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Samstag, 7. März 2026

Utopie und Alltag 15: Von Schöpfung bis Verklärung

Servus, Leser! Die zweite Woche der diesjährigen Fastenzeit liegt hinter uns, und für mich war das eine recht anstrengende Woche – aber das meiste von dem, was daran anstrengend war, ist nicht unmittelbar "blogrelevant", und das, was daran blogrelevant war, bezieht sich zu einem großen Teil auf das vorige Wochenende: Da war erst Religiöser Kindertag und dann Kinderwortgottesdienst, und so konnte es nicht ausbleiben, dass dieses Wochenbriefing zu einem großen Teil im Zeichen des Themenbereichs Kinderkatechese steht. Mal wieder. Ich hoffe aber, dass auch diejenigen Leser, die keine eigenen Kinder haben und zudem auch weder beruflich noch ehrenamtlich mit Kindern zu tun haben, dennoch manches Anregende in dieser Ausgabe von "Utopie und Alltag" finden können – zumal ein Blick über den Tellerrand auf die "große" Kirchenpolitik auch wieder nicht fehlen darf. Und damit genug der Vorrede! 

Raffael, Die Verklärung (Ausschnitt, 1516-20; gemeinfrei)


Die Erde ist schön, es liebt sie der Herr 

Nein, dieses Lied – dessen Melodie übrigens auf einem im Original "Tous les Chémins" betitelten Chanson von "Sœur Sourire, der singenden Nonne" basiert – war nicht auf der Lobpreis-Playlist zum Thema "Schöpfung" vertreten, die ich für den Religiösen Kindertag am vorigen Samstag zusammengestellt habe; hingegen hätte ich durchaus in Erwägung gezogen, es auf der Gitarre einzuüben, um es im Rahmen der kleinen Andacht zu spielen, die den RKT eröffnete. In Absprache mit dem Gemeindereferenten spielte ich da dann aber doch lieber "Herr, du bist mein Leben" (GL 456). Nun aber erst mal der Reihe nach: 

Noch beim Vorbereitungsgespräch am Mittwoch hatte der Gemeindereferent mir mitgeteilt, einschließlich meiner beiden Kinder gebe es erst sieben Anmeldungen für den RKT; in den darauffolgenden Tagen stieg diese Zahl auf elf, und tatsächlich erschienen dann 15 Kinder – die meisten aus dem Erstkommunionkurs, dazu einige jüngere Geschwister. Die beiden Mädchen, die wir ursprünglich vom JAM kennen und mit denen wir im Januar Sternsingen waren, waren auch wieder mit dabei. Eröffnet wurde die Veranstaltung mit einer kleinen Andacht in der St.-Stephanus-Kirche, mit einem Psalm, freien Fürbitten und Vaterunser; danach ging es, angesichts des fast frühsommerlichen Wetters (dabei war noch Februar!) erst mal in den Garten, wo einige bewegungsintensive Spiele gespielt wurden. Der eigentlich vorgesehene Ablaufplan wurde dafür ziemlich über den Haufen geworfen, aber okay, so ein Wetter musste man einfach ausnutzen, und es war nicht zu übersehen, dass die Kinder enormen Spaß hatten. Gleichzeitig hatte ich den Eindruck, dass der Gemeindereferent auch deshalb so unverdrossen noch ein Spiel und noch ein Spiel vorschlug, weil er sich damit in seinem Element und in sicheren Gewässern fühlte. Die im Ablaufplan vorgesehenen Spiele "für drinnen" entfielen dafür; dazu gehörte auch das Spiel "Reise nach Jerusalem", bei dem ich meine eigens für diesen RKT zusammengestellte Lobpreis-Playlist hatte zum Einsatz bringen wollen. Okay, dachte ich mir, lasse ich die Musik eben während des Bastelangebots im Hintergrund laufen. Dann fiel allerdings das Bastelangebot aus Zeitgründen auch noch weg – also spielte ich die Playlist schließlich während der Vorbereitungen fürs Mittagessen ab. Dabei handelte es sich um die folgenden Songs: 

Aber erst mal zurück zum Ablauf: Auf die Spiele sollte eine Einführung ins Thema "Schöpfung" folgen, unter drei Aspekten: "Die Schöpfung ist schön", "Die Schöpfung gehorcht Regeln", "Die Schöpfung ist für den Menschen gemacht". Bei der Vorbesprechung hatten wir uns überlegt, den ersten dieser Aspekte, der anhand eines Blumenstraußes demonstriert werden sollte, meiner Liebsten anzuvertrauen – die mich dann am Samstag beim Frühstück aus heiterem Himmel fragte: 

"Wie viel Zeit hab ich eigentlich für meinen Blumenstrauß-Impuls?" 

