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Mittwoch, 5. August 2015

Soylent Green ist Menschenfleisch, sagt es allen weiter!

Am 14. Juli, also vor gut drei Wochen, wurde auf YouTube ein mit versteckter Kamera gefilmtes Video veröffentlicht, das eine hochrangige Mitarbeiterin der Planned Parenthood Federation of America beim Essen zeigt. Ein Arbeitsessen offenbar, wenn auch wohl eher informell. Jedenfalls spricht Dr. Deborah Nucatola, während sie einen Salat verspeist und an ihrem Weinglas nippt, mit (vermeintlichen) potentiellen Geschäftspartnern. Das Video hat bis heute über 2,7 Millionen Aufrufe zu verzeichnen. 

Warum? 

Weil sich dieses Tischgespräch um den Handel mit Organen abgetriebener Föten dreht. 

Planned Parenthood, 1942 aus der 21 Jahre zuvor gegründeten American Birth Control League hervorgegangen, ist laut Eigenbeschreibung eine Non-Profit-Organisation, die heute in rund 700 Kliniken in den USA medizinische Dienste v.a. in den Bereichen Sexualmedizin, Gynäkologie und Familienplanung anbietet. Nicht zuletzt aber führt diese Organisation, die sich seit den 1950er Jahren für eine  Liberalisierung der Abtreibung eingesetzt hat, die mit Abstand meisten Abtreibungen in den USA durch. Sie ist eng mit der "Deutschen Gesellschaft für Familienplanung, Sexualpädagogik und Sexualberatung e.V." pro familia verbunden; beide gehören der 1952 in Bomby gegründeten International Planned Parenthood Federation an, die ihren Sitz in London hat. Die US-Regierung fördert Planned Parenthood jährlich mit bis zu einer halben Milliarde Dollar; laut Gesetz dürfen diese staatlichen Fördergelder allerdings nicht zur Finanzierung von Abtreibungen verwendet werden. 

Das am 14. Juli publizierte Video wurde von einer Gruppe produziert, die sich Center for Medical Progress nennt und von dem 26jährigen Katholiken David Daleiden gegründet wurde. Daleiden und seine Mitarbeiter recherchierten zweieinhalb Jahre lang undercover, um Planned Parenthood den Handel mit Organen abgetriebener Föten nachzuweisen. Sie gründeten sogar eine Scheinfirma, BioMax Procurement Services, um sich glaubwürdig als Kaufinteressenten für "fötales Gewebe" ausgeben zu können. 

Planned Parenthood wies die Vorwürfe zurück. Ja, es komme vor, dass fötales Gewebe aus Abtreibungen gespendet werde, für die medizinische Forschung. Dafür erhalte Planned Parenthood jedoch lediglich eine Aufwandsentschädigung, mache also keinen Profit damit; daher sei dies nicht als Handel anzusehen und somit legal. Eine Woche später erschien ein weiteres Video, das die Vorwürfe erhärtete, und Daleiden ließ durchblicken, es würden noch mehr Videos folgen - insgesamt habe man Material für etwa ein Dutzend. Inzwischen sind fünf Videos veröffentlicht, und jedes bringt neue schockierende Details ans Licht - die auch die Rechtfertigungsstrategie der Planned Parenthood-Offiziellen ins Wanken bringen: Mehrfach ist zu sehen, wie Vertreterinnen der Organisation mit ihren vermeintlichen Kunden über Preise für Organe bzw. Gewebeproben verhandeln - wie kann das sein, wenn sie doch lediglich eine "Aufwandsentschädigung" erhalten, die sich ja nach den tatsächlich entstehenden Kosten richten müsste? Mehrfach ist die Rede davon, dass man den Abtreibungsvorgang so beeinflussen könne, dass die wertvollen Organe möglichst unbeschädgt bleiben; bereits das ist ausdrücklich verboten. In den neuesten Videos mehren sich zudem die Indizien, dass Planned Parenthood sogar lebend geborene Kinder im wahrsten Sinne des Wortes "ausschlachtet". Mehrere US-Bundesstaaten haben Ermittlungen gegen die Organisation eingeleitet. -- Hier eine Auswahl informativer Berichte und lesenswerter Kommentare zum Thema, in chronologischer Reihenfolge: 


