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Montag, 14. Oktober 2019

Kaffee & Laudes - Das Wochen-Briefing (28. Woche im Jahreskreis)

Was bisher geschah: Die zurückliegende Woche begann mit einem opulenten Frühstücksbuffet im Großen Speisesaal der Abtei Rolduc. Hach. Ein Land, in dem Schokoflocken und Hagelzucker mit Fruchtgeschmack als legitimer Brotbelag und Mini-Marshmallows und Smarties als legitime Müsli-Zutaten gelten, muss ziemlich nah am Paradies liegen. Nach dem Frühstück wurden wir vom Pfarrer der Herzogenrather Pfarrei St. Gertrud zu einem kleinen Ausflug nach Aachen abgeholt. Wir besichtigten den Dom und die Domschatzkammer, bekamen eine Auswahl Original-Aachener Printen verehrt und aßen zusammen mit einem sehr sympathischen, mit dem Pfarrer befreundeten Ehepaar bei "Aachens bestem Italiener" (ein echter Geheimtipp, denn das Lokal sieht, mit Verlaub gesagt, nicht danach aus) zu Mittag.  Am Nachmittag hatten wir etwas Zeit zum Ausruhen, und am Abend ging es in Herzogenrath erst einmal zur Heiligen Messe (außerordentliche Form) in St. Marien, dann zum #BenOp-Vortrag im Pfarrsaal von St. Gertrud. Mit etwa 65 Besuchern war der Saal recht ordentlich gefüllt, jedenfalls war es einer der am besten besuchten meiner bisherigen #BenOp-Vorträge, Bonifatius TV zeichnete die Veranstaltung auf, ein paar Freunde und Bloggerkollegen waren auch im Publikum, und anschließend gab es noch gemütliches Beisammensein bei Wein, Bier und Schnittchen. -- Aus allerlei Gesprächen konnte man den Eindruck gewinnen, dass im Bistum Aachen und überhaupt im Westen Deutschlands derart katastrophale Zustände herrschen, dass im direkten Vergleich dazu die katholische Welt in der ostdeutschen Diaspora noch halbwegs in Ordnung zu sein scheint; aber die Pfarrei St. Gertrud in Herzogenrath ist unverkennbar eine Oase in der Wüste. Ein besonderes Mitbringsel aus dieser Oase, das uns noch von großem Nutzen sein dürfte, ist eine Mappe mit Materialien für den Erstkommunionunterricht; ich werde noch darauf zurückkommen. -- Am Dienstag hatten wir, da wir für die Rückreise nach Berlin eine Fahrt mit Zugbindung gebucht hatten und der betreffende Zug erst am späten Nachmittag fuhr, mehrere Stunden Aufenthalt in Düsseldorf und verbrachten diese Zeit größtenteils in der "Kinderlounge" der Bahnhofsmission. Sehr zu empfehlen! Für Unruhe sorgten Durchsagen, aus denen hervorging, dass wegen einer herrenlosen Reisetasche im Wartebereich eines Bahnsteigs erst dieser und dann auch noch die beiden benachbarten Bahnsteige polizeilich gesperrt wurden; der Bahnhof wurde jedoch nicht evakuiert, und ehe unser Zug kam, war die Sperrung schon wieder aufgehoben. -- Am Mittwoch kam mein Neffe zu Besuch, quasi auf der Durchreise, denn am nächsten Morgen musste er schon in aller Frühe zu einer Konferenz nach Bamberg aufbrechen. Via Facebook war ich darauf aufmerksam geworden, dass am Abend das Berlinprojekt - eine hippe, urbane, "niederschwellige" Freikirche, ich erwähnte sie neulich schon mal - ein Community Dinner veranstaltete, und da dachte ich, da könnte man ja mal zusammen hingehen, wäre sicher interessant und vielleicht auch nett. Tja. Durch allerlei Verwicklungen kamen wir von vornherein eine halbe Stunde zu spät zu Hause los, und als wir die Location - eine ehemalige (?) Galerie in Prenzlauer Berg - erreichten, stellten wir fest, dass wir mangels Barrierefreiheit keine Chance hatten, mit einem Kinderwagen da 'reinzukommen, und außerdem war es sowieso viel zu voll. Der ziemlich kleine Raum war bis zum Bersten vollgestopft mit Tischen, Hockern und jungen, attraktiven Menschen, im Hintergrund lief Fatboy Slim oder sowas Ähnliches. Ich glaube, selbst ohne Kind hätte ich mich da nicht 'reinquetschen können oder wollen. Trotzdem muss ich zugeben, ein bisschen beneide ich das Berlinprojekt um sein Publikum. Und es ist eine durchaus ernstzunehmende Frage, warum "richtige" Kirchen sich so schwer damit tun, solche Leute zu erreichen. Aber das müsste man an anderer Stelle mal ausführlicher erörtern. Am Freitag unternahm ich mit dem Kind im Bollerwagen eine überaus erfolgreiche Büchertour, über deren Erträge ich noch gesondert werde berichten müssen;  am Samstag ging's mit Frau und Kind in den Zoo, die neuen Panda-Babys bewundern, und am Sonntag unternahmen wir mit meinen Schwiegermüttern einen Ausflug zum Spargelhof Kremmen. Die Mitarbeiterin, die uns dort das Mittagessen  servierte, entpuppte sich als Teilnehmerin des ersten Firmkurs-Moduls meiner Liebsten vor knapp eineinhalb Jahren; offenbar hat sie es in positiver Erinnerung behalten. Nach diesem ereignisreichen - schönen, aber auch anstrengenden - Wochenende stellt sich nun allerdings die Frage, wann ich mich eigentlich mal erholen soll... 


