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Samstag, 4. April 2026

Utopie und Alltag 19: Im Epizentrum der Passion

Gesegneten Karsamstag, Freunde! Wie schon im den vergangenen Jahren ist das Wochenbriefing aus der Karwoche wieder recht umfangreich und, wie ich hoffe, gehaltvoll geworden; daher spare ich mir eine längere Vorrede und beginne lieber mit einem schönen Bild: 

Jesus wird vom Kreuz abgenommen und in den Schoß Seiner Mutter gelegt – Kreuzwegstation aus St. Matthias am Winterfeldtplatz.

Wieder Palmsonntag auf dem Achorhof 

Eins vorweg: Wer vielleicht darauf gehofft hat, der erste thematische Abschnitt dieses Wochenbriefings würde einem Besuch der Community Networking Night im Baumhaus gewidmet sein, den muss ich leider enttäuschen, denn ich war nicht da. Der Samstag vor Palmsonntag war in der Hauptsache davon geprägt, dass eine alte Freundin meiner Liebsten vorbeikam, um dabei zu helfen, in der Abstellkammer unter der Treppe (dem "Harry-Potter-Zimmer", wie wir es gern nennen) eine Kindergarderobe einzurichten, um im eigentlichen Kinderzimmer Platz für die angestrebte Umgestaltung zu schaffen. 

Hier ein partieller Eindruck vom Ergebnis.

Mein eigener Anteil an dieser Arbeit beschränkte sich zwar weitgehend darauf, Müll rauszutragen und aussortierte Kinderkleidung zum Altkleidercontainer des Kolpingwerks zu bringen, aber trotzdem war ich am Ende des Tages ziemlich geschafft – wozu es sicherlich auch beitrug, dass ich einen ziemlichen Schnupfen hatte. Das Wetter am Abend lud auch nicht gerade dazu ein, noch einmal rauszugehen, also blieben wir lieber alle zu Hause – zumal wir ja für den nächsten Tag einen größeren Ausflug geplant hatten, nämlich zum Achorhof, wo wir wie schon im Vorjahr den Palmsonntag feiern wollten. 

Erst einmal schliefen wir am Sonntag aber aus und frühstückten ausgiebig, ehe wir uns gegen Mittag mit S-Bahn und Regionalbahn auf den Weg nach Thyrow machten – von wo aus wir noch eine knapp drei Kilometer lange Fußwanderung zum Achorhof zurückzulegen hatten, größtenteils über Feldwege. Laut Google Maps gäbe es auch eine Busverbindung, aber ich finde, die Fußwanderung ist an sich schon ein unverzichtbarer Bestandteil des Erlebnisses. Übrigens kamen wir auf dem Weg, zum Entzücken der Kinder, an einer Weide mit Schottischen Hochlandrindern vorbei. 


Als wir auf dem Hof ankamen, saßen die bereits vor uns angekommenen Gäste gerade beim Mittagessen (Suppe und Brot), und für uns war auch noch etwas übrig. Der Generalvikar des Erzbistums Berlin, Pater Manfred Kollig SSCC, war auch bereits zugegen. Ich hatte ja bereits angedeutet, dass ich die Tatsache, dass er die Palmsonntags-Messe auf dem Achorhof zelebrierte, mit eher gemischten Gefühlen zur Kenntnis genommen hatte; und das hatte wesentlich mit seiner Haltung zum Synodalen Weg zu tun. Ich erinnere mich noch gut an einen Pressetermin anlässlich der Vorstellung der Ergebnisse der berüchtigten MHG-Studie, bei dem der Generalvikar mahnte, man dürfe das Thema Missbrauch nicht zum Vorwand nehmen, die Lehre der Kirche verändern zu wollen. Gar nicht mal so viel später stand sein Name dann zusammen mit denen von neun weiteren Generalvikaren unter einem Positionspapier, in dem gefordert wurde, der Synodale Weg solle eine "grundlegende Reform der Kirche" auf den Weg bringen. Diese Kehrtwende hat seinem Ansehen bei mir nachhaltig geschadet, so sehr er sich bei einer Diskussionsveranstaltung in Falkensee auch bemühen mochte, die Beschlüsse des Synodalen Weges als in Einklang mit der kirchlichen Lehre stehend zu interpretieren. Und dann war da noch ein Leitartikel in der vom Erzbistum Berlin herausgegebenen Broschüre "Auf dem Weg – Über den Kirchturm hinaus" , den ich auch eher ärgerlich fand – und dazu anmerkte: "Ich bin bereit zu glauben, dass Generalvikar Kollig selbst seine Absichten für gut hält, aber ich halte das für einen Irrtum." Das alles widerspricht übrigens durchaus nicht der Tatsache, dass Pater Kollig – der übrigens, wie ich der chronologischen Erzählreihenfolge vorgreifend erwähnen möchte, mit demselben Zug nach Berlin zurückfuhr wie wir, was uns Gelegenheit zu ein bisschen freundlichem Smalltalk bot – persönlich einen durchaus sympathischen Eindruck macht. (Mal nebenbei bemerkt scheint mir der Umstand, dass im vorigen Jahr Ordinariatsrat und Domkapitular Stefan Dybowski auf dem Achorhof die Messe zum Palmsonntag gehalten hat und dieses Jahr der Generalvikar, doch recht deutlich zu zeigen, wie gut dieses Hofprojekt beim Erzbischöflichen Ordinariat angesehen ist, und das finde ich natürlich erfreulich.) 

