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Samstag, 25. Juli 2026

Utopie und Alltag 35: Im Epizentrum der Tourismussaison

Seid gegrüßt, Leser! Eine weitere Urlaubswoche in Butjadingen liegt hinter uns, und langweilig ist es uns dabei ganz und gar nicht geworden – im Gegenteil, es gibt so viel zu berichten, dass ich mich gar nicht lange mit der Vorrede aufhalten möchte. Also mitten hinein ins Vergnügen! 

 Dieses Kunstwerk, das in Eckwarderhörne am Deich steht, habe ich schon vor zwei Wochen fotografiert; es stammt von dem Oldenburger Künstler Ivo Gohsmann und trägt den Titel "Der Regenbogen – Bindung zwischen Himmel und Erde als Prinzip Hoffnung".

Camino de Willehado '26 – Teil 3: Ein Pott Püree

Am vergangenen Samstag verabschiedete sich das Sommerwetter bis auf Weiteres aus Butjadingen: Temperaturen um 18 Grad, bewölkter Himmel und gelegentlicher Nieselregen führten dazu, dass die Vorabendmesse in Herz Mariä Burhave, die bei freundlicherem Wetter wieder im Garten stattgefunden haben würde, in die Kirche hinein verlegt wurde. Dagegen hätte ich an sich nichts einzuwenden gehabt, ärgerlich war hingegen, dass – wie Pastor Kenkel, der die Messe zelebrierte, gleich in seinen Begrüßungsworten mitteilte – wegen des Wetters auch das eigentlich vorgesehene Grillen gestrichen wurde. – Im Übrigen hatte ich den Eindruck, die Messe sei etwas besser besucht als eine Woche zuvor, und vor allem waren mehr jüngere Leute da; darunter war ein Mann mit zwei kleinen Kindern, von denen ich mich insgeheim fragte, ob wir sie wohl in den folgenden Tagen im Kirchenzelt wiedersehen würden, womöglich sogar als das neue Team der Urlauberkirche. – Der Küster verteilte, bevor die Messe losging, Fürbitten an die Gemeinde und wollte auch mir eine geben, aber als ich sah, dass es sich um eine Fürbitte für das Finale der Fußball-WM handelte, gab ich sie ihm zurück. Die anderen Fürbitten waren übrigens auch nicht besser, aber dazu später. – Im Übrigen fiel mir auf, dass Pfarrer Fechtenkötter, in Zivilkleidung, in einer der hinteren Bänke Platz nahm; und wie schon einmal in einem ähnlichen Fall fragte ich mich: Wenn er schon da ist, warum konzelebriert er dann nicht oder assistiert wenigstens? Ich finde diese Frage keineswegs banal, ich würde sagen, da hängen grundsätzliche Erwägungen zum Amtsverständnis dran, aber das zu vertiefen, ist hier wohl nicht ganz der richtige Ort. 

Die Liedauswahl in der Messe war abermals sehr NGL-lastig, teilweise waren es dieselben Lieder wie am Donnerstag, nur eben jetzt mit schleppender Orgelbegleitung. Insgesamt war es auffällig, dass so viele Lieder gesungen wurden, dass die Liednummern gar nicht alle an die Tafel passten; und zum Teil passten sie auch nur so pi mal Daumen zu ihrer liturgischen Funktion. Ich bin da vielleicht ein bisschen streng, aber ich betrachte es als Zeichen eines empfindlich mangelnden Sinnes für Liturgie, wenn man meint, jedes Lied, in dessen Text irgendwas mit Lob und Preis vorkommt, eigne sich als Gloria-Lied, jedes Lied, dessen Text mit "Ich glaube" oder "Wir glauben" beginnt, eigne sich als Credo-Lied – und beim Agnus Dei hört es dann völlig auf: Da habe ich es ja schon befremdlich oft erlebt, dass der Kirchentagsschlager "Da berühren sich Himmel und Erde" gesungen wurde, diesmal war's "Da wohnt ein Sehnen tief in uns". Also ehrlich mal, was soll sowas. 

Dass zum Credo das Lied "Ich glaube, Gott, mit Zuversicht" gesungen wurde, hatte für mein Empfinden bei der allem Anschein nach so liberalen Ausrichtung dieser Gemeinde schon etwas Ironisches: Während ich das Lied angesichts der Tatsache, dass im Text keine konkreten Glaubensinhalte benannt werden, nicht gerade ideal dafür geeignet finde, die Stelle des Credo in der Messe zu vertreten, ist es in anderer Hinsicht doch ein sehr starker Text, und die Verse "Ich glaube, Gott, mit Zuversicht / Was Deine Kirche lehret" hätte geradezu eine Steilvorlage dafür liefern können, an das Gespräch anzuknüpfen, das ich am Samstag zuvor mit dem Küster geführt habe – nur dass zusammen mit dem Grillen eben auch das ganze "gesellige Beisammensein" nach der Messe wegfiel. Tja, schade. 

