Wie in letzter Zeit schon ein paarmal angeklungen ist, folge ich auf Bluesky, dem Sozialen Netzwerk einer vermeintlich besseren Welt, mehreren Accounts, die sich der Dokumentation der Aktivitäten von (zu Recht oder zu Unrecht so bezeichneten) christlichen Fundamentalisten widmen; und unlängst fiel mir da ein Link zu einem schon nicht mehr ganz neuen Artikel ins Auge, in dem es darum ging, dass "der rechtsklerikale Verein 'Christkönigtum e.V.' ein Kampfsport-Treffen für Männer" veranstalte. Einigen Kommentatoren auf Bluesky fielen angesichts der Konstellation "Christen und Kampfsport" vorrangig Flachwitze à la "Vollkontakt-Wangen-Hinhalten?" ein, aber der auf der Website der "Antifaschistischen Informations-, Dokumentations- und Archivstelle München" (kurz a.i.d.a., kein Witz) veröffentlichte Artikel wollte offenbar insinuieren, wenn eine solche Gruppierung, die "ein reaktionäres Männlichkeitsbild, traditionalistischen Katholizismus, Antifeminismus, medienwirksame Selbstdarstellung und eine gefährliche Politisierung von Religion" betreibt, ihre Mitglieder oder Sympathisanten zum Kampfsport schicke, dann könne es sich dabei quasi nur um Bürgerkriegsvorbereitungen handeln. – Ich kann ehrlicherweise nicht einmal ganz ausschließen, dass die Absichten der Veranstalter tatsächlich in eine solche Richtung gehen. Die Gruppierung "Christkönigtum" ist mir vorrangig von Facebook her ein Begriff, ein paar meiner Facebook-Kontakte haben die Seite abonniert und daher bekomme ich gelegentlich auch Beiträge angezeigt. Von der Optik her sind das meist abschreckende Beispiele für das Phänomen "Tradi-Ästhetik trifft KI", und inhaltlich macht der Account auf mich den Eindruck, der Piusbruderschaft näher zu stehen als dem Papst; womit ich sagen will: So ganz meine Kragenweite sind die nicht. Gleichzeitig ist mir bewusst, dass die unermüdlichen Fundamentalistenjäger auf Bluesky jemanden wie mich wohl ziemlich in der Nähe solcher Leute verorten würden. Da passt es ja irgendwie ins Bild, dass meine Kinder auch Kampfsport lernen.
Denjenigen Lesern, die ich nicht schon mit dieser Einleitung in die Flucht geschlagen habe, möchte ich allerdings versichen, dass ich meine Kinder nicht in erster Linie dazu zum Kampfsporttraining gehen lasse, um sie auf Straßenschlachten mit radikalen Abtreibungsbefürwortern o.ä. vorzubereiten; auch wenn solide Kenntnis von Selbstverteidigungs-Techniken sicherlich von Vorteil sind, falls es mal zu so einer Situation kommen sollte (Ich zum Beispiel bin mit Anfang 20 mal von zwei Skinheads überfallen worden und denke mir heute, mit den Techniken, die ich allein durchs Zugucken beim Training meiner Kinder gelernt habe, hätte ich die wahrscheinlich in die Flucht schlagen können; die hatten nämlich überhaupt keine Kampftechnik und haben sich nur darauf verlassen, dass sie zu zweit waren und ich Angst hatte). Um zu erläutern wo ich den eigentlichen Zusammenhang zwischen Kampfsporttraining und geistlichem Kampf sehe, werde ich etwas weiter ausholen müssen; erst einmal möchte ich aber mit gebührendem Stolz zu Protokoll geben, dass meine achtjährige Tochter, nachdem sie erst Mitte Februar mit dem Kampfsporttraining angefangen hat, ihre erste Gürtelprüfung (weiß-gelb) bestanden hat. Das kam ziemlich plötzlich, hat aber natürlich eine Vorgeschichte. Ich hatte ja schon mal erwähnt, dass in einem Infoblatt der Kampfsportschule über die Anforderungen für die erste Prüfung darauf hingewiesen wird, die schwierigste bzw. anspruchsvollste