Aber kommen wir mal zur Messe, die wie im vorigen Jahr musikalisch von der St.-Annen-Schola aus Berlin-Lichterfelde gestaltet wurde und, ebenfalls wie im vorigen Jahr, im Garten mit Palmzweigsegnung und dem Evangelium vom Einzug in Jerusalem begann, woran sich eine kurze und eher symbolische Prozession vom Garten in die kleine Kapelle anschloss. 

Dass Pater Kollig es offenkundig nicht für nötig hielt, zur Zelebration einer Messe an diesem Ort eine Kasel anzulegen, erinnerte mich stark an eine meiner Lieblingsanekdoten über Dorothy Day: Irgendwann um 1970 herum zelebrierte der als Aktivist gegen den Vietnamkrieg und gegen Atomwaffen bekannte Jesuitenpater Daniel Berrigan eine Messe auf der Catholic Worker Farm und wollte dazu lediglich eine Stola anlegen, aber Dorothy bestand darauf, dass er vollständige Messgewänder trug. Auf seinen Einwand, die liturgischen Kleidungsvorschriften seien doch nur eine überholte Konvention, erwiderte Dorothy schlicht: "Auf dieser Farm gehorchen wir den Regeln der Kirche." 

Ich hätte mir gewünscht, auf dem Achorhof hätte das dem Generalvikar auch jemand gesagt, denn es gab durchaus noch ein paar weitere Indizien dafür, dass er zu glauben schien, an diesem Ort müsse er es mit der Liturgie nicht so genau nehmen. Der knapp acht Minuten langen Predigt würde ich eine relativ mittige Wertung auf der "Rasierpinsel-ins-Klo-gefallen"-Skala geben, sie war insgesamt nicht untypisch für einen Priester seiner Altersgruppe (Kollig ist Geburtsjahrgang 1956); aber ich frage mich wirklich, wie viele Palmsonntagspredigten ich in meinem Leben noch werde hören müssen, in denen jemand, der es eigentlich besser wissen müsste, behauptet, der Umstand, dass Jesus auf einem Esel nach Jerusalem einzieht, sei ein Zeichen von Bescheidenheit, ja geradezu von Understatement. Halten wir bitte mal ein für allemal fest: Schon in der Erzählung von Sauls Salbung zum König in 1. Samuel 9-10 erscheinen Esel als mit der Königswürde assoziierte Tiere, und selbst wenn man das außer Acht lassen möchte, geht aus dem Evangelium vom Palmsonntag explizit hervor, dass der Einzug Jesu nach Jerusalem gezielt als Erfüllung einer Prophezeiung aus Sacharja 9,9 in Szene gesetzt wird – das heißt: Indem Jesus auf einem Esel nach Jerusalem einzieht, erhebt Er demonstrativ den Anspruch, der verheißene Messias zu sein. Es ist mir wirklich ein Rätsel, wie man das so sehr verkennen kann. 

Ebenso wie wir es schon im vorigen Jahr am Palmsonntag erlebt hatten, gab es auch in dieser Messe wieder freie Fürbitten – zum Teil für allgemeine Anliegen, wie man sie regelmäßig in Fürbitten hört, besonders für den Frieden in der Welt, zum Teil aber auch für spezielle Anliegen namentlich genannter Personen aus dem Umfeld der Achor-Community. Und dann ergriff die verbittert wirkende Frau aus der Choralschola, die im vorigen Jahr "für eine menschliche Kirche" gebetet hatte, wieder das Wort und betete dafür, "dass alle Menschen, vor allem queere Menschen, die Anerkennung erhalten, die sie zu erwarten haben". Es war deutlich zu bemerken, dass zumindest ein Teil der Gemeinde sehr zögerte, darauf mit "Wir bitten dich, erhöre uns" zu antworten. Was soll das überhaupt heißen, "die Anerkennung, die sie zu erwarten haben"? Von wem haben sie wofür Anerkennung zu erwarten? Weiß die Frau selber, was sie meint, oder will sie nur provozieren? 