Aber wo ich schon mal dabei bin, die chronologische Reihenfolge zu missachten, kann ich mich wohl auch gleich noch an den Fürbitten abarbeiten, bevor ich zu Pastor Kenkels Predigt komme, über die es sicherlich am meisten zu sagen geben wird, auch wenn sie wieder einmal nur rund fünf Minuten lang war. – Neben der schon erwähnten Fürbitte für das Finale der Fußball-WM ("für die Spieler und Trainer, die sich für Geduld in Rückschlägen und Demut im Erfolg bemühen; für die Fans und Zuschauer, die Begeisterung, Gemeinschaft und ein friedliches Miteinander suchen; für die Schiedsrichter, die sich für Fairness und Toleranz einsetzen") gab es auch eine "für die Menschen, die besonders unter der anhaltenden Hitze und Trockenheit leiden" (wobei hervorzuheben ist, dass darin nicht explizit vom Klimawandel die Rede war), eine zum Gedenken an die Ahrtal-Flutkatastrophe vor fünf Jahren, aber auch eine für "alle, die in den Ferien Erholung suchen" – eine wilde Mischung. Nicht umsonst hatte der Zelebrant in der Einleitung zu den Fürbitten auf den Vers "Wir wissen nicht, was wir in rechter Weise beten sollen" (Röm 8,26) aus der zweiten Lesung verwiesen. – Spaß beiseite: Ich schätze, es ist sowas wie ein pet peeve von mir, aber ich kann und kann es nicht leiden, wenn Fürbitten den Eindruck erwecken, die darin angesprochenen Anliegen seien geradewegs der Tageszeitung oder der Tagesschau entnommen. "Wer nicht weiß, wofür er beten soll, der lese die Zeitung", das hat, so oder so ähnlich, Jörg Zink mal geschrieben – das habe ich als Jugendlicher mal gelesen, vielleicht im Religionsunterricht, und schon da hat mich intuitiv irgend etwas daran gestört. Heute würde ich sagen, darin offenbart sich ein vom Ansatz her verfehltes Streben nach Aktualität und Relevanz, das charakteristisch für eine Tendenz ist, die ich an anderer Stelle mal als "eine Art 'Bitterfelder Weg' der Pastoraltheologie" bezeichnet habe. Sehr zu meinem Verdruss hatte auch die Predigt so begonnen. "Wenn ich die täglichen Nachrichten lese, sehe oder höre, ärgere ich mich fast immer", so lautete wortwörtlich der Einstieg, und dann ging der Prediger erst einmal tagesaktuell auf den Rücktritt Jens Spahns als Vorsitzender der CDU/CSU-Bundestagsfraktion ein. Leihmutterschaft sei in Deutschland verboten – "wir Christen sagen: durchaus zurecht"; das wurde nicht weiter erläutert oder begründet, der Fokus lag vielmehr auf der Arroganz der Macht, sich selbst etwas zu erlauben, was dem Normalbürger verboten sei. Eigentlich, so fuhr Pastor Kenkel fort, habe er bei diesem Thema eher "an Trump oder Putin gedacht", und ich dachte: ächz. Ohne jetzt näher auf die zahlreichen möglichen Argumente dafür eingehen zu wollen, dass man Trump und Putin, bei aller berechtigten Kritik an beiden, nicht kurzerhand auf eine Stufe stellen sollte, möchte ich doch anmerken, dass Trump-und-Putin-Bashing wohl so ziemlich die billigste, dümmste und überflüssigste Form des politischen Predigens ist, die es derzeit gibt. Man bestärkt die Leute damit nur in dem, was sie sowieso schon aus der Tagesschau zu wissen und verstanden zu haben glauben, und das ist nun wirklich nicht die Aufgabe einer Predigt. Als ich schon drauf und dran war, innerlich abzuschalten, kriegte Pastor Kenkel aber doch noch die Kurve. Er setzte die drei Gleichnisse des Tagesevangelium – das Unkraut unter dem Weizen, das Senfkorn,  der Sauerteig (Matthäus 13,24-43) – zur 1. und 2. Lesung in Beziehung und arbeitete auf diese Weise heraus, dass wir, wenn wir am Ende der Tage zum guten Weizen gehören wollen, der in die Scheuer gebracht wird, und nicht zum Unkraut, das verbrannt wird, uns nicht auf unsere eigene Kraft verlassen dürfen, sondern auf Gottes "Milde" und "Schonung" (Weisheit 12,18) sowie nicht zuletzt auf den Beistand des Heiligen Geistes (Römer 8,26f., wie gesagt) angewiesen sind. In diesem Zusammenhang bemerkte er: "Ich hab nicht die Kraft, die Welt zu retten oder auch nur Butjadingen und Nordenham zu bekehren" – woraus ja immerhin das Bewusstsein spricht, dass Butjadingen und Nordenham Bekehrung nötig haben und dass es prinzipiell in seinen Aufgabenbereich fällt, darauf hinzuarbeiten. Und weiter: 

