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Sonntag, 9. Juli 2017

Foodsaving rocks!

Kürzlich ist mir aufgefallen, dass meine Liebste und ich nunmehr schon seit über einem Jahr an Plänen und Ideen für "subversive Pastoralprojekte" basteln; und seit über einem Jahr tauchen in unseren Überlegungen auch immer mal wieder die Stichworte Foodsharing und Foodsaving auf. Konkret erinnere ich mich daran, dass wir bei der Fiesta Kreutziga 2016 eine Weile an einem Foodsharing-Infostand verweilten, uns ein bisschen mit den Leuten unterhielten, Flyer und auch einige Lebensmittel mitnahmen und uns hinterher rundum einig waren, das sei doch eine tolle Sache. Bei dieser grundsätzlichen Feststellung blieb es aber vorerst auch - bis vor ein paar Wochen, als meine Liebste sich kurz entschlossen auf der Foodsharing-Website registrierte und erfolgreich einen Test absolvierte, um Foodsaver zu werden. -- Aber bevor ich weiter ins Detail gehe, erst mal zum Grundsätzlichen: Worum geht's bei Foodsharing eigentlich? 

Hierum: 


Weltweit werden absurde Mengen von Lebensmitteln weggeschmissen oder vergammeln nutzlos, und Foodsharing will das ändern. Durch ein Netzwerk, das es sowohl ermöglichen soll, Lebensmittel, die man selbst nicht mehr braucht, an andere Menschen abzugeben, als auch, Lebensmittel, die nicht mehr verkäuflich, aber durchaus noch genießbar sind, davor zu bewahren, in der Tonne zu landen. Soweit es die Kooperation mit Unternehmen - also etwa Lebensmittelgroß- und Einzelhändlern  - betrifft, bemüht sich das Foodsharing-Netzwerk um eine ausgesprochen professionelle und seriöse Organisation. Das gibt es Betriebs- und Bezirksverantwortliche, die die Abholung von Lebensmitteln, die andernfalls weggeworfen werden müssten, koordinieren. Die Unternehmen haben auch etwas davon - zum Beispiel, dass sie Entsorgungskosten für Lebensmittelabfälle sparen. 

Das Bemühen um ein seriöses und gut organisiertes Auftreten erklärt auch, dass man, um Foodsaver werden zu können, erst mal einen Test absolvieren muss. Den hat meine Liebste wie gesagt bestanden, aber sonderlich viel nützt ihr das vorläufig nicht: Um einen Foodsaver-Ausweis zu erhalten, müsste man nach bestandenem Quiz erst mal an drei "Einführungsabholungen" teilnehmen, und solche werden in unserer Gegend zur Zeit nicht angeboten. Aber halb so wild: Bei größeren Abholaktionen werden immer auch freiwillige Helfer gebraucht, die beim Sortieren der Lebensmittel helfen und dafür dann auch einen Teil der Lebensmittel mitnehmen dürfen. Dafür braucht man nicht unbedingt einen eigenen Foodsaver-Ausweis. 

Gestern Nachmittag wollte meine Liebste nun erstmals an einer solchen Aktion teilnehmen - auf einem Wochenmarkt im Wedding. Frohgemut brach sie auf, ausgerüstet mit ein paar Plastiktüten, Stoffbeuteln und Frischhaltedosen. Ich blieb derweil zu Hause - oder besser gesagt, ich hatte es vor

Tatsächlich erhielt ich nämlich wenig später eine halb-panische Nachricht von meiner Liebsten: Es seien viel zu viele Lebensmittel, es würden mehr Helfer gebraucht, ich solle nachkommen und Tüten mitbringen und am besten noch ein paar weitere Leute rekrutieren. Letzteres erwies sich als schwierig. Die beste Kati von allen steckt gerade mitten im Umzug und hat momentan keinen Kühlschrank; einige andere potentiell Interessierte erreichte ich so auf die Schnelle nicht. Stattdessen erntete ich via Facebook scherzhafte Reaktionen wie: 
"Warste plündern?"
"Sowas Ähnliches, nur legal."
"Cool. Schock deine 68er-Eltern, mach was Legales..." 
Als ich am Ort des Geschehens ankam, traute ich meinen Augen nicht. Fünf Foodsharing-Aktivisten und -Helfer waren bereits vor Ort, darunter mindestens zwei mit Auto, ein Autokofferraum war bereits randvoll beladen, und immer noch gab es unfassbare Mengen an Lebensmitteln zu verteilen. Kirschen, Äpfel, Birnen, Mangos, Kiwis, Pfirsiche, Möhren, Tomaten, Paprika, Radieschen, Rüben, Frühlingszwiebeln, Salat... 

Hier nur ein kleiner Ausschnitt. Ich hätte gern ein paar noch aussagekräftigere Bilder gemacht, aber kurze Zeit später war mein Akku leer. 
Schließlich standen meine Liebste und ich mit mehr Lebensmitteln da, als wir tragen konnten. Einen Teil der Möhren, Kirschen und Tomaten verschenkten wir spontan an Passanten, dann erreichten wir endlich doch eine gemeinsame Freundin, die uns beim Tragen half und schätzungsweise ein knappes Drittel der Gesamtmenge mit zu sich nach Hause nahm. Den Großteil unserer Beute spendeten wir der "Gemeinschaft Brot des Lebens" am Frankfurter Tor - wo wir als Dankeschön ein frisch gebackenes Brot und Minze aus dem eigenen Garten geschenkt bekamen.  

Am Ende des Tages waren wir erschöpft, aber glücklich. Lebensmittel vor dem Weggeworfenwerden gerettet und eine charismatische Gemeinschaft supported - das nenn' ich mal einen erfolgreich verbrachten Samstag! 

Wenn man sich vor Augen hält, was für eine Masse an Lebensmitteln es an einem einzigen Tag an einem einzigen Ort abzugreifen gab, dann sprengt es beinahe die Vorstellungskraft, wie viel es wohl im Laufe einer Woche in ganz Berlin sein mag. Da ist also noch ganz gewaltig Luft nach oben - man bräuchte nur mehr helfende Hände. Zwar liegt es auf der Hand, dass Lebensmittel, die von den Händlern deshalb kostenlos abgegeben werden, weil sie sie nicht mehr verkauft bekommen, vielfach schon so kurz vor dem Verderben stehen, dass man sie ziemlich schnell verarbeiten muss. Aber man kann ja z.B. aus dem Gemüse Suppe und aus dem Obst Marmelade machen. Ich sehe da ein enormes Potential... 


Kommentare:

  1. Die gemeinsame Freundin hat heute weitere Charismatiker unterstützt - d.h. nach der Praystation, einem charismatischen Gottesdienst hier in der Nähe, den geselligen Teil mit zwei Schüsseln Kirschen bereichert und noch Plastiktüten dazugelegt, damit noch mitgenommen werden konnte. Morgen werde ich eine riesige Menge Gemüsesuppe kochen und einfrieren oder einwecken.

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