralplan von St. Willehad, das Buch "Unsere Firmung" und den unsäglichen Erstkommunion-Beitrag des Erzbistums Hamburg (dabei gehört St. Willehad doch zum Bistum Münster!) führe vom eigentlichen Thema, nämlich unserem Trip nach Butjadingen, weg; ich aber sage: Ganz im Gegenteil, es führt zum Thema hin! Zur chronologischen Schilderung der Ereignisse werde ich trotzdem erst in der nächsten Folge kommen. Aber die kommt bald -- versprochen! 


Freitag, 11. Juni 2021

Eine Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens

Heute, am dritten Freitag nach Pfingsten,  ist das Hochfest des Heiligsten Herzen Jesu - und damit das Titularfest der Pfarrkirche unserer Berliner Wohnortpfarrei. Leider können wir dieses nicht vor Ort mitfeiern, da wir, wie erwähnt, gerade Urlaub in Butjadingen machen. Allerdings ist (bzw. war) das Hochfest des Heiligsten Herzen Jesu auch das Titularfest der Ende 2019 profanierten Kirche in Nordenham-Einswarden, über die ich hier schon mehrfach geschrieben habe; und möglicherweise aus Rücksicht auf den ehemaligen Einswarder Gemeindeteil (der tendenziell der frömmere Teil der hiesigen katholischen Gemeinde zu sein scheint - zum Teil möglicherweise bedingt durch den höheren Migrantenanteil, zum Teil aber sicherlich daran, dass dort nicht über 30 Jahre lang ein versponnener Esoterik-Freak Pfarrer war) wird in der verbliebenen Nordenhamer Kirche St. Willehad heute am frühen Abend eine Festmesse zum Heiligsten Herzen Jesu gefeiert. Da gehen wir natürlich hin. 

Und am Tag nach dem Herz-Jesu-Fest - also morgen - steht der Gedenktag des Unbefleckten Herzens Mariens im liturgischen Kalender, kein Hochfest, sondern "nur" ein gebotener Gedenktag; allerdings heißt die kleine, 1955 geweihte katholische Kirche des Ortes, in dem wir unseren Urlaub verbringen, Herz Mariä, und das hatte mich, wie ich ebenfalls schon erwähnt habe, auf die Idee gebracht, eine Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens zu gestalten, im Stil der Andachten, die meine Liebste und ich regelmäßig in unserer Wohnortpfarrei veranstalten: eine Mischung aus traditionellen und charismatischen Elementen, oder schlagwortartig ausgedrückt: Stundengebet meets Worship-Pop. 

Wie ich ebenfalls schon berichtet habe, haben sich die Hauptamtlichen der Pfarrei St. Willehad demonstrativ desinteressiert an dieser Idee gezeigt, aber ich habe mir gedacht: Was soll's - ich schreibe die Andacht trotzdem. Ob wir sie letztendlich in der Herz-Mariä-Kirche oder in ihrem (übrigens sehr schönen) Garten oder im angrenzenden "Bürger-Obstgarten" feiern oder schlimmstenfalls in unserem Hotelzimmer, das wird man sehen; zudem kommt der Festanlass ja jedes Jahr wieder, folglich ist die einmal vorbereitete Andacht ja "nicht weg", wie der Norddeutsche sagt, und überhaupt: Was man zur Ehre Gottes tut, das ist nie unnütz. Außerdem habe ich mir gedacht, wenn ich die Andacht hier veröffentliche, haben meine Blogleser die Möglichkeit, sie mitzubeten, und das ist doch auch schön. 

So, und nun genug der Vorrede! 


Andacht zum Unbefleckten Herzen Mariens

Lied zur Einstimmung

"Sei willkommen hier" (Anton Svoboda feat. Joy Fackler)



Eröffnung

V: O Gott, komm mir zu Hilfe. 

A: Herr, eile mir zu helfen.

V: Ehre sei dem Vater...

A: Wie im Anfang... 


Marienlob

(Stefan Klöckner/Paul Ringeisen, vgl. GL 567)

1. Sei gegrüßt, Maria, du lichter Morgenstern, 

sei gegrüßt, du Jungfrau, die sich der Höchste erwählt.

Sei gegrüßt, der Botschaft des Engels glaubtest du.

Sei gegrüßt, dein Vertrauen hat das Los der Menschheit gewendet. 


2. Sei gegrüßt, Maria, vor aller Schuld hat Gott dich bewahrt,

sei gegrüßt, vom Hauch seiner Gnade durchströmt.

Sei gegrüßt, der Erlöser nahm Wohnung in dir.

Sei gegrüßt, du hast geboren den Ersehnten der Völker.


3. Sei gegrüßt, Maria, unsere Schwester im Glauben bist du.

Sei gegrüßt, in deinem Herzen hast du alles bewahrt.

Sei gegrüßt, die dem Sohn Gefährtin war.

Sei gegrüßt, du vertrautest ihm in all deinen Schmerzen.


4. Sei gegrüßt, Maria, unter deines Sohnes Kreuz standest du.

Sei gegrüßt, die du seiner Auferstehung Zeugin warst.

Sei gegrüßt, du hast des Geistes Kommen erfleht.

Sei gegrüßt, so wurdest du Mutter der Kirche.


5. Sei gegrüßt, Maria, in Gottes Liebe vollendet bist du.

Sei gegrüßt, gekrönt mit himmlischer Herrlichkeit.

Sei gegrüßt, für immer vereint deinem göttlichen Sohn.

Sei gegrüßt, du zeigst uns das Ziel unserer Hoffnung.

Halleluja, Halleluja.


freies Gebet 


Lied

"Herr, unser Gott" (Aus "Feiert Jesus!" 14)

 


Psalterium

Aus den Laudes vom Tag

1. Antiphon: Am Morgen verkünden wir, Herr, deine Huld und in den Nächten deine Treue.

Ps 92 (91),2-16

Wie schön ist es, dem Herrn zu danken, *
deinem Namen, du Höchster, zu singen,

am Morgen deine Huld zu verkünden *

und in den Nächten deine Treue

zur zehnsaitigen Laute, zur Harfe, *
zum Klang der Zither.

Denn du hast mich durch deine Taten froh gemacht; *
Herr, ich will jubeln über die Werke deiner Hände.

Wie groß sind deine Werke, o Herr, *
wie tief deine Gedanken!

Ein Mensch ohne Einsicht erkennt das nicht, *
ein Tor kann es nicht verstehen.

Wenn auch die Frevler gedeihen †
und alle, die Unrecht tun, wachsen, *
so nur, damit du sie für immer vernichtest.

Herr, du bist der Höchste, *
du bleibst auf ewig.

Doch deine Feinde, Herr, wahrhaftig, deine Feinde vergehen; *
auseinander getrieben werden alle, die Unrecht tun.

Du machtest mich stark wie einen Stier, *
du salbtest mich mit frischem Öl.

Mein Auge blickt herab auf meine Verfolger, †
auf alle, die sich gegen mich erheben; *
mein Ohr hört vom Geschick der Bösen.

Der Gerechte gedeiht wie die Palme, *
er wächst wie die Zedern des Libanon.

Gepflanzt im Hause des Herrn, *
gedeihen sie in den Vorhöfen unseres Gottes.

Sie tragen Frucht noch im Alter *
und bleiben voll Saft und Frische;

sie verkünden: Gerecht ist der Herr; *
mein Fels ist er, an ihm ist kein Unrecht.

Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist.

Wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit *
und in Ewigkeit. Amen.

1. Antiphon: Am Morgen verkünden wir, Herr, deine Huld und in den Nächten deine Treue.  


2. Antiphon: Preist die Größe unseres Gottes; denn er ist treu und gerecht.

Dtn 32,1-7.9-12

Hört zu, ihr Himmel, ich will reden, *
die Erde lausche meinen Worten!

Meine Lehre wird strömen wie Regen, *
meine Botschaft wird fallen wie Tau,

wie Regentropfen auf das Gras *
und wie Tauperlen auf die Pflanzen.

