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Samstag, 22. Februar 2025

Die 3 K der Woche (13): Kinder, Kirche, Kulturkatholizismus

Ich muss gestehen, Leser: Nachdem die erste Schul- und Arbeitswoche nach den Winterferien verhältnismäßig locker über die Bühne gegangen war, war ich während der zweiten permanent gestresst. Ich bin mir nicht mal ganz sicher, woran das lag. Okay, der Jüngste war ziemlich launisch (wohl wegen "Mamivermissung"), aber ich glaube, hauptsächlich war ich einfach angespannt, weil ich das Gefühl hatte, ich hab unglaublich viel zu tun (v.a. zu schreiben) und komme zu nichts. Einem gelassenen Umgang mit den Launen der Kinder ist so etwas natürlich nicht gerade förderlich, und so schaukeln diese Stressfaktoren sich gegenseitig hoch. Immerhin ist es mir gelungen, einen wegen drohender Überlänge aus dem Wochenbriefing ausgegliederten thematischen Abschnitt – nämlich über Politikzu einem separaten Artikel auszubauen und diesen gestern zu veröffentlichen; danach ging's mir besser, und Themen fürs Wochenbriefing blieben auch so noch genug. Seht selbst!  

Kommt jetzt schon der Frühling oder ist das nur so'ne Phase? 

I Get a Kick Out of You(th Pastoral) 

Wer das Wochenbriefing von voriger Woche gelesen hat, wird sich erinnern, dass mein Bericht über die "Kickoff"-Veranstaltung des neuen Jugendpastoral-Teams des Erzbistums Berlin noch der Fortsetzung harrt. Allerdings haben mich verschiedene Aspekte dieser Veranstaltung – darunter auch (aber nicht in erster Linie) die Begegnung mit ein paar Ehrenamtlichen aus der Jugendarbeit der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd – daran erinnert, dass ich meinen Lesern sowieso noch einen Artikel zum Thema Jugendpastoral schuldig bin, den ich bereits vor Monaten, nämlich in "Hasch mich, ich bi die Zukunft", angekündigt hatte. Und da passen die Eindrücke von der "Kickoff"-Veranstaltung eigentlich sehr gut rein. Ich hätte diesen Artikel – dem ich bei dieser Gelegenheit mal den Arbeitstitel "Willkommen bei der 'auch mal'-Pastoral" verpassen möchte – vielleicht sogar schon fertig, wenn ich nicht noch meine Rezension zum Buch "Urworte des Evangeliums" (die ebenfalls noch nicht fertig ist) und ein paar Sachen für die Tagespost in der Pipeline gehabt hätte, die Priorität beansprucht haben. – Nun stellt sich natürlich die Frage: Gibt es überhaupt noch etwas über die "Kickoff"-Veranstaltung zu berichten, was nicht im Interesse der Redundanzvermeidung besser in dem angekündigten separaten Jugendpastoral-Artikel aufgehoben wäre? Na, ein paar Einzelheiten vielleicht. Ich fand es auf den ersten Blick recht beruhigend, dass ich nicht der älteste Teilnehmer bei diesem Event war; die lustigen gruppendynamischen Kennenlernspielchen, die das Team sich für die Teilnehmer ausgedacht hatten, hätte ich allerdings auch schon doof gefunden, als ich wirklich noch jugendlich war. Erst recht galt das dafür, mit wie viel überkandideltem Schalala und Huhu (einschließlich buchstäblicher Konfettikanonen) die Vorstellung der Teammitglieder in Szene gesetzt wurde, die so jung ja nun auch nicht mehr sind. Substanziellere Kritik an der Teampräsentation hebe ich mir für den separaten Artikel auf, möchte mich an dieser Stelle aber schon mal für einen (anonymen) Kommentar zu meinem vorigen Wochenbriefing bedanken, der mich auf eine Umfrage im Zuge der sogenannten "Perspektiventwicklung Jugendpastoral" im Erzbistum Berlin aufmerksam machte: Offenbar seien die Umfrageergebnisse in wesentlichen Punkten anders ausgefallen als von interessierter Seite beabsichtigt, weshalb die unerwünschten Ergebnisse bei der Ausarbeitung des neuen Jugendpastoral-Konzepts kurzerhand ignoriert worden seien. Ich werde der Sache nachgehen...! 