"Weiß nicht – so ein, zwei Minuten? Zwei fände ich schon ziemlich viel." 

"Hör mal, ihr könnt eine Bio-Lehrerin nicht beauftragen, anhand eines Blumenstraußes die Schöpfung zu erklären, wenn ihr ihr nicht mindestens zehn Minuten Zeit dafür gebt!" 

Ich schaute also noch mal in den Ablaufplan-Entwurf und stellte fest, dass für die gesamte thematische Einführung 20 Minuten eingeplant waren; woraufhin meine Liebste meinte, sie könne den Blumenstrauß-Impuls auch so gestalten, dass er alle drei thematischen Aspekte miteinander verknüpfte. Ich hielt Rücksprache mit dem Gemeindereferenten, der war damit einverstanden, also machten wir es so. – 

Zu den Ideen, die meine Liebste einbrachte, gehörte es, dass die Kinder im Mittelteil – zum Stichwort "Die Schöpfung gehorcht Regeln" – die Blütenblätter und Staubgefäße verschiedener Blumen zählen sollten; tatsächlich waren die Kinder da durchaus mit Begeisterung bei der Sache, aber zugleich brachte das auch viel Unruhe, und es war gar nicht so leicht, sie danach wieder zum Stillsitzen und Zuhören zu bewegen. 

Nach dem "Blumenstrauß-Impuls" hatte ich dann die Aufgabe, den Schöpfungsbericht aus Genesis 1,1-2,3 (in einer Kinderbibel-Fassung) vorzutragen; visualisiert wurde der Text mit bunten Tüchern und Bildern von Kees de Kort, die nach und nach auf dem Fußboden ausgelegt wurden. 

Der Versuch, die Kinder – und zwar alle Kinder reihum – in die allmähliche Verfertigung dieser "gestalteten Mitte" einzubeziehen, gestaltete sich recht langwierig und ein bisschen chaotisch, was die biblische Lesung ziemlich in die Länge zog und wohl auch nicht gerade konzentrationsfördernd war. Nach einigen auslegenden Sätzen vom Gemeindereferenten und einer Fragerunde zur Ergebnissicherung lagen wir so weit hinter dem Zeitplan zurück, dass, wie weiter oben schon vorausgeschickt, das Bastelprogramm (geplant war gewesen, dass die Kinder Kaleidoskope und/oder vielleicht auch Origami-Mobiles basteln) entfallen musste; stattdessen gingen wir direkt zur Vorbereitung des Mittagessens über, wobei ein Teil der Kinder in der Küche half und die anderen den Tisch deckten und dekorierten. 


Bei der Tischdeko fanden auch die Blütenblätter aus dem Blumenstrauß-Impuls erneute Verwendung.

Fürs Essen hatte ich ein in den letzten Sommerferien erprobtes Rezept (One-Pot-Pasta mit Lachs und Spinat) vorgeschlagen, aber fehlende oder falsch eingekaufte Zutaten und ein für die angepeilte Menge eigentlich zu kleiner Topf sorgten dafür, dass das Kochen recht experimentell verlief. Trotzdem war das Essen, das am Ende dabei herauskam, lecker und es wurden auch alle satt. In gewissem Sinne kann man das wohl als eine recht gute Metapher für diesen Religiösen Kindertag insgesamt betrachten; denn wenn man bedenkt, wie improvisiert die ganze Aktion war – angefangen damit, dass, wir erinnern uns, die Mehrzahl der Teammitglieder verhindert war und das ursprünglich angedachte Thema daher auf den nächsten Monat verschoben wurde, bis hin zu den diversen Punkten, in denen spontan von dem ersten wenige Tage zuvor erstellten Ablaufplan abgewichen wurde –, muss man sich eigentlich wundern, wie gut die Veranstaltung alles in allem gelaufen ist. Bei aller Freude und Zufriedenheit mit diesem Ergebnis bin ich aber gleichwohl der Überzeugung, das eigentlich Interessante am Rückblick auf eine solche Veranstaltung ist die Frage, was man beim nächsten Mal besser machen könnte. Und natürlich gibt es dazu allerlei zu sagen. 