Ich will den Namen des Herrn verkünden; *
preist die Größe unseres Gottes!

Er heißt: Der Fels. †
Vollkommen ist, was er tut; *
denn alle seine Wege sind recht.

Er ist ein unbeirrbar treuer Gott, *
er ist gerecht und gerade.

Ein falsches, verdrehtes Geschlecht fiel von ihm ab, *
Verkrüppelte, die nicht mehr seine Söhne sind.

Ist das euer Dank an den Herrn, *
du dummes, verblendetes Volk?

Ist er nicht dein Vater, dein Schöpfer? *
Hat er dich nicht geformt und hingestellt?

Denk an die Tage der Vergangenheit, *
lerne aus den Jahren der Geschichte.

Frag deinen Vater, er wird es dir erzählen, *
frag die Alten, sie werden es dir sagen.

Der Herr nahm sich sein Volk als Anteil, *
Jakob wurde sein Erbland.

Er fand ihn in der Steppe, *
in der Wüste, wo wildes Getier heult.

Er hüllte ihn ein, gab auf ihn acht *
und hütete ihn wie seinen Augenstern,

wie der Adler, der sein Nest beschützt *
und über seinen Jungen schwebt,

der seine Schwingen ausbreitet, ein Junges ergreift *
und es flügelschlagend davonträgt.

Der Herr allein hat Jakob geleitet, *
kein fremder Gott stand ihm zur Seite.
 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist.

Wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit *
und in Ewigkeit. Amen.

2. Antiphon: Preist die Größe unseres Gottes; denn er ist treu und gerecht. 

3. Antiphon: Wie gewaltig ist dein Name, o Herr, auf der ganzen Erde! 

Ps 8,2-10

Herr, unser Herrscher, †
wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde; *
über den Himmel breitest du deine Hoheit aus.

Aus dem Mund der Kinder und Säuglinge schaffst du dir Lob, †
deinen Gegnern zum Trotz; *
deine Feinde und Widersacher müssen verstummen.

Seh’ ich den Himmel, das Werk deiner Finger, *
Mond und Sterne, die du befestigt:

Was ist der Mensch, dass du an ihn denkst, *
des Menschen Kind, dass du dich seiner annimmst?

Du hast ihn nur wenig geringer gemacht als Gott, *
hast ihn mit Herrlichkeit und Ehre gekrönt.

Du hast ihn als Herrscher eingesetzt über das Werk deiner Hände, *
hast ihm alles zu Füßen gelegt:

all die Schafe, Ziegen und Rinder *
und auch die wilden Tiere,

die Vögel des Himmels und die Fische im Meer, *
alles, was auf den Pfaden der Meere dahinzieht.

Herr, unser Herrscher, *
wie gewaltig ist dein Name auf der ganzen Erde! 

Ehre sei dem Vater und dem Sohn *
und dem Heiligen Geist.

Wie im Anfang so auch jetzt und alle Zeit *
und in Ewigkeit. Amen.

3. Antiphon: Wie gewaltig ist dein Name, o Herr, auf der ganzen Erde!


Lied

"Du gibst dich mit uns ab" (Miriam Buthmann) 


Lesung

Jesaja 61,10

Von Herzen will ich mich freuen über den Herrn. Meine Seele soll jubeln über meinen Gott. Denn er kleidet mich in Gewänder des Heils, er hüllt mich in den Mantel der Gerechtigkeit.

Responsorium

V/A: Von Anbeginn hat der Herr sie erwählt, * vor allen hat er sie erkoren.
V: In seinem Zelt lässt er sie wohnen. A: Vor allen hat er sie erkoren.
V: Ehre sei dem Vater... A: Von Anbeginn hat der Herr sie erwählt, * vor allen hat er sie erkoren. 

freies Gebet 


Litanei zum Unbefleckten Herzen Mariens

V/A: Herr, erbarme dich unser
V/A: Christus, erbarme dich unser
V/A: Herr, erbarme dich unser 

V: Christus, höre uns
A: Christus, erhöre uns

V: Gott, Vater vom Himmel - A: erbarme dich unser.
V: Gott Sohn, Erlöser der Welt - A: erbarme dich unser.
V: Gott Heiliger Geist - A: erbarme dich unser.
V: Heiligste Dreifaltigkeit, ein einiger Gott - A: erbarme dich unser.

V: Herz Mariä - A: bitte für uns.

V: Herz nach Gottes eigenem Herzen - A: bitte für uns.

V: Herz, mit dem Herzen Jesu vereint - A: bitte für uns.

V: Herz, Tempel des Heiligen Geistes - A: bitte für uns.

V: Herz Mariä, Schrein der Dreieinigkeit - A: bitte für uns.

V: Herz Mariä, Heimat des Wortes - A: bitte für uns.

V: Herz Mariä, unbefleckt in deiner Erschaffung - A: bitte für uns.

V: Herz Mariä, überfließend von Gnade - A: bitte für uns.

V: Herz Mariä, gesegnet vor allen Herzen - A: bitte für uns.

V: Herz Mariä, Thron der Herrlichkeit - A: bitte für uns.

V: Herz Mariä, Abgrund der Demut - A: bitte für uns.

V: Herz Mariä, Opfer der Liebe - A: bitte für uns.

V: Herz Mariä, ans Kreuz genagelt - A: bitte für uns.

V: Herz Mariä, Trost der Trauernden - A: bitte für uns.

V: Herz Mariä, Zuflucht der Sünder - A: bitte für uns.

V: Herz Mariä, Hoffnung der Sterbenden - A: bitte für uns.

V: Herz Mariä, Sitz der Barmherzigkeit - A: bitte für uns. 


V: O Du Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt - A: verschone uns, o Herr.
V: O Du Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt - A: erhöre uns, o Herr.
V: O Du Lamm Gottes, Du nimmst hinweg die Sünden der Welt - A: erbarme Dich unser.

V: Unbeflecktes Herz Mariä, milde und demütig von Herzen.

A: Bilde unser Herz nach dem Herzen Jesu.

Lasset uns beten.

Barmherziger Gott, du hast für das Heil der Sünder das Unbefleckte Herz  Mariens dem Herzen Jesu an Zartheit und Erbarmen gleichförmig gemacht. Gib, dass wir, die wir ihres lieblichen und liebenden Herzens gedenken, durch ihre Verdienste und Fürsprache immer in Gemeinschaft mit den Herzen der Mutterund des Sohnes leben. Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn.

A: Amen.

 

Lied

"Magnificat" (Johannes Falk, aus "Feiert Jesus!" 12)



Fürbitten

Gepriesen sei Jesus Christus, unser Erlöser, der geboren wurde aus der Jungfrau Maria. Zu ihm lasst uns beten:

A: Höre auf die Fürsprache deiner Mutter.


Du Sonne der Gerechtigkeit, Maria war die Morgenröte, die dein Kommen angekündigt hat; gib, dass wir allezeit in deinem Lichte leben. 

Ewiges Wort des Vaters, du hast dir in der unversehrten Jungfrau Maria eine Wohnung bereitet; wohne auch in unseren Herzen.

Erlöser der Welt, Maria stand unter deinem Kreuz; auf ihre Fürsprache hilf uns, auch in schwerem Leid standzuhalten.

Gütiger Jesus, vom Kreuz aus hast du deine Mutter den Menschen zur Mutter gegeben; lass uns heute ihren Schutz erfahren.

Du hast Maria zum Urbild deiner Kirche gemacht; gib, dass deine Gläubigen einmütig mit Maria im Gebet verharren.

Du hast die Unbefleckte Jungfrau mit Leib und Seele in den Himmel aufgenommen; schenke unseren Verstorbenen die ewige Freude mit Maria und all deinen Heiligen.

Oration

Gott, du hast dem Heiligen Geist im Herzen der seligen Jungfrau Maria eine würdige Wohnung bereitet. Auf ihre Fürbitte hin erfülle auch unser Leben mit deiner Gegenwart und mache uns zu einem Tempel deiner Herrlichkeit. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit. 