In Deutschland ist, obwohl die Enthüllungen wie gesagt bereits in die vierte Woche gehen, noch nicht sehr viel davon bei einer breiten Öffentlichkeit angekommen. Die Süddeutsche Zeitung brachte zwar schon am 16.07. einen Artikel, der die ganze Affäre aber tendenziell eher herunterspielte; etwa zehn Tage später tauchte das Thema auch auf der Internetseite des ZDF auf. Erst am Abend des 04.08. erschien ein umfangreicher und informativer Artikel in der WELT. Diese Zurückhaltung der deutschen "Leitmedien" ist allerdings wenig überraschend, wenn man bedenkt, dass es in den USA zunächst ähnlich aussah. Während einige ausgeprägt konservative und/oder Republikaner-nahe und/oder dezidiert christliche Medienformate die Enthüllungen des Center for Medical Progress ebenso rasch wie vehement aufgriffen, trauten sich die führenden Nachrichtenquellen des Landes anfangs offenbar nicht recht an die Materie heran; da kam es gelegen, dass das öffentliche Empörungspotential vorübergehend von einem Zahnarzt, der in Simbabwe einen Löwen erschossen hatte, absorbiert wurde. Da der Planned Parenthood-Skandal sich aber - angesichts immer neuer Video-Veröffentlichungen und auch dank der Sozialen Netzwerke - nicht totschwiegen ließ, gingen insbesondere liberale und/oder Demokraten-nahe Medienformate dazu über, die Verteidigungsstrategie von Planned Parenthood und dieser Organisation nahestehenden Politikern nahezu eins zu eins zu übernehmen: Die Videos seien ja geschnitten, d.h. manipuliert. (Als ob seriöse Nachrichtenquellen ihre Videos nicht schneiden würden.) Überhaupt sei die Legalität dieser Undercover-Reportage zweifelhaft. Außerdem tue Planned Parenthood doch so viel Gutes. Manch einem genügte schon der Hinweis, dass es sich um eine Kampagne von Abtreibungsgegnern handelte, um die Glaubwürdigkeit der Enthüllungen von vornherein in Abrede zu stellen. Abtreibungsgegner, das weiß doch jeder aufrechte Liberale und/oder Demokraten-Wähler in den USA, sind böse

Die amerikanische Öffentlichkeit ist in der Bewertung der Planned Parenthood-Affäre also zutiefst gespalten - ebenso gespalten wie in der Abtreibungsfrage als solcher. Wenn es nun aber so gut wie ausschließlich Abtreibungsgegner sind, die sich über den Handel mit Organen abgetriebener Kinder empört, entsetzt, erschüttert zeigen - dann kann man sich natürlich fragen: Wozu die ganze Aufregung? Wer grundsätzlich gegen Abtreibung ist, für den müsste die Tatsache der Abtreibung an sich doch viel schlimmer sein als das, was hinterher mit den Körperteilen der Abgetriebenen gemacht wird. Oder zumindest wird jemand, der Abtreibung prinzipiell ablehnt, eine Organisation wie Planned Parenthood, die nach eigenen Angaben über 300.000 Abtreibungen pro Jahr durchführt, schon verabscheuungswürdig genug finden, auch ohne dass man ihr Organhandel nachweist. Man könnte also sagen, solange die Enthüllungen des Center for Medical Progress nicht auch bei solchen Menschen, die dem Thema Abtreibung indifferent gegenüberstehen oder ein vermeintliches "Recht auf Abtreibung" sogar befürworten, eine Sinnesänderung bewirken, hat die ganze Kampagne nichts gebracht. Wie aber soll diese Sinnesänderung erzielt werden? - Dadurch, dass die Videos des Center for Medical Progress dem Betrachter auf drastische Weise vor Augen führen, dass es sich bei den "Zellhaufen", die in den Planned Parenthood-Kliniken aus den Gebärmüttern von Frauen entfernt werden, tatsächlich um Menschen handelt. 

