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Samstag, 27. April 2019

Postchristliche Wellness-Spiritualität für Besserverdienende

Hatte ich nicht schon zu Beginn der diesjährigen Fastenzeit in Aussicht gestellt, etwas über die "Klimafasten"-Aktion "So viel du brauchst..." - eine gemeinsame Initiative von elf evangelischen Landeskirchen sowie den Diözesanräten der katholischen Bistümer Hildesheim, Berlin und Passau - zu schreiben? In der Tat, das hatte ich -- allerdings mit der Einschränkung, ich würde es vielleicht doch bleiben lassen. Und genau dieses "Vielleicht" hat mich über die letzten Wochen konstant begleitet, mit beständigem Pendeln zwischen "vielleicht doch" und "vielleicht doch nicht". Zunächst tendierte ich eher dazu, es zu lassen. Schließlich habe ich bereits 2015 über den "Ökumenischen Pilgerweg für Klimagerechtigkeit" vom Leder gezogen, und wie viel mehr als das kann man sinnvollerweise dazu sagen? Dann allerdings teilte mir eine katholische Freundin auf digitalem Wege ihre Eindrücke vom Flyer der "Soviel du brauchst"-Aktion mit, und das brachte dann doch einige interessante Denkanstöße. Andererseits begegnet mir in den Weiten des Internets, insbesondere auf Facebook, immer wieder ein Typus konservativer Katholiken, die aus lauter Grimm über die "Klimareligion" ihre Plastikverpackungen absichtlich in den Restmüll werfen und hinter jedem Aufruf zur Bewahrung der Schöpfung gleich Häresie, Apostasie und Schisma wittern, und mit diesen Leuten möchte ich ja nun nicht verwechselt werden. Zwischenzeitlich hatte ich sogar mit dem Gedanken gespielt, diese Zielgruppe so richtig zu ärgern, indem ich etwas Positives über diese Klimafastenaktion schreibe. Aber das gibt sie beim besten Willen nicht her. Hinzu kam, dass ich mich angesichts mancher allzu anbiederischer Äußerungen aus Kirchenkreisen - auch und nicht zuletzt von Bischöfen - eines gewissen Maßes an Verständnis für die Fraktion der "Klimareligions"-Verächter denn doch nicht erwehren konnte und kann. 

Kurz und gut, nach allerlei Abwägen war ich schon drauf und dran, das Thema schließlich doch fallen zu lassen, da stellte ich fest, dass die "So viel du brauchst..."-Broschüre auch im Vorraum "meiner" Pfarrkirche auslag. Das ist ein Zeichen!,  sagte ich mir und nahm ein Exemplar mit nach Hause. 


Und was sollen wir nun dazu sagen? -- Darüber, ob und inwieweit diese "Klimafasten"-Aktion in einem Zusammenhang mit dem christlichen Glauben steht, braucht man glücklicherweise nicht lange zu sinnieren, denn das steht explizit im Einleitungstext der Broschüre: 
"Mit dieser Fastenaktion stellen wir uns in die christliche Tradition, die in der Zeit vor Ostern des Leidens gedenkt und bewusst Verzicht übt, um frei zu werden für neue Gedanken und andere Verhaltensweisen." 
Äh. Das soll "die christliche Tradition" sein? Wohl eher nicht, aber man muss mit der Möglichkeit rechnen, dass die Verantwortlichen für diese Broschüre den Unterschied tatsächlich nicht (er)kennen. Besonders bezeichnend finde ich die Formulierung, zur christlichen Tradition gehöre es, "in der Zeit vor Ostern des Leidens [zu] gedenk[en]". Ja schon, aber welches Leidens? Die richtige Antwort müsste natürlich lauten: des Leidens Christi. Aber offenbar ist die Klimafasten-Aktion derart beflissen, als weltoffen und undogmatisch 'rüberzukommen, dass man sich sogar scheut, Jesus Christus beim Namen zu nennen. Und so verwandelt sich das Gedächtnis Seines heilbringenden Leidens und Sterbens schwuppdiwupp in ein irgendwie schwammiges Gedenken des Leidens schlechthin, oder im Kontext des Klimaschutzes wohl am ehesten des Leidens von Mutter Erde. "Wenn wir nicht spüren, die Erde, sie weint wie kein and'rer Planet, dann haben wir umsonst gelebt", dichtete Drafi Deutscher schon während einer früheren Hochphase der Ökologiebewegung, in den frühen 1980-ern. 