Segensbitte

V: Der Herr segne uns. Er bewahre uns vor Unheil und führe uns zum ewigen Leben.

A: Amen. 


Ältestes Mariengebet

(vgl. GL 5,7)

Unter deinen Schutz und Schirm fliehen wir, o heilige Gottesgebärerin.

Verschmähe nicht unser Gebet in unseren Nöten,

sondern erlöse uns jederzeit aus allen Gefahren.

O du glorwürdige und gebenedeite Jungfrau,

unsere Frau, unsere Mittlerin, unsere Fürsprecherin,

versöhne uns mit deinem Sohne,

empfiehl uns deinem Sohne, 

stelle uns vor deinem Sohne. 


V: Maria mit dem Kinde lieb -

A: Uns allen deinen Segen gib.


Lied zum Abschluss

"Zehntausend Gründe" (aus "Feiert Jesus!" 19)

* * *

Ein ausführlicher Bericht über unseren Urlaub in Butjadingen - eventuell in mehreren Teilen, je nachdem, was sich in der zweiten Hälfte unseres Aufenthalts noch so alles Berichtenswertes ereignet - ist übrigens in Vorbereitung. Einstweilen gibt es Live-Updates (v.a. Fotos) auf Twitter unter dem Hashtag #CaminoDeWillehado! 



Montag, 31. Mai 2021

Ein Herz-Jesu-Monat voller Abenteuer

(...und ein Jubiläum: Fünf Jahre Punkpastoral!) 

Salvete, wie unsere altrituellen Freunde sagen würden! Auf den Marienmonat Mai folgt der Herz-Jesu-Monat Juni, womit das Titelthema für die neue (vierte!) Ausgabe der Zeitschrift "Lebendige Steine" sich quasi von selbst ergeben hat. Ich zitiere aus dem Editorial: 

Am dritten Freitag nach Pfingsten, in diesem Jahr also am 11. Juni, wird das Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu gefeiert; acht Tage vorher, am 3. Juni, ist das Hochfest des Leibes und Blutes Christi, volkstümlich Fronleichnam genannt. Die Nähe zwischen diesen beiden Festen kommt nicht von ungefähr. Die Verehrung des Herzens Jesu knüpft sich an eine Passage des Kreuzigungsberichts im Johannesevangelium:
"Als sie aber zu Jesus kamen und sahen, dass er schon tot war, zerschlugen sie ihm die Beine nicht, sondern einer der Soldaten stieß mit der Lanze in seine Seite und sogleich floss Blut und Wasser heraus." (Joh 19,33f.) 
Schon in den Schriften der Kirchenväter findet sich der Gedanke, dass aus der geöffneten Seite Jesu die Kirche hervorgeht - wobei die Ströme von Wasser und Blut auf die Sakramente der Taufe und der Eucharistie hindeuten. Dass die Kirche aus dem am Kreuz geopferten Leib Christi hervorgegangen ist und immer neu hervorgeht, ist mehr als nur ein poetisches Bild. Es verweist uns darauf, dass, wie Papst Benedikt XVI. in seiner Ansprache im Freiburger Konzerthaus sagte, "nichts aus Eigenem" hat "gegenüber dem, der sie gestiftet hat"; es verweist uns zugleich aber auch ganz konkret auf das Mysterium der Eucharistie, aus dem die Kirche sich in jeder Heiligen Messe selbst neu erschafft. Diesen Zusammenhängen versuchen wir uns in den Beiträgen des vorliegenden Hefts aus unterschiedlichen Blickwinkeln zu nähern. 

Als pdf-Datei zum Download gibt's die neuen "Lebendigen Steine" übrigens hier. 

Derweil gibt es auch noch andere interessante Neuigkeiten bezüglich der Pressevielfalt im Pastoralen Raum Reinickendorf-Süd: "Mitglieder des Pastoralteams" - wie es im Impressum heißt - haben jetzt auch ihre eigene Publikation, genannt "Texte für den Augenblick". Dabei handelt es sich gewissermaßen um ein Nebenprodukt der "Telefonischen geistlichen Impulse", einer Errungenschaft aus der Lockdownzeit: Unter einer Rufnummer des Berliner Ortsnetzes konnte und kann man sich von unseren pastoralen Mitarbeitern verfasste und eingesprochene Texte anhören, von denen anfangs (wenn ich mich recht erinnere) täglich, derzeit noch zweimal wöchentlich (mittwochs und sonntags) ein neuer erscheint bzw. erschien; und eine Auswahl dieser Texte gibt es nun also auch in gedruckter Form zum Nachlesen. Die erste Ausgabe der "Texte für den Augenblick", ist acht Seiten stark und liegt seit Mitte Mai in unseren Kirchen aus; künftig soll das Heft monatlich neu erscheinen. 

Indes liegt von dem ungefähr alle zwei Monate erscheinenden Faltblatt "Kraft und Schönheit der Glaubenslehre", für das ein Gemeindekreis von Herz Jesu Tegel namens "Gruppe Benedikt" verantwortlich zeichnet, bereits die 71. Ausgabe vor.  Respekt! -- Ab Nr. 25 (September-November 2010) sind alle Ausgaben dieses Blattes auch online abrufbar. -- Zu wünschen wäre nun natürlich, dass diese Publikationen, und eben auch die "Lebendigen Steine", einander trotz oder gerade dank ihres unterschiedlichen Stils und ihrer unterschiedlichen thematischen Schwerpunkte gegenseitig ergänzen und befruchten und so gemeinsam zur Bereicherung des kirchlichen Lebens in unserem Pastoralen Raum beitragen können. Na, schauen wir mal. 

Ebenfalls neu erschienen ist der Pfarrbrief für den Pastoralen Raum Reinickendorf-Süd; die neue Ausgabe deckt die Monate Juni-August ab. Auf S. 4 liest man: 

Im Redaktionsteam unseres Pfarrbriefes arbeiten ehrenamtlich sieben Frauen aus unseren vier Pfarrgemeinden, um Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, vierteljährig Informationen zu vermitteln. In dem Team arbeiten wir gleichberechtigt zusammen. Wir haben alle kein berufliches Hintergrundwissen, was bei der Erstellung des Pfarrbriefes das eine oder andere Mal Fragen aufwirft. Um Ihnen die Informationen noch besser vermitteln zu können, nehmen wir an einem Lehrgang teil, der durch das Erzbischöfliche Ordinariat unterstützt und von einer freiberuflichen Wissenschaftsjournalistin durchgeführt wird.

Wir wollen ein Konzept und Richtlinien für unsere Arbeit entwickeln, die wir Ihnen in einer der nächsten Ausgaben vorstellen werden.

Das will ich mal gänzlich unkommentiert stehen lassen. Nicht unerwähnt lassen will ich indes, dass ein Artikel aus der Mai-Ausgabe der „Lebendigen Steine“ – "Wenn das Ewige Licht brennt, ist es immer ein #Präsenzgottesdienst" – in der Ausgabe Juni/Juli des Pfarrbriefs der Katholischen Kirchengemeinde Maria, Hilfe der Christen (Berlin-Spandau) nachgedruckt worden ist. Mit unserer Genehmigung, versteht sich. 

So viel also erst einmal von der pfarrgemeindlichen Pressearbeit! Und was, abgesehen von voraussichtlich mal wieder mehr oder weniger kontroversen Reaktionen auf die neuen "Lebendigen Steine", erwartet uns im Monat Juni so alles? -- Zunächst einmal: Am Mittwoch, dem 2. Juni - dem Gedenktag der Märtyrer Marcellinus und Petrus - beginnen wir unsere Novene zum Heiligsten Herzen Jesu. Ja, man kann sagen, ich bin jetzt so richtig auf den Geschmack gekommen, was das Erstellen von Novenen angeht. Der äußere Anlass für diese Herz-Jesu-Novene ist natürlich das Titularfest unserer Pfarrkirche Herz Jesu Tegel; daher wird die Novene dort vom 2.-10. Juni, täglich um 17 Uhr, öffentlich und mit Musik vorgebetet - dazu herzliche Einladung an alle, die in der Nähe sind! -, aber natürlich gibt es die Texte und Lieder der Novene auch wieder online. 