Im Übrigen verließ ich die Veranstaltung gegen 19:30 Uhr, also ziemlich unmittelbar nachdem das neue Jugendpastoral-Team des Erzbistums sich und sein Konzept vorgestellt hatte; von Neukölln zurück nach Tegel ist es halt doch ein recht weiter Weg und ich wollte zu einer einigermaßen vernünftigen Zeit wieder bei meiner Familie sein. Obendrein versprach ich mir nach alllem, was ich bisher hier erlebt hatte, vom weiteren Verlauf der Veranstaltung nichts Gutes mehr – obwohl mich der für 20:30 Uhr angekündigte "Spirituelle Abschluss" durchaus interessiert hätte. Welchen Stellenwert "Spiritualität" im Jugendpastoral-Konzept des Erzbistums hat bzw. was dort überhaupt unter dieser Bezeichnung verstanden wird, wird ein wesentlicher Aspekt des angekündigten Artikels "Willkommen bei der 'auch mal'-Pastoral" werden; was ich aber hier und jetzt schon erwähnen möchte, ist, dass ich auf der Instagram-Präsenz der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd – in Form einer "Story" – einen kurzen Ausschnitt aus dem "Spirituellen Abschluss" der Veranstaltung vom vorletzten Freitagabend gesehen habe, der mir den Eindruck vermittelt hat, nichts Besonderes verpasst zu haben. In diesem kurzen Video war zu sehen und zu hören, wie die Anwesenden "Jesus Christ, You are My Life" sangen – ein von einem italienischen Priester für den Weltjugendtag 2000 geschriebenes Lied, das es sogar ins Gotteslob geschafft hat. Da kann man natürlich mal wieder sagen "Immerhin kein NGL", aber im Vergleich z.B. zu der seit Mitte der 90er Jahre von Albert Frey produzierten Lobpreis-Reihe "Feiert Jesus!" oder Liedern aus dem Gebetshaus Augsburg finde ich "Jesus Christ, You are My Life" musikalisch doch recht altbacken und bieder – und gerade darum eigentümlich passend für diese Veranstaltung. Und das noch nicht mal, weil so etwas wie das Gebetshaus Augsburg den diözesanen Jugendfunktionären zu "fundamentalistisch" wäre; das wäre es sicherlich auch, wenn sie überhaupt so weit denken würden, aber ich glaube eher, das haben sie überhaupt nicht auf dem Schirm, weil sie einfach viel zu sehr in ihrem eigenen volkskirtlichen Saft schmoren. Näheres zu den Gründen dieser Einschätzung dann wie gesagt demnächst an anderer Stelle... 


Predigtnotizen 

Am 6. Sonntag im Jahreskreis gingen wir mal wieder in St. Joseph Siemensstadt in die Messe, wo wir zuletzt vor drei Wochen gewesen waren; zelebriert wurde die Messe diesmal vom leitenden Pfarrer der Großpfarrei Heilige Familie Spandau-Havelland. Das Evangelium vom Tag war Lukas 6,17-18a.20-26, die Lukas-Version der Seligpreisungen; dazu gab's als 1. Lesung Jeremia 17,5-8 (vom falschen und rechten Vertrauen) und als 2. Lesung 1. Korinther 15,12.16-20 (die Gewissheit künftiger Totenauferweckung), und der Pfarrer machte bereits in seinen Begrüßungsworten deutlich, worin er den Roten Faden zwischen diesen drei Bibelstellen sieht: "Jesus, der Herr, gibt uns die Möglichkeit, noch einmal eindeutig zu erkennen: Wir haben die freie Wahl; es ist das Geschenk Gottes an uns, dass wir uns für das Gute, allerdings auch für das Böse entscheiden dürfen. Und Er sagt auch ganz konsequent, was das bedeutet. Der Grund all unserer Hoffnung aber ist, dass wir erlöste Menschen sind durch die Auferstehung Jesu Christi, an die wir glauben, die wir bekennen." 