Was ansteht: Die Liebste hat Ferien und hat dies zum Anlass genommen, sich für diese Woche zu ganzen vier Foodsaving-Aktionen anzumelden. Sportlich! Derweil werde ich wohl einiges an Zeit in das Büchereiprojekt investieren müssen, denn im Gemeindehaus stehen, wie ich gestern erfahren habe, ganze vier Umzugskartons voller neu eingetroffener Bücherspenden herum und wollen gesichtet werden. Zu hoffen bleibt, dass meine Liebste und ich außerdem noch Zeit finden, gemeinsam ein paar Dinge in Angriff zu nehmen, die man im gemeinen Alltag sonst nicht schafft. Im Baumhaus ist derweil die ganze Woche "Emergent Berlin Festival", da könnte man durchaus mal hin; für Freitag ist eine Lokalausschusssitzung anberaumt, und am Samstag ist wieder Krabbelbrunch. Ansonsten bleibt abzuwarten, was die Woche noch so bringt...


aktuelle Lektüre: Meine bisherige Leseliste habe ich am Donnerstag abschließen können und bin recht froh darüber, denn drei der fünf Bücher haben mich doch sehr genervt; keine gute Quote, wie ich finde. Aber mal der Reihe nach: Das eine der zwei Bücher, die mich nicht genervt haben, ist Graham Greenes "Die Reisen mit meiner Tante"; das ist ein durchweg unterhaltsames Stück Lektüre und wird zum Ende hin sogar richtig spannend, allerdings bleibe ich bei meiner Einschätzung, dass es sich nicht für eine Pfarrbücherei eignet. Das hat, wie schon vorige Woche angemerkt, nicht unwesentlich mit dem zutiefst zwiespältigen Verhältnis des Autors zum Katholizismus zu tun. Die schon in der ersten Hälfte des Romans sehr präsenten pointierten Äußerungen zu religiösen Themen nehmen in der zweiten Hälfte noch deutlich zu. Zum Teil sind die Seitenhiebe, die der Autor verteilt,  wirklich witzig; so etwa, wenn es in einem maschinengeschriebenen, von Tippfehlern wimmelnden Brief heißt "Die einzige Kirche in der Nähe ist niederländisch deformiert", wozu der Ich-Erzähler anmerkt: "Das Wort 'deformiert' allerdings hatte sie korrigiert, vielleicht, weil ich es sonst als bewußte Unfreundlichkeit hätte auslegen können" (S. 135); oder wenn der ehemalige Kriegsgewinnler Visconti meint, der Borgia-Papst Alexander VI. habe eine gewisse Ähnlichkeit mit "meinem Gönner, dem weiland Reichsmarschall Göring" gehabt (S. 233). Davon abgesehen gefällt mir dieser Visconti aber gar nicht. "Skepsis ist dem Katholiken angeboren", erklärt er auf S. 228 süffisant, und auf S. 252: "Jeder Katholik weiß, daß eine Legende, die man glaubt, denselben Wert und dieselbe Wirkung hat wie die Wahrheit. Denken Sie an den Heiligenkult." Woran er in Wirklichkeit glaubt, führt er auf S. 237 aus: "Für den Fall, daß einige Modelle versagen, hat Gott, wenigstens wie ich ihn mir vorstelle, eine Reihe von Möglichkeiten geschaffen -- das ist der Sinn der Evolution. Manche Spezies überleben, andere sterben aus." Kurz, er ist ein typischer "schlechter Katholik", der sich seine eigene Phantasiereligion zusammengebastelt hat und sich darin den "einfachen Gläubigen" überlegen wähnt; und just darin gleicht ihm Tante Augusta augenfällig: Auf die Frage ihres Neffen "Bist du wirklich Katholikin?" antwortet sie "prompt und ernsthaft": "Natürlich, mein Lieber, nur glaube ich nicht an alles, an das die glauben" (S. 145).

Des Ich-Erzählers eigene religiöse Einstellung hebt sich davon auch nicht gerade positiv ab: Er geht zwar alljährlich zum anglikanischen Heiligabendgottesdienst, jedoch nur, weil er "die poetischeren Seiten des Christentums" schätzt (S. 164). Gleichwohl fühlt er sich berechtigt, an der Kommunion teilzunehmen: "Die Anglikanische Kirche schließt niemanden aus: Die Kommunion dient der Erinnerung an das heilige Abendmahl, und ich hatte genausoviel Recht, mich einer schönen Legende zu erinnern wie jeder wahre Gläubige." (S. 166) Es steht zu befürchten, dass eine solche Auffassung über die Kommunion heutzutage weit verbreitet ist, auch unter nominellen Katholiken.

Um meine Besprechung dieses Buches aber nicht mit einer so negativen Note enden zu lassen, möchte ich zum Ausklang noch ein wirklich schönes und, wie ich finde, durchaus charakteristisches Zitat bringen:
"Unser Leben, meine ich mitunter, wird mehr von Büchern als von Menschen bestimmt: aus Büchern lernen wir von Liebe und Schmerz, sozusagen aus zweiter Hand. Selbst wenn es das Glück will, daß wir lieben, dann geschieht das nur, weil uns geformt hat, was wir gelesen haben, und wenn ich nie geliebt habe, so vielleicht deshalb, weil die Bibliothek meines Vaters nicht die richtigen Bücher enthielt." (S. 194)  
Fazit: Ich behalte das Buch privat und bin auch gern bereit, es privat zu verleihen -- an Personen, die ich für ausreichend charakterlich gefestigt halte, um sich davon nicht negativ beeinflussen zu lassen.