An den ersten fünf Tagen der Novene werden meine Liebste und ich das Vorbeten selbst übernehmen, danach allerdings werden wir diese Aufgabe den anderen Mitgliedern der AG Neuevangelisierung (mit freundlicher Unterstützung der Legio Mariae) überlassen müssen - da wir nämlich kurz entschlossen in Urlaub fahren. Nach der gerichtlichen Aufhebung des Beherbergungsverbots für Nicht-Niedersachsen in Niedersachsen hat meine Liebste nicht lange gefackelt und für die einzige Woche zwischen jetzt und Mitte September, in der nirgendwo in Deutschland Schulferien sind, Urlaub in Butjadingen für uns gebucht, wo wir pandemiebedingt seit fast eineinhalb Jahren nicht mehr gewesen sind und wo im besagten Zeitraum - aus Gründen - alles superbillig ist. Schöne Unterkunft haben wir gefunden, in Burhave direkt am Deich, 20 Minuten Fußweg zum Strandgelände, 25 Minuten ins Dorf, 28 zur örtlichen katholischen Kirche. Die übrigens, wie regelmäßige Leser dieses Blogs sich vielleicht erinnern werden, Herz Mariä heißt. Ja Moment: Ist der Gedenktag des Unbefleckten Herzens Mariens nicht der Tag nach dem Hochfest des Heiligsten Herzens Jesu, und hieße das dann nicht, dass die hübsche kleine Burhaver Kirche während unseres Aufenthalts ihr Titularfest feiert? 

Die Antwort hierauf lautet: 


Wie uns der Diakon der örtlichen Pfarrei auf Anfrage mitgeteilt hat, feiert die Burhaver Gemeinde ihr Patronatsfest traditionell nicht am Gedenktag des Unbefleckten Herzens, sondern am Mariä Himmelfahrt. Na fein. Es liegt durchaus im Bereich des Möglichen, dass wir dann auch wieder vor Ort sind; aber dazu bei Gelegenheit mehr. Vorläufig ist festzuhalten, dass der Diakon unseren Vorschlag bzw. unser Angebot, zum Gedenktag des Unbefleckten Herzens Mariens - entweder als Vigil am Freitagabend oder aber am Samstagnachmittag vor der Vorabendmesse - eine Andacht zu gestalten (in dem Stil, wie wir es auch "hier bei uns" regelmäßig machen, also als Kombination aus Elementen des Stundengebets, freiem Gebet und Lobpreismusik), in seiner Antwort an uns souverän ignoriert hat, was man wohl als implizite Ablehnung verstehen muss. Na, schauen wir mal. Über die landauf, landab anzutreffende Neigung der volkskirchlichen Strukturen, sich auf keinen Fall in ihrem langsamen Sterben stören zu lassen, wäre eine Menge zu sagen, aber auch dazu lieber ein Andermal. Wenn alle Stricke reißen, halten wir unsere Andacht eben auf der an das Kirchengrundstück angrenzenden Streuobstwiese des Bürgervereins. 

-- Auch über den konkreten Einzelfall hinaus ist die Vorstellung, Andachten oder andere gottesdienstliche Feiern in öffentliche Grünanlagen zu verlegen, weil es einem verwehrt wird, sie in der Kirche abzuhalten, etwas, worauf man sich unter den Vorzeichen des "Schismatischen Weges" zukünftig vielleicht wird einstellen müssen. In jedem Fall passt es ins Profil von "Punkpastoral", und das bringt mich nun auf das in der Kopfzeile bereits angesprochene Jubiläum: Der in meinem Blogartikel "Wer, wenn nicht wir?" geschilderte "Straßenfest-Crawl", den ich quasi als die Geburtsstunde des Konzepts "Punkpastoral" betrachte, liegt am 4. Juni genau fünf Jahre zurück. Das legt natürlich die Frage nahe: Was haben wir in diesen fünf Jahren erreicht? -- Nun, im Vergleich zur recht umfangreichen Bilanz der ersten drei "Punkpastoral"-Jahre muss man zunächst einmal festhalten, dass ein großer Teil der seither verstrichenen Zeit sehr wesentlich von der Coronavirus-Pandemie geprägt gewesen ist. Dinner mit Gott, Krabbelbrunch und Büchertreff konnten wir seit über einem Jahr nicht mehr anbieten; das hat uns, gerade auf dem wichtigen Gebiet der Netzwerkbildung, ohne Zweifel ein beträchtliches Stück zurückgeworfen. Untätig gewesen sind wir jedoch nicht; ja, in mancherlei Hinsicht haben wir unsere Aktivitäten sogar ausgeweitet. 

Zu Beginn des Lockdowns liebäugelte ich - wie ich wohl schon erwähnt habe - durchaus mit der Vorstellung, mich wie einst der Hl. Benedikt für eine Weile in eine Höhle zurückzuziehen, um anschließend die Welt aus den Angeln zu heben. Keine buchstäbliche Höhle natürlich, aber eine metaphorische. Zweifellos hatte ich da etwas übertrieben romantische Vorstellungen vom Lockdown, denn im Großen und Ganzen ging das Leben ja doch relativ normal weiter. Aber immerhin waren die Rahmenbedingungen dafür, den (ersten) Corona-Lockdown als eine Form spiritueller Exerzitien zu nutzen, gar nicht so schlecht: Während der Phase, in der keine öffentlichen Gottesdienste gefeiert werden durften, blieb unsere örtliche Pfarrkirche tagsüber für persönliches Gebet geöffnet, und zu den Zeiten, zu denen "normalerweise" die Heilige Messe gefeiert worden wäre, gab es Eucharistische Anbetung. Dabei war stets ein Priester in der Kirche anwesend, und auf Wunsch konnte man auch die Kommunion empfangen. Es ist bekannt, dass ich im Allgemeinen nicht der größte Fan unseres Pfarrers bin; umso wichtiger ist es mir, zu betonen, dass ich ihm seinen Einsatz dafür, im Rahmen des Möglichen und Erlaubten das Beste aus der Lockdown-Situation zu machen, ausgesprochen hoch anrechne. 

Was von der Idee mit der "Höhlenzeit" praktisch übrig blieb, wenn man alle pathetische Übertreibung abzieht, war der Entschluss, eine Zeit, in der viele Aktivitäten wegfallen, dafür zu nutzen, umso mehr konzeptionell zu arbeiten. Die erste größere Frucht dieses Entschlusses war ein 16 Seiten langes Konzeptpapier zur Gemeindeerneuerung aus dem Geist von Evangelisierung, Katechese und Jüngerschaft, das ich den Hauptamtlichen unseres Pastoralen Raums sowie den Mitgliedern des örtlichen Pfarrgemeinderats am Heiligabend 2020 per Mail zukommen ließ. Wie man sich vorstellen kann, löste dieses Weihnachtsgeschenk keine ungeteilte Begeisterung aus, gab aber immerhin den entscheidenden Anstoß zur Gründung einer "AG Neuevangelisierung" im Pastoralausschuss, die seither eine recht beachtliche Aktivität entfaltet hat. 

