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Mittwoch, 13. März 2019

Der seltsame Fall der eingekerkerten Nonne, Teil 14

Erinnern wir uns: Am 21. Juli 1869 wurde bei der polizeilichen Durchsuchung eines Klosters der Unbeschuhten Karmelitinnen in der damals zu Österreich-Ungarn gehörenden Stadt Krakau eine eingesperrte, offenbar geisteskranke Nonne namens Barbara Ubryk entdeckt, die, wie sich herausstellte, seit mehr als 20 Jahren in diesem Kloster gefangen gehalten worden war. Wenige Wochen darauf begann der Münchner Verlag Neuburger & Kolb mit der Veröffentlichung eines Fortsetzungsromans, der die Hintergründe der Affäre Ubryk zu enthüllen versprach. Tatsächlich füllte Autor "Dr. A. Rode" zunächst allerdings Druckbogen um Druckbogen mit einer ausufernden, mehrsträngigen Liebes- und Intrigenhandlung, die keinen zwingenden Zusammenhang mit dem realen Fall der Barbara Ubryk erkennen ließ und für die er vermutlich auf bereits früher geschriebenes Material zurückgriff. Erst nach 736 Seiten (und somit in der 16. von 20 angekündigten Lieferungen) kam die Romanhandlung an den Punkt, an dem die Titelheldin ins Kloster eintritt -- und dann ist es auch noch das falsche Kloster, nämlich der Karmel in Warschau, nicht in Krakau. Man könnte nun denken, dem Autor laufe allmählich mal die Zeit weg bzw. gehe der Raum aus, um seine Geschichte zu Ende zu erzählen, aber er selbst scheint das nicht so gesehen zu haben: Kaum haben sich die Klosterpforten hinter Barbara geschlossen, nimmt sich Dr. Rode erst einmal Zeit für zwei umfangreiche Exkurse, einen über die Geschichte des Karmeliterordens und einen über allerlei skandalöse Vorkommnisse in Klöstern, besonders solche sexueller Natur. Wir werden sehen, wie "modern" seine Vorwürfe teilweise anmuten. Aber dazu später. 

Übrigens betreibt der Verfasser nicht zuletzt auch dadurch schamlose Zeilenschinderei, dass er umfangreiche Zitate aus schon zu seiner Zeit antiquarischen Werken übernimmt; so bringt er in Kapitel LII zwei Auszüge aus dem "Verzeichnüß der geistlichen Ordens-Personen in der Streitenden Kirchen" des italienischen Jesuiten Philipp (bzw. Filippo) Bonanni, in Kapitel LIII einen Auszug aus der Satire "Gereinigter Bienenkorb der Heiligen Römischen Kirche" des niederländischen Humanisten Philips van Marnix. Abgesehen davon, dass sich so die Druckbogen schneller füllen lassen, hat Dr. Rode offenbar auch einfach Spaß an “dem damaligen Deutsch" (S. 737), und ganz nebenbei verraten solche Passagen dem Leser auch etwas über die Quellen, die dem Autor in einer Zeit ohne Google Books zugänglich waren. Dass er zur Geschichte des Karmeliterordens ausgerechnet das Werk eines Jesuiten zitiert, wirkt indes in doppelter Hinsicht sonderbar: einmal, weil der Jesuitenorden für ihn doch geradezu das Böse schlechthin verkörpert, und dann auch, weil er in Kapitel LI ausgeführt hatte, dass "ein Orden den andern haßt, die Mitglieder des einen auf die des andern eifersüchtig sind und sich aufs heftigste untereinander befehden" und dass insbesondere die Jesuiten "im Volke die abenteuerlichsten Gerüchte über die Karmeliter" verbreiteten (S. 723). Die Auszüge aus dem Werk des Paters Bonanni enthalten allerdings gar nichts Ehrenrühriges oder Verleumderisches über den Karmeliterorden; das übernimmt Dr. Rode schon selbst. Sein LII. Kapitel hat zwei inhaltliche Schwerpunkte: die Entstehungsgeschichte des Karmeliterordens und die Biographie der großen Ordensreformerin Teresa von Ávila. Hinsichtlich des ersteren Aspekte hebt er besonders auf die "Sage" ab, "daß der Prophet Elias die Karmeliter gestiftet habe"; diese Mär lebe "noch heute in diesem Orden fort" (S. 739). Man möchte das für ausgedachten Quatsch halten, aber tatsächlich liest man auch in Herders Conversations-Lexicon von 1855, die Karmeliter hätten lange behauptet, "ihr Orden sei vom Propheten Elias [...] gestiftet, bis 1698 ein päpstliches Breve den unnützen Streit hierüber niederschlug". 

Im Zusammenhang mit den biblischen und außerbiblischen Überlieferungen über den Propheten Elija kann Dr. Rode sich nicht g'nug über theologische Dispute hinsichtlich der Frage mokieren, ob der Prophet leiblich in den Himmel aufgenommen wurde oder aber "auf einer Poststation zwischen Himmel und Erde anhielt, wo er noch jetzt sitze und das Ende der Welt abwarte" (S. 740) -- und was dabei aus seinem Mantel wurde. In einer Fußnote liefert der Romanautor in diesem Zusammenhang zudem ein Beispiel für vergleichende Mythologiekritik in Stil und Qualität von Alexander Hislop, Jack Chick oder "Zeitgeist - The Movie" ab: "In der Mythologie lenkt bekanntlich Apollo ebenfalls einen feurigen Wagen, den Sonnenwagen. Wer sieht hier nicht auf den ersten Blick die Vermischung des jüdischen Monotheismus mit der griechischen Götterlehre?" (ebd.) 

Wesentlich interessanter ist dann aber doch, was Dr. Rode über die Hl. Teresa von Àvila mitzuteilen hat. "Man kann sagen, daß die Karmeliter erst durch eine Reformation zum besseren Gedeihen gebracht wurden", erklärt er nämlich. "Diese Reformation, die Verbesserung des Ordens, nahm eine weibliche Ordensperson vor, eine der größten Heiligen und die einzige Kirchenschriftstellerin, Theresia Sanchez de Cepeda" (S. 743f.). Unklar bleibt freilich, welche Definition des Begriffs "Kirchenschriftstellerin" Rode hier voraussetzt, wenn er die Hl. Teresa als die einzige dieser Art betitelt; was, so fragt man sich, ist mit Hildegard von Bingen, was mit Katharina von Siena? (Zur Kirchenlehrerin wurde Teresa von Àvila erst 100 Jahre nach dem Erscheinen des Romans ernannt, das kann Rode also nicht gemeint haben.) Insgesamt widmet der Romanautor dem Leben und Wirken der Ordensreformerin rund 15 Seiten. Ich habe mir nicht die Mühe gemacht, seine Angaben zur Biographie der Heiligen Punkt für Punkt mit vertrauenswürdigeren Quellen abzugleichen, aber zumindest oberflächlich ergibt sich der Eindruck, dass die wesentlichen Fakten im Großen und Ganzen stimmen. Der Romanautor legt ihnen lediglich mit Fleiß die denkbar ungünstigste Deutung bei. Kurz und schlicht zusammengefasst betrachtet er Teresas ganze Heiligkeit, insbesondere ihre mal als dämonische Attacken, mal als göttliche Offenbarungen daherkommenden Erlebnisse visionärer Entrückung als Folgen "gereizte[r] Stimmung und Ueberspanntheiten [...], welche in Klöstern sehr häufig zum Ausbruche kommen" (S. 746): "Die modernen Heiligen, welche sich in ähnlichen Verzückungen befinden, werden von unserer glaubenslosen Zeit in den Narrenhäusern einquartiert”"(S. 748). Mehr als nur angedeutet wird die Überzeugung, diese "Ueberspanntheiten" seien letztlich das Ergebnis einer unterdrückten und verleugneten Sexualität; über Teresas wohl berühmteste Vision - bei der ihr ein Engel mit dem Pfeil der göttlichen Liebe das Herz durchbohrte - schreibt Dr. Rode: "Die ganze Befangenheit eines umnachteten Hirnes gehört dazu, an dieser Erscheinung die handgreifliche Wahrheit zu übersehen. Das Stechen mit einem glühenden Pfeile und die Süßigkeit des Schmerzes muß jeden Denkenden auf gewisse Ansichten bringen" (S. 753). 

Die Verzückung der Hl. Theresa, Skulptur von Gian Lorenzo Bernini, Rom, Santa Maria della Vittoria.
(Bildquelle: Wikimedia Commons, Urheber: Dnalor_01, Lizenz: CC-BY-SA 3.0) 

Aus heutiger Sicht mag es überraschen, solche Äußerungen in einem Text vorzufinden, der rund ein Jahrhundert vor der "sexuellen Revolution" erschien. Tatsächlich befinden wir uns - wie etwa Michel Foucault aufgezeigt hat - in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. auf dem Höhepunkt einer Entwicklung, die die Wahrnehmung und Beurteilung der menschlichen Sexualität aus dem religiös-moralischen in den medizinisch-psychologischen Bereich verschiebt. 1859 war Darwins welterschütterndes Werk "Über die Entstehung der Arten" erschienen, ein Jahr später lag es schon in deutscher Übersetzung vor; die Vorstellung, der Mensch sei letztlich nichts anderes als ein Tier und müsse seinen Trieben gehorchen, war virulent. Man gewinnt zwangsläufig ein verzerrtes Bild des vermeintlich so sittenstrengen, gerade in erotischer Hinsicht so zugeknöpften Viktorianischen Zeitalters, wenn man es nur durch den Filter der Hochkultur wahrnimmt. Gewiss, auch in Familienzeitschriften - dem ersten echten Massenmedium des deutschsprachigen Raums - legten Herausgeber und Redakteure Wert darauf, dass belletristische Beiträge "in erotischer Hinsicht so gehalten" waren, "daß sie auch vor jüngeren Mitgliedern im Familienkreise vorgelesen werden können". Aber das zweite Massenmedium des deutschsprachigen Raums war eben der Kolportagebuchhandel, und da der weitgehend unterhalb des Radars der gutbürgerlichen Literaturkritik existierte, ging es da anders zur Sache. Dort wurden nicht nur schlüpfrige Romane unters Volk gebracht - ausdauernde Leser dieser Artikelserie mögen sich an die ménage à trois zwischen dem schurkischen Jesuiten Rebinsky, der Gräfin Zolkiewicz und deren blutjunger Stieftochter erinnern, die in den ersten Kapiteln von Dr. Rodes "Barbara Ubryk"-Roman geschildert wurde -, sondern auch populärwissenschaftliche Werke mit Titeln wie "Die Geheimnisse der Venustempel aller Zeiten und Völker" oder "Die Geschlechtskrankheiten des Menschen und ihre Heilung", in denen unter dem Deckmantel gesundheitlicher Aufklärung massive Pornographie betrieben wurde. 

Natürlich fehlte es in den respektablen Kreisen der Gesellschaft nicht an Warnungen vor den Folgen des Konsums von "Schundliteratur". Dr. Rode spielt selbst augenzwinkernd darauf an, wenn er "manche unserer schönen Leserinnen" anspricht, "welche die Barbara Ubryk unter tausend Aengsten und Sorgen, von der Mutter darüber ertappt zu werden, lesen" (S. 744f.), und kurz darauf bekräftigt: "Darum, liebe Kinder, liest [sic] keine Romane; sonst gehen Euch die Augen auf, sonst werdet Ihr eitel und putzsüchtig, und das kostet den Eltern Geld" (S. 745). 

