Frohes und gesegnetes Osterfest, o Leser! Zwar hat die Social-Media-Abteilung des Bistums Mainz schon am Dienstag die Fake News verbreitet, Ostern sei vorbei, aber wir wissen es besser und feiern durch bis Ende Mai – denn wie sagte doch der Hl. Johannes Paul II.: "Wir sind ein österliches Volk und Halleluja ist unser Lied"! Das schlägt sich natürlich auch in diesem Wochenbriefing deutlich nieder; ein paar Themen, die nicht unbedingt Anlass zum Jubeln geben, gibt es aber auch. Seht selbst!
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| Das Grab ist leer, Halleluja! |
Triduum 3: Ein Licht in der Nacht
Am Karsamstag ging meine Liebste mit den Kindern zu einem "Ritterfest" auf dem Gelände der Zitadelle Spandau; da ich ja bekanntlich kein großer Fan von Mittelaltermärkten bin, verzichtete ich darauf, mitzukommen, und kümmerte mich lieber um den Einkauf für die Ostertage, um meinen Blog sowie darum, weitere 50 Flyer für den Alpha-Kurs der EFG The Rock Christuskirche unter die Leute zu bringen. Als wir uns am Abend, rechtzeitig vor der Entzündung des Osterfeuers, vor der Kirche St. Joseph in Siemensstadt trafen, sprudelten die Kinder geradezu über vor Begeisterung über das Ritterfest: Sie hatten Greifvögel – eine Schleiereule und einen Falken – auf die Hand nehmen dürfen (mit Falknerhandschuh, versteht sich), hatten sich schminken lassen und last not least hatte ihre Mami ihnen Trinkhörner gekauft. – Ich schätze, man kann von Glück sagen, dass die Lichtfeier, die den Auftakt der Osternachtliturgie bildete, die Kinder ausreichend in ihren Bann zog, um an Faszination mit den vorangegangenen Eindrücken mithalten zu können. – Unsere Freundin vom JAM ministrierte wieder, und ihr Vater und ihre kleine Schwester setzten sich nach dem Einzug in die Kirche mit uns zusammen in eine Bank. – Im Übrigen kann ich nur wiederholen, was ich schon vor zwei Jahren geschrieben habe, nämlich, "dass ich ein absoluter Fan der Osternacht-Liturgie bin":
"Das Entzünden der Osterkerze und des Weihrauchs am Osterfeuer, den Einzug in die dunkle Kirche, das Exsultet, die vielen Lesungen (wir hatten, wie schon letztes Jahr, fünf Lesungen aus dem Alten Testament; wer bietet mehr?), das pompöse Gloria, die Weihe des Taufwassers... Diese Feier ist wirklich in mehr als einer Hinsicht der Höhepunkt des Kirchenjahres."
Die Taufwasserweihe nahm ich zum Anlass, mich mit meiner Großen einige Reihen weiter nach vorn zu setzen, wo, worauf der Pfarrvikar hingewiesen hatte, zahlreiche Plätze frei waren; bezogen auf meine Hoffnung, das Tochterkind werde das liturgische Geschehen aus größerer Nähe aufmerksamer und konzentrierter verfolgen, war das Ergebnis dieses Platzwechsels indes eher tragikomisch, da die kleine Schwester der Ministrantin uns nach vorn folgte und unaufhörlich plapperte, aber irgendwie war das ja auch ganz süß. Unser Jüngster schlief derweil mit dem Kopf auf der Kirchenbank ein.
Taufen gab es im Rahmen des Osternachtgottesdienstes in St. Joseph Siemensstadt übrigens keine – dafür aber, wie der Pfarrvikar erwähnte, drei in der Osternachtfeier in St. Marien am Behnitz und zwei weitere am Ostersonntag in St. Joseph –, wohl aber eine Konversion einschließlich Firmung. Wie ich auf dem Heimweg via Instagram erfuhr, war auch in St. Willehad Nordenham in der von Pastor Kenkel zelebrierten Osternacht eine Frau konvertiert und gefirmt worden. Willkommen zu Hause!