Mit Antoine de Saint-Exupérys "Nachtflug" bin ich bis zum Schluss nicht warm geworden, wenngleich ich anerkennen muss, dass ich in der zweiten Hälfte des Buches sowohl interessantere als auch schönere Passagen entdeckt habe, als ich nach dem ersten Eindruck vermutet hätte.  Recht bemerkenswert fand ich eine Reflexionspassage, in der der Flugdirektor Rivière seine Arbeit mit dem "ewige[n] Kampf des Gärtners um seinen Rasen" vergleicht:
"Kraft seiner bloßen Hand treibt er den Urwald in die Erde zurück, die jeden Augenblick bereit wäre, ihn emporwuchern zu lassen" (S. 81f.). 
Okay, mit Gartenmetaphern kann ich was anfangen. Andererseits: Wer will schon einen Rasen? Rasen ist langweilig! -- Noch bezeichnender wird's, als Rivière fortfährt:
"Angst hat man nur vor dem Geheimnisvollen. Es darf nichts Geheimnisvolles mehr geben. Es müssen Menschen hinuntergestiegen sein in diesen dunklen Brunnen, und wenn man sie fragt: Was ist euch begegnet?, so müssen sie sagen können: Nichts." (S. 82) 
Hier sieht man: Rivières erbarmungsloser, buchstäblich über Leichen gehender Kampf um die Durchsetzung des Nachtflugbetriebs fußt auf einer atheistischen, im Grunde sogar satanischen Weltanschauung. Sein "non serviam", seine Weigerung, eine höhere Macht anzuerkennen, qualifiziert ihn zum Technokraten und könnte ihn gegebenenfalls auch zum Faschisten oder wahlweise zum Stalinisten qualifizieren. Mir fällt dabei unwillkürlich Gagarins Raumflug ein, der ja auch in Neutschs "Spur der Steine" abgefeiert wird und dessen Erfolg in erster Linie ein propagandistischer war: ein Triumph der Machbarkeit über das Mysterium. Rein assoziativ kommt mir in diesem Zusammenhang auch Schillers Ballade "Das verschleierte Bild zu Saïs" (1795) in den Sinn ("Kein Sterblicher, sprach des Orakels Mund, / Rückt diesen Schleier, bis ich selbst ihn hebe"), bzw. mehr noch Novalis' Erwiderung darauf in seinem Romanfragment "Die Lehrlinge zu Saïs" (1798/99), wo es heißt "[W]enn kein Sterblicher, nach jener Inschrift dort, den Schleier hebt, so müssen wir Unsterbliche zu werden suchen; wer ihn nicht heben will, ist kein echter Lehrling zu Sais"; aber das müsste man wohl mal an anderer Stelle vertiefen. Unklar bleibt jedenfalls, ob Saint-Exupéry den totalitären Pragmatismus Rivières kritisieren oder preisen will; André Gide hat diese Frage in seinem Vorwort im Sinne des Preisens beantwortet, aber gleichwohl bleibt eine kritische Lesart möglich. Wie erwähnt, befindet sich bereits ein Exemplar des Romans im Büchereiregal, und bis auf Weiteres erscheint es mir vertretbar, dass es dort bleibt.

Von Hermann Kochs "Flieg, Friedenstaube" hatte ich ja im zweiten Viertel den Eindruck, es sei, wenn auch stilistisch schwer zu ertragen, inhaltlich auf einem ganz guten Weg, aber das hat sich als Irrtum erwiesen: Das Buch wird, wie es eine mir nicht näher bekannte Österreicherin mal formuliert hat, "länger wie blöder". Hin und wieder möchte man den Autor bei den Schultern packen und unsanft schütteln. Auf S. 461-466 dichtet er dem sterbenden Jesaja eine unsäglich kitschige letzte Vision an, in der Glaube, Hoffnung, Unglaube und Verzweiflung als allegorische Frauenfiguren auftreten; da der Prophet darüber stirbt, kann er diese Vision glücklicherweise nicht mehr für die Nachwelt festhalten, aber unglücklicherweise nimmt Hermann Koch ihm das ab. Es folgt ein Zeitsprung  über gut 700 Jahre, und nun wird auf weiteren 60 Seiten Jesus als derjenige in Szene gesetzt, der die Verheißungen Jesajas erfüllt. Erzählt wird dieser letzte Abschnitt aus der Perspektive des zunächst blinden, dann von Jesus geheilten Bartimäus, der im Roman ein leiblicher Nachfahre Jesajas ist und dessen Gitarre geerbt hat. Das Ganze ist in einem Maße unfreiwillig komisch, das auf hochgradige Humorresistenz beim Autor schließen lässt. Ein Paradebeispiel für den grässlichen Religionspädagogen-Sprech, den Koch Personen aus biblischer Zeit in den Mund legt, findet sich auf S. 486, wo er den bekehrten Zöllner Levi alias Matthäus sagen lässt: "Was da geschah, in dieser Tischgemeinschaft, das habe ich zunächst in seiner Tiefe nicht begriffen." Würg! Gleich anschließend erzählt Levi das Gleichnis vom Verlorenen Sohn, und zwar im Wortlaut der Lutherbibel-Ausgabe von 1912. Man mag sich fragen, wie es dann wohl kommt, dass dieses Gleichnis gar nicht im Matthäus-, sondern nur im Lukasevangelium steht, aber okay...

Immerhin, ein paar Stellen gibt's, die mir gefallen; so zum Beispiel eine über den Hohenpriester Kaiphas, die mich an gewisse heutige Bischöfe denken lässt:
"Kaiphas hatte sein Amt als Oberpriester vor einigen Jahren noch mit jugendlicher Frömmigkeit angetreten. Doch diese Haltung von einst war immer mehr dem Ehrgeiz und dem Geschäftssinn gewichen. Er hatte sich inzwischen seine eigene 'Realtheologie' zugelegt" (S. 502). 
Aber alles in allem sind ein paar interessante Passagen und Denkanstöße einfach nicht genug für einen inklusive Anhang über 550 Seiten langen Roman. Für die Kategorie "Giftschrank" ist er wiederum inhaltlich nicht verwerflich genug. Ich schätze, ich werde ihn bei der nächsten Büchertour einfach irgendwo stehen lassen. Vielleicht findet das Buch ja auf diese Weise noch mal einen Leser, für den es gut (oder jedenfalls brauchbar) ist.

