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Samstag, 11. Juli 2026

Utopie und Alltag 33: Eine Insel in der Zeit

Grüße aus dem Urlaub, Leser! Seit Donnerstag sind wir mal wieder im schönen Butjadingen; das heißt indes auch, dass der Großteil des Berichtszeitraums dieses Wochenbriefings sich noch in Berlin abgespielt hat. Gleichzeitig hat der Umstand, dass ich den Abschnitt "Fußball-WM oder Piusbruderschaft?" in einen eigenständigen Artikel ausgelagert und diesen schon gestern veröffentlicht habe, dazu geführt, dass dieses Wochenbriefing ein bisschen kürzer geworden ist als die vorangegangenen. Ich habe jedoch keine Zweifel, dass die kommenden Tage reichlich blogrelevantes Material abwerfen werden, wodurch sich das wieder ausgleicht... 

"Alles zum Mitnehmen" – ein Stillleben am Wegesrand in Eckwarden.

"Evangelisieren" ist ein Anagramm von "Viel Gas rein? Nee!" 

Diese profunde Erkenntnis verdanke ich der deutschen Ausgabe von Adrian Plass' "Tagebuch eines frommen Chaoten"; und diejenigen Passagen dieses unsterblichen Klassikers, in denen es darum geht, dass der Protagonist sich widerstrebend dazu überreden lässt, sich "freiwillig" zu einem Straßenevangelisations-Einsatz vor einer Hamburgerbraterei (im Original ein Fish & Chips-Imbiss) zu melden, musste ich meiner geliebten Familie partout vorlesen, ehe wir am Samstagvormittag zur "Outreach"-Straßenevangelisation in der Spandauer Altstadt aufbrachen. 

Wir hatten uns für das Zeitfenster von 12-13 Uhr auf die Helferliste für den "Outreach"-Einsatz eingetragen, aber nach den Erfahrungen vom "Probelauf" vor zwei Wochen fuhren wir doch schon früher los, um beim Aufbau mithelfen zu können. Tatsächlich waren wir sogar die ersten "Outreach"-Mitarbeiter bzw. Helfer, die am Ort des Geschehens ankamen – und stellten fest, dass an diesem Samstag in Spandau "Tag des offenen Rathauses" war. Zum Programm dieser Veranstaltung gehörte eine sogenannte "Blaulichtmeile" mit Infoständen von Polizei, Technischem Hilfswerk, Rotem Kreuz, Feuerwehr und Bundeswehr, und diese breitete sich genau da aus, wo an den vorangegangenen Wochenenden das "Outreach"-Pavillonzelt aufgestellt worden war. 

– Was also tun? Als der Leiter der Straßenevangelisations-Aktion mit weiteren Helfern eintraf, entschied er zunächst, das Pavillonzelt einfach an derselben Stelle "wie immer" aufzubauen – schließlich habe er die Aktion als Kundgebung bei der Polizei angemeldet und genehmigt bekommen. Aber kaum waren wir mit dem Aufbau fertig, kamen einige Beamte einer anderen Behörde auf uns zu... 

Nein, nicht diese. Also, die kamen schon auch vorbei, wollten aber nichts von uns.