Die oben angesprochenen Familienblattromane waren übrigens ganz so harmlos auch nicht, wie man sich das vorstellen würde. Im wenige Jahre vor der Affäre Ubryk, nämlich 1866, in der "Gartenlaube" erstveröffentlichten Roman "Goldelse" von E. Marlitt, einer von der Nachwelt gern als altjüngferliche Kitschtante belächelten Autorin, heißt es etwa im Zusammenhang mit der Beschreibung einer Klosterruine im Wald: 
"Die Reformation […] war […] durch den stillen Wald geschritten und hatte mit gewaltigem Finger über die Mauern des dunkeln Hauses gestreift […]. Und siehe da, […] ein Stein nach dem andern rollte herab neben die alten Eichenstämme, deren Wipfel ihn einst als zierlich gemeißelten Fenstersims oder als stattliches Glied der Mauer berührt hatten, und die nun jahraus, jahrein ihr Laub auf ihn streuten, bis er versank, weicher gebettet, als die Nonnenleichen da drunten". 
Man beachte die sexuell gefärbte Metaphorik: "gewaltige[r] Finger", "Eichenstämme", "stattliches Glied"! Das Kloster, das die jungen Frauen auf der Flucht vor den Versuchungen und Wirrnissen des Lebens aufsuchen, steht inmitten eines Waldes von Phallussymbolen, die zudringlich an die Fenster klopfen und so verhindern, dass der erhoffte Frieden in die Herzen der Nonnen einkehren kann. -- Auf die zeitgenössischen Anschauungen der Sexualpsychologie, die hier im Hintergrund wirksam sind, wird in Kürze noch zurückzukommen sein. 

Kapitel LIII beginnt mit einigen allgemeinen Zahlen, Daten und Fakten zur Entwicklung des Klosterwesens, und ganz nebenbei erledigt der Autor mit leichter Hand jedwede möglichen Einwände des Inhalts, Klöster hätten womöglich doch irgendwie eine Daseinsberechtigung: 
"Die Vertheidiger der Möncherei machen geltend, daß unsere Zeit Alles, was sie hat, nur den Mönchen verdanke. Sie erhielten und pflegten Kunst und Wissenschaften. Dieses Verdienst wollen wir ihnen, besonders den Benediktinern, nicht schmälern, weil es ihnen in Wahrheit gebührt. Für die Hinterwälder Amerikas und das Innere Afrikas könnten die Klöster sich noch jetzt ungeheure Verdienste erringen, wenn sie es nicht vorzögen, statt dessen gutes Bier zu brauen. Für unsere Tage aber sind sie nutzlos geworden." (S. 761) 
Alsbald wendet er sich dann aber ganz dem Thema des lasterhaften Lebens hinter Klostermauern zu. Hier kann Dr. Rode aus dem Vollen schöpfen, denn Greuelgeschichten aus dem Klostermilieu gehörten zum Standardrepertoire der deutschen Ritter- und Räuberromane wie auch der englischen Gothic Novel -- eines Genres, das der US-amerikanische Literaturwissenschaftler Leslie Fiedler als im Ganzen "krass antikatholisch" bewertet. In einer Besprechung von M.G. Lewis' "The Monk"(1796), einem Werk, das, vermittelt über E.T.A. Hoffmanns Elixiere des Teufels (1815/16), auch die deutsche Spät- und Schauerromantik beeinflusste, merkt Fiedler an, Figuren wie "der verkommene Mönch, der korrupte Inquisitor, die boshafte Äbtissin" seien schon zur Entstehungszeit von Lewis' Werk "Standard" und "zu erwarten" gewesen. Geschichten über misshandelte, sexuell missbrauchte, eingekerkerte, lebendig eingemauerte oder in Wahnsinn oder Selbstmord getriebene Nonnen erlangten im Laufe des 19. Jhs. zunächst durch die kommerziellen Leihbüchereien, dann durch die Kolportage weite Verbreitung. So erwähnt Karl May in seinem gegen die Kolportageliteratur gerichteten Aufsatz "Ein wohlgemeintes Wort" (1883) Titel wie "Mönch und Nonne, oder das gemordete Kind" und polemisiert gegen Romane voller "zechende[r] Mönche" und "liebeglühende[r] Nonnen"; und in seiner fragmentarischen Autobiographie "Mein Leben und Streben" (1910) kommt er nochmals darauf zurück, als er seiner literarisch minderwertigen Jugendlektüre – darunter Romane wie "Emilia, die eingemauerte Nonne" und "Die Sünden des Erzbischofs" – gedenkt und nicht ohne Zerknirschung den Einfluss der "Raubritter, Räuber, Mönche, Nonnen, Geister und Gespenster aus der Hohensteiner Schundbibliothek" auf sein eigenes Werk eingesteht. Worüber May indes nicht reflektiert, ist die unterschiedliche Gestaltung des Motivs im traditionellen Schauerroman einerseits und im modernen Sensations- und Enthüllungsroman andererseits: Das traditionelle Modell bezog seine Wirkung aus dem Kontrast zwischen Erwartung und Wirklichkeit; vermeintlich fromme Ordensleute, die sich tatsächlich als besonders krasse Sünder entpuppen, gehören in diesem Sinne ebenso zum Genre der "verkehrten Welt" wie Hasen, die ihren Jäger braten (ein beliebtes Motiv mittelalterlicher Buchmalerei). In dem Maße aber, wie - siehe oben - die religiös-moralische Deutungshoheit über die menschliche Sexualität von einer medizinisch-psychologischen abgelöst wird, verlangt das sexuell deviante Verhalten von Priestern, Mönchen und Nonnen nach einer Erklärung -- und eine solche ist schnell gefunden im Verweis auf den Zölibat bzw. das Keuschheitsgelübde: 
"Die Folgen des Cölibats zeigen sich bei den Mönchen auf eine noch widerlichere Weise als bei den Weltgeistlichen, die durch ihren Verkehr mit den Menschen dasselbe eher umgehen können. Das ascetische Leben, die schwächende Diät und der häufige Genuß der Fische wie auch das Geißeln trugen sehr viel dazu bei, den 'Fleischesteufel' [...] aufzureizen. Die in den Klöstern herrschende Sittenlosigkeit übertrifft die kühnste Phantasie." (S. 767f.)
Den Hinweis auf die Folgen übermäßigen Fischverzehrs mag man eher skurril finden, aber die Kernthese ist hier offenkundig, dass die Unterdrückung des natürlichen Sexualtriebs abnorme sexuelle Gelüste hervorbringt. Dass solche aus der Vor- und Frühzeit der Sexualpsychologie stammenden Auffassungen auch heute noch, vielfach geradezu im Tonfall der Selbstverständlichkeit vorgetragen, durch die öffentliche Debatte geistern, ist im Grunde erstaunlich, wenn man bedenkt, dass das dazu gewissermaßen komplementäre Konzept, die Ehe als ein Mittel zur gesunden, legalen und gesellschaftlich konformen Triebabfuhr zu betrachten, wohl kaum mehr auf großen Zuspruch rechnen könnte. Ebenfalls bemerkenswert ist, dass der Romanautor die zitierte Passage, ohne Quellenangabe wohlgemerkt, Wort für Wort aus der erstmals 1845 veröffentlichten Schmähschrift "Historische Denkmale des christlichen Fanatismus" von Otto von Corvin abgeschrieben hat; Corvins Buch erlangte später unter dem Titel "Pfaffenspiegel" weite Verbreitung, unter anderem griffen auch die Nazis gern darauf zurück, um die katholische Kirche zu verleumden. Auch einige weitere Passagen des Kapitels sind nahezu wörtlich von Corvin übernommen, so etwa die folgende: 
"Kinder waren die Schattenseite des Nonnenlebens, aber die frommen Vcstalinnen wußten sich zu helfen. Das Mittel war sehr einfach, sie brachten die Kinder um. Bei Abbrechung des Klosters Mariakron fand man in den heimlichen Gemächern und sonst — Kinderköpfe, auch ganze Körperlein versteckt und vergraben.
Bischof Ulrich von Augsburg erzählt, daß Papst Gregor I., der auch für das Cölibat sehr eingenommen gewesen, davon zurückgekommen sei, als einst aus einem Klosterteiche 6,000 Kinderköpfe herausgefischt wurden." (S. 768)
Die Geschichte über die Kinderköpfe in einem römischen Teich scheint übrigens tatsächlich auf eine (ziemlich sicher fälschlich) dem Hl. Ulrich von Augsburg zugeschriebene mittelalterliche Quelle ("Epistola de continentia clericorum") zurückzugehen. Schon die Reformatoren nutzten diese Schrift für ihre Polemik gegen den Zölibat. Für die Wirkungsgeschichte der Erzählung ist die Frage nach der Authentizität der Quelle indes zweifellos zweitrangig. Es kann nicht verwundern, dass auch die Romanliteratur von diesem schaurigen Motiv Gebrauch machte. So schilderte Karl May in seinem 1880-82 erschienenen Fortsetzungsroman "Die Juweleninsel" ein Kloster mit dem bezeichnenden Namen "Himmelreich", auf dessen "Klosterkirchhofe" es "einen Winkel [gibt], in welchem man beim Nachgraben nichts finden würde als die Ueberreste neugebore- ner Kinder. […] Die frommen Väter und Mütter haben einander sehr lieb, und der alte Basaltfelsen hat nicht umsonst so tiefe Klüftungen und unterirdische Gänge". Wie tief solche Schauergeschichten sich im kollektiven Gedächtnis festgesetzt haben, und zwar bis heute, kann man beispielsweise daran ablesen, wie die Öffentlichkeit reagierte, als im Jahr 2014 eine Geschichte über die angebliche Entdeckung eines Kinder-Massengrabs in der Klärgrube eines von Ordensschwestern betriebenen Waisenhauses durch die Medien geisterte. Natürlich musste die Geschichte stimmen, schließlich kennt man so etwas aus Romanen. 

Besonders ausführlich, nämlich auf knapp vier Seiten (S. 770-773), behandelt Dr. Rode einen Fall aus "der neueren Zeit", nämlich jenen der Magdalena Baumann, einer bayerischen Wundarzttochter, die mit 17 Jahren in ein Kloster eintrat, dort von ihrem Beichtvater sexuell bedrängt wurde und nach einem gescheiterten Fluchtversuch eingesperrt und schwer misshandelt wurde. Dieser Fall ist Gegenstand des 1808 in München erschienenen Büchleins "Gemälde aus dem Nonnenleben" des bayerischen Juristen und Historikers Felix Joseph Lipowsky, und es ist anzunehmen, dass Dr. Rode diese Schrift als Quelle benutzt hat, auch wenn er das nicht ausdrücklich sagt. Der Frage nach der Authentizität von Lipowskys Schilderungen nachzugehen, wäre ein Thema für sich und würde hier den Rahmen sprengen, aber die Vermutung liegt nahe, dass die Aufdeckung eines Klosterskandals im Jahr 1808 nicht zuletzt auch dem Zweck diente, die in den Jahren 1802/03 erfolgte Aufhebung und Enteignung der bayerischen Klöster nachträglich gegenüber der Öffentlichkeit zu rechtfertigen. So sieht es auch Dr. Rode: "Trotz solcher Erfahrungen gibt es doch noch heute Klöster!", ruft er empört aus (S. 773) -- und merkt zugleich an, der Fall Magdalena Baumann sei "nur ein schwaches Vorspiel gegen die schreckliche Barbarei, deren Opfer unsere Heldin geworden" (ebd.). 