Und dann natürlich die "Lebendigen Steine". Die Gründung dieser Zeitschrift betrachte ich persönlich als den bislang größten Meilenstein in der Geschichte des Projekts "Punkpastoral". -- Das große, bahnbrechende Buch zum Thema Punkpastoral, zu dem mich am letzten Tag der MEHR 2020 ein in Neuevangelisierungs-interessierten Kreisen recht namhafter Autor und Herausgeber mit dem schönen Satz "Mach' was Geiles!" ermutigt hat, habe ich indes immer noch nicht fertig. Rein quantitativ bin ich zwar schon ziemlich weit - ich möchte mal schätzen, gut zwei Drittel des angepeilten Umfangs habe ich schon -, aber die noch fehlenden Teile sind die am schwersten zu schreibenden - ist ja logisch, denn sonst hätte ich sie ja schon längst geschrieben. Abgesehen davon habe ich ja, wie schon gesagt, Familie, und die beansprucht auch Zeit und Kraft. Und ist, wie einige Leser sicherlich schon wissen werden, größer geworden. Auch eine Art, am Aufbau des Reiches Gottes zu arbeiten, und das meine ich durchaus ernst. 

-- Neben der konzeptionellen Arbeit haben wir vor allem unsere wöchentliche Lobpreis-Andacht weitergeführt, die mittlerweile einen ganz ansehnlichen Kreis regelmäßiger Teilnehmer aufzuweisen hat; wobei "regelmäßig" nicht zwingend "jede Woche" bedeutet, aber immerhin kommen einige Teilnehmer fast jede Woche, andere einmal im Monat. Wie ich unlängst zu einem unserer Pfarrvikare sagte, als er mich nach der Resonanz dieser Veranstaltung fragte: "Es kommen nicht mehr Leute als bei einer Werktagsmesse, aber auch nicht unbedingt weniger als bei einer Werktagsmesse." Daneben und darüber hinaus haben wir Maiandachten, Kreuzweg- und Rosenkranzandachten gestaltet und waren wesentlich an der Vorbereitung und Durchführung einer Lobpreis-Vigil zu Mariä Himmelfahrt in Herz Jesu Tegel (anlässlich der Weihe des Erzbistums Berlin an das Heiligste Herz Jesu und das Unbefleckte Herz Mariens) und der Feiern zum Jahr des Hl. Josef in St. Joseph Tegel beteiligt, und nun kommt als nächstes also die Herz-Jesu-Novene. 

Ich bin überzeugt, dass dieser Fokus auf Gebet, Anbetung und Lobpreis eine wichtige Grundlage für Gemeindeerneuerung und Neuevangelisierung ist; gleichwohl freue ich mich darauf, einige andere, eher "praxisorientierte" Aspekte unserer Arbeit wieder aufgreifen zu können, sobald die weitere Entwicklung der Corona-Situation es erlaubt. Dazu gehört an erster Stelle das Büchereiprojekt, das - dank eines ausgiebig genutzten, öffentlich zugänglichen Tauschregals und dank einiger sehr interessanter Bücherspenden von Bloglesern (Danke!!) - nie so ganz brach gelegen hat, aber, um wirklich voran zu kommen,  mehr Mitarbeiter braucht; wir haben einen Aufruf hierzu in die Heftmitte der aktuellen "Lebendigen Steine" gesetzt und wollen diesen auch noch als Flyer verbreiten. Das "Dinner mit Gott" wollen wir ebenfalls möglichst bald wieder aufleben lassen -- zumal ich im Laufe des letzten halben Jahres kochen gelernt habe; meine Frau sagt, ich koche inzwischen besser als sie. Eine Übergangslösung könnte es sein, dass wir z.B. einmal im Monat so viele Personen, wie der jeweils aktuelle Stand der Infektionsschutzverordnung es erlaubt, zu uns nach Hause zum Essen einladen; damit könnte man dann auch gleich den Grundstein zu einem Hauskreis legen. Und spätestens wenn unser Jüngster zu krabbeln anfängt, wird auch das Thema "Krabbelbrunch" wieder relevant. 

Dass ich all diese Überlegungen hier so ausführlich ausbreite, hat natürlich nicht zuletzt auch damit zu tun, dass ich Gleichgesinnte an anderen Orten zu ähnlichen Initiativen anregen und ermutigen möchte; und ich würde mich diesbezüglich auch über Feedback freuen. -- Okay, nun aber mal zurück zu den anstehenden Ereignissen im Monat Juni. Die zentrale Fronleichnams-Feier des Erzbistums Berlin findet dieses Jahr online statt, allerdings ohne mich. Sorry, aber das tu ich mir nicht an; da kann mich auch der Umstand nicht umstimmen, dass das Programm der Veranstaltung u.a. eine Live-Schalte zur von mir sehr geschätzten Gemeinschaft Brot des Lebens beinhaltet. Das ganze Event steht übrigens unter dem Motto "Brot, das die Hoffnung nährt" - und das ist unverkennbar ein Zitat aus einem NGL-Songtext. Irgendjemand an einflussreicher Position im Erzbistums muss einen veritablen Narren an dieser Nummer gefressen haben, denn bei absolut jeder Berliner Fronleichnamsprozession, an der ich jemals  teilgenommen habe, wurde sie gespielt. Musikalisch hat es, wie so viele Kompositionen des unvermeidlichen Peter Janssens, zugegebenermaßen Ohrwurm-Potential; aber der Text... ist  von Wilhelm Willms, und bei dessen Dichtungen frage ich mich ja immer, was der eigentlich geraucht hat. 

Und was hält der Juni sonst noch so bereit? Meinen Geburtstag zum Beispiel. Da werde ich noch in Butjadingen sein. In der zweiten Monatshälfte sind wir dann wieder in Berlin, aber was  uns da dann noch so erwartet, ist augenblicklich noch nicht abzusehen. Mal abgesehen von der Fête de la Musique natürlich. Die ist am 21. und fällt somit dieses Jahr auf einen Montag. Mal sehen, ob man da irgendwas auf die Beine stellen kann. Aber auch sonst rechne ich noch mit so manchen Überraschungen... 



Freitag, 14. Mai 2021

Pfingstnovene - So oder so

Liebe Gemeinde: Heute ist nicht nur - im Ernst! - der Gedenktag der Hl. Corona, sondern auch der erste Tag der Pfingstnovene. Da ich meinen Blog ja nicht nur und nicht in erster Linie für mit allen Weihwassern gewaschene Profikatholiken schreibe, sollte ich wohl erst mal ein paar Worte darüber verlieren, was das ist: 

Wie die Apostelgeschichte berichtet, zogen sich nach der Himmelfahrt Jesu die elf Apostel zusammen mit der Jungfrau Maria, den zum Jüngerkreis gehörenden Frauen und den Brüdern Jesu ins Obergemach eines Hauses in Jerusalem zurück und "verharrten dort einmütig im Gebet" (Apg 1,14), bis am Pfingsttag der Heilige Geist über sie kam. Im Gedenken daran ist in der katholischen Kirche der Brauch entstanden, die neun Tage zwischen Christi Himmelfahrt und Pfingstsonntag in besonderem Maße dem Gebet um die Gaben des Heiligen Geistes zu widmen. Die Praxis, bestimmte Gebete an neun aufeinanderfolgenden Tagen zu verrichten, nennt man Novene (von lat. "novem" = neun); solche neuntägigen Gebets- und Andachtszyklen können auch zur geistlichen Vorbereitung bzw. Einstimmung auf andere Feste im Kirchenjahr oder zu sonstigen Anlässen gebetet werden, aber die Pfingstnovene ist sozusagen die ursprüngliche Novene. 