...nämlich vom Grünflächenamt, das – obwohl die Fußgängerzone der Spandauer Altstadt ja nun nicht gerade eine Grünfläche ist – für die Organisation der "Blaulichtmeile" zuständig war und den Platz, auf dem wir standen, für einen Stand der Feuerwehr vorgesehen hatte. Wir zogen also um, eine Straßenecke weiter, mit dem Ergebnis, dass da dann wiederum die Polizei vorbeikam und fragte, wieso wir denn jetzt hier stünden. Schließlich ließ man uns aber gewähren. Ein ganz anderes Problem war, dass unser Jüngster an diesem Vormittag in ziemlich rebellischer Stimmung war, weshalb meine Liebste im Interesse der Deeskalation beschloss, sich "erst mal" mit ihm beim Tag des offenen Rathauses umzuschauen, wo es auch allerlei Angebote für Kinder gab. Derweil verteilte unsere Große zunächst fleißig Flyer und Traktate an Passanten und machte das auch wieder sehr gut, aber als sie sah, was ihr kleiner Bruder so alles an "Giveaways" von den verschiedenen Infoständen beim Tag des offenen Rathauses bekommen hatte, konnte man ihr wohl schwerlich verübeln, dass sie da nun auch hinwollte. Als gemeinsame Unternehmung der ganzen Familie war das Thema Straßenevangelisation damit praktisch perdu, und ich bin rückblickend ganz froh, dass der "Probelauf" zwei Wochen zuvor in dieser Hinsicht wesentlich besser gelaufen ist. – Auch in anderer Hinsicht waren die Bedingungen diesmal schwieriger; zum Beispiel war bedeutend schlechteres Wetter, was sich unmittelbar darin niederschlug, dass die Passanten schlechtere Laune hatten, es eiliger hatten und weniger ansprechbar wirkten. Dass wir mit dem Tag des offenen Rathauses um die Aufmerksamkeit der Passanten konkurrieren mussten, tat sicherlich ein Übriges; obendrein hatten ein Stück weiter in Richtung Nikolaikirche mehrere politische Parteien ihre Infostände aufgebaut. Danach zu urteilen, was für "Giveaways" die Leute, die aus dieser Richtung kamen, in den Händen hielten, fand der Stand der AfD offenbar den größten Zuspruch, make of that what you will. – In diesem Zusammenhang finde ich es übrigens erwähnenswert, dass im Teamgebet zu Beginn der Aktion auch Dank dafür geäußert wurde, "dass wir nicht für die Polizei oder die Bundeswehr und auch nicht für eine politische Partei hier stehen, sondern für dich, Herr." Das sprach mir durchaus aus dem Herzen, und gleichzeitig veranlasste es mich, darüber zu sinnieren, wie eigenartig es ist, dass Straßenevangelisation anscheinend vielfach als sonderbar und fast schon anrüchig wahrgenommen und vorrangig mit fragwürdigen Sekten assoziiert wird (eine Frau aus unserem Team berichtete, jemand habe sie gefragt, ob wir von den Zeugen Jehovas seien), wohingegen es weitgehend als Normalität akzeptiert wird, wenn politische Parteien oder Verbände, Hilfswerke und sonstige Organisationen Infostände in der Fußgängerzone aufstellen, ja selbst wenn Strom- oder Mobilfunkanbieter solche Stände betreiben, um Passanten zu einem Vertragsabschluss oder einem Tarifwechsel zu überreden. Und anders als diese wollten wir noch nicht mal Geld von den Leuten! (Einige gaben uns allerdings trotzdem welches. "Haben wir eine Spendenkasse?", fragte ich den Leiter der Aktion. "Bisher noch nicht", erwiderte dieser und verstaute die außerplanmäßigen Einnahmen in der Außentasche des Lautsprecherkoffers). 

– Ich schätze, meine Schilderung lässt erkennen, dass dieser Straßenevangelisations-Einsatz für mein Empfinden längst nicht so gut lief wie der "Probelauf"; trotzdem gab es auch erfreuliche Momente. Wir wurden einiges an Infomaterial los, nicht wenige Leute reagierten durchaus freundlich, gerade auch auf die Mitwirkung des Tochterkindes; und es ergaben sich durchaus auch ein paar längere Einzelgespräche, an denen ich allerdings nicht beteiligt war. Alles in allem habe ich jedenfalls durchaus Lust, "sowas mal wieder zu machen"... 

Zu guter letzt sei zum Thema Evangelisation noch erwähnt, dass meine Liebste bei der Abschlussveranstaltung des Alpha-Kurs-Teams am Montag ein Buch mit dem ebenso lustig wie vielversprechend wirkenden Titel "Von Jesus reden, ohne komisch zu wirken" geschenkt bekommen hat – verfasst von Sam Chan, einem australischen Evangelisten Hongkong-chinesischer Herkunft. Das haben wir in den Urlaub mitgenommen, und ich bin gespannt auf die Impulse, die es uns hoffentlich vermitteln wird... 