Über die Predigt wäre natürlich auch noch etwas zu sagen, auch wenn ich gleich vorweg feststellen muss, dass ich von diesem Priester schon bessere gehört habe; aber das ist ja auch eine ziemlich hohe Messlatte, jedenfalls im Vergleich zu vielen anderen Predigern, die ich in meinem Leben schon gehört habe. – Wie dem auch sei: Ein zentraler Satz, der in der Predigt mehrmals fiel, lautete "Glaube ist kein Gefühl, sondern Beziehung mit Jesus Christus." In diesem Zusammenhang wies der Pfarrvikar auch darauf hin, dass im Ritus der Erwachsenentaufe die Taufbewerber gefragt werden "Was erbittest du von der Kirche?", und die Antwort darauf lautet "Den Glauben". Das heißt, im Unterschied etwa zum Verständnis evangelikaler Freikirchen ist der Glaube nicht etwas, das der Einzelne sozusagen selbst mitbringen muss, um die Taufe empfangen zu können, sondern vielmehr etwas, das er in der Taufe von der Kirche empfängt. Der Glaube der Kirche geht dem des Einzelnen voraus, und dieser ist dazu aufgerufen, ihn anzunehmen (vgl. den Katechismus der Katholischen Kirche, Nr. 1124). "Gerade an den Taufbewerbern sieht man, dass Christus lebendig ist und die Menschen sucht und zum Leben führt", fügte der Pfarrvikar hinzu. "Das hat Er auch mit jedem von uns gemacht, nur haben wir das oft vergessen."
Sehr eindrucksvoll war auch die musikalische Gestaltung der Feier durch Pfarreikirchenmusiker Toralf Hildebrandt, der zunächst das Exsultet und die Zwischengesänge nach den Lesungen intonierte und dann, ab dem Gloria, an der Orgel saß und ordentlich in die Tasten haute. Sogar der Pfarrvikar merkte zu Beginn der Predigt an, nach dem vorangegangenen "musikalischen Erdbeben" – nämlich dem Orgelnachspiel zum feuerlichen Halleluja –traue er sich fast gar nicht mehr, noch etwas zu sagen.
Kein Ostern ohne Eier
Nachdem wir erst nach Mitternacht nach Hause und ins Bett gekommen waren, mussten insbesondere die Kinder am Sonntag erst einmal gründlich ausschlafen; aber danach stand das an, was ich gern die "säkulare Observanz des Osterfests" nenne – derjenige Teil von Ostern, der mehr mit Schokoladenhasen und bunten Eiern zu tun hat als mit der Auferstehung Christi. Ab dem frühen Nachmittag waren wir zu diesem Zweck bei meinen Schwiegermüttern eingeladen, zusammen mit der Cousine meiner Liebsten und ihrem Sohn, der am selben Tag geboren ist wie unser Jüngster. Es gab eine Ostereiersuche im Garten, ein paar kleine Geschenke und ein sehr leckeres Abendessen.
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| Die Ohren des Osterhasen bilden ein "Victory"-Zeichen, anlässlich des Sieges über den Tod. Okay, ehrlich gesagt ist dies nur ein Gartenhandschuh. |
Am Ostermontag gingen wir dann ins Labyrinth Kindermuseum in der Osloer Straße, wo wir uns mit der Mutter einer Schulfreundin unserer Großen verabredet hatten; diese Schulfreundin hat auch einen kleinen Bruder, der ungefähr im Alter unseres Jüngsten ist, das passte also gut. Ich selbst hatte zunächst den Eindruck, für mich sei das Kindermuseum eher ein Kopfschmerzmuseum, aber nach einer Weile hatte ich mich einigermaßen akklimatisiert und konnte durchaus würdigen, was den Kindern da so alles geboten wird.
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| Hier eine thematische Übersicht. |
Als besondere Attraktion kam an diesem Ostermontag übrigens der Osterhase ins Kindermuseum, und ich muss sagen, ich fand es in gewissem Sinne unfreiwillig komisch, dass eine Einrichtung, die sich offensichtlich ein an modernen wissenschaftlichen Erkenntnissen über Gehirnentwicklung orientiertes Konzept frühkindlicher Bildung auf die Fahnen geschrieben hat, gleichzeitig einem solchen Aberglauben huldigt. Na ja, Dialektik der Aufklärung, sach ich ma'.
