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Mittwoch, 22. Juli 2026

Der Prophet im eigenen Land (2): Singt dem Herrn ein neues Lied!

Zeit für ein Update in Sachen "Guerilla-Urlauberseelsorge in Butjadingen"! Eine sehr schöne Reaktion auf den ersten Teil dieses Berichts habe ich auf Facebook geerntet, von einem Pastoralreferenten aus dem Bistum Münster, der auch Mitautor des Buches "Urworte des Evangeliums" ist; der schrieb nämlich schlicht: "Weitermachen. Einfach weitermachen. Danke." Wenn das nicht motivierend ist! 

Ähnlich motivierend war ein Erlebnis beim Gemeindekaffee im Anschluss an die Werktagsmesse am Gedenktag Unserer Lieben Frau auf dem Berge Karmel: Da fand sich nämlich die Frau ein, die zwei Tage zuvor spontan zu unserer ersten Lobpreisandacht dazugestoßen war, und unterhielt sich mit dem Küster – mit dem Ergebnis, dass dieser mir quer über die Kaffeetafel zurief "Du bringst uns ganz schön auf Ideen!" Da war ich ja nun neugierig und setzte mich zu den beiden. Wie sich zeigte, war der Küster ausgesprochen angetan von der Idee öffentlicher Andachten im Bürgerobstgarten – er meinte sogar, "sowas" könne man doch auch mal im Rahmen der Urlauberkirche machen (wozu mir im Stillen nur ein loriot'sches "Ach" einfiel). Damit nicht genug, fügte er hinzu, am derzeitigen Konzept der Urlauberkirche störe ihn, dass da "im Wesentlichen nur Kinderaufbewahrung" betrieben werde – woraufhin ich mich unversehens in der Position wiederfand, das Kirchenzelt-Programm verteidigen zu müssen, indem ich darauf hinwies, gerade das (zum Zeitpunkt dieses Gesprächs gerade noch) aktuelle Team, bestehend aus dem neuapostolischen Gemeindevorsteher und seiner Familie, biete durchaus mehr als nur "betreutes Basteln" und mache das sehr gut. – Unabhängig davon betonte der Küster, ihm sei daran gelegen, dass die Kirche in der Öffentlichkeit sichtbar werde; das mag ein etwas institutions- und "relevanzorientierterer" Ansatz sein als der meine, aber daran kann man ja immerhin sehen, dass man sich auch von unterschiedlichen Ausgangspunkten kommend am selben Punkt treffen kann – eine womöglich richtungsweisende pastorale Erkenntnis. Der Küster meinte noch, auch den Gemeindetreff könnte man mal in den Bürgerobstgarten verlegen und öffentlich, also außerhalb der üblichen kircheninternen Informationskanäle, dafür werben. Ich muss sagen, ich bin ziemlich erfreut darüber, solche Überlegungen angestoßen zu haben. 

Im Laufe dieses Gesprächs fiel mir zudem ein, die Frage aufzuwerfen, ob eigentlich irgendjemand im Blick habe, dass die Gemeinde Herz Mariä Burhave (wenn auch nicht das Kirchengebäude als solches) an Mariä Himmelfahrt dieses Jahres 80 Jahre alt wird. Der Küster verneinte dies, meinte aber, das sei ein guter Hinweis, und wir sprachen gemeinsam den Pfarrer darauf an, der sich gerade anschickte, sich von der Kaffeetafel zu verabschieden. Er notierte es sich in seinem Kalender. Seien wir mal gespannt, ob sich daraus irgend etwas ergibt. 

Im Anschluss an die Gemeinde-Kaffeetafel ging ich einkaufen (wobei ich zwei Mädchen traf, die ich aus dem Kirchenzelt kannte) und sammelte auf dem Weg zurück zur Ferienwohnung meine Familie wieder ein, und gerade als ich Frau und Kindern von den erfreulichen Erlebnissen beim Gemeindekaffee berichten wollte, kachelte der Diakon – mit auftoupierten Haaren, Tanktop und Goldkettchen – auf einem E-Scooter an uns vorbei. Ich schätze, da erübrigt sich jeder Kommentar. 