"Aber ich kann meine kleine Kraft, meinen kleinen Samen aussäen, einpflanzen. Ein jeder von uns kann sich mit seinen Talenten, mit seinem kleinen Samen einbringen. Und ist mein Beitrag auch so klein wie ein Senfkorn – mit Gottes Hilfe kann daraus ein großer Baum erwachsen, wo andere sich einnisten." 

Ein schön griffiges Mission Statement für das Prinzip "Christliche Graswurzelrevolution", ob man es nun unter dem Label #BenOp oder Punkpastoral oder unter einem ganz anderen Namen betreibt; und somit durchaus auch für das Projekt "Guerilla-Urlauberseelsorge"

Nach den Fürbitten kam Pastor Kenkel – ganz spontan, wie es schien – auf die Idee, die anwesenden Kinder könnten ihm bei der Gabenbereitung assistieren; unsere Große zierte sich zunächst ein bisschen, aber nach etwas gutem Zureden meinerseits übernahm sie dann doch die Aufgabe, dem Zelebranten die Kännchen mit Wein und Wasser zu bringen, und kehrte danach freudestrahlend in die Bank zurück. 

Insgesamt hinterlässt diese Messe somit einen recht bunt gemischten Gesamteindruck, aber dass es für das wetterbedingt ausgefallene Grillen keine "Indoor-Alternative" gab und somit das gesellige Beisammensein nach der Messe komplett wegfiel, war schon recht ärgerlich – auch deshalb, weil Pastor Kenkel ab Montag in Urlaub war und wir ihn somit an diesem Abend zum letzten Mal in diesem Sommer, und aller Voraussicht nach auch zum letzten Mal in diesem ganzen Jahr, sahen. 


Zu Gast in Deinem Zelt – Teil 2: Betreutes Basteln 

Am Sonntagmorgen regnete und gewitterte es; zum Kirchenzelt wollten wir trotzdem, da wir neugierig auf das neue Team waren, und tatsächlich hörte der Regen rechtzeitig auf, ehe wir los mussten. Als wir am Zelt ankamen, waren außer dem Team – das aus zwei Frauen unterschiedlichen Alters bestand; wie sich herausstellte, waren sie Mutter und Tochter – bereits drei Kinder in Begleitung ihrer Mutter da, etwas später kam eine sehr junge Mutter mit einem vielleicht etwa sechsjährigen Knaben dazu, der allerdings relativ bald die Lust verlor und wieder gehen wollte, und noch später ein Mädchen, das schon in der vorigen Woche regelmäßig dabei gewesen war. Das war alles. Wie neulich schon mal angemerkt: ein bisschen wenig dafür, dass theoretisch die Hauptsaison begonnen haben sollte. – Was die Programmgestaltung anging, hatte ich in der Vorschau-Rubrik des vorigen Wochenbriefings ja die Hoffnung formuliert, vielleicht würde es ja besser werden als erwartet; tatsächlich war es aber noch schlechter als erwartet, und dieser Eindruck ergab sich nicht nur durch den Kontrast zum wirklich guten Programm der Woche davor. Einen solchen Kontrast hatte es letztes Jahr von unserer ersten zur zweiten Urlaubswoche nämlich tendenziell auch gegeben: Da hatte ich angemerkt, der Umstand, dass unter der Leitung des zweiten Kirchenzelt-Teams "tatsächlich nur gebastelt wurde", sei "zwar mehr oder weniger das, was ich im Vorfeld vom Kinderprogramm der Urlauberkirche erwartet hatte, aber das Programm in der vorangegangenen Woche war eben so viel besser gewesen als erwartet, dass meine Erwartungen dadurch nun gestiegen waren". Abgesehen vom gänzlichen Fehlen eines katechetischen Anspruchs hatte ich dort kritisiert, dass es "keinen gemeinsamen Anfang und [...] auch keinen gemeinsamen Abschluss" gab und dass die Bastelideen schlichtweg nicht ausreichten, um "zwei Stunden Veranstaltungsdauer" zu füllen – was beides zusammen dazu führte, "dass bei den teilnehmenden Kindern ein permanentes Kommen und Gehen herrschte". Das war auch diesmal wieder der Fall, mit dem Unterschied, dass es diesmal insgesamt viel weniger Kinder waren. Möglicherweise trug schon dies allein wesentlich dazu bei, dass nicht so richtig Stimmung aufkam – am Montag, als es immerhin zwölf Kinder waren (allerdings wieder nicht alle gleichzeitig), war die Stimmung nämlich schon spürbar besser. Aber es lief auch keine Musik – nicht mal "nur so Quatschlieder wie 'Der Gorilla mit der Sonnenbrille'", wie meine Tochter im Vorjahr kritisiert hatte, sondern überhaupt keine, und die beiden Frauen, die das Team bildeten, wirkten auch ziemlich lustlos und wenig interessiert an den Kindern. Als meine Liebste sie fragte, ob dies ihr erster Einsatz als Kirchenzelt-Team sei, erfuhren wir, dass sie schon das achte Jahr in Folge dabei sind. Finde ich ja ehrlich gesagt eher beunruhigend. Im weiteren Verlauf des Vormittags brauchte meine Liebste mehrere Anläufe, um wenigstens ein bisschen Smalltalk mit den Teamerinnen zustande zu bringen; mit ihnen über etwas Interessantes sprechen zu wollen, schien ziemlich aussichtslos, da sie den Eindruck machten, einfach keine interessanten Menschen zu sein. Das Bastelprogramm gefiel den Kindern gleichwohl gut, also "mussten" wir am nächsten Tag wieder hin. 