Immerzu Kuchenereignisse 

Von Spandau aus machten wir uns direkt auf den Weg zum Robert-Koch-Park in Panketal, wo eine meiner beiden Schwiegermütter ihren 70. Geburtstag nachfeierte. Vielleicht erinnert sich der eine oder andere Leser daran, dass dieser Park schon einmal auf meinem Blog erwähnt worden ist, nämlich anlässlich des 17. Panketaler Baumfests vor ziemlich genau zwei Jahren. Mein damaliger Bericht hatte mir – wenn auch mit einiger Zeitverzögerung – dank seiner sarkastischen Untertöne einige Kritik eingetragen, und folgerichtig wurde ich ein bisschen nervös, als mich nun bei der Geburtstagsfeier eine Frau, die offensichtlich zum Förderverein des Parks und somit zu den Veranstaltern des Baumfests gehörte, fragte, ob ich "der junge Mann mit dem Blog" sei. Tatsächlich war sie aber sehr freundlich und meinte sogar, im Großen und Ganzen habe sie meinen Bericht als gar nicht so negativ empfunden, und ich versicherte, dass das auch nicht meine Absicht gewesen sei. Im Laufe des Nachmittags bot die Dame für interessierte Gäste eine Führung durch den Park an; die war tatsächlich durchaus interessant, und die Vielfalt an verschiedenen Bäumen, die der Park zu bieten hatte, war tatsächlich recht beeindruckend. 

Zum Beispiel gab's da eine "Indianerbanane". Heißt wirklich so

Oder einen Trompetenbaum. Trompeten wuchsen daran allerdings nicht. 

Insgesamt war es eine sehr entspannte Feier, es gab Kuchen und Wein wie bei Rotkäppchen und später auch noch Sushi. Aber à propos Kuchen: Bereits am Morgen, noch vor dem Aufbruch zur Straßenevangelisation, hatte ich für eine Spendenaktion zugunsten der Religiösen Kinderfreizeit einen Kuchen gebacken und hatte eigentlich die Absicht, am Abend oder schlimmstenfalls am nächsten Morgen noch einen zweiten zu backen, beschloss dann aber doch, dass einer genügt und dass ich die bereits gekauften Zutaten für den zweiten Kuchen lieber für einen Büffetbeitrag beim Sommerfest der Schule unseres Tochterkindes verwenden könnte. Bei dem Kuchen, den ich zum RKF-Soli-Kuchenbasar beisteuerte, handelte es sich um einen Schokoladenkuchen mit Datteln, Bananen und Quark, der mir, als ich das Rezept erstmals ausprobiert hatte, total misslungen war; diesmal benutzte ich eine andere Kuchenform, erheblich reifere Bananen und mehr Backpulver, und diesmal wurde der Kuchen richtig gut. 

Weitere Beiträge zum Kuchenbüffet kamen von den Familien einiger an der RKF teilnehmender Kinder und auch von Teammitgliedern; am Ende blieben so viele Kuchenstücke übrig, dass wir, als die Reste verteilt wurden, fast so viel Kuchen wieder mit nach Hause nahmen wie wir mitgebracht hatten, nur eben andere Sorten. Die reinste wundersame Kuchenvermehrung! Aber auch unter Fundraising-Gesichtspunkten war die Kuchen-Aktion durchaus ein Erfolg. 

Hier nur mal ein Ausschnitt aus dem gesamten Kuchenangebot.

Keinen Kuchen, dafür aber Eis gab es am Dienstag beim letzten Kampfsporttraining vor den Sommerferien: Der Trainer gab, wie er schon im Vorfeld angekündigt hatte, allen Kindern, die zu dieser Trainingsstunde erschienen, ein Eis aus. Wieder zu Hause, machte ich mich daran, den Kuchen fürs Schulsommerfest zu backen: den unbesiegbaren, stets gelingenden Fantakuchen! Der Jüngste half mir, den Teig anzurühren, und durfte zur Belohnung die Rührschüssel ausschlecken. Am Dekorieren des Kuchens beteiligten sich am nächsten Morgen, nach dem Frühstück, beide Kinder. Ins Schulfest-Büffet fügte sich unser Kuchen jedenfalls gut ein und wurde gut angenommen, auch wenn er weder vegan noch glutenfrei war. 

Vielleicht, wer weiß, bei manchem Gast sogar gerade deswegen. So als Alleinstellungsmerkmal

Diesen Kuchen habe ich nicht probiert, auch wenn er laut Beschriftung "vielleicht lecker" war.

Statt eines Zeugnisses erhielt unser Tochterkind wieder einen sogenannten "Jahresbrief", wozu ein Fotoalbum, ein Interview mit dem Schulkind über seine Eindrücke vom Schuljahr und schließlich eine Beurteilung der Vertrauenslehrkraft in Form eines an das Schulkind selbst gerichteten Briefes gehört. Ich mag diese Form der Schuljahres-Bilanz sehr, und bei dem, was die Vertrauenslehrkraft unserer Tochter so schrieb, kamen mir stellenweise fast die Tränen. Es handelte sich um eine einfühlsame und sehr gut beobachtete Zusammenfassung der Entwicklungen und Herausforderungen des zurückliegenden Schuljahres, wobei die Streitigkeiten im Freundinnenkreis unseres Tochterkindes, die ich andeutungsweise schon mal erwähnt habe, eine bedeutende Rolle spielten. Ein paar Passagen möchte ich hier gern zitieren: 

"An der Art, wie du von deinen vielen Freundinnen erzählt hast, merkt man [...], dass du durch die Konflikte auch gelernt hast, ihre ganz unterschiedlichen Stärken zu sehen und wertzuschätzen." 