Erst mit Kapitel LIV, das auf S. 774 beginnt, wird der Handlungsfaden um die Titelheldin Barbara Ubryk wieder aufgenommen; wir befinden uns also bereits in der 17. Lieferung des Romans. Das Kapitel beginnt mit Barbaras Eintritt ins Noviziat und endet mit ihrer Ewigen Profess, also ihrer endgültigen Aufnahme in den Orden; aber diese Vorgänge boten dem Autor offenbar wiederum nicht ausreichend Stoff für ein ganzes Kapitel, weshalb er abermals einen umfangreichen polemischen Exkurs einbaut, diesmal zum Thema Reliquienverehrung. Diesen immerhin knapp 9 Seiten langen Exkurs legt er der Novizenmeisterin des Klosters, Schwester Edeltrudis von den sieben Schmerzen Mariens, in den Mund, die offenbar entweder zu borniert ist, um zu bemerken, dass ihre Ausführungen geeignet sind, den Glauben ihrer Novizinnen an die Lehren der Kirche zu untergraben, oder die womöglich sogar ein perverses Vergnügen daran hat. Nicht umsonst betont Dr. Rode, Novizenmeisterinnen besäßen in der Regel "alle jene Untugenden, die man den alten Weibern nachredet, in verstärktem Maße": "Die Novizen sind unter dem unbeschränkten Commando derselben nichts weniger als zu beneiden. Auch Ediltrudis war ein liebenswürdiger Drache. Sie besaß eine eiserne Constitution, war übermäßig wohlbeleibt, hatte ein von den Blattern gezeichnetes Gesicht, einen Mund von übermäßiger Länge und schwarze Zähne." (S. 779) In ihrem Monolog über Reliquien jedenfalls bedient die Novizenmeisterin nicht nur sämtliche seit der Reformationszeit gängigen Klischees über bizarre Auswüchse des Reliquienkultes - so müsse etwa der Hl. Dionysius, wenn alle ihm zugeschriebenen Reliquien echt wären, "zwei vollständige Leiber, fünf Hände und vier Köpfe" gehabt haben (S. 783); "Splitter vom Kreuze gibt es soviele, daß man daraus eine Kriegsschiff bauen könnte, und die Nägel vom Kreuze wiegen nach Centnern. Dornen aus der Dornenkrone fanden sich an jeder Hecke" (S. 784); einige andere groteske Anekdoten übernimmt der Autor abermals wörtlich von Corvin -, sondern sie behauptet darüber hinaus, "die ersten Christen" hätten "überhaupt ganz andere Anschauungen von der Lehre Christi" gehabt: "Hoffentlich werden sie als Ketzer auch nicht selig geworden sein, denn sie glaubten oft das reine Gegentheil von dem, was heute geglaubt werden muß." (S. 782). Das ist natürlich ein locus classicus der antikatholischen Propaganda, ob von atheistischer, neopaganer oder evangelikaler Seite; die Beispiele, die Dr. Rode der Schwester Edeltrudis in den Mund legt, sind mir so allerdings noch nirgends untergekommen: 
"So warf der berühmte Kirchenvater Tertullian der Jungfrau Maria vor, daß sie nicht an Christum geglaubt habe, Origines und der hl. Basilius beschuldigen sie unheiliger Zweifel bei den Leiden ihres Sohnes, und der große heil. Chrysostomus hält sie des Selbstmordes für fähig, indem er erzählt, daß der Engel ihr die Empfängniß früher verkündet, als sie ihre Schwangerschaft bemerkte, weil sie sonst bei der plötzlichen Entdeckung leicht aus Scham ihrem Leben ein Ende hätte machen können." (ebd.) 
Nun, ich sag mal so: Ich habe mir erst kürzlich für schmales Geld die komplette "Bibliothek der Kirchenväter" auf meinem eBook-Reader installiert, ich könnte also durchaus mal gucken, ob sich in den Schriften der genannten Autoren etwas findet, was man mit ausreichend bösem Willen so interpretieren könnte wie hier geschehen. Ich bezweifle aber, dass der Aufwand sich lohnen würde. Möglicherweise befinden sich unter meinen Lesern aber Patristik-Kenner, die hier etwas zur Aufklärung beitragen können. Nur am Rande sei vermerkt, dass die Titulierung Tertullians als "berühmte[r] Kirchenvater" schon mal falsch ist: Zwar ist Tertullian ein bedeutender Autor des frühen Christentums, trägt aber nicht den Titel eines Kirchenvaters, da er sich gegen Ende seines Lebens der Häresie des Montanismus zuwandte. Auch Origines gilt kirchlicherseits nicht in allen seinen Schriften als verlässlich rechtgläubig. 

Abgesehen von diesem Exkurs geht es in Kapitel LIV im Wesentlichen um die Rituale bei Barbaras Noviziat, den Unheil verheißenden Neid der anderen Nonnen auf Barbaras Schönheit ("Die Novize brachte nach ihrer Ansicht einen ungeheuern Fehler mit — sie war schön, ja leider die schönste von allen Frauen im Kloster", S. 776), die strengen Regeln des Klosterlebens ("Der Gebrauch des Papieres auf dem Abtritte ist nicht erlaubt", S. 779) und schließlich, besonders ausführlich, die Feier ihrer Profess. Dabei lässt es der Autor, wie es Brauch ist, nicht an düsteren Vorausdeutungen fehlen: 
"Im Vorbeigehen [...] streckte ein kleines Mädchen die Hände nach Barbara aus und schrie laut genug, um von Jedermann gehört zu werden: — Ich will nicht, nein, ich will nicht, daß die Tante ins Kloster gehe! Diese Kinderstimme zog die allgemeine Aufmerksamkeit auf sich. Es war die Stimme der Unschuld, die sich gegen die Unnatürlichkeit des Klosters auflehnte.” (S. 792)
Des Kaisers neue Kleider, anyone? -- Das Kind, das sich hier Gehör verschafft, ist übrigens tatsächlich Barbaras Nichte, eine Tochter ihrer Schwester Therese. -- Und weiter: "Kaum hatte Barbara deu Fuß an die Schwelle des Klosters gesetzt, als sie in Thränen zerfloß. Was sie zum Weinen bewogen haben mochte, hat sie niemals gestanden." (S. 793). Aber auch damit noch nicht genug: 
"Als Barbara die Gelübde aussprach, stockte sie aus Beklommenheit ein wenig. Im nämlichen Augenblicke entglitt einer der Nonnen die brennende Kerze, die sie in ihren Händen hielt, fiel auf den Boden und erlöschte.
Seltsames Vorzeichen!" (S. 796)
Na dann. -- Im Rahmen der Zeremonie erhält Barbara auch einen neuen Namen, nämlich "Jovita von den Engeln" (S. 797). Wie der Autor erläutert, "soll [...] die Annahme eines neuen Namens das letzte Band noch zerreißen, welches den Menschen an die Welt kettet — das Familienband" (ebd.). Nun wissen wir ja inzwischen aus der polnischen Wikipedia, dass tatsächlich Barbara - oder genauer gesagt "Barbara Theresa vom Heiligen Stanislaus" - der Ordensname der "unglücklichen Nonne von Krakau" war, die bürgerlich eigentlich Anna mit Vornamen hieß. Für den Autor jedoch hat es einen unbestreitbaren Vorteil, dass "[d]er freundliche Leser [...] sich [...], wenn er sich mit uns in das Innere der Klöster wagen will, bequemen [muss,] den Namen Barbara zu vergessen, und sich dafür mit Jovita von den Engeln bekannt machen" muss (ebd.): Auf diese Weise braucht er selbst den Namen Barbara in den folgenden Kapiteln - die er ursprünglich sehr wahrscheinlich ohne jeden Bezug zum realen Fall der Barbara Ubryk verfasst hatte - nicht mehr zu verwenden und muss so nicht befürchten, sich bei der Benennung seiner Hauptfigur zu vertun. Möglicherweise war "Jovita von den Engeln" in der Urfassung des Romans sogar niemand anderes als... Elka? Dieser Vermutung werden wir in der nächsten Folge dieser Artikelserie nachgehen. 



Dienstag, 12. März 2019

Die #BenOp als Paperback!

Die Männergrippe hat mich fest in ihren Klauen, die Deutsche Bischofskonferenz trifft sich zur Frühjahrsvollversammlung bei Pater Lingen äh, in Lingen -- aber es gibt auch gute Nachrichten: Gestern brachte mir der Paketbote einen Stapel Freiexemplare der druckfrischen Paperback-Ausgabe der "Benedikt-Option"


Gegenüber der (noch nicht restlos abverkauften) Hardcover-Edition zeichnet sich das Taschenbuch durch eine schlichtere, kühlere, modernere Einbandgestaltung und ein etwas kleineres Seitenformat aus, zudem ist es 7 € billiger; vor allem aber wartet diese Neuausgabe mit einem Vorwort von Erzbischof Georg Gänswein auf, und das hat es wirklich in sich. Ausgehend von der Feststellung, dass Rod Dreher "[i]n seiner Danksagung [...] sein Buch auf besondere Weise Papst Benedikt XVI. gewidmet" habe, schildert der Kurienerzbischof seinen Eindruck, Dreher habe dieses Buch "in weiten Teilen quasi im stillen Dialog mit dem schweigenden Papa emerito verfasst": 
"Auch ich will Rod Drehers 'Benedikt-Option' mit einigen Worten aus dem Mund Benedikts XVI. begleiten, die mir in seinem Dienst unvergesslich wurden und im Lauf der Lektüre wieder durch den Kopf gegangen sind".
Dieser Satz beschreibt das Leitmotiv von Erzbischof Gänsweins Ausführungen: Er zitiert verschiedene Ansprachen des emeritierten Papstes und setzt sie in Beziehung zu den Kernthesen der "Benedikt-Option". Das ist ausgesprochen eindrucksvoll und bewegend, und zugleich zeichnet Erzbischof Gänswein dabei ein schonungsloses Bild der gegenwärtigen Krise der Kirche:
"[W]ie wir inzwischen wissen, gibt es auch eine Ökumene der Not und der Verweltlichung und eine Ökumene des Unglaubens und der gemeinsamen Flucht vor Gott und aus der Kirche quer durch alle Konfessionen. Und eine Ökumene der allgemeinen Gottesverfinsterung. Jetzt erleben wir die Wasserscheide eines Epochenwandels [...]. Die Volkskirche, in die wir noch hineingeboren wurden, und die es in Amerika nie so gab wie in Europa, ist im Prozess dieser Verfinsterung schon lange gestorben. Klingt Ihnen das zu dramatisch?"
Abschließend betont er, Drehers Buch enthalte "keine fertige Antwort":
"Es findet sich hier kein Patentrezept oder ein Generalschlüssel für alle Tore, die so lange für uns offenstanden und nun wieder krachend ins Schloss gefallen sind. Zwischen diesen beiden Buchdeckeln findet sich aber ein authentisches Beispiel für das, was Papst Benedikt vor zehn Jahren über den benediktinischen Geist des Anfangs gesagt hat. Es ist ein wahres 'Quaerere Deum'."
Dieses Vorwort basiert auf einer Ansprache, die der Präfekt des Päpstlichen Hauses am 11. September 2018 in Rom hielt, anlässlich der Vorstellung der italienischen Ausgabe von Rod Drehers Buch. Die Ansprache, in der er den Missbrauchsskandal als "das 9/11 der Kirche" bezeichnete, erregte damals auch in den deutschen Medien einiges Aufsehen, und obwohl das Buch, dessen Präsentation den Anlass für die Rede darstellte, in den meisten Presseberichten nur am Rande erwähnt wurde, wirkte sich diese Berichterstattung doch spürbar auf die Verkaufszahlen aus. Nun hoffe ich natürlich, dass die Neuausgabe der "Benedikt-Option" als Taschenbuch und mit Erzbischof Gänsweins Vorwort der öffentlichen Resonanz auf dieses Buch noch einmal neuen Schwung verleiht -- also beispielsweise auch die eine oder andere Rezension in der Mainsteeam-Presse nach sich zieht, nachdem man bisher zuweilen den Eindruck haben konnte, die Hardcover-Edition sei größtenteils per Mundpropaganda beworben worden (was ja durchaus gut zum Prinzip "Graswurzelrevolution" passt, aber... na ja). Soweit ich es überblicke, war die auflagenstärkste Print-Publikation, die bisher eine Rezension der #BenOp gebracht hat, der CICERO -- und das auch erst im Februar 2019. Die Besprechung ("Jesus wollte keine Mehlpampe", Thorsten Paprotny) liest sich für mein Empfinden über weite Strecken positiv, um dann aber kurz vor Schluss abzubiegen und doch zu einem negativen Gesamtfazit zu kommen; aber seien wir optimistisch, dass der Beitrag dennoch ausreichend neugierig auf das Buch macht, um die eine oder andere purchase decision zu triggern

Auf der Website des Verlags kann man die Paperback-Ausgabe der "Benedikt-Option" bereits bestellen, im allgemeinen Buchhandel ist sie, soweit ich sehen kann, noch nicht angekommen -- das dauert dann wohl noch ein paar Tage... 