Nun ist das etwas, das im Grunde jeder weiß. Aber Befürworter eines "Rechts auf Abtreibung" neigen dazu, diese Tatsache zu leugnen bzw. auszublenden. Das ist nur zu verständlich: Vermutlich sind nur wenige Menschen kaltblütig genug, diese Tatsache anzuerkennen und trotzdem Abtreibung gutzuheißen. Die Anderen reden sich ein oder lassen sich einreden, es handle sich nur um Ansammlungen von Zellgewebe, aus denen erst später irgendwann mal Menschen werden (bzw. würden, wenn man sie ließe), oder konstruieren abenteuerliche Unterscheidungen zwischen "personalem" und "nichtpersonalem Leben", um die alltägliche tausendfache Tötung von Ungeborenen zu rechtfertigen. 

Diese Mauer des Leugnens hofft das Center for Medical Progress mit seinen Enthüllungen über Planned Parenthood zu durchbrechen. Man könnte den Aktivisten um David Daleiden vorwerfe, sie setzten auf Emotionalisierung. Ich würde sagen: Da ist was Wahres dran, aber ich sehe nicht ein, warum das ein Vorwurf sein sollte. Wenn Tierschützer auf Facebook Videos teilen, die zeigen, unter was für entsetzlichen Bedingungen Kaninchen in Pelzfarmen gehalten werden und wie brutal sie dort getötet werden, ist das schließlich ebenfalls Emotionalisierung - und, um beim Thema zu bleiben: Auch die Befürworter von Abtreibung setzen gern auf Emotionalisierung, wenn sie darauf verweisen, was für dramatische Auswirkungen ungewollte Schwangerschaften auf das Leben von Frauen haben können. Wenn "Emotionalisierung" bedeutet, an menschliches Mitgefühl zu appellieren, kann ich sie nicht so ganz falsch finden. Natürlich nur unter der Voraussetzung, dass sie eine sachgerechte Auseinandersetzung mit dem in Frage stehenden Thema fördert und nicht etwa behindert

Will man sich dem Thema Abtreibung sachlich nähern, gilt es zunächst einmal, eine Antwort auf die leicht grönemeyeresk anmutende Frage zu finden: "(Ab) wann ist ein Mensch ein Mensch?". Dass bei der Verschmelzung von Ei- und Samenzelle ein neues, genetisch von der Mutter unterscheidbares Lebewesen entsteht, ein Organismus, der sich von diesem Moment an durch Zellteilung auszudifferenzieren beginnt (wenn er nicht daran gehindert wird), ist zunächst einmal keine Glaubensfrage oder Meinung, sondern eine biologische Tatsache. Und dass das durch die Verschmelzung menschlicher Ei- und Samenzellen entstandene Lebewesen der Spezies Mensch angehört, dürfte ebenfalls schwer zu bestreiten sein. Meinungsverschiedenheiten gibt es, wie wir wissen, darüber, ob sich aus diesen Tatsachen zwingend ergibt, dass der besagte Organismus von Anfang an ein Mensch in dem Sinne ist, dass ihm Menschenrechte zustehen. Bejaht man diese Frage, hat sich jede Debatte darüber, ob Abtreibung rechtmäßig sein könne, erübrigt. Ein Recht darauf, im Interesse der "Selbstbestimmung" eines  Menschen einen  anderen Menschen zu töten, kann es nicht geben; das wäre eine Pervertierung des Begriffs "Recht". 