Dass an so prominenter Stelle das Stichwort "Wahl" fiel, war eine Woche vor der Bundestagswahl natürlich kein Zufall. Zu Beginn seiner Predigt erwähnte der Pfarrer, er habe an einem anderen Kirchenstandort seiner Pfarrei mit den angehenden Erstkommunionkindern darüber gesprochen, was eigentlich eine Wahl sei: "Überall sprechen die Leute von Wahl, und überall hängen diese Plakate aus. Die Menschen sollen wählen." Trotz dieser Einleitung war das, was folgte, keine "politische" Predigt in dem Sinne, wie man diese Bezeichnung üblicherweise versteht; vielmehr erklärte der Pfarrer, im Dialog mit den Kindern habe sich herauskristallisiert, dass man im Leben eigentlich ständig die Wahl hat, sich zwischen verschiedenen Handlungsoptionen zu entscheiden – aber auch, dass jede Entscheidung Konsequenzen hat. In dieser Möglichkeit, aber auch Notwendigkeit, ständig Entscheidungen zu treffen, zeige sich auch, "wie wir Menschen von Gott gedacht sind. Uns ist etwas gegeben, was manchen auch zur Last wird: die Freiheit der Entscheidung." Bereits die Sündenfallerzählung des Buches Genesis mache deutlich: "Gott hat den Menschen mit Freiheit beschenkt, er ist in der Lage zu entscheiden." Die eine wirklich zentrale Entscheidung aber, das betonten die Lesungen dieses Sonntags, "besteht darin, wo ich mein Leben und meine Lebensperspektive festmache, wo ich den letzten Halt habe" – das heißt: ob ich auf Gott vertraue oder, wie es der Antwortpsalm formuliert, dem "Rat der Frevler", dem "Weg der Sünder" folge und "im Kreis der Spötter" sitze (Psalm 1,1). Die insgesamt gut 13 Minuten lange Predigt enthielt noch weitere bemerkenswerte Passagen, etwa über Dostojewskis Legende vom Großinquisitor oder über den Vorwurf der marxistischen Religionskritik, die Seligpreisungen Jesu, in denen Er "den Menschen, die vielleicht auf dieser Welt niemals Trost bekommen werden, die niemals in dieser Welt genügend zu essen haben werden", zusichert "Ihr seid in dem Augen Gottes nicht vergessen", seien "der billigste Trost, den Menschen sozusagen den Himmel zu versprechen, damit ihr diese Welt nicht verändern müsst": So sei es selbstverständlich nicht, betonte der Pfarrer. "Es bleibt der letzte Trost, den wir den Menschen gewähren können oder sagen können, aber das heißt nicht, dass wir dieses unser Leben nicht gerechter werden lassen müssen. Und das ist die Aufgabe auch der Christen auch in dieser Welt." Womit es zu guter Letzt wohl doch eine politische Predigt in einem weiteren Sinne war: Auch bei der anstehenden Wahlentscheidung müsse es darum gehen, die Würde des Menschen zu verteidigen, die darin bestehe, "was der Mensch ist in den Augen Gottes". 


Schwarzer Gürtel in KiWoGo: Die Sache mit dem Moralismus 

In meinem vorigen Beitrag zur Rubrik "Schwarzer Gürtel in KiWoGo"vor vier Wochen – hatte ich mir den Vorsatz notiert, mir "als Hausaufgabe" mitzunehmen, "besser und differenzierter darlegen zu können, was ich unter moralisierenden Tendenzen in der Kinderkatechese verstehe und warum ich meine, dass man sie unbedingt vermeiden sollte". Da nun am Dienstag der zurückliegenden Woche wieder ein Treffen des KiWoGo-Arbeitskreises anstand, sagte ich mir, nun wird's aber mal Zeit, diese Hausaufgabe in Angriff zu nehmen. Meine Vorbereitung auf das Arbeitskreistreffen bestand daher im Wesentlichen darin, meine Gedanken zu diesem Thema zu ordnen – und zwar einmal allgemein und einmal mit Blick auf den anstehenden Kinderwortgottesdienst zu Lukas 6,43-45 (den Baum erkennt man an seinen Früchten). 

Fangen wir also mal mit einer knalligen These an: 

  • Vorrangiges Ziel jeder Form von Kinderkatechese muss es sein, dass die Kinder Jesus Christus kennen und lieben lernen. Alles Weitere, was zum Christsein (und zum Katholischsein) gehört, folgt daraus

Und gleich noch eine zweite knallige These hinterher: 

  • Das Missverständnis, Christ zu sein bedeute im Wesentlichen, ein moralisch "guter Mensch" zu sein, ist so verbreitet, dass die Kinder geradezu zwangsläufig zu einem gewissen Grad von dieser Vorstellung beeinflusst werden. Aufgabe der Katechese muss es daher sein, hier gegenzusteuern, statt diese Auffassung noch zu bestärken

– Was ist nun aber an der Vorstellung, die Essenz des Christlichen bestehe darin, ein moralisch guter Mensch zu sein, so falsch? Fragen wir mal den YouCat

341. Kann man sich durch gute Werke den Himmel verdienen? 

Nein. Kein Mensch kann sich den Himmel bloß aus eigener Kraft erarbeiten. Dass wir erlöst sind, ist reine Gnade Gottes, die dennoch die freie Mitwirkung des Menschen fordert. 