Nun habe ich mir vor ein paar Tagen ein Heftchen des Hilfswerks "Renovabis" mit Gestaltungsvorschlägen für eine Pfingstnovene aus der Kirche mitgenommen. Nun ist es ja mittlerweile schon so, dass ich gegenüber so gut wie allem, was vom institutionellen "Establishment" der Kirche kommt,  von vornherein mehr oder weniger skeptisch bin; und beim ersten flüchtigen Durchblättern der Broschüre fiel mir auf, dass diese Novene offenbar stark um Themen wie Umwelt- und Klimaschutz, Nachhaltigkeit etc. dreht. -- Okay: Wer schon öfter etwas von mir gelesen hat, sei es hier im Blog oder z.B. auch in der Tagespost, der wird vielleicht schon bemerkt haben, dass dies Themen sind, für die ich - auch und gerade aus gläubiger Perspektive - durchaus aufgeschlossen bin. Oder anders ausgedrückt: dass es ein wichtiges und genuin christliches Anliegen ist oder sein sollte, Gott in Seiner Schöpfung zu ehren und die uns Menschen anvertrauten irdischen Güter mit Liebe und Sorgfalt zu verwalten. Gleichzeitig reagiere ich aber oft allergisch, wenn ich den Eindruck habe, die Kirche hänge sich in dem Bemühen, als "gesellschaftlich relevant" wahrgenommen zu werden, an säkulare Trend-Themen an und vernachlässigere oder kompromittiere dabei ihre ureigene Heilsbotschaft. Aus dieser Perspektive heraus sind mir Aktionen wie "Klimafasten" und "Klimapilgern" ein Greuel[*]; und der Verdacht, bei dieser "Klima-Novene" von Renovabis handle sich um ein ähnliches Phänomen, lag ja nun nicht gerade fern. Zumal ich zu Pfingsten, wo es ja schließlich um die Geburt der Kirche durch die Ausgießung des Heiligen Geistes geht, eigentlich eine andere inhaltliche Schwerpunktsetzung erwartet  hätte; die Verknüpfung zwischen den Themen "Heiliger Geist" und "Umwelt- bzw. Klimaschutz" leuchtete mir auf den ersten Blick nicht so recht ein. 

Was das betrifft, schafft das Vorwort der Renovabis-Broschüre allerdings Abhilfe. Es wird hervorgehoben, dass der Name des Hilfswerks aus Psalm 104 entlehnt ist ("Du sendest deinen Geist aus... und du erneuerst das Angesicht der Erde", Ps 104,30) und dass dieser Psalm "ein großes Loblied" sei, "das Gott als den Schöpfer preist"; man habe daher "als thematischen Schwerpunkt für das Jahr 2021 und speziell für die Pfingstaktion die Verantwortung für die Schöpfung gewählt" -- nicht zuletzt auch mit Blick darauf, dass "Papst Franziskus [...] wünscht, dass die Impulse seiner vor mehr als fünf Jahren veröffentlichten Enzyklika Laudato si' (LS) noch mehr ins Bewusstsein, Denken und Handeln der Menschen Eingang finden mögen". -- Also gut! Auch sonst finde ich im Einleitungsteil des Heftchens so Einiges, das mir zusagt. So etwa die Aussage: 
"Gott selbst ist es, der die Kirchen und die Gesellschaften zu erneuern weiß. Wir sind 'nur' seine Helfer. Aber das Werk der Erneuerung gelingt umso besser, je mehr wir IHM Raum geben in unserem Denken, Planen und Handeln." 
Sehr nach meinem Geschmack ist auch, dass die Novene Schriftlesungen vom jeweiligen Tag des Kirchenjahres einbezieht, "damit die Verknüpfung mit der Liturgie leichter gelingen kann": "Schriftbezug und Schöpfungsverantwortung, das sind die beiden Pole einer jeden Betrachtungseinheit." Schön! In den "Hinweisen zum Beten der Novene" wird überdies angeregt, die Pfingstnovene könne "im Marienmonat Mai auch in eine Maiandacht integriert werden". Gefällt mir! 

Bedeutend  weniger gefällt mir, wie ich gestehen muss, das Flair von Pastoral-Neusprech und Kuschelpädagogik, das leider ebenfalls schon die ersten Seiten der Broschüre durchzieht; so umfasst das Ablauf-Schema für jeden Tag der Novene eine "Einladung in die Stille" und "Fragen zum Nachdenken" (z.B. "Was erwarte ich von Gott?"!); die im Obergemach versammelten Jünger Jesu werden als "Schülerinnen und Schüler" apostrophiert, "die ihm zu Freunden geworden sind"; von Bedeutungsschwere heischenden Bindestrich-Konstruktionen wie "Da-sein" mal ganz zu schweigen. Dass "beim Werben dieser Novene" das "Prinzip von Dialog und Partnerschaft" Pate stand, verursacht mir ebenfalls eher Juckreiz hinter der Stirn; und wenn mit Blick darauf, wie sich seit dem Fall des Eisernen Vorhangs "in den Ländern Mittel-, Südost- und Osteuropas kirchliches und zivilgesellschaftliches [!] Leben neu gestaltet" habe, konstatiert wird "Der Geist Gottes war und ist erkennbar am Werk", dann regen sich bei mir doch so gewisse Zweifel, ob es eigentlich statthaft ist, den Heiligen Geist in solcher Weise für eine bestimmte politisch-soziale Agenda zu vereinnahmen. 

Das Unbehagen, das ich an dieser Stelle verspüre, setzt sich in die einzelnen Tagesimpulse der Novene hinein fort. Im Impuls zum ersten Tag fragt die aus Bulgarien stammende Ordensschwester Nadya Ruzhina OSB: 
"Wie steht es in Bulgarien, meinem Heimatland, um den Umweltschutz? Ehrlich gesagt, für viele Menschen dort sind andere Probleme viel wichtiger und existentieller. Leider ist Bulgarien nach 14 Jahren seit dem EU-Beitritt immer noch einer der ärmsten Mitgliedstaaten. Doch auch dort gibt es Menschen, die sich für die Bewahrung der Schöpfung einsetzen [...], die ihre Stimme erheben gegen Korruption und die Zerstörung der Umwelt z.B. durch eine irreguläre Bebauung der Schwarzmeerküste. Erfreulich ist es auch, zu sehen, dass die jüngere Generation kreativ und innovativ versucht, kleine Schritte in Richtung Reduktion von Plastikverbrauch und Sensibilisierung für den Klimaschutz zu gehen. Sie machen das wahrscheinlich nicht aus einer religiösen Motivation heraus - und doch sind sie irgendwie vom Geist Gottes bewegt."
Am zweiten Tag schreibt der Renovabis-Hauptgeschäftsführer Pfarrer Christian Hartl: 
"Als vor über 30 Jahren in vielen Ländern im Osten Europas die kommunistischen Diktaturen zusammengebrochen waren, da war Erneuerung angesagt. Und die Menschen in Deutschland sagten: 'Bei diesem Neuaufbau von Kirche und Zivilgesellschaft [schon wieder!] wollen wir Unterstützung anbieten. Denn wir gehören doch zusammen - als Europäerinnen und Europäer, als Christinnen und Christen als Menschheitsfamilie!" 
Und am 4. Tag - weiter bin ich noch nicht gekommen - ruft Pfarrer Hartl "Bilder von hungernden Kindern, Dokumentationen über ungerechte wirtschaftliche Verflechtungen und Korruption oder Reportagen über Umweltkatastrophen" auf. -- Ich habe wohlgemerkt gar nichts dagegen, dass das Hilfswerk Renovabis diese Themen anspricht. Aber in der Novene? In Form eines geistlichen Impulses? -- Frei heraus gesagt: Eine Andacht ist keine Infoveranstaltung, und ich halte es nicht für gut, das zu vermischen. Ein geistlicher Impuls ist nicht dasselbe wie eine Predigt, und die ist wiederum etwas anderes als ein Referat. Was solche Unterscheidungen angeht, herrscht für mein Empfinden in der landläufigen kirchlichen Praxis vielfach ein heilloses [sic] Durcheinander, und meist kommt dabei das Geistliche gegenüber dem "aktuellen", "gesellschaftlich relevanten" Bezug zu kurz. Nicht selten hat man den Eindruck, die Verantwortlichen, die einem so etwas auftischen, hielten "Religion" an und für sich für uninteressant und meinten, "die Leut'" könnten mit dem ganzen Glaubenskram nur dann etwas damit anfangen, wenn er an ein Thema gekoppelt wird, das sie aus der "Tagesschau" kennen - ob das nun das Klima ist oder Corona, Flüchtlinge oder "Black Lives Matter" oder die AfD, oder, wenn gar nichts anderes mehr hilft, Fußball. 