Übrigens, da wir gerade über die säkulare Observanz des Osterfests sprechen, möchte ich es nicht versäumen, auf zwei Artikel des Satiremagazins Der Postillon einzugehen, die zwar schon älter sind, aber aus jahreszeitlichem Anlass wiederveröffentlicht bzw. erneut in den Sozialen Medien verbreitet wurden. "Woke-Wahnsinn: Millionen Deutsche verehren anstelle des Osterhasen einen langhaarigen Hippie aus Nahost" hieß der Postillon-Oster-Artikel von 2025; darin wird beklagt, dass "ein Wanderprediger und antikapitalistischer Aktivist unseren geliebten Osterhasen ersetzen" solle:
"Dabei handelt es sich bei 'Jesus Christus', wie der woke Osterhasen-Ersatz genannt wird, um einen rechtmäßig verurteilten Straftäter, der angeblich einst als Langzeitarbeitsloser vagabundierend durch die Gegend zog" –
und dies als "ewige[r] Junggeselle [...] in inniger Gemeinschaft mit 12 Männern". Weiter heißt es "Aufsehen erregte er durch seine Freundschaften mit Prostituierten sowie wilde Randale im Stadtzentrum von Jerusalem", und schließlich: "Zur Krönung des Irrsinns soll 'Jesus' laut seinen Fans typische Gutmenschenwerte wie Toleranz, Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe vertreten". Fazit: "Dieser Jesus ist durch und durch woke. Der passt [...] zum linksgrünen Establishment!" – Lustig? Nun ja: Auf 'ne Art. Während die offenkundige Intention des Artikels darin besteht, die rechtspopulistische Empörungskultur auf die Schippe zu nehmen, kann man ihn durchaus auch als treffende Karikatur des einseitig verzerrten Jesusbildes der PUU-Fraktion lesen. – Härteren Tobak hat der Postillon-Karfreitags-Artikel von 2013 zu bieten: "Folter, Kreuzigung, Kannibalismus: Gaga-Sekte feiert bizarres Splatter-Ritual". Da liest man dann beispielsweise, "eine obskure Kultvereinigung" feiere am Karfreitag "den blutigen Foltertod eines unschuldigen Menschen" – und das "[m]itten in Deutschland". Und "[d]amit nicht genug: Während der Splatter-Messe der Gruftie-Kirche behaupten die Gläubigen, das Blut des Opfers zu trinken, ja sogar, seinen Körper zu essen." – Was ich an diesem Artikel tendenziell interessanter finde als an dem anderen, ist der Umstand, dass das Christentum hier als zutiefst Fremdes und Befremdliches dargestellt wird – wobei man natürlich bedenken muss, dass der Witz als Witz nur funktioniert, weil und insofern der Leser einordnen kann, wovon da die Rede ist; der Witz setzt bei seinem Publikum eine zumindest oberflächliche und konventionelle Kenntnis christlicher Rituale voraus. Gleichzeitig präsentiert er aber das vermeintlich Bekannte in einem zutiefst fremden Licht – und das halte ich zumindest potentiell für etwas Gutes: Dem Leser wird bewusst gemacht, dass es da etwas gibt, was er nicht versteht, und das ist allemal besser, als wenn das Christentum lediglich unter dem Blickwinkel "Kenn ich schon, ist langweilig, brauch ich nicht" betrachtet würde. Zugespitzt gesagt, ein Christentum, das dem Mainstream der säkularen Gesellschaft als "Gaga-Sekte" und "obskure Kultvereinigung" erscheint, hat im Zweifel mehr missionarisches Potential als die undogmatisch-niederschwellige "seid nett zueinander"- Variante, die den Menschen ja letztlich nichts zu bieten hat, was sie nicht auch ohne den Glauben an Gott und an Jesus Christus haben könnten. – Letzten Endes laufen meine Gedanken hierzu natürlich wieder auf die schon öfter geäußerte Überzeugung hinaus, gerade die katholische Kirche sollte das, was an ihren Traditionen sperrig, schwer verständlich, "unzeitgemäß" oder schlichtweg weird erscheint, nicht als Ballast betrachten, den sie loszuwerden bestrebt sein müsste, sondern vielmehr als einen großen Schatz. Ich denke da zum Beispiel an so ein Meme, wo ein evangelikaler Megachurch-Anhänger sagt "Du musst mal in unsere Kirche kommen, wir haben echt motivierende und aufbauende Predigten, eine tolle Lobpreisband und eine Espressobar im Foyer", und ein Katholik erwidert ungerührt "Wir haben den Schädel von Maria Magdalena".
Aus dem Reich der (geistlich) Toten
Was war jetzt eigentlich mit dem "Pfarramtlichen Zeugnis", das ich noch für meine Bewerbungsunterlagen brauchte? Nun, das ist endlich doch bei mir eingetroffen, am Dienstag der Osteroktav und mithin eine Woche nach Ablauf der Bewerbungsfrist, in einem gebrauchten Briefumschlag. Bei unserer persönlichen Begegnung in der Woche vor Palmsonntag hatte der Pfarrer von St. Klara Reinickendorf-Süd ja bereits angemerkt, dass er mir kein durchweg positives Zeugnis ausstellen könne, könne ich mir ja wohl denken, und das stimmte auch; von der Mühe, die er sich beim Verfassen dieses Zeugnisses mit den Formulierungen gegeben haben will, merkt man hingegen nicht viel – aber ich will dem Urteil meiner Leser nicht vorgreifen.