Das mit der Mitwirkung des Menschen ist natürlich ein wichtiger Punkt, und so heißt es im nächsten Absatz: 

Sosehr es die Gnade und der Glaube sind, durch die wir gerettet werden, so sehr soll sich doch an unseren guten Werken die Liebe zeigen, die Gottes Handeln an uns hervorbringt. 

Halten wir das mal fest: Es ist das Handeln Gottes an uns, das Liebe hervorbringt, und diese Liebe befähigt uns dazu, das Gute zu tun. Das ist offenkundig etwas ganz Anderes, als die Botschaft des Christentums auf die Forderung "Sei ein guter Mensch!" zu reduzieren; aber wenn sich schon Erwachsene schwer damit tun, das zu unterscheiden, muss man bei Kindern erst recht auf der Hut sein, Missverständnisse zu vermeiden. 

Und was heißt das nun konkret für das Evangelium, um das es im anstehenden KiWoGo gehen soll? Betrachten wir die Verse Lukas 6,43-45 im Wortlaut der Einheitsübersetzung, dann können wir feststellen, dass da von guten Werken bzw. Taten gar nicht ausdrücklich die Rede ist, sondern von guten und schlechten Früchten; möglicherweise ist es also schon ein moralistischer Fehlschluss, sich unter diesen Früchten automatisch konkrete Taten vorzustellen. – Aber was sollte man sich sonst darunter vorstellen? Bear with me, wie der Angloamerikaner sagt: 

Jesus spricht von Früchten, die aus dem Herzen hervorgehen – gute Früchte aus einem guten Herzen, böse Früchte aus einem bösen. Für sich gesehen könnte man das dahingehend (miss-)verstehen, dass sozusagen "von Natur aus" manche Herzen gut und andere böse sind, aber so ist es zweifellos nicht gemeint. "Arglistig ohnegleichen ist das Herz und unverbesserlich" heißt es schon in Jeremia 17,9; und in Matthäus 15,19f. sagt Jesus: "Aus dem Herzen kommen böse Gedanken, Mord, Ehebruch, Unzucht, Diebstahl, falsche Zeugenaussagen und Lästerungen. Das ist es, was den Menschen unrein macht". Auf der anderen Seite heißt es schon in Psalm 51,12 "Erschaffe mir, Gott, ein reines Herz, und gib mir einen neuen, beständigen Geist!"; in den Seligpreisungen der Bergpredigt sagt Jesus denen, die "ein reines Herz haben", zu, dass sie "Gott schauen" werden (Matthäus 5,8); und im Galaterbrief (4,6) lesen wir, dass "Gott den Geist seines Sohnes in unsere Herzen" gesandt hat. Um abermals den YouCat zu zitieren: "Der Heilige Geist, der in unsere Herzen eingesenkt ist, schenkt uns ein Herz, das von Liebe zu Gott und den Menschen erfüllt ist" (Nr. 290). Ein gutes Herz ist demnach ein Herz, in dem der Geist Gottes wirkt, und folglich können wir die Früchte eines guten Herzens mit den Früchten des Heiligen Geistes identifizieren, als die der Apostel Paulus "Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Enthaltsamkeit" benennt (Galater 5,22f.). Und damit sind wir dann schon fast bei einer Unterscheidung der Geister im ignatianischen Sinne: Ob etwas gut für unser Herz ist und uns Gott näher bringt, können wir daran erkennen, ob es die genannten Früchte hervorbringt. 

Diese Überlegungen nahm ich also mit in das Treffen des KiWoGo-Arbeitskreises am Dienstag; dieses fand in recht informellem Rahmen und nur zu zweit statt, da die Dritte im Team aus familiären Gründen kurzfristig verhindert war. Der Gemeindereferent hatte sich inzwischen ebenfalls seine Gedanken über den "schwierigen" KiWoGo zum 8. Sonntag im Jahreskreis gemacht, allerdings vorrangig mit Blick auf Fragen des Ablaufs und der visuellen Gestaltung; wie sich zeigte, ergänzten sich seine und meine Vorstellungen ziemlich gut. Genaueres dazu werde ich aber erst in zwei Wochen verraten, wenn der KiWoGo über die Bühne gegangen ist... 