Montag, 11. März 2019

Kaffee & Laudes - Die Wochenvorschau (1. Woche der Fastenzeit)

Was bisher geschah: In der letzten Woche waren hier alle krank; mich selbst hatte es bis gestern Abend am wenigsten schlimm erwischt, was aber natürlich hieß, dass ich mich umso mehr um Frau und Kind kümmern musste.  Bin ganz froh, dass ich es daneben noch geschafft habe, zwei Blogartikel rauszuhauen -- und einen Kuchen zu backen. Schon meinen sechsten Kuchen seit Beginn meiner "Hermann-Option". Diesmal ist es ein Nusskuchen mit Rosinen geworden, und ich bin sehr zufrieden mit dem Ergebnis. Jetzt hänge ich aber auch ziemlich in den Seilen. 


Was ansteht: Besondere Termine "außer Haus" habe ich diese Woche nicht, und das ist wohl auch ganz gut so, schließlich muss man erst mal sehen, wie sich die familiäre Gesundheitssituation so entwickelt. Aber zu bloggen gibt es natürlich immer was. In dieser Hinsicht gibt es zunächst einmal eine gute Nachricht für die kleine, aber umso treuere Schar der Fans meiner Serie "Der seltsame Fall der eingekerkerten Nonne": Teil 14 ist in Arbeit! Ob der diese Woche noch fertig wird, kann ich allerdings nicht versprechen, denn die Beiträge zu dieser Artikelserie erfordern regelmäßig mehr Arbeitsaufwand, als man es ihnen vielleicht anmerkt. Und abgesehen von meiner momentan etwas angeschlagenen Gesundheit gilt natürlich immer, dass ich mir inmitten meiner Pflichten als "Stay-at-Home-Dad" die Zeit zum Bloggen erst mal freischaufeln muss. Dieser Vorbehalt gilt folglich auch für weitere geplante Blogartikel: So habe ich vor, demnächst mal einen Artikel mit Beobachtungen aus der sogenannten "Kindergartenfrei"-Szene in Angriff zu nehmen. Wie einige meiner Leser sich erinnern werden, war ich im letzten durch eine recht tendenziöse Reportage in der Berliner Zeitung auf diese Subkultur aufmerksam geworden; inzwischen habe ich da allerlei persönliche Eindrücke gesammelt, die ein wesentlich facettenreicheres Bild abgeben. Eventuell schreibe ich auch was zur "Aktion Klimafasten", aber das muss ja nicht zwingend diese Woche sein -- die Fastenzeit dauert ja noch ein Weilchen. Sollte ich diese Woche unerwartet produktiv sein, könnte auch noch ein Artikel zu einem der Bücher anfallen, die ich gerade lese (siehe unten); und natürlich ist es nie ganz auszuschließen, dass aktuelle Themen an mich herangetragen werden, denen ich mich kurzfristig widmen muss.

Im Übrigen ist mir ein Auftrag für die Mitarbeit an einem Kinderbuch ins Haus geschneit. Jawohl, Kinderbuch, ich. Aber dazu äußere ich mich genauer, wenn das Projekt weiter fortgeschritten ist.


aktuelle Lektüre: 

Wie der Titel schon verrät, ein Ratgeber für ein katholisches Familienleben; aber was für einer! Kompromisslos rechtgläubig, dabei humorvoll, locker und erzsympathisch, verfasst von einem erfahrenen Elternpaar. Da würde ich mich über eine deutschsprachige Ausgabe freuen (für die ich, man ahnt es, mit Vergnügen höchstpersönlich die Übersetzungsarbeit leisten würde). Habe in diesem Sinne bereits Kontakt zu den Autoren aufgenommen. Schauen wir mal. 


Ich erwähnte es kürzlich schon mal: das Buch, das mein Freund Rod VOR der "Benedikt-Option" geschrieben hat. Es fehlt nicht an inhaltlichen Überschneidungen und Anknüpfungspunkten, aber schwerpunktmäßig geht es in "Crunchy Cons" darum, Themen wie Konsum, Ernährung, Bildung und Erziehung, Umweltschutz etc. aus einer konservativen, auch dezidiert christlich-konservativen Perspektive zu betrachten. Ich bin noch nicht halb durch damit, da ich es bewusst langsam und gründlich lese, aber ich denke, schon allein das (recht umfangreiche) Kapitel über Landwirtschaft und Ernährung ist einen Blogartikel wert -- mit einigen Querverweisen zum unlängst hier besprochenen "Werkheft" der KLJB Bayern.
Ein Gedichtband, an den ich durch die (Online-)Bekanntschaft mit dem Mann der Autorin geraten bin. Über dieses Buch will ich unbedingt etwas schreiben, aber das kann noch ein bisschen dauern, denn es ist keine leichte Kost. Davon abgesehen habe ich keine Ahnung, wie man Lyrik rezensiert, oder zumindest liegt es mir nicht;  wenn ich also etwas zu diesem Band schreibem wird es also wohl nicht im eigentlichen Sinne eine Rezension werden. Hilfsweise zitiere ich hier mal eine auf dem hinteren Buchdeckel abgedruckte Kurzkritik von Gabriele Russwurm-Biró, Präsidentin des Kärntner Schriftstellerverbands, die ich sprachlich zwar etwas schwülstig, inhaltlich aber durchaus zutreffend finde: "Was Zivilisationen zerstören, bannen die Gedanken Betty Quasts für einen magischen Moment. Die Gedichte spiegeln apokalyptische Bilder unseres Daseins [...]. Die Endzeit verwandelt sich in allegorische Visionen [...]" (die typischen Rezensenten-Floskeln habe ich ausgelassen).

Und wenn ich mal die Zeit und Muße finde, rein zum Vergnügen und zur Entspannung zu lesen, greife ich zum "Herrn der Ringe". Zuletzt war ich da mit Pippin in Minas Thirit unterwegs, passenderweise auf der Suche nach Frühstück -- und "hier in den Häusern gebildeter und gesitteter Menschen müsste es doch irgendwo ein Glas Bier geben"!


Linktipps: 

Vor ein paar Wochen habe ich mich in einem Blogartikel mit dem Titel "Nenn mich nicht heterosexuell!" kritisch mit der von evangelisch.de-Autor Matthias Albrecht propagierten Begriffsprägung "homosexuell begabt" auseinandergesetzt; der in der von mir gewählten Überschrift anklingende Aspekt, auch der Begriff der Heterosexualität sei zu problematisieren, ist dabei allerdings womöglich ein bisschen kurz gekommen. Nun fügt es sich, dass ich in den Weiten des Internets auf einen fünf Jahre alten Essay gestoßen bin, der sich genau diesem Aspekt sehr einlässlich widmet. Wer meint, ich würde schon immer so lange Texte fabrizieren, muss sich hier allerdings warm anziehen, denn Michael Hannons Ausführungen sind ebenso umfangreich wie anspruchsvoll. Ich gebe mal eine (halbwegs) kurze Einführung:

LGBT-freundliche Christen argumentieren gern, Jesus habe nie etwas über Homosexualität gesagt, und das stimmt -- aus dem einfachen Grund, dass es das, was wir heute unter Homosexualität zu verstehen gewohnt sind, zur Zeit Seines Erdenlebens schlichtweg noch nicht gab. Und ebenso wenig gab es das, was wir heute unter Heterosexualität verstehen, denn logischerweise beziehen sich diese beiden Begriffe aufeinander -- und auf eine bestimmte Vorstellung von "sexueller Orientierung" als Persönlichkeitsmerkmal. Dieses Konzept wurde jedoch, wie Hannon aufzeigt, erst in der zweiten Hälfte des 19. Jhs. "erfunden" und ist schon vom Ansatz her zutiefst fragwürdig; und auch und gerade Christen tun gut daran, es infrage zu stellen. 

Ich kann mir gut vorstellen, dass manche konservative Christen zunächst einmal mit Hannons Thesen fremdeln werden - aber seine Argumente haben es in sich! 

Spricht für sich selbst: Eine Reportage über staatliche Kinderbetreuung in der Sowjetunion, dargestellt aus US-amerikanischer Sicht. Wenn man das heute, fast 45 Jahre später, liest, kann einem die Frage in den Sinn kommen, wer den Kalten Krieg eigentlich wirklich gewonnen hat.


Heilige der Woche:

Donnerstag, 14.03.: Hl. Mathilde. Gattin des ostfränkischen Königs Heinrich I.; nach dessen Tod im Jahr 936 Gründerin des Stifts Quedlinburg, wo die 968 starb.

Freitag, 15.03.: Hl. Klemens Maria Hofbauer (1751-1820). Redemptoristenpater, 1787-1808 (mit Unterbrechungen) Pfarrer in Warschau, wo er u.a. eine Armenschule, eine Handarbeitsschule für Mädchen und ein Waisenhaus gründete; ab 1808 in Wien, wo er als populärer Prediger im von Aufklärung und Säkularisierung geprägten politisch-gesellschaftlichen Klima der Zeit wiederholt mit der Staatsgewalt in Konflikt geriet. Scheint mir ein durchaus passender #BenOp-Heiliger zu sein.

Und am 17.03. - das wird auch so Mancher wissen, der ansonsten nicht den ganzen Heiligenkalender in- und auswendig kennt - wäre eigentlich St. Patrick's Day. Aber die Sonntage in der Fastenzeit haben liturgisch einen höheren Rang, und das heißt - auch wenn es Freunden der irischen Kultur und Folklore nicht gefallen wird -, dass St. Patrick's Day dieses Jahr ausfällt. Tja. Isso.


aus dem Stundenbuch:

"Ihr habt gesehen, wie ich euch auf Adlerflügeln getragen und hierher zu mir gebracht habe." (Exodus 19,4)




Freitag, 8. März 2019

Neues von St. Willehads (mehr oder weniger) "heiligem Rest"

Es gibt Neuigkeiten zu den geplanten Kirchenschließungen Nordenham-Einswarden und Stadland-Rodenkirchen: Einen Tag nachdem ich auf diesem Blog über die diesbezüglichen Pläne der Pfarrei St. Willehad berichtet habe, erschien in der Kreiszeitung Wesermarsch ein Artikel zu diesem Thema, und einen weiteren Tag später zog auch die Nordwest-Zeitung nach

Derweil ist das Protokoll der Pfarreiratssitzung vom 27. Februar noch nicht online, aber es ist nicht unbedingt anzunehmen, dass daraus wesentlich mehr Relevantes zu entnehmen sein wird als aus den Berichten der Lokalpresse -- zumal aus dem Artikel der Nordwest-Zeitung hervorgeht, dass dessen Verfasser Hörst Lohe, selbst Gemeindemitglied von St. Willehad, den Pfarrer am Tag nach der Sitzung interviewt hat. 

Was die beiden Presseartikel an neuen faktischen Informationen enthalten, lässt sich einigermaßen übersichtlich zusammenfassen: 
  • Die Profanierung von St. Josef Rodenkirchen durch Weihbischof Wilfried Theising ist auf den 31. März angesetzt. 
  • Für eine Profanierung von Herz Jesu Einswarden gibt es noch keinen Termin, sie soll aber noch in diesem Jahr stattfinden. Das bestätigt auch das Offizialat in Vechta. 
  • Über eine Nachnutzung des Einswarder Kirchengebäudes und -grundstücks gibt es noch keinen konkreten Beschluss. "Dabei muss berücksichtigt werden, dass die 1928 geweihte Kirche als Gebäude unter Denkmalschutz steht" (Nordwest-Zeitung). Das angrenzende Pfarrhaus ist "baufällig"(Kreiszeitung). 
  • Das zu St. Josef Rodenkirchen gehörende "bis vor kurzem noch genutzte Wohnhaus" ist "von Schimmel befallen"; trotzdem hofft die Pfarrei, das ganze Gebäudeensemble samt Grundstück "gut an den Mann oder die Frau" zu bringen (Kreiszeitung).  
Zentral ist hier erst einmal die Feststellung, dass das Bischöflich Münstersche Offizialat in Vechta die Pläne zur Profanierung der beiden Gotteshäuser bereits abgesegnet hat; ja, es erscheint nicht einmal ausgeschlossen, dass der Beschluss dazu ursprünglich aus Vechta kam und von den Gremien der Pfarrei nur noch abgenickt wurde. Das würde auch erklären, dass es dort offenbar keinen nennenswerten Widerstand gegen die Pläne gab, wohingegen anno 2015, wie die Kreiszeitung erinnert, "zahlreiche Mitglieder der Kirchengemeinde" gegen die vorläufige Schließung der Einswarder Herz-Jesu-Kirche protestierten. 

