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Mittwoch, 27. Juni 2018

Ich weiß, was du von '33 bis '45 getan hast

Am Morgen nach meiner Ankunft in Nordenham stolperte ich in der Kreiszeitung Wesermarsch (meine Mutter hat ein Abo) über einen umfangreichen Artikel mit der Überschrift "Historiker soll bei Straßennamen helfen". Man könnte sagen, das sei etwas ungelenk formuliert; jedenfalls lässt die Formulierung nicht wirklich erkennen, worum es tatsächlich geht: In Nordenham steht derzeit die Frage im Raum, ob zwei nach lokalen Persönlichkeiten benannte Straßen wegen der allzu unkritischen Haltung der  beiden Namenspatrone zum Nationalsozialismus umbenannt werden sollten. Und nun soll der ortsansässige Historiker Dr. Timothy Saunders ein Gutachten erstellen, das bei der Entscheidungsfindung in dieser Frage helfen soll. 

Genauer gesagt handelt es sich um eine Straße in einem Wohngebiet im Ortsteil Abbehausen sowie einen Fahrrad- und Wanderweg, der auf dem früheren Bahndamm der Butjadinger Bahn von Nordenham über Abbehausen nach Stollhamm führt. Den letzteren Weg war ich noch am Abend vor dem Erscheinen dieses Zeitungsartikels ein kleines Stück entlangspaziert; es ist wirklich idyllisch dort.


Benannt ist dieser Weg seit 1973 nach dem Volksschullehrer, Dichter und Heimatforscher Erich Lampe (1902-1940); die andere umstrittene Straße trägt den Namen Eduard Krügers (1892-1968), ebenfalls Lehrer von Beruf, aber ebenfalls hauptsächlich für sein Engagement in der Heimatbewegung bekannt und geehrt. Beide publizierten zahlreiche heimatkundliche Zeitungs- und Zeitschriftenartikel während der Herrschaft des Nationalsozialismus, und genau da fangen die Probleme an.

Der eingangs erwähnte Zeitungsartikel war nicht der erste, durch den ich von der Straßenumbenennungs-Diskussion erfahren habe. Den Auftakt zu dieser Debatte bildete die Vorstellung eines Buches des Historikers Dr. Joachim Tautz mit dem Titel "Rüstringer Heimatbund und Nationalsozialismus", über die die Nordwest-Zeitung am 17. November 2017 unter der Überschrift "Der Heimatbund macht 'reinen Tisch'" berichtete. Der in Nordenham ansässige heimatkundliche Verein hatte diese Studie in Auftrag gegeben, um anlässlich seines 125jährigen Bestehens ein heikles Kapitel seiner eigenen Vereinsgeschichte aufzuarbeiten. Das Buch erschien in der Reihe "Rüstringer Bibliothek" als "Jahresgabe" für die Vereinsmitglieder, und auf diese Weise habe auch ich ein Exemplar erhalten. 

"Die Quintessenz" von Tautz' Arbeit ist, dem NWZ-Artikel vom 17.11.2017 zufolge, "dass der Verein nach 1933 schnell ins nationalsozialistische Lager schwenkte": "Er übernahm ohne Wenn und Aber deren Geschichtsdeutung und gliederte sich in derselben Weise in nationalsozialistische Dachorganisationen ein." Diese Erkenntnis ist an und für sich erst mal überhaupt nicht neu. Bereits in dem 1991 im Vorfeld des 100jährigen Vereinsjubiläums erschienenen Band "Rüstringen - Das Land in dem wir leben" hatte der Journalist Adolf Blumenberg einige Belege für die betont regimefreundliche Haltung des Heimatbundes in der Zeit der NS-Diktatur zusammengetragen; und davon, dass aussagekräftige zeitgenössische Quellen jedem, der sich dafür interessiert, frei zugänglich sind - und zwar sowohl im Archiv des Rüstringer Heimatbundes selbst als auch im Archiv der Kreiszeitung Wesermarsch, die bis 1945 Butjadinger Zeitung hieß und deren damaliger Herausgeber Elimar Böning von 1930-1961 zugleich Vorsitzender des Rüstringer Heimatbundes war -, konnte ich mich persönlich überzeugen, als ich im Winter 2003/2004 für meine theaterwissenschaftliche Magisterarbeit "Mundarttheater als 'Volkstumspflege' - Heimatbewegung und Laienspiel in der Wesermarsch 1920-1945" recherchierte. Der ideologischen Ausrichtung der Niederdeutschen Heimatbewegung - insbesondere in ihrer lokalen Ausprägung in Gestalt des Rüstringer Heimatbundes - kommt in dieser Arbeit erhebliche Bedeutung zu, und ich habe mit Befriedigung zur Kenntnis genommen, dass Joachim Tautz meine Magisterarbeit im Literaturverzeichnis seines Buches aufführt und mehrfach in Fußnoten auf sie verweist. 