"Jane Eyre" von Charlotte Brontë ist, man ahnt es schon, das andere Buch, das mich nicht genervt hat. Ähnlich wie "Die Reisen mit meiner Tante" gewinnt auch dieses Buch in der zweiten Hälfte noch beträchtlich an Spannung und "drive"; und auch hier nehmen in der zweiten Hälfte die religiösen Unter- bzw. Obertöne zu. Man sollte schließlich nicht vergessen, dass die Brontë-Schwestern Pastorentöchter waren.

Dass die ausgesprochen unsympathische Eliza Reed sich nach dem Tod ihrer Mutter "eine Zeitlang der Prüfung der römisch-katholischen Dogmen widmen und vielleicht zu diesem Glauben übertreten und den Schleier nehmen" will (S. 192) - was Jane mit den Worten kommentiert "Ich zeigte keine Überraschung über diesen Entschluß und versuchte auch nicht, sie davon abzubringen" (ebd.) -, ist kaum mehr als eine Randbemerkung, aber nicht uninteressant, wenn man bedenkt, dass eine Konversion zum Katholizismus im damaligen England gesellschaftliche Ächtung und den Verlust bestimmter staatsbürgerlicher Rechte mit sich brachte.  Weitaus bemerkenswerter scheint es mir, dass Jane im Vorfeld ihrer vereitelten Heirat mit Rochester bekennt "Ich sah Gott nicht mehr, ich sah nur noch den Menschen [...], den ich mir zum Abgott gemacht hatte" (S. 220) -- und damit gewissermaßen eine moraltheologische Erklärung dafür liefert, warum ihr das so nahe geglaubte Glück in diesem Moment wieder durch die Finger rinnt. Es ist ja unschwer vorstellbar, dass moderne Leser angesichts der geplatzten Hochzeit zwischen Jane und Rochester auf die Idee kommen könnten, zu schlussfolgern "Na, ein Glück, dass man sich heutzutage scheiden lassen kann"; aber es wird im Grunde deutlich genug, dass Jane selbst, und somit wohl auch die Autorin, mit dieser Lesart nicht einverstanden wäre. Der Mahnung des Geistlichen, "daß jede Ehe, die anders als nach Gottes Wort geschlossen ist, vor Gott und den Menschen nicht besteht" (S. 231), stimmt sie offenkundig zu -- und betont: "Gottes Gebote [...] waren nicht für die Zeiten, da es keine Versuchungen gab, aufgestellt: sie waren für Augenblicke wie diesen, da Körper und Seele sich auflehnten gegen ihre Strenge" (S. 253). Eine sehr starke Passage! "Gott hatte mich die rechte Wahl treffen lassen, Seine Vorsehung lenkte mich", erkennt Jane rückblickend (S. 277); und bei ihrem Wiedersehen mit dem mittlerweile verwitweten Rochester beschreibt auch dieser den Reifungsprozess, den er inzwischen durchgemacht hat, als eine Art Bekehrung: "[M]it einem Schlag zerschmetterte Gott meinen Stolz für immer. Ich erkannte seine Hand in meinem Schicksal, Reue erfaßte mich und tiefe Sehnsucht, mich meinem Schöpfer zu versöhnen. Ich fing an zu beten" (S. 341).

Was schließlich den Landpfarrer und späteren Missionar St. John Rivers betrifft, äußert Jane zwar Kritik an dessen Hang zu "calvinistische[n] Doktrinen" (S. 272), spricht ansonsten aber mit großer Zuneigung und sogar Hochachtung über ihn, wohingegen der heutige säkular geprägte Leser wohl kaum anders könnte, als einen manipulativen, soziopathischen Fanatiker in ihm zu sehen. Ich kenne keine der neueren Verfilmungen von "Jane Eyre", aber es würde mich überhaupt nicht wundern, wenn Reverend Rivers darin eine entschieden negative Figur wäre.

Der promovierte Literaturwissenschaftler in mir findet den Handlungsstrang um Rochesters erste Frau Bertha - wenngleich dieser, ungeachtet seiner Bedeutung für die Gesamthandlung, weniger Raum einnimmt, als ich erwartet hätte - auch aus stoff- bzw. motivgeschichtlicher Sicht äußerst interessant: Einerseits verweist dieser Handlungsstrang nämlich auf den Einfluss der Gothic Novel - die auf dem Dachboden eingesperrte Wahnsinnige ist gewissermaßen ein säkularisiertes Gespenst -, gleichzeitig und andererseits ist er aber ausgesprochen modern, denn in Berthas Familiengeschichte - "Schwachsinnige und Tollhäusler durch drei Generationen hindurch" (S. 234) - spiegelt sich das ausgeprägte zeitgenössische Interesse an Vererbungsfragen wider, insbesondere an Degeneration, dem bösen Zwilling der Evolution. Dass Berthas Geisteskrankheit zumindest assoziativ-unterschwellig auch mit ihrer kreolischen Abstammung in Zusammenhang gebracht wird, ist natürlich irgendwie rassistisch, entspricht darin aber ganz dem einschlägigen Diskurs der Zeit -- wie man etwa in Leslie Fiedlers Standardwerk "Love and Death in the American Novel" (definitive Leseempfehlung!) nachlesen kann:
"The black woman is typically Catholic or Jew, Latin or Oriental or Negro. Wherever the Dark Lady plays a serious role in our literature, she is likely to represent either our relationship with the enslaved Africa in our midst or with the Mediterranean Europe from which our culture began; she is surrogate for all the Otherness against which an Anglo-Saxon world attempts to define itself and a Protestant one to justify its existence" (S. 301).
Auf eine ganz eigene Art bezeichnend ist das fünfeinhalb Seiten lange Nachwort von Peter Krumme, das dem außen auf das in der Ullstein-Reihe "Die Frau in der Literatur" erschienene Taschenbuch aufgedruckten Werbetext, der den emanzipatorischen Charakter dieses Romans betont, geradewegs widerspricht. Mit Janes christlicher Tugend kann Nachwortautor Krumme indes erst recht nichts anfangen, er sieht darin bloß ein Kennzeichen des "masochistischen Charakters" (S. 351) und des Verhaftetseins in der "Moral des viktorianischen Zeitalters" (S. 348). Ich würde sagen, diese Einschätzung wird der Romanheldin ja nun gar nicht gerecht, aber um darauf näher einzugehen, ist hier wohl nicht ganz der Platz. Jedenfalls denke ich, diesen Roman kann man wohl getrost ins Büchereiregal aufnehmen.

