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Freitag, 18. Oktober 2019

Moloch Berlin: Pro femina droht Verbot

Frage: Was ist schlimmer als Einbrecher, die dir Hundescheiße an den Briefkasten schmieren? 

Antwort: Die SPD. 

Eine Leserin hat mich darauf aufmerksam gemacht: Nachdem erst kürzlich ein Anschlag auf die Berliner Schwangerenkonfliktberatungsstelle von Pro femina e.V. verübt worden ist, wurde nun bekannt, dass dem Landesparteitag der Berliner SPD, der am 26. Oktober stattfinden soll, zwei Anträge von Untergliederungen der Partei vorliegen, die darauf abzielen, dem Verein Pro femina die Betätigung im Land Berlin generell zu verbieten. Es handelt sich um einen Antrag der Kreisdelegiertenversammlung der SPD Steglitz-Zehlendorf und einen der Landesdelegiertenkonferenz der Jusos Berlin. 

Es fällt auf, dass die Antragsbegründungen teilweise bis in den Wortlaut hinein dieselben Vorwürfe gegen Pro femina erheben wie das auf dem linksradikalen Online-Portal indymedia veröffentlichte Bekennerschreiben zum Angriff auf die Beratungsstelle. Anders ausgedrückt: Teile der Berliner SPD agieren als "politischer Arm" einer Bewegung, deren militante Avantgarde handfesten Terror gegen all jene betreibt, die sich für das Lebensrecht der Ungeborenen einsetzen. Und offenkundig ist dieser politische Arm der weit gefährlichere, denn, um es sehr frei nach Brecht zu sagen: Was ist der Einbruch in eine Beratungsstelle gegen das Verbot der Beratung? 

Symbolbild: Landesparteitag der Berliner SPD (Quelle: Wikimedia Commons

In einer der Antragsbegründungen heißt es: "Wir kämpfen für das Recht von Menschen, selbst zu entscheiden, ob sie eine Schwangerschaft fortführen möchten oder nicht!". Ein solches Recht gibt es allerdings nicht. Könnte man als Regierungspartei eigentlich wissen. Was es hingegen gibt, ist das Recht auf Leben und körperliche Unversehrtheit, und das gilt ausdrücklich auch für ungeborene Kinder. Dementsprechend ist es auch Augenwischerei, wenn gefordert wird, Schwangerenkonfliktberatungen müssten "ergebnisoffen" sein: Die als Voraussetzung für eine straffreie Abtreibung innerhalb der ersten zwölf Schwangerschaftswochen gesetzlich vorgeschriebene Beratung soll gemäß § 219, Abs. 1 StGB explizit "dem Schutz des ungeborenen Lebens" dienen. In der öffentlichen Debatte wird indes mit Fleiß der exakt gegenteilige Eindruck erweckt: Zweck der Beratung ist es, einen Beratungsschein zu erlangen, der eine straffreie Abtreibung ermöglicht; Pro femina stellt einen solchen Schein nicht aus, also ist die Beratungstätigkeit dieses Vereins illegitim und gehört verboten. 

Abtreibungsbefürworter sprechen von Entscheidungsfreiheit, meinen damit aber ausschließlich die Entscheidung für die Abtreibung. Entscheidet sich eine Schwangere für das Leben ihres Kindes, muss sie manipuliert worden sein. Abtreibung muss sein, wer sie verhindern will, ist ein Feind, den es zu vernichten gilt. Rational ist dieser Abtreibungs-Fanatismus letztlich nicht erklärbar. Man könnte fast auf die Idee kommen, man hätte es mit einem bizarren Menschenopfer-Kult zu tun, der es schlichtweg nicht dulden kann, dass ihm auch nur eines seiner designierten Opfer entgeht. 


Hier geht es übrigens zu einer Online-Petition, die die Delegierten des SPD-Landesparteitags dazu auffordert, die beiden Anträge zurückzuweisen. 



Kommentare:

  1. Die Mutter aller Augenwischereien ist schon im Text des
    § 219 zu finden. Dort heißt es vereinfacht gesagt: Das ungeborene Kind hat ein Recht auf Leben, aber nur, wenn der Mutter durch das Austragen des Kindes keine Belastung erwächst, die schwer und außergewöhnlich ist. In der Realität heißt das: Wenn eine Frau alleine schon die Schwangerschaft für schwer und außergewöhnlich hält, (was sogar nachvollziehbar ist), dann ist das ungeborene Kind in akuter Lebensgefahr. Solange wir diese eklatante Rechtsbeugung in unserem Gesetz verankert haben, wird das Morden weiter gehen. Online Petitionen haben da nur Symbolcharakter.