Nach der Messe gab es Kaffee und Kuchen, und wir Erwachsenen unterhielten uns gut mit einigen Mitgliedern des Achor-Vereins und Nachbarn des Hofes, während die Kinder im Garten herumtollten. Zu Hause waren wir erst relativ spät am Abend – erst nach der üblichen Schlafengehzeit der Kinder, die uns übrigens schon auf der Rückfahrt mit Fragen bestürmten, wann wir denn das nächste Mal zum Achorhof fahren könnten. Na, mal sehen – vielleicht am letzten Aprilwochenende; dann ist da nämlich "Französischer Tag", und das Programm sieht recht vielversprechend aus... 


Triduum Teil 1: Freiwillig bei der Fußwaschung 

Schon während der Palmsonntagsmesse auf dem Achorhof hatte ich – wohl veranlasst durch die eigentümliche Kombination "einerseits Choralschola, andererseits aber liturgische Schlampereien" (ist es eigentlich eine besondere Auszeichnung für ein Robbenbaby, vom Generalvikar persönlich gemeuchelt zu werden?) – den Gedanken, "zum Ausgleich" könnte es vielleicht ganz schön sein, am Gründonnerstag nach St. Afra zu gehen. Ganz überzeugt war ich aber dich nicht, ob das so eine gute Idee wäre – zumal die Erfahrung der letzten Jahre gezeigt hat, dass die Messe vom Letzten Abendmahl, was die Fähigkeit und Bereitschaft der Kinder betrifft, sich ruhig und friedlich zu verhalten der kritischste Punkt des ganzen Ostertriduums zu sein pflegt. Aus demselben Grund war es für uns jedoch auch keine Option, am Gründonnerstag nach Spandau zu gurken, um die Messe vom Letzten Abendmahl in der voraussichtlich völlig überfüllten Behnitzkirche mitzufeiern. Wir sahen uns also nach Alternativen um und entschieden uns schließlich für die Messe in St. Bernhard Tegel-Süd, die von dem bekanntermaßen kinderfreundlichen Pater Brody zelebriert wurde. Tatsächlich begrüßte er uns sehr freundlich, als wir einige Zeit vor Beginn der Messe die Kirche betraten; es erwies sich aber auch noch aus mehreren anderen Gründen als die richtige Entscheidung, dass wir gerade hierher gekommen waren. – Als wir ankamen, musste unser Jüngster erst mal dringend aufs Klo, also ging meine Liebste mit ihm in die Sakristei, um nach einer Toilette zu fragen; währenddessen sagte ich zum Tochterkind, wir könnten uns ja schon mal einen Platz suchen, und dabei stellten wir fest, dass in jeder Bankreihe ein Platz, nämlich der am Mittelgang, reserviert war. "Ach so, das ist bestimmt wegen der Fußwaschung", fiel mir ein, und jemand aus der Gemeinde bestätigte das. Kurz darauf fragte mich das Tochterkind: "Kann bei der Fußwaschung eigentlich jeder mitmachen?" – "Im Prinzip ja", erwiderte ich. "Oft ist es sogar so, dass dringend Leute gesucht werden, die da mitmachen wollen, weil es oft nicht so viele gibt, die sich dafür freiwillig melden." Die Folge dieser Mitteilung war, dass meine Tochter laut darüber nachzudenken begann, dass sie es ja ganz spannend fände, da mitzumachen. Mein erster Impuls war, ihr erklären zu wollen, für dieses Jahr seien wahrscheinlich schon alle Plätze vergeben, aber wir könnten das ja mal für nächstes Jahr ins Auge fassen; aber als sie insistierte, wir könnten doch "mal fragen", dachte ich: Warum nicht. Wir wandten uns also an den Küster – ich nehme jedenfalls an, dass das seine Funktion war, zumindest war er gerade dabei, den Ministranten Anweisungen zu erteilen –, und dieser reagierte tatsächlich ausgesprochen erfreut und wies dem Tochterkind einen der reservierten Plätze zu. Ich setzte mich daneben, während die andere Hälfte der Familie etwas weiter entfernt Platz nahm und unser Jüngster vom Küster einen Malblock und Buntstifte erhielt. Alles in allem perfekte Voraussetzungen für den besten Gründonnerstag, den wir erlebt haben, seit wir eine vierköpfige Familie sind. Die Teilnahme an der Fußwaschung war für unsere Große ein spannendes Erlebnis und trug offenbar dazu bei, dass sie während der gesamten Messe so aufmerksam und konzentriert war wie sonst nicht unbedingt immer; der Kleene malte derweil friedlich, und dass sie nicht zusammen saßen und sich folglich nicht gegenseitig stören oder ablenken konnten, war offenkundig für beide gut. 

