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Samstag, 3. September 2016

17. September: Auf die Straße für das Leben!

Plakat auf dem Marsch für das Leben 2015
Meine Blogstatistik verrät mir, dass mein Bericht über den Marsch für das Leben vom letzten Jahr in den vergangenen Wochen wieder verstärkt Zugriffe verzeichnet hat. Was sich wohl unschwer damit erklären lässt, dass der nächste Marsch schon wieder vor der Tür steht: In zwei Wochen, am 17. September, ist es soweit. Grund genug für Verfechter des Lebensschutzes wie auch für deren Gegner, im Internet verstärkt nach Beiträgen zu diesem Stichwort zu suchen; und aus Erfahrung habe ich Grund zu der Annahme, dass beide Seiten meinen Blog lesen. 

Immerhin: Neue Beschimpfungen sind auf meinem Blog in jüngster Zeit nicht eingegangen. 

Überhaupt habe ich dieses Jahr im Vorfeld des Marschs für das Leben von der Gegenseite vergleichsweise weniger gehört als den letzten Jahren. Zum Teil liegt das sicher daran, dass ich erst vor ein paar Tagen aus Santiago de Compostela zurückgekehrt bin. Zum Teil vielleicht aber auch daran, dass in Berlin Wahlkampf ist und die üblichen Verdächtigen eher damit beschäftigt sind, AfD-Flyer aus Druckereien zu klauen oder dergleichen. 

Genauer gesagt findet die Wahl zum Berliner Abgeordnetenhaus sogar genau am Tag nach dem diesjährigen Marsch für das Leben statt - und das könnte, wenn man es recht bedenkt, dazu führen bzw. beitragen, dass der Marsch umso mehr zum Politikum wird. Was aus meiner Sicht eher misslich wäre. Aus meiner Sicht wäre es vielmehr wünschenswert, wenn es auf dem Marsch für das Leben möglichst wenig um Politik ginge. 

Das mag eine überraschende und sogar irritierende Aussage sein, aber genau deswegen sage ich das ja. Wie also meine ich das? 

Ich meine, dass es keine politische Frage sein sollte, ob und unter welchen Voraussetzungen man Kinder töten darf. 

Eine politische Frage ist es aus Sicht derer, die ein "Recht auf Abtreibung" verfechten. Für diese geht es in der Abtreibungsfrage nämlich gerade nicht um das Töten von Kindern - sondern um "sexuelle Selbstbestimmung", um Geschlechterrollen, Familien- und Bevölkerungspolitik oder gar, im postmarxistischen Verschwörungsdenken linksradikaler Kreise, um das Gespenst eines reaktionär-patriarchalischen, religiös fundamentalistischen Gesellschaftsentwurfs. Diese Sichtweise - und nur diese - macht es ja aus Sicht der radikalen Gegendemonstranten beim Marsch für das Leben plausibel, dass die Verfechter des Lebensschutzes zwangsläufig zugleich auch "homophob", rassistisch usw. sein müssten. 

Man sollte das unbedingt ernst nehmen. Die Gegendemonstranten glauben wirklich, dass wir die Bösen sind

Und sie glauben das umso entschlossener, als sie ja andernfalls möglicherweise gezwungen wären, ihren eigenen Standpunkt in Frage zu stellen. 

Nicht umsonst wird in den Kreisen von Abtreibungsbefürwortern so ein enormer rhetorischer und sophistischer Aufwand betrieben, um die offenkundige Tatsache wegzudiskutieren, dass das, was bei einer Abtreibung aus dem Körper der schwangeren Frau "entfernt" wird, ein Menschenkind ist. Ein lebendes Kind vor der Abtreibung, ein totes Kind danach. 

Gäbe es ein größeres und breiteres Bewusstsein dafür, was Abtreibung wirklich bedeutet, dann könnte - das wage ich zu behaupten - kein normal denkender und normal fühlender Mensch sie befürworten. 