Dass eine gründlichere Vorbereitung, insbesondere des katechetischen Teils, wünschenswert gewesen wäre (wenn man denn Zeit dafür gehabt hätte!), liegt ja auf der Hand; ob ein geordneterer, klarer strukturierter Ablauf sozusagen "von allein" dazu geführt hätte, dass die Kinder konzentrierter und disziplinierter bei der Sache sind, mag indes fraglich sein. Vielleicht sollte man zukünftig, wie beim JAM, zu Beginn der Veranstaltung ein paar einfache Regeln besprechen und mit Hilfe von Piktogrammen visualisieren (Ohr für "Zuhören", durchgestrichene Faust für "keine Gewalt"). Zudem haben die Vorbereitungen fürs Mittagessen gezeigt, dass ironischerweise auch dadurch Unruhe entsteht, dass die Kinder sich gern nützlich machen wollen; da könnte es sich als hilfreich erweisen, im Vorfeld zu kalkulieren, wie viele Helfer man für welche Aufgaben sinnvoll gebrauchen kann, und auf dieser Basis die Aufgabenverteilung besser zu organisieren, womöglich sogar spielerisch zu gestalten. 

Dass ich bei der Frage, was man besser machen könnte, geradezu automatisch einen Seitenblick aufs JAM werfe, dokumentiert übrigens nicht nur, wie gut ich das Format "JAM" finde, sondern birgt durchaus auch Hinweise auf tiefere Erkenntnisse. So ist es meine feste Überzeugung, dass konzeptionelle Unklarheiten in der Regel auf Unklarheiten oder Uneinigkeit darüber verweisen, was man eigentlich mit dem jeweiligen Projekt WILL, wo man damit HINWILL. Meine Erfahrungen mit kirchlicher Gremienarbeit haben mir den Eindruck vermittelt, dass diese Frage im post-volkskirchlichen Normalbetrieb generell zu wenig gestellt wird: Man macht einfach irgendwas, weil man nun mal nicht nichts machen kann. Dem Gemeindereferenten, der die Idee für die Religiösen Kindertage in St. Stephanus hatte, möchte ich eine solche Haltung ausdrücklich nicht unterstellen, aber eine gewisse Unklarheit der Motivation nehme ich teamintern dennoch wahr. Bezeichnend dafür war die Feedbackrunde zum ersten RKT, in der ich es als positiv vermerkte, dass die Kinder sichtlich viel Spaß gehabt hätten, gleichzeitig aber kritisch anmerkte, die inhaltliche Seite sei zu kurz gekommen. Darauf wurde erwidert, es sei ganz in Ordnung, wenn beim RKT mehr der Spaß im Vordergrund stehe, denn inhaltlich gearbeitet werde ja im Erstkommunionkurs schon genug. – Ich sag' mal so: Wenn man den RKT als eine Art freiwilliges Zusatzangebot zum Erstkommunionunterricht (und nebenbei vielleicht noch als Werbeveranstaltung für die Religiöse Kinderwoche in den Sommerferien) betrachtet, dann ergibt diese Sichtweise durchaus Sinn. Meine Vorstellung von der konzeptionellen Ausrichtung dieses Veranstaltungsformats ist jedoch eine andere – nämlich eben "sowas Ähnliches wie JAM". Und damit meine ich: ein Evangelisierungsangebot, das sich auch und nicht zuletzt an Kinder richtet, die ansonsten eher wenig Kontakt und Bezug zum Glauben und zur Kirche haben. (Dass diese Beschreibung zum Teil durchaus auch auf Erstkommunionkinder zutrifft, steht auf einem anderen Blatt.) 

Wenn man bedenkt, dass das RKT-Programm praktisch alle Elemente enthält, die es beim JAM auch gibt, liegt der Unterschied wohl vorrangig in der Einstellung: Auch wenn der katechetische Teil beim JAM gerade mal 20 Minuten (oder oft noch weniger) eines inklusive Abendessen zweieinhalb Stunden langen Programms umfasst, steht es prinzipiell außer Frage, dass dies das Herzstück des ganzen Programms und der eigentliche Grund ist, warum man das Ganze macht. Natürlich sollen die Kinder beim JAM Spaß haben und haben das auch; das ist schon allein deshalb wichtig, weil sie ja beim nächsten Mal freiwillig und gern wiederkommen sollen; und idealerweise soll auch der katechetische Teil Spaß machen, weil – anders als unser Regelschulsystem vielfach den Anschein erweckt – Spaß und Lernen keine Gegensätze sind, sondern, ganz im Gegenteil, Kinder in der Regel besser lernen, wenn sie dabei Spaß haben