(Diese Auffassung schließt übrigens keineswegs aus, Verständnis und Mitgefühl für Frauen zu haben, die sich durch eine ungewollte Schwangerschaft in einer Notlage sehen, die sie nicht anders lösen zu können meinen als durch eine Abtreibung. Sie schließt auch nicht zwingend aus, eine gesetzliche Regelung zu akzeptieren, die unter bestimmten Bedingungen - über die man im Einzelnen durchaus streiten kann - Straffreiheit für Abtreibungen gewährt. Dass Abtreibung grundsätzlich ein Unrecht ist, ist nach dieser Auffassung jedoch nicht wegzudiskutieren.) 

Abtreibung gutheißen kann man somit letztlich nur, wenn man das Wesen, das da im Bauch seiner Mutter heranwächst, nicht als einen Menschen anerkennt, ihm keine Menschenrechte zubilligt - jedenfalls bis zu einem bestimmten Stadium seiner Entwicklung. Aber wo sollte man da die Grenze ziehen? In der vorgeburtlichen Entwicklung eines Kindes gibt es zu keinem Zeitpunkt eine so klare Zäsur, dass man sagen könnte: Ab jetzt ist es ein Mensch und vorher nicht. Manche Abtreibungs-Apologeten argumentieren, die Geburt sei eine solche Zäsur. Schließlich sei dies der Zeitpunkt, ab dem das Kind nicht mehr existentiell auf den Körper seiner Mutter angewiesen ist: Zwar bedarf es weiterhin der Betreuung und Pflege, aber diese muss nicht mehr zwingend von der leiblichen Mutter geleistet werden. Allerdings ist eine Argumentation, die darauf hinausläuft, ein Kind würde erst durch den Vorgang der Geburt zum Menschen - und wäre vorher quasi nur ein Gegenstand - derart bizarr, dass es schwer fällt, darauf überhaupt einzugehen. Schließlich ist es offenkundig, dass es sich vor wie nach der Geburt um dasselbe Lebewesen handelt. Es gibt schließlich auch Frühgeburten, die beweisen, dass Kinder - bei entsprechender Betreuung und Pflege - schon Wochen oder Monate vor dem "normalen" Geburtstermin außerhalb des Mutterleibs überlebensfähig sein können. Die Geburt als den Zeitpunkt der "Menschwerdung" des Menschen anzunehmen, ist letztlich eine nicht weniger willkürliche Setzung als jeder andere Zeitpunkt.

Es liegt auf der Hand, dass das Konstrukt, demzufolge das ungeborene Kind nicht vom Moment der Zeugung an ein Mensch mit eigener Würde und eigenen Rechten sei, sondern dies erst zu einem (wie auch immer definierten) späteren Zeitpunkt werde, nicht von Fakten bestimmt ist, sondern von Opportunität. Und zwar einer Opportunität, die nicht vom Kind her, sondern von der schwangeren Frau her denkt. Es ist ja nicht zu leugnen, dass eine Schwangerschaft die Selbstbestimmung einer Frau über ihren Körper erheblich einschränkt. Was das für eine Frau bedeutet, wenn so ein kleines Wesen ihren Körper über Monate als seinen Lebensraum beansprucht, das kann ich mir als Mann überhaupt nicht vorstellen. Aber natürlich habe ich schon mal mit Frauen gesprochen, die das schon erlebt haben. Man wird wohl behaupten dürfen, dass die körperlichen und psychischen Auswirkungen einer Schwangerschaft schon dann, wenn die Schwangere das Kind will und sich darauf freut, nicht unbedingt einfach zu bewältigen sind. Bei einer ungewollten Schwangerschaft muss dieser Verlust der Herrschaft über den eigenen Körper sich naturgemäß noch weit dramatischer auswirken. Abtreibungsbefürworter argumentieren daher, eine Frau müsse das Recht haben, eine ungewollte Schwangerschaft zu beenden. Dieses Recht kann sie aber nur haben, wenn das ungeborene Kind keine Rechte hat. Also wird apodiktisch verkündet, es habe keine. So einfach ist das.