Aufgabe sei es für viele Kinder, den Gürtel des Kampfanzugs korrekt zu binden. Nicht lange darauf zeigte meine Tochter ihrem Sensei kurz vor Beginn der Trainingsstunde stolz ihren ohne fremde Hilfe gebundenen Gürtelknoten – und er bekam prompt große Augen. "Den hast du alleine gebunden?", vergewisserte er sich, und seine nächste Frage lautete: "Kannst du Rolle rückwärts?" Das musste sie verneinen, aber der Trainer ließ durchblicken, wenn sie das noch lerne, könnte sie schon bald ihr "gelbes Bändchen" machen. Bei diesem "gelben Bändchen" handelt es sich um eine inoffizielle Vorstufe zur ersten Gürtelprüfung, die die Kampfsportschule eingeführt hat, um die Anfänger "niederschwellig" auf Prüfungssituationen vorzubereiten. Was ich im Falle meiner Tochter umso sinnvoller finde, als es an der freien Schule, die sie besucht, nicht einmal Klassenarbeiten gibt und sie somit noch erheblich weniger Erfahrung mit Prüfungsdruck hat als andere Kinder in ihrem Alter. – Wir übten also fleißig Rolle rückwärts, auch zu Hause; die übrigen Anforderungen für das gelbe Bändchen umfassten u.a. einen Haltegriff, eine Wurfübung und eine Selbstverteidigungstechnik, das alles wurde in den normalen Trainingsstunden sowieso regelmäßig geübt, und nachdem der Trainer sich überzeugt hatte, dass mein Tochterkind alles Nötige draufhatte, vereinbarten wir einen Termin für die Prüfung zum gelben Bändchen – für die letzte Aprilwoche. Etwa eineinhalb Wochen vorher sprach mich der Sensei jedoch am Rande des Trainings an: Ende des Monats gebe es eine Gürtelprüfung, und er habe sich überlegt, dass er meine Tochter gern für den weiß-gelben Gürtel anmelden würde – "sie lernt ja schnell" (das hört man als Vater natürlich gern). Dafür wäre es allerdings notwendig, den angepeilten Termin für die Prüfung zum gelben Bändchen um eine Woche vorzuverlegen – und nach Möglichkeit noch ein paar zusätzliche Trainingseinheiten einzuschieben. Ich fragte meine Tochter, was sie davon hielte, und sie war Feuer und Flamme. In der darauffolgenden Woche ging sie viermal zum Training und ließ dafür sogar einen Schulausflug in eine Trampolinhalle sausen. Eine ziemlich starke Leistung in Sachen Disziplin, würde ich mal sagen: auf etwas verzichten, was Spaß machen würde, weil man ein Ziel vor Augen hat, das man erreichen will.
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| Tschüss, Weißer Gürtel. |
Und erreicht hat sie es: Die Prüfung fürs gelbe Bändchen absolvierte sie im Rahmen einer regulären Trainingsstunde, und der Trainer wies dabei die anderen Kinder an, ihren Respekt zu zeigen, indem sie sich ordentlich hinsetzen, aufmerksam zuschauen, nicht quatschen und nach der erfolgreichen Bewältigung der letzten Aufgabe kräftig applaudieren. Diese letzte Aufgabe bestand darin, ein Holzbrett mit dem Fuß durchzuhauen.
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| Hier bekommt man einen Eindruck, wie dick das Brett war. |
Die offizielle Gürtelprüfung fand am darauffolgenden Sonntag an einem anderen Standort der Kampfsportschule statt und wurde von einer vierköpfigen Jury abgenommen. Geprüft wurden Schlag- und Tritttechniken, Fallübungen, Festhaltegriffe, Wurfübungen und Abwehrtechniken, und zum Schluss gab's ein bisschen Bodenkampf. Meine Tochter bewältigte alle Anforderungen und wurde hinterher von ihrem Trainer sehr gelobt: Normalerweise, sagte er, brauche man ein halbes Jahr bis zum weiß-gelben Gürtel, und sie war zum Zeitpunkt der Prüfung erst seit knapp 12 Wochen dabei.