Was schließlich das Buch "Islam in Deutschland" von Silke Fauzi betrifft, hat meine Einschätzung zu der Frage "Was soll man nun mit diesem Buch machen?" in der zurückliegenden Woche allerlei Wendungen und Windungen durchgemacht. Schlecht fand ich es zwar die ganze Zeit, aber wie man ja z.B. auch an "Flieg, Friedenstaube" sieht, gibt es ja durchaus unterschiedliche Kategorien von "schlecht". Die Abschnitte, in denen es um politische und juristische Auseinandersetzungen über Themen wie "Die Kopftuchfrage", "Unterrichtsbefreiung muslimischer Mädchen", "Islamunterricht" und "Schächten" geht (ca. S. 92-110), fand ich nämlich teilweise durchaus interessant und #BenOp-relevant, nämlich insofern, als sie einerseits erahnen lassen, was gläubigen Christen in der Auseinandersetzung mit dem säkularen Staat und der säkularen Gesellschaft noch so alles blühen könnte, und andererseits eben auch zeigen, wie geschickt islamische Verbände in solchen Auseinandersetzungen ihre Position vertreten -- wovon #BenOp-Communities zweifellos eine Menge lernen können. Zuweilen muss man dabei allerdings ziemlich um die Ecke denken. So äußert die Autorin im Zusammenhang mit Bedenken gegen einen islamischen Religionsunterricht: "Und welch merkwürdige Furcht herrscht vor der verschlossenen Klassentür, dass dahinter eine Art Gehirnwäsche an den Schülerinnen und Schülern befürchtet wird?" (S. 94). Da sag ich mal einfach nur: Tja. -- Im selben Zusammenhang wird gegen einen "bekenntnisneutrale[n] Religionsunterricht" eingewandt, dieser berge "die Gefahr, die 'religiöse Mittelschicht' auszumerzen. [...] Nur Familien mit einer bewusst gelebten Religiosität werden darauf achten, ihren Kindern andere Wege der religiösen Bildung zu eröffnen" (S. 100); da sind wir wieder bei Pastor Kurowski und dem Lob der Volkskirche als Garantin religiöser Mittelmäßigkeit. Man darf, so lautet das Argument, die Religion nicht den sehr Religiösen überlassen.

Das leitet übrigens recht gut über dazu, was mich an diesem Buch bei fortschreitender Lektüre zunehmend fassungslos gemacht hat: nämlich, mit welcher arroganten Selbstverständlichkeit manche darin zu Wort kommenden Stimmen (zu denen tendenziell wohl auch die Autorin selbst gehört) voraussetzen, die Anhänger einer Religion hätten sich gegenüber der säkularen Gesellschaft bzw. dem säkularen Staat für ihren Glauben zu rechtfertigen. Zu den Schlimmsten von dieser Sorte gehört - neben dem selbsternannten "Schöpfer der Idee Euro-Islam" (S. 194), Bassam Tibi - der vermeintlich so harmlos-biedere Grünen-Politiker Cem Özdemir -- der übrigens gleich in seiner ersten Antwort auf eine Interviewfrage den Islamismus mit "evangelikalen Kreisen innerhalb des Christentums" vergleicht (S. 113); da weiß man doch gleich, woran man ist. Auf die Frage, ob es für ihn "vorstellbar" wäre, "dass eine Frau mit Kopftuch an einer deutschen Schule unterrichtet", antwortet er:
"Das wäre mir ungefähr so egal, wie wenn die Person eine Kippa auf dem Kopf hat oder ein Kreuz um den Hals, solange es nicht missbraucht [!] wird, um zu missionieren" (S. 121). 
Okay, zum Missionsbegriff kommen wir noch; davon abgesehen mag man dieses Statement ja einigermaßen fair finden. Die Maske fallen lässt er an anderer Stelle:
"Wer mitdiskutieren möchte, über die Frage des Religionsunterrichts oder über andere Fragen, der muss bereit sein, die Spielregeln dieser Gesellschaft zu übernehmen - und was das ist, ist ja relativ klar: Säkularismus." (S. 113) 
Ganz schön heftig, mit welcher Nonchalance Özdemir hier den Säkularismus zur Staatsdoktrin erklärt und dekretiert, wer das nicht akzeptiere, dürfe über Fragen des Verhältnisses zwischen Staat und Religion(en) nicht einmal mitdiskutieren. Man könnte ihm womöglich zugute halten, dass er sich einfach unglücklich ausgedrückt hat oder nicht weiß, dass es zwischen "säkular" und "säkularistisch" einen Unterschied gibt, aber überzeugt uns das? Ich persönlich gehe jedenfalls davon aus, dass Cem Özdemir weder so dumm ist, wie er tut, noch so intelligent, wie er glaubt. -- Aber auch ein Günther Beckstein (CSU) erklärt in der "Tacheles"-Talkrunde vollmundig:
"Wir müssen zu einem Euro-Islam kommen. Der Islam muss sich einer historisch-kritischen Forschung stellen und die Aufklärung erleben, die wir im Christentum gehabt haben." (S. 188) 
Und so jemand gilt als konservativ! Am vernünftigsten unter den Teilnehmern der Talkrunde, die im Buch alle auch einzeln interviewt werden, erscheint mir bezeichnenderweise Ali Kızılkaya, der damalige Vorsitzende des Islamrats für die Bundesrepublik Deutschland und frühere Generalsekretär der Islamischen Gemeinschaft Millî GörüşBezüglich des immer wieder auftretenden Verdachts, gewisse Islamverbände gäben sich nur nach außen hin verfassungstreu, verträten nach innen aber ein fundamentalistisches Religionsverständnis, verweist Kızılkaya auf ein "türkisches Sprichwort":
"[W]er nicht so lebt, wie er glaubt, der glaubt, wie er lebt. Das heißt, wenn einer vierzig Jahre lang etwas vormacht, dann glaubt er das schließlich. Wenn er denn überhaupt etwas vorgemacht hat." (S. 149)
Das scheint mir eine profunde und ausgesprochen #BenOp-relevante Aussage! -- Übrigens werden im Buch mehrfach Bestrebungen erwähnt, die Millî Görüş in Deutschland zu verbieten; das finde ich nicht uninteressant, zumal die Moschee in Einswarden, dem "Problemstadtteil" meines Heimatstädtchens Nordenham, von diesem Verband betrieben wird.