Und deshalb - und damit komme ich zu meiner Ausgangsthese - ist das keine politische Frage bzw. sollte keine sein. Es geht nicht darum, ob Abtreibung legal bzw. straffrei möglich sein sollte; es geht darum, dass Abtreibung in einer zivilisierten Gesellschaft undenkbar sein sollte. 

"Ein Land, das Abtreibung akzeptiert, lehrt seine Bürger nicht, einander zu lieben, sondern lehrt sie, Gewalt einzusetzen, um zu bekommen, was sie wollen. Darum ist Abtreibung der größte Zerstörer von Liebe und Frieden." 
Aus diesem Grund - weil ich diese Sichtweise teile und hoffe, sie auch anderen Menschen begreiflich machen zu können - ist es für mich ein Muss, auch dieses Jahr wieder zum Marsch für das Leben in Berlin zu gehen. Und ich möchte meine Leser - sofern sie die Möglichkeit dazu haben - ermutigen, das auch zu tun. 



Kommentare:

  1. Wer nicht dabei sein kann, kann immerhin für das so wichtige Anliegen und die Teilnehmer - falls möglich sogar für die Gegner um rechte Erkenntnis - beten.

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  2. Ich werde dort sicher nicht mitgehen. Nicht weil ich gegen das Leben (was immer das heißen mag) sondern für Abtreibung bin sondern weil ich die Anliegen der Veranstalter schlicht und einfach für dubios halte. Ich nehme wahr, dass es bei uns seit 1995 die Beratungsregelung gibt und das heute die Abtreibungsquote hier wesentlich niedriger ist als in Nachbarländern wie Österreich oder Holland. Umso befremdliche finde ich die deutliche Ablehnung dieses Modells durch die Veranstalter. Noch befremdlicher finde ich, dass diese noch nicht mal den Ansatz eines Konzepts haben was statt dessen kommen soll -auf der diesbezüglichen Erklärung findet sich nur belangloses blabla. "Willkommenskultur für das Leben" liest sich gut, es bringt einer jungen Frau, die am Anfang der Schwangerschaft vom Kindsvater verlassen wird nur halt sehr wenig, wenn ihr Kind Herrn Lohmann "willkommen" ist, denn letztlich wird bei dem Plan nicht viel mehr für sie rauskommen als eine Aufstockung von HarzIV um 15 Euro monatlich. Auch die Aussage "im viertreichsten Land der Welt kann es keine soziale Indikation geben" klingt logisch, in den Ohren einer Alleinerzieherin, die jedes Monatsende zum Sozialamt betteln gehen muss um sich die Heizung ihrer Wohnung leisten zu können, allerdings wie Hohn.

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    1. Was für die Frau dabei "rauskommt", ist zum Beispiel, dass sie ein lebendes Kind zur Welt bringt und kein totes und grausam zerstückeltes.

      Natürlich brauchen Frauen (oder Familien), die durch eine ungewollte Schwangerschaft in eine Notlage geraten, Unterstützung. Das ist dann schon auch eine politische Frage. Jenseits aller Detailfragen ist aber erst einmal festzuhalten, dass es niemals ein Ausweg aus einer solchen Notlage sein kann und darf, das Kind umzubringen.

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  3. Was für die Frau dabei "rauskommt", ist zum Beispiel, dass sie ein lebendes Kind zur Welt bringt. Mag sein, davon hat sie aber nichts außer Problemen, Schmerzen und gesundheitlichen Einschränkungen. Ich das ist das eigentliche Problem und nicht irgendwelche gesetzlichen Regelungen oder Verfassungsgerichts-Entscheide. Das sind alles im Wesentlichen Randpunkte.

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    1. Allerdings: dieser Zynismus - die Frage "Was bringt es MIR, einen anderen Menschen am Leben zu lassen?" - ist in der Tat "das eigentliche Problem". Insoweit gebe ich Ihnen Recht. Aber das haben Sie wohl nicht gemeint.