Die Kommunion wurde in beiderlei Gestalt gereicht, wozu Pater Brody ansagte, es sei "jeder eingeladen, aus dem Kelch zu trinken", aber wer das nicht wolle, der könne "die Hostie auch selbst eintauchen" – was ja, wie ich nicht müde werde zu betonen, eigentlich verboten ist, aber wenn man die landläufigen liturgischen Gepflogenheiten kennt, kann man wohl schon halbwegs froh sein, dass dies nicht als die sozusagen normative Form des Kommunionempfangs in beiderlei Gestalt dargestellt wurde. Ich selbst ließ mich auch von der in die Predigt eingestreute Bemerkung des Zelebranten, es mache aus seiner Sicht "nicht viel Sinn, die Kommunion auf den Knien zu empfangen" – denn schließlich sei Jesus es doch, der sich auf unsere Augenhöhe herablasse, und nicht umgekehrt –, nicht davon abhalten, die Kommunion kniend und auf die Zunge zu empfangen, und fand es recht ermutigend, zu sehen, dass ich da nicht der einzige war. 

Übrigens zeigte es sich, dass wir unerwartet viele Leute in der Kirche kannten – und zwar überwiegend vom Kinderfasching her: Dazu zählten zwei Messdienerinnen, eine Kommunionhelferin und auch der schon erwähnte Küster. Ein anderer Messbesucher gab sich mir beim Verlassen der Kirche als Tagespost-Leser zu erkennen und lobte meine Kolumne. – Insgesamt muss man diese Messe vom Letzten Abendmahl leider als schwach besucht bezeichnen: Nur um die 50, maximal 60 Personen fanden sich in den Kirchenbänken ein. Na ja, hätten wir eine volle Kirche gewollt, hätten wir ja nach St. Marien am Behnitz fahren können...! 


Triduum Teil 2: Seht das Holz des Kreuzes  

Zur Karfreitagsliturgie fuhren wir dann aber, wie in den letzten Jahren, nach St. Joseph Siemensstadt. Die Kirche war erheblich besser besucht, als es auf dem YouTube-Mitschnitt, auf dem nur die vorderen Bankreihen zu sehen ist, den Anschein hat; wer mir das nicht glaubt, kann gern bis zur Kreuzesverehrung vorspulen, die nicht ohne Grund fast eine halbe Stunde dauerte. Das Mädchen aus dem Erstkommunionkurs, das wir ursprünglich vom JAM kennen, ministrierte, die kleine Schwester war – zur Freude unseres Jüngsten – ebenfalls da, zusammen mit ihrer Mutter und ihrer Oma. – Zelebriert wurde die Feier vom Leiden und Sterben Christi vom "örtlich zuständigen" Pfarrvikar; die Predigt war für seine Verhältnisse ungewöhnlich lang – rund zwölf Minuten –, aber ich will mich hier auf einige Schlaglichter beschränken, zumal man die Predigt ja in voller Länge auf YouTube nachhören kann. – Ein Kerngedanke der Ausführungen des Pfarrvikars zur Johannespassion lautete: "Der Evangelist Johannes versteht die Kreuzigung als eine Liturgie – das heißt: als den Ort, an dem man Gott begegnen kann." Zum Verhalten verschiedener Akteure der Passionserzählung merkte er an: 

"Die Wahrheit Gottes macht unsere Wahrheiten sichtbar: die Feigheit des Petrus, das Geld des Judas, die Machtinteressen des Hohenpriesters, die Weltlichkeit des Pilatus, der denkt, er kann sich irgendwie so durchschlängeln; aber auch die Wahrheit der Frauen, die unterm Kreuz stehen und mitleiden. Auch die Wahrheit des Josef von Arimatäa, der mutig wird – der vorher Jesus nur im Geheimen bekannt hat, aber jetzt um den Leichnam bittet. Und die Wahrheit des Nikodemus, der beginnt zu lieben, und er kauft diese Myrrhe. Am Anfang, als er das erste Mal Jesus begegnet ist, hat er irgendwelche komischen theoretischen Probleme gewälzt, aber nicht geliebt. Jetzt hat er gelernt zu lieben." 

Ich muss sagen, besonders dieser Blick auf das Religionsgespräch mit Nikodemus in Johannes 3 – dass Nikodemus dort theologische Fragen als rein theoretische, abstrakte Denkaufgaben zu betrachten versuche, ohne sich persönlich wirklich von diesen Fragen berühren zu lassen – sprach mich sehr an. Ein weiterer besonders interessanter Aspekt der Predigt drehte sich darum, die Signifikanz von Blut und Wasser, die aus der Seite Jesu strömen, zur Bedeutung von Blut und Wasser im Alten Bund in Beziehung zu setzen: 

"Das Blut heiligt, das ist mehr als reinigen. Es wurden die Altäre, die Priester mit Blut besprengt und das Volk, um es zu heiligen. Heiligen bedeutet nicht ein bisschen etwas zu verbessern, sondern Heiligen bedeutet eine neue Qualität Gottes in unserem Leben. Karfreitag ist nicht ein bisschen auf seine Sünden zu schauen, sondern geheiligt zu werden vom Blut Christi, eine neue Qualität der Liebe zu bekommen. Und: Blut weiht. Weihen bedeutet, es macht zu Gott gehörig. Der Tempel und das Bundeszelt wurden mit Blut besprengt, um zu sagen, es gehört zu Gott. Das Blut Christi verbindet uns mit Gott." 