Letztendlich geht es mir hier allerdings (was einige meiner Leser sicherlich schon gemerkt haben werden) gar nicht so sehr um den Islam, sondern weit mehr darum, was für eine Sicht auf das Christentum sich aus den Aussagen des Buches zum Islam extrapolieren lässt. Dazu habe ich ja vorige Woche schon ein bisschen was gesagt, aber weiter hinten im Buch wird es immer schlimmer. So wird dem Islam vorgehalten, er "kenne zum Beispiel keine sexuelle Befreiung" (S. 157), oder es ist von einer "Entwicklung des Christentums von der Kreuzzugsreligion zum Sammelbecken pazifistischer Bewegungen" die Rede (S. 176). Insgesamt wird der Eindruck erweckt, das Christentum als Ganzes habe sich mit der Säkularisation nicht nur abgefunden, sondern erkenne sie sogar als einen positiven Wert an, und daran solle sich der Islam gefälligst ein Beispiel nehmen. Was er, beispielsweise in Gestalt des ägyptischen Muftis Ahmed El-Tayeb, anscheinend auch tut: "Ich habe jetzt erst begriffen, dass die Trennung von Religion und Politik einen Schutz der Glaubensfreiheit bedeutet", gibt er anlässlich einer Reise nach Deutschland zu Protokoll. "Früher habe ich das als Ablösung der Religion aus dem Leben verstanden" (S. 156). Der Witz daran ist allerdings, dass El-Tayeb vom ägyptischen Präsidenten Mubarak zum Mufti ernannt wurde, nachdem sein Vorgänger sich zu sehr "von der offiziellen Regierungslinie entfernt hatte" (ebd.). Und der redet nun von Trennung von Staat und Religion! Ziemlich doll lachen musste ich bei der Aussage "Die protestantische Kirche versteht sich schon lange nicht mehr als die 'allein selig Machende'" (S. 176) -- denn das war sie schließlich nie! Ansonsten ist der Abschnitt über den "Dialog der Religionen" (S.154-177) allerdings eher nicht zum Lachen. "Jemanden missionieren zu wollen hat für viele Christen aus den Erfahrungen der Geschichte einen außerordentlich üblen Beigeschmack", heißt es etwa auf S. 161; und das, so soll es der Leser offenkundig verstehen, ist auch gut so, denn: "Die Absage an missionarische Ambitionen ist im Dialog der Religionen notwendige Voraussetzung für das Gelingen des Gesprächs." (S. 163) Endgültig als Fall für den Giftschrank erweist sich das Buch, wenn es einem evangelischen Theologen namens Reinhard Leuze das Wort erteilt, der etwa erklärt, "[e]s sei zwar ein und derselbe Gott, der sich den Juden, Christen und Muslimen offenbart habe. Zugleich seien die Offenbarungen aber so verschieden, dass man Gottes Freiheit und Souveränität darin erkennen müsse, dass er sich nicht allen Menschen als der gleiche Gott offenbare" (S. 165). Wie  bitte? Falls man noch im Zweifel ist, was man davon nun halten soll, wird Leuze an späterer Stelle noch deutlicher: "Der Koran ist nicht nur heilige Schrift einer anderen Religion; er ist Offenbarungsurkunde des einen Gottes, den wir als den Gott Jesu Christi verehren" (S. 170). Dem zur Entstehungszeit des Buches bereits verstorbenen iranischen Religionswissenschaftler Abdoldjavad Falaturi wird die Aussage zugeschrieben,
"[w]er aus Überzeugung und im Bewusstsein seiner Verantwortung seine Religion vertrete, erkenne in exklusiven Wahrheitsansprüchen eine unzulässige Bevormundung Gottes. Die Vorstellung von alleiniger Seligkeit für die Anhänger des eigenen Glaubens und von Verdammnis für alle anderen sei nichts als eine egozentrische Einengung der göttlichen Liebe und Barmherzigkeit." (S.166f.) 
Also echt mal, was für ein Scheiß. Auf S. 172 wird zu allem Übel auch noch Hans Küng zitiert; nochmals fällt dieser Name in einem Interview mit Bassam Tibi, als Anschauungsbeispiel dafür, dass Religionskritik im christlichen Kontext weniger gefährlich sei als im islamischen:
"Wenn Sie als Christ abweichende Positionen haben, kann man Sie ausgrenzen, wie es Hans Küng passiert ist, aber er hat seinen Lehrstuhl behalten, ist anerkannt als Christ. Und er ist am Leben." (S. 196) 
Nun gut: Dass Küng am Leben ist, das wollen wir ihm gern gönnen, auch wenn er selbst schon mal angedeutet hat, dass er durchaus an den Punkt kommen könnte, das lieber nicht mehr sein zu wollen. Aber "anerkannt als Christ"? Von wem? Von mir jedenfalls nicht!