Und: 

"Du hast erzählt, dass Hermine deine Lieblingsfigur [in 'Harry Potter'] ist, weil sie so gut zaubern kann, viel lernt, viel weiß und sich dafür einsetzt, dass Regeln eingehalten werden [!]. Ich habe das Gefühl, dass die Hermine in dir in diesem Schuljahr wegen des ganzen Gefühlschaos nicht immer die Ruhe hatte, die man zum Zaubernlernen braucht." 

Kurz und gut, im Ganzen bin ich doch ziemlich überzeugt, dass meine Tochter an dieser Schule gut aufgehoben ist... 


Update Religionspädagogik: Pa-, Pa-, Paderborn 

Pünktlich vor Beginn des Urlaubs habe ich es geschafft, meine Studienplatzbewerbung für ein Fernstudium im Fach "Angewandte Theologie" an der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen (Standort Paderborn) fertigzustellen und abzuschicken; und jetzt bin ich mal gespannt. Einen ausgesprochen positiven Eindruck hat auf mich jedenfalls schon mal das Formular für die Online-Bewerbung gemacht, ich fand es sehr benutzerfreundlich. Am meisten Mühe und Kopfzerbrechen bereitete mir die Anforderung, ein Motivationsschreiben zu verfassen, denn so etwas liegt mir einfach nicht; etwas erleichtert wurde mir diese Aufgabe dadurch, dass es dafür ein Formular mit vorgegebener Gliederung und begrenztem Platz für die einzelnen Abschnitte gab. – Woran ich beim Ausfüllen des besagten Formulars indes wiederholt denken musste, war, wie ich mich vor Jahren mal über das Anforderungsprofil einer Stellenausschreibung von Open Doors lustig gemacht habe, wo von den Interessenten ein klares Bekenntnis dazu, "ein Nachfolger Jesu" zu sein, sowie die Abgabe eines geistlichen Lebenslaufs gefordert wurde. Okay, das war vor meiner Punkpastoral-Ära, und wenn ich mir meinen damaligen Blogartikel heute ansehe, finde ich ihn recht illustrativ dafür, was für einen Weg ich seither zurückgelegt habe – was freilich nichts daran ändert, dass ich diese Stellenausschreibung in Teilen auch heute noch als etwas over the top und dadurch unfreiwillig komisch empfinde. Der eigentliche Grund, warum ich das hier erwähne, ist aber, dass ich im großkirchlichen Kontext – so schon bei meiner Bewerbung beim Erzbistum selbst, und nun eben auch bei der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen – dir Intuition verspürt habe, man müsse es eher vermeiden, einen allzu frommen Eindruck zu machen. Das ist zwar zugegebenermaßen nur eine Ahnung, aber ich würde mal behaupten, sie kommt nicht von ungefähr. Gleichwohl habe ich mich immerhin getraut, in meinem Motivationsschreiben zu erklären, meine Motivation, eine Tätigkeit im pastoralen Dienst anzustreben, sei wesentlich "von dem Wunsch getragen, den sich abzeichnenden Transformationsprozess der Kirche – der einerseits geprägt ist vom Schwinden der gesellschaftlichen Relevanz der Institution Kirche, andererseits aber auch von neuen spirituellen Aufbrüchen an der Basis – aktiv mitzugestalten". Was natürlich bewusst so formuliert ist, dass es recht unterschiedlichen Deutungen zugänglich ist, aber ehrlich gesagt hatte ich ohnehin gewisse Zweifel, ob das, was man in dieses Motivationsschreiben 'reinschreibt, wesentlichen Einfluss auf die Erfolgsaussichten der Studienplatzbewerbung hat: Ich ging davon aus, viel wichtiger sei es, ob die Heimatdiözese des jeweiligen Bewerbers dessen Bewerbung unterstützt. – Im Übrigen sagte ich mir, ich könne die Dinge eigentlich ganz entspannt sehen: Wenn es Gottes Wille ist, dass ich Gemeindereferent werde, dann wird Er es auch möglich machen. Als aktuellen Stand der Dinge kann ich jedenfalls zu Protokoll geben, dass ich nach dem Absenden meiner Online-Bewerbung ziemlich umgehend eine Einladung zu einem Online-Vorstellungsgespräch erhalten habe. Seien wir also gespannt! 