Herz-Jesu-Kirche in Nordenham-Einswarden (Foto: privat) 

Und was sagt Pfarrer Karl Jasbinschek dazu? "Es ist immer ein schmerzlicher Prozess, eine Kirche zu schließen und aufzugeben", zitiert ihn die Kreiszeitung
"Es sei aber die Realität der Gegenwart, dass Nordenham nicht mehr zwei katholische Kirchen brauche. So viele Menschen seien es nicht, die zum Gottesdienst kommen." 
Also, Freunde: Wenn ich so einen Satz lese, verspüre ich spontan den Drang, irgend etwas Zerbrechliches gegen die nächste Wand zu werfen. -- Ehe ich diese impulsive Äußerung ausführlich begründe, möchte ich nicht die fast schon rituelle Klarstellung versäumen, dass es mir keinesfalls darum geht, auf meiner alten Heimatpfarrei "herumzuhacken". Ich würde mich gar nicht so ausgiebig mit den dortigen Vorgängen befassen, wenn ich nicht der Meinung wäre, dass sie auch über den konkreten Einzelfall hinaus von Interesse sind. Sicherlich spielen hier und da Faktoren eine gewisse Rolle, die für diese Pfarrei spezifisch sind, aber im Großen und Ganzen betrachte ich das, was seit einigen Jahren in St. Willehad abläuft, als ein illustratives Fallbeispiel für bestimmte pastoralstrategische Trends, die die Kirche in ganz Deutschland und womöglich auch darüber hinaus betreffen. 

Nun aber zur Sache: Was ist an der oben zitierten Aussage des Pfarrers so schrecklich verkehrt? Da wäre zunächst einmal ein typisch technokratisches Effizienz- und Rationalisierungsdenken: Wie viele Plätze haben wir in unseren Kirchen, wie hoch ist die Auslastung? Würden die Leute, die in zwei Kirchen gehen, auch in eine hineinpassen? Dann brauchen wir die zweite ja nicht. Ein solches Denken ist in einer Zeit, in der Bistümer sich angesichts schwindender Ressourcen von Unternehmensberatern coachen lassen, zweifellos weit verbreitet, aber es ist dumm. So funktioniert es nicht. Erst recht nicht, wenn man die spezifische Sozialstruktur der verschiedenen Standorte nicht berücksichtigt. Einswarden fühlt sich sowieso schon als das vernachlässigte und geprügelte Stiefkind unter den Ortsteilen  Nordenhams, und es ist ausgesprochen fatal, dass die Kirchen mit dazu beitragen (erinnern wir uns, dass die evangelisch-lutherische Kirche sich sogar schon früher als Einswarden zurückgezogen hat als die katholische). 

Durchaus bezeichnend für das soziale Gefälle innerhalb der Pfarrgemeinde ist es auch, dass von den Verantwortlichen offenbar niemand auf die Idee gekommen ist, dass es Leute geben könnte, die kein Auto haben. Zugegeben: Natürlich gibt es einen Bus, der von Einswarden in die Nordenhamer Innenstadt fährt. Sonn- und feiertags fährt der alle zwei Stunden, und die Sonntagsmesse in St. Willehad ist tatsächlich so gelegt, dass man sie mit dem Bus aus Einswarden gerade pünktlich erreichen kann. Und wenn die Messe etwas unter einer Stunde dauert und man danach sofort zur Bushaltestelle sprintet, schafft man es vielleicht, noch vor Mittag wieder zu Hause zu sein. 

Aber wie dem auch sei: Dass durch die Aufgabe des Standorts Einswarden ein Teil der Gemeinde, und zwar schwerpunktmäßig der ärmere und migrantischere Teil, effektiv abgehängt wird, ist nur die Spitze des Eisbergs, und es wäre auch nicht ganz fair, dafür vorrangig die aktuelle Pfarreileitung verantwortlich zu machen; schließlich wurde Herz Jesu Einswarden schon während der kurzen Amtszeit von Pfarrer Jortzick ("vorläufig") geschlossen. Letztlich würde es aber ohnehin zu kurz greifen, irgendjemandem persönlich die Schuld an irgendwas zu geben: Das Übel steckt in den Strukturen. Man tut gut daran, die Einschätzung des Pfarrers, angesichts der Gottesdienstbesucherzahlen "brauche" Nordenham keine zwei katholischen Kirchen, im Zusammenhang mit einer anderen Äußerung zu sehen, die man dem Artikel der NWZ entnehmen kann: 
"Die Zahl der Besucher in Burhave mit durchschnittlich 44 und in Nordenham mit durchschnittlich 180 ist laut Pfarrer Karl Jasbinschek relativ gut. Darauf könne die Gemeinde stolz sein." 
Ach ja? Na dann rechnen wir mal. 180 plus 44 ergibt 224, und wenn wir für Rodenkirchen mal optimistisch weitere 20 veranschlagen - dazu später mehr -, kommen wir auf 244 regelmäßige Messbesucher in der gesamten Pfarrei. Einer Pfarrei mit 3.386 Mitgliedern (Stand vom 31.12.2017). Damit wären wir bei einer Gottesdienstbesuchsquote von 7,2%, und das ist, wie gesagt, bereits optimistisch geschätzt. Muss ich näher ausführen, was es über das Selbstverständnis einer Kirche aussagt, eine solche Zahl als "relativ gut" zu betrachten, ja als etwas, worauf man "stolz" sein könne?

Wenn Erik Flügge, meine alte Nemesis, mit einem recht hat, dann wohl damit, dass eine Pfarrei nicht nur für diejenigen Mitglieder da sein muss, die aktiv am Gemeindeleben teilnehmen, sondern auch und erst recht für die anderen. Dass diejenigen, die in der Gemeinde den Ton angeben, das jedoch nicht so sehen (wollen), ist keineswegs spezifisch für St. Willehad; das kann man nahezu überall erleben. Die angestammte Kerngemeinde wünscht sich zwar vielleicht manchmal, die Kirche wäre voller, aber solange sie sich selbst nicht klonen kann, wird sie auf die Erfüllung dieses Wunsches wohl verzichten müssen, denn Leute, die anders sind als man selber, will man dann lieber doch nicht. Und deshalb verhält man sich - ob bewusst oder unbewusst - eben auch so, dass die möglichst wegbleiben. Lieber stirbt man in aller Ruhe aus. 

In diesem Licht betrachtet erscheinen die Vorgänge um die Abwicklung von St. Josef Rodenkirchen als eine Groteske, bei der man als Außenstehender nicht recht weiß, ob man lachen oder weinen soll. An diesem Standort "seien in den vergangenen Jahren [...] zu den Gottesdiensten immer nur fünf oder sechs Gläubige gekommen, berichtet der Pfarrer" der Kreiszeitung. Tja, aber wann waren diese Gottesdienste? Mittwochs um 15 Uhr. Was erwartet man denn bitte, wer da kommen soll? Wer da überhaupt, selbst beim allerbesten Willen, kommen können sollte? Mehrere Kommentatoren meines vorigen Artikels zu diesem Thema haben darauf hingewiesen: Hätte jemand (was natürlich nicht der Fall ist) die Absicht, eine Gottesdienstzeit anzusetzen, zu der garantiert niemand kommt, gäbe es dafür wohl kaum eine bessere Wahl als mittwochs um 15 Uhr. Und das wird nun also als Vorwand genutzt, die Kirche zu profanieren und das Gebäude samt Grundstück zu verkaufen. Die NWZ berichtet, Pfarrer Jasbinschek habe "persönlich mit allen Gottesdienstbesuchern in Rodenkirchen gesprochen. Zuletzt seien es nur noch drei bis 5 gewesen". Tja. Vielleicht hätte er lieber mal mit denen sprechen sollen, die nicht zum Gottesdienst kommen. Mit der Lösung, Gottesdienste in Rodenkirchen fortan nur noch im Seniorenheim abzuhalten, seien "[b]is auf eine Person [...] alle [...] zufrieden", heißt es weiter. Bis auf eine Person von zuletzt noch drei bis fünf Gottesdienstbesuchern, mit denen der Pfarrer persönlich geredet hat, wohlgemerkt. Das macht immerhin eine Quote von ca. 20-33%. Aber 'n bisschen Schwund is immer, wie der Norddeutsche sagt. 

Dem hier entstehenden Eindruck, die administrativen Maßnahmen der Pfarreileitung zielten (mit Billigung des Offizialats in Vechta) auf ein möglichst geräuschloses Aussterben der Gemeinde ab, widerspricht es freilich, dass - wie es in der NWZ heißt - "die Gemeinde nach den Worten des Pfarrers neue Wege gehen" will, "um mehr Menschen als bisher erreichen zu können". Dazu gab es ja auch neulich diese Gemeindebefragung, nicht wahr? Die richtete sich ja ausdrücklich auch an der Kirche Fernstehende. Die Beteiligungszahlen lassen indes daran zweifeln, ob solche in signifikanter Anzahl erreicht wurden. Und das hat Gründe. Auch hier muss ich, ganz gegen meine Neigung, abermals Erik Flügge Recht geben: Leere Kirchen entstehen nicht dadurch, dass die Leute in der Kirche nicht das bekommen, was sie wollen, sondern dadurch, dass die meisten Menschen überhaupt nichts von der Kirche wollen. Sie haben zwar vielleicht eine Meinung dazu, was sich in der Kirche so alles ändern müsse, aber das heißt nicht, dass sie selbst plötzlich anfangen würden, in die Kirche zu gehen, wenn sie sich tatsächlich ihren Vorstellungen entsprechend änderte. 

Anders ausgedrückt: Kein noch so "niederschwelliges Angebot" erreicht die Leute wirklich, wenn es nicht gelingt, ihnen begreiflich zu machen, was auf der anderen Seite der Schwelle ist, wofür es sich lohnt, den Schritt über die Schwelle zu tun. Was die Kirche den Menschen "anzubieten" hat, ist die Begegnung mit Christus in Wort und Sakrament. Und was der Kirche in erster Linie fehlt, ist nicht eine ansprechende "Verpackung" für ihr "Produkt", sondern Glaubensstärke, Gottvertrauen, Begeisterungsfähigkeit für Christus

Nirgends zeigt sich die fehlgeleitete Dienstleistungsmentalität der Kirche so deutlich wie in dem Bestreben, "auch jüngere Menschen [zu] erreichen". Dass die Pfarrei St. Willehad bestrebt sei, "mehr junge Leute anzuziehen", steht im Artikel der Nordwest-Zeitung sogar zweimal. Und als jemand, der nach kircheninternen Maßstäben selbst noch zu den "jungen Leuten" gerechnet wird, muss ich sagen: Wenn ich in irgendwelchen kirchlichen Gremien Sätze höre wie "Wir brauchen mehr Angebote für junge Leute", bin ich schon mit einem Fuß aus der Tür. Die Erfahrung zeigt nämlich, dass die Leute, die sowas sagen, sich unter einer junge Leute ansprechenden Gestaltung in der Regel nichts anderes vorstellen als Klampfenlieder aus den 70ern, moralinsaure Anspiele aus den 80ern und, als Hommage an den Umstand, dass die Kommunikationsformen sich in den letzten 30 Jahren doch ein wenig verändert haben, Emojis. Der letzte Schrei. Wobei solche Aktionen wie die Übersetzung ganzer Liedtexte oder Bibelstellen in Emojis wohl eher den hochbezahlten Pressestellen von Bistümern zuzutrauen sind; an der Basis, also in den Pfarreien, ist man ästhetisch meist doch eher noch auf dem Stand der 80er Jahre. 