Was derweil die Zielgruppenorientierung betrifft, wird man einräumen müssen, dass auch zum JAM weit überwiegend die Kinder aktiver Gemeindemitglieder gehen – und dies, meiner Wahrnehmung zufolge, in ausgeprägterem Maße als "früher", als wir anfingen da hinzugehen (dazu, was diese Entwicklung begünstigt haben könnte, habe ich schon seit längerer Zeit einen separaten Artikel in Arbeit) –, aber grundsätzlich ist das Konzept darauf ausgerichtet, auch Außenstehende anzusprechen. Wollte man das mit dem RKT auch, müsste man ganz anders für die Veranstaltung werben (angefangen damit – das kann ich gar nicht oft genug wiederholen –, dass man sie anders nennen müsste). Aber in der post-volkskirchlichen Mentalität ist das Prinzip "Bestandskundenpflege geht vor Neukundengewinnung" so tief eingewurzelt, dass es oft wie ein Kampf gegen Windmühlen anmutet, dagegen anzugehen. Es ist den Leuten nicht unbedingt bewusst, manche würden vielleicht sogar abstreiten, dass sie dieser Auffassung sind, aber verhalten tun sie sich trotzdem so. – Aber lsssen wir das vorerst mal so stehen; der nächste RKT, dann hoffentlich wirklich zum Thema Abraham, steht schon in zwei Wochen an, schauen wir also mal, inwieweit sich die Erkenntnisse von diesem Mal da bereits umsetzen lassen. 

Als wir nach dem RKT den Heimweg antraten, waren die Kinder enorm aufgekratzt, und ich ahnte schon, dass die Chancen, am Abend noch ins Baumhaus zu gehen, eher schlecht standen; und dann, nachdem wir ungefähr eine Stunde zu Hause gewesen waren, fiel meiner Liebsten auf, dass sie ihren Mantel vermisste. Unser Jüngster meinte sich zu erinnern, dass sie ihn im Bus noch gehabt hätte, sodass nun die Befürchtung im Raum stand, sie könnte den Mantel mitsamt Portemonnaie und Schlüsselbund im Bus vergessen haben. Daraufhin war natürlich erst mal Krisenmodus angesagt, aber pünktlich zur Abendessenszeit gab's Entwarnung: Der Mantel hing noch an der Garderobe im Gemeindehaus von St. Stephanus. 


Schwarzer Gürtel in KiWoGo: Verklär doch mal! 

Dass der Religiöse Kindertag in St. Stephanus und der Kinderwortgottesdienst in St. Joseph auf dasselbe Wochenende, also auf zwei aufeinanderfolgende Tage fielen, war eine durchaus herausfordernde Konstellation – die sich, wie mir ein Blick in meinen Terminkalender verrät, Ende Mai zu wiederholen droht, aber bis dahin ist ja zum Glück noch etwas Zeit. – Für den KiWoGo zum 2. Fastensonntag, zum Thema Verklärung, hatten der Gemeindereferent und ich bei unserem Treffen am vorangegangenen Mittwoch zwar allerlei gute Ideen gesammelt, aber trotzdem hatte ich das vage Gefühl, nicht so gut vorbereitet zu sein, wie mir lieb gewesen wäre – jedenfalls was die Details des Ablaufs betraf. Hinzu kam, dass der Gemeindereferent mich mit der Mitteilung empfing, am Morgen in St. Stephanus habe er den KiWoGo nur mit knapper Not zu Ende gebracht, weil der Pfarrvikar so kurz gepredigt habe. Wir standen also von vornherein unter einem gewissen Zeitdruck. Immerhin erschienen elf Kinder zum KiWoGo – am Morgen in Haselhorst waren es nur zwei gewesen. 