Noch einmal: Wenn Renovabis sich für Umwelt- und Klimaschutz einsetzt, finde ich das grundsätzlich gut, und wenn das Hilfswerk dieses Engagement explizit und plausibel aus dem christlichen Glauben heraus begründet, finde ich das sogar noch besser. Unter diesem Aspekt überzeugt mich die Novenen-Broschüre, soweit ich sie bisher durchgelesen habe, tatsächlich deutlich mehr, als ich auf den ersten Blick vermutet hätte. Dennoch bin ich entschieden der Meinung, dass einige Textabschnitte sehr viel besser in einer Info-Broschüre über die Arbeit des Hilfswerks aufgehoben wären als einer Textvorlage für die Gestaltung von Andachten. -- Zum Vergleich: Vor einiger Zeit habe ich mir allerlei Infomaterial der Initiative "Micha Deutschland" schicken lassen; laut Selbstbeschreibung "eine weltweite Kampagne und ein globales Netzwerk, das Christinnen und Christen zum Engagement gegen extreme Armut und für globale Gerechtigkeit begeistern möchte", "ein überkonfessionelles Netzwerk von Organisationen, Gemeinden und Einzelpersonen", das für die Überzeugung eintritt, "dass jeder Mensch, jede Gemeinde, jede Organisation und jede Gesellschaft Teil der Schöpfung Gottes ist und es unser Auftrag ist, diese Schöpfung zu bewahren und die Würde aller Geschöpfe in unserer Welt zu achten". Zu den Materialien, die ich erhalten habe, gehören zwei recht umfangreiche Broschüren, "Mach's aus Liebe - Für eine Schöpfung im Gleichgewicht" und "Einfach leben - Nachfolge in der Konsumgesellschaft", die allerlei Fakten zu Ökologie, Klima, globaler sozialer Ungleichheit u.a. präsentieren, diese Problemfelder aus spezifisch christlicher Perspektive betrachten, soziale und ökologische Projekte aus aller Welt vorstellen und den Leser zum persönlichen Engagement aufrufen - wobei immer wieder der Dreischritt "Fragen - Beten - Handeln" empfohlen wird. Das heißt, zu den einzelnen thematischen Beiträgen der Hefte werden auch konkrete Gebetsanliegen formuliert (z.B.: "Danke Gott dafür, dass wir in Deutschland problemlos sauberes Wasser trinken können. Bete für eine Familie in Kambodscha, dass sie das bald auch können"). -- Bemerken wir da einen Unterschied in der Herangehensweise? Ich sag mal so: Eine Infobroschüre, die unter anderem auch Gebetsanliegen enthält, macht ganz grundsätzlich einen anderen Eindruck als eine Gebetsbroschüre, in der einem so nebenbei als geistliche Impulse getarnte Sachinformationen zum Thema Umwelt- und Klimaschutz untergejubelt werden sollen. 

Zugegeben: In der Rubrik "Impulse für den Gottesdienst" wird's auch in den "Micha"-Materialien mitunter recht gruselig, etwa wenn angeregt wird, "Interviews mit Teilnehmer*innen der Aktionswoche", "Filmausschnitte oder Bilder zu Schöpfung, Klimawandel, Artensterben etc." oder auch "Poetry Slam und Gedichte" in den Gottesdienst einzubeziehen. Aber man darf nicht vergessen, dass es sich bei der "Micha"-Initiative im Wesentlichen um ein gemeinsames Projekt verschiedener evangelischer Freikirchen handelt, und die haben sowieso ein grundlegend anderes Gottesdienstverständnis. 

Aber zurück zum Thema Pfingstnovene: Vor zwei Jahren haben meine Liebste und ich zum ersten Mal selbst eine solche Novene gestaltet und in unserer Pfarrkirche öffentlich vorgebetet; und schon bevor ich die Renovabis-Broschüre in die Finger bekommen habe, hatte ich - auch veranlasst durch das Erfolgserlebnis der St.-Josefs-Novene vor ein paar Wochen - darüber nachgedacht, dass ich so etwas eigentlich gern mal wieder machen würde. Dabei hatte ich allerdings nicht bedacht, wie wenig Zeit nur noch bis zum Beginn der Novene blieb, und so wurde recht bald klar, dass eine täglich zu einem festen Termin öffentlich in der Pfarrkirche vorgebetete Novene sich in der Kürze der Zeit nicht mehr würde organisieren lassen. 

Was ich hingegen durchaus für machbar halte, ist, unsere Pfingstnovene von 2019 leicht zu überarbeiten und zu aktualisieren und dann tageweise als Textdatei (einschließlich Musik-Links) ins Netz zu stellen, auf dass jeder, der sich davon angesprochen fühlt, die Möglichkeit hat, sie "privat" mitzubeten. Dass, wie schon eingangs erwähnt, der erste Tag der Novene in diesem Jahr auf den Gedenktag der Hl. Corona fällt, hat mich noch zusätzlich motiviert. Ich habe daher einen öffentlich zugänglichen Ordner in meinen "Google Drive" eingerichtet und hoffe, dass ich es schaffen werde, dort für jeden der neun Tage der Pfingstnovene eine Andacht hochzuladen. Die erste - für heute - ist schon drin; hier der Link. 

Im Gebet verbunden! Komm, Heiliger Geist! 





[* Ich weiß, laut Neuer deutscher Rechtschreibung müsste dieses Wort eigentlich "Gräuel" geschrieben werden, aber diese Schreibweise ist mir ebenfalls ein Greuel.] 



Freitag, 30. April 2021

Mit Josef in den Marienmonat

Saludos, Compañeros! Es ist Freitag, der 30. April, und der Place to be für BenOpper und Neuevangelisierungs-Interessierte im Nordwesten Berlins ist heute die Kirche St. Joseph in der Bonifaziusstraße in Tegel. Denn dort stehen heute - am Vorabend des Patronatsfests - die Zeichen auf Anbetung und Lobpreis: Ab 15 Uhr ist Eucharistische Anbetung, um 18 Uhr Heilige Messe, und daran schließt sich eine Lobpreis-Vigil an, in deren Rahmen auch die am 22. April begonnene Novene zum Hl. Josef vollendet wird. Zum Abschluss wird gegen 21:15 Uhr die Komplet gebetet und der Eucharistische Segen gespendet. Insgesamt also fast sieben Stunden "Programm"! 

Ich selbst werde wohl "erst" ab 17 Uhr vor Ort sein. Ich hab schließlich Familie. Die will zwar mitkommen, aber besonders von den Kindern kann man wohl nicht erwarten, dass sie den ganzen Nachmittag und Abend durchhalten. Wobei ich erwähnen muss: Meine "große" (dreieinhalbjährige) Tochter war bei fünf der bisherigen acht Tage der Novene dabei und hat sich praktisch durchweg tadellos benommen -- jedenfalls für mein Empfinden. Einmal hat sie sogar die ganze Andacht hindurch geschlafen... 

Insgesamt war die Novene übrigens besser besucht, als die Initiatoren (einschließlich meiner Person) es zu hoffen gewagt hatten; nur und ausgerechnet am Samstagabend erwies sich die Idee, die Anfangszeit vorzuverlegen, um die Novene direkt an die Vorabendmesse anschließen zu können, als wenig hilfreich: Von den Messebesuchern blieb - abgesehen von meiner Tochter und mir - niemand zur Novene. Möglicherweise lag das zum Teil auch, wie es "bei Kirchens" oft der Fall zu sein scheint, an einer suboptimalen Kommunikation im Vorfeld. Umso gespannter bin ich nun, wie die Resonanz auf die heutige Anbetung und Vigil ausfallen wird -- wobei man allerdings auch gut daran tut, sich immer wieder bewusst zu machen, dass es bei solchen Veranstaltungen in erster Linie nicht darum geht, "Publikum" anzulocken, sondern um die Ehre Gottes. Und dafür kann es schon ausreichen, "Zwei oder Drei in Seinem Namen zu versammeln". Natürlich ist es wünschenswert, dass mehr als zwei oder drei Leute kommen, aber das ist letztendlich nicht das entscheidende Kriterium für den "Erfolg" einer solchen Veranstaltung, geschweige denn dafür, ob sie sich "lohnt". 