Aber es geht mir nicht nur oder hauptsächlich um die Ästhetik. Ich könnte mir die wenigen noch vorhandenen Haare ausraufen, wenn ich daran denke, wie in landläufigen Pfarreien die Gelegenheiten, bei denen man die Kinder und Jugendlichen nun wirklich auf dem Silbertablett serviert bekommt - nämlich Erstkommunion- und Firmvorbereitung - völlig vergeigt oder in vielen Fällen eher noch dazu genutzt werden, den Kindern und Jugendlichen jegliches Interesse an Glaube und Kirche konsequent auszutreiben. Und dann schaut man sich plötzlich einmal um und stellt fest: Huch, wir haben ja gar keine jungen Leute. Und dann versucht man sie zurückzugewinnen, und das ironischweise mit denselben ranzigen Methoden, mit denen man sie zunächst vertrieben hat. Weil man schlichtweg keine anderen hat

Was wäre die Alternative? Vielleicht, den Leuten - und zwar unabhängig von Altersgruppe, Geschlecht, Einkommen oder sonstigen soziologischen Kategorien - den authentischen Glauben der Kirche vermitteln und sie zu einer lebendigen Christusbeziehung anleiten? -- Es wird oft gesagt, mit einem solchen "intensivreligiösen" Ansatz in der Pastoral könne man nur eine Minderheit erreichen. Ich will nicht unbedingt bestreiten, dass das stimmt, frage mich aber: Eine noch kleinere Minderheit, als ihr jetzt erreicht? Seid ihr sicher? Im Fall der Pfarrei St. Willehad wären 7,2% zu überbieten; die Wette halte ich. -- Im Ernst: Mit einer konsequenten Ausrichtung auf Evangelisation, Katechese und Jüngerschaft kriegt man nicht unbedingt mehr Leute in die Kirche, auch nicht unbedingt weniger; wohl aber ziemlich sicher andere. Und nach allem oben Gesagten fürchte ich, genau das ist es, was niemand will

Aber kehren wir mal zurück vom gesamtkirchlich Verallgemeinerbaren zu den konkreten Vorgängen vor Ort; präziser gesagt, zur offenen Frage der Nachnutzung von Herz Jesu Einswarden. "Wir müssen jetzt erst einmal gucken, welche Möglichkeiten es gibt", wird der Pfarrer im Artikel der Kreiszeitung zitiert. "Es gebe auch vonseiten des Bischofs Ideen, was zukünftig dort geschehen könne, erläutert Karl Jasbinschek. Das sei aber noch nicht spruchreif. So bestätigt es auch die Pressestelle des Offizialats." Das klingt für mein Empfinden schon mal verdächtig, nämlich danach, dass es Pläne gibt, die so lange nicht an die Öffentlichkeit dringen sollen, bis man alle, die in dieser Angelegenheit vielleicht ein Wörtchen mitreden wollen würden, vor vollendete Tatsachen stellen kann. Das wäre ein durchaus "ortsübliches" Vorgehen, aber vielleicht täuscht dieser Eindruck ja auch. Was mich jedenfalls ganz grundsätzlich nicht überzeugt, ist die Aussage des Pfarrers "Nur wenn wir die Kirche profanieren, können wir neue Nutzungen ins Auge fassen". Wieso? Es sei an dieser Stelle daran erinnert, dass zum Gebäudeensemble von Herz Jesu Einswarden neben der Kirche und dem (laut Presseberichten baufälligen) Pfarrhaus auch noch ein 1978 von jungen Männern aus der Gemeinde erbautes Blockhaus sowie das im selben Jahr in Fertigbauweise errichtete "Witten-Huus" (mit Gemeindesaal, Küche und Toilette) gehören, dazu eine nicht ganz kleine Gartenanlage (von der allerdings zu vermuten ist, dass sie in den letzten Jahren ziemlich vernachlässigt wurde). Wenn, wie die NWZ andeutet, "unter anderem eine Nutzung im sozialen Bereich" angedacht ist, was spricht denn im Rahmen einer solchen Konstellation dagegen, den Kirchenraum weiter Kirche sein zu lassen und auch als solche zu nutzen, und sei es nur gelegentlich? Dass eine solche Lösung offenbar gar nicht in Erwägung gezogen wird, lässt auf ein mangelndes Bewusstsein der Zusammengehörigkeit von sakralem und sozialem Handeln der Kirche schließen (oder, auf Kirchenchinesisch ausgedrückt, von leiturgia und diakonia). 

Möglicherweise lässt es darüber hinaus auch darauf schließen, dass die Kirche, auch wenn sie das nach außen hin vorerst noch offen lässt, gar nicht daran denkt, das Gelände und die Gebäude selbst weiter zu nutzen, sondern bereits zum Verkauf entschlossen ist. "Die Kirchengemeinde hat erste Gespräche geführt, unter anderem mit der Stadt", weiß die Kreiszeitung zu berichten; auch das benachbarte Flugzeugwerk der Firma Premium Aerotec werde in Spekulationen über die Zukunft des Kirchengrundstücks "immer wieder erwähnt. Dem Werk fehlt es an Parkraum." In der NWZ heißt es derweil zwar, Premium Aerotec habe "bisher kein Interesse an der Immobilie gezeigt"; das muss aber nichts heißen. Aus gut informierten Kreisen wurde mir mitgeteilt, es stehe zu vermuten, dass zunächst "die Stadt Nordenham als Käufer auftreten und das Gelände der Firma zu sehr günstigen Konditionen überlassen" werde. Fraglich bleibt dabei natürlich, was aus dem denkmalgeschützten Kirchengebäude werden soll. 

Außerdem wurde mir zugetragen, eine private Initiative Einswarder Bürger sei in den letzten Jahren wiederholt mit einem Vorschlag für eine soziale Nutzung des Kirchengrundstücks und der darauf befindlichen Gebäude an die Pfarrei und auch an den Bischof herangetreten, damit aber weitgehend auf Desinteresse gestoßen. Die Idee sei gewesen, ein ehrenamtlich organisiertes Begegnungszentrum - gewissermaßen als sozialen Mittelpunkt eines Ortsteils, dem genau so etwas schmerzlich fehlt - einzurichten; gegen freie Nutzung hätten die Initiatoren angeboten, sich um die Instandhaltung von Grundstück und Gebäuden zu kümmern. Nun kann ich aus der Ferne nicht beurteilen, ob es aus Sicht der Kirche womöglich nachvollziehbare Gründe gab, diesen Nutzungsvorschlag eher mit Skepsis zu betrachten; aber die grundsätzliche Denkrichtung gefiele mir erst einmal erheblich besser als die Vorstellung, dass da ein Firmenparkplatz eingerichtet werden soll. Vielleicht gibt es am Ende aber ja doch noch eine völlig andere Lösung -- warten wir's mal ab... 



Montag, 4. März 2019

Die KLJB bittet zu Tisch

Es gibt so Momente, da merke ich, dass ich mich erst noch daran gewöhnen muss, mich wie ein Profi zu verhalten. Zum Beispiel neulich, als ich das Werkheft "Gut genährt?!" der Katholischen Landjugendbewegung Bayerns für Geld bestellte -- und mich erst hinterher fragte, wieso ich nicht einfach ein Rezensionsexemplar angefordert hatte. Na ja, was soll's: 9 € plus Versand, futschikato. Nächstes Mal bin ich hoffentlich schlauer. 


Aufmerksam geworden war ich auf dieses Heft durch einen auf Twitter von mehreren Accounts, denen ich "folge", verlinkten Bericht des Bayerischen Rundfunks mit dem Titel "Wie junge Katholiken über nachhaltiges Essen nachdenken". Die Katholische Landjugendbewegung (KLJB), soviel sei vorab verraten, ist ein deutschlandweit rund 70.000 Mitglieder zählender Verband für junge Katholiken in ländlichen Gegenden unter dem Dach des BDKJ (ächz), wobei der bayerische Landesverband die Besonderheit aufweist, dass er gleichzeitig auch ein anerkannter Jugendverband im Bayerischen Bauernverband ist. Themen aus dem Bereich Landwirtschaft und Ernährung aus einer katholischen Perspektive zu betrachten, gehört somit geradezu zur job description dieser Organisation – das müssten auch diejenigen konservativen Christen akzeptieren können, die ansonsten gern die Nase rümpfen, wenn "die Kirche" sich zu sehr mit "Öko-Kram" befasst. Zu denen gehöre ich aber ja sowieso nicht -- schließlich habe ich auf diesem Blog schon mehrfach über Urban Gardening-Projekte, Insektenrettung und ähnliche Themen geschrieben, unterstütze die Initiative Foodsharing und züchte meinen eigenen Sauerteig. Kurz und gut, ich bin durchaus der Meinung, dass ein verantwortungsvoller und respektvoller Umgang mit Gottes Schöpfung für Christen ein wichtiges Thema sein sollte -- heute vielleicht mehr denn je.

Insofern war ich durchaus "positiv gespannt", was das Werkheft der KLJB Bayern wohl so an Impulsen zu diesen Themen zu bieten haben würde. Aber um gleich mal ein bisschen die Spannung rauszunehmen: Der Gesamteindruck ist eher ärgerlich. Das beginnt schon damit, dass - obwohl, soweit es dem Anhang zu entnehmen ist, fast alle Mitarbeiter an diesem Heft über 20 Jahre alt sind - ein beträchtlicher Teil der Texte vom inhaltlichen wie auch vom sprachlichen Niveau her eher an Schulaufsätze der Sekundarstufe I erinnert. Kostprobe gefällig?
"Im Mittelalter wurden Landwirte unfrei, sie lebten und arbeiteten in der Nähe von Klöstern und Burgen. Die Ernte mussten die Bauern mit der Kirche und dem Adel teilen und ihren 'Zehent', den zehnten Teil, abgeben. [...] Der Ausspruch 'Stadtluft macht frei' stammt aus dieser Zeit, denn die Bewohner der Städte zählten zu den freien Bürgern. Diese freien Bürger in den Städten unterlagen nicht mehr dem Herrschaftsanspruch eines Adeligen." (S. 8) 
Oder: 
"Auch Religion spielt eine Rolle bei der Form der Ernährung. So zum Beispiel im Hinduismus. Viele Hindus sind Vegetarier. Sie glauben an die Wiedergeburt. Diese besagt, dass die Seele eines Menschen auch in einem Tier wiedergeboren werden kann. Gerade Rindfleisch ist für jeden Hindu verboten, denn Kühe gelten als heilige Tiere." (S. 12)
Zum Teil führt diese Unbedarftheit auch zu schlichtweg falschen oder jedenfalls irreführenden Aussagen -- zum Beispiel, wenn es im Zusammenhang mit den Unterschieden zwischen vegetarischer und veganer Ernährung heißt: 
"Für Milch oder Eier werden zwar keine Tiere getötet, dennoch werden Legehennen oder Milchkühe aus der Sicht von Veganern nicht artgerecht gehalten und hier steht der Tierschutz an erster Stelle." (S. 13)
-- Ach was: Für Milch oder Eier werden keine Tiere getötet? Auch wenn man weiß bzw. ahnt, wie die Formulierung gemeint ist: Das trifft vielleicht zu, wenn man - wie es noch vor ca. zwei Generationen auch hierzulande in ländlichen Gegenden nicht unüblich war - in seinem Garten eine Kuh und ein paar Hühner für den Eigenbedarf hält, aber in größerem Maßstab kann man keine Viehwirtschaft betreiben, ohne Tiere zu töten. Vor allem männliche Tiere. Sogar Charlotte Roche weiß das.