Update Herz Jesu Tegel: Gibt es den Arbeitskreis Offene Kirche etwa schon? Ganz ohne mein Zutun? 

Wie neulich bereits erwähnt, habe ich am letzten Tag vor dem Urlaub der Tegeler Pfarrkirche Herz Jesu einen kleinen Besuch abgestattet; und dabei entdeckte ich in der Schriftenauslage im Windfang einen Flyer, der zumindest ansatzweise in die Richtung der "Sofortmaßnahmen" geht, die ich hier unlängst für einen Arbeitskreis Neuevangelisierung, den man alternativ auch Arbeitskreis Offene Kirche nennen könnte, ins Spiel gebracht habe. Dieser Flyer weist auf die offene Kirche hin, nennt die täglichen Öffnungszeiten sowie den Termin des wöchentlichen Friedensgebets, das im Wochenplan gewissermaßen die Stelle unserer früheren Lobpreisandachten eingenommen hat; außerdem ist ein Foto des Kirchenportals drauf, und das aus zwei Bibelversen zusammengestellte Motto im Tympanon dieses Portals – "Kommt alle zu mir, die ihr mühselig und beladen seid! Ich gebe euch Leben in Fülle" (Mt 11,28/Joh 10,10) – ist noch einmal extra abgedruckt. Keine Ahnung, wer diesen Flyer erstellt, gedruckt und ausgelegt hat, aber auf jeden Fall ist es ein begrüßenswerter Schritt in die richtige Richtung; und wenn ich dennoch etwas daran zu kritisieren habe, dann bin ich mir dabei sehr wohl der Versuchung bewusst, in eine "Wenn die sowas ohne mich machen, kann dabei ja nix Vernünftiges rauskommen"-Haltung zu verfallen. Ein paar Kritikpunkte habe ich gleichwohl, nämlich ganze drei an der Zahl; vielleicht sollte man sie auch lieber "Anregungen zur Verbesserung" nennen als "Kritikpunkte". Der erste Punkt ist relativ simpel: Ich würde dem Flyer ein besseres, optisch ansprechenderes Design wünschen. – Gewiss, ein schlicht designter Flyer ist erst mal besser als gar keiner; aber eben mit Betonung auf "erst mal". Auf längere Sicht sollte man sich damit nicht zufrieden geben. Zweitens: Wieso wird das Friedensgebet erwähnt, Rosenkranz und Eucharistische Anbetung hingegen nicht? Möglicherweise steckt die Vorstellung dahinter, das Friedensgebet sei wegen seines gesellschaftlich relevanten Themas irgendwie niederschwelliger, aber ich könnte mir auch vorstellen, dass die Ersteller des Flyers so weit gar nicht gedacht haben, oder jedenfalls nicht bewusst. – Und schließlich: Wo liegt dieser Flyer aus? In der Kirche. Also da, wo ihn nur Leute finden, die bereits herausgefunden haben, dass die Kirche offen ist, und sich getraut haben, hineinzugehen. Klarer Fall von "Finde den Fehler", würde ich mal sagen. Okay, mit ein bisschen gutem Willen kann man es so interpretieren, dass der Flyer zum Mitnehmen und Weiterverteilen da liegt. Also nahm ich mir kurzerhand ungefähr die Hälfte der ausliegenden Flyer mit und platzierte sie bei REWE am Schwarzen Brett


Und nun schauen wir mal, wie sich die Dinge weiter entwickeln! 