Und zum Wasser aus der Seite Christi merkte der Prediger an, das griechische Wort pleura bezeichne einerseits das Rippenfell, andererseits aber auch die Seite des Tempels – so beim Propheten Ezechiel, der "aus der pleura des Tempels" eine "Quelle von lebendigem Wasser" fließen sieht – als ein "Bild des Heiligen Geistes". 

Übrigens muss ich einräumen, dass meiner Tochter, nachdem sie in der Gründonnerstagsmesse so vorbildlich bei der Sache gewesen war, in der Karfreitagsliturgie die Zeit doch ein wenig lang wurde – nicht zuletzt auch, weil sie Hunger hatte. Na, schauen wir mal, wie die Kinder sich in der Osternacht schlagen; es sollte mich nicht wundern, wenn sie einen Teil der Liturgie verschlafen. Ich denke, ich werde vorsorglich ihre Reisekopfkissen einpacken... 


Update Religionspädagogik 

Kein Aprilscherz ist, dass ich am letzten Tag im März meine offizielle Bewerbung für die Ausbildung zum Gemeindereferenten beim Erzbistum Berlin eingereicht habe. Die dafür notwendigen Unterlagen – also Zeugnisse und so weiter – hatte ich schon vor dem Palmsonntagswochenende fast komplett gehabt; was noch fehlte, war ein "Pfarramtliches Zeugnis". Um ehrlich zu sein, hatte ich, als ich dieses Stichwort auf der Liste der Bewerbungsunterlagen sah, die das Erzbistum von mir haben wollte, gleich gedacht, dass es damit Schwierigkeiten geben könnte – weil dafür eben meine Wohnsitzpfarrei zuständig ist, also St. Klara Reinickendorf-Süd, und mit dieser Pfarrei, und insbesondere mit ihrem Pfarrer, habe ich ja eine etwas schwierige Vorgeschichte. Indes hatte ich auch keine klare Vorstellung davon, was ein Pfarramtliches Zeugnis eigentlich genau ist bzw. was da drinstehen muss; meine vage Hoffnung, es handle sich um eine reine Formalität, die man unkompliziert im Pfarrbüro erledigen könne, zerschlug sich jedoch, als ich Mitte März dort vorsprach und die Sekretärin mir mitteilte, so ein Zeugnis müsse der Pfarrer persönlich ausstellen. Sie schrieb ihm aber eine Notiz, und ich wartete erst einmal ab; als ich die Sekretärin jedoch rund zwei Wochen später auf dem Kirchhof traf, riet sie mir, ich solle vielleicht doch lieber mal persönlich beim Pfarrer vorsprechen. Dem im Schaukasten ausgehängte Wochenplan der Pfarrei verriet mir, dass der Pfarrer gerade in St. Joseph Tegel die Messe hielt, also sagte ich mir: Wenn ich mich beeile, treffe ich ihn vielleicht noch dort an, oder er kommt mir unterwegs mit dem Fahrrad entgegen. 

Tatsächlich traf ich den Pfarrer, noch im Messgewand, vor dem Kirchenportal von St. Joseph an, wo er mit einem mir nicht näher bekannten älteren Ehepaar sprach, das wohl in der Messe gewesen war; ich hielt mich im Hintergrund, bis sie ihr Gespräch beendet hatten, trat dann einen Schritt auf den Pfarrer zu und erklärte, ich wolle mich "noch einmal in Erinnerung bringen". Der Pfarrer erwiderte darauf, er habe mein Zeugnis in Arbeit, sei aber noch nicht damit fertig – und zwar nicht, wie man wohlwollend hätte unterstellen können, weil es angesichts des nahenden Osterfests so viel anderes zu tun gibt, sondern weil er sagte, noch mit den Formulierungen ringe: Er wolle mir ja nun nicht direkt Steine in den Weg legen, aber dass er mir kein durchweg positives Zeugnis ausstellen könne, könne ich mir ja wohl denken. Ich verlegte mich in der Hauptsache auf Lächeln und Nicken und dachte mir: Soll er doch schreiben, was er will, beim Ordinariat kennen sie ihn ja auch und können selber einschätzen, was davon zu halten ist. 

