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Dienstag, 11. April 2023

Mehr Krippe, weniger Kreuz

Was gibt's derweil eigentlich Neues aus St. Willehad? Immerhin ist es den Vorgängen in dieser Pfarrei zu verdanken, dass ich nach fast einem Jahr aus dem Bloggerschlaf erwacht bin, also sollte ich da wohl auch weiterhin ein Auge drauf haben. Nun, in der Affäre um die Regenbogenflagge am Rat-Schinke-Haus haben sich die Wogen wohl erst einmal geglättet; Diakon Richter hatte in der Bistumszeitung Kirche + Leben angekündigt, die Flagge werde zu Beginn der Karwoche abgenommen, solle aber spätestens im Sommer erneut gehisst werden. Damit, dass dies wiederum für Aufregung sorgen könnte, ist wohl nicht zu rechnen, zumal ja nun eindeutig festgestellt wurde, dass jeder, der etwas gegen diese Flagge sagt, ein Volksfeind ist. Inzwischen war die Pfarrei St. Willehad aber mit einem ganz anderen Thema in der lokalen Presse präsent: "Die katholische Kirchengemeinde St. Willehad hilft tatkräftig mit, den Mangel an Krippenplätzen in Nordenham zu verringern", so war es in der Kreiszeitung Wesermarsch zu lesen. Konkret heißt das, dass derzeit ein Anbau an der von der Pfarrei betriebenen St.-Willehad-Kita entsteht, der Platz für eine weitere Krippengruppe mit 15 Kindern bieten soll; dies soll einen Beitrag dazu leisten, "den vom Landkreis ermittelten Bedarf an 75 zusätzlichen Betreuungsplätzen für Kleinkinder zu decken": "Aktuell ist die katholische Kita mit 111 Mädchen und Jungen in fünf Kindergarten- und einer Krippengruppe voll ausgelastet. Für die 15 zusätzlichen Krippenplätze, die hinzukommen sollen, lägen bereits genügend Anmeldungen vor, sagt Leiterin Christa Cyriakel", und Pfarrer Karl Jasbinschek freut sich: "Die Leute schätzen unsere Kita." Jo, läuft bei euch. Da werden Kirchenstandorte aufgegeben, die Gottesdienstzeiten immer mehr reduziert – in der Nordenhamer Pfarrkirche gibt es neben der wöchentlichen Sonntagsmesse nur noch dreimal im Monat Werktagsmessen! –, aber Hauptsache, die Kita brummt. 

Symbolbild (eigene Aufnahme) 

Wie so oft gilt natürlich auch hier wieder, dass es zu kurz griffe, nur auf diese eine Pfarrei mit dem Finger zu zeigen. Vielmehr ist es so, dass das Beispiel der Pfarrei St. Willehad sich dazu anbietet, Transformationsprozesse von einer sterbenden Volkskirche hin zu einer zivilreligiösen Dienstleistungskirche wie unter einem Vergrößerungsglas zu betrachten, oder vielleicht auch in einem Zerrspiegel. Mir ist in diesem Zusammenhang wieder eingefallen, was ich zu Weihnachten 2021, vor der großen Blogpause, schrieb: "Ich schätze mal, man wird es kaum erleben, dass eine Pfarrei lieber eine KiTa an einen nichtkirchlichen Träger abgibt als einen Kirchenstandort zu schließen. Dies mal zum Thema Selbstverständnis." Dass die katholische und die evangelische Kirche in Deutschland die beiden größten "freien", d.h. nicht-staatlichen Träger von Kindertagesstätten sind, ist mehr als nur ein "pet peeve" von mir. Gerade wenn es um die Krippenbetreuung von Kindern unter drei Jahren geht, bin ich der Meinung, dass die Kirche da eigentlich nicht mitmachen sollte. Ich räume ein, dass das eine Haltung ist, die vielen Menschen schwer vermittelbar sein dürfte, darunter gerade auch Eltern, die für ihr Kind händeringend einen Krippenplatz suchen. Schon als mein erstes Kind gerade mal ein halbes Jahr alt war, schrieb ich zu diesem Thema: 

Wenn die Verhältnisse nun einmal so sind, dass Eltern im Normalfall schlichtweg auf einen KiTa-Platz für ihr Kind angewiesen sind, und dann gibt es zu wenige davon, dann ist das ein schwerwiegendes Problem. [...] Aber das eigentliche Problem ist nicht, dass es zu wenige KiTa-Plätze gibt, sondern dass möglichst umfassende KiTa-Betreuung als Normalfall und als gesellschaftlich erstrebenswert verkauft wird. 