Dass ich dies alles als ein blogrelevantes Thema betrachte, hat derweil vor allem damit zu tun, dass das häufige Zuschauen beim Kampfsporttraining der Kinder mich zu allerlei Reflexionen über Motivation und Disziplin angeregt hat. Auch dies nicht zum ersten Mal übrigens: Nicht von ungefähr hatte ich den Trainer der Jiu Minis (6-8 Jahre) und Jiu Kids (9-11 Jahre) auf meinem Blog schon erwähnt, als meine Tochter noch gar nicht bei ihm trainierte; dabei hatte ich hervorgehoben, dass er, obwohl er locker rüberkommt und gern mal Späße macht, eine enorme Autorität ausstrahlt, und angedeutet, dass die Souveränität, mit der er seine Trainingsgruppen leitet, offenbar auch einen spirituellen Aspekt hat. Ich schrieb sogar, ich hätte Lust, "diesen Kampfsporttrainer mal auf der Bühne der MEHR oder in einer Podiumsdiskussion mit Johannes Hartl zu sehen". Gut drei Monate später sehe ich keine Veranlassung, etwas davon zurückzunehmen. Nun kann man sicher einwenden, das Spirituelle sei nicht das, was die Kinder motiviert, da hinzugehen. Aber was, wenn es das doch wäre – auch wenn es den Kindern vielleicht nicht bewusst ist? – Behalten wir diesen Gedanken ruhig mal im Hinterkopf.
Fakt ist jedenfalls, dass zahlreiche Kinder mit Freude und Begeisterung zu diesen Trainingsstunden kommen, viele mehrmals pro Woche, und dieser Freude und Begeisterung tut es offenkundig keinen Abbruch, dass die Kinder im Training nicht gerade mit Samthandschuhen angefasst werden. Zum Beispiel: In der Kampfsportschule gibt es ein elektronisches Check-in-System, das u.a. dazu dienen soll, leichter nachverfolgen zu können, wie viele Trainingseinheiten ein Schüler in einem bestimmten Zeitraum absolviert hat. Wer es versäumt, sich vor dem Training in diesem System anzumelden, muss Strafliegestütze machen – wie viele, liegt im Ermessen des Trainers. Und der Trainer meiner Tochter ist bekannt dafür, dass er in dieser Frage keine Ausreden hören will. Ich erinnere mich da an einen Fall, wo ein Junge aus der Trainingsgruppe der 9- bis 11jährigen zu einer Erklärung ansetzte, wieso er sich nicht habe einchecken können, und der Sensei ihm kurzerhand das Wort abschnitt: "Macht ja nichts, Liegestütze sind nicht teuer, gib mir 15 Stück und alles ist gut." Der Junge gehorchte, und danach ließ der Trainer die ganze Gruppe 20 Liegestütze machen. Als der Junge daraufhin einwandte, er habe doch schon 15 gemacht, erwiderte der Trainer ungerührt: "Ja, und jetzt fängst du nochmal bei Null an." Warum erzähle ich das hier? Weil ich den Eindruck habe, die Kinder lassen sich diese Behandlung von ihrem Sensei nicht bloß gefallen, sondern sie finden das sogar gut. Weil es ihre Motivation erhöht – weil sie ihrem Trainer zeigen wollen, was sie drauf haben und dass sie sich nicht unterkriegen lassen. "Die Übungen werden übrigens nicht leichter mit der Zeit", habe ich den Sensei mal zu seinen Schülern sagen hören, "sondern ihr werdet stärker. Ihr seid nicht hier, weil ihr ein leichtes Leben haben wollt, sondern weil ihr stärker werden wollt."