Alles Nicken und Lächeln meinerseits konnte den Pfarrer indes nicht davon abhalten, noch einige Sätze darüber zu verlieren, was aus seiner Sicht so problematisch an mir sei. Vielleicht würde es sich lohnen, darauf bei Gelegenheit noch einmal zurückzukommen; nicht um aus persönlichem Groll "alte Geschichten" aufzuwärmen, sondern weil das Ganze (abzüglich der nicht zu leugnenden Tatsache, dass wir einfach charakterlich nicht miteinander harmonieren) so bezeichnend ist für Konflikte zwischen Pfarrpersonen, die eigentlich nichts anderes wollen als ruhig und geordnet das langsame Sterben der Volkskirche verwalten (Stichwort "palliative Pastoral"), und Leuten, die ihnen plötzlich und ungebeten mit Konzepten für Gemeindeerneuerung und Neuevangelisierung kommen. Nun, wie gesagt, vielleicht ein andermal mehr dazu. Das Zeugnis habe ich jedenfalls bis heute nicht erhalten, was insofern etwas schade ist, als ich hier gern das eine oder andere knallige Zitat daraus präsentiert hätte. Aber na ja, aufgeschoben ist nicht aufgehoben, denke ich mal... 


Das ZDF-Mittagsmagazin erklärt Ostern 

Derweil machte mich der Instagram-Account der Pfarrei St. Klara auf einen Beitrag des ZDF-Mittagsmagazins aufmerksam, in dem der besagte Pfarrer zu sehen ist und zu Wort kommt, und das machte mich ja nun doch neugierig. Also habe ich da mal reingeschaut, damit ihr es nicht müsst, Leser. Ziemlich gegen Ende der Sendung vom 26. März gibt es einen gut drei Minuten langen Beitrag zum Thema "Was feiern wir eigentlich an Ostern?"; in der Anmoderation heißt es: 

"Christlich gesehen geht es um die Auferstehung Christi, der am Karfreitag gekreuzigt wurde. Aber wieso suchen wir dann da Eier und was hat der Hase damit zu tun?" 

In dem Filmchen, das dieser Frage auf den Grund gehen soll, kommt neben dem Pfarrer von St. Klara auch ein (ebenfalls katholischer) Theologieprofessor von der FU Berlin, Rainer Kampling, zu Wort; im Vergleich mit so bizarren Elaboraten wie dem Artikel "So unterschiedlich feiern Heiden und Christen Ostern", den ich anno 2018 am Wickel hatte und in dem eine Volontärin der Nordwest-Zeitung einen evangelischen Pfarrer und eine "Naturschamanin" gleichberechtigt zu Wort kommen ließ, kann man diesem Fernseh-Magazinbeitrag somit immerhin attestieren, dass die christliche Sicht auf das Osterfest deutlich im Fokus steht; die angebliche – oder sagen wir: hypothetische germanische Fruchtbarkeitsgöttin Ostara wird nur einmal am Rande erwähnt. Ärgerlich finde ich es hingegen, dass die Verfasserin des Beitrags entweder nicht weiß, dass der Genitiv von Jesus Jesu lautet, oder aber dem Publikum keine korrekten Genitive zumuten wollte. – Was derweil die Mitwirkung des Pfarrers von St. Klara an der Sendung betrifft, so sagt er gerade mal drei Sätze, und an diesen ist inhaltlich nichts auszusetzen; aber ein bisschen frage ich mich doch, was für Umstände dazu geführt haben mögen, dass gerade er für diesen Fernsehauftritt ausgewählt wurde. 

Uneingeschränkt empfehlen möchte ich in diesem Zusammenhang jedoch ein Facebook-"Reel" von Elisabeth Wheatley zum Thema "NEIN, Ostern ist KEIN ursprünglich heidnisches Fest". Zur Einordnung sei gesagt, dass Elisabeth Wheatley eine Romanautorin ist, deren Werke sich genretechnisch im Bereich "Historie/Abenteuer/Romantasy" bewegen, sich aber von der breiten Masse derartiger Trivialliteratur dadurch abheben, dass die Autorin die historischen Hintergründe ihrer Geschichten wirklich sorgfältig recherchiert und sich auf diesem Wege ein nicht gerade alltägliches Wissen über mittelalterliche Geschichte angeeignet hat. Außerdem ist sie Christin. (Auch dazu gibt's ein lustiges Reel von ihr, in dem sie sinngemäß erklärt: "Mir ist zu Ohren gekommen, dass es Gerüchte über mich gibt, ich sei angeblich Christin – das hat mich ein bisschen überrascht, denn eigentlich hatte ich gedacht, ich hätte daraus nie ein Geheimnis gemacht." Im weiteren Verlauf empfiehlt sie ihren Fans dann fünf christliche "Non-Fiction"-Bücher, und gerade als man anfängt zu denken, die Auswahl dieser Bücher offenbare eine gewisse liberale Schlagseite, präsentiert sie als letzte Empfehlung den Katechismus der Katholischen Kirche und sagt dazu wörtlich: "I freaking love it.") Wie ich inzwischen festgestellt habe, gibt es ihr Oster-Reel auch bei YouTube, sodass ich es hier direkt einfügen kann: 

Ich empfehle jedoch dringend, nicht die Kommentare zu lesen. 