Nein, so einfach ist das natürlich nicht. Eigentlich sollte man davon ausgehen, dass die schwangere Frau selbst am besten weiß (und nicht nur weiß, sondern spürt), dass das, was da in ihrer Gebärmutter heranwächst, keine Qualle, kein Alien und kein Tumor ist, sondern ein Mensch, ein Kind - ihr Kind. Ihr einreden zu wollen, sie habe das Recht, dieses Kind töten zu lassen, um ihren Körper wieder für sich allein zu haben, kann man im Grunde nur als brutale Gehirnwäsche beschreiben. Abtreibungsbefürworter behaupten (und glauben vielleicht sogar selbst), sie verträten die Interessen der Frauen. Das ist nicht wahr. Wer einer Frau, die sich durch eine ungewollte Schwangerschaft in einer Notlage sieht, die Abtreibung als vermeintlich einfachste Lösung anbietet, vertritt damit allenfalls die Interessen einer kinderfeindlichen Gesellschaft - und trägt aktiv zur gesellschaftlichen Desolidarisierung bei: Je mehr sich die Auffassung durchsetzt, Abtreibung sei legitim und unproblematisch, umso weniger werden beispielsweise kinderreiche Familien mit niedrigem Einkommen, alleinerziehende Mütter oder Eltern behinderter Kinder auf die Unterstützung ihrer Mitmenschen rechnen können: Man wird ihnen sagen, sie seien ja selbst schuld, sie hätten ja abtreiben können.

Damit nicht genug: Die beharrliche Leugnung des Umstands, dass bei einer Abtreibung ein Mensch getötet wird, beraubt die Frauen, die abgetrieben haben, obendrein noch der Möglichkeit, um ihr Kind zu trauern - es war ja angeblich gar keins - oder Reue zu empfinden. Verfechter eines "Rechts auf Abtreibung" werden zweifellos argumentieren, es sei geradezu ein Gebot der Humanität, bei den betreffenden Frauen möglichst keine Schuldgefühle aufkommen zu lassen. Aber das ist absurd. Schuld verschwindet schließlich nicht dadurch, dass man sie leugnet. Es dennoch zu versuchen, kann im Grunde nur zu psychischen Deformationen führen.

Es ist äußerst bezeichnend, dass - wie die Videos des Center for Medical Progress dokumentieren - der an die abtreibungswilligen Frauen herangetragene Vorschlag, sie könnten Körperteile ihrer getöteten Kinder für die Forschung spenden, nach Einschätzung der Planned Parenthood-Mitarbeiterinnen auch dazu beiträgt, eventuell noch vorhandene Gewissensbisse der Schwangeren zu beschwichtigen: Ihnen wird das Gefühl vermittelt, sie täten etwas Gutes. Es ist anzunehmen, dass eventuellen Gewissensbissen der Mitarbeiter mit denselben Argumenten begegnet wird.

Denn, sagen wir es gerade heraus: Wenn es der Abtreibungslobby schon gelingt, Mütter - deren natürlicher Instinkt sie normalerweise dazu drängen würde, das Leben ihrer Kinder, selbst um den Preis des eigenen Lebens, zu beschützen - so zu manipulieren, dass sie der Tötung ihrer ungeborenen Kinder zustimmen bzw. diese sogar selbst verlangen, dann muss man sich erst recht nicht mehr wundern, wenn anderen Menschen jegliche Empathie für die wehrlosen Opfer abhanden kommt - wenn sich Stimmen zu Wort melden, die voller Überzeugung erklären, sie verstünden die ganze Aufregung nicht, Planned Parenthood tue doch gar nichts Verkehrtes, im Gegenteil, es diene doch alles nur dem medizinischen Fortschritt. Wenn man in den Videos sieht, wie Mitarbeiter von Planned Parenthood die Leichenteile der abgetriebenen Babys nach verwertbaren Organen durchstöbern oder beim Mittagessen entspannt darüber plaudern, wie man die Prozedur der Abtreibung so modifizieren kann, dass die wertvollen Teile möglichst intakt bleiben, dann drängt sich Hannah Arendts Begriff der "Banalität des Bösen" auf. Das Schema ist bekannt: Mit denselben manipulativen Winkelzügen, mit denen die Machenschaften von Planned Parenthood gerechtfertigt werden - zum Einen: Dehumanisierung der Opfer; zum Anderen: Berufung auf einen guten bzw. 'höheren' Zweck - kann man Menschen, die privat durchaus keine gefühllosen Monster sein müssen, auch dazu bewegen, beispielsweise Folter, terroristische Akte, Kriegsverbrechen oder Völkermord gutzuheißen oder sich sogar ohne erkennbare Gewissensnöte aktiv daran zu beteiligen.