Einige der Beiträge kommen in Interview-Form daher, und auch das liest sich streckenweise so, als hätte man die Streberinnen aus der 10. Klasse mit einem vorgefertigten Fragenkatalog losgeschickt, den sie beflissen, aber unreflektiert abarbeiten. Fragen wie "Gibt es eine Nachfrage nach Bioprodukten in Tansania?" (S. 44) vermitteln dem geneigten Leser eindringlich die Bedeutung des angloamerikanischen Ausdrucks "cringe-worthy"

Ein weiterer Kritikpunkt wäre, dass die inhaltliche Abgrenzung zwischen den ersten drei (von vier) Hauptabschnitten - "Mehrwert - Nährwert" (S. 9-36), "Kritisch konsumiert" (S. 37-62) und "Nahrung nachgedacht" (S. 63-86) - nicht ganz plausibel erscheint. Damit meine ich, es wird nicht so richtig klar, nach welchen Kriterien die einzelnen Beiträge einem dieser Abschnitte zugeordnet werden und nicht einem anderen. Aber sei's drum. Im Abschnitt "Mehrwert - Nährwert" erfährt man zunächst allerlei Grundlegendes über Nährstoffgruppen, Lebensmittelzusatzstoffe, aber auch über "Ernährungstrends" (Vegetarismus, Veganismus, Paleo, "Clean Eating", "Low Carb"...), wobei gerade der letztgenannte Beitrag geradezu aufreizend oberflächlich und unkritisch daherkommt und, wie schon erwähnt, zum Teil fehlerhafte Informationen enthält. Flankiert wird er durch persönliche Statements, in denen einige KLJB-Funktionärinnen ihre individuellen Ernährungsgrundsätze darlegen. Dabei kommen eine Veganerin, eine Vegetarierin und eine Fleischesserin zu Wort, und erwartungsgemäß nervt die Veganerin am dollsten. "Ich lebe seit mittlerweile fast 8 Jahren vegan", verrät sie. "Meine Gründe dafür? Empathie. Und zwar für alles Lebende. Egal ob Spinne, Grashalm, Hund, Schwein." Tja, weißte was? Drei von diesen vier esse ich auch nicht. Zumindest nicht wissentlich und absichtlich. Im Übrigen möge man mir verzeihen, dass ich der Dame ihre Empathie für den Grashalm nicht so ganz abkaufe. Oder anders gesagt, die Erfahrung zeigt, dass Leute, die gern ihre Empathie für die Pflanzen- und Tierwelt betonen, sich mit der Empathie gegenüber anderen Menschen oft eher schwer tun. Aber weiter: "Alles um uns herum lebt und möchte am Leben bleiben. Und damit beginnt die Herausforderung, denn ohne Töten gibt es kein Leben. Auch Pflanzen kommunizieren untereinander oder warnen sich vor Fressfeinden. Wen nun also für das eigene Überleben essen und wen nicht?" (S. 16) 

Tja, wen? Die Vegetarierin schlägt ganz ähnliche Töne an: 
"Als Kind hat es damit angefangen, dass mir die Tiere so leidgetan haben. Ich wollte nicht, dass sie für mich sterben. Und das ist immer noch eine ethische Frage die mich beschäftigt: Darf ich ein Tier töten, um es zu essen, obwohl das nicht sein müsste? Hinzu kommt, dass die Massentierhaltung mit ihren Auswüchsen für mich absolutes menschliches Versagen darstellt. Die ökologischen Folgen des Fleischkonsums spielen für mich ebenfalls eine Rolle." (S. 17) 
Brav. Man muss gestehen, dass die Argumentation der Fleischesserin demgegenüber nicht unbedingt überzeugender wirkt: 
"Immerhin lebt das Tier, wenn man es genau betrachtet, nur deswegen, weil es den Konsumenten gibt. Welcher Landwirt würde sich schon einfach nur so Kühe in den Stall stellen, wenn er sie nicht melken oder später schlachten lassen würde? Durch einen veganen Lebensstil nehmen wir also den meisten Nutztieren das Existenzrecht. Konsequent durchdacht würden die meisten so gar nicht leben." (S. 19) 
Es muss an dieser Stelle noch einmal daran erinnert werden, dass die Verfasserin dieser Zeilen deutlich älter als vierzehn Jahre ist. -- Noch erheblich problematischer als solche unausgegorenen "Argumente” erscheint mir aber der subjektivistische und emotivistische Gesamtduktus dieser Beiträge. Ich sehe das so, für mich ist X gleich Y. "Gerade beim Schreiben dieses Artikels verschwindet ein Schokoriegel in meinem Mund. Natürlich ist er fairtrade." (S. 19) Es entsteht der Eindruck, jeder Einzelne definiere seine ethischen Maßstäbe für sich selbst, und darauf, was für welche das sind, käme es letztlich nicht an -- Hauptsache, man hat überhaupt welche und steht dazu. Sie müssen nicht einmal in sich konsistent und rational plausibel sein. "Da ich mit dem Import und Austausch von Lebensmitteln an sich aber kein Problem habe, ist es deshalb für mich in Ordnung, wenn meine Mango aus Lateinamerika kommt", meint etwa die Veganerin (S. 17). So wird letztlich einem ausgesprochen unkatholischen Relativismus Vorschub geleistet. 

Erst sehr viel später, nämlich auf S. 57-62 und somit bereits in Abschnitt 2, wird unter der Überschrift "Tiere essen?" die katholisch-moraltheologische Position zur Frage des Fleischverzehrs beleuchtet, in Form eines Interviews mit dem Diplomtheologen Richard Mathieu. Dieser unternimmt es, zunächst das Konzept des sogenannten Präferenzutilitarismus zu erläutern und dann die lehramtliche Position der katholischen Kirche dagegenzusetzen. Das macht er durchaus fundiert und differenziert, nicht umsonst ist dieser Beitrag mit sechs Seiten einer der umfangreichsten des Bandes. Der Mehrwert der Interviewform erschließt sich hier indes nicht so recht: Im Grunde lässt sich die Kommentarebene, die durch die betont unbedarften Interviewfragen erzeugt wird, in der Aussage "Uiuiui, der Herr Professor benutzt aber schwierige Wörter!" zusammenfassen. 

Aber das war jetzt natürlich ein Vorgriff gegenüber der Reihenfolge der Einzelbeiträge dieses "Werkhefts". Erstmals wirklich interessant wird es auf Seite 32ff., denn hier stellt Julia Mederle das Münchner Kartoffelkombinat vor -- "eine kleine Ansammlung an Münchner Familien", die sich vorgenommen haben, "etwas [zu] verändern und [ihre] Versorgung selbst in die Hand [zu] nehmen": 
"Gemüse regional und saisonal anbauen, mit fairen Bedingungen für Mitarbeiter und Partner und einer gemeinwohlorientierten Struktur. Dafür haben wir 2012 das genossenschaftlich organisierte Kartoffelkombinat gegründet." (S. 33) 
Seit 2017 betreibt das Kartoffelkombinat "einen eigenen Gemüsebaubetrieb (Gewächshaus und Freiland)" im Umland von München. 
"Dort bauen wir über 50 verschiedene Gemüsekulturen an, diese teilweise sogar in mehreren Sorten. Damit decken wir 70% unseres Bedarfs, der Rest kommt weiterhin von unseren Partnern aus der Region." (ebd.) 
Lesenswert ist auch, was Julia Mederle über die Motivation hinter ihrem Engagement verrät: 
"Mehr als die Hälfte unserer Lebensmittel wächst in anderen Ländern. Auf einer Fläche die doppelt so groß ist wie die Bundesrepublik! Und das, obwohl wir hervorragende Anbaubedingungen haben und uns theoretisch fast ausschließlich aus heimischer Erzeugung ernähren könnten. Doch auf unseren Äckern und Feldern wachsen zum Großteil Futtermittel und 'Energiepflanzen' in Monokultur. Futtermittel für eine extensive Massentierhaltung [...]. Und weil dafür nicht einmal die riesigen Flächen ausreichen, importiert Deutschland jedes Jahr 4,5 Millionen Tonnen Futtersoja. Für diese Gentechnik-Monokulturen werden in Lateinamerika indigene Völker enteignet und riesige Flächen Regenwald vernichtet. 
Mit der Zerstörung der landwirtschaftlichen Vielfalt erleben wir einen Verlust der Artenvielfalt nie dagewesenen Ausmaßes. Mehr als drei Viertel der Insekten sind verschwunden, ein Drittel der heimischen Vögel ist bedroht und neun Prozent der Böden sind degradiert, weil mit den Monokulturen der Einsatz von Pestiziden und Herbiziden wächst. 
Die Industrialisierung der Landwirtschaft (sog. Grüne Revolution) in den 60er-Jahren führte darüber hinaus zu einem drastischen Verlust der Saatgut-Vielfalt. So wurden z.b. im Jahr 1903 offiziell 408 kommerzielle Tomatensorten gelistet. 80 Jahre später sind davon noch 79 Sorten übrig. Das entspricht einem Verlust von 80 Prozent." (S. 32f.) 
Auf S. 35f. stellt Marie Pugatschow die "Slow Food"-Bewegung vor. Sympathisch wirkt dieser Beitrag insbesondere dadurch, dass das Anliegen von "Slow Food" - sehr im Unterschied zu der angestrengten Miesepetrigkeit, durch die manche anderen Initiativen für politisch korrekte Ernährung sich auszeichnen - als betont genussorientiert beschrieben wird: 
"Wir setzen uns dafür ein, dass alte bedrohte Tier- und Pflanzenarten nicht aussterben, indem wir auf diese aufmerksam machen und mit ihnen leckere Gerichte kochen. [...] [W]ir haben Lust auf echtes Essen, zum Beispiel auf Brot, das frisch und duftend aus dem Ofen kommt, hergestellt aus einem Teig, in dem über viele Stunden gute Bakterien fleißig waren, sodass das Backwerk auch nach drei Tagen noch fantastisch schmeckt." (S. 35) 
Der Abschnitt "Kritisch konsumiert" versorgt den geneigten Leser zunächst mit allerlei Fakten, Daten und Zahlen zu Themen wie  "Ernährungssouveränität" (S. 38f.), "Ernährung und Klima" (S. 40ff.), Landraub ("Landgrabbing", S. 50) und Pestizide (S. 53). Im Beitrag zum Thema "Ernährung und Klima" kommt auch das Thema Lebensmittelverschwendung zur Sprache: 
"11 Mio. t Lebensmittel werden jährlich in Deutschland weggeworfen, davon 6,7 Mio. t in Privathaushalten [...] - neben dem moralischen Skandal bedeutet das auch eine massive Ressourcenverschwendung und Klimabelastung bei deren Herstellung." (S. 41) 
Die Formulierung ("neben") erscheint mir allerdings etwas sonderbar: Worin besteht denn der "moralische Skandal", wenn nicht in den sozialen und ökologischen Folgen der Lebensmittelüberproduktion und -vernichtung? Geht es nur darum, dass "man so etwas nicht tut""Moral, Woyzeck, das ist, wenn man moralisch ist"

Etwas unfreiwillig komisch kommt ein Beitrag einer Diplombiologin und ehemaligen KLJB-Referentin daher, die seit 2017 für ein Projekt im spanischen Baskenland tätig ist und über den unterschiedlichen Umgang mit dem Thema Ernährung in Spanien und in Deutschland berichtet. "Essen in Deutschland scheint mir entweder eine pragmatische oder politische Angelegenheit", schreibt sie. "In Spanien scheint mir das Essen eher ein Hobby, eine soziale Beschäftigung zu sein, welche sehr genossen wird" (S. 45). Ihr Fazit: "Sich gegenseitig zu einem genuss- und gleichzeitig verantwortungsvollen Umgang mit Lebensmitteln zu inspirieren, ist für mich fundamental, um unsere Ernährung zukunftsfähig zu machen." (S. 47) Schnarch. 