Aber im Grunde ist die zitierte Passage aus der Broschüren-Einleitung ja entwaffnend ehrlich, indem sie zu verstehen gibt: Um christlichen Glauben geht es hier nicht, sondern die Traditionen des Christentums werden lediglich als Material aufgefasst, dessen man sich bedient. Man greift sich nach Bedarf einzelne Versatzstücke heraus und füllt sie mit neuen Inhalten. Wobei, und das ist der Witz, der Inhalt letztlich genauso beliebig ist wie die Form. Okay, das bedarf nun aber wohl doch einer genaueren Erklärung. 

Die Kerngedanken des Konzepts "Klimafasten" werden gleich am Anfang der Broschüre in farbigem Fettdruck hervorgehoben: Die Aktion soll "Leib und Seele gut [tun]", es geht um "Spüren und erleben" mit "Herz, Hand und Verstand", zusammenfassend gesagt also um Selbstoptimierung durch spirituelle Wellness. Das erklärte Ziel aller spirituellen Wellness-Angebote ist es, im Einklang mit dem Kosmos zu sein, was in unserer egozentrischen Kultur allerdings vorrangig heißt: im Einklang mit sich selbst

Im Grußwort von EKD-Synoden-Präses Dr. Irmgard Schwaetzer und "ZdK"-Vizepräsidentin Karin Kortmann wird zwar auf die Enzyklika "Laudato si'" von Papst Franziskus Bezug genommen, allerdings lediglich zur Untermauerung der Wohlfühl-Message, ein "achtsame[r] und genügsame[r] Lebensstil" müsse "kein schmerzlicher Verzicht sein", sondern könne sogar "eine Intensivierung von Leben" bedeuten. Inhaltlich bin ich da übrigens durchaus d'accord. Unter den in der Broschüre versammelten Anregungen dazu, was man im Rahmen der Aktion "So viel du brauchst..." so alles Tolles machen könnte, findet sich so Manches, was ähnlich auch in der "Benedikt-Option" oder, for that matter, in "Crunchy Cons" stehen könnte. So zum Beispiel die Anregung, "mal wieder Kniffel, Scrabble oder Memory" zu spielen, "statt am Fernseher oder PC zu sitzen". Oder auch selbst zu kochen, regional und saisonal einzukaufen, sich zu informieren, "ob es in meiner Nähe direktvermarktende Bauernhöfe gibt". Auch zu erwägen, ob Lebensmittel, die man im Kühlschrank oder in der Speisekammer hat, "trotz vielleicht abgelaufenem Mindesthaltbarkeitsdatums noch genießbar" sein könnten, findet meine Zustimmung; sich die Hände mit kaltem Wasser zu waschen, ebenso. Dass es manchem Leser der Broschüre indes gehen dürfte wie dem reichen Jüngling, der zu Jesus sagt "Alle diese Gebote habe ich befolgt. Was fehlt mir noch?" (Matthäus 19,20), steht auf einem anderen Blatt, aber die gehören dann wohl einfach nicht zur angepeilten Zielgruppe; darauf komme ich noch. Was an dieser Broschüre jedenfalls schon auf den ersten Blick gar förchterlich nervt, ist der Umstand, dass durchaus vernünftige Vorschläge darin partout mit salbungsvollem Esoterik-Geschwalle schmackhaft gemacht werden sollen; die Empfehlung, Kuchenteig "von Hand" zu rühren und Treppen zu steigen "statt Lift zu fahren", wird beispielsweise damit begründet, dass man so "der eigenen Kraft nach[spüren]" könne. 