Update Bibelleseplan und Nachtrag zu Peter und Paul 

Was ist derweil eigentlich aus meinem Ansinnen geworden, das Alte Testament im Laufe des Kalenderjahres 2026 einmal komplett durchzulesen? Da gilt es zunächst einmal zerknirscht einzuräumen, dass ich in den Wochen vor dem Urlaub irgendwie aus dem Rhythmus gekommen bin – sodass ich schließlich gegenüber dem Leseplan aus der EFG The Rock Christuskirche, den ich so modifiziert hatte, dass auch die Spätschriften des Alten Testaments mit hineinpassen sollten, einen Rückstand von etwa eineinhalb Wochen angesammelt hatte. Ob das daran lag, dass ich so viel anderes "um die Ohren" hatte, oder daran, dass ich die Bücher Deuteronomium und Jesus Sirach, die ich meinem Plan zufolge parallel zueinander lesen sollte, zunehmend zäh und langatmig fand – oder inwieweit sich beides bedingte –, sei mal dahingestellt. Damit aber nicht genug: Gerade als ich mich dazu aufraffen wollte, diesen Rückstand möglichst innerhalb weniger Tage aufzuholen, stellte ich fest, dass der postkartengroße Übersichtsplan über die Leseetappen unauffindbar war. Ich hatte ihn als Lesezeichen in ein Büchereibuch gelegt, und nun hatte ich ihn wohl versehentlich mitsamt diesem Buch in der Bücherei abgegeben. Na, wer weiß, wofür's gut ist, wenn der nächste Entleiher des Buches die Karte findet. – Trotz aller Widrigkeiten schaffte ich es schließlich aber doch, die Bücher Deuteronomium und Jesus Sirach rechtzeitig vor Beginn des Urlaubs durchzukriegen und mit den Büchern Josua und Jesaja einen frischen, motivierten Neustart hinzulegen. Der Erfolg dieser Maßnahme war bemerkenswert: Die ersten Kapitel des Buches Josua mit den Vorbereitungen zum Übergang über den Jordan motivierten mich irgendwie dazu, die Reise nach Butjadingen als eine Mission aufzufassen – auch wenn es da ja nun gerade nicht um einen Weg handelte, den wir "früher noch nie gegangen" waren (vgl. Josua 3,4) –; und die eindringlichen Aufrufe zur Umkehr, mit denen das Buch Jesaja beginnt, passten da stimmungsmäßig auch gut ins Bild. 

Und dann saßen wir gestern – s.u. – am Strand in Eckwarderhörne, und während die Kinder sich auf dem Spielplatz vergnügten, beschäftigte meine Liebste sich mit der Hallow-App (vor der häretisch.de gerade mal wieder gewarnt hat, aber dazu vielleicht ein andermal mehr) und entdeckte dort eine Reihe von Tagesimpulsen von unserem alten Freund Pater Paulus von den Franziskanern der Erneuerung: "Wort für heute" heißt diese Reihe, allerdings war der Beitrag, den meine Liebste (unabsichtlich) dazu auswählte, ihn zusammen mit mir anzuhören, nicht der tagesaktuelle, sondern der vom 29. Juni, dem Hochfest Peter und Paul. Was Pater Paulus zur Stellung dieses Hochfests im Kirchenjahr anmerkte, fand ich ausgesprochen inspirierend: Bekanntlich markiert Peter und Paul nach dem Ende des Osterfestkreises, nach Pfingsten, dem Dreifaltigkeitssonntag und Fronleichnam den Beginn einer recht langen Zeit, in der es – mit Ausnahme von Mariä Himmelfahrt – keine besonders hohen kirchlichen Feiertage gibt; der Volksmund kleidet diesen Umstand in die Redewendung "Nach Peter und Paul wird der Pfarrer faul", die Pater Paulus indes nicht zitiert. Stattdessen deutete er die Tatsache, dass dieses Datum gewissermaßen den Übergang von einer Zeit voller großer Feste zum liturgischen "Alltag" markiert, dahingehend, dass mit dem Gedenken der Apostelfürsten im Zeitraum nach Pfingsten noch einmal bekräftigt wird, dass mit dem Pfingstereignis die Zeit der Kirche angebrochen sei – unsere Zeit. In demselben Sinne könne man auch aus dem Umstand, dass die Apostelgeschichte des Lukas keinen richtigen Schluss hat, sondern ziemlich unvermittelt abbricht, die Botschaft herauslesen: Diese Geschichte ist noch nicht zu Ende, sie geht weiter bis heute – sie geht mit uns weiter. Wenn das mal nicht motivierend ist! 