Und nun vergleiche man das mal mit den Angeboten der post-volkskirchlichen Kinder- und Jugendpastoral – wo wohl kaum jemand auf die Idee käme, man könnte die Zielgruppe dazu motivieren, mehrmals pro Woche an Angeboten teilzunehmen; selbst einmal pro Woche gilt vielfach schon als kaum zumutbar. Und insbesondere meidet man alles, was irgendwie nach Leistungsdruck aussehen könnte. Dabei wird jedoch verkannt, dass man junge Menschen – oder Menschen überhaupt – nicht motivieren kann, wenn man ihnen nichts abverlangt; und dass es auch kein Zeichen von Wertschätzung ist, effektiv zu sagen "Wir machen euch ein Angebot, aber ob ihr da mitmacht oder nicht, ist uns im Grunde egal". Sehr richtig erkannt haben das übrigens die Pfadfinder – jedenfalls die von der KPE; wie es in dieser Hinsicht bei DPSG und VCP zugeht, kann ich nicht beurteilen. Was den Zusammenhang zwischen Disziplin, Verantwortungs- bzw. Pflichtbewusstsein und Motivation angeht, sehe ich durchaus Parallelen zwischen dem, was meine Tochter bei den KPE-Wölflingen lernt, und dem, was ihr in der Kampfsportschule vermittelt wird. Möglicherweise fällt mir das umso mehr ins Auge, als sie, wie schon angedeutet, eine Schule besucht, in der Disziplin und Leistung eher nicht so groß geschrieben werden. Man könnte denken, dass es ihr vor diesem Erfahrungshintergrund eher schwerer fiele, sich in die – wie ich es bei früherer Gelegenheit mal genannt habe – "ritualisierte Disziplin" der Wölflinge und des Budō einzufügen, als anderen Kindern, die von KiTa und Regelschule geprägt sind. Aber das ist offensichtlich nicht der Fall. Ich würde da mal die Arbeitshypothese wagen, dass gerade die von KiTa und Regelschule geprägten Kinder eher geneigt sind, Regeln als Zwang zu empfinden. Bei den Pfadfindern wie auch beim Kampfsport geht es aber um freiwillige Selbstverpflichtung: Meine Tochter geht da hin, weil sie es WILL – aber indem sie sich zum Mitmachen entscheidet, verpflichtet sie sich auch dazu, sich an die dort gelten Regeln zu halten. Und sie macht die Erfahrung: Die Regeln zu befolgen, führt zu Lernfortschritt. Lernfortschritt bedeutet, man kann etwas, was man vorher nicht konnte. Man hat mehr Möglichkeiten, also mehr Freiheit. Disziplin führt zu Freiheit. Irre, oder?
Vom Thema "post-volkskirchliche Kinder- und Jugendpastoral", auf das ich eigentlich hinauswollte, bin ich jetzt ziemlich weit abgekommen; aber ich bin geneigt zu sagen: Genau das – dass sich die obige Erkenntnis nicht so ohne Weiteres auf die Jugendpastoral-Angebote der Großkirchen beziehen lässt – verweist auf ein Problem, das diese Angebote haben. Wozu sollen die Kinder oder Jugendlichen da überhaupt motiviert werden, was können sie da lernen, was ihnen neue Möglichkeiten eröffnet? Dass diese Frage nicht so leicht zu beantworten ist, ist ein Problem.
Sprechen wir daher mal über ein Format von Kinderkatechese, bei dem es noch vergleichsweise einleuchtend ist, dass es da darum geht, etwas zu lernen, und bei dem folgerichtig auch gewisse Anforderungen an die Kinder gestellt werden; und damit meine ich den Erstkommunionunterricht. Es ist wohl nicht gerade abwegig, dass ich im Zusammenhang mit dem elektronischen Check-in-System der Kampfsportschule, von dem weiter oben die Rede war, an die Erstkommunionkinder denken musste, die am Ende der Sonntagsmesse in die Sakristei stürmen, um sich für ihre Teilnahme an der Messe einen Stempel geben zu lassen. Wozu ich anmerken muss, dass mir dieses Stempelsystem – also dass man festlegt, wie oft die Kinder bis zur Erstkommunion mindestens am Gottesdienst teilnehmen müssen, und die Einhaltung dieser Vorgabe mittels eines Stempelhefts kontrolliert – nicht so recht gefällt: Ich sehe darin die Gefahr, dass die Heilige Messe als etwas wahrgenommen wird, was man "absitzen" muss, um seinen Stempel zu bekommen, und wenn man die geforderte Anzahl an Stempeln zusammen hat, "muss" man da nicht mehr hin. Wieso sagen wir nicht, wir erwarten, dass die Erstkommunionkinder jeden Sonntag in die Messe kommen; wenn sie aus wichtigen Gründen verhindert sind, sollen die Eltern ihnen eine Entschuldigung schreiben; und unentschuldigt dürfen sie nicht öfter als, sagen wir, dreimal fehlen? – Ja, ich ahne schon, dass da jetzt Leute sagen