Ebenso charakteristisch für das ganze Konzept ist es, dass die ganzen in der Broschüre aufgeführten Möglichkeiten, die persönliche Ökobilanz zu verbessern, als lifestyle choices präsentiert werden, die man jeweils mal für eine Woche ausprobieren und dann entscheiden kann, ob sie zur eigenen Wunsch-Personality passen. Der Adressat der Broschüre wird im Grunde zu einer Shopping-Tour in der Klimaschutz-Boutique eingeladen -- mit Rückgaberecht. Besonders aufgemerkt habe ich beim Wochenmotto "plastikfreies Leben", und zwar deshalb, weil eine Schulfreundin von mir, die jetzt in unserer gemeinsamen Heimatstadt als Buchhändlerin tätig ist und in derselben Reihenhaussiedlung wohnt wie meine Mutter, seit einigen Monaten das Projekt verfolgt, in ihrem Privathaushalt so weitgehend wie möglich auf Plastikverpackungen zu verzichten, worüber die Lokalpresse und andere Medien berichtet haben. Daher weiß ich, wie anspruchsvoll es ist, das wirklich konsequent durchzuziehen. Es erfordert eine wirklich durchgreifende Veränderung des Konsumverhaltens, bis hin dazu, Produkte, die es ohne Plastikverpackung nicht zu kaufen gibt, durch solche zu ersetzen, die man selbst herstellen kann. Das ist nichts, was man mal eben so für eine Woche ausprobiert.

Das Beispiel macht, denke ich, den mangelnden Ernst der ganzen Angelegenheit hinreichend deutlich. Es geht letztendlich gar nicht ums Klima, es geht lediglich darum, dass Klimaschutz bzw. "Klimagerechtigkeit" (überhaupt ein bescheuertes Schlagwort, nebenbei bemerkt) gerade im Trend liegt, und indem man diesen Trend aufgreift, hofft man "gesellschaftliche Relevanz" - oder das, was gemeinhin unter dieser Bezeichnung verstanden wird - simulieren zu können. Weil man ja irgendwie mitspielen muss auf dem großen Markt der Spiritualitäts- und Lebenshilfeangebote. Wenn das öffentliche Interesse am Thema Klimaschutz irgendwann wieder nachlässt, dann macht man halt was anderes. Der Opportunismus, der hinter dieser Marketingstrategie steckt - das völlige Fehlen jedweder echter Überzeugung, sei es nun eine christliche oder was auch immer sonst für eine -, ist mit Händen zu greifen. Es geht nur noch darum, die Zielgruppe irgendwie bei der Stange zu halten. Wie ich an anderer Stelle schon mal schrieb: 
"Wenn die Marktforschung herausfindet, dass immer weniger Brot und immer mehr Nudeln gegessen werden, dann muss die Bäckerei halt Nudeln verkaufen, um sich auf dem Markt zu halten. Why not? Opel hat auch zuerst Nähmaschinen hergestellt." 
Dass es sich bei der angepeilten Zielgruppe der Aktion vorrangig um Besserverdienende handelt, wird nicht nur, aber besonders beim Thema Mobilität (Wochenmotto "anders unterwegs sein") deutlich. Da wird man beispielsweise aufgefordert, sich "endgültig gegen eine Flugreise im Sommer" zu entscheiden. Na hallo. Ich habe, wenn ich mich recht erinnere, in meinem ganzen Leben erst viereinhalb Flugreisen unternommen (bei der "halben" bin ich nur auf dem Hinweg geflogen und habe für den Rückweg die Bahn genommen). Aber wenn man von vornherein nicht in Erwägung zieht, im Sommer per Flugzeug zu verreisen, kann man sich halt auch nicht bewusst dagegen entscheiden und bekommt somit auch kein goldenes Sternchen. Ebenso kann jemand, der - wie ich - kein Auto hat, sich nicht bewusst dafür entscheiden, es mal nicht zu benutzen. -- Bei dem Vorschlag, mal ein "E-Bike" oder gar ein "E-Lastenrad" auszuprobieren, habe ich das "E" zunächst schlicht überlesen. Weil, mal ehrlich, was soll der Scheiß? Wieso nicht lieber der eigenen Kraft nachspüren und selber in die Pedale treten? Meine Liebste zum Beispiel hat in dieser Fastenzeit tatsächlich mal ein Lastenfahrrad probegefahren, und wenn ich mich nicht irre, war das sogar (wenn auch unabsichtlich) in genau der Woche, in der "anders unterwegs sein" auf dem Klimafasten-Programm stand. Für das Lastenfahrrad interessierte sie sich hauptsächlich in Hinblick auf ihre Foodsaving-Aktivitäten. Oh, noch mehr goldene Sternchen für unsere persönliche Ökobilanz. Schließlich meinte sie aber doch, der Kinderwagen reiche als Transportmittel aus. Aber à propos Kinderwagen...: Ich habe insgesamt den zugegeben etwas vagen Eindruck, dass die ideale Zielgruppe dieser "Klimafasten"-Aktion sowieso keine Kinder haben. Und das gar nicht mal unbedingt deshalb, weil Fortpflanzung, wie wir in jüngster Zeit wiederholt zu hören bekommen haben, der Klimakiller Nummer 1 ist; sondern ganz einfach deshalb, weil viele der in der Broschüre vorgeschlagenen Handlungsoptionen für Singles oder kinderlose Paare erheblich leichter realisierbar sein dürften als für Familien mit Kindern. Kinder zu haben ist gewissermaßen die eine lifestyle choice, die die Auswahl an ansonsten noch zur Verfügung stehenden lifestyle choices radikal reduziert. Deshalb sind, obwohl (oder gerade weil) Kinder eine Menge Geld kosten, Kinderlose die "besseren" - weil spontaneren, flexibleren und vielseitigeren - Konsumenten; und "Konsum-Fasten" funktioniert nun mal umso besser, je mehr man normalerweise konsumiert. 