Abschließend will ich aber noch einen Satz zitieren, den ich gerade aus #BenOp-Sicht recht interessant finde und auf dem ich immer noch herumkaue: "Interessenvertretung in einer Demokratie ist notwendigerweise immer politisch" (S. 125). Da frage ich mich: Stimmt das? Und wenn ja, ist es dann wirklich spezifisch für Demokratien? Was für ein Politikbegriff liegt dieser Aussage zugrunde? Das muss wohl noch zu Ende gedacht werden.

Kurz und gut, da das Buch ja durchaus seine - wenn auch eher "unfreiwillig" - interessanten Aspekte hat, landet es nicht in der Blauen Tonne, sondern ich behalte es vorläufig privat. Auf längere Sicht wäre vielleicht mal über eine "geschlossene Abteilung" der Pfarrbücherei nachzudenken, wo Bücher 'reinkommen, die nur mit Sondergenehmigung 'rausgerückt werden...

Nachdem der Lesestoff der zurückliegenden zwei Wochen sich also in Hinblick auf #BenOp-Relevanz als ausgesprochen unergiebig erwiesen hat, versprechen die Bücher, die ich als nächste auf meiner Leseliste habe, bessere Ergebnisse. Es handelt sich nämlich um die folgenden:

Gegen Spende aus der Grabbelkiste des Büchertischs beim Forum Altötting gefischt. Ich war unmittelbar begeistert, dass es so ein Buch überhaupt gibt. Der Band enthält acht kurze dramatische Texte zu geistlichen Stoffen, die, wie das Vorwort verrät, die junge Ordensfrau in den Jahren 1894-97 für Aufführungen im Karmel von Lisieux verfasste. Theaterstücke von einer echten Kirchenlehrerin: Das wird man wohl als Rarität bezeichnen dürfen! Für die Beurteilung der #BenOp- und der Büchereiprojekt-Relevanz des Bändchens wird es natürlich entscheidend sein, ob die Stücke sich dazu eignen, von einer ggf. eigens zu diesem Zweck zu gründenden Laientheatergruppe aufgeführt zu werden.

Aus dem Nachlass von Pfarrer Michael Silvers: eine 1962 erschienene Dokumentation zum Verhältnis zwischen der katholischen Publizistik und dem NS-Staat. Zu den in diesem Band versammelten Quellen zählen etwa Auszüge aus Presseartikeln, aus Hirtenbriefen deutscher Bischöfe, öffentliche Bekanntmachungen von staatlicher und kirchenamtlicher Seite, Schriftwechsel zwischen staatlichen und kirchlichen Dienststellen, Statistiken u.a.; leichte Lektüre wird das sicherlich nicht, aber vermutlich sehr aufschlussreich.

Ebenfalls aus dem Nachlass von Pfarrer Silvers: eine Sammlung von Kurzbiographien über Persönlichkeiten, die das 1930 gegründete Bistum Berlin in seiner Anfangszeit geprägt haben, darunter der von Kurt Tucholsky als "Zigeuner der Wohltätigkeit" charakterisierte Arbeiterpriester Carl Sonnenschein, der im Zuge des "Röhm-Putschs" 1934 ermordete Erich Klausener, der Sel. Bernhard Lichtenberg und der Theologe Romano Guardini. Dürfte spannend werden.

Ja nun, das ist einfach ein Jugendbuch. Ich habe es aus einer Büchertelefonzelle. Es sah irgendwie nett aus. Und ich will einfach mal sehen, ob es heutzutage noch Mädchenbücher gibt, die man seiner Tochter ohne Bedenken in die Hand geben kann. Ich habe mit der Lektüre noch nicht begonnen und kann daher noch nicht viel darüber sagen, außer dass die Protagonistin Henri heißt -- wohl eine Kurzform von Henriette.

Nach langer Zeit mal wieder ein Buch, für das ich Geld ausgebe; für die eBook-Version zunächst einmal, die ist billiger und wird schneller geliefert, nämlich sofort. Auf ie Autorin war ich zunächst auf Twitter aufmerksam geworden, und vor einigen Monaten hatte ich einen Blogartikel von ihr in meinen Linktipps. Schon da dachte ich, dass ich dieses Buch mal würde lesen müssen, aber man kommt ja immer zu nichts. In "The Grace of Enough" schildert die Autorin, wie sie ihrem vorstädtischen Lebensstil Adieu sagte und mit ihrer Familie auf eine Farm in Texas zog, um Selbstversorger-Landwirtschaft zu betreiben --- und dabei Gott näher zu kommen. Ich bin sehr, sehr gespannt.

Linktipps: 

Praktisch unmittelbar vor meinem #BenOp-Vortrag in Herzogenrath erreichte mich die Nachricht, dass in der Nacht zuvor ein Anschlag auf die "Pro femina"-Schwangerenkonfliktberstungsstelle in Berlin-Charlottenburg verübt worden war; auf der einschlägig bekannten linksradikalen Online-Plattform indymedia erschien ein Bekennerschreiben, das den Anschlag in gewohnter Diktion damit rechtfertigt, dass die Beratungsstelle "Teil eines patriarchalen und menschenfeindlichen Systems" und obendrein mit "christlich-fundamentalistischen" Kreisen verbandelt sei. Während dieser Angriff in der breiten Öffentlichkeit kaum wahrgenommen worden zu sein scheint, ist in meiner Ecke des Internets in den vergangenen Tagen recht viel darüber geschrieben worden; ich möchte hier den Kommentar von Harald Stollmeier herausgreifen und empfehlen, der ebenso sachlich wie engagiert darlegt, dass und wieso es richtig und wichtig ist, die so massiv angefeindete Arbeit von "Pro femina" zu unterstützen.