Genau da wäre, meiner Auffassung nach, die Kirche gefordert, einen Kontrapunkt zu setzen. Statt Versorgungslücken im Krippenbetreuungs-System zu stopfen, sollte sie lieber Konzepte entwickeln, um Familien dabei zu unterstützen, ihre Kinder wenigstens während der ersten drei Lebensjahre selbst zu betreuen. – Vielleicht erinnert sich manch einer noch daran, wie anno 2007 der damalige Augsburger Bischof Mixa den von der damaligen Familienministerin Ursula von der Leyen vorangetriebenen Ausbau der Krippenbetreuung bei gleichzeitiger Kürzung anderer Familienleistungen kritisierte. In einer Ansprache an den Vorstand des Familienbundes der Katholiken in seiner Diözese sagte Mixa damals, diese Familienpolitik diene "nicht in erster Linie dem Kindeswohl oder der Stärkung der Familie", sondern sei "vorrangig darauf ausgerichtet, junge Frauen als Arbeitskräfte-Reserve für die Industrie zu rekrutieren"; diese Pläne seien "schädlich für Kinder und Familien und einseitig auf eine aktive Förderung der Erwerbstätigkeit von Müttern mit Kleinkindern fixiert"; die "Denkmuster des Familienministeriums" erinnerten "in beklemmender Weise" an die "Ideologie der staatlichen Fremdbetreuung von Kindern in der untergegangenen DDR". Erstrebenswert sei es vielmehr, "mehr Mütter für die zeitlich überwiegende oder ausschließliche häusliche Erziehung ihrer Kinder in den ersten drei Lebensjahren zu gewinnen und dies auch finanziell zu fördern". Natürlich bekam der damalige Augsburger Oberhirte für diese Stellungnahme jede Menge schlechte Presse, aber das heißt ja nicht, dass er nicht Recht gehabt hätte. Anfang 2020 erschien im FOCUS ein Beitrag des Kindheitsforschers Michael Hüter mit dem provokanten Titel "Hört auf, eure Kinder in Kitas zu geben"; ich habe ihn seinerzeit in meinem "Kaffee & Laudes"-Wochenbriefing besprochen und zitiere der Einfachheit halber aus dieser Besprechung: Hüter stellt die These auf, "seelisch und emotional" gehe es der Mehrzahl der Kinder in unserer modernen Gesellschaft so schlecht wie nie zuvor, jedenfalls "außerhalb  von Kriegszeiten". Warum? Weil sie zu wenig Liebe erfahren, insbesondere von ihren Eltern. Vor diesem Hintergrund betrachtet Hüter den Trend zur "Fremdbetreuung des Kindes vom 1. bis zum 18. Lebensjahr, 38 Stunden die Woche und das am besten auch noch in den Ferien" als eine dramatische Fehlentwicklung mit katastrophalen Folgen: "Mit Ganztageskrippen, Ganztages-Kitas und Ganztages-Schulen, weggesperrt vom 1. bis zum 18. Lebensjahr, wird der Mensch nicht gebildeter, nicht kompetenter, und schon gar nicht humaner werden." – Als in der Corona-Lockdown-Zeit Schulen und Kitas geschlossen wurden, las ich in einem Beitrag auf dem Blog "Gute erste Kinderjahre" über die Beobachtung von Therapeuten, 

"dass Patientinnen mit Babys und Kleinkindern jetzt überrascht feststellen, dass ihre Kinder ausgeglichener werden. Dass zum Beispiel die Schrei- und Schlafstörungen abnehmen, seit die Krippen geschlossen sind. Seit der allgemeine Stress, die durchgetakteten Tage, der Freizeitstress aufgehört haben. Dass viele Babys und Kleinkinder jetzt entspannter sind und die Eltern dadurch auch."  

Das sollte einem eigentlich zu denken geben, oder? In den USA erschien erst im vergangenen Jahr eine empirische Studie, die zeigt, dass frühe Krippenbetreuung (dort "Pre-K" genannt, wobei das "K" für Kindergarten steht) sich negativ auf das Sozialverhalten und die schulischen Leistungen der Kinder auswirken. 

Kitagruppe in Sollstärke wartet auf ihre Betreuerin (eigene Aufnahme). 

