Gesamtzahl der Seitenaufrufe

Freitag, 30. April 2021

Mit Josef in den Marienmonat

Saludos, Compañeros! Es ist Freitag, der 30. April, und der Place to be für BenOpper und Neuevangelisierungs-Interessierte im Nordwesten Berlins ist heute die Kirche St. Joseph in der Bonifaziusstraße in Tegel. Denn dort stehen heute - am Vorabend des Patronatsfests - die Zeichen auf Anbetung und Lobpreis: Ab 15 Uhr ist Eucharistische Anbetung, um 18 Uhr Heilige Messe, und daran schließt sich eine Lobpreis-Vigil an, in deren Rahmen auch die am 22. April begonnene Novene zum Hl. Josef vollendet wird. Zum Abschluss wird gegen 21:15 Uhr die Komplet gebetet und der Eucharistische Segen gespendet. Insgesamt also fast sieben Stunden "Programm"! 

Ich selbst werde wohl "erst" ab 17 Uhr vor Ort sein. Ich hab schließlich Familie. Die will zwar mitkommen, aber besonders von den Kindern kann man wohl nicht erwarten, dass sie den ganzen Nachmittag und Abend durchhalten. Wobei ich erwähnen muss: Meine "große" (dreieinhalbjährige) Tochter war bei fünf der bisherigen acht Tage der Novene dabei und hat sich praktisch durchweg tadellos benommen -- jedenfalls für mein Empfinden. Einmal hat sie sogar die ganze Andacht hindurch geschlafen... 

Insgesamt war die Novene übrigens besser besucht, als die Initiatoren (einschließlich meiner Person) es zu hoffen gewagt hatten; nur und ausgerechnet am Samstagabend erwies sich die Idee, die Anfangszeit vorzuverlegen, um die Novene direkt an die Vorabendmesse anschließen zu können, als wenig hilfreich: Von den Messebesuchern blieb - abgesehen von meiner Tochter und mir - niemand zur Novene. Möglicherweise lag das zum Teil auch, wie es "bei Kirchens" oft der Fall zu sein scheint, an einer suboptimalen Kommunikation im Vorfeld. Umso gespannter bin ich nun, wie die Resonanz auf die heutige Anbetung und Vigil ausfallen wird -- wobei man allerdings auch gut daran tut, sich immer wieder bewusst zu machen, dass es bei solchen Veranstaltungen in erster Linie nicht darum geht, "Publikum" anzulocken, sondern um die Ehre Gottes. Und dafür kann es schon ausreichen, "Zwei oder Drei in Seinem Namen zu versammeln". Natürlich ist es wünschenswert, dass mehr als zwei oder drei Leute kommen, aber das ist letztendlich nicht das entscheidende Kriterium für den "Erfolg" einer solchen Veranstaltung, geschweige denn dafür, ob sie sich "lohnt"

*

Dass der 1. Mai im liturgischen Kalender der katholischen Kirche dem Hl. Josef dem Arbeiter gewidmet ist, ist - neben der offenkundigen Tatsache, dass Papst Pius XII. mit der Einführung dieses Gedenktags den zentralen Feiertag der sozialistischen Arbeiterbewegung gewissermaßen "ins Katholische übersetzt" hat - auch deshalb sehr schön, weil dieser Tag ja zugleich auch den traditionellen Marienmonat eröffnet. Man kann sich das vielleicht so vorstellen, dass Josef, dieser bescheidene und unauffällige Heilige, uns zur Verehrung seiner Braut hinführt und anleitet - wie es in einem Gebet, das an jedem Tag unserer Josefs-Novene zur Eröffnung gebetet wurde, heißt: 

Rembrandt, Die Flucht nach Ägypten (nachbearbeitet) 

Du reinster Hüter der makellosen Jungfrau, 
erflehe uns eine zarte und ehrerbietige Liebe zu Maria, 
zum Geheimnis ihrer unversehrten Mutterwürde, 
damit ihre reine Gegenwart uns beglücke, 
wie sie dich beglückt und geheiligt hat. 
Heiliger Josef, hilf uns Maria zu verehren, unsere jungfräuliche Gottesmutter!

Folgerichtig fangen, kaum dass die Feiern zum Jahr des Hl. Josef in unserem Pastoralen Raum "durch" sind, auch schon die Maiandachten an: Den ganzen Monat Mai hindurch wird in jeder der sieben Kirchen in Reinickendorf-Süd einmal wöchentlich Maiandacht gefeiert, "bei uns" in Herz Jesu Tegel mittwochs um 18 Uhr. Es ist in unserer Gemeinde ein guter und bewährter Brauch, verschiedene "Kreise und Gruppen" an der Gestaltung dieser Andachten zu beteiligen, und da der erste Mittwoch im Monat der traditionelle Termin für "Mittwochsklub"-Veranstaltungen ist, habe ich mir den 5. Mai gesichert. Letztes Jahr war die von meiner Liebsten und mir gestaltete Maiandacht die erste gottesdienstliche Feier, die in unserer Pfarrkirche nach der Aufhebung des Corona-Lockdowns stattfinden durfte. Wir hatten diese Andacht im Wesentlichen aus Texten aus dem Buch "Gib mir deinen Glauben - Gespräche mit Maria von Nazareth" von Carlo Carretto und folk-rockig angehauchten Gitarreninterpretationen traditioneller Marienlieder zusammengestellt. War schön, und ich glaube, ich werde diese Texte und Lieder - zumindest teilweise - auch in diesem Jahr wieder verwenden. 