Zur Tragikomik und Absurdität des Umstands, dass das Pastoralteam von St. Willehad (oder zumindest eben der Diakon) uns partout von jeder Mitwirkung an der Urlauberpastoral auszuschließen bestrebt ist, gehört es natürlich auch und nicht zuletzt, dass wir während der ersten Woche des Kirchenzelt-Programms auf dem Burhaver Campingplatz nicht nur permanent dabei waren, sondern dank unseres guten Drahts zum Team eine Art inoffiziellen Mitarbeiterstatus hatten (und von den anderen Kindern, die am Programm teilnahmen, wohl auch so wahrgenommen wurden). Den letzten Programmtag vor dem Teamwechsel – Freitag – gestalteten unsere Freunde, ganz ähnlich wie schon im Vorjahr, als eine Art Abschiedsfest mit Waffeln, Obst, Käsehäppchen und Knabbergebäck; für die Kinder, die im Laufe der Woche regelmäßig dabei gewesen waren, gab es mit Namen beschriftete Einladungskarten, und ebenso wie im Vorjahr wurden die Kinder losgeschickt, auf dem Campingplatz weitere Kinder zu suchen und einzuladen. Trotz dieser Bemühungen war der Freitag der bis dahin am schwächsten besuchte Kirchenzelt-Tag, wohl weil es für viele Familien auf dem Campingplatz der Abreisetag war und der erwartete Ansturm von Butjadingen-Urlaubern aus Nordrhein-Westfalen noch nicht eingetroffen war. Jedenfalls nahmen insgesamt nur acht Kinder daran teil. 

Indes hatten sich unsere Kinder im Laufe der Woche so innig mit den ungefähr gleichaltrigen Töchtern der "Teamer" angefreundet, dass sie kaum von ihnen zu trennen waren; daher suchten wir die Familie am späteren Nachmittag nochmals bei ihrem Wohnwagen auf, die Kinder gingen auf den Spielplatz, und meine Liebste machte den Vorschlag, wir könnten am nächsten Vormittag, während die Eltern den Wohnwagen für die Übergabe ans nächste Urlauberkirchen-Team herrichten mussten, etwas mit den Kindern unternehmen. So machten wir es dann auch; angesichts des nicht so schönen Wetters am Samstag gingen wir in die Spielscheune. Freunde im Urlaub zu haben ist eine feine Sache, und wenn es christliche Freunde sind, dann erst recht; gegen Mittag hieß es dann aber doch Abschied nehmen. 

Insgesamt darf man dem ersten Kirchenzelt-Team ein sehr gutes Zeugnis ausstellen; das Programm war sogar so gut, dass eine "gefühlte Notwendigkeit", wenigstens für die eigenen Kinder noch zusätzliche katechetische Angebote zu schaffen, kaum aufkommen konnte. Es war aber nicht unbedingt davon auszugehen, dass das für den Rest des Urlaubs so bleiben würde. Ziemlich gespannt waren wir daher darauf, das zweite Kirchenzelt-Team kennenzulernen. – Eine ausführliche Kritik des Programms der zweiten Woche im Kirchenzelt hebe ich mir fürs nächste Wochenbriefing auf, zumal die Woche ja noch nicht rum ist; was ich jedoch schon vorab erwähnen muss, weil es im Kontext dieses Artikels relevant ist, ist, dass da, jedenfalls an den ersten Tagen, tatsächlich ausschließlich "betreutes Basteln" angeboten wurde, ohne jeglichen katechetischen Anspruch. Das war natürlich unbefriedigend – offenbar nicht nur für uns: Dass am Sonntag insgesamt nur sieben Kinder auftauchten (nachdem unsere Freunde vom ersten Team uns gesagt hatten, in der Hauptsaison, also wenn in Nordrhein-Westfalen Schulferien sind, sei im Kirchenzelt mit 30 Kindern pro Tag zu rechnen), kann man zur Not noch auf das unfreundliche Wetter schieben, aber nach ungefähr der Hälfte der Zeit waren davon nur noch drei übrig, nämlich unsere Kinder und dann noch ein Mädchen, das schon in der vorigen Woche regelmäßig dabei gewesen war. Nun, wie gesagt, eine ausführliche Kritik folgt an anderer Stelle. 