Gegen die Dominanz des Narrativs, Krippenbetreuung diene nicht bloß dazu, den Eltern – insbesondere den Müttern – eine schnelle Rückkehr ins Berufsleben zu ermöglichen, sondern fördere auch die Entwicklung der Kinder, kann all dies jedoch offenbar wenig ausrichten. Es ist ja auch verständlich, dass gerade Eltern diesem Narrativ gern glauben wollen, denn so können sie ein gutes Gewissen dabei haben, ihre Kinder in die Kita zu geben. – An dieser Stelle ein kleiner Exkurs über die kindergartenfrei-Bewegung: Wie einige Leser sich erinnern werden, habe ich von der Existenz eines Netzwerks von aus Überzeugung kindergartenfrei lebenden Familien erstmals durch eine Reportage in der Berliner Zeitung erfahren, in der diese Bewegung als "Sammelbecken für Alternative, Esoteriker, Impfgegner, konservative Christen" beschrieben wurde. Nachdem ich nun einige Jahre lang meine Erfahrungen in diesen Kreisen gesammelt habe, möchte ich sagen: Natürlich ist diese Darstellung grob übertrieben, aber komplett aus der Luft gegriffen ist sie nicht. Man trifft im kindergartenfrei-Netzwerk durchaus signifikant mehr Leute, die sich in eine oder mehrere der Kategorien "Alternative, Esoteriker, Impfgegner, konservative Christen" einordnen lassen, als im gesamtgesellschaftlichen Durchschnitt. Und das hat auch seinen Grund. Etwas ablehnen, was gesamtgesellschaftlich als normal gilt – wie z.B. eben, seine Kinder in die Kita zu geben –, macht man nicht "einfach so". Ich möchte behaupten, nur die wenigsten Menschen sind von Natur aus nonkonformistisch. Der Mensch ist ein soziales Wesen, und die Lebensentscheidungen, die wir treffen, hängen in einem höheren Maße, als es uns vielleicht bewusst ist, davon ab, welche Optionen unser Umfeld uns als plausibel anbietet und vorlebt. Sicherlich würden viele, vielleicht die meisten kindergartenfrei lebenden Eltern ihre Entscheidungen primär mit Aussagen begründen wie "Ich könnte mir einfach nicht vorstellen, mein Kind schon so früh in fremde Hände zu geben" oder "Ich glaube, dass ich besser auf die Bedürfnisse meines Kindes eingehen kann, als es in einer Kita-Gruppe möglich ist". Aber die Wahrscheinlichkeit, dass man eine solche Entscheidung gegen alle Widerstände durchhält, erhöht sich signifikant, wenn sie von einer starken religiösen oder sonstwie weltanschaulichen Überzeugung getragen wird – einer Überzeugung jedenfalls, die stärker ist als der natürliche Drang nach gesellschaftlicher Akzeptanz. 

Der Punkt, an dem diese Feststellung für unser aktuelles Thema relevant ist, ist der, dass die institutionelle Kirche hierzulande eine solche Überzeugung eben nicht hat

Zu erörtern, warum das so ist bzw. wie es dazu kommen konnte, ist hier nicht der richtige Ort; zumal dieses facettenreiche Phänomen in meinem Blog ja ohnehin recht regelmäßig eine Rolle spielt. In jedem Fall scheint mir der Umstand, dass die Großkirchen beim Ausbau der Krippenbetreuung so eifrig mitmischen, charakteristisch für ihr Bestreben, sich der säkularen Gesellschaft als – wie ich es an anderer Stelle mal formuliert habe"mittelmäßig (und/aber) brauchbar" zu präsentieren. Wenn der Glaube kein sicheres Fundament mehr bietet – und ein "Fundamentalist" will man ja nicht sein –, sucht man seine Existenzberechtigung darin, für die Gesellschaft nützlich zu sein, und natürlich ist der institutionelle Apparat der Kirche bestrebt, die schrumpfende Mitgliederbasis bei der Stange zu halten, indem man ihr in bester Dienstleistungsmanier das gibt, was sie augenscheinlich will. Wenn immer weniger Leute in den Gottesdienst kommen, bietet man weniger Gottesdienste an; wenn der Bedarf an Krippenplätzen steigt, vergrößert man die Kita. Oder, zugespitzt gesagt: Wenn die Leute immer weniger Brot und immer mehr Nudeln essen, dann muss die Bäckerei eben Nudeln verkaufen, um im Geschäft zu bleiben. 

Zuweilen begegnet man in kirchlichen Kreisen übrigens auch Leuten, die den weiter oben skizzierten Einwänden gegen die Krippenbetreuung von Kindern unter drei Jahren grundsätzlich zustimmen, aber argumentieren, wenn es nun einmal Krippenbetreuung geben müsse, sei eine kirchliche Kita doch immerhin besser als eine andere. Nach derselben Logik könnte allerdings auch ein veganer Supermarkt Fleisch verkaufen und das damit rechtfertigen, dass das immer noch besser sei, als wenn die Leute ihr Fleisch woanders kaufen. 