Außerdem besprachen wir bei diesem Treffen auch den Kinderkreuzweg, der in der Woche vor den Osterferien stattfinden soll. Wie ich sicherlich schon mal erwähnt habe, möchte der Gemeindereferent in diesem Jahr noch einmal ein gegenüber den vorangegangenen Jahren neues und anderes Kinderkreuzweg-Konzept entwickeln, um dann in Zukunft zwischen drei erprobten Modellen "rotieren" zu können; und er hat für dieses Jahr auch schon eine gute Idee gehabt, die ich allerdings noch nicht verraten möchte. Jedenfalls soll dieser Kinderkreuzweg wie der vom letzten Jahr wieder sieben Stationen umfassen, aber die Aufgabenverteilung unter uns ist diesmal anders: Letztes Jahr hatten der Gemeindereferent und ich die Gestaltung der einzelnen Stationen unter uns aufgeteilt (er hatte drei übernommen und ich vier), diesmal erarbeitet er für alle sieben Stationen die "Betrachtungen" und ich suche passende Bibelstellen dazu heraus und formuliere für jede Station ein kurzes Gebet. Letzteres ist eine Aufgabe, von der ich wohl noch vor ein paar Jahren gesagt hätte, sie wäre "nicht so mein Ding", aber jetzt freue ich mich drauf. So wächst man an seinen Aufgaben... 


Vermischtes aus der religiösen Frühförderung 

Mit den "Beten mit Musik"-Andachten in St. Joseph Tegel lief es in der zurückliegenden Woche wieder nicht so gut, wie ich es mir eigentlich gewünscht hätte: Am Montag hatten wir von vornherein keine Zeit dazu, am Dienstag schlief der Jüngste wieder auf dem Weg zur Kirche ein, und als er wieder aufwachte, hatten wir zwar noch genug Zeit, aber der Knabe hatte schlechte Laune und wollte, ohne auf Nachfrage Gründe dafür angeben zu können, "keine Musik!". Da er sich nicht umstimmen ließ, betete ich kurzerhand die Sext vor, ohne Gesang oder irgendwelche Erweiterungen; dann konnte ich meinen Junior überreden, eine Opferkerze anzuzünden, und danach war er dann auch bereit für ein Lied zum Abschluss – nämlich sein erklärtes Lieblings-Lobpreislied, "Jesus, unser Herr (Jetzt beten wir für diese Stadt)" von der CD "Es geht um Jesus", da kommen Rap-Passagen drin vor. 

Am Mittwoch gingen wir wieder in Heiligensee zur Messe; der nigerianische Pfarrvikar, der von jeher unser Lieblingsgeistlicher in dieser Pfarrei ist, war wieder im Lande, nachdem er fünf Wochen in Nigeria gewesen war, und der Zelebrationsplan der Pfarrei St. Klara Reinickendorf-Süd für die zurückliegende Woche sah so aus, als müsse er die versäumte Zeit nacharbeiten (aber vielleicht liegt das auch daran, dass jetzt ein anderer Priester der Pfarrei Urlaub hat, das weiß ich nicht). Zur Messe in Heiligensee am Mittwoch kam er allerdings über zehn Minuten zu spät; gerade hatte der steinalte Küster/Lektor/Ministrant – wie schon einmal in ähnlicher Situation – beschlossen, dann eben einen Wortgottesdienst zu halten, und ein Lied zum Einzug singen lassen, da erschien der Pfarrvikar in der Sakristeitür und erklärte, sein Bus habe Verspätung gehabt, er habe versucht anzurufen, aber niemanden aus der Gemeinde erreicht. Jedenfalls konnte nun doch noch Heilige Messe gefeiert werden; mich erinnerte dieser ganze Vorgang daran, dass ich schon seit fast einem Jahr einen Artikel mit dem Arbeitstitel "Klaus Mück und der Priestermangel" angedacht habe – wird wohl langsam mal Zeit, darauf zurückzukommen, jedenfalls wenn die weiter oben erwähnten vorrangigen Artikelthemen abgearbeitet sind... 

Am Mittwochnachmittag beim JAM ging es weiter mit dem Buch Daniel, und wie man, wenn man das Buch kennt, leicht hatte voraussehen können, war diesmal das Gastmahl des Belsazar an der Reihe. Als aus dem Tempel geraubte Gefäße wurden dabei die echten Abendmahlskelche der Gemeinde eingesetzt. 

Das Schlagzeug kam nicht zum Einsatz, das steht halt immer da.

Als im "Ergebnissicherungs"-Gespräch die Frage gestellt wurde, wer oder was uns denn (neben dem Lesen in der Bibel und dem Hören auf Gott im Gebet; diese Möglichkeiten wurden auch genannt) dabei helfen könne, herauszufinden, was Gott von uns will, gab mein Tochterkind eine gut katholische Antwort: "Die Kirche." 