werden, das wäre zu krass und würde am Ende womöglich gar dazu führen, dass die Eltern mit ihren Kindern lieber in eine andere Pfarrei gehen, wo sie die Erstkommunion billiger kriegen. Ich würde darauf erwidern, diese Sichtweise ist selbst Teil des Problems. Wie schon gesagt: Man kann niemanden motivieren, ohne ihn zu fordern. Sehr viel ernster zu nehmen sind sakramententheologische Einwände – die man in dem Satz zusammenfassen könnte: Der Zugang zu den Sakramenten sollte nichts sein, was man sich durch Leistung verdienen muss. Da würde ich sagen: Das ist richtig, aber wenn man diesen Einwand ernst nimmt, dann stellt er den Erstkommunionunterricht insgesamt in Frage. Die wirklich zwingenden Voraussetzungen, um Kinder zum Empfang der Eucharistie zuzulassen, sind im Grunde recht überschaubar: Sie müssen zunächst einmal getauft sein, müssen wissen und verstehen, dass sie in der Kommunion den wirklichen Leib Christi empfangen, und da sie vor der Kommunion zur Beichte gehen sollen, ist es zudem notwendig, ihnen Grundlegendes zu Sünde und Gewissenserforschung beizubringen. Alles andere, was im Erstkommunionunterricht sonst noch vorkommt, dürfte daher eigentlich nicht verpflichtend sein. Das heißt – und an dem Punkt war ich eigentlich vor Jahren schon mal –, das eigentliche Problem ist, dass im post-volkskirchlichen Normalbetrieb die Sakramentenkatechese praktisch die einzige Katechese ist, die überhaupt stattfindet. Den Umstand, dass Eltern ihre Kinder zur Erstkommunion gehen lassen wollen, nutzt man, um die Kinder auf dem Weg dahin zu soundsoviel Stunden Katecheseunterricht 0,33 zu verpflichten, und für die Firmung gilt Analoges. Man kann das, wenn man gerade streitlustig drauf ist, durchaus als einen Missbrauch des Sakraments bezeichnen. Andersherum ausgedrückt ist auch das wieder ein Motivationsproblem: Man glaubt nicht daran, dass man Kinder oder auch Jugendliche zur Teilnahme am katechetischen Unterricht "kriegen" kann, wenn man ihnen und ihren Familien nicht als Bonbon eine rauschende Abschlussfeier in Form der Erstkommunion bzw. der Firmung anbieten kann. – Ich will an dieser Stelle gar nicht viele Worte darüber verlieren, welchen Stellenwert die Erstkommunion, mehr noch als die Firmung, in der säkularisierten Volksfrömmigkeit des Kulturkatholizismus hat; diesen Aspekt setze ich als bekannt voraus. Gerade das könnte aber ein weiteres Argument dafür sein, das "Pflichtprogramm" der Erstkommunionvorbereitung strikt auf das Wesentliche zu beschränken, gleichzeitig aber zusätzliche Angebote für die zu machen, die mehr wollen. Spannend wird's da natürlich bei der Frage: Wie mache ich den Kindern begreiflich, dass sie mehr wollen SOLLTEN? – Und natürlich auch ihren Eltern, denn ohne dass die mitziehen, wird's schwierig. Was die Rolle der Eltern angeht, ist auch wieder der Vergleich mit der Kampfsportschule erhellend, denn die Eltern (oder andere Familienmitglieder; in unserem Fall z.B. schießen meine Schwiegermütter etwas zu) lassen sich das regelmäßige Training der Kinder einiges kosten. Man darf wohl unterstellen, dass die meisten Eltern dies als eine Investition in die Zukunft ihrer Kinder betrachten; das heißt, sie hoffen und erwarten, dass die Kinder durch das Training etwas fürs Leben lernen – auch über die rein körperliche Ertüchtigung hinaus. Wie ich schon mal erwähnt habe, wirbt die Kampfsportschule damit, ihren Schülern auch ein "gesteigertes Selbstbewusstsein, -vertrauen und -verantwortung" sowie nicht zuletzt einen "moralischen Kompass" zu vermitteln; und nachdem ich seit einigen Monaten mehrmals pro Woche dort bin, bin ich überzeugt, dass das nicht nur eine Werbebehauptung, sondern ein sehr ernsthafter Anspruch ist. Auch wenn Eltern darauf Wert legen, dass ihre Kinder in der Schule gute Leistungen bringen, und gegebenenfalls bereit sind, Geld für Nachhilfeunterricht auszugeben, geht es wohl in den meisten Fällen weniger darum, sich mit guten Zeugnisnoten zu "schmücken", als vielmehr um die Zukunftsperspektiven, die eine gute Schulbildung den Kindern eröffnen soll. Wäre es da nicht schön, wenn man Eltern davon überzeugen könnte, dass ihre Kinder bei katechetischen und pastoralen Angeboten ihrer Kirchengemeinde etwas für ihr EWIGES Leben lernen?