"Leafletting" für den Alpha-Kurs 

Währenddessen rückt der Alpha-Kurs der EFG The Rock Christuskirche, bei dem meine Liebste im Küchenteam mitarbeiten wird, mit großen Schritten näher: Übernächsten Montag soll es schon losgehen. Am Montag der Karwoche war meine Liebste bei einem Vorbereitungstreffen und brachte von dort ein Plakat mit, das sie in einem Geschäft in Tegel unterzubringen hoffte – aber dann hatte sie doch Hemmungen, dort zu fragen. "Jeder von uns hat offenbar seine eigenen social-awkwardness-Inseln", merkte ich dazu an und bot ihr an, ihr diese Aufgabe abzunehmen. Mein erster Versuch führte mich in einen Buchladen, wo mein Ansinnen freundlich abgelehnt wurde – ins Schaufenster hänge man nur eigene Werbung und innerhalb des Ladens gebe es keinen sinnvollen Platz dafür –, mir jedoch der Rat gegeben wurde, ich solle es doch mal ein paar Häuser weiter bei einem Büro für Ehrenamtskoordination versuchen. Die Leute dort wollten lediglich wissen, ob es sich um eine nichtkommerzielle Veranstaltung handle, und da auf dem Plakat gut sichtbar der Satz stand "Der Alphakurs ist kostenlos", nahmen sie es mir ohne Weiteres ab. 

Motiviert durch diesen Erfolg, fand ich, ich könne auch noch mehr Werbematerial für den Alpha-Kurs unter die Leute bringen, und traf mich daher am Mittwoch gegen Mittag mit einer Mitarbeiterin der EFG The Rock Christuskirche, die mir vier weitere Plakate und 300 Flyer im Postkartenformat aushändigte. Da Frau und Kinder am Nachmittag bei einer Spielverabredung waren, machte ich mich direkt ans Verteilen und wurde tatsächlich alle Plakate los – bei einem "Mini-Markt" in der Fußgängerzone von Alt-Tegel, einem kombinierten DHL-Paketshop und Lottoladen, einem Restaurant und einer Einrichtung für Familiencoaching. Von den 300 Flyern wurde ich im ersten Anlauf 85 los, hauptsächlich in Restaurants, aber auch in einer Weinhandlung, einem Getränkemarkt, einer Bäckerei, einem Späti und einer Kneipe. Auch in den Kirchen Herz Jesu und St. Joseph Tegel legte ich einige Flyer aus; in Herz Jesu traf ich ein paar Leute an, die dort Opferkerzen anzündeten, und drückte diesen direkt einen Flyer in die Hand. Man muss sagen, dass das noch einmal ein anderes Level an Überwindung kostet, als im einem Laden oder Lokal anzufragen, ob man da Flyer auslegen darf; aber ich habe festgestellt, es hilft, wenn man selbst davon überzeugt ist, der anderen Person damit etwas Gutes tun zu wollen. 

Am Gründonnerstag unternahm ich am frühen Nachmittag eine weitere "Leafletting"-Tour in der Nachbarschaft und wurde innerhalb einer Dreiviertelstunde noch einmal ca. 40 Flyer los (bei drei Restaurants, einer Kneipe, einem Feinkostladen, einem Buchladen, einer Bäckerei und einem Späti), und natürlich nahm ich auch einen Stoß Flyer mit zur Messe vom Letzten Abendmahl in St. Bernhard. Nach der Karfreitagsliturgie wurde ich in Siemensstadt noch einige Flyer in einem indischen Restaurant und im "City Pub" los, und damit war der Stapel schon mal ungefähr auf die Hälfte seiner ursprünglichen Größe zusammengeschrumpft. 

Was übrigens die Flyer selbst angeht, kreisten meine Gedanken während der Verteilaktion immer wieder um die Vorstellung, wie es wäre, wenn wir Flyer in vergleichbarer Qualität und ansprechender Optik beispielsweise für den Religiösen Kindertag in St. Stephanus hätten. Ich würde mir vorstellen, 1000 Stück davon auszudrucken und auf zehn Leute aus der Gemeinde zu verteilen, die sie in unterschiedlichen Ecken des Einzugsgebiets weiterverbreiten, mit dem Idealziel, dass in möglichst jedem Restaurant, jedem Späti, jedem Waschsalon in ganz Haselhorst und Siemensstadt welche ausliegen. Ist das eine realistische Perspektive? – Ein bisschen in die Zukunft schauend, kann ich jedenfalls sagen, als Gemeindereferent – oder erst mal als Gemeindeassistent – würde ich solche Werbeaktionen gern regelmäßig unternehmen. Ist man erst mal zwei-, dreimal durch den Kiez durch, kennen einen auch die ganzen Ladenbetreiber, und umgekehrt weiß man dann auch irgendwann, bei wem man es gar nicht erst versuchen muss. 