Zur medizinischen Forschung sollen die Organe der Abtreibungsopfer verwendet werden, heißt es. Der Entwicklung von Medikamenten (z.B.) gegen Parkinson und Alzheimer sollen sie dienen. Wie man so hört und liest, können "fötale Zellen" allerdings auch noch zu ganz anderen Zwecken und für ganz andere Produkte verwendet werden. Zum Beispiel zur Herstellung künstlicher Aromen in Nahrungs- bzw. Genussmitteln, zur Herstellung von Kosmetika oder, besonders makaber, für Anti-Aging-Produkte. Die Vorstellung von Menschen, die ihre schwindende Schönheit und Jugend gewissermaßen mit dem Blut der Ungeborenen zu konservieren versuchen, mutet ja geradezu an wie eine aktualisierte Fassung einer Horrorgeschichte aus dem 19. Jahrhundert. -- In den 1970er Jahren gab es eine Welle dystopischer Filme, die zeigten, wie in einer nicht allzu fernen Zukunft Menschen industriell zu Nahrungsmitteln verarbeitet werden, wie Menschen als "lebende Ersatzteillager" für Spenderorgane gezüchtet werden, oder wie auf andere Weise der Lebensstandard eines Teils der Menschheit durch die organisierte Tötung anderer Menschen aufrecht erhalten wird: Soylent Green ("...Jahr 2022...die überleben wollen", 1973, Regie: Richard Fleischer), Logan's Run ("Flucht ins 23. Jahrhundert", 1976, Regie: Michael Anderson), Coma (1978, Regie: Michael Crichton), Parts: The Clonus Horror ("Saat des Wahnsinns", 1979, Regie: Robert S. Fiveson) - letzteres ein eher obskurer Trash-Film, der jedoch als (ungenannte) Vorlage für den sehr viel erfolgreicheren Film The Island ("Die Insel", Regie: Michael Bay) von 2005 diente. Heute könnte man den Eindruck haben, diese Schreckensvisionen seien längst Wirklichkeit geworden - der große Aufschrei jedoch bleibt aus. Haben wir schon so sehr die Sensibilität für die Heiligkeit des Lebens und die unbedingte Würde des Menschen verloren?

Ich jedenfalls werde auch dieses Jahr wieder - am Samstag, dem 19. September - zum Marsch für das Leben gehen, trotz aller Anfeindungen. Weil es, was auch immer die Gegner sagen mögen, keine Demonstration gegen Frauenrechte, gegen sexuelle Selbstbestimmung oder für eine nativistische Bevölkerungspolitik ist. Sondern eine Demonstration für das Lebensrecht aller Menschen. Nie war es wichtiger als heute, für dieses Recht einzustehen.


Kommentare:

  1. Sorry, es ist nicht die böse "Abtreibungslobby", wer immer das auch sein mag, der Mütter dazu drängt, ihre "natürlichen Instinkte" (die auch nicht notwendigerweise so existieren) der Mutterliebe zu verdrängen. Frauen haben in empfundenen Notlagen abgetrieben, in denen darauf Todesstrafe stand bzw. in denen die Methoden tatsächlich tötlich unsicher für die Mutter waren. Eine enge Bindung entsteht oft erst, wenn das Kind geboren ist in den ersten Stunden nach der Geburt, manchmal auch sehr viel später. Das Ganze ist immer ein ethischer Graubereich und auch amibvalent für die Mutter - gestern sprach ich mit einer Frau, die mir erzählte, sie hatte mit 23 eine Abtreibung. Im Prinzip war sie mit der Entscheidung zufrieden (ich habe mich in einer ähnlichen Situation gegen eine Abtreibung entschieden, verstehe aber ihre Beweggründe), weil ihr das viele Lebenswege offengehalten hat; aber manchmal, sagte sie, bereue ich es doch. Das halte ich für eine recht übliche Reaktion. Hätte die selbe Frau das Kind dringend, dringend erwünscht und sie hätte statt einer Abtreibung eine Fehlgeburt gehabt, würde sie sicher heute (20 Jahre später) wesentlich stärker darunter leiden. Ausschlaggebend für das Gefühl der Frau ist also m. Erachtens nach, ob sie den Embryo als "Kind" sieht oder eben als "zukünftigen Menschen". als Chance oder als Hindernis. Und wer den Embryo als "zukünftigen Menschen" und Hindernis empfindet, der braucht keine "Abtreibungslobby", die ihm irgendetwas einflüstert, der entscheidet selbst, auch, wenn das Risiko für ihn selbst sehr hoch ist.

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    1. Das Problematische an dieser Argumentation ist, dass sie das Lebensrecht des ungeborenen Kindes eben doch wieder zur Ermessenssache der schwangeren Frau erklärt. Das mag sehr pragmatisch gedacht sein (zumal man eine Frau in letzter Konsequenz ja nicht dazu zwingen kann, eine Schwangerschaft gegen ihren Willen auszutragen), aber ethisch und rechtsphilosophisch ist das ein Unding. Entweder das ungeborene Kind *hat* ein Recht auf Leben, oder es hat keins.

      (Man könnte auch mal darüber reden, ob es nicht eigentlich eine Überforderung darstellt, der Schwangeren die alleinige Verantwortung für diese Entscheidung zuzuschreiben. Umso mehr, wenn sie sich aufgrund einer ungewollten Schwangerschaft in einer Konfliktsituation befindet.)

      Dass es Abtreibungen auch früher schon gab, als sie noch streng bestraft wurden, ist mir natürlich bekannt. Aber wofür soll das ein Argument sein? Was es früher *nicht* gab, ist die Behauptung, Frauen hätten ein *Recht* dazu (oder *sollten* es haben). Und das ist es, was ich der "Abtreibungslobby" vorwerfe: dass sie das Unrechtsbewusstsein unterminiert. Aber im Grunde habe ich dazu schon alles gesagt.

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    2. "Man könnte auch mal darüber reden, ob es nicht eigentlich eine Überforderung darstellt, der Schwangeren die alleinige Verantwortung für diese Entscheidung zuzuschreiben. Umso mehr, wenn sie sich aufgrund einer ungewollten Schwangerschaft in einer Konfliktsituation befindet."

      Was leistet denn ihrer Meinung nach die ergebnisoffen geführte Schwangerschaftskonfliktberatung (mit Schein)?

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    3. Nun ja: Was sie tatsächlich leistet, das ist nach allem, was ich über solche Beratungen gehört habe, ein eher trauriges Kapitel. Was sie leisten *sollte*, ergibt sich recht eindeutig daraus, warum die Beratungspflicht ins Gesetz aufgenommen wurde: Nämlich weil das Bundesverfassungsgericht beanstandet hatte, bei einer reinen Fristenregelung werde das ungeborene Leben nicht ausreichend geschützt. Das heißt, die Beratung soll ausdrücklich dazu dienen, das ungeborene Leben zu schützen. Insofern empfinde ich den Begriff einer "ergebnisoffenen" Beratung als problematisch. Natürlich ist das Ergebnis jeder einzelnen Beratung insofern "offen", als es de facto verschiedene mögliche Ergebnisse gibt. Das *Ziel* der Beratung sollte jedoch eindeutig sein - nämlich, den betroffenen Frauen Alternativen zu einer Abtreibung aufzuzeigen und sie dazu zu ermutigen, sich *für* das Leben des Kindes zu entscheiden. Natürlich wird dieses Ziel nicht immer erreicht werden, aber wenn es noch nicht einmal *angestrebt* wird, ist die Beratungspflicht eine nutzlose Formalität.