An diesem zweiten Tag war, wie schon erwähnt, die Beteiligung und damit auch die Stimmung besser, was sich auch auf die Gesprächigkeit der älteren der beiden Teamerinnen auszuwirken schien. Mehrmals wies sie darauf hin, dass es am Abend im Kirchenzelt Bingo gebe, so als wäre das was Tolles; daneben kam sie auch auf das Nachmittagsprogramm zu sprechen, und ich wurde hellhörig, als sie sagte, da solle "auch etwas für die Seele" geboten werden. Was damit gemeint war, geriet in den Bereich des Erahnbaren, als sie erwähnte, sie habe mal eine "Kinesiologie-Ausbildung" gemacht und sich überlegt, das könne man da einbringen. Musste daraufhin erst mal heimlich "Kinesiologie" googeln. Das Ergebnis war sozusagen zwiespältig: Einerseits ist das einfach der "wissenschaftsgriechische" Fachbegriff für die Wissenschaft von der Bewegung, andererseits aber auch der Name einer esoterischen Parawissenschaft, bei der es darum geht, das Qi freizusetzen. Und nun darf man mal raten, was davon hier wohl gemeint ist. Hinsichtlich der Frage, was beim Kirchenzelt-Nachmittagsprogramm sonst noch so "für die Seele" geboten wird, schnappte ich das Stichwort "Fußbäder" auf. Ich fand das alles sehr bezeichnend und komme gegebenenfalls nächste Woche darauf zurück. – Mir fiel in diesem Zusammenhang aber noch etwas anderes auf: Sollte das Nachmittagsprogramm im Burhaver Kirchenzelt, anders als in dem in Tossens, nicht erst nächste Woche beginnen? Und wenn diese Teamerin daran beteiligt ist, heißt das dann, dass ausgerechnet dieses Team zwei Wochen lang "im Dienst" ist? Frustrierende Vorstellung! Später fanden wir allerdings heraus, dass dieses Team zwar nächste Woche für das Nachmittagsprogramm zuständig ist, für das Bastelprogramm am Vormittag aber ein neues kommt. Da besteht also noch Hoffnung auf Verbesserung. 

Zum Bingo gingen wir jedenfalls nicht, konnten aber tags darauf auf Instagram Fotos von der Veranstaltung bewundern, die verrieten, dass der Diakon höchstpersönlich sie moderiert hatte. Nicht zu erkennen war auf den Bildern, wie gut oder wie schlecht der Bingoabend besucht war. – Am Dienstag fuhren wir, statt zum Kirchenzelt-Programm zu gehen, morgens nach Fedderwardersiel, um an einer Aquariums-Führung im Nationalparkhaus-Museum teilzunehmen, und am Mittwoch war im Kirchenzelt Pausentag. Diesen nutzten wir, um die Kinder mal versuchsweise zur kommunalen Ferienbetreuung zu schicken, die in einem separaten Bereich der Spielscheune stattfand – und da gefiel es ihnen so gut, dass sie auch an den folgenden Tagen lieber dorthin wollten als zum Kirchenzelt. Unter anderem stellten sie dort Seife her – wie bei Fight Club, na ja, ganz so wohl doch nicht. Jedenfalls wäre das Thema Kirchenzelt damit für diese Woche für uns gegessen gewesen, wenn wir uns nicht am Donnerstag relativ spontan dazu entschlossen hätten, zum Abendprogramm zu gehen – da wurde ein Film gezeigt, welcher, wurde im Vorfeld nicht verraten, aber wir ließen uns überraschen. Diesen dann tatsächlich unerwartet bemerkenswerten Filmabend zu schildern, verschiebe ich aber auf das fällige Gesamtfazit zu unseren diesjährigen Erfahrungen mit der Urlauberkirche in Butjadingen; ob diese im nächsten Wochenbriefing Platz findet oder vielleicht sogar einen separaten Artikel abgibt, 0dürfte sich u.a. in Abhängigkeit davon entscheiden, ob wir in unserer verbleibenden Urlaubszeit noch ein-, zweimal zum Bastelprogramm und/oder vielleicht sogar mal zum Nachmittagsprogramm gehen... 