Man könnte die Analogie noch weiter treiben und sagen: Ja, wenn's wenigstens Bio-Fleisch wäre! Will sagen: Wodurch ist der Anspruch,  eine kirchliche Kita sei (jedenfalls aus der Sicht kirchlich orientierter Eltern) besser als eine andere, eigentlich inhaltlich gedeckt? Etwa dadurch, dass – wie ich es einmal über eine allerdings evangelische Kita gelesen habe – "die Kinder einmal im Monat gemeinsam in die Kirche gehen" und "in der Adventszeit Weihnachtslieder singen"? Ein solches Maß an "frühkindlicher religiöser Prägung" würde man ja wohl auch noch ohne die Hilfe der Kita hinkriegen. Der Betreuungschlüssel ist übrigens in Kitas in freier Trägerschaft auch nicht unbedingt besser als in staatlichen und kann es letztlich auch gar nicht, da die Kitas wirtschaftlich arbeiten müssen. Case in point: Wie man aus den Angaben der Kreiszeitung zur Mitarbeiter- und Kinderzahl an der Nordenhamer St.-Willehad-Kita unschwer errechnen kann, ist dort der Betreuungschlüssel für die Kinder unter drei Jahren 1:5, für die Älteren 1:8. –Last not least gibt es vermutlich Eltern, die hoffen oder erwarten, dass ihre Kinder in einer kirchlichen Kita einigermaßen sicher vor Indoktrinierung in Sachen Gender seien; aber auch darauf würde ich mich eher nicht verlassen. Erst recht nicht im Fall der Pfarrei St. Willehad, nachdem diese gerade ein so demonstratives Bekenntnis zum Banner der LGBTTIQ-Bewegung angegeben hat. (Fun Fact: Eine Regenbogen-Kita gibt es in Nordenham auch; die befindet sich in Trägerschaft der evangelischen Kirche und trug diesen Namen, wenn mich meine Erinnerung nicht trügt, auch schon zu einer Zeit, als "Erziehung zu sexueller Vielfalt" im Kindergarten noch kein Thema war.) Aber auch hier geht es wieder um mehr als den konkreten Einzelfall. Vor ein paar Jahren schrieb ich mal darüber, wie im Bremer Vorort Blumenthal eine evangelikal-charismatische Freikirche eine Kita eröffnen wollte und allein aufgrund des Verdachts, sie könne eventuell "religiös radikal" und "homophob eingestellt" sein, und weil man einer evangelikalen Kita nicht zutraute, "moderne Geschlechter- und Familienbilder zu akzeptieren und abzubilden", massive Widerstände zu spüren bekam. Man darf davon ausgehen, dass die Großkirchen als Kita-Träger bestrebt sein werden, derartige Konflikte zu vermeiden. 

Finde zehn Beispiele für Geschlechtsdiskriminierung in diesem Bild! (eigene Aufnahme)

Davon abgesehen würden meine Liebste und ich unsere Kinder aus demselben Grund nicht in eine Kita in kirchlicher Trägerschaft schicken, wie wir sie auch nicht auf eine katholische Schule gehen lassen und es auch bevorzugen, wenn sie keinen schulischen Religionsunterricht haben: Lieber kümmern wir uns ganz ohne institutionelle Unterstützung selbst um die religiöse Erziehung unserer Kinder, als dass sie ein schiefes und verwässertes Bild davon vermittelt bekommen, was christlicher Glaube und kirchliche Lehre sei. 

Um nun aber langsam mal zum Schluss zu kommen: 580.000 €, so war es in der Kreiszeitung zu lesen, soll der neue Anbau an der St.-Willehad-Kita kosten; 180.000 davon übernimmt das Land Niedersachsen, 15.000 der Landkreis Wesermarsch, bleiben also immerhin noch stolze 385.000 €. Diese "bringen - in einer Finanzierung über 30 Jahre - der Oldenburger Teil des Bistums Münster und die Kirchengemeinde auf". Schon am 1. September soll der Anbau in Betrieb genommen werden. Auf Facebook waren Fotos vom Richtfest zu sehen, die Baufirma postete ein Video, auf dem ein Kinderchor das beliebte NGL "Wer will fleißige Handwerker seh'n" vorträgt. Alles freut sich und ist froh, nur der dunkelkatholische Blogger aus dem Exil hat mal wieder was zu meckern. Ja, ist mir schon klar, dass ein Teil der Leser dieses Artikels, gerade vor Ort in Nordenham, das so sehen wird. Allen anderen, die mit mir der Meinung sind, dass etwas faul ist, wenn eine Kirchengemeinde sich vorrangig als zivilgesellschaftliche Institution profiliert und darüber die eigentlichen kirchlichen Grundvollzüge – allen voran das Glaubenszeugnis (Martyria) und die Liturgie – vernachlässigt, möchte ich erneut mein Gebet für die Gemeinde St. Willehad ans Herz legen. 