Camino de Willehado '26: Erste Eindrücke 

Wäre ich Reiseblogger oder, noch besser, professioneller Bahn-Kritiker, dann hätte mich die Fahrt von Berlin nach Nordenham am Donnerstag mit reichlich Material versorgt; so aber genüge es zu sagen, dass mehrere voneinander unabhängige Verspätungsursachen verschiedener Züge sich zu einer gegenüber der gebuchten Verbindung um zwei Stunden verspäteten Ankunft addierten. Mehr Reisezeit fürs selbe Geld! Als Glück im Unglück erwies sich diese Verspätung insofern, als wir bei unserer Ankunft in Nordenham den neuapostolischen Gemeindevorsteher trafen – der uns bei dieser Gelegenheit mitteilte, dass er mit seiner Familie das erste Urlauberkirchen-Team auf dem Burhaver Campingplatz bildet. Das lässt ja hoffen! 

Der Kirche Herz Mariä Burhave stattete ich einen ersten Besuch ab, als ich am Abend unserer Ankunft erst mal das Nötigste einkaufen ging – schließlich liegt der große Edeka-Markt direkt gegenüber der kleinen Kirche. Am Fahnenmast hing, infolge des schwachen Windes eher schlaff, die Gay Pride-Flagge über einer Flagge mit dem neuen Logo der Urlauberkirche, das Kirchengebäude selbst fand ich verschlossen vor, sagte mir aber, dass das womöglich an der Uhrzeit lag – es war schon fast 18 Uhr. 

Am nächsten Tag – gestern – fuhren wir erst mal mit dem Bürgerbus nach Eckwarderhörne an den Strand, unbeeindruckt davon, dass noch nicht so ganz ideales Badewetter herrschte. Nachdem die Kinder ein bisschen mit ihren Badetieren herumgetollt hatten, machte die Ebbe das Baden allerdings schwierig; daraufhin gingen die Kinder auf dem Spielplatz schaukeln, dann kauften wir uns ein Eis, aber danach waren es immer noch über zwei Stunden, bis der nächste "Bürgerbus" zurück fuhr, und die ganze Zeit nur zu "chillen", hatte ich keine Lust, daher nutzte ich die Gelegenheit zu einer Solo-Fußwanderung ins Dorf Eckwarden, das rund dreieinhalb Kilometer vom Eckwarderhörner Strand entfernt liegt. Da kommt man nämlich sonst kaum mal hin. Ich bereute diese Entscheidung auch nicht, denn schon auf dem Weg zeigte sich die Butjenter Landschaft von ihrer schönsten Seite, Eckwarden selbst ist ein hübsches kleines Dorf, vor allem aber war ich freudig überrascht, dass das eigentliche Hauptziel meinetwegen Solo-Wanderung, die St.-Lamberti-Kirche aus dem 15. Jahrhundert, für Gebet und Besichtigung geöffnet war. 


Darauf, was es in dieser Kirche zu sehen gab und was ich über ihre Geschichte in Erfahrung gebracht habe, komme ich wohl in einem zukünftigen Beitrag noch zurück. – Wieder in Burhave, stattete ich der Kirche Herz Mariä einen erneuten Besuch ab und fand diesmal auch diese offen vor, blieb aber nur für ein kurzes Gebet, in der festen Absicht, in den kommenden Tagen noch öfter wiederzukommen. Gestern Abend hätten wir uns theoretisch kostenlos ein Orgelkonzert in der Langwarder Kirche anhören können, aber... sagen wir mal: Die Kinder waren nicht in der Verfassung dazu. Mehr aus Butjadingen gibt's dann spätestens im nächsten Wochenbriefing!


Geistlicher Impuls der Woche 

Möge die gesamte Kirche in Europa spüren, dass das Gebot und die Einladung des Herrn: Gehe in dich, bekehre dich, "werde wach und stärke, was noch übrig ist, was schon im Sterben lag!" (Offb 3,2), an sie gerichtet ist. Diese Erfordernis ergibt sich auch aus der Betrachtung der heutigen Zeit: Die ernste Situation der religiösen Gleichgültigkeit so vieler Europäer; die Anwesenheit so vieler Menschen auch auf unserem Kontinent, die Jesus Christus und seine Kirche noch nicht kennen und die noch nicht getauft sind; die Säkularisierung, die breite Schichten von Christen ansteckt, die so denken, entscheiden und leben "als ob Christus nicht existierte": Das alles löscht unsere Hoffnung nicht aus, sondern macht sie demütigen und befähigt sie besser, allein auf Gott zu vertrauen. Von seinem Erbarmen empfangen wir die Gnade und die Bereitschaft zur Umkehr. 