Camino de Willehado '26 – Teil 4: Liturgisches Strandgut 

Am Montagmorgen ging ich, wie an anderer Stelle schon erwähnt, ohne Frau und Kinder zum ökumenischen Friedensgebet in der Herz-Mariä-Kirche; ich war ein bisschen früh dran und betete erst einmal leise Invitatorium und Laudes, wobei es mir angesichts meiner etwas klischeehaften Vorstellungen davon, was mich wohl bei einem Friedensgebet in dieser Gemeinde erwartete, etwas ironisch vorkam, dass in den Laudes das Canticum Jesaja 42,10-16 drankam – mit Versen wie "Der Herr zieht in den Kampf wie ein Held, * er entfacht seine Leidenschaft wie ein Krieger. / Er erhebt den Schlachtruf und schreit, * er zeigt sich als Held gegenüber den Feinden". Wozu diese Verse indes umso besser passten, war der Umstand, dass ich mit meinem Versuch, meinen Bibelleseplan wieder "einzuholen", immer noch nicht über das Buch Josua hinausgekommen bin – und ebenso, dass wir als Gutenachtlektüre derzeit das aus dem Bücherregal in der Tourist-Info ausgeliehene "Ich zog mit Hannibal" von Hans Baumann am Wickel haben, aber das ist ein Thema für sich. 

Am Friedensgebet nahmen außer mir ungefähr zehn ältere Leute, weit überwiegend Frauen, teil, die ich fast alle auch schon bei den Vorabendmessen der beiden vorangegangenen Samstage und/oder bei der Werktagsmesse am Donnerstag gesehen hatte, und der Küster spielte wieder Gitarre. Wie ich schon im Vorfeld gehört hatte, wechseln sich mehrere der regelmäßigen Teilnehmerinnen mit der Gestaltung der Andacht ab, und so ist es "jedesmal ganz verschieden"; insofern ist es wohl nur ein sehr punktueller, nicht verallgemeinerbarer Eindruck, dass die Gestaltung der Andacht, an der ich teilnahm, erheblich "konservativer" war, als ich es von dieser Gemeinde erwartet hätte. Das fing damit an, dass die Frau, die die Andacht leitete, ausführlich die Tagesheilige – die Hl. Margareta von Antiochien – würdigte und dabei auch die im Zusammenhang mit ihrem Martyrium überlieferten Wunder nicht aussparte oder irgendwie zu relativieren versuchte. Es folgte eine Evangelien-Perikope, nämlich Markus 8,10-13, die Verweigerung eines Zeichens. Die Andachtsleiterin wies darauf hin, dass es auch eine parallele Stelle bei Matthäus (16,1-4) gebe, sie habe aber die Markus-Version als die kürzere und schlichtere gewählt. Interessant fand ich das nicht zuletzt deshalb, weil ich erst kurz zuvor auf Facebook einen Beitrag mit religions- oder jedenfalls christentumskritischer Tendenz gesehen hatte, in dem die beiden Versionen der Verweigerung eines Zeichens miteinander verglichen wurden: Bei Matthäus spricht Jesus an dieser Stelle nämlich vom Zeichen des Jona, was schon ein paar Kapitel zuvor, in Mt 12,39f., als Vorausdeutung auf Seine Auferstehung gedeutet wurde; im Markusevangelium, das die historisch-kritische Bibelwissenschaft als das ältere ansieht, fehlt dieser Hinweis auf das Zeichen des Jona, und daraus leitete der besagte Facebook-Beitrag Zweifel an der Historizität der Auferstehung Jesu ab. Dazu wäre vielleicht an anderer Stelle mehr zu sagen; im Rahmen dieser Andacht bestand die gesamte Auslegung zu dieser Evangelienstelle hingegen in den schlichten Sätzen "Ich glaube, dass Jesus damit sagen wollte, er lässt sich nicht herausfordern. Er setzt sich durch und geht dann einfach." Hatte was. 