3 Kommentare:

  1. Auffallend ist die Diskrepanz in der Diskussion von den eifrigen Bemühungen der Kirchen für die Schaffung von Kita-Plätzen und das dröhnende Schweigen derselben Kirchen zu dem Massenmord an die ungeborenen Kinder in unserem Land. Das Kitapalaver ist nur eine weitere Ablenkungsmanöver-Debatte für das größte Verbrechen der Menschheitsgeschichte. So schlägt der Satan zwei Fliegen mit einer Klatsche: Die geborenen Kinder werden den Eltern entfremdet und die ungeborenen stillschweigend entsorgt. Well done, Father of Lies.

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  2. Einserseits.

    Andererseits (ich gehöre wohl in die „grundsätzlich teilen aber“-Kategorie): Offenkundig bestehen viele Eltern, teils aus echter Notwendigkeit (die natürlich ein schlechtes Licht auf die heutige Zeit wirft, aber trotzdem zunächst einmal da ist), teils aus Egoismus (der schlecht ist, aber ebenfalls zunächst einmal da ist), und teils aus was „so dazwischen“ darauf, daß die Aussicht, die Kinder bald wieder die meiste Zeit los zu sein, ihnen die Vorstellung sehr erleichtert, überhaupt welche zu haben. Man würde ja dann vielleicht sogar lieber mit ihnen Lego spielen, wenn man Multimillionär wäre und außerdem das Gerede der Nachbarn nicht wäre, aber an dem eigenen Traum festzuhalten, irgendwann einmal in bezug auf die erklommene Stufe auf der Karriereleiter einschließlich des Gehaltszettels (vielleicht sogar weniger der tatsächlichen Waren wegen, die man mit dem Mehr an Geld mehr kaufen kann, sondern vor allem der dadurch kommunizierten Rangstufe wegen) sagen zu können „das hab ich erreicht, ich kann stolz auf mich sein“ - das ist ihnen mindestens *auch* sehr wichtig, bei manchen (insbesondere *bevor* die Kinder da sind) auch, wenn sie ehrlich sein sollen, *wichtiger* als die Kinder. Und auch diese Haltung, so sehr man sie oder extremere Formen von ihr zweifellos kritisieren kann, ist zunächst einmal *da*.

    Das Problem ist, daß es nun einmal eine gefährliche Versuchung gibt, auf Grund dieser Priorisierung das Kind rechtzeitig, bevor einen der Staat dafür straft, umzubringen. Diese Versuchung muß mE vermindert werden, und dazu muß man mE die Menschen nehmen, wie sie sind - wie sie insbesondere vor der Geburt sind, wenn sie das Kind noch nicht als konkrete Person im Arm gehabt etc. haben.

    Hm. Schwierig.

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  3. Diasporakatholik12. April 2023 um 18:54

    Im Erzbistum Hamburg müssen sich alle Pfarreien/Gemeinden bzgl. ihrer Gebäude einer sog. Vermögens- und Immobilienreform (VIR) unterziehen.
    Dabei sollen pro Pfarrei etwa 40% an Immobilien- bzw. Vermögenswerten eingespart werden.
    Bei unserer Ortsgemeinde handelt es sich , wie ein Bauausschussmitglied treffend sagte, eigentlich um einen (kath.) Kindergarten mit baulich angeschlossener Kirche und Gemeindehaus, und diese Konstellation wird uns zumindest vorerst hoffentlich den Erhalt der vor 5 Jahren zu 95% mit aus einer Stiftung kommenden renovierten Kirche retten.
    Denn der Kindergarten wird voll von der politischen Gemeinde unterhalten und finanziert und ist an sich nur dem Namen nach "katholisch". Für seinen Betrieb steht auch das Gemeindehaus zwingend als Bewegungsraum zur Verfügung, die kath. Gemeinde darf dessen Räume nur stundenweise mitnutzen.
    Wegen der engen baulichen Verflechtung von Kirchengebäude und Kita wird wohl *hoffentlich* dasselbe uns vorerst noch erhalten bleiben, obwohl wir außer einem nebenamtlichen Diakon seit Jahren keine hauptamtlich kirchlichen Beschäftigten mehr vor Ort in der Gemeinde haben.

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