Die Idee des Gemeindereferenten war es gewesen, die Stichworte "Berg", "Wolke" und "Licht/Leuchten" ins Zentrum zu stellen und herauszuarbeiten, welche Bedeutung diese im biblischen Kontext haben; zu diesem Zweck wurden einige laminierte Bilder im Raum versteckt, die die Kinder zum Auftakt des KiWoGo suchen sollten – ich fand das gut, da ich es grundsätzlich begrüßenswert finde, wenn die Kinder nicht nur sitzen und zuhören müssen, sondern sich auch mal bewegen und etwas tun dürfen. Die daran anschließenden Erläuterungen zu den Bildern fielen für mein Empfinden – möglicherweise bedingt durch den "gefühlten Zeitdruck" – etwas oberflächlich aus und drehten sich eher um allgemeine Assoziationen zu den Stichworten "Berg", "Wolke" und "Licht/Leuchten" als um konkrete Beispiele dafür, welche Rolle sie in der Bibel spielen. – Ich räume an dieser Stelle aber gern ein, dass man der Meinung sein kann, wenn man einen Satz wie "Auf einem Berg fühlt man sich dem Himmel näher als der Erde" im Laufe eines Kinderwortgottesdienstes mehrfach wiederholt, bleibt das bei Kindern im Grundschulalter eher hängen, als wenn man sie mit Bibelwissen bombardiert. Ein Indiz dafür bekam ich frei Haus geliefert, als ich nach der Verlesung des Tagesevangeliums mit den Kindern darüber sprach, wer eigentlich Mose und Elija seien: Ein einziger Junge erinnerte sich, schon einmal etwas von Mose gehört zu haben, und das, woran er sich erinnerte, war zwar nicht direkt falsch, aber doch sehr ungenau

Der Teil der Katechese, der mir eigentlich am wichtigsten war – in dem es darum gehen sollte, die Verklärung zu Passion und Auferstehung in Beziehung zu setzen – litt ebenfalls bzw. erst recht unter dem "gefühlten Zeitdruck", denn als wir soweit waren, rechneten wir bereits damit, dass jeden Moment die Küsterin auftauchen und uns winken könnte, wieder in die Kirche zurückzukehren. Ich denke, ohne diesen Druck hätte ich diesen Teil der Katechese etwas überzeugender hingekriegt, aber auch so schaffte ich es so einigermaßen, zu sagen, was ich dazu sagen wollte. Gerade rechtzeitig vor unserem Vorbereitungstreffen hatte ich nämlich eine Idee für einen Impuls gehabt, der sich recht gut an die Aussage knüpfen ließ, auf Bergen fühle man sich dem Himmel näher als der Erde: Auf einer Bergwanderung, so führte ich aus, kann es einem passieren, dass man an einen Aussichtspunkt kommt, an dem man so begeistert und ergriffen vom Panorama ist, dass man am liebsten dableiben würde – aber das ist noch nicht das Ziel der Wanderung, und ehe man am eigentlichen Ziel ankommt, wird's noch mal richtig anstrengend. Das ist die Situation der Jünger in diesem Evangelium – wie man an Petrus sieht, der auf dem Berg der Verklärung am liebsten gleich Hütten bauen möchte. Aber auch wenn die Verklärung gewissermaßen schon einen Vorausblick auf die Auferstehung darstellt, führt der Weg Jesu zunächst noch auf einen anderen Berg: nämlich Golgota, den Berg der Kreuzigung. – Ich schätze, auf einer Hitliste der gelungensten Kinderwortgottesdienste meiner aktiven Zeit verdient dieser nicht direkt einen Spitzenplatz; aber einige gute Ansätze hatte er doch, und man kann nur hoffen, dass davon bei den Kindern – oder jedenfalls dem einen oder anderen von ihnen – etwas hängen geblieben ist... 


Geht's raus und spielt's Fußball: Fasten mit Hallow 

Ich habe es schon ein paarmal erwähnt: Meine Liebste hat die vielgescholtene Hallow-App auf ihrem Handy, das moderne Spiritualitäts-Tool hipper Missionare und verkappter Trumpisten, oder so. Natürlich gibt's da eine "Fastenzeit-Challenge" – wobei ich nicht so genau weiß oder verstehe, worin die Challenge da besteht, aber jedenfalls macht meine Liebste da mit. Am 2. Fastensonntag hörten wir uns über die App gemeinsam eine Fastenpredigt von einem jungen Augustiner-Chorherrn aus dem Kloster Paring in Niederbayern namens Dirk-Henning Egger an. Trotz seines enorm norddeutsch tönenden Doppel-Vornamen sprach der junge Mann in einer – zumindest für mein Ohr – ausgeprägt bayerischen Klangfarbe, und ich fürchte, bei mir ist vom Inhalt seiner Predigt nicht viel hängen geblieben, weil ich allzu beschäftigt damit war, mich über die Vorstellung zu amüsieren, er halte sie in der Halbzeitpause in der Kabine des FC Bayern. Motivierend genug klang sie jedenfalls. In einem Interview mit der Tagespost aus dem Jahr 2023 erklärte der Augustiner-Chorherr: "Ich tue in meiner Freizeit am liebsten zwei Dinge, eines davon ist Sport." Passt. Aber jetzt mal ohne Witz, der Dirk macht einen sympathischen Eindruck; vielleicht höre ich mir seine morgige Fastenpredigt auch wieder an, und außerdem folge ich ihm jetzt auf Instagram und habe ihm eine Facebook-Freundschsftsanfrage geschickt. 