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| Symbolbild, aufgenommen während einer Predigt im Oktober 2018. |
"Herr Tobias Klein [...] ist mir seit etwa 2017 bekannt, als er nach Tegel zog. [...] Er ist ein überzeugter Katholik, der seinen Glauben bewusst leben möchte."
Geht ja erst mal ganz gut los, könnte man meinen; aber tatsächlich verweist der zuletzt zitierte Satz bereits auf den Kern des Problems, den er mit mir hatte (und ich mit ihm).
"Er brachte sich mit Ideen in die Pastoral ein und gründete ein Treffen für Junge Erwachsene ('Mittwochsclub') und dann für junge Familien ('Krabbel-Brunch')."
Dass der Pfarrer von all dem, was meine Liebste und ich in Herz Jesu Tegel so veranstaltet haben, an dieser Stelle nur die – oberflächlich betrachtet – eher "geselligkeitsorientierten" Veranstaltungsformate erwähnt, ist vermutlich nicht ganz zufällig; nebenbei bemerkt war das "Dinner mit Gott", das der Pfarrer hier unter der Bezeichnung "Mittwochsclub" meint, durchaus nicht als "Treffen für Junge Erwachsene" konzipiert, sondern als zielgruppenübergreifendes Begegnungsangebot, aber so etwas ist im post-volkskirchlichen Normalbetrieb wohl schlichtweg nicht vorgesehen. Egal, auf den unvoreingenommenen Betrachter dürfte dieser Satz des Zeugnisses wohl eher positiv wirken, also will ich mich mal nicht beklagen.
"Dabei bringt er seine eigenen Frömmigkeitsvorstellungen deutlich ein."
Merken wir uns diesen Satz. Darauf, inwieweit er aus Sicht des Pfarrers als Vorwurf gemeint ist, komme ich noch zurück, aber sich im Detail damit auseinanderzusetzen, wäre vielleicht eher Stoff für einen eigenständigen Artikel.
"Er kandidierte 2019 für den damaligen Pfarrgemeinderat Herz Jesu/Tegel. Wir hatten nur so viele Kandidaten, wie zu wählen waren, und er wurde mit der mit Abstand geringsten Stimmenzahl gewählt."
Sagen wir, das deckt sich nicht ganz mit meinen Erinnerungen. Zunächst mal gab es nicht "so viele Kandidaten, wie zu wählen waren", sondern zwei weniger; was das "mit Abstand" schlechteste Wahlergebnis angeht, würde ich sagen, das relativiert sich angesichts der notorisch niedrigen Wahlbeteiligung: Meiner Erinnerung zufolge hat von den Gemeindemitgliedern, die an der Wahl teilgenommen haben, rund ein Drittel für mich gestimmt, das finde ich jetzt nicht sooo schlecht. Die grundsätzlichere Frage lautet indes: Was spielt das überhaupt für eine Rolle? Warum ist es im Kontext dieses Zeugnisses erwähnenswert? Der nächste Satz gibt diesbezüglich einen Fingerzeig:
"Ich weiß von einigen Gemeindemitgliedern, die ihn kannten, dass sie ihn bewusst nicht gewählt haben."
Das würde ich ja nun für einen völlig normalen und im Grunde selbstverständlichen Vorgang halten. Oder sollte man es etwa als normal und erwartungsgemäß betrachten, dass die Wähler bei Pfarrgemeinderatswahlen für alle zur Wahl stehenden Kandidaten stimmen? Klingt für mich ein bisschen DDR-mäßig, dabei lag Tegel doch in Westberlin.
"Nach der konstituierenden Sitzung tat er in seinem Internet-Blog seine Unzufriedenheit mit dieser Sitzung sehr deutlich kund."
Link gefällig? Bittesehr! Im Übrigen finde ich ja, dass die Bezeichnung "Internet-Blog" einen ähnlichen Charme hat wie "Haarfrisur" oder "Jeanshose". Aber mal weiter:
"Weil ihm unser Pfarrbrief nicht gefiel, veröffentlichte er einige Monate lang einen eigenen Pfarrbrief, um ihn bei uns auszulegen, was Pastoralteam und Pfarrgemeinderat allerdings ablehnten."
Ich würde ja sagen, dass der Kausalsatz "Weil ihm unser [!] Pfarrbrief nicht gefiel" den tatsächlichen Sachverhalt arg übersimplifiziert; davon abgesehen habe ich sowohl aus dem Pastoralteam als auch aus dem Pfarrgemeinderat durchaus auch positives Feedback zu den "Lebendigen Steinen" bekommen. Aber lassen wir das alles mal beiseite und fragen uns: Wie wird dieser Absatz wohl auf einen unvoreingenommenen Betrachter wirken? "Da hat also jemand in eigener Regie einen alternativen Pfarrbrief herausgegeben, über mehrere Monate und auf eigene Kosten? Der muss ja ganz schön was drauf haben! Was mag da wohl schief gelaufen sein, dass die Pfarrei es nicht geschafft hat, einen so kompetenten und engagierten Mitarbeiter sinnvoll einzubinden?"