In diesem Zusammenhang fällt es übrigens auf, dass der gesamte Wellness-Markt eine Tendenz dazu hat, sich auf Kinderlose als Zielgruppe zu konzentrieren. Es gibt kinderfreie Hotels und Restaurants, kinderfreie Strände, kinderfreie Bäder -- wen wundert es da, wenn sich auch ein Trend zu kinderfreien Kirchen abzeichnet? Kaum etwas stört die Harmonie des spirituellen Egozentrikers mit dem Kosmos, also sich selbst, so sehr wie die ungestüme Lebendigkeit von Kindern. 

Übrigens liegt es wahrscheinlich schlichtweg in der Natur der Sache, dass eine steuerfinanzierte Kirche in Zeiten sinkender Mitgliedszahlen ihre Kundenbindungsstrategien auf solche Zielgruppen konzentriert, von denen ein hohes Steueraufkommen zu erwarten ist -- also die höheren Einkommensklassen, und unter diesen insbesondere Singles und kinderlose Doppelverdiener. Dass übrigens Homosexuelle ein wichtiges Teilsegment dieser hochgradig werberelevanten Zielgruppe darstellen, haben "weltliche" Marketingstrategen schon vor Jahrzehnten erkannt, und auch "bei Kirchens" kommt diese Erkenntnis mehr und mehr an. Aber das mal nur am Rande. 

Jedenfalls tut man gut daran, sich bewusst zu machen, dass Pastoralstrategen, wenn sie davon sprechen, man müsse Angebote für "die Menschen von heute" machen, dabei stets ganz bestimmte "Menschen von heute" im Auge haben, nämlich solche, die sie als eine lohnende Zielgruppe ansehen. Nicht umsonst finden in der Pastoraltheologie des 21. Jahrhundert verstärkt Methoden aus dem Bereich der Marktforschung Anwendung. Wenn die sogenannte "milieusensible Pastoral" eine Dominanz des "bürgerlich-konservativen" Milieus in den Kirchengemeinden beklagt und dieser entgegenwirken will, dann in erster Linie deshalb, weil dieses Milieu im Schwinden begriffen ist und die "Neue Mitte" - wie Gerhard Schröder schon 1998 proklamierte - eher nach links tendiert, im Biosupermarkt einkauft und ihre Kinder gendersensibel erzieht. Aber so oder so, von einem in gewissem Sinne "gutbürgerlichen" - nämlich am gesellschaftlich-kulturellen Mainstream orientierten - Selbstbild kommen die Kirchenfunktionäre nicht weg. 