Der Marienmonat ist auch ein beherrschendes Thema der soeben erschienenen Mai-Ausgabe der Zeitschrift "Lebendige Steine"; daneben ist natürlich auch Pfingsten ein Themenschwerpunkt für den Mai - wobei es ja nicht schwer fällt, zwischen diesen Themen einen Zusammenhang herzustellen: nicht von ungefähr war, dem Zeugnis der Apostelgeschichte zufolge, zusammen mit den Aposteln auch Maria beim Pfingstereignis zugegen. Der Leitgedanke der Mai-Nummer der „Lebendigen Steine“ soll es daher sein, in dieser von Ungewissheiten über die Zukunft der Kirche geprägten Zeit auf Maria zu schauen und auf den Heiligen Geist zu hören, um zu lernen, wie wir in unserem persönlichen Leben und in der Mitarbeit in der Kirchengemeinde den Willen Gottes tun können – wie es auch im offiziellen Gebet für die Entwicklungsphase des Pastoralen Raums Reinickendorf-Süd heißt:

Lass uns verstehen, was du willst
von einem jeden von uns
und mit der Kirche von Berlin. 

Zur Online-Ausgabe der neuen "Lebendigen Steine" geht's übrigens hier. Ich habe die vage Ahnung, diese dritte Nummer der Zeitschrift ist die bisher kontroverseste; zwar sagt eine Stimme in meinem Kopf "Was soll denn daran kontrovers sein, ist doch alles gut katholisch", aber eine andere Stimme in meinem Kopf erwidert ungerührt "Ja eben, genau das ist das Problem". -- Im Ernst: Die Reaktionen auf die ersten beiden Nummern der Zeitschrift waren recht bunt gemischt, wobei ich insgesamt sagen würde, dass das positive Feedback überwog; aber dass eine Zeitschrift, deren Inhalt zu einem nicht unwesentlichen Anteil aus Bibelzitaten, Zitaten aus dem Katechismus bzw. YOUCAT, Dokumenten des kirchlichen Lehramts oder aus dem Lektionar zum Stundenbuch besteht - eine Zeitschrift, in der explizit zum Gebet für unsere Priester und für die Einheit der Gemeinde aufgerufen wird und die alle Interessierten zur Mitarbeit einlädt -, dass eine solche Zeitschrift in Teilen der Pfarrgemeinde bzw. des Pastoralen Raumes offenkundig als unerträgliche Provokation aufgefasst wird, muss man schon als bedenklich bezeichnen. Andererseits wäre ich wohl auch nicht der Tobi, wenn ich daran nicht irgendwie auch Spaß hätte. Der Witz ist ja: Verglichen mit dem, was ich hier auf meinem Blog manchmal so schreibe (und erst recht verglichen mit meinem Twitter-Account, aber das mal nur am Rande!), halte ich mich bei dem, was ich für die "Lebendigen Steine" schreibe, mit polemischen Spitzen wirklich enorm zurück; in meiner Eigenschaft als Chefredakteur habe ich - so erstaunlich das klingen mag -  ein paar Texte meiner geschätzten Mitarbeiterinnen sogar leicht entschärft. Aber es reicht immer noch, damit sich manche Leute drüber aufregen. Mit und ohne Augenzwinkern gesagt: Ein Stachel im Fleisch dieser Glaubensgeschwister zu sein ist wohl auch eine Art Berufung... 

Tatsächlich geben manche Reaktionen auf die Zeitschrift recht deutlich zu erkennen, dass die "Lebendigen Steine" schon durch ihre bloße Existenz, auch unabhängig vom konkreten Inhalt, als ein solcher "Stachel im Fleisch" wirken. Das sollte aber natürlich nicht dazu verführen, die Sorgfalt bei der Arbeit am Inhalt zu vernachlässigen. Folglich bin ich schon jetzt eifrig dabei, die Juni-Ausgabe vorzubereiten, für die sich wiederum zwei gut miteinander kombinierbare thematische Schwerpunkte aufdrängen: Fronleichnam und das Heiligste Herz Jesu. Für die Juli-Ausgabe habe ich sogar auch schon ein paar Ideen, die hier und jetzt aber noch nicht verraten werden. Und ab August haben sich dann vielleicht so langsam mal alle daran gewöhnt, dass es diese Zeitschrift gibt und dass sie nicht so einfach wieder weggeht. 

Wünschenswert wäre es natürlich, einige weitere Gemeindemitglieder als Mitarbeiter zu gewinnen, schon allein damit das Heft nicht so leicht als private Marotte einer kleinen Schar notorischer Störenfriede abgetan werden kann. Aber das kommt schon noch! -- Und auch über die Grenzen unseres Pastoralen Raums hinweg freuen wir uns natürlich stets über Leserbeiträge. 

So, und nun verabschiede ich mich -- es gibt noch allerlei vorzubereiten für heute Nachmittag und Abend. Abschließend daher noch einmal die Einladung: Wenn Ihr in der Gegend seid -- kommt vorbei! 




Kommentare:

  1. Ich freue mich außerordentlich, an einer offensichtlich provokativen Zeitschrift mitarbeiten zu dürfen.

    AntwortenLöschen
    Antworten
    1. Es ist sehr gut und wichtig, dass glaubensfeste und fromme Katholiken ihre Stimme erheben und öffentlich wahrgenommen werden können.
      Gottes Segen für Sie alle und Ihr gemeinsames Anliegen und Projekt.

      Löschen