(Dafür, dass es nicht unbedingt notwendig ist, zunächst die Eltern zu überzeugen, ihre Kinder zu katechetischen Angeboten zu schicken, sondern dass es auch umgekehrt funktionieren kann – dass die Kinder ihre Eltern überzeugen, sie da hingehen zu lassen –, könnte ich ein paar Beispiele vom JAM, dem wöchentlichen Kinderprogramm der EFG The Rock Christuskirche in Berlin-Haselhorst, anführen. Mal wieder so ein Fall, wo man geneigt sein mag zu fragen: Wenn das bei den Freikirchlern funktioniert, warum dann nicht auch "bei uns"?)
Fragen wir also einmal ganz direkt: Wie könnte oder sollte man das Ziel benennen, das zu erreichen die Teilnahme an katechetischen Angeboten die Kinder und Jugendlichen befähigen soll? Eine griffige Antwort könnte lauten: heilig zu werden. Ich habe auf meinem Blog schon mehrfach ein Buch erwähnt, das ich von meiner Oma zur Erstkommunion geschenkt bekommen habe – "Fromme Geschichten für kleine Leute" von Josef Quadflieg. Da heißt es im Vorwort:
"[W]ir alle können heilig werden. Ja, Gott will es sogar. Daß wir heilig werden, ist der Wille Gottes. [...] Zum Gutsein gehören keine schiefgeneigten Köpfchen und auch keine immerfort gefalteten Hände; zum Gutsein gehört der Mut, bei Gebet und Spiel und Arbeit immer und überall Gott zu ehren und zu lieben, um wie er heilig sein zu dürfen. Das weiße Gewand, das Zeichen der Freude über Gott, wird uns dazugegeben, wenn wir in den Himmel kommen. Heimlich tragen wir es wohl jetzt schon: das unsichtbare Kleid der Gnade Gottes, die uns in der Taufe geschenkt wurde. Vorerst aber werden andere Kleider getragen: Arbeitsanzüge, Kittelschürzen, Sporthemden, Uniformen, Lodenmäntel, Kordhosen [...]! Wir müssen versuchen, in diesen Kleidern heilig zu werden. Gott will es so."
Trauen sich heutige Katecheten noch, Kindern so etwas zu sagen? Wenn nicht: Hat das vielleicht damit zu tun, dass sie selbst Schwierigkeiten haben, daran zu glauben? –Man könnte auch mal darüber reden, dass Jesus Seinen Jüngern verheißen hat "Wer an mich glaubt, der wird die Werke auch tun, die ich tue, und wird größere als diese tun" (Joh 14,12) und "Wenn ihr Glauben habt wie ein Senfkorn, dann werdet ihr zu diesem Berg sagen: Rück von hier nach dort! und er wird wegrücken" (Mt 17,21). Da müsste man als Katechet dann ehrlicherweise hinzufügen "Das mit dem Berge-Versetzen habe ich selber auch noch nicht hingekriegt, daran könnt ihr sehen, dass ich auch noch was zu lernen habe. Ich lerne mit euch zusammen." Meiner Erfahrung zufolge schätzen Kinder und Jugendliche diese Art von Offenheit. – Und schließlich fällt mir dazu noch ein Zitat von Papst Benedikt XVI. ein, das in einer nicht ganz wortgetreuen, aber sinngemäßen und griffigen Fassung in den Sozialen Medien kursiert:
"Die Welt bietet euch Bequemlichkeit, aber ihr seid nicht für Bequemlichkeit geschaffen – ihr seid für Größe geschaffen."
So ähnlich hätte das auch der Kampfsportlehrer meiner Tochter sagen können.


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