"Auch andere Schriften legte er ungefragt aus."
Potzblitz und dreimal sapperlot!
"Als er merkte, dass sein Engagement und seine Spiritualität nicht mehrheitsfähig waren, zog er sich aus unserer Gemeinde zurück und ist nun in einer Nachbargemeinde aktiv." einer Nachbargemeinde aktiv."
Und da wird sein Engagement offenbar mehr geschätzt. Komisch, nicht? – Vielsagend ist auch die Formulierung "nicht mehrheitsfähig"; darauf komme ich gleich noch zurück, ebenso wie auf das Stichwort "Spiritualität", in dem erneut die weiter oben angesprochenen "eigenen Frömmigkeitsvorstellungen" anklingen. Erst mal weiter:
"Er wird sicherlich Menschen finden, die seine Art anspricht."
Ja, das glaube ich auch.
"Ich habe aktuell allerdings Zweifel, ob er das vielfältige Miteinander in einer Pfarrei gut begleiten kann."
Vielfältiges Miteinander, aha, so so. Hier sind wir zu guter Letzt an dem Punkt angekommen, der eigentlich einen eigenen Artikel verdient: Es war schon immer ein bevorzugtes Narrativ des Pfarrers, dass er als Pfarrer die "Vielfalt der Gemeinde" im Blick habe, während ich nur meine eigenen Vorstellungen durchsetzen wolle. Ich habe mich da immer gefragt, was das denn bitte für eine Vielfalt sein soll, wenn das Klima in der Gemeinde geprägt ist vom fragilen Waffenstillstand zwischen einer "volkskirchlich konservativen" Basis und einem eher liberalen Team von Haupt- und Ehrenamtlichen und alles, was in dieser Gemengelage "nicht mehrheitsfähig" ist, in die Ecke gedrängt wird, bis es quietscht. Was demgegenüber meine eigenen Vorstellungen angeht, hatte ich immer das Gefühl, der Pfarrer verüble es mir in erster Linie, dass ich überhaupt welche habe – während seine eigene Position eher von Mangel an Überzeugung geprägt ist. Mein Standpunkt in dieser Sache war übrigens stets, so "eigen" seien meine Vorstellungen gar nicht, sondern einfach nur katholisch. Besonders deutlich wurde dies im Konflikt um die "Lebendigen Steine", die mir der Pfarrer, wie man gesehen hat, ja immer noch schwer verübelt. Auf seinen Vorwurf, "die Zeitschrift 'Lebendige Steine' sei Ausdruck einer spezifischen Spiritualität (nämlich meiner)", antwortete ich seinerzeit – im Juli 2021 – in einer Mail, die ich glücklicherweise aufgehoben habe, wie folgt:
"Jede Ausgabe der "Lebendigen Steine" enthält in nicht geringem Umfang Auszüge aus dem Katechismus bzw. YOUCAT, aus Dokumenten des kirchlichen Lehramts oder aus den Werken von Heiligen; mein wichtigstes (meistgenutztes) Hilfsmittel für die redaktionelle Arbeit ist das Lektionar zum Stundenbuch. Sicher ist es nicht ganz auszuschließen, dass bei der redaktionellen Auswahl dieser Texte eine gewisse Tendenz sichtbar wird, aber ich würde doch behaupten, dass diese Inhalte "katholisch" im besten Sinne des Wortes sind. Demgegenüber sind die von meiner Frau und mir selbst verfassten Beiträge sicherlich subjektiver gefärbt, aber auch da sehe ich eigentlich nicht, wieso das problematisch sein sollte [...]. Wenn Sie gegen konkrete Inhalte der bisher erschienenen Ausgaben der 'Lebendigen Steine' konkrete theologisch oder pastoral begründete Einwände haben, dann wäre ich sehr interessiert, diese zu erfahren."
Darauf erfolgte charakteristischerweise keine Antwort. Hingegen hat der Pfarrer mir gegenüber wiederholt – zuletzt noch bei unserer Begegnung in der Woche vor Palmsonntag – betont, dass er grundsätzlich für Vieles offen sei, erkenne man ja auch daran, dass er meine Liebste und mich unsere Angebote in der Gemeinde habe machen lassen. Ich glaube, er meint das ernst: Er denkt wirklich, als Pfarrer verdiene er Anerkennung und Lob dafür, dass er ehrenamtliches Engagement zulässt und nicht aktiv unterbindet.