Auf S. 55f. wird das Projekt "Weltacker" vorgestellt: 
"Unser Projekt folgt einer einfachen Idee: Teilt man die globale Ackerfläche (ca. 1,5 Mrd. Hektar) durch die Anzahl aller Erdenbürger*innen (7,5 Mrd.), ergibt das ca. 2000 m² Ackerfläche pro Nase. Alles, was wir an Lebensmitteln vertilgen und was nicht aus dem Meer [...], dem Wald [...] oder von der Weide [...] stammt, muss auf diesen 2000 m² wachsen: Lebensmittel, Futter für Tiere, Fasern für Kleidung und Öl-Pflanzen für Biosprit." 
Das Gender-Sternchen bei "Erdenbürger*innen" ist übrigens, wenn ich mich nicht irre, das erste und einzige im ganzen Heft, allerdings war auf S. 35 bereits einmal der Ausdruck "Studierende" gefallen. Auf so etwas reagiere ich ziemlich sensibel, schließlich bin ich unter anderem auch ein bisschen Sprachwissenschaftler. Sprache strukturiert das Denken, daher sollte man sich nach Kräften hüten, den Sprachgebrauch des Feindes zu übernehmen. Nun ist das "Weltacker"-Projekt allerdings wohl keine dezidiert christliche Initiative; Kartoffelkombinat und Slow Food Youth wohl auch nicht, aber das heißt ja nicht, dass es nicht trotzdem interessant sein kann, was die so machen. Worum geht's also konkret beim "Weltacker"
"Auf unserem realen Weltacker im Botanischen Volkspark Blankenfelde-Pankow haben wir die 2000 m² so bepflanzt, wie die weltweite Fläche bewirtschaftet wird. Wir wollen aufzeigen, dass jede Mahlzeit, jedes T-Shirt und jeder Kilometer Biosprit einen Ursprung auf dem Acker hat, an einem jeweils einzigartigen Ort. 
Zudem sensibilisiert der Weltacker für die globalen Strukturen der Welternährung und die Probleme in der Landwirtschaft. Wir wollen zeigen: Es ist genug für alle da!" (S. 55)
Ach, im Botanischen Volkspark Blankenfelde-Pankow ist das? Das ist ja gar nicht weit weg von "da wo ich wohne". Okay, wirklich nah ist es auch nicht, aber immerhin kommt man in gut einer halben Stunde Fahrzeit mit dem Bus hin, ohne Umsteigen. Wäre also durchaus mal ein Ziel für einen kleinen Familienausflug. 

Abschnitt 3, "Nahrung nachgedacht", enthält diverse Tipps zu Themen wie Einkochen, Lagerung und Einkaufsplanung, Hauswirtschaft, Abfallvermeidung; das ist alles nicht doof, aber auch nicht unbedingt sensationell. Gleich zu Beginn des Abschnitts , auf S. 64, findet sich ein kurzer "Zwischenruf der ersten stellvertretenden Landesbäuerin Christine Singer" zum Thema "Gemeinsam essen ist eine Bereicherung"
"[G]emeinsames Essen soll auch ein Genusserlebnis für die ganze Familie sein. Zudem stärkt gemeinsames Essen das Miteinander. [...] Wir verbringen Zeit miteinander -- das Wertvollste, was wir uns als Familienmitglieder schenken können." (S. 64) 
Man könnte das für etwas banal halten, aber möglicherweise ist es das gar nicht. In seinem Buch "Bowling Alone" aus dem Jahr 2001 stellte der US-amerikanische Soziologe Robert D. Putnam fest, dass der Anteil seiner Landsleute, die regelmäßig im Kreise der Familie zu Abend essen, seit 1975 um ein Drittel zurückgegangen sei. Ich könnte mir durchaus vorstellen, dass die Entwicklung hierzulande in eine ähnliche Richtung geht, und wenn die stellvertretende Landesbayerin, äh, -bäuerin Bayerns dafür plädiert, diesem Trend entgegenzuwirken, bin ich da ganz auf ihrer Seite. 

Der interessanteste Beitrag des dritten Abschnitts trägt die Überschrift "Einfach ein GUTES LEBEN?!" (S. 76ff.); darin schildert Bio-Bauer Markus Bogner die "Verwirklichung [s]eines Lebenswunsches". Bogner betreibt gemeinsam mit seiner Frau einen Biobauernhof mit Hofladen und Hofcafé und beschreibt sein Idealbild vom "Guten Leben" mit dem Modell "eines simplen Dreiecks": 
"Die drei Ecken heißen Ökologie, Ökonomie und Soziales. Die Ökologie ist in unserem Fall der Hof, unsere Pflanzen, unsere Tiere. Ökonomie, verstanden als Geld Verdienen, ist bei uns unser Hofladen und unser Café. Und Soziales, das bin ich, das ist meine Familie, mein ganzes soziales Umfeld. Das GUTE LEBEN ist immer dann erreicht, wenn sich mein Lebensmittelpunkt exakt in der Mitte dieses Dreiecks befindet." (S. 78) 
Wozu ich anmerken muss: Was mir in diesem Modell fehlt, und zwar ganz entschieden, ist die spirituelle Seite. Wobei ich mit dem Begriff "Spiritualität" eigentlich ein bisschen fremdle, und im hier angesprochenen Kontext erst recht, da mir bewusst ist, dass relativ viele Leute, die so einen Öko-Hippie-Aussteiger-Lebensstil praktizieren oder anstreben, bei der "spirituellen" Seite dieses Lebensentwurfs in erster Linie an Schamanismus, Anthroposophie oder irgendwas Fernöstliches denken. Dass bei Bogner jedoch gar nichts in dieser Richtung anklingt, finde ich dann doch etwas enttäuschend. -- Aber wie dem auch sei, immerhin hat der Beitrag bei mir genug Interesse geweckt, dass ich daraufhin ermittelt habe, dass es von dem Autor auch ein Buch gibt -- "Selbst denken, selbst machen, selbst versorgen" (erschienen 2016). Könnte sein, dass ich mir das besorgen muss. 

Ganze 51 der insgesamt 144 Seiten des Werkhefts nimmt der Praxisteil ein, was ja im Prinzip durchaus begrüßenswert ist. Hier finden sich Rezepte z.B. zur eigenen Herstellung von Quark, Mozzarella und sogar Gummibärchen (!!) sowie zum Einkochen von Tomatensoße neben Anleitungen für thematische Gruppenstunden bzw. Workshops, Spiele und dergleichen, darunter auch eine Seite zum Thema "Gestalterisches Drucken", wo es allen Ernstes heißt, "Kartoffel- bzw. Apfeldruck" sei "eine fragwürdige Art und Weise mit Lebensmittel [sic] umzugehen" und man solle daher lieber den "Strunk eines Mangolds" oder "einer Gelben Rübe" verwenden (S. 89). 

Im letzten Drittel des Praxisteils, ab S. 121, wird es dann religiös. "Na endlich!" wird da mancher angesichts des Umstands, dass es sich schließlich um eine Publikation eines katholischen Jugendverbands handelt, ausrufen. Aber weit gefehlt: Angesichts der nun folgenden Gestaltungsvorschläge für Andachten und Gottesdienste wünscht man sich bald, die Macher des Hefts hätten vom Thema Religion die Finger gelassen. Es ist sogar noch schlechter, als ich es erwartet hätte, und das will schon eine ganze Menge heißen. Ich will den Gesamteindruck, den diese Gestaltungsvorschläge bei mir hinterlassen haben, mal wie folgt zusammenfassen: 

DIE 70er JAHRE HABEN ANGERUFEN, SIE WOLLEN IHRE KLANGSCHALE ZURÜCK! 

Und nicht nur die Klangschale, die auf S. 126 zum Einsatz kommt, sondern auch die ausgelutschten NGL-Schlager und überhaupt den ganzen larmoyanten Sprachstil der "Neuen Innerlichkeit" -- jenen "Jargon der Betroffenheit", den auch Erik Flügge in seinem gleichnamigen Bestseller zu Recht anprangert: 
"Herr Jesus Christus. 
Wir haben viele Sehnsüchte. 
Lassen wir uns von deiner frohen Botschaft erfüllen?" (S. 129) 
Oder: 
"Jesus will in unsere Dunkelheit treten. Er zeigt uns immer wieder ein Licht. Wir wollen uns um sein Licht versammeln und es in unserer Runde verteilen." (S. 126) 
Oder gar: 
"Segne uns mit dem Duft des Backens; [...] 
Dass auch wir die Welt mit deinem Friedensduft erfüllen. [...] 
Damit aus diesen Minibroten -- Brote mit Maxihilfe werden." (S.122) 
Ich denke mir den Scheiß nicht aus!! -- Auf S. 123-127 findet sich ein Entwurf für eine "Agape"-Feier, die in ihrer quasi-liturgischen Gestaltung anmutet wie die Imitation einer Eucharistiefeier, mit dem Unterschied, dass "[j]eder, der sich etwas mit dem Thema auseinandergesetzt hat, [...] der Agape vorstehen" können soll und dass statt Wein auch Traubensaft oder Limonade (!) zum Einsatz kommen kann (S. 124). 
"Herr, wie dieser Wein/Saft aus vielen Trauben 
eins wurde und uns Menschen Freude bereitet" (S. 127) -- 
No Way, Babys. Da kann der Verfasser dieses Beitrags meinetwegen hundermal Diözesanlandjugendseelsorger im Bistum Passau sein -- DAS geht GAR NICHT. 

Ganz zum Schluss (S. 134-137) gibt's noch einen Entwurf für einen thematischen Jugendgottesdienst unter dem Motto "Zu gut für die Tonne", der - nach der liturgischen Eröffnung - mit einem Anspiel beginnen soll. Vorangestellt ist der Ablaufskizze eine Materialliste, die wie folgt beginnt: 
  • Liederbücher 
  • Leere saubere Mülltonne 
--- und da packt man am besten diese ganzen Gestaltungsvorschläge rein und stellt sie vor oder, noch besser, hinter die Kirche. 

Was für ein Gesamtfazit sollen wir nun aus alledem ziehen? Ich würde sagen, im Großen und Ganzen ist dieses Werkheft eine verpasste Chance. Es krankt an der sehr durchwachsenen Qualität der einzelnen Beiträge, von denen selbst die guten immer noch ein bisschen weniger gut sind, als man sich das wünschen würde. Positiv zu vermerken ist, dass einige Beiträge dem interessierten Leser Anstöße und Hinweise liefern, einzelne thematische Aspekte auf eigene Faust weiter zu vertiefen, und wahrscheinlich sollte man damit schon ganz zufrieden sein. Auch einige der Rezepte aus dem Praxisteil werde ich sicherlich gern mal ausprobieren. Was mir aber - mit der alleinigen Ausnahme des Interviews mit dem Moraltheologen Richard Mathieu - völlig fehlt, ist ein dezidiert christlicher oder gar spezifisch katholischer Blick auf die behandelten sozialen und ökologischen Themenfelder, der idealerweise auch deutlich gemacht hätte, inwieweit christliche Positionen zu Landwirtschaft, Umweltschutz und Ernährung sich etwa von denen der säkularen Linken unterscheiden. Das, finde ich, sollte man von einer Publikation eines katholischen Verbandes eigentlich erwarten dürfen. 

Aber andererseits handelt es sich eben um eine Untergliederung des BDKJ. Achselzuck. 

P.S.: Kürzlich habe ich angefangen, "Crunchy Cons" von Rod Dreher zu lesen -- das Buch, das er VOR der "Benedikt-Option" geschrieben hat. In Teilaspekten weist es schon sehr deutlich auf die #BenOp voraus, setzt aber andere Schwerpunkte. Bereits in den ersten Kapiteln zeichnet sich ab, dass Ökologie und Ernährung im weiteren Verlauf des Buches noch eine gewichtige Rolle spielen werden. Darauf wird also zurückzukommen sein!