Auf jeden Fall bot die Gesamtsituation im Kirchenzelt keine besonders günstigen Voraussetzungen, um für unsere nächste Lobpreisandacht im Bürgerobstgarten zu werben, was umso "schader" war, als sich im Anschluss an die Vorabendmesse ebenfalls keine Gelegenheit dazu ergeben hatte. Dass am Sonntagnachmittag ein ökumenischer Familiengottesdienst in der Konzertmuschel in Tossens stattfand, fiel mir erst ein, als es schon zu spät war, die Frage zur Diskussion zu stellen, ob wir da hinwollen; aber ehrlich gesagt glaube ich, es war besser so. Blieb also noch das ökumenische Friedensgebet in Herz Mariä am Montagmorgen. Das – oder jedenfalls der anschließende Klönschnack, um den es mir ja hauptsächlich ging – überschnitt sich zwar ein wenig mit dem Kirchenzelt-Programm, aber nachdem das am Sonntag ja nicht so der Hit gewesen war, dachte ich, das wäre vielleicht nicht so schlimm, und wenn die Kinder unbedingt wollten, könnten sie ja mit einem Elternteil früher vom Kirchenkaffee aufbrechen und das andere Elternteil könnte dann zum Zelt nachkommen. – Leider herrschte aber am Montagmorgen wieder ein Wetter, das nicht gerade dazu einlud, die Ferienwohnung zu verlassen, geschweige denn erst einen knappen Kilometer zur Kirche und dann von dort aus knapp zwei Kilometer zum Campingplatz zu latschen, statt noch eine Stunde länger in der Bude zu bleiben und dann direkt zum Campingplatz zu gehen. Ich machte das letzten Endes trotzdem, aber eben allein. – 

Die Andacht zu schildern, ist ebenfalls etwas, das ich mir lieber für das nächste Wochenbriefing aufheben möchte, aber hier und jetzt erwähnen muss ich, dass das vom Küster als Schlusslied vorgesehene Lied (tatsächlich "musste" er dann auf Wunsch der Gemeinde noch ein weiteres spielen, aber dazu wie gesagt ein andermal) mich auf eine Idee brachte, die man vielleicht für den nächsten Sommer ins Auge fassen könnte. Dieses Lied – "Ein Licht in dir geborgen" von Gregor Linßen – kannte ich nämlich ursprünglich vom Nightfever; und plötzlich hatte ich eine Vision. Könnte man nicht mal – im Sommer, in der Tourismus-Hauptsaison – in dieser Kirche Nightfever feiern? Könnte ich mir atmosphärisch sehr gut vorstellen, gerade weil die Kirche so klein ist; und das Geniale am Konzept Nightfever ist ja gerade, dass es nicht das alleinige "Eigentum" einer bestimmten Gemeinschaft oder Organisation ist, sondern dass das im Prinzip jeder machen kann. Man müsste da eigentlich nur jemanden mit ins Boot holen, der zur Aussetzung des Allerheiligsten befugt ist, und dem gitarrespielenden Küster könnte man vorab ein paar Lieder schicken, damit er sein Repertoire erweitert. Um Widerstände aus dem Pastoralteam und/oder den Gremien der Pfarrei zu umgehen, wär's allerdings vielleicht hilfreich, wenn dieser Vorschlag nicht gerade von mir käme... 

Bei der Kaffeetafel nach der Andacht gab es "Beerdigungskuchen", der von einer Trauerfeier am Freitag übrig geblieben war, und ich nutzte die Gelegenheit, auf unsere Lobpreisandacht im Bürgerobstgarten am folgenden Tag hinzuweisen. Und siehe da, sämtliche Anwesenden – so um die zehn Leute, würde ich mal schätzen – zeigten sich wohlwollend interessiert und stellten in Aussicht, zu kommen. Damit nicht genug, erklärte der Küster, falls es regnen sollte könnten wir die Andacht ruhig in die Kirche verlegen. Heißa! – Man muss halt nur mit den richtigen Leuten reden, scheint mir... 