Unterm Strich bleibt, wenn man alle unwahren Behauptungen, alle in erkennbar boshafter Absicht verzerrt dargestellten Sachverhalte und alles schlichtweg Irrelevante abzieht, von diesem "Zeugnis" nicht allzu viel übrig; aber zwischen den Zeilen ergibt sich doch deutlich genug das Bild einer Gemeinde, in der jemand, der neue Impulse zu setzen versucht, als Störenfried wahrgenommen wird, und eines Pfarrers, der sich in diesem Konflikt teils aus Opportunismus – einfach um seine Ruhe zu haben – und teils aus eigener Abneigung gegen neue Impulse auf die Seite der Alteingesessenen in der Gemeinde schlägt. Dabei erscheint es mir ausgesprochen bezeichnend für diesen Geistlichen, dass er offenbar nicht auf die Idee kommt, dieses Schreiben könnte ein erheblich schlechteres Licht auf ihn selbst werfen als auf mich. Nun, wie neulich schon mal angemerkt, im Erzbischöflichen Ordinariat kennen sie ihn ja auch und werden seine Äußerungen einzuordnen wissen. Ein bisschen erinnert mich das Ganze übrigens an eine Anekdote über den 99. Erzbischof von Canterbury, Geoffrey Fisher: Als dieser 1961 in den Ruhestand trat, oblag es dem Premierminister – damals Harold Macmillan –, seinen Nachfolger zu bestimmen, aber es war üblich, dass der scheidende Erzbischof den Premierminister bei der Auswahl seines Nachfolgers beriet. Fisher riet Macmillan nun entschieden davon ab, den damaligen Erzbischof von York, Michael Ramsey, auf den ranghöchsten Bischofssitz der Anglikanischen Kirche zu berufen, und versuchte seinem Urteil mit dem Hinweis Nachdruck zu verleihen, er kenne Ramsey, da er dessen Schulleiter an der renommierten Privatschule Repton gewesen sei. Premierminister Macmillan erwiderte darauf "Sie waren vielleicht Ramseys Schulleiter, aber nicht meiner" – und berief Ramsey.
Leafletting-Fazit
Die 300 Flyer für den Alpha-Kurs in Haselhorst, die ich mir zu verteilen vorgenommen hatte, bin ich bis zum Redaktionsschluss fast vollständig losgeworden; die letzten sechs wollte ich heute eigentlich bei der Gemeinde auf dem Weg (auf dem "Rumpelberg") auslegen, habe dort aber erfahren, dass diese Gemeinde selbst einen Alpha-Kurs veranstaltet, im selben Zeitraum, lediglich donnerstags, während der in Haselhorst montags stattfindet. – Insgesamt würde ich meine Flyerverteilaktion jedenfalls als Erfolg betrachten; daher hier einige Erfahrungswerte zu Nutz und Frommen derjenigen Leser, die vielleicht auch mal solche Werbeaktionen unternehmen möchten:
- Die besten Chancen hat man meiner Erfahrung nach bei kleinen, selbständigen Geschäften bzw. Lokalen, in denen der Inhaber selbst am Tresen steht. ("Klein" bezieht sich hier eher auf die Unternehmensgröße als auf die Ladenfläche, denn Platz brauchen die Läden natürlich schon, um Flyer auslegen zu können.) Schlecht sind die Aussichten hingegen bei Filialen größerer Ketten, denn da haben die Mitarbeiter oft Anweisung "von oben", keinerlei Werbematerial zu akzeptieren. Allerdings gibt es bei Supermärkten wie Edeka und REWE häufig "Schwarze Bretter", an denen Kunden private Kleinanzeigen o.ä. hinterlassen können, und diese kann man i.d.R. auch für Flyer nutzen.
- Den meisten Ladenbetreibern bzw. –mitarbeitern ist es egal, wofür man wirbt: Entweder akzeptieren sie die Flyer unbesehen oder sie lehnen sie genauso unbesehen ab. Kommen doch Nachfragen, habe ich gute Erfahrungen damit gemacht, zu betonen, es handle sich um eine nichtkommerzielle, will sagen: kostenlose Veranstaltung. Ein einziges Mal, nämlich bei einem Kindercafé unweit des U-Bahnhofs Alt-Tegel, habe ich es erlebt, dass die Alpha-Kurs-Flyer explizit deshalb zurückgewiesen wurden, weil es sich um "etwas Christliches" handelte. Ich nehme mal an, dass das auch in mehreren anderen Fällen der Grund dafür war, dass mir nach einem prüfenden Blick auf den Flyer beschieden wurde "Nee, das wollen wir hier nicht"; aber ausdrücklich gesagt wurde es mir nur in diesem einen Fall.