Nächste Woche müsste aller Voraussicht nach Daniel in der Löwengrube drankommen. Die Geschichte kennen meine Kinder schon, dank der Tatsache, dass sie ein ausgesprochen "gern genommenes" Sujet für Bibel-Bilderbücher ist. Schön wäre es, wenn die Schulfreundin des Tochterkindes mal wieder mitkäme; diesmal ist das an einer Terminkollision gescheitert. 


Neues aus Synodalien: Welche Religion hat mein Kind? 

Unlängst bin ich über die (an und für sich natürlich nicht besonders überraschende) Tatsache gestolpert, dass es auf häretisch.de eine Elternkolumne gibt; und gleich der erste Beitrag, den ich dort zur Kenntnis genommen habe, erscheint mir kommentarwürdig. Da schreibt häretisch.de-Redakteurin Melina Schütz darüber, dass Ohr siebenjähriger Sohn sie während einer Autofahrt mit der Frage "Mama, welche Religion habe ich eigentlich?" konfrontierte. Ich habe hier durchaus nicht die Absicht, darüber zu spotten, dass der Knabe das nicht weiß: Ich habe schließlich selbst ein siebenjähriges Kind, und wenn ich sage, ich kann mir nur schwer vorstellen, dass meine Tochter mir so eine Frage stellen würde, dann in erster Linie deshalb, weil ich vermute, dass ihr die Existenz unterschiedlicher Religionen höchstens vage bewusst ist. Gut vorstellen könnte ich mir daher, dass auch der Junge in der Kolumne diese Frage nur irgendwo aufgeschnappt hat und sie an seine Mutter weitergibt, ohne sich ganz im Klaren darüber zu sein, was sie eigentlich bedeutet. Auf die Gegenfrage der Mutter, woran er denn glaube, erwidert der Knabe jedenfalls mit Überzeugung "Jesus", und ich glaube, das würde meine Tochter auch sagen. 

Soweit also eigentlich alles in Butter, oder? – Nun ja: was das Kind angeht, schon; kritische Anmerkungen habe ich hingegen zur Haltung der Mutter. Das fängt damit an, dass sie sich über die "Unwissenheit" ihres Sohnes wundert – oder präziser gesagt, aus welchen Gründen sie das tut: "Hat er doch jahrelang eine katholische Kita besucht und nun auch schon ein paar Monate Religionsunterricht in der Grundschule hinter sich. Seine Mutter, also ich, arbeitet für die katholische Kirche. Wie konnte seine Religion an ihm vorbeigehen?" – Ich stelle fest, dass ich zunehmend verblüfft reagiere, diese institutionsfixierte Sicht auf die Kirche in freier Wildbahn anzutreffen; ich sage mir immer, so langsam müsste die doch mal aussterben. Dabei sollte ich eigentlich aus Erfahrung wissen, was für ein zähes Leben diese Vereinsmentalität hat – und zwar allem Anschein nach besonders unter Leuten, die für die Kirche arbeiten. Das muss diese Selbstbezogenheit ("autoreferencialidad") sein, vor der Papst Franziskus wiederholt so eindringlich gewarnt hat. Aber wer war es nochmal, der gesagt hat, die Zugehörigkeit zu einer Kirche macht dich ebensowenig zum Christen, wie du ein Auto wirst, wenn du in einer Garage stehst? Bezogen auf diese Elternkolumne könnte man sagen, die Verfasserin hat ihren Sohn in der Garage geparkt und wundert sich nun, dass er kein Auto geworden ist. Diese Verwunderung wirkt umso tragikomischer, als die Mutter sich scheut, ihrem Sohn auf die Frage nach seiner Religionszugehörigkeit eine klare Antwort zu geben: "Am Ende habe ich meinem Sohn nicht gesagt, dass er katholisch ist. Stattdessen haben wir erst einmal über das Wirken Jesu gesprochen." Letzteres ist ja gut und schön, aber warum "stattdessen"? Das kann oder will die Verfasserin dem Leser nicht so recht erklären; stattdessen breitet sie sich umfassend darüber aus, dass sie sich, als sie "Mama wurde, [...] zum ersten Mal intensiv mit [ihren] eigenen Werten beschäftigt und [s]ich gefragt, welche davon [sie] an [ihre] Kinder weitergeben möchte. Hilfsbereitschaft zum Beispiel." Und weiter: "Wir haben die Verantwortung, Werte, die uns wichtig sind, auch vorzuleben. Religion kann dabei eine große Stütze sein." Ah ja. Das ist, ob man's glauben mag oder nicht, die einzige Stelle in diesem Text, an der sich die Verfasserin darüber äußert, was ihre Religion (oder die ihres Sohnes) ihr bedeutet: Sie ist hilfreich für die Werteerziehung. Toll. Soviel mal dazu, warum es mir so wichtig ist, Moralismus in der Kinderkatechese zu vermeiden