Über 30 Jahre lang wurde die Pfarrei St. Ludwig in Berlin-Wilmersdorf seelsorgerisch vom Franziskanerorden betreut; nun aber zwingt die "hohe Zahl älterer und alter Brüder und der in den letzten Jahren nicht nur spärliche, sondern völlig fehlende Nachwuchs" die deutsche Ordensprovinz "zu drastischen Reduzierungen der Standorte und Aufgaben". Da St. Ludwig zudem im Zuge des "Pastoralen Prozesses 'Wo Glauben Raum gewinnt'" ohnehin in einer Großpfarrei mit "an die 30.000 Gläubigen" aufgehen soll, hat die Provinzleitung der Franziskaner beschlossen, dies sei "ein angemessener Zeitpunkt für den Abschied" -- der allerdings erst im Sommer 2020, " also in einem knappen Jahr", erfolgen soll.


Heilige der Woche: 

Heute, Montag, 14. Oktober: Hl. Kallistus I., Papst von ca. 217-222. Bekämpfte die Irrlehren des Adoptianismus und des Modalismus; Gegner, darunter der Presbyter Hippolyt, warfen ihm allzu große Milde im Umgang mit Todsündern sowie ein zweifelhaftes Vorleben vor. Die Authentizität von Überlieferungen, denen zufolge er unter Kaiser Alexander Severus das Martyrium erlitten habe, ist fraglich.

Dienstag, 15. Oktober: Hl. Teresa von Ávila (1515-1582), Ordensfrau, Mystikerin, Kirchenlehrerin.  Trat 1536 in ein Kloster der Karmelitinnen ein; betrieb ab 1560 eine durchgreifende Reform ihres Ordens, die sich dank ihrer Zusammenarbeit mit dem Hl. Johannes vom Kreuz auch auf den männlichen Zweig des Ordens erstreckte. Gründete 17 Klöster. Bedeutende Visionärin und theologische Schriftstellerin.

Mittwoch, 16. Oktober: Hl. Hedwig (1174-1243), Herzogin von Schlesien, Klostergründerin. Eine besonders unter schlesischen Heimatvertriebenen sehr populäre Heilige. Patronin des Erzbistums Berlin, weshalb ihr Gedenktag hier im Rang eines Fests steht. Hl. Gallus (ca. 550-640), Einsiedler und Glaubensbote. Stammte aus Irland, zog als Missionar durch das heutige Frankreich und die heutige Schweiz und lebte ab ca. 612 als Einsiedler am Bodensee. Hl. Margareta Maria Alacoque (1647-1690), Ordensfrau und Mystikerin. Hatte bereits als Kind Visionen, trat 1671 gegen den Willen ihrer Familie in ein Kloster der Salesianerinnen ein. Sah 1675 in einer Vision das "in Liebe entflammte Herz Jesu" und wurde daraufhin zur bedeutendsten Vorkämpferin der Herz-Jesu-Verehrung. In "meiner" Pfarrkirche Herz Jesu Tegel ist sie daher auf einem Buntglasfenster abgebildet.

Donnerstag, 17. Oktober: Hl. Ignatius von Antiochien (ca. 35-117), Bischof, Märtyrer, Apostolischer Vater. Laut frühkirchlicher Überlieferung Schüler des Apostels Johannes und zweiter oder dritter Patriarch von Antiochien, soll unter Kaiser Trajan verhaftet, nach Rom gebracht und im Zirkus den Löwen vorgeworfen worden sein. Verfasser von sieben Briefen, die wertvolle Quellen für die frühe Kirchengeschichte darstellen und deren Echtheit daher von interessierten Kreisen bestritten wird.

Freitag, 18. Oktober: Hl. Lukas, Evangelist. Verfasser des nach ihm benannten Evangeliums sowie der Apostelgeschichte; nach Auskunft der Kirchenväter Irenäus, Eusebius und Hieronymus identisch mit dem gleichnamigen Mitarbeiter und Reisebegleiter des Apostels Paulus, den dieser in mehreren Briefen (Philemon, Kolosser, 2. Timotheus) erwähnt.

Samstag, 19. Oktober: Hl. Johannes de Brébeuf, Hl. Isaak Jogues und Gefährten, zusammenfassend als "Märtyrer in Kanada" verehrt. Jean de Brébeuf (1593-1649) und Isaac Jogues (1607-1646) waren französische Jesuiten, die in der heutigen kanadischen Provinz Québec als Missionare unter den Ureinwohnern tätig waren. Jogues wurde von den Mohawk erschlagen und Brébeuf von den Irokesen am Marterpfahl zu Tode gefoltert. 1930 wurden sie zusammen mit sechs weiteren in den 1640-er Jahren in Nordamerika als Märtyrer gestorbenen Missionaren heiliggesprochen. Hl. Paul vom Kreuz (1694-1775), Mystiker, Priester und Ordensgründer. Stammte aus verarmtem piemontesischem Adel, führte ab 1720 infolge mystischer Erlebnisse ein Leben nach den Evangelischen Räten (Armut, Keuschheit und Gehorsam) und entwarf die spätere Ordensregel der 1741 päpstlich anerkannten Kongregation vom Leiden Jesu Christi ("Passionisten"). 1727 zum Priester geweiht, hielt Volksmissionen und Exerzitien ab, hinterließ umfangreiche geistliche Schriften.


Aus dem Stundenbuch: 

Ehe die Berge geboren wurden, die Erde entstand und das Weltall, * bist Du, o Gott, von Ewigkeit zu Ewigkeit. (Psalm 90,2)


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