Aber noch einmal kurz zurück zum Thema Fußball: Vorgestern oder so fragte mich meine Liebste, ob ich eigentlich wisse, dass "Kevin-Jérôme Boateng" bekehrter Christ sei. "Welcher von den beiden?", fragte ich. "Kevin-Prince Boateng oder Jérôme Boateng?" – "Kevin-Prince", erklärte meine Liebste. "Mir war nicht klar, dass das zwei verschiedene sind." 

Mir hingegen schon, und zwar nicht nur dank dieses Wandgemäldes an einer Brandmauer im Wedding.

"Interessant", sagte ich und fand es intuitiv irgendwie stimmig, dass gerade der vermeintlich "böse" Boateng-Bruder sich bekehrt hatte. "Kam das auch auf Hallow?" – "Ja, als Zeugnis in Form eines Interviews." – "Ach so, ich dachte schon, Dirk-Henning hätte das in einer Predigt erwähnt." 


Und beim JAM waren wir natürlich auch wieder...

...jedenfalls die Kinder und ich; meine Liebste hatte derweil Diebstberatung, und die Tagesordnung war so umfangreich, dass sie zu Recht nicht davon ausging, dass es zeitlich hinhauen würde, danach noch zum JAM dazuzustoßen. Tatsächlich war sie dann nicht viel früher zu Hause als wir. – Inhaltlich ging es beim JAM weiter um die "Ich bin"-Worte Jesu, und ein verstohlener Blick in den Saal verriet unmissverständlich, welches "Ich bin"-Wort diesmal "dran" war: 


Na klar, "Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben".

Als der katechetische Teil beginnen sollte, war der Jüngste gerade in recht launischer Stimmung und bestand darauf, dass ich bei ihm blieb; ich ging also mit den "Minis" nach oben, obwohl es mich eigentlich mehr interessiert hätte, wie die Katechese für die Größeren gestaltet wurde. Die Version für die "Minis" war nicht sonderlich bemerkenswert, auch deshalb, weil die dafür zuständige Mitarbeiterin – wie sie hinterher zerknirscht eingestand – mittendrin den Faden verlor. Es war ihr ausgesprochen peinlich, aber mehrere anwesende Erwachsene, einschließlich meiner Person, versicherten ihr, das könne jedem mal passieren. Fast könnte man sagen, es hat was Beruhigendes, dass auch beim JAM nicht immer alles perfekt läuft. 


Neues aus Synodalien: Besser, sich zu bergen beim Herrn 

Zur Wahl von Bischof Heiner Wilmer (Hildesheim) zum Vorsitzenden der Deutschen Bischofskonferenz ist wohl noch eine kleine Nachlese fällig, ehe ich bis auf Weiteres den Mantel des Schweigens über ihn breite – vielleicht bis Fronleichnam, da sind seine ersten 100 Tage im Amt rum, und ich hoffe mal, bis dahin wird er nicht allzu viel Schaden angerichtet haben. Im Übrigen glaube ich, ich sollte mir angewöhnen, statt Vorsitzender lieber Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz zu sagen, das beschreibt den Charakter dieses Amtes treffender und klingt nicht so hochtrabend. 