Aber genug der persönlichen Eitelkeit und zurück zur Sache: Viel bedeutsamer als die persönlichen Nazi-Verstrickungen einzelner Akteure ist der Umstand, dass in der gesamten Niederdeutschen Heimatbewegung - verstärkt in der Zeit nach dem I. Weltkrieg - ein mythisch überhöhter Begriff von "Volkstum" vorherrschte, der für allerlei völkisch-reaktionäre Ideologisierungen offen war, und diese Affinitäten wurden von den Nazis besonders in der Frühzeit ihrer Herrschaft - etwa bis 1937 - gern propagandistisch bedient und ausgeschlachtet. Es gäbe durchaus Argumente dafür, die Niederdeutsche Heimatbewegung der 1920er und frühen 30er Jahre insgesamt als "präfaschistisch" einzuordnen -- andererseits aber auch wiederum gute Gründe, ein solches Pauschalurteil zu hinterfragen. Inwieweit für die Haltung der Heimatbewegung zum Nationalsozialismus illusorische Hoffnungen, taktisch-opportunistische Erwägungen oder auch Missverständnisse auf beiden Seiten eine Rolle gespielt haben mögen, ist ein äußerst komplexes Thema, umso mehr, als der Nationalsozialismus in ideologischer Hinsicht keinesfalls ein monolithisches Gebilde war, sondern diverse recht disparate und einander zum Teil sogar widersprechende Elemente in sich vereinigte. In meiner Magisterarbeit habe ich einiges an Tinte und Gehirnschmalz auf diese Zusammenhänge verwendet, und auch Tautz geht in seinem Buch durchaus darauf ein; allerdings setzen der Umfang und der thematische Schwerpunkt seiner Arbeit - sowie die Ausrichtung auf ein nicht unbedingt einschlägig vorgebildetes Publikum - einer differenzierten Diskursanalyse verständlicherweise Grenzen.

Gleichwohl ist Tautz' Buch zweifellos eine verdienstvolle Arbeit, und der Rüstringer Heimatbund verdient Lob und Anerkennung dafür, dass er diese Studie in Auftrag gegeben und veröffentlicht hat. Problematisch erscheint es jedoch, dass die durch diese Veröffentlichung angestoßene öffentliche Debatte sich nur allzu bald nahezu ausschließlich auf Erich Lampe und Eduard Krüger konzentrierte, deren heimatkundliche Publikationen Tautz lediglich exemplarisch heranzieht, um NS-nahe Positionen in der Heimatforschung aufzuzeigen. 

Nachdem es in dem weiter oben bereits zitierten NWZ-Artikel hieß, Lampe und Krüger hätten "nach den Recherchen von Joachim Tautz nationalsozialistische Propaganda in ihre Artikel eingeflochten und sich antisemitisch geäußert, ohne dass irgendeine Notwendigkeit oder Zwangslage dazu bestanden hätte", berichtete dieselbe Zeitung gut eineinhalb Monate später, am 5. Januar 2018, unter der Überschrift "Heimatforscher mit brauner Vergangenheit", Rat und Verwaltung der Stadt Nordenham dächten angesichts dieser Forschungsergebnisse über eine Umbenennung von Erich-Lampe-Weg und Eduard-Krüger-Straße nach. Ein Folgeartikel am 12. Januar, nüchtern "Diskussion um neue Straßennamen" betitelt, lässt einige Lokalpolitiker zu Wort kommen, die "die bisherige Namensgebung sehr kritisch" sehen und "vor allem die rassistischen und judenfeindlichen Äußerungen der beiden Heimatforscher" als "nicht akzeptabel" einschätzen. "Ich habe ein großes Problem damit, wenn bekennende Nazis mit Straßennamen geehrt werden", wird etwa der "Nordenhamer SPD-Ratsherr und Geschichtslehrer Nils Humboldt" zitiert.