Deutlich zu bemerken war, dass bei der im Vergleich zur Heiligen Messe eher offenen Form die eingeübten liturgischen Reflexe der Gemeinde nur so mehr oder weniger funktionierten: Beim Evangelium blieb die Gemeinde sitzen, bei den Fürbitten stand sie auf. Die Fürbitten waren übrigens erheblich allgemeiner, "zeitloser" wenn man so will, formuliert als die in der Messe am Samstag andererseits wurden in der Fürbitte für die Kranken und in der für die Verstorbenen einige Geneindemitglieder namentlich genannt; das fand ich gut. Zum Abschluss der Andacht wurde nicht nur ein Vaterunser, sondern auch ein Gegrüßet seist du, Maria gebetet, und nachdem der Küster, wie neulich schon erwähnt, als Schlusslied "Ein Licht in dir geborgen" von Gregor Linßen gespielt hatte, äußerten einige Frauen aus der Gemeinde den Wunsch nach einem Marienlied zum Abschluss – woraufhin der Küster, ausgerechnet, "Segne du, Maria" spielte. Normalerweise empfinde ich das als eine arge Kitschgranate, aber mit der leichtfüßigen Gitarrenbegleitung des Küsters gefiel es mir unerwartet gut. 

"Unerwartet gut" fasst auch meinen Gesamteindruck von dieser Andacht zusammen: Unter der Bezeichnung "Friedensgebet" hätte ich mir etwas erheblich "Boomermäßigeres", um nicht zu sagen "'68er-Mäßigeres" vorgestellt, und es ist wohl auch nicht auszuschließen, dass das Format – je nachdem, wer jeweils gerade für die Gestaltung und Leitung zuständig ist – zuweilen tatsächlich etwas mehr in die von mir imaginierte Richtung geht als diesmal. Aber das grundsätzliche Konzept einer wöchentlichen Andacht, die von verschiedenen Geneindemitgliedern im Wechsel gestaltet und geleitet wird, wobei jeweils eigene formale und inhaltliche Akzente gesetzt werden können, finde ich prima – und als Beitrag von Laien dazu, einen Gottesdienststandort geistlich am Leben zu erhalten, an dem nur noch selten Messe gefeiert wird, sogar vorbildlich. – Wenn man sich die Altersstruktur der Teilnehmer ansieht, kann man freilich auf die Idee kommen, die Entscheidung, diese Andacht montags morgens abzuhalten – was mehrere Teilnehmerinnen mir gegenüber damit begründeten, dass sie einen geistlichen Einstieg in die neue Woche bilden solle –, schließe berufstätige Menschen, wenn sie nicht gerade Urlaub haben, von vornherein aus; aber abgesehen davon, dass man dasselbe auch über die Mehrzahl der Werktagsmessen in mir bekannten Pfarreien in Berlin sagen könnte, scheint mir das größere Problem in dieser Gemeinde zu sein, dass auch zu den Vorabendmessen am Samstagabend nur sehr vereinzelt jüngere Leute kommen. Wenn ich mir die Erstkommunionzahlen der letzten Jahre ansehe, ergibt sich der Eindruck, dass der Anteil junger Familien in der Gemeinde im Vergleich zu meiner Kindheit eigentlich gestiegen sein müsste; da fragt man sich nun natürlich: Wo sind die alle, wenn nicht gerade Erstkommunion ist? – Aber das ist wohl ein Thema für sich. 