Das ist mir neulich noch in einem anderen Kontext aufgefallen, nämlich anhand der Veranstaltungsreihe "Kieztouren mit Herz" im Erzbistum Berlin. Demnächst, am 4. Mai, geht es in dieser Reihe um das Thema "Leben im Gefängnis", und ich habe über den Presseverteiler des Erzbistums eine Einladung zu dieser Veranstaltung bekommen: 
"In der ersten Etappe fragen wir uns: Was passiert mit den Menschen dort drin? Wir hören persönliche Erfahrungen [...]. Bei einer so genannten Ausführung, bei der Inhaftierte begleitet von JVA-Personal das Gefängnis verlassen können, begegnen uns ihre Lebensläufe und Gedanken." 
Das ist (vermutlich) alles total gut gemeint, aber mir rollen sich bei dieser "Wir vs. die Anderen"-Diktion die Fußnägel auf. Die Anderen, das sind die Gefängnisinsassen, die von den unbescholtenen Bürgern bestaunt werden wie exotische Tiere im Zoo. Gewiss, man will den Häftlingen nur Gutes, aber als einen Teil von "Uns" betrachtet man sie nicht; "Wir", das sind ausschließlich die Anständigen, für die es vollkommen undenkbar ist, dass sie oder jemand aus ihrer Familie oder ihrem Bekanntenkreis in den Knast kommen könnten. Ich bin mir sicher, den Verantwortlichen sind diese Implikationen des Texts überhaupt nicht bewusst; aber genau das ist der Kern des Problems. Mitte September gibt es übrigens eine Kieztour zum Thema "Leben als Sexarbeiterin". Ich will mich gar nicht lange damit aufhalten, mich über die Verwendung des beschönigenden, die Prostitution als vermeintlich "ganz normalen Beruf" verharmlosenden Begriffs "Sexarbeiterin" aufzuregen; sehr wohl möchte ich aber die Frage in den Raum stellen, ob wir den braven Bürgerlein, die auf Einladung von Erzbistum, Caritas und KDFB an dieser Veranstaltung teilnehmen, wirklich abkaufen wollen, dass sie noch nie in ihrem Leben mit Prostituierten zu tun hatten. 

Okay, zugegeben, ich reagiere in dieser Angelegenheit ziemlich unwirsch. Aber das hat Gründe. Dieser Mief der bürgerlichen Wohlanständigkeit, den es, wie man sieht, sowohl in einer "konservativen" als auch in einer "progressiven" Duftnote gibt, hat erheblichen Anteil daran gehabt, mich von meinen späten Teenagerjahren an für rund ein Jahrzehnt effektiv aus der Kirche zu vertreiben. Der Widerspruch zwischen einer Kirche, in der es anscheinend vor allem darauf ankam, gut angezogen zu sein und sich gut zu benehmen, und einem Jesus, der auf Erden als "Freund von Zöllnern und Sündern" (Lukas 7,34) verschrieen war und den Hohepriestern und Ältesten des Volkes auf den Kopf zusagte "Die Zöllner und die Dirnen gelangen eher in das Reich Gottes als ihr" (Matthäus 21,31), sagte mir deutlich, dass mit dieser Kirche etwas faul ist. Ich möchte wetten, so wie mir damals geht es zahlreichen kirchlich sozialisierten Jugendlichen und jungen Erwachsenen bis heute. Und nicht alle - längst nicht alle - finden den Weg zurück.