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  2. Sie haben es ja selbst sehr gut auf den Punkt gebracht: "Dieses Recht kann sie aber nur haben, wenn das ungeborene Kind keine Rechte.." Allerdings vergessen Sie dabei, dass das Ganze auch umgekehrt gilt. Und genau das ist das Problem der "Personhood" Idee wie sie jetzt aus den USA langsam rüberschwappt. Aufgrund der unvergleichbaren Situation und Symbiose zwischen Mutter und Kind und aufgrund der Tatsache, dass Rechte eben nicht beliebig teilbar sind können Sie dem einen nur die Rechte geben, die sie dem anderen wegnehmen. Im Konfliktfall bedeutet das eben, dass sie Frauen im Allgemeinen und schwangere Frauen im Besonderen zu Menschen zweiter Klasse erklären. Und genau darum geht es auch beim "Marsch für das Leben".

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    1. Diese Aussage ist derart bizarr, die lasse ich einfach mal so stehen.

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    2. Ich bin also z.B. beim Autofahren ein "Mensch zweiter Klasse", weil es mir nicht erlaubt ist wann ich will über den Zebrastreifen zu fahren und dabei mit Absicht einen Menschen zu überfahren.

      Logisch!

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    3. Ich frage mich woher Ihre scharfe Reaktion kommt, Sie schreiben ja im Absatz zuvor genau das selbe: "Man könnte auch mal darüber reden, ob es nicht eigentlich eine Überforderung darstellt, der Schwangeren die alleinige Verantwortung für diese Entscheidung zuzuschreiben. Umso mehr, wenn sie sich aufgrund einer ungewollten Schwangerschaft in einer Konfliktsituation befindet." Dieses Thema findet man ja in der Diskussion immer wieder - hier besonders lieb und menschenfreundlich verpackt. Letztlich läuft es aber darauf hinaus, dass man Frauen in diesen Konfliktsituationen gewissenmaßen entmündigen will. Und ihr durch Andere vorschreiben lassen will, was für sie zumutbar ist und was nicht. Wohin das führt hat man ja in Memmingen gut gesehen als Frauen vor Gericht verhöhnt, gedemütigt und zusammengeschrien wurden wie zu Freislers Zeiten.

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    4. Fanden Sie meine Reaktion scharf? Ich würde sie eigentlich als nüchtern und sachlich bezeichnen, aber das liegt wohl im Auge des Betrachters. Jedenfalls wiederhole ich Ihnen gern, dass ich die Aussage bizarr finde, Frauen würden dadurch zu "Menschen zweiter Klasse", dass man ihnen nicht zugesteht, ihr Recht auf "Selbstbestimmung" so weit auszudehnen, dass sie über Leben oder Tod eines *anderen* Menschen verfügen dürften.
      Ich räume ein, dass es Konfliktfälle gibt, in denen man zwischen dem Recht der schwangeren Frau und dem Recht des ungeborenen Kindes abwägen muss. Dass dabei "durch Andere vorgeschrieben" wird, was zumutbar ist und was nicht, ist eine rechtsstaatliche Normalität, die durchaus nicht nur Schwangerschaften und somit auch nicht nur Frauen betrifft.

      Im Übrigen gebe ich zu bedenken, dass Nazivergleiche stets eine gewisse Gefahr der Relativierung des NS-Terrors in sich bergen.

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  3. http://www.sueddeutsche.de/panorama/usa-amoklauf-in-frauenklinik-1.2759576

    Noch Fragen, Schützenverein?

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  4. >>klingt wie die moderne Fortsetzung einer Horrorgeschichte...

    Präziser: das ist genau das Prinzip des Vampirismus.

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