Das Ärgerliche und Kontraproduktive an dieser Verengung der Debatte liegt darin, dass sie im Grunde nur von den größeren Zusammenhängen ablenkt: Einer ernsthaften Aufarbeitung der NS-Vergangenheit müsste es vor allem darum gehen, Kontinuitäten aufzuzeigen -- also etwa einerseits der Frage nachzugehen, wie agrarromantisch gesonnene Konservative dazu veranlasst werden konnten, mit einer extremistischen und verbrecherischen Bewegung wie dem Nationalsozialismus zu sympathisieren, und sich andererseits der Tatsache zu stellen, dass nach 1945 trotz aller Entnazifizierungs-Bemühungen zahlreiche ehemalige Nazis oder Nazi-Sympathisanten weiter wichtige Positionen in Verwaltung, Wirtschaft, Bildungswesen und anderen gesellschaftlichen Bereichen ausüben und allseits geschätzte und geachtete Mitglieder der bürgerlichen Gesellschaft bleiben konnten. Wer glaubt, man könne durch die Umbenennung von Straßen das Übel bannen, der legt im Grunde ein Geschichtsverständnis an den Tag, das die 12 Jahre der NS-Diktatur lediglich als "Vogelschiss in über 1000 Jahren erfolgreicher deutscher Geschichte" (A. Gauland) betrachtet: als einen Schandfleck, den es durch die symbolische Bestrafung einiger weniger Sündenböcke zu tilgen gilt, damit alle anderen in Ruhe weiterleben können.

"Damnatio memoriae", "Verdammung des Andenkens", nannte man dieses Vorgehen in der Antike. Im alten Ägypten wurde in einigen Fällen sogar die Zeitrechnung geändert, um einen bei der Nachwelt in Ungnade gefallenen Pharao aus der Geschichte hinauszuschreiben. Aber natürlich sind Eduard Krüger und Erich Lampe keine Pharaonen. Diese beiden unwürdigen Straßennamenspatrone spielen eher die Rolle des peinlichen Onkels auf der Familienfeier, der gerade dadurch so peinlich ist, dass er eben zur Familie gehört. Die anderen Familienmitglieder wissen: So sehr ich auch versuchen mag, mich von ihm zu distanzieren -- etwas von ihm steckt auch in mir.

Wenn die Debatte nun jedoch partout auf die persönliche Gesinnung zweier Heimatkundler zugespitzt werden soll, dann erscheint es umso mehr geboten, zwischen Lampe und Krüger zu differenzieren. Nicht nur, weil Erich Lampe bereits 1940 im Alter von nur 38 Jahren starb und somit die grausamsten Resultate des NS-Terrorregimes gar nicht mehr miterlebte, während Eduard Krüger noch bis 1968 lebte und somit reichlich Zeit gehabt hätte, sich von seiner nazi-freundlichen Haltung zu distanzieren -- was er aber offenbar nie getan hat. Dies verhinderte indes nicht, dass er 1957 das Bundesverdienstkreuz erhielt und noch 1962 zum Vorsitzenden des Rüstringer Heimatbundes gewählt wurde. Erst unter seinem Nachfolger Hans Meiners setzten im RHB Bemühungen um einen modernen, von völkisch-reaktionären Vorstellungen befreiten Heimatbegriff ein; exemplarisch deutlich wird dies an dem programmatischen Vortrag "Welt und Heimat", den Meiners bei der 75-Jahr-Feier des Heimatbundes am 7. Mai 1967 hielt und in dem er sich zur Begründung des Werts von Heimat u.a. auf die Philosophen George Santayana und Karl Jaspers beruft und "Gemeinsinn", "Freisinn" und "Rechtsempfinden" als Früchte der "demokratischen Tradition in Friesland" hervorhebt. Einen klaren Bruch mit der Vergangenheit seines Vereins vermeidet er jedoch; sowohl Lampe als auch Krüger werden in der Ansprache lobend erwähnt. Es ist anzunehmen, dass Eduard Krüger bei dem Vortrag anwesend war. 