Festhalten möchte ich jedenfalls, dass die unmittelbaren Reaktionen verschiedener innerkirchlicher Lager und Fraktionen auf die Wahl Wilmers, und nicht zuletzt auch die Versuche der Medien, diese Wahl "einzuordnen", in gewisser Hinsicht an die Reaktionen auf die Wahl Papst Leos XIV. erinnert haben. Über beide kursierte im Vorfeld die Einschätzung – die für die einen eine Hoffnung, für die anderen eine Befürchtung ausdrückte –, sie seien entschiedene "Linke", womöglich sogar noch "progressiver" als ihr jeweiliger direkter Amtsvorgänger; kaum waren sie jedoch gewählt, hieß es allüberall, sie gälten als Männer der Mitte und des Ausgleichs, als "Brückenbauer zwischen Reformern und Konservativen". Und in beiden Fällen äußerten sich unmittelbar nach der Wahl auch prominente konservative Bischöfe bzw. Kardinäle betont lobend und erfreut über den neuen Amtsinhaber. Es gab in beiden Fällen auch Spekulationen und Gerüchte, denen zufolge die Wahl des neuen Mannes überhaupt erst durch ein taktisches Bündnis zwischen moderaten und konservativen Kräften ermöglicht wurde, hinter dem die Absicht stand, den offensichtlichen Wunschkandidaten der bisher tonangebenden Fraktion zu verhindern; im Konklave 2025 soll das Kardinalstaatssekretär Parolin gewesen sein, und in der jüngsten DBK-Vollversammlung soll es, wie Benjamin Leven bei Communio schreibt, eine Kampfabstimmung zwischen Wilmer und Overbeck gegeben haben. (Und Overbeck hätte die Überzeugung, im Vergleich zu Bätzing könne es eigentlich nur besser werden, zweifellos auf eine harte Probe gestellt.) – Was Wilmer außerdem noch mit Leo gemeinsam hat, ist, dass beide Ordenspriester sind und jeweils für einige Jahre Generalobere ihres Ordens waren (nicht gleichzeitig, aber kurz nacheinander); aber weiter muss man die Parallelen wohl nicht treiben. Jedenfalls hat Papst Leo in den ersten Monaten einige Signale gesetzt, die auf die Absicht schließen lassen, das Erbe des Pontifikats seines Vorgängers Franziskus mit der Tradition der Kirche auszusöhnen; und etwas in der Art erhofften wohl auch manche gläubige Katholiken vom neuen DBK-Vorsitzenden, nachdem er in seinem ersten Pressestatement überraschend geistliche Töne angeschlagen und erklärt hatte, seine "Hauptaufgabe" sei es, "Gott ins Zentrum zu stellen". So bezeichnete die Initiative "Neuer Anfang" in einer Pressemitteilung die Wahl Wilmers als "echtes Hoffnungszeichen" und würdigte den neuen DBK-Vorsitzenden als "feinsinnigen und aufgeschlossenen Bischof". 

Ein paar Tage später, so schien es, war von dieser Hoffnungsfreude schon wieder der Lack ab, als nämlich bekannt wurde, dass die Bischofskonferenz – "vertreten durch ihren neuen Vorsitzenden Bischof Heiner Wilmer SCJ" – in Rom formal um die Zulassung der Laienpredigt innerhalb der Messe bitten wolle. So richtig überraschend ist das freilich nicht, da die Synodalversammlung des Synodalen Weges bereits im März 2023 einen entsprechenden "Handlungstext" beschlossen hat; zwar hat der Präfekt des Dikasteriums für den Gottesdienst und die Sakramentenordnung, Kardinal Arthur Roche – den man beim besten Willen nicht als besonders konservativ bezeichnen kann – diesen Forderungen schon damals eine Absage erteilt, aber dennoch würde ich sagen, man kann vom neuen Sprecher der Deutschen Bischofskonferenz schwerlich erwarten, dass er die Beschlüsse des Synodalen Weges nicht umsetzen wollte. Dasselbe gilt auch und erst recht dafür, dass Wilmer im Vatikan um Zustimmung für die Satzung der Synodalkonferenz werben will. Gleichwohl hat mein alter Freund Rudolf Gehrig, inzwischen Vatikan-Korrespondent für die deutschsprachige Sektion der Catholic News Agency, diese Vorgänge zum Anlass genommen, jenen "praktizierende[n] Katholiken und Kritiker[n] des 'Synodalen Weges'" – "oft dieselbe Personengruppe", wie er anmerkt –, die angesichts des oben angesprochenen ersten Pressestatements des neuen DBK-Sprechers "Hoffnung geschöpft" haben, etwas Wasser in den Wein zu gießen. Er äußerte die Wahrnehmung, dass "vor allem die (gut)gläubigen Katholiken [...] immer wieder in dieselbe Falle tappen": 

"Ein paar fromme Worte reichen aus, um geistliche Würdenträger zu Galionsfiguren zu stilisieren. [...] Doch zuverlässig setzt man dabei immer wieder aufs falsche Pferd. Warum passiert das immer wieder? Ist es verzweifelte Hoffnung? Oder nur eine katholische Form des Stockholm-Syndroms?"

– Gleichzeitig räumt Rudolf ein, "bei manchen Leuten" schlage "der Trend [...] auch in die andere Richtung aus": 

"Ein falsch gesetztes Wort, die Freundschaft mit der falschen Person oder ein einziger Auftritt ohne Priesterkragen können ausreichen, einen geistlichen Würdenträger als den Antichristen abzustempeln." 