*

Dass der 1. Mai im liturgischen Kalender der katholischen Kirche dem Hl. Josef dem Arbeiter gewidmet ist, ist - neben der offenkundigen Tatsache, dass Papst Pius XII. mit der Einführung dieses Gedenktags den zentralen Feiertag der sozialistischen Arbeiterbewegung gewissermaßen "ins Katholische übersetzt" hat - auch deshalb sehr schön, weil dieser Tag ja zugleich auch den traditionellen Marienmonat eröffnet. Man kann sich das vielleicht so vorstellen, dass Josef, dieser bescheidene und unauffällige Heilige, uns zur Verehrung seiner Braut hinführt und anleitet - wie es in einem Gebet, das an jedem Tag unserer Josefs-Novene zur Eröffnung gebetet wurde, heißt: 

Rembrandt, Die Flucht nach Ägypten (nachbearbeitet) 

Du reinster Hüter der makellosen Jungfrau, 
erflehe uns eine zarte und ehrerbietige Liebe zu Maria, 
zum Geheimnis ihrer unversehrten Mutterwürde, 
damit ihre reine Gegenwart uns beglücke, 
wie sie dich beglückt und geheiligt hat. 
Heiliger Josef, hilf uns Maria zu verehren, unsere jungfräuliche Gottesmutter!

Folgerichtig fangen, kaum dass die Feiern zum Jahr des Hl. Josef in unserem Pastoralen Raum "durch" sind, auch schon die Maiandachten an: Den ganzen Monat Mai hindurch wird in jeder der sieben Kirchen in Reinickendorf-Süd einmal wöchentlich Maiandacht gefeiert, "bei uns" in Herz Jesu Tegel mittwochs um 18 Uhr. Es ist in unserer Gemeinde ein guter und bewährter Brauch, verschiedene "Kreise und Gruppen" an der Gestaltung dieser Andachten zu beteiligen, und da der erste Mittwoch im Monat der traditionelle Termin für "Mittwochsklub"-Veranstaltungen ist, habe ich mir den 5. Mai gesichert. Letztes Jahr war die von meiner Liebsten und mir gestaltete Maiandacht die erste gottesdienstliche Feier, die in unserer Pfarrkirche nach der Aufhebung des Corona-Lockdowns stattfinden durfte. Wir hatten diese Andacht im Wesentlichen aus Texten aus dem Buch "Gib mir deinen Glauben - Gespräche mit Maria von Nazareth" von Carlo Carretto und folk-rockig angehauchten Gitarreninterpretationen traditioneller Marienlieder zusammengestellt. War schön, und ich glaube, ich werde diese Texte und Lieder - zumindest teilweise - auch in diesem Jahr wieder verwenden. 

Der Marienmonat ist auch ein beherrschendes Thema der soeben erschienenen Mai-Ausgabe der Zeitschrift "Lebendige Steine"; daneben ist natürlich auch Pfingsten ein Themenschwerpunkt für den Mai - wobei es ja nicht schwer fällt, zwischen diesen Themen einen Zusammenhang herzustellen: nicht von ungefähr war, dem Zeugnis der Apostelgeschichte zufolge, zusammen mit den Aposteln auch Maria beim Pfingstereignis zugegen. Der Leitgedanke der Mai-Nummer der „Lebendigen Steine“ soll es daher sein, in dieser von Ungewissheiten über die Zukunft der Kirche geprägten Zeit auf Maria zu schauen und auf den Heiligen Geist zu hören, um zu lernen, wie wir in unserem persönlichen Leben und in der Mitarbeit in der Kirchengemeinde den Willen Gottes tun können – wie es auch im offiziellen Gebet für die Entwicklungsphase des Pastoralen Raums Reinickendorf-Süd heißt:

Lass uns verstehen, was du willst
von einem jeden von uns
und mit der Kirche von Berlin. 

Zur Online-Ausgabe der neuen "Lebendigen Steine" geht's übrigens hier. Ich habe die vage Ahnung, diese dritte Nummer der Zeitschrift ist die bisher kontroverseste; zwar sagt eine Stimme in meinem Kopf "Was soll denn daran kontrovers sein, ist doch alles gut katholisch", aber eine andere Stimme in meinem Kopf erwidert ungerührt "Ja eben, genau das ist das Problem". -- Im Ernst: Die Reaktionen auf die ersten beiden Nummern der Zeitschrift waren recht bunt gemischt, wobei ich insgesamt sagen würde, dass das positive Feedback überwog; aber dass eine Zeitschrift, deren Inhalt zu einem nicht unwesentlichen Anteil aus Bibelzitaten, Zitaten aus dem Katechismus bzw. YOUCAT, Dokumenten des kirchlichen Lehramts oder aus dem Lektionar zum Stundenbuch besteht - eine Zeitschrift, in der explizit zum Gebet für unsere Priester und für die Einheit der Gemeinde aufgerufen wird und die alle Interessierten zur Mitarbeit einlädt -, dass eine solche Zeitschrift in Teilen der Pfarrgemeinde bzw. des Pastoralen Raumes offenkundig als unerträgliche Provokation aufgefasst wird, muss man schon als bedenklich bezeichnen. Andererseits wäre ich wohl auch nicht der Tobi, wenn ich daran nicht irgendwie auch Spaß hätte. Der Witz ist ja: Verglichen mit dem, was ich hier auf meinem Blog manchmal so schreibe (und erst recht verglichen mit meinem Twitter-Account, aber das mal nur am Rande!), halte ich mich bei dem, was ich für die "Lebendigen Steine" schreibe, mit polemischen Spitzen wirklich enorm zurück; in meiner Eigenschaft als Chefredakteur habe ich - so erstaunlich das klingen mag -  ein paar Texte meiner geschätzten Mitarbeiterinnen sogar leicht entschärft. Aber es reicht immer noch, damit sich manche Leute drüber aufregen. Mit und ohne Augenzwinkern gesagt: Ein Stachel im Fleisch dieser Glaubensgeschwister zu sein ist wohl auch eine Art Berufung... 

Tatsächlich geben manche Reaktionen auf die Zeitschrift recht deutlich zu erkennen, dass die "Lebendigen Steine" schon durch ihre bloße Existenz, auch unabhängig vom konkreten Inhalt, als ein solcher "Stachel im Fleisch" wirken. Das sollte aber natürlich nicht dazu verführen, die Sorgfalt bei der Arbeit am Inhalt zu vernachlässigen. Folglich bin ich schon jetzt eifrig dabei, die Juni-Ausgabe vorzubereiten, für die sich wiederum zwei gut miteinander kombinierbare thematische Schwerpunkte aufdrängen: Fronleichnam und das Heiligste Herz Jesu. Für die Juli-Ausgabe habe ich sogar auch schon ein paar Ideen, die hier und jetzt aber noch nicht verraten werden. Und ab August haben sich dann vielleicht so langsam mal alle daran gewöhnt, dass es diese Zeitschrift gibt und dass sie nicht so einfach wieder weggeht. 

Wünschenswert wäre es natürlich, einige weitere Gemeindemitglieder als Mitarbeiter zu gewinnen, schon allein damit das Heft nicht so leicht als private Marotte einer kleinen Schar notorischer Störenfriede abgetan werden kann. Aber das kommt schon noch! -- Und auch über die Grenzen unseres Pastoralen Raums hinweg freuen wir uns natürlich stets über Leserbeiträge. 

So, und nun verabschiede ich mich -- es gibt noch allerlei vorzubereiten für heute Nachmittag und Abend. Abschließend daher noch einmal die Einladung: Wenn Ihr in der Gegend seid -- kommt vorbei!