Das ist aber noch nicht das einzige Problem, das ich hier sehe. Intuitiv neige ich dazu, Leuten nicht zu glauben, die einem, wenn man sie fragt, warum sie eigentlich Christen bzw. Kirchenmitglieder sind, sogleich etwas von "christlichen Werten" erzählen. Wie ich vor Jahren schon mal schrieb: "Christliche Werte" sind eine Abstraktion. Um sich zu Werten zu bekennen und nach besten Kräften nach ihnen zu leben, braucht man weder Christus noch die Kirche; man muss diese Werte auch nicht unbedingt "christlich" nennen, denn zu vielem von dem, was gemeinhin so bezeichnet wird, bekennen sich auch viele Nicht- und Andersgläubige. Wenn nun jemand – wie zum Beispiel die Verfasserin dieser Elternkolumne – sagt "Okay, vielleicht braucht man den christlichen Glauben nicht unbedingt, um diese Werte zu vertreten, aber er hilft immerhin dabei", mag da was Wahres dran sein, aber als Argument für den Glauben ist es mir zu schwach. Wenn ich nun sage, ich neige dazu, Leuten nicht zu glauben, wenn sie sagen, sie seien deshalb in der Kirche, weil ihnen christliche Werte wichtig sind, dann will ich diesen Leuten damit nicht unterstellen, dass sie lügen; ich glaube vielmehr, dass sie sich diese Erklärung zurechtgelegt haben, um vor sich selbst und anderen eine Kirchenbindung zu rechtfertigen, die ihnen letztlich selbst nicht ganz erklärlich ist. Diese sozusagen vor-rationale, "gefühlte" Kirchenbindung halte ich auch für den Hauptgrund dafür, dass so viele Leute immer noch nicht aus der Kirche ausgetreten sind. Aus rein "weltlicher" Sicht mag man Erziehung und Gewohnheit für diese rudimentäre Kirchenbindung verantwortlich machen, und so gesehen könnten auch katholische KiTa und Religionsunterricht durchaus eine gewisse prägende Rolle im Leben des Sohnes der häretisch.de-Kolumnisten spielen. Aber ich würde keinesfalls ausschließen, dass sich bei den vielen Nichtausgetretenen tatsächlich der charakter indelibilis der Taufe auswirkt – in dem Sinne, dass, wer einmal in den Mystischen Leib Christi aufgenommen wurde, nicht mehr so ganz von ihm loskommt. 

Möglicherweise – aber das müsste noch zu Ende gedacht werden – schlummert hier auch eine Erklärung dafür, dass man gerade im institutionellen Apparat der Kirche, einschließlich der kirchlichen Öffentlichkeitsarbeit, so viele Leute findet, die mit dem Glauben der Kirche eigentlich wenig anfangen können: Wenn "Mir sind eben christliche Werte wichtig" eine Rationalisierung dafür ist, dass man trotz fehlender Glaubensübereinstimmung "immer noch dabei ist, ist "Na, ich arbeite eben da" gewissermaßen die gesteigerte Version dieser Rationalisierung; und sofern es sich nicht um eine rein "ehrenamtliche" Mitarbeit handelt, gibt es sogar noch Geld dafür. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Das Verweilen bei [dem Eucharistischen Leib Christi] ändert uns zum Guten hin. Denn die Umgebung, der wir ausgesetzt sind, hat unweigerlich Auswirkung auf uns, wir können uns ihr nicht entziehen. Kein Mensch ist in der Lage, unabhängig von seiner Umwelt zu leben. Wir atmen die Luft, in der wir leben, spüren die Strahlen der Sonne, die uns wärmen. Sind wir der Sonne ausgesetzt, verändert sie uns. Das ist ein Naturgesetz. Wir können uns ins Dunkle zurückziehen, uns der Sonne verweigern. Dann werden wir ihre lebensspendende Kraft nicht an uns erfahren. Die Sonne verwandelt alles, worauf ihr Schein fällt; ihre Strahlen bewirken Leben. Wie die Blumen im Frühling ihrer Wärme nicht widerstehen können und zum Leben erwachen, so werden wir durch die Strahlen der Eucharistischen Gegenwart verwandelt, sobald wir uns öffnen und sie wirken lassen. Sie verändert uns. 