(Johannes Paul II., Nachsynodales Schreiben Ecclesia in Europa, Nr. 26) 


Ohrwurm der Woche 

John Lennon: Watching the Wheels 


Das war eine knappe Entscheidung; auch noch im Rennen war "Dreams" von Fleetwood Mac gewesen, ein in puncto "entspannte Urlaubsstimmung" wohl einigermaßen ebenbürtiger Mitbewerber. Ausschlaggebend war zuletzt, dass John Lennon trotz der innigen Hassliebe, die ich für ihn hege, bisher noch nie einen offiziellen "Ohrwurm der Woche" bei mir gelandet hatte, Fleetwood Mac hingegen schon – vor fast genau einem Jahr. – "Watching the Wheels" ist für mein Empfinden jedenfalls ein Highlight von Lennons Solo-Werk; darin singt der Ex-Beatle darüber, wie's ihm so geht, seit er sich ins Privatleben zurückgezogen hat und nicht mehr aktiv im Popmusikbusiness mitmischt und dass ihm komischerweise keiner glaubt, dass er das gut findet und sogar genießt. Ein bisschen ironisch ist es wohl, so einen Song dann aufs Comeback-Album draufzutun, aber noch ironischer ist es doch, im Zeitraum zwischen der Aufnahme und der Veröffentlichung dieses Comeback-Albums erschossen zu werden... 


Vorschau/Ausblick 

Kurz nachdem dieses Wochenbriefing online gegangen sein wird, ist in Herz Mariä Burhave Vorabendmesse, und den Pfarrnachrichten zufolge wird diese von Pastor Kenkel zelebriert; die erste Gelegenheit, uns einen Eindruck vom neuen Pfarrer zu verschaffen, wird noch etwas warten müssen, denn der ist noch bis Montag im Urlaub. Ebenfalls im Urlaub, und zwar noch bis Freitag, ist Diakon Richter, und auch die Social-Media-Redaktion der Pfarrei (von der ich nicht so genau weiß, wer da außer dem Diakon noch so dazugehört) hat sich Anfang des Monats für drei Wochen in den Urlaub verabschiedet; also eigentlich beste Voraussetzungen, um in Sachen "Guerilla-Urlauberseelsorge" die eine oder andere Bombe platzen zu lassen. Am morgigen Sonntag soll jedenfalls das Kinderprogramm der Urlauberkirche im Zelt auf dem Burhaver Campingplatz beginnen, und wie oben schon erwähnt, wird das Programm der ersten Woche – unter dem Motto "Gott feiert mit uns" – vom neuapostolischen Gemeindevorsteher und seiner Familie geleitet. Ich denke, dass wir uns da gleich bei erster Gelegenheit mal sehen lassen sollten; möglicherweise ergibt sich da dann auch gleich eine Gelegenheit, ein bisschen die Werbetrommel für unsere eigenen "Spirituellen Angebote für Familien im Urlaub" zu rühren. Im Übrigen sind wir im Moment noch mittendrin in der Planung unserer Ferienaktivitäten, was auch bedingt, dass wir für die besagten spirituellen Angebote noch keine Termine festgelegt haben. Was wir aber, neben ein- bis dreimal "Lobpreis mit dem Stundenbuch" (intern auch "Beten mit Musik" genannt), unbedingt machen wollen, ist ein Kinderwortgottesdienst zum Gleichnis vom Sämann bzw. vom Fünffachen Acker (Mt 13,1-23) – das ist das Evangelium vom morgigen Sonntag. Am Montag, dem Gedenktag der Hll. Heinrich und Kunigunde, habe ich mein Online-Vorstellungsgespräch mit einer Professorin der Katholischen Hochschule Nordrhein-Westfalen; das könnte technisch noch eine Herausforderung werden, da unsere Ferienwohnung kein WLAN hat. Drückt mir mal die Daumen, dass alles gut klappt! – Am Mittwoch gäbe es die Möglichkeit, an einer Kirchenführung in Langwarden teilzunehmen; die dortige Kirche St. Laurentius stammt aus dem 12. Jahrhundert und beherbergt neben einem barocken Hochaltar eine der bedeutendsten Barockorgeln Norddeutschlands. Am Donnerstag ist Werktagsmesse in Herz Mariä Burhave; wer die zelebriert, oder sonstige Details, habe ich noch nicht in Erfahrung bringen können, da das neue Wochenblatt der Pfarrei bis zum Redaktionsschluss dieses Blogartikels noch nicht erschienen ist. – Und dann ist die erste Urlaubswoche auch schon rum! 


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