Den Eindruck, dass man die beiden Heimatforscher hinsichtlich ihrer Einstellung zum Nationalsozialismus nicht gänzlich auf eine Stufe stellen sollte, unterstreicht auch die Lektüre von Joachim Tautz' Buch, das aus Lampes Werken nur einige wenige Belege für eine mit dem NS-Regime und dessen Ideologie symathisierende Haltung anführt; ohne diese Äußerungen etwa beschönigen zu wollen - und trotz der Tatsache, dass Lampe in mehreren nationalsozialistischen Verbänden (NS-Volkswohlfahrt, NS-Kulturgemeinde, NS-Lehrerbund) aktiv und ab 1937 Parteimitglied war -, lässt sich doch feststellen, dass die NS-konformen Äußerungen Eduard Krüger nicht nur zahlreicher, sondern auch inhaltlich erheblich krasser sind. Tautz merkt dies explizit bei seiner Gegenüberstellung antisemitischer Tendenzen in den Aufsätzen "Frühe Judengesetze in Oldenburg" von Lampe (1938) und "Bettler, Landstreicher und Juden" von Krüger (1939) an.

Dass Eduard Krüger in "Bettler, Landstreicher und Juden" unverhohlene antisemitische Hetze betrieb, ist übrigens keine bahnbrechend neue Erkenntnis. Im Jahr 2008 erschien in der NWZ anlässlich des 100jährigen Jubiläums der Stadtgründung Nordenhams eine Artikelserie zur Stadtgeschichte, und die 16. Folge dieser Reihe - betitelt "Wenn nachts die SA an der Tür klingelt" - drehte sich um die nationalsozialistischen Judenverfolgungen. Schon da wurde Krügers besagter Aufsatz als Beispiel für antisemitische Propaganda in der Lokalpresse herangezogen.

Trotz alledem hat Eduard Krüger in der Straßenumbenennungsfrage einen Vorteil: In "seiner" Straße wohnen Leute. Das heißt, im Fall einer Umbenennung würden sich deren Adressen ändern. So etwas ist aufwändig und kostet Geld. Der Erich-Lampe-Weg hingegen hat keine direkten Anwohner, was eine Umbenennung unter praktischen Gesichtspunkten erheblich unproblematischer machen würde. 

Ich gebe zu, dass ich in dieser Sache nicht unparteiisch bin: Ich hege eine gewisse Sympathie für Erich Lampe, seit ich mich im Rahmen der Recherchen für meine Magisterarbeit mit seinem Leben und Werk auseinandergesetzt habe. Für das Thema meiner Arbeit war er insofern von Belang, als er das mundartliche Laientheater in der nördlichen Wesermarsch als Kritiker, Autor und Bühnenleiter mitprägte. Als Vorsitzender des Turnvereins Abbehausen (ab 1926) baute er eine Theatersparte dieses Vereins auf, mit der er sogar der "Speeldeel" des Rüstringer Heimatbundes, die von einem weiteren Volksschullehrer und späteren NSDAP-Mitglied, Fritz zu Klampen, zu einer "Musterbühne" des plattdeutschen Laienspiels aufgebaut worden war, Konkurrenz machte: 1930 schnappte Lampe der RHB-Speeldeel die Aufführungsrechte für das Erfolgsstück der Saison, August Hinrichs' "Swienskomödi", praktisch vor der Nase weg (obwohl er gleichzeitig auch Vorstandsmitglied im RHB war). Ebenso wie zu Klampen legte Lampe Wert auf ein anspruchsvolles, im Sinne der Heimatbewegung "kulturell wertvolles" Mundarttheater, in scharfer Abgrenzung zu einer Laienspielpraxis, die mit seichter Unterhaltung lediglich dem Anheizen der Stimmung auf Vereinsfeiern dienen sollte. Lampe selbst schrieb mindestens fünf Theaterstücke, von denen drei als Originalmanuskripte im Archiv des Rüstringer Heimatbundes erhalten sind; ich habe sie selbst in der Hand gehabt. Und leichte Unterhaltung ist das wahrlich nicht: Es handelt sich um eine düstere Schicksalstragödie ("De Leewde", 1925), ein historisches Festspiel ("Edo Boling", ebenfalls 1925) und ein märchenhaftes Singspiel mit traurigem Ende ("Waterwiefken", 1928). Alles ein bisschen überambitioniert, sodass die Grenze zur unfreiwilligen Komik - zumindest aus heutiger Sicht - zuweilen nicht sehr fern ist; aber auf jeden Fall sehr eigenwillig und kraftvoll. 