Krankenhaus-Feedback 

Mein Artikel über die angekündigte Schließung des katholischen Krankenhauses in Brake hat zwar innerhalb kurzer Zeit viele Leser gefunden, aber meine Hoffnung, durch Leserkommentare weiterführende Informationen über die Vorgänge rund um die Klinik zu erhalten, erfüllte sich zunächst nicht: Das Kommentarfeld unter dem Artikel blieb leer; über Social Media erntete ich einige Leserreaktionen, von denen sich allerdings ein unverhältnismäßig großer Teil auf das Vorschaubild des Artikels bezog. Ich hatte da nämlich zunächst irrtümlich ein Pressefoto eines anderen Krankenhauses verwendet, das zufällig auch "St.-Bernhard-Hospital" heißt; nachdem ich darauf aufmerksam gemacht worden war, nahm ich das Bild aus dem Artikel 'raus, in der Vorschauansicht blieb es aber trotzdem stehen und zog weitere Kommentare à la "Was ist denn das für ein Krankenhaus? Das in Brake ist es jedenfalls nicht!" auf sich. Ächz. Immerhin bekam ich eine interessante Mail von einem befreundeten Lokalblogger, der anmerkte, er sei darüber gestolpert, dass in der Presse mehrfach die Rede davon gewesen sei, das St.-Bernhard-Hospital werde "nach 146 Jahren geschlossen": Er habe irgendwie die Ahnung gehabt, dass etwas daran nicht stimme, und habe daher etwas recherchiert. Er hatte nämlich "von früher her" noch in Erinnerung, dass es in Brake mal zwei Krankenhäuser gab, ein Kreiskrankenhaus und eben das katholische; das Kreiskrankenhaus wurde 1986 nach fast 100jährigem Bestehen geschlossen und das St.-Bernhard-Hospital im Gegenzug vergrößert. Der Erinnerung meines Bloggerkollegen zufolge gab es seinerzeit "Streit um die Trägerschaft eines Braker Krankenhauses": Der Landkreis habe eine gemeinsame Trägerschaft mit der katholischen Krankenhausstiftung angestrebt, das Bischöflich Münstersche Offizialat in Vechta habe das aber abgelehnt. Einem an diese Mail angehängten Zeitungsartikel aus dem Jahr 1986 war indes zu entnehmen, dass die damalige CDU-FDP-Mehrheitsgruppe im Kreistag bestrebt gewesen sei, den Kreishaushalt von den Kosten des Krankenhauses zu entlasten. An der Erinnerung meines Bloggerkollegen wird wohl dennoch etwas dran sein; auch aus den letzten Jahren erinnere ich mich daran, dass im Zuge der Bemühungen, die Krankenhausstandorte in Nordenham und in Brake zu erhalten, immer wieder die Idee einer Kooperation zwischen den beiden Trägern ins Spiel gebracht wurde, und stets hieß es, die katholische Krankenhausstiftung verweigere sich solchen Überlegungen. Inwieweit dieses Narrativ vom tiefsitzenden Antikatholizismus in der Bevölkerung befördert wird, sei mal dahingestellt. 

Beim Stichwort "Antikatholizismus in der Bevölkerung" drängt sich mir übrigens der Gedanke auf, dass ein tieferes Einsteigen in die Geschichte des St.-Bernhard-Hospitals auch unter dem Aspekt interessant sein könnte, die Gründung dieses Krankenhauses im Kontext der (wohl noch unter dem Eindruck der Kulturkampfzeit stehenden) Bemühungen der katholischen Minderheit zu betrachten, sich in dieser erz-evangelisch geprägten Gegend ihre eigene Infrastruktur zu schaffen; das hat ja vom Ansatz her durchaus etwas #BenOppiges. In demselben Kontext ist auch ein Beitrag in der aktuellen Quartalschrift des Rüstringer Heimatbundes zur Geschichte der 1911/12 gegründeten und 1973 geschlossenen katholischen Volksschule in Einswarden interessant. Darauf wird also vielleicht noch in einem Extra-Artikel zurückzukommen sein. Zum katholischen Krankenhaus in Brake sei noch angemerkt, dass dort – wie aus dem Zeitungsartikel hervorgeht, den mein Bloggerkollege mir geschickt hat – anno 1986 noch acht Ordensschwestern tätig waren, nachdem es "einstmals" ganze 16 gewesen waren. Heute gibt es im St.-Bernhard-Hospital keine Ordensschwestern mehr, aber wie lange schon nicht mehr, habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können. 


Ein neuer Kaplan für Reinickendorf-Süd 

Mitten im Urlaub erreichten mich via Instagram wichtige Neuigkeiten aus meiner (Noch-)Wohnsitzpfarrei: Die Personalabteilung des Erzbistums Berlin hat der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd einen weiteren Geistlichen zugewiesen, allerdings nur mit einer 50%-Stelle, womit die durch den Weggang eines langjährigen Pfarrvikars Anfang des Jahres entstandene personelle Lücke vorerst lediglich zur Hälfte geschlossen wird. Kam der besagte Pfarrvikar aus Nigeria, so kommt der neue Kaplan aus Ghana – und soll, ehe er in der Seelsorge eingesetzt wird, erst einmal seine Deutschkenntnisse aufpolieren. Mehr als diese Notiz in den Vermeldungen der Pfarrei St. Klara war vorerst nicht über diese Personalie in Erfahrung zu bringen, auch nicht auf den Seiten des Erzbistums Berlin; aber spannend finde ich das allemal und hoffe, Näheres herauszufinden, wenn ich wieder in Berlin bin. Wie immer gilt: Hier erfährst du es zuerst, Leser! 