(Elisabeth Bock in "Urworte des Evangeliums") 


Ohrwurm der Woche 

Ray Barretto: Pastime Paradise 

Vor Jahren, als ich noch regelmäßig Geld für CDs ausgab, habe ich mir mal einen Sampler mit dem vielsagenden Titel "A Jazz Tribute to Stevie Wonder" geleistet, auf dem Jazzmusiker wie Ramsay Lewis, Roy Ayers, Stanley Turrentine und Ahmad Jamal Songs von, nun ja, eben Stevie Wonder interpretieren. Die CD ist insgesamt sehr gut, aber am stärksten bei mir "hängen geblieben" ist doch Ray Barrettos Latin-Jazz-Version von "Pastime Paradise". Möglicherweise auch deshalb, weil mir zwar Stevie Wonders Original nicht sonderlich geläufig war, dafür aber die Gangsta-Rap-Adaption "Gangsta's Paradise" von Coolio. Und immer wenn ich diese höre, fällt mir wieder Ray Barrettos Version ein. Mit rund achteinhalb Minuten ist sie ziemlich lang, aber dank eines Klavier-, eines Saxophon-, eines Gitarren- und zu guter Letzt eines Percussion-Solos lohnt es sich, sie bis zu Ende anzuhören. 


Vorschau/Ausblick 

Wie schon erwähnt, ist heute Abend wieder Community Networking Night im Baumhaus, aber ob wir es wirklich dahin schaffen, stand bei Redaktionsschluss – wie so oft – noch nicht ganz fest. Morgen werden wir wohl wieder in St. Joseph Siemensstadt in die Messe gehen, und davon abgesehen ist morgen natürlich der von Vielen mit Spannung erwartete Wahltag; dann werden wir wohl sehen, ob nach dem Februar der Merz kommt, und dann können wir vielleicht mal wieder über was anderes reden. Ein Thema, das in nächster Zeit wieder eine größere Rolle spielen dürfte als im letzten halben Jahr, ist die Pfadfinderei: Es steht die Möglichkeit im Raum, dass ich als Betreuer zur nächsten Frühlingsfahrt der Katholischen Pfadfinder Haselhorst mitkommen könnte – was ich gerne machen würde, vorausgesetzt, es wäre eins meiner Kinder (realistisch betrachtet also die Große) dabei. Die Fahrt ist zwar erst für das Wochenende nach Himmelfahrt geplant, und bis dahin ist ja noch ziemlich viel Zeit; aber um uns darüber klar zu werden, ob wir da wirklich mitwollen, wäre es sicher sinnvoll, im Vorfeld mit dem Tochterkind zu dem einen oder anderen Stammestreffen der Haselhorster Pfadfinder zu gehen, und die erste Gelegenheit dazu wäre schon am kommenden Samstag. Im Übrigen habe ich für die Haselhorster Pfadfinder gerade einen Spezialauftrag übernommen, nämlich, einen Kontakt zum Tegeler Stamm der Royal Rangers, eines freikirchlichen Pfadfinderverbandes, herzustellen – mit dem Ziel, zu sondieren, ob man gelegentlich mal was zusammen machen könnte. Als Gelegenheit zur Kontaktaufnahme hätte es sich theoretisch angeboten, dass, wie ich erfahren habe, die Frau des Gruppenleiters mit zweien ihrer Kinder in der "Rumpelberggruppe" ist, zu der ich fast jeden Freitag mit meinem Jüngsten gehe; ausgerechnet gestern waren sie allerdings nicht da. Nun hätte ich natürlich einfach mal auf Verdacht mit meiner Großen zu deren Stammestreffen gehen können – das war nämlich just heute Vormittag –, aber ich denke mir, ich warte lieber ab, ob sich nächsten oder übernächsten Freitag bei der Rumpelberggruppe ein informeller Erstkontakt ergibt, und dann gehe ich gegebenenfalls zum nächsten Stammestreffen, das ist nämlich schon in zwei Wochen. In der kommenden Woche wird außerdem eine neue Folge meiner Tagespost-Kolumne fällig, und wie wir wissen, habe ich noch ein paar Blogartikel außerhalb der Wochenbriefing-Reihe in der Pipeline. Ansonsten steht für die letzte Februarwoche bisher nichts Außergewöhnliches im Terminkalender; aber das kann sich natürlich noch ändern! 


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