Geistlicher Impuls der Woche 

Sie tauschen ihre verkehrten Gedanken aus und sagen: Lasst uns dem Gerechten auflauern! Er ist uns unbequem und steht unserem Tun im Weg. Er wirft uns Vergehen gegen das Gesetz vor und beschuldigt uns des Verrats an unserer Erziehung. Er rühmt sich, die Erkenntnis Gottes zu besitzen, und nennt sich einen Knecht des Herrn. Er ist unserer Gesinnung ein Vorwurf, schon sein Anblick ist uns lästig; denn er führt ein Leben, das dem der andern nicht gleicht, und seine Wege sind grundverschieden. Als falsche Münze gelten wir ihm; von unseren Wegen hält er sich fern wie von Unrat. Das Ende der Gerechten preist er glücklich und prahlt, Gott sei sein Vater. Wir wollen sehen, ob seine Worte wahr sind, und prüfen, wie es mit ihm ausgeht. Ist der Gerechte wirklich Sohn Gottes, dann nimmt sich Gott seiner an und entreißt ihn der Hand seiner Gegner. Durch Erniedrigung und Folter wollen wir ihn prüfen, um seinen Gleichmut kennenzulernen und seine Widerstandskraft auf die Probe zu stellen. Zu einem ehrlosen Tod wollen wir ihn verurteilen; er behauptet ja, es werde ihm Hilfe gewährt. So denken sie, aber sie irren sich; denn ihre Schlechtigkeit macht sie blind. 

(Weisheit 2,1a.12-21) 


Ohrwurm der Woche 

Peter Janssens Group: Jesus, der Menschensohn 

Beweisstück A für die These "Der klassische Sacropop à la Janssens, Edelkötter et al. war eigentlich ein Subgenre des Krautrock". Was wir hier hören, war das Schlusslied einer von Peter Janssens für das Bundestreffen der Katholischen jungen Gemeinde (KjG) 1972 in Fulda komponierten Messe mit dem Titel "Wir haben einen Traum" – ein Meilenstein der NGL-Geschichte. Der Text, verfasst vom späteren Bamberger Generalvikar Alois Albrecht, der auch in bedeutendem Umfang an der Gotteslob-Neuausgabe von 2013 mitgearbeitet hat, ist so interessant, dass man darüber wahrscheinlich mindestens eine Bachelorarbeit schreiben könnte – das sollte ich mir vielleicht für mein angestrebtes Religionspädagogik-Studium vormerken! –, aber noch interessanter finde ich das Stück tatsächlich von der musikalischen Seite her, von Janssens' psychedelischem Orgelspiel bis hin zum Gitarrensolo von Gerd Geerken, der vor seiner NGL-Phase übrigens der Frontmann der im regionalen Maßstab recht erfolgreichen Beatband "Die Mustangs" war. Am Schlagzeug saß derweil Peter Backhausen, der wenig später zur Urbesetzung von Udo Lindenbergs Panik-Orchester gehörte. Das Album "Wir haben einen Traum/Unser Leben sei ein Fest", die dritte Veröffentlichung auf Peter Janssens' eigenem Plattenlabel "Pietbiet", wird man insgesamt wohl als einen Klassiker des Genres bezeichnen dürfen. Dass die Fotos der Bandmitglieder auf dem Plattencover mich irgendwie ominös an RAF-Fahndungsplakate erinnern, die in meiner Kindheit noch in jedem Postamt hingen, sei indes nur am Rande vermerkt. 


Vorschau/Ausblick 

Heute Abend um 21 Uhr beginnt in St. Joseph Siemensstadt die Feier der Osternacht, und da wollen wir wie in den vergangenen Jahren auch diesmal wieder dabei sein. Morgen, am Ostersonntag, ist dann die "säkulare Observanz" des Osterfests in Form eines Besuchs bei meinen Schwiegermüttern an der Reihe, am Ostermontag geht's voraussichtlich erneut in St. Joseph Siemensstadt in die Messe, und "für danach" ist ein Treffen mit der Familie einer Schulfreundin unserer Großen angedacht, aber hundertprozentig spruchreif war das bis zum Redaktionsschluss noch nicht. Und dann sind weiterhin Ferien! Große Pläne haben wir für diese Woche nicht; aber das ist vielleicht auch mal ganz gut, den im weiteren Verlauf des Monats April stehen uns noch genug spannende Ereignisse bevor. Aber was das für welche sind, verrate ich erst zu gegebener Zeit!