Geistlicher Impuls der Woche 

Wenn das schwache Herz wegen guter Taten das schmeichelnde Säuseln menschlicher Gunst zu spüren bekommt, gleitet es oft ab zu äußeren Freuden. Was es innerlich wünscht, stellt es zurück und ist ohne Hemmung dem hingegeben, was es draußen hört. Es hat mehr Freude daran, glücklich genannt zu werden, als es in Wirklichkeit zu sein. Weil es begierig auf die Stimmen hinhört, die ihm Lob spenden, verlässt es den Weg, den es zu beschreiten angefangen hat. So wird es eben dadurch von Gott getrennt, weswegen es in Gott des Lobes wert erschienen war. Manchmal widmet sich der Geist einem guten Werk, wird aber vom Spott der Menschen bedrängt. Er vollbringt erstaunliche Dinge, empfängt aber Schmähung. Lobsprüche lockten ihn nach draußen, von Schmähung getroffen, zieht er sich wieder in sich selbst zurück. Um so stärker verbindet er sich innerlich mit Gott, je weniger er draußen einen Ruheplatz findet. All seine Hoffnung klammert sich an den Schöpfer, und in allem Spott und Gezänk ruft er den inneren Zeugen an. Der Geist des Bedrängten kommt Gott um so näher, je mehr er der Gunst der Menschen abgeneigt ist. 

Die Einfalt des Gerechten wird verlacht; denn dies ist die Weisheit der Welt: das Herz listig verstecken; die Gesinnung hinter Worten verschleiern; was falsch ist, als wahr, und was wahr ist, als falsch hinstellen. Das ist dagegen die Weisheit der Gerechten: nichts durch bloßen Anschein vorspielen; die Gesinnung im Wort offenbaren; lieben, was wahr ist, und Falschheit meiden; uneigennützig Gutes tun; lieber Böses leiden als tun; für Unrecht keine Vergeltung suchen; Schmähung um der Wahrheit willen als Gewinn betrachten. Aber diese Einfalt verlacht man. Lauterkeit gilt bei den Weisen dieser Welt als Torheit. Denn alles, was in Unschuld geschieht, hält die Welt mit Gewissheit für dumm. Was immer die Wahrheit an einer Tat für gut hält, gilt der irdischen Weisheit als töricht. 

(Gregor der Große, Auslegung zum Buch Ijob) 


Ohrwurm der Woche 

Them: Gloria 

Von diesem oft gecoverten Song lief hier im Küchenradio kürzlich eine Version, die ich nicht kannte, also befragte ich meine Shazam-App und erhielt zur Auskunft, dass sie von Santa Esmeralda sei – einer Gruppe, von der ich bisher nur ihre Coverversion von "Don't Let Me Be Misunderstood" kannte, und ungefähr so wie dort war der qualitative und stilistische Abstand zwischen Original und Coverversion auch hier. Natürlich musste ich meiner Familie daraufhin erst einmal das Original vorspielen. "Das ist im Grunde Proto-Punk", merkte ich an, und meine Liebste stimmte dieser Einschätzung zu. Urteile selbst, o Leser! 


Vorschau/Ausblick 

Die aktuelle Ausgabe des Pfarrblatts "Willehad aktuell" hat uns verraten, dass heute in der Kirche Herz Mariä Burhave eine Taufe und eine Trauung stattfanden; zur Taufe ging ich – ohne Frau und Kinder – und werde im nächsten Wochenbriefing sicher ein paar Anmerkungen dazu haben. Am Nachmittag wollten wir allerdings – und zwar eigentlich zusammen mit meiner Mutter, die dann aber krankheitsbedingt absagen musste – zu dem zeitgleich mit der Trauung stattfindenden Jubiläumskonzert anlässlich des 120-jährigen Bestehens des Männergesangsvereins Eintracht Burhave; ein Event, auf das ich wohl im nächsten Wochenbriefing noch werde zurückkommen müssen, ebenso wie auf die Gründe dafür, dass wir da unbedingt hin mussten. Heute Abend, kurz nachdem dieses Wochenbriefing online gegangen sein wird, ist jedenfalls wieder Vorabendmesse in Herz Mariä, die laut "Willehad aktuell" von Pfarrer Fechtenkötter zelebriert wird; die Wetterlage gibt Grund zur Hoffnung, dass im Anschluss an die Messe diesmal wieder gegrillt werden kann. – Danach bleiben uns, den Rückreisetag nicht mitgerechnet, noch vier Urlaubstage in Butjadingen. Morgen wollen wir mit dem Ausflugsschiff Wega II ab Fedderwardersiel eine Fahrt ins Wattenmeer machen, Montag und Dienstag gäbe es nochmals die Gelegenheit, beim Kirchenzelt vorbeizuschauen, und die Frage, ob wir noch eine dritte Lobpreisandacht im Bürgerobstgarten veranstalten, steht ebenfalls noch im Raum. Darüber hinaus haben wir für die letzten Urlaubstage nicht sonderlich viel "Programm", aber bald nach unserer geplanten Rückkehr nach Berlin steht schon das nächste Abenteuer bevor: die Religiöse Kinderfreizeit zum Thema "Mose"...  


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