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    2. Es lag nicht in meiner Absicht zynisch zu sein. Mir ging es mehr um eine gesellschaftliche Perspektive. Ich habe bisweilen die Möglichkeit mit Menschen zu diskutieren, denen Lebensschutz ein Anliegen ist - in gegenseitig wertschätzender Atmosphäre so wie es sein soll. Interessant finde ich dabei immer die Aussage, dass es in jedem noch so vertrackten Fall - auch nach einer Vergewaltigung - eine Alternative zur Abtreibung gibt. Das ist auch grundsätzlich richtig. Vergessen wird dabei aber immer eine grundsätzliche Tatsache: die Alternative gibt es nur dann wenn jemand dazu bereit ist, ein Opfer zu bringen das - gerade im modernem Sozialstaat - bis zur weitgehenden Aufgabe jeglicher eigenen Lebensperspektiven reicht. Und dieser "jemand" ist in 100,00 Prozent eine Frau. Würden Männer vergleichbare Opfer bringen, dann wäre das als großartige Leistung öffentlich anerkannt. Bei Frauen wird es als selbstverständlich vorausgesetzt. Umso befremdlicher wirkt es, wenn perfekt Fasson-geföhnte ältere Männer, die in ihrem gesamten Leben noch nie für jemanden ein Opfer gebracht haben und statt dessen ihre wissenschaftliche Karriere vollzogen während ihre Frau zuhause auf die Kinder aufgepasst hat, in diesem Zusammenhang von "Selbstsucht" und "Egoismus" reden.

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  4. "Aber davon hat sie nichts außer Schmerzen, Problemen und gesundheitlichen Einschränkungen"? Sorry, aber ich kenne viele alleinerziehende Mütter, die trotz aller Probleme glücklich über das Kind sind und mit dem Kind Freude und Glück erleben.
    Natürlich darf "Willkommenskultur für das Leben" kein Schlagwort bleiben sondern muss eben bedeuten, dass den Müttern in Not dann auch wirklich alle erdenkliche Hilfe angeboten wird.
    Diese Hilfe kann heißen, die Mutter evtl. durch ein Adoptionsverfahren zu begleiten (wer das nicht will aber das Kind nicht behalten will/kann kann Babyklappen nutzen) oder eben finanzielle oder materielle Hilfe bei der Ausstattung sowie Begleitung bei Ämtergängen und/oder nachgeburtliche Betreuung. Es gibt viele Vereine die sich in dem Bereich engagieren.

    Ganz abgesehen davon - die Frage "was hat sie davon" ist genau so zynisch wie die Annahme, dass man von einem Kind nichts hätte als "Probleme, Schmerzen und gesundheitliche Einschränkungen"...

    P.S. Es gibt in Frauenhäusern und Sozialdiensten und auch bei der Caritas und verschiedenen Vereinen auch Begleitung vor der und durch die Geburt, es gibt die Möglichkeit zur anonymen Geburt und viele andere Dienste für Mütter in Not...

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  5. Beim letzten Sommerfest von KALEB habe ich mehr Pflege- und Adoptivkinder gesehen als bis dahin in meinem ganzen Leben. Soviel zum Vorwurf, Lebensschützer hätten ja bloß wohlfeile Sprüche zu bieten.

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  6. Claudia Leitner, schauen Sie doch mal in die Homepage der Stiftung " Ja zum Leben" oder verfolgen Sie mal auf der Seite "vorabtreibung.de" die mühsame und trotzdem einfühlsame Arbeit der Beraterinnen von pro femina.
    Oder erwerben und lesen Sie das Buch "Tim lebt " über den Jungen, der als sog. Oldenburger Baby seine eigene Abtreibung überlebt hat und nun schon 18 Jahre trotz Schwerstbehinderung in einer liebevollen Pflegefamilie lebt...

    Ob Sie dann noch Ihr Negativ-Urteil über angeblich praktisch untätige Lebenschützer aufrecht erhalten mögen?

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