Anekdotisch möchte ich hier noch erwähnen, dass ich auf einer meiner Leafletting-Touren ein kroatisches Restaurant betrat und dort die Chefin mit ihrem Laptop an einem Tisch sitzend antraf – wahrscheinlich machte sie gerade Buchhaltung oder sowas –, und das Laptop-Gehäuse war über und über mit Marienbildern bepflastert. Leider gehörte diese Wirtin zu denen, die das Auslegen von Flyern in ihrem Lokal pauschal ablehnte, ohne auch nur einen Blick darauf zu werfen; denn es hätte mich doch sehr interessiert, ob sie es gut gefunden hätte, dass es sich um "etwas Christliches" handelte, oder gerade nicht, weil es um eine Veranstaltung in einer freikirchlichen Gemeinde ging. Was mich nun wiederum darauf bringt, dass ich mich nach meinem vorigen Wochenbriefing durchaus darauf gefasst gemacht hatte, aus den Reihen meiner Blogleser Kritik daran zu ernten, dass ich auch in mehreren katholischen Kirchen Flyer für diese Veranstaltung einer freikirchlichen Gemeinde ausgelegt habe. Kommentare dieses Inhalts sind bei mir zwar (bisher) nicht bei mir eingegangen, aber ich schätze, das schließt nicht aus, dass der eine oder andere Leser im Stillen etwas derartiges denkt. Wozu ich darauf verweisen möchte, dass der Alpha-Kurs überkonfessionell angelegt ist. Entwickelt wurde das Konzept in einer anglikanischen Gemeinde; in meiner alten Heimat Butjadingen veranstaltet der katholische Pastor (so die ortsübliche Amtsbezeichnung; anderswo würde man "Pfarrvikar" sagen) Alphakurse und stößt damit offenbar auf große Nachfrage. Sicherlich liegt die Annahme nicht fern, dass die jeweiligen Veranstalter den Alphakurs auch zur Mitgliederwerbung für ihre eigene Gemeinde nutzen wollen, aber vorrangig geht es in diesem Kurs darum, die Teilnehmer überhaupt mit Grundfragen des christlichen Glaubens in Kontakt zu bringen; und unter diesem Aspekt denke ich mir: Wer selbst keinen Alpha-Kurs anbietet, sollte sich nicht beschweren, wenn jemand anderes es tut. Wobei: Selber nichts machen wollen, es aber zugleich (und in gewissem Sinne gerade deswegen) anderen zu verübeln, wenn sie etwas machen, ist ja beispielsweise – siehe oben – für den Pfarrer von St. Klara Reinickendorf-Süd ausgesprochen typisch, und man muss wohl davon ausgehen, dass er mit dieser Einstellung nicht ganz allein dasteht. Na, ich will nicht wieder davon anfangen.
Kurz notiert
- Nach dem altersbedingten Rücktritt von Erzbischof Nikola Eterović hat Papst Leo einen neuen Nuntius für Deutschland ernannt: Erzbischof Hubertus van Megen, 64, hat bereits eine längere Karriere im Diplomatischen Dienst des Heiligen Stuhls hinter sich; unter anderem war er schon Nuntius im Sudan, im Südsudan und in Eritrea. Mit Krisengebieten hat er also Erfahrung.
- Die Apostolische Visitation des Zisterzienserklosters Heiligenkreuz ist abgeschlossen, und allem Anschein nach ist nichts besonders Spektakuläres dabei herausgekommen. Das erscheint mir deshalb erwähnenswert, weil sich in der linkstheologischen Bubble im Vorfeld dieser Visitation die Hoffnung geregt hatte, das als erzkonservative Kaderschmiede wahrgenommene Kloster werde gründlich auseinandergenommen werden.
- In Oythe, einem Stadtteil von Vechta, ist am Ostermontag eine über 100 Jahre alte, in Privatbesitz befindliche Marienkapelle abgebrannt; die Polizei geht von Brandstiftung aus.
Geistlicher Impuls der Woche
Der christliche Glaube steht und fällt mit der Wahrheit des Zeugnisses, dass Christus von den Toten auferstanden ist. Wenn man dies wegnimmt, dann kann man aus der christlichen Überlieferung zwar immer noch eine Reihe bedenkenswerter Vorstellungen über Gott und den Menschen, über dessen Sein und Sollen zusammenfügen – eine Art von religiöser Weltanschauung –, aber der christliche Glaube ist tot. Dann war Jesus eine religiöse Persönlichkeit, die gescheitert ist; die auch in ihrem Scheitern groß bleibt, uns zum Nachdenken zwingen kann. Aber er bleibt dann im rein Menschlichen, und seine Autorität reicht so weit, wie uns seine Botschaft einsichtig ist. Er ist kein Maßstab mehr; der Maßstab ist dann nur noch unser eigenes Urteil, das von seinem Erbe auswählt, was uns hilfreich erscheint. Und das bedeutet: Dann sind wir alleingelassen. Unser eigenes Urteil ist die letzte Instanz. Nur wenn Jesus auferstanden ist, ist wirklich Neues geschehen, das die Welt und die Situation des Menschen verändert. Dann wird er der Maßstab, auf den wir uns verlassen können. Denn dann hat Gott sich wirklich gezeigt.
(Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Bd. II)
Ohrwurm der Woche
The Zombies: Time of the Season
Vor einiger Zeit entdeckte ich auf YouTube ein Video, das sich als eine Hitliste "in Vergessenheit geratener" 60er-Jahre-Bands präsentierte – was man indes nicht so wörtlich nehmen sollte, denn da waren auch so bedeutende Gruppen wie die Yardbirds, die Animals und die Hollies dabei; "Bands aus den 60ern, die heute nicht mehr ganz so bekannt sind wie die Beatles, die Rolling Stones oder die Beach Boys" wäre eine zutreffendere Bezeichnung gewesen. Jedenfalls landeten auf Platz 1 dieser Hitliste die Zombies – vorrangig dank ihres Psychedelic-Pop-Juwels "Time of the Season", das betrüblicherweise erst veröffentlicht wurde, als die Band sich bereits aufgelöst hatte (1968). Als ich die besagte YouTube-Doku sah, war allerdings noch tiefster Winter, sonst hätte ich diesen Song eventuell schon früher zum Ohrwurm der Woche erkoren. Aber so allmählich passt er zum Wetter...
Vorschau/Ausblick
Heute haben Frau und Kinder einen Ausflug in den Zoo unternommen und ich hatte sozusagen "frei", abgesehen von häuslichen Verpflichtungen wie Wochenendeinkauf und Kaffeemaschine entkalken. Morgen ist Weißer Sonntag bzw. Barmherzigkeitssonntag, da werden wir wohl wieder "ganz normal" in St. Joseph Siemensstadt in die Messe gehen; und dann gehen Schule, Arbeit und KiTa wieder los (wenn ich richtig gezählt habe, sind es 58 Arbeitstage bis zu den Sommerferien). Am Montag beginnt in der EFG The Rock Christuskirche der Alpha-Kurs, für den ich so kräftig die Werbetrommel gerührt habe. Dabei sein werde ich zwar nicht, sondern unterstütze die Veranstaltung lediglich indirekt, indem ich meine Kinder allein ins Bett bringe; aber umso gespannter bin ich, was meine Liebste hinterher zu berichten haben wird. Am Dienstag findet in der Gemeinde auf dem Weg – auf dem "Rumpelberg", wie wir immer gern sagen – eine Veranstaltung unter dem Motto "Unmöglich ist keine Option" statt, mit Ben Fitzgerald von "Awakening Europe" als einem der Hauptredner. An Ben Fitzgerald habe ich sehr positive Erinnerungen von meiner ersten MEHR-Konferenz im Januar 2017; nebenbei bemerkt wird er zehnmal in Maria Hinsenkamps Dissertation "Visionen eines neuen Christentums" erwähnt und kann somit wohl als namhafter Vertreter der "KiNC"-Bewegung gelten. Am Mittwoch ist wohl wieder JAM; am Donnerstag hat meine Tochter Namenstag, in welcher Form wir diesen begehen werden, ist aber noch nicht ganz klar. Irgendwann in der kommenden Woche müsste man außerdem wohl eine Vorbesprechung für den nächsten KiWoGo (am Dreifaltigkeitssonntag!) einplanen, aber vielleicht kann man das auch per Mail oder Zoom erledigen. – Und am nächsten Samstag findet mal wieder ziemlich viel auf einmal statt: Die KPE-Wölflinge in Schöneberg haben ihr erstes Meutentreffen nach den Ferien, und da es insgesamt nur noch vier Treffen vor dem Frühlingslager sind, möchte ich gern, dass meine Tochter da hingeht; allerdings kann ich sie nicht hinbringen, da ich zu einem Männereinkehrtag im Kloster Neuzelle gehen will (das habe ich zuletzt vor sechs Jahren gemacht, unmittelbar vor dem ersten Corona-Lockdown). Gleichzeitig ist der Jüngste zum Geburtstag eines Freundes eingeladen (den er letztes Jahr beim Kinderfasching kennengelernt hat). Da müssen wir mal schauen, wie wir das alles unter einen Hut kriegen...






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