Dem Fazit, das er aus alledem zieht, kann ich mich nur vollumfänglich anschließen: Er verweist auf die Weisheit des Psalmisten – "Besser, sich zu bergen beim Herrn, als auf Fürsten zu bauen" (Psalm 118,9) – und fügt hinzu, das gelte "auch für Kirchenfürsten, übrigens". 


Geistlicher Impuls der Woche 

Die Verklärung ist ein Gebetsereignis; es wird sichtbar, was im Reden Jesu mit dem Vater geschieht: die innerste Durchdringung seines Seins mit Gott, die reines Licht wird. In seinem Einssein mit dem Vater ist Jesus selbst Licht vom Licht. 

(Joseph Ratzinger – Benedikt XVI.: Jesus von Nazareth, Bd. I) 


Ohrwurm der Woche 

Neil Sedaka: One Way Ticket 

Als ich erfuhr, dass Sänger und Songwriter Neil Sedaka am 27. Februar im Alter von 86 Jahren verstorben ist, war der erste Song, der mir in Verbindung mit seinem Namen in den Sinn kam, keiner von denen, die in allen Nachrufen auf ihn genannt werden, sondern eben dieser hier – ein Song, den Sedaka nicht selbst geschrieben hat und der lediglich als B-Seite seiner Hitsingle "Oh! Carol" veröffentlicht wurde, aber trotzdem ein Nr.-1-Hit wurde --- in Japan. Vielen dürfte "One Way Ticket" nur oder zumindest vorrangig in der, wie ich finde, ausgesprochen grausigen Disco-Coverversion von Eruption aus dem Jahr 1979 bekannt sein; daher hier das Original zum Genießen. Man beachte übrigens die zahlreichen intertextuellen Verweise auf andere zeitgenössische Songs ("Lonesome Town", "Heartbreak Hotel" u.a.)! 


Vorschau/Ausblick 

Wie bereits erwähnt, findet an diesem Wochenende in Neu-Ulm ein Bundesfest der Katholischen Pfadfinder Europas inklusive Sangeswettstreit statt, anlässlich des 50jährigen Bestehens des Verbands. Hingefahren sind wir da nicht, obwohl ich noch ein paar Tage zuvor eine Einladung per Mail bekommen habe; aber die Pfadfinderinnen aus dem Stamm in Berlin-Schöneberg (also die größeren Mädchen, ab 12 Jahren) sind da hingefahren, und für die Wölflinge gab's heute wieder ein "normales" Meutentreffen – da fuhr ich mit dem Tochterkind hin und werde nächste Woche darüber berichten. Morgen ist der 3. Fastensonntag, da werden wir wohl wieder in St. Joseph Siemensstadt in die Messe gehen; außerdem ist Landtagswahl in Baden-Württemberg, wo letzte Umfragen ein Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen den bisherigen Koalitionspartnern Bündnis 90/Grüne und CDU erwarten lassen. Wozu ich anmerken möchte, dass meine Blogstatistik in den letzten Tagen ein gestiegenes Interesse an den beiden "Huhn meets Ei"-Artikeln anzeigt, in denen der Grünen-Spitzenkandidat Cem Özdemir namentlich erwähnt wird; besonders schmeichelhaft sind diese Artikel nicht für ihn, aber ich bezweifle, dass das das Wahlergebnis signifikant beeinflussen wird.–Am Montag habe ich einen erneuten Termin beim Erzbischöflichen Ordinariat im Zusammenhang mit meiner angestrebten Ausbildung zum Gemeindereferenten; ich denke und hoffe, dass ich danach klarer sehen werde, wie (und ob überhaupt) es damit weitergeht. Gebetsunterstützung ist ausgesprochen willkommen! Am Dienstag beginnt die Novene zum Hochfest des Hl. Josef; am Mittwoch jährt sich mein Blogger-Comeback zum dritten Mal, dazu habe ich einen eigenen Jubiläumsartikel in Vorbereitung. Am nächsten Samstag gedenke ich wieder mit dem Tochterkind zu den Wölflingen zu gehen, und dann werden wir uns wohl eine Vorabendmesse suchen müssen, denn am Sonntag wird mein Jüngster morgen fünf Jahre alt, und das wird groß gefeiert: Einschließlich des Geburtstagskindes selbst und seiner großen Schwester erwarten wir elf Kinder zur Feier, bei einigen kommen auch die Eltern (oder zumindest ein Elternteil) mit. Das kann spannend werden! 


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