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Donnerstag, 9. Mai 2019

Ein Büchergeschenk des Himmels

Meine Liebste hatte heute einen arbeitsfreien Tag, deshalb machten wir uns heute Vormittag - mit unserem Kind im Gepäck - auf den Weg zum Pfarrbüro, um dort ein paar Dinge im Zusammenhang mit unseren vielfältigen Aktivitäten in der Pfarrgemeinde zu besprechen. Bei der Gelegenheit wollten wir auch einige Neuanschaffungen für den in gut einer Woche erstmals stattfindenden Krabbel-Brunch in unseren Schrank im Gemeindehaus einräumen. 

Äh... unseren Schrank? Stimmt ja, das habe ich noch gar nicht erwähnt: Wir haben im Gemeindehaus unserer Pfarrei neuerdings einen Schrank für unser Zeug. Merke: Die Vorstufe zur Hausbesetzung ist die Schrankbesetzung


-- Nee, Spaß. In Wirklichkeit ist das total legal. Meiner Liebsten war vor mehreren Wochen dieser ungenutzt aussehende Wandschrank im Treppenhaus zwischen Alt- und Neubau aufgefallen, und seither hat sie jeden in der Gemeinde, der möglicherweise Ansprüche auf diesen Schrank und seinen eventuellen Inhalt anmelden könnte, dazu befragt -- von der Kolping-Ortsvorsitzenden bis zum Pfarrer. Wie sich zeigte, enthielt der Schrank lediglich ein bisschen Kaffeegeschirr, von dem niemand wusste, wem das mal gehört hat, und einen Sack Katzenstreu (ungeöffnet). Und es fanden sich noch zwei Schlüssel für den Schrank an. Also teilen wir ihn uns nun mit einer anderen Gruppe, die bisher auch noch keinen hatte. 

Jedenfalls: Während meine Liebste die neuen (bzw. gebraucht gekauften) Spielgeräte für die Krabbelgruppe in den Schrank einräumte, warf ich aus einer Laune heraus mal kurz einen Blick in den Gemeindesaal, der unser im Aufbau befindliches Büchereiprojekt beherbergt. Und siehe da, auf dem Tisch, der dem Bücherregal am nächsten stand, erwartete mich ein großer Karton voller Bücher. 


Schon auf den ersten Blick hatte ich den Eindruck, da ist ziemlich gutes Zeug dabei -- gerade auch mit Blick auf meinen persönlichen Ehrgeiz, dieses Büchereiprojekt nicht nur als einen "dritten Raum" zur Stärkung des geselligen Lebens innerhalb der Gemeinde und zur Begegnung mit Fernstehenden zu nutzen (das natürlich auch), sondern auf längere Sicht zu einer Ressource für katechetische Bildung und Jüngerschaftsschulung auszubauen. "Allmählich wird's Zeit, dass wir anfangen, Bücher, die wir nicht behalten wollen, auszusortieren, um im Regal Platz für die guten Sachen zu schaffen", sagte ich zu meiner Liebsten. Und dann fiel mir ein: Kommenden Sonntag ist in diesem Saal der Kolping-"Sonntagstreff". Die Kolping-Leute werden sich schön bedanken,  wenn sie in "ihrem" Saal (als solchen betrachten sie ihn nämlich) einen vollen Bücherkarton auf einem Tisch stehend vorfinden. Und wer weiß, wo sie den dann aus purer Bosheit hinverräumen. Und da ich von morgen früh bis übermorgen Nachmittag nicht da bin - #BenOp-Buchvorstellung in Döbeln, ich erwähnte es schon -, gab es nur eine logische Konsequenz: 
"Ich muss heute Nachmittag noch mal wiederkommen und die neuen Bücher ins Regal einsortieren." 
Was für eine glückliche Fügung, dass ich den Karton rechtzeitig entdeckt hatte! Seit Beginn des Jahres haben wir ja schon eine ganze Menge Bücherspenden für dieses Projekt entgegengenommen, sowohl aus den privaten Beständen von Gemeindemitgliedern als auch aus anderen Quellen, aber für gewöhnlich ist da ziemlich viel Reader's Digest, Bertelsmann Club und Rosamunde Pilcher dabei. Dieser Karton hingegen enthielt echte Schätze: 


Ich habe übrigens keine Ahnung, woher diese großzügige Bücherspende (insgesamt 49 Bände) stammt. Wobei, im wörtlichen Sinne stimmt das nicht ganz: Eine Ahnung habe ich durchaus,  ich weiß bloß nicht, ob sie stimmt. Am Rande der April-Veranstaltung unseres "Offenen Büchertreffs" hat unser Pfarrer ganz beiläufig erwähnt, er müsse sich demnächst mal um die Auflösung des Nachlasses eines kürzlich verstorbenen Mitbruders kümmern. Dass dies die Quelle des unerwarteten Büchersegens sein könnte, erscheint nicht zuletzt aufgrund dieser Bände plausibel: 


Eher überraschend, aber durchaus interessant erscheint mir die verhältnismäßig große Zahl von Büchern offenbar evangelikaler und/oder charismatischer Provenienz. Einige davon wird man vielleicht noch genauer unter die Lupe nehmen müssen, um zu entscheiden, ob sie dauerhaft im Bestand des Büchereiprojekts verbleiben sollen. Vielleicht kennen ja einige meiner Leser den einen oder anderen dieser Titel und können eine Einschätzung dazu abgeben, wo auf einer Skala von "ganz großartig, unbedingt behalten" über "zwiespältig, aber interessant" bis hin zu "raaah, lass bloß die Finger davon" die Bücher einzuordnen sind. 


Wie dem auch sei: Außer mit der Sichtung der Neuzugänge habe ich heute Nachmittag rund eineinhalb Stunden damit verbracht, zumindest einen Teil des bislang angesammelten Bücherbestands grob thematisch zu sortieren, bin mit dieser Aufgabe aber noch lange nicht fertig. Dass sich in den Regalen durchaus auch Bücher befinden, die ich definitiv nicht dauerhaft im Bestand behalten möchte, hatte ich ja schon mal angedeutet, aber Platz in den Regalen schaffen müssen wir wie gesagt sowieso bald mal und haben zu diesem Zweck geplant, beim Pfarrfest Ende Juni einen Bücherbasar zu veranstalten. Einige Bücher würde ich allerdings guten Gewissens nicht einmal da anbieten wollen. Bei einer kirchlichen Veranstaltung, was sollen denn die Leute von uns denken. Na, irgendeine Lösung wird sich da schon finden. Ich bin ja zum Glück nicht allein für das Projekt verantwortlich...



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