Kommentare:

  1. Ich sage mal so, als Allergikerin, die eine sehr empfindliche Haut hat und deshalb immer auf der Suche nach Klamotten aus reiner Naturfaser ist, und deshalb weiß wieviel Plastik in den Klamotten selbst dann drin ist, wenn da 100% reine Baumwolle draufsteht, finde ich das ganze PLastikfastengedöns aus der Abteilung "Ihr siebt Mücken aus und verschluckt Elefanten!".
    Es ist einfach eine reine Wellnessangelgenheit.
    Im übrigen habe ich mich damals, als der "Gelbe Punkt" eingeführt wurde, sehr engagiert.
    Die Sache war die, die haben hier einfach Container hingestellt, die Leute haben ihren ganze Sperrmüll und sonstigen Müll darein, die Stadt holte deshalb nicht ab, der Müll quoll über, die Ratten liefen am helligsten Tag auf dem Spielplatz herum......weil wir das nicht so prickelnd fanden haben wir Mütter beschlossen da aktiv zu werden.
    Wie kannten am Schluss den Amtsleiter persönlich und hatten beständig Kontakt mit den eingestellten "Abfallberatern" und auch sonst eine Menge Wirbel veranstaltet, der schlussendlich auch halbwegs erfolgreich war. Aber die Sache war die, dass uns immer wieder hoch und heilig versichert wurde, dass das ganze Plastik und auch die Metalle sicher recycelt würden und anderslautende Meldungen (der Müll wird ins Ausland verkauft, die kippen den ins Meer..) nichts wie böse Gerüchte wären.
    Auf Verständnisfragen meinerseits (wie es denn physikalisch, chemisch gehen soll, den nicht sortenreinen Müll der dazu noch Anhaftungen vom Inhalt hat, wieder in seine Komponenten zu zerlegen u.ä.) wurde mir gesagt, ich sei da falsch informiert, das ginge total easy, alle Plastikblumentöpfe seinen sicher aus Recycelplastik z.B desgleichen Beeteinfassungen und überhaupt man könne das alles machen.
    Um es kurz zu machen, wenn ich jetzt die ganzen Heulartikel über das viele, viele Plastik mit dem man nix machen könne, das die Weltmeere verschmutze, lese, so fühle ich mich an damals erinnert und immer noch vera......
    Ich vermisse in der ganzen Debatte Sachlichkeit und denke es wäre Aufgabe der Kirchen genau das einzufordern, einfach damit man weiß woran man ist

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    1. Zum Thema Plastik: In unserem kleinen Frischmarkt ist so gut wie alles in Plastik eingewickelt, selbst der Marktleiter läuft in Plastikschuhen durch die Lebensmittelabteilung und kontrolliert die Plastikverpackungen um den Salat aus Spanien. Auch die Karossen, mit dem die Mehrheit der Kunden ihre in Kunststoffen verpackten Lebensmittel kaufen, bestehen hauptsächlich aus Plastik. Die Tastatur auf der ich schreibe, der Bildschirm auf den ich schaue und das Weihwasserbecken, wo ich allenthalben mein Weihwasser schöpfe um mich zu bekreuzigen: Plastik. Plastik gehört zum Leben wie die Sonne dazu gehört den Tag zu beleuchten und der Mond die Nacht. Plastik zu reduzieren hat nur eine Folge: Es wird mehr produziert.

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  2. Das biedere, anständige Christentum... mir schwebt sein gestern, als ich diesen Eintrag las, eine Anekdote durch den Kopf.

    Während ich in den Südstaaten in den USA studierte, arbeitete ich eine Zeit lang ehrenamtlich in einem Obdachlosentreffpunkt. Wäsche waschen, Spenden sortieren, Duschmarken austeilen, usw. Eines Tages saß ich am Empfang und musste die Leute, die reinkommen wollten, in meine Liste eintragen. Ein Pfarrer aus einer evangelikalen Gemeinde kam durch die Tür und fragte mich, ob er drinnen eine Veranstaltung ankündigen durfte. Kaum war er im Raum, fing er an, mit einer wahrlich beeindrückenden Predigerstimme vom "Fest der Liebe", zu dem alle Anwesenden herzlich eingeladen waren (und damit war tatsächlich ein kostenloses Abendessen gemeint), zu reden, bis der Direktor aus seinem Büro kam, um zu sehen, was das für Lärm war.

    Ich muss daran denken, weil ich damals irgendwie peinlich berührt war, aber eigentlich muss ich den Hut vor seinem Mut und seiner Direktheit ziehen. Nichts mit einer schön sicher abgegrenzten, sterilen Begegnung mit den Armen - der Mann ist einfach hin und hat alle eingeladen.

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