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    1. Das ist wirklich allzu vereinfacht gesagt, genau genommen steht im Gesetz das Gegenteil - aber wie auch immer. Wie kommen Sie außerdem auf den Begriff der "Rechtsbeugung" - das Gesetz entspricht ja den Vorgaben des Bundesverfassungsgerichts. Wie dem auch sei - profemina wird weiter beraten können wie sie wollen und so wie auch die vielen anderen Beratungsstellen, die keine "Beratungsscheine" ausstellen. Sonst müsste man ja Caritas und SKF auch verbieten. Der Antrag der Jusos entbehrt jeder rechtlichen Grundlage.

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    2. @SKF

      "Sonst müsste man ja Caritas und SKF auch verbieten."

      Glauben Sie wirklich, die Verfasser dieses Antrages würden das nicht ebenfalls befürworten?

      Ich denke, denen ist schlicht nicht bewusst, dass Caritas und SKF - wenn auch anders als ProFemina - ebenfalls eine Beratung ausgerichtet auf Ermutigung zum Kind anbieten.

      Und vermutlich begehen Sie ebenfalls regelmäßig das wohl so schlimme "Verbrechen" einer Schwangeren im Konflikt, bei der auch eine finanzielle Notlage eine Rolle spielt, begrenzte finanzielle Hilfen für ihr Leben mit Kind anzubieten.

      Das ist nach dem Wortlaut des Antrages wohl etwas Verwerfliches:
      https://parteitag.spd-berlin.de/app/uploads/pdf/II_2019//Antrag-170II2019-Pro-Choice-statt-Pro-Femina-%E2%80%93-F.pdf
      "Ratsuchenden wird finanzielle Unterstützung angeboten, wenn sie sich dafür entscheiden, die Schwangerschaft fortzuführen."

      Dieser "schreckliche" Vorwurf an ProFemina findet sich jedenfalls in der Aufzählung, was ProFemina alles vorzuwerfen ist.

      Und ich hoffe doch, dass Sie diese nach Sicht einiger SPDler "schreckliche" Tat von Zeit zu Zeit begehen.

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  2. Schon hart, dass mit dem Menschenopfer; aber berechtigt; was mich schon seit Jahren daran irritiert: ProFemina gibt wenigstens nach außen an, exakt das zu tun, was man sonst immer von Abtreibungsgegnern fordert, nämlich auf die Frauen einzugehen und ihnen Hilfe anzubieten; und das auch noch denkbar unaufdringliche, über Mails, die frau nur erhält, wenn sie ProFemina kontaktiert hat, und die einfach gelöscht werden können; ist was ganz anderes als mit Blutbild vor der Abtreibungspraxis zu stehen;
    aber das ist dann immer noch böse und muss verboten sein

    und vorsorglich: wer behauptet, dass das von ProFemina nach außen angegebene nicht stimmt, der sollte das nachweisen bevor ein Verbot gefordert wird; z.B. aus dem Antrag: "Schwangere werden bewusst getäuscht"; ok, und wer hat das wann und wo nachgewiesen?

    ferner in Antrag auch wieder dieser für mich völlig verwirrende Punkt: "Ratsuchenden wird finanzielle Unterstützung angeboten, wenn sie sich dafür entscheiden, die Schwangerschaft fortzuführen."
    daran ist was unethisch? A sagt zu B:"Ich denke ich werde abtreiben, kann mir einfach kein Kind leisten"

    B erwidert: "Ein bißchen Geld könntest du von mir bekommen, musst du auch nicht zurückzahlen; an wie viel scheitert es genau?"

    Was hat der B da schlimmes gemacht?
    Ist für mich nicht nachvollziehbar.

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  3. Ich fand in Rod Drehers Blog dazu gute Denkanstöße.
    1. die Linken glauben, die Rechten stünden kurz vor der Machtübernahme (hier wie jenseits des Teiches) und drehen deshalb frei, nobel gesagt. Darum vielleicht dieser leicht radikale Touch ("Frauenrechte bewahren! AAAARGH!!!!").

    2. technological core vs. mythological core. Die Linke argumehtiert aus einer tiefen, inneren Überzeugung heraus, dass reproduktive Rechte = Frauenrechte und umgekehrt (aus dem "mythological core" heraus) und ist deshalb rationalen Argumenten (aus dem "technological core" heraus) nicht oder kaum zugänglich.
    Zugegebenermaßen ist das aber wohl nicht wahnsinnig hilfreich beim konkreten Umgang mit den Damen und Herren.

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  4. "Wir kämpfen für das Recht von Menschen, selbst zu entscheiden, ob sie eine Schwangerschaft fortführen möchten oder nicht!"
    Und "pro femina" kämpft für das Recht von Menschen, selbst zu entscheiden, ob und wo sie sich beraten lassen möchten oder nicht!
    Letztlich spricht der Antrag den Frauen den Verstand ab, selber zu entscheiden was sie möchten und ist daher zutiefst frauenverachtend.

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    1. Bin ganz Ihrer Meinung, Maria Magdalena.

      Was soll das seitens der Linksextremisten, Frauen in Schwangerschaftskonfliktlagen bevormunden zu wollen, wo und von wem sie sich beraten lassen wollen?

      Eine linke Bevormundung der Frauen!

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