Daneben, und neben seinen von Joachim Tautz untersuchten heimatkundlichen Aufsätzen, verfasste Lampe zahlreiche Gedichte, Erzählungen und Prosaskizzen in hoch- und plattdeutscher Sprache; häufig wiederkehrende Themen sind dabei magisch-dämonische Kräfte in der Natur sowie Wechselwirkungen zwischen Naturkräften und den Abgründen der menschlichen Psyche. Inwieweit gerade seine Vorliebe für das Düstere und Unheimliche und der Glaube an eine "schicksalhafte" Verbindung von Mensch und Natur eine gewisse Anfälligkeit für faschistoide Ästhetik und Propaganda bedingt haben mögen, wäre eine Frage, der detaillierter nachzugehen sich lohnen könnte. Den umfangreichen literarischen Nachlass des Autors besitzt der Rüstringer Heimatbund; ich könnte mir gut vorstellen, daraus eine mit stoff- und motivgeschichtlichen sowie ideologiekritischen Anmerkungen versehene Werkausgabe zusammenzustellen. Der Deutlichkeit halber: Wenn ich sage, ich könnte mir das gut vorstellen, meine ich damit, ich wäre bereit, das zu machen. Vorausgesetzt, der Rüstringer Heimatbund macht dafür ein Stipendium locker. Vielleicht schießt ja auch das Institut für Niederdeutsche Sprache in Bremen etwas zu. Und/oder die Oldenburgische Landschaft. Oder sogar der Turn- und Sportverein Abbehausen

Abschließend: Ob ein Fahrrad- und Wanderweg, den die Einheimischen unter sich üblicherweise ohnehin nur "den Bahndamm" nennen, weiterhin offiziell Erich Lampes Namen trägt, ist an und für sich ziemlich unerheblich. Allerdings befürchte ich, dass ein solcher symbolischer Akt der damnatio memoriae letztlich darauf abzielt, den Namensgeber insgesamt aus dem kollektiven Gedächtnis zu löschen. Und dafür ist Erich Lampe, mitsamt seinen problematischen Charakterzügen und Einstellungen, für mein Empfinden schlichtweg zu interessant


Kommentare:

  1. Wenn Straßen nach bestimmten Personen benannt werden, dann ist dies ja - zumindest im Bewußtsein der Bevölkerung - eine Ehrerweisung gegenüber den betreffenden Personen. Insofern habe ich ein gewisses Verständnis dafür, wenn dies bei nicht unproblematischen Verstrickungen z.B. zum Nationalsozialismus in Frage gestellt wird (was macht man aber bei mittelalterlichen und neuzeitlichen Feldherren, die auch kräftig gemetzelt haben?). Deutlich wird aber auch, daß - und so hast Du es ja auch beschrieben - sich dabei manche derart um Stellvertreter und Sündenböcke zu bemühen scheinen, weil die Vergangenheit als etwas unangenehmes empfunden wird, die einen nach Möglichkeit in Ruhe lassen sollte. Die Argumentation beim Abhängen von Hakenkreuzglocken ist da für mich so ein Beispiel.

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  2. Nun ja, den Wunsch nach einer differenzierten Sicht in allen Ehren -

    aber bei Straßennamen geht es doch darum nicht. Bei Straßennamen geht es um Heldenverehrung ohne Hintergedanken (weshalb der hin und wieder gesehene "Kompromißvorschlag", irgendwelche Gedenktäfelchen an die Straßenschilder dranzuhängen, auch keinen Zug hat). Wenn also jemand, der weder vor 1933 verstorben noch nach 1925 geboren ist, im Zweifel keine Straße bekommt, dann ist das eben so und dient der Vermeidung von Diskussionen, die man - hier - halt nicht führen will. (Damnatio memoriae war gewissermaßen immerhin eine etablierte Kulturtechnik; vielleicht steckte ja etwas drin in dieser Idee der Alten - und sie wurde in der Regel nicht wegen Annahme der *Unbedeutendheit* der damnierten Person ausgeübt, dies zum Thema Gauland und Vogelschiß).

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