Was die Ankündigung unserer zweiten Lobpreisandacht auf Facebook angeht, fand ich es derweil recht auffällig, dass diese deutlich mehr positive Reaktionen sammelte als die erste; wozu ich mir sagte: Selbst wenn von den Leuten, die das auf Facebook "liken", am Ende niemand zu der Andacht kommt, ist allein die Tatsache, dass die Leute mitkriegen, dass es diese Veranstaltung gibt, ja auch schon eine Form von Zeugnis. Warnungen oder Distanzierungen von unseren nicht institutionell eingebundenen Umtrieben blieben diesmal aus; lediglich "Arwen Abendstern" ließ es sich erneut nicht nehmen, ein Kotz-Emoji unter der Veranstaltungsankündigung zu hinterlassen. 

Das Wetter meinte es übrigens gut mit uns: Nachdem es von Samstag bis Montag – und am Mittwoch dann auch wieder – bewölkt und kühl gewesen war und häufig Regenschauer gegeben hatte, schien am Dienstag den ganzen Tag die Sonne. Vom "harten Kern" der katholischen Gemeinde erschienen immerhin drei Personen zu unserer Lobpreisandacht: ein Mann, den ich noch "von früher her" kenne (auch wenn ich mir nicht sicher bin, ob er sich an mich erinnert bzw. mich wiedererkennt) und der in der Gemeinde als ehrenamtlicher Gehilfe des Küsters tätig ist; die Frau, die tags zuvor das Friedensgebet geleitet hatte; und noch eine weitere Frau, die mit polnischem Akzent sprach und zum Entzücken unserer Kinder ihren kleinen Hund mitbrachte. Wir verwendeten wieder die Psalmen und die Lesung aus der Vesper vom Tag, dazu die Lieder "Herr der ganzen Schöpfung", "Ich will dir danken, Herr" (eine freie Nachdichtung von Psalm 23), "Ich lege meine Krone" von Johannes Hartl & Friends sowie Joe Falks "Magnificat"-Version. Unsere Gäste fanden es zwar schade, dass sie die Lieder nicht kannten und nicht mitsingen konnten, beteten aber die Antwortverse der Psalmen mit und ließen sich auch insgesamt sehr gut auf das für sie ungewohnte Format ein. Hinterher bedankten sie sich für die "ganz neue Erfahrung", und wir unterhielten uns noch nett, während die Kinder mit dem Hund spielten. 

Für mich unterstrich dieses Erlebnis erwas, was ich mir schon nach dem Friedensgebet am Tag zuvor gedacht hatte: nämlich dass innerkirchliche Flügelkämpfe und Lagerdenken in so einer kleinen, ländlichen Diaspora-Gemeinde – so sehr sie oberflächlich betrachtet vom linksliberalen Boomer Catholicism geprägt sein mag – längst nicht so eine Rolle spielen, wie "extremely online people" es womöglich annehmen würden. Ein ausgrenzendes Lagerdenken könnten sich die Mitglieder einer solchen Gemeinde auch gar nicht leisten, denn dafür gibt es zu wenige von ihnen: Es ist wohl kaum übertrieben zu sagen, dass die Gemeinde für ihr Überleben darauf angewiesen ist, unterschiedlichen Frömmigkeitsformen Platz zu bieten. Was Fragen der Liturgie bzw. des liturgischen "Stils" angeht, halten die Leut' sich verständlicherweise an das, was sie kennen und gewohnt sind, aber das heißt nicht notwendigerweise, dass sie in ihren Anschauungen festgefahren und nicht offen für Neues wären. Eigentlich, so scheint mir, wären die Voraussetzungen, hier Aufbauarbeit in Sachen Gemeindeerneuerung und Neuevangelisierung zu betreiben, gar nicht so schlecht; das Pastoralteam müsste es halt nur wollen. – Also, ich lerne hier so richtig was für die pastorale Praxis. Ich sollte mir diesen Urlaub als Praktikum anerkennen lassen. 

Ob wir in unserer dritten und letzten Urlaubswoche noch eine weitere Lobpreisandacht im Obstgarten veranstalten, steht derzeit noch nicht fest; falls am Samstag das Wetter wieder gut genug für einen Gartengottesdienst mit anschließendem Grillen ist, könnte man das da zur Diskussion stellen. Lust hätte ich jedenfalls... 


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